{"id":116813,"date":"2025-12-16T15:38:57","date_gmt":"2025-12-16T14:38:57","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=116813"},"modified":"2025-12-16T15:39:00","modified_gmt":"2025-12-16T14:39:00","slug":"max-planck-und-albert-einstein-zwei-revolutionaere-der-physik-in-ihren-politischen-gegensaetzen-und-kollegialen-beziehungen","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/max-planck-und-albert-einstein-zwei-revolutionaere-der-physik-in-ihren-politischen-gegensaetzen-und-kollegialen-beziehungen\/","title":{"rendered":"Max Planck und Albert Einstein"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201ePlanck liebt Dich.\u201c Diese Feststellung findet man in einem Brief Elsa Einsteins an ihren Mann vom Herbst 1921 und dieses Zitat macht die engen Beziehungen deutlich, die zwischen beiden Gelehrten bestanden. Planck darf ohne \u00dcbertreibung als der Entdecker Einsteins bezeichnet werden, hatte er doch als einer der ersten auf den revolution\u00e4ren Charakter von Einsteins Aufsatz \u201eZur Elektrodynamik bewegter K\u00f6rper\u201c aus dem Jahre 1905 aufmerksam gemacht und damit die allgemeine Anerkennung der Relativit\u00e4tstheorie und ihres Sch\u00f6pfers entscheidend gef\u00f6rdert. Im \u00dcbrigen war es ebenfalls Planck, der die Relativit\u00e4tstheorie mit seinem ureigensten Forschungsfeld, der Thermodynamik, zusammengef\u00fchrt und in mehreren Arbeiten sowie in Dissertationen seiner Sch\u00fcler die thermodynamischen Konsequenzen der Einsteinschen Theorie untersucht hat.<\/p>\n<p>Einsteins Spezielle Relativit\u00e4tstheorie hat die Vorstellungen der klassischen Physik \u00fcber Raum und Zeit revolutioniert. Einstein wiederum geh\u00f6rte zu den ersten, der 1905, seinem annus mirabilis, den revolution\u00e4ren Charakter der Planckschen Quantenhypothese erfasst und schlie\u00dflich auch zum Durchbruch verholfen hat. Beide haben so mit ihrem Schaffen die moderne Physik begr\u00fcndet und sind als Revolution\u00e4re in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen.<\/p>\n<p>Als lupenreinen Revolution\u00e4r kann man allerdings nur Albert Einstein bezeichnen, denn Planck hat lange mit seiner revolution\u00e4ren Entdeckung gehadert und fast ein Jahrzehnt versucht, die Quantenhypothese wieder an die klassische Physik r\u00fcckzubinden, so dass er eher als Revolution\u00e4r wider Willen gelten darf. \u00c4hnlich f\u00e4llt die Wertung beider Gelehrten hinsichtlich ihrer politischen und gesellschaftlichen Ansichten aus. Diesbez\u00fcglich waren zwar beide keine Revolution\u00e4re, doch Einstein zumindest ein Rebell, der sich in seinem pers\u00f6nlichen Leben schon fr\u00fch gegen alles Autorit\u00e4re auflehnte, Pazifist war und sich zudem als Demokrat verstand. Dagegen bestimmte ein ausgepr\u00e4gter Konservatismus Plancks Verhalten nicht nur in der Wissenschaft. Seine Pers\u00f6nlichkeit wurzelt tief im Wertekanon des deutschen Protestantismus und des Wilhelminischen Obrigkeitsstaats, in dem er sozialisiert wurde und dem er nicht zuletzt karrieretechnisch viel zu verdanken hatte.<\/p>\n<p>Deutlich wurde dieser Gegensatz zum ersten Mal im Sommer 1914 als der Erste Weltkrieg ausbrach und beide Gelehrte sich h\u00f6chst unterschiedlich verhielten. Einstein zeigte sich sehr besorgt und schrieb seinem Freund und Kollegen Paul Ehrenfest in Leiden: \u201cUnglaubliches hat nun Europa in seinem Wahn begonnen. In solcher Zeit sieht man, welch trauriger Viehgattung man angeh\u00f6rt &#8230; und (ich) empfinde nur eine Mischung aus Mitleid und Abscheu.\u201c<\/p>\n<p>Einsteins sarkastische Bemerkung war keineswegs zeittypisch, sondern die pointierte Meinung einer Minderheit \u2013 wie ja \u00fcberhaupt Einstein in seiner Zeit die Ausnahme darstellte, wissenschaftlich, aber gerade auch politisch. Im Gegensatz zu Einstein teilte die \u00fcbergro\u00dfe Mehrheit der Akademiker und Intellektuellen die allgemeine Kriegsbegeisterung, die Deutschland im Sommer 1914 erfasste hatte. In der deutschen Akademikerschaft hatte sich eine \u201enationalistisch-militaristische Einheitsfront\u201c formiert, die sich in nationalistischen und chauvinistischen Tiraden erging und zur r\u00fcckhaltlosen Unterst\u00fctzung der deutschen Kriegsf\u00fchrung aufrief.