{"id":115147,"date":"2025-12-05T10:53:33","date_gmt":"2025-12-05T09:53:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=115147"},"modified":"2025-12-05T10:53:36","modified_gmt":"2025-12-05T09:53:36","slug":"wie-kann-der-satan-dem-menschen-gott-austreiben-ijob-und-faust-ein-vergleich","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/wie-kann-der-satan-dem-menschen-gott-austreiben-ijob-und-faust-ein-vergleich\/","title":{"rendered":"Wie kann der Satan dem Menschen Gott austreiben?"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Der Prolog im Himmel<\/strong><\/h3>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Zu den auff\u00e4lligsten Parallelen zwischen dem Buch Ijob und Goethes Faust geh\u00f6rt zweifelsohne der Prolog im Himmel. Das Buch Ijob erz\u00e4hlt die Geschichte eines Mannes namens Ijob, der von schwerem Leid getroffen wird: Er verliert seinen Besitz, seine Dienerschaft und seine Kinder (1,13-19) und wird schlie\u00dflich am ganzen Leib mit Aussatz geschlagen (2,7). Den Hintergrund dieser Schicksalsschl\u00e4ge bildet eine Disputation im Himmel zwischen Gott und dem Satan (1,6-12; 2,1-6). Mit dem Gespr\u00e4ch zwischen Gott und dem Satan setzt die Handlung des Ijobbuches ein:<\/p>\n<p>\u201eNun geschah es eines Tages, da kamen die Gottess\u00f6hne, um vor den Herrn hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan. Der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her. Der Herr sprach zum Satan: \u201eHast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde: ein Mann untadelig und rechtschaffen, er f\u00fcrchtet Gott und meidet das B\u00f6se. Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott f\u00fcrchtet? Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum besch\u00fctzt? Das Tun seiner H\u00e4nde hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land. Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus und r\u00fchr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen. Der Herr sprach zum Satan: Gut, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus! Darauf ging der Satan weg vom Angesicht des Herrn\u201c (Ijob 1,6-12).<\/p>\n<p>Nach der <em>Zueignung<\/em> und dem <em>Vorspiel<\/em> folgt in Goethes Faust der <em>Prolog im Himmel<\/em>. Die Anspielung an den Prolog im Ijobbuch ist offenkundig. In beiden Prologen steht das Gespr\u00e4ch zwischen Gott und dem Satan respektive zwischen Gott und Mephisto im Zentrum. Die Person, um die es dabei geht, wei\u00df von diesem Gespr\u00e4ch nichts: Weder Ijob noch Faust wissen, dass \u00fcber sie im Himmel verhandelt wird. Zwischen Gott und dem Satan kommt es \u2013 zumindest wird es gew\u00f6hnlich so gedeutet \u2013 zu einer Wette, der ber\u00fchmten \u201eWette im Himmel\u201c. Die Vereinbarung zwischen Gott und dem Satan besteht in beiden F\u00e4llen darin, dass der Protagonist auf der Erde, also Ijob bzw. Faust, einem Test unterworfen werden soll. Mit ihm soll ein Experiment veranstaltet werden. Derjenige, der sich anschickt, das Experiment durchzuf\u00fchren, ist der Satan bzw. Mephisto; derjenige, der die Erlaubnis dazu erteilt, ist Gott; und derjenige, mit dem das Experiment durchgef\u00fchrt werden soll, ist Ijob bzw. Faust. Von der Personenkonstellation her gesehen liegt also eine klare Parallele zwischen den beiden Prologen vor.<\/p>\n<p>Dass Goethe hier gezielt an das Ijobbuch anspielt, zeigt sich an einigen weiteren Besonderheiten. In beiden Erz\u00e4hlungen wird Gott mit der Bezeichnung \u201eder Herr\u201c wiedergegeben (im hebr\u00e4ischen Text liegt der Gottesname vor, der in den deutschen \u00dcbersetzungen im Anschluss an Septuaginta und Vulgata gew\u00f6hnlich mit \u201eder Herr\u201c \u00fcbersetzt wird). Ferner bezeichnet der Herr Ijob bzw. Faust als \u201emeinen Knecht\u201c.