{"id":115677,"date":"2025-12-08T13:28:40","date_gmt":"2025-12-08T12:28:40","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=115677"},"modified":"2025-12-08T13:28:40","modified_gmt":"2025-12-08T12:28:40","slug":"gespraech-mit-den-beiden-preistraegern-des-oekumenischen-preises","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/gespraech-mit-den-beiden-preistraegern-des-oekumenischen-preises\/","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch mit den beiden Preistr\u00e4gern des \u00d6kumenischen Preises"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Normalerweise d\u00fcrfen an dieser Stelle die Preistr\u00e4ger sagen, warum sie sich besonders freuen \u00fcber diesen Preis\u2026 Herr Kardinal, warum freuen Sie sich besonders \u00fcber diesen Preis?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Ich muss gestehen, dass mich der Erhalt dieses Preises sehr bewegt. Nie h\u00e4tte ich es mir als junger Priester oder auch als Ministrant in meiner Heimat vorstellen k\u00f6nnen, einmal einen \u00d6kumenischen Preis zu erhalten. Umso mehr aber empfinde ich nun tiefe Freude dar\u00fcber, diesen Preis entgegennehmen zu d\u00fcrfen \u2013 und nat\u00fcrlich auch dar\u00fcber, dass dieser Preis einen so gelungenen Abschluss des Jahres 2017 markiert und damit gleichsam auch die entscheidenden Weichenstellungen f\u00fcr das neue Jahr vornimmt. Aus diesem Grund freut es mich besonders, dass die Arbeit aller Beteiligten durch diesen Preis best\u00e4tigt und gew\u00fcrdigt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Herr Landesbischof, ich sehe, Sie freuen sich auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Zun\u00e4chst ist der Erhalt dieses Preises sowohl eine Best\u00e4tigung als auch ein R\u00fcckenwind f\u00fcr all diejenigen, die diesen Weg mit uns und miteinander gehen \u2013 und betrifft damit in erster Linie all diejenigen Menschen, die sich &#8211; oftmals gegen gro\u00dfe Widerst\u00e4nde \u2013 in den Gemeinden seit vielen Jahren auf den Weg der \u00d6kumene machen und nun hoffentlich einen Grund zu Freude haben, wenn wir nunmehr von unten, von oben, von allen Seiten sagen: Wir wollen neu auf Christus schauen und uns davon bewegen, aufeinander zubewegen lassen. Und auch die Freundschaft ist etwas, was viele Menschen in den Gemeinden seit vielen Jahren pflegen. Ich erlebe das immer wieder in den Gemeinden: Man trifft Menschen unterschiedlicher Konfession und sp\u00fcrt dabei die menschliche Qualit\u00e4t des Zusammenseins, man sp\u00fcrt gewisserma\u00dfen, wie das Geistliche und das Menschliche zusammengeh\u00f6ren. Eben diese Freude ist letztlich der Grund daf\u00fcr, weshalb dieser Preis unser Preis ist, n\u00e4mlich ein Preis, der allen gewidmet ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Sie sagen gerade, in den Gemeinden gehe das bereits seit vielen Jahren so. Nat\u00fcrlich ist es eine Frage der Definition, was \u201eviel\u201c bedeutet. Zu meiner Kinderzeit erlebte ich das noch ganz anders: Meine Schwester durfte die Zigaretten f\u00fcr die Oma nicht im katholischen Laden kaufen, sondern eben nur im evangelischen Laden. Wie haben Sie das in Ihrer Jugend erlebt, Herr Kardinal?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Diese Erfahrung deckt sich auch mit der meinen. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass wir in dieser R\u00fcckschau eine Entwicklung beobachten und verstehen m\u00fcssen, in der ein jeder auch neugierig auf das Neue war. So gab es beispielsweise zu Gymnasialzeiten auch nicht-katholische Schulkameraden, die den katholischen durchaus nicht nachgeordnet wurden, sodass sich echte und tiefe Freundschaften daraus entwickelt haben \u2013 vollkommen abseits also der altbekannten konfessionellen Grenzen. Oder ein anderes Beispiel: Als junger Kaplan war ich in einem sehr protestantischen Gebiet t\u00e4tig. Wir waren eine kleine Minderheit mit 27 Orten, und wenn ich die Kranken im \u00f6rtlichen Krankenhaus besuchte, lag mir zun\u00e4chst einmal die Liste der katholischen Kranken vor; nur war es aber so \u00fcblich, dass jedes Zimmer bis zu sechs oder sieben Kranke aufnehmen konnte, sodass ich mich \u2013 wie es wahrscheinlich jeder von Ihnen ebenso tun w\u00fcrde \u2013 dazu entschied, auch die nicht-katholischen Kranken zu besuchen. Und genau diese Erfahrung hat mich damals sehr beeindruckt. Ich habe dann gesagt: \u201eIch bin der katholische Kaplan. Ich m\u00f6chte Ihnen auch einen guten Wunsch sagen. Wie geht es Ihnen?\u201c. Daraufhin haben manche geantwortet: \u201eWissen Sie, Herr Kaplan, ich kenne noch meinen Konfirmationsspruch. Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Das hat mich mein ganzes Leben lang begleitet.\u201c<\/p>\n<p>Genau das hat mich so beeindruckt; da fragt man sich n\u00e4mlich: \u201eWas ist da f\u00fcr eine Kraft?\u201c Mehr noch: Aus Neugierde ging ich sogar, obwohl das damals nicht erlaubt war, in den evangelischen Gottesdienst, um Antwort auf die Frage zu finden: \u201eWie machen die das?\u201c Schlie\u00dflich war die evangelische Kirche dort die Hauptkirche und wir nur die kleine Minderheit, sodass mich die gro\u00dfen Chor\u00e4le damals sehr beeindruckt haben. Letztlich bin ich also davon \u00fcberzeugt, dass Freundschaft wie auch jeder Lernprozess genau dann entstehen, wenn man sich \u2013 und das kann ein langer Weg sein \u2013 aufeinander zubewegt. Denken wir etwa an die fr\u00fcher oft selbstverst\u00e4ndliche erste Frage des Vaters, wenn der Hoferbe des Bauernhofs kam und sagte: \u201eIch habe ein junges M\u00e4dchen kennengelernt.\u201c Dann war die erste Frage: \u201eIst sie katholisch?\u201c und nicht: \u201eLiebst Du sie?