{"id":116815,"date":"2025-12-16T15:43:03","date_gmt":"2025-12-16T14:43:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=116815"},"modified":"2025-12-16T15:43:07","modified_gmt":"2025-12-16T14:43:07","slug":"walter-gropius-bauhausgruender-und-architekt-in-den-jahren-der-weimarer-republik-seine-mediale-praesenz-als-kopf","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/walter-gropius-bauhausgruender-und-architekt-in-den-jahren-der-weimarer-republik-seine-mediale-praesenz-als-kopf\/","title":{"rendered":"Walter Gropius \u2013 Bauhausgr\u00fcnder und Architekt in den Jahren der Weimarer Republik"},"content":{"rendered":"<p>Wie gelang es dem Architekten Walter Gropius (1883-1969), sich in den Kreis der \u201eWeimarer K\u00f6pfe\u201c einzuschreiben? Einen wichtigen Anteil daran hatte die Gr\u00fcndung der Kunstschule Bauhaus im Jahr 1919, die Gropius zu einem Zentrum der Avantgarde machte. Mit dem Bauhausgeb\u00e4ude in Dessau 1926 wurde Gropius auch in weiten Kreisen als Architekt bekannt und zum herausragenden Vertreter des \u201eNeuen Bauens\u201c.<\/p>\n<p>Wenn man bedenkt, dass es heute drei Bauhausmuseen gibt &#8211; in Weimar, Dessau und Berlin -, die alle f\u00fcr das Bauhausjubil\u00e4um 2019 Neubauten errichten, darf man ihn als den Architekten der Weimarer Republik mit der st\u00e4rksten Resonanz bezeichnen.<\/p>\n<p>Seine Erfolge und Leistungen wurden vom dem Architekturhistoriker Winfried Nerdinger, dem Medienhistoriker Patrick R\u00f6ssler und seinem Biographen Reginald Isaacs in den letzten Jahren beschrieben und analysiert.<\/p>\n<p>Heute wissen wir, dass eine solche Resonanz nicht ohne \u00d6ffentlichkeit und deren Medien denkbar ist. Dem Medienhistoriker Patrick R\u00f6ssler zufolge hatte das Bauhaus eine Corporate Identity \u2013 \u201eVerhalten, Kommunikation und Erscheinungsbild\u201c waren auf einander abgestimmt und beeinflussten die \u00d6ffentlichkeit. In diesem Prozess war Gropius Akteur, aber vielleicht ebensooft ohne Einflussm\u00f6glichkeit auf die unterschiedlichsten Medienerzeugnisse. Im Folgenden sollen verschiedene Aspekte dieser beiden Seiten medialer Pr\u00e4senz exemplarisch untersucht werden, um die Frage zu beantworten, ob und wie Gropius zu den \u201eK\u00f6pfen\u201c der Weimarer Republik geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>K\u00f6pfe als Thema der Weimarer Republik<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Mit den \u201eK\u00f6pfen\u201c wird ein Terminus aufgenommen, der in der Zeit der Weimar Republik gepr\u00e4gt wurde. Dort ist er allgegenw\u00e4rtig und in unterschiedlichster Weise interpretiert und behandelt worden. Das Thema konnte in vielerlei Genres eingel\u00f6st werden: als journalistisches Portr\u00e4t, als Homestory mit Bildern, als Portr\u00e4tfotografie oder als Karikatur.<\/p>\n<p>Als ein Beispiel k\u00f6nnte das Buch \u201eK\u00f6pfe\u201c des Journalisten Maximilian Harden dienen. Darin wurde nur die politische Prominenz bedacht. Der Sammelband, der erst 1930 nach Hardens Tod 1927 publiziert wurde, druckte eine Auswahl feuilletonistischer Portr\u00e4ts bedeutender Pers\u00f6nlichkeiten ab.<\/p>\n<p>Einen v\u00f6llig anderen Zugriff verfolgte die damals bl\u00fchende Physiognomie. Das Feld dieser Kulturgeschichte, so wie es Claudia Schm\u00f6lders und Sander Gilman im Jahr 2000 mit \u201eGesichter der Weimarer Republik\u201c behandelt haben, soll allerdings mit diesem Beitrag nicht betreten werden.<\/p>\n<p>Zu den methodischen Schwierigkeiten, Gropius als \u201eKopf\u201c zu behandeln, geh\u00f6rt das Spannungsfeld zwischen Bauhaus und Person \u2013 Gropius als Gr\u00fcnder und die Schule stehen stets in Interaktion und sind verflochten. Gropius setzte sich immer mit der ganzen Kraft seiner starken Pers\u00f6nlichkeit f\u00fcr die Schule ein. Er brachte pers\u00f6nliche finanzielle Opfer, stellte sich vor seine Mitarbeiter und schuf sich ein pers\u00f6nliches Netzwerk, das ihn unterst\u00fctzte. Auch sein Privatleben war in hohem Ma\u00dfe mit der Schule verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Walter Gropius als Kopf<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Um dieses riesige Thema sinnvoll einzugrenzen, soll die Metapher vom \u201eKopf\u201c ganz real befragt werden und mit \u201eSichtbarkeit\u201c in der \u00d6ffentlichkeit verkn\u00fcpft werden. Befragt werden aus kunsthistorischer Perspektive Karikaturen und Fotografien. Welche Rolle kommt den fotografischen Portr\u00e4ts zu? Eigene fotografische Aktivit\u00e4ten und fotografische Aufnahmen von Pressefotografen erg\u00e4nzten sich. Wer ver\u00f6ffentlichte wann und wo welche Karikaturen?