{"id":118351,"date":"2026-01-30T09:13:17","date_gmt":"2026-01-30T08:13:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118351"},"modified":"2026-01-30T09:13:17","modified_gmt":"2026-01-30T08:13:17","slug":"juedisches-leben-in-deutschland-heute","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/juedisches-leben-in-deutschland-heute\/","title":{"rendered":"Jewish Life in Germany Today"},"content":{"rendered":"<p>Ich freue mich sehr, heute hier in der Katholischen Akademie zu Gast zu sein und danke herzlich f\u00fcr diese Einladung! Sehr gerne werde ich versuchen, Ihnen einen kompakten \u00dcberblick \u00fcber das heutige j\u00fcdische Leben in Deutschland zu geben. Vielleicht m\u00f6gen Sie sich einmal selbst fragen, welche Bilder Sie im Kopf haben, wenn vom modernen j\u00fcdischen Leben in Deutschland die Rede ist. Was wird in den Medien transportiert? Nat\u00fcrlich Fotos prominenter Vertreter wie seit Ende 2014 meine Wenigkeit oder gerade hier in M\u00fcnchen nat\u00fcrlich von Frau Knobloch.<\/p>\n<p>Und welche Bilder fallen einem dann ein? Wenn ich mich das fragen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich, ehrlich gesagt, ziemlich schnell an Bilder aus Israel denken. Denn gerade im Fernsehen treffe ich viel h\u00e4ufiger auf Berichte aus Israel als auf Berichte \u00fcber das hiesige j\u00fcdische Leben. Deshalb assoziieren wahrscheinlich gar nicht wenige B\u00fcrger in diesem Land beim Thema Judentum das Bild eines ultraorthodoxen Juden mit Schl\u00e4fenlocken und Gebetsschal. Und wenn wir ehrlich sind, m\u00fcssen wir feststellen: Die Kenntnisse \u00fcber das j\u00fcdische Leben in Deutschland sind ziemlich gering.<\/p>\n<p>Das meine ich nicht als Vorwurf. Wenn ich ein Foto \u00fcber modernes muslimisches Leben in Deutschland ausw\u00e4hlen m\u00fcsste, k\u00e4me ich auch ins Schwitzen. Bei der evangelischen und katholischen Kirche fiele es mir etwas leichter. Aber ich bin schlie\u00dflich in W\u00fcrzburg aufgewachsen. Und das kirchliche Leben hat immer auch in mein j\u00fcdisches Leben hineingespielt. Und geschadet hat es mir nicht!<\/p>\n<p>J\u00fcdisches Leben heute \u2013 wie k\u00f6nnte man es denn treffender bebildern? Vielleicht mit einem Foto von einer Thora, die allerdings mit kyrillischen Buchstaben bedruckt ist, wie Sie es auf diesem Bild sehen.<\/p>\n<p>Erstens entspricht dieses Foto ganz wunderbar dem Klischee vom Volk des Buches. Es gibt viele Klischees \u00fcber Juden. Dieses lassen wir uns gerne gefallen. Man braucht h\u00e4ufig nur zu erw\u00e4hnen, man sei j\u00fcdisch, schon denken die Menschen, man sei belesen und werde jetzt j\u00fcdische Philosophen zitieren. Das Foto bildet aber auch die Realit\u00e4t ab. Solche mehrsprachigen Ausgaben von Gebetb\u00fcchern, die neben\u00a0 Hebr\u00e4isch auch eine russische \u00dcbersetzung enthalten, finden Sie tats\u00e4chlich in unseren Synagogen. Sie spiegeln sehr gut die Ver\u00e4nderungen in unseren 105 Gemeinden in den vergangenen 25 Jahren wider.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdischen Gemeinden standen ja seit 1990 vor der Aufgabe, in gro\u00dfer Zahl neue Mitglieder integrieren zu m\u00fcssen, Mitglieder, die vom Judentum wenig wussten. Von den heute knapp 100.000 Mitgliedern der j\u00fcdischen Gemeinden haben rund 90 Prozent ihre Wurzeln in der Ex-Sowjetunion. Es galt zun\u00e4chst, den Zuwanderern bei Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen und der Suche nach Arbeit und Wohnung zu helfen, aber vor allem galt es, sie wieder mit ihrer Religion vertraut zu machen. Denn an deren Aus\u00fcbung wurden sie in der Sowjetunion weitgehend gehindert, so dass gerade in der j\u00fcngeren Generation kaum noch Kenntnisse der Traditionen vorhanden waren. \u00dcber die Jahre hat sich damit hier in den Gemeinden still und leise eine j\u00fcdische Willkommenskultur etabliert, lange, bevor wir diesen Begriff zu Recht auf Deutschland anwenden konnten.<\/p>\n<p>Zu diesen Ver\u00e4nderungen in unseren Gemeinden passt auch dieses Foto vom j\u00fcdischen Teil des Friedhofs in D\u00fcsseldorf. Sahen Sie fr\u00fcher auf j\u00fcdischen Friedh\u00f6fen h\u00e4ufig nur karge Gr\u00e4ber mit meist hebr\u00e4ischen Schriftzeichen und ein paar Steinen auf dem Grabstein, so finden Sie heute Marmor und Blumen. Auch hier haben die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion eine eigene Tradition mitgebracht. Manchmal streiten wir \u00fcber solche Dinge. Manchmal lachen wir auch gemeinsam und staunen \u00fcber unsere Unterschiede.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Integration der Zuwanderer war und ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die j\u00fcdische Community. Sie ist zugleich eine Bereicherung. Das gilt sogar f\u00fcr das Thema Schoa. Die Zahl der Schoa-\u00dcberlebenden wird nat\u00fcrlicherweise immer kleiner. Das Thema bleibt aber auch in der zweiten und dritten Generation pr\u00e4sent, und zwar jetzt aus unterschiedlichen Perspektiven. Durch unsere Zuwanderer ist zu der Opferperspektive die Sicht der Befreier hinzugekommen. W\u00e4hrend die alt-eingesessenen Juden auf Daten wie den 9. November blicken, haben die zugewanderten Juden viel st\u00e4rker den 9. Mai als Tag des Sieges im Fokus.