{"id":100503,"date":"2025-02-24T16:54:54","date_gmt":"2025-02-24T15:54:54","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=100503"},"modified":"2025-04-11T09:10:38","modified_gmt":"2025-04-11T07:10:38","slug":"nietzsches-antichristentum-und-das-christentum-nach-nietzsche","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/nietzsches-antichristentum-und-das-christentum-nach-nietzsche\/","title":{"rendered":"Nietzsches Antichristentum \u2013 und das Christentum nach Nietzsche"},"content":{"rendered":"<h3>Historischer Kontext<\/h3>\n<p>Friedrich Nietzsche ist ein gewaltiger Irritator, ein gewaltiger Infragesteller all dessen, was wir f\u00fcr wertvoll, sicher, gewiss, sch\u00f6n und gut halten. Friedrich Nietzsche ist aber keineswegs nur auf dem Gebiet der Religion in zerst\u00f6rerischer und zugleich neuschaffender Absicht aufgetreten, sondern hat auch diverse andere Bereiche des Nachdenkens \u2013 des Nachdenkens \u00fcber die Welt und \u00fcber das, was wir als Menschen auf dieser Welt sein sollen \u2013 wesentlich gepr\u00e4gt. Wir wollen uns heute Abend aber mit der speziellen Problematik der Religionskritik auseinandersetzen. Das ber\u00fchmteste Textst\u00fcck Nietzschescher Religionskritik ist der Aphorismus 125 aus der \u201eFr\u00f6hlichen Wissenschaft\u201c, einer 1882 zum ersten Mal erschienenen Schrift Nietzsches. Dieser Aphorismus 125 tr\u00e4gt den Titel \u201eDer tolle Mensch\u201c, und da tritt ein Mensch auf, am hellichten Tag, mit einer Laterne, und sucht nach Gott, fragt die Leute, die ihn auslachen, nach ihm, und versucht ihnen vor Augen zu stellen, dass, wenn sie Gott tats\u00e4chlich get\u00f6tet haben, es auch notwendig w\u00e4re, vollst\u00e4ndig neu den eigenen Ort in der Welt zu bestimmen, das eigene Dasein auf v\u00f6llig neue und andere F\u00fc\u00dfe zu stellen, eben ohne Hilfe von oben. Wir h\u00e4tten dann keine R\u00fcckversicherung mehr, beispielsweise unserer Moral. All das versucht der \u201etolle Mensch\u201c mit seiner Diagnose \u201eGott ist tot, Gott bleibt tot\u201c diesen Leuten, die eigentlich den Gott schon l\u00e4ngst verabschiedet haben, nahe zu bringen, aber erntet eigentlich nur Unverst\u00e4ndnis und Spott.<br \/>\nNietzsche ist in seiner Zeit ein ungeh\u00f6rter Philosoph geblieben. Ganz entgegen der breiten Rezeption im 20. und auch im 21. Jahrhundert hat er zu geistig aktiven Lebzeiten fast gar keine Resonanz gefunden. Man hat seine Schriften nicht gekauft; er musste bei den allerletzten B\u00fcchern sogar selber mit Druckkostenzusch\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass sie \u00fcberhaupt ver\u00f6ffentlicht werden konnten. Kurzum, er blieb ein Ungeh\u00f6rter, und je l\u00e4nger dieses Empfinden des Ungeh\u00f6rtseins andauerte, desto st\u00e4rker sah er sich veranlasst, laut, schrill, durchdringend zu reden. Seine sp\u00e4teren und sp\u00e4testen Schriften zeugen vom Bed\u00fcrfnis, um jeden Preis geh\u00f6rt zu werden. Sie verletzen \u2013 vielleicht auch um der Aufmerksamkeitserzeugung willen.<br \/>\nWir wollen uns f\u00fcr heute Abend eine Schrift etwas genauer anschauen, die nach Nietzsches eigenem Selbstverst\u00e4ndnis die \u201eUmwertung aller Werte\u201c sein sollte. Die Schrift tr\u00e4gt im Haupttitel den eschatologischen Namen \u201eDer Antichrist\u201c. Nietzsche schreibt sie 1888 in seinem letzten bewussten Schaffensjahr, und \u2013 der Anspruch \u201eUmwertung aller Werte\u201c zu sein, macht es deutlich \u2013 hat hier die Ambition, tats\u00e4chlich all das zu vernichten, was bisher im abendl\u00e4ndischen, christlichen Kulturkreis als wertvoll, als wichtig, als gut gegolten hat.<br \/>\nBevor ich Ihnen sieben Fragen auf den Denk- und Lebensweg geben m\u00f6chte, die Nietzsche uns allen im \u201eAntichrist\u201c von 1888 stellt, m\u00f6chte ich Ihnen aber doch noch einen Kontextrahmen zur Verf\u00fcgung stellen, damit Sie diese Positionsbez\u00fcge besser einordnen k\u00f6nnen; denn Nietzsche ist keineswegs der erste und einzige Kritiker des Christentums oder Kritiker des monotheistischen Gottglaubens gewesen. Es gibt in der Neuzeit seit dem 16. Jahrhundert prominente Vertreter nicht-theistischen Weltanschauungen. Manche wie Giordano Bruno mussten ihre theologische Dissidenz mit dem Leben b\u00fc\u00dfen. Die Stimmen der Religionskritik haben sich im 18. Jahrhundert intensiviert. Da hat dann zwar meist kein Scheiterhaufen mehr gedroht, aber doch immerhin soziale und pers\u00f6nliche \u00c4chtung. Das hat die franz\u00f6sischen Materialisten und Atheisten nicht davon abgehalten, grunds\u00e4tzlich die Religion in ihrer institutionalisierten kirchlichen Form als Priesterbetrug darzustellen und der Kirche als solcher entgegenzutreten. Manche moderateren Aufkl\u00e4rer wie Voltaire haben an einem Theismus festgehalten \u2013 was denselben Voltaire aber nicht daran gehindert hat, seine Briefe jeweils mit der Formel \u201e\u00c9crasez l\u2019inf\u00e2me\u201c, d.h. \u201ezerschmettert die Niedertr\u00e4chtige\u201c \u2013 damit ist die katholische Kirche gemeint \u2013 zu beschlie\u00dfen. Eine vern\u00fcnftige Form von Glauben ging also durchaus mit einer radikalen Kirchenkritik zusammen. Bei anderen Denkern wie etwa La Mettrie oder d\u2018Holbach und H\u00e9lvetius gestaltet sich der Atheismus viel radikaler; das ist echter Atheismus und nicht blo\u00dfer Antiklerikalismus.