{"id":118166,"date":"2026-01-20T15:59:33","date_gmt":"2026-01-20T14:59:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118166"},"modified":"2026-01-20T15:59:33","modified_gmt":"2026-01-20T14:59:33","slug":"das-ausscheren-schwedens-aus-der-kalmarer-union-und-die-entstehung-der-neuzeitlichen-schwedischen-monarchie-unter-gustav-i-vasa","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/das-ausscheren-schwedens-aus-der-kalmarer-union-und-die-entstehung-der-neuzeitlichen-schwedischen-monarchie-unter-gustav-i-vasa\/","title":{"rendered":"Das Ausscheren Schwedens aus der Kalmarer Union und die Entstehung der neuzeitlichen schwedischen Monarchie unter Gustav I. Vasa"},"content":{"rendered":"<p>Am 4. November 1520 herrschte in Stockholm feierliche Stimmung. Christian II., K\u00f6nig zu D\u00e4nemark und Norwegen, Herzog von Holstein und Schleswig, Herr \u00fcber Island, die F\u00e4r\u00f6er, Lappland und (nominell) Gr\u00f6nland, wurde in Stockholm zum K\u00f6nig von Schweden gekr\u00f6nt. Viele B\u00fcrger der Stadt, aber auch der schwedische Adel und die schwedische Geistlichkeit waren gekommen, um das Spektakel mitzuerleben. Nach langwierigen und pomp\u00f6sen Kr\u00f6nungszeremonien schloss sich ein dreit\u00e4giges Fest an, das den K\u00f6nig und seine Untertanen in eine harmonische Atmosph\u00e4re tauchen und den Akt der Kr\u00f6nung vers\u00fc\u00dfen sollte.<\/p>\n<p>Kaum allerdings war die Festmusik der vergangenen Tage verklungen, da erschien am 7. November pl\u00f6tzlich der schwedische Erzbischof von Uppsala, Gustav Trolle, und legte eine Anklageschrift vor, in der er die Verurteilung einer Reihe von Vertretern des hohen schwedischen Adels und der hohen Geistlichkeit unter dem Vorwurf der Ketzerei verlangte. Einen Tag sp\u00e4ter, am 8. November, lie\u00df der Erzbischof ein geistliches Gericht zusammenstellen, das die Hinrichtung der in der Anklageschrift beschuldigten Personen verf\u00fcgte. Noch am gleichen Tag rollten die ersten K\u00f6pfe, n\u00e4mlich die der schwedischen Bisch\u00f6fe von Skara und Str\u00e4ngn\u00e4s, Vincens Henningsson und Mattias Gregersson (Lillie). In den Tagen darauf folgten rund 80 weitere Hinrichtungen \u2013 teils Enthauptungen, teils Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Was war geschehen?<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist bis heute umstritten, von wem diese Massenhinrichtungen, in der Geschichtsschreibung bekannt geworden als \u201eStockholmer Blutbad\u201c, tats\u00e4chlich angeordnet worden waren. Erwiesen ist, dass sowohl Christian II. als auch Gustav Trolle ein Interesse daran hatten, Teile des schwedischen Adels und der schwedischen Geistlichkeit zu beseitigen. Christian II. lag schon seit seinen Tagen als Kronprinz mit Schweden in Konflikt (D\u00e4nisch-Schwedischer Krieg 1501-1512, D\u00e4nisch-L\u00fcbischer Krieg 1509-1512). Teile der schwedischen politischen Elite hatten Christian II. die Anerkennung als K\u00f6nig von Schweden verweigert und stellten die Kalmarer Union, auf die gleich einzugehen sein wird, offen infrage. Insbesondere der schwedische Reichsverweser, das hei\u00dft der Repr\u00e4sentant der Krone im schwedischen Teilreich der Union, Sten Sture der J\u00fcngere, hatte sich durch hartn\u00e4ckigen Widerstand unbeliebt gemacht und zahlreiche Anh\u00e4nger um sich geschart, die wie er f\u00fcr einen Austritt Schwedens aus der Union pl\u00e4dierten. Es bedurfte eines jahrzehntelangen milit\u00e4rischen Engagements, bis Christian II. 1520 in der Schlacht bei Bogesund (19. Januar 1520) \u00fcber die Sture-Partei zu triumphieren schien. Sten Sture wurde in der Schlacht get\u00f6tet. Er war jedoch nur eines von vielen H\u00e4uptern der schwedischen Hydra. Sten Stures Witwe Christina Gyllenstierna konnte die Reste der anti-d\u00e4nischen Partei sammeln und leistete bis zum Herbst 1520 erbitterten Widerstand. Erst als Christian II. der schwedischen Opposition eine generelle Amnestie versprach und ihr zusicherte, dass Schweden k\u00fcnftig ausschlie\u00dflich nach schwedischen Traditionsrechten regiert w\u00fcrde, kapitulierte Christina. Damit war der Weg zur Kr\u00f6nung Christians II. frei. Sie bedeutete gleichzeitig den Eintritt in eine Politik der harten Hand. Nicht nur, dass der K\u00f6nig den kirchlichen Prozess gegen die Sture-Partei duldete; er f\u00fchrte in Schweden auch die Erbmonarchie ein \u2013 und das im Gegensatz zu den K\u00f6nigreichen D\u00e4nemark und Norwegen, wo weiterhin das Wahlrecht galt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hatte Erzbischof Gustav Trolle die pro-d\u00e4nische Partei in Schweden unterst\u00fctzt, die ihrerseits ebenso zahlreiche Anh\u00e4nger verzeichnete \u2013 auch im hohen schwedischen Adel und in der schwedischen Geistlichkeit. Der schlie\u00dflich von ihm angestrengte Ketzerprozess im Jahre 1520, der zum Stockholmer Blutbad f\u00fchren sollte, st\u00fctzte sich auf \u00e4ltere Dokumente, vor allem auf jenes Dekret, das zur Absetzung des Erzbischofs im Jahre 1517 \u2013 ein Akt der Ketzerei \u2013 und in Reaktion darauf zur Invasion k\u00f6niglicher S\u00f6ldnertruppen in Schweden im Jahre 1519 gef\u00fchrt hatte.