{"id":118128,"date":"2026-01-20T14:19:00","date_gmt":"2026-01-20T13:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118128"},"modified":"2026-01-20T14:22:14","modified_gmt":"2026-01-20T13:22:14","slug":"griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/","title":{"rendered":"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn von Stereotypen die Rede ist, verwenden wir das Wort gew\u00f6hnlich ausschlie\u00dflich in negativer Bedeutung. Als stereotyp gilt also dasjenige Wort, das schwach, undifferenziert, \u201emechanisch\u201c ist. Deswegen neigt es zu Vorurteilen und Parteilichkeit. Dagegen beansprucht jeder, der gegen Stereotype spricht, ein besonderes Lob, weil er angeblich inhaltsreich redet, \u00fcber eine feine Sensibilit\u00e4t verf\u00fcgt und eine par excellence kritische Haltung vertritt.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach ist eine solche Ann\u00e4herung selbst stereotyp und tut dem Wesen der Sache Unrecht. Und dies geschieht nicht nur weil, wie uns Gadamer in Wahrheit und Methode gelehrt hat, auch die Vorurteile selber legitim sein k\u00f6nnen, insofern sie ihr Ansehen aus den Ansichten einer Autorit\u00e4t oder der gesammelten Erfahrung der Tradition sch\u00f6pfen. Es gibt noch einen anderen, h\u00e4ufig vergessenen Grund. Wie jedes Werturteil verr\u00e4t auch die stereotype Bewertung nicht nur \u00fcber den Bewerteten viel, sondern auch \u00fcber den Bewertenden. Es zeigt uns nicht nur, wie dieser alles versteht, was er zu beurteilen hat, sondern auch, wie er sich selbst wahrnimmt und vorstellt. Hinter dem stereotypen Bild des Anderen versteckt sich immer ein stereotypes Bild des Selbst: Das stereotype Verst\u00e4ndnis des Anderen setzt notwendig ein genauso stereotypes Selbstverst\u00e4ndnis voraus. Wegen Gr\u00fcnden, die uns allen bekannt sind, sind die Fragen rund um das Selbstverst\u00e4ndnis \u2013 mit anderen Worten, die Identit\u00e4tsfragen \u2013 \u00e4u\u00dferst sensibel. Unser Unternehmen, die Stereotypen zu bek\u00e4mpfen, gem\u00e4\u00df denen wir die Anderen beurteilen, ist viel feiner und riskanter, als es auf den ersten Blick scheint.<\/p>\n<p>Ja, so ein Unternehmen ist auch sehr riskant. Wenn wir ehrlich sein wollen, dann scheint das stereotypenreiche Wort gesellschaftlich un\u00fcberwindbar. Es verf\u00fcgt \u00fcber viele Vorteile: Es ist von vornherein verf\u00fcgbar, kann jederzeit zur\u00fcckgerufen werden und ist auch fast \u00fcberall anwendbar. Es ist schon erprobt und vertraut; es richtet sich an Menschen, die es gerne h\u00f6ren; es muss seine Anh\u00e4nger nicht jedes Mal von Neuem gewinnen. Es ist vor allem schnell. H\u00e4ufig untersch\u00e4tzen wir die Bedeutung der Geschwindigkeit, weil wir einen Mangel an unmittelbarer praktischer Erfahrung haben oder die M\u00f6glichkeiten des kritischen Denkens \u00fcbersch\u00e4tzen. Im rasanten Tempo der sp\u00e4ten Neuzeit gilt allerdings oft die Schnelligkeit einer Entscheidung als ihre h\u00f6chste Tugend. Wenn wir mit dramatischen Ereignissen zu tun haben, die sich w\u00e4hrend einer einzigen B\u00f6rsensitzung oder eines Terrorangriffes abspielen, ist oft der Inhalt einer Entscheidung zweitrangig. Das, was hier vor allem z\u00e4hlt, ist die Reaktion selber \u2013 nicht so sehr die Entscheidung, sondern die Entschiedenheit. In solchen F\u00e4llen werden die langfristigen Konsequenzen der Entscheidung an sich dem Urteil der Zukunft \u00fcberlassen; auf der Waage der Gegenwart hat jene Symbolik Gewicht, die die Ank\u00fcndigung einer Entscheidung ausstrahlt. Die Menschen der Tat wissen es gut: Politiker, Milit\u00e4rs, Verantwortliche in Wirtschaft und Presse: Wenn der kritische Moment kommt, dann ist es wichtiger zu wissen, was du willst, nicht was du tust. Die \u00fcbertriebene Vertiefung desorientiert die Vitalit\u00e4t des Willens, manchmal bet\u00e4ubt sie sie.<\/p>\n<p>Sogar ein \u201ehomme des lettres\u201c wie Rainer Maria Rilke, wusste es: \u201eAber Lebendige machen alle den Fehler, dass sie zu stark unterscheiden\u201c, so in der Ersten Elegie. Aber wenn wir auch das k\u00fchle Verh\u00e4ltnis von Kosten und Nutzen unter die Lupe nehmen, ist klar, dass eine falsche, leichtlebige Entscheidung manchmal korrigiert wird, dass der durch sie entstandene Schaden repariert wird. Das Vers\u00e4umnis einer wichtigen Entscheidung aber, auch wenn die Gr\u00fcnde dieses Vers\u00e4umnisses wichtig sind, k\u00f6nnte sich als nicht wieder gutzumachen erweisen. Wer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft das Leben.