{"id":118087,"date":"2026-01-20T11:43:55","date_gmt":"2026-01-20T10:43:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118087"},"modified":"2026-01-20T11:43:58","modified_gmt":"2026-01-20T10:43:58","slug":"die-wittelsbacher-und-italien-vom-12-bis-zum-16-jahrhundert-vom-kriegszug-zur-kavalierstour","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-wittelsbacher-und-italien-vom-12-bis-zum-16-jahrhundert-vom-kriegszug-zur-kavalierstour\/","title":{"rendered":"Die Wittelsbacher und Italien vom 12. bis zum 16. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<h3><strong> Wittelsbacher als F\u00fcrsten des Reiches auf Italienzug<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wittelsbacher und Italien \u2013 ein Thema, das eine ganz lange Geschichte hat, war doch ein Ereignis, das sich auf italienischem Boden abspielte, miturs\u00e4chlich f\u00fcr den Aufstieg des Hauses zur Herzogsw\u00fcrde in Bayern. Otto von Wittelsbach, Pfalzgraf in Bayern, k\u00e4mpfte 1155 f\u00fcr Kaiser Friedrich I. bei dessen erstem Italienzug in schwieriger Lage an der Veroneser Klause den R\u00fcckweg frei und sicherte sich durch diese Waffentat das dauernde Wohlwollen des Herrschers. Diese durch ihre k\u00fcnstlerischen Darstellungen besonders aus dem 19. Jahrhundert bekannte Szene war aber bei weiten nicht die einzige Gelegenheit, bei der Otto sich im Dienst des Staufers in Italien bet\u00e4tigte: Er war auch beteiligt an dessen zweitem Italienzug von 1158 bis 1162 zur Unterwerfung der lombardischen St\u00e4dte und kam 1159 als F\u00fchrer einer kaiserlichen Gesandtschaft nach Rom, wo er bei der Papst-Doppelwahl dieses Jahres den kaiserfreundlichen Gegenpapst Viktor [IV.] st\u00fctzte.<\/p>\n<p>Einen H\u00f6hepunkt wittelsbachischer Italien-Beziehungen setzte der 1314 zum K\u00f6nig gew\u00e4hlte Ludwig IV., der Bayer, als er im Sp\u00e4twinter 1327 von Trient nach S\u00fcden aufbrach. Sein erstes Ziel war Mailand, wo er die Stadtherren aus der Familie Visconti gegen ein p\u00e4pstlich-neapolitanisches Heer unterst\u00fctzte und mit der Eisernen Krone der langobardischen K\u00f6nige gekr\u00f6nt wurde. In Rom wurde der vom \u2013 in Avignon residierenden \u2013 Papst Gebannte am 17. Januar in einem ungew\u00f6hnlichen Verfahren im Namen des r\u00f6mischen Volkes zum Kaiser gekr\u00f6nt. Aufgrund von Versorgungsproblemen und des Todes wichtiger Parteig\u00e4nger musste er die Ewige Stadt aber schon Anfang August 1328 wieder r\u00e4umen. Die folgenden 15 Monate verbrachte er in der Toskana und in Oberitalien, ehe er zu Weihnachten 1329 wieder in Trient und Anfang Februar 1330 in Bayern eintraf. Zu dem anfangs geplanten baldigen zweiten Italienzug zur Stabilisierung der kaiserlichen Herrschaft in diesem Land kam es nie; als einziger Ertrag blieb die wegen der fehlenden Anerkennung durch die p\u00e4pstliche Kurie anfechtbare Kaiserw\u00fcrde. Ludwig suchte dies zu kompensieren durch eine demonstrative propagandistische Aufwertung der mit der Stadt Rom verbundenen Tradition, an der der Papst durch seinen Umzug nach Avignon Verrat begangen habe.<\/p>\n<p>Auch unter Ludwigs S\u00f6hnen und Enkeln fehlt es nicht den Personen, die sich zeitweise in Italien politisch und milit\u00e4risch bet\u00e4tigten. Herzog Stephan II. zog 1365 nach Mailand, um im B\u00fcndnis mit den Visconti das zwei Jahre zuvor an die Habsburger verlorene Tirol zur\u00fcckzuerobern. Heraus kam eine Heiratsverbindung. Wieder zwei Jahre sp\u00e4ter feierte der Herzogssohn Stephan III. Hochzeit mit Thaddea Visconti. War bei diesen Aktivit\u00e4ten noch das bayerische Interesse an Tirol im Spiel gewesen, so entsprang ein erneutes italienisches