<\/p>\n<p>Aus Trolles Perspektive handelte es sich bei den Stockholmer Ereignissen von 1520 also um einen Rechtsakt, der die Privilegien der Kirche wiederherstellen sollte. Dem K\u00f6nig wiederum passte dieser Umstand besser als jede andere Begr\u00fcndung zur Bek\u00e4mpfung der schwedischen Opposition. Da er Amnestie zugesichert hatte, kam ein weltlicher Prozess ja nicht in Frage; gegen einen geistlichen Prozess lag jedoch kein rechtliches Hindernis vor. Damit aber lie\u00df sich gleichzeitig auch die politische Ordnung im Reich wiederherstellen. Aber um welche Art Ordnung handelte es sich eigentlich?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Kalmarer Union (1397-1523)<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit m\u00fcssen wir uns kurz der Geschichte der Kalmarer Union zuwenden. 1397 hatte Margareta I., die in den 1380er und 1390er Jahren als selbsternannte K\u00f6nigin die K\u00f6nigreiche D\u00e4nemark, Norwegen und Schweden unter eine Krone gebracht hatte, einen ihrer Verwandten, Erich von Pommern, als Unionsk\u00f6nig auf den Thron gehoben. Die damit verbundene \u201eUnion zu Kalmar\u201c konnte damit faktisch gesichert werden, litt jedoch von Anfang an unter einem d\u00e4nischen Zentralismus und einer dadurch bedingten fiskalischen und milit\u00e4rischen Ausbeutung Norwegens und Schwedens, die vor allem in Schweden, wo es einen starken Adel gab, Oppositionsbewegungen f\u00f6rderte. Der nie ratifizierte Unionsbrief aus dem Jahre 1397 bestimmte, dass jedes Reich seine eigenen Gesetze behalten und nur von solchen \u201estorm\u00e4n\u201c (w\u00f6rtlich \u201eGro\u00dfe M\u00e4nner\u201c, was die politische Elite meinte) regiert werden sollte, die aus diesem Reich selbst stammten. Vorgesehen war weiter eine gemeinsame Au\u00dfenpolitik unter einem gemeinsamen Regenten, der zusammen mit beratenden Vertretern aus allen drei Reichen regierte. Das Unionsreich war als Erbreich in m\u00e4nnlicher Linie konzipiert. Eine K\u00f6nigswahl war nur vorgesehen, falls eine Dynastie ausstarb \u2013 was st\u00e4ndig vorkam.<\/p>\n<p>Die Funktion der Union war wohl zun\u00e4chst au\u00dfenpolitischer Art. Die drei Reiche versuchten, sich gegen den wirtschaftlichen Druck, der von der Hanse ausging, und gegen eine deutsche Expansion im Norden (vor allem in die Territorien des heutigen Schleswig und Holstein) zu behaupten. Die Union wurde dadurch erleichtert, dass in den drei Reichen \u00e4hnliche Sprachen gesprochen und die Adelsfamilien eng mit einander verschw\u00e4gert waren beziehungsweise G\u00fcter in den jeweils anderen Reichen besa\u00dfen. Schon bald zeigte sich jedoch eine Tendenz zur Suprematie der d\u00e4nischen Krone. Der d\u00e4nische Reichsrat wurde entmachtet und eine zentralisierte, von D\u00e4nemark dirigierte Verwaltung mit haupts\u00e4chlich d\u00e4nischen und deutschen V\u00f6gten aufgebaut. Das Verh\u00e4ltnis zur Hanse verschlechterte sich erheblich, als Erich von Pommern in finanzieller Not 1429 einen den Ostseehandel ausnutzenden \u201e\u00d6resundzoll\u201c (existierte bis 1857) einf\u00fchrte. Daraufhin verh\u00e4ngte die Hanse eine Handelsblockade gegen\u00fcber den St\u00e4dten der Union. Von dieser Blockade war vor allem der schwedische Bergbau betroffen, dessen Rohstoffe und Produkte nun nicht mehr ins Ausland verkauft werden konnten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem trafen im Zusammenhang mit der Kriegsf\u00fchrung eingef\u00fchrte Steuererh\u00f6hungen besonders die schwedischen Bauern. Der Widerstand gegen Erichs Politik wuchs jedoch in allen Teilen der schwedischen Bev\u00f6lkerung. 1434 rotteten sich die Bergleute in Mittelschweden (Bergslagen) unter dem aus dem niederen Adel stammenden Bergmann Engelbrekt Engelbrektsson zusammen, um gegen die Politik des K\u00f6nigs zu protestieren. Von dort breitete sich der Aufstand schnell aus und wurde schon bald vom schwedischen Adel unterst\u00fctzt. Auf einer Reichsversammlung in Arboga im Jahre 1435, der als erster St\u00e4ndereichstag der Geschichte Schwedens (allerdings ohne den Bauernstand) gilt, versammelten sich die Aufst\u00e4ndischen und w\u00e4hlten Engelbrekt zu ihrem milit\u00e4rischen Anf\u00fchrer (\u201eriksh\u00f6vitsman\u201c, w\u00f6rtlich \u201eReichshauptmann\u201c). Die Aufst\u00e4ndischen gerieten jedoch schon bald in Zwistigkeiten, von denen Erich profitierte. Den urspr\u00fcnglichen Plan, von Erich ein Dokument zu verlangen, das die Beschr\u00e4nkung seiner monarchischen Macht festschrieb, mussten die Aufst\u00e4ndischen schlie\u00dflich aufgeben. Der Aufstand war damit beendet, die Unzufriedenheit aber blieb.