{"id":117905,"date":"2026-01-16T16:51:58","date_gmt":"2026-01-16T15:51:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=117905"},"modified":"2026-01-16T16:52:01","modified_gmt":"2026-01-16T15:52:01","slug":"braucht-es-eine-kirche-und-wenn-ja-welche-eck-und-luther-kontrovers","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/braucht-es-eine-kirche-und-wenn-ja-welche-eck-und-luther-kontrovers\/","title":{"rendered":"Braucht es eine Kirche und wenn ja, welche?"},"content":{"rendered":"<p>In aktuellen Auseinandersetzungen um Kirche wird es oft grunds\u00e4tzlich: \u201eBraucht es heute \u00fcberhaupt eine Kirche?\u201c Manche Negativschlagzeile wird auspackt, um die Diskussion zuzuspitzen. Die Frage nach dem Warum und Wozu von Kirche ist kein Randph\u00e4nomen mehr. Selbst Menschen, die sich als gl\u00e4ubig bezeichnen, sagen: \u201eIch kann doch auch zu Hause beten.\u201c<\/p>\n<p>H\u00e4tte man Eck (1486-1543) und Luther (1483-1546) die Frage gestellt: \u201eBraucht es eine Kirche?\u201c, h\u00e4tten beide in \u2013 wir w\u00fcrden heute sagen \u2013 \u201e\u00f6kumenischer Verbundenheit\u201c geantwortet: Selbstverst\u00e4ndlich braucht es eine Kirche. Die Gesellschaft des Sp\u00e4tmittelalters, in die Luther 1483 und drei Jahre sp\u00e4ter Eck hineingeboren wurden, war tief kirchlich gepr\u00e4gt und das Alltagsleben der Menschen von kirchlichem Tun durchdrungen. Auch theologisch war beiden von der Heiligen Schrift her selbstverst\u00e4ndlich, dass es eine Kirche braucht. Es stellte sich nur die Frage: welche?<\/p>\n<p>Der Vortrag geht \u2013 gem\u00e4\u00df dem Untertitel \u2013 der Kontroverse zwischen Eck und Luther nach, die sich bald auf die Frage nach der Kirche konzentrierte (1). Manchmal wird Eck, wenn er beim Reformationsgedenken \u00fcberhaupt wahrgenommen wird, nur als der gesehen, der sich den Reformen entgegengestellt hat. Daher soll im Sinn einer Apologie f\u00fcr Eck sowohl seine kontroverstheologische Argumentation in Wort und Schrift (2 und 3) als auch sein vielf\u00e4ltiges Wirken f\u00fcr die Kirche und ihre Reform(versuche) gew\u00fcrdigt werden (4). Die biographischen Hinweise werden schlie\u00dflich in der Frage nach seiner Handlungsmotivation geb\u00fcndelt (5). Ein Blick wieder zur\u00fcck in die Gegenwart schlie\u00dft den Vortrag ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Kontroverse bahnt sich an\u2026<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eck und Luther kamen \u00fcber den N\u00fcrnberger Ratherrn Christoph Scheurl (1481-1542) im Fr\u00fchjahr 1517 in brieflichen Kontakt. Luther bezeichnete in einem Brief an Scheuerl Eck als \u201esehr gebildeten und sehr begabten Mann\u201c und Eck nannte Luther einmal \u201eunseren Freund\u201c. Doch sollte sich ihr Verh\u00e4ltnis bald nachhaltig \u00e4ndern. Als die 95 Ablassthesen Luthers, die entgegen der verbreiteten Meinung Melanchthons (1497-1560) wohl nie an die T\u00fcr der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen wurden, \u00fcber Scheurl zu Eck gelangten, entwickelte er sich mehr und mehr zum Kontroverstheologen. Zwar stand er den damaligen Missbr\u00e4uchen des Ablasses kritisch gegen\u00fcber und h\u00e4tte mit Luther dar\u00fcber auch disputiert, doch lehnte er seine Thesen zum Bu\u00dfsakrament ab. Auf Wunsch des Eichst\u00e4tter Bischofs Gabriel von Eyb (1455-1535) verfasste Eck f\u00fcr dessen pers\u00f6nlichen Gebrauch \u201eAdnotationes\u201c (Anmerkungen) zu 18 von Luthers Thesen. Doch gelangten sie wegen Indiskretionen durch den Eichst\u00e4tter Domherrn Bernhard Adelmann von Adelmannsfelden (1457\/59-1523) in die H\u00e4nde Luthers. Luther nannte Ecks Anmerkungen \u201eObelisci\u201c (Spie\u00dfchen) und beantwortete sie seinerseits mit den \u201eAsterici\u201c (Sternchen). Weitere schriftliche Auseinandersetzungen folgten, in denen sich die Frage vom Ablass hin zum Papsttum verschoben hatte. Hier handelte es sich noch um eine Disputation zwischen Gelehrten. Einen \u00f6ffentlichen Konflikt wollten beide, Luther und Eck, nicht entfachen.<\/p>\n<p>Zu einem offenen Streit kam es erst, als der Wittenberger Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, sich einmischte und gegen Luthers Willen 406 Thesen ver\u00f6ffentlichte, von denen sich \u00fcber 100 gegen Eck richteten. Luther bat Eck daraufhin schriftlich, gem\u00e4\u00dfigt zu reagieren, was Eck auch tat. Am Ende bot Eck eine Disputation mit Karlstadt an. Auch Luther wurde in den Konflikt einbezogen, sodass es zu den bekannten Leipziger Disputationen kam, auf denen Eck zuerst mit Karlstadt und anschlie\u00dfend mit Luther debattierte. Zeit und Ort hatten Eck und Luther auf dem Augsburger Reichstag 1518, wo sie sich zum ersten Mal direkt begegneten, anvisiert. Auch beim dortigen Verh\u00f6r Luthers durch Kardinal Cajetan trat ausgehend vom Ablass vor allem Luthers Stellung zur Lehrgewalt der Kirche, insbesondere des Papstes, als Kernpunkt der Kontroverse hervor, sodass dies auch in der Leipziger Disputation mit Luther im Fokus stand. Es ging also um unsere Ausgangsfrage: Kirche ja, aber welche?