Intermezzo im Leben Herzog Stephans III. einer Mischung aus reichspolitischem Engagement und Abenteuerlust. Im Auftrag K\u00f6nig Wenzels zog er 1380\/81 mit einem kleinen Heer nach Italien, um dessen Romzug vorzubereiten. Dazu kam es nie, aber der bayerische Herzog blieb erst einmal im Land s\u00fcdlich der Alpen, trat vor dem Hintergrund des Schismas in die Dienste des r\u00f6mischen Papstes und eroberte f\u00fcr diesen als f\u00fcrstlicher Condottiere die Stadt Todi in Umbrien, die sogar f\u00fcr zwei Jahre einen bayerischen Stadtpfleger erhielt. Wieder zehn Jahr sp\u00e4ter \u00fcberschritt Stephan III. nochmals die Alpen, um in Erbstreitigkeiten im verschw\u00e4gerten Mail\u00e4nder Herzogshaus einzugreifen, verlegte sich dann aber auf das Feld der Diplomatie: Er ging nach Rom, wo er sich vom dortigen Papst Bonifaz IX. mit einem Verhandlungsauftrag zur Wiederherstellung der Kircheneinheit beauftragen lie\u00df \u2013 ehrenvoll, aber erfolglos. Ebenso scheiterte Stephans Sohn Ludwig der B\u00e4rtige im Sommer 1401, als er sich am Italienzug des neugew\u00e4hlten K\u00f6nigs Ruprecht, eines Wittelsbachers der pf\u00e4lzischen Linie, beteiligte. Der blieb in Oberitalien stecken und brachte nicht die ersehnte Kaiserkr\u00f6nung in Rom ein. Dies sollte die letzte Gelegenheit bleiben, bei der ein Wittelsbacher sich s\u00fcdlich der Alpen kriegerisch bet\u00e4tigte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Das Studium an italienischen Universit\u00e4ten<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es dauerte zwei Generationen, ehe wieder ein Angeh\u00f6riger des Hauses Bayern das Land am Mittelmeer aufsuchte. Als Herzog Albrecht III. von Bayern-M\u00fcnchen 1460 starb, hinterlie\u00df er f\u00fcnf S\u00f6hne, doch nur die beiden bereits vollj\u00e4hrigen Johann und Sigmund \u00fcbernahmen gemeinsam die Regierung. Die j\u00fcngeren Br\u00fcder, der vom Vater f\u00fcr den geistlichen Stand bestimmte Albrecht sowie Christoph und Wolfgang wurden zum Studium nach Italien geschickt. Dahinter steht eine neue Auffassung von den Pflichten eines Herrschers, die diesen nicht mehr als den ersten Ritter, sondern als den obersten Verwalter des Landes auffasste, aber auch eine rechtsgeschichtliche Entwicklung, die damit parallel l\u00e4uft, die Rezeption des an den italienischen Universit\u00e4ten gelehrten r\u00f6mischen Rechts in den Gegenden n\u00f6rdlich der Alpen. Der nach dem fr\u00fchen Tod des \u00e4ltesten Bruders 1463 und der Abdankung des unf\u00e4higen zweiten 1467 doch noch zur Regierung gelangte Albrecht IV. sollte von den in Italien erworbenen juristischen Kenntnissen denn auch geschickten Gebrauch machen. Durch einen neuen Regierungsstil \u2013 \u201ean seinem Schreibtisch weit mehr zu Hause als im Sattel seines Reitpferds\u201c \u2013 hat er sein Teilherzogtum und schlie\u00dflich das wiedervereinigte Bayern aus dem Mittelalter in die Moderne gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die pf\u00e4lzischen Wittelsbacher hatten schon im Sp\u00e4tmittelalter mehrfach nachgeborene S\u00f6hne in der Reichskirche untergebracht. F\u00fcr die bayerische Linie erlangte die M\u00f6glichkeit der Versorgung nicht erbberechtigter m\u00e4nnlicher Nachkommen durch die Gewinnung von geistlichen F\u00fcrstent\u00fcmern erst mit einem einschneidenden Verfassungswandel Bedeutung. Es geh\u00f6rte zur neuen Auffassung von Herrschaft, die mit Albrecht IV. Einzug gehalten hat, dass das Land nicht mehr wie irgendein Privatbesitz geteilt wurde. Die Primogeniturordnung von 1506 schob dem einen Riegel vor, auch wenn ihre Durchsetzung sich in der folgenden Generation noch als schwierig