<br \/>\nEs gibt also eine starke philosophische Str\u00f6mung, die aus Vernunftgr\u00fcnden die Theologie und all das, was als christliche Offenbarungswahrheit gilt, aber auch das, was als vern\u00fcnftige, nat\u00fcrliche Theologie angesehen wird, in Frage stellt. Und diese Str\u00f6mung ist im 18. Jahrhundert philosophisch bereits sehr prominent. Der Atheismus tat sich dann sp\u00e4testens im 19. Jahrhundert mit der historischen Kritik zusammen. Auch da gibt es Vorl\u00e4ufer, die bereits ins 17. Jahrhundert zur\u00fcckreichen. Die historische Bibelkritik ist keineswegs eine atheistische Erfindung, eher im Gegenteil. Ein frommer katholischer Priester, Richard Simon, ist einer der Begr\u00fcnder \u2013 damals im 17. Jahrhundert in der Absicht, den Protestanten ihren Biblizismus auszutreiben, und die Institution der Kirche als notwendig herauszustellen, n\u00e4mlich als Vermittlerin zwischen dem Bibeltext und den heutigen Menschen.<br \/>\nDiese historische Bibelkritik lie\u00df sich nun aber sehr wohl in die Str\u00f6me des Atheismus umlenken. Jedenfalls intensiviert sich die philosophische Religionskritik im 19. Jahrhundert mit Hilfe der historischen Wissenschaften, die einen ganz n\u00fcchternen Befund beibringen, n\u00e4mlich den, dass es sich bei den Texten, die wir als Altes und Neues Testament kennen, um antike religi\u00f6se Texte handelt, die sich in keiner Art und Weise von anderen \u00fcberlieferten antiken religi\u00f6sen Texten unterscheiden, egal ob es sich um alt\u00e4gyptische, um babylonische, um griechische oder um r\u00f6mische handelt. Bei all diesen antiken Dokumenten haben wir es mit Texten zu tun, die von Menschen f\u00fcr Menschen geschrieben worden sind. Aus der Sicht jener kritischen Bibelwissenschaft, die sich mit atheistischen oder religionskritischen \u00dcberlegungen paart, gibt es keinerlei Grund, warum man die Texte des Alten und Neuen Testamentes privilegieren sollte, warum man diesen Texten mehr Glauben schenken sollte als jenen, die zum Beispiel von Mithras oder von Zeus oder von Osiris handeln.<br \/>\nDie atheistische Philosophie wird also verst\u00e4rkt von historischer Kritik. So stellt sich die religionskritische Gro\u00dfwetterlage zur Zeit von Nietzsches Anf\u00e4nge in der Internatsschule Schulpforta dar, einem ehemaligen Zisterzienserkloster bei Naumburg, heute in Sachsen-Anhalt gelegen. Dort bekommt er eine hervorragende philologische Ausbildung. Zwar wird diese Schule streng christlich-protestantisch gef\u00fchrt, aber der Religionsunterricht ist nicht so beschaffen, dass er den kritischen Einw\u00e4nden, die Nietzsche von seinen Lehrern in Griechisch, Latein und Geschichte eingefl\u00f6\u00dft bekommen hatte, so einfach h\u00e4tte trotzen k\u00f6nenn. Die Familientradition m\u00fctterlicher- und v\u00e4terlicherseits legte es zwar, dass Nietzsche Pfarrer geworden w\u00fcrde \u2013 sein Gro\u00dfvater hat es sogar zum Superintendenten gebracht. Aber er nimmt 1865 in Bonn das Studium der Theologie nur halbherzig auf und gibt es nach einem Semester wieder auf, um sich mit geballten Kr\u00e4fen seiner eigentlichen Profession zuzuwendne. Das ist nicht die Philosophie \u2013 er ist kein ausgebildeter Philosoph \u2013, sondern die Philologie, die Altphilologie, die ihn als Leitwissenschaft ein Leben lang begleiten wird. Er kommt dann in den Semesterferien zur\u00fcck nach Naumburg zu seiner Mutter und Schwester und verweigert den Gang zum Abendmahl. Damit ist alles gesagt; er ist als Leser von Werken von Ludwig Feuerbach und David Friedrich Strau\u00df nicht mehr in der Lage, den christlichen Glauben im Stile seiner Vorv\u00e4ter zu praktizieren.<br \/>\nNun, \u201eDer Antichrist\u201c entsteht fast ein Vierteljahrhundert nach diesen Absetzungserfahrungen. Eine Weile lang hat sich Nietzsche \u00fcberhaupt nicht mit dem Christentum besch\u00e4ftigt. Es hat ihn philosophisch nicht interessiert, als er von der Philologie nach und nach zur Philosophie \u00fcberwechselte. Er ist ein Denker, der stark auf Eindr\u00fccke reagiert, die ihm in seiner Zeit aufgetragen oder zugetragen werden. Zwei dieser Eindr\u00fccke will ich doch nennen: Der eine ist der sehr pers\u00f6nliche des Komponisten Richard Wagner. Nietzsche lernt Wagner 1868 kennen und ist fortan ein gl\u00fchender Wagnerianer, etwa ein Jahrzehnt lang, um sich dann noch schroffer von Wagner zu distanzieren als von seinem anderen pr\u00e4genden Eindruck. Der andere pr\u00e4gende Eindruck ist kein pers\u00f6nlicher, sondern ein philosophischer, n\u00e4mlich der Eindruck von Artur Schopenhauer. Schopenhauer und Wagner sind also die beiden philosophisch-weltanschaulichen Leitsterne des jungen Nietzsche, des Studenten und jungen Basler Philologie-Professors. Nietzsche wurde 1869 nach Basel berufen, ohne auch nur ein Studium abgeschlossen zu haben, und zwar auf besondere Empfehlung seines akademischen Lehrers Friedrich Ritschl, der ihn f\u00fcr einen \u00fcberragenden Philologen hielt. Dennoch bleibt Nietzsche nur zehn Jahre Baseler Professor; er muss aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden sein Amt niederlegen und ist von 1879 an \u2013 er ist dann also 35 Jahre alt \u2013 zehn Jahre lang ein umherschweifender freier Philosoph, der immer nach einem Ort sucht, der ihm gesundheitlich und geistig bekommt.