{"id":108456,"date":"2025-07-25T09:08:14","date_gmt":"2025-07-25T07:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=108456"},"modified":"2025-07-25T09:08:14","modified_gmt":"2025-07-25T07:08:14","slug":"kuba-insel-aus-einer-anderen-zeit","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/kuba-insel-aus-einer-anderen-zeit\/","title":{"rendered":"Kuba \u2013 Insel aus einer anderen Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Lange hatten wir gegr\u00fcbelt, wie wir unseren Film \u00fcber Kuba nennen sollten. Ein Filmtitel muss mindestens zwei Funktionen erf\u00fcllen: neugierig machen und einen Eindruck des Inhalts vermitteln. Am Ende beschrieb der Titel schlicht das Gef\u00fchl, das mich die ganze Zeit \u00fcber auf Kuba begleitet hatte: \u201eInsel aus einer anderen Zeit\u201c. Doch dieser Titel ist mehr als ein subjektiver Eindruck. Er ist vor allem eine These, wenn es um den Versuch geht, die Widerspr\u00fcche Kubas zu beschreiben, was ich im Folgenden entlang und anhand der Entstehungsgeschichte unseres Filmes versuchen m\u00f6chte. Der Blick hinter die Kulissen unserer Produktion soll einen Blick hinter die malerischen Kulissen Kubas erm\u00f6glichen. Die Dokumentation entstand zwar bereits Ende 2011, und seitdem hat sich einiges getan. Die wesentlichen Beobachtungen aber behalten ihre G\u00fcltigkeit und wurden f\u00fcr diesen Beitrag wo n\u00f6tig \u00fcberpr\u00fcft und aktualisiert, erg\u00e4nzt um einen kurzen Abriss der j\u00fcngeren politischen Entwicklung und deren Folgen. Warum also \u201eInsel aus einer anderen Zeit\u201c? Der Titel als These l\u00e4sst sich von vielen Seiten beleuchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Momentaufnahme Kubas<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kuba ist ein Sehnsuchtsort. Das Klischee der Karibik, das Licht, die Musik, die Lebensfreude. Buena Vista Social Club, rund um die Uhr. Eine Utopie jenseits unseres Alltags, abseits unserer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft. Kuba hat etwas von einem bewohnten Freilichtmuseum. Oldtimer, alte Pal\u00e4ste, Dampflokomotiven und Ochsenfuhrwerke. Die Regierung wirkt hin- und hergerissen zwischen notwendiger Modernisierung und Beibehaltung, weil letzteres die Touristen fasziniert. Insel aus einer <em>guten alten<\/em> Zeit, k\u00f6nnte man \u2013 leichtfertig \u2013 meinen.<\/p>\n<p>Politisch steht Kuba f\u00fcr eine Idee, die bislang den Beweis schuldig geblieben ist, mehr als eine Utopie zu sein: das Ideal des perfekten Sozialismus \u2013 unter Palmen. Eine Phantasie, wie es h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, wenn die Geschichte anders verlaufen w\u00e4re. Ohne Kubakrise, ohne US-Sanktionen. Ohne den Zusammenbruch der sozialistischen Bruderl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Kuba ist auch nach Innen eine Insel aus einer anderen Zeit, so lange das Erbe der Castro-Br\u00fcder besteht, was unter dem neuen starken Mann an der Spitze Miguel Diaz-Canel bisher der Fall zu sein scheint. Das nationale Narrativ ist streng r\u00fcckw\u00e4rtsgerichtet. Den alten Parolen, den Revolutionshelden, die l\u00e4ngst abstrakte Ikonen sind, begegnet man \u00fcberall. Selbst im allgegenw\u00e4rtigen Mangel scheinen f\u00fcr die Pflege ihrer Abbilder noch Mittel vorhanden. Dabei handelt es sich um ein abgeschlossenes Narrativ, das nicht hinterfragt werden darf. Die Intrigen und K\u00e4mpfe der Revolution\u00e4re untereinander, der mutma\u00dfliche Mord an Camilo Cienfuegos \u2013 sie sind tabu. Dabei funktioniert das Narrativ kaum noch: l\u00e4ngst sind die westlichen Ikonen bei jungen Leuten angesagter, als die alten Revoluzzer aus dem Dschungel. Dennoch bleibt der Revolutionsmythos unantastbar. Das hat uns w\u00e4hrend der Dreharbeiten vor Probleme gestellt. Dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Noch immer definiert sich die Politik \u00fcber diesen Mythos aus einer anderen Zeit. In ihm ist auch die, f\u00fcr autorit\u00e4re Systeme wichtige Abgrenzung nach au\u00dfen angelegt, die Pflege eines Feindbildes, hier der USA. Auch dies in der Realit\u00e4t ein Relikt aus einer anderen Zeit, da die Beziehungen l\u00e4ngst vielschichtig und die USA ein lebensnotwendiger Handelspartner sind.