{"id":118124,"date":"2026-01-20T14:15:12","date_gmt":"2026-01-20T13:15:12","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118124"},"modified":"2026-01-20T14:21:29","modified_gmt":"2026-01-20T13:21:29","slug":"die-fluechtlingskrise-und-ihre-herausforderungen-fuer-die-kirchen-und-die-gesellschaften-europas","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-fluechtlingskrise-und-ihre-herausforderungen-fuer-die-kirchen-und-die-gesellschaften-europas\/","title":{"rendered":"Die Fl\u00fcchtlingskrise und ihre Herausforderungen f\u00fcr die Kirchen und die Gesellschaften Europas"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr lange Zeit kamen die Fl\u00fcchtlinge zuerst in Griechenland an und gingen danach \u00fcber Idomeni und die Balkan-Route weiter Richtung Nordeuropa. Denn sie hielten es f\u00fcr das Gelobte Land. Erst seit August 2015 allerdings haben die europ\u00e4ischen Staaten verstanden, dass sie vor einem einzigartigen Ph\u00e4nomen stehen: Hunderttausende Fl\u00fcchtlinge, besonders aus L\u00e4ndern wie Iran, Afghanistan, Irak und Syrien, w\u00e4hlten Europa als ihre Endstation.<\/p>\n<p>Starke Bilder haben die Sympathie unserer V\u00f6lker hervorgerufen: \u00fcberladene Schiffe, die orangenen Schwimmwesten, die Toten, die das Meer ansp\u00fclt, wie den kleine Aylan, die in Idomeni wegen der von der Republik Mazedonien errichteten Mauer nicht weiter gekommenen Fl\u00fcchtlinge, Menschen, die von K\u00e4lte, Regen, Hunger, Krankheiten und Entt\u00e4uschung geplagt werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hat dieses Ph\u00e4nomen dennoch Angst erweckt. Mit Ausnahme von Deutschland und Schweden hatte und hat Europa immer noch Schwierigkeiten, diese Menschen aufzunehmen. Vielmehr w\u00e4chst allm\u00e4hlich eine feindliche Rhetorik gegen diese Menschen, begleitet von einem Anstieg xenophober und rassistischer Ansichten. Zweifelsohne hat die Anwesenheit all dieser Menschen, denen die Kultur und die Ideale Europas fremd sind, eine Krise im \u201eAlten Kontinent\u201c hervorgerufen. Unsere Politiker haben es schwer, L\u00f6sungen zu finden, die von allen akzeptiert werden k\u00f6nnen. Einige von ihnen nutzen diese Situation sogar aus, um Anh\u00e4nger zu gewinnen, indem sie populistische und rassistische Ansichten vertreten.<\/p>\n<p>Das aber, was von der Welt als Krise wahrgenommen wird und Angst und Unruhe verursacht, sollte von der Kirche und den Christen als Chance gesehen werden. Die Kirche Jesu Christi ist das K\u00f6nigreich Gottes in der Welt. Ihre Bedingungen sind ganz anders als diejenigen der Welt \u2013 vielmehr sind sie genau deren Gegenteil \u2013 und werden vom Evangelium her bestimmt.<\/p>\n<p>Unsere Reaktion auf alle diese Mengen von strapazierten Menschen wird weder unserem Urteil und unserer Wahl noch unserer philosophischen und literarischen Ideen und Diskussionen \u00fcberlassen. Sie ist vom Wort Gottes selbst bestimmt, und wir sind gerufen, ihm zu gehorchen. Wenn wir es anders machen, verurteilt uns das Evangelium. Die Kirche soll und muss das Fl\u00fcchtlingsthema annehmen als:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Chance zur Anbetung Gottes<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Frage Gottes an Adam, der jetzt ein S\u00fcnder und beim t\u00e4glichen Treffen mit Gott nicht pr\u00e4sent ist, sondern verborgen bleibt, lautete: \u201eWo bist Du?\u201c (Gen 3,9). Die zweite aber, die Frage Gottes an den Menschen, der sich Gott anbetend ann\u00e4hern m\u00f6chte, hie\u00df: \u201eWo ist Abel, dein Bruder?\u201c (Gen 4,9). Kain meint, dass er Gott erreichen und anbeten kann, w\u00e4hrend der N\u00e4chste fehlt. Gott lehnt aber eine solche Anbetung ab, denn es gibt in der Heiligen Schrift keine private Gottesanbetung. Die Anbetung, die sich Gott w\u00fcnscht und m\u00f6chte, ist \u00f6ffentlich und hat sogar eine triadische Struktur: der Gl\u00e4ubige in harmonischer und heilender Beziehung mit dem N\u00e4chsten vor Gott.