<br \/>\nGegen Ende seiner Professorenzeit verabschiedet er sich also von diesen \u00dcberv\u00e4tern und versucht, eine v\u00f6llig neue Philosophie zu erfinden. Er tut dies unter dem Zeichen des ber\u00fchmtesten aller franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rer, n\u00e4mlich Voltaire, dem er zum 100. Todestag 1878 sein neues Buch \u201eMenschliches, Allzumenschliches\u201c widmet. Richard Wagner ist entsetzt: Wie kann sich Nietzsche, der doch sein treuester J\u00fcnger war, nun den Franzosen, diesen oberfl\u00e4chlichen Schreiberlingen, andienen? Wie kann er den deutschen, sprich: den Wagnerschen Tiefsinn, einfach so in die Gosse sto\u00dfen? Nun, Nietzsche konnte, und hat es offensichtlich sein Leben lang nicht bereut.<br \/>\nIch sagte schon, dass in Nietzsches ersten philosophischen Schriften das Christentum kein wirkliches Thema ist. R\u00fcckblickend sagt er, er habe es mit feindseligem Schweigen \u00fcbergangen. Es gibt freilich nebenher immer wieder Bekundungen, dass es mit dem Christentum nicht mehr weit her sein k\u00f6nne, aber es erscheint kaum des n\u00e4heren Nachdenkens wert. Religion und herk\u00f6mmliche Moral erscheinen als Irrt\u00fcmer, die eine sich selbst aufkl\u00e4rende Philosophie quasi nebenbei beseitigt. Diese Erwartung, das Christentum nebenbei beseitigen zu k\u00f6nnen, wird jedoch nach und nach entt\u00e4uscht. Sie schwindet, denn ebenso wenig wie sich Wagner mit Bosheiten en passant aus der Welt schaffen und der Einfluss der Wagnerschen kulturreformatorischen Bem\u00fchung sich nicht einfach so vom Tisch wischen l\u00e4sst, ebenso wenig l\u00e4sst sich das Christentum mit ein paar r\u00e4tselhaften Aphorismen ausr\u00e4umen.<br \/>\nDas Christentum fordert also offensichtlich gr\u00f6\u00dfere, intensivere Auseinandersetzung; es fordert eine grundlegende Kritik. So lautet der erste, fast noch bescheidene Untertitel des zehn Jahre nach \u201eMenschliches, Allzumenschliches\u201c entstehenden \u201eAntichrist\u201c zun\u00e4chst: \u201eVersuch einer Kritik des Christenthums.\u201c Danach sollte das Buch dann \u201eUmwerthung aller Werthe\u201c hei\u00dfen; der letzte Untertitel, den man auf dem Titelblatt des Manuskriptes findet, hei\u00dft: \u201eFluch auf das Christenthum\u201c. Auch hier beobachtet man also diese Bewegung der Radikalisierung, die Bewegung des Schriller-Werdens. Deutlich wird das dann noch an einem jetzt nicht n\u00e4her zu er\u00f6rternden \u201eGesetz wider das Christenthum\u201c, das Nietzsche offensichtlich in den allerletzten bewussten Tagen vor seinem geistigen Zusammenbruch Anfang 1889 zu Papier bringt. Das ist ein Gesetz, das tats\u00e4chlich das Christentum physisch ausrotten zu wollen vorgibt. Die Frage ist nat\u00fcrlich, wie weit das literarische Fiktion ist und wie man damit umgehen soll. Aber diesem Text wollen wir uns nicht widmen, sondern den \u201eAntichrist\u201c als einen Versuch betrachten, in 62 Abschnitten das gesamte christliche Glaubensrepertoire, das gesamte christliche \u00dcberzeugungsger\u00fcst zum Einsturz zu bringen.<br \/>\nHierzu werde ich sieben Fragen formulieren, die sich von Nietzsche und seinem \u201eAntichrist\u201c her an uns alle, an unser aller Christent\u00fcmer und Nicht-Christent\u00fcmer stellen lassen.<\/p>\n<h3>Die Frage nach Jesus Christus<\/h3>\n<p>Die erste Frage betrifft Nietzsches Umgang mit der Figur, die gemeinhin als Gr\u00fcnder des Christentums gilt. Im Zentrum, tats\u00e4chlich in der Mitte des Buches \u201eDer Antichrist\u201c, findet sich eine l\u00e4ngere Passage, die der \u201ePsychologie des Erl\u00f6sers\u201c, dem \u201epsychologischen Typus des Erl\u00f6sers\u201c gewidmet ist. Dabei geht es \u2013 Sie werden es unschwer erraten \u2013 um Jesus von Nazareth. In dieser Darstellung wird keineswegs die Feindlichkeit gegen\u00fcber Jesus als wom\u00f6glich einem der drei gro\u00dfen Betr\u00fcger der Menschheitsgeschichte zum Ausdruck gebracht, wie das eine alte religionskritische Tradition will. Es gibt n\u00e4mlich in der fr\u00fchen Neuzeit Traktate \u201eDe tribus impostoribus\u201c, \u201e\u00fcber die drei Betr\u00fcger\u201c; gemeint sind Mose, Jesus und Mohammed. Nietzsche schl\u00e4gt nicht in diese Kerbe. Er sagt nicht, Jesus sei ein Betr\u00fcger gewesen, der die Menschheit mit seinen Lehren irref\u00fchren wollte. Vielmehr erscheint dieser Jesus oder dieser psychologische Typus des Erl\u00f6sers in ganz eigent\u00fcmlichem Licht, so eigent\u00fcmlich, dass viele Interpreten auf die Idee verfallen sind, Nietzsche verachte zwar die gesamte christliche Tradition, sei aber Jesus von Nazareth gegen\u00fcber nicht nur freundlich gesonnen, sondern habe ihm gegen\u00fcber eine eigene Fr\u00f6mmigkeit, eine sozusagen radikalpietistische Privat-Jesusfr\u00f6mmigkeit entwickelt.