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Leipziger Disputation: Theologische Konfrontation<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Disputation, die vom 27. Juni bis 15. Juli 1519 auf der Leipziger Plei\u00dfenburg stattfand, war von gegenseitigen Beschuldigungen und Polemik gepr\u00e4gt, sodass der herzogliche Rat C\u00e4sar Pflug beide ermahnen musste, die Beleidigungen zu unterlassen. Interessanter ist die theologische Diskussion. Es ist hier nicht der Rahmen, alle Einzelheiten zu nennen. Exemplarisch soll die Debatte um den Primat des Papstes n\u00e4her angesehen werden. Schon im Vorfeld hatten Eck und Luther sich auf die Frage verst\u00e4ndigt: \u201eKommt dem Stuhl zu Rom von Anfang an die Herrschaft \u00fcber die Kirche zu?\u201c Es wird sich zeigen, wie sehr die Kontroverse ein Streit um die rechte Schriftauslegung war.<\/p>\n<p>Nach Luther verbiete schon Paulus mehrfach in 1 Kor 3 die Berufung auf irgendwelche Parteif\u00fchrer in der Kirche, so etwa in 3,5: \u201eWas ist den Apollos? Und was ist Paulus?\u201c Luther f\u00fcgt ein: \u201eWas ist Petrus?\u201c Oder in 3,22f: \u201ePaulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles geh\u00f6rt euch; ihr aber geh\u00f6rt Christus.\u201c Kephas\/Petrus habe hier also keine Sonderstellung. Gegen den Einwand, dass bereits Hieronymus Paulus in Einklang mit der Primatsgewalt des Petrus erkl\u00e4rt habe, blieb f\u00fcr Luther g\u00fcltig, dass eine Autorit\u00e4t auf geringerer Stufe (hier Hieronymus) nicht von einer Autorit\u00e4t auf h\u00f6herer Stufe (hier Paulus) abf\u00fchren d\u00fcrfe. Dazu machte Eck klar, er wolle nicht die Autorit\u00e4t des Paulus herabsetzen, aber im Gegensatz zu Luther wolle er die Autorit\u00e4ten der Kirche nicht auseinanderrei\u00dfen. Es sei doch sehr wahrscheinlich, dass Hieronymus diese Stelle des Paulus recht verstanden habe. Zwischen den Zeilen h\u00f6rt man heraus: Eck glaubt lieber dem Hieronymus als den Wittenbergern.<\/p>\n<p>Was sich hier angedeutet hat, zeigte sich noch deutlicher an der anschlie\u00dfenden Diskussion zu Mt 16,18: \u201eDu bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen\u201c. Hieran l\u00e4sst sich die grunds\u00e4tzliche Art von Ecks Schriftauslegung erkennen. Er verwies auf den Konsens der Kirche, indem er eine scheinbar nicht endende Reihe heiliger Lehrer aufz\u00e4hlte, die mit dieser Stelle den p\u00e4pstlichen Primat erkl\u00e4rten: Cyprian (\u2020 258), Augustinus (\u2020 430), Hieronymus (\u2020 420), Ambrosius (\u2020 397), Chrysostomus (\u2020 407), Leo der Gro\u00dfe (\u2020 461) und Bernhard von Clairvaux (\u2020 1153). Au\u00dferdem f\u00fcgte Eck noch die Dekrete der P\u00e4pste Anaklet (79-90\/92), Marcellus (307-308\/9) und Pelagius (556-561) sowie Konzilsentscheidungen wie etwa die Verurteilung der Irrlehren des Wyklif (\u2020 1384) und Hus (\u2020 1415) und die Bulle \u201eUnam sanctam\u201c von Bonifaz VIII. (1294-1303) an. Sie alle stimmten darin \u00fcberein, dass Petrus die Herrschaftsgewalt in der Kirche von Christus empfangen habe. Wer das ablehne, stelle sich gegen den \u201econsensus ecclesiae\u201c, gegen den Konsens der Kirche und der Heiligen. Das bedeute, allein gegen die Kirche zu stehen, mit einer unsicheren Meinung der bew\u00e4hrten und anerkannten Autorit\u00e4t der Kirche zu widersprechen und sich in die \u201esingularitas\u201c zu stellen, was man heute mit Subjektivismus \u00fcbersetzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Man hat Eck vorgeworfen, mehr durch die Aneinanderreihung von Zitaten und Belegen \u00fcberzeugen zu wollen und dabei vor allem sein umfangreiches Wissen und exzellentes Ged\u00e4chtnis herauszustellen. Der evangelische Kirchenhistoriker Manfred Schulze hat Eck in diesem Punkt in Schutz genommen und aufgezeigt: \u201eDie Masse der geschichtlichen Belege ist ein Qualit\u00e4tsmerkmal, denn die Masse offenbart den \u201aconsensus ecclesiae\u2019.\u201c F\u00fcr Eck bildeten die Schrift und die Auslegung der Schrift durch die Kirche eine innere Einheit. Eck sah sich als Verteidiger dieses Konsenses und daher als rechten Ausleger der Schrift.