<\/p>\n<p>Es ist ein sehr fruchtbarer Austausch, der dadurch zustande gekommen ist. Die Frage, wie eine moderne Gedenkkultur aussehen kann, stellt sich auch in unserer j\u00fcdischen Community. Deshalb kann ich nur wiederholen: Zuwanderung bereichert und weitet den Blick. Manchmal muss um den Konsens zwischen Alt und Neu gerungen werden, aber es lohnt sich.<\/p>\n<p>Das sehen wir vor allem an der zweiten Generation der seit 1990 eingewanderten Juden. Deshalb habe ich Ihnen ein Foto der Jewrovision mitgebracht. Die Jewrovision \u2013 das Wort bildet sich in Anlehnung an die Eurovision mit dem englischen Wort f\u00fcr Jude \u2013 Jew \u2013 die Jewrovision also ist der gr\u00f6\u00dfte Tanz- und Gesangswettbewerb f\u00fcr j\u00fcdische Jugendliche in Europa, j\u00e4hrlich ausgerichtet vom Zentralrat der Juden. Bei diesem Wettbewerb, der immer mit einer religi\u00f6sen Jugendfreizeit verbunden ist, erleben Sie bei den rund 1.000 Teilnehmern Jahr f\u00fcr Jahr etwas Wunderbares: ein neues j\u00fcdisches Selbstbewusstsein. \u00c4hnlich wie in den Achtziger Jahren verstehen sich die j\u00fcngeren Juden auch heute wieder als deutsche Juden und betrachten Deutschland als ihr Zuhause. Dies ist umso bemerkenswerter, als der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der jungen j\u00fcdischen Generation Eltern hat, die nicht in Deutschland geboren sind, sondern in der fr\u00fcheren Sowjetunion.<\/p>\n<p>Die Kinder dieser Zuwanderer sind vollst\u00e4ndig integriert: Sie sprechen flie\u00dfend und akzentfrei Deutsch, sie besuchen in der Regel ein Gymnasium, machen Abitur und studieren \u2013 und betrachten eben Deutschland als ihre Heimat. Diese Integration hat eine Generation gedauert. Das ist unsere Erfahrung, die wir auch in der aktuellen politischen Situation gerne in Erinnerung bringen.<\/p>\n<p>Nun ist es allerdings in unseren j\u00fcdischen Gemeinden nicht anders als in Kirchengemeinden: Auch bei uns gibt es eine ung\u00fcnstige Altersstruktur. Knapp die H\u00e4lfte unserer Mitglieder sind \u00fcber 60 Jahre alt. Und auch wir k\u00e4mpfen seit ein paar Jahren mit sinkenden Mitgliederzahlen. Hier in Bayern z\u00e4hlen wir derzeit 18.260 Mitglieder in unseren Gemeinden. Vor sechs Jahren waren es noch rund 100 mehr.<\/p>\n<p>Daher versucht der Zentralrat der Juden mit verschiedenen Programmen f\u00fcr j\u00fcdische Studenten und f\u00fcr Young Professionals gerade jene Menschen in den Gemeinden zu halten, die sozusagen leicht verloren gehen: Wer mit dem Start ins Berufsleben und Familiengr\u00fcndung besch\u00e4ftigt ist, nimmt sich meistens nur noch wenig Zeit f\u00fcr so etwas wie Gemeindeleben. Diese Erfahrung machen ja alle Verb\u00e4nde und Vereine, die mit Ehrenamtlichen arbeiten. Und diese Priorit\u00e4tensetzung ist in der Lebensphase nur allzu verst\u00e4ndlich, und war bei mir selbst \u00fcbrigens nicht anders.<\/p>\n<p>Uns muss es aber gelingen, dass diese Abwesenheit in den Gemeinden wenigstens nur eine vor\u00fcbergehende bleibt. Darum bem\u00fchen wir uns mit immer wieder neuen Projekten. In diesem Jahr haben wir zum Beispiel zur Jewrovision auch ehemalige Teilnehmer eingeladen und ihnen ein eigenes Programm geboten.<\/p>\n<p>Bei unserer interreligi\u00f6sen Zusammenarbeit geht es selten um diese Themen wie Nachwuchsgewinnung oder schwindende Mitgliederzahlen. Aber vielleicht k\u00f6nnen wir hier alle mehr voneinander lernen, als uns bewusst ist.<\/p>\n<p>In meiner kleinen Dia-Show wird es jetzt Zeit f\u00fcr das Foto eines Rabbiners, um unser j\u00fcdisches Leben in Deutschland zu bebildern. Das Judentum in Deutschland ist wie auf der ganzen Welt kein monolithischer Block. Es gibt von traditionell, \u00fcber konservativ bis zu liberal sehr unterschiedliche Str\u00f6mungen. Daher haben wir in Deutschland eine Orthodoxe Rabbinerkonferenz und eine liberale Allgemeine Rabbinerkonferenz, in der auch Rabbinerinnen Mitglied sind.<\/p>\n<p>Eine sehr erfreuliche Entwicklung haben wir in der Rekrutierung von Rabbinern. Mussten in den vergangenen Jahrzehnten Rabbiner immer aus dem Ausland geholt werden, so ordinieren wir seit 2006 wieder in Deutschland ausgebildete Rabbiner und Rabbinerinnen. Daher k\u00f6nnen wir immer mehr Gemeinden mit einem eigenen Rabbiner ausstatten, was nicht nur f\u00fcr die Seelsorge, sondern auch f\u00fcr den Zusammenhalt der Gemeinde sehr wichtig ist.<\/p>\n<p>Zugleich symbolisiert dieses Foto: Im Zentrum des j\u00fcdischen Lebens steht die Religion, steht unser Glaube. So gerne sicher auch viele von Ihnen in ein Klezmer-Konzert gehen oder mit Ihren Kindern ein Purim-Spiel in einer Synagoge besuchen, so gerne Sie \u00fcber einen Wizo-Basar mit leckeren israelischen Speisen flanieren, als dies ist letztlich nur das Drumherum. Wir sind, wie ich immer sage, j\u00fcdische oder wie es in Bayern hei\u00dft, Israelitische Kultus-Gemeinden, keine Kultur-Gemeinden. Mir ist dies besonders wichtig zu betonen in einer Zeit, in der die Religionsgemeinschaften in unserer Gesellschaft um ihren Stellenwert ringen m\u00fcssen. In der manches, was jahrzehntelang selbstverst\u00e4ndlich war, in Frage steht.