{"id":116759,"date":"2025-12-16T11:31:51","date_gmt":"2025-12-16T10:31:51","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=116759"},"modified":"2025-12-16T11:31:55","modified_gmt":"2025-12-16T10:31:55","slug":"wenn-der-tod-ins-leben-einbricht-auswirkungen-auf-hinterbliebene","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/wenn-der-tod-ins-leben-einbricht-auswirkungen-auf-hinterbliebene\/","title":{"rendered":"Wenn der Tod ins Leben einbricht"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der \u201elangsame Tod\u201c findet in den letzten 30 Jahren zunehmende Aufmerksamkeit: Hospizvereine sind weit verbreitet, in der Palliativmedizin wendet sich die Medizin dem Sterbenden (und seinen Angeh\u00f6rigen) zu. In mehreren Veranstaltungen und seit vielen Jahren bietet auch die Katholische Akademie Bayern diesem Anliegen ein Forum. Man darf feststellen, dass das Sterben im Krankenhaus und an den Orten, die die Gesellschaft f\u00fcr das Sterben vorsieht (zum Beispiel Pflege- und Altenheime), die Abstellkammer verlassen hat und gesellschaftlich, (gesundheits-)politisch und wissenschaftlich Wahrnehmung und Aufmerksamkeit findet.<\/p>\n<p>Der \u201epl\u00f6tzliche Tod\u201c jedoch ist und bleibt ebenfalls gesellschaftliche Realit\u00e4t: Etwa 20 Prozent aller Menschen in unserer Gesellschaft sterben pl\u00f6tzlich und auf diese Weise unerwartet. Unsere Gesellschaft betreibt in der (Notfall-)Medizin wie in der Gefahrenabwehr allgemein (zum Beispiel Feuerwehr und Polizei) erheblichen Aufwand, um ihn zu verhindern. Tats\u00e4chlich ist das Risiko f\u00fcr einen Menschen in Europa deutlich geringer geworden, pl\u00f6tzlich und auf diese Weise unerwartet durch eine Verletzung oder akut verlaufende Erkrankung zu sterben, als es fr\u00fcher vorkam oder heute noch an den meisten anderen Orten der Welt. Dennoch l\u00e4sst sich (der pl\u00f6tzliche) Tod nicht domestizieren: Trotz aller Fortschritte der Medizin verlaufen rund 80 Prozent aller Wiederbelebungsversuche (medizinisch: \u201aReanimation\u2018, w\u00f6rtlich: \u201eWieder-Beseelung\u201c) in der Notfallmedizin erfolglos.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend zu fr\u00fcheren Zeiten das Gebet um die Bewahrung vor dem pl\u00f6tzlichen Tod verbreitet war, zeigen Untersuchungen, dass es sich heute um die favorisierte Weise des Sterbens zu handeln scheint. In diesem Wunsch mag zum Ausdruck kommen, sich selbst nach M\u00f6glichkeit nicht mit der eigenen Sterblichkeit und dem eigenen Sterben befassen zu m\u00fcssen, vor allem nicht bewusst auf ihn zugehen zu m\u00fcssen, sondern gleichsam wie vom Blitz getroffen von jetzt auf sofort aus dem Leben zu gehen. Dieser Wunsch nimmt freilich nicht in den Blick, dass der Tod eine soziale Dimension hat: Der oder die Verstorbene hinterl\u00e4sst Angeh\u00f6rige, Freunde und Kollegen. Mindestens ein Mensch meist aus dem sozialen Umfeld des Verstorbenen findet den Leichnam. Die unerwartete Konfrontation mit dem pl\u00f6tzlichen Tod stellt in unserer Gesellschaft die h\u00e4ufigste Ursache einer psychischen Traumatisierung dar, noch weit vor Gewalterfahrungen. Jeder sechste Mensch, der einer solchen Erfahrung ausgesetzt war, wird daran psychisch krank und erleidet eine Traumafolgest\u00f6rung.<\/p>\n<p>Stirbt ein Mensch im Krankenhaus oder sonst einer Einrichtung, die auf den Umgang mit Sterbenden eingestellt ist, werden auch die Hinterbliebenen (mehr oder weniger) angemessen wahrgenommen. Besonders die Krankenhausseelsorge hat diese Aufgabe im Blick. Wenn jedoch ein Mensch pr\u00e4klinisch, also au\u00dferhalb der Reservate stirbt, die f\u00fcr Sterben und Tod vorgesehen und eingeplant sind, werden Hinterbliebene \u2013 falls \u00fcberhaupt \u2013 durch Einsatzkr\u00e4fte des Rettungsdienstes, der Feuerwehr und der Polizei wahrgenommen, sofern daf\u00fcr fachliche und zeitliche Ressourcen bestehen.