{"id":117806,"date":"2026-01-16T09:55:13","date_gmt":"2026-01-16T08:55:13","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=117806"},"modified":"2026-01-16T09:55:16","modified_gmt":"2026-01-16T08:55:16","slug":"die-zukunft-der-erde-wirtschaft-und-gesellschaft-im-anthropozaen","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-zukunft-der-erde-wirtschaft-und-gesellschaft-im-anthropozaen\/","title":{"rendered":"The future of the earth"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 1<\/strong>: Die Aufgabe der Klimapolitik besteht darin, die Eigentumsrechte an Common-Pool Ressourcen festzulegen. Damit werden Common-Pool Ressourcen zu Commons \u2013 zu Globalen Gemeinschaftsg\u00fctern. Die nat\u00fcrlichen Senken wie Atmosph\u00e4re, Land, W\u00e4lder und die Ozeane werden \u00fcbernutzt, weil entweder keine Eigentumsrechte festgelegt wurden, oder das B\u00fcndel existierender Eigentumsrechte eine sozial ineffiziente Nutzung nicht verhindert. Global Commons, deren \u00dcbernutzung durch sinnvolle Festlegung von Eigentumsrechten verhindert wird, werden daher im 21. Jahrhundert eine wesentliche Quelle von Wohlstand.<\/p>\n<p>Die Festlegung von Eigentumsrechten dient der Befriedung von Nutzungskonflikten, da sie den Zugang zu Ressourcen und deren Nutzung verbindlich regelt. Einmal definiert, k\u00f6nnen sie einen effizienten und schonenden Umgang mit Ressourcen erm\u00f6glichen und damit Wohlstand vermehren. Die geltenden Eigentumsrechte an ersch\u00f6pfbaren Ressourcen und Land (Abholzung, Zerst\u00f6rung der terrestrischen Kohlenstoffsenken, Bodenerosion) f\u00fchren zu einer \u00dcbernutzung der Atmosph\u00e4re \u2013 so lassen sich die sozialen Konsequenzen der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum menschengemachten Klimawandel beschreiben. Das Eigentumsrecht an den fossilen Rohstoffen kollidiert mit dem Eigentumsrecht an landwirtschaftlichem Nutzland, das durch Meeresspiegelanstieg, D\u00fcrren, \u00dcberschwemmungen und andere Klimafolgen gesch\u00e4digt wird.<\/p>\n<p>Es ist bislang noch nicht hinreichend gekl\u00e4rt, welche Sch\u00e4den der Klimawandel hervorruft und wie er die Eigentumsordnung ver\u00e4ndert, etwa im Hinblick auf Infrastruktur oder privates Wohnungseigentum. Durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel und seine Folgen wird der Menschheit aber nun bewusst, dass die Atmosph\u00e4re bislang eine Common-Pool Ressource ist: Die Besitzer von Kohle, \u00d6l und Gas k\u00f6nnen sie als Deponie f\u00fcr verbrannten Kohlenstoff nutzen, unabh\u00e4ngig von den Folgen ihrer \u00dcbernutzung. Auch die Besitzer von Land nutzen die Atmosph\u00e4re durch Abholzung und durch die Sch\u00e4digung der terrestrischen Senken als kostenlosen Deponieraum.<\/p>\n<p>Die Festlegung von Nutzungsrechten an der Atmosph\u00e4re transformiert die Common-Pool Ressource in ein globales Gemeinschaftseigentum \u2013 in eine Commons. Im Klimaabkommen von Paris haben sich die Staaten der Klimarahmenkonvention im Jahr 2015 dazu verpflichtet, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf unter 2\u00b0C zu begrenzen. Mit dieser Festlegung wird die Atmosph\u00e4re zu einem Globalen Gemeinschaftseigentum der Menschheit, wenngleich die v\u00f6lkerrechtliche Verbindlichkeit dieser Ziele umstritten ist. Denn im Abkommen von Paris tragen die Staaten mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zu diesem Ziel bei. Diese freiwilligen Selbstverpflichtungen, die bis 2030 gelten, reichen keineswegs, um den Anstieg der globalen Mitteltemperatur unter 2\u00b0C zu halten. Durch die Umsetzung dieses Ziels wird jedoch de facto in die Eigentumsrechte an fossilen Ressourcen, aber auch an Land eingegriffen, weil diese Rechte nicht mehr unabh\u00e4ngig von ihren klimapolitischen Implikationen ausge\u00fcbt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Anteil der vorhandenen Rohstoffe, die zum Erreichen des 2\u00b0C-Ziels bis zum Jahr 2100<br \/>\nverglichen mit dem \u201eBusiness-as-Usual-Szenario\u201c im Boden verbleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"86\"><\/td>\n<td width=\"102\"><strong>Mit CCS [%]<\/strong><\/td>\n<td width=\"128\"><strong>Ohne CCS [%]<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">Kohle<\/td>\n<td width=\"102\">70<\/td>\n<td width=\"128\">89<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">Erd\u00f6l<\/td>\n<td width=\"102\">35<\/td>\n<td width=\"128\">63<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">Erdgas<\/td>\n<td width=\"102\">32<\/td>\n<td width=\"128\">64<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em><br \/>\nDie Werte bezeichnen den Median der AR5 Szenarien, die im IPCC ausgewertet wurden.<br \/>\nQuelle: Eigene Berechnungen (zusammen mit J\u00e9r\u00f4me Hilaire, PIK, 2015)<\/em><\/p>\n<p>Die Festlegung von Eigentumsrechten an der Atmosph\u00e4re erh\u00f6ht jedoch nicht nur den Wohlstand, sondern verursacht erhebliche Verteilungskonflikte. Dieser grunds\u00e4tzliche Eigentumskonflikt wird erst durch die wissenschaftliche Erkenntnis \u00fcber den Klimawandel virulent. