{"id":104370,"date":"2025-04-28T13:33:50","date_gmt":"2025-04-28T11:33:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=104370"},"modified":"2025-04-28T13:33:51","modified_gmt":"2025-04-28T11:33:51","slug":"die-muenchner-residenz-70-jahre-des-wiederaufbaus-muenchner-kulturbauten-in-der-nachrkiegszeiten","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-muenchner-residenz-70-jahre-des-wiederaufbaus-muenchner-kulturbauten-in-der-nachrkiegszeiten\/","title":{"rendered":"Die M\u00fcnchner Residenz. 70 Jahre des Wiederaufbaus"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Introduction<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es muss im Jahr 2002 gewesen sein. Ich suchte Materialien f\u00fcr einen kleinen Vortrag. Bei der Suche musste ich feststellen, dass es zwar einen Residenzf\u00fchrer gab, Aufs\u00e4tze von Experten, aber keinen gro\u00dfen umfassenden Band zu unserer Residenz. Das durfte doch nicht wahr sein! Die M\u00fcnchner Residenz nimmt europaweit einen herausragenden Platz ein; vier Jahrhunderte war sie der Wohn- und Regierungssitz der F\u00fcrsten und politisches Zentrum des Landes. Dieser komplexe Bau, Schritt f\u00fcr Schritt entstanden, zeigt alle Stufen der Baustile dieser Jahrhunderte: Renaissance, Barock und Rokoko, Klassizismus. Das Ausma\u00df, die Vielfalt und die Pracht der Anlage demonstrieren den Rang der Bauherren, ihre politische Bedeutung und ihren Kunstsinn. Ich zitierte Otto Meitinger: \u201eDie besondere bau- und kunstgeschichtliche Bedeutung der M\u00fcnchner Residenz liegt darin, dass sie, anders als die meisten europ\u00e4ischen F\u00fcrstenh\u00f6fe, nicht nach einem vorgegebenen Plan in einer Stilepoche gebaut wurde, sondern im Laufe von fast f\u00fcnf Jahrhunderten durch die Baut\u00e4tigkeit einer langen Reihe regierender Wittelsbacher Herz\u00f6ge, Kurf\u00fcrsten und K\u00f6nige allm\u00e4hlich gewachsen ist.\u201c<\/p>\n<p>Und f\u00fcr diesen Geb\u00e4udekomplex im Herzen der Stadt M\u00fcnchen gab es keinen gro\u00dfen Pracht-band, kein richtig dickes, sch\u00f6nes Buch!<\/p>\n<p>Das wollte ich \u00e4ndern und gab einen entsprechenden Auftrag. Nach einem Jahr wurde mir ein wunderbarer Entwurf vorgelegt. Mit der Darstellung des stufenweisen Aufbaus war den Autoren Johannes Erichsen, Sabine Heym, Hermann Neumann, Amanda Ramm, Gerd Schatz sehr gelungen. Aber ich war nicht zufrieden. Denn die Zerst\u00f6rung im Zweiten Weltkrieg war textlich erw\u00e4hnt, aber nicht entsprechend ihrer Dramatik bildlich dargestellt.<\/p>\n<p>So durchk\u00e4mmten die Autoren Bildarchive und wurden umfassend f\u00fcndig. Mit Bildern nicht nur aus der Schl\u00f6sserverwaltung, sondern vor allem vom staatlichen Bauamt dokumentierten sie bis ins Detail das Werk des Bombenkrieges.<\/p>\n<p>So wuchs eine Text- und Bilddokumentation heran, die durch Gegen\u00fcberstellung von schwarz\/wei\u00df Bildern der Zerst\u00f6rung und der farbigen Abbildung der renovierten R\u00e4ume das Wunder des Wiedererstehens der Residenz beeindruckend dokumentiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Bombenangriffe<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die M\u00fcnchner Residenz ist nicht, wie man das bei anderen Bauwerken feststellen kann, in einer Nacht zerst\u00f6rt worden. Es war eine Vielzahl von Angriffen. Relevant f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Residenz sind insgesamt zehn Fliegerangriffe.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein erster datiert erstaunlich fr\u00fch: Am 9. November 1940 bereits. Es gab einen Einschlag im Hof der Residenz und Besch\u00e4digungen der S\u00fcdwestecke und der Residenzfassade.<\/li>\n<li>Am 10. M\u00e4rz 1943 Bomben auf den Ostfl\u00fcgel der Residenz und den Nordfl\u00fcgel des Marstalls.<\/li>\n<li>Am 3. Oktober 1943 Zerst\u00f6rung des s\u00fcdwestlichen Dachbodens des K\u00f6nigsbaus und starke Besch\u00e4digung des Kaisersaals und der Kaisertreppe durch eine Sprengbombe.<\/li>\n<li>Am 18. M\u00e4rz 1944 erste Zerst\u00f6rungen der Allerheiligen-Hofkirche und des Marstallgeb\u00e4udes, weitere Besch\u00e4digungen in der Residenz.<\/li>\n<li>Am 5. April 1944 starke Besch\u00e4digung des Maximilianstrakts.<\/li>\n<li>In der Nacht vom 24. auf 25. April 1944 der bislang schwerste Luftangriff auf die Residenz; wiederum Besch\u00e4digung des Maximilianstrakts und Besch\u00e4digung des Antiquariums.