{"id":104125,"date":"2025-04-23T15:26:36","date_gmt":"2025-04-23T13:26:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=104125"},"modified":"2025-04-23T15:26:38","modified_gmt":"2025-04-23T13:26:38","slug":"homo-religiosus-wie-die-evolution-die-religiositaet-der-menschheit-praegte","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/homo-religiosus-wie-die-evolution-die-religiositaet-der-menschheit-praegte\/","title":{"rendered":"Homo religiosus"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin kein Theologe, ich bin Religionswissenschaftler. Der Unterschied ist, Religionswissenschaftler d\u00fcrfen glauben, Theologen m\u00fcssen oder sollten es zumindest. Theologie ist die Innensicht einer bestimmten religi\u00f6sen Tradition. Religionswissenschaft ist die Au\u00dfensicht. Sie arbeitet vergleichend, wie die Musikwissenschaft oder die Sprachwissenschaft. Meine Doktorarbeit ging zum Beispiel \u00fcber Religion und Hirnforschung, \u00fcber die sogenannte Neurotheologie, wie man das damals genannt hat, so bin ich dann auch zum Thema Evolutionsforschung und Religion gekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also warum haben wir Gehirne, die \u00fcberhaupt in der Lage sind zu religi\u00f6sen, spirituellen und magischen Erfahrungen? Das war die Frage, die sich damals stellte und die sich seitdem immer wieder neu gestellt hat. Die Frage m\u00f6chte ich heute beantworten. Soziale Kognitionen, soziale Wahrnehmungen haben wir mit anderen Primaten gemeinsam. Sie haben sich aber beim Menschen weiterentwickelt und auf ihnen setzt heute kulturelle Evolution auf. Da sind wir schon ganz nah beim Thema Religion. Die Idee, das Ganze, auch die Religion, evolution\u00e4r zu erforschen, also nicht mehr zu sagen, es hat die eine Seite Recht oder die andere, sondern zu sagen: Wenn die Evolution zutrifft, wenn es wirklich eine Evolution gegeben hat, dann muss auch die Religion in diesem Evolutionsprozess entstanden sein, diese Idee ist nicht ganz neu.<\/p>\n<p>Diese Idee hatte ein Theologe, von dem Sie bestimmt schon geh\u00f6rt haben, sein Name war Charles Darwin. Charles Darwin hat in seinem ganzen Leben nur einen einzigen Studienabschluss erworben, n\u00e4mlich den eines Theologen. Er studierte anglikanische Theologie in Cambridge, war Zehntbester seines Jahrgangs und hat in seinem sp\u00e4teren Leben immer wieder darauf Bezug genommen. Er hat auch eine agnostische Phase gehabt, aber im letzten Lebensjahr, kurz vor seinem Tod, begeistert er sich noch einmal f\u00fcr das Buch eines irischen Kollegen, obwohl er \u00fcber die Iren immer sehr negativ geschrieben hat. Dieser irische Kollege begeistert ihn mit einem Buch <em>The creed of science<\/em> , in dem er sagt: Man kann die Religion und die Evolution wunderbar zusammendenken. Er entwickelt ein Emergenz-Modell, ein Modell, das die Wirklichkeit schichtet, so dass immer neue Dinge in der Evolution dazukommen. Darwin schreibt ihm: \u201eSeit Jahren hat mich kein Buch mehr so begeistert, ich will Sie unbedingt treffen.\u201c Aber leider stirbt Darwin vorher, so dass wir nicht wissen, was da noch gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aber im Werk von Darwin finden wir, vor allem in seiner <em>Abstammung des Menschen<\/em> von 1871, ganze Abs\u00e4tze zu einer Evolutionstheorie der Religion. Darwin war der Auffassung, dass die Entstehung von Religion kein Zufall war, sondern sie im evolution\u00e4ren Prozess entstanden ist, dass sie auf sozialen Erfahrungen aufsetzt. Dass sie sich im jungen Alter in das Gehirn einpr\u00e4gt, schreibt er sogar, und dass sie bestimmte Funktionen erf\u00fcllt. Er glaubt, sie st\u00e4rkt vor allem die Gemeinschaft und zwar nach innen, durchaus aggressiv aber nach au\u00dfen. Wir werden nachher sehen, dass er da durchaus teilweise Recht hatte. Nat\u00fcrlich ist die Forschung seitdem weitergegangen, aber es lohnt sich, Darwin auch als Theologen zu lesen. Dabei gibt es noch viel zu entdecken.<\/p>\n<p>Inzwischen erscheinen, auch in deutscher Sprache, immer mehr und gr\u00f6\u00dfere Werke, es ist eine Herausforderung, diesen ver\u00e4stelten Forschungszweigen noch zu folgen. Es gibt sogar ein eigenes Fach und eine Zeitschrift mit dem Titel <em>religion, brain and behaviour<\/em>, in der nichts anderes erscheint als immer neue Studien zu diesem Thema. Es wird also immer feiner und immer kleinteiliger, es kommt auch immer mehr dabei heraus, eine spannende Zeit. Ich werde einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber diese Forschungsbereiche geben, um Ihnen ein Gesamtbild anbieten zu k\u00f6nnen, von dem, was wir Stand heute wissen und als empirisch gesichert zumindest behaupten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum einen die Frage der Definition von Religion bei Charles Darwin: Er definiert Religion als Glaube an unsichtbare und spirituelle Wesenheiten, \u201eagencies\u201c nennt er das. Wir k\u00f6nnen das \u00fcbersetzen als Glaube an \u00fcberempirische Akteure. Was bedeutet das? Sie alle sind aus meiner Sicht empirisch nachweisbar. Wir k\u00f6nnen miteinander agieren, Sie k\u00f6nnen antworten usw. Ich kann zwar nicht in letzter Konsequenz oder Sie k\u00f6nnen nicht in letzter Konsequenz beweisen, dass es mich wirklich gibt, ich