{"id":118347,"date":"2026-01-30T09:05:16","date_gmt":"2026-01-30T08:05:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118347"},"modified":"2026-01-30T09:05:16","modified_gmt":"2026-01-30T08:05:16","slug":"laudatio-auf-frank-walter-steinmeier-zur-verleihung-des-oekumenischen-preises-2016","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/laudatio-auf-frank-walter-steinmeier-zur-verleihung-des-oekumenischen-preises-2016\/","title":{"rendered":"Laudatio auf Frank-Walter Steinmeier zur Verleihung des \u00d6kumenischen Preises 2016"},"content":{"rendered":"<p>Ein \u00d6kumene-Preis an einen Politiker? Es ist ungew\u00f6hnlich, dass dieser Preis an den amtierenden Au\u00dfenminister der Bundesrepublik Deutschland verliehen wird. 15 Preistr\u00e4ger gab es bislang, darunter acht Bisch\u00f6fe aus vier Konfessionen und vier Theologieprofessoren. Nun ein Jurist und erstrangiger Verantwortungstr\u00e4ger deutscher Politik. Ein SPD-Politiker, der in seinem Dienst nicht zuletzt durch seinen evangelisch gepr\u00e4gten Glauben getragen wird. Und nun soll ich als katholischer CDU-Abgeordneter eine Laudatio halten.<\/p>\n<p>Der Preis wird mit Ihnen sehr verehrter und lieber Herr Bundesminister Dr. Steinmeier auch dem Pr\u00e4sidiumsmitglied des DEKT, des Deutschen Evangelischen Kirchentags und Kirchentagspr\u00e4sident 2019 in Dortmund verliehen. Er wird einen Mann des \u00f6ffentlichen Lebens verliehen, der aus seiner Religiost\u00e4t weder Aufsehen noch einen Hehl macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Der \u00d6kumene-Preis<\/strong><\/h3>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Name des Preises legt die Vergabe an einen Au\u00dfenpolitiker geradezu nahe. \u00d6kumene ist nicht allein der Begriff f\u00fcr das Zusammenleben und das Zusammenarbeiten der christlichen Konfessionen. \u201aOikum\u00e9ne\u2018, das meinte in der Antike die gesamte bewohnte Welt, den \u201eOrbis Terrarum\u201c. \u00d6kumenisch, das hie\u00df zugleich \u201eweltweit\u201c.\u00a0 Und so ist es bis heute in der Geographie, wo die \u00d6kumene den st\u00e4ndig besiedelten und ackerbaulich nutzbaren Teil der Erdoberfl\u00e4che meint. Knapp 50 Prozent sind das; und dieser gro\u00dfe Teil der Welt ist es, mit dem der Au\u00dfenminister der Bundesrepublik Deutschland vor allem zu tun hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Zeitansage und Islam<\/strong><\/h3>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nahezu t\u00e4glich melden die Agenturen erschreckende F\u00e4lle von Terrorismus, Kriegen und anderen Gewaltt\u00e4tigkeiten. Die Welt ist keineswegs friedlicher geworden nach dem Zusammenbruch der Bl\u00f6cke vor einem Vierteljahrhundert. Eine alte Ordnung ist zerbrochen \u2013 eine neue ist noch nicht an ihre Stelle getreten. \u201eWir leben in einer Welt auf der Suche nach Ordnung\u201c, sagt Steinmeier auf dem Kirchentag Stuttgart 2015. Die Eine Welt und damit die Internationale Soziale Frage ist nicht mehr ein Randthema, sondern r\u00fcckt angesichts der Weltweiten Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me ins Zentrum der Politik. Die deutsche Au\u00dfenpolitik ist mit neuen und auch milit\u00e4rischen Beteiligungen in die Pflicht genommen. Deutschland steht in einer neuen, internationalen Verantwortung.