{"id":104119,"date":"2025-04-23T15:11:46","date_gmt":"2025-04-23T13:11:46","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=104119"},"modified":"2025-04-23T15:11:46","modified_gmt":"2025-04-23T13:11:46","slug":"fruehmenschliche-motivationssysteme","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/fruehmenschliche-motivationssysteme\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchmenschliche Motivationssysteme"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema \u201eFr\u00fchmenschliche Motivationssysteme\u201c ist aus mehreren Gr\u00fcnden prek\u00e4r. Die Begriffe \u201efr\u00fche Menschen\u201c und \u201eMotivation\u201c sind vage; Untersuchungen zu diesem Thema sind multidisziplin\u00e4r, aber kaum interdisziplin\u00e4r, das hei\u00dft nicht angemessen vernetzt. \u00dcberdies ist unklar, wie sich \u00fcberhaupt Motivationen, die bei fr\u00fchen Menschen vorkamen, empirisch seri\u00f6s erkunden lassen. Und zugleich ist dieses Thema aktuell und relevant, steht es doch in Verbindung mit der grundlegenden anthropologischen Frage nach den humanspezifischen Eigenschaften, die unser Menschenbild pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Zu Fragen der Motivation gibt es zwei traditionelle Forschungsbereiche: die Motivationspsychologie und das psychoanalytische Seelenmodell. Der vorliegende Artikel greift demgegen\u00fcber einerseits auf Erkenntnisse der modernen kognitiven Psychologie und Philosophie des Geistes sowie der modernen Ethnologie zur\u00fcck, um fr\u00fchmenschliche Motivationssysteme einzukreisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Motivationspsychologie, Psychoanalyse und Motivation<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Motivationspsychologie untersucht prim\u00e4r Ursachen und Effekte konkreter Motivationen, beispielsweise Ursachen f\u00fcr au\u00dferordentliche Motivation im Job, oder Effekte mangelnder Motivation, eigene Kinder zu betreuen. Diese Untersuchungen sind zweifellos psychologisch und empirisch aufschlussreich, bem\u00fchen sich aber kaum um eine terminologisch klare Beschreibung von Motivation selbst, sondern greifen unter anderem auf Begriffe wie \u201einnere Kraft\u201c, \u201eWahlverhalten\u201c oder \u201eSelbstregulation\u201c zur\u00fcck. Die Korrelationen von Motivationen mit ihren Ursachen und Effekten werden meist im psychologischen Laboratorium untersucht. Es handelt sich daher um Studien zu Motivationen moderner Erwachsener, die f\u00fcr sich genommen keine empirische Basis f\u00fcr Hypothesen \u00fcber fr\u00fchmenschliche Motivationen bereitstellen.<\/p>\n<p>Die Psychoanalyse tritt seit geraumer Zeit in vielen verschiedenen Varianten auf. Dabei ist das Erbe Sigmund Freuds bis heute einflussreich geblieben. Nach Freund sind Triebe und Triebw\u00fcnsche die einzigen seelischen Motivationen. Diese Motivationen sind archaisch, biologisch verankert, transkulturell und nicht humanspezifisch: wir teilen sie mit vielen Tieren. Unsere grundlegenden Motivationen konstituieren unsere animalische Natur. Sie sind daher Quelle egoistischer, narzisstischer, destruktiver und sozial unangepasster Einstellungen und Handlungen. Was uns motiviert, sind egozentrische seelische Impulse. Soziale und altruistische Verhaltensweisen sind dagegen lediglich Ausdr\u00fccke sozialer Vorschriften, die nicht selbst motivierend sind, sondern nur die Funktion haben, Triebw\u00fcnsche zu z\u00e4hmen und zu sublimieren.<\/p>\n<p>Das gegenw\u00e4rtig leitende Paradigma, die intersubjektive Psychoanalyse, vertritt einen diametral gegens\u00e4tzlichen Standpunkt zu Freud. Diesem Ansatz zufolge sind unsere grundlegenden Motivationen gerade humanspezifisch und zutiefst sozial, denn sie zielen auf soziale Bindung, empathischen Austausch und soziale Anerkennung. Egoistische Motivationen sind dagegen Folgen des Versagens im sozialen Umfeld, wie zu wenig Empathie, Verst\u00e4ndnis und Anerkennung auf Seiten der sozialen Bezugspersonen, oft bedingt durch repressive gesellschaftliche Strukturen.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick ist schwer zu sehen, dass es zwischen Freudscher und intersubjektiver Psychoanalyse irgendeinen Kompromiss geben k\u00f6nnte. Und doch wurde ein theoretischer Kompromiss gefunden &#8211; die evolution\u00e4re Psychoanalyse, die wenig bekannt und doch \u00e4u\u00dferst interessant und hilfreich ist. Es ist wenig \u00fcberraschend, dass die evolution\u00e4re Psychoanalyse von dem \u00fcblichen Bild von Evolution ausgeht. In der Evolution zumindest h\u00f6herer sozialer Tiere sind drei Faktoren operativ:<\/p>\n<p>a) Personale Fitness (individuelles \u00dcberleben), die mit egoistischem Verhalten korreliert ist.<\/p>\n<p>b) Inklusive Fitness (Maximierung der Reproduktion eigener Gene), die mit selbstloser (altruistische) F\u00fcrsorge f\u00fcr eigene Kinder und Enkel, wie sie von der Soziobiologie entdeckt und erforscht worden ist.<\/p>\n<p>c) Gegenseitiger Altruismus: Tier A behandelt Tier B selbstlos, wenn A sicher erwarten kann, dass A selbst auch von B selbstlos behandelt wird, so dass dieser Altruismus kein echtes Opfer involviert.<\/p>\n<p>Die Matrix personale Fitness, inklusive Fitness, gegenseitiger Altruismus war \u00fcber lange Zeit Treiber der biologischen und kulturellen Evolution der Vorfahren von Menschen und gewiss auch der fr\u00fchen Menschen, denn sie operiert in allen h\u00f6heren sozialen Lebewesen, die \u00fcber Gef\u00fchle verf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Philosophie des Geistes und mentale Zust\u00e4nde<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Was immer Motivationen im Einzelnen sein m\u00f6gen, es handelt sich in jedem Fall um kognitive, mentale und somit geistige oder seelische Ph\u00e4nomene. Darum ist es naheliegend, Motivationen im terminologischen Rahmen der modernen Philosophie des Geistes zu beschreiben, die zurzeit die avancierteste empirische Theorie zu geistigen und seelischen Ph\u00e4nomenen darstellt. \u00dcber lange Zeit haben sich Psychologie und Psychoanalyse gegen\u00fcber der neueren Philosophie des Geistes abgeschottet. Erst in letzter Zeit beginnt diese harte theoretische Abgrenzung zu br\u00f6ckeln.<\/p>\n<p>Der Ausgangspunkt der Philosophie des Geistes ist eine offene Liste vertrauter mentaler (also geistiger) Zust\u00e4nde und Aktivit\u00e4ten wie etwa Meinungen, W\u00fcnsche, Interessen, Gedanken \u00fcber Gedanken, Ich-Bewusstsein, Erinnerungen, Verstehen, Erkl\u00e4rungen, Interpretationen,\u00a0 Schlussfolgerungen, Wissen, aber auch Wahrnehmungen, Tr\u00e4ume, Gef\u00fchle, Imaginationen und Halluzinationen. Die zentrale Frage ist: Durch welche Merkmale sind diese und \u00e4hnliche mentale Zust\u00e4nden und Aktivit\u00e4ten ausgezeichnet? Die allgemeine Antwort auf diese Frage ist: durch Funktionalit\u00e4t, Repr\u00e4sentationalit\u00e4t und Bewusstsein.