{"id":115144,"date":"2025-12-05T10:39:32","date_gmt":"2025-12-05T09:39:32","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=115144"},"modified":"2025-12-05T10:39:35","modified_gmt":"2025-12-05T09:39:35","slug":"im-herzen-barfuss-zur-lyrik-von-rainer-kunze","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/im-herzen-barfuss-zur-lyrik-von-rainer-kunze\/","title":{"rendered":"Barefoot at heart"},"content":{"rendered":"<p><em>GEISTLICHER W\u00dcRDENTR\u00c4GER,<br \/>\nK\u00dcNSTLERN INS GEWISSEN<\/em><\/p>\n<p><em>Er sagte nicht: seid<br \/>\n<\/em><em>sch\u00f6pfer<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Er sagte: dient<br \/>\n<\/em><em>dem glauben<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>So gering ist sein glaube<br \/>\n<\/em><em>in die sch\u00f6pfung\u00a0 (gedichte, 186)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Instrumentalisierung der Kunst ist immer eine Gefahr in Theologie und Kirche; Kunst ist nicht Bebilderung von feststehenden Wahrheiten, sondern das Jetzt einer Entdeckung: f\u00fcr\u00a0 Boccaccio ist das Decameron ein eigener Raum der Sch\u00f6pfung, in der Metanoia passiert, vergleichbar dem sch\u00f6pferischen Hexameron im Buch Genesis. Kunst ist nicht Nachahmung, sondern ein eigener Kosmos, sie ist nicht Verdoppelung der Welt, sondern ihre Verwandlung. Das soll am Beispiel der Lyrik von Reiner Kunze gezeigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Kraft der Metapher<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Ortega y Gasset stammt der Satz: das dichterische Bild ist das Sch\u00f6pfungsger\u00e4t, das Gott im Innern seiner Gesch\u00f6pfe verga\u00df. Reiner Kunze hat in seinen M\u00fcnchener Poetikvor\u00adlesungen darauf hingewiesen. \u201eNur wenigen Menschen ist origin\u00e4r\u2013sch\u00f6pferisches Bilddenken eigen, das zu Gedichten f\u00fchrt und nur relativ wenige bed\u00fcrfen des Gedichtes zum Leben, aber schon das Kind, das die Hand von der stacheligen Wange des Vaters zur\u00fcckzieht und ausruft: \u201aDu bist ein Igel!\u2019 denkt metaphorisch. Gott hat, um im Bild Ortega y Gassets zu bleiben, das Sch\u00f6pfungsger\u00e4t \u201aMetapher\u2019 tats\u00e4chlich in jedem von uns zur\u00fcckgelassen.\u201c (Das wei\u00dfe Gedicht, 61)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kunze hat diese Entdeckung in ein Gedicht transformiert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>NAMENS\u00c4NDERUNG<\/p>\n<p>Du stachelst du<br \/>\nbist ein igel<br \/>\n(der sohn)<\/p>\n<p>Ich bin ein igel<\/p>\n<p>Meine stacheln aber sind blumen ein<br \/>\nkindergeburtstagsstrau\u00df<\/p>\n<p>Schmetterlinge sitzen<br \/>\nauf und ab<\/p>\n<p>Vergi\u00df, mein sohn. Ich bin<br \/>\ndein vater nicht, bin nur<br \/>\nein igel der<\/p>\n<p>bl\u00fcht<em> (gedichte, 58)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier nimmt ein Vater die Metapher \u201eIgel\u201c seines Sohnes ernst und spinnt sie weiter: aus den Stacheln des Barts werden Blumen eines Kindergeburtstagsstrau\u00dfes, auf dem sich Schmetterlinge tummeln. Aus dem Vater wird wirklich ein neues Wesen, ein Igel, der bl\u00fcht. Also durchaus eine Namens\u00e4nderung, wie der Titel des Gedichts andeutet. Namens\u00e4nderungen kennen wir in der Bibel; so wird aus Abram Abraham, aus Saulus Paulus &#8211; Namens\u00e4nderungen gibt es aber auch durch den poetischen\/metaphorischen Blick, der eine neue Identit\u00e4t schaffen kann.<\/p>\n<p>Poesie entzaubert das Faktische als Faktum und ver\u00adzaubert es, l\u00e4sst die Wirklichkeit neu sehen. Wie so etwas sich in concreto ereignet, m\u00f6chte ich Ihnen an einem Beispiel zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Das Kauen der Worte<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahr 2005 haben wir in W\u00fcrzburg an der Katholisch-Theologischen Fakult\u00e4t eine Ring\u00advorlesung veranstaltet zum Thema \u201eEcclesia semper reformanda\u201c. Anlass daf\u00fcr war die Erinne\u00adrung an das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vor damals 40 Jahren und der W\u00fcrzburger Synode vor 30 Jahren. Ich habe mich daf\u00fcr intensiv mit der Gestalt von Papst Johannes XXIII. besch\u00e4ftigt und noch einmal sein \u201eGeistliches Tagebuch\u201c\u00a0 intensiv gelesen. In diesem Tagebuch fal\u00adlen zwei Haltungen auf: Zum einen das Meditieren des eigenen Sterbens. Giuseppe Roncalli hat immer schon diesen Punkt bedacht und die Endlichkeit seines Lebens verinnerlicht. Besonders nahe ging ihm der Tod seines Bischofs, dessen Sekret\u00e4r er war; Bischof Giacomo Radini Tedeschi (1857-1914) starb mit 57 Jahren. Und so hat Roncalli nach seinem 57. Geburtstag jedes Jahr als geschenktes Jahr begriffen. Es wurden ihm noch weitere 25 Jahre geschenkt. Daraus erwuchs f\u00fcr ihn eine Haltung der Dankbarkeit.