{"id":118158,"date":"2026-01-20T15:49:24","date_gmt":"2026-01-20T14:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118158"},"modified":"2026-01-20T15:49:28","modified_gmt":"2026-01-20T14:49:28","slug":"sueleyman-der-praechtige-vor-wien-1529-die-osmanische-expansion-und-die-habsburger-protestanten-und-schiiten-in-persien","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/sueleyman-der-praechtige-vor-wien-1529-die-osmanische-expansion-und-die-habsburger-protestanten-und-schiiten-in-persien\/","title":{"rendered":"S\u00fcleyman der Pr\u00e4chtige vor Wien 1529"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Jahr 1517, im christlichen Europa der Beginn der Reformation und damit der Beginn tiefgreifender Ver\u00e4nderungen, sah in der Welt des Islam das Ende des Reiches der Mamluken und damit zugleich einen gewaltigen Machtzuwachs des Osmanischen Reiches. Das Mamlukenreich (1250-1517), eines der merkw\u00fcrdigsten Staatsgebilde der islamischen Geschichte, umfasste Syrien, \u00c4gypten und Teile der arabischen Halbinsel einschlie\u00dflich der Heiligen St\u00e4tten Mekka und Medina. Sultan der Mamluken konnte nur werden, wer als Nichtmuslim meist kiptschakischer, sp\u00e4ter tscherkessischer Herkunft geboren, als Sklave in das Haus eines mamlukischen Sultans oder Emirs gekommen, dort eine Ausbildung erhalten hatte, zum Islam konvertiert war und dann freigelassen worden war.<\/p>\n<p>Zum Schicksal f\u00fcr diesen lange Zeit so m\u00e4chtigen, reichen Staat wurden zwei Entwicklungen im weiteren Umfeld. Im Norden r\u00fcckten die Osmanen seinen Grenzen n\u00e4her. Entscheidend aber war, dass im Osten ein dritter, \u00e4u\u00dferst militanter, islamischer Staat aufgetaucht war, der Staat der Safawiden.<\/p>\n<p>Im Sommer 1499 hatte ein zw\u00f6lfj\u00e4hriger Junge seinen Zufluchtsort verlassen mit dem Ziel, ein Reich f\u00fcr sich zu erobern. Im Sommer 1501 marschierte er in T\u00e4bris ein, der Hauptstadt des turkmenischen Akkoyunlu-Reiches, wo er M\u00fcnzen auf seinen Namen pr\u00e4gen, die zw\u00f6lf Imame im Freitagsgebet nennen und die Zw\u00f6lferschia als wahre Religion verk\u00fcnden lie\u00df. Dies war die Geburtsstunde des Reiches der Safawiden in Persien und der Beginn einer religi\u00f6sen Umw\u00e4lzung, die den bisher \u00fcberwiegend sunnitischen Raum Persiens auf Dauer in einen schiitischen Staat umwandelte.<\/p>\n<p>Der Name dieses Knaben war Ismail. Sein Ahn Schejch Safieddin war Namensgeber des Derwischordens der Safawiya, dessen fr\u00fche Schejche sich durch ihr heiligm\u00e4\u00dfiges Leben gro\u00dfes Ansehen verschafft und zahlreiche Anh\u00e4nger unter den turkmenischen St\u00e4mmen in Anatolien und Aserbaidschan gewonnen hatten. Im Laufe der Zeit radikalisierten sie sich und versuchten, sich ein eigenes Herrschaftsgebiet zu erobern. Uzun Hasan, der Herrscher der Akkoyunlu, des m\u00e4chtigen Turkmenenreiches vom Wei\u00dfen Hammel, sch\u00e4tzte sie und verschw\u00e4gerte sich mit ihnen, sodass Ismail durch Mutter und Gro\u00dfmutter mit ihm verwandt war. Dem Sohn Uzun Hasans, Yakub und seinen Nachfolgern waren die Safawiden jedoch wegen ihrer gro\u00dfen und ihnen fanatisch ergebenen Anh\u00e4ngerschaft und ihrer politischen Ambitionen unheimlich geworden, sodass sie Ismail und seine Br\u00fcder verfolgen lie\u00dfen. Als das Reich der Akkoyunlu zu verfallen begann, war Ismail, der als einziger Safawide die Verfolgung \u00fcberlebt hatte, ausgezogen, um sein eigenes Reich aufzubauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In zahlreichen Feldz\u00fcgen eroberte Schah Ismail den Raum, den wir heute als Persien kennen, der in islamischer Zeit bis dahin aber nie eine staatliche Einheit gebildet hatte. Widerstand war im Westen zu erwarten, denn ein gro\u00dfer Teil seiner Anh\u00e4nger lebte auf osmanischem Territorium. Dort wirkten seit langem safawidische Emiss\u00e4re. Aufst\u00e4nde seiner Anh\u00e4nger in diesen Gebieten und milit\u00e4rische Aktionen Ismails in Grenzn\u00e4he lie\u00dfen bei den Osmanen Alarmglocken schrillen. Das Osmanische Reich befand sich in diesen Jahren in einer Schw\u00e4chephase. Naturkatastrophen und die nachl\u00e4ssige Verwaltung des alten und kranken Sultans, l\u00f6sten angesichts der safawidischen Bedrohung schlie\u00dflich noch zu Lebzeiten Bayezids II. den Thronstreit aus.