<\/p>\n<p>Denn dass das Judentum trotz aller Anfeindungen, aller Verfolgung, aller Pogrome und trotz des gr\u00f6\u00dften Verbrechens, der Schoa, \u00fcberlebt hat, das lag und liegt bis heute an diesem Kern: der Religion. Die zehn Gebote, die uns am Berg Sinai \u00fcbergeben wurden, die Thora, in der unsere Religion niedergelegt ist \u2013 dieses Wissen und diese Werte wurden \u00fcber Generationen weitergegeben und haben uns Orientierung verliehen. Ohne unsere Gebete und Segensspr\u00fcche w\u00e4ren famili\u00e4re Feiern wie am Schabbat oder zu Pessach nur eine leere H\u00fclle. Ohne den religi\u00f6sen Kern h\u00e4tte die Tradition niemals \u00fcber Jahrtausende Bestand gehabt.<\/p>\n<p>Was wir bisher bebildert haben, ist das sehr sch\u00f6ne j\u00fcdische Leben in seiner ganzen Vielfalt in Deutschland. Ich k\u00f6nnte Fotos von neu er\u00f6ffneten Synagogen oder Mikwen hinzuf\u00fcgen. Vom j\u00fcdischen Zentrum am Jakobplatz oder von j\u00fcdischen Kulturfestivals. Doch wir m\u00fcssen auch andere Bilder zur Kenntnis nehmen. Zum Beispiel dieses hier: ein Blumenmeer vor der Synagoge in Kopenhagen, auf die im Februar 2015 ein islamistischer Anschlag ver\u00fcbt wurde. Dabei kam der Wachmann ums Leben.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte auch ein Foto von Toten im J\u00fcdischen Museum in Br\u00fcssel ausw\u00e4hlen k\u00f6nnen oder ein Bild von einem riesigen Polizeiaufgebot vor dem Koscher-Supermarkt in Paris. Nun k\u00f6nnten Sie einwenden, dass dies keine Ereignisse in Deutschland waren. Das stimmt. Wir alle hatten in Deutschland bisher Gl\u00fcck, dass einige Attentate verhindert werden konnten.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen unser j\u00fcdisches Leben in Deutschland aber nicht losgel\u00f6st von Europa betrachtet. Und in Europa ist modernes j\u00fcdisches Leben auch begleitet von Gefahren. Was wir in j\u00fcngster Zeit in Europa erleben mussten, hat uns alle ersch\u00fcttert. Was uns, in der j\u00fcdischen Gemeinschaft, aber noch st\u00e4rker auff\u00e4llt als der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung: Sehr oft w\u00e4hlen die Terroristen bewusst j\u00fcdische Einrichtungen als Ziel aus. Diese fanatischen Islamisten sind eben auch fanatische Judenhasser. Es nutzt nichts, vor dieser Tatsache die Augen zu verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Und deshalb l\u00e4sst sich feststellen: Wir Juden f\u00fchlen uns in Deutschland sicher. Das Sicherheitsgef\u00fchl war aber schon gr\u00f6\u00dfer. Das hat mehrere Gr\u00fcnde, ein wesentlicher ist die Bedrohung durch Islamisten. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Eltern fragen, wie sie ihre Kinder sicher zur j\u00fcdischen Schule bringen und ob diese Schule ausreichend bewacht ist. In allen unseren Gemeinden sind die Sicherheitsvorkehrungen ein erheblicher Kostenfaktor. Das ist leider die traurige Realit\u00e4t im Jahr 2016.<\/p>\n<p>Das Sicherheitsgef\u00fchl erh\u00f6ht sich nicht gerade, wenn bekannt wird, dass mit den Fl\u00fcchtlingen auch Terrorverd\u00e4chtige nach Deutschland eingeschleust wurden. Dennoch w\u00e4re es aus meiner Sicht die v\u00f6llig falsche Konsequenz, Europa wegen dieser Gefahren zu verlassen. Unter den franz\u00f6sischen Juden ist die Auswanderungswelle nach Israel gr\u00f6\u00dfer geworden. Aber, \u00fcbersehen wir nicht: Die ganz gro\u00dfe Mehrheit der franz\u00f6sischen Juden bleibt in Frankreich! Es kann immer gute Gr\u00fcnde f\u00fcr Juden geben, nach Israel auszuwandern. Der Terror sollte keiner sein!<\/p>\n<p>Denn dann w\u00fcrden die Terroristen genau das erreichen, was sie m\u00f6chten. Ebenso, wie sich die gesamte Gesellschaft nicht abschrecken lassen darf, ihr ganz normales, freiheitliches Leben weiterzuf\u00fchren, d\u00fcrfen auch wir Juden uns nicht von der Bedrohung einsch\u00fcchtern lassen!<\/p>\n<p>Es gibt in unseren Gemeinden hier in Deutschland zwar eine Verunsicherung und beim ein oder anderen auch \u00c4ngste. Aber der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der hiesigen Juden denkt nicht an Auswanderung. Die Debatte dar\u00fcber, ob wir auf Dauer sicher in Deutschland leben k\u00f6nnen, die ist allerdings wieder da. Das hat jedoch neben der terroristischen Bedrohung auch sehr viel mit den Fl\u00fcchtlingen zu tun.<\/p>\n<p>Ich komme jetzt zu dem Teil, mit dem ich mich bei Ihnen vielleicht unbeliebt mache. Mit dem ich Wasser in den Wein kippe. Ich halte es jedoch f\u00fcr notwendig f\u00fcr unser Land, mit schonungslosem, glasklaren Blick auf die aktuelle Lage zu blicken. Rosarot hilft hier nicht weiter. Die Fl\u00fcchtlinge, die in so gro\u00dfer Zahl seit dem vergangenen Jahr bei uns Zuflucht suchen, kommen ganz \u00fcberwiegend aus Staaten, die mit Israel tief verfeindet sind. Dort stehen die Protokolle der Weisen von Zion neben anderen antisemitischen Machwerken in den Buchhandlungen. In Atlanten fehlt Israel auf der Landkarte. Antisemitische Fernsehserien sind in diesen L\u00e4ndern normal. Wer mit einem solchen Feindbild gro\u00df geworden ist, legt es nicht einfach beim Grenz\u00fcbertritt ab.