{"id":117863,"date":"2026-01-16T12:01:40","date_gmt":"2026-01-16T11:01:40","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=117863"},"modified":"2026-01-16T12:01:40","modified_gmt":"2026-01-16T11:01:40","slug":"schritte-auf-dem-weg-zur-einheit-der-kirchen","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/schritte-auf-dem-weg-zur-einheit-der-kirchen\/","title":{"rendered":"Schritte auf dem Weg zur Einheit der Kirchen"},"content":{"rendered":"<p>Ich begr\u00fc\u00dfe dieses von der Katholischen Akademie Bayern, der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI. Stiftung und dem Papst Benedikt Institut angeregte gemeinsame Nachdenken \u00fcber das Thema \u201eEuropa \u2013 christlich?\u201c, weil es eine Hoffnung ausspricht, der wir uns anvertrauen k\u00f6nnen und d\u00fcrfen, und daher habe ich die Einladung zu dem Gespr\u00e4ch sehr gerne angenommen. Angesichts meiner jahrzehntelangen Verbundenheit mit der \u00d6kumene nehme ich auch gerne die Gelegenheit wahr, auf das Thema zu antworten und damit meine eigene \u00f6kumenische Berufung zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die fortdauernde Trennung unter den Kirchen wurde damals und wird auch heute noch als Skandal beklagt und als Schuld bekannt. Im festen Willen beieinander zu bleiben und zusammenzuwachsen gilt f\u00fcr die \u00d6kumene \u2013 nach wie vor \u2013 die Pluralit\u00e4t der Konfessionen zu akzeptieren, als zentrale Verpflichtung bei der Suche nach Einheit der getrennten Kirchen. Schmerzhafte Erinnerungen sollen durch Bu\u00dfe, Vergebung und Bereitschaft zur Revision beidseitiger Bilder verarbeitet und geheilt werden.<\/p>\n<p>Die Kirche ist im Hinblick auf das kommende Reich Gottes berufen, ein Zeichen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Einheit der Menschheit zu sein. Aber unsere moderne s\u00e4kulare Gesellschaft \u2013 manche nennen sie eine zerrissene Welt \u2013 vernimmt diese Berufung der getrennten Christenheit heute mit Skepsis und verweist auf eigens hervorgebrachte Mittel der Vereinigung, die oft wirksamer erscheinen. Dem Au\u00dfenseiter seinerseits erscheinen die Kirchen ihrerseits zu schwach, irrelevant und zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Gott hat indessen bereits in der Geschichte das Werk des Einsammelns begonnen. Sein jetzt f\u00fcr uns noch verh\u00fclltes mystisches Werk erreicht seine Vollendung, wenn es am Ende aller Zeiten schlie\u00dflich enth\u00fcllt wird. Das Ziel der \u00f6kumenischen Suche nach voller Gemeinschaft ist erreicht, wenn alle Kirchen einander die Kirche Christi als einen Leib erkennen k\u00f6nnen. Von Anfang an war es die Rolle der Orthodoxen innerhalb der \u00d6kumene, Zeugnis abzulegen f\u00fcr die Existenz und Tradition der ungeteilten Kirche der ersten Jahrhunderte. Die Einheit der Kirche manifestierte sich im 1. Jahrtausend schon derartig, dass sie reichlich Raum geboten hat f\u00fcr Verschiedenheit und offene Gegen\u00fcberstellung unterschiedlicher Interessen und \u00dcberzeugungen. F\u00fcr die \u00d6kumene ergibt sich die Verpflichtung, immer neu diesen Raum zu \u00f6ffnen, damit der Geist Gottes unter uns wirken kann. Unsere suchende Welt soll ja ohne Schaden die gute Nachricht des Evangeliums h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Im Rahmen der \u00f6kumenischen Verantwortung steht f\u00fcr die einen die Bem\u00fchung um kirchliche Einheit eindeutig im Vordergrund, f\u00fcr die anderen ist aber die Ausrichtung auf das christliche Zeugnis und den Dienst in der weltweiten \u00d6kumene von vordringlicherer Bedeutung. Die