{"id":117999,"date":"2026-01-19T14:12:44","date_gmt":"2026-01-19T13:12:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=117999"},"modified":"2026-01-19T14:12:48","modified_gmt":"2026-01-19T13:12:48","slug":"zur-kreuzestheologie-des-paulus-wir-aber-verkuendigen-christus-als-den-gekreuzigten-1-kor-123","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/zur-kreuzestheologie-des-paulus-wir-aber-verkuendigen-christus-als-den-gekreuzigten-1-kor-123\/","title":{"rendered":"Zur Kreuzestheologie des Paulus"},"content":{"rendered":"<h3><strong> Introduction<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Alten Testament und im Neuen Testament (ebenso im Koran) redet nicht Gott unmittelbar selbst, sondern wir haben es mit Gottes-Bildern zu tun. Gottesbilder, die von Menschen stammen und deshalb selbstverst\u00e4ndlich verglichen und beurteilt werden k\u00f6nnen. Jeder Mensch hat ein Bild, ein Modell von Gott; auch der Atheist, n\u00e4mlich dass es Gott nicht gibt, nicht geben darf. Der Skeptiker, dass es ihn vielleicht gibt, vielleicht aber auch nicht. Der Gleichg\u00fcltige, dass ihn Gott nicht zu interessieren hat. Jede Weltanschauung, jede Philosophie und nat\u00fcrlich jede Religion hat ein Modell von Gott. Was ist das Besondere des christlichen, hier des paulinischen Gottesmodells?<\/p>\n<p>Bei Paulus gewinnt eine biographische Erfahrung theologische Qualit\u00e4t. Er verfolgte die Jesusanh\u00e4nger wegen ihrer Behauptung, ein Gekreuzigter sei der Messias (Gal 1,13.23; 1 Kor 15,9; Phil 3,6). Diese Botschaft musste im Kontext von Dtn 21,22f als Blasphemie bek\u00e4mpft werden: \u201eWenn es bei jemandem eine Schuld gibt, eine Verurteilung zum Tode, und er hingerichtet wird, indem ihr ihn an einem Holz aufh\u00e4ngt, soll sein Leib nicht die Nacht am Holz zubringen, sondern ihr sollt ihn an jenem Tag begraben, denn jeder, der am Holz h\u00e4ngt, ist von Gott verflucht. So sollt ihr das Land, das der Herr, dein Gott, dir zum Anteil gibt, nicht beflecken.\u201c Paulus war als Pharis\u00e4er davon \u00fcberzeugt, dass genau dieser von der Tora ausgesprochene Fluch \u00fcber dem Gekreuzigten liegt (Gal 3,13).<\/p>\n<p>Die Offenbarung bei Damaskus kehrte dieses theologische Koordinatensystem um. Paulus erkennt bei Damaskus, dass der am Holz Verfluchte Gottes Sohn ist, das hei\u00dft im Licht der Auferstehung wird das Kreuz vom Ort des Fluches zum Ort des Heils. Deshalb kann Paulus den Korinthern zurufen: \u201eWir aber verk\u00fcndigen Christus als Gekreuzigten, f\u00fcr Juden ein Ansto\u00df, f\u00fcr Heiden eine Torheit\u201c (1 Kor 1,23). Das Kreuz wird so bei Paulus zum Signum des neuen Glaubens schlechthin. Es bildet nicht nur den Ausgangspunkt einer neuen Definition des Jesus von Nazareth, sondern einer v\u00f6llig neuen Gottes- und Weltsicht. Paulus entwirft ein v\u00f6llig neues Gottesbild, das bis heute unter den Religionen h\u00f6chst umstritten ist. In seinen Briefen erscheint das Kreuz als historischer Ort des Todes Jesu, als argumentativ-theologischer Topos und als theologisches Symbol.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Das Kreuz in der paulinischen Theologie<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Kreuz als historischer Ort<\/strong>. Die Rede vom Kreuz ist bei Paulus immer theologisch gef\u00fcllt. Sie l\u00f6st sich aber nicht von der Geschichte, sondern ihr Ausgangspunkt ist das Kreuz als Ort des Todes des Jesus von Nazareth. Mit der Wendung \u201eAnsto\u00df des Kreuzes\u201c (1 Kor 1,25; Gal 5,11) nimmt der Apostel Bezug auf die konkrete, entehrende Hinrichtungsart der Kreuzigung, die einen Menschen als Verbrecher, nicht aber als Gottessohn ausweist.