<\/p>\n<p>Die zweite wichtige Haltung Johannes XXIII. war das Streben nach Einfachheit: die Einfachheit des Herzens und des Mundes. \u201eJe \u00e4lter ich werde, desto mehr konstatiere ich die W\u00fcrde und die \u00fcberw\u00e4ltigende Sch\u00f6nheit der Einfachheit sowohl im Denken wie im Tun und Reden. Es l\u00e4utert sich die Tendenz heraus, alles zu vereinfachen, das verwickelt ist: alles auf die h\u00f6chstm\u00f6gliche Urspr\u00fcnglichkeit und Klarheit zur\u00fcckzuf\u00fchren, ohne mich von Lappalien und k\u00fcnstlichen Winkelz\u00fcgen in Gedanken und Worten gefangenneh\u00admen zu lassen&#8220;. (Johannes XXIII., Geistliches Tagebuch und andere geistliche Schriften, Freiburg-Basel -Wien 1964, 304f.)<\/p>\n<p>Und er f\u00fcgt den Wahlspruch des hl. Johannes Chrysostomus an, der auch zu seinem eigenen geworden sei: \u201eSimplicem esse cum prudentia\u201c \u2013 mit Klugheit einfach sein. Diese Einfachheit, so Johannes XXIII., sei nicht Einf\u00e4ltigkeit, sondern der Inbegriff der Philosophie: \u201eculmen philosophiae\u201c. Ludwig Kaufmann, der Berichterstatter auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der langj\u00e4hrige Herausgeber der Zeitschrift &#8222;Orientierung&#8220;, hat 15 Jahre nach dem Tod von Johannes XXIII. die Roncallis auf ihrem Hof bei Bergamo besucht und festgestellt: \u201eSie wachsen auf zwischen Mais und Gerste, Hafer und Heu und zwi\u00adschen den Reben, wie eh und je, seit hier die Roncallis, bei der Geburt des Papstes noch P\u00e4chter, den Boden bebauen.\u201c Der Neffe des Papstes, Don Battista, der Priester in Rom war, erz\u00e4hlt, dass ihm Johannes XXIII. einen Tag nach der Papstwahl gesagt habe: \u201eIn Rom hast du nichts ver\u00adloren. Geh heim zu den Deinen.\u201c Von Anfang an hat Johannes XXIII. jeglichem Nepotismus abgesagt. Und der Neffe erz\u00e4hlt weiter, er habe den Onkel in Paris, wo er Nuntius gewesen war, besucht und sei erstaunt gewesen, wie er in der Welt der Diplomaten aufrichtig und authentisch blei\u00adben konnte. \u201eIndem ich immer die Wahrheit sage, obwohl die anderen das Gegenteil vermu\u00adten&#8220;, so gab er ihm zur Antwort. Doch den tieferen Grund habe er erst in einem Brief erfahren, den ihm der Onkel sp\u00e4ter schrieb. Darin \u201everriet\u201c er sein Geheimnis, das hinter seinem Umgang mit den sog. Gro\u00dfen dieser Welt stecke: \u201eWenn ich mit ihnen verhandle, denke ich immer an die Einfachheit unserer Felder, unserer Familien.\u201c<\/p>\n<p>Diese Entdeckungen habe ich Reiner Kunze geschickt und er hat sich mit folgenden Worten bei mir bedankt: \u201e\u00b4Indem ich immer die Wahrheit sage, obwohl die anderen das Gegenteil vermuten.` Gro\u00dfar\u00adtig. Aber der folgende Ausspruch ist ersch\u00fctternd und ich werde ihn hoffentlich nicht mehr aus dem Ged\u00e4chtnis verlieren (u. a. indem ich ihn oft zitieren werde): \u00b4Wenn ich mit ihnen verhandle, denke ich immer an die Einfachheit unserer Felder, unserer Familien.`\u201c (Brief vom 22. Dezember 2005)<\/p>\n<p>Dieser Satz traf Kunze in die Herzmitte, er erinnerte ihn an seine einfache Herkunft:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>UNSERE EOINFACHHEIT<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0&#8230; denke ich immer an die Einfachheit<br \/>\n<\/em><em>unserer Felder, unserer Familien.<br \/>\n<\/em><em>Johannes XXIII<\/em><\/p>\n<p>Unsere einfachheit hatte<br \/>\nnicht einmal felder<\/p>\n<p>Der wiesengrund, wo es den bergmannsfrauen war erlaubt,<br \/>\ndie w\u00e4sche zu bleichen, geh\u00f6rte<br \/>\ndem hauswirt<\/p>\n<p>Selbst \u00fcber die luft<br \/>\ngeboten andere:<\/p>\n<p>Auf das wei\u00dfe bettleinen<\/p>\n<p>rieselten schlotasche und ru\u00df,<br \/>\ndas gebleichte wurde<br \/>\nnachgewaschen<\/p>\n<p>Mit schwerem zinkasch ging&#8217;s<br \/>\nhinab die steilen kn\u00fcppelstufen und<br \/>\nhinauf, wo im waschhaus<br \/>\nder zuber stand<br \/>\nmit dem waschbrett<\/p>\n<p>Im schlafkammerschrank<br \/>\nan der hohen seite der dachschr\u00e4ge<br \/>\nlag im obersten w\u00e4schefach<br \/>\nganz hinten<br \/>\ndie bibel,<\/p>\n<p>ein hochzeitsgeschenk, das nicht hatte<br \/>\ngebleicht werden m\u00fcssen<\/p>\n<p>Niemals wurde das eingefaltete ende<br \/>\nder seidenen leseb\u00e4ndchen gel\u00f6st,<br \/>\ndoch stie\u00df der vater einen fluch aus,<br \/>\nwies die mutter ihn zurecht:<\/p>\n<p><em>Vers\u00fcndige dich nicht!