{"id":108568,"date":"2025-07-31T11:44:36","date_gmt":"2025-07-31T09:44:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=108568"},"modified":"2025-07-31T11:44:36","modified_gmt":"2025-07-31T09:44:36","slug":"irrationalitaet-und-psychische-erkrankungen","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/irrationalitaet-und-psychische-erkrankungen\/","title":{"rendered":"Irrationalit\u00e4t und psychische Erkrankungen"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Artikel hat zum Ziel, aus der Perspektive von Psychiatrie und Psychotherapie einen Beitrag zum Verst\u00e4ndnis von Irrationalit\u00e4t zu leisten. Das ist durchaus eine interessante Aufgabe. Denn in der Psychiatrie kommt der Begriff &#8222;Irrationalit\u00e4t\u201c praktisch nicht vor. Schl\u00e4gt man Stichwortverzeichnisse g\u00e4ngiger Lehrb\u00fccher und W\u00f6rterb\u00fccher der Psychiatrie auf, so wird man kurioserweise kaum Eintr\u00e4ge zu &#8222;Irrationalit\u00e4t&#8220; oder &#8222;irrational&#8220; finden.<\/p>\n<p>Dies liegt meiner Einsch\u00e4tzung nach nicht daran, dass Irrationalit\u00e4t in Psychiatrie und Psychotherapie keine Rolle spielt. Eher habe ich den Eindruck, dass Irrationalit\u00e4t eine so gro\u00dfe Rolle spielt, dass verschiedene Alternativkonzepte benutzt werden, die vielleicht besser geeignet sind, verschiedene Aspekte von Irrationalit\u00e4t zu beschreiben.<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Irrationalit\u00e4t&#8220; bezeichnet das Fehlen von Rationalit\u00e4t, ohne zu sagen, was stattdessen vorliegt. In meinem Beitrag m\u00f6chte ich verschiedene psychiatrische Konzepte vorstellen, die positive Bestimmungen von Aspekten von Irrationalit\u00e4t vornehmen. Jedes dieser Alternativkonzepte werde ich im Kontext des St\u00f6rungsmodells vorstellen, in dem dieses Konzept jeweils verwendet wird.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Einf\u00fchrung: Die Doppelnatur des Menschen<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bevor wir mit Freud und dem Unbewussten starten, m\u00f6chte ich einen Schritt zur\u00fccktreten und die Vorstellung von der Doppelnatur des Menschen als geistesgeschichtlichen Hintergrund zumindest der ersten H\u00e4lfte dieses Beitrags benennen. Aristoteles hat diese Doppelnatur in der Formel vom Menschen als \u201e\u03b6\u1ff7\u03bf\u03bd \u03bb\u03cc\u03b3\u03bf\u03bd \u1f14\u03c7\u03bf\u03bd\u201c, als <em>animal rationale<\/em>, als Lebewesen, das eine Vernunft hat, beschrieben. Danach ist der Mensch einerseits ein Lebewesen wie die Tiere, andererseits aber durch seine Rationalit\u00e4t grunds\u00e4tzlich von ihnen verschieden.<\/p>\n<p>Diese Vorstellung von der Doppelnatur des Menschen bringt eine Dichotomie, \u201eRationalit\u00e4t versus Irrationalit\u00e4t\u201c, mit sich. Zugleich bringt sie eine Hierarchie mit sich: Die Rationalit\u00e4t ist der Irrationalit\u00e4t in Rang und Herkunft \u00fcbergeordnet.<\/p>\n<p>Die Vorstellung von der Doppelnatur des Menschen hat in verschiedenen Variationen Eingang in unser abendl\u00e4ndisches Denken gefunden. Dabei gab es Optimisten, wie Sokrates, der in seiner These vom Tugendwissen sagt: \u201eO\u1f50\u03b4\u03b5\u1f76\u03c2 \u1f11\u03ba\u1f7c\u03bd \u1f01\u03bc\u03b1\u03c1\u03c4\u1f71\u03bd\u03b5\u03b9.\u201c \u201eKeiner tut wissentlich \u00dcbles.\u201c Wenn wir nur genug philosophieren, d.h. \u201eunsere Rationalit\u00e4t anwenden\u201c, dann handeln wir richtig.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite gab es Skeptiker wie Sigmund Freud, die dem Irrationalen einen viel gr\u00f6\u00dferen Raum zuschrieben. Freud stellte die Doppelnatur des Menschen nicht in Frage. Bei ihm wurde aber die Irrationalit\u00e4t, d.h. \u201edas Unbewusste\u201c, das Triebhafte, zur bestimmenden Kraft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Unbewusste Triebimpulse: Ein Defizitmodell der narzisstischen St\u00f6rung<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Drei-Instanzen-Modell von Freud unterscheidet \u201e\u00dcber-Ich\u201c, \u201eIch\u201c und \u201eEs\u201c. Das \u201eEs\u201c wird verstanden als ein unorganisiertes Triebenergiereservoir, in dem die Libido angesiedelt ist. Das \u201eEs\u201c steht im Gegensatz zu der organisierenden Ich-Instanz, welche die Anspr\u00fcche der Realit\u00e4t gegen\u00fcber den Triebimpulsen vertritt. Das \u201e\u00dcber-Ich\u201c stellt eine Unterstruktur des \u201eIch\u201c dar und besteht aus der Summe der internalisierten Verbote.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Leistung von Freud bestand vielleicht darin, dass er die gro\u00dfe Rolle des Unbewussten erkannt hat. Bemerkenswert ist, dass nicht nur Prozesse des \u201eEs\u201c, sondern auch des \u201eIch\u201c und des \u201e\u00dcber-Ich\u201c zu gro\u00dfen Teilen unbewusst sind. Ein weiteres Verdienst Freuds liegt darin, dass er die Bedeutung der kindlichen Erfahrungen f\u00fcr die Entwicklung der Pers\u00f6nlichkeit und f\u00fcr die Entstehung von psychischen St\u00f6rungen erkannt hat.<\/p>\n<p>Im Kontext des Themas \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c m\u00f6chte ich vorschlagen, dass es sich bei den unbewussten Triebimpulsen, die vom \u201eEs\u201c ausgehen, um ein Alternativkonzept f\u00fcr das Irrationale handelt. Im Drei-Instanzen-Modell w\u00e4re dann die <em>Ratio<\/em> im \u201eIch\u201c anzusiedeln.<\/p>\n<p>Freud hat postuliert, dass psychische St\u00f6rungen auf unbewusste intrapsychische Konflikte zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, in denen zum Beispiel Triebimpulse in Konflikt stehen mit moralischen Forderungen. Neben solchen Konfliktmodellen haben sich in der Tiefenpsychologie Defizitmodelle entwickelt. Diese verstehen psychische St\u00f6rungen nicht als Ergebnis von Konflikten, sondern als Ergebnis von Ich- und \u00dcber-Ich-Defiziten. Im Rahmen eines solchen Defizitmodells wird zum Beispiel vorgeschlagen, dass sich bei Personen mit Narzisstischer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung infolge ung\u00fcnstiger Einfl\u00fcsse in der fr\u00fcheren Kindheit ein reifes \u201eIch\u201c und \u201e\u00dcber-Ich\u201c nicht ausbilden konnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Defizit-Modell, bei dem ich mich an Hoffmann und Hochapfel (2009) orientiere, ist die von Freud stammende Vorstellung grundlegend, dass eine Person im Laufe der Entwicklung einen \u00dcbergang vom Prim\u00e4rvorgang zum Sekund\u00e4rvorgang vollzieht. Wenn man so m\u00f6chte, ist dies der \u00dcbergang von Irrationalit\u00e4t zu Rationalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Prim\u00e4rvorgang ist dadurch charakterisiert, dass die unmittelbaren Bed\u00fcrfnisse das Individuum steuern, dass Triebimpulse unreguliert ausgelebt werden und dass infantile Allmachtsphantasien vorliegen. Diese Allmachtsphantasien sch\u00fctzen gegen Ohnmachtserlebnisse des jungen, hilflosen Kindes. Zusammengefasst gilt im Prim\u00e4rvorgang das Lustprinzip. Der Sekund\u00e4rvorgang dagegen ist dadurch charakterisiert, dass das Individuum durch Logik gesteuert ist, dass ein reifes Ich und \u00dcber-Ich die Triebimpulse regulieren, dass sich ein realit\u00e4tsbezogenes Selbstbild entwickelt hat und dass zusammengefasst das Realit\u00e4tsprinzip gilt.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Personen, die diese Entwicklung vom Prim\u00e4r- zum Sekund\u00e4rvorgang ungehindert durchlaufen, gilt, dass sich Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rvorgang erg\u00e4nzen. Der Prim\u00e4rvorgang verschwindet nicht, sondern findet \u201eim Hintergrund\u201c weiter statt, um in bestimmten Situationen, z.B. in Tr\u00e4umen, zum Vorschein zu kommen.