<\/p>\n<p>Die Kreuzigung galt als eine entehrende Strafe. Der Delinquent musste oftmals den Querbalken zur Kreuzigungsst\u00e4tte tragen; er wurde angenagelt (Joh 20,25.27) und starb zumeist nach einem langen Leidenskampf. Um das Leben des Gekreuzigten zu verl\u00e4ngern oder zu verk\u00fcrzen, hatten die Henker verschiedene Methoden entwickelt. Der Tod konnte schon nach drei Stunden oder auch erst nach drei Tagen eintreten. Die Todesursache resultiert in der Regel aus dem Zusammenwirken folgender Faktoren: 1. traumatischer Schock; 2. orthostatischer Kollaps (Blutabsacken w\u00e4hrend aufrechter K\u00f6rperhaltung in die untere K\u00f6rperh\u00e4lfte); 3. Ateminsuffizienz (Erstickung); 4. Herzbeuteltamponade (Ansammlung ser\u00f6ser Fl\u00fcssigkeit am Herzen). Verantwortlich f\u00fcr Kreuzigungen in Pal\u00e4stina zeichnete durchweg der r\u00f6mische Statthalter. Die Kreuzigung war die bevorzugte r\u00f6mische Todesstrafe f\u00fcr Sklaven und Aufst\u00e4ndische. Im Zeitraum zwischen 63 vor und 66 nach Christus wurden alle Kreuzigungen in Pal\u00e4stina an Aufst\u00e4ndischen und ihren Sympathisanten von den R\u00f6mern durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Das Kreuz als argumentativ-theologischer Topos<\/strong>. Als argumentativ-theologischer Topos erscheint das Kreuz bei Paulus in mehreren Sachzusammenh\u00e4ngen: In Korinth geht es zun\u00e4chst um die sachgem\u00e4\u00dfe Bestimmung der Weisheit Gottes. Paulus versucht der nach gegenw\u00e4rtiger Vollendung strebenden Gemeinde zu verdeutlichen, dass diese Weisheit sich gerade dort offenbarte, wo sie es nicht vermutet (1 Kor 1,18ff). Nicht in der \u00e4u\u00dferen Macht, der Pracht, dem Ansehen oder in der menschlichen Weisheit zeigt sich Gott, sondern am und im Kreuz. Die Logik des Gegenteils bestimmt das paulinische Denken; Gott erw\u00e4hlte die Geringen und Verachteten (1 Kor 1,26-29) und der Apostel muss ein Leben in Niedrigkeit und st\u00e4ndiger Gef\u00e4hrdung f\u00fchren, obwohl er doch das g\u00f6ttliche Evangelium verk\u00fcndigt (1 Kor 2,2). Wenn Teile der korinthischen Gemeinde meinen, sich schon im Stand der Weltvollendung zu befinden (1 Kor 4,8), dann verwechseln sie die Weisheit der Welt beziehungsweise ihre eigene Weisheit mit der Weisheit Gottes. Sie unterscheiden nicht wie Paulus konsequent zwischen dem g\u00f6ttlichen und menschlichen Geist, zwischen der g\u00f6ttlichen und der menschlichen Erkenntnis. Es gibt keine Weisheit und Herrlichkeit am Gekreuzigten vorbei (1 Kor 2,6ff).<\/p>\n<p>In einem zweiten, n\u00e4mlich polemischen Kontext erscheint das Kreuz auch im Galaterbrief. Gegen\u00fcber der Beschneidungsforderung der judaistischen Gegner betont Paulus, dass gerade der Gekreuzigte die Getauften und Glaubenden vom Gesetz befreit hat (Gal 3,13; 5,11). Im Kreuzestod nahm Christus stellvertretend \u201ef\u00fcr uns\u201c (Gal 3,13) den im Gesetz ausgesprochenen Fluch auf sich, der jeden trifft, der aus dem Gesetz das Leben realisieren will. Wenn das Gesetz den Gekreuzigten als Verfluchten charakterisiert, kann das Gesetz nicht gleichzeitig verbindliche Grundlage f\u00fcr Christen sein. Diesen Gegensatz wollen jene aufl\u00f6sen, die die Beschneidung predigen, um nicht (von Juden) \u201eum des Kreuzes Christi willen\u201c (Gal 6,12) verfolgt zu werden. Das Kreuz Christi und das Gesetz schlie\u00dfen sich aus, denn die Heilsgabe des Geistes kommt aus dem Glauben an den Gekreuzigten (Gal 3,1-5).<\/p>\n<p>Innerhalb der Ethik dient der Verweis auf das Kreuz schlie\u00dflich der Begr\u00fcndung des neuen Seins. Die Existenzwende der Glaubenden ist urs\u00e4chlich mit dem Kreuz verbunden, denn der Transfer in das neue Sein vollzieht sich als Mitgekreuzigtwerden der Glaubenden in der Taufe. Der mit Christus gekreuzigte alte Mensch ist gestorben und von der S\u00fcnde geschieden (Gal 2,19; R\u00f6m 6,6), lebt nun als \u201eneue Sch\u00f6pfung\u201c in der Kraft des Geistes. Es gilt: \u201eDie aber zu Christus Jesus geh\u00f6ren, haben das Fleisch mit (seinen) Leidenschaften und Begierden gekreuzigt\u201c (Gal 5,24; 6,14). Die neue Existenz der Glaubenden und Getauften tr\u00e4gt das Zeichen des Kreuzes.