<\/em><\/p>\n<p>So eine einfachheit war&#8217;s<br \/>\nmit so einem himmel <em>\u00a0(lindennacht, 12f.)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kunze hat den Ausspruch von Johannes XXIII. wirklich nicht mehr aus dem Ged\u00e4chtnis verloren, er hat ihn mit der eige\u00adnen Lebensgeschichte verwoben. Dieser Satz hat ihn so ersch\u00fcttert, weil er an eigene Erfah\u00adrungen r\u00fchrte. Die Einfachheit der Herkunft von Johannes XXIII. hat ihn, den Sohn eines Bergmannes in Th\u00fcringen, in der Herzmitte getroffen. Sein Leben war gepr\u00e4gt von Einfachheit, von Kohle und Kohlehalden, von Schlotasche und Ru\u00df. Nur etwas war davon unbefleckt: die Bibel. Sie konnte sogar versteckt werden, weil ihr Sinn in den Alltag leuchtete. Es gab nur dieses eine Buch im Haus Kunze. Das Wort lesen wurde bei den Kunzes identifiziert mit \u201eKohle lesen\u201c von den Kohlehalden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMeiner kindheit liehen ihre farben<br \/>\nkohle, gras und himmel<br \/>\nUnter dieser trikolore trat ich an,<br \/>\nein hungerfl\u00fcchter, s\u00fcchtig<br \/>\nnach sch\u00f6nem<em>\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier kann man nacherleben, wie aus einem Zitat, das immer wieder gekaut wird, gem\u00e4\u00df der alten Meditationsmethode der \u201eruminatio\u201c, eine eigene Erfahrung evoziert wird, die nach dem dem Lyriker angemessenen Ausdruck dr\u00e4ngt, dem Gedicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Nie mehr der L\u00fcge den Ring k\u00fcssen m\u00fcssen. Kunze und die Wahrheit<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer Kunze liest, kommt mit der Wahrheit in Ber\u00fchrung. Kunze hat Philosophie und Journalistik studiert. Er war wissenschaftlicher Assistent mit Lehrauftrag an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Journalistik an der Universit\u00e4t Leipzig. Kurz vor Promotionsabschluss gab er die Stelle auf: \u201eIch hatte begriffen, dass es nur darum geht, das Prinzip durchzusetzen, auch \u00fcber den Menschen hinweg.\u201c Er hielt sich als Hilfsschlosser \u00fcber Wasser und blieb auf dem Posten der Wahrheit: \u201eBleibe auf deinem Posten und hilf durch deinen Zuruf; und wenn man dir die Kehle zudr\u00fcckt, bleibe auf deinem Posten und hilf durch dein Schweigen.\u201c Dieses Seneca-Zitat hat Kunze als Motto seinem Gedichtband \u201ezimmerlautst\u00e4rke\u201c vorangestellt.<\/p>\n<p>Er hat in seinem Leben nie die Wahrheit erm\u00e4\u00dfigt zu einem bequemen sich Durchmogeln. 1968 nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes trat er aus der SED aus, ein Schritt, den er schon 1959 vollziehen wollte, aber aus R\u00fccksicht auf Freunde nicht tat. Der Parteiaustritt 1968 ist nach seiner K\u00fcndigung der Stelle an der Universit\u00e4t neun Jahre zuvor die zweite gro\u00dfe Z\u00e4sur in seinem Leben. Die Konsequenzen bekam er bald zu sp\u00fcren. Er wird zur persona non grata. Das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit, Bezirksverwaltung Gera, er\u00f6ffnet am 6. September den operativen Vorgang \u201eLyrik\u201c gegen Kunze. Er hat nach dem Fall der Mauer diesen Vorgang in Ausz\u00fcgen publiziert unter dem Titel \u201eDeckname Lyrik\u201c. Vorgeworfen wird ihm: er behaupte, die DDR sei ein gro\u00dfes Gef\u00e4ngnis, die Kulturpolitik sei eng und dogmatisch und er hege Sympathie f\u00fcr revisionistische und konterrevolution\u00e4re Auffassungen. 1973 erh\u00e4lt er den Gro\u00dfen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste. Man versucht, ihn von der Reise nach M\u00fcnchen abzubringen und verspricht ihm eine Wohnung und ein Grundst\u00fcck in der N\u00e4he von Berlin und ein Auto westlicher Fabrikation. Er lehnt ab. In seiner Dankrede ist Kunze vorsichtig. \u201eHier nimmt kein Oppositioneller einen Preis f\u00fcr Opposition entgegen, sondern ich habe die gro\u00dfe Freude, als Schriftsteller den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste entgegenzunehmen.\u201c<\/p>\n<p>Bei der Ver\u00f6ffentlichung des Manuskripts \u201eDie wunderbaren Jahre\u201c war ihm Karl Corino, Literaturredakteur beim HR, behilflich: er schmuggelte es von der Leipziger Buchmesse nach Frankfurt. Allerdings z\u00f6gerte der S. Fischerverlag. Corino bedr\u00e4ngte den Verleger: der Autor Kunze riskiere Kopf und Kragen, der Verlag habe in diesem Fall kein Recht auf Feigheit. Und er f\u00fcgte hinzu: das Buch atme etwas von der Haltung Luthers: \u201ehier stehe ich, ich kann nicht anders.