{"id":104478,"date":"2025-04-29T11:06:06","date_gmt":"2025-04-29T09:06:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=104478"},"modified":"2025-04-29T11:06:08","modified_gmt":"2025-04-29T09:06:08","slug":"die-goten-paten-europas-archaeologische-sprachliche-und-kulturelle-spuren-der-goten","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-goten-paten-europas-archaeologische-sprachliche-und-kulturelle-spuren-der-goten\/","title":{"rendered":"The Goths - Godfathers of Europe?"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Kurzer<\/strong><strong> \u00dcberblick<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir sind alle ein bisschen Goten.\u201c Mit diesen Worten meinte die russische Kulturpublizistin Natalja Vanhanen, dass alle europ\u00e4ischen V\u00f6lker eine \u201egotische Komponente\u201c in sich tragen, so weit und breit ist dieses ostgermanische Volk \u00fcber den alten Kontinent gewandert, so viele Siedlungsgebiete hatte es \u2013 von Skandinavien im Norden bis zum Balkan, den Apenninen und den Pyren\u00e4en im S\u00fcden, und vom heutigen europ\u00e4ischen Teil Russlands und der Ukraine im Osten bis zur Schweiz, S\u00fcddeutschland und S\u00fcdfrankreich im Westen, und mit so vielen V\u00f6lkern \u2013 germanischen, slawischen, romanischen und finno-ugrischen \u2013 hatte es sich \u00fcber die Jahrhunderte vermischt und somit auf die Ethnogenese diverser europ\u00e4ischer Volksverb\u00e4nde eingewirkt.<\/p>\n<p>Diese genetische Spur und Verbindung ist wichtig. Aber viel wichtiger ist das kulturhistorische Erbe der Goten, von den arch\u00e4ologischen Artefakten und den Architekturdenkm\u00e4lern bis zu den gotischen Lehnw\u00f6rtern in fast allen europ\u00e4ischen Sprachen und den gotischen Toponymen, Hydronymen und Eigennamen in nahezu allen Teilen Europas. Auch die gotischen Heiligen in den Kalendern der orthodoxen Kirchen und der katholischen Kirche sprechen von der Bedeutung dieses Volkes in der Christianisierung Europas. Die Sagen und Mythen mehrerer V\u00f6lker und sogar einige Karnevalsspieltraditionen, noch im 10. Jahrhundert vom byzantinischen Kaiser Konstantin VII. als \u201egotische Spiele\u201c beschrieben, sprechen von den Goten. In einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wie Schweden und Spanien ist die \u201egotische Spur\u201c bis in die Gegenwart besonders lebendig. So hie\u00df der offizielle Titel der schwedischen K\u00f6nige bis 1974 \u201eSveriges, G\u00f6tes och Vendes konung\u201c (K\u00f6nig der Schweden, Goten und Wenden).<\/p>\n<p>In Spanien betrachtet man das Westgotische Reich vom 5. bis 8. Jahrhundert als den ersten Vorl\u00e4ufer des heutigen spanischen Staates und die Westgoten als dessen Gr\u00fcndungsv\u00e4ter. In den anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, wo sich in der Antike und Sp\u00e4tantike kleinere oder gr\u00f6\u00dfere Gruppen von Goten angesiedelt haben, verbindet man heute mit den Goten vor allem die Vorstellung von einem arch\u00e4ologischen, kulturhistorischen Erbe, wozu auch Heldenlieder, Legenden und Mythen dieser Nationen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Gotische Helden und eine gotische Beziehung haben wir nicht nur im Hildebrandslied und im Nibelungenlied \u2013 den gro\u00dfen deutschen Heldenliedern \u2013 sondern auch in der norwegischen Thidrekssaga. Der legend\u00e4re Ostgotenk\u00f6nig Theoderich der Gro\u00dfe, die wohl bedeutendste Herrschergestalt in der gotischen Geschichte, ist hier der Prototyp. Ebenso spielt er als <em>K\u00f6nig Amalia<\/em> eine Rolle als Vorfahre in der Schweizer Sage von Wilhelm Tell. Von gotischen Frauen, \u201edie am Rande des Meeres\u201c leben, ist im russischen Nationalepos des 12. Jahrhunderts, dem Igorlied, die Rede. Unz\u00e4hlig sind die gotischen Helden in verschiedenen spanischen Heldenliedern, aber auch in der Legendenwelt des benachbarten Portugal.<\/p>\n<p>Die bekannte norwegische Altgermanistin Gerd H\u00f8st-Heyerdahl (1915-2007) betont, dass das fr\u00fchmittelhochdeutsche Annolied vom Ende des 11. oder Anfang des 12. Jahrhunderts auch eine Abstammungslinie der Bayern von den Krim- und taurischen Goten sieht. Auch im bekanntesten altenglischen Heldenepos Beowulf um 730, dessen Schauplatz D\u00e4nemark und S\u00fcdskandinavien ist, ist der Hauptheld ein gotischer F\u00fcrst. Nat\u00fcrlich haben wir auch die <em>Goten-Saga<\/em> als eine Art Ur-Epos von den Urspr\u00fcngen der Goten aus Skandinavien.<\/p>\n<p>Ich habe meine Ausf\u00fchrungen mit der Sagen- und Mythenwelt der europ\u00e4ischen V\u00f6lker angefangen, weil sie sehr gut zeigt, wie vielf\u00e4ltig das Gotische in den Vorstellungen, den historisch-legend\u00e4ren Assoziationen, im \u2013 immateriellen \u2013 Erbe sehr unterschiedlicher europ\u00e4ischer ethnokultureller Traditionen verankert ist. Das europ\u00e4ische Prinzip der \u201eEinheit in der Vielfalt\u201c ist hier kulturhistorisch bestens dokumentiert, aber auch in allen anderen Aspekten und Formen der Existenz der gotischen Spur in den verschiedenen Teilen Europas.<\/p>\n<p>Als Nachlass der Goten haben wir auch weltbekannte Denkm\u00e4ler wie das Mausoleum des Theoderich in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert, oder die Wulfila- Bibel\/Silberbibel\/Codex Argenteus, ebenfalls aus dem 6. Jahrhundert, die in der Universit\u00e4tsbibliothek in Uppsala aufbewahrt wird. Aber noch Dutzende andere gotische Architektur\u00addenkm\u00e4ler, zerstreut \u00fcber ganz Europa und besonders in Spanien und Portugal aus dem 6. bis 7. Jahrhundert, und noch etwa ein Dutzend gotischer Schriftdenkm\u00e4ler: kleinere Fragmente der gotischen Bibel\u00fcbersetzung Wulfilas, ein Bibelkommentar (skeireins) und seit neuestem auch die (neu)entdeckten gotischen Graffiti auf Kirchensteinen aus der Krim \u2013 in gotischer Sprache und mit dem Buchstaben Wulfilas aus dem 9. bis 10. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Es gibt Mannigfaltiges von den Goten, sowohl was materielles und immaterielles Erbe betrifft, als auch Eigennamen, Orts- und Gew\u00e4ssernamen, aber auch W\u00f6rter f\u00fcr das Religi\u00f6se und das Allt\u00e4gliche. Der in den slawischen Sprachen sehr popul\u00e4re Eigenname Vladimir hat einen gotischen Ursprung. In seinem 2019 erschienenen Buch \u201eDie Goten und Bulgarien\u201c hat der bulgarische Arch\u00e4ologe und Historiker Rumen Ivanov herausgefunden, dass zur selben Zeit in zwei entfernten Teilen Europas, in den kleinen Nachfolgestaaten des hispanischen Westgotenreiches im Norden der pyren\u00e4ischen Halbinsel, vor allem in Asturien und im Bulgarenreich auf der Balkanhalbinsel im 9.\/10. Jahrhundert, ohne jegliche bekannte Verbindungen zwischen diesen mittelalterlichen Staaten, drei K\u00f6nige in Hispanien und ein K\u00f6nig sowie ein Thronfolger bei den Bulgaren sehr \u00e4hnliche, gotische Namen tragen: Rademirus, Radimiros und Redemiro bei den einen, im Bulgarenreich\u00a0 Radomir als Zar und sein Neffe. Au\u00dferdem haben wir bis heute \u00e4hnliche Toponyme: Rademirizi in Spanien und Radomirzi und Radomir in Bulgarien! Man interpretiert das Wort etymologisch und leitet es ab von got. raps = schnell, leicht und got. merjan = k\u00fcnden, r\u00fchmen also jemand, der durch seine Schnelligkeit, Flinkheit ber\u00fchmt ist.<\/p>\n<p>Gotische Toponyme und Hydronyme hat man fast \u00fcberall in Europa: von der Insel Gotland in der Ostsee, die Donau (von got. donawi) bis zur autonomen Provinz Katalonien, fr\u00fcher Gotalanien in Spanien. Es gibt kaum eine europ\u00e4ische Sprache, in der wir nicht gotische Lehnw\u00f6rter haben. Hier ein bekanntes Beispiel aus dem Polnischen: chvila (= der Augenblick) hat den selben Wortlaut und dieselbe Bedeutung im Gotischen: hveila. Polen ist auch das erste Land, in dem in Pflege und Andenken des gotischen Erbes ein gotisches Dorf als Freilichtmuseum nachgebaut wurde \u2013 <em>Wioska Gotow<\/em>.<\/p>\n<p>Ein anderes bekanntes Wort, das mit gotischer Vermittlung in mehreren romanischen, germanischen und slawischen Sprachen zu finden ist und in Deutsch mit \u201eBotschaft\u201c \u00fcbersetzt werden kann, ist \u201eambasciata\u201c im Italienischen, gekommen vom Provenzalischen \u201eambaissat\u201c, was dorthin wiederum vom Gotischen kommt: \u201eandbahti\u201c (= Amt, Dienst) und \u201eandbahtjan\u201c (= dienen). Nur eine Auswahl weiterer Sprachen: \u201eambassade\u201c im Franz\u00f6sischen, \u201eambassad\u201c im Schwedischen, \u201eambassade\u201c im Norwegischen, schlie\u00dflich \u201eambasada\u201c im Serbischen, Kroatischen und Slowenischen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite der Skala findet man einen gotischen Einfluss auf der Mikro-Ebene, bei Dialekten, z.B. bei dem bayerisch- \u00f6sterreichischen Dialekt des Deutschen. Auf einige dieser Dialektw\u00f6rter hat Herwig Wolfram in seinem Vortrag auf dem Jubil\u00e4ums-Symposium Wulfila 311-2011 in Uppsala hingewiesen: \u201eDult\u201c im Bayerischen (Jahrmarkt, Messe) kommt von got. \u201edulths\u201c (=Fest). Auch einige Bezeichnungen f\u00fcr Wochentage kommen hier aus dem Gotischen: \u201earestag-irchtag\u201c f\u00fcr Dienstag, \u201epempti hemera-pfinztag\u201c f\u00fcr Donnerstag.<\/p>\n<p>Aber nicht nur im bayerischen Dialekt, sondern auch in der deutschen Sprache \u00fcberhaupt gibt es einige W\u00f6rter, die vom gotischen abgeleitet oder mit gotischer Vermittlung aus dem Griechischen bzw. Althebr\u00e4ischen gekommen sind. Auch hier sieht man die ber\u00fchmte Vermittlerrolle der Goten zwischen der antiken Welt und ihrer Sprachen und den neuen, mittelalterlichen Sprachen Europas. Das bekannteste Wort hierf\u00fcr im Deutschen ist Samstag (ahd. sambaztag \u2013 got. sabbato dags \u2013 vulg\u00e4rgr. sambaton -Normalform in gr. sabbaton, urspr\u00fcnglich abgeleitet vom Hebr\u00e4ischen schabbath \u201ew\u00f6chentlicher Ruhetag\u201c). Wir haben im Gotischen auch den Eigennamen Sabigota, mit einer \u00fcbertragenen Bedeutung wie etwa das \u201eSonntagskind\u201c im heutigen Deutsch. Es ist bezeichnend f\u00fcr die Diversit\u00e4t der gotischen Vermittlung, dass in einigen Sprachen der slawischen Welt die Bezeichnung, der Name des Samstags auch vom hebr\u00e4ischen und griechischen \u00fcber das gotische kommt: \u201esabota\u201c im Bulgarischen und \u201esubbota\u201c im Russischen.<\/p>\n<p>Nun sei hier auch daran erinnert, dass zwei Grundbegriffe des christlichen Glaubens, Engel und Teufel, ebenfalls \u00fcber gotische Vermittlung in die deutsche Sprache gekommen sind, was unter anderem ein Zeugnis der Bedeutung der gotischen Mission ist: Engel kommt vom althochdeutschen \u201eengil\u201c und dort wiederum vom gotischen \u201eaggilus\u201c, was wiederum eine Entlehnung aus dem griechischen \u201eangelos\u201c (Bote) ist. Bei dem Wort Teufel haben wir als Entlehnungskette ahd.\u201ctiufal\u201c \u2013 got. diabaulus \u2013 gr. diabolos, wobei die urspr\u00fcngliche Bedeutung Verleumder war.