{"id":107778,"date":"2025-07-04T13:40:54","date_gmt":"2025-07-04T11:40:54","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=107778"},"modified":"2025-07-04T13:40:56","modified_gmt":"2025-07-04T11:40:56","slug":"das-attentat-auf-rudi-dutschke-die-68er-bewegung-und-ihre-folgen","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/das-attentat-auf-rudi-dutschke-die-68er-bewegung-und-ihre-folgen\/","title":{"rendered":"Das Attentat auf Rudi Dutschke"},"content":{"rendered":"<p>Wer im Zusammenhang von Protesten an die Ostertage der sechziger Jahre denkt, dem dr\u00e4ngen sich nat\u00fcrlich \u2013 nomen est omen \u2013 zun\u00e4chst einmal die Osterm\u00e4rsche auf. Sie waren ein Teil der Friedensbewegung, stammten urspr\u00fcnglich aus Gro\u00dfbritannien und wurden hierzulande erstmals 1960 durchgef\u00fchrt. Ganz allgemein richteten sie sich gegen die Aufr\u00fcstung im Kalten Krieg und insbesondere gegen die zunehmende Gefahr eines Atomkrieges, die ja bis zum Ende der Ost-West-Konfrontation 1990 als brandaktuell galt.<\/p>\n<p>Die Ostertage des Jahres 1968 jedoch standen hierzulande nicht im Zeichen der Osterm\u00e4rsche, obwohl sie auch in diesem Jahr mit Marschbl\u00f6cken im Norden, Westen, der Mitte und dem S\u00fcden der Republik durchgef\u00fchrt wurden. Diesmal wurden sie von den Reaktionen auf ein Attentat bei weitem in den Schatten gestellt. Es geht um den damaligen Gr\u00fcndonnerstag, den 11. April 1968, im damaligen West-Berlin. Was war an diesem Tag geschehen und was machte die darauf folgenden Ostertage in bestimmten Teilen der Bundesrepublik zu einem regelrechten Fanal?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Das Dutschke-Attentat<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Morgen des Gr\u00fcndonnerstags trifft der 24-j\u00e4hrige Hilfsarbeiter Josef Bachmann, ein \u00fcberzeugter Neonazi, mit dem Interzonenzug von M\u00fcnchen aus kommend um 9:10 Uhr am Bahnhof Zoologischer Garten in West-Berlin ein. Er ist mit einem, in seinem Schulterhalfter steckenden Trommelrevolver bewaffnet und f\u00fchrt in einer Tasche Munition und eine weitere Waffe mit sich. In einer von ihm mitgef\u00fchrten Mappe steckt au\u00dferdem eine Ausgabe der <em>Deutschen Nationalzeitung und Soldatenzeitung<\/em> vom 22. M\u00e4rz 1968. Sie scheint eine besondere Bedeutung f\u00fcr ihn zu haben, denn er hat Teile von ihr sorgf\u00e4ltig ausgeschnitten und in einem Pappumschlag aufbewahrt. Es ist die Titelseite der Ausgabe mit der Aufforderung: \u201eStoppt Dutschke jetzt! \/ Sonst gibt es B\u00fcrgerkrieg\u201c.<\/p>\n<p>Unmittelbar darunter sind f\u00fcnf Fotos abgebildet, die wie eine Serie aus einer Verbrecherkartei der Polizei wirken. F\u00fcr Bachmann haben diese Aufnahmen aber wohl einen ganz praktischen Zweck: sie sollen dazu dienen, Dutschke zu identifizieren. Die Schlagzeile, die sich wie eine direkte Aufforderung zu einem Anschlag liest, ist in dem chauvinistisch-rechtsradikalen Blatt alles andere als eine Ausnahme. Seit Wochen hat sich dessen Redaktion auf Dutschke eingeschossen. Der SDS-Sprecher ist dort wiederholt zur gr\u00f6\u00dften Gefahr f\u00fcr Volk und Vaterland erkl\u00e4rt worden. Bachmann begibt sich zum Einwohnermeldeamt und erkundigt sich nach dem Wohnsitz des von ihm Gesuchten. Es wird ihm gesagt, dass Dutschke sich wohl unter der Adresse Berlin 31, Kurf\u00fcrstendamm 140, aufhalte, wo der Landesverband des <em>Sozialistischen Deutschen Studentenbundes <\/em>(SDS) residiere.<\/p>\n<p>Etwa zur selben Zeit macht sich der 28-j\u00e4hrige Rudi Dutschke, der f\u00fcr viele l\u00e4ngst zur Personifizierung der Studentenrebellion geworden ist, von dem im Bezirk Dahlem gelegenen Wohnhaus des mit ihm befreundeten Theologen Professor Helmut Gollwitzer, in dem er zusammen mit seiner Frau und ihrem erst wenige Monate alten Sohn Hosea Che vor\u00fcbergehend wohnt, auf. Mit seinem Fahrrad f\u00e4hrt er in Richtung der etwa zehn Kilometer entfernten, in einer Ruine befindlichen SDS-Zentrale. Er will dort noch Material f\u00fcr einen Artikel sowie seine \u00fcber mehrere Wochen hinweg aufgelaufene Post abholen und in einer Apotheke Nasentropfen f\u00fcr seinen erk\u00e4lteten Sohn besorgen. Dutschke wartet nun, an der Ecke Kurf\u00fcrstendamm \/ Johann-Georg-Stra\u00dfe auf seinem Fahrrad sitzend, darauf, dass die Apotheke nach der Mittagspause wieder \u00f6ffnet. Die Stelle ist nur 50 Meter vom SDS-Zentrum entfernt. Es ist 16:35 Uhr.<\/p>\n<p>Als Bachmann dort eintrifft, erkennt er sein mutma\u00dfliches Opfer, wie es mit seinem Fahrrad noch immer am Fahrbahnrand steht. Kurzentschlossen fragt er: \u201eSind Sie Rudi Dutschke?