\u201c Kunze habe zwar einen Wartburg, aber keine Wartburg, die ihn vor seinen Feinden sch\u00fctze. Nach dem Erscheinen der \u201eWunderbaren Jahre\u201c wurde Kunze am 20. November 1976 aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Und am 7. April 1977 stellte er den Antrag auf Entlassung aus der DDR-Staatsb\u00fcrgerschaft, der am 10. April genehmigt wurde. Der Pr\u00e4sident der Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung Hermann Kant kommentierte den Vorgang lapidar so: \u201eKommt Zeit, vergeht Unrat.\u201c<\/p>\n<p>In seinem Brief an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker schrieb Kunze: \u201eIn meinem Buch \u00b4Die wunderbaren Jahre\u00b4 habe ich nicht \u00fcber Randerscheinungen geschrieben. Es sind Erscheinungen aus der Mitte. Leider.\u201c<\/p>\n<p>Im selben Jahr bekam er den Georg-Trakl-Preis in Salzburg verliehen. In Salzburg h\u00e4lt er fest, dass er nun nie mehr der L\u00fcge den Ring k\u00fcssen m\u00fcsse. Wahrheit ist und bleibt f\u00fcr Kunze das Lebensthema. Und Poesie ist f\u00fcr ihn, au\u00dfer Wahrheit, vor allem Poesie. Die Wahrheitsfrage ist in seiner Lyrik unhintergehbar, denn Gedicht und L\u00fcge schlie\u00dfen einander aus, nicht deshalb, weil der Dichter ein besonders ehrlicher Mensch ist, sondern weil Poesie und Kalk\u00fcl einander widersprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Wer Kunze liest, begegnet der Liebe und der Stille<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1959, also vor fast 60 Jahren, bekam Reiner Kunze eine Postkarte aus Usti\u2018 nad Lebem (Aussig an der Elbe). Sie l\u00f6ste eine Korrespondenz von \u00fcber 400 Briefen aus. Die Absenderin war niemand anderer als seine sp\u00e4tere Frau Elisabeth. Sie war zweisprachig aufgewachsen und \u00fcbersetzte ihm Gedichte aus dem Tschechischen Wort f\u00fcr Wort. Kunze lernte die tschechische Literatur \u00fcber seine Frau kennen \u2013 ein doppelter Gewinn! \u201eDer Winkel, in dem das Licht an der Oberfl\u00e4che der tschechischen Literatur und Prosa austritt, wird bestimmt von einer lange anerlittenen Wehmut, einem feinen fatalistischen L\u00e4cheln, einem Zorn, der seine Stunde abwartet und selbsterl\u00f6sendem Humor\u201c \u2013 so Reiner Kunze.<\/p>\n<p>Vor allem die Gedichte Jan Sk\u00e1cels haben Reiner Kunze tief ber\u00fchrt und inspiriert. Und diesen Zugewinn an Leben und Sprache verdankte er seiner Frau. Und mehr als dies, sie hat ihm durch ihren Beruf \u2013 sie war Kieferorthop\u00e4din &#8211; seine Berufung als Schriftsteller erm\u00f6glicht. Von daher ist das Werk von Kunze voll von Liebesgedichten, sch\u00f6nen und abgr\u00fcndigen:<\/p>\n<p>BITTGEDANKE, DIR ZU F\u00dcSSEN<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stirb fr\u00fcher als ich, um ein weniges<br \/>\nfr\u00fcher<\/p>\n<p>Damit nicht du<br \/>\nden weg zum haus<br \/>\nallein zur\u00fcckgehn mu\u00dft<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und im bislang letzten Gedichtband \u201elindennacht\u201c \u2013 beim Gedanken an den Tod und das Zusammenbrechen der gemeinsamen Welt \u2013 formuliert Kunze einen tapferen Vorsatz:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>TAPFERER VORSATZ<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir wollen, wenn die stunde<br \/>\nnaht, mit ihr<br \/>\nnicht hadern<\/p>\n<p>M\u00f6glich, da\u00df irgendwann<br \/>\nbeim anblick eines leeren schuhs<br \/>\ndas universum<br \/>\n\u00fcber uns zusammenst\u00fcrzt<\/p>\n<p>Dann la\u00df uns denken an den fu\u00df,<br \/>\nzu dem der schuh geh\u00f6rte,<\/p>\n<p>und an das zehenspiel,<br \/>\ndas ungez\u00e4hlte male, als wir<br \/>\nbeieinanderlagen,<br \/>\ndas universum<br \/>\nzur\u00fcckkatapultierte<br \/>\nan seinen platz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Liebe: Halt finden an der Stille<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist keine Liebe, die er immer im Munde f\u00fchrt oder von der er vollmundig oder voyeuristisch spricht, sondern die er in aller Stille und im Alltag lebt. Als \u201eHandlanger der Stille\u201c ist Reiner Kunze in der Festschrift zu seinem 65. Geburtstag beschrieben worden.<\/p>\n<p>In Erlau, am Sonnenhang, hat er zusammen mit seiner Frau Elisabeth nach seiner Ausb\u00fcrgerung aus der DDR sein neues Zuhause gefunden, die inspirierende Stille an der Unbeirrbarkeit des Wassers der Donau. Seine W\u00f6rter stammen nicht von den W\u00fchltischen der Sprache, sie sind dem Tod abgeschwiegen.<\/p>\n<p>Der Liebe zu seiner Frau verdankt er auch die Freundschaft zum m\u00e4hrischen Autor Jan Sk\u00e1cel. Vor seiner Begegnung mit der tschechischen Literatur war Reiner Kunze ein DDR-Schriftsteller mit lupenreiner proletarischer Biografie.