<\/p>\n<p>Bei Personen mit Narzisstischer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung, so besagt das Defizit-Modell, ist dieser \u00dcbergang vom Prim\u00e4r- zum Sekund\u00e4rvorgang nicht gelungen. Bei diesen Personen konnten sich ein reifes Ich und \u00dcber-Ich nicht ausbilden, so dass auch im Erwachsenenleben noch die unmittelbaren Bed\u00fcrfnisse das Handeln steuern, Triebimpulse nicht reguliert werden, Allmachtsphantasien bestehen und nach dem Lustprinzip verfahren wird.<\/p>\n<p>Im Kontext des Themas \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c k\u00f6nnte man also zusammenfassen, dass bei Personen mit Narzisstischer Pers\u00f6nlichkeit eine St\u00f6rung beim \u00dcbergang vom irrationalen Prim\u00e4rvorgang zum rationalen Sekund\u00e4rvorgang vorliegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Dysfunktionale Kognitionen: Ein kognitives Modell der Depression<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Nach den unbewussten Triebimpulsen wollen wir uns als zweites Alternativkonzept die dysfunktionalen Kognitionen ansehen, die in der kognitiven Theorie der Depression von Aaron Beck eine wesentliche Rolle einnehmen. Eine Grundannahme dieser Theorie ist, dass unsere Gedanken (Kognitionen) bestimmen, was wir f\u00fchlen. Das m\u00f6chte ich an einem einfachen Beispiel illustrieren: Stellen Sie sich vor, es ist Abend, und Sie verlassen das Haus. Es ist dunkel, und Sie treten ins Freie. Pl\u00f6tzlich nehmen Sie neben sich eine dunkle Gestalt wahr. Im ersten Moment denken Sie, dass Ihnen eine fremde Person auflauert. Sie zucken zusammen, spannen Ihre Muskeln an; Ihr Puls schie\u00dft in die H\u00f6he, Sie erschrecken und erleben Angst. Sie wenden sich der dunklen Gestalt zu und realisieren, dass es sich nur um einen Busch handelt, d.h. dass Sie einer illusion\u00e4ren Verkennung unterlegen sind. Muskelspannung und Herzschlag werden sich rasch normalisieren, Angst und Schrecken werden sich sogleich legen, vielleicht werden Sie sogar \u00fcber sich selbst schmunzeln.<\/p>\n<p>Das Beispiel macht deutlich, wie unsere Gedanken unsere Gef\u00fchle bestimmen. Auf Gehirnebene korrespondieren diese kognitiven und emotionalen Prozesse mit neuralen Prozessen, die einem dorsalen und einem ventralen System der Emotionsverarbeitung zugeschrieben werden. Unsere emotionsregulierenden Gedanken werden u.a. in Zusammenhang mit dorsalen pr\u00e4frontalen Gehirnregionen gebracht, welche \u00fcber sog. <em>Top-Down<\/em>-Signale die Funktion von ventral, d.h. tiefer gelegenen Arealen, wie dem ventralen pr\u00e4frontalen Cortex, der Amygdala und dem ventralen Striatum kontrollieren, die mit der affektiven Reaktion assoziiert werden.<\/p>\n<p>\u00dcbertragen auf das Thema \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c besagt die kognitive Theorie, dass rationale Prozesse einen regulierenden Einfluss auf irrationale Prozesse aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der kognitiven Theorie von Aaron Beck sind bei der Depression die Kognitionen \u201enegativ\u201c ver\u00e4ndert. Sie sind dysfunktional, nicht hilfreich, hinderlich. Nach Beck sind die Kognitionen des depressiven Menschen verzerrt, unlogisch und nicht gerechtfertigt. Sie sind, wenn Sie so wollen, irrational. Depressive Kognitionen sind durch systematische Denkfehler charakterisiert, wie zum Beispiel willk\u00fcrliche Schlussfolgerungen, \u00dcbergeneralisierung, Personalisierung, emotionale Beweisf\u00fchrung, dichotomes Denken und Katastrophisieren.<\/p>\n<p>Unter willk\u00fcrlichen Schlussfolgerungen versteht man, dass eine Person ohne sichtbaren Beweis oder sogar trotz Gegenbeweisen willk\u00fcrlich negative Schlussfolgerungen zieht. Unter \u00dcbergeneralisierung versteht man, dass eine Person aufgrund eines Vorfalls eine allgemeine Regel aufstellt. (Zum Beispiel: Ich verpasse den Bus und habe in der Folge den Gedanken, dass ich nichts im Leben zuwege bringe.) Personalisierung bedeutet, dass eine Person negative Ereignisse und Entwicklungen der eigenen Person zuschreibt. Emotionale Beweisf\u00fchrung beinhaltet, dass eine Person ein Gef\u00fchl als Beweis f\u00fcr die Richtigkeit eines Gedanken heranzieht. (Zum Beispiel: Ich f\u00fchle mich wertlos und leite daraus ab, dass ich tats\u00e4chlich wertlos bin.) Dichotomes Denken ist Schwarz-Wei\u00df-Denken. Katastrophisieren bedeutet, dass eine Person immer den denkbar ung\u00fcnstigsten Ausgang einer Entwicklung annimmt.<\/p>\n<p>Diese dysfunktionalen Kognitionen haben negative Gef\u00fchle zur Folge. Denn die zentrale Annahme der Kognitiven Theorie besagt ja, dass unsere Gedanken unsere Gef\u00fchle bestimmen. Zu den negativen Gef\u00fchlen, die f\u00fcr die Depression charakteristisch sind, geh\u00f6ren gedr\u00fcckte Stimmung, Traurigkeit, Angst, Hoffnungslosigkeit und Schuldgef\u00fchle.<\/p>\n<p>Aufgabe der kognitiven Psychotherapie ist es, den Betroffenen zu helfen, diese irrationalen Kognitionen zu durchschauen und zu modifizieren, um auf diese Weise indirekt die negativen Gef\u00fchle zu lindern. Dieses therapeutische Vorgehen ist durchaus in Einklang mit Sokrates zu sehen, der ja der Erkenntnis einen gro\u00dfen Wert beima\u00df. Ebenfalls in \u00dcbereinstimmung mit Sokrates gehen die kognitiven Therapeuten davon aus, dass die betreffende Person die Dinge selbst verstehen muss. Der Patient muss \u201eselbst drauf kommen\u201c, unterst\u00fctzt vom Therapeuten. Sokrates sprach von der Philosophie als \u201eHebammenkunst\u201c. Die kognitiven Verhaltenstherapeuten sprechen von \u201eSokratischem Dialog\u201c.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang zum Thema \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c ergibt sich in diesem kognitiven Modell der Depression an zwei Stellen, zum einen bei den Emotionen im Gegensatz zu den Kognitionen, und zum anderen bei den dysfunktionalen Kognitionen im Gegensatz zu den funktionalen Kognitionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Automatische Prozesse: Ein neurobiologisches Modell der Sucht<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir kommen zu unserem dritten Alternativkonzept, den automatischen Prozessen in einem neurobiologischen Modell der Alkoholabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Die Alkoholabh\u00e4ngigkeit ist \u2013 wie andere S\u00fcchte auch \u2013 durch ein Paradox charakterisiert: Obwohl sich die betreffende Person fest vornimmt, keinen Alkohol zu konsumieren, tut sie es doch. Obwohl eine Person um die langfristig sch\u00e4dlichen Folgen, wie z.B. Lebererkrankungen oder Verlust von Arbeitsplatz und Partnerschaft, wei\u00df, setzt sie den Konsum fort. Die sokratische These vom Tugendwissen scheint au\u00dfer Kraft gesetzt zu sein.<\/p>\n<p>Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses irrationale Verhalten k\u00f6nnte darin liegen, dass die Sucht aufrechterhalten wird durch automatische Prozesse, die unabh\u00e4ngig von unseren rationalen \u00dcberlegungen stattfinden und die man als irrational bezeichnen k\u00f6nnte. Wenn ich hier von automatischen Prozessen spreche, meine ich damit schnelle, implizite, subkortikal im Gehirn ablaufende Prozesse, die von den Betroffenen nicht wahrgenommen werden. Ein Beispiel f\u00fcr automatische Prozesse ist ein Ann\u00e4herungs<em>bias<\/em>, d.h. die Tendenz, sich Alkohol-bezogenen Reizen anzun\u00e4hern.