<\/p>\n<p>Zu dieser Einheitsfront geh\u00f6rte auch Max Planck, f\u00fcr den es eine \u201eherrliche Zeit (war), die wir erleben\u201c und der im Herbst 1914 zusammen mit 93 anderen Intellektuellen zu den Unterzeichnern des sogenannten Aufrufs an die Kulturwelt geh\u00f6rte. Dieser legitimierte den deutschen Militarismus vorbehaltlos mit dem Schutz der deutschen Kultur und stellte scharfmacherisch fest: \u201cOhne den deutschen Militarismus w\u00e4re die deutsche Kultur l\u00e4ngst vom Erdboden getilgt &#8230; Deutsches Herr und deutsches Volk sind eins.\u201c<\/p>\n<p>Einstein z\u00e4hlte nicht zu den Unterzeichnern, vielmehr stellte er sich gegen den Aufruf und schloss sich stattdessen dem pazifistischen Gegenaufruf \u201eAn die Europ\u00e4er\u201c des Berliner Physiologe Georg Nicolai an, der die Macht der politischen Vernunft und eine m\u00f6glichst rasche Beendigung des Krieges sowie allgemeine V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung propagierte. Allerdings hatte dieser Aufruf nur drei weitere Mitunterzeichner und blieb weitgehend unbeachtet. \u00dcberhaupt markiert der erste Weltkrieg Einsteins Wandlung zu einem politischen Menschen, der einen (nicht immer konsequenten) Pazifismus vertrat und auch sonst zu politischen Themen Stellung bezog.<\/p>\n<p>Einsteins Wandel zu einem wachen und sich politisch links orientierenden Geist machen auch seine Stellungnahmen zum Kriegende und zum Zusammenbruch des Kaiserreichs deutlich. So schrieb er im November 1918 in dem ihm eigenen Ton an seine Mutter: \u201eDas Grosse ist geschehen &#8230; Das ich das erleben durfte!!! Keine Pleite ist so gross, dass man sie nicht gerne in Kauf n\u00e4hme um so einer herrlichen Kompensation wegen. Bei uns ist der Militarismus und der Geheimratsdusel gr\u00fcndlich beseitigt &#8230; Jetzt wir mir erst richtig wohl hier. Die Pleite hat Wunder gethan&#8230; Unter den Akademikern bin ich so eine Art Obersozi.\u201c<\/p>\n<p>Einstein geh\u00f6rte mit dieser Haltung zu den wenigen Akademikern, die den politischen und sozialen Ver\u00e4nderungen jener Zeit gro\u00dfe Sympathien entgegenbrachte und zum Protagonisten der Weimarer Republik wurde. Ganz im Gegensatz zur Mehrzahl seiner Kollegen, die dem kaiserlichen Macht- und Obrigkeitsstaat nachtrauerten und dessen Wertvorstellung weiterhin stark verhaftet blieben, einschlie\u00dflich einer grunds\u00e4tzlichen Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber dem nun im holl\u00e4ndischen Exil lebenden Kaiser. Hierzu geh\u00f6rte auch Max Planck, wie seine damaligen Reden in der Akademie deutlich machen, wo er das Amt eines best\u00e4ndigen Sekretars, d.h. eines tempor\u00e4ren Akademiepr\u00e4sidenten, bekleidete; oder auch seine Feststellung im Brieftagebuch zum Jahreswechsel 1918\/19: \u201eAlles erscheint einem klein und kaum erw\u00e4hnenswert neben dem grossen furchtbaren, was unser liebes Vaterlandgetroffen hat &#8211; eine endg\u00fcltige Niederlage, und noch schlimmer, der innere Kampf, in dem sich die noch \u00fcbrig gebliebenen Kr\u00e4fte gegenseitig zerfleischen.\u201c<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich hatte er im Fr\u00fchjahr 1919 gegen\u00fcber Einstein bekannt: \u201e&#8230;ich f\u00fchle etwas, was Sie allerdings gar nicht verstehen werden &#8230; N\u00e4mlich die Piet\u00e4t und unverbr\u00fcchliche Zusammengeh\u00f6rigkeit gegen\u00fcber dem Staat, dem ich angeh\u00f6re, auf den ich stolz bin gerade auch im Ungl\u00fcck, und der sich in der Person des Monarchen verk\u00f6rpert.