<\/p>\n<p>Auch unter dem neuen Unionsk\u00f6nig, Christopher von Bayern, wehrte sich der schwedische Adel gegen d\u00e4nische Vormachtanspr\u00fcche. Streitpunkte waren erneut die rigorose Steuerpolitik, au\u00dferdem die Besetzung der schwedischen G\u00fcter, der \u201eslottsl\u00e4n\u201c (Unterhaltsl\u00e4ndereien f\u00fcr Burgen) und der Bischofsst\u00fchle mit d\u00e4nischen Adligen. Damit verstie\u00df Christopher gegen eine 1441 dem schwedischen Adel gegebene \u201ek\u00f6nigliche Zusicherung\u201c \u2013 was nach seinem Tod zur Wahl eines schwedischen Gegenk\u00f6nigs, Karl Knutsson, f\u00fchrte, der 1449 sogar K\u00f6nig in Norwegen wurde. 1450 beschlossen einige schwedische \u201estorm\u00e4n\u201c zwar eine Erneuerung der Union und anerkannten Christian I. als neuen Unionsk\u00f6nig in D\u00e4nemark und Norwegen. In Schweden wurde dies wegen einer Spaltung des Adels in Unionsbef\u00fcrworter und -gegner jedoch zum Anlass f\u00fcr eine milit\u00e4rische Auseinandersetzung, die sich bis 1457 hinzog und erst mit der Niederlage der Unionskritiker dazu f\u00fchrte, dass Christian I. auch in Schweden den Thron bestieg (bis 1463). Die Jahrzehnte nach 1463 erwiesen sich als chaotisch. Die politische Macht in Schweden lag beim Adel, der aber weiter gespalten war. Nur einmal noch, n\u00e4mlich unter Hans I., gelang die faktische Wiederherstellung der Union von Kalmar. In der \u00fcbrigen Zeit regierten in Schweden Karl Knutsson als K\u00f6nig und verschiedene \u201eReichsverweser\u201c.<\/p>\n<p>Gleichzeitig machte die wirtschaftliche Bedeutung Schwedens die Wiederherstellung der Union zu einem vorrangingen Ziel der d\u00e4nischen Au\u00dfenpolitik. D\u00e4nemark erhielt dabei die Unterst\u00fctzung einer einflussreichen unionsfreundlichen Gruppe im schwedischen Hochadel (unter anderem die Familie Oxenstierna), die vor allem aus wirtschaftlichen Interessen an der Union festhielt. Zahlreiche Adlige besa\u00dfen sowohl auf d\u00e4nischem als auch schwedischem Territorium ausgedehnte G\u00fcter. Zudem garantierte das d\u00e4nische K\u00f6nigtum die finanzielle Unterst\u00fctzung der Union durch die Hanse. Diese Machtkonstellation konnte die Hanse jedoch auch f\u00fcr eine Verbesserung ihrer eigenen Machtposition oder zur Sicherung ihrer Handelsprivilegien in D\u00e4nemark-Norwegen nutzen, indem sie im Konfliktfall mit einer Unterst\u00fctzung der schwedischen, anti-unionistischen Opposition drohte.<\/p>\n<p>Tr\u00e4ger der Selbstst\u00e4ndigkeitstendenzen in Schweden waren neben dem Adel \u2013 als Opfer der d\u00e4nischen Steuerpolitik \u2013 die B\u00fcrgerschaft von Stockholm, die mittelschwedischen Bergleute und H\u00fcttenunternehmer sowie die Bauern von Dalarna. Angef\u00fchrt vom schwedischen Adel initiierten diese mehrere erfolgreiche Aufst\u00e4nde, die f\u00fcr die Unionskrone mitunter schwerwiegende Folgen hatten \u2013 am schlimmsten in der Schlacht am Brunkeberg (10. Januar 1471), als Christian I. gegen Aufst\u00e4ndische unter F\u00fchrung des schwedischen Reichsverwesers Sten Sture d.\u00c4. eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste. Seinen H\u00f6hepunkt erreichte der Konflikt unter dem schwedischen Reichsverweser Sten Sture d.J. mit dem Stockholmer Blutbad.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Anf\u00e4nge der Vasa-Dynastie<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Stockholmer Blutbad provozierte eine gesamtschwedische Volkserhebung, mit deren Hilfe es der Opposition unter dem neuen Reichsverweser Gustav Eriksson Vasa gelang, die d\u00e4nische Einmischung in Schweden zu beenden. Mit der Wahl Gustav Erikssons als K\u00f6nig Gustav I. Vasa im Jahre 1523 schied Schweden endg\u00fcltig aus der Kalmarer Union aus. In Nordeuropa entstand ein neues K\u00f6nigreich Schweden, das bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts von der schwedischen Adelsdynastie der Vasa regiert werden sollte.<\/p>\n<p>Das Vasa-Geschlecht ist heute in Deutschland kaum mehr bekannt, weil im Mannesstamm ausgestorben. Ganz im Gegensatz etwa zu den Habsburgern, den Wittelsbachern oder Hohenzollern \u2013 alles Namen, deren Tr\u00e4ger heute noch gelegentlich in der \u00d6ffentlichkeit eine Rolle spielen oder die man zumindest irgendwann einmal im Geschichtsunterricht geh\u00f6rt hat. Assoziationen weckt der Name heute allenfalls beim \u201eWasa-Kn\u00e4ckebrot\u201c, eventuell hat man von der Stadt Vaasa in Finnland geh\u00f6rt; enthusiastische Wintersportler d\u00fcrften mit dem \u201eWasalauf\u201c im schwedischen Dalarna vertraut sein, und den interessierten Touristen haben Reisef\u00fchrer vielleicht in das spektakul\u00e4re Wasa-Schiffsmuseum in Stockholm gelockt.