<\/p>\n<p>Ein solcher Ann\u00e4herungs<em>bias<\/em> kann experimentell mit der <em>Approach Avoidance Task<\/em> (Rinck &amp; Becker, 2007), der Ann\u00e4herungs-Vermeidungs-Aufgabe, untersucht werden. Die Studienteilnehmer sitzen bei dieser Aufgabe an einem Computer, auf dem ihnen Fotos von alkoholischen und nichtalkoholischen Getr\u00e4nken pr\u00e4sentiert werden. Sie werden gebeten, mit einem <em>Joystick<\/em> auf die Fotos zu reagieren. Sie sollen den <em>Joystick<\/em> dr\u00fccken, wenn ein Bild im Querformat pr\u00e4sentiert wird, und ziehen, wenn ein Bild im Hochformat pr\u00e4sentiert wird. Ob man dr\u00fcckt oder zieht, h\u00e4ngt also nicht davon ab, was auf dem Foto gezeigt wird, sondern vielmehr davon, welches Format das gezeigte Foto hat.<\/p>\n<p>Ein besonderer Trick der <em>Approach Avoidance Task <\/em>ist, dass die Fotos kleiner werden, wenn man den <em>Joystick<\/em> dr\u00fcckt, und dass die Fotos gr\u00f6\u00dfer werden, wenn man ihn zieht. Dadurch entsteht bei dem Studienteilnehmer der Eindruck, dass er das Getr\u00e4nk tats\u00e4chlich an sich heranzieht oder von sich wegdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die Studienteilnehmer werden gebeten, so schnell wie m\u00f6glich zu reagieren. Die Reaktionszeiten werden gemessen. Der durchschnittliche Unterschied in den Reaktionszeiten zwischen Dr\u00fccken und Ziehen wird berechnet. Wenn eine Person im Durchschnitt schneller zieht als sie dr\u00fcckt, hat sie einen <em>Ann\u00e4herungsbias<\/em>. Bei Personen mit Alkoholabh\u00e4ngigkeit zeigt sich in der <em>Approach Avoidance Task<\/em> ein solcher Ann\u00e4herungs<em>bias<\/em> bei Alkohol-bezogenen Fotos (R. Wiers et al., 2010). Ein solcher Ann\u00e4herungs<em>bias<\/em> findet sich dagegen nicht bei Fotos von nicht-alkoholischen Getr\u00e4nken. Auch zeigen Personen ohne Alkoholabh\u00e4ngigkeit keinen Ann\u00e4herungs<em>bias<\/em> f\u00fcr Alkohol-bezogene Fotos.<\/p>\n<p>Man kann diese automatischen Prozesse, f\u00fcr die der Ann\u00e4herungs<em>bias<\/em> ein Beispiel darstellt, im Kontext eines Zwei-System-Modells der Alkoholabh\u00e4ngigkeit interpretieren (Bechara, 2005). Dieses Modell unterscheidet ein impulsives und ein reflexives System. Die automatischen Prozesse, wie z.B. die implizite Ann\u00e4herung an Alkohol-bezogene Stimuli, betreffen das impulsive System, man k\u00f6nnte sie als \u201eirrational\u201c bezeichnen. Kognitive (rationale) Prozesse, wie das Nachdenken \u00fcber die sch\u00e4dlichen Langzeitfolgen des Alkoholkonsums, betreffen das reflexive System.<\/p>\n<p>Diesen beiden Systemen entsprechen auf neuraler Ebene zwei interagierende Gehirnsysteme. Dem automatischen, impulsiven, irrationalen System werden das ventrale Striatum, der ventromediale pr\u00e4frontale Cortex und die Amygdala zugeordnet. Dem reflexiven, rationalen System wird z.B. der dorsolaterale pr\u00e4frontale Cortex zugeordnet.<\/p>\n<p>Wenn eine Person nun vor der Wahl steht, ein alkoholisches Getr\u00e4nk zu sich zu nehmen oder zu verzichten, kommt es gewisserma\u00dfen zu einem Wettstreit zwischen impulsivem und reflexivem System, d.h. zu einem Wettstreit zwischen der automatischen, impulsiven, irrationalen Ann\u00e4herung und dem reflektierten, rationalen Verzicht, zu einem Wettstreit zwischen Gehirnarealen des impulsiven Systems und Gehirnarealen des reflexiven Systems. Diesen Wettstreit hat sich Heiner Stuke im Rahmen seiner Doktorarbeit mit der Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie angesehen. W\u00e4hrend die Studienteilnehmer im Kernspintomographen lagen und ihre Gehirnfunktion aufgezeichnet wurde, konnten sie per Knopfdruck zwischen einem alkoholischen und einem nicht-alkoholischen Getr\u00e4nk w\u00e4hlen. Eine ganze Serie von solchen Getr\u00e4nkepaaren wurde den Probanden pr\u00e4sentiert und w\u00e4hrend der Entscheidung die Gehirnfunktion aufgezeichnet. Die Probanden wussten, dass im Anschluss an die Untersuchung eine der Entscheidungen realisiert w\u00fcrde. Sie wussten also, dass ihnen eines der Getr\u00e4nke tats\u00e4chlich serviert werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Heiner Stuke fand, dass Personen mit sch\u00e4dlichem Gebrauch von Alkohol oder Alkoholabh\u00e4ngigkeit sich \u00f6fter f\u00fcr den Alkohol entschieden. Diese Entscheidungen waren mit vermehrter Aktivierung in Arealen des impulsiven Systems verbunden, n\u00e4mlich in ventralem Striatum, Amygdala und ventromedialem pr\u00e4frontalem Cortex. Dagegen zeigte sich keine verminderte Aktivierung in Arealen des reflexiven Systems (Stuke et al., 2016).<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, die Entscheidung f\u00fcr den Alkohol war mit einer vermehrten Aktivierung im impulsiven System und nicht etwa mit einer verminderten Aktivierung im reflexiven System verbunden. Diese Daten legen somit nahe, dass weniger eine fehlende Selbstkontrolle als vielmehr automatische Prozesse im impulsiven System, vielleicht der pl\u00f6tzliche starke Drang, sich Alkohol anzun\u00e4hern und Alkohol zu trinken, das zentrale Problem der Alkoholabh\u00e4ngigkeit darstellen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Frage ist nun, wie man diese automatischen, impliziten, irrationalen Prozesse therapeutisch beeinflussen kann. Reflektion im Gespr\u00e4ch (z.B. \u00fcber die sch\u00e4dlichen Langzeitfolgen des Konsums), wie wir sie \u00fcblicherweise in der Psychotherapie anbieten, betrifft ja eher das reflexive System und scheint somit an der falschen Stelle anzusetzen.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit, automatische Prozesse zu modifizieren, stellt vielleicht das <em>Approach Bias Modification Training <\/em>dar, das Reinout Wiers in Amsterdam entwickelt und Corinde Wiers im Rahmen einer Doktorarbeit wissenschaftlich untersucht hat. Bei diesem <em>Approach Bias Modification Training<\/em> f\u00fchren die Patienten die vorhin bereits vorgestellte <em>Approach Avoidance Task <\/em>durch. Bei dieser Aufgabe werden den Personen ja Fotos von Getr\u00e4nken im Quer- und Hochformat pr\u00e4sentiert, die Probanden sind gebeten, querformatige Fotos mit dem Joystick von sich wegzudr\u00fccken und hochformatige Fotos an sich heranzuziehen.<\/p>\n<p>Das Besondere beim <em>Bias Modification Training<\/em> ist nun, dass die Fotos so pr\u00e4sentiert werden, dass die Studienteilnehmer die Alkohol-bezogenen Fotos in 90% der F\u00e4lle von sich wegdr\u00fccken und nicht-alkoholische Getr\u00e4nke in 90% der F\u00e4lle zu sich heranziehen. Dem Verfahren liegt die Vorstellung zugrunde, dass die automatischen Prozesse modifiziert werden k\u00f6nnen, d.h. dass der automatische Ann\u00e4herungs<em>bias<\/em> wegtrainiert werden kann, wenn diese \u00dcbung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum t\u00e4glich wiederholt wird. Und tats\u00e4chlich konnten zwei unabh\u00e4ngige Studien zeigen, dass sich mit Hilfe dieses Trainings die R\u00fcckfallquoten innerhalb des ersten Jahres von 55 auf 45% reduzieren lie\u00dfen (z.B. R. Wiers, Eberl et al. 2011). Dieser Effekt wurde nicht gefunden in einer Kontrollgruppe, in der 50% der Alkohol-bezogenen Fotos herangezogen und 50% weggedr\u00fcckt wurden.