<\/p>\n<p>Diese Dichotomie zwischen \u201eEngel\u201c und \u201eTeufel\u201c im \u00fcbertragenen, symbolischen Sinne war \u00fcber die Jahrhunderte f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Rezeption der Goten und des Gotischen typisch, bezeichnend, zwischen dem Hochlob und der Verherrlichung einerseits und der Verteufelung und Diffamation andererseits, zwischen Gotizismus und Anti-Gotizismus, eine Ambivalenz par excellence, die man in der einen oder anderen Form bis heute beobachten kann, und die auch zum Teil historisch begr\u00fcndet ist. Die Goten waren zugleich die Zerst\u00f6rer des (sp\u00e4t)r\u00f6mischen Reiches und die Erbauer, die Begr\u00fcnder der ersten fr\u00fchmittelalterlichen Staaten und damit Vermittler, auch was das Rechtswesen betraf, zwischen Antike und Mittelalter.<\/p>\n<p>Die erste christliche Mission unter den neuen V\u00f6lkern Europas, die die R\u00f6mer und Byzantiner weiterhin als \u201eBarbaren\u201c bezeichneten, war die gotische, auch wenn sie wegen ihrer halb-arianischen Auspr\u00e4gung nur eine begrenzte Nachwirkung hatte, und trotzdem durch W\u00f6rter in den germanischen und slawischen Bibel\u00fcbersetzungen in Erinnerung blieb.<\/p>\n<p>Zu erinnern ist auch an die erste anti-j\u00fcdische Gesetzgebung Europas, formuliert und durchgesetzt Ende des 7. Jahrhunderts im spanischen Westgotenreich? All das darf nicht vergessen werden. Aber andererseits sind heute der Germanenkult der Nazis und der Gotenkult der Ustascha In Kroatien oder der Falange in Spanien gl\u00fccklicherweise Vergangenheit. Wie der Chefredakteur des popul\u00e4ren deutschen Geschichtsmagazins <em>G\/Geschichte<\/em> Klaus Hillingmeier 2017 schrieb: \u201eDie Tage nationaler Vereinnahmung der Goten sind lange vorbei. Heute unterstreicht die Forschung ihre europ\u00e4ische Dimension.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Arch\u00e4ologische Spuren der Goten<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier ist seit den 1970er Jahren und der These von R. Hachmann, die Goten seien gar nicht aus Skandinavien in Richtung S\u00fcdk\u00fcste der Ostsee ausgewandert, sondern h\u00e4tten immer an der S\u00fcdk\u00fcste gelebt, die offene Frage, ob dies oder die traditionelle Vorstellung wahr ist, dass die Urheimat der Goten Skandinavien ist. Wie man sieht, sind Thesen und Antithesen zu Herkunft, Identit\u00e4t und historischen Bedeutung der Goten oft zur gleichen Zeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der \u00d6ffentlichkeit vorgetragen worden, denn im selben Jahr, als Hachmanns Buch erschien, fand auch ein Goten-Symposium in Stockholm statt, das unter der Koordination von Ulf Erik Hagberg die \u00fcbliche Vorstellung von der Herkunft der Goten aus dem heutigen S\u00fcdschweden und der Insel Gotland in der Ostsee best\u00e4tigte. Es ist eine Diskussion bis in die heutigen Tage, die aber in ruhiger Manier gef\u00fchrt wird, vor allem, weil die schwedische Wissenschaft nicht mit Aggression auf neue, ungew\u00f6hnliche Sichtweisen auf die urspr\u00fcngliche gotische Auswanderung reagiert hat, sondern mit gro\u00dfer Geduld und Sachkenntnis.<\/p>\n<p>In dieser Beziehung machte ein Buch des schwedischen Arch\u00e4ologen Anders Kaliff einen Kompromiss-Vorschlag: Aufgrund von historischem Quellenmaterial, von arch\u00e4ologischen, sprachlichen und kulturellen Zeugnissen, stellte er fest, dass die Kontakte und die Migration von Bev\u00f6lkerungsgruppen im Ostseeraum schon aus fr\u00fcheren Zeiten, Jahrhunderte vor dem Aufkommen der Goten, beiderseits, also von Norden nach S\u00fcden und von S\u00fcden nach Norden vor sich gingen und daher eine Diskussion im Sinne von \u201eEntweder \u2013 Oder \u2013 Konstellationen\u201c im Grunde sinnentleert ist.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Byzantinist Michael Kazanski findet bestimmte Spezifika des Begr\u00e4bnisses der Goten, eine Kombination von Steinbox-Urnen mit \u00dcberresten von Leichenverbrennung, \u00a0\u00fcberall auf dem Wanderweg der Goten von S\u00fcdnorwegen bis zu den Pyren\u00e4en. Dieselbe Beobachtung macht auch der bekannteste russische Goten-Forscher Mark Shchukin in seinem Buch <em>Der gotische Weg<\/em>. Skandinavien ist aufgrund der arch\u00e4ologischen Funde klar in die Gesamtsicht \u00fcber den gotischen Wanderweg durch Europa eingeschlossen. Shchukin meint auch, die materielle Kultur der Goten wurde w\u00e4hrend ihrer langen Wanderzeit durch die Kontakte mit anderen, auch nicht-germanischen V\u00f6lkern bereichert \u2013 mit den Kelten, mit Rom, mit den baltischen V\u00f6lkern, mit den Steppenv\u00f6lkern im Schwarzmeergebiet, dabei vor allem den Sarmaten, und mit den Thrako-Geto-Daken.<\/p>\n<p>Seit dem 4. Jahrhundert sind die bekanntesten arch\u00e4ologischen Indikatoren der gotischen Pr\u00e4senz im Schwarzmeergebiet, auf dem Balkan, im heutigen Italien, Spanien, Portugal, S\u00fcdfrankreich, S\u00fcddeutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz einige Typen von Fibeln: die sogenannten B\u00fcgelfibeln, Kerbschnitt- und Zikaden-Fibeln, in Italien auch die Spangenhelme. Die Adlerfibeln, oft inkrustiert, auch mit Bernstein-Dekoration, sind die best\u00e4ndigen, stabilen Zeichen der gotischen und auch anderer \u201eur-germanischen\u201c Pr\u00e4senz in der V\u00f6lkerwanderungszeit. Aber auch diese sehr germanischen Attribute wurden von den Steppenv\u00f6lkern des Ostens \u00fcbernommen, in der Zeit der Kontakte im n\u00f6rdlichen Schwarzmeergebiet seit dem 3.\/4. Jahrhundert n. Chr. Daher finden wir sie nicht in den vorherigen Perioden der gotischen Geschichte, als sich diese St\u00e4mme in weiten Gebieten um die Ostsee befanden. Das betrifft auch die Adlerkopfschnallen, die man in vergangenen Zeiten auch gern als \u201eurgermanisch\u201c ansah.