<\/p>\n<p>Walter Gropius hatte den Berliner Zeitungsausschnittdienst Dr. Max Goldschmidt beauftragt, alle Presseartikel zu sammeln. Diese wurden sorgf\u00e4ltig in gro\u00dfe Alben eingeklebt, die sich heute im Bauhaus-Archiv Berlin befinden und online zug\u00e4nglich sind. Eine Untersuchung der Presseartikel durch Patrick R\u00f6ssler hat ergeben, dass \u201eGropius in diesen Jahren das \u201emedialisierte Gesicht und personifizierter Angriffspunkt des Bauhauses\u201c geworden war.<\/p>\n<p>Bevor wir Gropius Rolle als \u201eKopf\u201c darin behandeln, soll ein kurzes biographisches Portr\u00e4t zuerst mit Person und Werk vertraut machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Biographie<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Walter Gropius wurde am 18. Mai 1883 in Berlin geboren. In einem 1924 in der Zeitschrift \u201eWohnungskultur\u201c publizierten Lebenslauf betonte er die Verbindung \u201emit dem Geistesleben des klassizistischen und nachklassizistischen Berlin vom Anfang des 19. Jahrhunderts\u201c. Zu seinen Vorfahren z\u00e4hlte der Architekt Martin Gropius, der heute als Erbauer des sogenannten \u201eGropiusbaus\u201c, dem ehemaligen Kunstgewebemuseum Berlin, bekannt ist. Gropius\u2018 Vater war Stadtbaurat in Berlin. Walter Gropius studierte 1903 ein Semester Architektur an der M\u00fcnchner Technischen Hochschule und weitere vier Semester an der K\u00f6niglichen Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg. Er verlie\u00df die Universit\u00e4t ohne Abschluss.<\/p>\n<p>Nach einer monatelangen Spanienreise 1907\/08 trat Gropius 1908 in das Neu-Babelsberger B\u00fcro von Peter Behrens ein, damals einer der angesehensten deutschen Architekten. 1910 gr\u00fcndete er sein erstes eigenes Architekturb\u00fcro. Sein Partner und wichtigster Mitarbeiter war der Architekt Adolf Meyer, mit dem er bis 1925 zusammen arbeitete.<\/p>\n<p>Gropius wurde 1911 Mitglied des Deutschen Werkbundes, an dessen Jahrb\u00fcchern er mitwirkte und f\u00fcr den er wichtige Auftr\u00e4ge ausf\u00fchrte. In diesen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entstanden zwei Bauwerke, die seinen fr\u00fchen Ruhm begr\u00fcndeten: 1911 die Fagusfabrik f\u00fcr den Schuhleistenfabrikanten Benscheidt in Alfeld, die heute zum Weltkulturerbe geh\u00f6rt. Sp\u00e4ter wurde deren gl\u00e4serne Fassade zum ersten modernen Bau und zum Vorl\u00e4ufer des Bauhausgeb\u00e4udes stilisiert. Der zweite wichtige Bau war 1914 die Werkbundfabrik in K\u00f6ln, ein tempor\u00e4res Ausstellungsgeb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Gropius selbst hob in seinem zitierten Lebenslauf hervor: \u201eDer Organisationsf\u00e4higkeit von Walter Gropius, die zuerst bei der Errichtung der Industrieabteilung der deutschen Werkbundausstellung in K\u00f6ln 1914 zu Tage trat, war nun ein breites Feld ge\u00f6ffnet.\u201c<\/p>\n<p>Gropius nahm von 1914 bis kurz vor dem November 1918 als Vizefeldwebel und dann als Leutnant am Ersten Weltkrieg teil. Schon in diesen Jahren interessierte er sich f\u00fcr die aufgel\u00f6ste Kunstgewerbeschule in Weimar, die reformiert werden sollte.<\/p>\n<p>Im August 1915 heiratete er Alma Mahler, die Witwe des verstorbenen Komponisten Gustav Mahler. 1920 wurde die Ehe geschieden. Das gemeinsame Kind starb 1935 an Kinderl\u00e4hmung. Im Oktober 1923 verm\u00e4hlte er sich mit der 13 Jahre j\u00fcngeren Ilse Frank, die als Ise Gropius seine wichtigste und treueste Mitarbeiterin wurde.