<\/p>\n<p>Corinde Wiers konnte mit funktioneller Magnetresonanztomographie zeigen (C. Wiers et al. 2015), dass das <em>Approach Bias Modification Training<\/em> zu einer Normalisierung der Funktion des impulsiven Systems f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Zusammengefasst spielen bei der Alkoholabh\u00e4ngigkeit offenbar automatische Prozesse eine Rolle, die man als irrational bezeichnen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Exkurs: Hierarchische Modelle<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben uns nun drei Alternativkonzepte f\u00fcr \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c angesehen: unbewusste Triebimpulse, dysfunktionale Kognitionen und automatische Prozesse. Wenn wir f\u00fcr eine Zwischenbilanz kurz einen Schritt zur\u00fccktreten, f\u00e4llt auf, dass alle drei vorgestellten Alternativkonzepte im Kontext von hierarischen Modellen zu verstehen sind, bei denen das Rationale dem Irrationalen \u00fcbergeordnet ist und gegen\u00fcber dem Irrationalen eine regulierende, kontrollierende Funktion aus\u00fcbt: \u201eIch\u201c und \u201e\u00dcber-Ich\u201c kontrollieren die Triebimpulse, die vom \u201eEs\u201c ausgehen, Kognitionen bestimmen die Emotionen, und reflexive Kontrollprozesse stehen im Wettstreit mit automatischen Prozessen. Die rationalen Prozesse werden mit h\u00f6heren kortikalen Gehirnstrukturen in Zusammenhang gebracht und die irrationalen Prozesse mit subkortikalen.<\/p>\n<p>Alle drei pr\u00e4sentierten Modelle haben die Entstehung von psychischen St\u00f6rungen damit erkl\u00e4rt, dass die regulierende, kontrollierende Funktion der Rationalit\u00e4t ausf\u00e4llt. Psychische St\u00f6rung wurde gesehen als Folge einer Disinhibition, einer \u201eEntfesselung\u201c des Irrationalen. Alle drei Modelle finde ich plausibel, sie k\u00f6nnen meiner Meinung nach einen wertvollen Beitrag zum Verst\u00e4ndnis psychischer St\u00f6rungen leisten. Dennoch macht es mich stutzig, dass alle drei Modelle diesem hierarchischen Prinzip unterliegen. Stutzig macht es mich vor allem deshalb, weil auch zur Erkl\u00e4rung anderer psychischer St\u00f6rungen derartige hierarchische Modelle sehr verbreitet sind. Somit stellt sich die Frage, ob wir bei der Entwicklung von psychiatrischen St\u00f6rungsmodellen m\u00f6glicherweise einem \u201eHierarchie-Bias\u201c unterliegen, ob wir also dazu neigen, psychische St\u00f6rungen in hierarchischen Modellen zu erkl\u00e4ren. Andreas Heinz (Anthropologische und evolution\u00e4re Modelle in der Schizophrenieforschung, 2002) hat die These aufgestellt, dass hierarchische Modelle unser Denken auch jenseits der Psychiatrie pr\u00e4gen und in zahlreichen Bereichen unseres Lebens beeinflussen, z.B. auch in Gesellschaft, Ethik und Religion.<\/p>\n<p>Die Vorstellung von der Doppelnatur des Menschen mag so pr\u00e4gend f\u00fcr unser abendl\u00e4ndisches Denken sein, dass uns bei der Erkl\u00e4rung von psychischen St\u00f6rungen fast ausschlie\u00dflich hierarchische Modelle einfallen. Es stellt sich die Frage, ob uns dies nicht in unserem Verst\u00e4ndnis von psychischen St\u00f6rungen behindert. Wenn es uns gelingt, diesen Hierarchie-<em>Bias<\/em> abzulegen, gelangen wir vielleicht zu Modellen, die noch andere Aspekte von psychischen St\u00f6rungen \u2013 und von Irrationalit\u00e4t \u2013 erhellen.<\/p>\n<p>Die vorgestellten hierarchischen Modelle gingen auch mit einer negativen Bewertung einher: Das Irrationale wurde als untergeordnet, als krankheitsverursachend, als dysfunktional angesehen. Ich m\u00f6chte fragen: Hat das Irrationale denn auch \u201eetwas Gutes\u201c, hat es einen Sinn, einen Zweck, ein Ziel? In Medizin und Neurowissenschaften stellen wir gemeinhin nicht die Frage nach Sinn und Zweck. Teleologisches Denken gilt als unwissenschaftlich. Kausale Erkl\u00e4rungen sind gefragt. Jedoch nehmen wir, wenn uns die Frage nach dem Zweck dr\u00e4ngt, gerne eine evolution\u00e4re Perspektive ein und fragen, welche Funktion ein Ph\u00e4nomen hat. Aus der evolution\u00e4ren Perspektive hat \u201ealles\u201c \u2013 auch die Symptome einer psychischen Erkrankung oder Irrationalit\u00e4t \u2013 zu einer bestimmten Zeit in der Phylo- oder Ontogenese eine Funktion erf\u00fcllt, die f\u00fcr das \u00dcberleben der Spezies oder des Individuums hilfreich war.<\/p>\n<p>Im zweiten Teil meines Beitrags m\u00f6chte ich Ihnen drei Alternativkonzepte vorstellen, die in parallelen Modellen zu verorten sind. In diesen parallelen Modellen wird das Irrationale <em>neben<\/em> dem Rationalen stehen, statt ihm untergeordnet zu sein. Und das Irrationale wird nicht negativ bewertet. Vielmehr deutet sich an, dass dem Irrationalen auch eine Funktion zukommen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Florian Schuller hat vorgeschlagen, die Bezeichnung \u201ea-rational\u201c zu verwenden, wenn wir wertfrei \u00fcber das sprechen m\u00f6chten, was sich unserer Vernunft entzieht und doch vielleicht eine Berechtigung hat. Diesen Vorschlag aufgreifend, werde ich im Folgenden vom A-rationalen sprechen, wenn ich das Irrationale wertfrei bezeichnen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Empathie &amp; <em>Compassion<\/em>: Ein sozial-kognitives Modell antisozialen Verhaltens<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Jede psychische St\u00f6rung betrifft auch sehr wesentlich die soziale Interaktion mit anderen Menschen. In einem sozial-kognitiven Modell psychischer St\u00f6rungen kann man psychische St\u00f6rungen als St\u00f6rungen des sozialen Verstehens ansehen. Mit sozialem Verstehen meine ich hier die Prozesse, die dazu beitragen, dass wir einen Zugang zu den Gef\u00fchlen und Gedanken anderer Personen finden. Tania Singer hat vorgeschlagen, eine affektive und eine kognitive Route sozialen Verstehens zu unterscheiden. In der kognitiven Route (<em>Theory of Mind<\/em>) erschlie\u00dfen wir durch Reflektieren, durch logisches Schlie\u00dfen, durch rationale \u00dcberlegungen, welche Gef\u00fchle und Gedanken eine andere Person hat. Innerhalb der affektiven Route, die ich hier auch als \u201ea-rationale Route\u201c bezeichnen m\u00f6chte, werden Empathie und <em>Compassion<\/em> unterschieden. Empathie bedeutet, dass wir den affektiven Zustand des anderen teilen. Ein eindr\u00fcckliches Beispiel ist vielleicht, wenn eine Mutter zusieht, wie ihr Kind eine Spritze erh\u00e4lt; sie teilt den Schmerz mit dem Kind. <em>Compassion<\/em> k\u00f6nnte man mit Gef\u00fchl der liebenden G\u00fcte, <em>Caritas<\/em>, \u1f00\u03b3\u03ac\u03c0\u03b7 oder \u2013 im christlichen Kontext \u2013 N\u00e4chstenliebe \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt auf, dass wir es mit einer \u00e4hnlichen Dichotomie zu tun haben wie in fr\u00fcheren Modellen. Es werden auch \u00e4hnliche Gehirnareale mit der rationalen und der a-rationalen Dom\u00e4ne in Zusammenhang gebracht (Kanske et al. 2015). Im Unterschied zu fr\u00fcher besprochenen Modellen stehen hier die beiden Dom\u00e4nen jedoch gleichberechtigt nebeneinander und erg\u00e4nzen einander.<\/p>\n<p>Die verschiedenen Aspekte sozialen Verstehens kann man empirisch untersuchen, zum Beispiel mit einer Aufgabe namens EmpaToM, die Philipp Kanske und Tania Singer entwickelt haben (Kanske et al., 2015). Bei dieser Aufgabe werden den Studienteilnehmern kurze Filmausschnitte gezeigt (neutrale und emotionale Filmausschnitte) und die Studienteilnehmer gebeten, im Anschluss anzugeben, wie sie sich f\u00fchlen, wie viel <em>Compassion<\/em> sie erlebt haben und was die in dem Film gezeigte Person wohl gef\u00fchlt und gedacht hat. Auf diese Weise werden Empathie, <em>Compassion<\/em> und <em>Theory of Mind <\/em>erfasst.<\/p>\n<p>Korina Winter hat in ihrer Doktorarbeit den EmpaToM bei M\u00e4nnern eingesetzt, die durch Gewaltdelikte auff\u00e4llig geworden waren. Unter Gewalt verstehen wir hier eine beabsichtigte schwere K\u00f6rperverletzung. Korina Winter fand bei den untersuchten M\u00e4nnern einen Mangel an Empathie und <em>Compassion<\/em> w\u00e4hrend der Betrachtung von Filmausschnitten, in denen die dargestellte Person litt. Die <em>Theory-of-Mind-<\/em>F\u00e4higkeiten waren jedoch unbeeintr\u00e4chtigt (Winter et al., 2017). Das hei\u00dft, die M\u00e4nner zeigten Defizite in der affektiven (a-rationalen), nicht aber in der kognitiven (rationalen) Route sozialen Verstehens.