\u201c. Dieses Stadium haben wir heute wohl alle \u00fcberwunden \u2013 und da k\u00f6nnen wir froh sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Damals wurde das M\u00e4dchen dann selbstverst\u00e4ndlich katholisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Und umgekehrt wahrscheinlich genauso.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Herr Landesbischof, wie haben Sie das erlebt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Wir erleben eigentlich jetzt, gerade in diesem Jahr und bis heute so etwas wie ein ganz breites \u201ehealing of memories\u201c. Dabei spielen Geschichten wie die Deine eine besondere Rolle: Die sind zum Teil schmerzhaft, manche sind auch noch ein bisschen begraben, eben Geschichten von Menschen, die in ihrer eigenen Lebenszeit erlebt haben, dass und wie man sich gegenseitig verletzt hat, wie man sich gegenseitig einen Hut aufgesetzt hat, einen abwertenden Hut aufgesetzt hat, und wie man darunter gelitten hat. Bei solchen Geschichten sp\u00fcrt man heute aber den Atem der Befreiung, der entsteht, wenn Menschen sich einfach freuen, dass wir nunmehr an einem anderen Punkt angekommen sind \u2013 obwohl da noch so viel ist, das zum Teil begraben liegt und immer noch nachwirkt, sodass wir da noch einen langen Weg zu gehen haben.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist auch das wechselseitige Verst\u00e4ndnis, eben die Bilder, die wir von dem jeweils anderen haben, enorm in Bewegung geraten \u2013 gerade da liegt also noch viel vor uns. Ich glaube daher, dass dieses Reformationsjubil\u00e4ums-\/ und Gedenkjahr auch ein gro\u00dfes Bildungsjahr war, weil Menschen zum ersten Mal erlebt haben, wie \u201edie Anderen\u201c eigentlich wirklich sind. Soll hei\u00dfen: Dass auch \u201edie Anderen\u201c tolle Gottesdienste feiern k\u00f6nnen oder etwa die Abendmahlsliturgien gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten miteinander aufweisen. Immer wieder erlebe ich dieses Staunen dar\u00fcber, dass die Abendmahlsliturgien ja ganz \u00e4hnlich sind. Genau solche Einsichten aber machen mir viel Hoffnung \u2013 wenn man n\u00e4mlich dar\u00fcber redet, was alles an Vorurteilen, alles an pers\u00f6nlichen, verletzenden Erfahrungen da ist, dann ist das ja der erste Schritt, um voranzugehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Dazu vielleicht eine Erg\u00e4nzung: Eben wurde ja bereits Bezug genommen auf den Text \u201eVom Konflikt zur Gemeinschaft\u201c \u2013 und genau das ist eben auch eine Seite der \u00d6kumene. Vieles ist geschehen in der Theologie, in Diskussionen \u00fcber Texte, wobei gerade das Leben eben auch durch Begegnungen oder durch das, was Menschen erfahren, gepr\u00e4gt wird. Mit anderen Worten: Nicht alle Katholiken und evangelische Christen lesen die \u00f6kumenischen Texte, es kommt\u00a0 ebenso sehr auf die zeichenhaften Erfahrungen an. Jesus sagt: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.\u201c Das geh\u00f6rt alles drei zusammen. Man kann das eine nicht ohne das andere haben. Zwar sind wir in der Theologie teilweise schon etwas weiter; dabei darf aber nicht vergessen werden, diese Einsichten auch wirklich zu sehen, sie praktisch auszu\u00fcben, gemeinsam zu feiern und sie miteinander kennenzulernen. In der Bischofskonferenz etwa habe ich davon gesprochen, dass wir Schritt f\u00fcr Schritt und damit jeweils aufs Neue \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen, ob wir \u00fcberhaupt \u00fcber den anderen sprechen k\u00f6nnen \u2013 auch unter uns und ohne, dass der andere dabei ist. Genau das sollten wir ja im normalen Leben auch nicht tun. Zugegeben: Das ist eine leider etablierte, vielleicht auch gelegentlich selbstverst\u00e4ndliche, Form unserer Kommunikation geworden, aber in der Regel sollte man miteinander statt \u00fcbereinander sprechen. Mit einem Wort: Die praktische Dimension darf nicht vernachl\u00e4ssigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Herr Landesbischof, Sie haben gerade schon das Stichwort genannt: \u201ehealing of memories\u201c. Wir haben im M\u00e4rz einen gro\u00dfen gemeinsamen Gottesdienst in Hildesheim gefeiert, der unter diesem Motto stand. Wir haben uns heute an Cicero erinnert, der von einer geistlichen Freundschaft spricht, von einer Freundschaft, die auch als \u201eKonsens\u201c bezeichnet werden kann. Dieser Konsens hei\u00dft: \u201ezusammen f\u00fchlen\u201c. Bitte erz\u00e4hlen Sie von Ihren Gef\u00fchlen, die Sie aus diesem Gottesdienst erinnern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Diese Erinnerung weckt sehr starke Gef\u00fchle in mir. Es war nicht nur die abstrakte theologische Wahrheit, die nat\u00fcrlich in die gr\u00fcndlichen Vorbereitungen eingeflossen ist und die sehr gut \u00fcberlegt war, sondern es war f\u00fcr uns alle sehr ber\u00fchrend, weil die Veranstaltung \u2013 wie heute ja auch \u2013 live im Fernsehen \u00fcbertragen wurde. Auf diesem Wege konnten viele Menschen in Deutschland erreicht werden \u2013 ein gl\u00fccklicher Umstand, der gerade durch die vielen Briefe, die wir danach erhalten haben, zum Ausdruck gekommen ist.<\/p>\n<p>Dazu m\u00f6chte ich ein Beispiel geben: Diese wuchtige riesige Metallsperre, die vor dem Altar lag, haben junge Menschen in einem bestimmten Moment des Gottesdienstes aufgerichtet, nachdem wir einander die zugef\u00fcgten Wunden bekannt und um Vergebung gebeten haben; durch dieses Aufrichten formte sich die Metallsperre dann zu einem Kreuz und wurde damit zu einem Symbol daf\u00fcr, dass nunmehr der Blick auf Christus gerichtet war, eben auf das Kreuz, das uns den Weg zum Altar \u00f6ffnet, das uns den Weg in die Zukunft \u00f6ffnet, den Weg in eine gemeinsame Zukunft \u00f6ffnet \u2013 dieses Erlebnis war etwas ganz Starkes.