<\/p>\n<p>Deshalb gibt es in den j\u00fcdischen Gemeinden Sorgen. Denn schon jetzt existiert ein recht ausgepr\u00e4gter Antisemitismus unter jungen Muslimen in Deutschland. Das haben wir 2014 bei den anti-israelischen Demonstrationen deutlich und in erschreckendem Ausma\u00df gesp\u00fcrt. Wird sich dieser Antisemitismus jetzt noch verst\u00e4rken? Werden wir bei einer Demo in drei Jahren nicht 2.000, sondern 20.000 Menschen auf der Stra\u00dfe haben, die br\u00fcllen: \u201eJude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und k\u00e4mpf allein!\u201c? Wenn wir das nicht m\u00f6chten, liegt viel Arbeit vor uns.<\/p>\n<p>Es bedeutet, dass wir die Fl\u00fcchtlinge nicht nur generell mit unseren Grundrechten wie etwa der Religionsfreiheit vertraut machen m\u00fcssen. Grundrechte, die sie aus ihren Herkunftsl\u00e4ndern nicht kennen. Wir m\u00fcssen sie auch emotional erreichen. Sie m\u00fcssen verinnerlichen, dass die Menschenw\u00fcrde universell gilt, auch f\u00fcr Juden. Sie m\u00fcssen einsehen, dass ihnen Schauerm\u00e4rchen erz\u00e4hlt wurden. Sie m\u00fcssen sich eingestehen, in Teilen mit einem falschen Weltbild durchs Leben gegangen zu sein. Das ist sehr schwer. Das w\u00e4re f\u00fcr jeden Menschen schwer. F\u00fcr Menschen, die gerade ihre Heimat, vielleicht Familienangeh\u00f6rige und ihren Besitz verloren haben, die traumatisiert sind und sich in einer neuen Kultur zurechtfinden m\u00fcssen, ist es noch schwerer.<\/p>\n<p>Deshalb erfordert es sehr viel Knowhow, sehr viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und vor allem sehr viel Zeit, bis wir diese emotionale Integration erreichen k\u00f6nnen. Wenn wir sie \u00fcberhaupt erreichen k\u00f6nnen. Und wie ich bereits erw\u00e4hnte: Nach unserer Erfahrung dauert dies eine Generation.<\/p>\n<p>Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck hat in seiner Rede zum Holocaust-Gedenktag 2015 vor dem Deutschen Bundestag sehr treffend beschrieben, was wir den neu hinzugekommenen B\u00fcrgern vermitteln m\u00fcssen. Er sagte, ich darf zitieren: \u201eDas Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus (ist) zu einem festen Bestandteil unseres Selbstverst\u00e4ndnisses geworden. Und mag der Holocaust auch nicht mehr f\u00fcr alle B\u00fcrger zu den Kernelementen deutscher Identit\u00e4t z\u00e4hlen, so gilt doch weiterhin: Es gibt keine deutsche Identit\u00e4t ohne Auschwitz. Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller B\u00fcrger, die in Deutschland leben. Er geh\u00f6rt zur Geschichte dieses Landes (\u2026) Der Holocaust als Menschheitsverbrechen \u2013 diesen Weg der Ann\u00e4herung haben auch Eingewanderte, selbst wenn sie sich nicht oder noch nicht als Deutsche f\u00fchlen. Dieser Weg ist nicht immer leicht, auch nicht selbstverst\u00e4ndlich. Manche Einwanderer erlitten in ihren Herkunftsl\u00e4ndern selbst Verfolgung. Manche kommen aus L\u00e4ndern, in denen Antisemitismus und Hass auf Israel verbreitet sind. Wo derartige Haltungen bei Einwanderern nachwirken und die Wahrnehmung aktueller Ereignisse bestimmen, haben wir ihnen beharrlich die historische Wahrheit zu vermitteln und sie auf die Werte dieser Gesellschaft zu verpflichten.\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht sind auch unter Ihnen einige, die sich in der Fl\u00fcchtlingshilfe engagiert haben oder weiterhin engagiert sind. Gerade in den beiden christlichen Kirchen gibt es viel Elan f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingshilfe und eine wahrhaft christliche Willkommenskultur. \u00a0Verstehen Sie mich deshalb bitte nicht falsch: Ich m\u00f6chte Ihnen mit meinen kritischen Anmerkungen zu den Fl\u00fcchtlingen weder Ihren Elan nehmen, noch sehe ich Ihr Engagement skeptisch. Ganz im Gegenteil. Ich bin den Kirchen sehr dankbar f\u00fcr ihren Einsatz. Das ganze Land sollte dankbar sein, denn viele Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte funktionieren \u00fcberhaupt nur, weil kirchliche Sozial- und Wohlfahrtsverb\u00e4nde die Tr\u00e4ger sind und die ehrenamtliche Hilfe organisiert haben. Die Deutsche Bischofskonferenz hat Anfang dieses Jahres sehr durchdachte und kluge Leits\u00e4tze f\u00fcr das kirchliche Engagement f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge verabschiedet. Darin werden die Sorgen der j\u00fcdischen Gemeinschaft aufgegriffen, und es wird ein L\u00f6sungsansatz aufgezeigt. Ich darf zitieren:<\/p>\n<p>\u201eAuch unter den Muslimen und Juden unseres Landes wecken die aktuellen Fluchtbewegungen ein gro\u00dfes Ma\u00df an Solidarit\u00e4t und Hilfsbereitschaft. Daraus ergibt sich die M\u00f6glichkeit, den Weg des interreligi\u00f6sen und interkulturellen Dialogs mit Nachdruck fortzusetzen und gemeinsame Projekte zur Unterst\u00fctzung von Fl\u00fcchtlingen zu initiieren. Eine derartige Zusammenarbeit kann unter anderem auch f\u00fcr den gegenseitigen Respekt zwischen christlichen und muslimischen Fl\u00fcchtlingen und die \u00dcberwindung antisemitischer Ressentiments, vor denen die j\u00fcdischen Gemeinden zurecht warnen, f\u00f6rderlich sein.