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen diese Antwort veranschaulichen, wenn wir den Wahrnehmungs-Evaluations-Bewegungskreislauf (= WEB-Kreislauf) betrachten. Der WEB-Kreislauf ist die grundlegende Interaktion aller geistigen Wesen mit der externen Welt. Hier ein Beispiel:<\/p>\n<p>(i) Sehen, dass dort ein Krokodil ist (Repr\u00e4sentation)<\/p>\n<p>(ii) Auftreten von Angst (Evaluation \/ Bewusstsein: Gefahr!!)<\/p>\n<p>(iii) Weglaufen (Effekt und Funktion der Angst).<\/p>\n<p>Im WEB-Kreislauf treten alle Merkmale mentale Zust\u00e4nde auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Repr\u00e4sentationen, (i) dass das Tier dort ein Krokodil ist, und (ii) dass das Krokodil dort (f\u00fcr die betroffene Person) gef\u00e4hrlich ist.<\/li>\n<li>Eine Evaluation \u2013 in Gestalt der evaluativen Repr\u00e4sentation (s.o. (ii)) aufgrund von bestimmten Werten (values) (hier: Wert der k\u00f6rperlichen Unversehrtheit).<\/li>\n<li>Die Funktion (insbesondere der Evaluation): Generierung einer adaptiven motorischen Reaktion.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Betrachten wir nun die drei genannten Merkmale des Geistes ein wenig genauer, zun\u00e4chst die Funktionalit\u00e4t: Zustand Z eines Dinges D hat die faktische Funktion F, wenn F in einer Situation S von Z kausal hervorgerufen wird und<\/p>\n<ul>\n<li>F in S f\u00fcr D adaptiv (also \u00fcberlebensrelevant) ist.<\/li>\n<li>Eine faktische Funktion hei\u00dft echte Funktion, wenn ihre Eigenschaften (a) und (b) auf evolution\u00e4re Selektionen zur\u00fcckgehen.<\/li>\n<li>D ist meist ein autopoetisches System.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist wichtig, faktische Funktionen von mathematischen Funktionen zu unterscheiden. Eine mathematische Funktion ist einfach eine Zuordnungsvorschrift zwischen den Elementen zweier Mengen M1 und M2, derart dass jedem Element von M1 genau ein Element von M2 zugeordnet ist. Wenn von jetzt an von Funktionen die Rede ist, dann sind stets faktische, nicht mathematische Funktionen gemeint. Beispiele f\u00fcr Funktionen:<\/p>\n<ul>\n<li>Lange H\u00e4lse vom Giraffen haben die Funktion: Nahrung an hohen B\u00e4umen zu beschaffen, denn es ist ein kausaler Effekt der langen H\u00e4lse, Nahrung an hohen B\u00e4umen erreichen zu k\u00f6nnen, und dieser Effekt ist f\u00fcr alle Giraffen \u00fcberlebensrelevant. Es handelt sich sogar um eine echte Funktion, weil dieser Effekt evolution\u00e4r selektiert worden ist.<\/li>\n<li>Angst hat die Funktion, adaptive motorische Bewegungen hervorzurufen, die uns aus einer Gefahr befreien, und Scham hat die Funktion: sozial unangemessenes Verhalten zu vermeiden. Auch hier handelt es sich um echte Funktionen, allerdings ist Angst eine Basis-Emotion, die im Verlauf der biologischen Evolution selektiert wurde, w\u00e4hrend Scham eine soziale Emotion ist, die im Verlauf der kulturellen Evolution selektiert wurde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kommen wir nun zur Repr\u00e4sentationalit\u00e4t mentaler Zust\u00e4nde und Aktivit\u00e4ten \u2013 dem grundlegendsten zu zugleich recht ungew\u00f6hnlichen und r\u00e4tselhaften Merkmal des Geistes. Beginnen wir deshalb zun\u00e4chst mit einigen Beispielen.<\/p>\n<ul>\n<li>Wir sehen, dass dort ein rotes Auto parkt. Das hei\u00dft:<\/li>\n<\/ul>\n<p>(a) Wir repr\u00e4sentieren visuell, dass dort ein rotes Auto parkt.<\/p>\n<p>(b) Diese Wahrnehmung ist eine Repr\u00e4sentation.<\/p>\n<p>(c) Was diese Wahrnehmung repr\u00e4sentiert, ist ihr semantischer Gehalt.<\/p>\n<ul>\n<li>Orest halluziniert, dass ihn die Erinnyen verfolgen. Das hei\u00dft:<\/li>\n<\/ul>\n<p>(a) Orest repr\u00e4sentiert halluzinatorisch, dass ihn die Erinnyen verfolgen.<\/p>\n<p>(b) Diese Halluzination des Orest ist eine Repr\u00e4sentation.<\/p>\n<p>(c) Was diese Halluzination repr\u00e4sentiert, ist ihr semantischer Gehalt.<\/p>\n<p>Repr\u00e4sentationen sind demnach dadurch charakterisiert, dass sie korrekt oder inkorrekt sein k\u00f6nnen (z.B. wahr oder falsch), d.h. Korrektheitsbedingungen aufweisen. Diese merkw\u00fcrdige disjunktive Eigenschaft, korrekt-oder-inkorrekt zu sein, ist das grundlegendste Merkmal mentaler Zust\u00e4nde. Aufgrund dieser Eigenschaft wird der Geist zu einem Organ des schnellen Lernens, zu dem es geh\u00f6rt, sich gegebenenfalls korrigieren und verbessern zu k\u00f6nnen, und zwar innerhalb eines einzigen individuellen Lebens, nicht wie im Falle des \u201eevolution\u00e4ren\u201c Lernens durch Selektionen \u00fcber viele Generationen hinweg.<\/p>\n<p>Kommen wir schlie\u00dflich zum letzten der drei grundlegenden Merkmale mentaler Zust\u00e4nde, also des Geistes, dem Bewusstsein. Allgemein gesprochen ist Bewusstsein mentaler Selbstbezug, das hei\u00dft die F\u00e4higkeit, sich mit mentalen Zust\u00e4nden auf andere eigene mentale Zust\u00e4nde zu beziehen. Doch gibt es verschiedene Formen des mentalen Selbstbezuges, also des Bewusstseins.<\/p>\n<ul>\n<li>Ausgewachsene Schimpansen, Rabenv\u00f6gel, aber etwa auch Elefanten und Menschenkinder ab 2 Jahren k\u00f6nnen sich im Spiegel selbst erkennen: Sie haben eine Art von Ich-Bewusstsein, eine h\u00f6here Form und humanspezifische des Ich-Bewusstseins unter Wesen, die nat\u00fcrliche Sprachen meistern, ist die Formierung von Gedanken oder S\u00e4tzen, die das Wort \u201eich\u201c enthalten.<\/li>\n<li>Menschen, und nur Menschen, k\u00f6nnen Gedanken h\u00f6herer Ordnung \u00fcber eigene mentale Zust\u00e4nde entwickeln. Wir k\u00f6nnen zum Beispiel denken, dass unsere eigene emotionale Aggressivit\u00e4t unserem Freund gegen\u00fcber in den letzten Tagen unangemessen war. Damit betrachten wir unseren eigenen Geist wie auf einem Monitor. Diese Form des Bewusstseins hei\u00dft daher Monitorbewusstsein. In diesem Fall repr\u00e4sentieren unsere Gedanken andere unserer Gedanken, die ihrerseits Repr\u00e4sentationen sind. Das Monitorbewusstsein involviert daher die Repr\u00e4sentation einer anderen Repr\u00e4sentation, ist also eine Metarepr\u00e4sentation.