{"id":116809,"date":"2025-12-16T15:33:58","date_gmt":"2025-12-16T14:33:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=116809"},"modified":"2025-12-16T15:34:01","modified_gmt":"2025-12-16T14:34:01","slug":"gustav-stresemann-vernunftrepublikaner-und-verstaendigungspolitiker","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/gustav-stresemann-vernunftrepublikaner-und-verstaendigungspolitiker\/","title":{"rendered":"Gustav Stresemann"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Gustav Stresemanns Bild schwankt in der Geschichte, nicht allein bei Zeitgenossen, sondern auch bei Nachlebenden. Doch finden Sie im Titel meines Vortrags \u00fcber den kurzzeitigen Reichskanzler und langj\u00e4hrigen Au\u00dfenminister der Weimarer Republik keinen Hinweis, warum er selbst bei Historikern umstritten war oder noch ist. Und noch weniger k\u00f6nnen Sie sich vorstellen, weshalb in der AfD \u00fcberlegt wird, ihre geplante Parteistiftung nach Stresemann zu benennen. Legt man den Akzent auf den \u201aVernunftrepublikaner\u2018 und \u201aVerst\u00e4ndigungspolitiker\u2018, handelt es sich bei der AfD-Initiative zweifellos um eine Provokation. Wie erkl\u00e4rt sich dieser Widerspruch? Daf\u00fcr gibt es vor allem zwei Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>Erstens die Neigung, vergangene Epochen und historische Pers\u00f6nlichkeiten unter dem Blickwinkel und Wertma\u00dfst\u00e4ben unserer eigenen, also einer sp\u00e4teren Epoche zu beurteilen. Genau diese gegenwartsbezogene Egozentrik widerspricht jedoch der Tugend des Historikers, nicht die eigene Zeit als Ma\u00dfstab zu nehmen, sondern eine Pers\u00f6nlichkeit unter den spezifischen Charakteristika ihrer, uns oft fremden Zeit zu beurteilen. Das schlie\u00dft keineswegs aus, die Wirkungsgeschichte historischen Handelns ebenfalls zu analysieren.<\/p>\n<p>Zweitens haben wir bei Stresemann tats\u00e4chlich ein Problem, n\u00e4mlich seine Widerspr\u00fcchlichkeit. Sie l\u00e4sst sich freilich zum wesentlichen Teil entwicklungsgeschichtlich aufl\u00f6sen, kurz gesagt: Meine im Titel zum Ausdruck kommende Bewertung legt den Akzent eindeutig auf das letzte Jahrzehnt seines Wirkens, also die Jahre 1919 bis 1929.<\/p>\n<p>Trotzdem muss man den \u201aganzen\u2018 Stresemann im Blick haben, und das wirft Fragen auf: Wie ist es zu erkl\u00e4ren, dass der Nationalist und Annexionist des 1. Weltkriegs in den 1920er Jahren zum wichtigsten europ\u00e4ischen Verst\u00e4ndigungspolitiker wurde? Wie ist es zu erkl\u00e4ren, dass der Monarchist Gustav Stresemann neben dem ersten Reichspr\u00e4sidenten, dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert, zur st\u00e4rksten St\u00fctze der Weimarer Republik und des Weimarer Parlamentarismus wurde? Ist das \u201aR\u00e4tsel\u2018 Stresemann wirklich so unl\u00f6sbar?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es historische Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den Wandel Stresemanns, der &#8211; wie sp\u00e4ter Franz Josef Strau\u00df &#8211; sich selbst mit einem Wort Conrad Ferdinand Meyers charakterisiert hat: Ich bin \u201ekein ausgekl\u00fcgelt Buch, sondern ein Mensch mit seinem Widerspruch\u201c. Die Gr\u00fcnde liegen in seiner individuellen Entwicklungsgeschichte, im Doppelcharakter des Nationalliberalismus und vor allem in den Br\u00fcchen und Diskontinuit\u00e4ten der deutschen Geschichte, auf die der Politiker Stresemann reagieren musste. Und nicht zu vergessen: Bei jedem Spitzenpolitiker kommt es immer wieder zu taktischen Wendungen, nicht jedes Wort kann auf die Goldwaage gelegt werden, vielmehr kommt es auf das langfristige Handeln an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beginnen wir mit einer knappen Skizze von Gustav Stresemanns Werdegang, hat er doch selbst in seinen Fragment gebliebenen autobiographischen Bemerkungen von 1923 auf den Einfluss der Jugendjahre hingewiesen: Gustav Stresemann wurde am 10. Mai 1878 in Berlin als j\u00fcngstes von sieben \u00fcberlebenden Kindern eines Gro\u00dfh\u00e4ndlers f\u00fcr Flaschenbier geboren. Im \u00fcberwiegend kleinb\u00fcrgerlichen und proletarischen Berliner Stadtteil Friedrichshain hatte es der Vater, der auch Wohnungen vermietete und eine Gastst\u00e4tte betrieb, zu einem relativen Wohlstand gebracht, man siedelt die Familie in der Regel im unteren wirtschaftsb\u00fcrgerlichen protestantischen Mittelstand an. Trotz vieler Geschwister f\u00fchlte er sich einsam, vergrub sich in seiner eher illiteraten Familie, der einige Trag\u00f6dien nicht erspart blieben, in eine intensive Lekt\u00fcre historischer und literarischer Werke. Er wurde zu einem zeitweilig von Lenau und der Romantik beeinflussten etwas melancholischen, gebildeten Einzelg\u00e4nger. Hohe Begabung und sehr gute Zensuren erm\u00f6glichten ihm als erstem in seiner Familie ein akademisches Studium. Doch handelte es sich nicht um das eigentlich angestrebte Studium der Literatur und Geschichte, da er ein sog. Realgymnasium ohne klassische Sprachen besucht hatte. Schlie\u00dflich studierte er in Berlin und Leipzig National\u00f6konomie und wurde dort als 22j\u00e4hriger mit einer Dissertation \u00fcber den Berliner Flaschenbierhandel promoviert. Dar\u00fcber ist oft gespottet worden, doch hatte nicht er selbst, sondern sein Doktorvater das Thema ausgesucht. Stresemann wollte urspr\u00fcnglich eine Arbeit zur theoretischen National\u00f6konomie schreiben. Doch handelte es sich bei seiner Doktorarbeit um eine interessante Studie, die auf der Grundlage vielf\u00e4ltiger Quellen langfristige Trends erkl\u00e4rt und Prognosen eines wirtschaftlichen Strukturwandels entwickelt.