<\/p>\n<p>All dies hat mit den historischen Vasa zu tun. Wer aber waren sie? Und warum konnten sie sich im fr\u00fchen 16. Jahrhundert an die Spitze einer antid\u00e4nischen Aufstandsbewegung setzen? Die Vasa treten ins Licht der Geschichte als schwedisches Adelsgeschlecht, dessen Wurzeln sich mindestens bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zur\u00fcckverfolgen lassen und das m\u00f6glicherweise deutschbaltische Wurzeln besa\u00df (Lars-Olof Larsson). Seit dem fr\u00fchen 16. Jahrhundert stellte es Herrscher der Krone Schwedens und Polen-Litauens, aber auch Vertreter der regierenden F\u00fcrstenfamilien des Heiligen R\u00f6mischen Reiches. Die m\u00e4nnliche Linie starb Ende des 17. Jahrhunderts aus. Mitglieder der weiblichen Linie leben allerdings bis zum heutigen Tag.<\/p>\n<p>Die Vasa bekleideten seit der Zeit ihrer quellenm\u00e4\u00dfigen Fassbarkeit durchweg hohe \u00c4mter in der schwedischen Reichsverwaltung und waren bedeutete Grundbesitzer. Entscheidend f\u00fcr unser Thema ist jedoch, dass Gustav Eriksson Vasa, der sp\u00e4tere K\u00f6nig von Schweden, 1518 zu einer Gruppe von Geiseln geh\u00f6rte, die Christian II. sich gegen die Einwilligung, mit der Sture-Partei zu verhandeln, ausbedungen hatte. Ungeachtet seines hochheiligen Versprechens lieferte er die Geiseln aber nach den (ergebnislosen) Verhandlungen nicht an die Sture-Partei aus, sondern verschleppte sie nach D\u00e4nemark, wo er versuchte, sie auf die Seite der Unionsregierung zu ziehen. Dies gelang zum Teil; Gustav Eriksson geh\u00f6rte jedoch zu denjenigen, die sich einer Parteinahme f\u00fcr den K\u00f6nig strikt verweigerten. 1519 gelang es ihm, nach L\u00fcbeck zu entkommen und nach einem achtmonatigen Aufenthalt in der Hansestadt in seine Heimat zur\u00fcckzukehren. Was dann bis zum Zeitpunkt des Stockholmer Blutbades geschah, ist aufgrund der schwierigen Quellenlage nicht mehr zu rekonstruieren.<\/p>\n<p>Als er von den Ereignissen in der Hauptstadt erfuhr, hatte er jedenfalls die bittere Wahrheit zu verkraften, dass sowohl Erik Johansson Vasa, Reichsrat unter der Sture-Regierung und Gustav Eriksson Vasas Vater, als auch Joakim Brahe, Gustav Erikssons Schwager und Anh\u00e4nger der Sture-Partei, in der Hinrichtungsorgie des Stockholmer Blutbads get\u00f6tet worden waren. Au\u00dferdem hatte Christian II. mehrere seiner Schwestern und seine Mutter ins Gef\u00e4ngnis werfen lassen. Die G\u00fcter der Vasa hatte die Unionskrone samt und sonders einziehen lassen, d\u00e4nische H\u00e4scher suchten Gustav Eriksson im ganzen Land. Der floh nun nach Norden in Richtung Dalarna und norwegische Grenze, wurde dort jedoch von Dal-Bauern eingeholt, lie\u00df sich zum Anf\u00fchrer eines Christian-feindlichen Aufstandes \u00fcberreden und eroberte im April 1521 die mittelschwedischen Landschaften von den D\u00e4nen. Im August desselben Jahres war er Herr \u00fcber das damalige s\u00fcdliche Schweden (einschlie\u00dflich Sm\u00e5land). Es sollte jedoch noch zwei weitere Jahre dauern und der Unterst\u00fctzung der l\u00fcbischen Flotte bed\u00fcrfen, bis er auch die von d\u00e4nischen Truppen besetzten Festungen des Landes in seiner Gewalt hatte. Erst am 6. Juni 1523 \u2013 heute schwedischer Nationalfeiertag \u2013 wurde er auf dem Reichstag zu Str\u00e4ngn\u00e4s von den versammelten St\u00e4nden des Reiches zum neuen schwedischen K\u00f6nig ausgerufen.<\/p>\n<p>Die schwedische Rebellion gegen den Unionsk\u00f6nig hatte Christian II. in der Zwischenzeit nicht nur den schwedischen Beinamen \u201etyrann\u201c eingebracht, sondern in D\u00e4nemark und Norwegen zu einer Adelserhebung gegen den K\u00f6nig gef\u00fchrt, die ihn 1523 zur Flucht in die Niederlande zwang. Von dort begab er sich nach Wittenberg zu Luther (wohnte dort in Lucas Cranachs Haus und schenkte Luthers Frau, Katharina von Bora, pers\u00f6nlich einen goldenen Ring), konvertierte zum Luthertum und betrieb eine religi\u00f6s durchtr\u00e4nkte Propaganda gegen seine Feinde im Unionsreich und Schweden. Diese Propaganda, der mit ihr verbundene d\u00e4nische Revanchismus und die Au\u00dfenpolitik insgesamt waren die vorrangigen Probleme, die Gustav Vasa als K\u00f6nig von Schweden zu l\u00f6sen hatte. Als kaum weniger problematisch allerdings erwies sich die innerschwedische Opposition von Kirche, Adel und Bauern. Die wichtigsten Mittel zur Sicherung