<\/li>\n<li>Wir k\u00f6nnen aber auch erleben, wie es ist, in einem mentalen Zustand zu sein. Wir k\u00f6nnen zum Beispiel Todesangst erleben, und dann wissen wir, wie es sich anf\u00fchlt, Todesangst zu haben. Wenn wir noch nie Todesangst hatten, wissen wir auch nicht, wie es ist, Todesangst zu haben, selbst wenn wir ansonsten alles \u00fcber Todesangst w\u00fcssten und mit jeder Theorie \u00fcber Todesangst vertraut w\u00e4ren. Das Erleben, wie es ist, in einem mentalen Zustand zu sein, hei\u00dft ph\u00e4nomenales Bewusstsein dieses mentalen Zustands<em>.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Gef\u00fchle<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Eine wichtige und grundlegende Art von mentalen Zust\u00e4nden sind die Gef\u00fchle, die fr\u00fcher oft eher als k\u00f6rperliche und nicht als mentale Ph\u00e4nomene betrachtet wurden. Gegenw\u00e4rtig unterscheidet man drei Arten von Gef\u00fchlen:<\/p>\n<ul>\n<li>K\u00f6rpergef\u00fchle, bezogen auf Zust\u00e4nde des eigenen K\u00f6rpers (oft Defizit-Zust\u00e4nde), z.B. Hunger, Durst, Frieren.<\/li>\n<li>Emotionen<em>, <\/em>bezogen auf externe Objekte, z.B. Angst, Neugier, Ekel.<\/li>\n<li>Stimmungen ohne bestimmten Inhalt oder mit sehr allgemeinem Inhalt, z.B. Weltschmerz, unbestimmte Unruhe.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unter geist-theoretischem Aspekt sind Gef\u00fchle unter anderem deshalb von gro\u00dfem Interesse, weil sie auf paradigmatische Weise alle drei grundlegenden Merkmale mentaler Zust\u00e4nde aufweisen. Denn zumindest K\u00f6rpergef\u00fchle und Emotionen sind ph\u00e4nomenal bewusst, weisen faktische Funktionen auf und sind evaluative Repr\u00e4sentationen. Wir wissen bereits, dass Gef\u00fchle die Funktion haben, je nach Evaluation bestimmter Situationen adaptive Reaktionen zu generieren. Und Gef\u00fchle sind auch ph\u00e4nomenal bewusst. Wenn sie auftreten, erleben und sp\u00fcren wir direkt, wie es ist, diese Gef\u00fchle zu haben. Dass Gef\u00fchle jedoch auch etwas in der Welt repr\u00e4sentieren und daher zum Beispiel korrekt oder inkorrekt und sogar wahr oder falsch sein k\u00f6nnen, ist zwar von Aristoteles behauptet worden, wurde aber seit der fr\u00fchen Neuzeit oft bestritten. Gegenw\u00e4rtig wird die Repr\u00e4sentationalit\u00e4t der Gef\u00fchle im Rahmen der sogenannten kognitiven Gef\u00fchlstheorie wieder weithin anerkannt.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns noch einmal kurz daran, in genau welchem Sinn Gef\u00fchle repr\u00e4sentational sind. Wir freuen uns zum Beispiel auf das morgige Treffen mit unserer Freundin, oder wir sind w\u00fctend \u00fcber die Vorgehensweise unseres Vorgesetzten. Diese Freude repr\u00e4sentiert, dass das Treffen mit der Freundin angenehm wird \u2013 und das kann sich als wahr, aber auch als falsch erweisen. Und diese Wut repr\u00e4sentiert, dass die Vorgehensweise unseres Vorgesetzten unseren Status oder Arbeitsauftrag r\u00fccksichtslos \u00fcbersieht \u2013 und auch das kann sich als wahr, aber auch als falsch erweisen. Diese Gef\u00fchle weisen also Korrektheitsbedingungen auf, aber in einem wertenden, evaluativen Sinn. Denn ihr semantischer Gehalt enth\u00e4lt wertende Aspekte. Es wird angenehm mit unserer Freundin \u2013 der Vorgesetzte ist uns gegen\u00fcber respektlos.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen diesen Elementen der Gef\u00fchlstheorie noch zwei weitere Komponenten hinzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p>Es gibt insbesondere sieben Basis-Emotionen, die in allen menschlichen Kulturen auftreten und deren mimische oder gestische Ausdr\u00fccke in allen menschlichen Kulturen verstanden werden: Wut, Freude, Ekel, Trauer, Angst, \u00dcberraschung und Verachtung. Von den Basisemotionen unterscheidet man soziale Emotionen, die von sozialen oder kulturellen Standards und Kontexten abh\u00e4ngig sind, zum Beispiel Scham und Ehrgef\u00fchl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Motivationssysteme<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Auf dieser geist-theoretischen Grundlage k\u00f6nnen wir nun einen theoretisch und empirisch fundierten Definitionsvorschlag f\u00fcr die Begriffe Motivation und Motivationssystem machen:<\/p>\n<p>Person P ist motiviert, Bewegung oder Handlung H auszuf\u00fchren genau dann, wenn gilt: Es gibt einen WEB-Kreislauf der Form (i) X tritt in der N\u00e4he von P auf; (ii) P nimmt X wahr; (iii) P bewertet X und repr\u00e4sentiert X evaluativ in Gestalt eines Gef\u00fchls -&gt; (iv) P bewegt sich (handelt) in der Weise H.<\/p>\n<ul>\n<li>P hat die Disposition (Tendenz), angesichts des Ausl\u00f6sereizes (i) den WEB-Kreislauf in Gang zu setzen.<\/li>\n<li>Diese Disposition hei\u00dft Motivation, und ein Mechanismus der Form (a) hei\u00dft Motivationssystem.<\/li>\n<li>Was uns im grundlegenden Sinn motiviert, ist eine emotionale Bewertung, die zugleich eine Funktion aufweist.<\/li>\n<li>Welche Art von Motivation vorliegt, h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich von der evaluativen Komponente des Mechanismus und ihrem impliziten Bezug auf einen Wert ab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser Vorschlag besagt, dass Gef\u00fchle, geist-theoretisch gefasst als funktionale, bewusste und repr\u00e4sentationale mentale Zust\u00e4nde, den Kern von Motivationen und Motivationssystemen ausmachen. Wenn wir von hier aus zum Beispiel auf die klassische psychoanalytische Motivationstheorie in Freuds Version zur\u00fcckblicken, dann k\u00f6nnen wir die Triebe in Freuds Sinn noch am ehesten als K\u00f6rpergef\u00fchle einstufen. Aus dieser Perspektive ist die Freudsche Motivationstheorie zumindest viel zu restriktiv, weil sie lediglich auf Motivationen abhebt, die auf K\u00f6rpergef\u00fchle zur\u00fcckgreifen. Streng genommen sind Freuds Thesen \u00fcber Motivation daher falsch. Es ist nicht richtig, dass all unsere Motivationen lediglich auf K\u00f6rpergef\u00fchlen beruhen. Und es ist daher auch nicht richtig, dass all unsere Motivationen egoistisch und animalisch, also nicht humanspezifisch sind. Daher ist auch das Menschenbild falsch, das die klassische Psychoanalyse durch R\u00fcckgriff auf die Triebtheorie vorgeschlagen hat.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns nun der Aufgabe widmen, die wichtigsten derjenigen Motivationssysteme aufzulisten, die sich empirisch bei Menschen nachweisen lassen. Dabei wird deutlich, dass sich verschiedene Arten und Unterarten von Motivationssystemen herauskristallisieren. Dabei wird vorausgesetzt, dass alle Motivationssysteme von S\u00e4ugern mit einem spezifischen ph\u00e4nomenalen Bewusstsein korreliert sind, weil nur die Gehirne von S\u00e4ugern ein limbisches System enthalten, von dem neurobiologisch gezeigt worden ist, dass seine Aktivit\u00e4t alle Gef\u00fchle generiert.