\u201c<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung teile ich: Direkte Begegnung zwischen den Religionen kann sehr viel bewirken und dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge haben Sie f\u00fcr die Integration und Wertevermittlung einen ganz wichtigen ersten Schritt geleistet. In der Tat sind auch j\u00fcdische Gemeinden und Organisationen in der Fl\u00fcchtlingshilfe aktiv. Wenn wir uns also noch einmal \u00fcberlegen wollen, wie man j\u00fcdisches Leben in Deutschland bebildern k\u00f6nnte, k\u00f6nnen wir auch dieses Foto vom Mitzvah Day im vergangenen November ausw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Der Mitzvah Day ist ein vom Zentralrat der Juden initiierter Tag des Ehrenamts, mit zahlreichen Projekten in den j\u00fcdischen Gemeinden, zum Teil \u00fcbrigens mit christlichen Partnern. Im vergangenen Jahr stand dieser Tag ganz im Zeichen der Fl\u00fcchtlingshilfe.<\/p>\n<p>Und so haben auch Mitarbeiter des Zentralrats einen ganzen Tag lang f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge in einer Berliner Turnhalle Programm gemacht. Ich habe ein wenig geholfen, Luftballons aufzublasen und habe Hummus verteilt. Diese Kichererbsen-Speise wird ja in Israel genauso gern gegessen wie in Syrien. Denn es gibt ja nicht nur Trennendes. Es gibt ja auch Dinge, die uns verbinden.<\/p>\n<p>Und die Erfahrung von Flucht, von Exil, von geschlossenen Grenzen oder schlicht von einem Neuanfang in einem fremden Land \u2013 diese Erfahrungen sind in jeder j\u00fcdischen Familie pr\u00e4sent. Noch st\u00e4rker als unser Unbehagen \u00fcber wom\u00f6glich importierten Antisemitismus ist daher unser Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Not dieser Menschen. Es sind einfach zwei Herzen, die da in unserer Brust schlagen.<\/p>\n<p>Als Zentralrat der Juden in Deutschland sind wir auf vielen Ebenen politisch aktiv, um sowohl f\u00fcr die Notwendigkeit der Wertevermittlung als auch f\u00fcr eine tolerante Gesellschaft zu werben. Hier in Bayern haben wir seit 2005 das B\u00fcndnis f\u00fcr Toleranz. Auf Bundesebene haben wir Anfang dieses Jahres mit ganz \u00e4hnlichen Tr\u00e4gern die \u201eAllianz f\u00fcr Weltoffenheit, Solidarit\u00e4t, Demokratie und Rechtsstaat \u2013 gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt\u201c mitgegr\u00fcndet. Aus Berliner Sicht stellte sich das f\u00fcr einige Akteure als Weltneuheit dar. Ich war dann doch so frei, darauf hinzuweisen, dass wir in Bayern bereits ein solches B\u00fcndnis haben, das sehr gute Arbeit leistet und von dem wir durchaus lernen k\u00f6nnen. Solche zivilgesellschaftlichen B\u00fcndnisse sind heute wichtiger denn je!<\/p>\n<p>Wir brauchen B\u00fcrger, die sich aktiv f\u00fcr eine respektvolle und solidarische Gesellschaft einsetzen. Deshalb unterst\u00fctzt der Zentralrat solche B\u00fcndnisse auf Bundesebene. Deshalb haben wir erst vor wenigen Wochen den Verein \u201eGesicht Zeigen!\u201c mit dem Paul-Spiegel-Preis f\u00fcr Zivilcourage ausgezeichnet. Denn der Verein \u201eGesicht Zeigen!\u201c, der vom fr\u00fcheren Zentralratspr\u00e4sidenten Paul Spiegel mitbegr\u00fcndet wurde, macht seit Jahren gro\u00dfartige Projekte gegen Rechtsextremismus, vor allem mit jungen Leuten.<\/p>\n<p>Ich habe eben gesagt, die Arbeit solcher Toleranz-B\u00fcndnisse sei heute wichtiger denn je. Gerade erst hat eine neue Studie die fortschreitende Polarisierung unserer Gesellschaft aufgezeigt. Vor allem gegen Muslime, Ausl\u00e4nder und Sinti und Roma wird Abneigung gesch\u00fcrt. Wir k\u00f6nnten \u00fcbrigens Juden hinzuf\u00fcgen. Antisemitismus und vor allem Antizionismus wurden f\u00fcr die Studie nicht gesondert untersucht, die Autoren habe aber selbst einger\u00e4umt, dass weiterhin von 20 bis 30 Prozent Antisemiten auszugehen sei.<\/p>\n<p>Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich von jeher auch f\u00fcr andere Minderheiten und f\u00fcr Toleranz eingesetzt. Neben der \u201eAllianz f\u00fcr Weltoffenheit\u201c sind wir daher in diesem Jahr auch dem \u201eB\u00fcndnis f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit den Sinti und Roma Europas\u201c beigetreten. Denn die Atmosph\u00e4re in unserer Gesellschaft vergiftet sich zunehmend. Das ist eine Entwicklung, die uns alle beunruhigt, die in der j\u00fcdischen Gemeinschaft aber auch dazu beitr\u00e4gt, sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, welche Zukunft wir in diesem Land haben.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob es Ihnen geht wie mir: Eigentlich \u00e4rgert es mich, wieviel Aufmerksamkeit die AfD bekommt. Beim Katholikentag mussten wir erleben, dass fast h\u00e4ufiger \u00fcber die Frage diskutiert wurde, ob der Ausschluss der AfD richtig war, als \u00fcber die anstehenden Themen selbst, um es etwas zugespitzt zu formulieren.