<\/p>\n<p>Mit dem offiziellen Festhalten an einer sozialistischen Planwirtschaft verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich. Die reine Lehre gilt lange nicht mehr. Die Regierung erlaubt privatwirtschaftliche Initiativen und den Zustrom von G\u00fctern und Geld der US-Exilkubaner an ihre Verwandten auf der Insel. Dies l\u00f6st einen Teil der Versorgungsprobleme, sorgt aber auch f\u00fcr eine wachsende Ungleichheit. Kurz: \u201eInsel aus einer anderen Zeit\u201c umschreibt den widerspr\u00fcchlichen Charakter Kubas in vielerlei Hinsicht. Diese Widerspr\u00fcche eines Staat gewordenen Anachronismus machen seine Faszination aus. Kuba bietet sich somit auch als vielschichtige Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die eigene Agenda an. Dies zeigte sich auch an den vielf\u00e4ltigen Reaktionen des Publikums auf unseren Film: Uns erreichte eine gro\u00dfe Zahl Zuschriften \u2013 von \u00fcberschw\u00e4nglichen Lob bis zu w\u00fcsten Beschimpfungen. Wir h\u00e4tten den Sozialismus wahlweise verherrlicht oder diffamiert, die Rolle der USA vernachl\u00e4ssigt oder \u00fcbertrieben. Auf YouTube erschien sogar eine komplett neu geschnittene Version eines unbekannten Nutzers, die die angebliche \u201eUS-imperialistische Propaganda\u201c zu \u201ekorrigieren\u201c suchte. Kurioser H\u00f6hepunkt war die direkt an den Intendanten des ZDF gerichtete Beschwerde eines Verbandes von Zigarrenrauchern, die im Fehlen einer Episode \u00fcber die kubanische Zigarrenindustrie eine Indoktrinierung der Geb\u00fchrenzahler mit einer Nichtraucher-Ideologie zu erkennen glaubte. Nichtraucher-L\u00fcgenpresse sozusagen. Tats\u00e4chlich hatten wir f\u00fcr den Film in einer Zigarrenfabrik gedreht, doch in der Endversion fanden wir andere Geschichten aussagekr\u00e4ftiger, so dass die Zigarrenepisode dem Schnitt zum Opfer fiel. Allerdings brachten wir sie in einer Kurzform in den \u201eheute\u201c-Hauptnachrichten, um mit diesem zug\u00e4nglichen Thema Lust auf den Film zu machen. Von einer Nichtraucher-Zensur konnte also keine Rede sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Dreharbeiten auf Kuba<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jedes Jahr sendet das ZDF einen sogenannten Winterschwerpunkt. Rund um die Feiertage sollen aufw\u00e4ndig produzierte Dokumentarfilme den Fokus auf unterschiedliche Regionen lenken, unter einem Oberthema. Sie sollen ein breites Publikum ansprechen, zugleich aber unserem \u00f6ffentlich-rechtlichen Anspruch gerecht werden, journalistisch in die Tiefe zu gehen. Zum Jahreswechsel 2011\/2012 bestand dieser Winterschwerpunkt aus zwei Dokumentationen \u00fcber die sogenannten Tigerstaaten in Asien, in denen ein rasanter Aufschwung und Umbruch zu beobachten ist, und aus unserem Film \u00fcber Kuba, wo dieser Umbruch bestenfalls in Andeutungen zu beobachten ist. Da die Karibik ZDF-intern in das Berichtsgebiet des Studios Washington f\u00e4llt, war ich als damaliger USA-Korrespondent f\u00fcr diese Aufgabe zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Eigentlich alles andere als eine ideale Ausgangslage. Das US-Embargo gegen Kuba war noch voll in Kraft. Es gab keine direkten Verbindungen, keine diplomatischen Beziehungen. Allerdings stand, bis 2015 die alte Botschaft wiederer\u00f6ffnet wurde, auf der 16th Street in Washington, die direkt auf das Wei\u00dfe Haus zul\u00e4uft, ein kleiner grauer Flachbau, kaum gr\u00f6\u00dfer als eine Garage. Dieser geh\u00f6rte offiziell zur Schweizer Botschaft, war aber das \u201eOffice of Cuban Affairs\u201c, in dem ein einsamer Gesandter Dienst tat.