\u00a0 Empirisch unterschieden werden sie vor allem durch charakteristische Repr\u00e4sentationen (im Folgenden abgek\u00fcrzt durch R f\u00fcr das, was sie evaluativ repr\u00e4sentieren) und durch ihre charakteristischen Funktionen (im Folgenden abgek\u00fcrzt durch F f\u00fcr das, was sie adaptiv bewirken):<\/p>\n<p><strong>(1)\u00a0 Asoziale K\u00f6rpergef\u00fchle<\/strong><\/p>\n<p>(a) Schmerz &#8211; R: Gewebesch\u00e4den; F: Lokalisierung und Beseitigung eines Gewebeschadens.<\/p>\n<p>(b) Hunger &#8211; R: Nahrungsmangel; F: Suche \/ Aufnahme von Nahrung.<\/p>\n<p>(c) Durst &#8211; R: Fl\u00fcssigkeitsmangel von X. Funktion: Suche \/ Aufnahme von Fl\u00fcssigkeit.<\/p>\n<p>(d) Sexuelles Bed\u00fcrfnis &#8211; F: Sexuelle Bed\u00fcrftigkeit; F: Suche nach Sexualpartnern, Befriedigung sexueller Bed\u00fcrftigkeit, Produktion von Nachkommen.<\/p>\n<p>In genetischer Hinsicht dienen (a) \u2013 (c) vornehmlich der personalen Fitness, (d) dagegen der inklusiven Fitness.<\/p>\n<p><strong>(2) Asoziale Basis-Emotionen (mit X = physisches Ding)<\/strong><\/p>\n<p>(e) Neugier \/ Interesse an X &#8211; R: X ist attraktiv; F: Ann\u00e4herung, Erkundung von X.<\/p>\n<p>(f) \u00dcberraschung wegen X &#8211; R: X ist unerwartet. F: Unterbrechung von Aktivit\u00e4tsroutinen, vorsichtige Erkundung von X.<\/p>\n<p>(g) Freude \u00fcber X &#8211; R: X ist Quelle eigener Lust; F: enger Umgangs mit X.<\/p>\n<p>(h) Trauer wegen X &#8211; R: schmerzlicher Verlust von X; F: Aufl\u00f6sung der Bindung an X.<\/p>\n<p>(i) Furcht vor X &#8211; R: X ist gef\u00e4hrlich; F: Sicherheit gegen\u00fcber X.<\/p>\n<p>(j) Ekel vor X &#8211; R: X ist absto\u00dfend; F: Distanzierung von X, insbesondere Schutz vor sch\u00e4dlicher Nahrung und Ansteckung.<\/p>\n<p>Dabei wird die Furcht auch als Sicherheitsmechanismus bezeichnet, der ontogenetisch und phylogenetisch das grundlegendste Motivationssystem darstellt.<\/p>\n<p><strong>(3) Soziale Emotionen<\/strong><\/p>\n<p>(3.1) Bindungsemotionen<\/p>\n<p>(k1) &#8211; (k5) Emotionen (e) &#8211; (i) f\u00fcr X = Artgenosse (geistiges Wesen)<\/p>\n<p>(l) Dominanzstreben \u00fcber X &#8211; R: X ist Quelle eigener Befriedigung, und nicht selbst Quelle der Befriedigung von X; F: Ausbeutung von X.<\/p>\n<p>(m) Mitgef\u00fchl mit X &#8211; R: Leiden von X; F: Trost f\u00fcr, und Bindung an X.<\/p>\n<p>(n) Liebe zu X &#8211; R: X ist sexuell attraktiv, emotional sensitiv und intellektuell anregend. F: Lange, enge Beziehung zu X mit Wahrung der Interessen beider Liebenden.<\/p>\n<p>(3.2) Sozial-regulierende Emotionen<\/p>\n<p>(o) Wut\/\u00c4rger \u00fcber X &#8211; R: Verhalten von X ist unangemessene Verletzung des Eigeninteresses oder Verdienstes. F: Rache an, und Bestrafung von X.<\/p>\n<p>(p) Scham \u00fcber Verhalten X &#8211; R: X ist sozial unangemessen. F: K\u00fcnftige Vermeidung von X, Vers\u00f6hnung mit Gesch\u00e4digten.<\/p>\n<p>(r)\u00a0 Clanverhalten gegen\u00fcber X &#8211; R: X ist als Verwandte altruistisch zu unterst\u00fctzen. F: F\u00f6rderung des Zusammenhalts von Verwandtschaftssystemen.<\/p>\n<p>Im Blick auf diese empirisch und theoretisch gut gest\u00fctzte Liste menschlicher Motivationsysteme l\u00e4sst sich res\u00fcmieren, dass diese Motivationssysteme ein starker Beleg f\u00fcr unsere duale motivationale Natur darstellen. Denn gegen Freuds klassische Psychoanalyse beherbergt unsere Seele m\u00e4chtige, weitgehend unbewusste soziale Motivationssysteme, darunter auch altruistische Motivationssysteme. Und gegen die intersubjektive Psychoanalyse: beherbergt unsere Seele auch m\u00e4chtige, weitgehend unbewusste egoistische Motivationssysteme.<\/p>\n<p>\u00dcberdies scheinen die aufgelisteten Motivationssysteme bei allen Menschen vorzukommen (allerdings mit kulturspezifischen semantischen Gehalten). Das spricht f\u00fcr die Hypothese, dass wir hier auch fr\u00fchmenschliche Motivationssysteme vor uns haben. Einige dieser Motivationssysteme kommen sogar bei Tieren (S\u00e4ugern) vor, und zwar<\/p>\n<p>(i) K\u00f6rpergef\u00fchle und asoziale Emotionen.<\/p>\n<p>(ii) Bindungsemotionen au\u00dfer Liebe (Mitgef\u00fchl eindeutig nur bei Primaten)<\/p>\n<p>(iii) Sozial-regulierende Emotionen: Wut \/ \u00c4rger, elementares Imitieren.<\/p>\n<p>(iv) Kommunikation (begrenzt auf typische Tiersprachen).<\/p>\n<p>Zumindest die zu diesen Kategorien geh\u00f6renden Motivationssysteme sind mit Sicherheit fr\u00fchmenschlich. Wir m\u00fcssen uns jedoch den spezifisch fr\u00fchmenschlichen Motivationssystemen noch genauer zuwenden und daf\u00fcr auch arch\u00e4ologisches und ethnologisches Material heranziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Fr\u00fchkindliche Motivationen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bevor wir uns den arch\u00e4ologischen und vor allem den ethnologischen Forschungen zu fr\u00fchmenschlichen Motivationen zuwenden, m\u00fcssen wir uns einige fr\u00fchkindliche (also ontogenetisch fr\u00fche) Motivationen ansehen. Denn in den allermeisten F\u00e4llen sind ontogenetisch fr\u00fche Entwicklungsstufen auch phylogenetisch fr\u00fche Entwicklungsstufen.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, kommen bei Menschen allgemein und so auch bei kleinen Menschenkindern asoziale Basisemotionen vor, die meist egoistische Motivationen involvieren. Sie sind in allen menschlichen Kulturen nachweisbar und dienen dabei unter anderem auch der transkulturellen Kommunikation. Doch beginnen Menschenkinder im Gegensatz zu allen anderen Tieren und insbesondere auch den Primaten recht fr\u00fch den Wunsch zu entwickeln, einige dieser Basisemotionen mit anderen Menschen zu teilen, namentlich Neugier, Interesse und \u00dcberraschung. Dahinter steht der nachweisbare humanspezifische Wunsch, die eigene repr\u00e4sentationale Ausrichtung auf die externe Welt mit anderen zu teilen, auch wenn es nicht darum geht, die entsprechenden Objekte zu konsumieren (<em>shared intentionality, joint attention<\/em>). Dieser zutiefst sozial-kognitive Wunsch ist eine der wichtigsten und fr\u00fchesten Komponenten der sogenannten Neunmonats-Revolution, die eine inzwischen detailliert erforschte kognitive Entwicklung von Menschenkindern einleitet, die gegen Ende des vierten Lebensjahres einen gewissen Abschluss erf\u00e4hrt, zum Beispiel auf der Ebene des Meisterns nat\u00fcrlicher, syntaktisch voll ausgebildeter Sprachen und des Erfassens der mentalen Zust\u00e4nde anderer geistiger Wesen (<em>mind reading).