\u201c Und als dieser bejaht, zieht er seinen Revolver und schie\u00dft ihm in den Oberk\u00f6rper. W\u00e4hrend der Angeschossene sich daraufhin auf ihn zubewegt, feuert der Attent\u00e4ter ein zweites Mal auf ihn ab. Und als dieser nun zu Boden geht, tritt er direkt auf ihn zu und schie\u00dft ihm gezielt in den Kopf. Sofort eilen Passanten herbei und versuchen, dem stark blutend am Boden Liegenden zu helfen. Zwei von ihnen packen ihn unter den Armen und bringen ihn zu einer direkt vor dem SDS-Zentrum gelegenen Bank. An der Gabel von Dutschkes Rad h\u00e4ngt eine braune Lederaktentasche, die er h\u00e4ufig mit sich f\u00fchrt, und auf der Fahrbahn liegen seine Schuhe sowie seine Armbanduhr, deren Glas zersplittert ist.<\/p>\n<p>Es ist 16:40 Uhr als der erste Funkstreifenwagen am Tatort eintrifft. Die Polizeibeamten brauchen nicht lange, um zu erkennen, dass sie dem Schwerverletzten nicht helfen k\u00f6nnen und es besser ist, das Eintreffen eines Notarztes abzuwarten. Sie machen sich stattdessen daran, den gefl\u00fcchteten Attent\u00e4ter zu verfolgen, der sich auf einem in der N\u00e4he befindlichen Baugrundst\u00fcck versteckt hat. Nur mit M\u00fche gelingt es den Beamten, den durch einen Schuss selbst schwerverletzten Bachmann zu \u00fcberw\u00e4ltigen und abzutransportieren. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter verbreitet der <em>Sender Freies Berlin <\/em>die Meldung, dass Dutschke zwar noch am Leben sei, seine Chancen aber nur 50 zu 50 stehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit haben die \u00c4rzte im Westend-Krankenhaus damit begonnen, Dutschke ein erstes Mal zu operieren. Erst nach Stunden gelingt es ihnen, das besonders gef\u00e4hrliche dritte Projektil zu entfernen, das den Sch\u00e4del oberhalb der Schl\u00e4fe durchschlagen hatte und ins Gehirn vorgedrungen war. Kurz nachdem die Chirurgen das gegen 22 Uhr erreicht haben, beginnt ein anderes \u00c4rzteteam damit, ein zweites, in Dutschkes rechte Wangenseite eingedrungene Projektil zu entfernen. Dieser Eingriff dauert anderthalb Stunden und kann erst kurz vor Mitternacht erfolgreich abgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Von vielem, was sich in den ersten Stunden nach dem Attentat abgespielt hat, haben Dutschkes politische Gef\u00e4hrten erst einmal keine Kenntnis. Einige von ihnen haben sich nach Bekanntwerden des versuchten Mordanschlags zusammengesetzt und im Namen des Berliner SDS ein Flugblatt geschrieben, das noch in den fr\u00fchen Abendstunden an verschiedenen Brennpunkten der Stadt verteilt wird. Zwischen 18 und 19 Uhr sind durch eine Telefonkette alarmierte Beiratsmitglieder des SDS, daneben auch die <em>konkret<\/em>-Journalistin Ulrike Meinhof sowie ihr Jungredakteur Stefan Aust zu einer ersten Beratung im SDS-Zentrum zusammengekommen. Manche sind regelrecht geschockt und verdr\u00fccken Tr\u00e4nen. Viele rechnen mit dem Schlimmsten. Man beschlie\u00dft, zun\u00e4chst das Auditorium Maximum der in der Innenstadt gelegenen Technischen Universit\u00e4t aufzusuchen. Dort versammeln sich am Abend rund 2.500 APO-Angeh\u00f6rige.<\/p>\n<p>Derjenige, von dem man sich in der aufgew\u00fchlten Situation am ehesten eine Einsch\u00e4tzung erwartet, ist mit Bernd Rabehl Dutschkes langj\u00e4hrigster Weggef\u00e4hrte. Er stammt ebenfalls aus der DDR, studiert gleichfalls Soziologie und ist wie er Mitglied in der <em>Subversiven Aktion <\/em>gewesen und im Januar 1965 mit ihm gemeinsam in den Berliner SDS eingetreten. Was ihn in diesen Momenten bewegt und ihm dazu durch den Kopf geht, beschreibt er sp\u00e4ter mit den Worten: \u201eIch wusste, dass ich reden musste. Ich wusste nicht, ob Dutschke noch lebte. [&#8230;] Wir hatten ihn nicht sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Er war zum Opfer einer Lynchstimmung geworden. Wir mussten Mut zeigen. Wir mussten Ziele finden, um unseren Widerstandswillen zu demonstrieren. Mir war pl\u00f6tzlich egal, ob ich alles riskierte, ob ich verhaftet wurde und wie meine berufliche Zukunft aussehen w\u00fcrde. Wir mussten k\u00e4mpfen und f\u00fcr unsere Ideen einstehen.\u201c<\/p>\n<p>Mehrfach von Applaus unterbrochen ruft er, sich auf den Innensenator und den Regierenden Berliner B\u00fcrgermeister beziehend, fast beschw\u00f6rend in den Raum: \u201eIch erinnere daran, dass ein Neubauer und ein Sch\u00fctz anl\u00e4sslich der Vietnam-Konferenz diese Au\u00dferparlamentarische Opposition zusammenschlagen wollten. Ich erinnere daran, dass auch Neubauer und Sch\u00fctz zusammen mit der Springer-Presse die Verantwortung f\u00fcr einen M\u00f6rder tragen, der sich an Rudi herangemacht hat, um ihn niederzuschie\u00dfen. Und ich spreche ganz deutlich aus, die wirklichen Schuldigen hei\u00dfen Springer, und die M\u00f6rder hei\u00dfen Neubauer und Sch\u00fctz.