<\/p>\n<p><strong>Das Kreuz als Symbol<\/strong>. Das Kreuz ist in allen Argumentationszusammenh\u00e4ngen immer auch ein Symbol. Weil es zuallererst ein historischer Ort bleibt, vermag das Kreuz gleichzeitig Faktum und Symbol zu sein. Es hat Verweischarakter und pr\u00e4sentiert zugleich durch die Kraft des Geistes das Vergangene als Gegenw\u00e4rtiges. Als Ort des einmaligen Transfers Jesu Christi in das neue Sein pr\u00e4gt das Kreuz auch die gegenw\u00e4rtige Existenz der Christusgl\u00e4ubigen. Es benennt jeweils die Status\u00fcberschreitung vom Tod zum Leben und gewinnt in einem zweifachen rituellen Kontext seine Aktualit\u00e4t: a) In der Taufe erfolgt die Einbeziehung in das Kreuzigungs- und Auferstehungsgeschehen, indem die Macht des Todes und der S\u00fcnde \u00fcberwunden und der Status des neuen Seins verliehen werden. Sowohl in Gal 2,19 als auch in R\u00f6m 6,5f wird die in die Gegenwart hineinwirkende und sie neu bestimmende Realit\u00e4t und Kraft des einmaligen Mitgekreuzigtwerdens in der Taufe betont. b) Paulus entfaltet im Gal eine staurologisch begr\u00fcndete Kritik in der Beschneidungsforderung der Judaisten. Als Initiationsritual konkurriert die Beschneidung mit der Taufe, und deshalb auch mit dem Kreuz. Die Beschneidung h\u00e4lt an der ethnischen Differenz zwischen den Juden und den \u00fcbrigen V\u00f6lkern fest, w\u00e4hrend das Kreuz die Umwertung aller bisherigen Werte symbolisiert und die Taufe ausdr\u00fccklich alle bisherigen Privilegien aufhebt (Gal 3,26-28). Das Kreuz symbolisiert Gottes \u00fcberraschendes, menschliche Ma\u00dfst\u00e4be au\u00dfer Kraft setzendes Handeln. Die Weisheit des Kreuzes vertr\u00e4gt sich nicht mit der Weisheit der Welt. Das Kreuz ist die radikale Infragestellung jeglicher menschlicher Selbstbehauptung und individualistischen Heilsstrebens, weil es in die Ohnmacht und nicht in die Macht, in die Klage und nicht in den Jubel, in die Schande und nicht in den Ruhm, in die Verlorenheit des Todes und nicht in die Glorie vollst\u00e4ndig gegenw\u00e4rtigen Heils f\u00fchrt. Diese Torheit des Kreuzes l\u00e4sst sich weder ideologisch noch philosophisch vereinnahmen, sie entzieht sich jeder Instrumentalisierung, weil sie allein in Gottes Liebe gr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die Rede vom Kreuz ist das Spezifikum paulinischer Theologie. Der Apostel entwickelte sie nicht aus der Gemeinde\u00fcberlieferung, sondern aus seiner Biographie: Bei Damaskus offenbarte ihm Gott die Wahrheit \u00fcber den Gekreuzigten, der nicht im Tod blieb. Das Wort vom Kreuz benennt die grundlegenden Transformationsprozesse im Christusgeschehen und im Leben der Glaubenden und Getauften, sodass es direkt in das Zentrum des paulinischen Denkens f\u00fchrt. Die Kreuzestheologie erscheint als fundamentale Gottes, Welt- und Existenzdeutung; sie ist die Mitte der paulinischen Sinnwelt. Sie lehrt, die Wirklichkeit von dem im Gekreuzigten offenbar werdenden Gott her zu verstehen und daran sein Denken und Handeln auszurichten. Menschliche Wertungen, Normen und Klassifizierungen erhalten vom Kreuz Christi her eine neue Deutung, denn Gottes Werte sind die Umwertung menschlicher Werte. Das Evangelium vom gekreuzigten Jesus Christus gew\u00e4hrt im Glauben Rettung, weil sich hier der Gott bekundet, der gerade in der Verlorenheit und Nichtigkeit Retter der Menschen sein will. Im Kreuz zeigt sich Gottes Liebe, die zu leiden und deshalb auch zu erneuern vermag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Kreuz und Auferstehung oder: Wie ist Gott zu denken?