<\/p>\n<p>In dem Buch \u201eWidmungen\u201c schrieb er:<\/p>\n<p>Dem Dichter Jan Sk\u00e1cel<br \/>\nDas bed\u00fcrfnis des dichters, nach au\u00dfen<br \/>\netwas zu gelten, bricht in dem augenblick zusammen, in dem er begreift, was poesie ist (Widmungen, Bad Godesberg 1964, 50).<\/p>\n<p>Das Wort \u201eSchriftsteller\u201c wird hier zum ersten Mal durch Dichter ersetzt. Kunze erfuhr in der Begegnung mit Sk\u00e1cel seine poetische Berufung.<\/p>\n<p>Am 7. November 1989, kurz vor der Wende, schrieb Sk\u00e1cel Kunze einen letzten Brief. Darin stand: \u201eEs scheint, das Eis hat sich bewegt.\u201c Kurz darauf starb er. Kunze antwortete ihm postum mit dem Gedicht \u201eWenn du es wissen wolltest\u201c. Darin findet sich der Satz: \u201eDas Eis, mein lieber, ist geborsten.\u201c Doch das Ende der politischen Eiszeit hat die glazialen Ausl\u00e4ufer in den Herzen der Menschen keineswegs abgeschmolzen. Es ist nicht die Zeit der Nachdenklichkeit, der Besinnung oder der Dankbarkeit gefolgt. Kunze nennt daf\u00fcr einen Grund: \u201eDie menschen meiden die stille\/\/ Sie k\u00f6nnten in sich sonst\/ die schuld knien h\u00f6ren\u201c (gedichte 279). Wieder so ein Kunzewort: die Schuld knien h\u00f6ren. Ein erneuter Beweis daf\u00fcr: wer Kunze liest, bekommt staunende Augen. Das Staunen teilt er bis heute auch mit den Kindern, f\u00fcr die er immer wieder Gedichte und Kinderb\u00fccher verfasst hat &#8211; zuletzt \u201eWas macht die Biene auf dem Meer? Gedichte f\u00fcr Kinder\u201c (Frankfurt a.M. 2011).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Im Herzen barfu\u00df sein<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In seinen M\u00fcnchner Poetik-Vorlesungen hat Reiner Kunze ein Kapitel mit dem Titel \u201e\u00dcber das Nachdichten\u201c verfasst. Unter Nachdichten versteht er, \u201eein Gedicht so zu \u00fcbersetzen, da\u00df es in der Sprache, in die es \u00fcbersetzt wird, wie ein Original wirkt, und da\u00df dieses dem fremdsprachlichen Original h\u00f6chstm\u00f6glich gleicht. Nachdichten hei\u00dft, dasselbe zu schaffen, das ein anderes ist \u2013 ein Eigenes, das ein Fremdes bleiben mu\u00df\u201c.\u00a0 Er veranschaulicht das an einem \u00dcbersetzungsprozess eines Gedichtes von Jan Sk\u00e1cel.<\/p>\n<p>Kunze kommt schlie\u00dflich zu folgender \u00dcbertragung:<\/p>\n<p>Die laubigen laubfr\u00f6sche bitten laut\/ (der morgen stellt sich h\u00e4ufig taub und blind)\/ mit laub auf den stimmen mit zungen betaut\/ f\u00fcr alle die im herzen barfu\u00df sind (Das wei\u00dfe Gedicht, 73)<\/p>\n<p>Die Metapher \u201eIm Herzen barfu\u00df sein\u201c hat die Alttestamentlerin Ulrike Bail so ber\u00fchrt, dass sie Vers 6 des gro\u00dfen Wallfahrtspsalms 84 folgenderma\u00dfen \u00fcbersetzt hat: \u201eWohl denen, deren St\u00e4rke in dir gr\u00fcndet\/die in ihrem Herzen barfu\u00df zu dir unterwegs sind.\u201c Sie habe lange nach diesem poetischen Sprachbild gesucht, die w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung \u201ePilgerwege im Herzen haben\u201c sei ihr zu\u00a0 konventionell gewesen und viel zu binnenkirchlich.<\/p>\n<p>Als ich Reiner Kunze schrieb, dass sein Freund Jan Sk\u00e1cel nun zu biblischen Ehren aufgestiegen sei, antwortete er sehr verhalten. Er begriff sofort die Ambivalenz dieser Ehre: \u201eSo geehrt und ab sofort in der Gefahr, dieses geniale Bild der Bibel entlehnt zu haben. Aber er w\u00fcrde nur seine Rabenfl\u00fcgelbrauen zusammenziehen und in sich hineinl\u00e4cheln.\u201c (Brief vom 22. Dezember 2005)<\/p>\n<p>Nicht immer also sind Poeten begl\u00fcckt, wenn ihre Bilder kirchlich vereinnahmt werden oder gar in einer Bibel\u00fcbersetzung auftauchen. Sie bef\u00fcrchten eine Enteignung des eigenen Einfalls. Reiner Kunze hat seinem m\u00e4hrischen Dichterfreund Jan Sk\u00e1cel das Gedicht \u201eDichter sein\u201c gewidmet. Es formuliert seine eigene Poetik genauso wie die seines Freundes:<\/p>\n<p>DICHTER SEIN<\/p>\n<p>Entlang dem staunen\/siedelt das gedicht, da\/gehn wir hin\/\/ Von niemandem gezwungen sein, im brot\/anderes zu loben\/als das brot\u00a0 (gedichte, 206f.)<\/p>\n<p>Das Gedicht hat also einen Wohnort: entlang dem Staunen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine nichtpossessive Sprache f\u00fcr Gott: der Himmel<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reiner Kunze sagt von sich selber immer wieder, ihm sei keine Gotteserfahrung zuteil geworden. \u201eIch achte den Glauben anderer, mir selbst aber ist Gotteserfahrung bis heute nicht zuteil geworden. Sollten Sie allerdings darin, da\u00df ich f\u00fcr jedes Erwachen dankbar bin, auch wenn ich nicht wei\u00df, wem, ein religi\u00f6ses Empfinden erblicken, so habe ich dagegen nichts einzuwenden.