Spuren der Spannungen in der Geschichte der \u00f6kumenischen Bewegung sind keineswegs verschwunden, jedoch ein tieferer Blick in die \u00f6kumenischen Vertrautheiten der Orthodoxen, Katholiken und Christen der reformatorischen Tradition lassen erkennen, dass die \u00f6kumenische Bewegung \u00fcber ein beachtliches Potential an Konfliktbearbeitung verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Wird es nun der \u00d6kumene im Blick auf Europa im 21. Jahrhundert gelingen, die tief liegende Spaltung zwischen den christlichen Konfessionen zu \u00fcberwinden und die drei Traditionen des Katholizismus, der Orthodoxie und der reformatorischen Kirchen zusammenzubinden? Wird der Dialog zwischen den drei gro\u00dfen christlichen Traditionsstr\u00f6mungen, welche doch die europ\u00e4ische Geschichte und Kultur so sehr bestimmt haben, fruchtbar werden? Sehen sich Christen von heute in der Lage, \u00fcber die Bedeutung ihrer Mitarbeit in der \u00d6kumene Auskunft zu geben? Wie setzen wir uns in einer stark pluralistischen Welt gemeinsam als Kirchen f\u00fcr die \u00d6kumene als Mission und Evangelisation ein?<\/p>\n<p>Bevor ich auf diese zentralen Fragen eingehe, sei die im Jahre 1920 vom Patriarchat Konstantinopel ver\u00f6ffentlichte Enzyklika \u201eAn die Kirchen Christi in der ganzen Welt\u201c vorausgestellt. Es handelt sich um ein Dokument der Orthodoxen Kirche, dass die Orthodoxen bei der Gestaltung der modernen \u00f6kumenischen Bewegung eine f\u00fchrende Rolle spielen sollen. Wenn auch manche Orthodoxe dieser Einsatzbereitschaft mit Zur\u00fcckhaltung begegneten, so war es einer der ber\u00fchmtesten und verehrtesten orthodoxen Theologen des 20. Jahrhunderts, Vater Georgij Florovskij, der sich als Sprecher der Orthodoxie in der \u00f6kumenischen Gemeinschaft durchsetzte. F\u00fcr Florovskij stellt die Teilnahme am \u00f6kumenischen Gespr\u00e4ch \u201eeine Verpflichtung dar, die dem Kern des orthodoxen Selbstverst\u00e4ndnisses entspricht\u201c. Solch eine Teilnahme w\u00e4re keine Revolution in der Geschichte der Orthodoxie, sondern eine nat\u00fcrliche Konsequenz des best\u00e4ndigen Betens der Kirche f\u00fcr die Einheit aller. Die orthodoxe Kirche muss in Angelegenheiten, die mit der F\u00f6rderung der christlichen Einheit in der heutigen Welt zu tun haben, einen zentralen Platz einnehmen. Auch die Kirchenv\u00e4ter, mahnt Florovskij, strebten danach, den apostolischen Glauben an neue geschichtliche Gegebenheiten und lebensnotwendige Herausforderungen anzupassen. Florovskij war auch einer der Autoren der bedeutenden 1950 verabschiedeten Toronto-Erkl\u00e4rung, die manche orthodoxe Bedenken an der Notwendigkeit der \u00d6kumene ausr\u00e4umte. In der Folgezeit, als auch viele Orthodoxe in den Westen emigrierten, begann eine gewaltige Arbeit in interkirchlichen Institutionen, die heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einem dichten Netz verflochten sind. Dieses dichte Netz will ein Raum sein, in dem sich die \u00f6kumenischen Suchprozesse der Orthodoxen, Katholiken und Christen der reformatorischen Tradition entwickeln sollen. Durch eng verkn\u00fcpfte, auf einander bezogene Strukturen soll zur Koordination \u00f6kumenischer Aufgaben der heutigen Zeit das Bewusstsein zu wechselseitiger Verantwortung und Rechenschaftspflicht verst\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich der Einigungsprozess auf internationaler Ebene durchsetzt, muss sich Vergleichbares in den zwischenkirchlichen Beziehungen entwickeln. In einer Phase der Suchbewegung nach tragf\u00e4higer Ordnung f\u00fcr das Zusammenleben der europ\u00e4ischen Gesellschaften und Kulturen hinkt eine gespaltene Christenheit noch zu sehr hinter der internationalen Gemeinschaft her. Sollen denn die Kirchen aus ihrer wechselseitigen institutionellen Isolierung herausgerufen werden? Soll dies vom Staat oder von der Gesellschaft her geschehen? Ist dies nicht Sache der Kirchen selbst?