erweisen sollte. Albrechts zweiter Sohn Ludwig X. konnte schlie\u00dflich unter Berufung darauf, schon vor Erlass der Erbfolgeordnung geboren zu sein, seinem Bruder Wilhelm IV. ein Recht der Mitregierung abringen. Danach aber erwiesen sich beide als umso h\u00e4rter gegen\u00fcber ihrem j\u00fcngsten Bruder Herzog Ernst. An ihm wurde erstmals durchexerziert, was von nun an ziemlich regelm\u00e4\u00dfig das Schicksal nachgeborener S\u00f6hne unter der Geltung der Primogeniturordnung sein sollte: Der Eintritt in den geistlichen Stand. Ernst wurde, kaum den Kinderschuhen entwachsen, von seinen Br\u00fcdern in Begleitung seines Lehrers Johannes Aventinus nach Pavia und Rom geschickt. An der ber\u00fchmten Universit\u00e4t des erstgenannten Ortes h\u00f6rte der Prinz juristische Vorlesungen. Der Rombesuch aber diente nur der allgemeinen Erweiterung des Horizonts und keineswegs der theologischen Ausbildung. Eine solche galt zu dieser Zeit kurz vor dem Beginn der Reformation noch nicht als Voraussetzung f\u00fcr einen Bischofsstuhl der Reichskirche und Ernst blieb denn auch zeitlebens ohne h\u00f6here Weihen, obwohl der von 1517 bis 1540 Administrator des Bistums Passau und anschlie\u00dfend bis 1554 des Erzbistums Salzburg war.<\/p>\n<p>Anders verhielten sich die Voraussetzungen zwei Generationen sp\u00e4ter beim ebenfalls auf den Namen Ernst getauften Sohn Herzog Albrechts V. von Bayern, der noch als Kind f\u00fcr den geistlichen Stand bestimmt wurde. Dabei ging es aber nun nicht mehr nur um die blo\u00dfe Versorgung eines nicht erbberechtigten Sohnes, sondern der Prinz sollte als Protagonist einer wittelsbachischen Bistumspolitik gro\u00dfangelegten machtpolitischen Zwecken dienen. Ebenfalls ge\u00e4ndert hatten sich durch das Konzil von Trient die kirchenpolitischen Voraussetzungen. Ohne ein Mindestma\u00df an Vorbildung f\u00fcr den geistlichen Stand ging es nicht mehr, auch wenn die Postulation des erst elfj\u00e4hrigen Herzogssohns zum Bischof von Freising von Papst nach einigem Z\u00f6gern aus \u00fcbergeordneten kirchenpolitischen Gr\u00fcnden best\u00e4tigt worden war.<\/p>\n<p>Um Ernsts Chancen auf weitere und politisch lukrativere Bischofssitze zu vergr\u00f6\u00dfern, verordnete der Vater ihm 1574 einen Studienaufenthalt in Rom. Schon auf der Reise dorthin ergaben sich aber Probleme, denn der junge Herzog benahm sich in Florenz \u201eund andern mer orten \u2026 ungeb\u00fcrlich, ergerlich undt seinem standt ungeme\u00df\u201c. Der Vater drohte dem Sohn mit der Zur\u00fcckberufung nach Bayern, denn dessen Verhalten gereiche ihm, dem regierenden Herzog zu \u201espot, schandt und verkhlainerung\u201c. Herzog Ernsts Benehmen aber machte weiter gro\u00dfe Sorgen. In einer Sommernacht entwischte er mit Hilfe eines Vertrauten, der zuvor eingestiegen war, an einer Strickleiter um drei Uhr nachts aus seinem r\u00f6mischen Quartier, was jedoch nicht unbemerkt blieb, denn auf der Gasse befindliche Leute glaubten an fl\u00fcchtige Diebe und fingen zu l\u00e4rmen an. Nur mit M\u00fche gelang es den Bediensteten, Aufsehen zu vermeiden. Am Morgen traf der Prinz wieder ein und fand statt der Strickleiter zwei W\u00e4chter unter seinem Fenster, worauf er sich wieder davon machte. Am n\u00e4chsten Tag wurde er noch immer gesucht. Ernsts ehemaliger Erzieher Dr. Johann Fabritius, der ihn nach Rom begleitet hatte, schrieb besorgt nach M\u00fcnchen, das Benehmen des jungen Herzogs werde genau beobachtet, besonders vom p\u00e4pstlichen Nuntius in K\u00f6ln, der sich \u00fcber alles informieren lasse, und k\u00f6nne noch einen gro\u00dfen Skandal verursachen. Obwohl sogar der Papst pers\u00f6nlich sich bem\u00fchte, den