<\/li>\n<li>Am 16. Juli 1944: eine Sprengbombe trifft entscheidend die Mitte des Antiquariums und zerst\u00f6rt die Kurf\u00fcrstenzimmer.<\/li>\n<li>Am 7. Dezember 1944 Restzerst\u00f6rung des Nationaltheaters, nachdem das B\u00fchnenhaus bereits am 2. M\u00e4rz 1943 total zerbombt wurde.<\/li>\n<li>Am 25. Februar 1945 elf Treffer;<\/li>\n<li>am 21. April 1945 der letzte Treffer in der Residenz.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der Wiederaufbau<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Experten haben 1945 vorausgesagt, dass der Wiederaufbau, sollte er wirklich durchsetzbar sein, bis zu 50 Jahre dauern w\u00fcrde. Diese Experten haben sich geirrt: Der Wiederaufbau der Residenz dauert bis heute an und er geschah und er geschieht in mehreren Phasen:<\/p>\n<p>Begonnen hat der Wiederaufbau der Residenz bereits zu Kriegszeiten, 1944 bis Mai 1945. Das klingt paradox, ist aber nach-vollziehbar. Zum einen wurden w\u00e4hrend der Kriegszeit nicht nur Aufr\u00e4umarbeiten get\u00e4tigt, sondern alles wertvolle Inventar aus der Residenz entfernt: M\u00f6bel, Leuchter, Gem\u00e4lde. Hermann Neumann schreibt, dass die Herren Hertwig, Esterer, Thoma und nicht zuletzt Tino Walz unabl\u00e4ssig t\u00e4tig waren, \u201eum die Bergung des Kunstgutes zu organisieren, die Ablichtung bedrohter Schmuckformen zu leiten, zu zeichnen und zu messen und, was nicht allzu fest verankert ist, oft kurz vor dem Fall der Bomben aus dem Haus zu schleppen.\u201c<\/p>\n<p>Dass noch w\u00e4hrend des Krieges die Residenz nicht nur ausger\u00e4umt, sondern zeichnerisch und fotografisch akribisch dokumentiert werden konnte, \u00fcberrascht. War das nicht Def\u00e4tismus, demonstrierter Mangel an Zuversicht mit Blick auf den \u201eEndsieg\u201c? Erstaunlicherweise wurde da tats\u00e4chlich nichts an der Gestapo vorbeigemacht, sondern auch aufgrund von Anweisungen \u201evon oben\u201c.<\/p>\n<p>Die Preziosen aus der Schatzkammer wurden zun\u00e4chst in Neuschwanstein verwahrt. Da dort jedoch auch eine F\u00fclle von gestohlenem Kunstgut der Nazis gelagert wurde, brachte Tino Walz die Gegenst\u00e4nde in einer abenteuerlichen Fahrt in einem Personenwagen, der auf dem Dach hoch beladen war, an den Tegernsee. Eine eigene, abenteuerliche Geschichte. Man kann mit Recht vermuten, dass der Wiederaufbau der Residenz nicht in Angriff genommen worden w\u00e4re, w\u00e4ren nicht so viele Kunstwerke durch Auslagerung erhalten geblieben oder zumindest dokumentiert worden.<\/p>\n<p>Die ersten Jahre nach dem Krieg waren auch bestimmt von einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Tradition und Neuerung. Diese Auseinandersetzung zwischen Neueren und Traditionalisten war bei den Bauwerken Residenz und Oper besonders heftig. Da ging es nicht nur um Kunstgeschichte und Stilfragen, sondern auch um politische Auseinandersetzungen. Sollte man diejenigen Bauten, die von nicht-demokratischen Herrschaftssystemen, von Herz\u00f6gen, Kurf\u00fcrsten und K\u00f6nigen hochgezogen wurden, wiedererstellen, wenn doch nach zwei entsetzlichen Weltkriegen endlich eine Zukunft mit neuer, demokratischer und b\u00fcrgerlicher Gesellschaft aufgebaut werden sollte. Jede Mark f\u00fcr die Wiederauferstehung der alten Pracht wurde damals umgerechnet in Arbeiterwohnungen, Schulen und Stra\u00dfen. Die Auseinandersetzung nach 1945 war nicht nur \u00e4sthetischer Streit, sondern auch ideologische Auseinandersetzung. Daraus entwickelt sich auch das, was der Generalkonservator dargelegt hat: Eine Auseinandersetzung dar\u00fcber, was Denkmalschutz sein soll.<\/p>\n<p>Genau ein Jahr vor Kriegsende, am 8. Mai 1944, hatte Professor Rudolf Esterer die \u201eBauleitung Residenz\u201c gegr\u00fcndet, die direkt dem Finanzministerium unterstellt wurde. Diese Bauleitung organisierte die zweite Phase der Aufbauarbeiten. Schon in den ersten Wochen nach Kriegsende begannen intensive Aufr\u00e4umarbeiten, vor allem im Grottenhof. Dort konnte am\u00a0 28. August 1945, also keine vier Monate nach der Kapitulation, das erste Grottenhofkonzert stattfinden, dem weitere Konzerte nachfolgen sollten.