<br \/>\nNietzsche r\u00e4umt tats\u00e4chlich ein, dass \u201e\u2026blo\u00df die christliche Praktik, ein Leben so wie Der, der am Kreuze starb, es lebte, ist christlich&#8230; Heute noch ist ein solches Leben m\u00f6glich, f\u00fcr gewisse Menschen sogar nothwendig: das echte, das urspr\u00fcngliche Christenthum wird zu allen Zeiten m\u00f6glich sein&#8230;Nicht ein Glauben, sondern ein Thun, ein Vieles-nicht-thun vor Allem, ein andres Sein&#8230;\u201c Also, was dieser Jesus von Nazareth gelebt hat, seine \u201ePraktik\u201c \u2013 wir w\u00fcrden heute \u201ePraxis\u201c sagen \u2013 ist f\u00fcr den Verfasser des \u201eAntichrist\u201c offensichtlich etwas, was nach wie vor reproduzierbar ist. Da kann man nat\u00fcrlich als Leser, der nur diesen Text isoliert nimmt, darauf verfallen: Na ja, klar, dieser Nietzsche will Jesus gegen die Kirche verteidigen oder gegen die Kirchen, gegen all die Christent\u00fcmer, die nach Jesus kamen. So leicht ist es allerdings nicht, meine Damen und Herren, denn man wird auch weiterlesen m\u00fcssen und sich fragen, was es denn mit diesem Jesus in der \u201ePsychologie des Erl\u00f6sers\u201c n\u00e4herhin auf sich hat.<br \/>\nZun\u00e4chst einmal k\u00f6nnen Sie die Methode, mit der Nietzsche hier vorgeht, selber kritisch betrachten, denn sein Anspruch ist der, hinter den angeblich korrumpierten Bericht, den uns die Evangelien liefern, zu diesem Typus zur\u00fcckzugehen. Er ist aber hier nicht wirklich als ein Philologe t\u00e4tig, der er ja von Berufswegen w\u00e4re, sondern als eine Art divinatorischer Kritiker, ein Kritiker, der im Modus des Wahrsagens versucht zu isolieren, was sich dahinter versteckt, obwohl wir ein korrumpiertes Bild von Jesus in den Evangelien haben. Dieser Jesus nun \u2013 deswegen sollten wir sehr vorsichtig sein, wenn wir Nietzsche eine pers\u00f6nliche Jesus-Fr\u00f6mmigkeit zuschreiben \u2013, ist f\u00fcr den Verfasser des \u201eAntichrist\u201c eine exemplarische Figur der \u201ed\u00e9cadence\u201c, des Niedergangs, denn \u201eauf \u00fcbergro\u00dfer Leid- und Reizf\u00e4higkeit gr\u00fcnden beim Typus des Erl\u00f6sers der Instinkt-Hass gegen die Realit\u00e4t, und die Instinkt-Ausschlie\u00dfung aller Abneigung, aller Feindschaft, aller Grenzen und Distanzen im Gef\u00fchl\u201c. Also, ein \u201eInstinkt-Hass\u201c gegen die Wirklichkeit, eine \u201eInstinkt-Ausschlie\u00dfung aller Abneigung\u201c.<br \/>\nDieser Jesus, wie ihn Nietzsche vor Augen stellt, ist eine hochgradig von Leiden heimgesuchte Person, eine Person, die allerdings einen Weg gefunden hat, mit diesem Leiden umzugehen, n\u00e4mlich das abzustellen, was das Leiden verursacht. Und das, was das Leiden verursacht, sind nach Nietzsches \u201ePsychologie des Erl\u00f6sers\u201c die Distanzen, die Grenzen, kurz: ist das, was uns vom anderen unterscheidet. Was dieser Jesus nun macht, ist, alle Distanzen aufzugeben, alle Grenzen einzurei\u00dfen, sich sozusagen in kosmische Liebe zu verwandeln. Das tut er aber nicht, weil er Gottes Sohn oder dergleichen ist. An derlei Mythologie kann Nietzsche nat\u00fcrlich mit seinem historisch-kritischen Wissen nicht glauben. Jesus tut es also nicht, weil er Gottes Sohn oder der Erl\u00f6ser ist. Wenn hier von \u201eErl\u00f6ser\u201c die Rede ist, sind die Anf\u00fchrungszeichen immer mitzudenken. Nietzsche macht einen ironischen Gebrauch vom Begriff Erl\u00f6ser. Dieser Jesus gibt alle Distanzen auf, weil er so sein Leiden kanalisieren kann. Denn wenn er alle Grenzen aufgibt, dann ist er frei, zumindest so frei, wie jemand sein kann, der eine \u201ed\u00e9cadence\u201c-Figur ist.<br \/>\nWas Nietzsche also macht ist, Jesus auf ein Krankheitsbild zur\u00fcckzubuchstabieren \u2013 ein Krankheitsbild, das er nach der zeitgen\u00f6ssischen Psychiatrie modelliert, f\u00fcr die er sich sehr interessiert. Nietzsche reichert das Bild zus\u00e4tzlich an mit Elementen aus russischen Romanen, insbesondere aus Dostojewskijs \u201eIdiot\u201c, den er, allerdings wohl sekund\u00e4r, zur Kenntnis nimmt. Tolstoi spielt ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle. Dieser Jesus hat etwas geschafft, auch in Nietzsches Perspektive. Was er aber geschafft hat ist Selbsterl\u00f6sung. Er hat seine eigene krankhafte Disposition und auch die L\u00f6sung erkannt, n\u00e4mlich, alle Grenzen aufzugeben. Das tut er, und diese \u201ePraktik\u201c kann auch nach wie vor als eine immer noch m\u00f6gliche Praktik des Christlichen f\u00fcr manche Menschen, f\u00fcr manche \u201ed\u00e9cadents\u201c, Vorbildcharakter besitzen. Es mag sein, dass jemand so sehr an jeder Ber\u00fchrung leidet, dass er lieber alle Grenzen aufgibt, als weiter den Schmerz zu ertragen. Es geht also um eine Praktik der Selbsterl\u00f6sung, die Jesus vorgelebt hat.<br \/>\nWorum es also letztlich geht ist, dass Nietzsche zu zeigen versucht, dass Jesus Christus mit Glauben gar nichts zu tun hat, sondern nur mit einer Praxis \u2013 einer Praxis der Selbstmodellierung. Auch in der Gegenwart k\u00f6nnen sich das manche zu eigen machen. Ein fundamentales Missverst\u00e4ndnis w\u00e4re jedoch die Vorstellung, dass es hier irgendwie um so etwas wie Glauben geht. Die Frage, die sich von hier stellt \u2013 abgesehen von der Frage, wie weit Nietzsche hier ein ad\u00e4quates Jesus-Bild entwirft \u2013, ist die Frage, wie wir denn sicher stellen k\u00f6nnen, dass das Christentum, das auf Jesus folgt, all die Christent\u00fcmer, die auf ihn folgten, etwas mit diesem Jesus zu tun haben, dass also beides genuin zusammengeh\u00f6rt. Diesen Zusammenhang auseinanderzurei\u00dfen f\u00e4llt einem Protestanten, so wie Nietzsche sozialisiert ist, naturgem\u00e4\u00df leichter als einem Katholiken, f\u00fcr den die Kirche als solche einen Heilswert hat. F\u00fcr Nietzsche ist v\u00f6llig klar, dass Jesus und Kirche nichts miteinander zu tun haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Jesus-Epigonen