<\/p>\n<p>In solchen Momenten, die immer h\u00e4ufiger und dichter werden, je dichter die technische Vernetzung des Planeten wird, erweist sich die sokratische Tugend des Hinterfragens, des permanenten Zweifels, oft als ein Nachteil. Die Stereotype sind ein nat\u00fcrlicher \u2013 man k\u00f6nnte sagen: instinktiver \u2013 Denkschutz, manchmal der einzige, \u00fcber den wir verf\u00fcgen, gegen\u00fcber einer Welt, die immer komplizierter und intransparenter wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir also von Stereotypen reden, und sogar von konkreten Stereotypen, wie denen, die sich auf die griechisch-deutschen Verh\u00e4ltnisse beziehen, dann m\u00fcssen wir zweimal vorsichtig sein. Nicht alle sind wegzuwerfen; sie beinhalten oft n\u00fctzliche und wesentliche Informationen. Nicht alle sind zu beseitigen; \u00fcber ihre Inhalte hinaus spielen sie eine kritische Rolle, als Orientierungszeiger in der Politik und anderswo.<\/p>\n<p>Schauen wir uns nun aber die Frage n\u00e4her an, die uns besch\u00e4ftigt. Welche Schlussfolgerungen haben wir denn gezogen, was haben wir alles festgestellt, seit 2010 bis heute, in den Jahren der gro\u00dfen und bis jetzt nicht entspannten Krise Europas? Eine erste und allen klare Schussfolgerung ist, dass sich das Bild der Deutschen in den Augen des Durchschnittsgriechen radikal ge\u00e4ndert hat. Vor allem das Bild der deutschen Politik. Es herrschte fr\u00fcher eine pauschale Sympathie oder Anerkennung, manchmal sogar ehrliche Bewunderung f\u00fcr die Errungenschaften Deutschlands in der Nachkriegszeit und besonders nach der Wiedervereinigung. An deren Stelle sind aber sehr schnell die Zur\u00fcckhaltung und der Argwohn getreten. In breiten Teilen der Bev\u00f6lkerung \u00e4u\u00dfern sie sich als offene Gegnerschaft oder gar Feindschaft. Bittere geschichtliche Erinnerungen wurden hochgeholt, Reflexe, die wir f\u00fcr tr\u00e4ge hielten, wurden wieder in Bewegung gesetzt. Ein aggressiver Antigermanismus, verbreitet im ganzen politischen Spektrum und in der ganzen Gesellschaft und mit der Fahne des uns angeblich bedrohenden Vierten Reiches als Schreckensgespenst in der Hand, hat rasant die n\u00fcchternen Urteile beseitigt.<\/p>\n<p>Bis zu einem bestimmten Grad, vielleicht in geringerem Ma\u00dfe, hat sich auch das Bild Griechenlands und seiner Einwohner in den Augen des Durchschnittsdeutschen verschlechtert. Abwertende Aussagen und Taten fand man auch hier, realisiert oder gesch\u00fcrt von politischen Organisationen und Personen, die bereit waren, das Missfallen von gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung auszunutzen. Auch in Deutschland sah man das Auftauchen uralter Stereotypen, die in scharfen Trennlinien herauskristallisiert wurden: Norden-S\u00fcden, Zikaden-Ameisen, Mittelmeer-Mitteleuropa und so weiter.<\/p>\n<p>Von ihrem leicht zu disziplinierenden Selbst ausgehend, \u00fcbersch\u00e4tzen die Deutschen die M\u00f6glichkeiten der Politik und der Propaganda, die \u00f6ffentliche Meinung eines Landes dorthin zu steuern, wohin diese beiden m\u00f6chten. Im Fall Griechenlands w\u00e4re es allerdings ein Fehler zu denken, dass unser aktueller Antigermanismus ausschlie\u00dflich das Gesch\u00f6pf einiger ideologischer Mechanismen oder das Produkt einer Propaganda von oben oder von au\u00dfen ist, die aus Eigeninteressen von konkreten politischen M\u00e4chten und der Presse angestiftet wird. Im Gegensatz zu den L\u00e4ndern des europ\u00e4ischen Nordens und wegen geschichtlicher Gr\u00fcnde, die ich jetzt nicht erl\u00e4utern kann, sind die Mechanismen des kollektiven \u201eKatechismus\u201c in Griechenland vergleichsweise schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Der aktuelle griechische Antigermanismus sowie der fr\u00fchere tiefe Antiamerikanismus, der die ersten Nachkriegsgenerationen gekennzeichnet hat, kommen von unten. Er antwortet auf tiefverwurzelte seelische Bed\u00fcrfnisse und Unsicherheiten und verdeutlicht stumme, aber bedeutsame und bis heute un\u00fcberbr\u00fcckbare kulturelle Unterschiede. In diesem Sinne, das Fazit meines Beitrags vorwegzunehmen, ist dieser Antigermanismus unverwundbar gegen\u00fcber der reinen Vernunft und ihrer Argumente \u2013 unserer Argumente.<\/p>\n<p>Ich erl\u00e4utere das an einem Beispiel. Es geht um ein entscheidendes Wort. Rund um dieses Wort hat sich in all diesen Jahren die Diskussion \u00fcber die europ\u00e4ische Krise gedreht: \u03c7\u03c1\u03ad\u03bf\u03c2, Schuld. Lassen wir die allen bekannten Ereignisse, den dauernden politischen Streit und die offizielle Haltung der Regierungen beiseite. Wie versteht der Durchschnittsgrieche und wie der Durchschnittsdeutsche den Begriff Schuld?