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Wissenschaft zum anthropogenen Klimawandel im Kreuzfeuer derer steht, die Verluste in diesem Verteilungskonflikt bef\u00fcrchten. Damit l\u00e4sst sich die Klimapolitik auf eine einfache Formel bringen: Es gibt \u2013 gemessen an der begrenzten Aufnahmef\u00e4higkeit der Atmosph\u00e4re \u2013 zu viele fossile Energietr\u00e4ger im Boden. Soll das 2\u00b0C-Ziel der Klimarahmenkonvention umgesetzt werden, muss nach Tabelle 1 bis zum Ende des Jahrhunderts ein Gro\u00dfteil der vorhandenen Kohle sowie des Erdgases und des Erd\u00f6ls im Boden bleiben. Dies gilt selbst dann, wenn CO<sub>2<\/sub> von den Kohle- und Gaskraftwerken eingefangen und im geologischen Untergrund gespeichert werden kann (Carbon Capture and Storage, CCS). Diese CCS-Option muss auch zur Verf\u00fcgung stehen, wenn Biomasse zur Gewinnung von Strom oder zur Gewinnung von Treibstoffen eingesetzt wird. Steht die Option aus technischen Gr\u00fcnden nicht zur Verf\u00fcgung, m\u00fcssen entsprechend den Szenarien des IPCC im 5. Sachstandsbericht weitaus mehr Kohle, Erdgas und \u00d6l im Boden bleiben (siehe Tabelle 1). Damit bahnt sich ein Verteilungskonflikt an, der in der Wirtschaftsgeschichte ohne Vorbild ist: Die j\u00e4hrlichen Renteneinkommen aus Kohle, \u00d6l und Gas machen etwa 4 Prozent der globalen Wertsch\u00f6pfung aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 2<\/strong>: Die Klimapolitik hat drei M\u00f6glichkeiten, die Konflikte um die Verteilung von Eigentumsrechten zu l\u00f6sen: Auf ein technisches Wunder hoffen, die Besitzer von Kohle, \u00d6l und Gas entsch\u00e4digen oder den Kohlenstoff bepreisen.<\/p>\n<p>Die Hoffnung auf ein Wunder k\u00f6nnte sich als tr\u00fcgerisch erweisen \u2013 sind die erneuerbaren Energien doch l\u00e4ngst nicht so billig, dass sich die Extraktion von Kohle nicht mehr lohnen wird. Es ist zwar richtig, dass die Stromgestehungskosten von Wind an guten Standorten schon fast so niedrig sind wie die Stromgestehungskosten von Kohle. Rechnet man jedoch die Kosten der Fluktuation des Windes mit ein, ist der Windstrom immer noch teurer als der Kohlestrom, zumindest bei gr\u00f6\u00dferen Anteilen Windstrom im Netz. So kostet die Stromerzeugung mit Kohlekraftwerken wie auch mit Windturbinen etwa 60 \u20ac\/MWh, im Falle von Wind kommen als Kosten der Fluktuation allerdings nochmal bis zu 30 \u20ac\/MWh hinzu. F\u00fcr Solarenergie gilt \u00e4hnliches, trotz des starken Preisverfalls von Solarmodulen in den letzten Jahren. In China, Indien, USA, aber auch in Europa wurde Kohle im vergangenen Jahrzehnt wieder verst\u00e4rkt im Stromsektor genutzt. Angesichts der enormen Kohlevorr\u00e4te kann dieser Trend noch lange anhalten. Damit kommen wir zur zweiten M\u00f6glichkeit: Die Besitzer fossiler Ressourcen k\u00f6nnten f\u00fcr die durch die Nichtf\u00f6rderung entstehenden Verluste kompensiert werden: Dies d\u00fcrfte politisch kaum durchsetzbar sein und sch\u00fcfe weitere Anreize, die Exploration von Kohle, \u00d6l und Gas fortzusetzen, um die Entsch\u00e4digungszahlungen nach oben zu treiben.<\/p>\n<p>Bleibt also nur die dritte M\u00f6glichkeit: Es kommt zu einer Bepreisung von CO<sub>2<\/sub>. Grunds\u00e4tzlich kann diese CO<sub>2<\/sub>-Bepreisung durch eine Steuer oder durch einen Emissionshandel erfolgen. Da nur noch ungef\u00e4hr 800 Gigatonnen CO<sub>2<\/sub> in der Atmosph\u00e4re abgelagert werden d\u00fcrfen, muss der CO<sub>2<\/sub>-Preis (die Steuer oder der Preis f\u00fcr die Zertifikate) mit einer konstanten Wachstumsrate steigen. Nur unter dieser Voraussetzung wird die Menge an CO<sub>2<\/sub> begrenzt, die wir noch in der Atmosph\u00e4re ablagern. Nat\u00fcrlich bedarf es auch im letzten Fall technischer Innovationen im Bereich emissionsarmer Technologien, um die Kosten aus dem Verzicht der unbegrenzten Nutzung fossiler Ressourcen gering zu halten und damit auch die gesellschaftliche Akzeptanz und politische Durchsetzbarkeit ambitionierter Klimaschutzziele zu erh\u00f6hen. Allerdings h\u00e4ngt bei der CO<sub>2<\/sub>-Bepreisung der Erfolg des gesamten Klimaschutzes in geringerem Ma\u00dfe von technologischen Durchbr\u00fcchen ab. F\u00fcr eine effektive Klimapolitik ist es jedoch nicht ausreichend, die Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger zu besteuern. Auch die Emissionen aus der Landnutzung m\u00fcssen besteuert werden, was einer Besteuerung vieler landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4chen gleichkommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 3<\/strong>: Durch eine globale CO<sub>2<\/sub>-Bepreisung verlieren die Besitzer von Kohle, \u00d6l und Gas ihre Knappheitsrenten. Dadurch entsteht eine Klimarente, die den Verlust der Knappheitsrenten aufwiegt.<\/p>\n<p>Durch Schaffung eines CO<sub>2<\/sub>-Preises m\u00fcssen Emittenten f\u00fcr die Nutzung der Atmosph\u00e4re als Deponie zahlen. Die Atmosph\u00e4re wird dabei von der weltweiten Staatengemeinschaft angeeignet, da diese fortan \u00fcber das Ausma\u00df der Nutzung entscheidet. Auch beim Emissionshandel, bei dem Nutzungsrechte erworben werden k\u00f6nnen, verbleibt die Atmosph\u00e4re Eigentum der Menschheit, da diese \u00fcber die Menge der Nutzungsrechte oder deren Preis entscheidet und die damit verbundene Knappheitsrente einnehmen kann. Der Verm\u00f6genswert der Atmosph\u00e4re als Kohlenstoffsenke betr\u00e4gt allein 50 bis 70 Prozent der j\u00e4hrlichen globalen Wertsch\u00f6pfung; im Falle begrenzt verf\u00fcgbarer Vermeidungstechnologien kann er sogar weitaus gr\u00f6\u00dfer sein und den Verm\u00f6genswert fossiler Rohstoffe \u00fcbertreffen. Weder der CO<sub>2<\/sub>-Handel noch die Besteuerung von CO<sub>2<\/sub> ist eine Privatisierung von Gemeinschaftsg\u00fctern. Allerdings m\u00fcssten beim Emissionshandel die Zertifikate versteigert und d\u00fcrften nicht kostenlos zugeteilt werden, da kostenlose Zuteilung tats\u00e4chlich einer Privatisierung gleichk\u00e4me.