und das Ressentiment<\/h3>\n<p>Ich komme zum zweiten Fragekomplex. Seit der bahnbrechenden \u201eGeschichte der Leben-Jesu-Forschung\u201c von Albert Schweitzer gilt es als Gemeinplatz in der neutestamentlichen Wissenschaft, dass man des historischen Jesus biographisch nicht habhaft werden kann. Also bezieht man sich gern auf den Christus des Kerygmas, den Christus der neutestamentlichen Verk\u00fcndigung in den fr\u00fchen Gemeinden, und versucht, beispielsweise prominent bei Rudolf Bultmann, im Prozess einer Entmythologisierung dieses Kerygma f\u00fcr die Gegenwart zu adaptieren. Es ist also nach verbreiteter Auffassung durchaus m\u00f6glich, christlich zu glauben, ohne \u00fcber den historischen Jesus n\u00e4her Bescheid zu wissen. Der geglaubte Christus w\u00e4re dann das Wesentliche, die wesentliche Gestalt. Unter solchen Umst\u00e4nden k\u00f6nnte man Nietzsche sogar zugestehen, dass vielleicht dieser Jesus ein ganz anderer war, als man normalerweise glaubt, zumindest ein ganz anderer als der Heiland der fr\u00fchchristlichen oder der modernen Gl\u00e4ubigen. Man k\u00f6nnte also die antichristliche Delegitimation des Christentums unter R\u00fcckgriff auf diesen Typus des Erl\u00f6sers unterminieren, indem man den Regress auf Jesus von Nazareth abschneidet und sagt, man habe sich zu konzentrieren auf den Glauben der ersten Gemeinden und so das Wesentliche fortzutragen.<br \/>\nAber auch hier versucht Nietzsche, fundamental zu desillusionieren: Was diesen Glauben der ersten J\u00fcnger ausmacht, ist n\u00e4mlich seiner Darstellung nach ein fundamentales Missverst\u00e4ndnis, Jesus sei gerade nicht der Verk\u00fcnder von Glaubenswahrheiten, von religi\u00f6sen Lehrs\u00e4tzen gewesen, die man dann im fr\u00fchen Christentum auf den Begriff zu bringen versuchte, sondern habe als ein Praktiker einer neuen Form der Daseinsbew\u00e4ltigung gelebt.<br \/>\nEin Werk der Entstellung sei mit dem Tod am Kreuz eingetreten: \u201eDas ersch\u00fctterte und im Tiefsten beleidigte Gef\u00fchl, der Argwohn, es m\u00f6chte ein solcher Tod die Widerlegung ihrer Sache sein, das schreckliche Fragezeichen, warum gerade so, dieser Zustand begreift sich nur allzu gut. Hier muss denn alles notwendig sein, Sinn, Vernunft, h\u00f6chste Vernunft haben. Die Liebe eines J\u00fcngers kennt keinen Zufall.\u201c Also habe man im Nachhinein nach einer Rechtfertigung gesucht und sich im Aufruhr gegen die bestehende Ordnung verstanden. Die ersten Christen werden verstanden als eine anarchistische Bewegung. Auf diese Weise habe das Ressentiment die ersten Christen in den Bann geschlagen, denn sie konnten sich nicht an den R\u00f6mern r\u00e4chen, die die Hinrichtung Jesu vollzogen haben; oder am j\u00fcdischen Establishment, das zumindest nach dem Bericht des Johannes-Evangeliums die Hinrichtung betrieben hat. Das Machtungleichgewicht war ganz offensichtlich viel zu gro\u00df. Deswegen sei das aufgetreten, was Nietzsche mit dem Begriff des Ressentiments fasst \u2013 ein Begriff, der von Nietzsche her auch in die gegenw\u00e4rtigen politischen Debatten eingedrungen ist. Von diesem Ressentiment haben sich, so Nietzsches Diagnose, die fr\u00fchen Christen bestimmen lassen, und dabei versucht, nicht die offene Rebellion zu betreiben, sondern den Herren dieser Welt posthum die H\u00f6lle an den Hals zu w\u00fcnschen.<br \/>\nWas sich hier als Frage ergibt, ist nat\u00fcrlich die, ob denn Nietzsche nicht etwas sehr Wahres trifft, dass n\u00e4mlich trotz der pers\u00f6nlichen, ja kosmisch integrierenden Worte der Bergpredigt Jesu das Christentum in seiner nachjesuanischen Form eine h\u00f6chst bedenkliche Schlagseite hin zum Ressentiment habe, zu einem verg\u00e4llten Blick auf die Wirklichkeit, zu einer scheelen Sicht auf das, was der Fall ist. Die Frage stellt sich, ob denn nicht eine Unf\u00e4higkeit, sich mit dem Hier und Jetzt abzufinden, von den allerersten Christen an, das Geschick des Christentums bestimmt habe. Es m\u00fcsste sich also, so die zweite Frage, ein selbstkritisches Christentum erkundigen, wie es denn mit dem Ressentiment umgehen will, und wie weit es bereit ist, sich mit dem Gegebenen abzufinden. Oder aber man m\u00fcsste die Argumentationsweise umkehren. Max Scheler hat das ansatzweise versucht, n\u00e4mlich \u00fcber die Fruchtbarkeit des Ressentiments nachzudenken. Nietzsche suggeriert, dass die unmittelbare Rache oder das Schlagen, auf das dann gleich ein Zur\u00fcckschlagen folgt, eigentlich die einzig psychisch gesunde Reaktion sei. Dieser Suggestion braucht aber niemand aufzusitzen. Man k\u00f6nnte also auch fragen, ob denn Ressentiment als verz\u00f6gerte Reaktion nicht etwas ausgesprochen Heilsames ist.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Jesus und die Hinterwelt<\/h3>\n<p>Ein dritter Punkt kreist um die Problematik der Verjenseitigung, denn nicht nur Ressentiment ist bei den ersten J\u00fcngern im Aufruhr gegen die Ordnung greifbar, sondern auch die Vorstellung von Gericht und Vergeltung. Das hat jene Figur systematisiert, die der \u201eAntichrist\u201c nicht eben wohlwollend als \u201eGenie im Hass\u201c tituliert. Dieses \u201eGenie im Hass\u201c ist laut Nietzsche der Apostel Paulus, der die Jenseits-Dimension, die nach Nietzsche f\u00fcr Jesus v\u00f6llig irrelevant gewesen ist, einf\u00fchrte. Jesus lebte nur im Hier und Jetzt; f\u00fcr ihn war das Himmelreich schon mitten unter uns, es war schon da, es war immer schon gegeben. All das wird zerst\u00f6rt durch das Werk des Paulus, so der \u201eAntichrist\u201c, der eine Hinterwelt hinzuerfindet, die dann eben mit Gericht und mit Jenseits, Himmel und H\u00f6lle eine ganz gro\u00dfe kultur- oder menschheitsgeschichtliche Folgewirkung haben wird.