<\/p>\n<p>Diesen galt es als ersten f\u00fcr die Idee zu erw\u00e4rmen. Wir luden ihn in unser Studio ein, reichten Kaffee und Geb\u00e4ck und warben f\u00fcr einen Film, der den deutschen Zuschauern die Sch\u00f6nheit seines Landes pr\u00e4sentieren sollte. Wir hatten bereits ein paar Ideen recherchiert, wurden aber nicht allzu konkret. Zur Besprechung kamen wir mit mehr Kollegen, als eigentlich notwendig, um ihn geb\u00fchrend zu umwerben. Am Ende des freundlichen Gespr\u00e4chs, als bis auf meinen Studioleiter Ulf R\u00f6ller und mich alle drau\u00dfen waren, fragte uns der Gesandte sch\u00fcchtern, ob er den Rest der Kekse vielleicht mitnehmen k\u00f6nne. Sein Sohn w\u00fcrde sich dar\u00fcber sehr freuen, solche S\u00fc\u00dfigkeiten gebe es nicht so oft. Nat\u00fcrlich durfte er, aber wir hatten M\u00fche, unsere Verbl\u00fcffung zu verbergen. Die Mangelwirtschaft Kubas machte auch vor dem Gesandten in Washington nicht halt.<\/p>\n<p>Die ganze Vorbereitung war ein Balanceakt aus Wohlwollen bei den Beh\u00f6rden erzeugen und ehrlichem Umgang mit ihnen. Auch w\u00e4hrend der Dreharbeiten ging es darum, journalistisch unabh\u00e4ngig zu bleiben und gleichzeitig auf Betroffene R\u00fccksicht zu nehmen. Wir konnten schlie\u00dflich wieder ausreisen, unsere Gespr\u00e4chspartner nicht.<\/p>\n<p>Schon die Reise in das Land war sehr umst\u00e4ndlich und nur \u00fcber Drittl\u00e4nder m\u00f6glich. Wir flogen nach Kanada, mussten dort komplett auschecken und dann den separaten Flug nach Kuba besteigen. Das Visum erhielten wir in Havanna auf einem extra Zettel, damit die amerikanischen Grenzbeamten bei der R\u00fcckreise den verr\u00e4terischen Stempel nicht im Pass finden konnten. In Havanna mussten wir dann das Hotel Nacional bewohnen, wo es eine eigene Etage f\u00fcr ausl\u00e4ndische Journalisten gibt, vermutlich, so scherzten wir, weil Personal und Technik nicht ausreichten, um das ganze Hotel abzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Erster Termin war ein ausf\u00fchrliches Treffen mit einer Beauftragten des CPI, Centro de Prensa Internacional, der allm\u00e4chtigen Pressebeh\u00f6rde. Geplant waren zwei Reisen \u00e0 ca. zehn Tagen. Sie hatte f\u00fcr jeden Tag Drehpl\u00e4ne erstellt: Treffen mit einer Gruppe alter Musiker. Besichtigung der Pionierschule. Dreh am Strand. Besichtigung eines Vorzeigebetriebes (Zigarren). Dreh in einer Ballettschule. Dreh einer Sportschule. Treffen mit einer Gruppe alter Musiker. Dreh eines Vorzeigebetriebes (Rum). Dreh am Strand. Dreh eines prominenten K\u00fcnstlers. Dreh einer Gruppe alter Musiker. Eben genau so, wie sich das Regime eine \u201eDokumentation\u201c \u00fcber Kuba w\u00fcnscht. Viele Vorschl\u00e4ge konnten wir nach langer Diskussion abwenden, andere nicht. Wir haben sie dann brav gedreht, wissend, dass sie wenig Chancen haben, im Film vorzukommen, weil es eine Verzerrung der Realit\u00e4t bedeutet h\u00e4tte, Kuba auf das Idealbild der Regierung zu reduzieren. Trotzdem war auch dies Teil der Realit\u00e4t, und so waren einige der Vorschl\u00e4ge durchaus hilfreich.<\/p>\n<p>So etwa die ber\u00fchmte Ballettschule von Lizt Alfonso. Der Legende nach schenkte ihr Fidel Castro einst pers\u00f6nlich das Schulgeb\u00e4ude im Zentrum von Havanna. Tausende M\u00e4dchen tr\u00e4umen jedes Jahr davon, aufgenommen zu werden. Das Ballett tourt um die Welt. Abgesehen von den sch\u00f6nen Bildern, war dieser Dreh auch inhaltlich wichtig, und so lie\u00df sich beides verbinden \u2013 der Wunsch des Staates und unser journalistischer Anspruch. Denn die Kunst ist ein Weg des Aufstiegs in Kuba, vorausgesetzt, sie hinterfragt das System nicht. Lizt Alfonso, eine kubanische Ber\u00fchmtheit, gab uns ein souver\u00e4nes Interview. Sie war glaubhaft \u00fcberzeugt von ihrem Land, weil es ihr erm\u00f6glicht hat, sich ganz auf den Tanz zu konzentrieren. Grenzenlose Verwirklichung in einer abgeschlossenen Nische. Ein klassischer Widerspruch Kubas und eine Form des \u00dcberlebens. Alle, die wir getroffen haben, haben sich irgendwie eingerichtet. Die Tendenz der Menschen, sich ihre eigene Welt zu schaffen, ins Innere Exil zu gehen, begegnete uns im ganzen Land. Die Menschen reden nicht offen, sondern verklausuliert. Neigen dazu, das Positive hervorzuheben. Der Rest ist l\u00e4chelndes