<\/p>\n<p>Doch wir kommen um das Thema nicht herum. Angesichts der Zustimmung, die die AfD erh\u00e4lt, angesichts solcher Bewegungen wie Pegida m\u00fcssen wir von einem Rechtsruck der Gesellschaft sprechen. Die neuen rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien haben einen erheblichen Anteil an der erw\u00e4hnten Polarisierung. Sie schaden massiv der politischen Kultur in diesem Land. Intolerante Ansichten \u00fcber Muslime und \u00fcber Ausl\u00e4nder sowie Antisemitismus, gekleidet in eine Kritik an Israel, finden sich inzwischen bis in die Mitte der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Dagegen m\u00fcssen wir angehen \u2013 in Toleranz-B\u00fcndnissen und Vereinen, aber auch jeder Einzelne von uns in seinem Alltag. Denn worum geht es? Das hat Paul Spiegel im Jahr 2000 unter dem Eindruck zahlreicher ausl\u00e4nderfeindlicher Gewalttaten und unter dem Eindruck des Anschlags auf die Synagoge in D\u00fcsseldorf so formuliert: \u201eWir d\u00fcrfen bei der Bek\u00e4mpfung von Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht innehalten. Denn es geht nicht allein um uns Juden, um T\u00fcrken, um Schwarze, um Obdachlose, um Schwule. Es geht um dieses Land, es geht um die Zukunft jedes einzelnen Menschen in diesem Land.\u201c Diese S\u00e4tze haben an Aktualit\u00e4t nichts verloren! Sie k\u00f6nnten auch in diesem Jahr gefallen sein!<\/p>\n<p>Es geht nicht allein um Juden und Muslime oder um Fl\u00fcchtlinge \u2013 es geht um unser Land. Es geht um die Frage, wie wir die Errungenschaften unserer westlichen Demokratie und Wertegemeinschaft sch\u00fctzen und im 21. Jahrhundert erhalten.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr gab es mehr als 1.000 \u00dcberf\u00e4lle auf Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte. Das war eine Verf\u00fcnffachung gegen\u00fcber dem Jahr zuvor. Nur ein Bruchteil der rechtsextremen und ausl\u00e4nderfeindlichen Taten wird aufgekl\u00e4rt. Wir sind zudem mit einer immer gr\u00f6\u00dferen Gewaltbereitschaft unter den Rechtsradikalen und einer besseren Vernetzung konfrontiert. Noch immer l\u00e4uft der Prozess gegen Beate Zsch\u00e4pe. Noch immer befassen sich Untersuchungsaussch\u00fcsse mit dem NSU, um die kriminellen Strukturen dieser rechten Terrorgruppe aufzudecken. Und erst vor kurzem sind im s\u00e4chsischen Freital offenbar Rechtsterroristen festgenommen worden.<\/p>\n<p>Und wir sind heute mit technischen M\u00f6glichkeiten konfrontiert, die es sehr leicht machen, Menschen aufzuhetzen oder in k\u00fcrzester Zeit zu Protest-Aufm\u00e4rschen zusammenzurufen. Die Hacker-Angriffe auf Universit\u00e4ten, bei denen pl\u00f6tzlich antisemitische Pamphlete aus den Druckern kamen, haben uns gezeigt, wie perfide heutzutage die Methoden der Rechtsextremen sind. In diesem Mosaik stellt im \u00dcbrigen die NPD einen Stein von nicht zu untersch\u00e4tzender Gr\u00f6\u00dfe dar. Die Partei lenkt h\u00e4ufig ausl\u00e4nderfeindliche Aufm\u00e4rsche und Proteste. Ihre Staatsgelder flie\u00dfen in Neo-Nazi-Kan\u00e4le. Der Zentralrat der Juden hofft daher sehr, dass sich das Bundesverfassungsgericht f\u00fcr ein Verbot dieser rechtsextremistischen Partei aussprechen wird.<\/p>\n<p>Viele dieser Entwicklungen konnte Paul Spiegel noch gar nicht erahnen. Aber er wusste: Wenn wir den Kampf gegen Hass und Gewalt nicht aufnehmen, haben wir schon verloren. Ich bin sehr froh, dass wir hier einen gro\u00dfen Konsens mit den Kirchen haben. Erst vor wenigen Wochen haben wir ein weiteres B\u00fcndnis ins Leben gerufen, ein interreligi\u00f6ses Projekt, das genau diesen intoleranten Tendenzen entgegenwirken soll. Unter dem Titel \u201eWei\u00dft du, wer ich bin?\u201c unterst\u00fctzen die beiden Kirchen, der Zentralrat der Juden und vier muslimische Verb\u00e4nde lokale interreligi\u00f6se Fl\u00fcchtlingsinitiativen. Diese Initiativen k\u00f6nnen vom Bundesinnenministerium mit bis zu 15.000 Euro gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Genau solche Projekte brauchen wir in hohem Ma\u00dfe in Deutschland. Denn je besser wir einander kennen, desto weniger halten sich Vorurteile. Und je gr\u00f6\u00dfer unser Wissen \u00fcber andere Religionen ist, desto schwerer haben es Rechtspopulisten, Ressentiments zu sch\u00fcren. Machen wir uns nichts vor: Die AfD hat zwar vor allem den Islam im Visier. Doch ich gehe fest davon aus, dass sich ihre Ablehnung auch gegen eine andere Minderheit richten kann, wenn es der Partei opportun erscheint. In ihrem neuen Grundsatzprogramm hat die AfD ein Verbot des Sch\u00e4chtens beschlossen. Damit trifft sie uns Juden ebenso wie die Muslime.<\/p>\n<p>Wir alle sind aber auch aufgefordert, im Alltag gegen Diskriminierung einzuschreiten. Jeder von uns kann sich selbstkritisch fragen: Mache ich den Mund auf, wenn auf einer Familienfeier Schwulen- oder Judenwitze erz\u00e4hlt werden? Schreite ich ein oder informiere die Polizei, wenn ein Schwarzer bedroht wird? Was denke ich als erstes, wenn ich eine Gruppe von Sinti und Roma sehe?<\/p>\n<p>Alle Wege f\u00fchren nach Rom, und viele Wege f\u00fchren zu einer toleranten Gesellschaft. Ein in meinen Augen sehr wichtiger Weg ist die Bildung. Dabei liegen mir aus meiner Sicht als Zentralrats-Pr\u00e4sident zwei Themen besonders am Herzen: Es muss unser Ziel sein, die religi\u00f6se bzw. interreligi\u00f6se Bildung in Deutschland zu erh\u00f6hen. Halten wir uns einfach beispielhaft vor Augen, dass in einem durch und durch christlich gepr\u00e4gten Land wie Deutschland in Umfragen nur noch die H\u00e4lfte der Menschen sagen kann, was die Bedeutung von Karfreitag ist.