k\u00f6nnte auch nur ein Traum sein, ob gut oder schlecht: Das m\u00fcssen Sie jetzt beurteilen. Aber wir k\u00f6nnen uns zumindest intersubjektiv darauf verst\u00e4ndigen: Ja, der ist da, der andere, wir sehen ihn auch. \u00dcberempirische Akteure, an die k\u00f6nnen wir gemeinsam glauben, wir k\u00f6nnen ihre Existenz aber nicht intersubjektiv nachweisen. Wenn ich Ihnen sage: Wir haben einen Engel im Raum, oder Gott ist anwesend, dann k\u00f6nnen diejenigen unter Ihnen, die auch religi\u00f6s sind, das nachvollziehen und k\u00f6nnen sagen: Ja, das sind Darstellungen, wir haben Symbole, vielleicht sogar ein Gef\u00fchl davon, aber wir k\u00f6nnen die Existenz nicht in gleicher Weise empirisch nachweisen. Wir k\u00f6nnen es glauben, aber es bleibt tats\u00e4chlich ein Akt des Glaubens.<\/p>\n<p>Wir unterscheiden heute in der Forschung Religiosit\u00e4t von Spiritualit\u00e4t. Spiritualit\u00e4t als Modellierung der Ich-Umwelt-Abgrenzung: Wir alle nehmen in unserem Gehirn immer wieder die Abgrenzung vor: Was bin ich und was ist zum Beispiel der Stuhl, auf dem Sie sitzen, oder das Holz, an das ich gerade fasse? Das hei\u00dft, wir grenzen ab zwischen dem Ich und der Umwelt. Auch das wird in unseren Gehirnen konstruiert, und in Meditations\u00fcbungen k\u00f6nnen Sie \u00fcben und lernen, diese Ich-Umwelt-Abgrenzung herabzusetzen oder sogar aufzul\u00f6sen, Einheitserfahrungen zu machen. Oder das Gebet, in dem ich mich an einen \u00fcberempirischen Akteur wende. Das ist Spiritualit\u00e4t in religi\u00f6sen Formen, wenn ich eins werde mit dem Heiligen Geist, wenn ich eins werde mit Gott, mit Christus oder in der nicht-religi\u00f6sen Form, wenn ich eins werde mit dem Fu\u00dfballstadion oder eins werde mit dem Wald oder einfach mit dem Universum.<\/p>\n<p>Religion und Spiritualit\u00e4t korrelieren miteinander, das hei\u00dft, wer sehr religi\u00f6s ist, hat meist auch eine gewisse Spiritualit\u00e4t und umgekehrt, sie sind aber nicht unbedingt miteinander gekoppelt. Sie k\u00f6nnen auch das eine ohne das andere haben. Religion und Spiritualit\u00e4t werden auch in unterschiedlichen Gehirnregionen bearbeitet und in unterschiedlichen kulturellen Traditionen gepflegt. Deswegen haben Sie in fast allen Weltreligionen immer auch einen starken dogmatischen Zweig. Gott hat also geboten, wie man sich verhalten soll. Und Sie haben auch einen mystischen Zweig, der das oft ein bisschen hinterfragt und dann mit den G\u00fctern des Lehramts aneinander ger\u00e4t, etwa die Sufis im Islam oder die Mystiker in der christlichen Tradition. Das haben Sie quer durch die Weltreligionen.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen sogar sehen, dass es auch eine Evolutionsgeschichte von Religion gibt. Formen, die wir heute als religi\u00f6s verstehen, k\u00f6nnen wir tats\u00e4chlich in der Vergangenheit sehen, gerade bei Begr\u00e4bnissen. Die fr\u00fchesten Begr\u00e4bnisfunde, bei denen man sich wirklich sicher ist, werden auf etwa 125.000 vor Christus datiert und stammen aus Afrika. Wir haben Grabbeigaben. Wir haben Sekund\u00e4rbestattungen, bei denen der Kopf erst noch nicht bestattet wird und der Tote somit Teil der Gruppe bleibt und erst sp\u00e4ter endg\u00fcltig bestattet wird. Die Grabbeigaben deuten zumindest daraufhin, dass auch Jenseitsvorstellungen da sind, also dass die Tote, der Tote im Jenseits noch irgendetwas damit anfangen kann.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich nur schwer von heutigen Formen auf die Vergangenheit schlie\u00dfen, aber soweit wir sehen k\u00f6nnen, passt das sehr gut zueinander. Wir haben Darstellungen von Personen, \u00fcbrigens Fruchtbarkeitsdarstellungen von weiblichen K\u00f6rpern, die sogenannten Venusfiguren \u2013 sie sind viel \u00e4lter als m\u00e4nnliche Darstellungen. Wir sehen noch bis in die Antike, dass der Urstoff weiblich ist. Die Materialisten wissen \u00fcbrigens gar nicht, dass sie eigentlich die Mater, also den weiblichen Mutterstoff verehren. In der christlichen Religion haben wir ja auch das Miteinander des G\u00f6ttlichen und sogar eine g\u00f6ttliche Mutter, die es hervorbringt.<\/p>\n<p>Vor etwa 14.000 Jahren entstanden die ersten Geb\u00e4ude in G\u00f6bekli Tepe im S\u00fcdosten der heutigen T\u00fcrkei (<strong>siehe Abb. 1<\/strong>). Das ist interessant, weil sich innerhalb von wenigen Jahren etwas ge\u00e4ndert hat. Als ich studiert habe, hie\u00df es noch: Die Menschen entwickeln zuerst eine Wirtschaftsweise und dann entwickeln sie die passende kulturelle und religi\u00f6se Form dazu. Heute sehen wir, dass es mehr eine Wechselwirkung ist. Es handelte sich noch um J\u00e4ger und Sammler, aber sie errichteten bereits Geb\u00e4ude, offensichtlich f\u00fcr einen Totenkult. Die Geb\u00e4ude wiederum trugen zur Sesshaftwerdung bei \u2013 interessanterweise \u00fcbrigens in der Region, die die Bibel als im weiteren Sinne Region des Paradiesgartens definiert. Wir w\u00fcrden aus heutiger Sicht sagen, dass in der Evolution das Nat\u00fcrliche, das Kulturelle und das Geistige immer wieder miteinander wechselwirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen heute in Hirnscans verfolgen, was geschieht, wenn Menschen beten oder wenn sie meditieren. Es kann festgestellt werden was aktiviert wird und was nicht angeregt ist. Das ist genauso, wie beim Geige-Spielen oder wenn Sie auf einem anderen Instrument \u00fcben. Unsere Gehirne sind plastisch, und Sie k\u00f6nnen mit T\u00e4tigkeiten, die Sie \u00fcben, F\u00e4higkeiten auch der Selbstregulation im Gehirn schaffen. Deswegen wird in den monastischen Traditionen auch von \u00dcbungswegen gesprochen.