<\/p>\n<p>Ich meine, dass es weder zuf\u00e4llig noch indifferent ist, dass in der deutschen Sprache ein sehr breites Spektrum von Bedeutungen durch denselben Begriff wiedergegeben werden kann: Schuld. Im Strafrecht geht es zum Beispiel um die Zurechnungsf\u00e4higkeit des T\u00e4ters. In religi\u00f6sen Kontexten bedeutet Schuld S\u00fcnde. Die semantische Breite des Wortes ist so gro\u00df, dass sie auch das Verbrechen in seiner abscheulichsten Ausdrucksform abdecken kann, diejenige des Mordes: Schuld und S\u00fchne, so wird am h\u00e4ufigsten das Werk Dostojewskijs \u00fcberschrieben, obwohl Verbrechen und Strafe die pr\u00e4ziseste \u00dcbersetzung w\u00e4re. Auch der Akt der Entschuldigung, das Wort selbst, erinnert uns an jene moralisch-religi\u00f6se Herkunft und Kontinuit\u00e4t der Begriffe. Entschuldigung bedeutet wortw\u00f6rtlich \u201eBefreiung von der Schuld\u201c, \u201eEnt-Schuldigung\u201c. Es geht also um einen v\u00f6llig verinnerlichten und jahrhundertalten sprachlichen und gesellschaftlichen Automatismus. Aufgrund dessen ist in den Augen des Durchschnittsdeutschen ein Schuldner gleichzeitig jemand, der eine Straftat begangen hat, sogar ein \u201eS\u00fcnder\u201c. Den kann man entschuldigen, insofern er seine Strafe verb\u00fc\u00dft, \u201eReue zeigt \u201c, \u201eihm verziehen wird\u201c und er seine Schuld bezahlt. Wer Pleite gegangen ist, ist etwas mehr als ein unzuverl\u00e4ssiger Partner beim Gesch\u00e4ftemachen: Er muss sich auf der Ebene der Moral verantworten, ist gesetzlich strafbar und aus der Gesellschaft auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Deutschen verf\u00fcgt der heutige Grieche \u00fcber keine starken Ausdr\u00fccke, um den Selbstvorwurf zu artikulieren. Es scheint sogar, das bereits unser Wortschatz der Rechenschaft Widerstand leistet, dass er sie verhindert. Das uralte Wort \u03cd\u03b2\u03c1\u03b9\u03c2 (Hybris) setzt nicht \u2013 woran uns der Fall von \u00d6dipus erinnert \u2013 die subjektive Verantwortung des T\u00e4ters voraus. Das Verb \u03c3\u03c6\u03ac\u03bb\u03bb\u03c9 (einen Irrtum begehen) ist wesentlich verstummt und wurde vom moralisch farbloseren Ausdruck \u03ba\u03ac\u03bd\u03c9 \u03bb\u03ac\u03b8\u03bf\u03c2 ersetzt. \u039b\u03ac\u03b8\u03bf\u03c2 aber, von \u03bb\u03b1\u03bd\u03b8\u03ac\u03bd\u03c9, bedeutet lediglich die momentane und schuldlose Unterbrechung der Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Im Griechischen kann man die ver\u00e4nderte Bedeutung des \u03ae\u03bc\u03b1\u03c1\u03c4\u03bf\u03bd (ich habe ges\u00fcndigt) merken: Urspr\u00fcnglich bedeutete es die Beichte einer S\u00fcnde vor Gott, heute aber wird es allgemein verwendet, um Emp\u00f6rung oder eine Bitte zum Ausdruck zu bringen, wie \u201eBitte, zeig\u2018 Erbarmen\u201c, oder \u201eIch bitte ganz herzlich\u201c. \u0389\u03bc\u03b1\u03c1\u03c4\u03bf\u03bd \u03c0\u03b9\u03b1! \u0394\u03b5\u03bd \u03bc\u03b5 \u03bb\u03c5\u03c0\u03ac\u03c3\u03b1\u03b9 \u03bb\u03af\u03b3\u03bf (Bitte, zeig\u2018 Erbarmen! Du zeigst mir kein Erbarmen) sagt die Mutter zum Unruhe stiftenden Sohn und verwendet einen Ausdruck, der die Kausalbeziehung der Verantwortung umkehrt. Im Allgemeinen wurden die Verben \u03b1\u03bc\u03b1\u03c1\u03c4\u03ac\u03bd\u03c9 (ich s\u00fcndige), \u03bc\u03b5\u03c4\u03b1\u03bd\u03bf\u03ce (ich zeige Reue) \u03ba\u03b1\u03b9 \u03bc\u03b5\u03c4\u03b1\u03bc\u03b5\u03bb\u03bf\u03cd\u03bc\u03b1\u03b9 (ich bereue) nie s\u00e4kularisiert. Sie bleiben in ihren religi\u00f6sen und heute psychisch inaktiven Kontexten gefangen. Das \u03c3\u03c5\u03b3\u03b3\u03bd\u03ce\u03bc\u03b7! (Verzeihung) und \u03bc\u03b5 \u03c3\u03c5\u03b3\u03c7\u03c9\u03c1\u03b5\u03af\u03c4\u03b5! (Verzeihen Sie), die breit verwendet werden, signalisieren etymologisch nicht die t\u00e4tige \u00dcbernahme der Verantwortung oder der Schuld. Im Gegenteil fordern sie, dass der Andere im Nachhinein unseren Irrtum toleriert (\u03c3\u03c5\u03b3\u03c7\u03c9\u03c1\u03b5\u1fd6\u03bd \u03c4\u03b9\u03bd\u03af \u03c4\u03b9), Milde zeigt (\u03c3\u03c5\u03b3\u03b3\u03bd\u03ce\u03bc\u03b7) und auf die Bestrafung verzichtet. Es geht also auch hier nicht um die \u00dcbernahme des Gewichts der Verantwortung, sondern um das Anliegen, dass man von dessen Folgen befreit wird.