<\/p>\n<p>Diese Vorgeschichte erkl\u00e4rt zu einem Gutteil seine nun folgende berufliche Laufbahn: Stresemann wurde in Sachsen zum Lobbyisten mittelst\u00e4ndischer Wirtschaftsverb\u00e4nde, die er in k\u00fcrzester Zeit mit gro\u00dfem organisatorischen und publizistischen Talent erst schuf, weil er die wirtschaftspolitischen Zeichen der Zeit erkannt hatte. Aufgrund der unterschiedlichen Interessenlage geriet Stresemann bald mit den Verb\u00e4nden der Gro\u00dfindustrie in Konflikt, was auch Folgen f\u00fcr seine sp\u00e4tere politische Laufbahn hatte. Schon in einem Alter von kaum 25 Jahren hatte er erhebliches Ansehen als versierter und \u00f6ffentlichkeitswirksamer Verbandssyndikus gewonnen, was ihn schnell in die Politik f\u00fchrte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Jahre heiratete Stresemann die wohlhabende, ebenso elegante wie charmante Berliner Industriellentochter K\u00e4the Kleefeld, mit der er eine gl\u00fcckliche Ehe f\u00fchrte. Sie war Mittelpunkt Berliner Salons, wie er auch selbst alle m\u00f6glichen Netzwerke kn\u00fcpfte. In diesen Verbindungen ging es keineswegs nur um wirtschaftliche Interessen, war doch darunter die angesehene Mittwochsgesellschaft in Berlin, in der neben Politikern auch Intellektuelle und Wissenschaftler verkehrten. Nicht nur daran zeigte sich, dass Stresemann zu denjenigen geh\u00f6rte, die bewusst Politik und Kultur verbanden. Im \u00dcbrigen best\u00e4rkte ihn die j\u00fcdische Herkunft seiner Frau in seiner schon von jeher ge\u00fcbten Kritik am Antisemitismus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mitbegr\u00fcnder und Mitglied einer Reformburschenschaft, die sich dezidiert gegen den Antisemitismus anderer Burschenschaften wendete, blieb Stresemann bildungsbeflissen und liberal im Sinne der Revolution von 1848\/49. Dieses politische Engagement und seine Neigungen zur Publizistik zeigten sich auch in seiner fr\u00fchen, immer wieder aufgenommenen nebenberuflichen journalistischen T\u00e4tigkeit. Der urspr\u00fcnglich eher sch\u00fcchterne Einzelg\u00e4nger entwickelte kommunikative F\u00e4higkeiten, konnte schriftlich und m\u00fcndlich immer besser mit dem Wort umgehen und wurde schlie\u00dflich einer der besten Redner des Deutschen Reichstags. In diesen gelangte er, unterst\u00fctzt von seiner wirtschaftspolitischen Klientel, nachdem er in seinem s\u00e4chsischen Wahlkreis einen fulminanten, geradezu modern anmutenden Wahlkampf gef\u00fchrt hatte. Mit kaum 29 Jahren wurde er bereits 1907 Reichstagsabgeordneter \u2013 das war zumal f\u00fcr die damaligen Usancen sehr fr\u00fch.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn als Bildungs- und Wirtschaftsb\u00fcrger, als Protestant und Liberaler kamen nur die beiden liberalen Parteien in Frage. Urspr\u00fcnglich tendierte Stresemann zur Fortschrittspartei, vertrat er doch in Bezug auf Verfassungsordnung und Wahlrecht sowie sozialpolitisch als Anh\u00e4nger von Friedrich Naumanns Nationalsozialem Verein eher linksliberale Positionen. Die Klientel seiner Wirtschafts- und Verbandst\u00e4tigkeit tendierte indes zu den Nationalliberalen. Die Entscheidung f\u00fcr diese vergleichsweise konservativere liberale Partei ist zwar auch auf seinen politischen Ehrgeiz zur\u00fcckf\u00fchren, doch bleibt f\u00fcr seine sp\u00e4tere Laufbahn charakteristisch, dass seine politischen Positionen oftmals zwischen beiden Parteien changierten. Daf\u00fcr bestanden zwar auch Opportunit\u00e4tserw\u00e4gungen. Doch lag der tiefere Grund darin, dass er in keiner der beiden Parteien ganz und in beiden partiell zuhause war. Diese Ambivalenz wird uns noch an verschiedenen Kreuzungspunkten seiner Laufbahn besch\u00e4ftigen. Sie bewirkte indes eine Paradoxie: Stresemann war w\u00e4hrend seines gesamten politischen Wirkens im Prinzip nach beiden Seiten, nach links und nach rechts, koalitionsf\u00e4hig und wurde deswegen nicht selten des Opportunismus bezichtigt. Andererseits machte gerade diese \u201aAnschlussf\u00e4higkeit\u2018 in den 1920er Jahren viele seiner gro\u00dfen Erfolge \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich, weil er sich immer wieder auf unterschiedliche Parteien st\u00fctzen musste. Und hiermit verband sich der Vorwurf des Karrierismus eines aus dem Kleinb\u00fcrgertum stammenden ehrgeizigen Aufsteigers.<\/p>\n<p>Seine nationalliberale Option f\u00fchrt zum ersten zentralen Problem: Stresemann war Nationalliberaler und die h\u00e4ufig anzutreffende sp\u00e4tere Kritik an seinem Nationalismus im ersten Weltkrieg greift deshalb zu kurz, weil der Liberalismus sich im 19. Jahrhundert von Beginn an als liberale Verfassungsbewegung und nationale Einigungsbewegung entwickelt hatte \u2013 und zwar auch beim linken Fl\u00fcgel der Liberalen. Nach erfolgter Reichseinigung 1871 hat sich diese nationale Tendenz keineswegs abgeschw\u00e4cht, insofern blieb der nationale Patriotismus Gustav Stresemanns vollkommen in der sich \u00fcber Generationen entwickelnden Tradition. Und da die europ\u00e4ischen Nationen im sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert \u00fcberwiegend einem Kolonialismus huldigten und die Gro\u00dfm\u00e4chte damit immer st\u00e4rker imperiale Ziele verbanden, verst\u00e4rkte sich unter Kriegsbedingungen dieser aggressive Imperialismus, der sich aber keineswegs auf das Deutsche Reich beschr\u00e4nkte. Deutschland f\u00fchlte sich als Kolonialmacht zu kurz gekommen, litt aufgrund seiner Mittellage zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten Russland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien unter Einkreisungs\u00e4ngsten und sah sich \u00fcberdies vom britischen Imperialismus und seiner Seemacht bedroht.<\/p>\n<p>Uns Heutigen erscheinen solche \u00c4ngste und vor allem die sich auf dieser Basis entwickelnden weitreichenden Kriegsziele v\u00f6llig inakzeptabel und gef\u00e4hrlich. Vor und im I. Weltkrieg aber waren nicht nur Politiker, sondern weite Teile der Gesellschaft davon geradezu besessen. Wie Stresemann selbst w\u00e4hnte sich der gr\u00f6\u00dfte Teil der Deutschen in einem Verteidigungskrieg, was &#8211; wie wir seit mehr als einem halben Jahrhundert definitiv wissen &#8211; falsch war. Stresemann teilte nicht alle besonders vom rabiat nationalistischen Alldeutschen Verband verfochtenen Ziele, doch gingen auch seine Eroberungspl\u00e4ne sehr weit: Er begr\u00fcndete sie vor allem wirtschaftspolitisch und sicherheitspolitisch \u2013 sicherheitspolitisch gegen Gro\u00dfbritannien gerichtet, das er \u2013 im Gegensatz zur sp\u00e4teren Forschungslage \u2013 als hauptverantwortlich f\u00fcr den Weltkrieg ansah. Bis zum Fr\u00fchherbst 1918 hatte Stresemann kriegspolitisch gesehen an allen fatalen Irrt\u00fcmern Anteil. Er z\u00e4hlte sogar zu den Bef\u00fcrwortern des unbeschr\u00e4nkten U-Boot-Krieges 1916, eine der verh\u00e4ngnisvollen deutschen Entscheidungen, durch die die USA zum Kriegseintritt bewegt wurden.