<br \/>\nWie also sollte man damit umgehen? Was kann man als Christ hier und heute sagen im Hinblick auf die von Nietzsche diagnostizierte Schwergewichtsverlagerung von dieser Welt, in der wir leben, hin zu einer anderen, angeblich besseren Welt \u2013 im Hinblick auf die Abwertung unseres hiesigen Daseins als blo\u00dfem Bew\u00e4hrungsraum f\u00fcr das, was dann danach kommt, als Bew\u00e4hrungsraum, in dem wir uns m\u00f6glichst des Himmelreichs w\u00fcrdig erweisen sollen? Welches Gewicht, so l\u00e4sst sich also drittens fragen, soll denn das Christentum den Jenseits-\u00dcberlegungen, den Jenseits-\u00dcberzeugungen beimessen, die fast seit Geburt dieser Religion da sind? In Klammern bemerkt: Nietzsche blendet systematisch die apokalyptischen, die eschatologischen, also die endzeitlichen Verk\u00fcndigungen, die das Neue Testament Jesus zuschreibt, aus seiner \u201ePsychologie des Erl\u00f6sers\u201c aus, und nimmt sie als Beweis f\u00fcr die Korruption des Jesus-Bildes. Der habe \u00fcberhaupt nicht auf Gericht, auf eine Welt hinter dieser Welt abgezielt. Das zu entscheiden \u00fcberlasse ich den Bibelwissenschaftlern. Nietzsche ist hier nicht als Historiker t\u00e4tig, sondern dem Anspruch nach als Umwerter aller Werte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Sklavische Werte und priesterliche Selbsterm\u00e4chtigung<\/h3>\n<p>Der pauschale Vorwurf an die Adresse der nachjesuanischen Christen im \u201eAntichrist\u201c ist der, dass mit ihnen sklavische Werte zur Geltung gekommen seien \u2013 , dass mit ihnen tats\u00e4chlich eine Umwertung aller Werte stattgefunden habe. Diese christliche, \u201esklavenmoralische\u201c Umwertung habe dazu gef\u00fchrt, dass die Vorstellungen der sozial Benachteiligten, der Untergeordneten, der Unterprivilegierten an die Oberfl\u00e4che drangen und zu leitenden Werten wurden. Nietzsches Diagnose ist die, dass bis in seine Gegenwart diese sklavenmoralischen Werte herrschend geblieben seien, auch da, wo von Christentum und seinem Gott keine Rede mehr ist, also beispielsweise in der modernen egalit\u00e4ren Demokratie.<br \/>\nDazu kommt der zweite Punkt, dass diese Sklavenherden \u2013 Nietzsche liebt die Herdenmetaphorik \u2013 gef\u00fchrt w\u00fcrden, ohne wirkliche \u201epastores\u201c, Hirten zu haben, n\u00e4mlich von einer Gruppe von Menschen, die sich zu ihrem Sprachrohr aufschwingen. Das sind die \u201ePriester\u201c, wobei mit diesem Ausdruck nicht nur die offiziellen Sachwalter einer institutionalisierten Religion gemeint sind, sondern letztlich jeder, der die Weltanschauung des Christentums anderen Menschen vorlebt, es ihnen zur Vorgabe macht. Mit anderen Worten: Priester sind f\u00fcr Nietzsche sowohl die kirchlich berufenen und angestellten Amtstr\u00e4ger mit dieser Bezeichnung als auch beispielsweise die \u00e4lteren Damen, die versuchen, ihren Enkeln die Leitwerte des Christentums n\u00e4her zu bringen. Sie alle h\u00e4tten sich dem Ziel verschrieben, die sklavenmoralische Umwertung auf die Dauer zu stellen, sie zu stabilisieren.<br \/>\nDie Gegenoption, die Nietzsche ins Feld f\u00fchrt, ist nun eine R\u00fcckkehr zu Naturordnung, die hierarchisch sei und dem \u201eWillen zur Macht\u201c gehorche. Hier zeigt sich eine offensichtliche Schwachstelle der Nietzscheschen Argumentation: Woher wissen wir, was \u201edie Natur\u201c ist, was wirklich \u201enat\u00fcrlich\u201c ist? Und selbst, wenn wir es w\u00fcssten, warum sollte daraus normativ irgendetwas folgen? Dass wir Natur, das Vorgefundene, als Angeh\u00f6rige der Gattung Homo sapiens stets bearbeiten, umgestalten, zu Kultur formen, steht au\u00dfer Zweifel. Wir verf\u00fcgen nie \u00fcber eine reine Natur, die etwas vorgibt. Die Suggestion im \u201eAntichrist\u201c ist aber die, dass es eine feste Naturordnung gebe, die vom Christentum, von den sklavenmoralischen Werten und den Priestern, die sie verwalten, in den Abgrund gesto\u00dfen worden sei. Das h\u00f6rt sich ausgesprochen dogmatisch an.<br \/>\nDie Frage bleibt, wie denn das Christentum sich zum priesterlichen Machtanspruch stellen will. Die Frage stellt sich gerade im katholischen Kontext. Und gravierender noch stellt sich die Frage, wie man zur Diagnose der sklavenmoralischen Umwertung steht. Nietzsche erscheint das Christentum als \u201eSelbstsch\u00e4ndung der Menschen\u201c: \u201edie Begriffe \u201aJenseits\u2018, \u201aj\u00fcngstes Gericht\u2018, \u201aUnsterblichkeit der Seele\u2018, die \u201aSeele\u2018 selbst; es sind Folter-Instrumente, es sind Systeme von Grausamkeiten, verm\u00f6ge deren der Priester Herr wurde, Herr blieb\u2026 Jedermann weiss das: und trotzdem bleibt Alles beim Alten.