<\/p>\n<p>Auch inhaltlich besteht zwischen den beiden Wetten eine grundlegende Gemeinsamkeit. Es geht in beiden F\u00e4llen um eine Kl\u00e4rung, um eine Vereindeutigung. Gekl\u00e4rt werden soll das Verh\u00e4ltnis des Protagonisten zu Gott. Allerdings sind die Voraussetzungen dieser Kl\u00e4rung auf Seiten der beiden Hauptfiguren unterschiedlich, ja sogar gegens\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Ijob und Faust \u2013 zwei unterschiedliche Charaktere<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ijob wird in der Erz\u00e4hlung als gerecht und gottesf\u00fcrchtig vorgestellt (1,1-5). Doch der Satan vermutet, Ijobs Fr\u00f6mmigkeit sei eigenn\u00fctzig; er diene Gott allein deshalb, weil er pers\u00f6nlich einen Vorteil davon habe: \u201eGeschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott f\u00fcrchtet? Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum besch\u00fctzt?\u201c Der Satan \u00e4u\u00dfert also den Verdacht, Religion funktioniere nach dem Prinzip des <em>Do ut des<\/em>, dem gegenseitigen gesch\u00e4ftlichen Austausch. Konsequent durchdacht hei\u00dft das, Ijob liebe nicht Gott, sondern nur sich selbst. Um den Vorwurf zu \u00fcberpr\u00fcfen, gestattet Gott dem Satan, Ijob schweres Leid zuzuf\u00fcgen. Damit steht die Frage im Raum, ob Ijob Gott auch dann noch dient, wenn er pers\u00f6nlich keinen Vorteil davon hat. Es geht um die Frage, ob er bereit und in der Lage ist, Gott um seiner selbst willen zu lieben.<\/p>\n<p>Bei Faust ist die Lage eine andere. Faust wird bereits im Prolog als eine schwankende, als eine zerrissene Pers\u00f6nlichkeit gezeichnet. Er ist zerrissen zwischen der Liebe zu Gott und der Liebe zur Welt. Im Munde Mephistos klingt das so:<\/p>\n<p>Vom Himmel fordert er die sch\u00f6nsten Sterne<br \/>\nUnd von der Erde jede h\u00f6chste Lust.<\/p>\n<p>Der Herr widerspricht der Analyse Mephistos nicht. Er rechnet allerdings damit, dass es ihm gelingen wird, Faust in die Klarheit zu f\u00fchren, das hei\u00dft: ihn ganz auf seine, die g\u00f6ttliche Seite zu ziehen, ihn zu einem Gl\u00e4ubigen zu machen, der dem Herrn vorbehaltlos dient:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient:<br \/>\nSo werd\u2019 ich ihn bald in die Klarheit f\u00fchren.<br \/>\nWei\u00df doch der G\u00e4rtner, wenn das B\u00e4umchen gr\u00fcnt,<br \/>\nDa\u00df Bl\u00fct\u2019 und Frucht die k\u00fcnft\u2019gen Jahre zieren<\/p>\n<p>An dieser Stelle nun hakt Mephisto ein und gibt eine gegenteilige Prognose. Dabei schl\u00e4gt er die ber\u00fchmte Wette vor und sagt zum Herrn:<\/p>\n<p>Was wettet ihr? den sollt ihr noch verlieren,<br \/>\nWenn ihr mir die Erlaubnis gebt<br \/>\nIhn meine Stra\u00dfe sacht zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Der Herr l\u00e4sst sich auf die Wette ein. Er gestattet Mephisto, Faust auf seine, also Mephistos Wege zu f\u00fchren. Zugleich ist er sich sicher, dass Faust der Versuchung standhalten wird:<\/p>\n<p>Nun gut, es sei dir \u00fcberlassen!<br \/>\nZieh diesen Geist von seinem Urquell ab,<br \/>\nUnd f\u00fchr\u2019 ihn, kannst du ihn erfassen,<br \/>\nAuf deinem Wege mit herab,<br \/>\nund steh\u2019 besch\u00e4mt, wenn du bekennen musst:<br \/>\nEin guter Mensch in seinem dunklen Drange<br \/>\nIst sich des rechten Weges wohl bewusst.<\/p>\n<p>Mephisto hingegen ist sich <em>seiner<\/em> Sache sicher und entgegnet:<\/p>\n<p>Mir ist f\u00fcr meine Wette gar nicht bange.<\/p>\n<p>Vom Ausgangspunkt der Erz\u00e4hlung her gesehen sind Ijob und Faust zwei unterschiedliche Charaktere. Ijob ist mit sich, seiner Welt und mit Gott im Reinen. Der Satan versucht, zwischen Ijob und Gott einen Keil zu schieben. Der Kreislauf eines gegenseitigen Gebens und Nehmens soll unterbrochen werden. Der Satan \u00e4u\u00dfert den Verdacht, dass es mit der Fr\u00f6mmigkeit Ijobs, wenn es ernst wird, nicht weit her ist.