jungen Mann auf einen besseren Weg zu f\u00fchren und dabei offenbar auch zeitweilig Erfolg hatte \u2013 Albrecht V. dankte ergebenst \u201ede filio Ernesto ad saniorem mentem redacto\u201c (\u201edaf\u00fcr, dass er seinen Sohn erst auf bessere Gedanken gebracht habe\u201c) \u2013, hielt der besorgte Vater es f\u00fcr angemessen, gegen den Willen des Kirchenoberhaupts den Romaufenthalt des Sohns zu beenden, zumal ihm der dort f\u00fcr Ernst engagierte Lehrer zwar ein Mann von gro\u00dfer Gelehrsamkeit, aber bei der Beaufsichtigung des Prinzen nicht sorgf\u00e4ltig genug erschien. Mitten im Winter 1575\/76 musste Ernst die Heimreise \u00fcber die Alpen bew\u00e4ltigen. Im Jahre 1578 reiste er, offenbar auf Vermittlung des Gro\u00dfherzogs von Toskana und ohne Abstimmung mit dem Vater nochmals nach Rom. Dieser wies in leicht verschnupftem Tone zwei Vertrauensleute in der Ewigen Stadt an, ihm zu berichten, \u201ewas wir billich wissen sollen, &#8230; sonderlich wie die B\u00e4bstliche Heyligkeit, cardin\u00e4l und anndere f\u00fcrnembste in Rom unnsers sons unf\u00fcrsehen ankhumen aufgenummen haben.\u201c<\/p>\n<p>Immerhin hoffte Herzog Albrecht, dass durch die Anwesenheit Ernsts in Rom dessen Anliegen dort schneller behandelt w\u00fcrden. Gemeint ist die Verhinderung der p\u00e4pstlichen Best\u00e4tigung der Wahl von Ernsts Gegenkandidat Gebhard Truchse\u00df von Waldburg-Trauchburg bei der 1577 erfolgten Wahl eines neuen K\u00f6lner Erzbischofs, die aber letztlich nicht aufzuhalten war. Kurf\u00fcrst von K\u00f6ln wurde Ernst erst sechs Jahre sp\u00e4ter, nachdem Truchse\u00df die in ihn gesetzten Hoffnungen gerade der eifrig katholischen Domkapitulare durch seinen \u00dcbertritt zum Protestantismus ma\u00dflos entt\u00e4uscht hatte.<\/p>\n<p>Sehr viel erfolgreicher verlief der r\u00f6mische Studienaufenthalt der beiden ebenfalls f\u00fcr den geistlichen Stand bestimmten j\u00fcngeren S\u00f6hne Herzogs Wilhelms V., Philipp und Ferdinand. Sie hatten bei den Jesuiten in Ingolstadt das Gymnasium besucht und anschlie\u00dfend schon ein wenig Theologie an der dortigen Universit\u00e4t studiert, ehe sie den Winter 1592\/93 zur Fortsetzung ihrer geistlichen Ausbildung nach Rom gingen. W\u00e4hrend Philipp, bereits mit drei Jahren zum Bischof von Regensburg postuliert, 1597 sogar zum Kardinal erhoben, schon im darauffolgenden Jahr starb, wurde Herzog Ferdinand als Koadjutor und Nachfolger seines Onkels Ernst ab 1597 zum Initiator der katholischen Reform im Erzbistum K\u00f6ln und den in Personalunion damit verwalteten Bist\u00fcmern L\u00fcttich, M\u00fcnster, Hildesheim und Paderborn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Prinzenreise des Erbprinzen Maximilian<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wiederum einen etwas anderen Charakter als der Studienaufenthalt eines zur geistlichen Laufbahn bestimmten F\u00fcrstensohnes hatte es, wenn ein Thronfolger nach Italien geschickt wurde. Zwar handelte es sich auch dabei der allgemeinen Intention nach um eine Bildungsreise und auch dabei galt ein Aufenthalt in Rom \u2013 jedenfalls bei katholischen F\u00fcrstens\u00f6hnen \u2013 als Kulminationspunkt der Reise, aber eine solche war nicht auf einen l\u00e4ngeren Aufenthalt an einem Studienort, sondern auf den Besuch m\u00f6glichst vieler politisch oder kulturell bedeutender Orte hin angelegt. Erstmals quellenm\u00e4\u00dfig dokumentiert ist eine solche Italienreise im Hause Wittelsbach f\u00fcr den sp\u00e4teren Herzog und Kurf\u00fcrsten Maximilian I. im Jahr 1593. Sie begann \u2013 darin zeigt sich die dezidiert politische Anlage des Reiseprogramms \u2013 nicht sogleich