<\/p>\n<p>Im nationalstaatlichen Rahmen werden viele nationale Umweltprobleme durch eine Neudefinition der Eigentumsrechte \u2013 beispielsweise durch Grenzwerte bei Schadstoffemissionen, Umweltabgaben oder Lenkungssteuern \u2013 gel\u00f6st. Sie alle bedeuten einen Eingriff in das Eigentumsrecht von Produzenten, die Produktionsfaktoren nicht mehr unbeschr\u00e4nkt nutzen k\u00f6nnen. Dieser nationalstaatliche Rahmen versagt jedoch beim Klimaproblem, da die Atmosph\u00e4re Gemeinschaftseigentum der ganzen Menschheit ist. Daher bedarf es eines globalen Abkommens, das durch Trittbrettfahrerverhalten betr\u00e4chtlich erschwert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 4<\/strong>: Es gibt auch ohne ein globales Klimaabkommen f\u00fcr nationale Regierungen ausreichend Anreize, eine CO<sub>2<\/sub>-Steuer einzuf\u00fchren, um damit die Effizienz der Wirtschaft zu erh\u00f6hen. Der Steuerstaat der Zukunft wird jedoch, wenn er soziale Kosten internalisieren will, vermehrt auf Verteilungswirkungen achten m\u00fcssen. Sollen die meist regressiven Wirkungen indirekter Steuern verhindert werden, bedarf es komplement\u00e4rer Ma\u00dfnahmen wie zum Beispiel Steuerreformen.<\/p>\n<p>Allein die Besteuerung der Ressourcenrenten kann jedoch in vielen L\u00e4ndern zu Effizienzgewinnen f\u00fchren. Denn die Besitzer von ersch\u00f6pfbaren Ressourcen werden dadurch ihr Verm\u00f6gen in produktives Kapital investieren m\u00fcssen, das langfristig das Sozialprodukt erh\u00f6ht. Dar\u00fcber hinaus kann die Klimarente f\u00fcr die Finanzierung von Infrastruktur, Steuersenkungen und den Abbau der Staatsverschuldung herangezogen werden. Auch k\u00f6nnte ein Teil dieser Renten dazu verwendet werden, der n\u00e4chsten Generation eine \u201eminimum inheritance\u201c zu erm\u00f6glichen, mit der sie in ihre eigenen F\u00e4higkeiten investieren kann. Weil sich die Staaten bislang auf keinen globalen CO<sub>2<\/sub>-Preis einigen konnten, stellt sich zunehmend die Frage, ob die Finanzminister nicht einen Anreiz haben, eine CO<sub>2<\/sub>-Steuer zu erheben, selbst wenn sie sich nicht f\u00fcr Klimaschutz interessieren.<\/p>\n<p>Nationale Regierungen werden heute nicht mehr nur durch ihre W\u00e4hler bewertet, sondern vor allem auch durch die internationalen Kapitalm\u00e4rkte: Hohe Staatsschulden werden abgestraft, hohe Kapitaleinkommenssteuern f\u00fchren zu Kapitalflucht, die Besteuerung von Arbeit st\u00f6\u00dft an politische Grenzen. Daher k\u00f6nnen nationale Regierungen immer weniger in Infrastruktur investieren und andere \u00f6ffentliche G\u00fcter bereitstellen. Diese Gefahr eines \u201erace to the bottom\u201c k\u00f6nnen Staaten abwehren, wenn sie verst\u00e4rkt CO<sub>2<\/sub> und Ressourcenrenten besteuern; dies ist auch dann vorteilhaft, wenn der Markt f\u00fcr fossile Ressourcen global ist. Denn zum einen bestrafen CO<sub>2<\/sub>-Steuern die Investitionen nicht, zum anderen werden in betr\u00e4chtlichem Umfang dysfunktionale Ressourcenrenten abgesch\u00f6pft \u2013 entweder bei den Ressourcenexporteuren oder bei den heimischen Ressourcenbesitzern. Wenn die Einnahmen aus der CO2-Besteuerung in Infrastruktur investiert werden, die die Produktivit\u00e4t der heimischen Wirtschaft f\u00f6rdern, wird der Standort auch im internationalen Wettbewerb besser bestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So kann gezeigt werden, dass selbst eine moderate CO<sub>2<\/sub>-Steuer und eine Besteuerung der Ressourcenrenten Investitionen erm\u00f6glicht, die vor allem f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Armut von entscheidender Bedeutung sind: Universeller Zugang zu sauberer Elektrizit\u00e4t, Wasserversorgung, sanit\u00e4re Einrichtungen, Bildung, Zugang zu Mobilfunknetzen und Stra\u00dfen. W\u00fcrde die indische Regierung die Tonne CO<sub>2<\/sub> mit zehn Dollar belasten, k\u00f6nnte sie aus den Einnahmen jedes Jahr mehr als 60 Millionen Menschen zus\u00e4tzlich Zugang zu Elektrizit\u00e4t, sauberem Wasser, Sanit\u00e4reinrichtungen und Telekommunikation verschaffen. Eine Streichung der Subventionierung f\u00fcr Kohle, \u00d6l und Gas w\u00fcrde zus\u00e4tzliche Mittel f\u00fcr die Armutsbek\u00e4mpfung mobilisieren.<\/p>\n<p>Die Besteuerung von CO<sub>2<\/sub> wird jedoch in bereits entwickelten Volkswirtschaften alternative Pfade beschreiten m\u00fcssen, wenn eine vermehrte indirekte Besteuerung nicht zu einer Versch\u00e4rfung der Ungleichheit f\u00fchren soll. Eine Besteuerung von CO<sub>2<\/sub> wird n\u00e4mlich vor allem die einkommensschwachen Haushalte \u00fcberproportional belasten.