<\/p>\n<p>Anders Faust: Er wird von Beginn an als eine innerlich zerrissene Pers\u00f6nlichkeit gezeichnet. In ihm wird ein grundlegender Fehler in der Sch\u00f6pfung sichtbar. Der Mensch, so h\u00e4lt Mephisto dem Herrn vor, ist eine Fehlkonstruktion:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Sonn\u2019 und Welten wei\u00df ich nichts zu sagen,<br \/>\nIch sehe nur wie sich die Menschen plagen.<br \/>\nDer kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,<br \/>\nUnd ist so wunderlich als wie am ersten Tag.<br \/>\nEin wenig besser w\u00fcrd\u2019 er leben,<br \/>\nH\u00e4tt\u2019st du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;<br \/>\nEr nennt\u2019s Vernunft und braucht\u2019s allein,<br \/>\nNur tierischer als jedes Tier zu sein.<\/p>\n<p>Von einem Fehler in der Sch\u00f6pfung ist im Prolog des Ijobbuches keine Rede. Allerdings wird f\u00fcr Ijob die Sch\u00f6pfung in dem Moment fraglich, da er von schwerem Leid getroffen wird, obwohl er kein Unrecht getan hat. Das Leiden des Gerechten stellt die gerechte Weltordnung infrage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Zwei unterschiedliche Wege zur Gott-Losigkeit<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>So stehen bei aller Gemeinsamkeit zwischen Ijob und Faust doch zwei unterschiedliche Fragen im Hintergrund. Der bedeutendste Unterschied scheint mir nun darin zu liegen, dass der Satan und Mephisto auf zwei einander entgegenstehenden Wegen versuchen, den Protagonisten von Gott wegzuf\u00fchren: Im Ijobbuch geht der Weg \u00fcber das Ungl\u00fcck, im Faust \u00fcber das Gl\u00fcck. Goethe greift das Ijob-Motiv auf, kehrt es jedoch in charakteristischer Weise um: Durch irdische Erf\u00fcllung soll Faust von seinem g\u00f6ttlichen <em>Urquell<\/em> abgebracht werden. Faust soll ganz und gar zum B\u00fcrger dieser Welt werden. Er soll die F\u00fclle des Daseins genie\u00dfen. Sein Streben zum Himmel soll umgebogen werden auf ein nie endendes Streben nach vorn. Darin soll sein Transzendenzbezug zur Erf\u00fcllung kommen: \u201eWer immer strebend sich bem\u00fcht \/ Den k\u00f6nnen wir erl\u00f6sen\u201c (399). Bei Faust geht es darum, dem Protagonisten durch einen erf\u00fcllten Weltbezug seine Gottesgedanken auszutreiben.<\/p>\n<p>Durch das Leid ist auch Ijobs Weltbezug zutiefst gest\u00f6rt. Er kann in der Welt nicht mehr die gerechte Ordnung Gottes erkennen: \u201eDie Erde ist in Frevlerhand gegeben, das Gesicht ihrer Richter deckt er zu. Ist er es nicht, wer ist es dann?\u201c (9,24). In dieser Klage Ijobs kommt ein ungeheurer Vorwurf zum Ausdruck. Die Erde ist nicht in die Hand eines gerechten Richters, sondern in die Hand eines Frevlers gegeben. Das hei\u00dft: Gott ist ein Frevler, ein Verbrecher. \u201eIst er es nicht, wer ist es dann?\u201c &#8211; damit wird die biblische Sch\u00f6pfungstheologie geradezu auf den Kopf gestellt.<\/p>\n<p>Ijob ger\u00e4t in eine vollst\u00e4ndige Entfremdung, in eine Entfremdung von sich selbst, von seiner sozialen Umwelt (seinen Freunden und Verwandten), von der Sch\u00f6pfung und von Gott. Und doch zeichnet das Buch einen Weg, der aus dieser Entfremdung herausf\u00fchrt. Dieser Weg \u2013 und darin unterscheidet sich Ijob von Faust \u2013 f\u00fchrt \u00fcber Gott, allerdings \u00fcber einen Gott, der zun\u00e4chst als ein \u201eGott gegen Gott\u201c in das Bewusstsein des Protagonisten tritt. Schauen wir uns eine Schl\u00fcsselpassage aus dem Ijobbuch n\u00e4her an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der Zeuge im Himmel (Ijob 16,18-22)<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>18\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 O Erde, deck mein Blut nicht zu \/ und ohne Ruhest\u00e4tte sei mein Klageschrei!