der neuen Dynastie waren deshalb der Aufbau eines starken Staates mit Hilfe der Reformation, die Schaffung eines loyalen Adels, innenpolitische Reformen und eine um- und vorsichtige Au\u00dfenpolitik. Innere und \u00e4u\u00dfere Probleme blieben dabei eng verzahnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Reformation und Kirchenpolitik<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst beherrschte die Au\u00dfenpolitik alle politischen Ma\u00dfnahmen des schwedischen K\u00f6nigs. Sie war zugleich eng mit der Reformation und der Kirchenpolitik verbunden. Die Au\u00dfenpolitik bestimmten in den ersten Regierungsjahren wechselnde Allianzen im M\u00e4chtedreieck von Schweden, D\u00e4nemark und Hanse \u2013 eine Konstellation, wie sie die schwedische Rebellion und der sich anschlie\u00dfende Befreiungskrieg vorgegeben hatten. Gustav Vasa hatte zwar in hansischen Kaufleuten in L\u00fcbeck, die ihn mit einer Kriegsflotte und einer betr\u00e4chtlichen Geldsumme versorgt hatten, Allianzpartner gefunden, aber dieses B\u00fcndnis war nur aus schwedischer Sicht rein politischer Natur gewesen. Die L\u00fcbecker hatten n\u00e4mlich neben antid\u00e4nischen auch schn\u00f6de finanzielle Interessen im Sinn gehabt. Gustav Vasas Befreiungskrieg gegen D\u00e4nemark hinterlie\u00df dem jungen Reich einen gewaltigen Schuldenberg, der nicht einfach mit den Ertr\u00e4gen aus der Wirtschaftskraft des Landes getilgt werden konnte. Und die Tatsache, dass Gustav Vasa D\u00e4nemark 1524 nach hansischer Vermittlung die w\u00e4hrend der Unionszeit den schwedischen Reichsverwesern unterstellten Landschaften Blekinge und Gotland an D\u00e4nemark abtreten musste, machte die Situation kaum ertr\u00e4glicher.<\/p>\n<p>Die einzige Institution in Schweden, die zu dieser Zeit \u00fcber ein ansehnliches Verm\u00f6gen an Land und Wertgegenst\u00e4nden verf\u00fcgte, war die Kirche. Diese ergiebige Quelle gedachte Gustav Vasa anzuzapfen. Mit dem \u201eReformationsreichstag\u201c von V\u00e4ster\u00e5s 1527 koppelte Gustav I. die Kirche von Rom ab und unterwarf sie in Teilen dem Staat. Damit erhielten schwedische lutherisch gesinnte Geistliche wie Laurentius Andreae und Olaus Petri einen Freibrief, ihre theologischen \u00dcberzeugungen ohne Gefahr der Verketzerung offen von der Kanzel herab zu predigen. Doch sah der K\u00f6nig den Reformationsreichstag im Kern weniger als theologischen denn als administrativen Akt. F\u00fcr die Krone entscheidend war, dass sie mit Hilfe einer allgemeinen S\u00e4kularisation der Kircheng\u00fcter die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber rund zwei Drittel des schwedischen Gutsbesitzes erlangte und damit in einen deutlichen Vorteil gegen\u00fcber dem Adel geriet, der zu dieser Zeit \u00fcber rund ein Drittel des schwedischen Grundbesitzes gebot. Dieses Vorgehen f\u00fchrte erwartungsgem\u00e4\u00df zu massiven Widerst\u00e4nden im Adel, ja zu Volksaufst\u00e4nden in den Landschaften Dalarna (1524-1533) und Sm\u00e5land (1529), und sp\u00e4ter zum Dacke-Aufstand (1542-1543), die der K\u00f6nig jedoch erfolgreich niederschlagen konnte. Mit dem Verm\u00f6gen und den Eink\u00fcnften aus seinen neuen k\u00f6niglichen L\u00e4ndereien war Gustav I. nun in der Lage, seine Schulden zu begleichen. So lie\u00df er beispielsweise 1530 die jeweils gr\u00f6\u00dfte Glocke in jedem Kirchspiel beschlagnahmen, um seine Verbindlichkeiten gegen\u00fcber L\u00fcbeck zu tilgen. Diese Ma\u00dfnahme f\u00fchrte ein Jahr sp\u00e4ter zum \u201eGlockenaufstand\u201c in Dalarna.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zum materiellen Besitz der Kirche standen Recht und Theologie weniger im Zentrum des k\u00f6niglichen Interesses. Den Privilegienbrief K\u00f6nig Sverkers I. \u00fcber das Kirchenrecht, die Eigengerichtsbarkeit und die Steuerfreiheit der Geistlichkeit tastete Gustav I. formal nicht an. Dennoch ver\u00e4nderte die Reformation das Verh\u00e4ltnis zwischen K\u00f6nig und Geistlichkeit. Sie verwandelte die Geistlichen in staatliche Funktionstr\u00e4ger, die Krone zog den Kirchenzehnten ein, reduzierte die Zahl der Geistlichen und vermehrte diejenige der ehemaligen Bisch\u00f6fe, um zu verdeutlichen, dass diese ihre pers\u00f6nliche Macht und autonome Stellung verloren und sie stattdessen der Gunst des K\u00f6nigs zu verdanken hatten. Es war der K\u00f6nig, der seit dem Reformationsreichstag \u2013 au\u00dfer dem Erzbischof, der die apostolische Sukzession fortf\u00fchren sollte \u2013 die hohen W\u00fcrdentr\u00e4ger der Kirche ernannte: die Bisch\u00f6fe, Pr\u00e4laten, Kanoniker, Pr\u00e4bend\u00e4re, seit 1561 auch die Pastoren. Die \u00fcbrige kirchliche Organisation tastete Gustav I. jedoch nicht an. Die mittelalterliche Stiftsorganisation blieb erhalten und damit eine quasi-f\u00f6derale Struktur der innerkirchlichen Entscheidungsfindung. Versuche, eine kirchliche Zentralinstitution unter staatlicher Aufsicht, das \u201eConsistorium Generale\u201c, zu schaffen, sollte die Krone erst seit den 1620er Jahren unternehmen. Andererseits ging die kirchliche Gerichtsbarkeit in einem l\u00e4ngeren Prozess fast vollst\u00e4ndig in der staatlichen Justiz auf, auch wenn dies den geistlichen Privilegien von 1200 widersprach.