<\/p>\n<p>Bemerkenswerterweise findet sich ein \u00e4hnliches Defizit-Muster bei Personen mit narzisstischer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung, deren zwischenmenschliches Verhalten gekennzeichnet ist durch Mangel an Empathie, Anspruchsdenken, ausbeuterisches Verhalten, Neid und arrogante Verhaltensweisen.<\/p>\n<p>Im Kontext des Themas \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c bzw. \u201eA-Rationalit\u00e4t\u201c k\u00f6nnte man auf Grundlage dieser Ergebnisse diskutieren, dass Defizite in der affektiven (a-rationalen) Route sozialen Verstehens zu St\u00f6rungen des Sozialverhaltens beitragen. Umgekehrt legen die Befunde nahe, dass die affektive (a-rationale) Route sozialen Verstehens prosoziales Verhalten f\u00f6rdert. Somit h\u00e4tten wir es hier erstmals in diesem Beitrag mit einer hilfreichen Funktion des A-rationalen zu tun.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten nun diesen Gedankenfaden weiterf\u00fchren zu Jonathan Haidt von der University of Virginia, der die Auffassung vertritt, dass moralisches Urteilen ein intuitiver Prozess sei, bei dem rationale Begr\u00fcndungen nur eine untergeordnete Rolle spielen.<\/p>\n<p>Jedoch m\u00f6chte ich mich lieber als N\u00e4chstes einem daseinsanalytischen Modell zuwenden, bei dem das A-rationale eine Rolle spielt, n\u00e4mlich bei existenziellen Erfahrungen. In den vorgetragenen Gedanken orientiere ich mich an Thomas Fuchs (Existenzielle Vulnerabilit\u00e4t, 2008), der sich seinerseits auf Karl Jaspers (Existenzerhellung; Psychologie der Weltanschauungen) und Alice Holzhey-Kunz (Daseinsanalyse, 2008) bezieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Existenzielle Erfahrungen: Ein daseinsanalytisches Modell der Hypochondrie<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df diesem daseinsanalytischen Modell l\u00e4sst sich die existenzielle Grundsituation des Menschen als \u201eZerrissenheit im Sein\u201c beschreiben. Die vermeintliche, im Alltag oft erlebte, jedoch tr\u00fcgerische Geschlossenheit des Daseins zerbricht, wenn wir bestimmte Grenzen erfahren, die allen Menschen gemein sind. Zu diesen Grenzen geh\u00f6rt, dass wir k\u00e4mpfen, leiden und sterben m\u00fcssen, dass wir dem Zufall ausgeliefert sind und nicht alles unter Kontrolle haben, dass wir unausweichlich schuldig werden, dass wir in unserem Leben nicht alle M\u00f6glichkeiten verwirklichen k\u00f6nnen und dass wir der letztlichen Einsamkeit des Daseins ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Diese Grenzen sind in der Regel nicht im Fokus unserer Aufmerksamkeit. Wir verf\u00fcgen nur \u00fcber ein abstraktes, rationales Wissen \u00fcber diese Grenzen; schon kleine Kinder wissen, dass jeder Mensch sterben muss. Es handelt sich aber um ein rationales Wissen, das nicht existenziell erfahren wird. Dies liegt daran, dass es Sicherungssysteme gibt, die Jaspers \u201eGeh\u00e4use\u201c nennt. Dabei handelt es sich um selbstverst\u00e4ndliche Grundeinstellungen (wie z.B. \u201ees wird immer so weiter gehen\u201c), die uns vor existenziellen Infragestellungen sch\u00fctzen und ein tr\u00fcgerisches Gef\u00fchl von Geborgenheit in der Welt vermitteln. Ein \u201eSchleier der Allt\u00e4glichkeit\u201c verdeckt unseren Blick auf diese Grenzen und sch\u00fctzt uns davor, die menschliche Grundsituation existenziell zu erfahren.<\/p>\n<p>Aus diesem Gef\u00fchl von Geborgenheit werden wir in Grenzsituationen herausgerissen. Solche Grenzsituationen k\u00f6nnen durch kritische Lebensereignisse angesto\u00dfen werden, z.B. die Erfahrung von eigener Krankheit oder der Tod eines nahestehenden Menschen. Manchmal gen\u00fcgen aber auch kleine Anl\u00e4sse.<\/p>\n<p>In Grenzsituationen wird uns pl\u00f6tzlich die Wahrheit \u00fcber unsere menschliche Existenz gewahr. Unsere Sicherungssysteme brechen zusammen, uns wird gewisserma\u00dfen der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen. Solche Grenzsituationen gehen mit einer tiefen seelischen Ersch\u00fctterung einher und sind eigentlich nicht zu ertragen. Charakteristisch f\u00fcr diese existenzielle Ersch\u00fctterung ist, dass neben das abstrakte rationale Wissen um die menschlichen Grenzen nun eine konkrete, existenzielle Erfahrung tritt. Diese existenzielle Erfahrung ist durch rationale \u00dcberlegungen allein nicht zu erkl\u00e4ren und nicht herbeizuf\u00fchren; es gibt eine a-rationale Komponente, die hier hinzutritt.<\/p>\n<p>Nicht zu ertragen sind diese Grenzsituationen auch deshalb, weil es keine L\u00f6sung gibt. Die Br\u00fcche der Existenz lassen sich nicht beseitigen. Es gibt keine rationalen Strategien, um Grenzsituationen zu bew\u00e4ltigen. Sie m\u00fcssen ausgehalten, akzeptiert werden.<\/p>\n<p>Aus psychiatrischer Perspektive ist es nun hilfreich, wenn wir drei Arten, auf Grenzsituationen zu reagieren, unterscheiden.<\/p>\n<p>Die erste Art der Reaktion ist das Ausweichen, die Abwehr. Dies ist die Art der Reaktion, die ich beschrieben habe, als ich von intakten Sicherungssystemen gesprochen habe. Hier sind Abwehrmechanismen wirksam, wie wir sie aus der Tiefenpsychologie kennen: Verdr\u00e4ngung, Intellektualisierung, Verallgemeinerung, Rationalisierung und Isolierung vom Affekt. Bei der Isolierung vom Affekt werden rationale Erkenntnis und affektive Reaktion getrennt, so dass eine Erkenntnis nicht die eigentlich nahe liegende affektive Reaktion ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Die zweite Art der Reaktion nennt Karl Jaspers Sprung zur Existenz. In diesem Fall nutzt die Person die Grenzsituation als M\u00f6glichkeit zur Freiheit, als Widerlager f\u00fcr den Aufschwung zur eigenen Existenz. Die Person befreit sich vom \u201eSchleier des Alltags\u201c und fasst den existenziellen Entschluss, den Br\u00fcchen der menschlichen Existenz ins Auge zu schauen und in der Welt zu handeln, obwohl wir nicht alle M\u00f6glichkeiten verwirklichen k\u00f6nnen und obwohl wir schuldig werden. Bei dieser zweiten Art der Reaktion w\u00fcrde ich auch S\u00f6ren Kierkegaards \u201eSprung in den Glauben\u201c ansiedeln.<\/p>\n<p>Die dritte Art der Reaktion ist, dass man an der Grenzsituation gewisserma\u00dfen \u201everr\u00fcckt\u201c wird. In diesen F\u00e4llen gelingt den Betroffenen weder eine Abwehr mit Hilfe von Sicherungssystemen noch die Bew\u00e4ltigung durch den Sprung zur Existenz. Die Betroffenen k\u00f6nnen die Grenzsituation nicht als M\u00f6glichkeit zur Freiheit nutzen. Sie entwickeln in Reaktion auf die Grenzsituation eine psychische St\u00f6rung. Zu beachten ist: In diesen F\u00e4llen bleibt die Grenzsituation in der Regel in ihrer existenziellen Dimension unbegriffen. Die betreffenden Personen k\u00f6nnen nicht sehen und artikulieren, dass hinter ihrem Leiden die Konfrontation mit der Grundsituation des Menschen steht.<\/p>\n<p>Wenn einer Person nun der Sprung zur Existenz oder in den Glauben gelingt, ist dies nicht allein Ergebnis rationaler \u00dcberlegungen. Der Sprung zur Existenz kann, wie der Sprung in den Glauben, nicht auf andere \u00fcbertragen, nicht durch andere vertreten oder wie Wissen gelehrt werden. Wir haben es hier mit einer existenziellen Erfahrung und einer existenziellen Entscheidung zu tun, die jenseits von rationalen Argumenten erfolgt. Wie oben schon festgestellt, gibt es eine a-rationale Komponente, die hier hinzukommt.