Schweigen. Die viel beschriebene Fr\u00f6hlichkeit in Kuba wird daher oft mit Leichtigkeit verwechselt. Sie ist das Gegenteil, aber notwendig, um nicht negativ aufzufallen, um zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Das Gegenst\u00fcck zu Lizt Alfonso haben wir ganz in der N\u00e4he gefunden. In Alamar, einem Vorort von Havanna, in den sich kein Tourist je verirren d\u00fcrfte. Heruntergekommene Plattenbauten mit abbl\u00e4tternder Farbe, M\u00fcll und tiefe Pf\u00fctzen in gewaltigen Schlagl\u00f6chern. Dort haben wir David d\u2019Omni getroffen, einen Rapper, der international einen immerhin bescheidenen Erfolg hat, ohne Hilfe des Staates. Anhand seines Beispiels konnten wir zeigen, was es hei\u00dft, wenn das System einem die kalte Schulter zeigt. Aber auch, wie ineffizient der Apparat sein kann. In einem Regime, das Individualit\u00e4t und Eigeninitiative misstraut, sto\u00dfen deren Vertreter schnell an Grenzen, wenn jemand nicht ins Schema passt. So hat David es geschafft, sich aus der Wehrpflicht herauszureden. Vor den Milit\u00e4rs hatte er eine philosophische, aber augenscheinlich systemtreue Abhandlung vorgetragen. Er erkl\u00e4rte den irritierten Offizieren, worunter der Geist der Revolution im real existierenden Kuba leide und warum ihm diese Erkenntnis so viel Freiheit schenke, dass ihn die Aussicht auf Gef\u00e4ngnis, womit die Verweigerung des Wehrdienstes normalerweise bestraft wird, nicht schrecken k\u00f6nne. Die Folge war, dass ihn die Milit\u00e4rs erst zum Psychiater und dann nach Hause geschickt haben.<\/p>\n<p>Als wir dort mit ihm drehten, tauchte irgendwann eine Aufpasserin der Partei auf. Die Dame verbot uns, zu drehen, verlangte Papiere, verf\u00fcgte selbst \u00fcber unz\u00e4hlige eigene, und lieferte sich vor allem mit unserer Producerin Steffi Riess, die sich verbal sehr zu wehren wei\u00df, ein l\u00e4ngeres Wortgefecht. Irgendwann hat auch sie dann einfach aufgeben. Widerworte war sie nicht gewohnt. Interessant zu beobachten war, dass viele Anwohner zugeschaut haben, aber Abstand hielten. Keiner wollte sich einmischen, dabei musste jemand die Dame gerufen haben. In dem Moment hatte ich eine schwierige Entscheidung zu treffen: Die Episode drehen oder nicht? Ein Dreh h\u00e4tte als Provokation aufgefasst werden k\u00f6nnen. Da wir noch am Anfang unserer Reise waren, wollte ich nicht riskieren, wegen so einer Geschichte des Landes verwiesen zu werden.<\/p>\n<p>Weniger Gl\u00fcck hatten wir einige Zeit sp\u00e4ter, bei einem Dreh in Santiago de Cuba, im S\u00fcden des Landes. Hier sind weniger Touristen. Die Stadt wirkt \u00e4rmlicher, rauer. Santiago gilt als die Wiege der Revolution. Das Regime ist strikter als in Havanna. Unser Ziel war die Pionierschule der Castro-Br\u00fcder, die im ehemaligen Familiensitz der Rum-Dynastie Bacardi untergebracht ist. Dort wurden wir Zeuge, wie die J\u00fcngsten mit den Parolen von einst indoktriniert werden. Nat\u00fcrlich ging dieser Dreh auf einen Vorschlag der Pressebeh\u00f6rde zur\u00fcck. Wie bizarr das Szenario auf ein ausl\u00e4ndisches Publikum wirken musste, blieb ihnen anscheinend verborgen. Ebenfalls verborgen blieb ihnen, dass die Kinder nach den brav und lauthals aufgesagten Parolen auf dem Schulhof (\u201eNieder mit den USA!\u201c) keine Che Guevaras auf den Asphalt malten, sondern Nike Turnschuhe und andere amerikanische Markenikonen.<\/p>\n<p>Die Schule liegt in einem malerisch heruntergekommenen Villenviertel. Auch diese Umgebung filmten wir, zun\u00e4chst unbehelligt. Am Nachmittag drehten wir schlie\u00dflich die vom Ministerium bereitgestellten alten Musiker, eine im Rahmen des \u201eBuena Vista Social Club\u201c-Hypes auch international bekannt gewordene Formation namens \u201eLos Jubilados\u201c. Doch dann wurden wir festgenommen. Es kamen mehrere Motorr\u00e4der und Polizisten in Zivil. Schnell machte ich ein paar Fotos. Unsere bis dahin so fr\u00f6hlichen und gl\u00fccklich-in-Kuba-leben-zu-d\u00fcrfenden Musiker hielten mit ernster Miene Sicherheitsabstand. Keiner war dazu