<\/p>\n<p>Luther lie\u00df sich von Ecks Argumentation nicht \u00fcberzeugen. Nach berechtigten Zweifeln an der Historizit\u00e4t des Dekrets von Anaklet entgegnete Luther, dass er zwar das Papstamt als \u201ede iure humano\u201c, also als menschliches Recht, nicht abschaffen wolle, doch sei es eben nicht \u201ede iure divino\u201c. Eck h\u00e4tte zwar vorgegeben, das Papstamt als g\u00f6ttliches Recht, also aus der Schrift zu beweisen, doch habe er nur die Autorit\u00e4t der V\u00e4ter bem\u00fcht, sodass auch das Papstamt nur menschliches Recht sein k\u00f6nne. Pointiert formulierte er: \u201eAuch wenn Augustin und alle V\u00e4ter in Petrus den Felsen der Kirche erblicken sollten, so werde ich ihnen \u2013 selbst als einzelner \u2013 dennoch widerstehen, gest\u00fctzt auf des Apostels Autorit\u00e4t, gest\u00fctzt also auf g\u00f6ttliches Recht.\u201c Da nach Paulus Christus das Fundament der Kirche ist, k\u00f6nne es nicht Petrus sein. Daher legte Luther die Mt-Stelle so aus, dass nicht Petrus, sondern der Glaube an Christus der Fels sei. Der offenkundigere Text (hier Paulus) habe den weniger offenkundigen (hier Matth\u00e4us) auszulegen. Damit wird deutlich: Die Schrift wurde zur einzigen Richtschnur des Glaubens. Das \u201esola scriptura\u201c-Prinzip wurde also de facto schon in Leipzig aufgestellt, wenn es auch erst sp\u00e4ter von Philipp Melanchthon ausdr\u00fccklich hervorgehoben wurde.<\/p>\n<p>Bis dahin l\u00e4sst sich festhalten: Schrift und Tradition traten bei Luther auseinander, ja sie k\u00f6nnten sogar wie beim Primat des Papstes gegeneinander stehen. F\u00fcr Eck hingegen bildete die Einheit von Schrift und Tradition geradezu die Grundlage seiner Argumentation. Die Kirche war f\u00fcr Eck notwendig, um die Schrift in rechter Weise auszulegen. Hier sieht man, wie bibelhermeneutische Vorentscheidungen weit mehr sind als akademische theologische Diskussion, sondern grundlegende praktische Dimensionen haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es erstaunt nicht, dass auch zu anderen diesbez\u00fcglichen Schriftstellen wie \u201eIch aber habe f\u00fcr dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann st\u00e4rke deine Br\u00fcder\u201c (Lk 22,32) oder zum Auftrag des Auferstandenen an Petrus (Joh 21,15-17: \u201eWeide meine Schafe!\u201c) keine Einigung erzielt werden konnte.<\/p>\n<p>In der Leipziger Disputation kam au\u00dferdem die kirchliche Lehrautorit\u00e4t zur Sprache. Weil die Schrift nicht immer eindeutig sei, wie Luther zugab, k\u00f6nne nach Eck die Berufung auf die Schrift allein die Einheit des Glaubens nicht sichern. Schlie\u00dflich habe auch Arius mit Schriftstellen seine H\u00e4resie verteidigt.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf \u00e4u\u00dferte Luther die Ansicht, dass wenn sich die Oberhoheit des Papstes zum Schaden f\u00fcr die Kirche auswirken w\u00fcrde, sie ganz aus der Kirche entfernt werden m\u00fcsse, weil \u201emenschliche Rechte und Gewohnheiten [\u2026] nicht gegen die Kirche Krieg f\u00fchren\u201c d\u00fcrften. Hier zeigten sich schon Ans\u00e4tze der sp\u00e4teren Ablehnung des Papstes als Antichrist, was er Spalatin schon im Fr\u00fchjahr 1519 als Vermutung ins Ohr gefl\u00fcstert hatte. Dann lenkte Eck Luther in die N\u00e4he des vom Konstanzer Konzil (1415) verurteilten Jan Hus und brachte ihn zur Aussage, dass sich die Konzilien geirrt h\u00e4tten. So konnte Eck Luther spitzz\u00fcngig vorwerfen: \u201eDas ist wahrhaft b\u00f6hmisch, die Heilige Schrift besser verstehen zu wollen als die Konzilien, die P\u00e4pste, die Doktoren und Universit\u00e4ten, die eine gro\u00dfe Kraft besitzen, da der Heilige Geist seine Kirche nicht verl\u00e4sst. Es w\u00e4re au\u00dferdem verwunderlich, wenn Gott jene Wahrheit so vielen Heiligen und M\u00e4rtyrern verborgen h\u00e4tte bis zum Auftreten des verehrten Paters.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Lutheraner nach der Disputation gleich abreisten, blieb Eck noch elf Tage in Leipzig. Er sah sich als offensichtlichen Gewinner und kostete dies, auch wenn die Entscheidung der Fakult\u00e4ten von Erfurt und Paris noch ausstand, bei etlichen Einladungen und Predigten gegen Luther aus. Alle \u201ew\u00fcnschten, mich bei sich zu haben\u201c, res\u00fcmierte Eck in einem Brief vom 26. August desselben Jahres.<\/p>\n<p>Luther selbst hat Eck sp\u00e4ter als Sieger der Disputation anerkannt, wie eine Bemerkung zum Augsburger Reichstag 1530 zu erkennen gibt: \u201eEck will, wie ich sehe, auch in Augsburg Sieger sein, wie er es schon in Leipzig war.\u201c In einem Brief an den Kurf\u00fcrsten Friedrich von Sachsen (1463-1525) schrieb Luther r\u00fcckblickend: \u201eAlso gibt man uns in Maul, dass wir, wir wollen oder wollen nit, sagen m\u00fcssen: Das Concilium hat geirret.\u201c Ein solcher Satz war f\u00fcr Luther, der ja schon einen kirchlichen Prozess gegen sich hatte, verheerend.<\/p>\n<p>Wie l\u00e4sst sich die Disputation bewerten? In Leipzig wurden die Fronten gekl\u00e4rt und auf beiden Seiten die jeweiligen theologischen Vorentscheidungen offenkundig. Nach dem katholischen Kirchenhistoriker Erwin Iserloh, der eine detaillierte Eck-Biographie verfasst hat, kam Eck das Verdienst zu, als erster \u201eangesichts der dogmatischen Unklarheit seiner Zeit deutlich gemacht zu haben, dass Luther nicht Reform, sondern Angriff auf die Struktur der Kirche bedeutete.