<\/p>\n<p>Seit Beginn 1990er Jahre ist die Gefahrenabwehr im deutschsprachigen Raum um einen Dienst erweitert worden, in dem Hinterbliebene, aber auch k\u00f6rperlich unverletzte \u00dcberlebende, mit ihren spezifischen Bed\u00fcrfnissen in der Notfallsituation wahrgenommen werden. Tr\u00e4ger dieses Dienstes, der als \u201epsychosoziale Notfallversorgung f\u00fcr Betroffene\u201c (PSNV-B) bezeichnet wird, sind regional unterschiedlich entweder s\u00e4kulare \u201eKriseninterventionsdienste\u201c meist in Tr\u00e4gerschaft von Hilfsorganisationen (DRK\/BRK, ASB, MHD, JUH), oder \u00f6kumenische Projekte der beiden Kirchen als Notfallseelsorge. Sowohl die s\u00e4kulare wie die kirchliche Variante arbeiten auf denselben humanwissenschaftlichen Grundlagen f\u00fcr alle Menschen, die vom pl\u00f6tzlichen Tod oder seiner realen M\u00f6glichkeit betroffen sind (in M\u00fcnchen ist die erste Einrichtung dieser Art seit 1994 t\u00e4tig).<\/p>\n<p>Auftrag der Krisenintervention und der Notfallseelsorge ist es, den Betroffenen angesichts seines spezifischen Zustandes so zu unterst\u00fctzen, dass er selbstwirksam werden kann (oder bleibt). Viele Menschen machen zun\u00e4chst die Erfahrung, von den ersch\u00fctternden Ereignissen \u00fcberrollt zu werden und ihnen ausgeliefert zu sein. Es geht darum, den Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen und seine Bed\u00fcrfnisse mit den Bedarfen, die entstehen, wenn ein Mensch pl\u00f6tzlich und in dieser Weise unerwartet stirbt, zu vermitteln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Betroffenen kommt es durch die pl\u00f6tzliche Konfrontation mit dem Tod eines anderen Menschen zu charakteristischen psychischen Ver\u00e4nderungen. Diese Ver\u00e4nderungen sind nicht oder nur sehr selten der Beginn einer psychischen Erkrankung (Traumafolgest\u00f6rung, zum Beispiel Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung), sondern sie sind die Aktivierung aller dem Menschen zur Verf\u00fcgung stehender Ressourcen, um ein bis dahin niemals erlebtes und erlittenes Ereignis zu \u00fcberstehen und handlungsf\u00e4hig zu bleiben. Die psychosoziale Akutbetreuung, die sich an den Bed\u00fcrfnissen des Betroffenen orientiert, muss zun\u00e4chst an seine psychische Verfassung in der Situation ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>\u201eMit einem Mal war die Welt eine andere\u201c \u2013 so bringen Betroffene ihre Erfahrung aus der Situation sp\u00e4ter oft ins Wort. Die mentale Sonderfunktionsweise tritt unmittelbar und sofort mit dem Ereignis ein und katapultiert den Betroffenen in einen Zustand, der alltagssprachlich auch als \u201efalscher Film\u201c bezeichnet wird. Generell gilt, dass diese Erfahrungen tats\u00e4chlich schwer verbalisierbar sind: Sie gehorchen nicht unserer Alltagslogik. Sie haben sich aber \u00fcber hunderttausende von Jahren f\u00fcr den Menschen als \u00fcberlebensdienlich in lebensbedrohlichen Situationen herausgestellt und sind hirnphysiologisch beschreib- und nachvollziehbar:<\/p>\n<ul>\n<li>Aufgehobenes oder ver\u00e4ndertes Zeitgef\u00fchl: wer zum Beispiel als Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall oder in einer anderen Notfallsituation auf die Notdienste warten musste, der wei\u00df, was es hei\u00dft, \u201eeine Ewigkeit\u201c warten zu m\u00fcssen, auch dann, wenn das Warten mit der Stoppuhr gemessen wahrscheinlich kaum l\u00e4nger als zehn Minuten gedauert hat.