<\/p>\n<p>Diese Konzerte waren nicht nur Ausdruck des Friedenswillens der B\u00fcrger, Zeichen der Normalisierung, sondern dies war auch ein Signal f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Politik, Verwaltung und\u00a0 B\u00fcrgerschaft, wie man mit der Residenz in Zukunft umgehen wollte. Dort, wo Jahrhunderte die Exklusivit\u00e4t der Regierenden ihren Platz hatte, von wo aus die B\u00fcrger regiert und beherrscht wurden, okkupierten die B\u00fcrger M\u00fcnchens ab 1945 auf ihre Art den gesamten Komplex \u2013 und zwar vom ersten Moment an.<\/p>\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter fand ein zweiter Akt solch b\u00fcrgerlicher Besitznahme statt in der Residenz: Am 6. Mai 1946 wurde das Brunnenhoftheater eingeweiht, das in den ersten Jahren nach dem Krieg an erheblicher Bedeutung gewann. Es hatte dort seinen Platz, wo heute der \u00fcberglaste <em>Comit\u00e9-Hof<\/em> ist und Herzog Albrecht V. im 16. Jahrhundert ein <em>Ballhaus<\/em> errichtet hatte. An den ersten Intendanten des Brunnenhof-Theaters, Paul Verhoeven, erinnert am Rande des <em>Comit\u00e9-Hofes<\/em> heute eine B\u00fcste.<\/p>\n<p>Diese Besitznahme einer Residenz durch Einrichtung einer demokratischen B\u00fcrgergesellschaft setzte sich sp\u00e4ter umfassend fort: Durch den Einzug der Akademie der Wissenschaften im Nordosten, durch die Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste im Obergescho\u00df des K\u00f6nigsbaus und \u2013 vor\u00fcbergehend \u2013 durch die Ansiedlung der Max-Planck-Gesellschaft im Konzertsaaltrakt gegen\u00fcber der Theatinerkirche. Die umfassende Wandlung der Nutzung der Residenz, die Besitznahme f\u00fcrstlicher R\u00e4ume durch die Republik, vollzog sich nicht nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, nach dem revolution\u00e4ren Umsturz, sondern fand umfassend erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte der 50er Jahre kam die gro\u00dfe \u201eDachaktion\u201c, in der dann endlich alle Bautrakte gesichert wurden.\u00a0 Allein im Jahr 1957 wurde in der Residenz sechsmal Richtfest gefeiert. Das letzte davon fand im Januar 1960 f\u00fcr das Dach \u00fcber dem Hofgartentrakt statt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Gr\u00f6\u00dfere Bauma\u00dfnahmen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man von der \u201eDachaktion\u201c absieht, fand die erste wirklich gro\u00dfe Bauma\u00dfnahme in der Residenz Anfang der 50-er Jahre statt. Auch sie diente der kulturellen Nutzung der B\u00fcrgergesellschaft. Esterer lie\u00df den Thronsaal des klassizistischen Festsaalbaus am Hofgarten zwischen 1951 und 1953 umbauen. Der Bayerische Rundfunk hatte Druck ausge\u00fcbt; er brauchte einen Saal f\u00fcr seine Konzerte und seine Orchester. Der Bayerische Rundfunk hat dazu auch 2,5 Millionen DM f\u00fcr die Umbaukosten zur Verf\u00fcgung gestellt, damals ein gro\u00dfer Betrag, der f\u00fcr die Umgestaltung auch ausreichte. Die Herkules-Gobelins aus dem 16. Jahrhundert, die in Antwerpen gewirkt worden und eigentlich f\u00fcr das Schloss Dachau vorgesehen waren, kamen in diesen neuen Saal und gaben ihm den neuen Namen <em>Herkulessaal<\/em>. Mit der Umgestaltung des Thronsaales in den Herkulessaal begann die zweite Phase des Wiederaufbaues der Residenz.<\/p>\n<p>An diesem Umbau ist \u00fcbrigens die Freundschaft zwischen Tino Walz und Professor Esterer zerbrochen: Esterer war der Pragmatiker, Walz eher doktrin\u00e4rer Denkmalsch\u00fctzer, der wollte, dass geschichtsgetreu wiederherstellt wird, ganz im Sinne Dehios. Ich kann nicht umhin, heute Esterer f\u00fcr seine Entscheidung zu loben, die es erm\u00f6glichte, dass der Herkulessaal bereits im M\u00e4rz 1953 er\u00f6ffnet werden konnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr den weiteren Aufbau in dieser Zeit war dann Otto Meitinger zust\u00e4ndig, der 1953 als \u201ejunger Kerl\u201c, wie er selber sagte, Residenzbauchef wurde. In Erz\u00e4hlungen meinte er immer, dass er nur deshalb mit\u00a0 diesem Posten betraut wurde, da man annahm, dass in den 50er und auch noch in den 60er Jahren ohnehin in der Residenz nicht viel passieren k\u00f6nne aufgrund der harten Konkurrenz mit den Bauten, die f\u00fcr die Funktionsf\u00e4higkeit einer Gesellschaft zwingend waren. Diese Einsch\u00e4tzung sollte sich jedoch als falsch erweisen und zwar durch eine termingetriebene Weiterentwicklung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Termingetriebene Weiterentwicklung<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste bedeutende Termin f\u00fcr den Baufortschritt war die 800-Jahr-Feier der Landeshaupt-stadt M\u00fcnchen im Jahr 1958. Der Freistaat Bayern wollte das Nationaltheater termingerecht zur 800-Jahr-Feier wiederherstellen, diesen Bau gewisserma\u00dfen den B\u00fcrgern M\u00fcnchens zum Jubil\u00e4umsgeschenk machen. Doch ab dem ersten Halbjahr 1956 war klar, dass dies terminlich nicht m\u00f6glich war, obwohl auch im Jahr 1957 noch an der Ruine des Nationaltheaters ein gro\u00dfes Transparent hing mit der Aufschrift: \u201eDas Nationaltheater muss bis zur 800-Jahr-Feier der Stadt M\u00fcnchen wieder aufgebaut werden.