<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum aber ist das Kreuz so wichtig f\u00fcr die fr\u00fchen Christen? Jesus war einer von Tausenden von Gekreuzigten. Die Antwort ist einfach und zugleich folgenschwer: Weil von allen Gekreuzigten dieser eine nicht im Tod geblieben ist. F\u00fcr Paulus ist der Auferstandene der Gekreuzigte (2 Kor 13,4: \u201eDenn er wurde aus Schwachheit gekreuzigt, aber er lebt aus Gottes Kraft\u201c). Allein die Auferstehung wirft ein neues Licht auf den Tod Jesu. Es gibt bei Paulus eine Wechselwirkung zwischen Tod und Auferstehung. Die Auferstehung begr\u00fcndet sachlich die Heilsbedeutung des Todes, zugleich gewinnt das Auferstehungskerygma in der paulinischen Hermeneutik des Kreuzes eine letzte Zuspitzung. Auch nach der Auferstehung bleibt Jesus der Gekreuzigte (1 Kor 1,23; 2,2; Gal 3,1); der Auferstandene tr\u00e4gt die N\u00e4gelmale des Kreuzes.<\/p>\n<p>Die Bedeutung des Kreuzes erschlie\u00dft sich allein von der Auferstehung, von der Realit\u00e4t der Auferstehung her. Paulus l\u00e4sst an der Bedeutung der Auferstehung als Fundament des Glaubens keinen Zweifel: \u201eWenn aber Christus nicht auferstanden ist, dann ist auch unsere Verk\u00fcndigung leer und auch euer Glaube ist leer&#8220; (1 Kor 15,14) und: \u201eIst aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren S\u00fcnden &#8230; so sind wir die elendsten unter allen Menschen\u201c (1 Kor 15,17.19b). Paulus versteht offensichtlich Tod und Auferweckung Jesu als ein leibliches Geschehen in Raum und Zeit. Darauf weist vor allem die Zeugenliste in 1 Kor 15,6\u20139 hin, speziell die Erw\u00e4hnung der 500 Br\u00fcder in 1 Kor 15,6: \u201eDanach ist er gesehen worden von mehr als 500 Br\u00fcdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.\u201c Viele von den 500 Br\u00fcdern leben noch und k\u00f6nnen befragt werden, das hei\u00dft die Korinther k\u00f6nnen die Realit\u00e4t der Auferstehung nachpr\u00fcfen! Rudolf Bultmann erfasst diese Textintention zutreffend, wenn er betont: \u201eIch kann den Text nur verstehen als den Versuch, die Auferstehung Christi als ein objektives historisches Faktum glaubhaft zu machen.\u201c Bultmann f\u00e4hrt dann aber fort: \u201eUnd ich sehe nur, da\u00df Paulus durch seine Apologetik in Widerspruch mit sich selbst ger\u00e4t; denn mit einem objektiven historischen Faktum kann allerdings das nicht ausgesagt werden, was Paulus V. 20\u201322 von Tod und Auferstehung Jesu sagt.\u201c Was von Paulus als geschichtliches Ereignis begriffen wurde, will Bultmann in den Bereich des Mythologischen schieben, um so die Glaubw\u00fcrdigkeit des Evangeliums in der Moderne zu wahren. Der einzige Auferstehungszeuge, von dem wir schriftliche Nachrichten besitzen, verstand die Auferstehung Jesu Christi von den Toten jedoch offenkundig als ein Ereignis innerhalb der Geschichte, das sein eigenes Leben v\u00f6llig ver\u00e4nderte. F\u00fcr Paulus ist dieses Verst\u00e4ndnis von Auferstehung keine Interpretationsfrage, sondern Bestandteil des Evangeliums. Nur wenn Jesus Christus leibhaftig und damit wirklich von den Toten auferstanden ist, k\u00f6nnen Christen auf Gottes endzeitliches Retterhandeln hoffen.<\/p>\n<p>Wie ist es m\u00f6glich, die Wahrheit des Evangeliums von der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi von den Toten in einer Zeit zu behaupten, wo der Wahrheitsanspruch exklusiv an die Rationalit\u00e4t (natur)wissenschaftlicher Methodik gebunden ist? Welche Plausibilit\u00e4t besitzen die Argumente der Bestreiter und Bef\u00fcrworter der Wirklichkeit der Auferstehung?<\/p>\n<p>Drei Interpretationsmodelle sind in der Diskussion von Bedeutung: Hermann Samuel Reimarus (1694-1768) unterscheidet zwischen dem Anliegen Jesu und dem seiner J\u00fcnger: Jesus war ein j\u00fcdischer politischer Messias, der ein weltliches Reich aufrichten und die Juden von der Fremdherrschaft erl\u00f6sen wollte. Die J\u00fcnger standen nach der Kreuzigung vor der Vernichtung ihrer Tr\u00e4ume, sie stahlen den Leichnam Jesu und erfanden die Botschaft von seiner Auferstehung. Nach David Friedrich Strauss (1808-1874) liegt der historische Ursprung des Osterglaubens in Visionen der J\u00fcnger in Galil\u00e4a, weit weg vom Grab Jesu, das erst in einer sekund\u00e4ren Legende zum leeren Grab wurde. Die Erscheinungsberichte verweisen auf Visionen der J\u00fcnger, die durch frommen Enthusiasmus und die au\u00dferordentliche Belastungssituation hervorgerufen wurden. Der Auferstehungsglaube hat seine Ursache in innerpsychischen Vorg\u00e4ngen, wobei die J\u00fcnger nicht betr\u00fcgen wollten, sondern subjektiv \u00fcberzeugt waren, den Auferstandenen gesehen zu haben. Rudolf Bultmann stellt fest: \u201ewie der Osterglaube bei den einzelnen \u201aJ\u00fcngern\u2018 entstand, ist in der \u00dcberlieferung durch die Legende verdunkelt und ist sachlich von keiner Bedeutung.