<\/p>\n<p>Am Montag letzter Woche meldeten die Zeitungen die Reaktion des Au\u00dfenministers zu dem\u00a0 gr\u00e4sslichen islamistischen Anschlag auf Ausl\u00e4nder in Bangladesch: Er sprach von der \u201eperversen Logik der Terroristen, die mit Mord und Gewalt versuchen, ganze Gesellschaften zu spalten und das friedliche Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion zu zerst\u00f6ren\u201c. Solche \u00c4u\u00dferungen Steinmeiers lie\u00dfen sich vielfach zitieren. Die Frage der friedlichen Koexistenz treibt ihn innen- und au\u00dfenpolitisch um. Er sieht sich mit seiner eigenen Religiosit\u00e4t in einer \u00f6ffentlichen Verantwortung f\u00fcr das Miteinander nicht zuletzt der Religionen.<\/p>\n<p>Das in Europa in langen Jahrhunderten m\u00fchsam austarierte Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirchen, von Glauben und Politik ist bis heute nicht zu einem Stillstand gekommen und gilt bei weitem nicht weltweit. Unser religionsfreundliches Grundgesetz sch\u00fctzt in Deutschland nicht allein die christlichen Konfessionen, sondern bedeutet zugleich, sich f\u00fcr die Freiheit der Religionsaus\u00fcbung dar\u00fcber hinaus einzusetzen. Vor allem betrifft das heute Christentum und Islam.<\/p>\n<p>In einer Rede aus dem vorigen Jahr klingt das so: \u201eReligion und Demokratie treffen sich im Glauben, dass jeder einzelne Mensch die Freiheit zum guten Handeln hat. Da treffen sich auch Christentum und Islam: im Glauben, dass Gott jedem Menschen sein Vertrauen schenkt. \u201aF\u00fcrchtet euch nicht!\u2018 und stellt euch nicht \u00fcber den Anderen, hei\u00dft es in der Bibel.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Vita<\/strong><\/h3>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wer ist Frank Walter Steinmeier? Er kommt aus dem Land und Kreis Lippe, dem dritten, sehr kleinen, aber umso selbstbewussteren Teil Nordrhein-Westfalens. Dorther, wo auch andere politische Pers\u00f6nlichkeiten aufgewachsen sind:\u00a0 Gerhard Schr\u00f6der\u00a0 und Andreas Vo\u00dfkuhle werden dort nicht ohne Stolz genannt. Und Steinmeier stammt \u2013 wie auch ich \u2013 vom Dorf. Er ist aufgewachsen in Brakelsiek, einem Ort in der N\u00e4he der Stadt Detmold, die als Geburtsort im Pass unter dem Datum 5. Januar 1956 steht. Der Familienname Steinmeier ist h\u00e4ufig in dieser Gegend. Gut 1.000 Einwohner gibt es in Brakelsiek.<\/p>\n<p>Leben auf dem Dorf schafft Bodenhaftung. Man kann das sagen, ohne den falschen Idealisierungen des Landlebens aufzusitzen. Die Unterschiede von Klassen, Schichten, Gruppen und Eliten k\u00f6nnen mangels Masse nicht so wirkungsvoll werden wie in gro\u00dfen Gemeinden; man kennt sich viel zu gut als dass man sich Exzentrit\u00e4ten erlauben k\u00f6nnte. Die Lipper gelten als sparsam und strebsam, gepr\u00e4gt von einer nie \u00fcppigen Wirtschaft. Die Lippische Landeskirche, der die Steinmeiers angeh\u00f6ren, ist eine der kleinsten Mitgliedskirchen der EKD. Es ist der Protestantismus in seiner reformierten, calvinistischen Form, der die dortigen schn\u00f6rkellosen Menschen pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Politisch finden sich in dieser Gegend seit langem sozialdemokratische Mehrheiten auf allen Ebenen. Steinmeier wird 1975, mit 19 Jahren, Mitglied der Jusos. Die Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit ist tief verwurzelt und man sucht ihre Verwirklichung \u2013 ich sage leider \u2013 vor allem bei der Sozialdemokratie. Sie werden sich denken k\u00f6nnen, dass die wichtigsten politischen Vorbilder des SPD-Politikers Frank Walter Steinmeier andere als die meinen sind. Doch zu Recht zitiert er immer wieder Willy Brandt, dessen Politik der Suche nach einem Ausgleich zwischen den Bl\u00f6cken, des behutsamen Aufw\u00e4rmens im Kalten Krieg f\u00fcr ihn politisch leitend geworden ist.