bereit, f\u00fcr uns ein gutes Wort einzulegen. Wir mussten mit auf die Wache. Dort erfuhren wir, was der Grund f\u00fcr die Festnahme war. Wir hatten am Morgen in der N\u00e4he der Pionierschule in einer Stra\u00dfe gedreht, in der Fidel Castro ein Haus besitzt. Wo genau, sei geheim. Eine Staffel der Zivilpolizei h\u00e4tte uns daraufhin den ganzen Tag \u00fcber beschattet, sei zu dem Schluss gekommen, dass unser Verhalten verd\u00e4chtig sei und habe nun zugegriffen. Von unserem genehmigten Dreh wussten sie nichts. Stichwort: Effizienz. Ich pers\u00f6nlich fand die Episode zwar unangenehm, weil sie den eng gesteckten Drehplan durcheinander brachte, aber auch am\u00fcsant, weil ich mir sicher war, dass wir die Sache aufkl\u00e4ren k\u00f6nnten. Doch als ich sah, dass unser kubanischer Tontechniker, ein gestandener, erfahrener Kollege, tats\u00e4chlich Angst hatte und \u00fcberhaupt nicht mehr er selbst war, wurde mir klar, was es hei\u00dfen kann, in so einem System verhaftet zu werden. Zum Gl\u00fcck lie\u00df sich die Angelegenheit nach anderthalb Stunden aufkl\u00e4ren. Ich sollte die Bilder meiner Kamera l\u00f6schen. Kontrolliert wurde es nicht. Insgesamt soll es Dutzende solcher Stra\u00dfen geben, in denen Aufnahmen streng verboten sind, weil die Castros dort H\u00e4user besitzen. Tats\u00e4chlich weist ein kleines Schild darauf hin, wie wir nachher sahen. Das habe ich dann aber lieber nicht fotografiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Havanna \u2013 die Stadt der Widerspr\u00fcche<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere Reise durchs Land hat nicht nur das Widerspr\u00fcchliche Verhalten der Staatsmacht \u2013 omnipr\u00e4sent, aber wenig effektiv \u2013 dokumentiert. Auch die vom sozialistischen Ideal weit entfernten Unterschiede, was Wohlstand und Wohnsituation betrifft, werden sichtbar, wenn man sich umschaut. Das breiteste Spektrum findet sich in und um Havanna. Mit mehr als zwei Millionen Einwohnern die gr\u00f6\u00dfte Metropole der Karibik. Weite Teile der Stadt zerfallen, aber ein kleiner Teil wird intensiv restauriert f\u00fcr den Tourismus, \u00fcberwiegend mit Hilfsgeldern und Joint Ventures aus dem Ausland.<\/p>\n<p>Das Problem Havannas ist, dass der pittoreske Zerfall jedes Jahr teurer wird und das Leben f\u00fcr die Einwohner immer beschwerlicher. Ein alter kolonialer Palast ist nur so lange malerisch, wie man ihn nicht selbst bewohnen muss, mit seinen undichten D\u00e4chern und Fenstern, den bauf\u00e4lligen Treppenh\u00e4usern, den Leitungen, aus denen nur ein Rinnsal braunes Wasser flie\u00dft. Je l\u00e4nger man wartet mit Investitionen, desto teurer wird es. Das f\u00fchrt zu einer Konzentration auf wenige Bereiche. So die Gegend zwischen Kapitol und Plaza Vieja. Diese bilden die Kulissen f\u00fcr die Kataloge. Nicht nur f\u00fcr Touristen.<\/p>\n<p>Wir trafen zuf\u00e4llig auf ein Fotoshooting einer kanadischen Modefirma. Ein Fotomodell pr\u00e4sentierte Mode f\u00fcr eine Jahreszeit, die es hier nie gibt: Herbst. Kuba als Kulisse f\u00fcr alles, was man darin sehen m\u00f6chte, so lange man nicht hinter die Fassaden schaut. In der restaurierten Altstadt w\u00fcrde man dabei auf frischen Stahlbeton treffen. Die Bausubstanz der Pal\u00e4ste ist meist bis auf die Fassade nicht mehr zu retten.<\/p>\n<p>Im Rest der Altstadt erlaubt der Blick hinter die Kulissen auch einen Blick hinter die Fassade der staatstragenden Mythen. Denn hier trifft man auf Menschen, die in einem Elend leben, das mit dem kubanischen Selbstverst\u00e4ndnis nicht vereinbar ist. Einer von ihnen ist ein alter Veteran namens Eduardo, den aber alle wegen seines Bartes nur \u201eHemingway\u201c nennen. Nur zwei Bl\u00f6cke vom touristischen Teil Havannas entfernt, sitzt er t\u00e4glich auf den Stufen vor seiner Wohnung. Seine Geschichte ist einzigartig und doch typisch. H\u00e4tten wir sie im Film vollst\u00e4ndig berichtet, h\u00e4tten wir und das ZDF Schwierigkeiten bekommen, denn sie greift die Fundamente des nationalen Narrativs an. Ein marodes Viertel zu zeigen wie beim Rapper David ist das eine. Den Revolutionsmythos zu hinterfragen, etwas ganz anderes.