<\/em><\/p>\n<p>Diese fr\u00fchkindliche Bem\u00fchung um geteilte Aufmerksamkeit weist eine raffinierte kognitive Struktur auf, die oft als Triangulation bezeichnet wird:<\/p>\n<p>P1 (Erwachsener) und P2 (Kind) blicken auf Objekt O.<\/p>\n<p>P2 (Kind) blickt auf P1.<\/p>\n<p>P2 blickt darauf, wohin P1 blickt.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich kontrollieren und manipulieren kleine Kinder die Triangulation. Zu diesem Ringen um kognitive Gemeinsamkeit geh\u00f6rt auch die \u2013 ebenfalls humanspezifische \u2013 T\u00e4tigkeit des Finger-Zeigens, die uns allem vertraut ist und von einj\u00e4hrigen Kindern oft ausge\u00fcbt wird. Denn das Finger-Zeigen ist ein wichtiger Bestandteil der Triangulation und hat \u00fcberdies nicht selten eine helfende Funktion. Tiere zeigen nicht nur nicht mit dem Finger, sondern k\u00f6nnen dem Finger-Zeigen auch nicht folgen, das hei\u00dft sie verstehen diese Geste nicht.<\/p>\n<p>In fr\u00fchkindlicher Ontogenese manifestiert sich also eine unmittelbare Motivation zur Herstellung sozialer Beziehungen im Rahmen kognitiver Aktivit\u00e4ten. Diese Diagnose wird durch weitere ontogenetische Befunde best\u00e4tigt. Betrachten wir etwa die Bindungsmechanismen, mit denen kleine Menschenkinder die soziale Bindungsbereitschaft ihrer Bezugspersonen zu aktivieren versuchen: Blickkontakt, L\u00e4cheln, Juchzen, Finger-Zeigen, Arme hochwerfen, Ber\u00fchrungskontakt. Auch das Verhalten von Tieren, insbesondere von Rudeltieren, wir durch Bindungsmechanismen gesteuert. Eine der Komponenten des Bindungsmechanismus zum Beispiel, das Komfort-Verhalten (ein Kind wird schmerzhaft verletzt oder ernsthaft getadelt und eilt zur Mutter, um sich tr\u00f6sten zu lassen), l\u00e4sst sich auch an Hunden beobachten. Aber Menschenkinder manifestieren einen sehr scharfen Fokus auf die Bindungssituation, so dass eine nachhaltige Verletzung des Bindungsmechanismus vergleichsweise schnell zu Traumatisierungen und Neurosen f\u00fchren. Im <em>still face experiment<\/em> wird beispielsweise deutlich, dass kleine Kinder im ersten Lebensjahr bereits nach 3 Minuten deutlich verzweifeln, wenn die Mutter durch eine steinerne Mimik zu signalisieren scheint, dass sie nicht bindungsbereit ist.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel ist das Ph\u00e4nomen der Empathie, in Gestalt von Mitgef\u00fchl und der F\u00e4higkeit, sich in die mentalen Zust\u00e4nde von Artgenossen hineinzuversetzen. Die elementarste Form des Mitgef\u00fchls ist die emotionale Ansteckung, die auch bei Primaten vorkommt, bei kleinen Menschenkindern jedoch sehr fr\u00fch und sehr ausgepr\u00e4gt ist. Eine h\u00f6here Stufe ist die F\u00e4higkeit des Gedankenlesens (<em>mind reading<\/em>), die sich bei Menschenkindern im Alter von einem und vier Jahren sukzessive entwickelt und im vierten Lebensjahr in der F\u00e4higkeit kulminiert, den Artgenossen Meinungen zuzuschreiben, die man selbst f\u00fcr falsch h\u00e4lt \u2013 eine F\u00e4higkeit, mit dem Bestehen des <em>false-belief-test<\/em> nachgewiesen wird, den kein Tier besteht.<\/p>\n<p>Ein drittes Beispiel sind ontogenetisch fr\u00fch auftretende Aktivit\u00e4ten des Konformismus, der sklavischen Imitation und des Helfens. Die Imitation ist auch unter h\u00f6heren Tieren weit verbreitet. Aber nur Menschenkinder imitieren das Verhalten ihrer Bezugspersonen sklavisch und in diesem Sinne konformistisch \u2013 in dem Sinn, dass sie nicht nur das Resultat der vorgemachten Aktivit\u00e4t zu erreichen suchen, sondern auch genau auf dem Weg, der vorgemacht wurde \u2013 selbst wenn bestimmte Schritte auf diesem Weg ersichtlich nichts zum Erreichen des Resultats beitragen. Schimpansen lassen in diesem Fall die unwirksamen Schritte weg und imitieren nur die kausal relevanten Schritte. Die humanspezifische sklavische Imitation ist jedoch f\u00fcr das kulturelle Tradieren und die humanspezifische kumulative Kulturentwicklung (in der einmal erzielte Resultate bewahrt bleiben und angeh\u00e4uft werden k\u00f6nnen) von ausschlaggebender Bedeutung.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich lassen sich bei kleinen Menschenkindern auch ausgepr\u00e4gte Formen des Helfens und Teilens von G\u00fctern beobachten, die so im <em>animal kingdom <\/em>nicht vorkommen.<\/p>\n<p>Diese Aktivit\u00e4ten beginnen mit dem sehr fr\u00fchen helfenden Finger-Zeigen und f\u00fchren sp\u00e4ter zum Beispiel dazu, dass Kinder etwa ab einem Alter von vier Jahren spontan ihre Nahrung mit anderen Kindern teilen, die offensichtlich in der entsprechenden Labor-Situation nichts zu essen haben.<\/p>\n<p>Aus all diesen ontogenetischen Befunden k\u00f6nnen wir mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine vielf\u00e4ltige fr\u00fchmenschliche Motivation zur Herstellung sozialer Bindungen schlie\u00dfen, die zumindest in den ausgepr\u00e4gten menschlichen Formen unter Tieren nicht vorkommen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Humane Ultrasozialit\u00e4t unter nomadischen J\u00e4gern und Sammlern<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Verhaltensweisen und Motivationen fr\u00fcher Menschen sind in den letzten drei Jahrzehnten auch direkt und systematisch untersucht worden, und zwar im Rahmen einer ethnologischen Feldforschung, die sich mit den bis heute existierenden Horden \u2013 150 an der Zahl \u2013 von nomadischen J\u00e4ger- und Sammler-Gemeinschaften besch\u00e4ftigt hat. Ein Beispiel ist die San-Kultur in Afrika, die mindestens seit 44.000 v.Ch. besteht.\u00a0 Die nomadischen J\u00e4ger- und Sammler-Gemeinschaften haben rund 95% der gesamten Zeit eingenommen, die der homo sapiens bislang auf der Erde zugebracht hat. Die Mechanismen, die sich in dieser langen Zeit (mindestens 1.5 Millionen Jahre) herausgebildet haben, sind bis heute in unserer unbewussten Seele operativ. Damit wird auch genau festgelegt, was unter den fr\u00fchen Menschen verstanden werden sollte. Es sind die Mitglieder der nomadischen J\u00e4ger- und Sammler-Gemeinschaften, deren Ende durch das Neolithikum um ca. 10.000 v.Chr. eingeleitet wurde, als die Menschheit aus der Paradies und dem Garten Eden, in dem man nur sammeln und jagen musste, vertrieben wurde und von da an den M\u00fchen der Sesshaftigkeit unterziehen musste: der Landwirtschaft, der Viehzucht, der Verteidigung und Eroberung von Territorien sowie der Errichtung\u00a0 neuer patriarchalischer Strukturen.