\u201c<\/p>\n<p>Damit hat er sich, ohne dass irgendjemand unter den Anwesenden sagen k\u00f6nnte, wer eigentlich der Attent\u00e4ter ist, welches seine Motive sind, ob er Hinterm\u00e4nner, gar Auftraggeber hatte und welchen m\u00f6glicherweise politischen Hintergrund das alles vielleicht hat, weit hervorgewagt und gleich drei Namen von vermeintlich Schuldigen genannt. Einen angeblich Verantwortlichen und zwei angebliche \u201eM\u00f6rder\u201c. Rabehl hat nun die Linie vorgegeben. Doch die Versammelten ziehen nicht etwa zum Senat, sondern zu dem in der Kochstra\u00dfe, direkt an der Mauer gelegenen Springer-Hochhaus.<\/p>\n<p>Gegen 21:30 Uhr trifft dort eine Vorhut der Demonstranten mit ihren Pkws ein. Die anderen Demonstranten ziehen derweil mit Fackeln und roten Fahnen \u00fcber den Ernst-Reuter-Platz, die Hardenbergstra\u00dfe und den Steinplatz durch die Innenstadt nach Kreuzberg ebenfalls zur Kochstra\u00dfe. In der ersten Reihe ist der von der Presse als \u201eAPO-Anwalt\u201c apostrophierte Horst Mahler zu sehen, der ein Megaphon mit sich f\u00fchrt. Der Rechtsanwalt f\u00e4llt schon wegen seines auch an diesem Abend wie immer b\u00fcrgerlichen Outfits auf.<\/p>\n<p>Als die Demonstranten kurz vor 23 Uhr am Springer-Hochhaus eintreffen, ist der Zug auf etwa 2.500 Personen angewachsen. Einige von ihnen bewerfen die Glasfront des Eingangsportals mit Steinen. Unter Sprechch\u00f6ren wie \u201eRudi \u2013 Dutschke\u201c und \u201eSpringer \u2013 M\u00f6rder\u201c durchbrechen sie die sich ihnen entgegenstellende Polizeikette und dringen durch die zerbrochenen Glasscheiben ins Foyer des Geb\u00e4udes ein. Da sich ihnen dort aber Drucker und Setzer des Springer Verlags entgegenstellen, kommt es zu Handgreiflichkeiten. Den Arbeitern des unter den Angreifern so verhassten Presseverlags gelingt es, die Eindringlinge nach nur kurzer Zeit wieder hinauszudr\u00e4ngen. Damit verlagert sich das Zentrum der Auseinandersetzungen aber nur nach drau\u00dfen. Denn w\u00e4hrend sich auf dem Vorplatz eine Stra\u00dfenschlacht entwickelt, beginnt eine Reihe anderer Demonstranten auf dem gegen\u00fcberliegenden Parkplatz damit, Auslieferungsfahrzeuge in Brand zu setzen.<\/p>\n<p>Besonders hervortut sich dabei mit Peter Urbach ein Vertrauter der <em>Kommune I<\/em>, der \u2013 wie sich sp\u00e4ter herausstellt \u2013 als Undercoveragent f\u00fcr den Verfassungsschutz arbeitet. In seinen Armen tr\u00e4gt er ein Spank\u00f6rbchen, in dem sich Brandflaschen \u2013 Molotow-Cocktails \u2013 befinden, die er freigiebig unter den Demonstranten verteilt. Da die Aktivisten anfangs Probleme haben, die Fahrzeuge \u00fcberhaupt in Brand zu bekommen, zeigt er ihnen, wie man das praktisch am besten macht. Sie sollten erst einmal umgest\u00fcrzt werden, empfiehlt er ihnen, damit die unten liegenden Tanks besser zu erreichen sind, um sie auf diese Weise besser anz\u00fcnden zu k\u00f6nnen. Der Fahrzeugpark verwandelt sich nun in ein regelrechtes Flammenmeer. Die Umgebung des Springer-Hochhauses wirkt mitten in der Nacht wie ein gespenstisches Fanal. Erst der eilends herbeigerufenen und auf dem Weg dorthin mit Steinen beworfenen Feuerwehr gelingt es, die Br\u00e4nde zu l\u00f6schen. Die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen halten bis in die fr\u00fchen Morgenstunden hinein an.<\/p>\n<p>Da mit Rudi Dutschke die Galionsfigur der Studentenrevolte lebensgef\u00e4hrlich verletzt worden ist, scheint der Adressat f\u00fcr die Proteste gegen den versuchten Mordanschlag in den Reihen von SDS und APO auch anderswo klar zu sein. Die Parole lautet nicht nur unter den Aktivisten in West-Berlin, sondern in der gesamten Bundesrepublik: \u201eBild schoss mit.\u201c Weil die Tat als Folge einer systematischen Hetzkampagne der Springer-Presse angesehen wird, kommt es im Verlauf der Ostertage auch in verschiedenen westdeutschen St\u00e4dten zu massenhaften Versuchen, die Auslieferung der <em>Bild<\/em>-Zeitung und anderer Springer-Bl\u00e4tter zu verhindern.<\/p>\n<p>Das Attentat vom Gr\u00fcndonnerstag l\u00f6st die gr\u00f6\u00dften innenpolitischen Unruhen aus, die die Nachkriegsdemokratie bis dahin erlebt hat. In West-Berlin, Hamburg, Frankfurt, M\u00fcnchen, Essen, Hannover, Esslingen und anderen St\u00e4dten sind Zehntausende auf die Stra\u00dfen gegangen und haben sich ganz \u00fcberwiegend an Blockadeaktionen beteiligt. F\u00fcr die Demonstranten scheint klar zu sein, dass der neonazistisch eingestellte Bachmann nur das ausgef\u00fchrt hat, was Redakteure und Zeichner der Springer-Presse in zahllosen Pamphleten und Karikaturen zuvor propagiert haben: Die Hetze auf linke Studenten im Allgemeinen und Dutschke im Besonderen. Die Sch\u00fcsse auf ihren Wortf\u00fchrer, so glaubt man, sollen zugleich die gesamte Bewegung, die APO, treffen. An den vier Tage andauernden Blockaden der Druckerei-Ausfahrten beteiligen sich \u00fcber 60.000 junge Leute. Mehr als 20.000 Polizisten werden gegen sie eingesetzt. Im Laufe der Auseinandersetzungen nehmen sie \u00fcber 1.000 Demonstranten fest, 400 werden verletzt und zwei, ein Fotoreporter und ein Student, kommen in M\u00fcnchen unter nie restlos gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden zu Tode.