<\/p>\n<p>Religion spielt sich im vorderen Gehirnbereich ab wie andere soziale Kognitionen: Auch wenn Sie mit anderen interagieren, ist die Region aktiv. \u00dcbrigens ist das auch die Region, in der sich religi\u00f6se Rituale \u00e4u\u00dferlich abspielen, wo Christen zum Beispiel das Kreuzzeichen machen, Juden die Gebetskapsel aufbinden, Hindus und Buddhisten das Dritte Auge zeigen, Muslime, die sich beim Gebet bis dorthin verneigen, Sikhs das Tuch ber\u00fchren usw.<\/p>\n<p>In einer britischen Studie mit christlichen Probanden haben die Forscher verschiedene T\u00e4tigkeiten ausf\u00fchren lassen und konnten feststellen: Wenn die Leute ein pers\u00f6nliches Gebet gesprochen haben, war die Aktivierung der Regionen im vorderen Gehirnbereich am st\u00e4rksten. Sie war schw\u00e4cher, wenn sie ein Ritualgebet gesprochen haben, wie das Vaterunser. Sie kennen das Problem, man muss immer aufpassen, dass Rituale nicht ausleiern. Und am geringsten war die Aktivierung der Gehirnregion, wenn sie W\u00fcnsche an den Weihnachtsmann formuliert haben. Nun werden Sie sagen: Der Weihnachtsmann ist auch ein \u00fcberempirischer Akteur. Es gibt eine Menge <em>Homines Sapientes<\/em> , die an den Weihnachtsmann glauben, vor allem kleinere. Und das ist genau der Punkt: Es h\u00e4ngt tats\u00e4chlich davon ab, inwiefern man an ihn glaubt. Wir k\u00f6nnen heute im Gehirn sehen, ob tats\u00e4chlich soziale Erfahrung damit gemacht wird.<\/p>\n<p>In einer wunderbaren Studie hat eine Kollegin aus D\u00fcsseldorf, Nina Azari, die jetzt zu Recht einen Lehrstuhl auf Hawaii bekommen hat, Atheisten und Christen Psalm 23 lesen lassen: \u201eDer Herr ist mein Hirte\u2026\u201c Man kann deutlich die Unterschiede sehen: Wenn Sie nicht religi\u00f6s sind, dann k\u00f6nnen Sie auch aus dem Telefonbuch vorlesen, dann passiert da nichts. Aber wenn Sie religi\u00f6s sind, dann ist das eine intensive Erfahrung. Da k\u00f6nnen nat\u00fcrlich die Philosophen und Theologen fragen: Wie ist die Kausalit\u00e4t? Aber empirisch, religionswissenschaftlich gesehen, k\u00f6nnen wir einfach sagen: Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem inneren Erleben und dem, was sich in unserem Gehirn abspielt. Oder anders gesagt: Als der Mensch, als unsere Vorfahren diese Gehirnregionen entwickelten, bekamen sie die F\u00e4higkeiten, auch religi\u00f6se, spirituelle Erfahrungen machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Schimpanse hat auch schon ein ziemlich cooles Gehirn, aber beim Homo Sapiens ist noch eine deutliche Weiterentwicklung zu beobachten. Beim Homo Erectus, dem gemeinsamen Vorfahren von Sapiens und Homo Neanderthalensis, ist \u00fcber den Augen noch Schluss, die Stirn klappt sozusagen nach hinten. Das Frontalhirn ist noch schwach ausgepr\u00e4gt. Es gibt einige Kollegen, die meinen: Es gab vielleicht schon Ritualverhalten, aber zumindest haben wir noch kein entwickeltes religi\u00f6ses Verhalten. Ziemlich rasch entwickelt sich dann bei Neanderthalensis und Homo Sapiens diese Gehirnregion, und prompt zeigt sich religi\u00f6ses Verhalten oder Verhalten, das wir als religi\u00f6s deuten.<\/p>\n<p>Es gibt Forscher, die sagen: Die etwas schw\u00e4chere Auspr\u00e4gung dieses Gehirnbereichs beim Neandertalers gegen\u00fcber dem Homo Sapiens k\u00f6nnte dazu gef\u00fchrt haben, dass unterschiedliche Gruppengr\u00f6\u00dfen entstanden, dass der Homo Sapiens m\u00f6glicherweise in der Lage war, auch durch Religion gr\u00f6\u00dfere Gruppen zu bilden und dass das einer seiner Vorteile gegen\u00fcber dem Homo Neanderthalensis gewesen ist. Aber wir haben uns trotzdem mit ihm vermischt, die allermeisten von uns haben auch ein bisschen Neandertaler-Genom mitgebracht. Das wusste Darwin noch nicht, es h\u00e4tte ihn aber sicher gefreut.<\/p>\n<p>Die Debatte, ob wir denn schon Vorformen von Religiosit\u00e4t auch bei Tieren entdecken, finden wir auch schon bei Darwin. Er nimmt seinen geliebten Hund und sagt: Wenn sich der Sonnenschirm durch den Wind bewegt, dann knurrt mein Hund. Er sei ein sehr intelligentes Tier und vermutet, da ist jemand. Also: Er vermutet nicht eine Macht, nicht ein Etwas, sondern einen Jemand hinter der Bewegung des Schirms. Darwin schlie\u00dft daraus: Aha, da ist eine, wir nennen das heute \u00dcberwahrnehmung von Wesenhaftigkeit, eine <em>Hyper-Agency-Detection<\/em>.<\/p>\n<p>Bei anderen Verhaltensformen haben wir es leichter. Musik zum Beispiel oder Balzen finden wir bei Mensch und Tier. Aber Darwin meint, wir finden auch Vorformen von Religiosit\u00e4t oder Kognition, die zu Religion f\u00fchren k\u00f6nnen, schon bei Tieren: Trauer bei Elefanten zum Beispiel, bei Primaten, gerade Schimpansen, aber auch bei anderen sozial lebenden S\u00e4ugetieren, wie Delfinen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Spinnen trauern.