\u201c<\/p>\n<p>Einstein war fern solcher Bekundungen wie die obigen Passagen zeigen. Dar\u00fcber hinaus entdeckte er in dieser Zeit sein Judentum wieder und begann sich nach Ende des Ersten Weltkriegs f\u00fcr die zionistische Bewegung zu engagieren. In seiner Schrift \u201eWie ich Zionist wurde\u201c stellte er 1921 fest: \u201eBis vor sieben Jahren lebte ich in der Schweiz und solange ich dort war, war ich mir meines Judentums nicht bewu\u00dft und war nichts in meinem Leben vorhanden, das auf meine j\u00fcdische Empfindung gewirkt und sie belebt h\u00e4tte. Das \u00e4nderte sich, sobald ich meinen Wohnsitz nach Berlin verlegte. Dort sah ich die Not vieler jungen Juden. Ich sah wie Ihnen durch ihre antisemitische Umgebung unm\u00f6glich gemacht wurde, zu einem geordneten Studium zu gelangen und sich zu einer gesicherten Existenz durchzuringen. Insbesondere gilt das von den Ostjuden, die unaufh\u00f6rlich Schikanen ausgesetzt sind &#8230; Diese und \u00e4hnliche Erlebnisse haben in mir das j\u00fcdische nationale Gef\u00fchl geweckt.\u201c<\/p>\n<p>Fast zeitgleich war es einer britischen Sonnenfinsternis-Expedition unter Leitung des Astronomen Sir Artur Eddington gelungen, eine Vorhersage der Einsteinschen Allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie, die sogenannte gravitative Lichtablenkung zu best\u00e4tigen. Diese spektakul\u00e4re Best\u00e4tigung r\u00fcckte Einstein ins Rampenlicht der \u00d6ffentlichkeit, machte ihn gewisserma\u00dfen zum ersten \u201ePopstar\u201c der Wissenschaft. Dies verlieh ihm eine beispiellose \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit und Reputation, sah man doch in der Best\u00e4tigung der Theorie eines deutschen Juden mit Schweizer Pass durch eine englische Expedition ein Symbol f\u00fcr Hoffnung und Sicherheit in einer Welt, die durch gesellschaftliche Turbulenzen und Unsicherheiten sowie den Wirren von Krieg und Nachkriegszeit gepr\u00e4gt wurde. Damit war die \u00f6ffentliche Person Albert Einstein und der Einstein-Mythos geboren \u2013 die \u00dcberzeugung, dass Einstein nicht nur ein \u00fcberragender Physiker, sondern auch jemand sei, der gewisserma\u00dfen als ein Orakel Wahrheit und Zuversicht verbreiten k\u00f6nne. Dadurch wurden Einsteins Person und seine wissenschaftlichen Theorien mit Inhalten aufgeladen, die mit seiner Wissenschaft selbst nichts zu tun hatten. Er selbst wurde in den zwanziger Jahren Gegenstand \u00f6ffentlicher und insbesondere nicht-wissenschaftlicher Auseinandersetzungen, die den Pazifisten und Demokraten zur Zielscheibe hatten, aber auch dezidiert antisemitisch aufgeladen waren, wie zum Beispiel M. Wazeck in Einsteins Gegner. Die \u00f6ffentliche Kontroverse um die Relativit\u00e4tstheorie in den 1920er Jahren. Frankfurt\/Main, New York 2009, schreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund und angesichts der aktuellen Entwicklung k\u00fchlte sich Einsteins Begeisterung f\u00fcr den politischen Umbruch recht schnell ab, auch wenn er ein \u00fcberzeugter und loyaler Anh\u00e4nger der Weimarer Republik blieb. Dies sowie sein Pazifismus und Engagement f\u00fcr den Zionismus machten ihn nicht nur zum politischen Au\u00dfenseiter in der Professorenschaft der Weimarer Republik, sondern auch zur Unperson chauvinistsicher und antisemitischer Hetzkampagnen. Die \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen erreichten im Sommer 1920 einen ersten H\u00f6hepunkt, als eine so genannte \u201eArbeitsgemeinschaft deutscher Naturforscher zur Erhaltung reiner Wissenschaft\u201c in der Berliner Philharmonie eine Vortragsreihe gegen die Relativit\u00e4tstheorie und ihren Sch\u00f6pfer veranstaltete. Die Hetze blieb nicht ohne Eindruck auf Einstein, der sich verst\u00e4rkt mit Gedanken trug, Berlin wieder zu verlassen. Dies rief Planck auf den Plan, der seinem Kollegen schrieb: \u201eAus S\u00fcdtirol, wo mich keine Nachrichten erreichten, nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt, finde ich die Mitteilungen von der kaum glaublichen Schweinerei, die inzwischen in der Berliner Philharmonie passiert ist, und von dem allen, was damit zusammenh\u00e4ngt &#8230; es qu\u00e4lt mich der Gedanke an die M\u00f6glichkeit, dass Sie am Ende doch einmal die Geduld verlieren und sich zu einem Schritt entschlie\u00dfen k\u00f6nnten, der die deutsche Wissenschaft und Ihre Freunde f\u00fcr das schwerste bestrafen w\u00fcrde, was eine erb\u00e4rmliche Gesinnung an Ihnen ges\u00fcndigten hat. An einer ausreichenden Genugtuung seitens der berufenen Vertreter der Wissenschaft darf und soll es Ihnen nicht fehlen.