<\/p>\n<p>19\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nun aber, seht: Im Himmel ist mein Zeuge, \/ mein B\u00fcrge in den H\u00f6hen!<\/p>\n<p>20\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Da meine Freunde mich verspotten, \/ blickt zu Gott hin schlaflos mein Auge.<\/p>\n<p>21\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Recht schaffe er dem Mann bei Gott \/ und einem Menschen bei seinem Freund.<\/p>\n<p>22\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Denn nur noch wenige Jahre werden kommen, \/ dann muss ich den Weg gehen ohne Wiederkehr.<\/p>\n<p>Wenn Blut vergossen wird, schreit es \u2013 so die biblische Vorstellung \u2013 vom Erdboden empor, auf dass ein R\u00e4cher dem Opfer zu seinem Recht verhelfen und die zerst\u00f6rte Rechtsordnung wiederherstellen m\u00f6ge. Es ist die ureigenste Aufgabe Gottes, f\u00fcr die Opfer einzutreten, die keinen Rechtshelfer haben. \u201eDas Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden\u201c, sagt der Herr zum Bruderm\u00f6rder Kain (Gen\u00a04,10). Mit dem Schrei von Vers 18 m\u00f6chte Ijob seinen \u201eFall\u201c offenhalten und seinen Rechtsanspruch einklagen. Die Zeit dr\u00e4ngt, denn er wird nicht mehr lange leben (Vers 22). Seine Hoffnung setzt er auf einen Zeugen im Himmel (Vers 19). Wer ist dieser Zeuge? Ein Zeuge wird angerufen, wenn zwei Parteien miteinander streiten und keine Einigung in Sicht ist. Der Zeuge steht au\u00dferhalb des Streites. Er kann den Sachverhalt bezeugen, der f\u00fcr die Kl\u00e4rung der Auseinandersetzung von ausschlaggebender Bedeutung ist.<\/p>\n<p>Vergegenw\u00e4rtigen wir uns die Lage, in der sich Ijob befindet. Er liegt mit Gott im Streit. Er f\u00fchlt sich von Gott angegriffen: \u201eWie ein Krieger st\u00fcrmt er gegen mich an\u201c (16,14). Der Angriff Gottes ist in den Augen Ijobs zutiefst ungerecht, da er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. In der unmittelbar vorangehenden Klage stellt Ijob \u2013 entgegen den Unterstellungen seiner Freunde \u2013 dies noch einmal unmissverst\u00e4ndlich klar: \u201eKein Unrecht klebt an meinen H\u00e4nden und mein Gebet ist lauter\u201c (16,17). In dieser Situation bekennt Ijob: \u201eNun aber, seht: Im Himmel ist mein Zeuge, mein B\u00fcrge in den H\u00f6hen\u201c (Vers 19). Wer ist dieser Zeuge?<\/p>\n<p>Wir befinden uns an einer Schl\u00fcsselstelle des Ijobbuches. Es findet ein innerer Kl\u00e4rungsprozess statt. In Ijob bricht die Gewissheit durch, dass es noch einen \u201eanderen Gott\u201c gibt als den, \u201eder ihn in die Hand der Frevler st\u00f6\u00dft\u201c (16,11). Diesen \u201eanderen Gott\u201c bekennt Ijob als \u201eseinen Zeugen im Himmel\u201c und \u201eseinen B\u00fcrgen in den H\u00f6hen\u201c (Vers 19). Zu diesem Gott hin blickt schlaflos sein Auge (Vers 20). Dieser Gott m\u00f6ge Recht verschaffen \u201edem Mann\u201c, das hei\u00dft: Ijob, und zwar \u201ebei Gott\u201c, das hei\u00dft: bei <em>dem<\/em> Gott, der Ijob zerschmettert (16,12) und bei den Freunden, die Ijob verspotten (Vers 21). Erstmals bekennt sich Ijob \u2013 \u00fcber die Br\u00fccke des Zeugen \u2013 ausdr\u00fccklich zu einem \u201eGott gegen Gott\u201c.<\/p>\n<p>Was hier abl\u00e4uft, l\u00e4sst sich als innere <em>Kl\u00e4rung des Gottesbildes<\/em> verstehen. Wenn wir in aller N\u00fcchternheit auf die Ijoberz\u00e4hlung schauen, m\u00fcssen wir feststellen: Die Gottesfeindschaft, die Ijob erf\u00e4hrt, stimmt nicht mit dem \u00fcberein, was der allwissende Erz\u00e4hler sagt. Nirgendwo wird auf der Ebene der <em>Erz\u00e4hlung <\/em>gesagt, dass <em>Gott<\/em> Ijob <em>geschlagen oder angegriffen <\/em>habe. Ijob sagt das, aber nicht der Erz\u00e4hler. Auf der Ebene der Erz\u00e4hlung wird Ijob vom<em> Satan<\/em> geschlagen, nicht von Gott. Genau genommen handelt es sich also um eine <em>Deutung<\/em>, die Ijob dem, was ihm