<\/p>\n<p>Er kommt aus einem \u201ebildungsfernen Elternhaus\u201c, wie man das heute so papieren nennt. Der Vater ist Tischler in Brakelsiek, die Mutter kommt aus Schlesien. Mit einem Bruder w\u00e4chst er auf. Ein Grundschullehrer hat ihn gepr\u00e4gt, der sich in der evangelischen Laienarbeit engagierte und das Interesse an der \u201aDritten Welt\u2018 \u2013 wie man damals sagte \u2013 weckte. Das Gymnasium liegt in Blomberg, neun Kilometer entfernt. Er ist der erste in der Familie, der sich auf das Studium vorbereitet und einer der ersten in seinem Dorf.<\/p>\n<p>\u201eGesunder Menschenverstand, tiefe Abneigung gegen Aufschneiderei und eine gute Portion Gelassenheit.\u201c, das sei es, was er aus Brakelsiek mitgenommen habe. \u201eWir fangen alle irgendwo an. Wir k\u00f6nnen uns das nicht aussuchen. Doch wir bleiben damit nicht identisch.\u201c, so formuliert es Steinmeier in seinem Buch \u201eMein Deutschland. Wof\u00fcr ich stehe\u201c aus dem Jahr 2009.<\/p>\n<p>Nach dem Wehrdienst, wurde es im Studium statt der Architektur das \u201eBrot- und Butterstudium schlechthin\u201c \u2013 wie er das nennt \u2013, die Jurisprudenz. Die Universit\u00e4t Gie\u00dfen wurde seine Welt als Student, Assistent, Doktorand bis 1991. Der akademische \u00dcbervater, das gro\u00dfe Vorbild, wurde der Verfassungsrechtler Helmut Ridder, ein Lehrer aus dem linkskatholischen Milieu, dem die internationale Politik und darin die deutsch-polnische Auss\u00f6hnung ein besonderes Anliegen war \u2013 eine leider wieder h\u00f6chst aktuelle und wichtige Aufgabe!<\/p>\n<p>An der Uni Gie\u00dfen legt er seine Dissertation unter dem Titel \u201eTradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit\u201c vor. Die M\u00f6glichkeit einer Habilitation schl\u00e4gt Steinmeier 1990 aus, um in der kurzen Zeit des historisch \u201eoffenen Fensters\u201c die deutsche Einheit mitzugestalten. Da kommt der zuvor nicht wahrgenommene Landsmann Gerhard Schr\u00f6der ins Spiel, mit dem \u201edie Chemie\u201c stimmt, und der ihn als Medienreferent nach Hannover holt, wo er es bis zum Chef der Staatskanzlei bringt und sp\u00e4ter mit seinem Dienstherrn in die Bundesregierung wechselt, wo er bald Kanzleramtsminister wird.<\/p>\n<p>In Hannover \u2013 der \u201eam meisten untersch\u00e4tzten Gro\u00dfstadt in Deutschland\u201c, wie er sagt \u2013 heiratet er Elke B\u00fcdenbender, die er seit Studienzeiten kennt; Juristin wie er und zeitweilig am selben Lehrstuhl t\u00e4tig. Es ist eine \u201akonfessionsverbindende Ehe\u2018, wie man heute sagt, denn sie kommt aus einer katholischen Familie im sonst so reformierten Siegerland. Einige Jahre sp\u00e4ter wird eine Tochter geboren. In \u00c4u\u00dferungen \u00fcber famili\u00e4re Angelegenheiten h\u00e4lt sich dieser Spitzenpolitiker ebenso auffallend wie sympathisch zur\u00fcck. Im August 2010 verl\u00e4sst er f\u00fcr einige Zeit die Politik. Die \u00d6ffentlichkeit erf\u00e4hrt nur, dass er eine Organspende zugunsten seiner Frau durchgef\u00fchrt hat. Bei aller Dezenz zeigt sich doch eine Priorit\u00e4tensetzung in diesem Schritt. \u00a0Ehe und Familie h\u00e4lt er nicht f\u00fcr Auslaufmodelle; \u201everpflichtende Werte\u201c, so schreibt er, \u201ehaben sich nicht irgendwohin verfl\u00fcchtigt\u201c.\u00a0 Die Jahre des Pendelns zwischen Hannover, Bonn und Berlin endeten 2000, als die dreik\u00f6pfige Familie ihr Heim in Berlin-Zehlendorf bezog.