\u201c\u2013 so in einem Gespr\u00e4ch mit der Herderkorrespondenz 1987 (Wo Freiheit ist, 96).<\/p>\n<p>Sein Gew\u00e4hrsmann in diesen Fragen ist kein Geringerer als Albert Camus. Dieser hatte im Dominikanerkloster von Latour-Maubourg 1948 einen Vortrag gehalten, in dem er fast mit den gleichen Worten auf die Gottesfrage reagierte. Er stellte fest, \u201eda\u00df ich mich nicht in Besitz irgendeiner absoluten Wahrheit oder einer Botschaft f\u00fchle und deshalb niemals vom Grundsatz ausgehen werde, die christliche Wahrheit sei eine Illusion, sondern nur von der Tatsache, da\u00df ich ihrer nicht teilhaftig zu werden vermochte\u2026 Ich werde also nicht versuchen, mich vor Ihnen als Christ zu geb\u00e4rden.\u201c Zur\u00fcckhaltung und Respekt sind auch die Haltungen Kunzes gegen\u00fcber dem Glauben.<\/p>\n<p>Ber\u00fchrungen mit der Religion gab es durchaus in der Kindheit Kunzes: \u201eMein Gro\u00dfvater, ein Steinkohlebergmann, der \u00fcber vierzig Jahre unter Tag gearbeitet hat, war ein gl\u00e4ubiger Mensch, und ich habe ihn geliebt. Ich habe ihn nie in die Kirche gehen sehen, aber ich sehe ihn noch heute am Fenster sitzen und pfeiferauchend die Bibel lesen. Der Himmel war f\u00fcr ihn ein Geheimnis, das ihn \u00fcberw\u00e4ltigte und dem er sich dem\u00fctig zu n\u00e4hern suchte.\u201c Ein Sonnenstrahl auf seinem Brot &#8211; er arbeitete als Bergmann unter Tag &#8211; konnte ihn mit Dankbarkeit erf\u00fcllen. Und als der Enkel einmal eine Kuh mit einem Stock schlug, sagte der Gro\u00dfvater nur: \u201eDu musst mit ihr reden\u201c, als spr\u00e4che der heilige Franziskus aus ihm. Eines Tages aber habe ihm eine Frau ein Buch mit H\u00f6llendarstellungen gezeigt und er habe entsetzt ausgerufen, das k\u00f6nne es nicht geben. \u201eVielleicht verlie\u00dfen mich an diesem Tag mit dem Teufel auch die Engel.\u201c Der Himmel wurde ihm verg\u00e4llt.<\/p>\n<p>Dass seine Poesie durchaus von Engeln und himmlischen M\u00e4chten bev\u00f6lkert ist, zeigt sein Gedicht \u201e Zuflucht noch hinter der Zuflucht\u201c:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>ZUFLUCHT NOCH HINTER DER ZUFLUCHT<\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>F\u00fcr Peter Huchel<\/p>\n<p>Hier tritt ungebeten nur der wind durchs tor<\/p>\n<p>Hier<br \/>\nruft nur gott an<\/p>\n<p>Unz\u00e4hlige leitungen l\u00e4\u00dft er legen<br \/>\nvom himmel zur erde<\/p>\n<p>Vom dach des leeren kuhstalls<br \/>\naufs dach des leeren schafstalls<br \/>\nschrillt aus h\u00f6lzerner rinne<br \/>\nder regenstrahl<\/p>\n<p>Was machst du, fragt gott<\/p>\n<p>Herr, sag ich, es<br \/>\nregnet, was<br \/>\nsoll man tun<\/p>\n<p>Und seine antwort w\u00e4chst<br \/>\ngr\u00fcn durch alle fenster <em>\u00a0\u00a0(gedichte, 130)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Gedicht \u201eZuflucht noch hinter der Zuflucht\u201c ist das letzte im Gedichtband \u201ezimmerlautst\u00e4rke\u201c, der 1972 erschienen ist (Das vorletzte ist Auf dich im blauen Mantel: das blaue Komma, das Sinn gibt). In dieser Zeit lebte Reiner Kunze in Greiz in Th\u00fcringen. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in Prag 1968 befand er sich unter st\u00e4ndiger Kontrolle \u2013 er\u00a0 hatte gegen den Einmarsch eindeutig Stellung bezogen. Er suchte, da f\u00fcr ihn Gefahr bestand verhaftet zu werden, Unterschlupf in einem Pfarrhaus und lebte dort versteckt. In dem Gedicht \u201ePfarrhaus\u201c hat er sich auf dieses Versteck bezogen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>PFARRHAUS<\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em>F\u00fcr pfarrer W.<\/p>\n<p>Wer da bedr\u00e4ngt ist findet<br \/>\nmauern, ein<br \/>\ndach und<\/p>\n<p>mu\u00df nicht beten<em> (gedichte, 118)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit mir f\u00fcr die Zeitschrift \u201eLebendige Seelsorge\u201c \u00e4u\u00dferte er sich zu den Hintergr\u00fcnden des Gedichtes so: \u201eUm mich vor einer Verhaftung zu bewahren, vermittelte mich der Superintendent von Greiz, von Frommannshausen, zu dem uns unbekannten Pfarrerehepaar Margot und Hans-Joachim Wuth in Ponitz, das mich mehrere Wochen versteckte. Nicht einmal meine Frau wusste, wo ich war, Sie wusste nur, ich war beh\u00fctet. In diesem Pfarrhaus war ich angenommen ohne eine Frage nach meinem Glauben oder Nichtglauben.