widerf\u00e4hrt, gibt. Sie stimmt nicht mit dem \u00fcberein, was uns der allwissende Erz\u00e4hler als objektive Wirklichkeit vermittelt. Das mag zynisch klingen, weil wir uns verst\u00e4ndlicherweise nur allzu gern mit Ijob identifizieren, uns auf seine Seite stellen, da wir schweres Leid, das uns trifft, \u00e4hnlich deuten wie er. Aber hier liegt ein Problem, das im Ijobbuch mutig angegangen wird und dem wir uns zu stellen haben, wenn wir das Buch ernst nehmen und an seiner L\u00f6sung teilhaben wollen. In Ijob vollzieht sich ein Prozess der Kl\u00e4rung, bei dem der Unterschied zwischen dem, was er wahrnimmt, und dem, was wirklich ist, immer deutlicher hervortritt. In Ijob bricht die Erkenntnis durch, dass es noch einen \u201eanderen Gott\u201c gibt als den, von dem er meint, dass er ihn verfolge. Da es aber in der Tradition, aus der heraus Ijob spricht, neben dem <em>einen<\/em> Gott keinen anderen Gott gibt, ist der \u201eandere Gott\u201c, den Ijob als Zeugen anruft, kein anderer als der <em>eine<\/em>, wahre Gott, der \u201eihm Recht verschafft\u201c: \u201eNemo contra Deum, nisi Deus ipse\u201c (\u201eNiemand gegen Gott au\u00dfer Gott selbst\u201c) \u2013 dieses Wort unbekannter Herkunft, mit dem Goethe im 20.\u00a0Buch von \u201eDichtung und Wahrheit\u201c das D\u00e4monische zusammenfassend kennzeichnet, k\u00f6nnte auch als \u00dcberschrift \u00fcber Ijob\u00a016,18-22 stehen. Diese zun\u00e4chst paradox klingenden Worte deuten darauf hin, dass Ijob von der Vorstellung, Gott w\u00fcrde ihn verfolgen, befreit wird. Die Erfahrung bricht in unserem Abschnitt blitzartig durch, doch es braucht noch viel Zeit und Leid, bis sie in Ijob zu einer tragenden und bleibenden Gestalt gefunden hat.<\/p>\n<p>In Ijobs Leid sind zwei Ebenen zu unterscheiden: zum einen der Verlust seines Besitzes, seiner Kinder und seiner Gesundheit, zum anderen die <em>Vorstellung<\/em>, Gott habe ihm das alles zugef\u00fcgt. Beide Leiderfahrungen werden im Ijobbuch durchgearbeitet und einer L\u00f6sung zugef\u00fchrt: die erste in der Rahmenerz\u00e4hlung (1-2; 42,10-17), die zweite im Dialogteil (3-42,6). Die L\u00f6sung der zweiten nimmt weitaus mehr Zeit und Energie in Anspruch als die der ersten. Sie scheint im Ijobbuch als das tieferliegende Problem angesehen zu werden. Es handelt sich um die geistige, die spirituelle Dimension des Leids.<\/p>\n<p>Dass es sich bei der \u201eGottesverfolgung\u201c Ijobs um eine <em>Vorstellung<\/em> handelt, besagt nicht, dass sie nicht \u00e4u\u00dferst schmerzhaft ist. Das durch Fehldeutung hervorgerufene Leid erfordert in gleicher Weise Solidarit\u00e4t und Trost wie jedes andere Leid auch. Es ist real und kann nicht weginterpretiert werden. Aber es kann durchlitten und geheilt werden \u2013 das ist der Weg, den das Ijobbuch beschreibt, und die frohe Botschaft, die es enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Satan und Mephisto \u2013 ein kleiner, aber feiner Unterschied<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Unterschied zwischen Ijob und Faust betrifft die Bewertung Satans bzw. Mephistos. Mephisto ist wie Satan ein Ankl\u00e4ger. Er ist der Geist, der stets verneint. Als solcher bekommt er dann aber doch eine f\u00fcr den Gang des Geschehens wichtige Funktion zugesprochen. Er treibt die Dinge voran und verhindert, dass Menschen geistig erschlaffen. Er h\u00e4lt den Prozess des Werdens in Gang. So gesehen ist er bei aller Negativit\u00e4t dann doch ein Teil der Sch\u00f6pfung. Entsprechend wird er von Gott \u2013 bereits im Prolog \u2013 gew\u00fcrdigt:<\/p>\n<p>Von allen Geistern die verneinen<br \/>\nIst mir der Schalk am wenigsten zur Last.