<\/p>\n<p>In der politisch offenen Situation der Anfangsmonate des Jahres 1919 gelang es Gropius, die Gr\u00fcndung einer Kunstschule, die als \u201eStaatliches Bauhaus Weimar\u201c firmierte, als Verwaltungsakt durchzusetzen. Die Er\u00f6ffnung der Schule 1919 selbst inszenierte Gropius wirkungsm\u00e4chtig mit der Bildmarke des Manifests, dem Holzschnitt mit der Kathedrale des Malers Lyonel Feininger und der neugepr\u00e4gten Wortmarke \u201eBauhaus\u201c. \u201eDie sichere F\u00fchrung des Bauhauses, der Weitblick in der Berufung der Meister, hat durch alle Wirrnisse des nachrevolution\u00e4ren Deutschlands hindurch in der kurzen Zeit seines Bestehens dieses Institut zu einem ma\u00dfgeblichen Faktor der modernen Kunstentwicklung werden lassen\u201c, hei\u00dft es dazu in dem biographischen Abriss, den Gropius 1924 f\u00fcr die Zeitschrift \u201eWohnungskultur\u201c schrieb.<\/p>\n<p>Zwischen \u201eReform und Avantgarde\u201c gewann die Schule mit ihren ber\u00fchmten Lehrern wie Paul Klee und Wassily Kandinsky und ihren an Grundformen und Maschine orientierten Designs zunehmend Sichtbarkeit in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Im Sommer 1923 inszenierte die Schule unter Aufbietung aller Kr\u00e4fte und nach monatelanger Vorbereitung die \u201eBauhauswoche\u201c. Mehrere Ausstellungen, Theaterauff\u00fchrungen und Vortr\u00e4ge hatten landesweit Resonanz. Schon diese ersten Taten und Entscheidungen spiegelten das gro\u00dfe Selbstbewusstsein, das die Institution Bauhaus unter Gropius Leitung entwickelt hatte. Zahlreiche weitere Alleinstellungsmerkmale sollten folgen.<\/p>\n<p>Nach dem politischen Rechtsruck anl\u00e4sslich der Wahlen 1924 konnte sich das Bauhaus nicht mehr lange halten. Obwohl seine Existenz sp\u00e4testens zum Semesterende am 31. M\u00e4rz 1925 beendet gewesen w\u00e4re, entschloss sich die Schule mit Gropius an ihrer Spitze, nach einem neuen Tr\u00e4ger zu suchen, den man schlie\u00dflich in der Stadt Dessau fand.<\/p>\n<p>Die Stadt Dessau finanzierte den Neubau eines Schulgeb\u00e4udes und von vier Wohnh\u00e4usern f\u00fcr die Lehrer, genannt Meister. Als dritte Bauaufgabe begann der Bau der Siedlung Dessau T\u00f6rten. Diese sollte als kleine halbl\u00e4ndliche Siedlung die lokale Wohnungsnot in Dessau lindern. Diese \u201eBauhausbauten\u201c waren ein Ereignis von nationaler Ausstrahlung und zogen sogar viele ausl\u00e4ndische Besucher und Pressevertreter an. Die gr\u00f6\u00dfte Attraktion war das Schulgeb\u00e4ude selbst. Aufgegliedert nach Funktionen erstreckte sich der Bauk\u00f6rper nach drei Seiten. Auf einem dunklen Sockel erhob sich eine strahlend wei\u00dfe Architektur mit riesigem Glaskubus, die als sensationell modern und funktional beschrieben wurde. Der Kubus enthielt die Werkst\u00e4tten; f\u00fcr die Studenten standen 28 Ateliers, eine Mensa, eine B\u00fchne und eine Aula zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Ein so radikal neues Schulgeb\u00e4ude hatte es in Deutschland bis dahin nicht gegeben. Es war, so Winfried Nerdinger, nach dem Fagusgeb\u00e4ude und der Werkbundfabrik das dritte Geb\u00e4ude, mit dem er sich in die Architekturgeschichte einschrieb.<\/p>\n<p>Nach zehnj\u00e4hriger Leitungst\u00e4tigkeit \u00fcbergab Gropius ab April 1928 die F\u00fchrung an den Schweizer Architekten Hannes Meyer. Er zog nach Berlin und arbeitete weiter als Architekt, 1929 erhielt er die Ehrendoktorw\u00fcrde der Technischen Universit\u00e4t Hannover. In diesen Jahren folgte Gropius zahlreichen Einladungen zu Vortr\u00e4gen, viele davon auch im Ausland. Sein Interesse galt dem Siedlungsbau, Beteiligung an Wettbewerben und den Fragen der st\u00e4dtischen Wohnformen. Wichtig war ihm die Vorfabrikation von H\u00e4usern, beispielsweise in Zusammenarbeit mit den Hirsch-Kupfer-Werken in Finow bei Eberswalde. Wegen der schlechten Auftragslage, aber auch aus politischen Gr\u00fcnden wanderte Gropius 1934 mit Erlaubnis der Regierung nach England aus.<\/p>\n<p>1935 erschien sein erstes englisches Buch \u00fcber das Bauhaus. 1937 erhielt er einen Ruf an die Harvard Universit\u00e4t, den er annahm. Hier errichtete er in der N\u00e4he ein eigenes neues Wohnhaus in Lincoln. 