{"id":118264,"date":"2026-01-28T15:48:26","date_gmt":"2026-01-28T14:48:26","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118264"},"modified":"2026-01-28T15:48:26","modified_gmt":"2026-01-28T14:48:26","slug":"zwei-fragen-am-ende-des-oekumenischen-gespraechs","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/zwei-fragen-am-ende-des-oekumenischen-gespraechs\/","title":{"rendered":"Zwei Fragen am Ende des \u00f6kumenischen Gespr\u00e4chs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Florian Schuller: <\/strong>Wir kommen zur Zukunft der \u00d6kumene. Nur eine ganz kurze Doppelfrage an jeden von Ihnen mit der Bitte um eine kurze Antwort. Es sind heute viele offene Worte gefallen, und deshalb bitte ich auch um ein offenes Wort jetzt am Schluss: Was ist das gr\u00f6\u00dfte Charisma, das die beiden anderen Kirchen einbringen sollen in die \u00d6kumene, und was ist das gr\u00f6\u00dfte Hindernis?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Metropolit Ioanis Zizioulas:<\/strong> Da brauche ich eigentlich mehr Zeit zum Nachdenken, aber ich will eine Antwort versuchen. Ich glaube zwar, dass die Zukunft der \u00d6kumene gut sein wird. Allerdings haben wir als Kirchen h\u00e4ufig die Einheit der Kirche als Ziel der \u00d6kumene aus den Augen verloren. Ich denke, es war in Neu-Delhi, wo der Weltkirchenrat von der sichtbaren Einheit der Kirche als Ziel der \u00d6kumene gesprochen hat. Dieses Ziel haben wir aufgegeben, und das ist meiner Meinung nach tragisch. Wir sollten da nicht m\u00fcde werden. Ich wei\u00df nicht, wie wir unsere Kirchen \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, dieses Ziel auf ihre Tagesordnung zu setzen.<\/p>\n<p>Im katholisch-orthodoxen Verh\u00e4ltnis sieht es hier besser aus, im evangelisch-orthodoxen Verh\u00e4ltnis nicht so gut. Was die Anglikaner betrifft, habe ich den Eindruck, dass sie ihre Entscheidungen ganz ohne R\u00fccksicht auf die \u00f6kumenischen Partner treffen. Ich erinnere mich, 1988 war ich als Gastredner bei der Lambeth Konferenz eingeladen, als man gerade \u00fcber die Frauenordination nachzudenken begann. Ich habe ihnen damals gesagt: Trefft alle eure Entscheidungen doch nur, indem ihr auch die Einheit der Kirche im Auge behaltet. Dies ist nicht geschehen. Was ich beklage, ist, dass uns heute eine Vision der \u00d6kumene fehlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Propst Johann Schneider: <\/strong>Das ist eine schwere Frage. Also, ich bin ja von zuhause aus gewohnt, immer nur Gutes zu sagen. Charisma kommt vom griechischen Wort f\u00fcr Gabe. Nach meiner pers\u00f6nlichen Wahrnehmung ist es die gr\u00f6\u00dfte Gabe der r\u00f6misch-katholischen Kirche weltweit, dass sie mit Spannungen lebt, die keiner von uns sonst aush\u00e4lt. Die Vielfalt in der r\u00f6misch-katholischen Kirche ist so gro\u00df \u2013 ich habe ja ein Jahr in Rom studiert \u2013, auf evangelischer Seite h\u00e4tte man l\u00e4ngst schon eigene Kirchen gebildet. Die Meinungen der Studierenden an der Gregoriana zwischen Brasilien, China und Afrika waren so unterschiedlich, dagegen ist unsere Synode in Erfurt harmlos, w\u00fcrde ich mal sagen.<\/p>\n<p>Bei der orthodoxen Kirche ist die gr\u00f6\u00dfte Gabe wirklich das liturgische Erbe, dass Glauben und Beten eine Einheit sind. Ich erkl\u00e4re das gerne so, dass die \u00f6kumenischen Dialoge oft dann fruchtlos sind, wenn wir sie nicht in Kirchenlieder umwandeln k\u00f6nnen. Wenn sie Kirchenlieder geworden w\u00e4ren, h\u00e4tte man sie gesungen. Solange sie nur in Dokumenten stehen, sind sie gut in Schr\u00e4nken aufgehoben, wie Sie, Herr Kardinal, das vorhin gesagt haben.