<\/p>\n<p>Und um auf unseren Gedanken der richtigen Bebilderung zur\u00fcckzukommen. Welche Bilder finden sich denn in Schulb\u00fcchern, wenn das Kapitel Judentum an der Reihe ist? Auch dort sind es wie in den Medien sehr h\u00e4ufig Fotos von ultraorthodoxen Juden an der Klagemauer in Jerusalem. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es diese Juden. In Deutschland trifft man sie allerdings nicht. Und diese Fotos verfestigen letztlich ein Klischee. Warum sind nicht einfach j\u00fcdische Kinder und Jugendliche zu sehen, wie auf diesem Bild? \u00a0Der Zentralrat der Juden erarbeitet gerade mit der Kultusministerkonferenz eine Erkl\u00e4rung, um die Vermittlung der j\u00fcdischen Geschichte, Kultur und Religion in der ganzen Vielfalt in den Schulen zu verbessern. Darin werden wir auch die Begegnung mit Juden empfehlen.<\/p>\n<p>Denn, wie ich eingangs schon feststellte, das Wissen \u00fcber das moderne j\u00fcdische Leben in Deutschland ist gering. Dar\u00fcber hinaus liegt mir am Herzen, was ich schon seit l\u00e4ngerem \u00f6ffentlich fordere: Gedenkst\u00e4ttenbesuche von Sch\u00fclern. An den authentischen Orten k\u00f6nnen junge Menschen auch heute noch die Dimension der NS-Verbrechen viel besser erfassen als aus dem Schulbuch. Empathie mit den Opfern und Verantwortungsbewusstsein entstehen nicht anhand nackter Zahlen. Eine individuelle Auseinandersetzung mit der Nazizeit gelingt besser an den Orten, an denen die Verbrechen geschahen.<\/p>\n<p>Der Historiker Wolfgang Benz hat vor kurzem in der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c festgestellt: \u201eDer verordnete Besuch einer Gedenkst\u00e4tte heilt nicht soziale Sch\u00e4den, immunisiert junge Menschen nicht gegen rechtsextremistische Ideologie, ist nicht das Patentrezept gegen Ausl\u00e4nderhass und Rassenwahn.\u201c Jetzt werden Sie \u00fcberrascht sein, aber da stimme ich Wolfgang Benz sogar zu. Ein Gedenkst\u00e4ttenbesuch kann nur ein Baustein sein und muss nat\u00fcrlich vor- und nachbereitet werden. Allerdings r\u00e4umt auch Wolfgang Benz ein: \u201eDer Lernort KZ kann jedoch einen Beitrag zur Integration neuer B\u00fcrger im Einwanderungsland leisten.\u201c<\/p>\n<p>Ich bin daher sehr froh, dass die bayerische Landesregierung einen Modellversuch mit Mittelschulen f\u00fcr verpflichtende Gedenkst\u00e4ttenbesuche gestartet hat. Dabei hat sich gezeigt, dass eine beachtliche Anzahl von Mittelschulen bereits regelm\u00e4\u00dfig mit ihren Sch\u00fclern nach Dachau oder Flossenb\u00fcrg f\u00e4hrt. Und dass die Sch\u00fcler eine gro\u00dfe Offenheit und gro\u00dfes Interesse mitbringen! Ich hoffe, dass schlussendlich auch f\u00fcr die Mittelschulen ein verpflichtender KZ-Gedenkst\u00e4ttenbesuch das Ergebnis des Modellversuchs sein wird.<\/p>\n<p>Zugleich m\u00fcssen unsere Gedenkst\u00e4tten nat\u00fcrlich auch ausreichend finanziell ausgestattet werden. Der Obersalzberg ist gewiss auch ein wichtiger historischer Ort. Auch dort l\u00e4sst sich viel \u00fcber den Charakter des Nationalsozialismus erkl\u00e4ren. Aber in Dachau und Flossenb\u00fcrg ist die Perspektive eine andere \u2013 und mit Verlaub: Sie liegt mir mehr am Herzen! Und das sage ich nicht nur, weil mein Vater in Dachau inhaftiert war, sondern im Namen der \u00dcberlebenden der Konzentrationslager. Die vom bayerischen SPD-Abgeordneten Martin G\u00fcll ge\u00fcbte, heftige Kritik an der Konzeption der Ausstellung in der Gedenkst\u00e4tte Dachau teile ich \u00fcbrigens ausdr\u00fccklich nicht! Was in Dachau an p\u00e4dagogischer Arbeit geleistet wird, ist vorbildlich. Und das hat auch mit der Ausstellung zu tun. Das bedeutet ja nicht, dass am Konzept nie etwas ge\u00e4ndert werden sollte. Aber eine Totalrevision zu fordern, ist \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p>Jenseits der Gedenkst\u00e4tten sind wir gefordert, eine Gedenkkultur zu entwickeln, die auch 70 Jahre nach Kriegsende noch die Menschen erreicht, und die zu einer Einwanderungsgesellschaft passt. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung, was wir auch daran merken, wie lange schon das Thema in den Feuilletons immer wieder auftaucht.<\/p>\n<p>Ich bin gar nicht pessimistisch, dass sich die Erinnerung an die Shoa nicht auch in einer Migrationsgesellschaft vermitteln l\u00e4sst. Unter den Migranten sind viele Menschen, die selbst Diskriminierung und Rassismus erlebt haben oder immer noch erleben. Es sind Menschen darunter, deren Familien aus ihrer Heimat fliehen mussten, Menschen, die in Diktaturen, in Fl\u00fcchtlingslagern oder Armut gelebt haben. Warum sollten diese Menschen weniger in der Lage sein, Empathie f\u00fcr die Opfer der Shoa aufzubringen? Oder warum sollten sie weniger interessiert sein an der Frage, wie es dazu kommen konnte.<\/p>\n<p>Wir brauchen f\u00fcr diese Vermittlung gut ausgebildete Lehrer. Zumindest in Bayern, wo ich es am besten mitbekomme, haben wir die auch. Wir d\u00fcrfen die Lehrer mit dieser Aufgabe aber nicht alleine lassen. Gedenkst\u00e4tten k\u00f6nnen eine wertvolle Hilfestellung bieten.