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Dutschkes F\u00fchrungsrolle<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaum jemand wird bestreiten k\u00f6nnen, dass der 1940 geborene Soziologie-Student Rudi Dutschke <em>die<\/em> Zentralfigur der 68er-Bewegung war, einer au\u00dferparlamentarischen Opposition, die in ihrem aktivistischen ebenso wie in ihrem theoretischen Kern zweifelsohne eine Studentenbewegung gewesen ist. Er war dies jedoch nicht allein deshalb, weil auf ihn das Attentat ver\u00fcbt worden war, an dessen Sp\u00e4tfolgen er an Heiligabend 1979 schlie\u00dflich sterben sollte \u2013 und er insofern auf tragische Weise die damalige Revolte wie kein anderer verk\u00f6rperte \u2013, sondern weil er die damalige Bewegung, die rasch \u00fcber die Universit\u00e4ten hinausging und sich in eine Herausforderung des bundesdeutschen Parteienstaats transformierte, gleich in mehrfacher Hinsicht entscheidend gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p>Dutschke ver\u00e4nderte die Form der studentisch gepr\u00e4gten Protestbewegung in dreierlei Hinsicht nachhaltig: er dynamisierte ihre Demonstrationen, indem er die Durchf\u00fchrung direkter Aktionen propagierte, durch die sich staatliche Autorit\u00e4ten, insbesondere die Polizei, zunehmend provoziert f\u00fchlten; er orientierte sich an den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt wie etwa dem im Vietnamkrieg dem US-Milit\u00e4r trotzenden Vietcong, vor allem aber den lateinamerikanischen, der kubanischen Revolution nacheifernden Organisationen und er propagierte \u2013 als sei ihm das politische Scheitern der 68er-Bewegung schon fr\u00fchzeitig klar gewesen \u2013 bereits im Herbst 1967 einen <em>Langen Marsch<\/em> durch die Institutionen.<\/p>\n<p>Durch das Zusammenspiel dieser drei Faktoren gewann die Bewegung eine enorme Kraft, die sie zeitweilig zu einer ernst zu nehmenden innenpolitischen Herausforderung machte. Es entstand eine regelrechte Sogwirkung, die einerseits von einem radikalisierten SDS und andererseits von der Kommune-Bewegung ausging und f\u00fcr die sich insbesondere Jugendliche, Sch\u00fcler wie Auszubildende, besonders empf\u00e4nglich zeigten. Doch die Ausbreitung der APO und ihr rasanter Aufstieg zum politischen Faktor waren bereits im Fr\u00fchjahr 1968 an seine Grenzen gesto\u00dfen. Zun\u00e4chst hatte das auf Dutschke ver\u00fcbte Attentat Grundlegendes in Frage gestellt, als dann aber mit der Ende Mai erfolgten Verabschiedung der Notstandsgesetze auch noch klar wurde, dass die Kraft der au\u00dferparlamentarischen Opposition allein nicht ausreichen w\u00fcrde, um parlamentarisch mehrheitsf\u00e4hige Vorhaben aufzuhalten, war der Zenit der Protestbewegung schon \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Mit nachlassender Koh\u00e4sionskraft folgte, was folgen musste: eine zunehmende Fraktionierung und gleichzeitige Dogmatisierung des SDS als ihrer entscheidenden Organisation und die damit einhergehende Fehlorientierung der aus ihm hervorgehenden Kadergruppen an den w\u00e4hrend der Weimarer Republik schon einmal gescheiterten Klassenkampfmustern. Inmitten dieser Str\u00f6mungen konnte es nicht ausbleiben, dass sich mit der RAF eine linksterroristische Herausforderung von Staat und Gesellschaft heraussch\u00e4len konnte, die als die Achillesferse der 68er-Bewegung insgesamt betrachtet werden muss.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sollte nicht unerw\u00e4hnt bleiben, das Dutschke nicht nur der erste war, der schon im Februar 1966 von einer \u201eStadtguerilla\u201c sprach und der im September 1967 auf einer Bundesdelegiertenkonferenz des SDS meinte, seine Organisation zur Umwandlung in eine \u201eSabotage- und Verweigerungs-Guerilla\u201c aufrufen zu sollen, wof\u00fcr er unter seinen Genossen allerdings keine Mehrheit fand. Als zwei Jahre sp\u00e4ter Horst Mahler nach London flog, um den immer noch nicht vollst\u00e4ndig wiederhergestellten Dutschke zur Beteiligung am Aufbau der RAF zu \u00fcberreden, lehnte er allerdings ab und wurde sp\u00e4ter auch nicht m\u00fcde, sich von der Untergrundorganisation zu distanzieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Entstehung der Studentenbewegung an