<\/p>\n<p>Diese Krisensituation \u00e4nderte sich erst, als der entschlossenste und r\u00fccksichtsloseste der Prinzen, Selim, den Vater vom Thron stie\u00df und selbst als Selim I. die Macht ergriff. Er lie\u00df die aufst\u00e4ndischen Anh\u00e4nger Schah Ismails, dem seine Anh\u00e4nger inzwischen g\u00f6ttliche Verehrung entgegenbrachten, reichsweit registrieren und in gro\u00dfer Zahl ins Gef\u00e4ngnis werfen oder hinrichten. Selim besiegte den Schah im August 1514 bei \u00c7ald\u0131ran, nord\u00f6stlich des Vansees, vor allem dank des Einsatzes seiner Feuerwaffen und der Bildung einer Wagenburg. Der Schah floh verwundet. In T\u00e4bris, der safawidischen Hauptstadt, plante Selim zu \u00fcberwintern, um im Fr\u00fchling den Feldzug fortzusetzen, doch seine ersch\u00f6pfte Elitetruppe, die Janitscharen, zwang ihn zur R\u00fcckkehr.<\/p>\n<p>Bei dieser R\u00fcckkehr f\u00fchrte Selim rund tausend K\u00fcnstler, Handwerker und reiche Kaufleute aus T\u00e4bris mit in die Heimat. Sie sollten die osmanische Kultur anregen und bereichern. Selim schob die osmanische Grenze weit nach Osten vor. Schah Ismail verlor mehr als die reiche territoriale und materielle Beute, die den Osmanen zufiel. Er verlor die \u00dcberzeugung unbesiegbar zu sein, f\u00fchrte nie wieder ein Heer an und verlor an Prestige bei seinen Anh\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Die beunruhigende Konstellation der drei Staaten blieb bestehen, denn die Safawiden waren zwar besiegt, aber keineswegs vernichtet. Wer w\u00fcrde mit wem verb\u00fcndet, wen angreifen? Sultan Selim beobachtete Anzeichen einer safawidisch-mamlukischen Koalition im Werden. Sein entschlossener Angriff auf die Mamluken 1516\/1517 beseitigte f\u00fcr sein Reich die Gefahr. Was blieb, war die osmanisch-safawidische Rivalit\u00e4t, die durch die Glaubensfrage, den sunnitisch-schiitischen Gegensatz, erheblich an Sch\u00e4rfe gewonnen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Feldz\u00fcge gegen die muslimischen Nachbarn war es unabdingbar gewesen, dass zur Vermeidung eines Zweifrontenkrieges mit den christlichen Nachbarn in S\u00fcdosteuropa und im Mittelmeerraum Friede herrschte. Allerdings war auch hier der Friede nicht gefestigt, hatte doch Papst Leo X. eben zu dieser Zeit (1517) eine Denkschrift \u00fcber einen umfassenden christlichen Angriffsplan gegen die Osmanen ausarbeiten lassen, der Konstantinopel zum Ziel haben sollte. Kaiser Maximilian (1508-1519) wollte die Osmanen selbst aus Anatolien vertrieben sehen und zeigte sich gewiss, dass man gegen die H\u00e4lfte Anatoliens auch den Beistand von Schah Ismail erhalten k\u00f6nne. Derartige Expansionspl\u00e4ne schwirrten immer wieder durch K\u00f6pfe und Kanzleien. Auch die Osmanen hatten ihre Eroberungsrhetorik, zeigten oft als Inhaber der gereinigten und letzten Offenbarung Gottes zudem religi\u00f6se und durch die Machtstellung des Sultans politische \u00dcberlegenheitsgef\u00fchle.<\/p>\n<p>Starke osmanische Flottenr\u00fcstungen 1519 konnten nur einem christlichen Staat gelten. Doch ehe Sultan Selim noch seine geheim gehaltenen Pl\u00e4ne verwirklichen konnte, starb er \u00fcberraschend im September 1520. Sein Erbe war der sechsundzwanzigj\u00e4hrige Prinz S\u00fcleyman. Er war nicht ohne Erfahrung, insgesamt aber eher ein unbeschriebenes Blatt, galt aber als gerecht und friedliebend. Ein Schaf das auf den L\u00f6wen folgte, so meinten manche.<\/p>\n<p>S\u00fcleyman war nun Herr eines gro\u00dfen Reiches in S\u00fcdosteuropa, Kleinasien, Syrien und \u00c4gypten mit einer ethnisch, sprachlich, religi\u00f6s und kulturell sehr uneinheitlichen Bev\u00f6lkerung. Dieses Reich, das seine neun Vorfahren in zwei Jahrhunderten errichtet hatten, f\u00fchlte er sich verpflichtet zu wahren, zu verteidigen und nach dem Vorbild der Ahnen m\u00f6glichst auch zu mehren. Die dazu n\u00f6tigen Mittel, vor allem eine gro\u00dfe und kampferprobte Armee standen bereit.