<\/li>\n<li>\nWirklichkeit wirkt und wird unwirklich: Betroffene beschreiben ihre Erfahrung h\u00e4ufig so, dass sie das Gef\u00fchl h\u00e4tten, sich gleichsam in einer Traumszenerie zu bewegen. Hier scheint auch die Formulierung vom \u201efalschen Film\u201c, in dem man sich bewegt und agiert, zu passen.<\/li>\n<li>\nIchfremde Erfahrung: Man handelt oder spricht mit dem befremdlichen Gef\u00fchl, sich selbst beim Handeln und Reden zu beobachten, sich selbst zuzuh\u00f6ren oder aus einer Kameraperspektive sich in der Szene zuzusehen. Manche Menschen f\u00fchlen sich wie ferngesteuert. Vielleicht erleben sie die Szene glasklar und wissen genau, was in welcher Reihenfolge zu tun ist. Andere haben das Gef\u00fchl handlungsunf\u00e4hig im Chaos zu versinken. Manche k\u00f6nnen ihr Verhalten oder Denken auf einer Metaebene innerlich kommentieren.<\/li>\n<li>\nVerlust kognitiver F\u00e4higkeiten: Erinnern und logisches Denken f\u00e4llt schwer oder scheint unm\u00f6glich.<\/li>\n<li>\nKeine Wahrnehmung von Gef\u00fchlen: Gef\u00fchle von Angst oder Trauer sind (zun\u00e4chst noch!) nicht vorhanden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die genannten Ver\u00e4nderungen halten so lange an, wie es das psychische \u00dcberleben in der Situation erfordert. Wenn das Bedrohliche aus der Situation gewichen ist, h\u00f6rt der mentale \u00dcberlebensmodus auf. Das kann dazu f\u00fchren, dass dann, wenn alles \u00fcberstanden scheint oder ist, starke Gef\u00fchle von Verzweiflung und Trauer \u00fcberw\u00e4ltigen. In der (so erlebten Bedrohungs-)Situation, in der alle Kr\u00e4fte aufs \u00dcberleben beziehungsweise \u00dcberstehen der Situation fokussiert sind, w\u00fcrden starke Gef\u00fchle den Betroffenen \u00fcbermannen und handlungsunf\u00e4hig machen. Erst wenn die Sicherheit wiederhergestellt ist, kann es sich der Mensch angesichts der \u00fcberstanden Bedrohung leisten, Gef\u00fchle wieder wahrzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Menschen, die Erfahrungen in dieser Qualit\u00e4t machen mussten, haben f\u00e4lschlich den Eindruck, nur ihnen erginge es so: Oft sch\u00e4men sie sich deshalb oder sie entwickeln, wenn sie sp\u00e4ter \u00fcber das Nachdenken, was passiert ist, Gedanken eigener Schuld und pers\u00f6nlichen Versagens. Es ist hilfreich zu h\u00f6ren und zu verstehen, dass viele oder die meisten Menschen, die von einer derartigen Situation \u00fcberrascht werden, so oder so \u00e4hnlich reagieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr die psychosoziale Notfallversorgung muss als Haltung zun\u00e4chst klar sein, was nur auf den ersten Blick trivial erscheint: Der Tod ist irreversibel eingetreten. Damit bleibt die eigentliche, wirklich substanzielle Hilfe f\u00fcr Hinterbliebene versagt. Sie besteht darin, den Tod des Angeh\u00f6rigen aufzuheben oder umzukehren. Dem sind trotz aller Bem\u00fchungen und Fortschritte der Medizin enge Grenzen gesetzt. Aus diesem Grund sind Wiederbelebungen ein gesellschaftlich relevanter Lern- und Erfahrungsort von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Der im Vorgarten landende Rettungshubschrauber kann dem Menschen mit sicheren Todeszeichen (Leichenstarre, Leichenflecken) das Leben nicht zur\u00fcckgeben. Diese Erfahrung wirkt auf das Einsatzpersonal der Gefahrenabwehr und in anderer Weise auf die Hinterbliebenen. Hier wird ausschlie\u00dflich auf die Situation der Hinterbliebenen eingegangen. An dem fatalen Ausgang kann auch die Notfallseelsorge oder Krisenintervention nichts \u00e4ndern: Sie kann den Verstorbenen nicht seinen Hinterbliebenen zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p>Dennoch wird sie sinnvoll und mit guten Grund t\u00e4tig: Das Grundbed\u00fcrfnis betroffener Menschen liegt darin, in dieser Situation nicht allein gelassen zu werden. Die Erfahrung, dass jemand f\u00fcr den Betroffenen da ist, steht im Mittelpunkt. Ein Mensch, der sich ihm vorstellt als jemand, der ihm zusagt, \u201eZeit f\u00fcr ihn zu haben\u201c und ihn damit in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit stellt, entspricht seinem Bed\u00fcrfnis in dieser Situation.