<\/p>\n<p>Wenn wir uns die erste Art der Reaktion ansehen, die Abwehr, gewinnt man sogar den Eindruck, dass Rationalit\u00e4t, sofern sie falsch eingesetzt wird, hinderlich sein kann f\u00fcr den Sprung zur Existenz bzw. in den Glauben, weil sie in Form von rationalen Abwehrmechanismen dazu beitr\u00e4gt, dass wir der existenziellen Infragestellung ausweichen.<\/p>\n<p>Wenn wir diesem daseinsanalytischen Modell folgen, sind psychische St\u00f6rungen ein \u201eLeiden am eigenen Sein\u201c. Psychisch kranke Menschen besitzen dann eine besondere Sensibilit\u00e4t (\u201eHellh\u00f6rigkeit\u201c) f\u00fcr die existenziellen Implikationen bestimmter Lebenssituationen. Thomas Fuchs hat (auch unter Bezugnahme auf Alice Holzhey-Kunz) eine Psychopathologie der Grenzsituationen vorgeschlagen. In einer solchen Psychopathologie der Grenzsituationen kann man verschiedene psychische St\u00f6rungen als Formen der unbewussten Reaktion auf die existenzielle Grundsituation des Menschen verstehen.<\/p>\n<p>Am Beispiel der hypochondrischen St\u00f6rung m\u00f6chte ich dies verdeutlichen. Im Zentrum der hypochondrischen St\u00f6rung steht die dauernde Besch\u00e4ftigung mit der M\u00f6glichkeit, an einer schweren k\u00f6rperlichen Krankheit zu leiden. Die Betroffenen besch\u00e4ftigen sich permanent mit ihren k\u00f6rperlichen Ph\u00e4nomenen. Normale K\u00f6rperwahrnehmungen werden als abnorm interpretiert. Aus einer daseinsanalytischen Perspektive l\u00e4sst sich die hypochondrische St\u00f6rung verstehen als eine \u201eHellh\u00f6rigkeit\u201c f\u00fcr die Krankheitsanf\u00e4lligkeit und Hinf\u00e4lligkeit unseres K\u00f6rpers. Allt\u00e4gliche k\u00f6rperliche Erscheinungen (wie z.B. Kopfschmerzen) werden zur Grenzsituation, in der die hypochondrische Person sich der beunruhigenden Tatsache gewahr wird, dass sie in einer Abh\u00e4ngigkeit von ihrem K\u00f6rper steht, dass sie seinen verborgenen Prozessen ausgeliefert ist, ohne sie kontrollieren zu k\u00f6nnen, und dass sie sterblich ist.<\/p>\n<p>Das Gewahrwerden dieser Abh\u00e4ngigkeit vom K\u00f6rper ist unertr\u00e4glich. In Reaktion darauf versucht die hypochondrische Person, die Gefahr von Krankheit und Tod durch st\u00e4ndiges Beobachten aller k\u00f6rperlichen Vorg\u00e4nge und wiederholt angestrebte medizinische Untersuchungen zu bannen \u2013 als lie\u00dfe sich auf diese Weise die grundlegende Tatsache der Hinf\u00e4lligkeit des K\u00f6rpers aufheben. Die hypochondrische St\u00f6rung lie\u00dfe sich somit verstehen als Kampf gegen eine Grundsituation des Menschen, die nicht anerkannt und verleugnet wird.<\/p>\n<p>Worin k\u00f6nnte nun die Rolle des Therapeuten aus daseinsanalytischer Perspektive bestehen? Sie k\u00f6nnte zun\u00e4chst darin bestehen, die existenzielle Dimension des Leidens seines Patienten zu erkennen. Der Therapeut mag au\u00dferdem dem hypochondrischen Menschen helfen, seine Sicherungssysteme wieder aufzubauen. Im Idealfall w\u00fcrde der Therapeut dem hypochondrischen Menschen helfen, die Grenzsituation zu bew\u00e4ltigen, d.h. den Sprung zur Existenz (oder vielleicht auch in Sinne Kierkegaards in den Glauben) zu vollziehen. Wir haben aber oben schon festgehalten, dass die existenzielle Entscheidung nicht wie rationales Wissen gelehrt und dass sie nicht auf eine andere Person \u00fcbertragen werden kann, weil hier eine a-rationale, uns nicht verf\u00fcgbare Komponente mitspielt. Viele Patienten werden den Sprung zur Existenz nicht vollziehen. Die Aufgabe des Therapeuten k\u00f6nnte dann darin bestehen, dem Betroffenen zu helfen, die Krise als Ausdruck der menschlichen Grundsituation zu verstehen, an der wir alle teilnehmen und leiden, und nicht als Ausdruck seines eigenen Versagens oder seiner eigenen Schuld oder Schw\u00e4che. Diese Einsicht k\u00f6nnte dem Betroffenen helfen, die Situation zu ertragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Mystische Erfahrungen: Ein anthropologisches Modell der Psychose<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Neben der hypochondrischen St\u00f6rung kann auch die Psychose als unbewusste Reaktion eines \u201ehellh\u00f6rigen\u201c, man k\u00f6nnte auch sagen \u201ed\u00fcnnh\u00e4utigen\u201c, Menschen auf die existenzielle Grundsituation des Menschen gesehen werden. F\u00fcr Menschen in der Psychose wird das selbstverst\u00e4ndliche In-der-Welt-Sein zur Grenzsituation. Bei Menschen in der Psychose ist die nat\u00fcrliche Selbstverst\u00e4ndlichkeit des Erlebens ersch\u00fcttert.<\/p>\n<p>Neben der daseinsanalytischen Perspektive m\u00f6chte ich hier auch eine anthropologische Perspektive einnehmen und auf mystische Erfahrungen eingehen, die im Rahmen einer Psychose auftreten k\u00f6nnen. Zum Einstieg aber wollen wir uns die klassischen Symptome einer h\u00e4ufigen Form der Psychose, der paranoiden Schizophrenie, ansehen. Wir unterscheiden Positiv- und Negativ-Symptome. Zu den Positiv-Symptomen geh\u00f6ren Wahn, Halluzination, Ich-St\u00f6rungen und zerfahrenes Denken. Zu den Negativ-Symptomen z\u00e4hlen Affektverflachung, Apathie, Alogie (Sprachverarmung), Anhedonie (Freudlosigkeit) und sozialer R\u00fcckzug.<\/p>\n<p>Die Positiv-Symptome m\u00f6chte ich noch etwas genauer erl\u00e4utern. Eine typische Wahnform ist der Beziehungswahn. Dabei bezieht eine Person Ereignisse in ihrer Umgebung auf sich, die nach rationalen Kriterien gar nichts mit ihr zu tun haben k\u00f6nnen; die Person glaubt beispielsweise, dass Fernsehnachrichten versteckte Botschaften an sie pers\u00f6nlich enthalten. Im Bedeutungswahn erlebt der Mensch in der Psychose, dass Dinge eine besondere Bedeutung haben, denen man gemeinhin keine Bedeutung gibt. Zum Beispiel kann das rote Auto, das vor der T\u00fcr parkt, bedeuten, dass heute noch etwas ganz Besonderes passieren wird. Beim paranoiden Wahn f\u00fchlt sich eine Person verfolgt, z.B. durch die Nachbarn; der paranoide Wahn ist h\u00e4ufig mit Bedrohungsgef\u00fchlen verbunden. Beim religi\u00f6sen Wahn ist eine Person z.B. der \u00dcberzeugung, mit Gott in direkter Kommunikation zu stehen.<\/p>\n<p>Halluzinationen sind z.B. dialogisierende oder kommentierende Stimmen. Ich-St\u00f6rungen sind St\u00f6rungen der Meinhaftigkeit des Erlebens; eine Person hat das Gef\u00fchl, dass ihr Wille von au\u00dfen beeinflusst wird, dass ihr die Gedanken von au\u00dfen entzogen werden oder dass sich die eigenen Gedanken unwillk\u00fcrlich und, ohne ausgesprochen zu werden, ausbreiten, so dass andere sie wahrnehmen k\u00f6nnen. Im zerfahrenen Denken geht der logische und grammatikalische Zusammenhang verloren, bis hin zu unverst\u00e4ndlichem Wortgemisch.<\/p>\n<p>Insbesondere bei den Positiv-Symptomen haben wir es, wenn Sie so wollen, mit \u201eirrationalen\u201c Symptomen zu tun. Was Menschen in der Psychose erleben, ist rational nicht begr\u00fcndbar. Im Gespr\u00e4ch mit Menschen in der Psychose ist es immer wieder frappierend, wie wenig sich ein aus der Sicht der Au\u00dfenwelt abwegiger Wahn durch rationale Gr\u00fcnde modifizieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die anthropologische Sicht auf die Psychose, die von Thomas Bock und Andreas Heinz (Psychosen: Ringen um Selbstverst\u00e4ndlichkeit, 2016) vertreten wird, versucht in der Psychose nicht nur das Fremdartige, das Absonderliche und Pathologische, sondern auch das allen Menschen Gemeinsame, zutiefst Menschliche zu sehen. Die anthropologische Perspektive geht von einer Unterschiedlichkeit und Subjektivit\u00e4t der Weltkonstruktionen aus und erkennt an, dass es auch a-rationale Zug\u00e4nge zur Wirklichkeit gibt. Die anthropologische Perspektive sieht einen flie\u00dfenden \u00dcbergang, ein Kontinuum von \u201egesund\u201c zu \u201epsychotisch\u201c und versteht die Psychose unter Bezugnahme auf daseinsanalytische Betrachtungen als unbewusste Reaktion auf Grenzsituationen des Menschseins. Die anthropologische Perspektive geht davon aus, dass die M\u00f6glichkeit, psychotisch zu sein, prinzipiell in jedem Menschen steckt. Durch Einnahme von Psilocybin (Pilzen) lassen sich in vielen Menschen Modell-Psychosen ausl\u00f6sen. Aber auch schon durch Fasten, ausgedehntes Schweigen, Reizabschirmung und Schlafentzug, wie sie in manchen Exerzitien eingesetzt werden, l\u00e4sst sich bei manchen von uns eine D\u00fcnnh\u00e4utigkeit und Durchl\u00e4ssigkeit bef\u00f6rdern, die uns auf dem beschriebenen Kontinuum ein bisschen auf die Seite der Psychose bringt und uns vielleicht eine winzige Ahnung davon geben kann, was ein Mensch in der Psychose \u2013 nat\u00fcrlich in viel ausgepr\u00e4gterer Form! \u2013 erlebt.