1938 organisierte er mit seinem Team ehemaliger Bauhausmitglieder die erste gro\u00dfe Bauhaus-Retrospektive im Museum of Modern Art in New York. Das Buch dazu war bis in den achtziger Jahren auch in deutscher \u00dcbersetzung im Handel und beeinflusste lange das Bild der Schule. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unternahm Gropius zahlreiche Reisen in die Bundesrepublik als Berater zu Fragen des Wiederaufbaus. 1946 gr\u00fcndete Gropius die Architektengemeinschaft TAC, mit der er international Auftr\u00e4ge ausf\u00fchrte. Ein Teil seines Nachlasses, darunter viele Zeichnungen, gelangte als Schenkung zu Lebzeiten in das US-amerikanische Busch-Reisinger-Museum, das heute Teil der Harvard-Museen ist. Ab den sechziger Jahren vermachte Walter Gropius dem Bauhaus-Archiv, erst Darmstadt, dann Berlin, bedeutende Schenkungen. 1968 kam eine zweite gro\u00dfe Bauhausausstellung zu dessen 50-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um zustande, die ohne Gropius\u2018 Mitarbeit nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Die Ausstellung tourte weltweit.<\/p>\n<p>Bis zu seinem Tod im Mai 1969 war Gropius ein international gefragter Vortragsredner und Tr\u00e4ger zahlreicher Ehrungen und Auszeichnungen. Die Jahre der Weimarer Republik legten den Grundstein zu diesem erfolgreichen Leben.<\/p>\n<p>Die folgende Auswahl nimmt einige der Pressepublikationen, in denen Gropius als Objekt von Fotografen oder Karikaturisten erscheint, genauer in den Blick, stellt aber einige Fotografien vor, deren mediale Spuren noch nicht verfolgt wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Bauhauswoche 1923 <\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Erste gedruckte, wohl zu Publikationszwecken angefertigte Personenaufnahmen mit Walter Gropius entstanden im Zusammenhang mit der Bauhauswoche 1923.<\/p>\n<p>Gropius lie\u00df sich hier mit seinem prominentesten Meister, dem Maler Wassily Kandinsky, und dem in Deutschland hoch angesehenen Rotterdamer Architekten J.J.P. Oud in seinem Weimarer B\u00fcro fotografieren. Die Herren rauchen und scheinen ein Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren, w\u00e4hrend Kandinsky interessiert zuh\u00f6rt. Der Fotograf ist unbekannt. Die Fotografie signalisiert dem Betrachter, dass Gropius hier auf Augenh\u00f6he mit wichtigen ausl\u00e4ndischen K\u00fcnstlern in Kontakt steht. Gropius erscheint als Teamplayer, als Gleicher unter Gleichen. Der Habitus aller Beteiligten vermittelt Seriosit\u00e4t. Das waren wichtige Botschaften gegen\u00fcber den staatlichen Geldgebern der Institution und der \u00d6ffentlichkeit. F\u00fcr den \u201eBerliner B\u00f6rsen Courier\u201c, der einen ausf\u00fchrlichen Bildbericht brachte, war die Fotografie von Gropius und seinen G\u00e4sten genauso wichtig wie die Abbildung der dreieckigen Wiege, die sich bis heute erhalten hat, und des radikal vereinfachten Stuhls, der als \u201eLattenstuhl\u201c in die Geschichte eingegangen ist. [Bild]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Wohnungskultur 1924<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die schon zitierte Zeitschrift \u201eWohnungskultur\u201c aus Br\u00fcnn erschien in deutscher Sprache. Die \u201eWohnungskultur\u201c war ein Fachorgan, das haupts\u00e4chlich \u00fcber Inneneinrichtung und Architektur berichtete. Sie widmete sich der \u201eindustriellen Kultur\u201c und stand dem Bauhaus sehr freundlich gegen\u00fcber. 1924 publizierte sie in ihrer kleinen Serie \u201eM\u00e4nner unserer Zeit\u201c eine Portr\u00e4tfotografie und einen Text, den Gropius ganz offensichtlich selbst verfasst hatte.<\/p>\n<p>Die Fachzeitschrift ist ein gutes Beispiel f\u00fcr Gropius\u2018 Einsatz von Text und Bild. Das beigegebene Portr\u00e4t zeigt Gropius wieder mit Fliege, Hemd mit feinen Biesenfalten und Bart und gibt \u2013 bisher nicht bekannt \u2013 an: \u201ePhotoatelier H\u00fcttich-Oemler in Weimar\u201c. In der Portr\u00e4tmalerei w\u00e4re die Fotografie ein \u201eKniest\u00fcck\u201c und signalisiert damit eine gewisse Repr\u00e4sentativit\u00e4t. Gropius blickt leicht zur Seite und nicht frontal in die Kamera. Beide H\u00e4nde stecken in den Hosentaschen: ein Gestus, der hier m\u00e4nnliches Selbstvertrauen, aber auch Abwendung signalisiert. Die Fotografie vermittelt \u00fcberlegene Distanz und einen direktoralen Habitus.