<\/p>\n<p>Dazu vielleicht noch etwas anderes: Lieber Reinhard, als Du gesagt hast, wof\u00fcr Du dankbar bist bei den Evangelischen, dass Du als Kardinal die Synodendiskussion \u2013 hier sitzt \u00fcbrigens unsere bayerische Synodalpr\u00e4sidentin \u2013 sch\u00e4tzt und liebst, das fand ich sehr sch\u00f6n.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx: <\/strong>Ebenso bewegt hat mich \u2013 wie ich bereits vielen Mitbr\u00fcdern erz\u00e4hlt habe \u2013 der letzte gemeinsame Gottesdienst in Wittenberg: Man stelle sich vor 20 Jahren den Ratsvorsitzenden der EKD vor, der auf der Lutherkanzel in Wittenberg den Papst in Rom als Bruder in Christus anruft: das ist doch unvorstellbar. Diese Tatsache gilt manchen als selbstverst\u00e4ndlich, wohingegen mich dieses klare Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine echte Zusammengeh\u00f6rigkeit sehr bewegt hat. Oft vermutet man hinter so vermeintlich einfachen Worten keine gro\u00dfe Bedeutung. Und doch wirken sie oft als Zeichen, die wiederum Emotionen hervorrufen k\u00f6nnen. Das sind echte Emotionen mit einem Fundament.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> An diesen Gottesdiensten konnten sehr viele Menschen teilhaben \u2013 durch die Medien, Sie haben es erw\u00e4hnt. Weniger teilhaben konnten wir an Ihrer gemeinsamen Reise in das Heilige Land. Nat\u00fcrlich wurde dar\u00fcber berichtet, aber wir waren nicht dabei. Sie sind gemeinsam an die Wurzeln unseres Glaubens gereist: Was hat das im Sinne von \u201egemeinsam f\u00fchlen\u201c mit Ihnen gemacht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Diese gemeinsame Reise hat in der Tat sehr viel mit uns gemacht. Es war eine sehr gut \u00fcberlegte Entscheidung, dass wir, bevor das Reformationsjahr beginnt, gemeinsam diese Pilgerreise antreten, genau an den Ort, an dem auch Jesus gewirkt hat und das Evangelium seinen Ausgang nimmt. Daraus Inspiration und Kraft zu gewinnen, dort zu beten, Gottesdienst zu feiern und uns zu fokussieren auf den, von dem her wir alle kommen \u2013 das war die eigentliche Idee, die nicht zuletzt in dem Schmerz \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Trennung an ihr Ziel gelangte.<\/p>\n<p>Bereits zu Anfang in Tabgha, als wir am See Genezareth waren, war f\u00fcr mich ein ganz wichtiger Moment: Wir hielten dort am See im Freien eine Morgenandacht und konnten Jesus so durch das Evangelium pr\u00e4sent werden lassen. Am Abend feierten wir dann Gottesdienst in der dort gelegenen Kirche, die Brotvermehrungskirche hei\u00dft; Du hast Eucharistiegottesdienst gefeiert, wobei wir Evangelischen nat\u00fcrlich sitzen bleiben mussten. Genau diese Erfahrung war sehr schmerzhaft. Nach einem solchen Tag der (geistlichen) Gemeinschaft habe ich mich dann mit durchaus mulmigem Gef\u00fchl gefragt: \u201eWas ist jetzt? Bin ich da ganz allein damit, diesen Schmerz so zu sp\u00fcren und irgendwie das Gef\u00fchl zu haben, dass das nicht stimmig ist, dass wir nach einer solchen Form der Gemeinschaft nicht einmal gemeinsam Abendmahl feiern k\u00f6nnen?\u201c<\/p>\n<p>Als wir uns danach im G\u00e4stehaus versammelt und ein wenig zusammen gesessen haben, da konnte ich sp\u00fcren, dass es den anderen \u00e4hnlich wie mir ging \u2013 und das war f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Befreiung, weil ich gesp\u00fcrt habe: \u201eJa, genau das ist unsere Situation, und genau diesen Schmerz haben wir; wir k\u00f6nnen aber auch nicht einfach hier im Heiligen Land alles \u00fcber den Haufen schmei\u00dfen, ohne das mit jemandem zu konsultieren und das einfach gemeinsam machen.\u201c<\/p>\n<p>Es war mir klar, dass das nicht sinnvoll w\u00e4re, so sehr es mich in gewisser Weise auch danach gedr\u00e4ngt h\u00e4tte. Die Tatsache, dass wir dieses Gef\u00fchl dann gemeinsam in der Kommunikation verarbeiten konnten, dass dieses Gef\u00fchl auch bei den weiteren gottesdienstlichen Feiern dieser Woche stets pr\u00e4sent war und damit auch der Wunsch oder vielleicht besser: die Sehnsucht danach, dass wir diese Gemeinschaft, die wir f\u00fchlen, auch am Tisch des Herrn miteinander zelebrieren und erfahren k\u00f6nnen, dass sich dieser gemeinsame Wunsch also in die Seele eingepflanzt hat, genau diese Tatsache ist aus dieser Woche bei mir so pr\u00e4sent geblieben. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich noch etwas mehr dazu erz\u00e4hlen, aber das scheint mir das Wichtigste zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Diese Erfahrung scheint mir auch umgekehrt zu gelten. Manchmal kommt man zwar nicht umhin, die Sache nur aus einer Perspektive zu betrachten. Aber auch die katholischen Teilnehmer haben den skizzierten Schmerz gesp\u00fcrt und das Gef\u00fchl des Unwohlseins geteilt. Und genau das ist der Punkt. Dabei merkt man n\u00e4mlich: \u201eHier ist etwas, das so nicht bleiben darf.\u201c Und dabei ist noch gar nicht bedacht, wie die Differenzen auch theologisch beizulegen w\u00e4ren \u2013 das kann man eh nur dann, wenn man die Aufgabe zusammen erlebt. Deswegen wurde in der Vorbereitung auch stets betont, dass wir nicht nur \u00f6kumenische Gottesdienste feiern wollen, sondern eben auch Gottesdienste in der lutherischen oder evangelischen Tradition bzw. in der katholischen Tradition feiern werden, aus Respekt vor dem anderen, aber gleichwohl im Miteinander.