<\/p>\n<p>Bernstein, der von der Ostseek\u00fcste kam, wurde \u00fcber die Goten ein best\u00e4ndiger Teil des Schmuckes im sp\u00e4tr\u00f6mischen Reich. Die Goten kontrollierten auch den Bernsteinhandel in Europa \u00fcber Jahrhunderte. In der \u00dcberlieferung, nicht nur ihrer, sondern auch vieler anderer europ\u00e4ischer V\u00f6lker blieben sie, verherrlicht oder verdammt, als Krieger, Soldaten und Anf\u00fchrer in Erinnerung. Sie waren aber auch die bekanntesten Juweliere des sp\u00e4tr\u00f6mischen Reiches und mit den viel zierlicheren und sch\u00f6neren Fibeln als die klassischen r\u00f6mischen so bestimmend, dass sich bei dieser Omnipr\u00e4senz der neuen Mode im 4. bis 7. Jahrhundert im Mittelmeerraum Arch\u00e4ologen oft die Frage stellen: gotisch oder nach gotischer Mode nachgemacht? Und die Frage ist berechtigt, denn so weit, bis etwa nach Nordafrika, konnten die Goten doch nicht gekommen sein. Hier waren aber die Vandalen und ihr K\u00f6nigreich, und andere Ostgermanen wie die Gepiden oder die Heruler haben die gotische Kleidungsmode nachgemacht.<\/p>\n<p>Wenn wir heute \u00fcber die kulturellen Spuren der Goten sprechen, dann d\u00fcrfen wir eben nicht vergessen, dass eine der wichtigsten auf dem Gebiet der Mode, des Kleidungsschmucks dieser Epoche lag, aber auch bei anderen, heute w\u00fcrde man sagen, Luxusgegenst\u00e4nden mit sakralem Charakter wie die sogenannten Votiv-Kronen von Guarrazar in Spanien. Andere ber\u00fchmte Sch\u00e4tze sind der von Domagnano, aufbewahrt in San Marino, ostgotischer Frauenschmuck aus dem 6. Jahrhundert und der gotische Schatz von Pietroasa (4.\/5. Jahrhundert), aufbewahrt im Nationalen Historischen Museum in Bukarest.<\/p>\n<p>Prinzipiell unterscheidet die Arch\u00e4ologie einige Perioden der gotischen materiellen Kultur, vor allem arch\u00e4ologische Artefakte, die ihre Metamorphosen \u00fcber die Jahrhunderte und die Gegenden der gotischen Migration und Ansiedlung erf\u00e4hrt.<\/p>\n<ol>\n<li>Gotische Funde, vor allem Keramik, Fibeln, G\u00fcrtelschnallen, aus S\u00fcdskandinavien und der Insel Gotland. Wie oben dargestellt, wird diese Vorperiode vom ca. 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert n. Chr nicht von allen Arch\u00e4ologen als gotisch anerkannt. Sie l\u00e4sst sich als solche aber auch von der \u201esprachlichen Arch\u00e4ologie\u201c best\u00e4tigen, nicht nur von der Gotensaga \u00fcber die Urheimat der Goten und den sp\u00e4teren Nacherz\u00e4hlungen von Jordanes oder von Isidor von Sevilla. Von allen gegenw\u00e4rtigen Sprachen steht das Schwedische der gotischen Sprache am n\u00e4chsten.<\/li>\n<li>Die Wielbark-Kultur an der s\u00fcdlichen Ostseek\u00fcste und im Gebiet zwischen Elbe und Weichsel\/Wisla, im 1. bis 3. Jahrhundert und teilweise sp\u00e4ter, vor allem auf dem Territorium des heutigen Polen und auch der russischen Enklave von Kaliningrad-K\u00f6nigsberg, einem Teil des ehemaligen Ostpreu\u00dfens.<\/li>\n<li>Die Chernyakov-Kultur vom Anfang des 3. bis Anfang des 5. Jahrhunderts. Hierzu werden auch die Gr\u00e4ber von Lu\u010distoe auf der Krim hinzugez\u00e4hlt.<\/li>\n<li>Die Sintana de Mures-Kultur auf den Gebieten der heutigen L\u00e4nder Republik Moldau und Rum\u00e4nien in der zweiten H\u00e4lfte des 3. Bis 5. Jahrhunderts. Etwas Typisches f\u00fcr diese Periode ihrer fr\u00fchen Geschichte sind die \u201elangen H\u00e4user\u201c, oft 21 Meter lang und 11 Meter breit.<\/li>\n<li>Die r\u00f6mische Periode vom 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr., als Ost- und Westgoten neu ins Reich einfielen und auf dessen Territorium ihre Vasallenstaaten gr\u00fcndeten. Die Schmuckfunde aus dieser Zeit zeigen eine noch feinere Kunst.<\/li>\n<li>Die Funde und Denkm\u00e4ler aus sp\u00e4tr\u00f6misch-gotischer Zeit, vor allem vom Ostgotischen Reich mit seiner Hauptstadt Ravenna im 6. Jahrhundert, und dem Westgotischen Reich mit den Hauptst\u00e4dten Toulouse\/Toledo im 5. bis 8 Jahrhundert n. Chr. Aus dieser Epoche haben wir auch bis heute erhalten gebliebene Architektur: Denkm\u00e4ler wie das Theoderich-Mausoleum in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. und einige kleine Kirchen aus der westgotischen Zeit in Spanien wie Santa Mar\u00eda de Quintanilla de las Vi\u00f1as in Burgos aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. oder San Pedro de la Nave in Zamora, ebenfalls aus dem 7. Jahrhundert n. Chr.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die gotischen Schriftdenkm\u00e4ler<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum kulturellen Nachlass der Goten geh\u00f6ren ca. ein Dutzend Schriftdenkm\u00e4ler, manche davon Palimpseste, vor allem aus dem 6. Jahrhundert, die in Bibliotheken und Museen verschiedener europ\u00e4ischer L\u00e4nder aufbewahrt werden. Das sind Texte in gotischer Sprache, geschrieben mit dem gotischen christlichen Alphabet des Bischofs Wulfila (311-383), der in der r\u00f6mischen Provinz Niederm\u00f6sien, dem heutigen Nordbulgarien, auch die gotische Bibel\u00fcbersetzung schuf. Das bedeutendste dieser Denkm\u00e4ler ist der Codex Argenteus, die Silberbibel, eine Abschrift von Wulfilas Werk aus dem 6. Jahrhundert, die in der Universit\u00e4tsbibliothek Uppsala geh\u00fctet wird. In Deutschland wird in der Bibliothek in Wolfenb\u00fcttel der Codex Carolinus, auch aus dem 6. Jahrhundert, aufbewahrt. In deutschem Besitz, im Museum von Speyer, befindet sich auch das Speyer-Blatt, ein Blatt des Codex Argenteus, das erst vor ca. 50 Jahren entdeckt wurde.