<\/p>\n<p>Theologisch setzte der K\u00f6nig die Reformation \u00fcber die Besetzung der Bischofs\u00e4mter mit reformationsfreundlichen Bisch\u00f6fen durch. 1531 ernannte er Laurentius Petri zum Erzbischof von Uppsala. Dieser \u00fcbersetzte unter anderem Luthers Katechismen ins Schwedische, gab das erste schwedisch-reformierte Kirchengesangbuch heraus und leitete die Arbeiten an der schwedischen Bibel\u00fcbersetzung, die 1541 erstmals vollst\u00e4ndig im Druck erschien. Sein f\u00fcr die Definition des Verh\u00e4ltnisses von Kirche und Staat zentrales Werk jedoch war die Kirchenordnung von 1571 (gedruckt als \u201eNova Ordinantia\u201c, 1575), die eine gem\u00e4\u00dfigte Reformation propagierte und das kirchliche Leben in Schweden f\u00fcr mehr als hundert Jahre pr\u00e4gen sollte. Sie stand allerdings am Beginn einer neuen, in Teilen gegenreformatorischen Phase der schwedischen Kirchenpolitik, die vom Kirchenprogramm Johans III., dem zweiten Sohn Gustav Vasas, gepr\u00e4gt war. Dieser trat f\u00fcr den kirchlichen Universalismus und eine glanzvolle Liturgie katholischer Pr\u00e4gung ein, bem\u00fchte sich um ein gutes Verh\u00e4ltnis zu Rom und arbeitete daran, ein h\u00f6heres kirchliches Bildungswesens zu etablieren. Er stie\u00df dabei jedoch auf den Widerstand seines j\u00fcngeren Bruders Karl. Als Johan III. eine neue Liturgie (\u201eLiturgia Suecanae Ecclesiae\u201c oder \u201eRotes Buch\u201c, 1576) einf\u00fchren lie\u00df, entbrannte der Liturgiestreit, den Karl auf einer Kirchensynode zu Uppsala 1593 f\u00fcr sich entscheiden konnte, indem Laurentius Petris Kirchenordnung von 1571 durch die Bisch\u00f6fe best\u00e4tigt wurde. Gleichzeitig bestimmte die Synode nun das Augsburger Bekenntnis von 1530 zur verbindlichen theologischen Grundlage f\u00fcr die schwedisch-lutherische Kirche.<\/p>\n<p>Damit war die Reformation in Schweden im Jahre 1593 endg\u00fcltig durchgesetzt. In der\u00a0 Regierungsform von 1634, der ersten formellen Verfassung in der Geschichte Schwedens, erschien die Lutherische Kirche nach dem Augsburger Bekenntnis denn auch als schwedische Staatskirche und als definitorischer Rahmen daf\u00fcr, wer nach dem Grundsatz \u201ecuius regio, eius religio\u201c als \u201eSchwede\u201c im Sinne eines Untertanen der schwedischen Krone (also etwa auch Finnen) anzusehen war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Adelspolitik<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Loyalit\u00e4t des schwedischen Adels erkaufte sich Gustav Vasa auf dem Reformationsreichstag von 1527, indem er einen Teil des s\u00e4kularisierten Kirchenlandes an Adelsfamilien vergab. Dadurch gewann er den gr\u00f6\u00dferen Teil des schwedischen Adels, aber nicht alle Adligen waren mit einem unabh\u00e4ngigen Schweden unter der Herrschaft der Vasa und einer d\u00e4nenfeindlichen Au\u00dfenpolitik einverstanden. Die Opposition sammelte sich w\u00e4hrend der Herrschaftsperiode Gustavs I. immer wieder zu Verschw\u00f6rungen und Aufst\u00e4nden, von denen der \u201eAufstand der V\u00e4stg\u00f6taherren\u201c von 1529, der von Anh\u00e4ngern des K\u00f6nigs blutig niedergeschlagen wurde, der bekannteste ist. Erst weitere Geschenke Gustavs I. und der wirtschaftliche, rechts-, sozial- und au\u00dfenpolitische Nachweis, dass ein souver\u00e4nes Schweden deutliche Vorteile mit sich brachte, bewog auch den oppositionellen Teil des schwedischen Adels dazu, sich hinter die Politik der Vasas und ihren Herrschaftsanspruch zu stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Foreign policy<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die schwedische Au\u00dfenpolitik verharrte w\u00e4hrend der Regierungszeit Gustav Vasas in dem vom Befreiungskrieg gesteckten Rahmen zwischen D\u00e4nemark und der Hanse. Nach dem Tod des d\u00e4nischen K\u00f6nigs Fredrik I. 1533 wurde Schweden in den d\u00e4nischen Thronfolgekrieg hineingezogen. Dabei standen sich ein L\u00fcbecker (hansisches) Aufgebot unter Graf Christoffer von Oldenburg, einem Enkel des letzten Kalmarer Unionsk\u00f6nigs Christians II., und Truppen Fredriks I. und Gustavs I. gegen\u00fcber. Diese in der Geschichtsschreibung als \u201eGrafenfehde\u201c (1532-1534) bekannt gewordene Auseinandersetzung endete mit einem Sieg der schwedisch-d\u00e4nischen Allianz und der Einsetzung des antihansisch eingestellten Christian III. zum K\u00f6nig von D\u00e4nemark. Das f\u00fcr Schweden entscheidende Ergebnis war dabei, dass die schwedischen Ostseeh\u00e4fen nun von der Hanse unabh\u00e4ngig wurden und die schwedische Feindschaft gegen\u00fcber D\u00e4nemark einstweilen beendet werden konnte. 