<\/p>\n<p>Der letztendliche Effekt war aber so, wie wir ihn beide gleicherma\u00dfen empfunden haben, nicht wirklich vorauszusehen. Genau dadurch aber wird der Schmerz umso gr\u00f6\u00dfer; je n\u00e4her man sich n\u00e4mlich kommt, umso mehr dr\u00e4ngt sich auch die Einsicht auf, dass es so nicht bleiben kann. Und so bin ich auch der \u00dcberzeugung, dass dieses gemeinsame Erlebnis \u2013 entgegen aller allzu vorschneller Forderungen \u2013 einen sowohl bedr\u00e4ngenden als auch ermutigenden Charakter aufweist, n\u00e4mlich das beiderseitige Wissen darum, dass es so, wie es ist, nicht bleiben kann. Deshalb will ich sagen: Gehen wir voran, versuchen wir miteinander Wege zu finden, dass es nicht so bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Ich muss jetzt an Max Frisch denken: Vielleicht mussten Sie beide Ihre Anspr\u00fcche herunterschrauben, um Freunde werden zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Das klingt irgendwie zwiesp\u00e4ltig. (lacht)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx: <\/strong>Eher m\u00fcssten die Anspr\u00fcche Gottes etwas h\u00f6her gezogen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Mein Kommentar war zwiesp\u00e4ltig gemeint. Herr Kardinal, Sie haben vorhin von der Zeichenhaftigkeit gesprochen. Was sind aus Ihrer Sicht die \u00f6kumenischen Fr\u00fcchte des Reformationsgedenkjahres?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx: <\/strong>Daraus scheint tats\u00e4chlich eine Frucht gewachsen zu sein; zumindest sind immer mehr Menschen beider Konfessionen der \u00dcberzeugung: \u201eDie beiden bekommt ihr nie wieder auseinander, die geh\u00f6ren zusammen. Sie werden sich auch gelegentlich streiten, im guten freundschaftlichen Sinne, aber sie werden zusammengehen, sie geh\u00f6ren zusammen, sie sind unter einem Label da, n\u00e4mlich Christen!\u201c Wir sind Christen in dieser pluralen Gesellschaft. Genau dieser Gedanke ist st\u00e4rker geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Und Sie meinen mit \u201edie beiden\u201c nicht nur Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Nein, wir meinen damit die gro\u00dfe \u00d6kumene, die auch die Orthodoxe Kirche mit umfasst. Weil es eben eine so wunderbare und gro\u00dfe Sache war, wurde der Fokus haupts\u00e4chlich auf die Beziehung zwischen Katholiken und Evangelischen gelegt; selbstverst\u00e4ndlich aber sind auch die Orthodoxen, die Orientalen, Teil der \u00f6kumenischen Bewegung und sind darin enthalten. Sprich: Das \u00f6kumenische Denken ist dieses Jahr st\u00e4rker geworden. Diesen Befund w\u00fcrde ich also durchaus als eine Frucht bezeichnen; auch bei mir empfinde ich nunmehr eine gr\u00f6\u00dfere Bereitschaft und gr\u00f6\u00dfere Kraft, den \u00f6kumenischen Weg weiter zu gehen. Mit anderen Worten: Das vergangene Jahr war f\u00fcr mich eine Ermutigung, eine St\u00e4rkung mit viel R\u00fcckenwind f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Diese Einsicht der Inklusion m\u00f6chte ich nochmals unterstreichen. Freilich markiert das Jahr 1517 ein Datum, das \u2013 im Unterschied zur Orthodoxie \u2013 eine besondere N\u00e4he zur r\u00f6misch-katholischen und der evangelischen Kirche aufweist; das hei\u00dft allerdings nicht, dass nur diese zwei Parteien, schon gar nicht nur diese zwei Personen oder eben nur diese zwei Traditionen angesprochen sind. Ganz im Gegenteil: Es ist ja gerade der Grundgedanke der \u00d6kumene, der auf alles weitere ausgreift. \u201eChristus neu entdecken\u201c lautet schlie\u00dflich die Formel, die uns alle miteinander verbindet, und zwar alle Konfessionen gleicherma\u00dfen. Genau deswegen haben wir auch bei der Vorbereitung dieses Jahres darauf geachtet, dass in den Kuratorien und Vorbereitungsgremien eben alle Konfessionen vertreten waren. Diese Inklusionsbewegung weist sogar \u00fcber die christlichen Konfessionen hinaus. Wenn wir n\u00e4mlich auf Christus schauen, von dem Paulus bekanntlich sagt: \u201eGott hat in Christus die Welt mit sich vers\u00f6hnt.\u201c So steht da \u201eTon Cosmon\u201c, also \u201edie Welt\u201c, \u201edie ganze Welt\u201c und meint damit eben nicht nur die Christen. Und wenn das wirklich stimmt, dann steckt in dieser Bewegung zur \u00dcberwindung der Grenzen auch ein Zeichen f\u00fcr die gesamte Welt, also gerade nicht ausschlie\u00dflich f\u00fcr die christlichen Konfessionen, sondern ein Zeichen daf\u00fcr, dass nach 500 Jahren, in denen Menschen gegeneinander Krieg gef\u00fchrt haben, sie nun endlich diese Grenzen \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Will sagen: Dass wir damit ein Zeichen setzen in einer Welt, die so zerrissen und so gespalten und so von Hass und Abgrenzung gepr\u00e4gt ist an so vielen Orten. Wir sagen: Es kann gelingen, dass wir alte Abgrenzungen auch nach vielen Jahrhunderten \u00fcberwinden. Und wir verlieren dabei nichts, sondern wir gewinnen etwas.<\/p>\n<p>\u00d6kumene tut nicht weh, sondern sie macht Freude, und diese Freude st\u00e4rkt wiederum genau den Glauben, der uns allen gut tut. Und genau darin sehe ich eben ein ganz starkes Zeichen f\u00fcr diese Welt: dass es f\u00fcr die Welt gut ist, Grenzen zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Damit haben Sie eigentlich meine n\u00e4chste Frage schon beantwortet. Ich wollte n\u00e4mlich fragen, ob und was \u2013 wie Ulrich Wilhelm es angesprochen hat \u2013 die Gesellschaft im Umgang mit Konflikten von den Kirchen oder von Ihnen beiden lernen kann? Ist die \u00d6kumene vielleicht eine Blaupause f\u00fcr Konfliktl\u00f6sung oder \/-bearbeitung?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> In jedem Falle kann man sehen, dass man aus einer langen, konfliktiven Geschichte lernen kann und Schl\u00fcsse ziehen kann f\u00fcr eine bessere Zukunft. Ferner bin ich davon \u00fcberzeugt, dass es sehr wichtig w\u00e4re, wenn ein jeder seinen Beitrag zu leisten versuchte \u2013 wenn auch nur einen kleinen. Aber der Kern ist und bleibt eben doch der christliche Glaube selber; das ruft uns nicht zuletzt das unmittelbar bevorstehende Weihnachtsfest mit seiner revolution\u00e4ren Aussage in Erinnerung: Jesus ist der Bruder aller Menschen, genauer: Gott ist in Jesus der Bruder aller Menschen geworden. Deswegen weist das Christentum und der christliche Glaube \u2013 jeder Form von Nationalismus zum Trotz \u2013 einen universalistischen Kern auf, den wir gemeinsam bezeugen wollen.