<\/p>\n<p>Der Bezug zum Gottesnamen des Ersten Bundes (vergleiche Exodus 3,14) dr\u00e4ngt sich auf. Nicht zuf\u00e4llig klingt in der unpr\u00e4tenti\u00f6sen und allt\u00e4glichen Begr\u00fc\u00dfung und Selbstvorstellung \u201eIch habe Zeit f\u00fcr Sie und bin jetzt f\u00fcr Sie da\u201c die Zusage Gottes an Mose und sein Volk an: \u201eIch habe das Elend meines Volkes \u2026 gesehen \u2026 ich kenne ihr Leid\u201c (Exodus 3,7) \u2013 und ich werde es letztlich wandeln. In der Zusage der Pr\u00e4senz, die in der Begegnung mit einem anderen Menschen erfolgt, liegt der erste Schritt hin zu der Erfahrung, im Leid und in der Trauer nicht allein zu sein und daraus Trost und Zuversicht sch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zugleich liegt in dieser Zusage eine wichtige Selbstbegrenzung des Aussagenden. Sie legt ihn auf eine verf\u00fcgbare Pr\u00e4senz fest, jedoch nicht darauf, daf\u00fcr zu sorgen, dass keine Trauer sei, dass alles so sei, wie es vorher war. Die Zusage der Pr\u00e4senz beinhaltet vielmehr, die Hilflosigkeit des ersch\u00fctterten und trauernden Menschen ebenso zu teilen wie auch die Hilflosigkeit derer, die helfen wollten und den Tod trotz allen Aufwandes, aller Technik und allen Engagements nicht verhindern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Selbstvergewisserung, die in der Zusage des blo\u00dfen Daseins liegt, bewahrt davor, der Hilflosigkeit der Situation auszuweichen und f\u00fchrt zur R\u00fcckbesinnung auf die zentrale Tugend der Notfallseelsorge. Sie verzichtet soweit wie m\u00f6glich auf ein \u201eMachen\u201c und \u201eHandeln\u201c. Sie lebt vielmehr aus der N\u00e4he Gottes auch in dieser Situation, in der Gott eher verborgen und entzogen zu sein scheint. Mit ihm gemeinsam h\u00e4lt sie die Kraft-, Hilf- und Sprachlosigkeit der Trauernden aus. Die Seelsorgerin oder der Seelsorger, die sich selber als Da-Seiende vorstellen und das auch authentisch zum Ausdruck bringen, wissen um das Dasein dessen, der ihnen in dieser Situation erst den Halt gibt, den sie dem Trauernden (weiter) zu geben verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Indem die Seelsorgerin und der Seelsorger sich dem Kontext des pl\u00f6tzlichen Todes und auch den davon unmittelbar betroffenen Menschen aussetzen, tragen sie dazu bei, dass Tod \u00fcberhaupt verk\u00fcndigt wird, das hei\u00dft hier: realisiert werden kann. Oftmals sind die Seelsorgerinnen oder Seelsorger die Ersten, denen gegen\u00fcber Hinterbliebene erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, wie der geliebte Mensch verstarb. Wenn die Seelsorgerin oder der Seelsorger gemeinsam mit den Hinterbliebenen \u00fcberlegt, wer aus Familien- und Freundeskreis jetzt von diesem Todesfall erfahren soll, tragen sie wiederum dazu bei, dass Tod \u00fcberhaupt verk\u00fcndet werden kann.