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Heteronomie und Autonomie<\/h3>\n<p>Heteronomie bedeutet Fremdbestimmung, Autonomie bedeutet Selbstbestimmung. F\u00fcr Nietzsche ist deutlich, dass das Christentum der weltgeschichtlich exemplarische Fall der Fremdbestimmung ist, eine Ideologie, die 2000 Jahre lang auf Menschen aufgepfropft wurde, um es ihnen zu verunm\u00f6glichen, Herren ihres eigenen Schicksals zu sein, weil immer schon ein anderer, n\u00e4mlich Gott, \u00fcber dieses Schicksal befunden habe. Nach Nietzsche bleibt in dieser Konstellation keinerlei Raum f\u00fcr eine Selbstbestimmung, die die Banden des Gebotenen \u00fcberschreitet. Sie wissen, meine Damen und Herren, dass andere Philosophen und Philosophinnen das anders gesehen haben. F\u00fcr Kant etwa ist ein vern\u00fcnftiges Christentum sehr wohl mit Autonomie zusammenzudenken. Aber Autonomie meint bei Kant eine vern\u00fcnftige Selbstgesetzgebung, in der die Sinnlichkeit in Schranken gewiesen wird. Nietzsche wiederum glaubt nicht an die Kantische Vernunft; er w\u00fcrde sagen, sie sei ein Schleichweg der Theologen zum alten Ideal. So wird im \u201eAntichrist\u201c die Kantische Philosophie charakterisiert.<br \/>\nDie Frage, die sich daraus ergibt, lautet, wie es eine selbstkritische Theologie, ein selbstkritisches Christentum mit Selbst- und Fremdbestimmung h\u00e4lt. Inwiefern hat Nietzsche recht oder unrecht, wenn er behauptet, dass das Christentum Selbstbestimmung eigentlich verunm\u00f6glicht, zumindest dann, wenn man es ernst nimmt und nicht nur ein unverbindliches Sonntagschristentum daraus macht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u201ePathos der Distanz\u201c<\/h3>\n<p>\u201ePathos der Distanz\u201c ist eine merkw\u00fcrdige Formel, die Nietzsche einige Male in seinen sp\u00e4ten Werken braucht. Sie meint, dass wir zur Selbstkonstitution, zur Selbstmodellierung die F\u00e4higkeit haben m\u00fcssen, uns von anderem und von anderen abzugrenzen. Nietzsche denkt das zun\u00e4chst einmal gesellschaftlich; er denkt an sozial stratifizierte Gesellschaften, also Gesellschaften, die verschiedene, sozusagen fest zemenierte Schichten kennen, zwischen denen es kaum oder keine Durchl\u00e4ssigkeit gibt. Bei diesen Gesellschaften verh\u00e4lt es sich so, dass f\u00fcr die oben Stehenden eine solche Distanz sozial m\u00f6glich und n\u00f6tig ist. Daraus sei, so die Nietzschesche Lesart der Kulturgeschichte, so etwas wie menschliches Selbstbewusstsein oder menschliche Selbstwahrnehmungsf\u00e4higkeit erst entstanden: Die F\u00e4higkeit, sich von anderen zu unterscheiden. Nietzsche konstruiert \u2013 wie bereits erw\u00e4hnt \u2013 im Gegensatz dazu seinen \u201eTypus des Erl\u00f6sers\u201c als eine Figur, die radikal jede Distanz aufgegeben hat, der radikal jedes \u201ePathos der Distanz\u201c fehlt.<br \/>\nDieser Begriff des \u201ePathos der Distanz\u201c ist ein r\u00e4tselhafter Begriff, der zumindest eines deutlich macht: den Umstand n\u00e4mlich, dass das Subjekt keine f\u00fcr sich bestehende Gegebenheit ist. Es ist keine ontologische Substanz; wir haben keine Welt, die aus Subjekten besteht, die schon in sich konstituiert sind, sondern jedes Subjekt wird Subjekt \u2013 und es wird es zum einen in der Interaktion, zum anderen aber eben in Abgrenzung von anderem und von anderen. Man k\u00f6nnte sagen, dass die Formel \u201ePathos der Distanz\u201c die Notwendigkeit zur Selbstwerdung in Auseinandersetzung mit und in Abgrenzung von anderen beschreibt. Nietzsche h\u00e4lt am Postulat von Individualit\u00e4t und Subjektivit\u00e4t fest, aber nicht in dem Sinne, dass wir ein f\u00fcr sich bestehendes Subjekt retten oder herausgraben m\u00fcssten, sondern dass sich dieses Subjekt aktiv und interaktiv erst herstellt.<br \/>\nDie Frage ist also, wie sich diese Idee des \u201ePathos der Distanz\u201c, einer Selbstkonstitution durch Abgrenzung, mit dem Christentum zusammendenken l\u00e4sst. Anders gefragt: Wie l\u00e4sst sich \u00fcberhaupt Individualit\u00e4t als Abgrenzung zusammendenken mit \u2013 polemisch gesprochen \u2013 der Herde der Gleichgl\u00e4ubigen und der Gleichg\u00fcltigen. Oder bieten vielmehr gerade die vielen Christent\u00fcmer eine Chance zur Selbstkonstitution durch Abgrenzung, wenn Sie etwa an die konfessionellen Auseinandersetzungen denken, wo es darum ging, sich in Abgrenzung gegen andere zu profilieren, die eben auch in Anspruch nehmen, die (einzig wahren) Christen zu sein? Das ist sicher nicht unter der damals noch gar nicht erfundenen Nietzscheanischen Formel vom \u201ePathos der Distanz\u201c geschehen. Aber es zeigt sich zumindest, dass das Christentum doch in seiner realen Erscheinungsform in h\u00f6chstem Ma\u00dfe divers ist, was gegen die Gleichschaltungsthese Nietzsches sprechen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Skepsis und \u00dcberzeugung<\/h3>\n<p>Falls Sie sich an dieses Werk, den \u201eAntichrist\u201c, heranwagen wollen, dann schauen Sie sich gr\u00fcndlich den 54. Abschnitt an. Der 54. Abschnitt ist sehr bemerkenswert, weil er herausf\u00e4llt aus dem Fortissimo der Polemik, die vom Anfang bis zum Ende das Christentum und das ihm vorangehende Judentum und das ihm nachfolgende egalit\u00e4r demokratische Zeitalter auf dem Holzweg sieht. Dieser 54. Abschnitt ist einer, der gewisserma\u00dfen Auskunft gibt \u00fcber die Funktionsweise des ganzen Buches. Es wird da n\u00e4mlich ein Hohelied auf die Skepsis angestimmt. Ich zitiere: \u201eDie St\u00e4rke, die Freiheit aus der Kraft und \u00dcberkraft des Geistes beweist sich durch Skepsis. Menschen der \u00dcberzeugung kommen f\u00fcr alles