<\/p>\n<p>Damit verbunden ist die Einsicht, dass es auf eben diesen Kern auch schwerpunktm\u00e4\u00dfig ankommt und dass wir von einem Gott reden, der der Vater aller Menschen ist, weswegen wir uns nicht damit zufrieden geben k\u00f6nnen, wenn Hass und Abgrenzung und Misstrauen und \u201ewir zuerst\u201c und \u201ewir gegen die anderen\u201c als allgemeine Wahlspr\u00fcche gelten. Das kann schlichtweg nie die Botschaft sein, die wir zu verk\u00fcnden haben, sodass die Hoffnung darin besteht, durch diese \u00f6kumenische Schwerpunktbildung und Vorbildleistung lasse sich letztlich auch ein Dienst an anderen und f\u00fcr andere erkennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Vielleicht kann man auch noch im Verh\u00e4ltnis zur Welt etwas hinzuf\u00fcgen, was f\u00fcr diese ganze Frage auch von zentraler Bedeutung ist, das ist n\u00e4mlich dieses Wort Demut. Wenn wir als Vertreter der christlichen Religion auf unsere Geschichte schauen und wenn wir sehen, wie unfassbar wir selbst dem, was uns eigentlich antreiben sollte, zuwider gehandelt haben, dann ist es, glaube ich, auch gut, wenn wir diese Botschaft jetzt hier in aller Demut und Bescheidenheit zum Ausdruck bringen. Wenn wir auf die Konflikte in der Welt heute schauen, dann fragen wir uns ja: Warum verhakt man sich da so? Da sind wir nicht in der Position, belehrend oder gar hochmutig dar\u00fcber zu reden, sondern wir haben ja selber erlebt, wie sehr man vergessen kann, was eigentlich im Zentrum steht, eigentlich das normale sein m\u00fcsste. Deswegen w\u00fcrde ich sagen, gibt es eine tiefe Solidarit\u00e4t mit all denen, die in solchen Konflikten stecken, die wei\u00df, wie schwer es manchmal ist, da rauszufinden. Aber wenn man diesen Vorspruch gemacht hat, dann darf man, glaube ich, auch das sagen, was wir eben versucht haben zu sagen: Dass es gelingen kann und, dass es allen gut tut, wenn es gelingt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Sie sind beide Sozialethiker. Manche Dogmatiker widersprechen Ihnen ja h\u00f6rbar und lesbar in Ihren beiden Kirchen. Verstehen Sie sich auch deshalb so gut miteinander, weil Sie beide von diesem Interesse herkommen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Ja, ich habe ihn ja schon gekannt, als er noch Professor war, da war ich schon Bischof in Trier. Es trafen sich Kommissionen&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Daran kannst Du dich sogar noch erinnern. Ich wei\u00df es auch noch genau. Ein Abendessen in Berlin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Er schien mir nicht unsympathisch, auf keinen Fall. (lacht) Aber gut, das ist erst mal vom Fach her ein Interesse, man nimmt wahr, was der andere schreibt, etwa \u00fcber soziale Marktwirtschaft, soziale Gerechtigkeit, aber das ist ja jetzt nicht unsere einzige Aufgabe. Wir kommen beide aus dieser Richtung, aber es ist jetzt nicht das Hauptarbeitsfeld. Und man muss eben auch alle Dogmatiker und alle Systematischen Theologen immer wieder daran erinnern, dass die theologischen Erkenntnisquellen nicht nur Texte sind, sondern auch das Leben selber. Das habe ich ja eben genannt. Also die Liturgie geh\u00f6rt mit dazu, dass man erkennt: Was ist jetzt dran? Ein gemeinsames Fest, eine gemeinsame Erfahrung! Also wir sind ein bisschen zu sehr eingeengt, auch in der \u00d6kumene, auf Texte, Texte, Texte, bis der Satz stimmt und noch ein Komma und da kommt noch ein Adjektiv und dann ist es richtig, aber kein Mensch nimmt das wahr.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt nat\u00fcrlich dazu, dass wir intellektuell nachdenken, systematisch. Aber dann geh\u00f6rt auch das Fest dazu, die Liturgie und die Praxis; gerade auch die diakonische Praxis, die politische Praxis ist f\u00fcr mich auch eine Quelle der Erkenntnis, wie Christsein heute zu leben ist, und da kommen wir vielleicht st\u00e4rker aus diesem praktischen Feld und schauen: Ja, Christsein in der Theorie ist das eine, aber Jesus hat ja kein Buch geschrieben, keine Theorie gemacht. Jesus hat gelebt und Zeichen gesetzt.<\/p>\n<p>Das sind entscheidende Punkte, an denen deutlich werden soll, was eigentlich Christentum bedeutet, und da sind wir vielleicht von unserem praktischen Denken her etwas st\u00e4rker, aber ich glaube das geh\u00f6rt zusammen. Ich wollte jetzt nicht gegen die Systematiker oder gegen andere sprechen. Aber es geh\u00f6rt zusammen. Die Wahrheit ist ja eine Person im Christentum. Sie ist kein System von S\u00e4tzen, sondern eine Person, der wir begegnen, und deshalb ist es wichtig, auch auf die Praxis zu schauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Also das kann ich dick unterstreichen. Das habe ich auch von Anfang an bei ihm gesp\u00fcrt. Diesen Blick auf die Wirklichkeit, dass das sozusagen nicht eine dogmatische Wahrheit ist, die festgezurrt wird, die letztendlich \u00fcber der Wirklichkeit hinwegsegelt, sondern zun\u00e4chst einmal die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Ich erinnere mich an viele Gespr\u00e4che, als wir bei der Bioethik und all diesen Fragen einfach mal auf die Wirklichkeit geschaut haben und wo ich gesp\u00fcrt habe: Ja, wir nehmen die Wirklichkeit gemeinsam wahr. Und dass die Wirklichkeitswahrnehmung ihr Gewicht hat, das hat nat\u00fcrlich auch Konsequenzen f\u00fcr die Frage, welche Orientierungen wir geben. Segeln wir \u00fcber der Wirklichkeit oder versuchen wir, die klaren Grundorientierungen, f\u00fcr die wir beide stehen, ins Gespr\u00e4ch zu bringen mit der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Und das kann man auch nicht tun, indem man sagt: Da ist die Dogmatik und da ist die Sozialethik, sondern entscheidend ist ja, dass beides untrennbar miteinander verbunden ist. Dass wir sagen: \u201eWie k\u00f6nnen wir dieses Christuszeugnis heute leben?