<\/p>\n<p>In der Eucharistiefeier folgt unmittelbar nach den Einsetzungsworten die vom Diakon vorgetragene Akklamation: \u201eGeheimnis des Glaubens\u201c. Die versammelte Gemeinde antwortet: \u201eDeinen Tod, o Herr, verk\u00fcnden wir und deine Auferstehung preisen wir\u2026\u201c. Notfallseelsorge nimmt ernst, dass vor dem Preisen der Auferstehung eine \u201eVerk\u00fcndigung des Todes\u201c steht. Verk\u00fcnden meint hier weniger \u00f6ffentlich machen als vielmehr anzuerkennen und zu realisieren, dass der Tod eingetreten ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seelsorge angesichts des pl\u00f6tzlichen Todes ist, wenn man diese beiden Aspekte verbindet, wesentlich Seelsorge am Karsamstag. Die Liturgie des Karsamstags ist von gr\u00f6\u00dfter Ruhe und \u2013 im Verh\u00e4ltnis zu den reichen Gestaltungen der Gottesdienste an den \u00fcbrigen Kar- und Ostertagen \u2013 von Ereignislosigkeit gepr\u00e4gt. Leiden und Tod Jesu wurden in den vorausgegangenen Tagen vergegenw\u00e4rtigt, die Zeit der Auferstehung ist noch nicht gekommen. Die Zeit scheint inne zu halten. Es gibt f\u00fcr die Gemeinde keinen eigentlichen Grund und Anlass mehr, zusammen zu kommen, au\u00dfer gemeinsam des Todes Jesu zu gedenken. Aber auch diese Zusammenk\u00fcnfte sind nur minimal strukturiert. Es ereignet sich eigentlich nichts in der l\u00e4hmenden und schwer ertr\u00e4glichen Stimmung sowie der eigenartigen Strukturlosigkeit des Karsamstags. Dies wird f\u00fcr jeden erfahrbar, der sich dem Charakter des Karsamstags aussetzt.<\/p>\n<p>Vielleicht haben wir uns so an den Ablauf der Kar- und Osterliturgie gew\u00f6hnt, dass es schwer f\u00e4llt, das Eigentliche des Karsamstags wahr zu nehmen: Denn er stellt den \u00dcbergang vom Tod zur Auferstehung dar. Vorher in der Trauer, in der Vergegenw\u00e4rtigung von Leiden und Tod Jesu, geht es bewegt und emotional dicht zu, ebenso nachher in der Freude mit der Entdeckung des leeren Grabes und der Gestalt annehmenden Gewissheit der Auferstehung. Am Karsamstag jedoch steht alles still, kein Hauch bewegt sich: Wie das Auge des Hurrikans k\u00f6nnte der Karsamstag in seiner Ereignislosigkeit im Mittelpunkt der Erfahrung von Tod und Auferstehung stehen \u2013 freilich leicht verkennbar. Die Situation, in der die Seelsorge im Notfall des pl\u00f6tzlichen Todes die Hinterbliebenen begleitet, bildet etwas von dem \u201eNicht mehr\u201c und \u201eNoch nicht\u201c des Karsamstags ab.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick ereignet sich in der Notfallseelsorge nur wenig. Nicht das Reden oder das Tun stehen im Vordergrund der Begleitung. Dabei ist f\u00fcr die Notfallseelsorge allerdings zentral, was auch konstitutiv f\u00fcr die Ostererfahrung ist: Die Verabschiedung vom Leichnam. Wie die Frauen, die im Halbdunkel des neues Tages zum Leichnam Jesu gehen (Matth\u00e4us 28,1; Markus 16,1; Lukas 24,1; Johannes 20,1) gehen die Seelsorgerin oder der Seelsorger mit den Hinterbliebenen \u2013 wo immer dies m\u00f6glich ist \u2013 zum Leichnam des Verstorbenen. Was in den Auferstehungsberichten der vier Evangelien und in der Liturgie der Kar- und Ostertage zeitlich verdichtet zur Darstellung und Vergegenw\u00e4rtigung kommt, dauert als nachfolgender psychischer Prozess f\u00fcr trauernde Menschen allerdings Wochen und Monate, mitunter auch Jahre.<\/p>\n<p>Als \u00f6sterliche Menschen setzen sich Seelsorgerinnen und Seelsorger den Karsamstagen im Leben der anderen Menschen aus. Nicht dauernd, nicht immer \u2013 aber doch dann, wenn es die Not erfordert. Dies ist nie leicht und wird nie leicht werden. Wer sich heute dem Karsamstag aussetzt, begegnet der Angst und der Trauer der Menschen um Jesus damals. Und er begegnet dem Grund christlichen Hoffens und Glaubens im Angesicht des Toten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; Der \u201elangsame Tod\u201c findet in den letzten 30 Jahren zunehmende Aufmerksamkeit: Hospizvereine sind weit verbreitet, in der Palliativmedizin wendet sich die Medizin dem Sterbenden (und seinen Angeh\u00f6rigen) zu. In mehreren Veranstaltungen und seit vielen Jahren bietet auch die Katholische Akademie Bayern diesem Anliegen ein Forum. 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