<\/p>\n<p>Vor unseren Augen k\u00f6nnen wir den fortschreitenden Prozess einer Entkirchlichung der Gesellschaft miterleben, in der sich Menschen auf das Leben in einer multikulturellen, komplexen und pluralen Welt einstellen. Im ver\u00e4nderten europ\u00e4ischen Kontext sollte das Kirchesein nicht als totale Ablehnung des Prozesses der Globalisierung wahrgenommen werden, sondern geradezu als Kraft der Transformation, auf der gemeinsamen Suche nach einer lebensf\u00e4higen menschlichen Gemeinschaft und im steten Bem\u00fchen um Bewahrung der Sch\u00f6pfung. Die \u00d6kumene muss jetzt ihre Chance wahrnehmen, aktiv den Prozess des geschichtlichen Wandels mitzugestalten.<\/p>\n<p>Das fr\u00fchere Vertrauen in den unaufh\u00f6rlichen Fortschritt, als k\u00f6nnten Wissenschaft und Technologie f\u00fcr jedes erdenkliche Problem eine L\u00f6sung finden und allein f\u00fcr die Ordnung der Gesellschaft verantwortlich sein, nimmt ab. Im beschleunigten Prozess der Globalisierung mit all seinen Auswirkungen f\u00fcr den kulturellen und moralischen Zusammenhalt der Gesellschaft suchen immer mehr Menschen nach umfassender Sinngebung und nach spiritueller Verwurzelung in der Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Wachsende konservative und fundamentalistische Tendenzen unter Kirchengliedern erschweren die Ausweitung und Vertiefung \u00f6kumenischer Gemeinschaft. Die christliche \u00d6kumene m\u00fcsste aber doch als Modell f\u00fcr die weltweite menschliche Gemeinschaft dienen! Das Engagement f\u00fcr die \u00d6kumene erfordert daher auch theologische \u00dcberlegungen zu unserem Thema, zur Kl\u00e4rung der Grundlagen \u00f6kumenischer Bem\u00fchungen.<\/p>\n<p>Ion Bria, ein rum\u00e4nischer \u00d6kumeniker aus Genf, wurde bekannt als Organisator zahlreicher Konsultationen und Autor einiger Niederschriften zum Thema \u201eVerst\u00e4ndnis der missionarischen Berufung der Kirche\u201c. Bria verkn\u00fcpft \u00d6kumene mit Mission und unterstreicht das Ethos der orthodoxen Mission als eine \u201eLiturgie nach der Liturgie\u201c, als Fortsetzung der Eucharistie in der Kirche im allt\u00e4glichen Leben der Gl\u00e4ubigen. F\u00fcr Bria ist die Eucharistie kein Selbstzweck, sondern Dienst f\u00fcr die Auferbauung des einen Leibes Christi.<\/p>\n<p>Die Liturgie ist a) die Versammlung des Volkes Gottes und b) das Aussenden der Gemeindemitglieder, um in der Welt wahrhaftige Zeugen der Liebe Gottes zu sein. Also beruht die Mission der Kirche auf der ausstrahlenden und verwandelnden Kraft der Liturgie. Die Liturgie bestimmt das geistliche Zeugnis eines jeden Christen. Das sichert auch der \u00d6kumene die n\u00f6tige Spiritualit\u00e4t und sch\u00fctzt gegen Entmutigung und \u00d6kumenem\u00fcdigkeit.