\u201c Eck kam zur \u00dcberzeugung, dass wenn Luthers Positionen Schule machen, die Einheit der Kirche gef\u00e4hrdet sein wird.<\/p>\n<p>Deshalb arbeitete Eck an der Bannandrohungsbulle \u201eExsurge Domine\u201c (1520) in Rom mit, nach der der Bann eintrete, wenn Luther nicht innerhalb von 60 Tagen widerrufen sollte. Eck bem\u00fchte sich, die Bulle in Deutschland bekannt zu machen, doch stie\u00df sie auf Widerstand und verfehlte ihre Wirkung. Die Zeiten, durch einen p\u00e4pstlichen Bannstrahl die Gegner auszuschlie\u00dfen, um die kirchliche Einheit zu erhalten, waren vorbei. Luther selbst suchte die Bulle anfangs mit der Schrift \u201eVon den Eckschen Bullen und L\u00fcgen\u201c als unecht und Machwerk Ecks und der Kurie darzustellen, von dem der Papst nichts wisse. Die Identifikation der Bulle mit Eck ging so weit, dass er am 10. Dezember 1520 mit der Bulle und kanonistischen B\u00fcchern ebenso Ecks Erstlingswerk Chrysopassus in Wittenberg \u00f6ffentlich den Flammen \u00fcbergab.<\/p>\n<p>Die Kontroverse um den Primat des Papstes, die Eck in Leipzig m\u00fcndlich mit Luther gef\u00fchrt hatte, ver\u00f6ffentlichte Eck ausf\u00fchrlich in seinem dreib\u00e4ndigen Buch \u201eDe primatu Petri\u201c. Damit wurde ein weiterer wichtiger Punkt Ecks ber\u00fchrt, n\u00e4mlich seine kontroverstheologischen Schriften, mit denen er argumentativ f\u00fcr den \u00fcberlieferten Glauben sich eingesetzt hat. Unter ihnen ragt sein Enchiridion von 1525 besonders heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Zur Ekklesiologie Ecks nach dem Enchiridion<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das \u201eEnchiridion locorum communium adversus Lutherum\u201c (in sp\u00e4teren Auflagen mit dem Zusatz: \u201eet alios hostes ecclesiae\u201c), zu Deutsch: \u201eHandb\u00fcchlein der allgemeinen Pl\u00e4tze gegen Luther (und andere Feinde der Kirche)\u201c, war Ecks verbreitetste Schrift. Nach Erwin Iserloh war sie sogar die \u201emeistgelesene [\u2026] katholische Literatur des 16. Jahrhunderts\u201c \u2013 mit 121 Ausgaben und \u00dcbersetzungen in Deutsche, Fl\u00e4mische und Franz\u00f6sische sozusagen ein \u201eBestseller der Gegenreformation\u201c. Das Buch war als katholischer Gegenentwurf zu Melanchthons \u201eLoci communes\u201c gedacht. Es sollte eine Argumentationshilfe f\u00fcr Gelehrten wie f\u00fcr Laien werden. Nach Ecks Einleitung zur deutschen Ausgabe, die er selbst f\u00fcr den Reichstag zu Augsburg anfertigte, sollten sich so besonders auch die Einf\u00e4ltigeren gegen die Irrt\u00fcmer sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Inhaltlich griff Eck darin s\u00e4mtliche strittige Punkte auf und versuchte argumentativ aus der Schrift den katholischen Glauben darzulegen.<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht nicht, dass am Anfang eine Erkl\u00e4rung zum Wesen der Kirche steht, da er darin einen wesentlichen Punkt der Auseinandersetzung erkannte: \u201eDie Kirche ist der Leib Christi, die Braut Christi und das Himmelreich.\u201c Eck begann also mit einer geistlichen Perspektive. Sodann entfaltete er die Ekklesiologie in der Lehre von den Konzilien, vom Primat und von der Schrift. Die Notwendigkeit der Kirche als Interpretationsinstanz sehe man schon daran, dass Lutheraner und Zwinglianer eine andere Auffassung zur Eucharistie vertreten. Wer soll nun Richter sein, da sich beide auf die Schrift berufen? Ferner behandelte Eck gegen das protestantische \u201esola gratia\u201c die Verwiesenheit von Glaube und Werken. Nach diesen Grundpositionen ging Eck zur ihrer konkreten Anwendung \u00fcber und behandelte die Sakramente der Kirche. Er verteidigte bei Anerkennung des allgemeinen Priestertums das Weiheamt, die sakramentale Beichte, die Firmung, die Letzte \u00d6lung (Krankensalbung) sowie die Messe als Opfer. Auff\u00e4lligerweise wurde die Taufe nicht behandelt, weil man sich mit den Lutheranern darin einig war. Sodann folgten verschiedene Kirchenbr\u00e4uche wie Feste und Fasten, Heiligenverehrung oder Z\u00f6libat. Dem Werk wurden in sp\u00e4teren Auflagen weitere Kapitel hinzugef\u00fcgt, so etwa die Begr\u00fcndung der Kindertaufe gegen die Wiedert\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Interessant ist vor allem die Vorgehensweise im Enchiridion. In fast allen Kapiteln trug Eck einleitend thematisch geordnet zahlreiche Belegstellen aus der Schrift zusammen, um den Reformatoren, die allein die Bibel als Grundlage akzeptierten, zu demonstrieren, dass der Glaube der Kirche auf der Schrift basiert. Dann wurden die protestantischen Einw\u00e4nde kurz erw\u00e4hnt (\u201eObiiciunt haeretici\u201c), um sie anschlie\u00dfend argumentativ zu entkr\u00e4ften (\u201eDiluuntur obiecta\u201c \/ \u201eRespondent catholici\u201c) und die traditionelle Lehre zu entfalten.