mit dem Aufbruch nach Italien, sondern mit einem Besuch am Hof Kaiser Rudolfs II. in Prag. Schon kurz nach seiner R\u00fcckkehr nach M\u00fcnchen aber begab der Prinz sich am 15. M\u00e4rz in den S\u00fcden, um dem Papst, Venedig, dem Gro\u00dfherzog der Toskana, den Herz\u00f6gen von Mantua, Ferrara und Parma sowie Neapel und Mailand seinen Besuch abzustatten. Das hei\u00dft, auf dem Besuchsprogramm standen mit Ausnahme der Republik Genua und des Herzogtums Savoyen mit seiner Hauptstadt Turin alle halbwegs bedeutenden Staaten Italiens. Die Auslassung der beiden letztgenannten Orte ergab sich wohl aus der Gesamtplanung der Reiseroute, denn das weitere Programm umfasste einen Besuch am lothringischen Herzogshof in Nancy und der Weg dorthin sollte durch die Schweiz f\u00fchren. Eine Durchquerung Frankreichs, wie sie von Piemont oder Ligurien aus nahegelegen h\u00e4tte, war nicht vorgesehen, wohl mit R\u00fccksicht auf die in diesem Land tobenden K\u00e4mpfe zwischen Katholiken und Hugenotten. Eine von Nancy aus geplante politische Bildungsreise zu einer Versammlung der H\u00e4upter der katholischen Liga Frankreichs in Reims unterblieb dann, weil die Konferenz wegen der zwischenzeitlich erfolgten Bekehrung Heinrichs IV. zum Katholizismus abgesagt wurde.<\/p>\n<p>Begleitet wurde der Erbprinz vom Statthalter zu Ingolstadt, Rudolf von Polweiler, weiteren hohen Hofbeamten, seinem Beichtvater, dem Jesuiten Gregor von Valencia, einem Leibarzt und zahlreichem Dienstpersonal, insgesamt 53 Personen. Mit zu ber\u00fccksichtigen ist dabei freilich auch, dass die Reise au\u00dferdem dem Zweck dienen sollte, die beiden j\u00fcngeren Br\u00fcder Ferdinand und Philipp nach Beendigung ihres r\u00f6mischen Studienaufenthalts nach Hause zu geleiten.<\/p>\n<p>Noch vor Betreten italienischen Bodens traf Maximilian am 18. M\u00e4rz in Innsbruck auf einen Abgesandten des Papstes, der ihm zwei vom Oberhaupt der katholischen Christenheit gesegnete Gegenst\u00e4nde \u00fcbergab, einen Hut und ein Schwert, \u201eEhrung und Ausr\u00fcstung eines K\u00e4mpfers f\u00fcr Glauben und Kirche\u201c. Im Hintergrund stand, dass seit dem osmanisch-persischen Frieden von 1590 ein neuer T\u00fcrkenkrieg erwartet wurde, wobei die Lande der mit den Wittelsbachern auf engste verschw\u00e4gerten Habsburger der steirischen Linie das erste Opfer zu werden drohten. In Rom erfuhr Maximilian sp\u00e4ter, dass der Papst sich gegen\u00fcber seiner Umgebung oft beklage, \u201edas die weltlichen catolischen f\u00fcrsten sich so wenig in khriegssachen \u00fcben\u201c. Maximilian nutzte dieses Wissen geschickt, indem er auf eine p\u00e4pstliche Ermahnung, keine Protestantin zu heiraten, die Antwort gab, mit dem Heiraten sei es ihm nicht eilig, sondern zun\u00e4chst wolle er mehr lernen, \u201esonderlich auch im khriegswesen\u201c. Hier erwies der erst zwanzigj\u00e4hrige Prinz sich bereits als in der Kunst der diplomatischen Verschleierung sehr versiert. Er hat damit n\u00e4mlich den Papst bewusst get\u00e4uscht, denn, wie noch zu berichten sein wird, waren mit der Reise durchaus auch Heiratspl\u00e4ne verbunden, wenn auch weniger Maximilians selbst als seiner Eltern. Am M\u00fcnchner Hof hatte man allerdings auch noch eine andere Vermutung \u00fcber die mit dem p\u00e4pstlichen Geschenk verbundene Absicht: Die Kurie wolle durch diese Gunstbezeugung den bayerischen Hof dr\u00e4ngen, die Br\u00fcder Maximilians noch l\u00e4nger in Rom zu lassen, was wegen der Kosten und der leeren Staatskasse nicht den Intentionen Wilhelms V. entsprach.