\u201c<\/p>\n<p>Otto Meitinger erz\u00e4hlt, dass erst Mitte 1956 an die Residenzbauleitung v\u00f6llig \u00fcberraschend die Frage gerichtet wurde, ob der Wiederaufbau des alten Residenztheaters bis zur 800-Jahr-Feier der Stadt M\u00fcnchen im Juni 1958 m\u00f6glich w\u00e4re. Viele haben gesagt: \u201eDas ist v\u00f6llig unm\u00f6glich!\u201c Die Residenzbauverwaltung war gleichwohl mutig und sagte zu, das Cuvilli\u00e9s-Theater termingerecht wieder herzustellen. Dies war zumindest aus zwei Gr\u00fcnden sehr ambitioniert:<\/p>\n<p>Zum einen hatte sich an der Stelle des alten Cuvilli\u00e9s-Theaters bereits ein neues etabliert: das Residenztheater. Das Staatsschauspiel hatte sehr deutlich \u201eein vielseitig bespielbares, modernes Schauspielhaus gefordert\u201c und sich gegen\u00fcber dem Denkmalschutz durchgesetzt. Schon 1951 war dieses neue Theater fertig.<\/p>\n<p>Zum anderen war die Logenverkleidung des Cuvilli\u00e9s-Theaters zwar gerettet worden durch Auslagerung. Der Zustand der Holzteile \u2013 vielfach von der Gr\u00f6\u00dfe einer F\u00fcnf-Mark-M\u00fcnze \u2013 war aber von sehr unterschiedlichem Zustand: Diejenige H\u00e4lfte, die im Obinger Pfarrheim deponiert worden war, war trocken; die im Keller der Befreiungshalle Kelheim gelagerten St\u00fccke waren feucht und noch mehr zerst\u00fcckelt. Beide Sammlungsteile mussten unterschiedlich bearbeitet werden. Die Residenzbauverwaltung entschied, das Theater in den sogenannten Apothekerstock ein-zusetzen, der innen v\u00f6llig ausgebrannt war. Der Vorteil dieses Baukomplexes der Residenz f\u00fcr die Umpflanzungsidee war, dass das hohe B\u00fchnenhaus in die H\u00fclle der Au\u00dfenfassade passte.<\/p>\n<p>Diese Umsetzung des Cuvilli\u00e9s-Theaters ist in zweifacher Hinsicht ein geradezu sensationeller Vorgang des Wiederaufbaus der Residenz.<\/p>\n<ul>\n<li>Zum einen wurde die Umsetzung des Cuvilli\u00e9s-Theaters terminlich rechtzeitig fertig. Am 14. Juni 1958, dem Stadtgr\u00fcndungstag, konnte dort eine gro\u00dfartige Figaro-Auff\u00fchrung bewundert werden.<\/li>\n<li>Zum anderen kostete dieser \u201eNeubau\u201c nur f\u00fcnf Millionen DM! Zum Vergleich: Die Grundrenovierung des Cuvilli\u00e9s-Theaters, die im Jahr 2008 abgeschlossen werden konnte \u2013 und auf die ich noch eingehen werde \u2013 kostete 25 Millionen Euro. Dieser Vergleich zeigt, dass der Versuch, die Gesamtkosten des Wiederaufbaus der Residenz zu taxieren, nur durch zeitorientierte Wertanpassung ann\u00e4hernd gelingen kann. 2,5 Millionen 1953 f\u00fcr den Herkulessaal, 5 Millionen 1958 f\u00fcr das Cuvilli\u00e9s-Theater: Das ist mit sp\u00e4teren Kostenniveaus \u00fcberhaupt nicht zu vergleichenmn<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die 60er Jahre<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tino Walz hat den Fortgang der Ausbauma\u00dfnahmen von 1960 bis zum Jahr 1985 in einem pers\u00f6nlichen Register notiert. Demnach waren auch die 60er Jahre zun\u00e4chst bestimmt von bedeutenden Terminen: Zum Eucharistischen Weltkongress fand im Jahr 1960 in der Residenz die Ausstellung \u201eEucharistia\u201c statt. Daf\u00fcr mussten eine Reihe von R\u00e4umen gereinigt und erneuert werden. Ein n\u00e4chster besonderer Termin war der Besuch von Charles de Gaulle in M\u00fcnchen. De Gaulle n\u00e4chtigte im K\u00f6nigsbau; auch hierf\u00fcr mussten gr\u00f6\u00dfere Renovierungsarbeiten vorangetrieben werden. Bedeutsam ist in den 60er Jahren auch der Ausbau der R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die Max-Planck-Gesellschaft in drei Stufen: 1961, 1964 und 1968, sowie die Verlegung des spanischen Kulturinstitutes in den Torbau am Kronprinz-Rupprecht-Hof.