<\/p>\n<p>Entsprechend verh\u00e4lt es sich auch mit dem Wort \u03c7\u03c1\u03ad\u03bf\u03c2 (Schuld). Obwohl dessen Gebrauch die Schuld, auch die Verpflichtung bedeutet, wird die Anerkennung einer Schuld nicht untrennbar mit einer verinnerlichten moralischen Annahme assoziiert, von dem Bekenntnis einer Schuld ganz zu schweigen. Wenn f\u00fcr den Deutschen derjenige, der seine Schulden nicht begleicht, als \u00dcbertreter nicht nur der weltlichen, sondern auch der moralischen Ordnung gilt, ist f\u00fcr den Griechen der Schuldner nicht unbedingt moralisch zu tadeln \u2013 es mag schon sein, dass er nur zum Opfer nicht seiner Taten, sondern der Umst\u00e4nde gefallen ist. Statt der individualisierten Verantwortung und Rechenschaft stellt die griechische Sprache einen unpers\u00f6nlichen und eher unkontrollierbaren Faktor in den Mittelpunkt: \u03c4\u03cd\u03c7\u03b7 (das Schicksal). Mit Hilfe seiner Sprache schreibt der Grieche alle, ausnahmslos alle, Ereignisse seines Lebens dem moralisch indifferenten Schicksal zu. Nicht nur \u03b5\u03c5\u03c4\u03c5\u03c7\u03af\u03b1 (Gl\u00fcck) oder \u03b4\u03c5\u03c3\u03c4\u03c5\u03c7\u03af\u03b1 (Ungl\u00fcck), sondern auch <strong>\u03b1\u03c0\u03bf\u03c4\u03c5\u03c7\u03af\u03b1 (Erfolg) und \u03b1\u03c0\u03bf\u03c4\u03c5\u03c7\u03af\u03b1 (Misserfolg)<\/strong>, \u03b1\u03c4\u03cd\u03c7\u03b7\u03bc\u03b1 (Unfall) und \u03c3\u03c5\u03bd\u03c4\u03c5\u03c7\u03af\u03b1 (F\u00fcgung).<\/p>\n<p>Von den Worten, die ein unmittelbares Erlebnis zum Ausdruck bringen, bedeuten nur \u03c6\u03c4\u03b1\u03af\u03c9, \u03c6\u03c4\u03b1\u03af\u03be\u03b9\u03bc\u03bf und \u03c6\u03c4\u03b1\u03af\u03c7\u03c4\u03b7\u03c2 ein direktes Bekenntnis zum Irrtum. Sie werden aber bei ernsten, offiziellen Anl\u00e4ssen nicht verwendet und sie tragen nicht das volle Schuldgewicht der Begriffe, von denen sie abgeleitet werden. Charilaos Trikoupis konnte noch 1874 verklagend fragen \u201e\u03a4\u03af\u03c2 \u03c0\u03c4\u03b1\u03af\u03b5\u03b9;\u201c Er \u00e4u\u00dferte sich aber im hohen, tadelnden Stil der Kathareuousa. Das volkst\u00fcmliche \u201e\u03a4\u03af\u03c2 \u03c0\u03c4\u03b1\u03af\u03b5\u03b9;\u201c w\u00fcrde heute fast unbedeutsam klingen. Auf der Skala der strafbaren Taten unserer Justiz weisen die Worte \u03c0\u03c4\u03b1\u03af\u03c3\u03bc\u03b1, \u03c0\u03c4\u03b1\u03b9\u03c3\u03bc\u03b1\u03c4\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 und \u03c0\u03c4\u03b1\u03b9\u03c3\u03bc\u03b1\u03c4\u03bf\u03b4\u03b9\u03ba\u03b5\u03af\u03bf auf ein leichtes, fast unerhebliches Vergehen.<\/p>\n<p>Ich fasse das bisher Gesagte zusammen: Als die Frage nach der griechischen Staatschuld in den Mittelpunkt der europ\u00e4ischen Politik geraten ist, lie\u00df sie einige Stereotype auftauchen, die nicht zu denen geh\u00f6ren, die durch die F\u00f6rderung des Dialogs, die Selbstbeherrschung und den gegenseitigen guten Willen kurz- oder mittelfristig h\u00e4tten beseitigt werden k\u00f6nnen. Es ging vielmehr um \u201eStereotype\u201c (und hier zeigt sich, dass dieses Wort unzul\u00e4nglich ist), die in der Sprache, der Geschichte und der Mentalit\u00e4t von Griechen und Deutschen verwurzelt sind. Die Schuldfrage brachte \u201eVor-Entscheidungen\u201c, \u201eVor-Urteile\u201c ans Licht, die nicht vorl\u00e4ufige Gewohnheiten, sondern kollektive Weltbilder, voneinander abweichende Lebenssichten, inkompatible Mentalit\u00e4ten, zwei diametral entgegengesetzte kulturelle Haltungen darstellen.<\/p>\n<p>Schauen wir auf die Frage nach der \u00dcberschuldung durch Anleihen aus der Perspektive der Deutschen, die die unersch\u00fctterliche moralische Verantwortung einer Einzel- oder Kollektivperson f\u00fcr die jeweiligen Ereignisse unterstreicht, dann m\u00fcssen wir zugeben, dass sich das moralische Bewusstsein im modernen Griechenland in einem Zustand von erb\u00e4rmlicher Unterentwicklung, wenn nicht chronischer Kr\u00e4nklichkeit befindet. Wenn wir aber als Ausgangspunkt die griechische Sichtweise nehmen, die die unbesiegbaren Wendungen des Schicksals und die Ironie der Umst\u00e4nde \u00fcberbetont, scheint die deutsche Beharrlichkeit auf die Schuld als arroganter Didaktizismus oder sogar als moralistische Heuchelei. In beiden F\u00e4llen scheint das Zusammenkommen auf einen gemeinsamen Nenner, wenn auch den kleinsten, unm\u00f6glich, weil die Griechen meinen, dass die Deutschen die Dinge zu ernst oder zu leicht nehmen.<\/p>\n<p>Als Beobachter verf\u00fcgt man freilich \u00fcber den Luxus, diese zwei Haltungen ruhig zu beurteilen, zu kritisieren und auf ihre Vorteile und \u00dcbertreibungen hinzuweisen. Jeder aber, der in den Prozess der Verhandlungen mit den Vertretern dieser Haltungen und Ansichten involviert ist, darf sie weder \u00fcbersehen noch untersch\u00e4tzen. Es ist \u00fcberhaupt nicht klug zu glauben, dass sein Gespr\u00e4chspartner quasi magisch auf seine festen Thesen verzichten wird oder sogar den entscheidenden Schritt in die andere Richtung machen wird. Vor allem, wenn er aus eigener Erfahrung wei\u00df, wie schwierig es f\u00fcr ihn w\u00e4re, entsprechend zu handeln, und wie unpopul\u00e4r er dadurch unter seinen Landsleuten werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir Griechen ignorieren den Begriff der hohen, abstrakten Pflicht, daher neigen wir dazu, alles aus der Sicht des Pers\u00f6nlichen zu betrachten. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung die Haltung Berlins den \u00fcberschuldeten L\u00e4nder des S\u00fcdens gegen\u00fcber einer individuellen politischen Wahl der Protagonisten der deutschen politischen B\u00fchne zuschreibt, haupts\u00e4chlich Angela Merkel oder Wolfgang Sch\u00e4uble. Wir verkennen, dass wir mit festen Merkmalen der deutschen Mentalit\u00e4t zu tun haben und so machen wir das Missverst\u00e4ndnis noch schwieriger, indem wir es sogar als Ausdruck eines personenbezogenen Streits interpretieren. Andererseits kann jeder verstehen, der sich mehr oder weniger in der griechischen Mentalit\u00e4t auskennt, wie ungeeignet und kontraproduktiv die Strategie des \u00f6ffentlichen Tadels Griechenlands seitens der deutschen Politiker und Presse ist, gemeint ist diese Politik des gehobenen Zeigefingers, die so oft praktiziert wird, auch wenn man dadurch nur auf das Selbstverst\u00e4ndliche hinweist. Die Erfahrung zeigt: M\u00f6chtest du den Griechen gegen dich haben? Dann wirf\u2018 ihm etwas in der \u00d6ffentlichkeit vor. Er verf\u00fcgt weder \u00fcber eine Kultur der Reue noch \u00fcber die intellektuelle Flexibilit\u00e4t, die ihm gestatten w\u00fcrde, seinen Fehler zuzugeben, ohne sich zu f\u00fchlen, als ob seine Selbsteinsch\u00e4tzung und seine Selbstwahrnehmung in der Welt verletzt werden. Er wird automatisch den Tadel als Kampfansage interpretieren.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen bitten die Griechen nicht um Entschuldigung, sie geben ihre Fehler nicht \u00f6ffentlich zu. Vielmehr sch\u00e4tzen sie diejenigen nicht besonders, die es tun, sie loben eine solche Haltung nicht. Die \u00f6ffentliche Entschuldigung sehen sie nicht als Ausdruck von Konsequenz und Mut, sondern als Zeichen von Schw\u00e4che und Kapitulation. H\u00e9l\u00e8ne Ahrweiler schreibt: \u201eSie verschweigen alle absch\u00e4tzigen Aspekte ihrer Geschichte, sie vergr\u00f6\u00dfern und versch\u00f6nern die Wohltaten und jeden Erfolg.\u201c Im Gegensatz zu Deutschland finden in diesem Land die entscheidenden Ver\u00e4nderungen aus den missgl\u00fcckten Entscheidungen der Vergangenheit nicht demonstrativ, nicht laut, sondern verdeckt statt, mit dauerhaften taktischen Windungen oder sogar mit demonstrativen L\u00fcgen. Ihre Protagonisten werden geehrt, nicht wenn sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern wenn sie die Gew\u00e4sser tr\u00fcben und den Blick des Anderen vom klaren Verst\u00e4ndnis dessen ablenken, was sie eigentlich tun.<\/p>\n<p>Um ein aktuelles Beispiel zu erw\u00e4hnen: Die gro\u00dfe Wende Angela Merkels in der Fl\u00fcchtlingsfrage in den letzten zw\u00f6lf Monaten, eine Wende fast von 180 Grad, k\u00f6nnte vom griechischen W\u00e4hler v\u00f6llig bejaht werden, auch wenn sie im absoluten Schweigen stattgefunden h\u00e4tte. Die dramatischen Wendungen des griechischen Ministerpr\u00e4sidenten sind bekannt \u2013 allerdings haben sie ihn im vergangenen September bei den Wahlen \u00fcberhaupt nicht geschadet. Der Durchschnittsdeutsche begn\u00fcgt sich dagegen mit der tats\u00e4chlichen Wende nicht. Er fordert ein Reuebekenntnis aus dem Mund der Kanzlerin. Je l\u00e4nger dies nicht geschieht oder nicht in der gebotenen Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht wird, desto mehr \u00e4rgert er sich \u00fcber sie.<\/p>\n<p>Die griechische Haltung ist auf eine uralte Kultur zur\u00fcckzuf\u00fchren, eine Kultur, die man als Kultur der \u201eEhre\u201c oder des \u201eSchams\u201c bezeichnet, sie ist fast im ganzen Mittelmeerraum tief verwurzelt. Der gegen\u00fcber steht die \u2013 ebenfalls alte \u2013 nordische Kultur der Reue, die sich auf individuelle Zurechnung und Vermessen der \u201eSchuld\u201c gr\u00fcndet. Der griechischen Ansicht nach ist die Neigung der Deutschen, nach der Verantwortung jeder einzelnen Person zu suchen und sie ihr dann zuzurechnen, ein Skandal. Die Welt ist nicht in unserer Hand, genau das Gegenteil ist der Fall: Unsere Taten und Vers\u00e4umnisse, egal wie individualisiert, wie pers\u00f6nlich sie sind, k\u00f6nnen nie v\u00f6llig auf unseren Willen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, sie sind auch Produkte von Kr\u00e4ften, die uns in einer fast depressiven Weise \u00fcbertreffen. In diesem Sinne k\u00f6nnen wir nichts anderes, als unter ihrer Last zu leben. Sogar das schwerste, abscheulichste Verbrechen, insofern es die Elementarkr\u00e4fte widerspiegelt, die die conditio humana durchdringen, ist etwas Relatives und, letztendlich, unvermeidbar. Unsere Versuche, es im Nachhinein zu verurteilen oder zu \u00fcberwinden, um in der Zukunft \u00e4hnliches zu vermeiden, sind unpassend.