<br \/>\nDes Menschen T\u00e4tigkeit kann allzu leicht erschlaffen,<br \/>\nEr liebt sich bald die unbedingte Ruh;<br \/>\nDrum geb\u2019 ich gern ihm den Gesellen zu,<br \/>\nDer reizt und wirkt, und mu\u00df, als Teufel, schaffen<\/p>\n<p>Die relative Wertsch\u00e4tzung findet bei Mephisto einen Widerhall:<\/p>\n<p>Von Zeit zu Zeit seh\u2019 ich den Alten gern,<br \/>\nund h\u00fcte mich mit ihm zu brechen.<br \/>\nEs ist gar h\u00fcbsch von einem gro\u00dfen Herrn,<br \/>\nSo menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.<\/p>\n<p>Gott und der Teufel sind also in gewisser Weise zwei Prinzipien, die das \u201eewige Werden, Wirken und Leben\u201c in Gang halten, die miteinander kooperieren.<\/p>\n<p>Vom Satan im Ijobbuch l\u00e4sst sich das in dieser Weise nicht sagen. Er tritt im Rahmen der himmlischen Ratsversammlung aus der Gruppe der \u201eGottess\u00f6hne\u201c hervor und wird von Gott gezielt angesprochen. In diesem Zusammenhang \u00e4u\u00dfert er den bereits genannten Verdacht, dass der von Gott als \u201esein Knecht\u201c geadelte Ijob aus rein eigenn\u00fctzigen Motiven heraus fromm ist. Der Satan wird also im Ijobbuch nicht als ein neben Gott wirkendes, die Entwicklung des Menschen vorantreibendes Prinzip verstanden. Nirgends wird er von Gott gelobt. Und doch wird auch aufgrund seiner Initiative das Geschehen in Gang gesetzt. Am Ende stellt sich die Frage: Ist Ijob nicht durch das Leid gereift, wenn er vom Glauben zum Schauen gef\u00fchrt wird?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Welche L\u00f6sung pr\u00e4sentiert das Ijobbuch?<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u201eVom H\u00f6rensagen nur hatte ich von dir geh\u00f6rt, jetzt aber hat mein Auge dich geschaut\u201c. Dieser Satz aus der zweiten Antwort Ijobs (42,5) ist der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis des Buches und des in ihm verhandelten Problems. Wie ist er zu verstehen?<\/p>\n<p>Der Ausdruck \u201eGott schauen\u201c d\u00fcrfte urspr\u00fcnglich im Kontext altorientalischer Religionen jenen Vorgang bezeichnen, bei dem ein Mensch das (im Tempel aufgestellte oder bei Prozessionen gezeigte) Bild einer Gottheit schaut. Im Hintergrund steht die Vorstellung einer k\u00f6niglichen Audienz. Das Alte Testament hat diese Begrifflichkeit \u00fcbernommen (Gen\u00a032,31; Ex 24,10; Ps\u00a042,3). Da es aber in Israel aufgrund des Bilderverbots (Ex 20,4-6) offiziell keine bildlichen und rundplastischen Darstellungen Gottes gab, konnte der Ausdruck hier nicht mehr das \u00e4u\u00dferliche Sehen eines Gottesbildes bezeichnen. Das Wort \u201eGott(es Antlitz) schauen\u201c wird zur Metapher f\u00fcr den inneren Vorgang einer Gotteserfahrung. Genau darauf zielt Ijob\u00a042,5 ab. Dass hier kein \u00e4u\u00dferer Vorgang, auch kein Besuch im Tempel, sondern eine <em>innere Erfahrung<\/em> zur Sprache kommt, ergibt sich schon allein aus dem Kontrast zur vorangehenden Gottesrede: Gott hatte \u201egesprochen\u201c, doch Ijob hat \u201egeschaut\u201c. Nirgends wird hier das Aussehen Gottes beschrieben. Ijob hat keine g\u00f6ttliche Gestalt gesehen (vgl. Dtn 4,12). Was hier beschrieben wird, ist die der Mystik sehr wohl vertraute Form einer bildlosen Gottesschau. Thomas von Aquin spricht in seinem Ijob-Kommentar von einer <em>inspiratio interior<\/em>, einer \u201einneren Eingebung\u201c (zu 38,1ff.)<\/p>\n<p>Damit ist etwas f\u00fcr die j\u00fcdisch-christliche Tradition Wesentliches gesagt. Der \u201einnere Mensch\u201c (<em>homo interior<\/em>) kommt in den Blick. Die Entdeckung des inneren Menschen geh\u00f6rt zum bleibenden Verdienst der christlichen Philosophie. Sie hat ihre Vorl\u00e4ufer in der antiken, insbesondere der platonischen Tradition und ihre Wurzeln in der Heiligen Schrift. \u00c4u\u00dferlich gesehen hat sich f\u00fcr Ijob noch nichts ge\u00e4ndert. Er sitzt noch \u201ein Staub und Asche\u201c (Vers 6). Doch innerlich ist er ein anderer geworden. Den Streit mit Gott erkl\u00e4rt er f\u00fcr beendet (40,4-5). Er verwirft das, was er <em>vor <\/em>dem Ereignis, welches ihm jetzt widerfahren ist, gesagt hat (Vers 6), wenngleich er <em>damals <\/em>nicht anders sprechen konnte, weshalb er auch von Gott \u2013 im Unterschied zu seinen Freunden \u2013 nicht getadelt wird (42,7).