<\/p>\n<p>Zwar lehnte Stresemann die Friedensresolution der Mehrheitsfraktionen des Deutschen Reichstags ab, die 1917 einen Frieden ohne Annexionen auf der Basis des territorialen Status quo ante forderten. Doch sah auch er schlie\u00dflich ein, dass Deutschland einen Verhandlungsfrieden erreichen m\u00fcsse, wollte aber nicht alle vermeintlichen Tr\u00fcmpfe aus der Hand geben, bevor die milit\u00e4rische Entwicklung nicht eindeutig war. Durch dieses Taktieren geriet er in einen un\u00fcberwindlichen Gegensatz zur Reichstagsmehrheit aus Sozialdemokraten, katholischer Zentrumspartei und der eher linksliberalen Fortschrittspartei, mit denen er im Interfraktionellen Ausschuss und beim Sturz des Reichskanzlers Bethmann-Hollweg partiell zusammengearbeitet hatte. In seinen Aufzeichnungen von 1923, die als Grundlage einer sp\u00e4teren Biografie dienen sollten, leugnete er seine annexionistische Haltung im Weltkrieg nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun aber kompliziert sich das Problem erneut, war doch der Annexionist des I. Weltkriegs, der seit 1917 nach dem Tod des Parteivorsitzenden Ernst Bassermann Fraktionsvorsitzender der Nationalliberalen Reichstagsfraktion geworden war, verfassungspolitisch und gesellschaftspolitisch ein dezidierter Reformer \u2013 ein Reformer, der die Verfassungsordnung des Kaiserreichs viel entschiedener modernisieren wollte als die Mehrheit seiner Partei. Verfassungspolitisch stand er den Fortschrittlichen und der Sozialdemokratie n\u00e4her als den eigenen nationalliberalen Parteifreunden. Und hinzu kam: Anders als die Konservativen und ein gro\u00dfer Teil der Nationalliberalen hielt er es f\u00fcr notwendig, die Sozialdemokraten nicht l\u00e4nger als Au\u00dfenseiter zu betrachten, sondern politisch und gesellschaftlich zu integrieren und ggf. mit ihnen zu koalieren. Sp\u00e4testens seit die SPD im August 1914 im Reichstag f\u00fcr die Bewilligung der Kriegskredite gestimmt hatte, zweifelte er nicht mehr an ihrem Patriotismus. Und als National\u00f6konom und erfahrener Wirtschaftspolitiker sah er schon seit seinen politischen Anf\u00e4ngen den sozial\u00f6konomischen Strukturwandel, der es erforderte, der Arbeiterschaft eine Perspektive zu geben.<\/p>\n<p>Das preu\u00dfische Dreiklassenwahlrecht lehnte er ab, wenngleich seine Vorschl\u00e4ge zur Demokratisierung des Wahlrechts im Hegemonialstaat Preu\u00dfen nicht immer einheitlich waren, so blieb diese Forderung doch konstant. Und zentral war die von ihm schon Jahre vor Kriegsende vertretene Forderung der Parlamentarisierung des Deutschen Reiches: Er forderte, die Reichsregierung m\u00fcsse k\u00fcnftig dem Deutschen Reichstag verantwortlich sein und nicht dem Kaiser. Freilich bedeutete dies f\u00fcr ihn keine Republik, sondern eine parlamentarische Monarchie, deren britische Variante er bewunderte und deren deutsche Variante mit den Oktoberreformen 1918 bereits ohne Revolution realisiert worden war.<\/p>\n<p>Die langj\u00e4hrigen und hartn\u00e4ckigen Forderungen Stresemanns nach einem parlamentarischen Systems erlauben einen unbefangeneren Blick auf die anderen Br\u00fcche und Diskontinuit\u00e4ten, die nicht einfach als Opportunismus zu bewerten sind. Vielmehr handelt es sich um Reaktionen auf tiefgreifende objektive Ersch\u00fctterungen und Strukturwandlungen infolge der Kriegsniederlage, der Revolution und des Vertrags von Versailles. Seitdem konnte es nicht mehr um Annexionismus gehen, sondern nur noch um Revisionismus. Und in dieser Frage stimmten alle deutschen Parteien, selbst die KPD, \u00fcberein, weil sie den Friedensvertrag mit guten Gr\u00fcnden als \u201eDiktatfrieden\u201c ansahen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt des Nachkriegsjahrzehnts, in dem Gustav Stresemann zum \u00fcberragenden Staatsmann reifte, stehen die doppelte liberale Parteigr\u00fcndung 1918, die Haltung Stresemanns und seiner Partei zum Kapp-Putsch 1920, die Politik des Reichskanzlers Stresemann in der schweren Krise der Weimarer Republik 1923, schlie\u00dflich das Wirken des best\u00e4ndigen Au\u00dfenministers Stresemann in wechselnden Kabinetten 1923 bis zu seinem Tod 1929. Ist die Rolle Stresemanns in den beiden ersten Fragen umstritten und wirft die Frage nach seinem Vernunftrepublikanismus auf, so sind seine Leistungen als Reichskanzler und Au\u00dfenminister allgemein anerkannt, wenngleich sogar letztere eine historiographische Kontroverse provoziert haben, die Frage n\u00e4mlich: Stand hinter seiner europ\u00e4ischen Verst\u00e4ndigungspolitik ein unver\u00e4nderter, nur taktisch kaschierter Nationalismus?<\/p>\n<p>Die Transformation des deutschen Parteiwesens in der revolution\u00e4ren Epoche 1918\/19 kennt zum einen Kontinuit\u00e4t, zum anderen Diskontinuit\u00e4t. Anders als im Falle der fortbestehenden Parteien SPD und Zentrum oder Neugr\u00fcndungen wie KPD und NSDAP sind die beiden liberalen Parteien von vor 1918 jeweils mit neuen Akzenten umgegr\u00fcndet worden. Die Fortschrittspartei wurde zur Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und die Nationalliberale zur Deutschen Volkspartei (DVP). Die DDP r\u00fcckte st\u00e4rker nach links als ihre Vorg\u00e4ngerpartei und verfolgte einen dezidierten Linksliberalismus. Die DDP hatte fast als einzige Partei keine Vorbehalte gegen die aus der Revolution und der Nationalversammlung hervorgehende neue republikanische und parlamentarische Verfassungsordnung. Sie galt in den Anfangsjahren als die Weimarer Partei schlechthin, ihr Profil wurde weitgehend durch bedeutende Wissenschaftler, Publizisten und h\u00f6here Beamte gepr\u00e4gt. Ihre soziale Basis gehobener (bildungs-)b\u00fcrgerlicher Mittelschichten, darunter viele Freiberufler, \u00e4hnelte dem der DVP, bei der allerdings der Anteil des Wirtschaftsb\u00fcrgertums, darunter der Gro\u00dfindustriellen, deutlich st\u00e4rker war.