<\/p>\n<p>Freunde r\u00fchmen an ihm, neben seiner Zur\u00fcckhaltung bei Privatheit und \u00d6ffentlichkeit, seine offene Art des Zugehens auf Andere, seine sympathisch-freundliche Art und nicht zuletzt seine F\u00e4higkeit zur Selbstironie, wie sie in seinen Facebook-Eintr\u00e4gen h\u00e4ufig aufblitzt. Von 2005 bis 2009 war er Bundesminister des Ausw\u00e4rtigen in der ersten Gro\u00dfen Koalition. Seit 2009 Mitglied des Bundestags, war er bis 2013 Vorsitzender von dessen SPD-Fraktion. Seit Dezember 2013 ist er wieder f\u00fcr \u201asein\u2018 Ministerium zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte sich Frank Walter Steinmeier auch ein intensiveres Engagement in den Bereichen Wissenschaft oder Kultur vorstellen k\u00f6nnen. Die liegen zwar in der Kompetenz der L\u00e4nder, wandern aber wegen dortiger Vernachl\u00e4ssigung zunehmend zum Bund. Die kulturelle Bildung liegt ihm am Herzen. Und immer wieder die \u201ekulturelle Erz\u00e4hlung unseres Landes\u201c, die von H\u00f6hen und Tiefen, von Katastrophe und Neubeginn spreche. Ich zitiere Frank-Walter Steinmeier: \u201eDazu geh\u00f6ren auch die Unterschiede in Lebensformen, von Bekenntnissen, die das Miteinander gelernt haben, dem katholischen, dem evangelischen, dem j\u00fcdischen \u2013 und mehr und mehr auch dem muslimischen. Sie zumindest zu kennen ist nicht zu viel erwartet. Sie in ihrer Konsequenz zu verstehen hei\u00dft, den gemeinsam geteilten Raum der Demokratie mit Respekt zu betreten.\u201c<\/p>\n<p>Auch pers\u00f6nlich hat er eine N\u00e4he zu k\u00fcnstlerischen Ausdrucksformen. Vor allem die Liebe zum Jazz, zur Literatur und zur Architektur ist ihm geblieben. Begegnungen mit K\u00fcnstlern sind ihm auch deshalb wichtig, weil \u201ewir durch den Eigensinn des Kulturellen die Gelegenheit erhalten, uns in Distanz zu unseren eigenen nur kleinen Ausschnitt der Welt zu setzen\u201c, wie er schreibt. Und so ist es kein Wunder, dass die Fachleute die ausw\u00e4rtige Kulturpolitik zur Zeit in guten H\u00e4nden wissen.<\/p>\n<p>In seinen Reden thematisiert der Au\u00dfenminister bei aller Zur\u00fcckhaltung in privaten Dingen auch seine Religiosit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Religion in den Texten<\/strong><\/h3>\n<h4><strong>Allgemein<\/strong><\/h4>\n<p>Besonders bemerkenswert ist eine Rede im Januar 2015 vor Studierenden in Tunis. \u201eH\u00fctet euch vor einfachen Antworten!\u201c ist sein Leitgedanke darin. Der Lockruf der Feindbilder, so sagt er, sei genauso falsch wie gef\u00e4hrlich. Sie beziehen sich h\u00e4ufig auf die Religion, aber, so weiter \u201ewer <em>mit<\/em> Religion aufhetzt, tut genauso \u00fcbel wie der, der <em>gegen<\/em> Religion aufhetzt.\u201c Wer die Welt durch krude Schablonen erkl\u00e4re, werde nur krude Antworten geben k\u00f6nnen. Die Religion ermuntere zu Toleranz gegen\u00fcber dem Ungewissen, zum Aushalten des Andersartigen, denn es hei\u00dfe in Bibel wie Koran \u201eGott hat die Welt und die Menschen in Vielfalt erschaffen \u2013 und in dieser Vielfalt haben wir sie zu achten.\u201c<\/p>\n<p>Er wiederspricht der allzu einfachen These, Islam und Demokratie seien unvereinbar. Demokratie brauche einen ethischen N\u00e4hrboden \u2013 und Religion k\u00f6nne ihn bereiten helfen. Hier, in Tunesien, wird er einmal ganz pers\u00f6nlich: \u201eIch selbst lebe meinen Glauben. Ich bin Christ und bin in der protestantischen Kirche aktiv. Und nat\u00fcrlich hat mein Christsein mit meinem Handeln zu tun: Meine Religion gebe ich ja nicht an der Garderobe ab, wenn ich morgens ins B\u00fcro gehe. [\u2026] Mein Glaube inspiriert mein Handeln, im privaten wie im \u00f6ffentlichen Raum. Aber: Mein Glaube darf selbst nicht zum Gegenstand der Politik werden, und schon gar nicht zum Instrument gegen Andersgl\u00e4ubige. [\u2026] So gesehen kann Religion, wenn sie nicht ausgrenzt und abschottet, die Gesellschaft st\u00e4rker machen.