<\/p>\n<p>Das journalistische Portr\u00e4t zeigt, dass die Fach\u00f6ffentlichkeit Gropius schon 1924 als jemand ansah, der zu den f\u00fchrenden K\u00f6pfen in Deutschlands Architekturszene geh\u00f6rt und der mit der europ\u00e4ischen Avantgarde ebenb\u00fcrtig war. Der franz\u00f6sisch-schweizerische Architekt Le Corbusier, der \u00f6sterreichische Architekt Adolf Loos und der niederl\u00e4ndische Maler Theo van Doesburg werden vor und nach Gropius als weitere f\u00fchrende K\u00f6pfe ihrer Zeit ebenfalls ausf\u00fchrlich mit Text und Fotostrecken pr\u00e4sentiert. [Bild]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Louis Held 1924<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wohl erst nach dieser Aufnahme entstanden zwei weitere Portr\u00e4tfotografien im Atelier des Weimarer Hoffotografen Louis Held. Louis Held, dessen Betrieb bis heute in Weimar existiert, hatte praktisch die gesamte Weimarer Kulturelite \u2013 angefangen bei Franz Liszt bis zu Henry van de Velde und Elisabeth F\u00f6rster-Nietzsche \u2013 fotografiert.<\/p>\n<p>Gropius tr\u00e4gt, wie h\u00e4ufig in seinem Leben, eine Fliege und nimmt eine Pose ein, die eigentlich nicht zu der eines energiegeladenen rastlosen Organisators passt, als der er sich im Text der \u201eWohnungskultur\u201c pr\u00e4sentierte. Er st\u00fctzt den Kopf mit der linken Hand auf und nimmt damit eine traditionelle Denkerpose ein. Die zweite Fotografie zeigt ihn mit verschr\u00e4nkten Armen, allerdings angeschnitten, so dass deren abweisender Charakter angedeutet bleibt. Diese beiden Fotografien werden gerne in die Jahre zwischen 1919 und 1923 datiert; aber Gropius trug bis Ende 1923 einen Schnurrbart, so dass die Entstehung dieser Aufnahmen erst f\u00fcr 1924 anzunehmen ist. Heute werden diese Fotografien h\u00e4ufig publiziert; in den Jahren des Weimarer Bauhauses scheinen sie nicht nachweisbar. [Bild]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Karikatur 1925<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus der \u00dcbergangszeit von Weimar nach Dessau stammt die erste Karikatur, die Walter Gropius zum Thema nimmt. Vorbild f\u00fcr die Arbeit des tschechischen Zeichners Jaroslav Kral war offenbar die Fotografie von H\u00fcttich-Oemler aus der fr\u00fcheren Ausgabe der \u201eWohnungskultur\u201c; allerdings hat der Zeichner richtigerweise den inzwischen entfernten Bart weggelassen.<\/p>\n<p>Genauer betrachtet ist es weniger eine Karikatur als eine Pressezeichnung und eine Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung mit Gropius und dem Weimarer Bauhaus. Im Text wird die th\u00fcringische Landesregierung wegen ihrer Politik gegen das Bauhaus adressiert.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr die Zeichnung war eine Vortragsserie in Br\u00fcnn und Prag, zu der Gropius eingeladen war. Er sprach am 4. Dezember 1924 \u00fcber \u201eDie Wohnung des modernen Menschen\u201c.<\/p>\n<p>Publiziert wurde die Zeichnung in der schon genannten Zeitschrift \u201eWohnungskultur\u201c und zwar auf der vorletzten Seite der letzten Ausgabe. Im Januar oder Februar 1925 stellte die Zeitschrift ihr Erschienen ein. [Bild]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Das Illustrierte Blatt 1926<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Entstehung der n\u00e4chsten Fotografie, die Walter und Ise Gropius beim Teetrinken im Wohnzimmer ihres neuerbauten Meisterhauses zeigt, ist genau rekonstruierbar.<\/p>\n<p>In der Illustrierten Presse, wie sie sich seit 1925 entwickelte, gab es gro\u00dfes Interesse an prominenten Zeitgenossen \u2013 Schauspieler, Angeh\u00f6rige des Adels, K\u00fcnstler, Schriftsteller \u2013, die in ihren Wohnungen in m\u00f6glichst ungezwungener Haltung \u2013 dennoch posierend wegen der Belichtungszeiten \u2013 dargestellt wurden. Siegfried Kracauer betextete beispielsweise \u201eBer\u00fchmte M\u00e4nner zu Hause\u201c f\u00fcr \u201eDas Illustrierte Blatt\u201c am 3.April 1926 mit \u201eSpezialaufnahmen\u201c von A. Binder. Text und Bild wurden dabei h\u00e4ufig als Einheit konzipiert,<\/p>\n<p>Die Herstellung unserer Fotografie war Teil eines Medienereignisses: der Er\u00f6ffnung des Dessauer Bauhausgeb\u00e4udes am 4.