<\/p>\n<p>Als Beispiel daf\u00fcr, dass die Psychose zum menschlichen Repertoire geh\u00f6rt, weist Thomas Bock darauf hin, dass sich bei Kindern regelhaft eine Paranoia findet: Ein Kind nimmt die Welt so wahr, dass es alles auf sich bezieht, weil es \u00fcberfordert w\u00e4re, die Vielfalt der Welt anders zu begreifen. Diese \u201eParanoia\u201c sch\u00fctzt vor \u00dcberforderung, hat die Funktion, die \u00fcberbordende Vielfalt zu reduzieren. Diese Funktion der Paranoia, uns vor der Vielfalt von Reizen zu sch\u00fctzen, kann auch jenseits der Kindheit wichtig und richtig sein. In der Psychose greift ein Mensch in der Krise auf Muster zur\u00fcck, die er abgelegt hat, die uns aber allen zu eigen sind.<\/p>\n<p>Auch wenn wir in der anthropologischen Sicht auf die Psychose das zutiefst Menschliche sehen, soll die Psychose hier nicht verharmlost, normalisiert oder gar idealisiert werden; die Psychose bleibt ein Ausnahmezustand, ein leidvolles Geschehen, eine tiefe Not. In Psychosen k\u00f6nnen intensive Emotionen, au\u00dfergew\u00f6hnliche Sinneswahrnehmungen und Bedeutungserleben auftreten, die man als mystische Erfahrung deuten kann. Unter mystischer Erfahrung verstehe ich hier die Erfahrung einer g\u00f6ttlichen oder absoluten Wirklichkeit. Dabei wird die irdische Welt in bewusster Abgrenzung zu rationaler Welterschlie\u00dfung \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Ihnen ein Beispiel geben. Gabriele hat ihre Erfahrungen im R\u00fcckblick aufgeschrieben:<\/p>\n<p><em>\u201eIch bin seit 1994 schizophren erkrankt. Ich war insgesamt 8 x in einer psychiatrischen Klinik. Ich habe mich in der Endphase meiner psychotischen Sch\u00fcbe wirklich immer sehr seltsam und auff\u00e4llig benommen. Ich habe wirres Zeug geredet und das Essgeschirr zum L\u00fcften auf den Balkon gestellt. Einmal war sogar die Feuerwehr da, weil Grund zu der Annahme bestand, ich k\u00f6nnte aus dem Fenster springen. Meinen Fernseher habe ich aus dem Fenster geworfen. Ich habe mit Holundergelee magische Bannkreise um die Lichtschalter gemalt und meinen s\u00e4mtlichen Schmuck in der Badewanne eingeweicht. Und dergleichen indiskutable Verr\u00fccktheiten mehr. Ich war wirklich reif f\u00fcr die Klinik.<\/em><\/p>\n<p><em>Vor jedem psychotischen \u201eAusrutscher\u201c ereignete sich jedoch eine Phase geistigen Wachseins, in der ich f\u00fcr Inspirationen sehr empf\u00e4nglich war. Vielleicht war dieser Zustand bereits Bestandteil des psychotischen Schubes, ich kann es nicht genau sagen, weil ich die Grenze zwischen Normalsein und Psychotischsein nicht klar umrei\u00dfen kann. Das geht so flie\u00dfend ineinander \u00fcber und am Ende steht dann ein merkw\u00fcrdiges Verhalten, das mich in die Klinik bringt. Vorher aber kommt ein weites Feld geistiger Inspiration, in dem ich glaube, dass mir fundamentale Erkenntnisse \u00fcber den kosmischen Gesamtzusammenhang und die g\u00f6ttliche Vorsehung offenbart werden. <\/em><\/p>\n<p><em>Meist begann es mit einem intensiven, \u00fcberw\u00e4ltigenden Gl\u00fccksgef\u00fchl. In meinem Kopf offenbarte sich ein Bilder- und Gedankenreichtum unbeschreiblichen Ausma\u00dfes, auch der K\u00f6rper f\u00fchlte sich kraftgeladen und vital an. Es war, wie wenn man frisch verliebt ist und die ganze Welt umarmen k\u00f6nnte. Ich lief den ganzen Tag in einem Zustand ekstatischer Gl\u00fcckseligkeit herum und war davon v\u00f6llig vereinnahmt, so dass ich den allt\u00e4glichen Dingen kaum noch Aufmerksamkeit schenkte. <\/em><\/p>\n<p><em>Meine ganze, \u00fcber Jahrzehnte hinweg angesammelte Bildung zu Themen wie Psychologie, Philosophie, Soziologie, Politik, Religion und Astrologie war in vollem Umfange verf\u00fcgbar und ergab ein in sich stimmiges Gesamtbild: Fundamentale Lehrs\u00e4tze aus Buddhismus, Hinduismus und christlicher Mystik f\u00fcgten sich nahtlos in Goethes Farbenlehre, erg\u00e4nzten die tiefenpsychologischen Erkenntnisse C.G. Jungs und bildeten zusammen mit astrologischen Bildern ein umfassendes Instrumentarium zum Begreifen menschlichen Verhaltens und menschlicher Motivationen. Ich verstand pl\u00f6tzlich ALLES. F\u00fcr jede Frage, die ich mir stellte, tauchte aus der Tiefe meines Bewusstseins eine schl\u00fcssige und einleuchtende Antwort auf, ganz ohne angestrengtes Nachdenken oder irgendeine Art von [rationalem] Bem\u00fchen. Es ging ganz leicht. Mir war, als s\u00e4\u00dfe ich mitten in einem Gro\u00dfen, kostbaren Schatz von allumfassendem Wissen und k\u00f6nne beliebig herausgreifen, was ich nur wollte. Ich wurde durchflutet von Gef\u00fchlen tiefster Dankbarkeit gegen\u00fcber meinem Schicksal, das mir diesen Gedanken- und Ideenreichtum zuteilwerden lie\u00df.<\/em><\/p>\n<p><em>So verbrachte ich Stunde um Stunde, auch die ganze Nacht hindurch, fassungslos und fasziniert von diesem \u00dcberangebot an Wissen. Gleichzeitig war mir aber bewusst, dass die synaptischen Verbindungen meines Gehirns, die zeitr\u00e4umliche Begrenztheit meines Bewusstseins niemals ausreichen w\u00fcrden, die Komplexit\u00e4t und den Umfang dieses Wissens zu erfassen. In Anbetracht der universellen Wahrheit, der ich mich sehr nahe f\u00fchlte, war alles, was ich zu erfassen in der Lage war, nur ein winziges Bruchst\u00fcck. In diesem Zusammenhang hatte ich auch eine Art Gotteserfahrung, indem ich n\u00e4mlich immer wieder, von Ehrfurcht ergriffen, dachte: GOTT IST GROSS!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich habe den Eindruck, dass Gabriele am \u00dcbergang zur Psychose mystische Erfahrungen macht. Gabriele erkennt an, dass sie zu bestimmten Zeiten psychotisch war, und sie kann gut reflektieren, dass sie in der Psychose absonderliche Dinge tut. Die absonderlichen Verhaltensweisen unterscheidet Gabriele jedoch klar von den mystischen Erfahrungen, die f\u00fcr sie auch au\u00dferhalb der Psychose eine besondere subjektive Bedeutung haben.<\/p>\n<p>Gabriele besitzt eine besondere F\u00e4higkeit, diese Erfahrungen in Sprache zu fassen. In Hinblick auf ihre mystischen Erfahrungen ist Gabriele aber keine Rarit\u00e4t. Gar nicht selten berichten Menschen, die eine Psychose erlebt haben, vergleichbare mystische Erfahrungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns Psychiater droht an dieser Stelle eine \u201eKonkurrenz der Modelle\u201c, wie es Hans-Peter Kapfhammer genannt hat. Unsere psychiatrischen Modelle drohen an dieser Stelle in Konkurrenz mit theologischen oder spirituellen Modellen zu geraten. Wenn wir uns die eingangs erl\u00e4uterten Positiv-Symptome vor Augen halten, k\u00f6nnten wir geneigt sein, die Erfahrungen von Gabriele als Positiv-Symptome zu deuten und als Wahn, Ich-St\u00f6rungen oder Halluzinationen einzuordnen. Sie k\u00f6nnen sich vorstellen, dass Gabriele mit einer solchen Einordnung nicht einverstanden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aus der anthropologischen Perspektive, wie ich sie hier einnehme, erkenne ich an, dass es auch a-rationale Zug\u00e4nge zur Welt gibt. Ich muss die Sichtweisen von Gabriele nicht teilen. Und ich kann sie eigentlich auch gar nicht teilen, weil mystische Erfahrungen nicht mitteilbar sind. Aber ich erkenne sie erst einmal als M\u00f6glichkeit des Zugangs zur Welt an.