\u201c Da ist wieder die reflektierte Fr\u00f6mmigkeit, die weder vereinnahmt noch spaltet, sondern integriert.<\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<h4><strong>Konfessionen <\/strong><\/h4>\n<p>Wenige Tage danach hielt Steinmeier eine Rede \u00fcber Reformation und Politik in einer N\u00fcrnberger Kirche. Nach einem Brand hatte die evangelische Gemeinde vor\u00fcbergehend in der katholischen St. Klara-Kirche Heimat gefunden wie es schon einige Jahre zuvor umgekehrt war. Das au\u00dfergew\u00f6hnliche \u00f6kumenische Klima in N\u00fcrnberg im Gegensatz zu den rechtspopulistischen Vereinfachern macht er zum Thema einer Rede zur \u00d6kumene. Der offene und positive Austausch zwischen den Kirchen und Religionen sende eine Botschaft der Ermutigung. Der leider heute popul\u00e4r gewordenen Vorstellung, die Religion sei an allem schuld, sie sei ein Spaltpilz und der Grund f\u00fcr globale Krisen, erteilt er eine klare Absage und fordert alle Gl\u00e4ubigen dazu auf den Beweis f\u00fcr das Gegenteil anzutreten. Wir Christenmenschen sollen uns einmischen in diese Diskussion. Denn die Religion lehre Toleranz und Ausgleich. Mit dem ersten Petrusbrief (2, 17) fordert er seine H\u00f6rer auf \u201e\u2018Ehret jedermann!\u2018\u201c und erg\u00e4nzt: \u201eund nicht nur die Christen!\u201c<\/p>\n<p>Die Quintessenz der Reformatorischen Lehre ist f\u00fcr ihn die tr\u00f6stliche Botschaft, \u201eweil wir uns nicht mehr um uns selbst k\u00fcmmern m\u00fcssen, k\u00f6nnen wir uns um andere k\u00fcmmern!\u201c Der Einsatz f\u00fcr Vers\u00f6hnung statt Krieg, f\u00fcr Liebe statt Hass sei auch dann, wenn es anstrengend wird, die Lehre aus diesem Wissen. Er mache sicher nicht seine t\u00e4gliche Krisenpolitik mit der Bibel in der Hand, sie sei kein \u201aNavi\u2018 f\u00fcr den Ballast der tagesaktuellen Entscheidungen, sie sei eher ein Kompass, der zur R\u00fcckversicherung und zur Selbst\u00fcberpr\u00fcfung anhalte. Als Christen sind wir verantwortlich f\u00fcr unser Tun \u2013 und auch unser Nicht-Tun.<\/p>\n<p><strong><em>In einem aktuellen Beitrag f\u00fcr den katholischen indischst\u00e4mmigen Theologen Georges Augustin in Vallendar<\/em><\/strong> geht Steinmeier auf die innerchristliche \u00d6kumene ein: das Christsein verbinde beide in einer Zeit, in der alte Gr\u00e4ben zwischen den Konfessionen verschwunden seien. Katholiken und Protestanten eine die gemeinsame Taufe, die Kanzelgemeinschaft und der gemeinsame, unerm\u00fcdliche Einsatz in der diakonischen Hilfe. Seite an Seite st\u00e4nden die Kirchen in ihrer Weltverantwortung. Die kirchlichen Gro\u00dfereignisse Katholikentag und Deutscher Evangelischer Kirchentag werden l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich \u00f6kumenisch begangen. \u201eAuch das Reformationsjubil\u00e4um verstehe ich\u201c, so schreibt er, \u201enicht als eine unzeitgem\u00e4\u00dfe \u00dcberh\u00f6hung der Person Martin Luthers. Sondern vielmehr als ein gemeinsames Christusfest, bei dem wir gemeinsam auf den schauen, der der Grund unserer Kirchen und Garant unserer Einheit ist: Christus.