<\/p>\n<p>Zum Stichwort Max-Planck-Gesellschaft mache ich einen kurzen Zeitsprung nach vorne: Die Zentrale der Max-Planck-Gesellschaft war in der Residenz zwar angemessen und repr\u00e4sentativ untergeberacht, hatte aber viel zu wenig R\u00e4ume. Nach der Wiedervereinigung\u00a0 gab es starke Bestrebungen, diese Zentrale in die Neuen Bundesl\u00e4nder zu verlegen: Man brauchte dort dringend Institutionen, die sich in den ziemlich heruntergekommenen ostdeutschen St\u00e4dten etablieren konnten. Der Freistaat Bayern wehrte diesen Abzug dadurch ab, dass er das Gel\u00e4nde direkt neben der Staatskanzlei \u2013 einmal benannt als \u201eMarstallplatz- Nord\u201c \u2013 kostenlos f\u00fcr einen Bau zur Verf\u00fcgung stellte. Dieser Art von Bestechung konnte die Max-Planck-Gesellschaft nicht wiederstehen.<\/p>\n<p>Die R\u00e4ume der Max-Planck-Gesellschaft wurden, nach einer Zwischennutzung durch die Oper, wieder von einer Akademie genutzt: der <em>acatech<\/em>, der Deutschen Akademie f\u00fcr Technikwissenschaften. Dem damaligen Vorsitzenden von <em>acatech<\/em>, dem BMW-Manager Milberg, stellte ich im Jahr 1999 die frei gewordenen R\u00e4ume der Max-Planck-Gesellschaft zur Verf\u00fcgung \u2013 bis diese, zehn Jahre sp\u00e4ter, auch <em>acatech<\/em> zu eng wurden. Heute residiert diese Akademie am Karolinenplatz. Eine eigene Geschichte der Stadtentwicklung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die 70er Jahre<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ab den 70er Jahren kam der Ausbau der Residenz gro\u00dfe Schritte voran: 1970 wurde die heimatlose \u00e4gyptische Sammlung im Hofgartentrakt etabliert. Im gleichen Jahr starteten zwei Ma\u00dfnahmen: Zum einen wurde die Ruine der Allerheiligen-Hofkirche wenigstens gesichert und die Pf\u00e4lzer Weinprobierstuben kamen in den Viers\u00e4ulensaal. 1972 bekam die Bayerische Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste die ehemaligen Blumens\u00e4le des K\u00f6nigsbaus und des Residenzmuseums wurden nach und nach renoviert: Trierzimmer, Gr\u00fcne Galerie, Schlachtensaal im K\u00f6nigsbau, die Wiederherstellung der Deckenmalerei im schwarzen Saal.<\/p>\n<p>Die Zeit 1980 bis 1990 war dagegen gekennzeichnet f\u00fcr eine relativ langsamere Gangart des Ausbaus und das vor allem aus zwei Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Man wollte, erstens, qualitativ beste Restaurationsarbeit leisten \u2013 und die dauerte und war teuer. Das extremste Beispiel langer Bem\u00fchungen um ein Kunstwerk war die Wiederherstellung des Miniaturen-Kabinetts. 15 Jahre lang wurde an dieser kleinen roten Rokokokammer gearbeitet; erst im Jahr 2001 konnte ich sie wieder zug\u00e4nglich machen. Die Restauratoren k\u00f6nnten ein Buch schreiben alleine \u00fcber diese Ma\u00dfnahme.<\/p>\n<p>Das zweite war der permanente Kampf mit anderen Bauprojekten der Schl\u00f6sserverwaltung. Nat\u00fcrlich gab es auch innerhalb der Schl\u00f6sserverwaltung das Ringen um Priorit\u00e4ten; auch au\u00dferhalb M\u00fcnchens mussten Ruinen beseitigt, R\u00e4ume erneuert und D\u00e4cher repariert, kaputte Burgen wieder zug\u00e4ngig gemacht werden. Und die Gesamtheit der Schl\u00f6sserverwaltungs-bauten stand ihrerseits in Konkurrenz mit einer Vielzahl von anderen Ma\u00dfnahmen, die gerade in den Jahren\u00a0 bis 1990 unter der \u00dcberschrift \u201e zukunftsf\u00e4hige Infrastruktur\u201c zwingend waren.<\/p>\n<p>Auf diese Weise ist erkl\u00e4rlich, dass der Kaisersaal mit Vierschimmelsaal und Kaisertreppe sowie der Max-Joseph-Saal erst 1985 an die Reihe kamen. Mit Kaisersaal und Max-Joseph-Saal sind diejenigen R\u00e4ume wiederhergestellt worden, die heute am intensivsten genutzt werden: Neujahrsempfang des Ministerpr\u00e4sidenten, Konzerte, festliche Veranstaltungen, Tagungen. Dass diese S\u00e4le der Residenz erst 40 Jahre nach Kriegsende wieder in altem und zum Teil neuem Glanz erstanden sind, zeigt die Schwierigkeit des Wiederaufbaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Zwei F\u00e4lle aus der Sp\u00e4tzeit<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch um die Jahrtausendwende war die Wiederherstellung der Residenz noch nicht abgeschlossen. Aus den Ma\u00dfnahmen im neuen Jahrtausend will ich zwei herausgreifen: Die Wiedernutzbarmachung der Allerheiligen-Hofkirche sowie die Brandsicherung und Grundrenovierung des Cuvilli\u00e9s-Theaters.