<\/p>\n<p>Diese Armee hatte zwei Haupts\u00e4ulen: die Pfortentruppen und die belehnten Truppen, die Sipahis. Kern der Pfortentruppen waren die Janitscharen, die als Christenknaben alle paar Jahre nach bestimmten Regeln aus der christlichen Bev\u00f6lkerung durch die Knabenlese ausgelesen, zum Islam bekehrt und bei t\u00fcrkischen Bauernfamilien erzogen, t\u00fcrkisch gelernt hatten. Je nach Eignung dienten sie danach als Pagen am Hofe und erhielten eine Ausbildung in der Saray-Schule. Sie konnten zu den h\u00f6chsten \u00c4mtern des Reiches aufsteigen, selbst zum Gro\u00dfwesirat. Die \u00fcbrigen kamen als Janitscharen in die Kasernen und dienten in erster Linie als Infanteristen. Ein besonderes gegenseitiges Vertrauensverh\u00e4ltnis band sie an den Sultan. Kaserniert, fest besoldet und damit stets verf\u00fcgbar, bildeten sie eine stehende Heereseinheit, etwas, was es in Europa so noch nicht gab. Die Janitscharen z\u00e4hlten zu dieser Zeit etwa 12.000 Mann. Um sie f\u00fcr einen Feldzug aufzubieten, gen\u00fcgte der Befehl des Sultans.<\/p>\n<p>Das Gros des osmanischen Heeres bildete aber die Lehensreiterei. Diesen Sipahis \u00fcbertrug der Staat die Eink\u00fcnfte aus einem oder mehreren D\u00f6rfern als Timar und daf\u00fcr leisteten sie Kriegsdienst. Je nach H\u00f6he ihrer Eink\u00fcnfte hatten sie ger\u00fcstete Knechte mit ins Feld zu f\u00fchren. Sie waren regional organisiert und ihre milit\u00e4rischen Kommandeure waren gleichzeitig Provinzgouverneure. Diese Truppen standen dem Sultan zur Verf\u00fcgung, ohne dass er Bargeld aus der Staatskasse f\u00fcr ihre Besoldung oder Ausr\u00fcstung aufbringen musste. Begrenzt war ihre Einsatzf\u00e4higkeit jedoch durch die Feldzugssaison vom 6. Mai bis zum 9. Oktober, denn ihre Pferde fanden im Winter kaum Futter und sie selbst strebten im Herbst zu ihren Timaren, um ihr Einkommen zu sichern.<\/p>\n<p>Dazu kamen die Ak\u0131nc\u0131s, oder \u201eRenner und Brenner\u201c als irregul\u00e4re, leichte, bewegliche Reiterei, die von der Kriegsbeute lebte. Sie schw\u00e4rmten vor und neben dem Heer oft weit ins Land aus, \u00fcberfielen Geh\u00f6fte, D\u00f6rfer und kleine St\u00e4dte und verbreiteten Schrecken weit und breit.<\/p>\n<p>Um sich den Respekt der Armee und Autorit\u00e4t bei Volk und Staat zu erwerben, musste \u201edas Schaf\u201c seine Truppen auch einsetzen. Unbesch\u00e4ftigt war die osmanische Armee nicht ohne Tendenz zur Rebellion. Ein ungel\u00f6stes Problem gab es im Westen. Um den im Grenzbereich zwischen Ungarn und dem Osmanischen Reich seit langem herrschenden Kleinkrieg zu beenden, entsandte S\u00fcleyman einen Botschafter an K\u00f6nig Ludwig II. von Ungarn. Er bot Frieden, forderte den K\u00f6nig jedoch auf, ihn als Oberherrn anzuerkennen. Als \u201eSultan der Sultane des Ostens und des Westens\u201c verstand er sich auch als \u201eKronenspender der Erde\u201c. Der K\u00f6nig sah das anders und war entr\u00fcstet, warf die Gesandtschaft ins Gef\u00e4ngnis und lie\u00df sie t\u00f6ten. Dieser Affront l\u00f6ste den osmanischen Angriff aus. Belgrad, am Zusammenfluss von Donau und Save, wurde 1521 eingenommen. Es war ein Erfolg von hoher Symbolkraft, erzielte doch Sultan S\u00fcleyman schon mit seinem ersten Feldzug dort einen Erfolg, wo sein gro\u00dfer Ahn Mehmed II., der Eroberer von Konstantinopel, 1456 noch gescheitert war. Belgrad war strategisch hochbedeutend, denn mit diesem \u201eSchl\u00fcssel zu Ungarn\u201c konnte man einerseits aggressiv das Tor zur ungarischen Tiefebene aufsto\u00dfen, andererseits aber auch defensiv das Tor zum osmanischen S\u00fcdosteuropa versperren.<\/p>\n<p>Im Jahr 1522 nahm Sultan S\u00fcleyman ein den Osmanen schon lange l\u00e4stiges, sowohl strategisches als auch symbolisches Ziel ins Visier. Diesmal unter Einsatz der Flotte. Die Johanniterritter auf Rhodos, ein \u00dcberbleibsel der Kreuzzugszeit, betrieben unmittelbar vor der anatolischen K\u00fcste Piraterie, brachten osmanische Schiffe auf, \u00fcberfielen Landschaften, st\u00f6rten den Handel und die Schifffahrt zu den nun osmanischen H\u00e4fen in Syrien und \u00c4gypten, konnten vor allem auch Pilgerschiffe auf dem Weg nach Mekka gef\u00e4hrden. Nach f\u00fcnf Monaten entschlossenem Widerstand kapitulierten die Ritter. S\u00fcleyman hatte ihnen freien Abzug gew\u00e4hrt. Und wieder hatte er gesiegt, wo Mehmed II. gescheitert war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als 1519 K\u00f6nig Karl von Kastilien und Aragon gegen seinen Konkurrenten K\u00f6nig Franz I. von Frankreich zum Kaiser gew\u00e4hlt wurde, sah sich K\u00f6nig Franz fast l\u00fcckenlos von der habsburgischen L\u00e4ndermasse umrahmt und bedr\u00e4ngt. Wie der osmanisch-safawidische Gegensatz den nahen Orient pr\u00e4gte, so sollte der habsburgisch-franz\u00f6sische Gegensatz f\u00fcr lange Zeit die Geschicke Europas ma\u00dfgeblich bestimmen und auch die Osmanen einbeziehen. Hauptschauplatz war Italien.