1541 schrieb der Vertrag von Br\u00f6msebro (1541) sogar eine schwedisch-d\u00e4nische Allianz fest, die einen 50 Jahre dauernden Frieden brachte. Nach dem Ende des Dacke-Aufstands (1543) herrschte somit in den 1540er und 1550er Jahren weitgehende Ruhe sowohl an der au\u00dfen- wie innenpolitischen Front. Sie wurde nur 1555-1557 durch einen kleineren und ergebnislosen Konflikt mit Moskau um die Grenzen in Karelien unterbrochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Innere Reformen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das s\u00e4kularisierte Verm\u00f6gen und die L\u00e4ndereien der Kirche fungierten nicht nur als Entschuldungsmasse und dienten als Faustpfand f\u00fcr die Adels- und Au\u00dfenpolitik, sondern erm\u00f6glichten auf lange Sicht auch den Aufbau einer k\u00f6niglichen Verwaltung, die Errichtung eines stehenden Heeres und einer Kriegsflotte. In der zweiten H\u00e4lfte der Regierungszeit Gustavs I. Vasa schuf die innere und \u00e4u\u00dfere Befriedung Schwedens den Rahmen f\u00fcr eine Reihe rechtlicher und administrativer Reformen, die f\u00fcr die Zukunft des Staates weitreichende Folgen hatte. Mit der Einf\u00fchrung von Grundb\u00fcchern, der Einrichtung einer k\u00f6niglichen Kammer, Kanzlei und eines stehenden Heeres sowie dem Auf- und Ausbau der k\u00f6niglichen Burgen unternahm der K\u00f6nig erste Schritte zur effektiveren Kontrolle der staatlichen Ressourcen und der inneren und \u00e4u\u00dferen Sicherheit des Landes.<\/p>\n<p>Die Reichsintegration suchte Gustav Vasa weiter durch die \u201eErbeinigung von V\u00e4ster\u00e5s\u201c (1544) zu sichern, die festlegte, dass der K\u00f6nig und seine Nachkommen als \u201eErbherren\u201c von Schweden anzusehen seien. In seinem Testament, der so genannten \u201eLetzten Rede\u201c von 1560, bestimmte Gustav I. seinen \u00e4ltesten Sohn Erik (XIV.) zum K\u00f6nig. Gleichzeitig ernannte er seine anderen S\u00f6hne zu Herz\u00f6gen mit je eigenen Herrschaftsgebieten (\u201eHerzogt\u00fcmern\u201c) unter Eriks Oberherrschaft: Erik selbst erhielt das Herzogtum Kalmar und Kronobergs l\u00e4n (im Wesentlichen das heutige Sm\u00e5land) mit der Residenz Kalmar; sein j\u00fcngerer Bruder Johan wurde Herzog von Finnland mit der Residenz \u00c5bo (Turku); der dritt\u00e4lteste Bruder Karl erhielt das Herzogtum S\u00f6dermanland mit der Residenz \u00d6rebro in Mittelschweden; der j\u00fcngste Bruder, Magnus, \u00d6sterg\u00f6tland mit der Residenz Vadstena und einige kleinere Territorien. Allerdings zeigten sich bei Magnus schon bald Symptome einer Geisteskrankheit, sodass seine L\u00e4ndereien vom jeweilig regierenden K\u00f6nig mitverwaltet werden mussten.<\/p>\n<p>Erik als Nachfolger Gustavs I. hatte daf\u00fcr zu sorgen, dass die Br\u00fcder sich nicht zerstritten und die Einheit des Reiches nicht durch Zwietracht gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. Genau dies geschah aber in den Jahrzehnten nach 1560, befeuert vom katholischen Zweig des Hauses Vasa in Polen-Litauen, das sich Hoffnungen auf ein katholisches schwedisch-polnisch-litauisches Gro\u00dfreich machte. Dass es dazu nicht kam, war ebenso dem Bruderzwist zu verdanken wie schwedischen Gegenprojekten eines schwedisch-russischen Gro\u00dfreiches und dem faktischen Aufstieg Schwedens zu einer nordeurop\u00e4ischen Gro\u00dfmacht nach 1560, besonders aber in der Zeit des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Erinnerungskultur<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat die Periode Gustav Vasas im Gesamtzusammenhang der Reformationszeit und der schwedischen Nationalgeschichte? Es sollte an dieser Stelle noch einmal betont werden, dass es beim \u00dcbergang Schwedens zum Luthertum nicht vorrangig um theologische \u00dcberlegungen, sondern um Machtpolitik und die mit ihr eng verbundene Finanzpolitik des jungen schwedischen K\u00f6nigreiches ging. In dieser Hinsicht glich die schwedische Reformation mehr dem englischen \u00dcbergang zum Anglikanismus als den Reformationen im Heiligen R\u00f6mischen Reich, ja sogar als der Reformation im D\u00e4nischen Unionsreich, das st\u00e4rker von der Wittenbergischen Theologie und lutherischen Vorstellungen der Kirchenordnung gepr\u00e4gt war. Diese in gewisser Weise halbherzige Einf\u00fchrung der Reformation in Schweden macht sich bis heute einerseits in zahlreichen liturgischen Elementen bemerkbar, die eher dem katholischen als dem reformatorischen Ritus folgen, andererseits aber auch in der starken S\u00e4kularisierung der schwedischen Gesellschaft, in der heftige theologische Auseinandersetzungen und erbitterte Glaubensk\u00e4mpfe nie eine besondere Rolle gespielt haben, vielleicht auch als eher artifiziell angesehen wurden.