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich zum Enchiridion festhalten: Es ist eine Teilantwort auf die eingangs gestellte Grundfrage, welche Kirche es nach Eck gebraucht hat. Denn in diesem Buch machte Eck deutlich, wie er die Kirche aus der Hl. Schrift und der Tradition heraus grunds\u00e4tzlich und in ihren konkreten Vollz\u00fcgen verstanden hat. Auch wenn Eck wie andere katholische Theologen seiner Zeit keine geschlossene, systematische Ekklesiologie vorgelegt hat, spiegelt dieses Buch explizit die damaligen Auseinandersetzungen \u2013 und auch etliche Punkte, die leider bis heute bei allem \u00f6kumenischen Bem\u00fchen noch nicht gekl\u00e4rt sind.<\/p>\n<p>Bisher stand Eck als Kontroverstheologe in Wort und Schrift im Fokus. Doch er hatte auch einen kritischen Blick f\u00fcr die innerkirchliche Wirklichkeit und einen Sinn f\u00fcr das Praktische.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Notwendige Reform der Kirche als Anliegen Ecks<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei aller grunds\u00e4tzlichen Loyalit\u00e4t zur Kirche war Eck keineswegs blind f\u00fcr ihre Fehler und Missst\u00e4nde. Seiner \u00dcberzeugung nach konnte die Abwehr der reformatorischen Ideen nur wirksam sein, wenn zugleich eine notwendige Reform der Kirche von innen her vorangetrieben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Diese \u201eDoppelstrategie\u201c \u2013 Abwehr und Erneuerung \u2013 versuchte er auf verschiedenen Ebenen umzusetzen \u2013 erstens mit kirchenpolitischen Instrumenten: Bei seinem dritten Romaufenthalt von M\u00e4rz bis Dezember 1523 setzte er sich f\u00fcr die landeskirchlichen Interessen Bayerns, f\u00fcr die Ingolst\u00e4dter Universit\u00e4t und f\u00fcr die Kirchenreform ein. F\u00fcr innerkirchliche Reformen schien die Zeit g\u00fcnstig geworden zu sein, zumal Papst Hadrian VI. (1522-1523) im selben Jahr auch eine Mitschuld f\u00fcr das Entstehen der Reformation auf dem N\u00fcrnberger Reichstag durch seinen Legaten eingestehen lie\u00df. In zw\u00f6lf Denkschriften fixierte Eck die Gespr\u00e4chsergebnisse mit dem Papst. Darin kritisierte Eck einerseits freim\u00fctig Missst\u00e4nde der Kurie und besonders des Ablass- und Benefizienwesens und schilderte andererseits seine Reformideen: Sein Grundanliegen war die Wiederbelebung des Synodalwesens ins Deutschland. Da an ein Generalkonzil derzeit nicht zu denken sei, sollten unter Beteiligung p\u00e4pstlicher Legaten in Deutschland Provinzial- und Di\u00f6zesansynoden durchgef\u00fchrt werden, um Ma\u00dfnahmen gegen die korrupten Sitten des Klerus in Gang zu setzen. Die Bisch\u00f6fe sollten Vorbildfunktion haben, theologisch kompetent und flei\u00dfig in Predigt und Lehre sein, Prediger und Bettelm\u00f6nche \u00fcberwachen, das moralische Verhalten des Klerus einsch\u00e4rfen und sich gegen die lutherische H\u00e4resie einsetzen. Sorgf\u00e4ltig sei auf die Auswahl der k\u00fcnftigen Priester zu achten.<\/p>\n<p>Eck entwarf au\u00dferdem Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Mustersynode in M\u00fcnchen f\u00fcr die Salzburger Kirchenprovinz. F\u00fcr die Ausf\u00fchrung ihrer Beschl\u00fcsse seien die bayerischen Herz\u00f6ge, mit denen Eck kirchenpolitisch eng verbunden war, einzubeziehen. Eine solche Mustersynode kam jedoch nicht zustande. Zumindest entsprach der Regensburger Konvent 1524, der die s\u00fcddeutschen F\u00fcrsten und Bisch\u00f6fe zur Reform der Kirche aktivieren sollte, den Vorstellungen Ecks. Die Reformordnung d\u00fcrfte weitgehend auf ihn zur\u00fcckgegangen sein.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum kirchenpolitischen Engagement leistete Eck zweitens weitere Reformbeitr\u00e4ge f\u00fcr die Seelsorge und die Gl\u00e4ubigen. Die bayerischen Herz\u00f6ge Wilhelm IV. (1493-1550) und Ludwig X. (1495-1545) erteilten der theologischen Fakult\u00e4t Ingolstadt den Auftrag, eine deutschsprachige Predigthilfe f\u00fcr Gemeindepriester zu erstellen, um die auch unter den katholischen Geistlichen kursierenden reformatorischen Predigten zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Aufgrund seiner eigenen Predigterfahrung nahm Eck den Auftrag selbst in die Hand und gab von 1530 bis 1539 ein f\u00fcnfb\u00e4ndiges Predigtwerk mit Predigtanregungen f\u00fcr die Sonn- und Feiertage, zu den Sakramenten und zu den Zehn Geboten heraus. Aufgrund herzoglicher Anordnung mussten alle bayerischen Pfarrer und Kl\u00f6ster die ersten beiden B\u00e4nde kaufen. \u00dcber seine Predigthilfen, die lehrhaft, dogmatisch und teilweise auch abgrenzend formuliert sind, suchte er \u00fcber den Klerus auf das Volk einzuwirken.