\u201c<\/p>\n<p>In diesem Sinne waren zwar in einer Presseerkl\u00e4rung Max von Laue, Walther Nernst und Heinrich Rubens f\u00fcr ihren diffamierten Kollegen eingetreten, doch als das Preu\u00dfische Kultusministerium vertraulich anregte, dass sich auch die Berliner Akademie sch\u00fctzend vor ihr prominentes Mitglied stellen m\u00f6ge, sahen Planck und die anderen Sekretare keinen Anlass f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung. Als Grund gab Planck an, dass die Polemik inzwischen \u201eeine wesentlich politische Sache geworden sei\u201c, aus der man sich tunlichst herauszuhalten habe und man w\u00fcrde \u00fcberdies \u201eden Dunkelm\u00e4nnern zu viel Ehre antun, wenn wir das schwere Gesch\u00fctz der Akademie gegen sie auffahren lassen.\u201c<\/p>\n<p>Das \u00f6ffentliche Schweigen der Akademie und von Planck pers\u00f6nlich war symptomatisch und spaltete mit dem R\u00fcckzug in einen vermeintlich politikfreien Raum die Solidarit\u00e4t mit einem diffamierten Kollegen. Zur \u00f6ffentlichen Solidarit\u00e4t f\u00fchlte man sich allein in wissenschaftlichen Fragen verpflichtet \u2013 gegen\u00fcber den antisemitischen P\u00f6beleien und antidemokratischen Denunziationen zeigte man hingegen m\u00f6glichst Zur\u00fcckhaltung, da dies die Grenzziehung zwischen Politik und Wissenschaft und damit die \u201eheilige Sache\u201c der Wissenschaft h\u00e4tte besch\u00e4digen k\u00f6nnen. Dass diese Trennung ein durchaus im Eigeninteresse gepflegter Mythos, eigentlich selbst eine politische Position war, wollte man genauso wenig zur Kenntnis nehmen wie die Tatsache, dass diese Grenze gerade von jenen, deren Verhalten man mit solchen Ansichten tolerierte, ignoriert wurde. Was f\u00fcr Planck und die meisten seiner akademischen Zeitgenossen als \u201epolitisch\u201c bzw. \u201cunpolitisch\u201c galt, hatte somit mit einem demokratischen Politikverst\u00e4ndnis nur wenig zu tun und orientierte sich vielmehr an Koordinaten, die fest in den obrigkeitsstaatlichen Traditionen des Wilhelminischen Deutschlands verankert blieben \u2013 an der vermeintlichen \u00dcberparteilichkeit des Beamten als Lebensl\u00fcge des Obrigkeitsstaates, so auch die Position von Thomas Nipperdey.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzungen um Einstein spitzten sich im Sommer 1922, nach dem Mord an Walther Rathenau, noch einmal zu, so dass Einstein um sein Leben f\u00fcrchtete und alle \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4ge und Auftritte absagte. Als Planck davon erfuhr, schrieb er an Einstein: \u201eWie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft mich Ihr werter Brief vom 6. ds. M. Also so weit hat es das Gesindel wirklich gebracht, dass Sie um Ihre pers\u00f6nliche Sicherheit besorgt sind.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch blieb Einstein in Berlin und ging nicht auf Angebote ein, die an ihn aus der Schweiz und Holland ergangen waren. Dass Einstein in Berlin blieb, war neben dem anregenden intellektuellen Klima der Stadt wohl nicht zuletzt der Pers\u00f6nlichkeit Plancks geschuldet, dem er \u2013 wie er in einem Brief an Paul Ehrenfest aus dem Jahr 1919 bekannt hatte \u2013 \u201eversprochen (habe), Berlin nicht den R\u00fccken zu kehren, bevor nicht Verh\u00e4ltnisse eintr\u00e4ten, die ihm einen solchen Schritt als nat\u00fcrlich und richtig erscheinen lie\u00dfen. Du hast kaum eine Vorstellung davon, was f\u00fcr Opfer hier bei der schwierigen allgemeinen Finanzlage gebracht werden, um mir das Bleiben und die Erhaltung meiner in Z\u00fcrich lebenden Familie zu erm\u00f6glichen. Es w\u00e4re doppelt h\u00e4sslich von mir, wenn ich gerade in diesem Augenblick der Erf\u00fcllung meiner politischen Hoffnungen, vielleicht zum Teil um \u00e4ussere Vorteile willen, Menschen ohne Not den R\u00fccken kehrte, die mich mit Liebe und Freundschaft umgeben haben, und denen mein Scheiden in dieser Zeit vermeintlicher Erniedrigung doppelt schmerzlich w\u00e4re. &#8230; Ich kann von hier nur dann weggehen, wenn eine Wendung eintritt, die mein ferneres Bleiben unm\u00f6glich macht. Eine solche Wendung k\u00f6nnte eintreten. Tritt sie nicht ein, so w\u00e4re mein Weggehen mit einem schn\u00f6den Wortbruch Planck gegen\u00fcber gleichbedeutend, und auch sonst treulos. Ich m\u00fcsste mir sp\u00e4ter selbst Vorw\u00fcrfe machen.