<\/p>\n<p>\u00dcber Trient, wo man vom 20. auf den 21. vom dortigen Bischof Kardinal Madruzzo beherbergt wurde, erreichte die Reisegruppe am 23. M\u00e4rz 1593 Venedig. Dort besichtigte Maximilian allerlei Sehensw\u00fcrdigkeiten und wohnte in einem dem Bischof von Vicenza geh\u00f6rigen Haus. Nicht auf dem Programm stand ein Empfang durch den Dogen, da der Prinz \u201einkognito\u201c in der Lagunenstadt weilte, das hei\u00dft er sich offiziell nicht als bayerischer Thronfolger zu erkennen gab, sondern quasi als privater Tourist sich dort aufhielt. Nichtsdestoweniger wurde er von den Beh\u00f6rden der Republik Venedig mit Kerzen, Wein und Delikatessen beschenkt \u2013 mit der Entschuldigung, man respektiere das Inkognito, daher die bescheidenen Geschenke. Am 27. erfolgte die Abreise zun\u00e4chst nach Padua, wo Maximilian trotz noch gewahrten Inkognitos vom venezianischen Gouverneur und den Spitzen von Stadt und Universit\u00e4t begr\u00fc\u00dft wurde und einen Tag und eine Nacht blieb.<\/p>\n<p>In Mantua, wo Maximilian am 29. ankam, traf er zwar den Herzog nicht an, der gerade in sein zweites Herzogtum Monferrato verreist war, aber die beiden S\u00f6hne des Landesherrn begr\u00fc\u00dften ihn umso freundlicher, wobei es dem bayerischen Erbprinzen bemerkenswert schien, dass sie \u201enit viel gro\u00dfer als die Madalena\u201c, also seine Schwester, waren, aber gut verst\u00e4ndlich deutsch redeten. Der Erbprinz blieb nur zwei N\u00e4chte und einen Tag in Mantua, hielt Konversation mit verschiedenen Angeh\u00f6rigen des Herzogshauses und sah sich die Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt an. Einer Festlegung, auf der R\u00fcckreise zur\u00fcckzukommen, wich er beharrlich aus, da er sich ohne Zustimmung des Vaters auf nichts festlegen lassen wollte und zudem f\u00fcrchtete, dann zu einem l\u00e4ngeren Aufenthalt in der Sommerhitze gen\u00f6tigt zu werden. Zudem bemerkte der politisch wache Maximilian, dass es offenbar zwischen dem regierenden Herzog und den weiblichen Mitgliedern des Hauses Gonzaga Unstimmigkeiten gab: \u201eIch merke sunsten, da\u00df alhie ein selzames regiment und dunkht mich schier, bayde herzoginen sechen g\u00e4rn, da\u00df er dem schwirmen ein end machte.\u201c Gemeint ist wohl, dass es dem Regenten beliebte, seinen Aufenthalt h\u00e4ufig zwischen seinen beiden Herrschaftsgebieten hin und her zu verlegen, was den weiblichen Familienmitgliedern nicht passte. Polweiler meinte, der Herzog habe es absichtlich so arrangieren wollen, dass er Maximilian erst auf der R\u00fcckreise nach Bayern treffe, um wegen wittelsbachisch-florentinischer Heiratspl\u00e4ne mit ihm zu sprechen.<\/p>\n<p>Die weitere Route f\u00fchrte nach Ferrara, wo der dortige Herzog aus dem Hause Este zum Vergn\u00fcgen der G\u00e4ste \u201eein herrliche music von etlich unnd sechzig stimmen unnd instrummenten\u201c auff\u00fchren lie\u00df und die Herzogin am Tag darauf ein Kammerkonzert dreier adeliger Damen und eines \u201egentilhuomo Neapolitano, so ain ba\u00df gesungen\u201c. Von diesem anscheinend besonders musikalischen Hof ging es \u00fcber Bologna und Florenz nach Pisa, wo der Gro\u00dfherzog von Toskana sich gerade mit seiner Familie aufhielt; am 6. April traf Maximilian dort ein. Hier kam zum Tragen, dass die Reise nicht nur der Bildung und Erweiterung des Horizonts des jungen F\u00fcrsten dienen sollte, sondern auch der Brautschau. Eine der am M\u00fcnchner Hof als k\u00fcnftige Herzogin in Erw\u00e4gung gezogenen Kandidatinnen war Maria de Medici, die Tochter des Gro\u00dfherzogs. Im Hause Medici hatte man allerdings bereits einen anderen als k\u00fcnftigen Ehemann f\u00fcr sie im Auge, n\u00e4mlich K\u00f6nig Heinrich IV. von Frankreich. Das wird auch der Grund gewesen sein, weshalb