<\/p>\n<p>Martin Luther hatte das verlotterte Renaissancepapsttum angegriffen, und die osmanischen T\u00fcrken anf\u00e4nglich als gerechte Strafe Gottes f\u00fcr die S\u00fcnden der Christen aufgefasst, sich dann aber auch scharf gegen sie gestellt. Da sich ihm zahlreiche F\u00fcrsten des Reiches anschlossen, nicht aber der burgundisch-spanisch gepr\u00e4gte Kaiser, blieb die religi\u00f6s-politische Konfrontation zwischen Katholiken und Protestanten nicht ohne Auswirkungen auch auf die habsburgisch-franz\u00f6sischen Rivalit\u00e4t, da das katholische Frankreich sich bem\u00fchte, den Kaiser durch Unterst\u00fctzung der Protestanten und Kontakte zu den Osmanen zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Im Jahre 1525 verschr\u00e4nkten sich die Konfliktpotentiale auf spektakul\u00e4re Weise. Im Kampf um Italien verlor der franz\u00f6sische K\u00f6nig 1525 die Schlacht bei Pavia und fiel Kaiser Karl in die H\u00e4nde. Seine Lage war verzweifelt. Da wandte sich seine Mutter mit der Bitte um Hilfe an den osmanischen Sultan, sp\u00e4ter auch er selbst. Dies war keineswegs das erste Hilfsbegehren von Christen gegen Christen an einen osmanischen Sultan. S\u00fcleyman nahm die Bitte wohlwollend auf, griff aber nicht, wie gew\u00fcnscht, den Kaiser in Italien an. Er folgte seiner eigenen Politik und unternahm einen zweiten Feldzug nach Ungarn.<\/p>\n<p>Ungarn hatte den Sultan diplomatisch erneut provoziert, war schwach, und warb vergeblich bei den christlichen Nachbarn um wirksame Hilfe. Auf sich allein gestellt konnte im Jahr 1526 bei Mohacs der ungarische Kriegsrat nur auf die Wucht seiner schwer gepanzerten Reiterei z\u00e4hlen. Ihr mutiger Angriff auf das osmanische Zentrum scheiterte im Feuer der osmanischen Kanonen. Die ungarische Armee war vernichtet, der junge K\u00f6nig Ludwig tot. Europa wurde aufgeschreckt. Wer war dieser junge Sultan, der Europa so bedrohlich nahe r\u00fcckte? Flugbl\u00e4tter und andere Schriften, aber auch ein Profilportr\u00e4t Sultan S\u00fcleymans, das noch 1526 in zahlreichen Drucken und Nachdrucken erschien, antworteten auf das Informationsbed\u00fcrfnis. Selbst Albrecht D\u00fcrer zeichnete eine Version.<\/p>\n<p>Ein Teil des ungarischen Adels w\u00e4hlte nun den siebenb\u00fcrgischen Wojwoden Johann Z\u00e1polya zum ungarischen K\u00f6nig. Er hatte sich nach dem Abzug S\u00fcleymans der Hauptstadt Buda und Zentralungarns bem\u00e4chtigt. Doch nach dem Wiener Ehe- und Erbschaftsvertrag von 1515 erbte nach dem Tod K\u00f6nig Ludwigs Erzherzog Ferdinand, der Bruder Kaiser Karls V., das K\u00f6nigreich Ungarn. Auch er wurde von einem Teil des ungarischen Adels zum K\u00f6nig gew\u00e4hlt, griff K\u00f6nig Johann Z\u00e1polya an und nahm Buda ein, was den gef\u00e4hrdeten Z\u00e1polya unter franz\u00f6sischem Einfluss veranlasste, 1527 um ein B\u00fcndnis mit dem Sultan nachzusuchen. Der B\u00fcndnisvertrag von 1528 hielt fest, dass der Sultan ihm nicht nur das K\u00f6nigreich Ungarn, das durch Eroberung ihm geh\u00f6re, anvertraue, sondern dass er ihm auch mit aller Macht gegen Ferdinand beistehen werde. Ferdinands Abgesandte kamen zu sp\u00e4t. Die Osmanen verlangten von ihnen die R\u00e4umung Ungarns als Vorrausetzung f\u00fcr Gespr\u00e4che, begr\u00fcndet mit der osmanischen Auffassung, dass \u201eAlles was der Huf des Pferdes eines Sultans ber\u00fchrt hat, sein Eigentum\u201c ist. Im Streit um Ungarn standen sich damit fortan zwei Rechtsstandpunkte gegen\u00fcber: Eroberung gegen Erbschaft.