\u201c Bultmann versteht Ostern als ein eschatologisches Ereignis; als solches werde Ostern gerade missverstanden, wenn man es mit weltlichen Kriterien erkl\u00e4ren will, denn die Auferstehung ist kein beglaubigendes Mirakel. Vielmehr: Die Auferstehung ist nichts anderes \u201eals der Ausdruck der Bedeutsamkeit des Kreuzes.\u201c Deshalb gilt: Jesus ist \u201eins Kerygma auferstanden\u201c. Was das bedeuten soll, wei\u00df kein Mensch! Was bei Paulus noch eine historische Tatsache war (1 Kor 15,6), ist nun die blo\u00dfe Interpretationsfigur eines Geschehens mit unklarem Realit\u00e4tsstatus. Die Probleme aller drei Modelle sind offenkundig: W\u00e4hrend das Kreuz als historisches Datum akzeptiert wird, verschwindet die Auferstehung als unzug\u00e4ngliches Geschehen im Dunkel der Geschichte. Damit wird aber zugleich das Kreuz Jesu seiner Bedeutung beraubt! Und vor allem: Weder Kreuz noch Auferstehung werden sinnvoll mit dem Leben und Glauben der Menschen verbunden. Wie aber ist das m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Ausgangspunkt muss der Gottesgedanke sein. Auferstehung wird bei Paulus wie im gesamten Neuen Testament immer streng als exklusive Gottestat verstanden (1 Thess 4,14; 1 Kor 6,14a; 15,4.15; Gal 1,1; R\u00f6m 4,24f; 6,9; 8,11; 10,9). Das eigentliche Subjekt der Auferstehung ist Gott, das hei\u00dft die Rede von der Auferstehung Jesu Christi ist zuallererst eine Aussage \u00fcber Gott selbst und damit qua definitionem gel\u00e4ufiger empirischer Verifikation entzogen! Als sch\u00f6pferisches Handeln Gottes an dem gekreuzigten und gestorbenen Jesus von Nazareth muss die Wirklichkeit der Auferstehung deshalb unterschieden werden von menschlichen Erfahrungen und Verarbeitungen dieser Wirklichkeit. Damit ist die Wirklichkeit der Auferstehung aber keineswegs ausgeschlossen. Gottes Wirklichkeit ist gr\u00f6\u00dfer als unsere Erfahrungen! W\u00fcrde Gott nur das k\u00f6nnen, was auch wir k\u00f6nnen beziehungsweise f\u00fcr m\u00f6glich halten, dann w\u00e4re er nicht Gott, sondern in der Tat unser Produkt. Wenn der Mensch die M\u00f6glichkeiten Gottes mit seinen eigenen gleichsetzt, redet er nicht mehr von Gott! L\u00e4sst man Gott hingegen Gott sein, dann muss man ihm auch zugestehen, Dinge zu tun, die unser Begreifen bei Weitem \u00fcbersteigen. Wenn Gott der Sch\u00f6pfer des Lebens und der Welt ist, dann vermag er auch einen Gekreuzigten von den Toten aufzuerwecken! Auferstehung ist somit ein Geschehen eigener Art, das seine Plausibilit\u00e4t in sich selbst, n\u00e4mlich in Gott hat und sich s\u00e4kularen \u00dcbersetzungen oder Relativierungen entzieht. Die entscheidende Erfahrung und Einsicht der glaubenden Menschen lautet: In der Auferstehung Jesu Christi von den Toten hat Gott den Tod zum Ort seiner Liebe zu den Menschen gemacht. Genau diese Erfahrung machen Christen immer wieder: Ihr Gott ist der Gott der Lebendigen. Nat\u00fcrlich sind diese Lebens- und Alltagserfahrungen nicht wirklich vergleichbar mit \u201eAuferstehung von den Toten\u201c, dennoch haben sie Hinweischarakter: Gott handelt in meinem Leben und f\u00fcr mein Leben und ich darf die Hoffnung haben, dass er auch in meinem Tod handeln wird, so wie er es an Jesus getan hat (R\u00f6m 8,11). Auferstehung der Toten ist keine Vertr\u00f6stung auf das Jenseits, sondern eine Erweiterung der Perspektive: Weg von der gegenw\u00e4rtigen \u00dcberh\u00f6hung des Diesseits mit