\u201c Aus meiner Sicht ist radikale Christusliebe immer auch radikale Liebe zur Welt, denn Christus ist f\u00fcr die Menschen gestorben, f\u00fcr die Welt gestorben und deswegen geht es gar nicht, dass man da eine fromme Innerlichkeit pflegt, ohne sich um die Welt zu k\u00fcmmern. Das geht nicht von unserem Glauben her. Es mag Religionen geben, wo das der Fall ist. In der christlichen Religion, in der wir gerade wieder feiern, dass Gott Mensch wird und zu den Menschen kommt und ganz nach unten geht, ans Kreuz geht, als Folteropfer am Kreuz stirbt, in dieser Religion geht es nicht. Da hei\u00dft Gottes Liebe und Verbindung zu Gott immer auch radikale Liebe zur Welt, Einstehen f\u00fcr die Schwachen und einstehen daf\u00fcr, dass der Mensch und seine W\u00fcrde auch wirklich im Zentrum steht und wir uns alle auch daf\u00fcr einsetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Und da Sie sich immer die \u00f6ffentliche Theologie auf die Fahne geschrieben haben, sagen Sie das auch bei vielen Gelegenheiten au\u00dferhalb der Kirche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> So ist es, das ist eben aus meiner Sicht etwas, was zusammengeh\u00f6rt, wenn man \u00f6ffentlich \u00fcber den Glauben redet. Ich glaube, dass es falsch ist, wenn die Kirche sich einfach an die Welt anpasst, dem Zeitgeist hinterherrennt. Es gibt aber auch Zeitgeisterscheinungen, auf die wir gl\u00fccklicherweise geh\u00f6rt haben. N\u00e4mlich die Menschenrechte. Da hat man auch gesagt: Die Kirche folgt dem Zeitgeist. Zum Gl\u00fcck haben die Kirchen ihren Widerstand gegen die Menschenrechte irgendwann endlich aufgegeben, weil sie kapiert haben, das, was damals aufkl\u00e4rerische Traditionen ins Zentrum ger\u00fcckt haben, eigentlich eine Erinnerung an unsere ureigenen Sachen sind.<\/p>\n<p>Manchmal kann es richtig sein, das auch wahrzunehmen. Wir brauchen ein klares Profil, sonst kann man auf uns verzichten. Aber dieses klare Profil kann nat\u00fcrlich umgekehrt auch nicht hei\u00dfen, dass wir uns als Kontrastgesellschaft verstehen, die der Gesellschaft gegen\u00fcbersteht, die ihre fromme Innerlichkeit pflegt und untereinander das letztendlich alles zu leben versucht, aber letztlich die Welt allein l\u00e4sst. Nochmal: Gott hat in Christus die Welt, ton cosmon, mit sich vers\u00f6hnt. Deswegen geh\u00f6rt klares Profil und ein radikales Sicheinlassen auf die Welt zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Formulierung gepr\u00e4gt, schon Papst Johannes XXIII. sagte es, \u201edie Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums\u201c zu deuten, als eine wichtige theologische Erkenntnisquelle. Die Offenbarung ist uns geschenkt in Christus. Aber sie anzuwenden auf die jeweiligen Zeitumst\u00e4nde und die Zeichen der Zeit zu verstehen \u2013 da kann man nicht einfach sagen: Die Mehrheit hat Recht oder die Minderheit hat Recht, sondern man muss sie lesen, diese Zeichen, im Licht des Evangeliums und man muss schauen, was ist vom Evangelium her zu sagen, im Blick auf das, was geschieht. Dazu geh\u00f6rt theologische Anstrengung und vieles mehr. Was mich ein wenig st\u00f6rt: In der \u00d6ffentlichkeit werden wir nat\u00fcrlich oft nur dann als Kirche wahrgenommen, wenn wir sehr konkret etwas Politisches sagen. Dann \u00e4rgern sich manche, manche finden das toll. Wenn ich Liturgie feiere und predige, was ja eine Hauptt\u00e4tigkeit ist, gebe ich ja nicht haupts\u00e4chlich politische Stellungnahmen ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Auch das verbindet uns, mir geht&#8217;s genauso. Man redet \u00fcber Christus, 90 Prozent der Predigt geht \u00fcber den Kern der Fr\u00f6mmigkeit und dann gibt es f\u00fcnf S\u00e4tze \u00fcber etwas Politisches und die sind dann diejenigen, die zitiert werden. Und die Leute denken, die reden ja wie die Politiker. Damit m\u00fcssen wir irgendwie umgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx: <\/strong>Weihnachten werden wir es wieder sehen und uns bem\u00fchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> An so einem Tag ist es ja besonders sch\u00f6n, nicht immer von dem zu reden, was noch nicht ist. Sonst, im Alltag, wenn es um \u00d6kumene geht \u2013 jedenfalls normalerweise in Gespr\u00e4chen au\u00dferhalb der Kirchen, dann ist immer die Rede von dem, was noch nicht geht, was noch sein soll, vom Imperativ. Heute k\u00f6nnen wir die \u00d6kumene der Herzen, die geistliche Freundschaft feiern, trotzdem frage ich, ob es nicht manchmal auch eine \u00d6kumene aus Not geben m\u00fcsste? Wegen des Mitgliederschwunds, wegen des Priestermangels, wegen der Unterversorgung in der Fl\u00e4che, nicht nur in Ostdeutschland. Gehen Sie auch \u2013 notgedrungen \u2013 auf eine \u00d6kumene der Not zu?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx: I<\/strong>ch glaube, es ist ein bisschen schwierig, das so zu formulieren. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir auch da die Zeichen der Zeit interpretieren. Eine schwierige Sicht ist es f\u00fcr mich, zu sagen: Fr\u00fcher war alles besser, heute ist es schwieriger und negativer. So einfach kann ich nicht leben. Ich muss die jeweilige Zeit nehmen, sie deuten im Licht des Evangeliums und dann k\u00f6nnen wir uns auf den Weg machen. Aber dabei k\u00f6nnten wir die \u00f6kumenischen Potentiale noch weiter entfalten. Wir haben gesprochen \u00fcber Krankenhausseelsorge, wir haben gesprochen \u00fcber Notfallseelsorge, die weitgehend \u00f6kumenisch stattfindet, nicht aus der Not heraus, sondern weil man auch wei\u00df, wir bekommen eine gute Zusammenarbeit zustande. Es ist aber kein Zusammenlegen, keine Fusion von zwei schwachen Unternehmen: die k\u00f6nnen nicht gesunden, wenn sie fusionieren. Sie m\u00fcssen im Kern gesund sein, gut drauf sein, Motivation haben, Ziele haben und auch wirklich engagiert arbeiten. Dann kann man \u00fcber Kooperation nachdenken, aber nicht wenn man sagt, wir sind so schwach, dann gehen wir lieber mit zwei Schwachen zusammen. Das geht nicht. Dann schon eher im Hinblick auf die Zeichen. Was sagen uns die Zeichen der Zeit heute? Was k\u00f6nnen wir gemeinsam sogar noch besser tun? In eine solche Richtung w\u00fcrde ich eher denken. Das ist f\u00fcr mich in diesem Jahr ein Impuls.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm<\/strong>: Dieses Jahr hat gezeigt, dass es eben mehr gibt, als irgendwelche Noterfordernisse, die uns dazu bringen, dass wir uns in diese Richtung bewegen wollen. Es ist der Inhalt, \u00fcber den wir jetzt schon die ganze Zeit zu Recht, mit guten Gr\u00fcnden geredet haben. Christus selbst, das ist der Inhalt, der uns zu alledem bringt und der \u00f6ffnet \u00fcberhaupt erst mal die T\u00fcr, l\u00e4sst uns schauen, wie wir viel mehr erreichen k\u00f6nnen. Und zwar im Sinne dieses Inhalts. Es gibt es viele Beispiele, wo das gut gelingt, aber es gibt auch noch vieles, worin wir noch viel mehr gemeinsam machen k\u00f6nnen. Wir haben in Hildesheim auch bei den Selbstverpflichtungen erkl\u00e4rt, dass wir gemeinsam diakonisch viel st\u00e4rker zusammenarbeiten wollen. Die diakonischen Werke, Caritas, Brot f\u00fcr die Welt, Misereor arbeiten auch sehr gut zusammen. Aber auf dieser Ebene geht noch mehr und wir haben uns auch vorgenommen,\u00a0 dass wir das Preisgeld dieses \u00d6kumenischen Preises auch genau daf\u00fcr einsetzen wollen. Wir wollen kleine \u00f6kumenische, diakonische Projekte st\u00e4rken &#8211; wenn Menschen sich um Obdachlose, Menschen ohne Wohnung k\u00fcmmern. Vielleicht braucht es nur einen Anschubbetrag, damit man zusammenkommen kann. Das ist das, was wir gerne mit dem Geld machen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Das sehe ich genauso. Das hatten wir im Prinzip so abgesprochen. Vielleicht gibt es neben den diakonischen noch andere \u00f6kumenische Projekte, die jetzt in das Blickfeld r\u00fccken. Da m\u00fcssen wir vielleicht noch einmal intensiver nachdenken. Es muss ja auch nicht bei dem Preisgeld bleiben, vielleicht gibt es auch noch andere, die etwas dazu geben, aber man braucht eine gute Idee: Wie k\u00f6nnen wir diesen Gedanken, also nicht \u00d6kumene der Not, sondern \u00d6kumene der gemeinsamen Perspektiven, an den Projekten sichtbar machen. Das w\u00e4re eine tolle Idee und dann loben wir vielleicht einen Preis aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Es wurde vorher das gemeinsame Dokument von 2013 zitiert, \u201eVom Konflikt zur Gemeinschaft\u201c. Nun lebe ich auch in Gemeinschaften verschiedenster Art und da haben wir Konflikte. Insofern finde ich diesen Titel ein bisschen ungl\u00fccklich. Geht es nicht auch, dass Sie Gemeinschaft leben, vielleicht sogar institutionalisieren, mit allen Konflikten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Ich glaube, dass das in der Tat zu jeder Gemeinschaft geh\u00f6rt, wenn sie ehrlich ist. In der Gemeinschaft sind nicht nur v\u00f6llig gleichgesinnte Menschen zusammen,\u00a0 sondern da sind unterschiedliche Menschen beisammen, bei denen es nat\u00fcrlich dann auch Konflikte gibt, sodass die einzige Frage ist: Wie geht man um mit diesen Konflikten? Und vor allem auch: Wie viel Vertrauen ist da? Das ist, glaube ich, auch der entscheidende Punkt. Hast du Vertrauen zu dem anderen? Wenn ich jetzt irgendwas in der Zeitung lesen w\u00fcrde, wo ich sage: Huh? Warum hat er denn das gesagt? Oder umgekehrt, dann kann es sein, dass er an dieser Stelle eine Meinung vertritt, bei der wir nicht einig sind, an der wir uns zusammenraufen m\u00fcssen. Im Moment sehr unwahrscheinlich, weil im Moment, wenn er ein Interview gibt, denke ich immer: Das h\u00e4tte ich genauso gesagt.<\/p>\n<p>Aber es kann auch einfach sein, dass es falsch wiedergegeben worden ist. Fr\u00fcher h\u00e4tte sich dann etwas aufgebaut. Da h\u00e4tte man dann Misstrauen empfunden. Das ist f\u00fcr mich kein Thema. Ich wei\u00df ganz genau, dass es eine starke Vertrauensbasis gibt und das gilt nicht nur f\u00fcr uns beide als Personen, sondern das weitet sich immer weiter aus und man kann es an bestimmten Dokumenten sehen. Als die EKD die Schrift \u201eRechtfertigung und Freiheit\u201c ver\u00f6ffentlicht hat, gab es erst mal eine mich \u00fcberraschende gereizte Reaktion, gerade von den \u00d6kumenikern auf der katholischen Seite.