<\/p>\n<p>Wie Abbildung 1 f\u00fcr die USA zeigt, steigen die Pro-Kopf-Emissionen der konsumierten G\u00fcter und Dienstleistungen weniger stark als das Haushaltseinkommen an. Der Anteil an Energieausgaben (einschlie\u00dflich Biomasse) ist auch bei einkommensschwachen Haushalten in Entwicklungsl\u00e4ndern h\u00f6her als bei reicheren Haushalten. Allerdings sind fossile Energietr\u00e4ger und Strom in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern nach wie vor ein Luxusgut, da arme Haushalte vor allem Biomasse zur Energiegewinnung nutzen. Steuern auf \u201emoderne\u201c Energie (Strom und fossile Energie) w\u00e4ren demnach meist progressiv und die vielfach vorhandenen Subventionen regressiv. Bei einer konstanten Kohlenstoffsteuer w\u00fcrden Haushalte mit geringem Einkommen daher relativ stark belastet.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es im Wesentlichen zwei Gr\u00fcnde: Einerseits ist der Anteil an Energieausgaben f\u00fcr \u00e4rmere Haushalte gr\u00f6\u00dfer als f\u00fcr reichere. Da Energie sehr kohlenstoffintensiv in der Herstellung ist, w\u00fcrde eine CO<sub>2<\/sub>-Steuer \u00e4rmere Haushalte \u00fcberproportional belasten. Dies ist in den grau schattierten Balken in Abbildung 1 dargestellt. Der zweite Grund bezieht sich auf die Emissionen, die zur Herstellung von Konsumg\u00fctern und Dienstleistungen anfallen, die \u2013 bezogen auf jeden ausgegebenen Dollar \u2013 h\u00f6her f\u00fcr \u00e4rmere als f\u00fcr reichere Haushalte sind (schwarz schattierte Balken in Abbildung 1). Es ist ein weit verbreitetes empirisches Muster, dass mit steigendem Einkommen der Ausgabenanteil f\u00fcr Basisg\u00fcter sinkt und die Ausgaben f\u00fcr Luxusg\u00fcter zunehmen. Dies wird auch als \u201eEngel\u2019sches Gesetz\u201c bezeichnet. Bei geringem Einkommen hat der Konsum von Nahrungsmitteln, Wohnraum, Gesundheit und grundlegenden \u00f6ffentlichen Dienstleistungen neben dem Konsum von Energie Priorit\u00e4t. Der Anteil an Ausgaben, die nicht Basisg\u00fcter sind und hier als Luxusg\u00fcter bezeichnet werden, steigt dagegen mit dem Einkommen. Zur Herstellung von Basisg\u00fctern fallen zudem mehr Emissionen an als bei Luxusg\u00fctern. Vor allem Nahrungsmittel und \u00f6ffentliche Dienstleistungen sind kohlenstoffintensiv in der Herstellung. Selbst innerhalb der Klasse der Luxusg\u00fcter wie auch der Nahrungsmittel sinkt die Kohlenstoffintensit\u00e4t mit dem Einkommen, da Haushalte vor allem qualitativ hochwertigere Produkte kaufen.<\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen zeigen, dass Umweltsteuern, welche die sozialen Kosten des Wirtschaftens internalisieren, die einkommensschwachen Haushalte oft \u00fcberproportional belasten. Dies schafft neue soziale Ungerechtigkeiten. Der Pigou\u2019sche Steuerstaat kann jedoch nur dann ein gerechter Steuerstaat sein, wenn den indirekten Steuern der Stachel der Regressivit\u00e4t gezogen werden kann. Dies ist durch mehrere komplement\u00e4re Ma\u00dfnahmen m\u00f6glich: (1) eine erg\u00e4nzende progressive Reform der Einkommenssteuer, (2) die Indexierung von Sozialtransfers (Arbeitslosengeld II, Kindergeld, BAf\u00f6G) an Preisentwicklungen des entsprechenden Konsumkorbes (eine solche Indexierung wird im Zuge der Abschaffung der kalten Progression vor allem f\u00fcr Steuerzahler diskutiert, jedoch kaum f\u00fcr Transferempf\u00e4nger), sowie (3) die Nutzung der Steuereinnahmen f\u00fcr Investitionen und Bereitstellung \u00f6ffentlicher G\u00fcter, die vor allem einkommensschwache Haushalte nutzen (zum Beispiel Bildung, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung).<\/p>\n<p>Wenn diese Ma\u00dfnahmen politisch nicht umsetzbar sind oder mit zu hohen Transaktionskosten verbunden sind, k\u00f6nnten auch second-best Ans\u00e4tze zu progressiven Umweltsteuers\u00e4tzen zur Geltung kommen. Hierbei w\u00fcrde der Steuersatz mit dem individuellen Verbrauch steigen, also progressiv im Verbrauch sein. W\u00e4hrend dieser Ansatz vor allem f\u00fcr Einsparungen beim Stromverbrauch privater Haushalte aufgrund der geringen Monitoringkosten leicht zu implementieren ist (und auch beispielsweise in Kalifornien angewandt wird), ergeben sich f\u00fcr andere G\u00fcter (zum Beispiel Benzin oder den in Konsumg\u00fctern enthaltenen Kohlenstoff) jedoch erhebliche Umsetzungsprobleme.<\/p>\n<p>Daher wird eine zentrale Aufgabe k\u00fcnftiger Forschung darin bestehen, die Verteilungswirkungen von Umweltsteuern und die M\u00f6glichkeiten erg\u00e4nzender ausgleichender Ma\u00dfnahmen zu explorieren. Die Verteilungswirkungen der Bereitstellung \u00f6ffentlicher G\u00fcter und Dienstleistungen sowie von Infrastruktur sind bisher kaum analysiert. Empirische Untersuchungen zeigen, dass eine Ausweitung der Infrastruktur (Transport und Telekommunikation) vor allem in \u00e4rmeren L\u00e4ndern Ungleichheit reduziert und das Einkommen der \u00e4rmeren Haushalte erh\u00f6ht. Die Dringlichkeit dieser Forschung wird allein schon durch die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr indirekte Steuern unterstrichen, die heute diskutiert werden. Sie reichen von CO<sub>2<\/sub>-Steuern \u00fcber Mautgeb\u00fchren gegen \u00dcberf\u00fcllung in Gro\u00dfst\u00e4dten bis hin zur Besteuerung von Fleischkonsum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 5<\/strong>: Eine ambitionierte Klimapolitik wird die planetarische Landnutzung ver\u00e4ndern. Eine effektive Klimapolitik geht \u00fcber eine Dekarbonisierung des Strom-, Industrie- und Geb\u00e4udesektors