\u201c<\/p>\n<p>Anfang 1933 trat dann mit der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten eine solche Wendung ein, denn in einem Land, in dem die Freiheits- und B\u00fcrgerrechte so massiv und brutal verletzt wurden wie in Nazi-Deutschland, wollte Einstein nicht leben. Damit f\u00fchlte er sich an das Planck einst gegebene Versprechen nicht mehr gebunden, zumal dieser Einsteins \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung gegen \u201edie Akte brutaler Gewalt und Bedr\u00fcckung\u201c nicht verstehen wollte und sie gar als eine Beteiligung an der \u201eausl\u00e4ndischen Greuelhetze\u201c diskreditierte. Dass Planck die politischen Zeichen der Zeit nicht erkannte und wohl auch nicht sehen wollte, macht die Tatsache deutlich, dass er im M\u00e4rz 1933 routinem\u00e4\u00dfig seinen Osterurlaub angetreten und sich f\u00fcr sechs Wochen von Berlin in Richtung Italien verabschiedet hatte. Unmittelbar vor der Abreise Plancks und unter dessen Federf\u00fchrung brachte das Sekretariat der Akademie noch in einem Brief an Einstein das Missfallen \u00fcber sein Verhalten zum Ausdruck und legte ihm den freiwilligen R\u00fccktritt von seinem Akademieamt nahe. Allerdings lie\u00df sich die Angelegenheit nicht ganz so ger\u00e4uschlos bereinigen, wie Planck und seine Kollegen es erhofften.<\/p>\n<p>Einstein kam n\u00e4mlich einem gro\u00df aufgezogenen und von den nationalsozialistischen Machthabern instrumentalisierten Akademieausschluss zuvor und informierte am 28. M\u00e4rz 1933 die Akademie, dass er seine Mitgliedschaft niederlege. Max von Laue erinnerte sich 1947 an die unbeschreibliche Wut im NS-Wissenschaftsministerium, dass Einstein \u201eihnen durch seinen Austritt zuvorgekommen war.\u201c Die Akademie selbst f\u00fchlte sich indes im Umfeld des sogenannten Juden-Boykotts vom 1. April 1933 veranlasst, in einer \u2013 allerdings unabgestimmten \u2013 Presseerkl\u00e4rung des amtierenden Sekretars Ernst Heymanns scharfmacherisch zu erkl\u00e4ren, dass \u201esie &#8230; keinen Anla\u00df (hat), den Austritt Einsteins zu bedauern.\u201c<\/p>\n<p>Zwar gab es noch ein Nachspiel, da einige Mitglieder gegen die unabgestimmte Erkl\u00e4rung Protest einlegten, doch zu einer offiziellen R\u00fccknahme kam es nicht. In diese zwiesp\u00e4ltigen Reaktionen der Akademie f\u00fcgt sich auch das Verhalten Plancks, der sich zu einem Abbruch seines Urlaubs und zu einem kl\u00e4renden Eingreifen in die Vorg\u00e4nge nicht veranlasst sah \u2013 obwohl Max von Laue und andere Berliner Kollegen ihn dazu brieflich gedr\u00e4ngt hatten. Planck blieb in Italien \u2013 wohl auch, weil eine sofortige R\u00fcckkehr f\u00fcr ihn eine zu starke Exponierung in dieser unerquicklichen Angelegenheit bedeutet h\u00e4tte. Nach seiner R\u00fcckkehr Ende April fand Planck zwar auf der den \u201eFall Einstein\u201c abschlie\u00dfenden Sitzung der Akademie anerkennende Worte f\u00fcr die wissenschaftliche Leistung Einsteins, \u201ederen Bedeutung nur an den Leistungen Johannes Keplers und Isaac Newtons gemessen werden kann\u201c. Doch meinte er zum Schluss noch feststellen zu m\u00fcssen, dass \u201eEinstein selber durch sein politisches Verhalten sein Verbleiben in der Akademie unm\u00f6glich gemacht hat.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Einstein z\u00e4hlte der eilfertige Konformismus seiner Akademiekollegen zu den schmerzlichsten Erfahrungen seines Lebens. Allzu willf\u00e4hrig hatten sie sich dem politischen Druck gebeugt und damit der nationalsozialistischen Gleichschaltung dieser traditionsreichen Institution den Weg geebnet. Auch Plancks Lavieren gegen\u00fcber den nationalsozialistischen Machthabern, den offensichtlichen Akten brutaler Gewalt und den flagranten Rechtsverletzungen stand er verst\u00e4ndnislos gegen\u00fcber. Seine tiefe Entt\u00e4uschung macht ein Brief vom 6. April 1933 deutlich, in dem er Planck mit einem Anflug von Bitterkeit daran erinnerte, \u201e \u2026 da\u00df ich Deutschlands Ansehen in all diesen Jahren nur gen\u00fctzt habe, und dass ich mich niemals daran gekehrt habe, dass \u2013 besonders in den letzten Jahren \u2013 in der Rechtspresse gegen mich gehetzt wurde, ohne dass es jemand der M\u00fche wert gehalten hat f\u00fcr mich einzutreten.