<\/p>\n<p>Es gibt keinen Teil der Residenz, der nach dem Krieg so heftig umstritten war, wie die Aller-heiligen-Hofkirche. Der von Ludwig I. nach dem Beispiel der <em>Cappella Palatina<\/em> errichtete Kirchenraum war v\u00f6llig zerst\u00f6rt und gestattete in den 50er Jahren nur die Einlagerung von B\u00fchnenmaterial. Daf\u00fcr musste die Schl\u00f6sserverwaltung jedoch das Ordinariat der Katholischen Kirche um Erlaubnis fragen, denn es handelte sich nach der damaligen Interpretation eindeutig um einen Kirchenraum.<\/p>\n<p>Schon im Jahr 1954 begann die Debatte um die architektonische Qualit\u00e4t des Klenze-Baus, eine Debatte, die vor dem Krieg schon von einigen besonders Klugen angez\u00fcndet worden war. Auch ein Gutachten\u00a0 der Bauabteilung der Schl\u00f6sserverwaltung vom 22. November 1954 stellte fest, dass die Allerheiligen-Hofkirche das \u201eschw\u00e4chste Werk\u201c von Klenze sei. Derartige Beurteilungen f\u00f6rderten die Bereitschaft, die trostlose Ruine v\u00f6llig zu beseitigen. Was keine architektonische Qualit\u00e4t besitzt, muss nicht gerettet werden!<\/p>\n<p>Im Oktober 1963 kam ein weiteres Papier der Schl\u00f6sserverwaltung, in dem es schlicht und einfach hie\u00df: \u201eDer Bauzustand ist so schlecht, dass ein Wiederaufbau der vorhandenen Reste nicht mehr m\u00f6glich ist. Es w\u00e4re demnach gegebenenfalls erforderlich, die Ruine vollkommen abzutragen, neu zu fundamentieren und dann aufzubauen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass der Kirchenbau Klenzes, der an sich eine Kopie war, abermals kopiert w\u00fcrde&#8230;das w\u00e4re denkmal-pflegerisch nicht zu verantworten.\u201c Diese Auffassung wurde \u00fcbrigens vom Vorg\u00e4nger von Professor Pfeil, Generalkonservator\u00a0 Dr. Kreisel, geteilt.<\/p>\n<p>Daraufhin kam im Jahr 1963 die Politik ins Spiel. Auf eine Anfrage der FDP-Landtagsabgeordneten Hildegard Hamm-Br\u00fccher antwortete der damalige Finanzminister Eberhard.\u00a0 Vor allem verwies der Minister auf ein Gutachten der Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste vom 22. Oktober 1963. Dieses Gutachten zeichneten nicht nur der Pr\u00e4sident, Emil Preetorius, sondern fast s\u00e4mtliche gro\u00dfe Architekten der damaligen Zeit: Hermann Kaspar, Josef Wiedemann, Franz Hart, Rudolf Esterer, Toni Stadler, Karl Knappe. Sie haben in ihrem Gutachten in kaum \u00fcberbietbarer Arroganz festgestellt, dass die Ruine der Allerheiligen-Hofkirche an der alten Stelle nicht wieder aufgebaut werden darf. \u201eSoweit die Dinge heute liegen, ist der Platz der Kirchenruine f\u00fcr neue Konzeptionen weit wertvoller als f\u00fcr den Neubau einer Kopie. Vor diesem Hintergrund lehnte das Plenum des Bayerischen Landtages am 19. Dezember 1963 ab, Haushaltsmittel f\u00fcr den Wiederaufbau der Allerheiligen-Hofkirche bereitzustellen. Das Ende der Allerheiligen-Hofkirche!<\/p>\n<p>Doch es gab einen Mann der Schl\u00f6sserverwaltung, der das weniger gut fand: Toni Beil, der Nachfolger von Otto Meitinger im Residenzbauamt. Beil lie\u00df den Beschluss des Landtages in aller Ruhe in der Schublade liegen und wartete und wartete. Das Warten wurde belohnt. Da kam ein Politiker, den wir heute mit Recht den Vater des bayerischen Denkmalschutzgesetzes nennen, Erich Schosser, der als frisch gew\u00e4hlter Landtagsabgeordneter einen Antrag mit Datum vom 28 April 1967 stellte mit dem Wortlaut: \u201eDie Allerheiligen-Hofkirche in M\u00fcnchen wird in einen zun\u00e4chst baulich gesicherten Zustand versetzt.\u201c In einer abendlichen, kuriosen Plenumssitzung des Bayerischen Landtages, wurde diesem Antrag mit knapper Mehrheit zugestimmt. Dadurch war die Kirche zun\u00e4chst gerettet.<\/p>\n<p>Daraufhin gab es aber lange Jahre des Stillstands, da die Verantwortung f\u00fcr die Allerheiligen-Hofkirche bei der Katholischen Kirche lag. 1970\/1971 brachte Hans D\u00f6llgast ein leicht anmutendes Holzdach \u00fcber den Kirchraum an, aber au\u00dfer einigen seltsamen Ausstellungen fand in der Kirche nicht viel statt. Seitens des erzbisch\u00f6flichen Ordinariats wurde auf die ausdr\u00fcckliche Zusicherung des Staates Wert gelegt, dass das Kirchenschiff der Nutzung durch die katholische Kirche vorbehalten bleibt. Dies nutzte insbesondere Monsignore Gerhard Ott, der K\u00fcnstlerseelsorger der Erzdi\u00f6zese, zu manchen Aktivit\u00e4ten \u2013 und zu \u00f6ffentlichen Ausf\u00e4llen gegen\u00fcber dem Staat. Es gab ein langes Hin und Her zwischen Staat und Kirche, es wurden immer neue Vertragsentw\u00fcrfe gemacht, Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, \u00f6ffentlich gestritten.