der Nahtstelle des Kalten Krieges<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den sechziger Jahren radikalisierten sich in allen westlichen Industriegesellschaften Teile der Studentenschaften. In diesem Zusammenhang ist es alles andere als Zufall, dass sich diese Radikalisierung in der Bundesrepublik Deutschland zuerst und am sch\u00e4rfsten in West-Berlin abgespielt hat. In der geopolitischen Abkapselung entstand eine eigene Studentenbewegung und aus ihr heraus etablierte sich wiederum ein ganz spezifisches Milieu, eine linksradikale Szene wie sie wohl nirgendwo sonst zu finden war. Von entscheidender Bedeutung ist dabei ganz gewiss das Koordinatensystem des Kalten Krieges gewesen: West-Berlin war eine Insel im Ostblock.<\/p>\n<p>In dieser Stadth\u00e4lfte dr\u00fcckte sich wie an keinem anderen Ort sonst sowohl die deutsche Teilung als auch der Systemkonflikt zwischen Kapitalismus und Kommunismus aus. Da hier beide Machtbl\u00f6cke unmittelbar aufeinanderprallten, stand die westliche Stadth\u00e4lfte politisch und kulturell wie unter Strom. Alle wichtigen Fragen, insbesondere solche weltanschaulicher Natur, waren hochgradig aufgeladen. Wer zu jener Zeit in West-Berlin lebte, der musste offenbar Position beziehen. Eine unentschiedene ausweichende Haltung zu den brennendsten Problemen konnte sich kaum jemand leisten. F\u00fcr die gro\u00dfe Mehrzahl der Bev\u00f6lkerung hie\u00df das allerdings Antikommunismus. Das galt f\u00fcr Christdemokraten ebenso wie f\u00fcr Sozialdemokraten. Gegen diese Haltung begann ein Teil der j\u00fcngeren, insbesondere der akademischen Generation zu rebellieren.<\/p>\n<p>All dies schlug sich auch im besonderen Charakter der Freien Universit\u00e4t nieder. Sie ging 1948 aus einem Konflikt mit den \u00f6stlichen Machthabern hervor und beanspruchte schon von ihrem Namen her, eine Antithese zur Erziehungsdiktatur des sozialistischen Staates zu sein. Insofern symbolisierte sie einen weltanschaulichen Anspruch, den es \u2013 wenn nicht einzul\u00f6sen \u2013 so zumindest hin und wieder zu \u00fcberpr\u00fcfen galt. Die akademische Institution verk\u00f6rpert wie keine zweite den Wertekodex des sogenannten freien Westens. Die in einer beschaulichen Umgebung im Stadtteil Dahlem angesiedelte Universit\u00e4t lag in Wirklichkeit an einer ideologischen Front.<\/p>\n<p>Nicht zuf\u00e4llig wurden die nicht eingel\u00f6sten Werteimplikationen ihrer Gr\u00fcndung in dem Moment virulent, als die USA 1965 dazu \u00fcbergingen, in Vietnam einen offenen Krieg zu f\u00fchren. Die antikommunistische Rechtfertigung dieses Einsatzes, der schlie\u00dflich \u00fcber ein Jahrzehnt anhalten sollte, ging mit einem erheblichen Glaubw\u00fcrdigkeitsverlust einher. Der Garant westlicher Freiheit erschien pl\u00f6tzlich als imperiale Macht, die auch vor der Unterdr\u00fcckung eines armen s\u00fcdostasiatischen Volkes nicht zur\u00fcckschreckte. Diese Desillusionierung bildete zusammen mit der Unaufrichtigkeit der \u00e4lteren Generation gegen\u00fcber der NS-Vergangenheit, dem Mangel einer parlamentarischen Opposition nach der Koalitionsbildung von Christ- und Sozialdemokraten in Bonn und der Furcht vor der Inauguration eines neuerlichen autorit\u00e4ren Staates mittels der Notstandsgesetze ein Gemisch grunds\u00e4tzlicher Zweifel an der Verfasstheit des westlichen Demokratiemodells.<\/p>\n<p>Der Funke eines einzelnen Ereignisses reichte nun aus, um die Revolte zu entfachen. Dieser Funke war die Erschie\u00dfung des Studenten Benno Ohnesorgs am Rande der Anti-Schah-Demonstration vom 2. Juni 1967. Kein anderes Vorfall hat so viel Misstrauen gestiftet wie die Tatsache, dass ein gewaltfreier Demonstrant durch einen von einem Zivilpolizisten, von dem inzwischen bekannt ist, dass er gleichzeitig als Spitzel f\u00fcr die Staatssicherheit der DDR t\u00e4tig war, aus n\u00e4chster N\u00e4he abgegebenen Schuss zu Tode kommen konnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend zuvor verschiedene andere Konflikte noch im Rahmen der Universit\u00e4t versandet waren, entz\u00fcndete sich durch den Tod eines Kommilitonen nicht nur die Stimmung in der geteilten Stadt, sondern der Funke sprang zum einen auch auf nichtakademische Teile der Jugend \u00fcber, zum anderen aber auch auf Westdeutschland. Solidarisierungsakte ergriffen innerhalb weniger Tage eine bundesdeutsche Universit\u00e4t nach der anderen, schufen eine Mobilisierung und erzeugten eine Bewegung, zun\u00e4chst der Studierenden, dann der Jugendlichen und schlie\u00dflich, die spezifischen Merkmale bestimmter Rollen abstreifend, einer sich jenseits der Parteien formierenden Opposition.