\/5. Dezember 1926. Diese Er\u00f6ffnung wurde monatelang \u2013 und letztlich erfolgreich \u2013 geplant \u2013 sowohl von Walter Gropius und seinem Team wie von Teilen der Presse. Gropius hatte entschieden, zwei Bl\u00e4tter zu bevorzugen: Die \u201eBauwelt\u201c, die f\u00fchrende \u00fcberregionale Architekturzeitschrift und \u201eDas illustrierte Blatt\u201c wurden exklusiv beliefert und das breite Publikum und die Fachwelt so gleicherma\u00dfen bedient.<\/p>\n<p>Wer war \u201eDas illustrierte Blatt\u201c? Das IB nannte sich selbst auf ihrem Briefbogen \u201eGr\u00f6\u00dfte deutsche Tiefdruck-Zeitschrift\u201c und war verlegerisch Teil der renommierten Frankfurter Zeitung; sie hatte 1929 eine Auflage von 291.000.<\/p>\n<p>Die Zeitschrift \u00e4u\u00dferte detaillierte W\u00fcnsche: \u201eDenken Sie bitte daran, da\u00df wir gro\u00dfes Interesse daran haben, vor allen anderen Zeitschriften eine umfassende W\u00fcrdigung in unserem Blatt zu bringen. Je besseres Fotomaterial Sie uns zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnen, umso mehr Raum k\u00f6nnen wir f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung frei machen. Also vielleicht eine sch\u00f6ne Gesamtansicht, Detailaufnahmen, Innenr\u00e4ume und eine Aufnahme der Meister, m\u00f6glichst recht ungezwungen. Vielleicht wieder auf dem Dach in der Ecke. Vor allem w\u00fcrden uns die praktischen Sachen interessieren, die f\u00fcr den Haushalt neu sind. Von den schon fertigen Wohnh\u00e4usern der Meister werden sicher charakteristische Interieurs (Ecken usw.) aufgenommen werden k\u00f6nnen, wom\u00f6glich mit den Bewohnern. Auch Paul Klee in seinem Atelier w\u00e4re eine reizvolle Aufnahme\u2026\u201c<\/p>\n<p>Das Bauhaus erf\u00fcllte diese W\u00fcnsche der Illustrierten und gab eigene Fotos in Auftrag. Gropius und seine Frau unterzogen sich der M\u00fche, eine missgl\u00fcckte Aufnahme in ihrem Wohnzimmer beim Teetrinken zu wiederholen. So posieren Walter und Ise Gropius sicher auch als prominentes Ehepaar. Wie die Seite der Illustrierten zeigt, w\u00e4hlte das Blatt von den zugeschickten Fotos einige Architekturaufnahmen, aber auch den gew\u00fcnschten Paul Klee. Das Foto des Ehepaars Gropius wurde allerdings nicht f\u00fcr die Publikation ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Nur selten gelingt es, solche Querverbindungen zwischen Anforderungen und Anpassungen an die Medien zu rekonstruieren. [2 Bilder]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Pressefotos von Walter Obschonka 1926<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Fotograf Walter Obschonka lie\u00df Gropius anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des Dessauer Bauhauses im Dezember 1926 in seinem Arbeitszimmer vor den Aktenschr\u00e4nken Platz nehmen. Mit dieser Pose charakterisierte er Gropius als Direktor des Bauhauses. Das Telefon und ein \u00fcberf\u00fcllter Schreibtisch liefern entsprechende Accessoires.<\/p>\n<p>Obschonka lie\u00df auch \u2013 praktisch direkt vor Gropius Arbeitszimmer \u2013 einige der Meister mit Gropius auf dem Gang posieren. Der langgezogene Flur und die Fenster vermitteln einen Eindruck von der neuen radikal schmucklosen Architektur.<\/p>\n<p>Das Foto vereint den Maler Wassily Kandinsky und seine Frau Nina, die Maler Georg Muche, Paul Klee und leicht hervortretend, Walter Gropius, wieder mit Fliege und Zigarette. Sie tragen sogar noch ihre H\u00fcte. Nina Kandinsky h\u00e4lt einen Blumenstrau\u00df in ihren H\u00e4nden. Beide Fotografien erf\u00fcllten die neuen Bed\u00fcrfnisse der Illustrierten Presse nach lebendigen Aufnahmen. [Bild]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Benedikt Fred Dolbin 1927<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ein Jahre sp\u00e4ter wurde Walter Gropius anl\u00e4sslich eines Vortrags \u201eTypisierter Siedlungsbau und maschinelles Bauen\u201c in der Volkshochschule Magdeburg von dem damals prominenten Pressezeichner und Karikaturisten B. F. Dolbin gezeichnet. Die Karikatur wurde am 16. Oktober 1927 in der Magdeburger Zeitung publiziert.