<\/p>\n<p>Alle Gesetzesvorschriften im Alten Testament werden davon gepr\u00e4gt, wie etwa das Sabbat-Gebot: \u201eGedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und dein Vieh, ein Fremder in deinen Toren\u201c (Ex 20,8-10). Der gl\u00e4ubige Jude konnte sich nicht allein mit seiner Familie Gott ann\u00e4hern. Das Privileg der Sabbat-Ruhe und Gottesanbetung sollte auch dem Fremden verliehen werden, der in den j\u00fcdischen St\u00e4dten Gastfreundschaft genoss.<\/p>\n<p>Vielleicht geh\u00f6rt das Fasten zu den privatesten gottesdienstlichen \u00dcbungen, die wir haben. Trotzdem ist sie f\u00fcr Gott inakzeptabel, wenn sie nicht von Sorge, Gerechtigkeit und Liebe f\u00fcr den sich im Ungl\u00fcck befindlichen N\u00e4chsten begleitet wird. Gott sagt: \u201eSeht, ihr fastet und es gibt Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Geh\u00f6r &#8230; Ist nicht das ein Fasten, wie ich es w\u00fcnsche: die Fesseln des Unrechts zu l\u00f6sen, die Stricke des Jochs zu entfernen, Unterdr\u00fcckte freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen? Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen, obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen? &#8230; Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem \u00fcbel nachredest, den Hungrigen st\u00e4rkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.\u201c (Jes 58,4-10)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Chance, den N\u00e4chsten kennen zu lernen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir unterscheiden uns nicht so sehr von den Juden zur Zeit Jesu. F\u00fcr sie wie f\u00fcr uns alle geh\u00f6rten zu den N\u00e4chsten diejenigen, die derselben Nation angeh\u00f6rten, dieselbe Sprache sprachen und dieselbe Religion trieben. Christus schaffte dies spaltende Wahrnehmung des \u201eN\u00e4chsten\u201c ab und bestimmt ihn neu, er fordert unsere nationalistischen und religi\u00f6sen Grenzen heraus. Christus gibt sogar keinem von uns das Recht, unseren \u201eN\u00e4chsten\u201c zu bestimmen. Wir w\u00e4ren nicht in der Lage, das Triptychon derselben Nation, Sprache und Religion zu \u00fcberwinden. Eben mitten in diesem Triptychon neigen wir dazu, selber die Person zu w\u00e4hlen, die wir f\u00fcr unseren \u201eN\u00e4chsten\u201c halten.<\/p>\n<p>Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter steht im Neuen Testament, um unsere rassistischen Neigungen und Entgleisungen zu kritisieren. Es erinnert uns daran, dass der \u201eN\u00e4chste\u201c die Person ist, die Gott auf unseren Weg stellt, nicht jemand, den wir ausw\u00e4hlen. Vielleicht ist dieser Jemand aus einer anderen Nation, spricht eine andere Sprache, glaubt an eine andere Religion. Wir werden dazu gerufen, ihm gegen\u00fcber als seine \u201eN\u00e4chsten\u201c dazustehen, denn das ganze Gleichnis dreht sich um die Frage Jesu \u201eWer von diesen dreien meinst du, ist dem der N\u00e4chste geworden, der von den R\u00e4ubern \u00fcberfallen w\u00fcrde?\u201c (Lk 10,36) Und wenn der Gesetzeslehrer antwortet: \u201eDer barmherzig an ihn gehandelt hat\u201c, zeigt Jesus den Weg, auf dem auch dieser gehen sollte: \u201eDann gehe und handle du genauso!\u201c (Lk 10,37).<\/p>\n<p>Daher hei\u00dft die Frage f\u00fcr uns, die Christen Europas, nicht nur: Wer ist der N\u00e4chste? Es geht vielmehr um die Frage ob ich, als Christ, Angeh\u00f6riger des neuen K\u00f6nigreiches, mich selber als der \u201eN\u00e4chste\u201c verhalte und dem Gebot Christi gehorche: \u201eDann gehe und handle du genauso!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Chance, das Gleichnis vom richtenden Menschensohn zu erf\u00fcllen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Anwesenheit der Fl\u00fcchtlinge bietet der Kirche die goldene Chance, das zu realisieren, was sie \u00fcber die menschliche Person glaubt und verk\u00fcndet. Jeder von allen diesen Menschen, unabh\u00e4ngig von seinem Geschlecht oder Alter, tr\u00e4gt den Stempel Gottes als dessen besonderes Gesch\u00f6pf.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu allen anderen Gleichnissen ist dasjenige vom Gericht des Menschensohnes eine Geschichte, die aus der Zukunft kommt. Sie ist die Zukunft. In diesem Gleichnis identifiziert sich Christus mit dem \u201eGeringsten\u201c der Gesellschaft, n\u00e4mlich mit dem \u201eHungrigen, Durstigen, Fremden, Nackten, Kranken und Gefangenen\u201c. Die Fl\u00fcchtlinge verk\u00f6rpern die \u201eGeringsten\u201c unserer Gesellschaft heute. Sie sind die \u201eHungrigen, Durstigen, Fremden, Nackten, Kranken und \u2013 in einem bestimmten Sinn \u2013 die Gefangenen.