<\/p>\n<p>Die nomadischen J\u00e4ger und Sammler waren keine Engel, sondern individuelle Menschen, die um ihre personale und inklusive Fitness bem\u00fcht waren. Die entsprechenden Motivationssysteme, die zum Beispiel auch bei Primaten zu beobachten sind und durch Egozentrismus und Rivalit\u00e4t sowie durch Streben nach sozialer Dominanz und Hierarchie gepr\u00e4gt sind, waren mit Sicherheit auch unter J\u00e4gern und Sammlern verbreitet. In diesem Bereich gab es auch unter den fr\u00fchen Menschen zuweilen Gewalt und auch Morde. Die entscheidende Frage ist daher, ob es daneben unter den fr\u00fchen Menschen auch soziale Motivationen gegeben hat, die \u00fcber den von der Soziobiologie nachgewiesenen Verwandtschafts-altruismus hinausgingen. Diese Fragestellung wird von Mauricio Cortina und Giovanni Liotti in einem h\u00f6chst informativen Artikel pointiert formuliert:<\/p>\n<p>\u201eHumans are an ultracooperative species, but they are also a deeply ambivalent species. Selfish motives compete with genuinely altruistic motives, domination and control compete with a thirst for equality and fairness, and a sense of solidarity toward people who are like <em>us<\/em> can easily turn ugly against people seen as different, as <em>them<\/em>. The view that emerges from this evolutionary story is not all sweetness and light, but it does affirm that altruism, empathy, and fairness are built into the fabric of our species\u2026 The traditional views see genes as selfish replicators that are pursuing their survival through cooperative means \u2026 The problem with these views is not that they are wrong; it is that they are partial, and only capture part of the remarkable story of human evolution. The emergence of prosocial motivations and emotions that are genuinely altruistic, and take pleasure and satisfaction in helping others is the other side of the story. This other side needs to be told\u201c.<\/p>\n<p>Wir sollten nicht \u00fcbersehen, dass diese Aussage universalistisch formuliert ist und offenbar f\u00fcr \u201eden\u201c Menschen gelten soll. Und wenn in diesem Kontext von Altruismus die Rede ist, dann nicht im Sinne des oben skizzierten Verwandtschaftsaltruismus, sondern im Sinne eines <em>genuinen Altruismus<\/em>, der in einem altruistisches Verhalten gegen\u00fcber Nicht-Verwandten ohne unmittelbaren Vorteil, also einer Hilfe ohne Erwartung einer Gegenleistung besteht und sich somit nicht durch die soziobiologische Matrix erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Es handelt sich demnach um eine echte Minderung personaler Fitness, und das altruistische Handeln beruht auf einer altruistischen Motivation.<\/p>\n<p>Die beiden wichtigsten Manifestationen einer altruistischen Motivation unter fr\u00fchen Menschen, also unter nomadischen J\u00e4gern und Sammlern, sind die egalit\u00e4re Teilung von Nahrung unabh\u00e4ngig vom pers\u00f6nlichen Erfolg von Individuen oder Familien im Jagen und Sammeln und das Fehlen politischer oder sozialer Dominanz. Denn es gibt keine politischen F\u00fchrer, wichtige Entscheidungen werden durch die gesamte Horde getroffen.<\/p>\n<p>Daher ist unter fr\u00fchen Menschen auch die Motivation verbreitet, soziale Parit\u00e4t mit den anderen Mitgliedern der Horde zu erlangen, wie es zum Teil auch explizit gegen\u00fcber Ethnologen artikuliert wurde. Demgegen\u00fcber ist die soziale Organisation von Primaten durch strenge soziale Hierarchie und vorherrschende Motivation zur Dominanz oder Unterwerfung gekennzeichnet. Dieser Unterschied k\u00f6nnte nicht krasser sein.<\/p>\n<p>Die Ultrasozialit\u00e4t des Menschen und insbesondere bereits der fr\u00fchen Menschen besteht gerade darin, dass menschliches Verhalten oft genuin altruistisch ist. \u00a0Wie bereits erw\u00e4hnt, werden aber alle Menschen dar\u00fcber hinaus auch durch Egoismus, Rivalit\u00e4t und Streben nach Dominanz motiviert: \u201eBoth egalitarianism and hierarchy are natural conditions of humanity\u201c. Dies gilt auch f\u00fcr die fr\u00fchen Menschen. Wie haben diese fr\u00fchen Menschen, deren soziale Organisation keinen Herrschaftsstab und keine Polizei enthielt, daf\u00fcr gesorgt, dass sie einander haupts\u00e4chlich altruistisch und nicht egoistisch behandeln?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Sanktionen in nomadischen J\u00e4ger- und Sammlergesellschaften<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Offensichtlich waren soziale Sanktionen erforderlich, um das Primaten-Erbe, insbesondere die Dominanz-Motivation als wichtigsten Faktor f\u00fcr soziale Hierarchie, auf Ultrasozialit\u00e4t hin auszurichten. Unter den fr\u00fchen Menschen lassen sich eine Reihe solcher Sanktionen beobachten, deren Kern meist eine mehr oder weniger radikale, l\u00e4ngere oder k\u00fcrzere soziale Ausgrenzung ist.<\/p>\n<p>(i) gegen Angeberei (bei Jagderfolg),<\/p>\n<p>(ii) gegen offenen Ausdruck negativer Emotionen (Aggressivit\u00e4t, Wut)<\/p>\n<p>(iii) gegen alle Versuche, spontan und ohne Absprache mit der Gruppe f\u00fcr die Gruppe zu sprechen.<\/p>\n<p>(iv) gegen alle Versuche, von etablierten sozialen Regeln abzuweichen (Konformismus).<\/p>\n<p>(v) in Gestalt eines radikalen Ungehorsams gegen\u00fcber allen Versuchen von Individuen, anderen etwas vorzuschreiben (\u201enat\u00fcrlich haben wir F\u00fchrer &#8211; wir alle sind F\u00fchrer\u201c).<\/p>\n<p>Angeberei, offene negative Emotionen, Soziopathie, politische Befehlsgewalt Einzelner werden also von allen anderen als sozial unangemessen und sogar pers\u00f6nlich gef\u00e4hrlich eingestuft. Wenn wir fragen, welche positiven Verhaltensweisen durch diese Sanktionen auf pers\u00f6nlicher Ebene etabliert werden sollen, dann offenbar (i) Bescheidenheit, (ii) Selbstbeherrschung, (iii) H\u00f6flichkeit und Freundlichkeit, (iv) Anpassung an Gruppenregeln, (v) Pers\u00f6nliche Autonomie (sofern vereinbar mit pers\u00f6nlicher Autonomie der anderen), (vi) Akzeptanz von Gruppenentscheidungen, basierend auf Konsens, (vii) Respekt f\u00fcr besondere Leistungen ohne entsprechende reale Vorteile (\u201eprimus inter pares\u201c).<\/p>\n<p>Dieses soziale Setting wird oft beschrieben als \u201emoralische Gemeinschaft\u201c. und tats\u00e4chlich ist das Streben, die Motivation nach sozialer und materieller Gleichheit eine zentrale Komponente des moralischen Standpunktes. Doch darf nicht \u00fcbersehen werden, dass die fr\u00fchmenschliche soziale Organisation auch ein Bem\u00fchen und eine Motivation zu einem tugendhaften Leben involviert. Denn die ersten vier Eigenschaften geh\u00f6ren zu Tugenden, wie sie in vielen Gesellschaften als Verhaltensstandards gepflegt wurden. Man kann die Gesamtheit dieser Werte durch eine grundlegende Motivation erkl\u00e4ren, die sich als Streben nach pers\u00f6nlicher Autonomie\u00a0 beschreiben l\u00e4sst. Die Realisierung dieser Tugenden, sowie die Motivation, diese Tugenden zu erwerben, sind zentrale Bedingungen f\u00fcr eine altruistische, egalit\u00e4re Gesellschaft.