<\/p>\n<p>Das war eine Schrift, in der wir die theologischen Inhalte versucht haben deutlich zu machen, mit denen wir ins Reformationsjubil\u00e4um gehen wollen. Und das wurde dann manchmal so missverstanden, als ob die Intention Abgrenzung gewesen w\u00e4re. Wir haben viel geredet und ich habe dann ein Vorwort f\u00fcr die vierte Auflage geschrieben, in dem ich diese Missverst\u00e4ndnisse zu \u00fcberwinden versucht habe. Wenn diese Schrift heute erscheinen w\u00fcrde, &#8211; dann w\u00fcrden wir uns zuerst einmal verst\u00e4ndigen, w\u00fcrden nicht gleich denken, der andere grenzt sich jetzt ab, sondern da w\u00e4re diese Vertrauensbasis vorhanden. Das ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie konkret ein solches Grundvertrauen sein kann, das manchen jetzt vielleicht zu wenig konkret ist. Dieses Nichtanfassbare ist sehr anfassbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Man muss davon ausgehen, dass es vielstimmig bleibt. Wir k\u00f6nnen nicht f\u00fcr alle, die ihre Stimme erheben an irgendeiner Stelle die Hand ins Feuer legen. Es gibt auch eine gewisse Freiheit der Kinder Gottes, sich zu \u00e4u\u00dfern: die Theologen, die Bisch\u00f6fe. Da k\u00f6nnen wir nicht sagen: Nur wenn wir sprechen, spricht die Kirche. So einfach ist das nicht. Der Rat der EKD und die Deutsche Bischofskonferenz sind keine konfliktfreien Zonen. Das m\u00f6chte ich einmal vermuten und insofern gehen wir jetzt damit um, auch mit der Vielstimmigkeit. Nat\u00fcrlich, jeder hat eine Verantwortung. Wir haben jetzt auf Zeit eine Verantwortung f\u00fcr die beiden Kirchen, in besonderer Weise Stellung zu nehmen und da nehmen wir uns vor, das in diesem Stil zu tun und ich hoffe, dass andere diesen Stil dann auch positiv bewerten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> Herr Kardinal, haben Sie sich jemals gew\u00fcnscht evangelisch zu sein? Au\u00dfer bei der netten Bauernhoferbin?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Erstens hatte ich nie eine Heirat im Sinn, insofern f\u00e4llt das schon mal aus. Nein, der Gedanke ist mir eigentlich nie gekommen. Ich bin froh wie es ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm:<\/strong> Bei mir ist es auch nicht so gewesen. Aber ich glaube, das ist auch gar nicht notwendig, denn der entscheidende Punkt ist ja, dass wir uns gegenseitig entdecken, in der jeweiligen Konfession, in der wir sind. Es geht auch nicht darum, eine Einheitsso\u00dfe zu r\u00fchren, sondern es geht darum, auch sich freuen zu k\u00f6nnen an gewachsenen Traditionen anderer. Ich k\u00f6nnte jetzt gleich nochmal eine ganze Menge an Dingen nennen: Das hat sich in der katholischen Tradition entwickelt, davon k\u00f6nnen wir etwas lernen. Und das ist der richtige Modus, dass wir uns freuen an unseren Traditionen. Bei uns nat\u00fcrlich die Frauenordination. Das ist f\u00fcr uns ein Riesengeschenk und wir k\u00f6nnten nie darauf verzichten. Wir haben damit beste Erfahrungen gemacht. Insofern w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich nie sagen: Das geben wir jetzt auf f\u00fcr die Einheit. Sondern es darum, dass wir uns an unseren Traditionen freuen und jetzt ausloten, an welchen Punkten sind diese Unterschiede noch kirchentrennend und an welchen Punkten sind sie es nicht mehr? Das ist die Hauptherausforderung, nicht dass wir die Unterschiede jetzt einfach einebnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Wir m\u00fcssen als katholische\u00a0 Kirche, so habe ich das in der Bischofskonferenz gesagt, miteinander dar\u00fcber sprechen, das gilt nat\u00fcrlich besonders auch auf der Weltebene, da sind wir als Bischofskonferenz nat\u00fcrlich nicht alleine gefordert. Aber, vielleicht besonders weil wir in Deutschland sind, sind wir gefordert, einmal zu sagen: Wie definieren wir diese Unterschiede, die dann nicht mehr kirchentrennend sind? Also nicht zu sagen, alle m\u00fcssen genauso werden wie wir als katholische Kirche \u2013 erst dann ist die Einheit da. Einheit ist vielleicht ein Wort, das sofort mit Einheitlichkeit verbunden wird.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen schauen, ob man einen gemeinsamen Weg gehen kann. Oder wir k\u00f6nnen entdecken: Ja, wir bleiben an diesem Punkt unterschiedlich, aber diese Unterschiede nehmen wir nicht mehr als wirklich kirchentrennend wahr. Dieser Weg hat noch einmal Schub bekommen durch das Jahr 2017.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sabine Rauh:<\/strong> In ein paar Tagen ist Weihnachten. W\u00fcnschen Sie sich was!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Reinhard Marx:<\/strong> Ich w\u00fcnsche mir immer wieder, dass viele Menschen den Zauber dieses Festes sp\u00fcren. Manche denken ja, Weihnachten ist v\u00f6llig vom Konsum \u00fcberlagert. Ich sage immer: Weihnachten kann man eigentlich nicht zerst\u00f6ren. Das ist ein Gesamtkunstwerk und ich hoffe, dass viele Menschen einfach im Blick auf diesen Menschen, Jesus von Nazareth, Hoffnung sch\u00f6pfen, dass sie getr\u00f6stet sind, dass sie besser von Weihnachten weggehen, als sie reingegangen sind; das w\u00e4re schon sch\u00f6n.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heinrich Bedford-Strohm: <\/strong>Ich kann eigentlich nur daran anschlie\u00dfen. Glaube, Liebe, Hoffnung. Diese drei haben ganz viel mit Weihnachten zu tun. Die Kraft von Weihnachten, von seinem Inhalt her, dass Gott Mensch wird, dass der Heiland der Welt geboren wird, dass dieses Kind in der Krippe hat die Welt ver\u00e4ndert. Er hat als Erwachsener die Liebe ausgestrahlt, in einer Radikalit\u00e4t, die wir so nie gekannt haben und die Menschen in aller Welt inspiriert, im Sinne dieser Liebe auch in die Welt hinein zu wirken. Und das aus einem tiefen Vertrauen heraus, dass Gott diese Welt nicht allein l\u00e4sst, dass diese Welt nicht im Dunkeln landet, sondern sich \u00f6ffnet ins Licht und ein neuer Himmel und eine neue Erde uns vor Augen steht. Wenn wir diese Hoffnung an Weihnachten wieder neu gewinnen, dann w\u00e4re Weihnachten einmal mehr ins Ziel gekommen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine Rauh: Normalerweise d\u00fcrfen an dieser Stelle die Preistr\u00e4ger sagen, warum sie sich besonders freuen \u00fcber diesen Preis\u2026 Herr Kardinal, warum freuen Sie sich besonders \u00fcber diesen Preis? &nbsp; Reinhard Marx: Ich muss gestehen, dass mich der Erhalt dieses Preises sehr bewegt. 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