<\/p>\n<p>Dann gibt es unter den Primatologen eine gro\u00dfe Diskussion \u00fcber Ritualverhalten, einige sprechen von sogenannten Regent\u00e4nzen. Jane Goodall zum Beispiel hat auch das Stichwort Spiritualit\u00e4t in ihr Handbuch der Primatologie aufgenommen. Ich als Religionswissenschaftler w\u00fcrde es in Anf\u00fchrungszeichen setzen, weil wir nicht wissen, ob eine Vorstellung dahinter steckt. Wenn ein bestimmtes Verhalten auftritt, auch wenn das manchmal schon sehr rituell aussieht, will ich einfach sagen: Auch hier haben wir zumindest keine Hinweise darauf, dass religi\u00f6ses Verhalten v\u00f6llig unnat\u00fcrlich w\u00e4re und mit nichts zu vergleichen w\u00e4re, was es nicht auch zumindest bei den sozial lebenden S\u00e4ugetieren gibt. Es w\u00fcrde also eher so aussehen, dass wir da schon Vorformen haben, die sich in der Primatenlinie entwickeln, und irgendwann kommt dann der Homo Sapiens religiosus dabei heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen den Effekt selber an sich testen, wenn Sie sich dieses Bild (<strong>siehe Abb. 2<\/strong>) anschauen, l\u00e4cheln die Leute immer. Was sieht man da? Ein Gesicht, genau. Ich versichere Ihnen, das ist ein Geb\u00e4ude. Auch ich, obwohl ich das jetzt bestimmt schon 1000 Mal gesehen habe, nehme automatisch ein Gesicht wahr, ein K\u00fcken oder so. Ich will es f\u00fcttern. Tats\u00e4chlich ein freundliches Gesicht auch, das so nicht geplant gewesen ist. Das ist eine ganz normale Kirche in Florida, sie hei\u00dft jetzt im Volksmund \u201eChickenchurch\u201c. Da gehen die Leute nun hin, um sich das anzuschauen. Wir k\u00f6nnen gar nicht anders, als aus schon kleinsten Anzeichen automatisch eine Wesenhaftigkeit anzunehmen.<\/p>\n<p>Hyper-Agency-Detection, wir sehen ein Gesicht. Deswegen k\u00f6nnen wir auch mit Smileys kommunizieren, weil uns reicht: Punkt, Punkt, Komma, Strich \u2013 und wir sehen ein Gesicht. Und wir sehen nicht nur, dass das ein Gesicht ist, wir sehen automatisch: Ist es fr\u00f6hlich? Ist es traurig? Wenn es gr\u00fcn ist, ist es krank. Wir k\u00f6nnen also aus ganz wenigen Anzeichen eine ganze Geschichte entwickeln, eben das nennt man in der Kognitionspsychologie Hyper-Agency-Detection. Dann die <em>Theory of mind<\/em>: Welche Vorstellung steckt dahinter? Wir sehen ein Gesicht. Es ist niedlich, es ist nett. Wir wollen es f\u00fcttern, wir wollen ihm vielleicht sogar opfern.<\/p>\n<p>Das ist eine Grundwahrnehmung, die sicher auch schon unsere Vorfahren hatten, wenn sie in den Wolken, in bestimmten Gesteinsformationen, in bestimmten B\u00e4umen wahrnehmen konnten, dass die Welt um sie herum nicht tot ist, sondern in irgendeiner Art und Weise mit ihnen interagiert, dass sie belebt ist, dass es gute und b\u00f6se M\u00e4chte gibt, die aus der Natur mit uns interagieren, die uns beobachten und im Blick haben. Und tats\u00e4chlich sind es dann Bilder von Menschen und diese vor allem als Leichen, die diese Funktion haben. Sie alle kennen den Effekt, wenn man einen Sch\u00e4del anschaut. Der kuckt einen weiterhin an und hat eine ganz eigent\u00fcmliche Faszination und Macht, weil da eben die Hyper-Agency-Detection anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wir haben in den Ahnenkulten der Vergangenheit, aber auch bis in die Neuzeit, einen ganz gezielten Umgang mit den Ahnen. Ich habe es erw\u00e4hnt: Oma bleibt Teil der Kultur. Sie schaut weiter, was in der Horde vor sich geht. Sie m\u00f6chte, dass ihre Gebote eingehalten werden, und es ist besser, sie nicht zu erz\u00fcrnen. Das sind ganz alte Vorstellungswelten, auch Abraham wird selbstverst\u00e4ndlich zu seinen V\u00e4tern versammelt. Wir haben tats\u00e4chlich am Anfang der Menschheitsentwicklung eine Verehrung der Ahnen und Vorfahren. Sp\u00e4ter wird es immer komplexer. Wenn Sie sich zum Beispiel amerikanische Totempf\u00e4hle ansehen, dann sind das riesige Gesichter und Augen, die das ganze Dorf im Blick haben und die Gebote \u00fcberwachen. Die gl\u00e4ubigen Menschen erfahren sich als beobachtet und sie \u00e4ndern automatisch ihr Verhalten. Auch das k\u00f6nnen wir heute nachpr\u00fcfen \u2013 mit ganz einfachen Experimenten.<\/p>\n<p>Mein Lieblingsbeispiel, obwohl dabei Blumen schlecht abschneiden, ist die Kaffeekasse. Wenn Sie \u00fcber Kaffeekassen Augensymbole kleben, spenden die Menschen mehr, als wenn Sie Blumensymbole dar\u00fcber kleben. Jetzt wissen Sie auch, warum Sparschweine immer so niedlich kucken. Wir reagieren automatisch darauf.<\/p>\n<p>Und dann die Anwesenheit einer Gottheit, die uns anblickt, die uns sozusagen in den Blick nimmt, die sich gar f\u00fcr uns opfert. Das sind au\u00dferordentlich starke Signale. Darauf kann man Weltreligionen bauen. Sp\u00e4ter dann der monotheistische Glaube: nur noch eine Gottheit, sehr abstrakt, die alles im Blick hat, alles sieht, alles wei\u00df. Das ist eine ganz sp\u00e4te kulturelle Entwicklung. Auch das wei\u00df Darwin schon. Wir haben sie im alten \u00c4gypten, bei Echnaton. Wir haben sie dann aber vor allem beim Volk der Israeliten, dem Volk der Semiten \u2013 n\u00e4mlich derjenigen, die anfangen zu schreiben. Sem ist der Sohn Noas, der beginnt die Religion und das Recht zu verschriften, dann entsteht der Monotheismus, die semitischen Religionen, Judentum, Christentum, Islam und Bahai.