<\/p>\n<p>F\u00fcr so eine Ansicht, oder, besser gesagt, f\u00fcr so eine Lebenshaltung ist ein Anliegen wie das der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, der \u00dcberwindung der Vergangenheit, ihrer Fehler und S\u00fcnden, sinnlos. Eine solche \u00dcberwindung ist unm\u00f6glich, weil dies die \u00dcberwindung der menschlichen Natur voraussetzen w\u00fcrde, so wie wir sie kennen. Schon die Hervorhebung des Anliegens stellt eine Hybris dar. Zu meinen, dass du \u2013 sei es auch nur potenziell \u2013 besser bist als das, was du tats\u00e4chlich bist, zu glauben, dass das geschichtliche Bewusstsein dich verbessern kann, dich von den Wendungen des menschlichen Schicksals ausnehmen kann, zu deinen Gunsten den Schrecken der Vergangenheit aufheben kann, wird als eine Form von Hochmut wahrgenommen. Alles, was geschieht, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Nicht nur weil es schon geschehen ist, in einer schon vollendeten und unumkehrbaren Zeit. Sondern auch, weil es immer geschehen wird, weil es potenziell, als innere Neigung in jeder Zeit, in der Vergangenheit oder in der Zukunft, vorhanden ist.<\/p>\n<p>Das einzige Heil, die letzte L\u00f6sung von den Fesseln der Vergangenheit ist schlussendlich weder die Reue noch die Bestrafung, sondern etwas anderes, drastischeres \u2013 die \u03bb\u03ae\u03b8\u03b7 (Vergessenheit). Schon die Tradition der Antike will es, dass die Psyche vom Fluss des Vergessens trinkt, um wiedergeboren werden zu k\u00f6nnen. In diesem Fluss w\u00e4scht sich Dante in der G\u00f6ttlichen Kom\u00f6die, damit es ihm gestattet wird, ins Paradies zu kommen. Genauso wie in \u201eFunes el Memorioso\u201c von Borges findet derjenige, der nicht vergisst, keine Vergebung f\u00fcr die Vergangenheit und verliert gleichzeitig die Gegenwart. Er opfert die Rechte der Gegenwart f\u00fcr das sisyphusartige Werk der Ver\u00e4nderung der Vergangenheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob all dies v\u00f6llig entmutigend f\u00fcr die Zukunft der griechisch-deutschen Verst\u00e4ndigung klingt. Hoffentlich nicht. In der Geschichte ziehen sich die Gegens\u00e4tze an, vielleicht weil das Eine dem Anderen seine unaussprechlichen Grenzen zuerkennt. Jedenfalls \u2013 um die stereotypen Sorgen unserer Zeit beiseite zu lassen \u2013 ist der griechisch-deutsche Bund nicht irgendein Glied in der langen Kette des heutigen Europas. Es geht um ein entscheidendes, lebenswichtiges Glied f\u00fcr beide Seiten \u2013 aber auch f\u00fcr die Kette in ihrer Gesamtheit.<\/p>\n<p>Die Idealisierung der griechischen Antike, ihre Wahrnehmung als absolutes und un\u00fcbertreffliches Vorbild \u2013 \u201eThe Tyranny of Greece over Germany\u201c, um das ber\u00fchmte Werk von Eliza Butler (1935) zu erw\u00e4hnen \u2013 geh\u00f6rt zu den Grunds\u00e4ulen der deutschen Kultur und ist dadurch noch heute ein konstitutives Element des deutschen Selbstverst\u00e4ndnisses. Vergessen wir auch nicht, dass die Wendung von Dionysios Solomos, des Begr\u00fcnders unserer neueren nationalen Literatur, in Richtung der Romantik und des Idealismus vom Historiker Spyridon Zambelios kritisiert wurde. Dieser hat sie als \u201eApostasie &#8230; zum Germanismus, der anderen Wesens und anderen Typus\u2018 ist\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Der \u201eGermanismus\u201c steckt allerdings nicht nur in den Fundamenten unserer modernen nationalen Literatur, sondern auch in den Fundamenten des neogriechischen Staates, die bekanntlich von bayerischen B\u00fcrokraten und Gesetzesgelehrten gelegt wurden. Den \u201eGermanismus\u201c findet man auch an vielen anderen H\u00f6hepunkten unseres nationalen Lebens, von den Werken der Maler der M\u00fcnchner Schule bis zu jenen jungen Denkern, die sp\u00e4ter hochrangige Politiker geworden sind, nachdem sie frisch aus Heidelberg zur\u00fcckgekommen waren und das bedeutsame Archiv f\u00fcr Philosophie und Wissenschaftstheorie gegr\u00fcndet hatten. Der alte Vorwurf von Giorgos Seferis \u2013 noch ein bekennender \u201eAnti-Deutscher\u201c sowohl in der Politik, als auch in der Literatur \u2013 scheint seine G\u00fcltigkeit noch nicht verloren zu haben: In unseren Schriften und unserem Denken gibt es \u201eviel Schwarzwald\u201c.