<\/p>\n<p>Es werden, wenn auch in zeitlichen Abst\u00e4nden, immer wieder gotische Schriftdenkm\u00e4ler gefunden, wie die Gotica Bononiensia aus dem 6. Jahrhundert, entdeckt 2009 in der Kirche San Petronio in Bologna. Sensationell und unerwartet war die Entdeckung von gotischen Graffito-Inschriften auf Basilika-Steinen von der Krim seit 2014. Inzwischen sprechen Spezialisten sogar von einer Bibliothek auf Steinen, denn es handelt sich um mehrere geritzte Inschriften, die auch ins 9. bis 10. Jahrhundert datiert werden. Die sp\u00e4testen bis jetzt gefundenen gotischen Schriftdenkm\u00e4ler sind also ca. 300 bis 400 Jahre sp\u00e4ter als die in Westeuropa gefundenen Gotica.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Zum christlichen Glauben der Goten: Arianer &#8211; Orthodoxe \u2013 Katholiken<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange Zeit herrschte in den wissenschaftlichen Kreisen vor allem des Westens die Vorstellung, die Goten seien nur (Halb-)Arianer gewesen. Hier war die pr\u00e4gende Meinung vor allem von evangelischen Theologen wie Gert Haendler oder Knut Sch\u00e4ferdiek federf\u00fchrend, auch im 20. Jahrhundert. Das entsprach nat\u00fcrlich nicht ganz der Wahrheit. Es gab schon im 4. Jahrhundert auf dem Balkan und der Krim und auch in Konstantinopel orthodoxe Gruppen, und im Westgotenreich nach der Bekehrung zum Katholizismus 589, aber auch kurz zuvor (St. Hermenegild), gotische katholische Christen. Wir haben zum Beispiel 33 gotische Heilige im Kalender der Bulgarischen Orthodoxen Kirche. \u00c4hnlich gro\u00df ist die Zahl der gotischen Heiligen auch in den orthodoxen Kirchen Russlands. Hier haben wir zum Beispiel auch den lokalen Heiligen der Krim, den heiligen Johannes von Gotien aus dem 8. Jahrhundert, der den Aufstand gegen die Chasaren-Herrschaft anf\u00fchrte. Er wird auch von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche anerkannt.<\/p>\n<p>Weiterhin werden gotische Heilige auch von fast allen anderen orthodoxen Kirchen anerkannt, in Fortf\u00fchrung der byzantinischen Tradition und des byzantinischen Kalenders. Im Serbisch-Orthodoxen Kloster von Visoki De\u010dani werden ein Teil der Gebeine des im Osten wohl bekanntesten gotischen Heiligen St. Niketas der Gote aufbewahrt. Dieser Heilige aus dem 4. Jahrhundert wird auch St. Nikita Zelebnik (Heiler) genannt, weil er laut \u00dcberlieferung bei den verschiedensten Krankheiten effektiv zur Heilung beitr\u00e4gt. Die Orthodoxen und die katholische Kirche verehren in ihren Kalendern zugleich zwei gotische Heilige, den ersten gotischen M\u00e4rtyrer und Heiligen St. Sabbas Stratelates am 24. April, dem Tag seines M\u00e4rtyrertodes in Rom im Jahre 272 mit noch 70 seiner Soldaten auf Befehl des Kaisers Aurelian, als er sich als Pr\u00e4fekt der Pr\u00e4torianer-Garde des Kaisers weigerte, seinen christlichen Glauben abzulegen.<\/p>\n<p>Der zweite Heilige der Goten sowohl in der Ost- als auch in der Westkirche ist der Heilige Hermenegild, ebenfalls ein M\u00e4rtyrer des orthodoxen\/katholischen Glaubens, ein K\u00f6nigssohn Leowigilds, der sich weigerte, auf Befehl des Vaters den arianischen Glauben anzunehmen und deshalb auch auf dessen Befehl umgebracht wurde. An ihn erinnern der katholische Kalender am 13. April und der orthodoxe am 1. November.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat besonders die katholische Kirche Spaniens mehrere gotische Heilige im Kalender, auch aus der Zeit des Widerstands gegen die muslimisch-arabische Herrschaft besonders im 8.\/9. Jahrhundert. Aber noch davor, aus dem 7. Jahrhundert, stammt der bekannteste gotische Heilige katholischen Glaubens, St. Ildefonso, der eine besondere Marien-Verehrung einf\u00fchrte und heute Schutzpatron der alten Hauptstadt Toledo ist. Hier, in der Kathedrale der Stadt, wird weiterhin eine katholische Messe in der sogenannten mozarabischen Liturgie gehalten, die auch gotische Elemente enth\u00e4lt, die nach der Bekehrung des Westgotenreiches zum Katholizismus 589 vom alten Glauben in die neue, katholische Liturgie \u00fcbernommen werden durften.<\/p>\n<p>All diese Ausf\u00fchrungen bedeuten aber nicht, dass man vergessen sollte, dass ein Gro\u00dfteil der Goten (Halb-)Arianer waren, und sich dann in diesen Gemeinschaften auf dem Balkan, in Italien und S\u00fcdfrankreich neue Ketzerbewegungen, heute w\u00fcrde man sagen, heterodoxe christliche Glaubensvorstellungen, durchsetzten: die Bogomilen auf dem Balkan, die Patarener in Norditalien und die Katharer in S\u00fcdfrankreich. Das war fr\u00fcher der Weg der gotischen Migration und Ansiedlung in Richtung Westen. In der Nazi-Zeit, aber auch davor und sp\u00e4ter, wurde der Akzent auf diese eine heterodoxe, arianische Richtung des gotischen Christentums gesetzt, und die anderen orthodoxen und katholischen Dimensionen wurden ignoriert. Himmler wollte ein besonderes, ein \u201egermanisches\u201c Christentum herbeireden, das sich von allen anderen\u00a0 Christen unterscheiden und fast heidnisch sein sollte.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von diesen nazistischen \u00dcbertreibungen hat das westgotische Christentum, und zwar das katholische, im 8. bis 12. Jahrhundert, als das westgotische Reich auf das kleine Asturien im nord\u00f6stlichen Pyren\u00e4en-Gebiet zusammenschrumpfte, einen wichtigen Beitrag f\u00fcr Europa und f\u00fcr das europ\u00e4ische Christentum geleistet: die Begr\u00fcndung des ersten christlichen Pilgerweges in Europa, des Jakobsweges, zu den Gebeinen des heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela im spanischen Galicien. Es waren westgotische Eremiten, die ihre Einsiedeleien entlang dieses Weges in den H\u00f6hlen des Kantabrischen Gebirges gr\u00fcndeten und somit den fr\u00fchen Pilgern Unterkunft und geistige Unterst\u00fctzung auf dem langen und m\u00fchsamen Weg gew\u00e4hrten.