<\/p>\n<p>Das Ringen um einen Vertrag mit konkreten Festlegungen f\u00fcr die Nutzung wurde aber pl\u00f6tzlich ebenso irrelevant wie die \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Monsignore Ott. Im Ordinariat wies ein junger Jurist, Dr. Lorenz Wolf, in einem Vermerk vom 4. Oktober 1999 an Kardinal Wetter unmissverst\u00e4ndlich darauf hin, dass die Kirche auf der Basis der falschen Rechtinterpretation k\u00e4mpfe. Seine Rechtsauffassung war die des Finanzministeriums: Die Allerheiligen-Hofkirche war durch die totale Zerst\u00f6rung in ihrem Charakter als Kirche untergegangen, folglich war die vollst\u00e4ndige Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr einen Wiederaufbau beim Freistaat Bayern. Der junge Jurist ist heute Leiter des Katholischen B\u00fcros und Vorsitzender des Rundfunkrates&#8230;<\/p>\n<p>Zur Absegnung dieser nunmehr gleichen Rechtsauffassung fand am 9. M\u00e4rz 2000 ein Treffen von Kardinal Wetter mit Ministerpr\u00e4sident Stoiber in der Staatskanzlei statt. Wesentliches Ergebnis des Gespr\u00e4ches war ein Briefaustausch, in dem festgestellt wird, dass der Freistaat Bayern in Zukunft die alleinige Verantwortung f\u00fcr die ehemalige Kirche tr\u00e4gt und den Raum nur zu solchen Veranstaltungen nutzen wird, bei denen ber\u00fccksichtigt ist, dass der Raum ehemals eine Kirche war.<\/p>\n<p>Nach diesen Klarstellungen konnte ich im Jahr 2000 einen europaweiten Architektenwettbewerb ausschreiben, den im August 2000 das Architekturb\u00fcro Guggenbichler &amp; Netzer gewann. Das Architektenehepaar schreibt r\u00fcckblickend: \u201eSo mussten alle Eingriffe mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher gestalterischer Zur\u00fcckhaltung, aber dennoch deutlich ablesbar in zeitgen\u00f6ssischer Formsprache erfolgen; die Wirkung des Klenze-Rohbaus sollte gesteigert werden und das neue Eingef\u00fcgte klar erkennbar bleiben.\u201c<\/p>\n<p>Wer heute die Allerheiligen-Hofkirche betritt, ist beeindruckt von der klaren, souver\u00e4n ruhigen Architektur Klenzes. Dieser heutige Zustand widerlegt in beeindruckender Weise die Auffassung der Architekturklasse der Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste aus dem Jahr 1963. Ich meine: Eine sch\u00f6ne Widerlegung durch die Praxis des Wiederaufbaus.<\/p>\n<p>Noch eine Randbemerkung hinzu: Dass im Zuge der Wiederaufbauma\u00dfnahmen der Allerheiligen-Hofkirche auch der Kabinettsgarten, zwischen Apothekerstock und Kirche gelegen \u2013 durch die Planung von Peter Kluska gelungen ist, k\u00f6nnen wir insbesondere bei lauen Sommerabenden nach einer Veranstaltung genie\u00dfen. Fritz Koenig\u2019s Flora III ist die Seele dieses wunderbar ruhigen Raumes inmitten der hektischen Innenstadt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die zweite Auferstehung des Cuvilli\u00e9s-Theaters<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Otto Meitinger hatte mit einer au\u00dfergew\u00f6hnlich engagierten Mannschaft das Cuvilli\u00e9s-Theater in knapp zwei Jahren in den Apothekerstock gepflanzt. Und das zwischen einer Zeit, in der es noch vielfach an technisch einwandfreiem Material mangelte. So stellten wir Ende 2000 fest, dass die gesamte Stromversorgung des Hauses im wahrsten Sinne des Wortes brandgef\u00e4hrlich war. Die sofortige Abschaltung des bestehenden Stromkreises war die Konsequenz. In diesem Zusammengang erstellte das Hochbauamt M\u00fcnchen I eine Liste mit den notwendigen Reparaturma\u00dfnahmen. Die intensive Nutzung des Kleinods seit dem Jahr 1958 hatte alle Bereiche des Hauses sehr stark in Anspruch genommen. Kleinere Reparaturen reichten nicht mehr.<\/p>\n<p>Das war nun in einer Zeit, in der es allen Gebietsk\u00f6rperschaften in Deutschland finanziell miserabel ging: Die Steuersch\u00e4tzungen in den Jahren ab 2000, achtmal in Folge, waren immer schlechter geworden. Eine Kaskade des Steuerverfalls. Deshalb erteilte das Finanzministerium der Bayerischen Schl\u00f6sserverwaltung\u00a0 am 27. Mai 2003 den Auftrag, eine Kl\u00e4rung herbeizuf\u00fchren, ob ich zitiere \u201eein baulich-restauratorisch sinnvolles Sanierungspaket gebildet werden kann, das die Dimension einer Generalsanierung unterschreitet. Mit dieser Vorgabe wurde das Hochbauamt M\u00fcnchen I t\u00e4tig. Beh\u00f6rdenleiter Kurt Bachmann legte am 11. Dezember 2003 ein Papier vor, in dem sechs Sanierungsvarianten festgehalten wurden mit Kosten zwischen 100 000 und 22 Millionen Euro.