<\/p>\n<p>Sie sind die \u201eGeringsten\u201c, die fast niemand will im eigenen Land, in seiner Stadt, in der Schule seiner Kinder, im eigenen Wohnhaus. Wir tolerieren sie in abseitigen Lagern, unter miserablen Bedingungen, in Industriegebieten. Hauptsache, sie bleiben fern von uns, fern von unseren Kindern, unseren Gesch\u00e4ften. Wir m\u00f6chten sie nicht sehen: Sie st\u00f6ren die \u00c4sthetik unseres Wohnortes. Um unser Bewusstsein zu beruhigen, machen wir irgendetwas Caritatives und wollen, dass dies auch von den Medien aufgenommen wird, um zu zeigen, dass wir liebevolle Aktivisten sind.<\/p>\n<p>Man fragt sich: Wie christlich ist denn so ein Verhalten? Wir beruhigen uns, indem wir glauben, dass wir im Gotteshaus Gott begegnen. Jesus aber kehrt alle unsere Annahmen um, indem er uns sagt, wo wir ihm begegnen: \u201eWas ihr f\u00fcr einen meiner geringsten Br\u00fcder (nicht) getan habt, das habt ihr mir (nicht) getan\u201c (Mt 25,40).<\/p>\n<p>Nach der Berufung des Z\u00f6llners Matth\u00e4us sitzt Christus in dessen Haus und isst mit den Z\u00f6llnern und den S\u00fcndern, den \u201eGeringsten\u201c jener Gesellschaft. Emp\u00f6rt reagieren die \u201eChristen\u201c der damaligen Zeit und richten den J\u00fcngern Jesu folgende Frage aus: \u201eWie kann euer Meister zusammen mit Z\u00f6llnern und S\u00fcndern essen?\u201c (Mt 9,11). Darauf antwortet der Herr mit Worten des Propheten Hosea: \u201eGeht und lernt, was es hei\u00dft: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!\u201c (Mt 9,13).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Chance, die Liebe Jesu Christi zu inkarnieren<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Kirche sprechen wir von der Fleisch- oder Menschwerdung Gottes. Dies darf aber nicht nur ein Thema zur philosophisch-theologischen Besch\u00e4ftigung bleiben. Es geht vielmehr um den Rahmen, in dem wir als Christen und Kirche unser Leben in der Welt wahrnehmen. Wir sind dazu gerufen, die Liebe Christi zu inkarnieren und der Welt zu zeigen, was Christus bedeutet.<\/p>\n<p>Das ganze irdische Leben des Herrn war eine inkarnierte, dienende Liebe. Seine Worte in Mk 10,45 markieren sein ganzes Leben: \u201eDer Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als L\u00f6segeld f\u00fcr viele.\u201c Der Apostel Paulus ruft uns auf, eine Gesinnung wie Christus zu haben, wie diejenigen (Phil 2,5-11), zu denen der Apostel Petrus sagt, dass Christus ihnen \u201eBeispiel gegeben (hat), damit ihr seinen Spuren folgt\u201c (1 Petr 2,21). Die Frage also, die uns allen gestellt wird, wenn wir behaupten, dass wir Christen sind, lautet: \u201eWas w\u00fcrde Christus mit den Fl\u00fcchtlingen tun?\u201c<\/p>\n<p>Teresa von Avila sagte: \u201eChristus hat keinen anderen K\u00f6rper als deinen. Er hat keine H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe auf der Erde au\u00dfer deinen. Durch deine Augen sieht er die Welt barmherzig. Mit deinen Beinen streift er herum, um das Gute zu tun. Mit deinen H\u00e4nden segnet er die Welt. Mit deinen Beinen, H\u00e4nden, Augen. Du bist sein K\u00f6rper. Er hat keinen irdischen K\u00f6rper au\u00dfer deinem\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Chance, ein prophetisches Wort zu sprechen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim ersten \u00f6ffentlichen Auftritt Jesu in der Synagoge von Nazareth wurde ihm das Buch Jesaja gegeben, damit er daraus vorliest. Er hat die Worte vorgetragen, die auf ihn bezogen waren und die Natur seiner irdischen Pr\u00e4senz offenbarten: \u201eDer Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verk\u00fcnde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe\u201c (Lk 4,18-19).