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang geh\u00f6rt au\u00dferdem Ecks deutsche Bibel\u00fcbersetzung aus dem Jahr 1537. Sie hob sich vor allem sprachlich durch die oberdeutschen Ausdr\u00fccke von der in Ostmitteldeutsch gehaltenen Lutherbibel ab und sollte diese in katholischen Gebieten zur\u00fcckdr\u00e4ngen. F\u00fcr das Neue Testament benutzte er die deutsche Ausgabe des Hieronymus Emser (1478-1527) aus dem Jahr 1527; das Alte Testament ist eine \u00dcbersetzung der lateinischen Vulgata. Obwohl Eck auch des Hebr\u00e4ischen m\u00e4chtig war, orientierte er sich im Gegensatz zu Luther und seinen gelehrten Gehilfen nicht am Original, sondern an dem auch sonst in der Kirche verwendeten lateinischen Text. Ecks Bibel erlebte sieben Auflagen bis 1630 und war vor allem in S\u00fcddeutschland und \u00d6sterreich verbreitet, bis die stark oberdeutschen Begriffe aufgrund des Wandels der Sprache nicht mehr verst\u00e4ndlich waren.<\/p>\n<p>Aufs Ganze gesehen bestand f\u00fcr Eck die innerkatholische Reform haupts\u00e4chlich im Abstellen von Missst\u00e4nden, sodass man im Nachhinein fragen kann, ob er nicht zu sehr auf Verteidigung und Bewahrung ausgerichtet war. Die Ma\u00dfnahmen sollten dabei von oben nach unten durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>Dabei scheint eine Facette spannend: Was Eck als Reformprogramm f\u00fcr die Kirche im Allgemeinen entwickelt hat, spiegelte sich auch an seiner eigenen Praxis vor Ort. Denn in Ingolstadt suchte er als Pfarrer gleichsam selbst umzusetzen, was er sich allgemein f\u00fcr die Kirche vorstellte. Eck stand sechs Jahre der Pfarrei St. Moritz vor und wechselte dann an die Kirche \u201eZur Sch\u00f6nen Unserer Lieben Frau\u201c, dem heutigen M\u00fcnster, wo er von 1525 bis 1532 und erneut von 1538 bis 1540 Pfarrer war. Dazu legte er zu Beginn seiner Amtszeit f\u00fcr sich und seine Nachfolger ein Pfarrbuch mit s\u00e4mtlichen praxisrelevanten Informationen f\u00fcr das Kirchenjahr an, das neuerdings ediert und kommentiert vorliegt. Was Eck nun in den genannten Denkschriften \u00fcber die Priester formulierte, verlangte er von seinen drei Kooperatoren, die die praktische Seelsorge \u00fcbernahmen, und von den 15 Kapl\u00e4nen. Sie mussten ihm zu Beginn ihrer T\u00e4tigkeiten versprechen, keine Nachl\u00e4ssigkeit bei der Spendung der Sakramente aufkommen zu lassen, allen freundlich zu begegnen, sich um die Gesunden wie die Kranken zu sorgen und selbstverst\u00e4ndlich ihre liturgischen Aufgaben bei Messe und Stundengebet getreu wahrzunehmen. Er verlangte Anstand bei Sitten, Worten, Geb\u00e4rden und Kleidung; stets sollten sie auf die Ehre Gottes und das Heil der Seelen bedacht sein.<\/p>\n<p>Seine Hauptaufgabe als Pfarrer sah Eck in der Predigt. Das Pfarrbuch und vor allem seine erhaltenen Predigtskizzen belegen, dass er an allen Sonn- und Feiertagen, manchen Vigiltagen und vermehrt in der Fastenzeit und den Kartagen predigte, im Jahr 1529 sogar 82 Mal. Dass Eck trotz zahlreicher Verpflichtungen stets selbst die Predigt hielt und sie nur in seiner Abwesenheit an einen Kooperator delegierte, zeigt seine hohe Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr das Wort Gottes und seine Verk\u00fcndigung. Teilweise kann man auch \u00dcbereinstimmungen zwischen seinen Predigtskizzen und den gedruckten Predigten erkennen. Gew\u00f6hnlich dauerten Ecks Predigten zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde \u2013 ein damals durchaus \u00fcbliches Ma\u00df, wobei die Predigt nach zeitgen\u00f6ssischer Praxis oft von der Messe losgel\u00f6st und in einen Predigtgottesdienst integriert war, der etliche zus\u00e4tzliche Elemente wie die Verk\u00fcndigung des Evangeliums auf Deutsch sowie zahlreiche weitere Gebete und auch ein volkssprachliches Lied vorsah. Die Passionspredigt an Karfreitag, oft H\u00f6hepunkt einer Predigtreihe zum Leiden Jesu, konnte sogar bis zu zwei Stunden in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p>Im Pfarrbuch liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf der Feier der Liturgie. Mit gro\u00dfer Genauigkeit beschrieb Eck den Gottesdienst im Lauf des Kirchenjahres, sodass er beil\u00e4ufig eine hochinteressante Quelle f\u00fcr den Gottesdienst in der Reformationszeit geschaffen hat. Besonderen Wert legte er auf eine feierliche und w\u00fcrdige Gestaltung, die zahlreiche Prozessionen aufwies und trotz der lateinischen Sprache etliche volksnahe Elemente integrierte. Eine ansprechende Liturgie war f\u00fcr ihn Teil der Seelsorge. Das Pfarrbuch zeigt eine bisher unbeachtete Seite Ecks als achtsamen Liturgen und stellt gleichsam die Innenseite von Ecks Kirchenverst\u00e4ndnis dar \u2013 und zwar jenseits von allem kontroverstheologischen oder kirchenpolitischen Ringen: Denn der Gottesdienst macht f\u00fcr die Menschen Kirche konkret erfahrbar. Liturgie ist Kirche im Vollzug, ist \u201eecclesia orans\u201c \u2013 betende Kirche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Ecks Handlungsmotivation<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem viele Aspekte aus dem Leben Ecks aufgeschienen sind, l\u00e4sst sich fragen, was wohl die Grundmotivation f\u00fcr sein unerm\u00fcdliches Handeln war. Es w\u00e4re zu kurzsichtig, das Engagement Ecks nur ex negativo, nur aus der Gegnerschaft zu Luther erkl\u00e4ren zu wollen. Vielmehr d\u00fcrfte die Erhaltung des Glaubens und das M\u00fchen um die Einheit der Kirche seine Triebfeder gewesen sein.