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Vom Glauben zum Schauen<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In den Gottesreden wird Ijob vom Glauben zum Schauen gef\u00fchrt. Wenn wir im Himmel sind, so die einhellige Lehre der Kirche, werden wir nicht mehr an Gott glauben, sondern wir werden ihn schauen, \u201evon Angesicht zu Angesicht\u201c (vgl. 1 Kor 13,12; 1 Joh 3,2; Offb 22,4) \u2013 so zumindest hat Papst Benedikt XII. im Jahre 1336 \u201ekraft Apostolischer Autorit\u00e4t\u201c entschieden. Damit wird er wohl Recht haben. Denn im Hebr\u00e4erbrief hei\u00dft es: \u201eGlauben ist: Feststehen in dem, was man erhofft, \u00dcberzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht\u201c (Hebr 11,1). Wenn wir Gott im Himmel schauen und wenn \u201eglauben\u201c bedeutet \u201e\u00dcberzeugtsein von Dingen, die man <em>not<\/em> sieht\u201c (Hebr 11,1), dann k\u00f6nnen wir im Himmel nicht mehr an Gott glauben, da wir ihn schauen. Jetzt, da wir noch auf Erden sind, glauben wir an Gott. Deshalb sagt der Apostel Paulus: \u201eF\u00fcr<em> jetzt<\/em> bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe\u201c (1 Kor 13,13). Doch was geschieht, wenn der Glaube in eine Krise ger\u00e4t, wenn er nicht mehr tr\u00e4gt, wie bei Ijob?<\/p>\n<p>Dann bieten sich drei M\u00f6glichkeiten an. Zum einen, den Glauben zu verwerfen. Ijobs Frau schl\u00e4gt dies vor: \u201eL\u00e4stere Gott und stirb!\u201c (2,9). Eine zweite M\u00f6glichkeit bieten Ijobs Freunde an: im \u00fcberkommenen Glauben (\u201ewas wir geh\u00f6rt haben\u201c, 5,27) zu verharren und zu versuchen, die missliche Lage mit klugen Worten zu erkl\u00e4ren und zu verstehen. Beide M\u00f6glichkeiten werden von Ijob verworfen. Zu seiner Frau sagt er: \u201eWie eine von den T\u00f6rinnen redest du\u201c (2,10). Seinen Freunden empfiehlt er: \u201eDass ihr endlich schweigen wolltet, das w\u00fcrde Weisheit f\u00fcr euch sein!\u201c (13,5). Ijob w\u00e4hlt eine dritte M\u00f6glichkeit: Er <em>geht<\/em> den Weg, den der Glaube weist: \u201eIch will zum Allm\u00e4chtigen reden, mit Gott zu rechten ist mein Wunsch\u201c (13,3). Auf dem H\u00f6hepunkt seiner Not ist er zutiefst davon \u00fcberzeugt, dass dieser Weg ihn dahin f\u00fchren wird, Gott zu schauen: \u201eIhn selber werde ich dann f\u00fcr mich schauen, meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd\u201c (19,27).<\/p>\n<p>Als ein gottesf\u00fcrchtiger, das hei\u00dft: als ein gl\u00e4ubiger Mann wird Ijob zu Beginn der Erz\u00e4hlung vorgestellt (1,1). Zun\u00e4chst schien es so zu sein, als k\u00f6nne er das schwere Leid, das ihn getroffen hatte, im Glauben bew\u00e4ltigen: \u201eNoch immer h\u00e4lt er fest an seiner Fr\u00f6mmigkeit\u201c (2,3). Doch als nach einem zweiten satanischen Schlag und nach siebent\u00e4gigem Schweigen das ganze Ausma\u00df des Elends zum Vorschein kam und immer tiefer in sein Bewusstsein eindrang, begann sein Glaube zu zerbrechen. Hellsichtig haben das seine Freunde erkannt: \u201eDu brichst sogar die Gottesfurcht, zerst\u00f6rst das Besinnen vor Gott\u201c, h\u00e4lt ihm Elifas vor (15,4; vgl. 6,14). Mit einem \u201e\u00dcberzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht\u201c (Hebr 11,1) konnte sich Ijob nicht mehr zufrieden geben. Zu gro\u00df war die Not, die ihn getroffen hatte. Mit Gott selbst wollte er in Kontakt kommen und nicht nur mit dem, was \u00fcber ihn gesagt wird (vgl. 13,1-3). Tats\u00e4chlich ist ihm dies gelungen. So ist folgerichtig im Schlussteil der Erz\u00e4hlung (42,7-17) nicht mehr davon die Rede, dass Ijob Gott f\u00fcrchtet, dass er an Gott glaubt. Er ist den Weg des Glaubens zu Ende gegangen und ein Schauender geworden. In der Erz\u00e4hlung hei\u00dft es, dass er noch hundertvierzig Jahre (so) gelebt habe (42,16).