ihren destruktiven Folgen hin zu einer Hoffnung, die Diesseits und Jenseits umfasst. Wir sollten uns nicht verunsichern lassen: Religion ist keine Illusion oder Projektion, sondern ein Teil des Lebens und der Wirklichkeit. Bei Milliarden von Menschen ist der Glaube (wie die Liebe oder die Hoffnung) eine psychische Realit\u00e4t, die zur Deutung, zum Verstehen und zur Bew\u00e4ltigung von Lebenssituationen und Lebenssinn beitr\u00e4gt; als einleuchtend, hilfreich und gut empfunden wird. Insofern ist der Glaube nat\u00fcrlich auch ein Wissen; ein ganz besonderes Erfahrungs- und Lebenswissen, denn jedes Wissen entsteht aus Erfahrung und Deutung. Der Glaube wei\u00df: Was f\u00fcr Kreuz und Auferstehung Jesu gilt, der sein Leben \u201ef\u00fcr uns\u201c loslie\u00df, um es von Gott neu zu erhalten, d\u00fcrfen auch wir erhoffen: dass Gott uns durch unseren biologischen Tod hindurch Leben schenken wird. Dieses Wissen ist keineswegs \u00fcberholt, wie seit \u00fcber 300 Jahren behauptet wird. Vielmehr wird immer deutlicher, dass die Moderne\/Postmoderne selbst eine Inszenierung ist. Sie propagiert sich als die \u00fcberlegene Epoche, weil in ihr die Erkenntnis, das Wissen, die Wissenschaften und der Fortschritt zum Wohle des Menschen eingesetzt werden. Der Historismus, der alles \u00dcbernat\u00fcrliche aus der Geschichte verbannen will und dem Reimarus, Strauss und Bultmann verpflichtet sind, ist ein Teil dieser Selbstinszenierung, indem er behauptet, die modernen Wissenschaften auf dem Gebiet der Geschichte zu repr\u00e4sentieren, zu entzaubern, indem nun angeblich das wahre Erkennen den Mythos abl\u00f6st. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird jedoch \u00fcberdeutlich, dass die Moderne selbst ein Mythos ist und genau das Gegenteil von dem bewirkt, was verhei\u00dfen wurde: Zerst\u00f6rung statt Fortschritt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Das Kreuz und die Theologie der Religionen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kreuzigung des Jesus von Nazareth am 7. April 30 ist auf der einen Seite ein zuf\u00e4lliges historisches Ereignis, auf der anderen Seite als Ausgangspunkt der gesamten neutestamentlichen Theologie ein weltgeschichtliches Datum. Die Erscheinungen des Auferstandenen f\u00fchrten die fr\u00fchen Zeugen zu der Einsicht, dass der von Jesus verk\u00fcndigte Gott sich umfassend mit ihm identifizierte, sodass Gott selbst Jesus einen g\u00f6ttlichen Status als Sohn zuerkannte. Jesus verk\u00fcndigte einen Gott der Liebe, der seine Liebe zum Sohn gerade im Leiden und im Tod erwies. So wurde die Erniedrigung am Kreuz nicht als unangemessen f\u00fcr einen Gottessohn \u00fcberwunden oder eliminiert, sondern bereits bei Paulus zum ma\u00dfgeblichen Bestandteil des Gottesbildes. Das Revolution\u00e4re dieses Vorganges war dem Apostel bewusst: \u201eWir aber verk\u00fcndigen Christus als Gekreuzigten, den Juden ein \u00c4rgernis, den V\u00f6lkern eine Torheit\u201c (1 Kor 1,23). Hier wird nicht weniger als ein v\u00f6llig neues Gottesbild etabliert! Indem Gott sich mit Jesus identifiziert, identifiziert er sich auch mit dessen Leiden und Tod. Gott und Leiden\/Tod sind nun nicht einfach mehr Gegens\u00e4tze oder unvergleichbare Kategorien, sondern sie werden zusammen gedacht: Gott ist auch im Leiden und im Tod gegenw\u00e4rtig. Damit erf\u00e4hrt das Konzept des allm\u00e4chtigen Gottes im Judentum, bei den Griechen\/R\u00f6mern sowie (sp\u00e4ter) im Islam eine wesentliche Modifizierung, ja sogar Kontrastierung. Was bei Jesus anfing, gilt nun auch f\u00fcr andere und f\u00fcr alle Zeit: Gott erw\u00e4hlt die Schwachen (1 Kor 1,26-29) und weicht dem Leid und dem Tod nicht aus. Dieser v\u00f6llig neue Ansatz verf\u00fcgt \u00fcber gro\u00dfes Deutungspotential, was insbesondere Paulus, Markus, Johannes und der Hebr\u00e4erbrief zeigen. Krisen, Krankheit oder Sinnleere bedeuten nicht Gottesferne, sondern auch in den schweren und dunklen Seiten des Lebens ist Gott anwesend, das Menschliche ist ihm in keiner Weise fremd. Mit dem Kreuz beginnt somit das christliche Projekt der Humanisierung des Gottesgedankens.