<\/p>\n<p>Zu den Schw\u00e4chen: Die r\u00f6misch-katholische Kirche ist aus meiner Sicht in einem Prozess der multilateralen Positionierung. Was ich wahrnehme, und zwar in vielen Kontexten: Wie man das zusammenbekommt, diese unterschiedlichen Kontexte, das kann nur ein Wunder des heiligen Geistes bewirken. Das kann man sicherlich nicht nur mit dem Bischof von Rom \u2013 sozusagen theologisch machen. Zwischen Japan, S\u00fcdafrika, Nordamerika, das ist keine rein lateinische Kirche mehr.<\/p>\n<p>Und bei der orthodoxen Kirche: Das gut Geglaubte und Bezeugte in Wirklichkeit zu vollziehen, ist eine gro\u00dfe Kunst. Das Ziel w\u00e4re, manche Fragen endlich zu kl\u00e4ren, etwa die nach dem Bischof. Mein verehrter \u015eaguna, aus dem der heilige Andrei geworden ist, hat ein Modell propagiert, das heute weltweit gilt: drei verschiedene Gemeinden, drei verschiedene Di\u00f6zesen in einer Stadt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kurt Kardinal Koch:<\/strong> Ich empfinde es auch nicht als einfach, \u00fcber St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der anderen zu reden, aber da Sie es w\u00fcnschen, will ich es tun. Ich gehe davon aus, dass \u00d6kumene Austausch der Gaben hei\u00dft. Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben \u201eEvangelii gaudium\u201c betont: Am meisten k\u00f6nnen wir von den orthodoxen Kirchen die Synodalit\u00e4t lernen. In der Tat haben wir in der katholischen Kirche Nachholbedarf an Synodalit\u00e4t. Sie wieder zu entdecken, ist der wichtigste Beitrag unserer Kirche f\u00fcr die Einheit zwischen Ost und West. Die Schw\u00e4che der Orthodoxie h\u00e4ngt meines Erachtens mit dem Prinzip der Autokephalie zusammen, das sehr oft dazu f\u00fchrt, dass nationale und politische Fragen so in den Vordergrund r\u00fccken, dass sie die innerorthodoxe Einheit gef\u00e4hrden. Deshalb ist es meine ganz gro\u00dfe Hoffnung, und ich bete auch darum, dass die panorthodoxe Synode im kommenden Jahr stattfinden kann. Das gesamtorthodoxe Zeugnis von Synodalit\u00e4t brauchen wir Katholiken, und ich bin dem \u00d6kumenischen Patriarchen Bartholom\u00e4us und Metropolit Zizioulas dankbar, dass Sie sich leidenschaftlich f\u00fcr dieses Ereignis einsetzen.<\/p>\n<p>Bei den Protestanten w\u00fcrde ich sagen, dass der gro\u00dfe Edelstein die Rechtfertigungslehre ist, dass es bei allen Vermittlungsgestalten amtlicher und institutioneller Art immer darum geht, dass sie den Einzelnen in die Unmittelbarkeit mit Gott hinein f\u00fchren und dass keiner auf die Idee kommt, Johannes 15 auf sich zu \u00fcbertragen: \u201eOhne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun\u201c. Das kann nur Christus sagen.<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4che, das haben Sie, Herr Propst Schneider, schon benannt, besteht darin, dass der Weltprotestantismus immer mehr fragmentiert wird. Es entstehen immer neue Kirchen, und ich sehe innerhalb des Weltprotestantismus keine Tendenz auf mehr Einheit. Es gibt eine gro\u00dfe Fragmentierung, mit der sch\u00f6nen Ausnahme der GEKE, der Gemeinschaft der evangelischen Kirchen in Europa! Ich erlebe das immer wieder: Die neu entstehenden Kirchen kommen dann auch nach Rom, klopfen an meine T\u00fcr und w\u00fcnschen auch einen Dialog. Und hin und wieder muss ich dann sagen: H\u00f6ren Sie, dieser Rat hei\u00dft P\u00e4pstlicher Rat zur F\u00f6rderung der Einheit der Christen, und nicht zur F\u00f6rderung neuer Kirchen. Da, denke ich, w\u00e4re die gemeinsame Herausforderung an uns alle: Wir m\u00fcssen neu \u00fcberlegen, was Einheit der Kirche in orthodoxer, katholischer und protestantischer Sicht hei\u00dft, und gemeinsam danach fragen, was die Einheit der Kirche \u00f6kumenisch bedeutet.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian Schuller: Wir kommen zur Zukunft der \u00d6kumene. Nur eine ganz kurze Doppelfrage an jeden von Ihnen mit der Bitte um eine kurze Antwort. 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