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Identit\u00e4t und Wandlung \u2013 Aufl\u00f6sung und Erl\u00f6sung<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich recht sehe, liegen in Faust und Ijob zwei unterschiedliche Konzeptionen von Identit\u00e4t und Wandlung vor. Ijob durchl\u00e4uft einen Prozess der Wandlung. Doch am Ende l\u00f6st er sich nicht auf. Es kommt in der Begegnung mit Gott zu einer tiefen Koh\u00e4renzerfahrung. Seine durch das Leid hervorgerufene Zerrissenheit wird nicht durch Aufl\u00f6sung seiner Pers\u00f6nlichkeit aufgehoben, sondern zusammengef\u00fchrt und somit vers\u00f6hnt. \u00dcber den Weg der Rebellion wird Ijob, der Rebell, zu Ijob, dem Dulder \u2013 was er bereits am Anfang war, jetzt aber in einem bewussten Akt der Annahme. In Faust kommt gleich in der 1. Szene der Tod \u2013 und zwar der Suizid \u2013 als Erl\u00f6sung in den Blick. Im letzten Moment wird Faust durch den Chor der Engel: \u201eChrist ist erstanden!\u201c davon abgehalten. Auch im Ijobbuch kommt einige Male der Tod als L\u00f6sung, ja als Erl\u00f6sung in den Blick; aber nicht in dem Sinne, dass Ijob erw\u00e4gt, sich selbst zu t\u00f6ten. Er erwartet den erl\u00f6senden Tod von Gott. Doch dieser t\u00f6tet ihn nicht. Ijob empfindet das als Qual: \u201eErw\u00fcrgt zu werden, z\u00f6ge ich vor, den Tod meinem Totengerippe. Ich mag nicht mehr, ich will nicht ewig leben\u201c (7,15f). Die L\u00f6sung, die das Ijobbuch pr\u00e4sentiert, besteht in der Gottesschau. Ijob wird \u2013 noch vor seiner \u00e4u\u00dferen Wiederherstellung &#8211; auf eine andere Ebene des Bewusstseins gehoben und erkl\u00e4rt den Streit mit Gott f\u00fcr beendet.<\/p>\n<p>Ijob und Faust stimmen darin \u00fcberein, dass sie nicht aus eigener Kraft aus ihrer Not herausfinden. Ijob vertraut \u2013 bei allem Streit mit Gott \u2013 letztlich doch darauf, dass die Erl\u00f6sung nur von Gott kommen kann. Irgendwelche magischen Praktiken oder gar ein Pakt mit dem Teufel spielen dabei keine Rolle. Der Satan taucht nach dem Prolog im Ijobbuch nicht mehr auf. Ganz anders im Faust. Mephisto spielt im Drama eine Schl\u00fcsselrolle. Faust wird mit Hilfe einer durch Mephisto herbeigef\u00fchrten Verzauberung auf einen Weg gef\u00fchrt, der ihm Erl\u00f6sung verspricht, ihn aber letztlich in die F\u00e4nge des Teufels f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Kommt es am Ende doch zur Gottesschau, wie der Chor seliger Knaben singt, da die Engel Faustens Unsterbliches tragend in die H\u00f6he schweben?<\/p>\n<p>G\u00f6ttlich belehret<br \/>\nD\u00fcrft ihr vertrauen,<br \/>\nden ihr verehret,<br \/>\nWerdet ihr schauen (399).<\/p>\n<p>Woher kommt die Erl\u00f6sung? Aus der eigenen Anstrengung des Menschen, wie der Schluss von Faust II andeutet? Ober bedarf es doch der entgegenkommenden Liebe, die dem Menschen, der sich bem\u00fcht, an die Hand nimmt? Oder beides zusammen, wie der Chor seliger Knaben am Ende anzudeuten scheint?<\/p>\n<p>Gerettet ist das edle Glied<br \/>\nDer Geisterwelt vom B\u00f6sen,<br \/>\n\u201aWer immer strebend sich bem\u00fcht<br \/>\nDen k\u00f6nnen wir erl\u00f6sen.\u2019<br \/>\nUnd hat an ihm die Liebe gar<br \/>\nVon oben Teil genommen,<br \/>\nBegegnet ihm die selige Schar<br \/>\nMit herzlichem Willkommen (399).<em>\u00a0<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Prolog im Himmel \u00a0 Zu den auff\u00e4lligsten Parallelen zwischen dem Buch Ijob und Goethes Faust geh\u00f6rt zweifelsohne der Prolog im Himmel. 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