<\/p>\n<p>Ein Bestandteil der schwedischen Zivilreligion allerdings wurde die Geschichte der Entstehung der fr\u00fchzeitlichen Monarchie, insbesondere die Erz\u00e4hlungen und Anekdoten des schwedischen Aufstandes und des Befreiungskrieges. Die schwedische Geschichtskultur fand schon im 16. Jahrhundert ihren Ausdruck im G\u00f6tizismus, der Vorstellung, dass die neuzeitlichen schwedischen K\u00f6nige Nachkommen der mythischen Goten seien, die nicht nur zu den \u00e4ltesten V\u00f6lkern der Erde geh\u00f6rten, sondern auch den Untergang des R\u00f6mischen Reiches herbeigef\u00fchrt und eine alles \u00fcberragende Kultur entwickelt h\u00e4tten. Deshalb trug etwa Erik, Gustav Vasas Sohn, die Ordnungszahl XIV. im Titel, deshalb hie\u00dfen Johan der III. und Karl IX. \u2013 sie alle stammten ja angeblich von jenen Eriks, Johans und Karls ab, die als gotische K\u00f6nige den Norden beherrscht hatten.<\/p>\n<p>Diese g\u00f6tizistische Richtung hatte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts eine erhebliche Zugkraft, als sie nach und nach von einer nationalstaatlichen Geschichtsschreibung abgel\u00f6st wurde, die die Vasa-Zeit als eigentliche Gr\u00fcndungszeit des modernen Schweden betrachtete und die eine vielgestaltige nationale Kultur in der Kunst, Literatur, Folklore, Musik und Sprachwissenschaft hervorbrachte. Die Figur Gustav Vasas als Nationalheld stand in all diesen kulturellen Richtungen thematisch im Zentrum. Genannt seien hier nur das Mitte des 18. Jahrhunderts er\u00f6ffnete Vasamuseum \u201e\u00d6rnesstuga\u201c in \u00d6rnes\/Dalarna \u2013 das erste \u00f6ffentliche Museum Schwedens \u00fcberhaupt \u2013, die von Johann Gustav Naumann f\u00fcr K\u00f6nig Gustav III. geschriebene Oper \u201eGustav Vasa\u201c (1786), die jahrzehntelang als schwedische Nationaloper galt, die Vasa-Gem\u00e4lde Carl Larssons im Stockholmer Nationalmuseum (1894), August Strindbergs Drama \u201eGustav Vasa\u201c (1899) und nicht zuletzt die 1914 unter dem Titel \u201eGustav Vasas \u00e4ventyr i Dalarne\u201c (\u201eGustav Vasas Erlebnisse\/Abenteuer in Dalarna\u201c) von Anna Maria Roos herausgegebene Sammlung von Geschichten und Anekdoten um Gustav Vasa in den Jahren 1520 und 1521, die jahrzehntelang Teil des Unterrichts an schwedischen Volksschulen war.<\/p>\n<p>Diese nationale Richtung wurde erst vom sozialen Evangelium des schwedischen Wohlfahrtsstaates seit den 1950er Jahren abgel\u00f6st. Moderne Manifestationen des Vasa-Mythos waren die Gr\u00fcndung von Carl Edvard Lundstr\u00f6ms \u201eWasa\u201c-Kn\u00e4cke-B\u00e4ckerei in Filipstad 1919 und der Vasa-Skilanglauf (seit 1922), eine Art Erinnerungslauf, der die Strecke, die Dalbauern 1521 auf Skiern gefahren, um Gustav Vasa zur\u00fcckzurufen und ihn zum Anf\u00fchrer des zun\u00e4chst von den Dalbauern getragenen Aufstands gegen D\u00e4nemark zu machen. Auch die \u00e4ltere Geschichtsschreibung selbst, die weitgehend der politischen Propaganda des K\u00f6nigs folgte und ihn gerne als \u201eLandesvater\u201c und \u201eStaatengr\u00fcnder\u201c gesehen hat, geh\u00f6rt inzwischen zur Erinnerungskultur des 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Heute ist es um den Begr\u00fcnder des neuzeitlichen schwedischen Staates ruhig geworden. Der seit 1982 stattfindende Celler \u201eWasa-Lauf\u201c (Kn\u00e4cke) d\u00fcrfte zumindest deutschen Joggern bekannter sein als sein Namensgeber. Zurecht stellte der schwedische Historiker Olle Larsson 2008 in einem Artikel der schwedischen historischen Zeitschrift \u201ePopul\u00e4r Historia\u201c (Heft 2008\/8) die ernst gemeinte Frage, ob Gustav Vasa immer noch \u201eder wichtigste Schwede der Geschichte\u201c sei. Das Avancement Gustav Vasas zum Popstar im Rahmen eines schwedischen Animationsfilms von 2014 jedenfalls legt eine einigerma\u00dfen ambivalente Beantwortung der Frage nahe.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. November 1520 herrschte in Stockholm feierliche Stimmung. Christian II., K\u00f6nig zu D\u00e4nemark und Norwegen, Herzog von Holstein und Schleswig, Herr \u00fcber Island, die F\u00e4r\u00f6er, Lappland und (nominell) Gr\u00f6nland, wurde in Stockholm zum K\u00f6nig von Schweden gekr\u00f6nt. 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