<\/p>\n<p>Der auff\u00e4lligste politische Unterschied lag darin, dass die DVP und ihr Vorsitzender Stresemann die Republik ablehnten, als Monarchisten stimmten sie in der Nationalversammlung gegen die Weimarer Verfassung. Doch f\u00fcr die k\u00fcnftige Politik Stresemanns blieb diese Ablehnung bedeutungslos. In der Stresemann-Kritik wurde sie weit \u00fcbersch\u00e4tzt. Da er die ersten vier Jahrzehnte in einer Monarchie gelebt hatte, war es kaum verwunderlich, dass er diese Haltung nicht schlagartig \u00e4nderte. Entscheidend f\u00fcr seine Beurteilung ist vielmehr, dass er \u00fcber Jahrzehnte hinweg f\u00fcr die parlamentarische Demokratie k\u00e4mpfte.<\/p>\n<p>Die wechselseitige Konkurrenz von DDP und DVP sowie die sp\u00e4tere Auszehrung des Weimarer Liberalismus provoziert die Frage, ob die parteipolitische Spaltung des Liberalismus 1918\/19 nicht h\u00e4tte vermieden werden k\u00f6nnen. Als Ursache der doppelten Umgr\u00fcndung im November 1918 gilt Stresemanns politischer Ehrgeiz. Tats\u00e4chlich scheiterte die Gr\u00fcndung einer einheitlichen liberalen Partei nicht an seinem Ehrgeiz, sondern an der Ablehnung seiner Person durch seine linksliberalen Gegner. Wesentlich daf\u00fcr war Stresemanns Annexionismus und Nationalismus im 1. Weltkrieg. Dabei verga\u00dfen viele seiner Kritiker, welche Position sie selbst in den ersten drei Kriegsjahren eingenommen hatten. Und indem sie Stresemann ungebremsten Ehrgeiz vorwarfen, kaschierten sie ihren eigenen. Denn selbst seine Gegner wussten: Mit Stresemann in der eigenen Partei h\u00e4tten sie es mit einem politischen Schwergewicht zu tun bekommen.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon zog er viele Antipathien auf sich, Konrad Adenauer misstraute ihm stets und Theodor Heuss bekannte in seinen sp\u00e4teren \u201eErinnerungen\u201c freim\u00fctig, er habe Stresemann menschlich nicht leiden k\u00f6nnen. Heuss\u2018 Animosit\u00e4ten gingen so weit, dass er es noch Jahrzehnte nach Stresemanns Tod ablehnte, ihn in das Sammelwerk \u201eDie gro\u00dfen Deutschen\u201c aufzunehmen \u2013 Stresemann, einen der beiden bedeutendsten Staatsm\u00e4nner der Weimarer Republik. Diese Abneigung kann man nat\u00fcrlich auch biographisch erkl\u00e4ren, war doch Heuss nicht wie Stresemann \u00fcber den Flaschenbierhandel in Berlin, sondern den Weinbau im n\u00f6rdlichen Schwaben promoviert worden. Lassen wir es dabei: Wie der gro\u00dfe Stresemann hatte auch der gro\u00dfe Heuss kleine Schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Entscheidend in der Frage der Parteigr\u00fcndung wurde, in welchem Ma\u00dfe die Linksliberalen Stresemann br\u00fcskierten. Er selbst war zeitweilig f\u00fcr eine gemeinsame liberale Partei eingetreten und hatte erkl\u00e4rt, die Nationalliberalen wollten, \u201eunbeschadet der pers\u00f6nlichen Meinung des einzelnen auf dem Boden der republikanischen Staatsform\u201c mitarbeiten. Der Heidelberger Soziologe Alfred Weber bezeichnete Stresemann als \u201akompromittierte\u2018 Pers\u00f6nlichkeit und attackierte ihn in einer internen Besprechung linksliberaler Intellektueller so heftig, dass einige Teilnehmer dies als \u201ema\u00dflos\u201c und \u201eunversch\u00e4mt\u201c bezeichneten. Trotzdem blieb Stresemann zun\u00e4chst bei seiner Bereitschaft zu einer gemeinsamen liberalen Parteigr\u00fcndung und war sogar zum Verzicht auf eine F\u00fchrungsposition in der neu zu gr\u00fcndenden Partei bereit. Aufgrund des Widerstands gegen ihn und wegen der Gr\u00fcndung der DDP am 15. November 1918 blieb Stresemann kaum etwas anderes \u00fcbrig, als die noch nicht aufgel\u00f6ste nationalliberale Parteiorganisation dann selbst in eine neue Partei, die DVP, zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die nun unausweichliche Konkurrenz zweier liberaler Parteien, die um das gleiche W\u00e4hlerpotential konkurrierten sowie der anf\u00e4nglich \u00fcberw\u00e4ltigende Erfolg der DDP bei der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919, zwangen Stresemann zu einer anderen Profilierung, die sich naturgem\u00e4\u00df st\u00e4rker nach rechts orientierte. Allerdings \u00fcbertrieb Stresemann vermutlich aus taktischen Gr\u00fcnden, warf er doch kurzzeitig seine eigenen kritischen und wohlbegr\u00fcndeten Einsichten vom Herbst 1918 \u00fcber Bord.<\/p>\n<p>Am 13. Oktober 1918, als das Ausma\u00df des milit\u00e4rischen Desasters sich abzeichnete und mehr als drei Wochen vor der Revolution, zog er gegen\u00fcber Delegierten der Nationalliberalen Partei das Res\u00fcmee, \u201eda\u00df das alte System absolut abgewirtschaftet habe, nicht mehr zu halten sei und auch nicht mehr verdient habe, l\u00e4nger zu bestehen\u201c. Er kritisierte den \u201eZickzackkurs des Kaisers, seine pers\u00f6nliche Politik vor dem Kriege\u201c, das pers\u00f6nliche Verhalten des Kronprinzen sowie die verfehlte Politik und die Vers\u00e4umnisse der Obersten Heeresleitung. Und schlie\u00dflich lobte er die \u201emusterhafte \u2026 Haltung der Sozialdemokratie\u201c insbesondere Friedrich Eberts. Am Vorabend der Revolution, am 8. November, unterst\u00fctzte Stresemann sogar die Forderung der SPD nach Abdankung des Kaisers und Thronverzicht des Kronprinzen, zudem bekr\u00e4ftigte er die Forderung nach der Abschaffung des Dreiklassen-Wahlrechts in Preu\u00dfen.<\/p>\n<p>Nur wenige Wochen sp\u00e4ter aber, nachdem auch SPD und der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, mit dem er sich fr\u00fcher verschiedentlich verb\u00fcndet hatte, ihn heftig attackiert hatten, verteidigte der fast zum Auss\u00e4tzigen erkl\u00e4rte und tief verletzte Stresemann sogar wieder den Kaiser und die Oberste Heeresleitung. Dies geschah nicht nur wider bessere Einsicht, sondern war vor allem deshalb ein politischer Fehler, weil die sp\u00e4tere von Hindenburg und Ludendorff tatkr\u00e4ftig gef\u00f6rderte Dolchsto\u00dflegende dazu beitrug, das innenpolitische Klima der Weimarer Republik zu vergiften.