\u201c<\/p>\n<p>In seiner Antwort machte Planck die un\u00fcberbr\u00fcckbaren politischen Standpunkte beider deutlich, wenn er bez\u00fcglich des Akademieausschlusses schreibt: \u201eDa\u00df ich bei diesen Verhandlungen nicht anwesend war, tut mir unendlich leid, aber die Sache ist nun erledigt, und von dem Hauptresultat, dem Verlust, den die Akademie und mit ihr die deutsche Wissenschaft nunmehr erlitten hat, h\u00e4tte ich kaum etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen. Denn es sind hier zwei Weltanschauungen aufeinandergeprallt, die sich miteinander nicht vertragen. Ich habe weder f\u00fcr die eine noch f\u00fcr die andere volles Verst\u00e4ndnis. Auch die Ihrige ist mir fern, wie Sie sich erinnern werden von unseren Gespr\u00e4chen \u00fcber die von Ihnen propagierte Kriegsdienstverweigerung. Das alles hindert nicht, sich pers\u00f6nlich zu achten, besonders wenn man durch Jahre hindurch in freundschaftlichem Verkehr gestanden hat und durchaus reichen Gewinn f\u00fcr das eigene Leben ziehen konnte. Deshalb danke ich Ihnen besonders f\u00fcr Ihre freundlichen Worte \u00fcber die Fortdauer unserer pers\u00f6nlichen Beziehungen.\u201c<\/p>\n<p>War es f\u00fcr Planck und seine protestantische Staatsfr\u00f6mmigkeit jenseits allen Vorstellungsverm\u00f6gens, dass mit der nationalsozialistischen Macht\u00fcbernahme Unrecht, Gewalt und Verbrechen im Mantel der Staatsmacht die politische B\u00fchne betreten hatten, so wollte Einstein nicht akzeptieren, dass Planck, dem er als Mentor und v\u00e4terlichen Freund nach wie vor zugetan blieb und wohl auch manches nachsah, der vermeintlichen Rettung der deutschen Wissenschaft wegen an seinen wissenschaftspolitischen \u00c4mtern festhielt und sich damit von den Nationalsozialisten instrumentalisieren lie\u00df: &#8220; &#8230; ich w\u00e4re auch als Goj unter solchen Umst\u00e4nden nicht Pr\u00e4sident der Akademie und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft geblieben&#8220;, stellte er im Herbst 1934 gegen\u00fcber einem amerikanischen Kollegen fest.<\/p>\n<p>Plancks Motto war hingegen \u201eWeiterarbeiten\u201c, wie Fritz Stern es einmal auf den Punkt gebracht hat, \u201eund Kontinuit\u00e4t im guten wie im b\u00f6sen Sinne war das Kennzeichen der deutschen Wissenschaft im Dritten Reich.\u201c<\/p>\n<p>In diesem Sinne hatte sich Planck auch anfangs den neuen Machthabern weitgehend angepasst, womit sich in seinem Verhalten das Versagen der deutschen Eliten im Nationalsozialismus und gegen\u00fcber der von ihnen ungeliebten Weimarer Republik widerspiegelt. Beispielswiese hoffte er, dass mit der nationalsozialistischen Macht\u00fcbernahme endlich die chronische und seit Jahren anhaltende Unterfinanzierung der Wissenschaft beendet w\u00fcrde und damit der Glanz der deutschen Wissenschaft bewahrt und weiter bef\u00f6rdert werden k\u00f6nne. F\u00fcr den Repr\u00e4sentanten der deutschen Wissenschaft und engagierten \u201eWissenschaftsmanager\u201c war dies ein zentrales Lebensanliegen, f\u00fcr das man bereit war, Kompromisse mit den nationalsozialistischern Machthabern einzugehen und selbst deren \u00dcbergriffe hinzunehmen. Das dies ein Pakt mit dem Teufel war, wurde Planck wohl Mitte der drei\u00dfiger Jahre klar. Seitdem zeigte er deutliche Distanz zur Nazi-Diktatur und zuweilen sogar Zivilcourage.