weit hinaus. Die verst\u00e4rkte Nutzung nat\u00fcrlicher Kohlenstoffkreisl\u00e4ufe zur Energiegewinnung wird eine zunehmend wichtige Option, etwa in Form von Bioenergie. Bioenergie spielt vor allem im Transportsektor eine wichtige Rolle. Durch den Einsatz von Bioenergie und durch das Einfangen und Einlagern von CO<sub>2<\/sub> kann bereits jetzt schon CO<sub>2<\/sub> der Atmosph\u00e4re entzogen werden. Die M\u00f6glichkeit, mit Bioenergie und anderen noch im Anfangsstadium stehenden Carbon Dioxid Removal (CDR) Technologien \u201enegative Emissionen\u201c zu erzeugen, wird vor allem f\u00fcr das Erreichen des 2\u00b0-Ziels unverzichtbar werden. Da durch den Einsatz von Bioenergie verst\u00e4rkt nat\u00fcrliche Kohlenstoffkreisl\u00e4ufe genutzt werden, die im Gegensatz zur fossilen Energie weitaus landintensiver sind, entstehen Landnutzungskonflikte. Auch bei der unterirdischen Lagerung von Kohlenstoff k\u00f6nnen neue Renten entstehen, da sichere unterirdische Speicher in geologischen Formationen begrenzt sind. Stehen CDR Technologien nicht zur Verf\u00fcgung, muss es zu einer st\u00e4rkeren Aufforstung kommen, die ebenfalls Landnutzungs- und damit erhebliche Verteilungskonflikte hervorruft.<\/p>\n<p>All diese Ma\u00dfnahmen laufen darauf hinaus, dass die Renten des landwirtschaftlichen Bodens steigen werden. Aber nicht nur die Klimapolitik wird die Bodenrenten ver\u00e4ndern, auch der Klimawandel f\u00fchrt \u00fcber die Ver\u00e4nderung der landwirtschaftlichen Ertr\u00e4ge zu einer Umbewertung des Bodens, die vor allem in \u00e4rmeren L\u00e4ndern gravierende Wirkungen haben kann: In diesen L\u00e4ndern wird ein gro\u00dfer Teil der Wertsch\u00f6pfung durch die Landwirtschaft erzeugt. Gleichzeitig ist jedoch die Arbeitsproduktivit\u00e4t im Landwirtschaftssektor weitaus geringer als im Industriesektor \u2013 der Strukturwandel steckt noch in den Kinderschuhen. Die langfristigen Folgen des Klimawandels k\u00f6nnen in solchen Gesellschaften weitaus st\u00e4rker ausfallen, weil sie nicht nur die Produktivit\u00e4t im Landwirtschaftssektor reduzieren, sondern auch den Strukturwandel hin zu industrialisierten Gesellschaften beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen. Der Strukturwandel ist wiederum essenziell f\u00fcr die Reduzierung der Armut, die Schaffung regul\u00e4rer Jobs und den Aufbau leistungsf\u00e4higer staatlicher Institutionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VI.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 6<\/strong>: Die internationale Klimapolitik ver\u00e4ndert bereits heute durch Transferzahlungen f\u00fcr Waldschutz den Wert landwirtschaftlichen Bodens \u2013 zugunsten von landwirtschaftlichen Gro\u00dfgrundbesitzern. Eine Bodensteuer kann dem entgegenwirken.<\/p>\n<p>Da der Schutz von W\u00e4ldern die Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che bei weiterhin steigender Nachfrage begrenzt, f\u00fchrt er zu steigenden Bodenrenten. Dies steht bisher kaum im Vordergrund vorhandener politischer \u00dcberlegungen zum Waldschutz, wie sie zum Beispiel im Rahmen der UN zu REDD-Ma\u00dfnahmen (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) diskutiert werden. Dabei geht es vor allem um die H\u00f6he von Transferzahlungen f\u00fcr Staaten, die f\u00fcr den Erhalt ihrer W\u00e4lder kompensiert werden. Obwohl solche Zahlungen zun\u00e4chst direkt den Waldbesitzern \u2013 nationale Regierungen, lokale Gemeinden oder indigene Gemeinschaften \u2013 zugutekommen, profitieren vor allem auch Besitzer landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4chen indirekt durch die h\u00f6heren Bodenpreise.<\/p>\n<p>Landverteilung in den Weltregionen<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><strong>Gini-Koeffizient der Landverteilung 1990-1996 [%]<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Subsahara-Afrika<\/td>\n<td>49.0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ostasien und Pazifik<\/td>\n<td>41.1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>OECD (hohes Einkommen)<\/td>\n<td>59.0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>S\u00fcdasien<\/td>\n<td>58.3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Lateinamerika<\/td>\n<td>77.4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Osteuropa<\/td>\n<td>92.0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Ein Gini-Koeffizient von 100 Prozent bedeutet vollkommene Ungleichheit (das gesamte Land geh\u00f6rt einer Person) w\u00e4hrend ein Koeffizient von 0 Prozent vollkommene Gleichheit (alle haben den gleichen Anteil) bezeichnet. Quelle: Deininger, K., Squire, L. (1998). New ways of looking at old issues: inequality and growth. Journal of development economics, 57(2), 259-287.