<\/p>\n<p>Zugleich markiert das Kreuz aber bis heute den entscheidenden Unterschied des Christentums zu Judentum und Islam, ja zu jeder Gottesvorstellung. Im Alten Testament gibt es zwar viele Hinweise auf Gottes Barmherzigkeit und Liebe (beispielsweise Dtn 7,7f; Ps 86,15; 103,8; 145,8), aber insgesamt dominiert der herrschende, richtende und strafende Gott (etwa Jos 8; Joel 4; Sach 12-14). Auch bei den Griechen ist Gott kategorial von den Menschen geschieden. So fordert Epikur seine Sch\u00fcler auf, sich eine zutreffende Vorstellung \u00fcber Gott zu machen: \u201eErstens halte Gott f\u00fcr ein unverg\u00e4ngliches und gl\u00fcckseliges Wesen, entsprechend der gemeinhin g\u00fcltigen Gottesvorstellung, und dichte ihm nichts an, was entweder mit seiner Unverg\u00e4nglichkeit unvertr\u00e4glich ist oder mit seiner Gl\u00fcckseligkeit nicht in Einklang steht\u201c (Diogenes Laertius 10,123). F\u00fcr den entstehenden Islam war die Vorstellung, dass Jesus als der nach Mohammed zweitwichtigste Gesandte des einen allm\u00e4chtigen Gottes von Juden gekreuzigt wurde, nat\u00fcrlich anst\u00f6\u00dfig und unannehmbar. Deshalb \u00fcbernahm man eine doketische Interpretation der Kreuzigung, die zuvor schon in christlich-gnostischen Kreisen von Bedeutung war. Im Koran, Sure 4,158, wird berichtet, die Juden h\u00e4tten gesagt: \u201e\u2018Wir haben Christus Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes, get\u00f6tet.\u2018 Sie haben ihn aber nicht get\u00f6tet, und sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm \u00e4hnliche Gestalt.\u201c Eine vergleichbare Vorstellung belegt Iren\u00e4us, Adversus Haereses I 24,4, f\u00fcr den Gnostiker Basilides (um 130 n. Chr.), der \u00fcber Simon von Kyrene berichtet: \u201eDer wurde dann aus Unwissenheit und Irrtum gekreuzigt, nachdem er von ihm (Christos) so verwandelt worden war, dass man ihn f\u00fcr Jesus hielt; Jesus selbst hatte die Gestalt Simons angenommen, stand dabei und machte sich \u00fcber sie lustig. Denn weil er die k\u00f6rperlose Kraft war und der Nous des ungezeugten Vaters, konnte er sich beliebig verwandeln und ist so zu dem aufgefahren, der ihn gesandt hatte, und lachte dabei \u00fcber sie, da man ihn nicht festhalten konnte und er f\u00fcr alle unsichtbar war.\u201c \u00dcber die Lehre des Kerinth (um 100 n. Chr.) hei\u00dft es bei Iren\u00e4us, Adversus Haereses I 26,1: \u201eNach der Taufe ist der Christos von der Gewalt, die \u00fcber alles herrscht, in Gestalt einer Taube auf ihn herabgekommen. Da verk\u00fcndigte er den unbekannten Vater und tat Wunder. Zu guter Letzt hat der Christos aber Jesus wieder verlassen. Und Jesus hat gelitten und ist auferweckt worden; der Christos ist aber leidensunf\u00e4hig.\u201c<\/p>\n<p>In der Gnosis wie im sp\u00e4teren Islam schlie\u00dft Gottes \u00fcberragende Gottheit seine wirkliche Menschwerdung und ein echtes Leiden aus. Hier wie dort wird die Kreuzigung Jesu als historische Tatsache einfach geleugnet, weil sie nicht in das theologische Konzept passt. In beiden F\u00e4llen d\u00fcrfte der Platonismus im Hintergrund stehen, f\u00fcr den Menschliches\/Weltliches und G\u00f6ttliches f\u00fcr immer und grunds\u00e4tzlich kategorial verschieden und geschieden sind. Jede Vermischung wird als Sakrileg angesehen.