<\/p>\n<p>So bei der Feier anl\u00e4sslich des einj\u00e4hrigen Todestages von Fritz Haber, als Planck aus Achtung vor der Lebensleistung seines verstorbenen Kollegen und seiner Verdienste f\u00fcr Deutschland die Gedenkfeier gegen den Widerspruch der NS-Wissenschaftsb\u00fcrokratie und anderer NS-Autorit\u00e4ten, aber mit Billigung der Reichswehr durchf\u00fchrte \u2013 gegen\u00fcber Lise Meitner soll er in diesem Zusammenhang trotzig festgestellt haben: \u201eDiese Feier werde ich machen, au\u00dfer man holt mich mit der Polizei heraus\u201c. Allerdings sollte man in seinem Engagement weniger ein Zeichen politischen Widerstands, sondern vor allem die mutige Bekr\u00e4ftigung wissenschaftlicher Autonomie sehen, das sich in erster Linie gegen unbillige \u00dcbergriffe der NS-B\u00fcrokratie richtete. Trotz allem zeigt es Planck als couragierten und aufrechten Zeitgenossen.<\/p>\n<p>Bevorzugtes Forum seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus wurden indes seine \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4ge, die er in gro\u00dfer Zahl in ganz Deutschland, aber auch im Ausland hielt und mit denen er schon in der Weimarer Republik einem interessierten Laienpublikum naturwissenschaftliche Erkenntnisse aus erster Hand zu vermitteln suchte. In ihnen wurden nun verst\u00e4rkt Themen thematisiert, die quer zur nationalsozialistischen Ideologie und Weltanschauung standen.<\/p>\n<p>So betonte sein Vortrag \u201eReligion und Naturwissenschaft\u201c aus dem Jahre 1937 die Bedeutung religi\u00f6ser Werte f\u00fcr das sittliche Handeln der Menschen und stellte dem Ungeist und der Unmoral der NS-Herrschaft die Werte des Christentums und des menschlichen Anstands entgegen. Plancks Motto \u201eHin zu Gott\u201c war so nicht nur Ausdruck der tiefen Religiosit\u00e4t des Gelehrten, sondern nicht zuletzt Ausdruck seiner inneren Auflehnung und geistigen Gegenwehr. Dies machte ihn f\u00fcr viele auch zu einem Hoffnungstr\u00e4ger \u2013 insbesondere f\u00fcr jene, die es verstanden, zwischen den Zeilen zu lesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Plancks Leben war von gro\u00dfer pers\u00f6nlicher Tragik gepr\u00e4gt \u2013 so starb seine Frau Marie gerade 48j\u00e4hrig an Tuberkulose und hinterlie\u00df den Witwer mit 4 Kindern. Alle hat Planck \u00fcberlebt: der Sohn Karl fiel im Ersten Weltkrieg vor Verdun und die Zwillingst\u00f6chter Grete und Marie starben beide im Wochenbett 1917 bzw. 1919; der ihm besonders nahestehende Sohn Erwin wurde schlie\u00dflich noch kurz vor Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Januar 1945 als Mitverschw\u00f6rer des 20. Juli hingerichtet. Selbst ein Gnadengesuch an Hitler, in dem er \u201eals Dank des deutschen Volkes f\u00fcr meine Lebensarbeit, die ein unverg\u00e4nglicher geistiger Besitz des deutschen Volkes geworden ist\u201c, um die Umwandlung der Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe bat, vermocht das bittere Schicksal nicht abzuwenden. Schon im Jahr zuvor war sein Haus im Berliner Grunewald bei einem alliierten Bombenangriff vollst\u00e4ndig ausgebrannt, wobei nicht nur ein Gro\u00dfteil der materiellen Habe Plancks verloren ging, sondern auch seine Bibliothek und die unersetzlichen wissenschaftlichen Aufzeichnungen, Tageb\u00fccher und Briefe.<\/p>\n<p>Die letzten Lebensjahre lebten Planck und seine Frau in \u00e4u\u00dferst beschr\u00e4nkten Verh\u00e4ltnissen bei einer Nichte in G\u00f6ttingen und auch in dieser Zeit von allgemeiner Not und Altersgebrechen verschloss er sich nicht der an ihn herangetragenen Bitte, noch einmal Verantwortung f\u00fcr die deutsche Wissenschaft zu \u00fcbernehmen. Mit dem Freitod von Albert V\u00f6gler stand die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft nach dem Ende des Dritten Reichs nicht nur ohne Pr\u00e4sident dar, sondern mit Beschluss des Alliierten Kontrollrats auch vor ihrer Aufl\u00f6sung. So \u00fcbernahm Planck im Sommer 1945 nochmal f\u00fcr ein Interregnum das Pr\u00e4sidentenamt, das f\u00fcr den Greis sicher mehr B\u00fcrde als W\u00fcrde war. Doch trug sein Verhalten mit dazu bei, den Bestand und den Neubeginn der KWG zu sichern.