<\/p>\n<p>Dieser bedeutende orthodoxe Beitrag der Liturgie nach der Liturgie wurde von Vater George Tsetsis, ebenfalls aus Genf, und Herrn Papaderos von der orthodoxen Akademie auf Kreta noch erweitert. Diese beiden Theologen gehen von dem einigenden Faktor der Liturgie aus, dem liturgischen Prinzip, um auf die \u00f6kumenische Berufung und den Dienst an Welt\/Kultur\/Politik\/Menschen als liturgische Diakonie hinzuweisen. \u00d6kumenische Bem\u00fchung sei keine Pflicht oder moralische Haltung gegen\u00fcber der Misere unserer zerstrittenen Welt, etwas Zus\u00e4tzliches zu unserer Gemeinschaft in Christo, sondern echter Ausdruck unserer heiligen eucharistischen Gemeinschaft, eben Brias Liturgie nach der Liturgie. Die Herausforderungen der \u00d6kumene w\u00fcrden dann zum Segen, wenn wir uns immer wieder zur Liturgie, zu Christo selbst zur\u00fcckwenden, in dem die Kirche ihr Sein und ihre Aufgabe hat. Daraus str\u00f6mt die Mission der Kirche als Leib Christi, der ganzen Welt das Evangelium zu bringen. Gott Vater sendet seinen eigenen, geliebten Sohn, um alles mit sich zu vers\u00f6hnen und durch den Heiligen Geist zu vereinigen. Es ist Gottes Wille von Ewigkeit her, alle Dinge in Christo zu vereinigen.<\/p>\n<p>Tsetsis und Papaderos gehen geradezu auf orthodoxe Vorurteile ein, wo angeblich die horizontalen Aktivit\u00e4ten (sozial-politischen) die vertikalen Dimensionen (theologischen) an den Rand dr\u00e4ngen. Jeder Versuch, die beiden Dimensionen der Einheit und der Mission voneinander zu trennen, verletzt die Ganzheit des Dienstes Christi an der Welt. Beide Gebote geh\u00f6ren zum Wesen der Kirche als Leib Christi.<\/p>\n<p>Diese theologischen \u00dcberlegungen waren \u00e4u\u00dferst wichtig, um die Ausweitung und Vertiefung \u00f6kumenischer Gemeinschaft angesichts der Herausforderungen der modernen Gesellschaft zu verstehen. In der \u00d6kumene wurde das orthodoxe Zeugnis dankbar und sehr nachhaltig aufgenommen. Die theologischen Gedankeng\u00e4nge und Begriffsunterscheidungen gaben auch besonders den Orthodoxen der europ\u00e4ischen Diaspora Zusammenhalt und Impulse f\u00fcr den weiteren \u00f6kumenischen Weg.<\/p>\n<p>Heute befasst sich der griechische Metropolit Johannes Zizioulas in der \u00d6kumene mit der kritischen Aufarbeitung der traditionellen theologischen Positionen, von denen sich die Orthodoxen bisher in ihrer Beteiligung an der \u00f6kumenischen Bewegung haben leiten lassen. F\u00fcr Zizioulas stellt dies eine Herausforderung an die Orthodoxie selbst dar.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der \u00f6kumenischen Diskussion zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe wirft Zizioulas die Frage auf, inwiefern dies auch eine Anerkennung von Ekklesialit\u00e4t auf Seiten der nicht-kanonischen Gemeinschaft zur Folge haben m\u00fcsse. Zizioulas schlie\u00dft sogar nicht aus, dass der \u00f6kumenischen Bewegung eine ekklesiologische Bedeutung zugesprochen werden k\u00f6nnte: alles, was zur Auferbauung des Geheimnisses der Kirche beitr\u00e4gt, was dem Leben und der Einheit der Kirche zur Anerkennung und Erf\u00fcllung verhilft, ist von ekklesiologischer Bedeutung. Seine kritische Anfrage geh\u00f6rt zur Debatte, ob die \u00d6kumene in der s\u00e4kularisierten Welt nicht zu einer rein weltlichen Organisation werden wird.<\/p>\n<p>Der ehemalige russische Metropolit von Smolensk und jetzige russische Patriarch Kyrill seinerseits erinnert an die Toronto-Erkl\u00e4rung mit ihren strengen Abgrenzungen als Basis des gemeinsamen Verst\u00e4ndnisses innerhalb der \u00d6kumene. Auf dieser Basis sollen Dialog und Zusammenarbeit der Kirchen auf dem Weg zur Einheit fortgesetzt werden. Eine Vertiefung der \u00f6kumenischen Gemeinschaft ist f\u00fcr Kyrill ein Wunschdenken, ohne dass sie je in einer wirklichen Ausweitung des \u00f6kumenischen Bewusstseins in der Geschichte Wurzeln gefasst hat. Das Papsttum einerseits und der fehlende Zugang der protestantischen Theologie zur normativen und verpflichtenden Tradition der Kirche andererseits verhindern laut Kyrill wirklichen Fortschritt. Die Legitimierung einer unbegrenzten Vielfalt in Verbindung mit dem Begriff Pluralismus entfernen die Kirchen des s\u00e4kularisierten Westen von den absoluten moralischen Normen der biblischen Tradition. Dies geh\u00f6rt f\u00fcr Metropolit Kyrill in den umfassenderen Kontext der kulturellen Konflikte, die im 21. Jahrhundert auf die Kirchen und die \u00f6kumenische Bewegung zukommen werden.