Grunds\u00e4tzliche von Werth und Unwerth gar nicht in Betracht. \u00dcberzeugungen sind Gef\u00e4ngnisse. Das sieht nicht weit genug, das sieht nicht unter sich: aber um \u00fcber Werth und Unwerth mitreden zu d\u00fcrfen, muss man f\u00fcnfhundert \u00dcberzeugungen unter sich sehn, \u2014 hinter sich sehn\u2026 Ein Geist, der Grosses will, der auch die Mittel dazu will, ist mit Nothwendigkeit Skeptiker. Die Freiheit von jeder Art \u00dcberzeugungen geh\u00f6rt zur St\u00e4rke, das Frei-Blicken-k\u00f6nnen\u2026 Die grosse Leidenschaft, der Grund und die Macht seines Seins, noch aufgekl\u00e4rter, noch despotischer als er selbst es ist, nimmt seinen ganzen Intellekt in Dienst; sie macht unbedenklich; sie giebt ihm Muth sogar zu unheiligen Mitteln; sie g\u00f6nnt ihm unter Umst\u00e4nden \u00dcberzeugungen. Die \u00dcberzeugung als Mittel: Vieles erreicht man nur mittelst einer \u00dcberzeugung. Die grosse Leidenschaft braucht, verbraucht \u00dcberzeugungen, sie unterwirft sich ihnen nicht, \u2014 sie weiss sich souverain. \u2014 Umgekehrt: das Bed\u00fcrfniss nach Glauben, nach irgend etwas Unbedingtem von Ja und Nein, [\u2026], ist ein Bed\u00fcrfniss der Schw\u00e4che.\u201c<br \/>\nNun, eine h\u00f6chst \u00fcberraschende Wendung in diesem Text, der ja zun\u00e4chst so \u00fcberzeugungsfest daherkam, der so tat, als habe dieses Ich, das hier im Fortissimo spricht, selber ganz viele \u00dcberzeugungen, n\u00e4mlich antichristliche \u00dcberzeugungen. Jetzt sehen wir, dass diese \u00dcberzeugungen nicht Selbstzweck sind oder gar das, was Herr Nietzsche wirklich glaubt, sondern sie sind vielmehr ein Mittel dazu, die \u00dcberzeugungen der anderen zu torpedieren und zu problematisieren. Diese antichristlichen \u00dcberzeugungen werden verbraucht im Neutralisierungsgefecht gegen das Christentum. Wenn also Nietzsche so tut, als w\u00e4re er \u00fcberzeugt davon, dass dieser Jesus ein \u201ed\u00e9cadent\u201c gewesen ist, dann k\u00f6nnen wir gar nicht sicher sein, ob das auch wirklich seine pers\u00f6nliche \u00dcberzeugung war. Aber Jesus so zu profilieren, wie das in unserem ersten Fragekomplex in den Raum gef\u00fchrt worden ist, f\u00fchrt dazu, dass wir etwa das kirchliche Jesusbild nun mit einem neuen Blick, durch eine neue Brille sehen und zu problematisieren in der Lage sind. Es ist also eine skeptische Strategie der Verunsicherung und Neutralisierung am Werk. Nietzsche entwirft unentwegt \u00dcberzeugungen, die er gegen andere, gegen tats\u00e4chliche \u00dcberzeugungen ins Feld f\u00fchrt. Er ist sozusagen eine \u00dcberzeugungsproduktionsmaschine, aber die \u00dcberzeugungen sind eben nur Mittel und kein Selbstzweck.<br \/>\nWas also folgt daraus f\u00fcr die Frage, wie heute noch Christentum zu treiben ist? Es folgt daraus eine grunds\u00e4tzliche Infragestellung des eigenen Selbstverst\u00e4ndnisses. Schlie\u00dflich geht es f\u00fcr christlich \u00dcberzeugte wesentlich auch darum, anderen Menschen \u00dcberzeugungen, \u201aGlaubenswahrheiten\u2018 n\u00e4her zu bringen. Aber hindere ich den Anderen nicht daran, seine eigene Welt zu zimmern, sein eigenes Ich zu modellieren, indem ich ihm \u00dcberzeugungen gewisserma\u00dfen aufn\u00f6tige oder unterjubele, indem ich ihn zu glauben zwinge? M\u00fcsste man nicht als ein Mensch, der meint, das Christentum sei etwas, das eine lohnens- und nachahmenswerte Lebenspraktik sei, einzig durch das Beispiel wirken? Eben so wie dieser Jesus von Nazareth, n\u00e4mlich nicht katechisieren, sondern handeln und im Handeln andere Menschen dazu zu bringen, diesem Beispiel zu folgen?<br \/>\nDer Wert von \u00dcberzeugungen wird bei Nietzsche also grunds\u00e4tzlich zur Disposition gestellt, und wir tun gut daran, diese skeptische Anfrage als siebte Frage in unserem Selbstbefragungsgesch\u00e4ft nicht an die allerletzte Stelle zu r\u00fccken, obwohl es in der Chronologie der sieben Punkte an die allerletzte Stelle ger\u00fcckt ist.<br \/>\nNun, Nietzsche ist ganz offensichtlich ein Autor, der als Irritationsphilosoph nach wie vor im Stande ist, unsere Grundfesten zu ersch\u00fcttern. Er pflegt ein listiges, ein listenreiches Schreiben, das sich nicht auf Schlagworte reduzieren l\u00e4sst, sondern als Denkexperimentieren zu verstehen ist \u2013 ein Denkexperimentieren, die Gel\u00e4ufigkeiten und gel\u00e4ufigen Weltbilder in Frage zu stellen.<br \/>\nVon daher gilt: Eine ideologische Vereinnahmung Nietzsches ist eigentlich ein Selbstwiderspruch. Wenn Sie sich dann seine Vereinnahmung etwa durch den Nationalsozialismus anschauen, werden Sie feststellen, dass er als Philosoph eigentlich \u00fcberhaupt nicht passend zu machen ist. Entsprechend musste man ihn auf ein paar wenige Schlagworte reduzieren. Und genau das ist das Problem bei Nietzsche: dass er so wunderbar schreibt, dass Sie immer irgendwo etwas herauspicken k\u00f6nnen, das sich als Schlagwort oder Kalenderblatt vorz\u00fcglich eignet. In jedem Falle aber ist Nietzsche, wenn man ihn genau und ausdauernd liest, ein Autor, dessen Provokationspotential nicht versiegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historischer Kontext Friedrich Nietzsche ist ein gewaltiger Irritator, ein gewaltiger Infragesteller all dessen, was wir f\u00fcr wertvoll, sicher, gewiss, sch\u00f6n und gut halten. 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