<\/p>\n<p>Mit Blick auf die Leipziger Disputation wird man sicher die Freude an der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Auseinandersetzung in Rechnung stellen d\u00fcrfen, die wohl zum Charakter Ecks z\u00e4hlte und die sich ja auch an anderen Disputationen (etwa in Bologna zum Zins oder in Baden mit den Schweizer Reformatoren) gezeigt hat. Doch urteilte der Eck-Kenner Erwin Iserloh: \u201eWir m\u00fcssen Eck glauben, dass es ihm um mehr als eine gelehrte Disputation ging, n\u00e4mlich um Kirche und Papsttum, die er f\u00fcr zentrale Glaubensinhalte hielt.\u201c Die Bek\u00e4mpfung der Reformatoren und Bewahrung der einen Kirche d\u00fcrfen zumindest f\u00fcr den fr\u00fchen Eck zwei Seiten derselben Medaille gewesen sein.<\/p>\n<p>Diese zwei Seiten zeigten sich auch auf dem Augsburger Reichstag (1530), auf dem Eck eine bedeutende Rolle spielte. Zun\u00e4chst war die Bek\u00e4mpfung das leitende Motiv: Wohl im Auftrag der bayerischen Herz\u00f6ge hatte er daf\u00fcr in 404 Artikeln die Irrt\u00fcmer der Lutheraner, Zwinglianer, Schw\u00e4rmer und Wiedert\u00e4ufer kontextlos und damit der Sache unangemessen aneinandergereiht, weil es ihm darum ging, alle Protestanten beim Kaiser als revolution\u00e4r und gef\u00e4hrlich f\u00fcr das Reich darzustellen. Nachdem die Lutheraner unter F\u00fchrung Melanchthons das Augsburger Bekenntnis zusammengestellt hatten, erarbeiteten katholische Theologen unter Beteiligung Ecks die Katholische Antwort. Sie fiel allerdings so umfangreich und polemisch aus, dass Eck mit anderen Theologen im Auftrag des Kaisers unter hohem Zeitdruck die pr\u00e4gnantere \u201eConfutatio\u201c erarbeiten musste.<\/p>\n<p>Hier nun wurde das Einheitsmotiv st\u00e4rker: Da beide Seiten die Einheit der Kirche erhalten wollten, stellte die \u201eConfutatio\u201c mit Berufung auf die Schrift zuerst die \u00dcbereinstimmungen heraus und erst dann die Differenzen. Hier wie bei den Ausschussverhandlungen zeigte Eck eine an sich bei ihm ungewohnte Kompromissbereitschaft, sodass man sich bei den Lehrartikeln bis auf wenige Restdifferenzen z\u00fcgig einigen konnte. Doch scheiterte man an den praktischen Fragen wie Laienkelch, Privatmesse, Z\u00f6libat und M\u00f6nchsgel\u00fcbde so sehr, dass leider auch der Teilkonsens keine Anerkennung fand. Trotz eines an Augsburg erinnernden Memoriale Ecks, das aber von den Protestanten nicht anerkannt wurde, musste man in den sp\u00e4teren Religionsgespr\u00e4chen immer wieder von vorne anfangen.<\/p>\n<p>Bek\u00e4mpfung der Protestanten und Einsatz f\u00fcr den bew\u00e4hrten Glauben waren bei Eck anfangs von der Hoffnung beseelt, die Einheit der Kirche tats\u00e4chlich erhalten beziehungsweise wiederherstellen zu k\u00f6nnen. Doch mit dem Ausbreiten der reformatorischen Bewegung wurde Eck diesbez\u00fcglich immer skeptischer bis resignativ. In einem ausf\u00fchrlichen Brief \u2013 \u00fcbrigens sind fast alle Briefe Ecks mit \u00dcbersetzung im Internet zug\u00e4nglich \u2013 beschrieb er 1540 dem Kardinal Conterini die Lage in Deutschland in dunklen Farben. W\u00e4re es anfangs, als er \u201ein Leipzig in die Kampfarena stieg\u201c, noch m\u00f6glich gewesen, den kleinen Funken Luther zu ersticken, habe dieser nun einen Fl\u00e4chenbrand ausgel\u00f6st. Nach Kritik an der Unt\u00e4tigkeit Roms und der Schilderung der Schwierigkeiten, die alte Ordnung wiederherzustellen, schrieb Eck: \u201eWie jedoch sollen wir diesen gro\u00dfen \u00dcbeln entgegenwirken? Ich antworte: nur mit einem Konzil, dem einzigen heilbringenden Mittel f\u00fcr die angefochtene Kirche.\u201c<\/p>\n<p>Etwa seit dem Jahr 1535 appellierte Eck statt an Provinzialsynoden immer mehr an ein Konzil und verfasste daf\u00fcr sogar die Schrift \u201ePraeparatio ad futurum concilium\u201c (Vorbereitung zum k\u00fcnftigen Konzil), die allerdings verloren ging. Tats\u00e4chlich lie\u00df ab der Mitte der 1530er Jahre der neu gew\u00e4hlte Papst Paul III. (1534-1549) erstmals realistische Hoffnungen auf ein Konzil aufkommen, das freilich auf sich warten lie\u00df.