<\/p>\n<p>Um seinen Vasallen und Verb\u00fcndeten Z\u00e1polya gegen den Habsburger zu unterst\u00fctzen und um seine eigenen Rechte auf Ungarn zu wahren, war S\u00fcleyman schon im Mai 1529 erneut nach Ungarn aufgebrochen. Das geteilte und umk\u00e4mpfte ungarische K\u00f6nigreich befand sich im Chaos. S\u00fcleyman aber strebte geordnete Verh\u00e4ltnisse im Vorfeld seiner Grenzen an. Ein unter osmanischer Oberhoheit stehendes, stabiles Ungarn nach dem Muster der abh\u00e4ngigen F\u00fcrstent\u00fcmer Moldau und Walachei erschien als L\u00f6sung. Auf jeden Fall galt es zu verhindern, dass das K\u00f6nigreich Ungarn \u00d6sterreich verst\u00e4rkte und Ausgangspunkt sein konnte f\u00fcr schnelle Angriffe auf osmanisches Territorium aus kurzer Distanz.<\/p>\n<p>Anders als Sultan S\u00fcleyman konnte K\u00f6nig Ferdinand die Aufstellung eines Heeres nicht einfach befehlen. Er musste mit F\u00fcrsten, Adligen und St\u00e4dten direkt und im Reichstag lange, z\u00e4he Verhandlungen um Geld und Mannschaften f\u00fchren. Kompromisse waren zu finden, denn es herrschte Misstrauen, teils aus konfessionellen Gr\u00fcnden teils aus der Unterschiedlichkeit der politischen Ziele. Die Protestanten vor allem lie\u00dfen sich stets nur gegen Zugest\u00e4ndnisse in der Religionsfrage zu Zusagen von Geld und Mannschaften bewegen. Auf solche Weise trugen die Osmanen allerdings nur indirekt zur Stabilisierung des Protestantismus bei, ohne dabei selbst etwas zu gewinnen.<\/p>\n<p>Den \u00d6sterreichern war erst nach dem Fall von Ofen (Buda) so recht klargeworden, dass der Sultan nun K\u00f6nig Ferdinand in seiner Hauptstadt Wien aufsuchen wollte. Einsichtig hatte man sich angesichts des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses entschlossen, sich ganz auf die Verteidigung der Stadt zu konzentrieren. Eine Massenflucht der B\u00fcrger setzte ein. Doch 17.000 Mann Truppen sollten sie verteidigen. Am 26. September 1529, also sehr sp\u00e4t im Jahr, bezog der Sultan seine pr\u00e4chtige Zeltburg vor Wien. Der Anmarsch war eine einzige Strapaze f\u00fcr Mensch und Tier gewesen. Fast von Anfang an hatte es geregnet. Der Boden war aufgeweicht, B\u00e4che und Fl\u00fcsse waren angeschwollen, zahlreiche Br\u00fccken mussten geschlagen werden, Kanonen blieben im versumpften Gel\u00e4nde stecken.<\/p>\n<p>Nach islamischem Kriegsrecht forderte der Sultan die Stadt zur \u00dcbergabe auf und sicherte ihr Schonung f\u00fcr diesen Fall zu, andernfalls aber werde er sie verw\u00fcsten und niemanden schonen. Die Verteidiger trafen letzte Ma\u00dfnahmen, verst\u00e4rkten die veralteten Mauern aus dem 13. Jahrhundert und postierten die Gesch\u00fctze auf den Dachb\u00f6den der abgedeckten H\u00e4user oder auf Holzplattformen an der Mauerinnenseite. Die rund hundert Gesch\u00fctze der Verteidiger erwiesen sich qualitativ und quantitativ der osmanischen Belagerungsartillerie ann\u00e4hernd gleichwertig, war doch die Masse der osmanischen Artillerie beim Anmarsch liegengeblieben. So entschloss sich der Divan zum Minenkrieg. Die Verteidiger erfuhren davon und legten Gegenminen. Trotz der Abwehr aller Anst\u00fcrme der Osmanen wurde die Lage der Verteidiger kritisch: \u201eWien lag tats\u00e4chlich in den letzten Z\u00fcgen\u201c schreibt ein \u00f6sterreichischer Historiker.<\/p>\n<p>Auch die Lage der Belagerer hatte sich verschlechtert. Milit\u00e4risch war man nicht zum Ziel gekommen, Proviantmangel machte sich bemerkbar, die Truppen wurden unwillig und die Jahreszeit schritt mit unfreundlichem Wetter unaufhaltsam voran. So beschloss ein Kriegsrat f\u00fcr den 14. Oktober einen allerletzten Sturmangriff. Doch wieder hielten die Verteidiger stand. Noch am Abend beschloss der gro\u00dfherrliche Divan den R\u00fcckzug. Ein fr\u00fcher Wintereinbruch \u00fcberraschte die Osmanen auch wirklich schon auf der ersten Station des schwierigen und verlustreichen R\u00fcckmarsches in dem von ihnen selbst verw\u00fcsteten Land.