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrte dieser S\u00fcndenfall Stresemanns nicht lange, zu sehr war er Realpolitiker. Und als die n\u00e4chste Bew\u00e4hrungsprobe rechtsnationalistischer Versuchung kam, bestand er sie zweifelsfrei. Obwohl Stresemann lange vorgeworfen wurde, er habe w\u00e4hrend des sog. rechtsextremen Kapp-Putsches gegen die Weimarer Republik im M\u00e4rz 1920 mit den Putschisten gelieb\u00e4ugelt oder sie gar unterst\u00fctzt, trifft dies keineswegs zu. Die Quellen zeigen eindeutig: Stresemann lie\u00df sich nichts zu Schulden kommen. Schon vorher hatte er in einer Sitzung des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Ausschusses der DVP am 4. M\u00e4rz 1920 die Deutschnationale Partei (DNVP) bezichtigt, eine \u201everantwortungslose Opposition\u201c gegen die Weimarer Republik und die Reichsregierung zu betreiben. Und am Tage des Kapp-Putsches, am 13. M\u00e4rz 1920, erkl\u00e4rte die Parteileitung der DVP nach einem Bericht Stresemanns: Die DVP verurteile den gewaltsamen Umsturz, von dem sie v\u00f6llig \u00fcberrascht worden sei, auf das sch\u00e4rfste. \u201eDie Deutsche Volkspartei habe diese Regierung zwar als Oppositionspartei bek\u00e4mpft, ihre Beseitigung aber nachdr\u00fccklichst nur auf verfassungsm\u00e4\u00dfigem Wege durch Neuwahlen angestrebt, niemals aber an einen gewaltsamen Umsturz gedacht.\u201c In einer anderen \u00c4u\u00dferung Stresemanns hie\u00df es, \u201edass wir niemals die Hand bieten zu irgendwelchen reaktion\u00e4ren Ma\u00dfnahmen. Unter allen Umst\u00e4nden fordern wir die sofortige Zur\u00fcckf\u00fchrung des ungesetzlichen Zustands auf eine gesetzm\u00e4\u00dfige Grundlage.\u201c Das bedeutete im M\u00e4rz 1920 faktisch ein Bekenntnis zur Weimarer Verfassungsordnung. Stresemann wurde nicht erst 1923, wie oft zu lesen, sondern bereits im Fr\u00fchjahr 1920 zum \u201aVernunftrepublikaner\u2018 par excellence.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VI.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Meisterleistung als Regierungsmitglied der Weimarer Republik vollbrachte er in nur dreimonatiger Amtszeit als Reichskanzler einer Gro\u00dfen Koalition aus DVP, DDP, SPD und Zentrum zwischen dem 13. August und dem 30. November 1923. Schon dieses Beispiel belegt, dass die Weimarer Republik zeit ihres Bestehens von einer intensiven Dialektik zwischen Innen- und Au\u00dfenpolitik charakterisiert war. Die Reduktion der sp\u00e4teren positiven Stresemann-Erinnerung an den gro\u00dfen Au\u00dfenpolitiker verkennt, dass Stresemann unter den damaligen Umst\u00e4nden kein erfolgreicher Au\u00dfenminister h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, w\u00e4re er nicht auch ein Innen- und Parteipolitiker von hohem Rang gewesen. Und dazu geh\u00f6rte, und das muss immer wieder betont werden, seine Leidenschaft als Parlamentarier. Sie verband sich mit seiner gro\u00dfen Rednergabe, mit deren Hilfe er viele Skeptiker von vern\u00fcnftigen Inhalten \u00fcberzeugte und \u00f6fters mitriss. Selbst Theodor Heuss leugnete dies in einem Stresemann-Portr\u00e4t von 1924 nicht: \u201eDoktor Gustav Stresemann ist heute, wenn nicht der st\u00e4rkste, \u00a0so doch der fl\u00fcssigste Redner des politischen Deutschland; die wunderbare Sicherheit seiner breit str\u00f6menden Diktion, das unterstrichene Pathos kr\u00e4ftiger Stellen, da und dort eine heitere Anmerkung gewinnen ihm hallenden Eindruck.\u201c<\/p>\n<p>Als Gustav Stresemanns 1923 Reichskanzler wurde, stand das Deutsche Reich am Abgrund, die Krisen versch\u00e4rften sich wechselseitig, sie bedrohten sogar die staatliche Einheit. Die galoppierende Inflation belastete die Gesellschaft extrem und machte die Regierung nahezu handlungsunf\u00e4hig. Da auf der Pariser Reparationskonferenz keine Einigung zu erzielen war, besetzten franz\u00f6sische und belgische Truppen als Faustpfand am 11. Januar 1923 Teile des Rheinlands und das Ruhrgebiet. An Rhein und Ruhr wurde der passive Widerstand gegen die Besetzung ausgerufen, was die gewerbliche und industrielle Produktion blockierte und damit die franz\u00f6sische Politik ins Leere laufen lie\u00df. Doch handelte es sich zugleich um ein Eigentor, weil gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung keine Einkommen mehr hatten und sie nur durch Hilfe des ohnehin fast bankrotten Reiches \u00fcber Wasser gehalten werden konnten. In Westdeutschland entwickelten sich separatistische Str\u00f6mungen, die Autorit\u00e4t der Reichsregierung wurde durch den Hitler-Putsch in M\u00fcnchen am 9. November sowie linksgerichtete Regierungen in Sachsen und Th\u00fcringen in Frage gestellt, die sich nicht an die reichsrechtlich verbindlichen Vorgaben hielten. In nur viereinhalb Jahren \u2019verbrauchte\u2018 die Weimarer Republik bis zum Sturz Stresemanns am 23. November 1923 neun Regierungen. Die Aufgabe bestand also darin, die Autorit\u00e4t der Reichsregierung wieder herzustellen, eine W\u00e4hrungsreform durchzuf\u00fchren, mit der franz\u00f6sischen Besatzungsmacht eine L\u00f6sung zu finden und die f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung an Rhein und Ruhr desastr\u00f6sen Folgen einer in Teilen brutalen Besatzung und vor allem der fortschreitenden Verarmung infolge des Produktionsausfalls in den Griff zu bekommen. Jede deutsch-franz\u00f6sische Vereinbarung wurde durch den wechselseitigen Hass erschwert und war in beiden Staaten unpopul\u00e4r.<\/p>\n<p>Stresemann durchschlug diesen gordischen Knoten und brach am 26. September den nicht mehr finanzierbaren Ruhrkampf ab. Damit erm\u00f6glichte er eine L\u00f6sung des Konflikts. Obwohl die Nationalisten und Putschisten daraus Honig saugen wollten, z\u00e4hlte dies zu den mutigsten und konstruktivsten Leistungen Stresemanns, der ja Regierungschef einer h\u00f6chst fragilen Regierung war. Mit der ihn pers\u00f6nlich au\u00dferordentliche Selbst\u00fcberwindung kostenden, h\u00f6chst unpopul\u00e4ren Entscheidung rettete Stresemann das Reich aus einer komplett verfahrenen Situation. Indem er Verhandlungen Wirtschaftsdelegationen \u00fcberlie\u00df, schob er sie aus der politisch emotional aufgeheizten Atmosph\u00e4re in den Sektor \u00f6konomisch k\u00fchl Vor- und Nachteile abw\u00e4gender Wirtschaftsf\u00fchrer, die schnell erkannten, dass Ruhrbesetzung und Widerstand nur beiden Seiten Verluste gebracht hatten. Der Ruhrkampf hatte 132 Todesopfer, viele Verletzte und etliche harsche Bestrafungen durch die Besatzungsm\u00e4chte verursacht, darunter Todesstrafen. 150.000 Personen waren ausgewiesen worden, die wirtschaftlichen Kosten f\u00fcr das Reich werden auf 3,5 bis 4 Milliarden Goldmark gesch\u00e4tzt. In dieser Situation erwies sich Stresemann erneut als durchsetzungsstarker politischer Realist, er erwies sich als Staatsmann.