<\/p>\n<p>Es ist der Status einer gro\u00dfen Teilgruppe der fr\u00fchmenschlichen Gruppen, die das altruistische Bild dieser Gemeinschaften st\u00f6rt, der der Frauen. Es gibt Indizien daf\u00fcr, dass die Frauen zwar respektiert und teilweise auch hoch geehrt wurden, zumal \u00fcber sehr lange Zeiten unter den J\u00e4gern und Sammlern nicht bekannt war, dass die M\u00e4nner zur Fortpflanzung beitragen, so dass die Frauen als ein heiliges Mysterium betrachtet wurden, weil sie aus sich heraus das Weiterbestehen der Gruppe zu sichern schienen. Aber es wurde zum Beispiel von m\u00e4nnlichen Mitgliedern einer Eskimo-Horde auf die Frage, wer hier der Anf\u00fchrer sei, geantwortet (wenn auch mit verschmitztem L\u00e4cheln), dass alle M\u00e4nner gleicherma\u00dfen Kapit\u00e4ne und alle Frauen gleicherma\u00dfen Matrosen seien.<\/p>\n<p>Sehr allgemein formuliert l\u00e4sst sich feststellen, dass die fr\u00fchmenschliche Ultrasozialit\u00e4t aus einer Matrix von Motivationen nach einem m\u00f6glichst autonomen, tugendhaften und egalit\u00e4ren Leben bestand. Das ist mehr das klassisch antike Streben nach Autonomie und Tugenden, aber nicht nach Egalitarismus, und auch mehr als das neuzeitliche liberalistische Streben nach Autonomie und Egalitarismus, aber nicht nach Tugenden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Entstehung von Ultrasozialit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wie bereits betont, scheinen die fr\u00fchmenschlichen Motivationssysteme und sozialen Organisationen von den Motivationen und sozialen Mechanismen der kognitiv und emotional am weitesten entwickelten Tieren, den Menschenaffen, meilenweit entfernt zu sein. Daher liegt die Frage nahe, wie sich die fr\u00fchmenschlichen Motivationen \u00fcberhaupt aus den Motivationen der Menschenaffen haben entwickeln k\u00f6nnen. Diese Frage wurde eine l\u00e4ngere Zeit kontrovers diskutiert, doch mittlerweile zeichnet sich eine Antwort ab. Das Auftreten kooperativer Aufzucht, l\u00e4ngerer sexueller Bindungen, verz\u00f6gerter sexueller Reife und verl\u00e4ngerter Adoleszenz sowie radikal egalit\u00e4rer sozialer Organisationen sind die entscheidenden evolution\u00e4ren Strategien, mit denen sich die gr\u00f6\u00dfere Fitness von Gruppen mit \u00fcberwiegend altruistisch denkenden und handelnden Mitgliedern erkl\u00e4ren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Rudiment\u00e4re Formen kooperativer Aufzucht, also des alloparentalen Versorgens der Babys und kleinen Kinder, sind bereits unter den Menschenaffen nachweisbar (in 1\/5 aller Primatenspezies), allerdings beschr\u00e4nkt auf die Hilfe von engen Verwandten (Der interessante Fall der V\u00f6gel bleibt hier ausgeklammert, weil V\u00f6gel nicht zu den direkten Vorfahren der Menschen geh\u00f6ren.). Insbesondere beginnen die V\u00e4ter sich an der Aufzucht der Nachkommen zu beteiligen und die Babys als ihre eigenen Nachkommen zu betrachten. Diese Entwicklung hat sich unter Hominiden und in den fr\u00fchen menschlichen J\u00e4ger-Sammler-Gesellschaften (=JSG) enorm ausgeweitet.<\/p>\n<p>Die Zunahme langer (oft lebenslang) sexueller und sozialer Bindungen in den JSG und damit auch der alloparentalen Aufzucht f\u00fchrte zur Freisetzung junger, vitaler Frauen f\u00fcr die Nahrungssuche. In den JSG beschafften Frauen nicht weniger als ein Drittel aller Kalorien. Zugleich entstand eine erweiterte Familienstruktur mit vielen genetisch nicht-verwandten Mitgliedern, die ebenfalls lang dauernde soziale Beziehungen eingingen und sich untereinander kooperativ und tolerant behandelten. Diese Entwicklung wurde unterst\u00fctzt durch eine verl\u00e4ngerte Kindheit und Adoleszenz sowie der postreproduktiven Lebenszeit in den JSG. Dadurch entstand mehr Zeit zum kulturellen Lernen und eine weitere Ausweitung der alloparentalen Aufzucht auf Frauen in der postreproduktiven Phase (\u201eGro\u00dfm\u00fctter-Effekt\u201c).<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser sozialen Struktur konnte sich in den nomadischen J\u00e4gern und Sammlern ein radikaler sozialer Egalitarismus entwickeln. Soziale Emotionen wie Scham, Schuldgef\u00fchl, Verachtung als Internalisierungen ultrasozialer Motivation verbreiteten sich. Die JSG formierten erstmals aktiv einen kulturellen Kontext, der die altruistischen Mitglieder f\u00f6rderte und die Egoisten mit machtvollen Mechanismen ausgrenzte.<\/p>\n<p>Die raffiniertere Kooperation und die egalit\u00e4ren Normen erzeugten einen kulturell-evolution\u00e4ren Druck auf die Entfaltung komplexer Formen der intersubjektiven Kommunikation, insbesondere verst\u00e4rkte F\u00e4higkeiten des Gedankenlesens und der Empathie. Die Endstufe dieser Entwicklung war das Auftreten von Sprache und kumulativer kultureller Evolution mit kultureller Diversit\u00e4t.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen lassen sich weniger in Begriffen der biologischen als vielmehr der kulturellen Evolution beschreiben, in der die \u201eVererbung\u201c prim\u00e4r \u00fcber das mentale Tradieren und Lernen von Kenntnissen und Fertigkeiten organisiert wird. Au\u00dferdem arbeitet die Selektion in der kulturellen Evolution vor allem auf der Ebene sozialer Gruppen und weniger auf der Ebene von Individuen. Nat\u00fcrlich spielt dabei auch die genetische Struktur von Individuen eine Rolle: Ein altruistisches Gen kann sich nicht erfolgreich reproduzieren, wenn seine Tr\u00e4ger nicht mit h\u00f6herer als 50%iger Wahrscheinlichkeit mit Personen interagieren w\u00fcrden, die diesen Tr\u00e4gern Hilfe gew\u00e4hren. Denn nur unter dieser Bedingung sind die Tr\u00e4ger altruistischer Gene innerhalb ihrer Gruppe erfolgreich. Der zentrale Mechanismus, von dem alle Modelle der evolution\u00e4ren Erkl\u00e4rung des Altruismus ausgehen, ist daher wechselseitige Hilfe und Erwartung wechselseitiger Hilfe. Tats\u00e4chlich besteht in den JSG eine fast 100%ige Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr, dass Tr\u00e4ger altruistischer Gene mit Personen interagieren, die ebenfalls altruistisch agieren.