Maximilian die Prinzessin nur kurz und bei schlechter Beleuchtung zu sehen bekam. \u201eSo habe ich sie auch nicht recht gesehen, weil es ziemlich finster war; aber mich dunckt nit, dass sie so gar schen sei, wie mann gesagt. Wie sie sonsten qualificiert oder was ich erfaren, khan ich Euer Durchlaucht b\u00f6\u00dfer mindtlich berichten\u201c, schrieb der Erbprinz nach M\u00fcnchen. Er war recht skeptisch gegen\u00fcber dem \u00fcberschw\u00e4nglichen Lob, das Angeh\u00f6rige des Hofes \u00fcber die Prinzessin, besonders \u00fcber ihre Fr\u00f6mmigkeit, ihm gegen\u00fcber h\u00f6ren lie\u00dfen. Interessanter war offenbar die Unterhaltung mit dem Gro\u00dfherzog: \u201eHatt der gro\u00dfherzog mehr als 2 stundt mit mir von allerlaj sachen conversiert, von Frankhreich, Niderland, Spanien, summa dem ganzen generalwesen in der christenheit, aber alle\u00df ist uber die Spanien und zum thail Jesuiter hinau\u00dfgangen\u201c. Beide mochte der Gro\u00dfherzog offenbar nicht, wobei Maximilian sich aufgerufen f\u00fchlte, die Gesellschaft Jesu in Schutz zu nehmen.<\/p>\n<p>Schon am 7. April verlie\u00df die Reisegruppe Pisa wieder und nahm den Weg \u00fcber Siena und Viterbo, wobei man in kleineren Etappenorten teilweise in sehr schlechten Herbergen \u00fcbernachten musste. In Rom traf sie am 10. April ein; die beiden dort schon weilenden bayerischen Prinzen und mehrere Kardin\u00e4le waren ihr bis zum dritten Meilenstein vor der Stadt entgegengefahren. Von der Porta Pia an der Piazza del Populo, durch die der Einzug in die Ewige Stadt erfolgte, begab man sich sogleich in die Peterskirche, wo Maximilian \u2013 noch in Stiefeln und Sporen \u2013 sogleich ein Gebet verrichtete. Anschlie\u00dfend wurde er von Soldaten der Schweizer Garde zur Audienz zum Papst geleitet, obwohl dieser wegen eines Gichtleidens das Bett h\u00fcten musste. Fast t\u00e4glich durfte der bayerische Erbprinz auch in den folgenden Wochen den Heiligen Vater besuchen, obwohl dieser noch h\u00e4ufiger wegen seiner Krankheit nicht aufstehen konnte \u2013 erneut ein gro\u00dfer Gunsterweis und ein Reflex der gro\u00dfen Hoffnungen, die man an der Kurie auf den bayerischen Erbprinzen setzte, von dessen Pers\u00f6nlichkeit der Papst sich beeindruckt zeigte. Als sichtbare Zeichen dieser Wertsch\u00e4tzung erhielt der junge F\u00fcrst mehrere Reliquien zum Geschenk und konnte einen lange umk\u00e4mpften kirchenpolitischen Erfolg verbuchen: Gegen den Widerspruch des Erzbischofs von Salzburg best\u00e4tigte der Papst die Wahl seines Bruders Ferdinand zum Koadjutor des F\u00fcrstpropsts von Berchtesgaden. Die \u00fcbrige Zeit verging mit der Besichtigung der Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt, mit Empf\u00e4ngen und Banketten bei Kardin\u00e4len und r\u00f6mischen Adeligen sowie mit mehrmaligen Besuchen im r\u00f6mischen Jesuitenkolleg, die seltsamerweise vor dem Papst m\u00f6glichst verheimlich werden mussten, da die Jesuiten damals mit den Dominikanern in einen theologischen Streit um die Gnadenlehre verwickelt waren und Clemens VIII. den letzteren zuneigte. Die Karwoche und Ostern konnte Maximilian in der Umgebung des Papstes feiern, wobei er am Ostersonntag von diesem pers\u00f6nlich die heilige Kommunion empfing. Bei einem Fest im Hause des F\u00fcrsten Cinzio Aldobrandini lernte Maximilian auch den ber\u00fchmten Dichter Torquato Tasso kennen, der ihm ein Sonett widmete. Vom 26. April bis 5. Mai unternahm Maximilian einen Abstecher nach Neapel, wobei er zu Schiff von Civitav\u00e9cchia aus reiste. In der Hauptstadt des s\u00fcditalienischen K\u00f6nigreichs, das unter spanischer Herrschaft stand, erlebte er am Gedenktag der Translation der Reliquien des Heiligen, am 1. Mai, das Blutwunder des Heiligen Januarius mit, wohnte aber beim p\u00e4pstlichen Nuntius und nicht beim spanischen Vizek\u00f6nig, was teils an politischen Ursachen lag, die der Bericht aber nicht angibt, teils an R\u00fccksichten auf den Papst, der die Reise arrangiert hatte. Die R\u00fcckreise erfolgte wieder zu Schiff bis Porto, dem Hafen von Rom.