<\/p>\n<p>Wie Tabelle 2 zeigt, geh\u00f6ren vor allem Gro\u00dfgrundbesitzer in Lateinamerika und Osteuropa zu den Gewinnern solcher Waldschutzma\u00dfnahmen, auch wenn sie selber gar keinen Wald besitzen. In Afrika s\u00fcdlich der Sahara sowie in Ostasien und dem Pazifik k\u00f6nnen durch die relativ gleichm\u00e4\u00dfige Landverteilung jedoch auch Kleinbauern durch steigende Landpreise profitieren, sofern sie \u00fcberhaupt ausreichend \u00dcbersch\u00fcsse produzieren, die dann zu h\u00f6heren Preisen verkauft werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Regierungen k\u00f6nnen die Landrenten steigernde Wirkung des Waldschutzes durch eine Mengensteuer auf landwirtschaftliche B\u00f6den neutralisieren (eine Bodensteuer kann grunds\u00e4tzlich als Mengensteuer oder als Wertsteuer erhoben werden; es l\u00e4sst sich zeigen, dass man jede Mengensteuer als \u00e4quivalente Wertsteuer ausdr\u00fccken kann \u2013 und umgekehrt). Die Einf\u00fchrung einer solchen Bodensteuer f\u00fcr landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4che von gleicher H\u00f6he wie die internationalen Transferzahlungen f\u00fcr Waldschutz (pro Fl\u00e4che) erzielt einen optimalen Waldschutz \u2013 auch ohne die Einrichtung von Schutzgebieten, deren nationale Umsetzung auf Schwierigkeiten st\u00f6\u00dft. Die Regierungen erhalten somit nicht nur Einnahmen aus dem REED Mechanismus, sondern zus\u00e4tzlich auch Steuereinnahmen, die f\u00fcr produktive Investitionen verwendet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VII.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 7<\/strong>: Eine Besteuerung der Landrenten erh\u00f6ht das Sozialprodukt, wenn die Produktivit\u00e4t des Industriesektors hoch ist. In der neoklassischen und klassischen Standardtheorie wird Land als fixer Produktionsfaktor betrachtet, den zu besteuern keinerlei allokative Verzerrungen hervorruft. Aus diesem Grund erfreut sich eine Besteuerung von Landrenten der Zustimmung vieler \u00d6konomen, die darin Henry George gefolgt sind. Dieses vereinfachte Modell vernachl\u00e4ssigt jedoch die Heterogenit\u00e4t von Ackerland, dessen Wert stark von geographischen und infrastrukturellen Faktoren abh\u00e4ngig ist. So sind beispielsweise die Pachtpreise f\u00fcr Ackerland in Brasilien nahe den Hafenst\u00e4dten, aus denen Sojabohnen exportiert werden, am h\u00f6chsten, w\u00e4hrend sie im tiefen Landesinneren an der Grenze zum Amazonasgebiet nahezu null sind. Die Gr\u00f6\u00dfe des Ackerlandes ist daher durch \u00f6konomische Entscheidungen bestimmt: Sie wird durch die Kosten der Erschlie\u00dfung und Urbarmachung, die Transportkosten sowie die Erl\u00f6se durch den Verkauf der Ertr\u00e4ge bestimmt.<\/p>\n<p>Die Wirkung der Besteuerung von Landrenten durch Mengensteuern ist in einem solchen Fall nicht neutral, wie es in partiellen Gleichgewichtsmodellen behauptet wird: Eine Landrentenbesteuerung f\u00fchrt n\u00e4mlich dazu, dass weniger Ackerland genutzt wird und sowohl Arbeitskr\u00e4fte als auch Kapital aus der Landwirtschaft abwandern und dem Industriesektor zuflie\u00dfen. F\u00fcr die Gesamtwirtschaft kann dies sogar ein Gewinn sein, wenn der Industriesektor produktiv genug ist; ist dies nicht der Fall, sinkt das Sozialprodukt.<\/p>\n<p>Wie in Abbildung 2 dargestellt, ist die Arbeitsproduktivit\u00e4t im Industriesektor in der Regel h\u00f6her als im Landwirtschaftssektor. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, dass die Einnahmen aus der Besteuerung von Landrenten f\u00fcr Investitionen in die Produktivit\u00e4t des Industriesektors verwendet werden \u2013 vor allem, wenn die Arbeitsproduktivit\u00e4t im Industriesektor sehr gering ist. Das Henry George Theorem, das Bodensteuern eine allokationsneutrale Wirkung zuschreibt, ist daher ein Spezialfall, der gilt, wenn tats\u00e4chlich die gesamte vorhandene Landfl\u00e4che landwirtschaftlich genutzt wird; die positiven Wirkungen einer Landrentenbesteuerung werden durch das Henry George Theorem daher eher untersch\u00e4tzt. Entscheidend ist jedoch, dass man die Bedingungen genau zu kl\u00e4ren hat, unter denen eine Besteuerung von Landrenten das Sozialprodukt erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VIII.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 8<\/strong>: Der technische Fortschritt, der zu h\u00f6heren landwirtschaftlichen Ertr\u00e4gen f\u00fchrt, ist ein zweischneidiges Schwert. Erst zusammen mit einer Bodensteuer oder der Einrichtung von Schutzgebieten f\u00fchrt er zu einem vermehrten Schutz von Waldgebieten.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie die Hoffnung auf ein Wunder bei emissionsarmen Technologien ist die Hoffnung tr\u00fcgerisch, Ertragssteigerungen k\u00f6nnten die Landnutzungskonflikte entsch\u00e4rfen: Wenn der Ackerboden durch neues Saatgut und bessere Produktionsmethoden produktiver wird, steigt die Nachfrage nach Ackerland und damit der Druck auf bestehende Waldfl\u00e4chen, die noch nicht durch die Landwirtschaft genutzt werden. Der technische Fortschritt im Industriesektor sch\u00fctzt dagegen den Wald, weil er Arbeitskr\u00e4fte aus dem Landwirtschaftssektor abzieht und damit auch die Nachfrage nach Ackerland reduziert. Da es technischen Fortschritt in beiden Sektoren gibt, kommt es auf deren relatives Verh\u00e4ltnis an: Ist der Fortschritt im Industriesektor gro\u00df genug, sinkt auch bei Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft die Nachfrage nach Ackerland. Eine Bodensteuer kann jedoch Landnutzungskonflikte umso besser entsch\u00e4rfen, je h\u00f6her die Ertragssteigerungen sind. Die Bodensteuer muss dann aber mit dem technischen Fortschritt ansteigen. Dies gew\u00e4hrleistet den Schutz bestehender W\u00e4lder und f\u00fchrt zu einem bodenerh\u00f6henden technischen Fortschritt; das vorhandene Ackerland wird effizienter genutzt. Dadurch kann die Nahrungsmittelversorgung sowie das Einkommen der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung sichergestellt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IX.