<\/p>\n<p>Nach der Er\u00f6ffnung des Bauhausgeb\u00e4udes und dem gro\u00dfen Interesse der Medien daran geh\u00f6rte er mittlerweile zur Kulturprominenz der Weimarer Republik, die Dolbin in zahllosen schnell und sicher gezeichneten Bl\u00e4ttern festhielt und den Tages- und Wochenzeitungen anbot. Sp\u00e4testens seit der Er\u00f6ffnung des Bauhauses und dem Einzug in die Illustrierte Presse hatte Gropius die Teil\u00f6ffentlichkeit der Fachpresse hinter sich gelassen. Mit diesem \u201eProminentenbonus\u201c war er auch einer Karikatur w\u00fcrdig geworden. [Bild]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Associated Press 1928 <\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Fotografie erz\u00e4hlt auch mit ihrer R\u00fcckseite eine Geschichte. Sie zeigt Walter Gropius neben seinem Entwurf f\u00fcr die Zeitung Chicago Trib\u00fcne von 1922, einen der ersten US-amerikanischen Architekturwettbewerbe f\u00fcr einen Wolkenkratzer. Die R\u00fcckseite weist die Fotografie als Ergebnis eines Agenturfotografen aus. Der Bilderdienst der Associated Press of America hatte Gropius einen Privatabzug zur Verf\u00fcgung gestellt, den dieser offenbar an die Zeitschrift \u201eDie Dame\u201c weitergegeben hatte. Es ist unbekannt, ob \u201eDie Dame\u201c diese Fotografie ver\u00f6ffentlichte. Wie damals \u00fcblich, wurde das Foto von der \u201eDame\u201c zur\u00fcckerbeten und auch zur\u00fcckgeschickt.<\/p>\n<p>Die Aufnahme wurde offensichtlich f\u00fcr ein US-amerikanisches Publikum angefertigt, da f\u00fcr dieses der Chicago-Bezug noch von Interesse sein konnte.<\/p>\n<p>Der Fotograf w\u00e4hlte eine repr\u00e4sentative Ganzfigurenansicht. Wieder tr\u00e4gt Gropius seine Fliege, er hat wieder die H\u00e4nde in den Taschen und blickt nachdenklich und eher abweisend in die Ferne. [Bild]<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Kladderadatsch 1928 <\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Chicago-Foto und die folgende Tr\u00fcmmerkarikatur entstanden wahrscheinlich fast gleichzeitig. Anlass ist Gropius\u2018 K\u00fcndigung als Leiter des Bauhauses zum 1. April 1928. In der Hand h\u00e4lt er seinen Vertrag, was darauf anspielt, dass Gropius das Institut vorzeitig verlie\u00df. Gropius argumentierte damals, er habe das Bauhaus verlassen, um sich wieder der Architektur zu widmen. Die Karikatur wertete dagegen den R\u00fccktritt als Niederlage, denn das Bauhaus liegt in Tr\u00fcmmern. Der Zeichner Hans Maria Landluft zeigte ihn mit Bart, den er l\u00e4ngst abgelegt hatte.<\/p>\n<p>Der \u201eKladderadatsch\u201c war ein bekanntes Satiremagazin, das w\u00f6chentlich erschien. In der Weimarer Republik galt es als rechtsgerichtet. [Bild]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Menschen der Zeit 1930<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Im fotografischen Buchgenre gab es eigene Reihen und Serienpublikationen mit \u201eK\u00f6pfen\u201c, von denen hier einige genannt sein sollen: 1925 hatte der Fotograf August Sander \u201eAntlitz der Zeit\u201c ver\u00f6ffentlicht, 1930\/31 publizierte Helmar Laska \u201eK\u00f6pfe des Alltags\u201c. Ebenfalls 1930 erschien \u201eUnsere Zeit in 77 Frauenbildnissen\u201c. In dieses gro\u00dfe Interesse an fotografierten K\u00f6pfen ordnet sich auch der Fotoband \u201eMenschen der Zeit. 101 Bildnis aus deutscher Gegenwart\u201c ein. Verleger war der Karl Robert Langewiesche aus K\u00f6nigstein mit der Reihe der \u201eBlauen B\u00fccher\u201c. Langewiesche hatte mit dieser Reihe seit 1902 das preiswerte Fotobuch popul\u00e4r gemacht. Sein Buch enth\u00e4lt eine Abteilung Baukunst. Hier sind f\u00fcnf Architekten in alphabetischer Reihenfolge abgebildet: Paul Bonatz, Fritz H\u00f6ger, Wilhelm Kreis, Hans Poelzig, Richard Riemerschmidt. Wir w\u00fcrden sie heute