<\/p>\n<p>Wenn Sie auf alle weitere Symbolik verzichten, wenn Sie das G\u00f6ttliche auf nur noch ein einziges Symbol zusammendampfen, kommt in den Religionen vom alten \u00c4gypten \u00fcber das Christentum, den Islam, bis zu den Freimaurern am Ende immer das Auge heraus. Das Schauende, das, was uns anschaut, das, was uns wahrnimmt, von dem wir uns gesehen wissen. Es ist das letzte Symbol des G\u00f6ttlichen, wenn wir es komplett als Einheit denken.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen das sogar in der Sozialstruktur sehen. Die Ahnenkulte, die besonders erfolgreich sind in Kleingruppen,: Wer ist mit wem verwandt? Jetzt wissen Sie auch, warum in der Bibel immer diese ellenlangen Ahnentafeln genannt werden. Es war ganz wichtig zu wissen, mit wem man verwandt ist. \u00dcber einen Palaver, in dem man feststellt, \u00fcber welche Ecken man verwandt ist, konnte man Vertrauen zueinander herstellen. Dann werden die Einheiten aber immer gr\u00f6\u00dfer, wir haben die Agrarkulturen mit D\u00f6rfern und St\u00e4dten. Jetzt werden auch die G\u00f6tter abstrakter. Einzelne St\u00e4dte haben G\u00f6tter. Einzelne Reiche haben G\u00f6tter, und die einzelnen Bereiche Handel, Fruchtbarkeit usw. bekommen eigene Gottheiten. Zum Beispiel gab es schon in \u00c4gypten Totengerichte, vor denen das, was in diesem Leben nicht ausgeglichen wird, im n\u00e4chsten Leben ausgeglichen wird.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich der Monotheismus: Gott sieht alles, und in ihm flie\u00dfen alle Wege zusammen. Eine ganz sp\u00e4te Entwicklung, die sich auch nach Darwin naturw\u00fcchsig ergeben w\u00fcrde. Wenn tats\u00e4chlich die Kooperationsverh\u00e4ltnisse immer globaler werden, dann brauchen wir eben einen Gott, der in Marrakesch genauso zust\u00e4ndig ist wie in Hamburg. Das ist dann eben nicht mehr ein Lokalgott, sondern das ist dann der Gott, der \u00fcberall im Universum mit uns ist und bei uns ist.<\/p>\n<p>Und wof\u00fcr soll das Ganze gut sein? Das ist die gro\u00dfe evolution\u00e4re Frage: Nutzt es was? Sonst wird es schwierig zu erkl\u00e4ren, wie es evolviert sein k\u00f6nnte? Und tats\u00e4chlich hatte Darwin auch schon die richtige Grundidee, und heute ist sie empirisch gut belegt: Der gemeinsame Glaube daran, dass uns eine Gottheit beobachtet, f\u00fchrt dazu, dass wir innerhalb der Glaubensgruppe st\u00e4rker miteinander kooperieren. Also wenn ich glaube, dass mich Oma bestraft, dass mich die Ahnen bestrafen werden, wenn ich den Schwur Ihnen gegen\u00fcber breche, dass ich nach M\u00fcnchen komme und den Vortrag halte, wenn ich der Auffassung bin, daf\u00fcr bestraft mich eine Ahnin oder eine Gottheit, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich auftauche. Keine Sorge, ich w\u00e4re auch so gekommen \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, es ist nicht zwingend notwendig, dass es diese dritte Macht gibt. Aber der gemeinsame Glaube daran, dass sie da ist, st\u00e4rkt unter den Menschen, die diesen Glauben haben, die Kooperation. Sie haben sozusagen eine dritte Partei, die das Ganze im Blick beh\u00e4lt. Sie kann Segen und Gesundheit geben, aber auch Fluch und Krankheit. In den sp\u00e4teren Theologien landen wir dann auch bei Schwierigkeiten wie Hiob. Dass manchmal die, die sich an die Gebote halten, daf\u00fcr gar nicht belohnt werden. Es entstehen neue Herausforderungen, es entsteht eine geistige Welt, die damit unglaublich konstruktiv umgeht und die wir bis heute weiter entwickeln. Also auch hier w\u00e4re Darwin noch v\u00f6llig bei uns.<\/p>\n<p>Religion beg\u00fcnstigt soziale Verhaltenssteuerung, Kooperation nach Regeln, auch gesundheitlich. Wir k\u00f6nnen mindestens um Hilfe bitten, wir k\u00f6nnen mindestens Placebo-Effekte ausl\u00f6sen. Aber bei Darwin steht bereits im Vordergrund: soziales Verhalten nach Regeln, kulturelle Evolution. Jetzt k\u00f6nnen verschiedene religi\u00f6se Netzwerke und Gruppen, sp\u00e4ter auch Gemeinschaften entstehen. Das, was erfolgreich ist, kann sich durch die Jahrhunderte fortsetzen, bis in unsere Zeit. Also die kulturelle Evolution setzt auf der biologischen auf.<\/p>\n<p>Damit verstehen wir auch, was diese seltsamen, auch kostspieligen Br\u00e4uche bedeuten. Warum versammeln sich die Leute einmal in der Woche beispielsweise? Die Muslime am Freitag, die Juden am Samstag, die Christen am Sonntag, begehen ihre Gottesdienste und verehren gemeinsam die \u00fcberempirischen Akteure. Das ergibt Sinn, wenn Sie eine Gemeinschaft aufbauen und genau \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen: Wer ist noch alles da? Sie signalisieren sich gegenseitig: Ich bin wirklich da, ich glaube, du kannst mir vertrauen. So entstehen Vertrauensgemeinschaften. In Amerika oder Kanada, in den klassischen L\u00e4ndern, in denen man viel umher zieht, ist es ganz \u00fcblich: Wenn Sie in eine neue Stadt ziehen, gehen Sie sonntags in den Gottesdienst. Dadurch bekommen Sie Anschluss an Menschen, denen Sie vertrauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir haben Initiationsrituale, die schmerzhaft sein k\u00f6nnen, die kostspielig sein k\u00f6nnen \u2013 im Schwabenland Konfirmation genannt. Ich war damals noch nicht religi\u00f6s. Ich komme aus einer nicht-religi\u00f6sen Familie und erinnere