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug: Der Regierung Stresemann leitete unter f\u00fchrender Beteiligung von Hans Luther und Hjalmar Schacht mit Einf\u00fchrung der sog. Rentenmark eine W\u00e4hrungsreform ein, die die Inflation beendete und stellte durch eine Reichsexekution gegen die L\u00e4nder Sachsen und Th\u00fcringen die Autorit\u00e4t des Reiches wieder her. Daraufhin verlor Stresemann am 23. November 1923 im Reichstag die Mehrheit, weil die SPD nicht akzeptierte, dass es nur Reichsexekutionen gegen die beiden linken L\u00e4nder Sachsen und Th\u00fcringen, nicht aber das rechte Bayern gegeben hatte. Doch auch hierin war er Realist: Das Reich h\u00e4tte eine dreifache Reichsexekution schon wegen der unklaren Haltung der Reichswehr nicht durchhalten k\u00f6nnen. Der Hitler-Putsch scheiterte schnell und nach dem rechtsradikalen Zwischenspiel des Generalstaatskommissars von Kahr stabilisierte sich unter der gem\u00e4\u00dfigten Regierung Heinrich Held (Bayerische Volkspartei) auch Bayern ab 1924. Im Chaos der drei Monate vom August bis November 1923 wurden die Fundamente f\u00fcr die Stabilisierung und das kommende beste Jahrf\u00fcnft der Republik gelegt. Und das war nicht allein, aber in erster Linie Stresemanns Verdienst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VII.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stresemann st\u00fcrzte zwar als Reichskanzler, doch blieb er sechs Jahre lang Au\u00dfenminister in h\u00f6chst unterschiedlichen Kabinetten; die Partner wussten, dass sie auf ihn nicht verzichten konnten. Stresemann konnte Au\u00dfenpolitik aber nur in st\u00e4ndiger R\u00fcckkoppelung auf die deutsche Innenpolitik und die parlamentarischen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse gestalten. Und selbst Kritiker wie Heuss erkannten an, wie schwer es ihm fiel, die eigene Partei immer wieder auf einen innen- und au\u00dfenpolitischen Verst\u00e4ndigungskurs zu bringen, ja zu zwingen. Von 1924 bis 1929 wurden er und sein franz\u00f6sischer Kollege Aristide Briand die Hauptakteure europ\u00e4ischer Verst\u00e4ndigungspolitik, als deren Ergebnis das Deutsche Reich wieder in den Kreis der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte zur\u00fcckkehrte, ohne je Aggression zum Mittel der Politik zu machen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Etappe der Stabilisierung des Deutschen Reiches ergab sich aus der Ursache der Ruhrkrise, also der offenen Reparationsproblematik. Stresemann erkl\u00e4rte am 6. M\u00e4rz 1924 im Reichstag, f\u00fcr den deutschen Au\u00dfenminister k\u00f6nne es nur den Versuch geben, \u201einnerhalb dieses ganzen Bundes der Entente ein Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu finden, da\u00df die bisher gegen Deutschland ge\u00fcbte Politik nicht nur Deutschland zugrunde richtet, sondern Europa und die ganze Weltwirtschaft, vielleicht die ganze Weltpolitik. Ich bin viel zu viel Realpolitiker, als da\u00df ich annehme, da\u00df irgend jemand aus Liebe zu uns oder aus Sympathie f\u00fcr Deutschland irgend etwas t\u00e4te. Nein, dieser Anruf der Sachverst\u00e4ndigen ist etwas ganz anderes, das ist ein Appell an die reale Vernunft der Wirtschaftler der Welt, sich nicht selbst zugrunde zu richten dadurch, da\u00df sie Deutschland zugrunde gehen lassen\u201c.<\/p>\n<p>Bei der folgenden Londoner Reparationskonferenz 1924 erreichten Au\u00dfenminister Stresemann und Reichsfinanzminister Hans Luther mit den Sachverst\u00e4ndigen die Regelungen des nach einem amerikanischen Finanzexperten benannten Dawes-Plan. Er legte vorl\u00e4ufig Dauer und Umfang der Reparationszahlungen fest und wurde mit au\u00dfergew\u00f6hnlich hohen amerikanischen Kreditzusagen verbunden. Auf dieser Grundlage erfolgte die wirtschaftliche Stabilisierung und eine zeitweilige innenpolitische Entsch\u00e4rfung der immer wieder aufwallenden, vor allem von den Deutschnationalen zum Teil agitatorisch aufgeladenen Debatte \u00fcber die Reparationen. Da diese aber ein dauernder Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich bildeten, erlaubte die einstweilige L\u00f6sung auch neue Initiativen gegen\u00fcber dem Nachbarland, zumal damit im Juli 1925 die R\u00e4umung des Ruhrgebiets durch die franz\u00f6sischen Truppen und anschlie\u00dfend im August deren Abzug aus D\u00fcsseldorf und Duisburg einherging. Aber auch im Reichstag musste Stresemann die Annahme des Dawes-Plans erst durchsetzen, was ihm in m\u00fchsamen Aktionen am 29. August 1924 gelang, wobei er fast die H\u00e4lfte der deutschnationalen Reichstagsfraktion auf seine Linie zog.<\/p>\n<p>Nach diesen Erfolgen trieb Stresemann seine planvoll konzipierte, klar durchdachte Au\u00dfenpolitik weiter voran und verfolgte seine Ziele unbeirrt vom st\u00e4ndigen St\u00f6rfeuer der nationalistischen deutschen Rechten mit au\u00dfergew\u00f6hnlicher Hartn\u00e4ckigkeit. Im Februar 1925 warf er einen Stein ins Wasser, dessen Wellenbewegungen die europ\u00e4ische Politik in Bewegung brachte: Er schlug einen Sicherheitspakt zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien vor, also denjenigen westlichen Staaten, mit denen es seit dem Vertrag von Versailles strittige territoriale Probleme gab. Briand nahm diese Initiative sogleich auf.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste, nun bereits umfassendere Ergebnis dieser Verhandlungsdiplomatie von gro\u00dfer gesamteurop\u00e4ischer Bedeutung waren die sog. Locarno\u2013Vertr\u00e4ge &#8211; ein kompliziertes Geflecht in den Dimensionen Bismarckscher Au\u00dfenpolitik, in dessen Tradition sich Gustav Stresemann sah. Grundlage bildete der Vertrag, den Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Belgien, Italien, Polen und die Tschechoslowakei am 16. Oktober 1925 mit dem Deutschen Reich schlossen. In diesem Vertrag wurde die Unverletzlichkeit der deutschen Westgrenze gegen\u00fcber Frankreich und Belgien garantiert, eine friedliche Revision der deutschen Ostgrenze aber offen gehalten. Gegen\u00fcber Polen wollte er sich Verhandlungen vorbehalten, die die R\u00fcckgabe Danzigs, des Korridors zwischen dem Reich und Ostpreu\u00dfen sowie Oberschlesien im Zuge vertraglicher Vereinbarungen erm\u00f6glichten. Gegen\u00fcber dem Osten blieb der Weimarer Revisionismus zwar erhalten, aber zweifelsfrei nur auf friedlichem Wege. Und schlie\u00dflich schloss Stresemann entgegen franz\u00f6sischen W\u00fcnschen mit der Sowjetunion am 24. April 1926 einen Freundschaftsvertrag, der eine k\u00fcnftige Einkreisung des Deutschen Reiches \u2013 das Urtrauma deutscher Au\u00dfenpolitik &#8211; ebenso ausschloss wie die Westvertr\u00e4ge. Im ganzen Vertragssystem setzte Stresemann im Wesentlichen seine Ziele durch, ohne \u00a0realisierbare deutsche Interessen aufzugeben.