<\/p>\n<p>Ein weniger bekannter, westgotisch-suebischer Heiliger, dessen Gebeine sich ebenfalls in Santiago de Compostela befinden und zur Anziehungskraft des Pilgerortes beitragen, ist St. Fructuosus von Braga, der im 7. Jahrhundert lebte und wirkte. Er gr\u00fcndete insgesamt zehn Kl\u00f6ster und schuf zwei M\u00f6nchsordnungen, wobei die eine mit ihrem demokratischen Geist einzigartig ist, weil sie einen Vertrag, \u201epactum\u201c, zwischen den M\u00f6nchen, die in die Klostergemeinschaft eintraten und dem Abt vorsah, mit entsprechenden Pflichten und Rechten &#8211; ein Ph\u00e4nomen f\u00fcr die damalige Epoche, das ja eher an die Praktiken in modernen Zeiten erinnert.<\/p>\n<p>Ein anderer westgotischer M\u00f6nch, Benedikt von Aniane, schuf im Frankenreich im 9. Jahrhundert ebenfalls eine M\u00f6nchsordnung, versuchte eine Klosterreform durchzuf\u00fchren und gilt neben Benedikt von Nursia als einer der V\u00e4ter des Benediktinerordens,. Seine M\u00f6nchsordnung von 817 hatte eine vorl\u00e4ufige Wirkungskraft f\u00fcr gro\u00dfe Teile der katholischen M\u00f6nchswelt. Und ein anderer westgotischer Geistlicher im Frankenreich des fr\u00fchen 9. Jahrhunderts, Theodulf von Orleans, leistete den f\u00fchrenden Beitrag in der endg\u00fcltigen Formulierung des \u201efilioque\u201c im Jahre 809, der theologischen Doktrin der westlichen, katholischen Kirche, dass der Heilige Geist nicht nur vom Vater, sondern auch vom Sohn ausgeht. Wir haben zu der gleichen Zeit im Frankenreich einen Erzbischof mit dem gotischen Namen Wulfar (802-816 im Amt), von dem leider nur bekannt ist, dass er der Auftraggeber eines Augustinus-Codex gewesen ist.<\/p>\n<p>Die Nachwirkungen des gotischen Christentums und des hispanischen westgotischen Staates auf die westeurop\u00e4ische Welt fasste Gert Haendler folgenderma\u00dfen zusammen: \u201eIsidor von Sevilla fasste das Wissen der Antike kompendienartig zusammen und \u00fcbermittelte es so dem fr\u00fchen Mittelalter. Pirmin gr\u00fcndete 724 das sp\u00e4ter so ber\u00fchmte Kloster Reichenau, Theodulf von Orleans verfasste zur Zeit Karls des Gro\u00dfen das umfangreichste theologische Gutachten, Benedikt von Aniane k\u00e4mpfte unter Ludwig dem Frommen f\u00fcr eine durchgreifende Klosterreform, Erzbischof Abogard von Lyon und Bischof Claudius von Turin k\u00e4mpften im 9. Jahrhundert gegen den Aberglauben ihrer Zeit\u201c. Es darf auch nicht vergessen werden, dass wir auf dem Stuhl Petri In Rom zwei gotische P\u00e4pste hatten: Bonifaz\u00a0II. (530-532 im Amt) und Pelagius\u00a0II (579- 590 im Amt), wobei unter dem zweiten die Bekehrung des Westgotenreiches zum katholischen Glauben vielleicht auch deshalb so reibungslos und f\u00fcr beide Seiten zufriedenstellend verlief, weil sie unter Goten selbst vereinbart wurde.<\/p>\n<p>Im Osten, in der orthodoxen Welt, war der Einfluss des gotischen Christentums nicht weniger gro\u00df, nicht nur wegen der bedeutenden Zahl gotischer Heiliger in den Kalendern vor allem der slawischen orthodoxen Kirchen, sondern weil hier die direkten Nachfahren von Bischof Wulfilas Kleingoten in M\u00f6sien, nat\u00fcrlich nach mehreren Generationen, im 9. Jahrhundert einen inspirierenden Einfluss auf die slawische Bibel\u00fcbersetzung durch die Slawenapostel Kyrill und Method und die Schaffung des kyrillischen Alphabets durch deren Sch\u00fcler im Bulgarenreich hatten. Eine vergleichende Analyse zwischen Wulfilas christlichem Alphabet und dem Kyrillischen aus dem 9. Jahrhundert illustriert diesen Einfluss, wobei man nat\u00fcrlich unterstreichen muss, dass f\u00fcr beide Schriftsysteme das griechische Alphabet eine wichtige Grundlage bildete.<\/p>\n<p>Auch in der Vita des heiligen Kyrill, nach dem das slawische Alphabet benannt ist, haben wir einen direkten Hinweis, dass er bei der slawischen Bibel\u00fcbersetzung im 9. Jahrhundert die gotische Vorlage zumindest als Inspiration und Vergleichsgrundlage f\u00fcr sein Werk hatte. Bei seinem Besuch auf der Krim, hei\u00dft es dort, habe er ein Evangelium und auch einen Psalter gefunden, geschrieben mit <em>rossischen<\/em> Buchstaben, und sich auch mit einem Mann ausgetauscht, der sie lesen konnte. Inzwischen ist klar, dass mit <em>rossisch<\/em> gotisch gemeint ist, obwohl sich gerade die sowjetische Wissenschaft lange Zeit dagegen wehrte und irgendwelche \u201eur.slawischen Buchstabenzeichen sehen wollte. Es steht aber fest, dass in baltischen und slawischen Sprachen mit <em>ross<\/em> die Nordl\u00e4nder \u2013 Goten \/Wikinger \u2013 gemeint sind.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem haben wir eine zuverl\u00e4ssige Quelle, dass im 9. Jahrhundert im Bulgarenland weiterhin eine gotische Minderheit lebte, die ihre Sprache, Liturgie und Kultur \u00fcber die Jahrhunderte bewahrt hatte: Der Abt des Klosters Reichenau und als Theologe und Dichter wohl einer der bekanntesten Vertreter der Karolingischen Renaissance, Walahfrid Strabo, schreibt, dass Benediktiner Bulgarien besucht und mit Erstaunen festgestellt h\u00e4tten, dass hier die deutsche Sprache (\u201elingua tiudisca\u201c) in Bibeln und Liturgien in der Stadt Tomis am Schwarzen Meer, heute Konstanza in Rum\u00e4nien, weiterlebe. Wir wissen, dass das Goten-F\u00fcrstentum auf der Krim erst 1475 unter die Herrschaft der Osmanen fiel, das Bulgarenreich aber schon 1396. In all den Jahrhunderten der Existenz des mittelalterlichen bulgarischen Staates hatte man also einen gotischen Nachbarn, mit Territorial- und Meeresgrenze im Nordosten, auf der Krim. Au\u00dferdem gab es im Bulgarenreich selbst vermutlich bis zum 10. Jahrhundert eine gotische Minderheit, wie die norwegische Forscherin H\u00f6st-Heyerdahl schreibt.