mich, dass ich mich damals bei einem Freund erkundigt habe, der \u201eKonfi\u201c hatte, was das denn sei; es w\u00fcrde mich interessieren. Seine Antwort war insofern eine Katastrophe, weil er gesagt hat: Musst du mitmachen, Michael. Ist langweilig, gibt aber 2.000 Mark. Und wie wirkte das auf mich als Au\u00dfenstehenden? Die Glaubw\u00fcrdigkeit war damit ersch\u00fcttert, denn ich hatte ja gedacht, die machen das, um Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Ich hatte ein Interesse daran. Stattdessen hat die Oma es gut gemeint und Geld ausgesetzt, aber hat damit das Signal entwertet. Er hat das also nicht gemacht, um dann am Ende seine Verse aufzusagen oder bei der Bar Mizwa aus der Thora vorzulesen oder beschnitten zu werden im Muslimischen. All das nicht, sondern ihm ging es darum, am Ende 2.000 Mark zu bekommen. Das hat mich tats\u00e4chlich ein paar Jahre zur\u00fcckschrecken lassen. Ich habe gedacht: Ne, das brauchst du jetzt nicht.<\/p>\n<p>Sie merken schon, es ist ganz interessant mit diesen die Glaubw\u00fcrdigkeit steigernden Symbolen. Wenn Sie beispielsweise das Kopftuch diskriminieren, wie viele Jahrzehnte in der T\u00fcrkei, also Frauen bestrafen und benachteiligen, die ein Kopftuch tragen, dann erh\u00f6hen Sie die Glaubw\u00fcrdigkeit. Dann ist das Kopftuch wirklich ein Signal f\u00fcr die individuelle Fr\u00f6mmigkeit. Obwohl sie Nachteile erleidet, tr\u00e4gt sie es trotzdem. Wenn sie das Kopftuch aber vorschreiben, wie im Iran: Dann sagt es nichts mehr \u00fcber die individuelle Fr\u00f6mmigkeit aus, sondern ist nur noch ein Zwang.<\/p>\n<p>Und jetzt verstehen Sie, warum die Menschen in der T\u00fcrkei darum gek\u00e4mpft haben, Kopft\u00fccher wieder tragen zu d\u00fcrfen und warum sie im Iran dagegen aufbegehren, sich die Kopft\u00fccher sogar vom Kopf rei\u00dfen, obwohl sie daf\u00fcr eingesperrt werden. Wenn Sie eine Religion kaputt machen wollen, machen Sie sie zur Staatskirche. Das ist der schnellste Weg. Denn wenn die Signale nicht mehr aus innerer \u00dcberzeugung gelebt werden, sondern aus \u00e4u\u00dferem Zwang, dann verlieren sie ihre Signalwirkung. Religion wirkt dann gemeinschaftsbildend, wenn sie freiwillig gelebt wird. Wenn Sie dazu zwingen, dann geht die Signalwirkung kaputt. Das k\u00f6nnen wir in Zwischenzeit relativ gut nachvollziehen.<\/p>\n<p>Warum ist es klug zu opfern? Einige Religionen sind dazu \u00fcbergegangen, diese Opfer dann auch sinnbildhaft zu verwenden, nicht mehr nur zu zerst\u00f6ren. Wenn Jesus sagt, das Scherflein der Witwe sei so viel wert wie der Beitrag des reichen Mannes, dann haut das nominal nicht hin. Ich habe Banker gelernt \u2013 vor der Religionswissenschaft.<\/p>\n<p>Nominal haut das nicht hin. Aber von der Signalwirkung her stimmt das tats\u00e4chlich. Wenn ein armer Mensch noch etwas abgibt, von dem Wenigen, was er noch hat, ist das ein sehr starkes Signal. Und wenn Sie in arme L\u00e4nder gehen, werden Sie die gr\u00f6\u00dften und prachtvollsten Tempel und Kirchen finden, weil die armen Leute damit signalisiert haben: Schaut her, wir meinen es wirklich ernst. Es hat dann eine Funktion. Religion br\u00f6ckelt, wenn es den Leuten gut geht. Wenn wir das Gef\u00fchl haben, wir brauchen sie nicht. Unter wohlhabenden Bedingungen setzt S\u00e4kularisierung ein, existenzielle Sicherheit und Bildung. Dort aber, wo die Menschen tats\u00e4chlich das Gef\u00fchl haben, sie brauchen die Gemeinschaft, opfern sie buchst\u00e4blich ihr letztes Hemd.<\/p>\n<p>Dazu passen nat\u00fcrlich wunderbar die zehn Gebote der Bibel. Nicht morden, nicht stehlen. Des anderen Hab und Gut nicht einmal begehren und weitere Vorschriften. Tolle Gebote zum Zusammenhalt, und dann der Sabbat. Ein wunderbar zu beobachtendes Gebot. Wer h\u00e4lt das ein? Ich habe das auf einer Tagung von Rabbinern vorgetragen, war ganz stolz und habe gesagt: Hier, liebe Rabbiner, wir haben etwas ganz Tolles herausgefunden, n\u00e4mlich wof\u00fcr der Sabbat gut ist. Und die Rabbiner l\u00e4chelten und sagten: Ach, das ist ja toll, dass ihr Wissenschaftler jetzt auch mal dahinter kommt. Bei uns sagt man seit Jahrhunderten in der j\u00fcdischen \u00dcberlieferung: Der Sabbat hat die Juden mehr gehalten, als die Juden den Sabbat. Also dort, wo der Sabbat eingehalten wurde, blieb die Gemeinde zusammen. Dort, wo sich der Sabbat aufl\u00f6ste, l\u00f6ste sich auch die Gemeinschaft auf. Und die Rabbiner fanden es lustig, dass wir jetzt nach Jahrhunderten auch kommen und sagen: Wir haben etwas ganz Tolles herausgefunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So funktionieren Religionsgemeinschaften. Sie erzeugen Gemeinschaften, die nach innen kooperieren. Auch da w\u00e4re Darwin noch v\u00f6llig dabei. Die nach innen kooperieren, sich aber nach au\u00dfen abgrenzen. Religion ist also in-group-kooperativ. Sie erzeugt Kooperation nach innen. Das ist aber nicht automatisch gut. Sie k\u00f6nnen mit Religion Hospit\u00e4ler, Stiftungen, Universit\u00e4ten und sogar Katholische Akademien errichten, aber Sie k\u00f6nnen damit auch Terrorgruppen oder eine Mafia aufbauen. Sie er\u00f6ffnet ein Potenzial f\u00fcr das Gute und f\u00fcr das Schlechte, und deswegen entwickeln die meisten Religionen so etwas wie eine Theologie, die dann postuliert: Jetzt reflektieren wir aber auch noch \u00fcber die Religion. Auch daf\u00fcr hat Darwin schon pl\u00e4diert; er war ja auch Theologe. Seine Idee: \u00dcber die Rohmasse der Religiosit\u00e4t m\u00fcssen wir auch mit Vernunft nachdenken.