<\/p>\n<p>Eduardo war ein echter kubanischer Held. Sein Leben lang Soldat und \u00fcberh\u00e4uft mit Orden. Als Kind hatte er in der Schweinebucht gek\u00e4mpft, sp\u00e4ter in Afrika. In der DDR war er an sowjetischen Raketen ausgebildet worden. Eine seiner Auszeichnungen trug die Unterschrift Fidel Castros \u2013 sein ganzer Stolz. Im Film deute ich an, dass er uns die Erinnerungsst\u00fccke drau\u00dfen zeigt, weil seine Wohnung zu eng ist. Das war das maximale, was ich sagen wollte. Er w\u00e4re durchaus bereit gewesen, uns auch seine Wohnung zu zeigen. So \u00fcberschw\u00e4nglich gl\u00fccklich wirkte er, mit Fremden seine Lebensgeschichte teilen zu k\u00f6nnen. Doch mein Kameramann, der in Kuba lebt und unser kubanischer Tontechniker baten mich inst\u00e4ndig, darauf zu verzichten. Denn seine Wohnung, in der er mit Frau und Sohn lebte, bestand nur aus einem dreckigen fensterlosen Raum voller Habseligkeiten, einem Campingkocher als Herd, einer Sch\u00fcssel als Waschbecken und einer verdreckten Matratze. Eduardo schien seinen Frieden damit gefunden zu haben, dankte gar dem Staat, dass er mitten in Havanna wohnen durfte. Er hatte sich buchst\u00e4blich in seiner Nische eingerichtet. Wenn aber das deutsche Fernsehen zeigen w\u00fcrde, was der Staat f\u00fcr einen vielfach ausgezeichneten Helden der Revolution tats\u00e4chlich \u00fcbrig hatte, h\u00e4tte es einen Skandal gegeben, der auch meinen beiden Kollegen Schwierigkeiten h\u00e4tte bereiten k\u00f6nnen. Und so blieb die Kamera drau\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Ein Blick \u00fcber den Tellerrand <\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sobald man Havanna verl\u00e4sst, wird die Situation \u00fcbersichtlicher. Kuba ist ein Paradies f\u00fcr Naturfreunde. Weites, weitgehend ungenutztes Land. Fruchtbare Brachen und Wildnis. Da Kuba die Ressource Natur kaum nutzt, kann sich das Land immer noch nicht ern\u00e4hren, ist auf Importe angewiesen. In Havanna klappt das in der Regel gut. Doch weiter drau\u00dfen gibt es immer wieder Engp\u00e4sse. Dabei ist die Versorgung f\u00fcr alle nicht nur aus den offensichtlichen Gr\u00fcnden essenziell. Sie ist eines der zentralen Versprechen der Revolution gewesen. Manifestiert in der Libretta, dem Gutscheinheft mit den Grundnahrungs- und Konsumg\u00fctern, auf die jeder Kubaner Anspruch hat. Vor ihr und dem Mangel, den sie symbolisiert, sind alle gleich. Denn die staatlichen Gaben reichen nicht zum Leben.<\/p>\n<p>Besonders deutlich wurde das, als die Menschen fast vollst\u00e4ndig auf sie angewiesen waren, w\u00e4hrend der sogenannten Sonderperiode nach 1989. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks fielen die wichtigsten Partner Kubas weg. Kuba verlor 85 Prozent seines Au\u00dfenhandels. Zeitweilig gab es sogar wieder Hunger auf der Insel. Die Sonderperiode gab den entscheidenden Ausschlag f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklungen, die noch heute andauern. Als Gegenma\u00dfnahme setzte die Regierung fortan auf Tourismus und auf eine vorsichtige wirtschaftliche \u00d6ffnung. So sind im Tourismusbereich Joint-Ventures mit ausl\u00e4ndischen Partnern m\u00f6glich. Etwa in Varadero, unweit von Havanna, wo internationale Touristikunternehmen einen K\u00fcstenstreifen aus Sand und Beton gebaut haben, der sich \u00fcberall in den Tropen befinden k\u00f6nnte. In den letzten Jahren wurde die \u00d6ffnung noch ausgeweitet. Inzwischen gibt es im begrenzten Ma\u00dfe Landwirtschaft in Eigenregie. Wer Brachland urbar macht, darf einen Teil des Ertrags f\u00fcr eigenen Profit vermarkten. Auch k\u00f6nnen Kubaner sogenannte Case Particulares, eine Art Bed and Breakfast, oder Paladar genannte private Restaurants betreiben. Allerdings bringt dies auch neue Probleme. Im gleichen Ma\u00dfe, wie die Kubaner Geld und Profit entdecken, w\u00e4chst die Ungleichheit, die sozialen Sprengstoff mit sich bringt. Beschleunigt wird diese