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 9<\/strong>: Klimapolitik wird zu steigenden st\u00e4dtischen Bodenrenten f\u00fchren. Wenn die CO<sub>2<\/sub>-Preise steigen, werden auch die Transportkosten steigen, sodass es zu einer weiteren Verdichtung von St\u00e4dten kommt (\u201eCompact Cities\u201c). Es kann gezeigt werden, dass eine Verdichtung von St\u00e4dten zu weniger Emissionen f\u00fchrt, wenn es zugleich zu einer gemischten Fl\u00e4chennutzung kommt, ein vermehrter Zugang zu Arbeitspl\u00e4tzen in verdichteten R\u00e4umen erm\u00f6glicht und \u00f6ffentlicher Nahverkehr ausgebaut wird. Daher kann vermutet werden, dass viele Kommunen im Rahmen ihrer Stadtentwicklungs- und Klimapolitik eine weitere Verdichtung anstreben, die zu steigenden Bodenrenten f\u00fchrt. Hier liegt das gro\u00dfe Potenzial, aber auch das entscheidende verteilungspolitische Risiko einer kommunalen Klimapolitik. Die steigenden Bodenrenten stellen n\u00e4mlich bereits heute ein verteilungspolitisches Problem dar. So hat Thomas Piketty zu zeigen versucht, dass die Kapitaleinkommen zulasten der Lohneinkommen in den letzten vier Dekaden gestiegen sind. Dieses Ergebnis basiert jedoch ma\u00dfgeblich auf der fehlenden Unterscheidung zwischen reproduzierbarem und nicht-reproduzierbarem Kapital \u2013 zwischen \u201ecapital\u201c und \u201ewealth\u201c.<\/p>\n<p>Mit Hilfe dieser Differenzierung wird deutlich, dass der R\u00fcckgang der Lohnquote vor allem auf die steigende st\u00e4dtische Bodenrente zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Bereits Henry George hat darauf hingewiesen, dass die Bodenrente dann steigt, wenn der bodenerh\u00f6hende technische Fortschritt hinter dem Wachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t zur\u00fcckbleibt. Die st\u00e4dtische Bodenrente ist gestiegen, weil in den letzten drei Dekaden der arbeitsvermehrende technische Fortschritt schneller zugenommen hat als der bodenvermehrende technische Fortschritt. Unter dieser Voraussetzung l\u00e4sst sich zeigen, dass die Bodenrente zulasten der Lohnquote steigt. Dieses Ph\u00e4nomen hatte Henry George bereits im 19. Jahrhundert vor Augen. Er sah in der steigenden Bodenrente den Hauptgrund der Verarmung. In den letzten drei Dekaden sind die Grenzertr\u00e4ge der Investitionen in die Transportinfrastruktur gesunken, daher konnte der urbane Raum nicht mehr wachsen. Es musste eine Verdichtung einsetzen, die zu steigenden Bodenrenten f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Die Dynamik dieses gerichteten technischen Wandels (\u201ebiased technological change\u201c) war f\u00fcr das Steigen der Bodenrenten von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung als die oft unzureichende Regulierung des st\u00e4dtischen Bodens. Nur wenn es zu technischen Durchbr\u00fcchen in der Transportinfrastruktur k\u00e4me, w\u00fcrde die st\u00e4dtische Bodenrente sinken. Dem wirkt jedoch eine Steigerung der \u00d6l- und CO<sub>2<\/sub>-Preise entgegen, durch die es zu einer weiteren Verdichtung kommt. Die steigenden st\u00e4dtischen Bodenrenten m\u00fcssen besteuert werden, wenn ein weiteres Sinken der Lohnquote verhindert werden und die negativen Wirkungen einer steigenden Bodenrente auf das Wirtschaftswachstum abgemildert werden sollen. Eine steigende Bodenrente vermindert das Wirtschaftswachstum vor allem darum, weil die Eigent\u00fcmer des Bodens angesichts der steigenden Bodenpreise keinen Anreiz haben, in produktives Kapital zu investieren; diese Investitionszur\u00fcckhaltung sch\u00e4digt vor allem die kommenden Generationen. Eine Besteuerung von Bodenwertsteigerungen h\u00e4tte dar\u00fcber hinaus noch zwei Vorteile. Da der Anteil des Immobilienverm\u00f6gens bei den reichsten Verm\u00f6gensbesitzern hoch ist, wirkt die Besteuerung des Bodens progressiv. Zum anderen wirkt die Besteuerung von Bodenwertsteigerungen Immobilienblasen entgegen, die h\u00e4ufig Ausgangspunkt von Finanz- und Bankenkrisen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>X.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>These 10<\/strong>: Das 21. Jahrhundert wird durch den \u201eWealth of the Global Commons\u201c bestimmt sein und zu einer Ver\u00e4nderung der Eigentumsordnung f\u00fchren. Die Knappheit des 21. Jahrhunderts wird nicht durch begrenzte fossile Ressourcen bestimmt, sondern durch die begrenzte Aufnahmef\u00e4higkeit zentraler Senken wie Atmosph\u00e4re, Ozeane, W\u00e4lder und Land. F\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung ist es entscheidend, dass die Funktionsf\u00e4higkeit dieser Senken erhalten bleibt. Viele der Gemeinschaftsg\u00fcter sind staaten\u00fcbergreifend, sodass deren Nutzung nicht nur nationalstaatlich, sondern auch international neu definiert werden muss. Die Aufgabe besteht darin, \u201eCommon-Pool\u201c Ressourcen, die jeder kostenlos nutzen kann, in \u201eGlobal Commons\u201c zu \u00fcberf\u00fchren, in ein globales Gemeinschaftseigentum. Damit werden unweigerlich Renteneinkommen gesenkt, aber auch neue Renteneinkommen geschaffen. Gerade durch die Besteuerung von Renten und ihre gerechte und effiziente Verwendung k\u00f6nnen zentrale Zielkonflikte einer Politik der Nachhaltigkeit entsch\u00e4rft werden. Bereits heute k\u00f6nnte mit der Besteuerung von Ressourcenrenten ein universeller Zugang zu sauberer Energie, zu Wasserversorgung, sanit\u00e4ren Einrichtungen, Stra\u00dfen und Telekommunikation erm\u00f6glicht werden. Dieser Eingriff in die Eigentumsordnung wird jedoch nur dann als legitim empfunden werden, wenn \u00fcber die Natur von Renten\u00f6konomien Klarheit herrscht.