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund wurde er immer wieder bezichtigt, Nationalist geblieben zu sein. Dies ist einigerma\u00dfen unsinnig: So enthielten die Vertr\u00e4ge keinerlei M\u00f6glichkeit f\u00fcr Deutschland, wie es die Kriegszielpolitik des Weltkriegs vorsah, fremdes Territorium zu annektieren. Das ganze Vertragswerk diente nicht der Kriegf\u00fchrung, sondern der Kriegsverhinderung, es wurzelte in der realistischen Analyse der europ\u00e4ischen Konstellation. Die Locarno-Vertr\u00e4ge zeigen, dass Gustav Stresemann tats\u00e4chlich in einem Punkt traditionell dachte, n\u00e4mlich in den Kategorien des europ\u00e4ischen Staatensystems des 19. Jahrhunderts, das er auf die die politische Struktur Europas nach dem Weltkrieg zuschneiden wollte. Ihm die dezidierte Vertretung deutscher Interessen zu attestieren ist richtig, ihn daf\u00fcr zu tadeln, ist absurd. Alle verantwortlichen Staatsm\u00e4nner, auch Briand, haben die nationalen Interessen ihrer Staaten vertreten und sie mussten sie pflichtgem\u00e4\u00df vertreten. Dass Stresemann, der f\u00fcr seine Friedenspolitik kaum je eine Mehrheit in seiner eigenen Partei hatte, st\u00e4ndig jonglieren musste, zwang ihn, wie er es ausdr\u00fcckte, zu \u201efinassieren\u201c &#8211; zwang ihn, wenigstens einige nationale Tr\u00fcmpfe in der Hand zu behalten, zumal au\u00dfer dem definitiven Verzicht auf Elsass-Lothringen Deutschland noch andere Kr\u00f6ten schlucken musste, beispielsweise die Entmilitarisierung des Rheinlands, die der Vertrag von Versailles erzwungen hatte, und die nun freiwillig anerkannt wurde. Alle beteiligten Staaten schlossen \u00fcberdies mehrere Schiedsvertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Gekr\u00f6nt wurde das Vertragswerk durch die Aufnahme Deutschlands in den V\u00f6lkerbund mit Sitz und Stimme im Jahr 1926 \u2013 auch das war nicht allein ein Prestigegewinn und die offizielle Wiedereingliederung Deutschlands in die europ\u00e4ischen Staatengemeinschaft, sondern bot praktische M\u00f6glichkeiten, die strittigen Grenzfragen mit Polen sowie den Schutz der im Ausland lebenden deutschen Minderheiten (8 Millionen Menschen!) im V\u00f6lkerbund zu thematisieren. F\u00fcr ihre Friedenspolitik erhielten Briand, Stresemann und Austen Chamberlain 1926 den Friedensnobelpreis. Ein weiterer, zumindest programmatischer \u00a0H\u00f6hepunkt wurde der Briand-Kellogg-Pakt der Kriegs\u00e4chtung 1928, dem Deutschland beitrat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VIII.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gab es weitere europ\u00e4ische Perspektiven, wie sie im zun\u00e4chst geheimen Treffen von Briand und Stresemann in Thoiry am 17. September 1925 in der Euphorie der gro\u00dfen Erfolge zur Sprache kamen? Und wie beurteilte Stresemann in seiner letzten gro\u00dfen Rede am 9. September 1929 vor dem V\u00f6lkerbund die Zukunft des europ\u00e4ischen Systems? War Stresemann ein Europ\u00e4er im Sinne der zunehmenden europ\u00e4ischen Integration seit den 1950er Jahren? Diese Frage ist tats\u00e4chlich falsch gestellt: Stresemann war in den M\u00f6glichkeiten der 1920er Jahre sicher ein europ\u00e4ischer Friedenspolitiker, ein europ\u00e4ischer Integrationist war er nicht und hielt an der einzelstaatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t fest. Aber das taten in der Zwischenkriegszeit die Staatsm\u00e4nner aller Nationen und selbst noch nach dem Zweiten Weltkrieg fast alle, etwa Charles de Gaulle. Wie weit wollte also Stresemann europapolitisch gehen?<\/p>\n<p>In dem im franz\u00f6sischen Jura gelegenen Dorf Thoiry schlug Briand Stresemann vor, alle zwischen beiden Staaten noch offenen Streitpunkte gemeinsam in einem Zugriff zu beseitigen. Er ging so weit, die franz\u00f6sischen Truppen bis Ende September 1927 abzuziehen, das Saarland vorzeitig an das Deutsche Reich zur\u00fcckzugeben und die alliierte Milit\u00e4rkontrolle zu beenden. Stresemann bot eine Abfindung f\u00fcr die saarl\u00e4ndischen Kohlengruben sowie betr\u00e4chtliche Kredite in Goldmark zur St\u00fctzung der franz\u00f6sischen W\u00e4hrung an.<\/p>\n<p>Stresemann sch\u00e4tzte die Perspektiven au\u00dferordentlich positiv ein, doch die politische Realit\u00e4t erwies sich als z\u00e4hlebig, Briand konnte seine Vorschl\u00e4ge in der franz\u00f6sischen Regierung nicht durchsetzen. Und auch alle anderen Verhandlungen erwiesen sich nach den H\u00f6henfl\u00fcgen von Locarno und Thoiry als schwierig, darunter die geplante endg\u00fcltige Reparationsl\u00f6sung, gegen die deutschnationale und extremistische Rechte in Deutschland mit einem agitatorisch aufgeheizten Volksbegehren vorgingen, das die Verantwortlichen sogar mit Gef\u00e4ngnis bedrohte. Doch gelang es mit dem Young-Plan 1929, auch diese H\u00fcrde einer erneut angepassten Reparationsregelung noch zu nehmen.<\/p>\n<p>Doch war der zwar bullig wirkende, aber seit seiner Jugend an der Basedowschen Krankheit leidende, immer wieder kr\u00e4nkelnde, mehrfach schwer erkrankte Gustav Stresemann am Ende seiner Kr\u00e4fte. Schon sein 50. Geburtstag konnte wegen einer ernsthaften Erkrankung nicht mehr gefeiert werden. Auch wenn er sich zun\u00e4chst wieder erholte, erlitt er doch bereits eineinhalb Jahre sp\u00e4ter bei einer Tagung des V\u00f6lkerbundes zwei schwere Herzanf\u00e4lle. Zwar hielt er am 9. September 1929 mit letzter Kraft versp\u00e4tet doch noch die geplante Rede, war aber ganz offensichtlich vom Tode gezeichnet, so dass Beobachter \u00fcber seine aschfahlen Gesichtsz\u00fcge und seinen eingefallen wirkenden K\u00f6rper entsetzt waren.