<\/p>\n<p>Die Osmanen werteten den Feldzug trotz allem insgesamt als Erfolg, denn das Heer war unbesiegt und Ungarn war nun vollst\u00e4ndig gewonnen. Gro\u00df war die Erleichterung in Wien. Eine Flut von Flugbl\u00e4ttern und anderen Druckschriften mit Nachrichten aus Wien, nicht selten illustriert, durchmischt mit Gr\u00e4uelpropaganda, die einerseits emp\u00f6ren und Furcht ausl\u00f6sen sollte, andererseits den Abwehrwillen st\u00e4rken, berichtete \u00fcber das Geschehen vor Wien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Innerhalb der Regierungszeit Sultan S\u00fcleymans heben sich die Jahre 1523 bis 1536 als besondere Epoche hervor. Es war die Zeit des Gro\u00dfwesirates Ibrahim Paschas, eines aus der Knabenlese hervorgegangenen Pagen griechischer Herkunft. Er war ein enger Jugendgef\u00e4hrte S\u00fcleymans, den er gegen allen Brauch zum Gro\u00dfwesir und Armeef\u00fchrer erhoben hatte. Selbst die Schwester hatte er ihm zur Frau gegeben und ihm nahe beim Sultanspalast einen Palast errichtet. Ihn hatte der Sultan nach \u00c4gypten geschickt, um das Land nach einem Aufstand zu befrieden und ihm eine gesetzliche Ordnung zu geben. Als Serdar hatte er die Feldz\u00fcge gegen Wien 1529 und dann 1532 tief hinein in die \u00f6sterreichischen Erblande organisiert und befehligt. Die Bitte seines \u201eBruders\u201c Ferdinand um Frieden hat er im Namen von S\u00fcleyman, dem \u201eVater\u201c Ferdinands, im Jahre 1533 erf\u00fcllt. Beide ungarischen K\u00f6nige, Ferdinand und auch Z\u00e1polya, waren damit Vasallen Sultan S\u00fcleymans.<\/p>\n<p>Ibrahim Pascha verhandelte mit den Botschaftern der europ\u00e4ischen Staaten und zeigte sich bestens \u00fcber Europa und die europ\u00e4ische Politik informiert. So machte er den Versuch durch \u00dcbernahme europ\u00e4ischer Symbole, die Macht des Sultans und die osmanische Herrschaft den Europ\u00e4ern verst\u00e4ndlicher und akzeptabler zu machen. In Venedig lie\u00df er f\u00fcr S\u00fcleyman eine kostbare Krone herstellen. Ebenso ungewohnt waren den Osmanen die antikisierenden Triumphb\u00f6gen und pr\u00e4chtigen, vor Gold und Juwelen strotzenden Umz\u00fcge, die er w\u00e4hrend des ungarischen Feldzug 1532 vor allem in Belgrad nach dem Muster der Kr\u00f6nung Karls V. in Bologna 1529 f\u00fcr S\u00fcleyman inszenierte, um S\u00fcleymans Weltherrschaftsanspruch gegen den Karls V. zu unterstreichen.<\/p>\n<p>Den religi\u00f6s-sozialen Aufstand des Kalender in Anatolien schlug Ibrahim Pascha im Jahre 1527 nieder. Solange aber die Grenze nahe war und notfalls ein schneller Abzug Richtung Persien m\u00f6glich war, waren die Turkmenen nicht zur Ruhe zu bringen. Der Friede mit K\u00f6nig Ferdinand 1533 machte den R\u00fccken frei f\u00fcr einen Feldzug gegen Schah Tahmasp, den Sohn Schah Ismails, dessen Strategie es war, der osmanischen Armee auszuweichen, sich ihr nie zu stellen. So konnte er nicht besiegt werden und die Osmanen besetzten fast kampflos die Hauptstadt T\u00e4bris, Bagdad und weite Landstriche dazwischen. S\u00fcleyman sandte ein Siegesschreiben an K\u00f6nig Ferdinand, in dem er Ibrahim Pascha wegen seiner hervorragenden Leistung hohes Lob spendet. Kurze Zeit nach der R\u00fcckkehr in die Hauptstadt lie\u00df S\u00fcleyman aber seinen so vertrauten, fast allm\u00e4chtigen Gro\u00dfwesir unverhofft nachts im Bett erdrosseln. Ibrahim Pascha, war, so die wahrscheinlichste Erkl\u00e4rung, dem Sultan zu selbstherrlich und anma\u00dfend geworden. Damit endete auch die Verwendung europ\u00e4isierenden Symbolik in S\u00fcleymans Politik.<\/p>\n<p>Im Jahre 1519 hatte sich der t\u00fcrkische Pirat Hayreddin Barbarossa, der sich eine eigene Herrschaft in Nordafrika geschaffen hatte, als Vasall dem osmanischen Sultan Selim I. unterstellt. Damit griff das osmanische Territorium im s\u00fcdlichen Mittelmeer bis weit nach Westen aus. Von Ungarn bis Nordafrika erstreckte sich damit auch der Raum der osmanisch-habsburgischen Konfrontation. Sie \u00e4u\u00dferte sich als Seekrieg zwischen wechselnden B\u00fcndnissen im nordafrikanischen Raum, wobei es auch zu muslimisch-christlichen Koalitionen kam. Karl V. hatte 1528 den Genuesen Andrea Doria, einen hervorragenden Seemann, zum Admiral ernannt. Die Osmanen forcierten ebenfalls den Flottenbau und da ihnen ein t\u00fcchtiger Admiral fehlte, wurde Hayreddin Barbarossa nach Istanbul eingeladen und 1533 zum Gro\u00dfadmiral der osmanischen Flotte ernannt.