<\/p>\n<p>Die 68er-Bewegung war zumindest rein zeitlich betrachtet eine Parallelerscheinung zur ersten gro\u00dfen Koalition. Nicht ohne Grund wurde sie deshalb auch als APO, als Au\u00dferparlamentarische Opposition, bezeichnet. Politisch entstand sie als Gegenbewegung zur Elefantenhochzeit auf Bundesebene, wenngleich ihr Horizont weit dar\u00fcber hinausreichte. An ihrem Ursprung stand die Kurzschlie\u00dfung der Interessen zwischen den ma\u00dfgeblichen Regierungs- und Oppositionsparteien, an ihrem Ende eine neu formierte innerparlamentarische Konfliktkonstellation. Obwohl die Motive, die in der APO zum Tragen kamen, zu vielf\u00e4ltig sind, als dass sie auf einen Nenner gebracht werden k\u00f6nnten, so ist die Gro\u00dfe Koalition f\u00fcr sie doch weitaus mehr als ein blo\u00dfer Geburtshelfer gewesen.<\/p>\n<p>Mit ihr aktualisierte sich eine in der Linken tiefsitzende Furcht vor einer gleichgeschalteten Gesellschaft. Elternhaus und Schule, Universit\u00e4t und Wissenschaft, Justiz und Verwaltung, Staat und Industrie, Kirchen, Gesundheitsf\u00fcrsorge, Vereinswesen \u2013 die gesellschaftlichen Institutionen insgesamt standen nur allzu sp\u00fcrbar unter den Folgewirkungen eines Latenzzusammenhanges, dessen absorbierte Gewaltf\u00f6rmigkeit wie eine stumme, selten aufbrechende Bedrohung erlebt wurde. Die Verhei\u00dfungen des Wirtschaftswunderlandes schienen durch Tabuisierungen erkauft zu sein, die die private wie die \u00f6ffentliche, die politische wie die kommerzielle Sph\u00e4re gleicherma\u00dfen durchzog.<\/p>\n<p>Die Republik stand im Schatten einer unbew\u00e4ltigten, nicht einmal hinreichend artikulierten Vergangenheit. Und die Legitimationskraft eines parlamentarischen Systems, das unter der Kanzlerschaft Adenauers nicht grundlos als \u201eCDU-Staat\u201c bezeichnet worden war, erschien als \u00fcberaus br\u00fcchig. Waren nicht Hans Globke, der die N\u00fcrnberger Gesetze mitverfasst hatte, als Staatssekret\u00e4r, der ehemalige Obersturmbannf\u00fchrer Theodor Oberl\u00e4nder als Minister und Ex-General Reinhard Gehlen als Chef des Bundesnachrichtendienstes nur allzu deutliche Beispiele f\u00fcr die Pr\u00e4senz einer Vergangenheit, die nicht wirklich von der historischen B\u00fchne abtreten wollte? Das Misstrauen gegen einzelne staatliche Funktionstr\u00e4ger, das durch eine Aff\u00e4re nach der anderen wachgehalten wurde, steigerte sich schlie\u00dflich durch ein Gesetzesvorhaben zur Angst vor dem Staat als Ganzem.<\/p>\n<p>Mit der von den Unionsparteien zielstrebig verfolgten Notstandsgesetzgebung schien sich die Gefahr einer umfassenden autoritativen Neuformierung zu konkretisieren. Das Gesetzesinstrumentarium wirkte wie geschaffen, um mit verfassungsrechtlichen Mitteln den Ausnahmezustand definieren und das Parlament ausschalten zu k\u00f6nnen. In der Aussicht, dass ein solches Vorhaben einmal Wirklichkeit werden k\u00f6nnte, wurde das alte Trauma wieder wach. Bestand das Verh\u00e4ngnis des deutschen Parlamentarismus doch gerade darin, dass die Nazis es vermocht hatten, ihre Herrschaft ohne formalen Verfassungsbruch, n\u00e4mlich durch die Verabschiedung des Erm\u00e4chtigungsgesetzes, anzutreten. Wesentlich dramatisiert wurde dieser Vorgang noch durch den Umstand, dass sich im Bundestag \u2013 mit Ausnahme der seinerzeit bereits sozialliberal orientierten FDP \u2013 keine Kritik an diesem Vorhaben artikulierte. Bef\u00fcrchtet wurde deshalb erneut das Schreckgespenst einer Gesellschaft ohne Opposition.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der postmaterialistische Wertewandel<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Offenkundig hat die Befriedigung materieller Bed\u00fcrfnisse, die historisch betrachtet in der Arbeiterbewegung etwa an erster Stelle gestanden hatte, nur eine untergeordnete Rolle bei den Akteuren gespielt. Der 68er-Bewegung ging es weder darum, Hunger zu stillen, Wohnraumnot zu bek\u00e4mpfen, Arbeitslosigkeit noch andere materielle Missst\u00e4nde zu beseitigen. An der Spitze ihrer Agenda rangierten Emanzipation, Selbstverwirklichung und Partizipation. Ihre Ziele waren im Gegensatz zu denen klassischer sozialer Bewegungen durch Transmaterialit\u00e4t bestimmt. Die Nachkriegszeit mit ihrem Wiederaufbau war vor\u00fcber, der Mangel hatte einem zunehmenden Wohlstand Platz gemacht. Zwar gab es auch weiterhin \u00f6konomische Krisen, wie an der Rezession 1966\/67 deutlich wurde, jedoch \u00e4nderte dies nichts daran, dass die Steigerung des Bruttosozialprodukts im Durchschnitt weiter anhielt.