\u201c<\/p>\n<p>Der innere Monolog im Gedicht Zuflucht noch hinter der Zuflucht verleiht dem Versteck geradezu g\u00f6ttliche Attribute: Man muss nichts leisten, nichts tun und erf\u00e4hrt in aller Bedrohtheit doch ein Gef\u00fchl des Schutzes. Der niederprasselnde Regen, seine schrillen T\u00f6ne \u2013 eigentlich eine St\u00f6rung im Schreiben \u2013, sie werden zum Segen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Poesie als Leerstelle<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Poesie ist die gestaltete Leerstelle f\u00fcr eine Wirklichkeit jenseits aller sichtbaren Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Vielleicht wird gerade an diesem Gedicht deutlich, dass das Schreiben Kunzes Resonanzen auf Transzendentes aufweist. Allerdings verbirgt sich dahinter kein ausformulierter Glaube, sondern eher ein Staunen, ein Gef\u00fchl der Dankbarkeit und der Kongruenz von Ethos und Leben. Michel de Certeau hat einen solchen Glauben als \u201eGlaubensSchwachheit\u201c umschrieben. Das ist kein defizit\u00e4rer Glaube, sondern eine starke Resonanz auf alles, was gr\u00f6\u00dfer ist als ich selber. Kunzes Poesie ist eine Poesie mit offenem Himmel. Zwei Gedichten hat Kunze den Titel \u201eDer Himmel\u201c vorangestellt: einem gleichnamigen Gedicht \u201eDer Himmel\u201c und dem zweiten mit der \u00dcberschrift \u201eDann\u201c:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der Himmel<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schirm der schirme, geschm\u00fcckt<br \/>\nmit vogelz\u00fcgen<\/p>\n<p>St\u00fcck f\u00fcr st\u00fcck<br \/>\ntrennen wir heraus<br \/>\naus der blauen seide \u00a0(Reiner Kunze, gedichte, Frankfurt a. M. 2001, 282)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Himmel geh\u00f6rt zur Alltagssprache. Wir schauen auf zum Himmel, leben unter ihm wie unter einem Schirm. Wir kennen auch himmlische Erfahrungen, bei denen wir etwas herausschneiden aus der blauen Seide des Himmels. Dieser sch\u00f6nen Vorstellung wird ein \u201eDann\u201c entgegengesetzt:<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Dann<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eines tages wird uns in der seele fr\u00f6steln,<br \/>\nund die landschaft wird uns zu knapp sein,<br \/>\num sie zusammenzuziehen<br \/>\n\u00fcber der brust<\/p>\n<p>Dann werden wir die s\u00e4ume abgreifen,<br \/>\nob etwas eingeschlagen ist (Ebd. 283)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Himmel auf Erden, der durch das Herausschneiden aus der blauen Seide schon jetzt erfahrbar wird, wird mit dem \u201eeines tages\u201c kontrastiert: die Erfahrung einer Krise, einer seelischen Not scheint angesprochen, alles Erfahrene, mag es noch so sch\u00f6n und \u00fcberw\u00e4ltigend gewesen sein, wird in diesem Augenblick zu eng, zu knapp, zu wenig: man greift den Saum der Decke aller Erfahrungen ab, ob noch etwas eingeschlagen ist, das gerade jetzt w\u00e4rmt und zudeckt \u00fcber alles bisher Erfahrene hinaus.<\/p>\n<p>Der \u201efromme Atheist\u201c Reiner Kunze findet Bilder f\u00fcr den Himmel, die nach aller Religionskritik neu m\u00f6glich sind. Der Himmel wird nicht wie bei Heinrich Heine den Engeln und den Spatzen \u00fcberlassen, sondern vom Menschen angeeignet. Dabei ist die Unterscheidung von \u201esky\u201c und \u201eheaven\u201c nicht unwichtig. Der Himmel als \u201esky\u201c ist geziert mit Vogelz\u00fcgen, der Himmel als \u201eheaven\u201c bleibt eine f\u00fcr den Menschen unverzichtbare Imagination, in die er nicht nur seine Erfahrungen hineinliest, sondern auch seine Transzendenzen herausschneidet.<\/p>\n<p>Charles Taylor hat in seiner magistralen Studie \u201eEin s\u00e4kulares Zeitalter\u201c (Frankfurt a. M. 2009) die Entzauberung einer einst verzauberten Welt beschrieben, den Weg vom por\u00f6sen Selbst der verzauberten Welt zum abgepufferten Selbst der Neuzeit. Die s\u00e4kulare Zeit ist zu einem stahlharten Geh\u00e4use geworden. Fr\u00fcher war die s\u00e4kulare Zeit aufgesprengt durch eine h\u00f6here Zeit: <em>illud tempus<\/em> nannte man sie im Lateinischen. \u201eSie sammelten normale Zeit, sie versammelten sie, ordneten sie neu und unterbrachen sie.