<\/p>\n<p>Wir finden in einigen religi\u00f6sen Traditionen sogar den Effekt, dass einzelne Mitglieder ganz auf die eigene Fortpflanzung verzichten und sich so vollst\u00e4ndig in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Das k\u00f6nnen wir bei sozial lebenden Insekten auch nachweisen: Einzelne nehmen sich ganz zur\u00fcck und investieren in die Gruppe. Das entspricht der Haltung in einigen religi\u00f6se Traditionen: Eine Nonne hat keine Kinder, aber sie unterst\u00fctzt andere Familien durch Lehre, im Krankenhaus, im Kindergarten, stellt sich in den Dienst des gemeinschaftlichen Lebens.<\/p>\n<p>Auch bei den Amish in den USA, findet sich ein Beispiel; die Institution der Lehrerin. Eine Frau in den Amish-Schulen kann nur so lange Lehrerin sein, bis sie eine eigene Familie hat. Dann wird erwartet, dass sie f\u00fcr ihre Familie da ist. Und einige Amish-Lehrerinnen verzichten ein Leben lang auf eine eigene Familie und sind deswegen hochgeachtete Pers\u00f6nlichkeiten. Das nennt niemand Z\u00f6libat, aber es wirkt in der gleichen Form, die Sie ja in der katholischen oder buddhistischen Tradition auch kennen. Das wusste Darwin nicht.<\/p>\n<p>Darwin ging davon aus, dass sich alle Menschen maximal vermehren, wie im Tierreich. Das hat er von Malthus \u00fcbernommen. Das ist aber nicht der Fall, wie wir heute wissen. Menschen entscheiden \u00fcber ihre Beziehungen und auch \u00fcber die Zahl ihrer Kinder. Tats\u00e4chlich aber, quer durch alle Religionen, haben Religi\u00f6se im Durchschnitt mehr Kinder. Und das hat nicht nur mit der Ablehnung von Verh\u00fctung zu tun. Das ist deutlich komplexer. Es ist ein ganz starkes evolution\u00e4res Argument, dass Religiosit\u00e4t nicht nur gemeinschaftsf\u00f6rdernd sein kann, sondern auch reproduktionsf\u00f6rdernd, dass sie direkt die <em>gold standards<\/em> der evolution\u00e4ren Fitness erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Wir kennen Religionsgemeinschaften wie die Shaker, eine christliche Gruppe, entstanden im 19. Jahrhundert, die den Z\u00f6libat f\u00fcr alle fordert. In ihrer Hochphase waren es 8.000 Menschen in 23 Gemeinden. Jetzt sind es noch drei Leute in einer Gemeinde. Dagegen stehen die Amish, ebenfalls eine christliche Gruppe: Sie waren 5.000 um 1900, jetzt sind es 300.000. Sie verdoppeln ihre Anzahl alle 15 bis 20 Jahre. Warum? Sechs Kinder pro Frau, selbst wenn da zwei austreten, verdoppeln sich ihre Zahl trotzdem, aber es treten nicht einmal zwei aus. Die kinderreichsten menschlichen Gemeinschaften, die wir heute auf unserem Planeten kennen, sind die Hutterer, ebenfalls christlich, die Amish und die Haredim, die sich zu einem ultra-orthodoxen Judentum bekennen. Da k\u00f6nnen Sie sehen, Religionsgemeinschaften m\u00fcssen lebensf\u00f6rderlich sein, ansonsten haben sie keinen Bestand<\/p>\n<p>Der fr\u00fche Buddhismus und das fr\u00fche Christentum hatten nicht unbedingt eine pronatale Haltung, aber die Varianten, die sich durchgesetzt haben, setzten sehr stark auf Kinder und Familie. Und in den z\u00f6libat\u00e4ren Kontexten ist es h\u00e4ufig so, dass diejenigen, die selbst z\u00f6libat\u00e4r leben, Familien unterst\u00fctzen, segnen, Ehen schlie\u00dfen und damit die Fruchtbarkeit der Gesamtgruppe durchaus unterst\u00fctzen. Die ersten Worte an den biblischen Menschen sind ja auch: Seid fruchtbar und mehret euch! Nach j\u00fcdischer Z\u00e4hlung ist das \u00fcbrigens das erste aller 613 Ge- und Verbote der Bibel.<\/p>\n<p>Ich darf noch erw\u00e4hnen, dass Darwin selbst ein Papier hinterlassen hat, in dem er sich die Frage gestellt hat, ob er Kinder haben soll oder nicht. Er hat Pro und Contra aufgeschrieben, am Schluss landet er bei Pro, dankt Gott, heiratet dann auch, \u2013 eine fromme Christin \u2013 und die beiden haben gemeinsam viele Kinder. Es ist also eine wunderbare Ironie. Er hat zwar wissenschaftlich behauptet, dass wir genetisch dazu verdonnert w\u00e4ren, viele Kinder zu haben, hat uns aber selber das Dokument hinterlassen, wo er diese Abw\u00e4gung vorgenommen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lassen Sie mich gegen Ende auch zeigen, dass wir diese Verbindung nicht nur in Gemeinschaften haben, sondern auch bei Paaren. Denn bei S\u00e4ugetieren l\u00e4uft die Reproduktion normalerweise immer mit zwei Geschlechtern. Das ist ja im Tierreich nicht immer so, aber bei S\u00e4ugetieren hat sich die sexuelle Fortpflanzung durchgesetzt.