<\/p>\n<p>In miserablen finanziellen Zeiten eine schwierige Entscheidungssituation. Meine Haushaltsabteilung war nat\u00fcrlich f\u00fcr eine der billigen Varianten. Sollte man, so die damalige Auffassung, die teuerste Variante mit 22 Millionen w\u00e4hlen, w\u00fcrde das, wir schrieben das Jahr 2000, eine Fertigstellung erst im Jahr 2015 bedeuten. 15 Jahre herumbasteln im Cuvlli\u00e9s-Theater und 15 Jahre Schlie\u00dfung? Das war nicht zu akzeptieren. Ich wollte, wenn schon, die 22-Millionen-Variante, die auch die Staatsoper bevorzugte!<\/p>\n<p>In dieser Situation lag die \u00dcberlegung nahe, die B\u00fcrger Bayerns an der unmittelbaren Finanzierung zu beteiligen. Deshalb gr\u00fcndete ich das <em>Comitee Cuvilli\u00e9s<\/em>. Unter der Schirm-herrschaft von Herzog Franz von Bayern und dem Vorsitz von Roland Berger taten sich Dirk Ippen, Otto Meitinger, der erst k\u00fcrzlich verstorbene Hubert Mennacher, Heribert N\u00e4rger von der Siemens Kunststiftung, Dieter Rampl von der Hypo Vereinsbank, Dieter Soltmann und ich zusammen. Paragraph 2 dieser Satzung schrieb vor: \u201eZweck des Vereins ist die F\u00f6rderung der Wiederherstellung und Erhaltung des Cuvilli\u00e9s-Theaters und anderer Baudenkm\u00e4ler im Freistaat Bayern.\u201c<\/p>\n<p>Schon bei der ersten Zusammenkunft legten Roland Berger und Dirk Ippen spontan je 100.000 Euro auf den Tisch; \u201eum ein Zeichen zu setzen\u201c, wie sie meinten. Unterst\u00fctzt wurden in der folgenden Zeit die Bem\u00fchungen des Vereins durch ein gro\u00dfes Kuratorium und durch viele Unterst\u00fctzer aus dem Kulturbereich. Der Verein setzte sich, entsprechend dem Beispiel der Pinakothek der Moderne, das Ziel, 10 Prozent der Bausumme, also 2,2 Millionen an Spenden einzuwerben. Durch eine Vielzahl von Spenden, aber vor allem auch durch das Engagement der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung mit dem gro\u00dfartigen Heribert N\u00e4ger, die alleine 1,85 Millionen leistete, stellte dieser B\u00fcrgerverein nicht lediglich 2,2 Millionen, sondern letztlich 5 Millionen zur Verf\u00fcgung. Dieser gro\u00dfe Erfolg machte es m\u00f6glich, eine Idee der Bauleute der Schl\u00f6sserverwaltung und des Hochbauamtes zu realisieren, den achteckigen Vorraum des Cuvilli\u00e9s-Theaters zu \u00fcberglasen. Kostenpunkt 1,5 Millionen. Aus Dankbarkeit beschloss der Freistaat diesen wunderbaren Raum <em>Comitee Hof<\/em> zu nennen.<\/p>\n<p>Dies ist ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr, wie Wiederaufbauarbeit auch massiv unterst\u00fctzt werden kann von Institutionen der B\u00fcrgerschaft. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist in M\u00fcnchen der Erfolg der \u201eFreunde des Nationaltheaters\u201c, ein weiteres die am 2. M\u00e4rz 1994 gegr\u00fcndete \u201eStiftung Pinakothek der Moderne\u201c, die das 10-Prozent-Ziel f\u00fcr privates finanzielles Engagement beispielhaft vorexerziert hat. Und in diese Reihe geh\u00f6rt das <em>Comitee Cuvilli\u00e9s<\/em>. So konnte das Cuvilli\u00e9s-Theater am 14. Juni 2008 mit einem Staatsakt wiederer\u00f6ffnet werden. Eine zweite Wiedergeburt des zweifellos sch\u00f6nsten Rokokotheaters der Welt.<\/p>\n<p>Der Wiederaufbau der Allerheiligen-Hofkirche, Grunderneuerung des Cuvilli\u00e9s-Theaters: dies waren nicht, wie wir urspr\u00fcnglich meinten, die Schlusspunkte des Wiederaufbaus der Residenz. Der Abschluss der Renovierungen der klassizistischen R\u00e4ume im K\u00f6nigsbau im letzten Jahr und die laufende Instandsetzung der Gelben Treppe in diesem K\u00f6nigsbau von Ludwig I. belegen, dass f\u00fcr einen gro\u00dfen Komplex wie die Residenz das Gleiche gilt, wie f\u00fcr gro\u00dfe gotische Dome. Man braucht dort \u201eDombau-H\u00fctten\u201c. In der Residenz braucht man eine \u201eResidenzbau-H\u00fctte\u201c und das ist die Bauabteilung der Schl\u00f6sserverwaltung.\u00a0 \u00dcber diese H\u00fctten-Arbeit wird nunmehr Hermann Neumann berichten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung &nbsp; Es muss im Jahr 2002 gewesen sein. 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