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr einen offensiveren Umgang mit der \u00d6kumene setzt er sich gemeinsam mit 22 anderen Erstunterzeichnern im September 2012 ein, als er einen vor allem von Bundestagspr\u00e4sident Lammert initiierten Aufruf \u201e\u00d6kumene jetzt\u201c von inzwischen fast 10000 Pers\u00f6nlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport und anderen Bereichen f\u00fcr \u201egelebte Einheit im Bewusstsein historisch gewachsener Vielfalt\u201c unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>In einer Zeit, in der die Glieder der gro\u00dfen Kirchen sich in einer Minderheit sehen, ist \u00f6kumenisches Auftreten schon von den Zahlen her geboten \u2013 gemeinsam machen wir sechzig Prozent der Bev\u00f6lkerung aus. Die Praxis der \u00d6kumene l\u00e4uft vor allem an der Basis der Gemeinden und Gruppen sehr gut. Aber sie ist auch kein abgeschlossenes Projekt; die Arbeit f\u00fcr die innerchristliche \u00d6kumene ist nicht unwichtig geworden angesichts der neuen Herausforderungen des interreligi\u00f6sen Dialogs.<\/p>\n<p>Christlichkeit ist in Deutschland auch au\u00dferhalb der formalen Kirchenmitgliedschaft zu sp\u00fcren. Der Wahlkreis von Frank-Walter Steinmeier liegt in Brandenburg, wo sich das vor allem in kulturellen Spuren zeigt. Was ist angesichts von aktuellen Identit\u00e4ts\u00e4ngsten geboten? Immer wieder mahnt der Au\u00dfenminister die Wahrnehmung der zugrunde liegenden Narrative an, die Haltungen und Taten bestimmen. Gelingt es uns, die christlichen Narrative in einer Gesellschaft zu bewahren, in der jene Konjunktur zu haben scheinen, die die Zukunftssorgen und \u00c4ngste der Menschen ausnutzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Religion und Staat<\/strong><\/h4>\n<p>Gesellschaft und Staat sind auch in s\u00e4kularen Zeiten auf den Beitrag der Christen angewiesen. Steinmeier formuliert hierzu: \u201eIn krisentr\u00e4chtigen Zeiten sollte die Gesellschaft sehr behutsam mit kulturellen Best\u00e4nden und Glaubensbekenntnissen umgehen, die dem Leben Sicherheit geben. In dieser Behutsamkeit, was den humanen Kern unseres Zusammenlebens ausmacht, sollten wir als Politiker die Gesellschaft unterst\u00fctzen.\u201c Das klingt wie die Behutsamkeit, die J\u00fcrgen Habermas hier in dieser Akademie im Umgang mit den Quellen anmahnte, aus denen sich unser Wertebewusstsein speise.<\/p>\n<p>In seinem Buch erw\u00e4hnt Steinmeier seine Bibelarbeit auf dem Kirchentag 2005 zu Deuteronomium 6, dem so wichtigen Text des Judentums mit dem Ruf \u201eH\u00f6re Israel\u201c \u00fcber die Erinnerung an die Rettung und den Aufbruch ins Offene. Er weist darauf hin, dass sich in der Moderne das Religi\u00f6se keineswegs aufl\u00f6se, sondern weltweit gesehen wachse. Das komplizierte Verh\u00e4ltnis zwischen religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen, kultureller Tradition und gesellschaftlicher Praxis sieht er als eine der Schl\u00fcsselfragen unseres Jahrhunderts. \u201eDass eine Kultur in die offene Zukunft aufbricht, ist religi\u00f6sen Extremisten und Fundamentalisten\u201c, so schreibt er \u201eein unertr\u00e4glicher Gedanke. Denn Fundamentalisten ersetzen die Zukunftsverhei\u00dfung Gottes durch ein religi\u00f6s verkl\u00e4rtes, letzten Endes aber doch irdisch-politisches Gesellschaftsideal, das an der eigenen Vergangenheit orientiert ist. Auch das ist in meinen Augen eine Form von G\u00f6tzendienst.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Politikfeld Europa<\/strong><\/h3>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Sirenent\u00f6ne des Fundamentalismus h\u00f6ren wir zur Zeit besonders intensiv, wenn es um Europa geht. Ein ganzes Krisengebr\u00e4u koche hier bei uns in Europa hoch, w\u00e4hrend wir es mit einer Ersch\u00fctterung der gesamten Weltordnung zu tun haben, so diagnostizierte der Minister vor zwei Monaten noch vor dem Brexit. So unverhofft, wie 1989 der Eiserne Vorhang niedergerissen wurde, so kalt habe uns die R\u00fcckkehr der Schlagb\u00e4ume in Europa erwischt. Den St\u00fcrmen k\u00f6nne man nur trotzen, wenn wir in Europa zusammenhalten. Gegen den