<\/p>\n<p>In diese langanhaltende Phase materiellen Aufschwungs platzte Mitte der sechziger Jahre allerdings ein Alarmsignal: Das Schlagwort vom \u201eBildungsnot\u00adstand\u201c. Der an Staat und \u00d6ffentlichkeit gerichtete Vorwurf lautete, die Bildungsausgaben seien in der Bundesrepublik zu gering, um im internationalen Wettbewerb konkurrenzf\u00e4hig bleiben zu k\u00f6nnen, und die Bildungschancen seien sozial so ungerecht verteilt, dass die Demokratie daran l\u00e4ngerfristig Schaden nehmen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Die Studenten nahmen den Ball auf und protestierten 1965, von der Westdeutschen Rektorenkonferenz unterst\u00fctzt, mit einer <em>Aktion 1. Juli<\/em> bundesweit \u201eGegen den Bildungsnotstand\u201c. In dieser Inkubationsphase, in der der Konflikt zwischen Studenten und Professoren noch nicht offen aufgebrochen war, ging es um Bildung, Wissen, Qualifikation, Chancengleichheit und nicht zuletzt um Steuerungskompetenz in Staat und Gesellschaft. Auch wenn diese Orientierung durch die 1967 in Gang gekommene Radikalisierungsdynamik und der mit ihr verkn\u00fcpften Klassenkampfrhetorik \u00fcberblendet wurde, so ist sie dennoch keineswegs verlorengegangen und heute noch aktuell.<\/p>\n<p>Die Bewegung ging nicht nur von den Hochschulen aus, sondern wurde auch von Hochschulgruppen angef\u00fchrt und von Studierenden, ihren Ideen ebenso wie ihren habituellen Eigenheiten, gepr\u00e4gt. Wer diesem Sachverhalt nicht Rechnung tr\u00e4gt, dass die 68er-Bewegung ihren Ursprung an den Universit\u00e4ten hatte und von Studierenden dominiert war, der verfehlt ihren spezifischen Charakter. Im studentischen Status sind zwei Faktoren miteinander kombiniert \u2013 die Zugeh\u00f6rigkeit zur Jugend, genauer zu ihrem Schlusskapitel, der Adoleszenzphase, und die Beteiligung am Prozess h\u00f6herer Bildung, einer Qualifikation mit besonderen Berufserwartungen, zum Teil an die Hoffnung gekn\u00fcpft, Aufnahme in Funktionseliten zu finden.<\/p>\n<p>Diese Statuskombination pr\u00e4destiniert Studierende dazu, in der Wahrnehmung ihrer Interessen wie keine andere gesellschaftliche Gruppierung flexibel, mobil, innovativ und zudem selbstreflexiv aufzutreten. Als junge Tr\u00e4ger des Wissens, die sich zwar in einer Institution bewegen, an diese jedoch nicht unbedingt gebunden sind, repr\u00e4sentieren sie in besonderer Weise das Informelle und damit sui generis das Transmaterielle. In gewisser Hinsicht stellten Studierende einen Vorgriff auf die Informationsgesellschaft dar.<\/p>\n<p>Es war alles andere als Zufall, dass der franz\u00f6sische Soziologe Alain Touraine aus der Erfahrung des <em>Pariser Mai<\/em> heraus eine Theorie der postindustriellen Gesellschaft entwickelt hat, in der die Studentenbewegung als eine antitechnokratisch ausgerichtete soziale Bewegung eine Schl\u00fcsselrolle spielt. Noch weitergehender in seinen transmateriellen Implikationen war jedoch das Bild, das der amerikanische Sozialwissenschaftler Ronald Inglehart in seiner 1977 ver\u00f6ffentlichten empirischen Studie <em>The Silent Revolution<\/em> geboten hat. Er gelangte darin zu dem Schluss, dass sich die Wertvorstellungen in den westlichen Gesellschaften signifikant verschoben h\u00e4tten. W\u00e4hrend fr\u00fcher materielles Wohlergehen und physische Sicherheit ganz im Vordergrund gestanden h\u00e4tten, w\u00fcrde heute weitaus mehr Gewicht auf die Lebensqualit\u00e4t gelegt. In den westlichen Gesellschaften seien mehr Menschen als je zuvor in au\u00dfergew\u00f6hnlicher \u00f6konomischer Sicherheit aufgewachsen. Wirtschaftliche und physische Sicherheit w\u00fcrden zwar auch weiterhin positiv bewertet, aber ihre Bedeutung im Verh\u00e4ltnis zu anderen Werten sei erheblich geringer als in der Vergangenheit.<\/p>\n<p>In seiner Anschlussstudie widmete Inglehart den neuen sozialen Bewegungen ein eigenes Kapitel, weil sie den von ihm diagnostizierten postmaterialistischen Wertewandel am st\u00e4rksten repr\u00e4sentieren. Sie h\u00e4tten den Impuls, der von den 68er-Bewegungen ausgegangen sei, aufgenommen und weitergetragen. Die \u201eWertpriorit\u00e4ten der Postmaterialisten\u201c unterschieden sich grunds\u00e4tzlich von den \u00fcber Jahrzehnte hinweg g\u00fcltigen Wertpriorit\u00e4ten der Industriegesellschaften. Die etablierten Parteien, die in den meisten westlichen Gesellschaften das politische Leben kontrollierten, seien zu einer Zeit entstanden, als im politischen Alltag noch soziale Klassenkonflikte dominierten. In der Anfangsphase der industriellen Revolution sei wirtschaftliches Wachstum das zentrale Problem gewesen. In den vergangenen zehn, zwanzig Jahren jedoch die Zahl der Postmaterialisten fortw\u00e4hrend angewachsen. Sie interessierten sich weniger f\u00fcr wirtschaftliches Wachstum als f\u00fcr die \u201enicht wirtschaftlichen Aspekte der Lebensqualit\u00e4t\u201c.