<\/p>\n<p>Was bedeuten diese grundlegenden Unterschiede f\u00fcr den Dialog der Religionen? Ganz einfach: Sie markieren das Zentrum und zugleich die Grenzen des Dialogs! Das Zentrum, weil es um die Struktur der Gottesbilder geht. Jede Religion muss sich nach der Aufkl\u00e4rung die Frage gefallen lassen: Wie sieht dein Gottesbild aus und wo kommt es her? Die Antwort, es kommt von Gott, reicht nicht aus, denn alles ist historisch bedingt und alles stammt von Menschen. Deshalb m\u00fcssen die Religionen sich der Zumutung der historischen Pr\u00e4zisierung und damit Relativierung unterziehen. Der historische Vergleich von Religionen ist unumg\u00e4nglich, um die divergierenden Wahrheitsanspr\u00fcche aufzunehmen und kritisch zu pr\u00fcfen. Verweigern sich Religionen diesem notwendigen Schritt, muss man sie als totalit\u00e4r bezeichnen. \u00d6ffnen sie sich, dann wird sich sehr schnell zeigen, dass die Christologie und hier speziell das Kreuz der Streit- und Differenzpunkt ist und bleibt, denn in Kreuz und Auferstehung hat sich Gott zum Gott des Sohnes gemacht!<\/p>\n<p>Das Kreuz bedeutet im Hinblick auf das Christentum: Hier vollzieht sich die Identifikation des ewigen Sch\u00f6pfers mit seinem Gegenteil, dem sterblichen Gesch\u00f6pf. Weil Gott dies an Jesus von Nazareth vollzieht und damit dessen Gottesverk\u00fcndigung legitimiert, wurde er als Sohn in die Gottesvorstellung selbst mitaufgenommen. Die Liebe wird damit unaufgebbar in Gott selbst verankert. Das neue Gottesbild ist dabei aber nicht nur eine Wertidee, sondern es hat sich im Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi geschichtlich realisiert und wurde zum Ausgangspunkt einer rasanten historischen Entwicklung. Jesus verk\u00f6rpert in einzigartiger Weise das Modell von Gott als Liebe, darin besteht seine bleibende Bedeutsamkeit. Das Besondere des christlichen Gottesmodells besteht also darin, dass die denkerische Idee von Gott als Inbegriff der Liebe und des Guten sich in einer historischen Person vollst\u00e4ndig realisiert hat. Das Gedachte und das Geschehene fallen in Jesus Christus zusammen. Hier liegt die unaufgebbare Bedeutung der Person Jesu Christi f\u00fcr die Bestimmung des Gottesbildes. Wenn ich ihn aus der Bestimmung dessen, was Gott sein soll, herausnehme \u2013 was in weiten Kreisen der Kirche und der Theologie zur Zeit passiert \u2013 bekomme ich ein anderes Bild von Gott. Ein Modell, das um seine historische Verifikation gebracht wird; es ist dann jedenfalls nicht mehr der Gott des Neuen Testaments, sondern eine neuzeitliche Selbstinszenierung. Das Neue Testament hingegen vertritt durchg\u00e4ngig einen christologischen Monotheismus, das hei\u00dft das Wirken Jesu Christi wird als authentische Auslegung des einen Gottes Israels und der ganzen Menschheit verstanden, die in Kreuz und Auferstehung von diesem Gott selbst beglaubigt wurde. Jesus wird Gott eben nicht einfach untergeordnet, das gesamte Neue Testament insistiert auf der g\u00f6ttlichen W\u00fcrde Jesu.<\/p>\n<p>Das Kreuz erschien nun im Licht der Auferstehung und war nicht mehr der Ort des Scheiterns, sondern ein Symbol des Lebens. Die Erfahrung der Auferstehung gab den J\u00fcngern und J\u00fcngerinnen Jesu eine neue Perspektive und erlaubte es ihnen, die vor\u00f6sterliche Bedeutsamkeit des Jesus von Nazareth aufzunehmen und unter nach\u00f6sterlichen Bedingungen neu zu interpretieren. Jesu Verk\u00fcndigung wurde als authentische Gottesauslegung verstanden, die Gott selbst in Kreuz und Auferstehung beglaubigte. Der Kern der neuen Selbst- und Weltsicht lautet: Gott ist so, wie Jesus ihn in seiner Lehre, seinem Leben und seinem Sterben ausgelegt hat. Diese Einsicht und die Erfahrungen des Wirkens des Heiligen Geistes setzten nicht nur einen vielf\u00e4ltigen Interpretationsprozess in Gang, sondern f\u00fchrten auch zu einer neuen soziologischen Gr\u00f6\u00dfe: der Gemeinde der Getauften und Glaubenden, die von Jerusalem aus das Kreuz als Symbol des lebendigen und liebenden Gottes in die ganze Welt hinaustrugen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung &nbsp; Im Alten Testament und im Neuen Testament (ebenso im Koran) redet nicht Gott unmittelbar selbst, sondern wir haben es mit Gottes-Bildern zu tun. Gottesbilder, die von Menschen stammen und deshalb selbstverst\u00e4ndlich verglichen und beurteilt werden k\u00f6nnen. 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