Populismus der Einfachheit helfen nur Differenzierungen, nur das sorgsame Horchen auf die Sorgen der Partner und der gegenseitige Austausch dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Europa ist vielfach angefragt und bedroht. Wie k\u00f6nnen die europ\u00e4ischen Ideale bekr\u00e4ftigt werden? Wie erreichen wir mit der europ\u00e4ischen Idee wieder die Herzen der Menschen? Europa ist auch ein christliches Projekt, auch als Christen sind wir gefragt. Gegen das Gerede vom Christlichen Abendland m\u00fcssen wir entschieden auf der Definition des Christlichen im Abendland beharren, das eben nicht von Ausgrenzung, sondern von den F\u00e4higkeiten gepr\u00e4gt ist, die Papst Franziskus bei der Verleihung des Karlpreises im Fr\u00fchjahr genannt hat: die F\u00e4higkeit zum Dialog, die F\u00e4higkeit zur Integration und die F\u00e4higkeit zur Kreativit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Politik treiben<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Im Konzept Steinmeiers f\u00fcr eine \u201evorausschauende Au\u00dfenpolitik\u201c findet sich eine sehr grunds\u00e4tzliche Bemerkung, die nach der unertr\u00e4glichen Verantwortungslosigkeit der Spieler um den Brexit von besonderer Aktualit\u00e4t ist: Es gehe ihm im Kern um eine Haltung, die er als angemessen und geradezu verpflichtend ansieht: \u201eum Ernsthaftigkeit in der Politik\u201c. Diese Ernsthaftigkeit in der beharrlichen und unerm\u00fcdlichen Vermittlungsarbeit, sie zeichnen diesen Politiker aus. Nicht der rasche Effekt mache erfolgreiche Politik aus, sondern sie sei das Resultat von Vorbereitung, Sondierung und klugen, oft behutsamen Weichenstellungen am Anfang und Geduld.<\/p>\n<p>Grundlegend sei es, die Welt mit den Augen der anderen zu sehen und den anderen zuzutrauen, dass sie einen vielleicht sogar sch\u00e4rferen Blick haben. In festgefahrenen Situationen von zwei Konfliktparteien soll ein Dritter durch Verstehen und Vermitteln Br\u00fccken bauen zwischen Welten, die scheinbar weit auseinander liegen. Er nennt dies das \u201eSechs Augen Prinzip\u201c, das von der eigenen Wahrnehmung ausgehend, zur Wahrnehmung des Gegen\u00fcbers kommt und in einem dritten Schritt eine Perspektiv entwickelt, die f\u00fcr beide Seiten einsichtig ist. \u201eDas ist unser t\u00e4glich Brot in der Diplomatie \u2013 diese feine Grenze des Machbaren St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zu verschieben in den Raum des W\u00fcnschenswerten\u201c, so der Minister im Mai dieses Jahres vor dem Europ\u00e4ischen Schriftstellerkongress.<\/p>\n<p>Diesen Dienst tut er mit dem Risiko des Vertrauens. \u201eWer vertraut, der handelt; er traut sich etwas.\u201c In solcher Politikauffassung kann ihm jeder ernsthafte Politiker \u2013 gleich welcher Partei \u2013 nur zustimmen.<\/p>\n<p>Die beharrliche Vermittlungsarbeit gilt auch f\u00fcr uns als Christen: \u201eWenn es uns gelingt, im Gespr\u00e4ch mit anderen Religionen die Wahrheitsfrage auszuklammern und die Handlungsperspektive und die gemeinsamen Ziele der Weltverantwortung ins Zentrum zu stellen, so ist der erste Schritt auf dem Weg zum Frieden gegangen\u201c, schreibt er in seinem <strong><em>Beitrag f\u00fcr Georges Augustin<\/em><\/strong>. Das erinnert den Laudator aus M\u00fcnster an den Westf\u00e4lischen Frieden vor 368 Jahren: dort wurde ein Friede gefunden, der, um weiteres Leiden zu verhindern, die Frage nach der Durchsetzung der je eigenen Wahrheit ausklammerte, ohne zu relativieren, zu vereinfachen und der den festen Glauben als tragenden Grund der je verschiedenen Menschen akzeptiert.