dem konservativen Lager oder &#8211; wie Poelzig &#8211; dem Expressionismus zuordnen. Nur mit Poelzig verbanden Gropius freundschaftliche Beziehungen. Er selbst wurde nicht in den Bildband aufgenommen. Der Architekturpublizist und Berater der Verlegers, Walter M\u00fcller-Wulkow, so schreibt es Rainer Stamm in \u201eAutopsie\u201c, hatte auch Walter Gropius und Erich Mendelsohn vorgeschlagen, doch der Verleger stimmt dem nicht zu. Die Auswahl von Langewiesche blieb konservativ und Gropius ausgeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Benedikt Fred Dolbin 1931 <\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Zeichner B.F. Dolbin sollte Gropius 1931 noch einmal treffen und schnell skizzieren. Er berichtete dar\u00fcber: \u201eSprach in der Pause nur mit (Walter) Gropius; ersch\u00fctternd seine Klage \u00fcber Besch\u00e4ftigungslosigkeit. Ich h\u00e4tte nie vermutet, da\u00df es diesem anerkannten K\u00f6nner schlecht gehen k\u00f6nne\u201c, so berichtet Dolbins Biograph Will Schaber f\u00fcr den April 1931. Ob diese Karikatur je ver\u00f6ffentlicht wurde? [Bild]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Neue Leipziger Zeitung 1932<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die vielleicht letzte Besch\u00e4ftigung der Illustrierten Presse mit Gropius ist eine Doppelseite der \u201eNeuen Leipziger Zeitung\u201c vom 4.September 1932.<\/p>\n<p>Anlass war der Beschluss des Dessauer Gemeinderates, das Bauhaus aufzul\u00f6sen. Gropius wird doppelt so viel Raum einger\u00e4umt wie seinem Nachfolger Hannes Meyer und dem amtierenden Direktor Ludwig Mies van der Rohe. Es wird deutlich, dass Gropius in der Wahrnehmung der Presse st\u00e4rker mit dem Bauhaus verbunden wird als seine beiden Nachfolger. [Bild]<\/p>\n<p>Es ist kaum zu kl\u00e4ren, wie die Redaktion an die ausgew\u00e4hlte Fotografie von Hugo Erfurth kam, die dieser 1928 am Bauhaus Dessau aufgenommen hatte. Gropius hat die Haare in die Stirn gek\u00e4mmt, diesen Pony trug er nur kurz 1927\/28.<\/p>\n<p>Hugo Erfurth (1874-1948) legte ab 1923 eine \u201eGalerie der K\u00f6pfe meiner Zeit\u201c an. Er z\u00e4hlte zu den wichtigsten Portr\u00e4tfotografen der Weimarer Republik.<\/p>\n<p>Es existieren Abz\u00fcge mit zwei leicht unterschiedlichen Positionen. Einmal frontal und einmal leicht schr\u00e4g, die unterschiedlich beschnitten publiziert wurden. Selten schaut Gropius so frontal in die Kamera und auf den Betrachter. Auch hier hat er die H\u00e4nde in den Taschen und schafft damit R\u00fcckzug und Distanz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es wurden einige publizierte und damals vielleicht unpublizierte Abbildungen ausgew\u00e4hlt, auf denen Gropius in den Jahren der Weimarer Republik als \u201eKopf\u201c adressiert wurde oder sich selbst dem Fotografen stellte.<\/p>\n<p>Gropius stellte in eigenem Auftrag angefertigte Portr\u00e4tfotografien zur Verf\u00fcgung, die auch gedruckt werden. Die Arbeit der Karikaturisten konnte er nicht beeinflussen. Mit der Bauhauser\u00f6ffnung 1926 wuchs der Bildbedarf. Fotografen wie Obschonka arrangierten die Fotos selbst; aber Gropius war bem\u00fcht, den neuen Bed\u00fcrfnissen Rechnung zu tragen. Er und das Bauhaus gingen auf die W\u00fcnsche der Fotografen ein, die Homestories und sprechende Fotografien verlangten.<\/p>\n<p>Nur in den kurzen Jahren seiner Dessauer Bauhauszeit 1926\/28 geh\u00f6rte Walter Gropius in der Resonanz der zeitgen\u00f6ssischen Presse zu einem der f\u00fchrenden \u201eK\u00f6pfe\u201c. Mit dem Ausscheiden aus dem Bauhaus lie\u00df das Interesse der Presse nach. Die Pr\u00e4senz in einem der weitverbreiteten Fotob\u00fccher mit \u201eK\u00f6pfen\u201c scheiterte am konservativen Verleger. Erst in den USA und in der jungen Bundesrepublik gelang es Gropius, sich als Bauhausgr\u00fcnder erneut und bis heute erfolgreich in die Geschichte einzuschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gelang es dem Architekten Walter Gropius (1883-1969), sich in den Kreis der \u201eWeimarer K\u00f6pfe\u201c einzuschreiben? 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