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1946 \u00fcbergab er schlie\u00dflich die Pr\u00e4sidentschaft an Otto Hahn, der aus der englischen Internierung nach G\u00f6ttingen zur\u00fcckgekehrt war; vor allem aber stimmte er der Umbenennung der Forschungsorganisation in Max-Planck-Gesellschaft zu, womit er ihr Fortbestehen zun\u00e4chst f\u00fcr die britische Zone und sp\u00e4ter auch in allen drei Westzonen unter einem zeitgem\u00e4\u00dfen Namen erm\u00f6glichte. In einem Gru\u00dftelegramm an die Gr\u00fcndungsversammlung gab er \u201eseiner\u201c Gesellschaft auf den Weg, dass die\u00a0Max\u00a0Planck\u00a0Gesellschaft stets die Tradition der Kaiser Wilhelm Gesellschaft fortsetzen und sich immer bewu\u00dft bleiben (m\u00f6ge), da\u00df sie unabh\u00e4ngig von allen Str\u00f6mungen der Zeit nur der Wahrheit der Wissenschaft dienen soll.\u201c Damit wurde einem Idealbild wissenschaftlicher Forschung das Wort geredet, das die Ambivalenz moderner Wissenschaft und die gerade im Nationalsozialismus betriebenen Entgrenzungen verdr\u00e4ngte. Am 4. Oktober 1947 starb Max Planck 89j\u00e4hrig in G\u00f6ttingen und wurde dort Tage sp\u00e4ter unter gro\u00dfer \u00f6ffentlicher Anteilnahme beigesetzt.<\/p>\n<p>Albert Einstein, der mit seiner Emigration den Kontakt zu Max Planck abgebrochen hatte und von 1934 bis zu seinem Tode im Jahre 1955 am Institute for Advanced Study in Princeton wirkte, widmete seinem v\u00e4terlichen Freund, Mentor und Kollegen einen sehr pers\u00f6nlich gehaltenen Nachruf, der auf der Gedenkfeier der amerikanischen Akademie verlesen wurde und feststellte, \u201eda\u00df auch in diesen Zeiten, in denen politische Leidenschaft und rohe Gewalt so gro\u00dfe Sorgen und Leiden \u00fcber die Menschen verh\u00e4ngen, das Ideal des Erkennens unvermindert hochgehalten wird. Das Ideal &#8230; war in Max Planck in seltener Vollkommenheit verk\u00f6rpert.\u201c<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus nahm er den Kontakt zu Magda Planck wieder auf und fand in seinem Kondolenzschreiben an die Witwe vers\u00f6hnliche und bewegende Worte der Erinnerung an den \u201enobel denkenden und f\u00fchlenden Menschen\u201c und die gemeinsamen Jahre in Berlin: \u201eEs war eine sch\u00f6ne und fruchtbare Zeit, die ich in seiner Umgebung miterleben durfte &#8230; Die Stunden, die ich in Ihrem Hause verbringen durfte, die vielen Gespr\u00e4che, welche ich unter vier Augen mit dem wunderbaren Manne f\u00fchrte, werden f\u00fcr den Rest des Lebens zu meinen sch\u00f6nsten Erinnerungen geh\u00f6ren. Daran kann die Tatsache nichts \u00e4ndern, dass uns ein tragisches Schicksal auseinander gerissen hat &#8230; Von ferne teile ich mit Ihnen den Schmerz des Abschieds.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wusste Einstein noch dem New Yorker Antiquar Rudolf Kallir von Planck zu berichten, dass er \u201eeinen tief ehrlichen und wohlwollenden Menschen gekannt (habe), dessen Herz so weit von der Zunge entfernt war. Stets setzte er sich f\u00fcr das ein, was er f\u00fcr recht hielt, auch wenn es in Universit\u00e4t und Akademie nicht sonderlich bequem f\u00fcr ihn war. Er hat mich in Berlin auch einige Male besucht, um mir ins Gewissen zu reden, wenn ich Dinge that, die f\u00fcr ihn tabu waren. Er war stark traditionsgebunden in seiner Beziehung zu seinem Staate und zu seiner Kaste. Aber er war stets willens und f\u00e4hig, meine ihm fern liegenden \u00dcberzeugungen aufzunehmen und zu w\u00fcrdigen., so dass es nicht ein einziges Mal zu einer Verstimmung kam. Was mich mit ihm verband, \u00fcber alle gegenseitigen \u00dcberzeugungen hinweg, das war unsere wunschlose und aufs Dienen gerichtete Einstellung zu menschlichen Problemen und Aufgaben. So kam es, dass er, ein an seinen engeren und weiteren Kreis stark gebundener, ernster Mann mit einem Zigeuner, wie ich es war, einem Unverbundenen, der allem gerne die komische Seite abgewann, durch fast zwanzig Jahre in sch\u00f6nster Eintracht lebte.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; \u201ePlanck liebt Dich.\u201c Diese Feststellung findet man in einem Brief Elsa Einsteins an ihren Mann vom Herbst 1921 und dieses Zitat macht die engen Beziehungen deutlich, die zwischen beiden Gelehrten bestanden. 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