<\/p>\n<p>Das Gewicht der von Inglehart pr\u00e4sentierten Ergebnisse liegt vor allem darin, dass sie auf einer empirischen Untersuchung basiert, die \u00fcber zwanzig Jahre hinweg in zw\u00f6lf Industrienationen westlichen Typs durchgef\u00fchrt wurde. Kaum irgendwo sind die soziokulturellen Folgewirkungen der 68er-Bewegung deutlicher zutage getreten als im Rahmen seiner Studie. Postindustrielle Gesellschaft, postmaterialistische Wertvorstellungen \u2013 ohne eine Kontextualisierung der aus einer Studentenbewegung hervorgegangenen 68er-Bewegung im Rahmen eines grundlegenden soziokulturellen Wandels, der die aus dem 19. Jahrhundert stammende produktivistische Formation der Industriegesellschaft zu \u00fcberwinden trachtet, w\u00fcrde deren Logik sicherlich verfehlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kulturelle Deutungen der 68er-Bewegung sind gegen\u00fcber politischen, \u00f6konomischen und sozialen ganz allgemein immer mehr in den Vordergrund getreten. \u00dcber den divergenten Doppelcharakter von politischem Scheitern und soziokultureller Folgewirkung, deren Grad allerdings schwer zu fixieren ist, herrscht inzwischen weitgehend Einigkeit. Unter den Historikern, die sich an einer Weltgeschichte des vergangenen Jahrhunderts versucht haben, z\u00e4hlt der Brite Eric Hobsbawm gewiss zu jenen, die der kulturellen Umw\u00e4lzung der Gesellschaften nach 1945 den h\u00f6chsten Stellenwert einger\u00e4umt haben. Was er in seinem Werk \u00fcber <em>Das Zeitalter der Extreme<\/em> in einem eigenen Kapitel als \u201ekulturelle Revolution\u201c beschrieben hat, ist nichts anderes als das B\u00fcndel jener Sozialbeziehungen, die im Laufe von drei Jahrzehnten dramatischen Ver\u00e4nderungen ausgesetzt waren und deren gr\u00f6\u00dfte Dynamik ganz unzweifelhaft von der 68er-Bewegung in Gang gesetzt wurde.<\/p>\n<p>Was einst mit politischen Parolen als \u201eRevolutionierung des Alltagslebens\u201c propagiert wurde, die Neubestimmung des Verh\u00e4ltnisses zwischen Intimit\u00e4t und \u00d6ffentlichkeit, die Durchsetzung der Sexualit\u00e4t als Politikum, die Relativierung und Neujustierung der Geschlechterdifferenz, das zeitigte nun unter ganz anderen Vorzeichen langfristige Folgewirkungen. Hobsbawm diagnostizierte das Ausma\u00df der kulturellen Revolution vor allem an Strukturen, die sich bislang gegen\u00fcber Verschiebungen als besonders immun erwiesen hatten, den ver\u00e4nderten Beziehungsmustern zwischen den Geschlechtern und den Generationen.<\/p>\n<p>In der starken Zunahme von Ehescheidungen, unehelichen Geburten, alleinerziehenden Elternteilen und dem enorm gestiegenen Anteil alleinstehender Menschen, die in vielen westlichen Gro\u00dfst\u00e4dten die H\u00e4lfte aller Haushalte bilden, sah er Indizien f\u00fcr eine Krise der klassischen Kernfamilie, die mit gravierenden Ver\u00e4nderungen des Sexualverhaltens, der Partnerschaft und des Kinderwunsches einhergegangen sei. Demgegen\u00fcber stehe die Etablierung einer Jugendkultur als \u201eeiner unabh\u00e4ngigen sozialen Kraft\u201c f\u00fcr einen tiefgreifenden Wandel in den Beziehungen zwischen den Generationen. Jede neue Erwachsenengeneration werde inzwischen in der Form einer selbstbewussten Jugendkultur sozialisiert und habe diese Erfahrung verinnerlicht.<\/p>\n<p>Die Jugendkultur, deren Bedeutung f\u00fcr den Konsumwarenmarkt gigantisch angewachsen ist, sei insgesamt zu einer \u201eMatrix der kulturellen Revolution\u201c geworden. Die Umw\u00e4lzung der Verhaltensweisen und Gewohnheiten, die Freizeitgestaltung, die Durchsetzung \u00e4sthetischer Trends, die Pr\u00e4gung der urbanen Atmosph\u00e4re gehe von ihr vor allem aus. \u201eDie kulturelle Revolution des sp\u00e4ten 20. Jahrhunderts\u201c, hat Hobsbawm seine Ergebnisse einmal zusammengefasst, k\u00f6nnte man also am besten als den \u201eTriumph des Individuums \u00fcber die Gesellschaft\u201c betrachten.<\/p>\n<p>Alle F\u00e4den, die den Menschen in der Vergangenheit in das soziale Netz eingeflochten h\u00e4tten, seien durchtrennt worden. Da die traditionellen Verhaltensmuster und Konventionen gebrochen worden seien, seien allerdings nur zu h\u00e4ufig traumatische Verunsicherung und gegenseitige Verst\u00e4ndnislosigkeit die Folge gewesen. Die durchaus zu verzeichnende Zunahme von Autonomie der Individuen sei schlie\u00dflich mit einer zum Teil dramatisch angestiegenen Anomie der Gesellschaft bezahlt worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer im Zusammenhang von Protesten an die Ostertage der sechziger Jahre denkt, dem dr\u00e4ngen sich nat\u00fcrlich \u2013 nomen est omen \u2013 zun\u00e4chst einmal die Osterm\u00e4rsche auf. Sie waren ein Teil der Friedensbewegung, stammten urspr\u00fcnglich aus Gro\u00dfbritannien und wurden hierzulande erstmals 1960 durchgef\u00fchrt. 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