Entwicklung durch die zwischenzeitliche Ann\u00e4herung an die USA. Harte W\u00e4hrung erreicht das einfache Volk. Urspr\u00fcnglich hatte die Regierung 1994 extra eine eigene, an den Dollar gekoppelte W\u00e4hrung, den CUC, eingef\u00fchrt, um dieses Einsickern in den geschlossenen sozialistischen Kreislauf des kubanischen Peso zu verhindern. Doch diese Schlacht gilt als verloren. Der CUC soll in naher Zukunft abgeschafft werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Sorgenkind USA<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die USA waren immer wieder Thema auf unseren Reisen. Beide Staaten waren einander stets eng verbunden, auch in der Feindschaft. Beide Seiten nutzen das Verh\u00e4ltnis bis heute vor allem innenpolitisch.<\/p>\n<p>Das US-Embargo geh\u00f6rt zu den wichtigsten Propagandainstrumenten der kubanischen Regierung. Es ist schlicht die Wurzel allen \u00dcbels. Jeder Gespr\u00e4chspartner erinnert einen daran, wenn er nicht mehr weiter wei\u00df. Dieses Mantra schwei\u00dft zusammen. Es dient als Entschuldigung f\u00fcr Vers\u00e4umnisse und als Rechtfertigung f\u00fcr die repressiven Ma\u00dfnahmen des Staates. Dabei ist die Realit\u00e4t l\u00e4ngst eine andere. Zum einen haben die USA das Embargo zur Zeit der Sonderperiode gelockert, Medikamente und Nahrung weitgehend ausgenommen. Zum anderen hat Raul Castro schon 2010 angedeutet, dass Kuba weitergehende Probleme als das Embargo hat. Tats\u00e4chlich sind die USA einer der wichtigsten Handelspartner Kubas.<\/p>\n<p>Auch die USA betrachten Kuba inzwischen prim\u00e4r innenpolitisch. Die Exilkubaner sind ein wichtiger Machtfaktor in Florida und \u00fcber den US-Kongress auch in Washington vertreten. Florida ist ein wichtiger Swing State, mit vielen Wahlm\u00e4nnerstimmen. Aufgrund des Mehrheitswahlrechts kommt es gerade hier auf jede Stimme an. Florida kann dar\u00fcber entscheiden, wer Pr\u00e4sident wird und wer nicht. Zuletzt haben wir das im Jahr 2000 erlebt, n\u00e4mlich bei George W. Bush gegen Al Gore. Da waren es wenige tausend Stimmen. Und auch bei den Zwischenwahlen im November 2018 machten wenige Stimmen den Unterschied. Diesen k\u00f6nnen allein die Exilkubaner ausmachen. Das erkl\u00e4rt den besonderen Fokus von Republikanern und Demokraten auf Kuba. Inhaltlich wird jede Entscheidung bez\u00fcglich Kuba heftig diskutiert. Gerade die Vertreter der Exilkubaner versuchen sich an dem Spagat, Ma\u00dfnahmen zu erm\u00f6glichen, die das Leben der Landsleute erleichtern, ohne dabei Gefahr zu laufen, damit auch das verhasste Regime zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Es war daher nicht ohne Risiko, als Barack Obama nach seinem Amtsantritt einen vorsichtigen Ann\u00e4hrungskurs einleitete und folgerichtig erst in seiner zweiten Amtsperiode, als er nicht mehr zur Wiederwahl antreten konnte, die wirklich gro\u00dfen Schritte vollzog: Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen 2015 sowie des Post- und Flugverkehrs und 2016 gar der Staatsbesuch bei Raul Castro.<\/p>\n<p>Obama hat damit auch in Kuba etwas bewegt. Es kam zu einer sp\u00fcrbaren Aufbruchstimmung. \u201eHope\u201c \u2013 das Versprechen, das Obama den Amerikanern gegeben hatte, erreichte Kuba. Es floss Geld. Zum einen, weil Obama die Beschr\u00e4nkungen des Kapitalflusses vonseiten der Exilkubaner aufheben lie\u00df. Zum anderen, weil die neuen T\u00f6ne auf beiden Seiten die Bereitschaft wachsen lie\u00df, die vorhandenen gesetzlichen M\u00f6glichkeiten st\u00e4rker auszunutzen. Die kapitalistischen Tendenzen verst\u00e4rkten sich. Die erw\u00e4hnten case particulares (Bed and Breakfast) vermehrten sich, der Tourismus nahm zu. Es entstand eine Art Immobilienmarkt. Standen zur Zeit unserer Dreharbeiten die Kubaner noch auf dem Prado, einer Prachtstra\u00dfe in Havanna, und versuchten, ihre geerbten H\u00e4user eins zu eins zu tauschen, standen nun Exilkubaner aus den USA daneben und versuchten, mit harten Dollars H\u00e4user aufzukaufen. Welten prallten aufeinander. Kubaner \u00fcbten sich im