<\/p>\n<p>Unter anderem forderte Stresemann einen umfassenden und garantierten Minderheitenschutz, bef\u00fcrwortete nachdr\u00fccklich den Kriegs\u00e4chtungs-Pakt und die Reaktivierung der Genfer Abr\u00fcstungsverhandlungen. Er forderte die \u201eNeugestaltung der Staatenverh\u00e4ltnisse in Europa\u201c und wirtschaftspolitisch globale L\u00f6sungen. Ein zentrales Anliegen Stresemanns bildete die \u201eRationalisierung der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Europa\u201c, wozu er den Abbau der Zollschranken, die Einf\u00fchrung einer \u201eeurop\u00e4ischen M\u00fcnze\u201c und eine \u201eeurop\u00e4ischen Briefmarke\u201c z\u00e4hlte. Zwar argumentierte der National\u00f6konom Stresemann stets wirtschaftlich, aber er sah \u00fcberdies die Symbolkraft solcher Vorschl\u00e4ge. Und vor allem forderte er, die noch bestehenden Ursachen f\u00fcr Spannungen in Europa zu beseitigen: \u201eWir haben die n\u00fcchterne Aufgabe, die V\u00f6lker einander n\u00e4herzubringen, ihre Gegens\u00e4tze zu \u00fcberbr\u00fccken\u201c. Stresemann betonte, Verst\u00e4ndigung sei im Interesse aller Staaten, deshalb gebe es in dieser Frage keinen Gegensatz zwischen nationalen und gemeinsamen Interessen.<\/p>\n<p>Handelte es sich bei solchen Vorschl\u00e4gen nun um einen Vorgriff auf die heutige EU? Sicher nicht, doch ging er politisch und \u00f6konomisch so weit, wie ein Realpolitiker unter den extrem belastenden Umst\u00e4nden zehn Jahre nach dem I. Weltkrieg \u00fcberhaupt gehen konnte. Und angesichts der politischen Entwicklung nach ihm, waren seine Ziele durchaus vision\u00e4r.<\/p>\n<p>Am 3. Oktober 1929 starb Gustav Stresemann in den fr\u00fchen Morgenstunden nach zwei in der Nacht erlittenen Schlaganf\u00e4llen im Alter von nur 51 Jahren. Noch am Vortag hatte er seine Dienstgesch\u00e4fte wahrgenommen. Wie Friedrich Ebert hat sich Gustav Stresemann im Dienste seines Landes aufgezehrt, beide starben wohl nicht zuletzt an einer jahrelangen \u00dcberforderung ihrer Kr\u00e4fte. Stresemann musste selbst f\u00fcr seine gro\u00dfen internationalen Verhandlungserfolge, die f\u00fcr Deutschland das Optimale erreichten, in aufreibenden innenpolitischen Auseinandersetzungen sogar mit seiner eigenen Partei um Mehrheiten im Reichstag k\u00e4mpfen. Die zahlenm\u00e4\u00dfig verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig \u201aGro\u00dfe\u2018 Koalition wurde vor allem durch seine \u00fcberragende Pers\u00f6nlichkeit und sein Zusammenwirken mit dem ebenfalls kr\u00e4nklichen sozialdemokratischen Reichskanzler Hermann M\u00fcller zusammengehalten. Nur ein halbes Jahr nach Stresemanns Tod fiel diese Koalition im M\u00e4rz 1930 auseinander: Das war der Anfang vom Ende der Weimarer Republik, die danach nur noch Minderheitsregierungen kannte.<\/p>\n<p>Die nationale und internationale Anteilnahme an seinem Tod war \u00fcberw\u00e4ltigend, hunderttausende folgten in Berlin seinem Sarg. Die internationale Presse w\u00fcrdigte Stresemann als \u00fcberragenden europ\u00e4ischen Staatsmann. Harry Graf Kessler notierte am 4. Oktober 1929 in Paris in sein Tagebuch, die Trauer sei allgemein und echt: \u201eEs ist fast so, als ob der gr\u00f6sste franz\u00f6sische Staatsmann gestorben w\u00e4re. \u2026. Stresemann ist durch seinen pl\u00f6tzlichen Tod eine fast mythische Figur geworden. Keiner von den grossen Staatsm\u00e4nnern des 19ten Jahrhunderts, weder Pitt, noch Talleyrand, noch Metternich, noch Palmerston, noch Napoleon III, noch Cavour, noch Bismarck, noch Gambetta, noch Disraeli hat eine so einstimmige Weltgeltung und Apotheose erreicht. Er ist der erste, der als wirklich europ\u00e4ischer Staatsmann in Walhalla eingeht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IX.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00e4tte Stresemann den Weg in die nationalsozialistische Diktatur verhindern k\u00f6nnen? Wir wissen es nicht. Doch schon die Fortsetzung der Koalition bis zu den regul\u00e4ren Reichstagswahlen im Sommer 1932 h\u00e4tte die Pr\u00e4sidialregierungen mit der St\u00e4rkung des Reichspr\u00e4sidenten von Hindenburg ebenso vermieden wie das innenpolitische und parlamentarische Chaos. Es waren diese Voraussetzungen, die den Aufstieg des Nationalsozialismus zur Massenbewegung in drei kurz aufeinander folgenden \u00fcberfl\u00fcssigen Wahlen seit dem 14. September 1930 beg\u00fcnstigten, wenn nicht gar erm\u00f6glichten. 1933\/1934 war \u2013 auch ohne Hitler \u2013 der H\u00f6hepunkt der verheerenden Wirtschaftskrise \u00fcberschritten, sie hatte ganz entscheidend der NSDAP genutzt. Regul\u00e4r h\u00e4tten Neuwahlen erst im Sommer 1932 stattfinden m\u00fcssen. Bis dahin h\u00e4tte eine funktionsf\u00e4hige Reichsregierung eine stabile Mehrheit haben k\u00f6nnen mit einer NSDAP-Opposition im Reichstag von nur 2,9% der Mandate. Die mit einer parlamentarischen Mehrheit ausgestattete Regierung h\u00e4tte mehr als zwei Jahre Zeit gewonnen und den Verfassungswandel zur Pr\u00e4sidialregierung verhindert. Und ob die NSDAP in einem Anlauf sich von einer Splitterpartei zur Mehrheitspartei h\u00e4tte aufschwingen k\u00f6nnen, ist zumindest fraglich.<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, ob es Gustav Stresemann einmal mehr gelungen w\u00e4re, die Gro\u00dfe Koalition 1930 zu erhalten. Aber eine gro\u00dfe Chance h\u00e4tte in seinem l\u00e4ngeren Wirken zweifellos gelegen. Seit 1923 war er der st\u00e4rkste Aktivposten, den die parlamentarische Demokratie in Deutschland besa\u00df, zugleich war er einer der Architekten eines erneuerten, auf Friedensicherung setzenden europ\u00e4ischen Staatensystems. Als Patriot, Vernunftrepublikaner und Verst\u00e4ndigungspolitiker bildete er bis zu seinem Tod die Alternative zur 1930 in Deutschland einsetzenden Entwicklung. Kann man einem Staatsmann gr\u00f6\u00dfere Anerkennung zollen?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. \u00a0 Gustav Stresemanns Bild schwankt in der Geschichte, nicht allein bei Zeitgenossen, sondern auch bei Nachlebenden. Doch finden Sie im Titel meines Vortrags \u00fcber den kurzzeitigen Reichskanzler und langj\u00e4hrigen Au\u00dfenminister der Weimarer Republik keinen Hinweis, warum er selbst bei Historikern umstritten war oder noch ist. 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