<\/p>\n<p>In der liberalen Tradition von John Locke (1689) wird die Entstehung von Eigentum an Naturressourcen durch die Landnahme begr\u00fcndet \u2013 die Aufwertung einer an sich reichlich vorhandenen Ressource durch menschliche Arbeit. Die \u201eEntdeckung\u201c Amerikas und fortschreitende Besiedlung des \u2013 im Vergleich zu Europa \u2013 leeren Kontinents verfestigte diese Praxis der Aneignung von Naturressourcen: Land, sp\u00e4ter auch \u00d6l, geh\u00f6rt dem, der es urbar beziehungsweise nutzbar macht. Dabei haben schon die liberalen Denker des 17. Jahrhunderts eine wichtige Vorbedingung f\u00fcr die Landnahme formuliert: Aneignung darf nur erfolgen, solange genug Ressourcen gleicher Qualit\u00e4t zur Nutzung f\u00fcr andere verf\u00fcgbar bleiben (Lockean proviso). Bereits der liberale Eigentumsbegriff schlie\u00dft damit eine unbegrenzte Aneignung an knappen Rohstoffen \u2013 und damit an Knappheitsrenten \u2013 aus. Renten an nicht-reproduzierbaren Produktionsfaktoren wie Land oder ersch\u00f6pfbaren Ressourcen, aber auch Renteneinkommen an Common-Pool Ressourcen sollen daher nicht vor der Besteuerung gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>In der eigentumsrechtlichen Tradition von Rousseau (1755) wurden Renteneinkommen als Geschenk der Natur betrachtet, das legitimerweise allen Mitgliedern der Gesellschaft zukommen soll. Dieser Gedanke wurde durch Henry George steuerpolitisch pr\u00e4zisiert und sozialreformerisch radikalisiert: Es kann kein legitimes Eigentumsrecht an unvermehrbaren Produktionsfaktoren geben wie etwa an Land, Wasser, Atmosph\u00e4re. Dar\u00fcber hinaus haben viele \u00d6konomen \u2013 in \u00dcbereinstimmung mit Henry George \u2013 die Rentenbesteuerung bef\u00fcrwortet, weil ihre Besteuerung keine Effizienzverluste hervorruft. Mit dieser Steuer sollten dann auch die notwendigen \u00f6ffentlichen G\u00fcter finanziert werden. Es ist eine historische Trag\u00f6die, dass die Enzyklika \u201eRerum Novarum\u201c (1891) gegen Henry George gerichtet war, wie j\u00fcngste historische Untersuchungen zeigen. Die kirchliche Soziallehre hat sich erst in der Sozialverk\u00fcndigung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder verst\u00e4rkt auf ihre Eigentumslehre von der universalen Widmung der Erdeng\u00fcter besonnen, in der die Sozialpflichtigkeit des Eigentums betont wird. Das Problem und die Herausforderung der Globalen Gemeinschaftsg\u00fcter spielt darin bislang jedoch eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p>Wir haben hier zu zeigen versucht, dass die Aneignung Globaler Gemeinschaftsg\u00fcter eine wesentliche Quelle des Wohlstandes sein kann. Es geht im 21. Jahrhundert nicht mehr prim\u00e4r um den \u201eWealth of Nations\u201c, sondern um den \u201eWealth of Commons\u201c. Die Aneignung der Globalen Gemeinschaftsg\u00fcter ist zwar verteilungspolitisch und damit auch machtpolitisch riskant \u2013 sie birgt aber auch das Versprechen, den Widerspruch von Freiheit und Gerechtigkeit zu entsch\u00e4rfen, vielleicht sogar zu \u00fcberwinden. Der Widerstand gegen eine Besteuerung von Renten sollte daher nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass deren umsichtige Ausgestaltung Nachhaltigkeitsziele verwirklichen kann, wie sie etwa in den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen formuliert wurden. Die Besteuerung von Naturrenten kann jedoch auch die Ungleichheit erh\u00f6hen, wenn sie G\u00fcter des Grundbedarfs \u00fcberproportional verteuert. Daher bleibt es eine wichtige Forschungsfrage, wie komplement\u00e4re Ma\u00dfnahmen entwickelt und ausgestaltet werden k\u00f6nnen wie zum Beispiel progressive Steuerreformen, Preisindexierung von Sozialtransfers und Bereitstellung \u00f6ffentlicher G\u00fcter und Dienstleistungen, die \u00fcberwiegend von armen Haushalten genutzt werden.<\/p>\n<p>Das 21. Jahrhundert kann ein privilegiertes Jahrhundert werden, in dem die Bek\u00e4mpfung weltweiter Armut gelingt und die Menschheit mit seinen begrenzten Senken und Ressourcen nachhaltig wirtschaftet. Es k\u00f6nnte ein Jahrhundert werden, in dem Wirtschaft nicht mehr mit Gier und Ausbeutung verbunden ist, sondern mit der Schaffung von Werten f\u00fcr alle Menschen. Das 21. Jahrhundert kann aber auch ein Jahrhundert werden, in dem Geschichte und Natur den bereits Privilegierten noch mehr Renteneinkommen zuspielen und in dem die Armen keine Stimme mehr haben, um die Legitimit\u00e4t dieses Spiels in Frage zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; These 1: Die Aufgabe der Klimapolitik besteht darin, die Eigentumsrechte an Common-Pool Ressourcen festzulegen. Damit werden Common-Pool Ressourcen zu Commons \u2013 zu Globalen Gemeinschaftsg\u00fctern. 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