<\/p>\n<p>Die Goten als die \u00e4lteren Christen im Bulgarenreich hatten nat\u00fcrlich Einfluss auf die neugetauften Slawo-Bulgaren im 9. Jahrhundert. Daher auch die vielen gotischen W\u00f6rter in der slawischen Bibel\u00fcbersetzung und auch die \u00c4hnlichkeit zwischen den beiden Alphabeten. Noch interessanter ist die Parallelit\u00e4t, in gewisser Weise auch die Kontinuit\u00e4t in der Ausstrahlung, in der internationalen Breitenwirkung beider Missionen, der gotischen und der slawischen. Sie gingen vom selben geographischen Gebiet aus, dem heutigen Nordbulgarien, auch wenn dies im 4. Jahrhundert, zur Zeit Wulfilas, Teil des sp\u00e4tr\u00f6mischen Reiches und im 9. Jahrhundert Kernland des Bulgarenreiches war.<\/p>\n<p>Durch die gotische Mission wurden eine Reihe von ostgermanischen V\u00f6lkern christianisiert, vor allem die Heruler und Vandalen, aber auch Westgermanen wie die Langobarden. Genauso ging Jahrhunderte sp\u00e4ter die slawische Mission nach einem Scheitern in Morawien (= M\u00e4hren) in Mitteleuropa von Bulgarien aus und f\u00fchrte zur Christianisierung Russlands, Serbiens und der sp\u00e4teren F\u00fcrstent\u00fcmer Walachei und Moldau, die zuerst Teile des Bulgarenreiches waren. Beide Missionen waren auch byzantinisch inspiriert, weil zur Kulturpolitik des sp\u00e4tr\u00f6mischen\/byzantinischen Reiches bez\u00fcglich des Christentums die F\u00f6rderung der Mehrsprachigkeit geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Bischof Wulfila behielt hier, in der orthodoxen Welt, einen guten Namen wegen der Mission in eigener Sprache f\u00fcr sein Volk. Man glaubte offensichtlich schon damals nicht so sehr, dass er unbedingt Arianer gewesen sei, was auch neueste Forschungen in Frage stellen. Auch wenn man den Gotenbischof nicht zum Heiligen erkl\u00e4rt hatte, schrieb man \u00fcber ihn mit Worten der Hochachtung und der W\u00fcrdigung seiner Mission, so zum Beispiel der bedeutendste russische Theologe des 18. Jahrhunderts, der heilige Dmitrij Rostowskij, dessen 12-b\u00e4ndige orthodoxe Enzyklop\u00e4die der Heiligen bis heute in Russland immer wieder neu verlegt und gedruckt wird. Er bezeichnete Bischof Wulfila als einen \u201eeinsichtsvollen\u201c und \u201eehrenwerten\u201c Mann.<\/p>\n<p>Auch die evangelische, besonders die evangelisch-lutherische Kirche im 19. Jahrhundert schenkte Bischof Wulfila besondere Aufmerksamkeit. Man f\u00fchrte einen Gedenktag f\u00fcr Wulfila ein, den 26. August, den Tag seines Todes 383 in Konstantinopel. Diese Tradition f\u00fchrte man nicht weiter, vor allem, weil die evangelischen Kirchen nicht die Tradition haben, Heilige zu ehren. Durch das Frankfurter Parlament 1848 wurde Wulfila auf Vorschlag von Jacob Grimm als Symbolfigur f\u00fcr ein demokratisches, national gesinntes und gebildetes Deutschland besonders erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Auch wenn ich bis jetzt keine schriftlichen Quellen dar\u00fcber finden konnte, steht ein anderer Beitrag eines evangelischen Kirchenhistorikers aus der ehemaligen DDR, Gert Haendler, au\u00dfer Zweifel. Er erlaubte sich, in einem Vortrag vor der Lutherakademie in Eisenach 1959, dann in seiner Antrittsvorlesung zur Semesterer\u00f6ffnung der Theologischen Fakult\u00e4t der Humboldt Universit\u00e4t in Berlin und schlie\u00dflich in einem kleinen Buch, herausgegeben zuerst in einer winzigen Auflage in Ost-Berlin und 1961 vom Calwer Verlag in Stuttgart, Bischof Wulfilas Leben und Werk mit dem des Heiligen Ambrosius, also eines katholischen Zeitgenossen von ihm, zu vergleichen.<\/p>\n<p>Dabei stellte er fest, dass Wulfila mit seiner Toleranz und Menschenliebe und selbst mit seinen Bearbeitungen der heiligen Schrift (er lie\u00df die B\u00fccher der K\u00f6nige weg, wie die historischen Quellen berichten, um den kriegerischen Geist seiner Goten nicht noch weiter anzusch\u00fcren) dem christlichen Weltverst\u00e4ndnis und -empfinden n\u00e4her steht als Ambrosius: \u201eWenn wir als evangelische Christen in der Kirche nicht prim\u00e4r eine Organisation sehen, die zu Macht und Einfluss gelangen soll, sondern prim\u00e4r den Ort, an dem das Evangelium verk\u00fcndet wird und in dem sich Menschen um die Nachfolge Jesu bem\u00fchen, dann werden wir in Wulfila eher als in Ambrosius einen Weggenossen f\u00fcr uns sehen k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>2015 Haendler weiter: \u201eBischof Wulfila hat mich vor 60 Jahren beeindruckt, weil er als Vertreter einer Minderheit machtlos und manchmal sogar verfolgt an seinem Glauben festhielt und mit seiner Bibel\u00fcbersetzung sowohl zur Mission wie auch zur Kulturgeschichte beitrug. F\u00fcr mich hatte Wulfila gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr unser Suchen in der DDR nach einer christlichen Lebensf\u00fchrung als Minderheit\u201c. Diese Worte des Doktorvaters des fr\u00fcheren deutschen Bundespr\u00e4sidenten Joachim Gauck zeigen, dass gerade in Dikta\u00adturen solche historischen Leitfiguren wie Wulfila \u201edas Licht der Vergangenheit\u201c sein k\u00f6nnen, \u201edas den Weg in die Zukunft leuchtet\u201c, um mit den Worten von Karl Jaspers zu sprechen. Auch solche ungew\u00f6hnlichen Nachwirkungen aus den fernen Zeiten der Goten und ihres \u201eApostels\u201c sprechen von der Inspirationskraft gro\u00dfer historischer Pers\u00f6nlichkeiten.