<\/p>\n<p>Dieses Erfolgsmodell gilt allerdings nur f\u00fcr numerisch eng begrenzte Gruppen und kann nicht auf moderne Staaten angewendet werden. Nach der neolithischen Revolution seit ca. 12.000 v. Chr. mit der Entwicklung von Pflanzenanbau, Tierz\u00e4hmung, Landwirtschaft, St\u00e4dtebau und extremem Patriarchat in gr\u00f6\u00dferen Gemeinschaften war das alte egalit\u00e4re System nicht mehr anwendbar. Die\u00a0 Dominanzhierarchien kehrten zur\u00fcck, aber zum Teil in Formen, die einen Teil des alten Egalitarismus bewahrten, n\u00e4mlich in Gestalt von religi\u00f6sen, judikalen, exekutiven und politischen Institutionen sowie von \u00f6konomischen Einheiten (etwa Firmen), die zwar intern hierarchisch aufgebaut sind, aber zugleich auf sozialen Regelungen beruhen, die f\u00fcr alle gleicherma\u00dfen gelten. Die gegenw\u00e4rtigen demokratischen Rechtsstaaten realisieren zum Beispiel derartige Strukturen und scheinen sich im kulturellen Wettbewerb erneut als \u00fcberlegen zu erweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Fr\u00fche Menschen und Kriege<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund dieses Bildes von zentralen Motivationssystemen und sozialen Organisationen und nomadischen J\u00e4ger- und Sammlergesellschaften flammte eine kontroverse Debatte wieder auf \u2013 die Debatte um die kriegerische menschliche Natur. Haben wir nicht beeindruckende Indizien f\u00fcr viele kriegerische Aktionen fr\u00fchmenschlicher St\u00e4mme, und widerspricht dieser Befund nicht dem soeben gezeichneten Bild von weitgehend friedlichen und altruistischen nomadischen J\u00e4gern und Sammlern?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat es seit den neunziger Jahren gro\u00df angelegte Studien gegeben, beispielsweise von Lawrence Keeley und Steven Pinker, die glaubten, aufgrund wissenschaftlicher Befunde mit dem Mythos des friedlichen Wilden und seiner Korruption durch den wei\u00dfen Westen, der von postmodernen Denkern zum Dogma erhoben wurde, aufr\u00e4umen zu k\u00f6nnen. Diese Studien weisen auf eine hohe Todesrate in fr\u00fchen Stammesgesellschaften hin, und zwar als Folge h\u00e4ufiger Kriege zwischen St\u00e4mmen <em>sowie <\/em>kleiner Stammesterritorien, unzureichender Verteidigungsanlagen und geringer Produktivit\u00e4tsraten. Bereits ein kurzer \u00dcberfall konnte einen Stamm fast v\u00f6llig vernichten oder in eine folgenreiche Hungerperiode zwingen.<\/p>\n<p>In der amerikanischen Fr\u00fchgeschichte l\u00e4sst sich belegen, dass solche \u00fcberraschenden \u00dcberf\u00e4lle durchaus nicht selten waren. Nat\u00fcrlich waren die absoluten Todesraten wegen der geringen Bev\u00f6lkerungsdichte gering \u2013 aber relativ auf die Gesamtbev\u00f6lkerung waren sie sehr hoch. H\u00e4tte es im zweiten Weltkrieg dieselbe relative Todesrate gegeben wie in den fr\u00fchen Stammesgesellschaften, so h\u00e4tte es nicht 50 Millionen, sondern 2 Milliarden Tote gegeben. Das hei\u00dft, die Todesrate war in den fr\u00fchen Stammesgesellschaften rund 20mal h\u00f6her als im 20. Jahrhundert. Daher liegt die Annahme nahe, dass Frieden umso wahrscheinlicher ist, je gr\u00f6\u00dfer die politischen, sozialen und \u00f6konomischen Einheiten sind, die wir errichten. Aus Sicht der modernen Anthropologie sind die Ideen einer nationalen und ethnologischen Eigenst\u00e4ndigkeit und Selbstbestimmung absurd.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchen Stammesgesellschaften waren demnach gewaltt\u00e4tig und kriegerisch, doch seither ist eine kontinuierliche Verbesserung eingetreten. Diese Entwicklung ging mit einer deutlichen Zunahme der Humanit\u00e4t einher, so \u00a0mit der Durchsetzung von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit, \u00c4chtung von Folter und Brutalit\u00e4t, kultureller Liberalisierung, Antirassismus, Pazifismus. In diesem Prozess hat insbesondere nach Pinker Europa eine F\u00fchrungsrolle \u00fcbernommen. Pinker m\u00f6chte die Auffassung des Philosophen Immanuel Kant, der als einer der ersten von einem best\u00e4ndigen Fortschritt des Menschengeschlechts gesprochen hat, mit wissenschaftlichen Methoden beweisen.<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerungen von Keeley und Pinker scheinen den neuesten ethnologischen Befunden \u00fcber die weitgehende Friedlichkeit der nomadischen J\u00e4ger- und Sammlergesellschaften diametral zu widersprechen. Doch dieser Widerspruch l\u00e4sst sich aufl\u00f6sen. Keeley, Pinker und ihre Mitstreiter haben fast ausschlie\u00dflich Daten von St\u00e4mmen verwendet, die im zeitlichen Rahmen der neolithischen Revolution lebten und zum gro\u00dfen Teil bereits sesshaft waren. Und f\u00fcr diese St\u00e4mme sind ihre Aussagen auch korrekt. Doch sie haben ihre Befunde f\u00e4lschlich auf die lange Zeit zwischen 1.000.000 und 10000 v. Chr. extrapoliert. Die fr\u00fche Menschheit durchlief eine lange, \u00fcberwiegend friedliche Phase, doch sobald durch Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht, pers\u00f6nliches Eigentum, fixierte Territorien und Patriarchat eingef\u00fchrt wurden, nahmen soziale Ungleichheit, Unterwerfung von Frauen, gewaltt\u00e4tige Aggression und kriegerische Aktionen sprunghaft zu.<\/p>\n<p>Diese Befunde korrigieren sowohl das zivilisationstheoretische Bild von den goldenen alten Zeiten und dem anschlie\u00dfenden kontinuierlichen Abgleiten der Menschheit in immer schlechtere gesellschaftliche Umst\u00e4nde voller Entfremdung, Ausbeutung und Krieg, als auch das zivilisationstheoretische Bild von urspr\u00fcnglich ungez\u00e4hmten triebgesteuerten Zust\u00e4nden voller Aggressivit\u00e4t, Gewalt und brutaler Herrschaft hin zu immer mehr Frieden, Freundlichkeit, Vernunft und Freiheit. Die Menschheitsgeschichte enth\u00e4lt vielmehr beide Trends: Von langen \u00fcberwiegend friedlichen Zeiten mit weitgehend l\u00f6sbaren pers\u00f6nlichen Konflikten ohne Krieg, die unsere Natur entscheidend gepr\u00e4gt haben, hin zu einem grundlegenden Bruch, der extrem viel Gewalt und Aggressivit\u00e4t mit sich brachte, die anschlie\u00dfend allm\u00e4hlich und kontinuierlich abgemildert, aber nicht endg\u00fcltig \u00fcberwunden werden konnten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung \u00a0 Das Thema \u201eFr\u00fchmenschliche Motivationssysteme\u201c ist aus mehreren Gr\u00fcnden prek\u00e4r. Die Begriffe \u201efr\u00fche Menschen\u201c und \u201eMotivation\u201c sind vage; Untersuchungen zu diesem Thema sind multidisziplin\u00e4r, aber kaum interdisziplin\u00e4r, das hei\u00dft nicht angemessen vernetzt. \u00dcberdies ist unklar, wie sich \u00fcberhaupt Motivationen, die bei fr\u00fchen Menschen vorkamen, empirisch seri\u00f6s erkunden lassen. 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