<\/p>\n<p>Ein solcher Grundkonsens ist in unserer Gesellschaft gegenw\u00e4rtig in Gefahr. Wir erleben eine Entfremdung zwischen auseinanderstrebenden Lebensweisen, von Bekenntnissen, Regionen, Berufswelten \u2013 von Sparten der Gesellschaft, die kaum noch in Kommunikation untereinander stehen. Vermittelnde Leitbilder k\u00f6nnen von den Medien nicht mehr erzeugt werden \u2013 das Internet gibt neben Richtigem auch jeder Form von Polemik und Diffamierung Raum. Die diffusen \u00c4ngste schaffen sich Raum in bislang nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehaltenen Hasstiraden und Verrohung der Sprache, wie wir sie nach 1945 nicht mehr m\u00f6glich gehalten hatten. Der Enthemmung der Sprache folgt die Enthemmung der Handlungen. Die schwindende Bindekraft von Institutionen betrifft nicht allein die Kirchen \u2013 aber als Christen sind wir aufgefordert in einer neuen Dialogbereitschaft, dem\u00fctig, werbend und argumentierend, die gesellschaftlichen Grenzen zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Schluss<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Augsburg gibt es ein ungew\u00f6hnliches Marienbild, das nicht zuletzt durch die Begeisterung des Papstes Franziskus eine erstaunliche Karriere in S\u00fcdamerika und auch in Deutschland gemacht hat. Es zeigt ohne eine ikonografische Parallele Maria mit einem Band, das vielfach verknotet ist. Sie ist damit besch\u00e4ftigt, einen der Knoten zu l\u00f6sen. Der Bildtitel lautet deshalb die \u201eKnotenl\u00f6serin\u201c.<\/p>\n<p>Unser diesj\u00e4hriger Preistr\u00e4ger ist ein solcher \u201aKnotenl\u00f6ser\u2018. Er zerhaut sie nicht wie Alexander es mit dem gordischen Knoten gemacht hat, er l\u00e4sst sie auch nicht ungel\u00f6st, sondern arbeitet mit Beharrlichkeit und Ausdauer daran, die teils alten, festen Verknotungen in Konflikten, Streitigkeiten und Verh\u00e4rtungen geduldig aufzudr\u00f6seln \u2013 im Gef\u00fcge der Staaten und V\u00f6lker ebenso wie zwischen Konfessionen und Religionen. \u201eAufh\u00f6ren ist dabei keine Option, Tatenlosigkeit keine Haltung\u201c formuliert er mit Bezug auf Dorothee S\u00f6lle, die auch befand, \u201eDa kann man nichts machen\u201c sei ein gottloser Satz. Und von dem jungen Theologen und Widerstandsk\u00e4mpfer Hans Scholl nimmt er die Ermutigung: \u201eDas Ziel fest vor Augen, aber auf dem Weg dahin \u2013 mit R\u00fcckschl\u00e4gen und Umwegen \u2013 nicht die Kraft und die Geduld verlieren.\u201c Die Kraft und Geduld erw\u00e4chst aus einem Glauben, der tr\u00e4gt und Sicherheit gibt. In der Begr\u00fcndung f\u00fcr den heutigen Preis hei\u00dft es: \u201eEr nimmt eine Vorbildfunktion wahr und st\u00e4rkt die gemeinsame christliche Position\u201c. Ja, dieser Politiker st\u00e4rkt uns im Kampf gegen Vereinfacher und Scharfmacher, gegen neue und alte Grenzen in den K\u00f6pfen und Herzen.<\/p>\n<p>Die Antwort auf die rhetorische Eingangsfrage ob denn ein Politiker diesen Preis zu Recht erhalte muss ein vehementes \u201aja\u2018 sein. Der \u00d6kumenische Preis geht zu Recht an den Politiker Frank-Walter Steinmeier.<\/p>\n<p>Ich sage den Auslobern wie dem Preistr\u00e4ger dazu herzlichen Gl\u00fcckwunsch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00d6kumene-Preis an einen Politiker? Es ist ungew\u00f6hnlich, dass dieser Preis an den amtierenden Au\u00dfenminister der Bundesrepublik Deutschland verliehen wird. 15 Preistr\u00e4ger gab es bislang, darunter acht Bisch\u00f6fe aus vier Konfessionen und vier Theologieprofessoren. Nun ein Jurist und erstrangiger Verantwortungstr\u00e4ger deutscher Politik. 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