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht sind der neugriechische Germanismus und Antigermanismus nicht einfache Stereotypen, allgemein positive oder negative Vorurteile. Sie sind etwas Tieferes und Aussagekr\u00e4ftigeres: Ausdr\u00fccke eines dauerhaften, lebendigen, aber gleichzeitig auch extrem ambivalenten Interesses. Ich sage es so, wie ich es bereits am Anfang probiert habe: Das Bild von den Deutschen, das wir Griechen haben, offenbart viel mehr \u00fcber uns als \u00fcber sie. Deswegen fehlt es uns so schwer, dieses Bild zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Es gilt aber auch das Gegenteil. Genauso extrem und widerspr\u00fcchlich, sogar widerspr\u00fcchlicher, sind die Wandlungen des Bildes von Griechenland im modernen Deutschland. Von der \u201eGr\u00e4komanie\u201c, dem \u201eGriechenkult\u201c der Humanisten und dem begeisterten Philhellenismus der Revolution bis zur ersten Entzauberung der ottonischen Zeit und dem sp\u00e4teren Fallmerayerismus, vom Lob Griechenlands als touristischer Idylle bis zur heutigen abwertenden Kritik des griechischen Staates und seiner Institutionen \u2013 um von der dunklen Zeit der Nazi-Besatzung zu schweigen \u2013 bleibt die Schlussfolgerung dieselbe: Die Beziehungen von wenigen V\u00f6lkern sind so geladen, so geschichtlich schwankend, so spannungsreich wie diejenige zwischen Griechen und Deutschen.<\/p>\n<p>Die Gegens\u00e4tze ziehen sich an, aber genauso sto\u00dfen sie sich ab. Dieses dauerhafte Anziehen-Absto\u00dfen, dieses Schwanken zwischen ungebremster Bewunderung und absoluter Ablehnung offenbart letztendlich etwas anderes, umfassenderes: die nat\u00fcrlichen Grenzen der Verst\u00e4ndigung miteinander. Die guten Absichten reichen nicht: Das k\u00f6nnte die Schlussfolgerung sein. Wenn die \u00fcbrigen Bedingungen es nicht beg\u00fcnstigen, auch wenn du den Anderen ehrlich so sehen m\u00f6chtest, wie er ist, kommt sein Gesicht tr\u00fcbe vor deine Augen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung: Georgios Vlantis<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; Wenn von Stereotypen die Rede ist, verwenden wir das Wort gew\u00f6hnlich ausschlie\u00dflich in negativer Bedeutung. Als stereotyp gilt also dasjenige Wort, das schwach, undifferenziert, \u201emechanisch\u201c ist. Deswegen neigt es zu Vorurteilen und Parteilichkeit. Dagegen beansprucht jeder, der gegen Stereotype spricht, ein besonderes Lob, weil er angeblich inhaltsreich redet, \u00fcber eine feine Sensibilit\u00e4t verf\u00fcgt&hellip;<\/p>","protected":false},"author":5,"featured_media":118120,"menu_order":151,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-118128","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung - Katholische Akademie in Bayern<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung - Katholische Akademie in Bayern\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"I. &nbsp; Wenn von Stereotypen die Rede ist, verwenden wir das Wort gew\u00f6hnlich ausschlie\u00dflich in negativer Bedeutung. Als stereotyp gilt also dasjenige Wort, das schwach, undifferenziert, \u201emechanisch\u201c ist. Deswegen neigt es zu Vorurteilen und Parteilichkeit. Dagegen beansprucht jeder, der gegen Stereotype spricht, ein besonderes Lob, weil er angeblich inhaltsreich redet, \u00fcber eine feine Sensibilit\u00e4t verf\u00fcgt&hellip;\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Katholische Akademie in Bayern\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2026-01-20T13:22:14+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"2560\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"1440\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Estimated reading time\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"20 minutes\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/\",\"name\":\"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung - Katholische Akademie in Bayern\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#website\"},\"primaryImageOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/#primaryimage\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg\",\"datePublished\":\"2026-01-20T13:19:00+00:00\",\"dateModified\":\"2026-01-20T13:22:14+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"en-GB\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/\"]}]},{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-GB\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/#primaryimage\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg\",\"width\":2560,\"height\":1440},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/mediathek-eintrag\\\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\",\"name\":\"Katholische Akademie in Bayern\",\"description\":\"Kirche braucht Debatte: \u201ekatholisch\u201c mit Blick auf das Ganze \u2013 