<\/p>\n<p>Ein m\u00f6gliches antihabsburgisches Zusammenspiel zwischen dem K\u00f6nig von Frankreich und dem osmanischen Sultan hatte sich schon 1525 im Hilferuf Franz I. angedeutet. Neue Kontakte f\u00fchrten zum Plan eines gemeinsamen Angriffs. Franz I. sollte 1537 die Lombardei angreifen, S\u00fcleyman von Albanien aus das K\u00f6nigreich Neapel zu Land und zu See. Dabei sollte eine franz\u00f6sische Flotte Hayreddin Barbarossa unterst\u00fctzen. Doch der K\u00f6nig griff Mailand nicht an und seine Flotte erschien zu sp\u00e4t. S\u00fcleyman brach den Angriff auf Neapel ab. Zu gro\u00dfem Ruhm kam Hayreddin Barbarossa dann durch den Sieg \u00fcber eine p\u00e4pstlich, habsburgisch, venezianische Flotte unter Andrea Doria im September 1538 bei Preveza. F\u00fcr mehr als drei\u00dfig Jahre sicherte sich die osmanische Flotte damit die Vorherrschaft im Mittelmeer. Eine aufsehenerregende, koordinierte Flottenoperation der franz\u00f6sisch-osmanischen Allianz erfolgte im Jahre 1543: Hayreddin Barbarossa belagerte Nizza und \u00fcberwinterte mit seiner Flotte als Gast des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs in Toulon. Aber so gering der Erfolg der Unternehmung auch war, diese Allianz bot den Habsburgern die M\u00f6glichkeit, religi\u00f6se Emp\u00f6rung zu demonstrieren und eine heftige Propaganda gegen Frankreich auszul\u00f6sen. Dabei hatte man selbst dem Sultan weitgehende Angebote gemacht und au\u00dferdem Kontakte zu einem anderen \u201eGlaubensfeind\u201c, dem nicht weniger muslimischen Safawidenschah gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>In Ungarn hielten unterdessen die K\u00e4mpfe zwischen K\u00f6nig Ferdinand und K\u00f6nig Johann Z\u00e1polya an, 1541 griff S\u00fcleyman ein und nahm den zentralen Teil Ungarns mit der Hauptstadt Buda trotz der hohen Kosten, die damit langfristig verbunden waren, unter direkte osmanische Verwaltung. Den Sohn Z\u00e1polyas belehnte er mit Siebenb\u00fcrgen und \u00f6stlichen Teilen Ungarns, Ferdinand blieb der Norden und Westen. Weitere zerm\u00fcrbende K\u00e4mpfe folgten, ehe dann Verhandlungen begannen, die \u00fcber mehrere Waffenstillstandsvereinbarungen 1547 zu einem Frieden f\u00fchrten, der den Status quo festschrieb, dar\u00fcber hinaus aber K\u00f6nig Ferdinand einen j\u00e4hrlichen Tribut von 30.000 Gulden f\u00fcr sein ungarisches \u201eK\u00f6nigreich\u201c auferlegte, der \u00f6sterreichische Terminus daf\u00fcr war \u201eT\u00fcrkenverehrung\u201c.<\/p>\n<p>Friede im christlichen Westen bedeutete nun wieder freie Hand gegen den schiitischen Osten. Die Flucht eines safawidischen Prinzen nach Istanbul im Jahre 1548 und safawidische Angriffe auf osmanisches Territorium im Jahre 1554 f\u00fchrte zu weiteren Feldz\u00fcgen. Der Schah blieb bei seiner erprobten Strategie des Zur\u00fcckweichens und war nicht zu fassen, stie\u00df aber nach dem Abmarsch der Osmanen seinerseits zu, sodass viel zerst\u00f6rt wurde, aber wenig gewonnen. So folgte dem osmanisch-habsburgischen Frieden von 1547 im Mai 1555 der Friedensschluss von Amasya zwischen Sultan und Schah und im gleichen Jahr 1555 auch der Augsburger Religionsfrieden zwischen Protestanten und Katholiken. So wichtig diese Friedensschl\u00fcsse auch waren, Endpunkte waren sie nicht, daf\u00fcr sorgte schon die sunnitisch-schiitische Polemik, die katholisch-protestantische Polemik, die christlich-muslimische Polemik und die habsburgisch-franz\u00f6sische Polemik. Auf einem letzten ungarischen Feldzug starb der kranke, alte S\u00fcleyman im Jahre 1566.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VI.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die osmanische Expansion ist in der ersten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts schon weitgehend an die Grenzen ihrer M\u00f6glichkeiten gesto\u00dfen. Was sein Vater Selim in einem Schwung erobert hatte, musste S\u00fcleyman sichern und bewahren. Ebenso die eigenen z\u00e4heren Eroberungen. Je weiter die Grenzen vorgeschoben wurden, desto schwieriger wurden Kommunikation und Verwaltung, desto aufwendiger wurden Sicherung und Verteidigung, desto weiter und beschwerlicher wurden die Anmarschwege der Feldz\u00fcge. Die Safawiden blieben ein schwieriger, kaum fassbarer, letztlich unbesiegter Gegner. Die Habsburger blieben ein unbequemer Gegner, gegen den Ungarn zwar gehalten werden konnte, der aber wie auch die Safawiden eine osmanische Grenzsicherung erzwang, die im Kern aus zahlreichen Festungen bestand, dazu aus einer teuren Flotte. Das bedeutete hohe Kosten f\u00fcr Mannschaften, Sold und die Instandhaltung.