<\/p>\n<p>Nachdem er nochmals einige Tage in Rom verbracht hatte, trat der Erbprinz am 11. Mai gemeinsam mit seinen beiden Br\u00fcdern den Weg nach Norden an, nachdem er am Vortag in Privataudienz den p\u00e4pstlichen Segen empfangen und am fr\u00fchen Morgen nochmals in St. Peter gebetet hatte. Der Weg f\u00fchrte \u00fcber Terni und Spoleto, von wo aus Maximilian allein noch einen Abstecher nach Assisi machte und dann in Foligno wieder seine Br\u00fcder traf. Von dort ging es \u00fcber den Apennin, wobei wieder die \u201eschmale tractation\u201c beklagt werden musste, zum Besuch der Reliquien des Heiligen Nikolaus von Tolentino und von dort am 15. Mai nach Loreto, wo die Reisegesellschaft bis zum 17. bleib. Dieser Teil der Heimreise diente also vorranging dem Besuch von Wallfahrtorten, wobei man sich auf dem Boden des Kirchenstaats bewegte und in allen St\u00e4dten auf Befehl des Papstes von den Beh\u00f6rden empfangen und frei gehalten wurde. Zwischen Fano und Pesaro kam den bayerischen Prinzen der Herzog von Urbino entgegen und begleitete sie bis Rimini. Am 22. Mai trennten sich dort die Wege der Br\u00fcder. Philipp und Ferdinand schlugen den direkten Weg \u00fcber Ravenna und Verona nach Bayern ein, w\u00e4hrend Maximilian verschiedene oberitalienische F\u00fcrstenh\u00f6fe besuchte: \u00dcber Bologna und Modena, wo der p\u00e4pstliche beziehungsweise herzoglich-estensiche Statthalter den Erbprinzen beherbergte, kam er am 25. Mai nochmals nach Mantua, wo auch der Herzog von Ferrara sich eingefunden hatte. Am 26. Mai trugen die beiden Herz\u00f6ge, Maximilian und drei weitere hohe Adelige bei einer abendlichen Prozession zu Ehren einer Heilig-Blut-Reliquie gemeinsam den Baldachin, Zuvor allerdings hatte man eine Kom\u00f6die angesehen, von der es in dem bayerischen Bericht leicht pikiert hei\u00dft: \u201elascivamente abgangen\u201c. Am 28. Mai erfolgte die Abreise, ohne dass wir erfahren, ob des Herzogs von Mantua Neugier wegen des Heiratsprojekts zwischen Maximilian und Maria de Medici nun befriedigt wurde. Vom 28. bis 31. Mai war man beim Herzog von Parma zu Gast, wobei musikalische Darbietungen und Besichtigungen, unter anderem des neu erbauten Schlosses, die meiste Zeit einnahmen. \u00dcber den Besuch in Mailand, wo der spanische Gouverneur des Stato di Milano seinen Sitz hatte, erfahren wir leider nichts, da der Chronist der Reise erkrankt war; Die Abreise erfolgte am 4. Juni, sodass der Aufenthalt wohl zumindest zwei Tage gedauert haben d\u00fcrfte. Nach einer \u00dcbernachtung in Varese erreichte man am 5. Mai die Schweiz. Ein bunter Reigen von Empf\u00e4ngen und Banketten, Besichtigungen von Sehensw\u00fcrdigkeiten und kulturellen Events, Wallfahrten und feierlichen Gottesdiensten, politischen Gespr\u00e4chen und Sondierungen von Heiratsm\u00f6glichkeiten auf italienischem Boden war zu Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wittelsbacher als F\u00fcrsten des Reiches auf Italienzug &nbsp; Die Wittelsbacher und Italien \u2013 ein Thema, das eine ganz lange Geschichte hat, war doch ein Ereignis, das sich auf italienischem Boden abspielte, miturs\u00e4chlich f\u00fcr den Aufstieg des Hauses zur Herzogsw\u00fcrde in Bayern. 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