\u201c (101) Der Satz <em>In illo tempore<\/em> vor jeder Evangeliumsperikope bedeutete nichts anderes als ein Gleichzeitigwerden mit der Zeit Jesu. Heute sind wir nur noch unsere Zeitgenossen. Taylor prognostiziert, dass die Immanenzatmosph\u00e4re neu die Sehnsucht nach Erfahrungen jenseits unserer Grenzen auspr\u00e4gen wird. Es wird zum \u00dcberschreiten des \u201egepufferten Selbst\u201c kommen. Es wird uns in der Seele fr\u00f6steln \u2013 um es mit der Sprache von Reiner Kunze auszudr\u00fccken \u2013 und wir werden die S\u00e4ume abgreifen, ob etwas eingeschlagen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Kunze und die Lyrik<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ein Gedicht vermag, hat Kunze in seiner Dankrede zur Verleihung des Hanns-Martin-Schleyer-Preises am 14. Mai 1991 ausgesprochen. Er nahm sich dabei das Gedicht \u201eDie Wasseramsel\u201c von Christina Busta zu Hilfe:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wasseramsel<\/p>\n<p>Nur einmal<br \/>\nhat sich die wasseramsel gezeigt.<br \/>\nEs strahlte<br \/>\ndas Wei\u00df an ihrer Brust.<\/p>\n<p>Wo sie hinabgetaucht ist,<br \/>\nkann uns der Flu\u00df<br \/>\nnie wieder dunkel werden (Unterwegs zu \u00e4lteren Formen. Gedichte, Salzburg 1965)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wo ein Gedicht in uns hinabgetaucht ist wie dieses, kann uns die Seele nie wieder dunkel werden. Das Gedicht vermittelt einen Schauder, der uns dem Leben in die Arme treibt.<\/p>\n<p>Das Gedicht ist Fassung eines erlebten Augenblicks und verleiht ihm Dauer. Wer mit Gedichten lebt, lebt reicher. Das poetische Bild ist eine Verschr\u00e4nkung von Wirklichkeiten, die im Leben nie zusammenk\u00e4men. Das Gedicht ist auf existentielle Wahrheit aus: Gedicht und L\u00fcge schlie\u00dfen sich aus. Was ein Gedicht zu bewirken vermag, ist ein Fast-Nichts. Diese Ohnmacht ist seine Kraft. Die Absichtslosigkeit ist seine Absicht: ein Paradox. Unter \u00e4u\u00dferem Druck entsteht kein Gedicht. Es entsteht in einem anderen Auftrag. Das hat Reiner Kunze Marcel Reich-Ranicki zu verstehen gegeben:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Apfel f\u00fcr M.R.-R.<\/p>\n<p>Ich finde, es ist h\u00f6chste Zeit, da\u00df es wieder etwas<\/p>\n<p>Neues von Ihnen zu lesen gibt.<\/p>\n<p>(M.R.-R., brief vom 12. dezember 1978)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bitte, lassen Sie von sich h\u00f6ren und schicken Sie<\/p>\n<p>mir Manuskripte, denn es ist ja nun h\u00f6chste Zeit,<\/p>\n<p>da\u00df es in unserer Zeitung etwas von Ihnen zu<\/p>\n<p>lesen gibt.<\/p>\n<p>(M. R.-R., brief von 29. mai 1980)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6chste zeit kommt von innen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6chste zeit ist, wenn die kerne<br \/>\nsch\u00f6n schwarz sind<\/p>\n<p>Und das wei\u00df zuerst<br \/>\nder baum (Reiner Kunze, gedichte, Frankfurt a. M. 2001, 185)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gedichte brauchen Zeit, Eigen-zeit, Reifungs-zeit. Deshalb hat es 11 Jahre gedauert bis zum n\u00e4chsten Gedichtband von Kunze, der im Juli erscheinen wird. Kunze ist nat\u00fcrlich zur\u00fcckhaltend, dazu N\u00e4heres zu sagen. Als ich ihn einmal vor einer Lesung anfragen wollte, ob er schon wisse, was er lesen werde, schrieb er mir sibyllinisch: \u201eW\u00fc\u00dfte ich nicht, was ich lesen werde, w\u00e4re es um meinen Nachtschlaf geschehen. Die Texte sitzen wie H\u00fchner auf der Stange. Aber der Stallschieber wird erst bei der Lesung hochgezogen\u201c. So ist es auch mit dem neuen Gedichtband. Wir kennen aus dem neuen Lyrikband nur einige Gedichte, die Kunze in der Neuen Rundschau ver\u00f6ffentlicht hat unter dem Titel \u201eUkrainische Nacht\u201c. Es finden sich darin Reminiszenzen an Cernowitz, an Paul Celan, Rose Ausl\u00e4nder sowie an Selma Meerbaum-Eisinger. Ein weiteres Gedicht kann ich Ihnen allerdings noch verraten, Kunze hat es mir zum 65. Geburtstag vor zwei Jahren gewidmet:<\/p>\n<p>In einer Karte vom 27. M\u00e4rz 2018 schrieb mir Reiner Kunze: \u201eAuf den Rest Himmel m\u00fcssen Sie noch bis Juli warten. Er wird mit der Post kommen.<br \/>\nSehr, sehr herzlich<br \/>\nIhr Reiner Kunze.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GEISTLICHER W\u00dcRDENTR\u00c4GER, K\u00dcNSTLERN INS GEWISSEN Er sagte nicht: seid sch\u00f6pfer \u00a0 Er sagte: dient dem glauben \u00a0 So gering ist sein glaube in die sch\u00f6pfung\u00a0 (gedichte, 186) &nbsp; Die Instrumentalisierung der Kunst ist immer eine Gefahr in Theologie und Kirche; Kunst ist nicht Bebilderung von feststehenden Wahrheiten, sondern das Jetzt einer Entdeckung: f\u00fcr\u00a0 Boccaccio ist&hellip;<\/p>","protected":false},"author":5,"featured_media":95612,"menu_order":259,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-115144","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","focus-area-literatur"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - 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