und \u201eakademisch\u201c im Vertrauen auf die Kraft der Argumente\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"en-GB\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#organization\",\"name\":\"Katholische Akademie in Bayern\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-GB\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Menue-Logo-Home@2x.png\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/wp-content\\\/uploads\\\/Menue-Logo-Home@2x.png\",\"width\":496,\"height\":216,\"caption\":\"Katholische Akademie in Bayern\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/kath-akademie-bayern.de\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/www.facebook.com\\\/katholische.akademie.bayern\\\/\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung - Katholische Akademie in Bayern","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/","og_locale":"en_GB","og_type":"article","og_title":"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung - Katholische Akademie in Bayern","og_description":"I. &nbsp; Wenn von Stereotypen die Rede ist, verwenden wir das Wort gew\u00f6hnlich ausschlie\u00dflich in negativer Bedeutung. Als stereotyp gilt also dasjenige Wort, das schwach, undifferenziert, \u201emechanisch\u201c ist. Deswegen neigt es zu Vorurteilen und Parteilichkeit. Dagegen beansprucht jeder, der gegen Stereotype spricht, ein besonderes Lob, weil er angeblich inhaltsreich redet, \u00fcber eine feine Sensibilit\u00e4t verf\u00fcgt&hellip;","og_url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/","og_site_name":"Katholische Akademie in Bayern","article_publisher":"https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/","article_modified_time":"2026-01-20T13:22:14+00:00","og_image":[{"width":2560,"height":1440,"url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg","type":"image\/jpeg"}],"twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Estimated reading time":"20 minutes"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/","name":"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung - Katholische Akademie in Bayern","isPartOf":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#website"},"primaryImageOfPage":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/#primaryimage"},"image":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/#primaryimage"},"thumbnailUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg","datePublished":"2026-01-20T13:19:00+00:00","dateModified":"2026-01-20T13:22:14+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/#breadcrumb"},"inLanguage":"en-GB","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/"]}]},{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-GB","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/#primaryimage","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg","contentUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/von-Hess_Ankunft-in-Nauplia_web-scaled.jpg","width":2560,"height":1440},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/mediathek-eintrag\/griechen-und-deutsche-bemerkungen-zu-einer-schwierigen-beziehung\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Griechen und Deutsche: Bemerkungen zu einer schwierigen Beziehung"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#website","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/","name":"Catholic Academy in Bavaria","description":"Church needs debate: \"catholic\" looking at the whole - and \"academic\" trusting in the power of arguments","publisher":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"en-GB"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#organization","name":"Catholic Academy in Bavaria","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-GB","@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Menue-Logo-Home@2x.png","contentUrl":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/wp-content\/uploads\/Menue-Logo-Home@2x.png","width":496,"height":216,"caption":"Katholische Akademie in Bayern"},"image":{"@id":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/www.facebook.com\/katholische.akademie.bayern\/"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/118128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library"}],"about":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/media-library"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/118128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":118131,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media-library\/118128\/revisions\/118131"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/118120"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}