<\/p>\n<p>Dass da ein Zusammenhang bestehen k\u00f6nnte, hat ein gewisser Denker schon vermutet, dessen Namen Sie bestimmt auch kennen: Goethe. Dieser Goethe modelliert genau diese Situation: Da kommt also die Margarethe aus einer Kirche, und der Faust, ein S\u00e4kularer, der eigentlich dabei ist, mit der Religion zu brechen, erblickt sie und m\u00f6chte mit ihr in ein reproduktives Kooperationsspiel eintreten. Sie ist sich nicht sicher, ob sie diesem Faust vertrauen kann \u2013 und stellt ihm die Gretchenfrage: Versprich mir, Heinrich. Faust: Was ich kann. Margarethe: Nun sag, wie hast du&#8217;s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann. Allein ich glaub, Du h\u00e4ltst nicht viel davon. Faust: Lass das mein Kind. Du f\u00fchlst, ich bin Dir gut. F\u00fcr meine Lieben lie\u00df ich Leib und Blut. Will niemand sein Gef\u00fchl und seine Kirche rauben. Margarethe: Das ist nicht Recht. Man muss dran glauben. Also er fragt: Komm, vertrau mir, das wird was mit uns, und sie fragt: Wie h\u00e4ltst du&#8217;s mit dem Glauben? Sie fragt nicht nach akademischen Titeln. Sie fragt nicht nach der Einkommenssteuererkl\u00e4rung. Sie fragt nach seinem Glauben.<\/p>\n<p>Ich bin \u00fcbrigens darauf gesto\u00dfen, weil meine Frau \u2013 \u00fcbrigens t\u00fcrkischer, muslimischer Herkunft, wir sind ein christlich-muslimisches Paar \u2013 auf einem katholischen M\u00e4dchen-Gymnasium war. Ich war einmal bei einem Klassentreffen der Babysitter, als einziger Mann zugelassen. Da hat mir dann eine der anwesenden Studentinnen erz\u00e4hlt, dass ihre Mutter zu ihr gesagt hat, sie solle jetzt mal gef\u00e4lligst nach einem Mann suchen, sie h\u00e4tte auch gern Enkel. Da sie auf dem Weg sei, Medizinerin zu werden, helfe nur noch die Kirche. Sie solle also in der Kirchengemeinde schauen, weil man da M\u00e4nner findet, die auch eine \u00c4rztin heiraten.<\/p>\n<p>Ich muss zugeben, das war f\u00fcr mich erstmal derma\u00dfen fremd, aber dann haben wir die Daten der Schweizer Volksz\u00e4hlung analysiert, und die Zusammenh\u00e4nge sind evident. Als ich diese Daten einmal vorgestellt habe im Rheinland auf einer Pfarrertagung, meinte eine Pastorin: Ja, Herr Blume, die Korrelation ist schon sehr stark, aber meine Gemeinde ist ja kein Heiratsinstitut. Ein \u00e4lterer Kollege streicht sich durch den Bart und sagt: Jetzt wei\u00df ich, warum wir immer diese Zeltlager organisieren mussten. Raus in die Wildnis, Glaubw\u00fcrdigkeit steigernde Signale, Klampfe, Bibellesen.<\/p>\n<p>Ich war einmal bei der j\u00fcdischen Gemeinde in Frankfurt eingeladen als Gastredner. Bei der Predigt am Freitagabend hat der Rabbiner gesagt: Ihr wisst, unser erstes Gebot, seid fruchtbar und mehret euch, deswegen rufe ich die Damen an den Tischen auf: Schaut euch um und seid barmherzig. Ich lachte auch so wie Sie, aber neben mir sa\u00df eine Jurastudentin und meinte: Also, Herr Doktor Blume, ich wei\u00df nicht, warum Sie lachen. Wir sind eine religi\u00f6se Minderheit. Wir m\u00fcssen schauen, wo wir Gleichglaubende finden. Was glauben Sie, warum mir meine Eltern das Seminar bezahlen? Ich kann best\u00e4tigen, als es am Sonntagnachmittag auseinander ging, hatten sich einige Paare gefunden.<\/p>\n<p>Sie sehen es auch bei Mephistopheles, bei Goethes Teufel. Der spottet sogar dar\u00fcber: Ich hab&#8217;s ausf\u00fchrlich wohl vernommen, Herr Doktor wurden da katechisiert. Hoff, es soll ihnen wohl bekommen. Die M\u00e4dels sind doch sehr interessiert, ob einer fromm oder schlicht nach altem Brauch. Sie denken, duckt er da, wird er\u2019s bei uns eben auch.<\/p>\n<p>Also ein Mann, der bereit ist, sich einer Gottheit zu unterwerfen, bietet zumindest eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit, dass er sich auch an die Eheregeln h\u00e4lt. Ob er der bessere Ehemann ist, das m\u00fcssen Sie entscheiden. Aber es ist empirisch etwas dran. Religi\u00f6se heiraten im Durchschnitt etwas fr\u00fcher, die Beziehungen sind stabiler, und sie haben mehr Kinder. Religion ist biologisch erfolgreich.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch kurz auf die Medien hinweisen und postulieren, dass tats\u00e4chlich mit jedem neuen Medium ganz neue Formen von Religion und religi\u00f6ser Vergemeinschaftung entstehen. Denn wenn die \u00fcberempirischen Akteure nur gemeinsam geglaubt werden k\u00f6nnen, dann haben die Medien Sprache, Schrift, Film, Internet nat\u00fcrlich eine enorme Auswirkung darauf, wie wir diese h\u00f6heren Wesen kommunizieren und uns vorstellen. Wir haben \u00fcber Jahrzehntausende nur die Sprache als Form gehabt, um religi\u00f6se Tradition weiterzugeben. Mit dem Noah-Sohn Sem entstehen die semitischen Religionen, die Schriftreligionen, zu denen wir heute geh\u00f6ren. Wir haben die Umw\u00e4lzungen durch den Buchdruck. Wir haben dann die elektronischen und jetzt die digitalen Medien. Ich kann Ihnen als Antisemitismus-Beauftragter sagen: Mit jedem Aufkommen neuer Medien erleben wir immer auch eine Explosion von Verschw\u00f6rungsmythen und Verschw\u00f6rungsglauben. Mit neuen Medien entstehen positive Formen von Religion, aber auch immer hasserf\u00fcllte und verschw\u00f6rungsmythische Formen. Nicht mehr der Glaube an ein absolutes Gutes, sondern der Glaube an ein absolutes B\u00f6ses, das die Welt regiert.<\/p>\n<p>Ich will zum Schluss kommen: Ich kann Ihnen nicht beweisen, ob es Gott gibt oder nicht. Das k\u00f6nnen Religionswissenschaftler nicht. Das ist nicht unser Job. Ich kann nur so glauben oder nicht glauben wie alle im Raum. Ich pers\u00f6nlich bin evangelisch geworden. Meine Frau ist muslimisch, wir haben drei Kinder. Also Sie sehen, gem\u00e4\u00dfigt religi\u00f6s \u2026 Aber was ich Ihnen sagen kann, ist, dass nach heutigem Erkenntnisstand Charles Darwin auf der richtigen Spur war. 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