Kapitalismus, ausgerechnet mit Amerikanern, die dies von klein auf gelernt hatten. Dazu kam das Internet nach Kuba. Zun\u00e4chst in Form \u00f6ffentlicher WLAN Hotspots. Eine echte Revolution, aber anders, als erwartet. Nicht die von vielen Regimekritikern erhoffte und von der Regierung bef\u00fcrchtete Welle unzensierter ausl\u00e4ndischer Nachrichten prasselte auf das Land ein, um eine neue Revolution zu beschw\u00f6ren, sondern die sozialen Netzwerke. Die Menschen wollten kommunizieren, raus aus der Isolation. R\u00fchrende Szenen spielten sich ab, unter den Hotspots an der Stra\u00dfenecke, wo ganze Familien unter Tr\u00e4nen erstmals mit den Verwandten in Miami Videotelefonate f\u00fchren konnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der Ma\u00dfstab der Realit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bewirkt hat dies eine echte Ver\u00e4nderung des Stadtbildes, zumindest in Havanna. Die Restauration der Altstadt ist weiter vorangeschritten. Allerdings auch nur dort. Der Rest der Stadt und des Landes verfallen weiter.<\/p>\n<p>Besitz ist nach wie vor Kubanern vorbehalten, doch als Ausl\u00e4nder kann man dies durch Heirat umschiffen. Wie viel Geld so tats\u00e4chlich von au\u00dfen einflie\u00dft, ist unbekannt. Es gibt Indizien, dass ein gro\u00dfer Teil der Immobilien \u00fcber kubanische Stroh-Verwandte l\u00e4ngst in amerikanisch-exilkubanischen H\u00e4nden ist. Auf diesem Sektor geht der Goldrausch weiter.<\/p>\n<p>Der Aufbruch Obamas dagegen war wohl nur ein Strohfeuer. Gro\u00dfe Gesten, doch der eigentliche Ann\u00e4herungsprozess scheiterte bislang am komplexen \u201eKlein-Klein\u201c, und nicht zuletzt an Donald Trump. Er hat einige Erleichterungen wieder zur\u00fcckgenommen, vor allem, was das Reisen angeht. Schnelle, auch eher symbolische Ma\u00dfnahmen, an jene Klientel daheim gerichtet, die das Regime hasst und vom Prinzip Wandel durch Ann\u00e4herung nichts h\u00e4lt. Eine koh\u00e4rente Strategie ist dagegen nicht erkennbar, wie so oft bei Trump. Desinteresse scheint das \u00fcberwiegende Leitbild der gegenw\u00e4rtigen Beziehungen zu sein. Auch der neue Staatschef, Miguel Diaz-Canel, der in erster Linie als Apparatschik gilt, hat bisher noch nicht klar erkennen lassen, was er mit Kuba vorhat.<\/p>\n<p>Die Folgen sind gravierend. Die Euphorie in Kuba ist verflogen. Der Geldfluss geht zur\u00fcck. Mit dem Zusammenbruch Venezuelas hat Kuba den letzten starken Partner verloren. Das Regime steuert innenpolitisch wieder st\u00e4rker gegen. Zwar will man die \u00d6ffnung nicht aufgeben, aber es gilt nun erst recht, die Kontrolle zu behalten. Gegen Regimekritiker wird hart vorgegangen. F\u00fcr Journalisten ist es schwerer geworden, von dort zu berichten. Genehmigungen werden kaum noch erteilt. Kollegen berichten, dass immer \u00f6fter Aufpasser der Pressebeh\u00f6rde CPI auftauchen und aktiv eingreifen, Interviewpartner einsch\u00fcchtern, Teams mit Ausweisung bedrohen. Unseren Film k\u00f6nnten wir heute so wahrscheinlich nicht mehr machen.<\/p>\n<p>Insofern sind unsere Eindr\u00fccke von der Drehreise im Kern aktuell. Die Kubaner m\u00fcssen sich weiter irgendwie arrangieren, improvisieren. Die F\u00fchrung k\u00e4mpft ums \u00dcberleben des alten Apparates, wei\u00df aber, dass dazu Reformen notwendig sind, die diesen gleichzeitig gef\u00e4hrden. Das erkl\u00e4rt die zuletzt wieder st\u00e4rkeren Repressionen bei gleichzeitigem Aufwind im privaten Sektor. Gleichzeitig d\u00fcrfte der Goldrausch, der Ansturm auf die Immobilien, eine Eigendynamik entwickeln, die nicht mehr aufzuhalten sein wird. Die Ungleichheiten nehmen zu.<\/p>\n<p>Am Schluss unseres Filmes zog Tommy, ein ehemaliger Ballettstar, der, gesch\u00fctzt durch Ruhm und Alter, so offen sprach, wie kein anderer, das traurige Fazit, dass in Kuba \u201etropischer Surrealismus\u201c herrsche. Eine \u201eInsel aus einer anderen Zeit\u201c eben. Oder besser: Eine Insel, auf der sich mehrere Zeiten in einem Kollisionskurs aufeinander zubewegen. 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