<\/p>\n<p>Was ist dann die Aufgabe des Therapeuten? Sie k\u00f6nnte darin bestehen, der Patientin zu helfen, die Psychose nicht als Fremdes zu erleben, das von au\u00dfen \u00fcber sie kommt, sondern als Erfahrung, die mit ihrem pers\u00f6nlichen Leben in Zusammenhang steht. Der Therapeut unterst\u00fctzte dann die Patientin bei der Suche nach dem subjektiven Sinn dieser Erfahrungen, auch der mystischen Erfahrungen. Dabei w\u00fcrde der Therapeut sich durchaus nicht der Sicht der Patientin unterwerfen, sondern seine eigene Weltkonstruktion behutsam \u201edaneben stellen\u201c.<\/p>\n<p>Psychotische Erfahrungen sind nicht immer nur mit Gef\u00fchlen von Gl\u00fcckseligkeit verbunden, wie sie Gabriele beschrieben hat. Psychotische Erfahrungen k\u00f6nnen auch, und das ist leider h\u00e4ufiger der Fall, zutiefst bedrohlich und qualvoll sein. Indem ich diese H\u00f6llenqualen anspreche, die viele Menschen in der Psychose durchleiden, m\u00f6chte ich noch einmal betonen, dass das Erleben in der Psychose nicht besch\u00f6nigt, verharmlost oder idealisiert werden soll. Aufgabe des Therapeuten ist auch, dieses Leid zu linden. Das beinhaltet auch medikament\u00f6se Behandlung.<\/p>\n<p>Auch ist mir wichtig zu betonen, dass ich hier nicht mystische Erfahrung und Psychose gleichsetze: Nur ein Teil der Psychosen geht mit mystischen Erfahrungen einher, und mystische Erfahrungen treten h\u00e4ufiger in psychischer Gesundheit als in Psychosen auf. Mystische Erfahrungen sind also in keiner Weise an das Vorliegen einer Psychose gebunden. Mystische Erfahrungen sind vielleicht h\u00e4ufiger, als wir gemeinhin annehmen. Wenn wir beispielsweise in einer klaren Nacht den Blick in den Himmel richten, dann haben wir einerseits die M\u00f6glichkeit eines rationalen Zugangs. W\u00e4hlen wir diesen, so benennen wir die Sterne, identifizieren Sternzeichen, vermessen den Himmel und berechnen mit Hilfe der Newton\u2019schen Gesetze den Lauf der Himmelsk\u00f6rper, wie Harald Lesch in seinem Beitrag ausgef\u00fchrt hat. Es mag aber auch vorkommen, dass wir einen a-rationalen Zugang w\u00e4hlen. Dann halten wir inne und werden still, dann verweilen wir ganz ruhig in der Gegenwart, \u201estellen die Ratio f\u00fcr einen Moment ab\u201c und lassen den Himmel auf uns wirken. Dann mag es sich ereignen, dass wir ergriffen sind von der Gr\u00f6\u00dfe und Sch\u00f6nheit des Universums und, wenn Sie so m\u00f6chten, eine Erfahrung des Absoluten machen, die uns dem\u00fctig und ehrf\u00fcrchtig macht. Dies w\u00fcrde ich als mystische Erfahrung begreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der Gewinn subjektiver Wirklichkeitserschlie\u00dfung <\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer abschlie\u00dfenden Bemerkung m\u00f6chte ich die Perspektive des Psychiaters verlassen und eine pers\u00f6nliche Perspektive einnehmen. Wenn ich als Mensch anerkenne, dass es auch a-rationale Zug\u00e4nge zur Wirklichkeit gibt, und wenn mir selbst solche mystischen Erfahrungen nicht g\u00e4nzlich fremd sind, stellt sich die Frage, was ich mit den Berichten von mystischen Erfahrungen anderer Menschen anfange. Ich beziehe mich hier zun\u00e4chst nicht speziell auf die Berichte von Menschen in Psychose, sondern auch auf die Berichte von Menschen ohne Psychose. Es stellt sich die Frage, ob die mystischen Erfahrungen anderer Menschen f\u00fcr mich mehr sein k\u00f6nnen als nur deren subjektive, von mir nicht geteilte Sichtweisen auf die Wirklichkeit. Auch wenn mystische Erfahrungen nicht mitteilbar sind, k\u00f6nnen mir die Berichte dieser m\u00f6glicherweise spirituell besonders sensiblen Menschen vielleicht doch ein Beispiel sein, eine Ahnung vermitteln, eine Richtung weisen, einen Hinweis geben auf meinem eigenen Weg, einen Zugang zur Wirklichkeit zu finden. Wenn es darum geht, einen rationalen, z.B. wissenschaftlichen Zugang zur Wirklichkeit zu finden, sind wir gewohnt, von besonders begabten und erfahrenen Personen zu lernen. In \u00e4hnlicher Weise mag es auch hilfreich sein, sich bei dem Versuch, einen a-rationalen Zugang zur Wirklichkeit zu gewinnen, mit den Berichten von besonders erfahrenen Personen zu befassen.<\/p>\n<p>Wenn ich nun in Betracht ziehe, dass mystische Erfahrungen anderer f\u00fcr mich eine Bedeutung haben k\u00f6nnen, stellt sich die Frage, wie ich es mit den mystischen Erfahrungen von Menschen halte, die psychotisch waren. Aus der anthropologischen Perspektive, die ich hier dargelegt habe, verstehen wir die Psychose als eine M\u00f6glichkeit des Menschseins, als Extremform eines a-rationalen Zugangs zur Wirklichkeit. Aus dieser Perspektive brauche ich die mystische Erfahrung, die in der Psychose gemacht wird, nicht sogleich als pathologisch abzutun und macht die Unterscheidung zwischen Psychose-bezogener und Nicht-Psychose-bezogener mystischer Erfahrung hinf\u00e4llig. Aus dieser Perspektive ist die Diskussion dar\u00fcber, ob gro\u00dfe Mystiker der Bibel, der Kirchengeschichte oder auch anderer Religionen an psychischen St\u00f6rungen erkrankt waren oder nicht, irrelevant.<\/p>\n<p>Zusammengefasst haben wir gesehen, dass das Konzept \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c in der Psychiatrie praktisch nicht vorkommt. Jedoch gibt es Alternativkonzepte, die Aspekte von Irrationalit\u00e4t bzw. A-rationalit\u00e4t beschreiben. Wir haben uns sechs solche Alternativkonzepte angesehen. Die ersten drei Alternativkonzepte waren eingebettet in hierarchische Modelle, in denen das Irrationale eine untergeordnete Rolle einnimmt und psychische St\u00f6rungen als Folge einer Disinhibition des Irrationalen gesehen werden. Die Alternativkonzepte der zweiten H\u00e4lfte meines Beitrags waren eingebettet in parallele Modelle, in denen dem Irrationalen bzw. A-rationalen, wie ich es explizit nicht-wertend genannt habe, eine besondere Rolle dabei zukommt, wie wir einen Zugang zu anderen Menschen, zu unserer Existenz und zu Gott finden. Mit den letzten beiden Modellen, die sich auf existenzielle und mystische Erfahrungen bezogen, wollte ich auch herausarbeiten, dass a-rationale Erfahrungen von Menschen mit psychischen St\u00f6rungen zentrale Fragen des Menschseins betreffen und als Extremformen zutiefst menschlicher Erfahrungen begriffen werden k\u00f6nnen. Diese Sichtweise kann zur Entstigmatisierung psychischer St\u00f6rungen beitragen. Sie kann den Patienten helfen, ihr Leiden anders einzuordnen. Sie kann Angeh\u00f6rigen und Therapeuten helfen, eine offene Haltung gegen\u00fcber Menschen mit psychischen St\u00f6rungen einzunehmen. Und sie stellt uns alle vor die Frage, was die a-rationalen Erfahrungen dieser \u201ehellh\u00f6rigen\u201c, \u201ed\u00fcnnh\u00e4utigen\u201c, \u201edurchl\u00e4ssigen\u201c Menschen f\u00fcr uns bedeuten und was wir daraus vielleicht f\u00fcr unseren eigenen Zugang zur Wirklichkeit lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel hat zum Ziel, aus der Perspektive von Psychiatrie und Psychotherapie einen Beitrag zum Verst\u00e4ndnis von Irrationalit\u00e4t zu leisten. Das ist durchaus eine interessante Aufgabe. Denn in der Psychiatrie kommt der Begriff &#8222;Irrationalit\u00e4t\u201c praktisch nicht vor. 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