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzte Eck die Chancen f\u00fcr einen Unionsversuch bei den Religionsgespr\u00e4chen in Worms (1540-1541), wohin er als Vertreter Bayerns entsandt wurde, als sehr gering ein, lehnte er schlie\u00dflich in Regensburg (1541) \u2013 dort auch krank geworden \u2013 entsprechend der bayerischen Linie das \u201eRegensburger Buch\u201c und damit eine Einigung ab. Zu sehr wurde ihm klar, dass seine eigenen M\u00fchen und Anstrengungen sowie die zaghaften Reformversuche der Kirche nicht die Ausbreitung des Protestantismus haben aufhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Konzil, das endlich 1545 nach Trient einberufen wurde, erlebte Eck, der am 10. Februar 1543 in Ingolstadt verstarb und im M\u00fcnster in der N\u00e4he des Sakramentshauses beigesetzt wurde, nicht mehr. Doch wurde er in Trient mit Hochachtung und Respekt genannt und zitiert. Einige seiner Schriften, vor allem das Enchiridion, wurde von den Konzilsv\u00e4tern verschiedentlich herangezogen und konnten so schlie\u00dflich auch zu einer umfassenden Erneuerung der Kirche beitragen, die aus dem Trienter Konzil hervorgegangen ist.<\/p>\n<p>Sieht man auf das Ganze seines Lebens, wird man festhalten k\u00f6nnen, dass er zu Recht als profiliertester theologischer Gegenspieler Luthers bezeichnet wird. Dennoch verdienen auch seine weiteren T\u00e4tigkeiten als Pfarrer, Liturge, Prediger oder Bibel\u00fcbersetzer und seine positive Motivation, sich f\u00fcr den katholischen Glauben und die Einheit der Kirche einzusetzen, Beachtung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Ein Blick in die Gegenwart<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch wenn diese Tagung mehr kirchengeschichtlich als Apologie f\u00fcr Eck konzipiert ist, kann man einen solchen Vortrag nicht ohne einen zumindest kurzen Blick in die Gegenwart beschlie\u00dfen. Nur einzelne Stichpunkte seien genannt, die sich aus dem Bisherigen ergeben und auf die aktuelle Ausgangsfrage \u201eWelche Kirche brauchen wir?\u201c zur\u00fcckverweisen, wobei hierzu freilich keine fertigen Antworten erwartet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besonders in den letzten 50 Jahren ist im Hinblick auf \u00d6kumene viel geschehen. An die Stelle der Kontroverse, wie sie in Leipzig auf beiden Seiten mit Polemik gef\u00fchrt wurde, ist nun der Dialog getreten, der sich aus gegenseitigem Respekt speist. \u201eVom Konflikt zur Gemeinschaft\u201c lautet ein gemeinsames Studiendokument zum Reformationsgedenken 2017. Dabei zeigen Eck und Luther: Das Ringen um die Einheit kann nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert werden, sondern braucht ehrliche theologische Diskussion. Deutlich wurde bei beiden Kontrahenten die hohe Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Heilige Schrift, in der Kirche festgeschrieben als theologische und spirituelle Quelle des Glaubens. Durch die Bibelbewegung und das II. Vatikanische Konzil wurde auch katholischerseits die Bedeutung der Heiligen Schrift wieder klar betont. Wie mir scheint, erf\u00e4hrt mittlerweile die Rezeption der Schrift theologisch mehr Beachtung. Aus der Schrift und ihrer Rezeption kann auf die strittigen Fragen \u00f6kumenisch neu geblickt werden.<\/p>\n<p>Die Reformationsgeschichte und auch die Vita Ecks machen darauf aufmerksam: Einheit ist nicht mit noch so gro\u00dfer menschlicher Anstrengung oder gar kirchenpolitisch \u201emachbar\u201c. Sie ist vielmehr Werk des Geistes Gottes, der freilich zum Mitwirken ruft und bef\u00e4higt. Reform der Kirche kann dabei nicht nur als Abwehr von Missst\u00e4nden verstanden werden oder aus der Abgrenzung heraus geschehen, sondern entspringt aus der gelebten Beziehung zu Christus. Daf\u00fcr spielt die Liturgie als Feier des Glaubens, die Eck als Pfarrer offenbar ein Anliegen war, eine wichtige Rolle \u2013 damals wie heute.<\/p>\n<p>Schon vor und nach der Reformation \u2013 und wie wir gesehen haben, auch von Eck aus \u2013 hat es nicht an Impulsen zur Reform gemangelt, doch waren die tagt\u00e4glichen Aufgaben und die \u201eeingefahrenen Wege\u201c wohl oftmals so dominierend, dass man sich nicht ernsthaft den Auseinandersetzungen der Gegenwart gestellt hat. Angesichts des gr\u00f6\u00dfer werdenden S\u00e4kularisierungsdrucks stehen wir als Kirche vor der Herausforderung, die \u201eFreude des Evangeliums\u201c (Papst Franziskus, \u201eEvangelii gaudium\u201c) authentisch zu leben und weiterzugeben. Dazu braucht es Kirche. Es bleibt f\u00fcr die Kirche weiterhin spannend!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In aktuellen Auseinandersetzungen um Kirche wird es oft grunds\u00e4tzlich: \u201eBraucht es heute \u00fcberhaupt eine Kirche?\u201c Manche Negativschlagzeile wird auspackt, um die Diskussion zuzuspitzen. Die Frage nach dem Warum und Wozu von Kirche ist kein Randph\u00e4nomen mehr. 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