<\/p>\n<p>Dreizehn Feldz\u00fcge und einige Eroberungen k\u00f6nnen allein nicht begr\u00fcnden, warum die 46 Jahre der Regierung S\u00fcleymans als die Bl\u00fctezeit des Osmanischen Reiches gelten, wenn seine Jahre auch nicht ohne Probleme blieben. Die Osmanen, insbesondere auch Sultan S\u00fcleyman hatten eine alte orientalische Staatsweisheit verinnerlicht: \u201eKeine Macht ohne Truppen, keine Truppen ohne Geld, kein Geld ohne Wohlstand, kein Wohlstand ohne Gerechtigkeit und gute Verwaltung\u201c. Gerechtigkeit und eine gute Verwaltung suchte Sultan S\u00fcleyman zu verwirklichen. Dass ihm dies gelang, zeigt die Tatsache, dass die osmanische Verwaltung die Finanzen aufbringen konnte, die seine starke Armee f\u00fcr all die Feldz\u00fcge und die Grenzsicherung ben\u00f6tigte, und dass man ihn mit dem Ehrentitel \u201eKanuni\u201c, der Gesetzgeber, in Erinnerung behielt. Gewiss, im Reich galt die Scharia, das von Gott gegebene Gesetz, das die Kadis im reichsumfassenden Netz der Gerichtssprengel vertraten. Doch die Scharia regelte nicht alle Bereiche des Lebens. Diese L\u00fccke f\u00fcllte der Kanun, ein staatlich erlassenes Recht, das auf dem Willen des Sultans beruhte. Es gab Kanunnames mit reichsweiter Geltung und es gab zahlreiche Kanunnames f\u00fcr einzelne Provinzen und staatliche Einrichtungen. Der Tenor der Provinzkanunnames war es, das rechtliche, soziale und finanzielle Verh\u00e4ltnis zwischen Bauern und Timarinhabern klar zu regeln und die Bauern gegen Willk\u00fcr und Ausbeutung durch Amtstr\u00e4ger zu sch\u00fctzen. Dabei wurde R\u00fccksicht auf \u00f6rtliche Verh\u00e4ltnisse genommen, nicht selten griff man dabei auf Regelungen fr\u00fcherer Herrscher zur\u00fcck, an die das Volk gew\u00f6hnt war, was bei frisch eroberten Provinzen das Einleben erleichtern sollte. S\u00fcleyman wurde zum gro\u00dfen Kanun-Gesetzgeber der Osmanen. An wichtiger \u00f6ffentlicher Stelle, in der Bauinschrift seiner Istanbuler Moschee nennt er sich einen L\u00e4ndereroberer und den Verbreiter der Kanune. Gerechtigkeit nach Scharia und Kanun war ihm so wichtig, dass er selbst zwei seiner S\u00f6hne hinrichten lie\u00df, als sie des Aufruhrs beschuldigt wurden.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4er nannten ihn \u201eden Pr\u00e4chtigen\u201c und dieser Beiname wirft Licht auf die unvergleichliche Pracht seiner Hofhaltung und damit auch auf seine Rolle als F\u00f6rderer der Kultur und der K\u00fcnste. Er dichtete selbst und unterst\u00fctzte Dichter und Geschichtsschreiber. Er besch\u00e4ftigte zahlreiche K\u00fcnstler und Kunsthandwerker, die auch die Geschichte seiner Regierungszeit in einem pr\u00e4chtigen Band mit Miniaturen illustrierten.<\/p>\n<p>Seine bedeutendste kulturelle Rolle fand er aber als Bauherr, als Auftraggeber f\u00fcr den bedeutendsten Architekten der Osmanen, Mimar Sinan. Er wirkte von 1539 bis1588 als Reichsoberarchitekt und baute Moscheen, Medresen, Br\u00fccken, Hane, Krankenh\u00e4user, Hamams, Verteidigungsanlagen in vielen St\u00e4dten des Reiches. Besonders aber setzte er f\u00fcr Sultan S\u00fcleyman in der Hauptstadt mit den Moscheen f\u00fcr seine Tochter, seinen verstorbenen Sohn Mehmed und seine eigene S\u00fcleymaniye mit Medresen, Knabenschule, Krankenhaus, Grabbauten und Gesch\u00e4ften Akzente in die Stadtlandschaft, durch die Sultan S\u00fcleyman dem Beinamen \u201eder Pr\u00e4chtige\u201c auch durch seine Bauten vollauf gerecht wird. Mit bedeutenden Helfern pr\u00e4gte der ernste, fromme, seiner Verantwortung bewusste Mann das Goldene Zeitalter der mit Europa so vielfach verflochtenen osmanischen Nachbarkultur.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; Das Jahr 1517, im christlichen Europa der Beginn der Reformation und damit der Beginn tiefgreifender Ver\u00e4nderungen, sah in der Welt des Islam das Ende des Reiches der Mamluken und damit zugleich einen gewaltigen Machtzuwachs des Osmanischen Reiches. 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