<\/p>\n<p>Hier stellt sich die Frage nach dem gemeinsamen Verst\u00e4ndnis der \u00d6kumene, Priorit\u00e4ten zu erkennen, um unsere ausdr\u00fcckliche Mitverantwortung bei den Ver\u00e4nderungsprozessen im lokalen, nationalen, regionalen und weltweiten Kontext besser wahrnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Mutterkirchen der europ\u00e4ischen Diaspora befassen sich heute in den L\u00e4ndern Osteuropas nach einer langen Periode der Unterdr\u00fcckung und Marginalisierung damit, wieder ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. \u00d6kumenische Kontakte mit den entsprechenden Einfl\u00fcssen werden hier und da als unwillkommen und st\u00f6rend zur\u00fcckgewiesen. Paradoxerweise macht gerade in Serbien das Beispiel der Einf\u00fchrung des Religionsunterrichts in den Schulen deutlich, wie solide die \u00f6kumenische Zusammenarbeit funktioniert. Das ist ein wichtiger Beitrag f\u00fcr die Rolle der Kirche beim Aufbau der Gesellschaft in Serbien, gleichzeitig aber auch f\u00fcr das \u00f6kumenische Zeugnis in der europ\u00e4ischen Diaspora.<\/p>\n<p>Bei aller \u00dcberlastung, der die Mutterkirchen ausgesetzt sind, tun die Orthodoxen Kirchen Osteuropas ihr bestm\u00f6gliches, die Herausforderungen der \u00d6kumene im Hinblick auf das 21. Jahrhundert anzunehmen. Heute kann man von einer historischen \u00dcbergangssituation sprechen, in der sich Kirche und Gesellschaft befinden. Weltweite Ver\u00e4nderungsprozesse f\u00fchren zur Pr\u00fcfung des Selbstverst\u00e4ndnisses nicht nur der \u00d6kumene und ihrer Orientierung, sondern auch der orthodoxen Kirche selbst. Daf\u00fcr kann das Zeugnis der orthodoxen Diaspora in Westeuropa von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung sein.<\/p>\n<p>Die Erwartung an die Kirchen Europas, durch \u00d6kumene zur Entsch\u00e4rfung oder \u00dcberwindung von gesellschaftlichen und politischen Konflikten beizutragen, wird immer dringlicher. Nur durch beispielhafte \u00f6kumenische Konfliktbearbeitung zur \u00dcberwindung schmerzlicher Trennung werden der Friedensauftrag der Kirche und seine heutige Relevanz seitens der suchenden Welt nicht in Frage gestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Indem die Kirchen zeigen, dass der Dialog empfindliche Gegens\u00e4tze zu \u00fcberwinden vermag und durch Kl\u00e4rung schwierigster \u00f6kumenischer Fragen zur Einheit f\u00fchrt, k\u00f6nnte sich die \u00d6kumene entscheidend auswirken auf die Suche der sich globalisierenden Welt nach tragf\u00e4higen Formen weltweiter menschlicher und friedlicher Gemeinschaft im 21. Jahrhundert beziehungsweise im dritten Jahrtausend.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich begr\u00fc\u00dfe dieses von der Katholischen Akademie Bayern, der Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI. Stiftung und dem Papst Benedikt Institut angeregte gemeinsame Nachdenken \u00fcber das Thema \u201eEuropa \u2013 christlich?\u201c, weil es eine Hoffnung ausspricht, der wir uns anvertrauen k\u00f6nnen und d\u00fcrfen, und daher habe ich die Einladung zu dem Gespr\u00e4ch sehr gerne angenommen. 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