<\/p>\n<p>Dies war die Mission des Herrn, und er ruft uns dazu auf, dass wir das Gleiche tun: dass wir uns nicht mit den M\u00e4chtigen dieser Welt identifizieren, sondern mit den Schwachen, den Sprachlosen, deren hoffnungsloses Jammern die Ohren derjenigen nicht erreicht, die meinen, dass sie die Schicksale der Welt in ihren H\u00e4nden haben. Wenn die Kirche nicht spricht, wer wird dann f\u00fcr diese Menschen sprechen? \u201e\u00d6ffne deinen Mund f\u00fcr die Stummen, f\u00fcr das Recht aller Schwachen! \u00d6ffne deinen Mund, richte gerecht, verschaffe dem Bed\u00fcrftigen und Armen Recht!\u201c (Spr 31,8-9)<\/p>\n<p>Heute ist es mehr denn je n\u00f6tig, dass die Stimme der Kirche in den H\u00e4usern derer geh\u00f6rt wird, die unsere Welt in die H\u00f6lle des Krieges schicken. Als Christen tragen wir die Verantwortung, aber wir haben auch die Chance, das Recht der Verfolgten und Ungl\u00fccklichen zu verteidigen. Die schreiende Agonie dieser Menschen sollen wir an die Orte tragen, wo es nicht geh\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Wenn wir an ihrer Stelle w\u00e4ren, w\u00fcrden wir uns w\u00fcnschen, dass jemand f\u00fcr uns spricht. Dass jemand eine, wenn Sie so wollen, priesterlich-vermittelnde Rolle spielt. Als Kirche und als Christen sollen wir die \u201ePropheten\u201c dieser Menschen in den Zentren der Macht werden und die \u201eGoldene Regel\u201c des Herrn anwenden: \u201eAlles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten\u201c (Mt 7,12).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Chance f\u00fcr ein gemeinsames Zeugnis der Kirche<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Fl\u00fcchtlingsfrage ist kein dogmatisches Problem. Es ist nicht das Problem der orthodoxen oder der katholischen oder evangelischen Christen. Es ist ein Problem f\u00fcr uns alle, aber auch eine gemeinsame Herausforderung und Chance. Die Entscheidung des Papstes, des \u00d6kumenischen Patriarchen und des Erzbischofs von Athen, sich im April 2016 auf Lesbos zu treffen, war ein gewichtiges Signal, und als evangelische Christen bef\u00fcrworten wir sie. Sie reicht allerdings nicht. Niemand von uns kann eine Herausforderung solcher Gr\u00f6\u00dfe allein schultern. Eine gemeinsame Bem\u00fchung ist notwendig.<\/p>\n<p>Seien wir aber ehrlich: Trotz einiger Ausnahmen handeln wir unabh\u00e4ngig voneinander und autonom, obwohl wir unsere Kr\u00e4fte auch aus missionarischen Gr\u00fcnde h\u00e4tten vereinigen k\u00f6nnen: \u201eAlle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast\u201c (Joh 17,21). Und dies f\u00fchrt mich zu meinem letzten Punkt,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Eine Chance f\u00fcr die christliche Mission<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df: Diese Aussage ist in unseren Tagen nicht \u201epolitisch korrekt\u201c. Es ist trotzdem unm\u00f6glich, wenn wir dem Evangelium treu sein wollen, die missionarische Perspektive abzulehnen, denn wir werden dazu als J\u00fcnger Jesu Christi gerufen. Das bedeutet nicht, dass wir Druck aus\u00fcben d\u00fcrfen oder dass wir das Recht haben, die Not dieser Menschen ausnutzen, um Proselytismus zu treiben. So etwas ist unmoralisch.<\/p>\n<p>Andererseits d\u00fcrfen wir uns aber f\u00fcr unseren Glauben nicht sch\u00e4men; wir d\u00fcrfen keine Angst davor haben, ein Bekenntnis unseres Glaubens abzulegen. Die opferbereite Liebe, die wir aufgerufen sind, diesen Menschen gegen\u00fcber zu zeigen, gen\u00fcgt, um in ihnen diejenigen Reize und Fragen entstehen zu lassen, damit sie selber nach dem Grund daf\u00fcr suchen, warum wir anders sind.<\/p>\n<p>Christus ruft und versichert uns: \u201eIhr seid das Licht der Welt &#8230; So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen\u201c (Mt 7,14-16). Da Gott diese Menschen bis vor unsere Haust\u00fcr gebracht hat, bietet sich uns eine goldene Chance, ihnen zu zeigen, was Christus und die Christen sind. Vielleicht werden sie nach dem Grund suchen, warum wir anders sind!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung: Georgios Vlantis<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr lange Zeit kamen die Fl\u00fcchtlinge zuerst in Griechenland an und gingen danach \u00fcber Idomeni und die Balkan-Route weiter Richtung Nordeuropa. Denn sie hielten es f\u00fcr das Gelobte Land. 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