<\/p>\n<p>Auch wenn manche Worte \u00fcber den Gotenbischof eher \u00fcbertrieben klingen m\u00f6gen, so kann man seine kulturhistorische Bedeutung als verbindende Figur zwischen verschiedensten Nationen und Kulturen nicht absprechen, deren Bedeutung umso st\u00e4rker hervortreten wird, als nationale Egoismen, Nationalt\u00fcmelei und Provinzialismus auf der Gegenseite versuchen, Terrain zu gewinnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Gotik<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bezeichnung \u201eGotik\u201c und \u201egotisch\u201c in der Architektur kam Jahrhunderte sp\u00e4ter auf, nachdem die Reiche der Goten in Westeuropa untergegangen waren. Ich m\u00f6chte hier betonen, dass die slawischen Sprachen eindeutig zwischen \u201egotski\u201c, also mit den Goten selbst verbunden, und \u201egoti\u010deski\u201c, den sp\u00e4teren Stilrichtungen in verschiedenen K\u00fcnsten, unterscheiden. Im Deutschen, Englischen, Franz\u00f6sischen wie in anderen germanischen und romanischen Sprachen generell benutzt man das gleiche Wort f\u00fcr beides, was zu Verwirrung f\u00fchren kann. \u201eGotik\u201c war urspr\u00fcnglich von Vertretern der italienischen Renaissance abwertend gemeint, im Sinne von primitiv, barbarisch, eben wie von den Goten kommend, die das R\u00f6mische, die Romanit\u00e0, zerst\u00f6rten. Man behauptet, als erster h\u00e4tte es Raffael (1483-1520) gerade mit dieser Bedeutung in einem Brief an Papst Leo X. benutzt. Giorgio Vasari (1511-1574), der Begr\u00fcnder der Uffizien in Florenz, nicht nur Maler, sondern auch der erste bedeutende Kunsthistoriker, behauptete aber um 1550 irrt\u00fcmlicherweise, der Spitzbogen in der Architektur sei ein gotischer Bogen und von den Goten, die Rom eingenommen hatten, erfunden worden. In Wirklichkeit ist der gotische Stil um 1150 In Frankreich entstanden, schreibt der bekannteste Forscher des Gotizismus, J. Svennung, und hat nichts mit den Goten selbst zu tun!<\/p>\n<p>Von nun an begann aber in Bezug auf diesen Begriff dieselbe polarisierte Interpretation und Anwendung zwischen Hochloben und Diffamierung, wie bei den Goten selbst. Zu seiner positiven Umpolung trugen K\u00fcnstler, Dichter und Denker aus dem europ\u00e4ischen Norden bei, auch prominente Deutsche wie Goethe und Jacob Grimm. Das ging Hand in Hand mit einer kulturel\u00adlen Rehabilitierung der Goten selbst, besonders in den Zeiten der deutschen Romantik. 1848 publizierte Jacob Grimm nicht nur seine <em>Geschichte der deutschen Sprache<\/em>, sondern auch ein ber\u00fchmtes Vorwort zu Ernst Schulzes <em>Gotischem Glossar<\/em>, wo er einen besonderen Akzent auf die kulturelle Mission Wulfilas setzte.<\/p>\n<p>In der Literatur bekam aber der Begriff gotisch im 18. Jahrhundert in England eine neue, unerwartete Wandlung. Die <em>Gothic Novel<\/em> war voll von Blut- und Horrorszenen und mittelalterlicher Mystik. Als erstes Werk dieser Stilrichtung gilt der Roman von Horace Walpole <em>The Castle of Otranto<\/em> (1764). Dieses Genre erlebte seine Bl\u00fcte bis ca.1820, aber im Englischen blieb seitdem gerade diese Assoziation mit mittelalterlich, dunkel, aber auch ritterlich. So hie\u00df zum Beispiel eine Ausstellung \u00fcber das englische Mittelalter im Jahr 2003 im renommierten britischen Victoria &amp; Albert Museum in London <em>Gothic: Art for England 1400-1547<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Summary and outlook<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Goten gr\u00fcndeten die ersten fr\u00fchmittelalterlichen Reiche Europas als Erben des Imperium Romanum und sind so zu wichtigen Vermittlern zwischen Antike und Mittelalter geworden, Ihre arch\u00e4ologischen, sprachlichen und kulturellen Spuren findet man fast \u00fcberall in Europa. Die erste K\u00f6nigssalbung fand im Westgotenreich statt. Die Schlacht bei Adrianopel von 378, bei der die Goten das r\u00f6mische Herr vernichtend schlugen und dabei ma\u00dfgebend eine eigene Reiterei einsetzten, wurde im Mittelalter nicht nur als deren Sieg, sondern als Anfang und Vorbild f\u00fcr das Rittertum betrachtet.<\/p>\n<p>Die christliche Mission der Goten unter Wulfila hatte noch jahrhundertelang Nachwirkungen in Ost und West. Es gab eine Reihe einflussreicher go\u00adtischer Geistlicher und Gelehrter in der Karolingischen Renaissance, aber auch einen gotischen Einfluss bei der slawischen Mission im 9. Jahrhundert, und besonders bei der Schaffung des kyrillischen Alphabets, mit dem heute \u00fcber 200 Millionen Menschen schreiben.<\/p>\n<p>Es gab auch eine direkte gotische Vermittlung bei der Herrscher-Zusammenbringung zwischen Byzanz und dem mittelalterlichen Russland: Konstantin von Mangup, ein F\u00fcrst aus dem letzten gotischen F\u00fcrstenhaus auf der Krim brachte eine Prinzessin des letzten byzantinischen Herrscherhauses Paleologos, Sophia, nach Moskau, wo sie den russischen Gro\u00dff\u00fcrsten Iwan III. heiratete und damit den Anspruch Moskaus, nach Rom und Konstantinopel ein \u201edrittes Rom\u201c zu sein, auch f\u00fcr die sp\u00e4tere Zaren-Dynastie der Romanovs bis zu deren Sturz durch die Revolution im Jahr 1917 legitimierte.<\/p>\n<p>Die gotischen Heiligen in den Kalendern der katholischen und der orthodoxen Kirchen sind eine weitere, wichtige Spur der Goten im geistigen Leben des heutigen Europa, ebenso wie die Lehnw\u00f6rter aus dem Gotischen in den unterschiedlichsten europ\u00e4ischen Sprachen, oder die gotischen Orts- und Gew\u00e4ssernamen in Ost und West.<\/p>\n<p>Die Anregung und Etablierung von einem offenen, nationalen und transnationalen, interdisziplin\u00e4ren, multiperspektivischen Informations-, Reflexions- und Interpretations-Kontext \u00fcber den Nachlass der Goten, im wissenschaftlichen, aber auch im breiteren gesellschaftlichen Diskurs, k\u00f6nnte eine sinnvolle Perspektive f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Diskussion \u00fcber das gemeinsame europ\u00e4ische Kulturerbe sein. 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