<\/p>\n<p>Eine moderne Form der Erinnerung sind f\u00fcr mich auch die Stolpersteine des K\u00fcnstlers Gunter Demnig. Mir ist klar, dass dieses Thema in M\u00fcnchen ein hei\u00dfes Eisen ist. Vielleicht kann der ein oder andere unter Ihnen das Thema auch nicht mehr h\u00f6ren. Ich m\u00f6chte dennoch ein paar Gedanken zum Thema Stolpersteine formulieren. Der M\u00fcnchner Stadtrat hat sich f\u00fcr eine andere Form des Gedenkens entschieden. Das kann ich gut akzeptieren. Die Stolpersteine haben keinen Alleinvertretungsanspruch. Und ich bin sehr gespannt, wie schlie\u00dflich das neue Konzept in M\u00fcnchen aussehen wird. Der Stadt w\u00fcnsche ich vor allem, dass sie bei dem Thema bald zur Ruhe kommt und im Konsens eine w\u00fcrdige Form des Gedenkens findet.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Ihnen aber auch erl\u00e4utern, warum ich die Stolpersteine bef\u00fcrworte. Die Stolpersteine \u00fcberraschen uns mitten im Alltag. Ich nehme mir manchmal die Zeit, in W\u00fcrzburg am Kaufhof die Passanten zu beobachten. Nicht wenige bleiben abrupt stehen, wenn sie die kleinen Messingsteine entdecken, die dort zur Erinnerung an die fr\u00fcheren j\u00fcdischen Kaufhausbesitzer Ruschkewitz liegen. So werden die B\u00fcrger mit der Geschichte konfrontiert, ohne daf\u00fcr aktiv einen Erinnerungsort oder ein Museum aufsuchen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zugleich wird f\u00fcr jedermann sichtbar: Die Juden, die im Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt und ermordet wurden, lebten ganz normal mitten in der Stadt. Sie verschwanden, und die wenigsten haben sich daf\u00fcr interessiert, wohin. Die Stolpersteine regen zum Nachdenken und Nachfragen an. Sie werfen sehr direkt die Frage auf, wie die Verfolgung so vieler unschuldiger Menschen m\u00f6glich war, obwohl sie nicht im Geheimen geschah. Warum griff niemand ein? Und wie w\u00fcrde ich heute reagieren? Das sind Fragen, die gerade junge Menschen stellen \u2013 \u00fcber die sie buchst\u00e4blich stolpern.<\/p>\n<p>Zum Kunstprojekt Stolpersteine geh\u00f6rt auch die Recherche, die der Verlegung eines Steins vorausgeht. Gunter Demnig macht es den Menschen zum Gl\u00fcck nicht bequem und erledigt das f\u00fcr sie. Wer einen Stolperstein verlegen lassen m\u00f6chte, muss selbst nachforschen: Wer wohnte in meinem Haus? Wohin wurden die Menschen verschleppt? Wie wurden sie ermordet? Gibt es noch Angeh\u00f6rige? Durch diese Recherchen findet eine Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit statt, wie sie intensiver kaum vorstellbar ist. Ich habe Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass nicht jeder sich mit den Stolpersteinen anfreunden kann. F\u00fcr mich \u00fcberwiegen die positiven Seiten aber die Bedenken.<\/p>\n<p>Und wenn wir gerade beim Thema Gedenken sind: Ich pl\u00e4diere ich auch daf\u00fcr, feste Gedenktage beizubehalten. Kritiker sprechen von starren Ritualen, die heute niemanden mehr erreichen. Diese Einsch\u00e4tzung teile ich nicht. Feststehende Gedenktage disziplinieren uns, in der sich scheinbar immer schneller drehenden Welt innezuhalten und den Blick zur\u00fcckzuwerfen. Auch das ist wichtig und sinnvoll.<\/p>\n<p>Das schwierige historische Erbe anzunehmen, das ist inzwischen auch in der katholischen und evangelischen Kirche Konsens. Beide Institutionen haben sich intensiv mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus besch\u00e4ftigt. Im vergangenen Jahr konnten wir auf 50 Jahre \u201eNostra Aetate\u201c zur\u00fcckblicken. Ich habe bei einer Veranstaltung zu diesem Jubil\u00e4um im \u201eHaus am Dom\u201c in Frankfurt die Konzilserkl\u00e4rung als \u201eMeilenstein\u201c im christlich-j\u00fcdischen Verh\u00e4ltnis bezeichnet. In dieser Einsch\u00e4tzung f\u00fchlte ich mich best\u00e4tigt, als der Vatikan im Dezember vergangenen Jahres eine Erkl\u00e4rung zu \u201eNostra Aetate\u201c ver\u00f6ffentlichte und darin erneut die Abkehr von der Judenmission bekr\u00e4ftigte. Ebenso wurde betont, dass aus sich einst skeptisch gegen\u00fcberstehenden Gemeinschaften \u201everl\u00e4ssliche Partner und sogar gute Freunde geworden\u201c seien. Das ist zutreffend, und f\u00fcr diese Entwicklung d\u00fcrfen wir dankbar sein.<\/p>\n<p>In meiner Rede zu \u201eNostra Aetate\u201c im vergangenen Jahr war ich jedoch so frei, auch kritische Punkte anzusprechen. Denn g\u00e4nzlich unbelastet ist unser Verh\u00e4ltnis zur katholischen Kirche noch nicht. Da w\u00e4re zum einen die Karfreitagsf\u00fcrbitte f\u00fcr den lateinischen Ritus zu nennen. Nach wie vor warten wir auf die Revision der Wiedereinf\u00fchrung der alten Formulierungen. Daneben beobachten wir etwas angespannt die Ann\u00e4herungsversuche an die Pius-Bruderschaft. Ich hoffe sehr, dass Papst Franziskus die volle Anerkennung der Beschl\u00fcsse des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Ma\u00dfstab macht f\u00fcr eine R\u00fcckkehr in den Scho\u00df der katholischen Kirche. Die erneute Exkommunikation von Richard Williamson w\u00e4re zudem die angemessene Antwort auf seine Holocaust-Leugnung. In dieser Frage gibt es keine Kompromisse!<\/p>\n<p>Im kommenden Jahr feiert die evangelische Kirche das gro\u00dfe Reformationsjubil\u00e4um. Nicht nur, aber auch aus diesem Anlass sind wir mit der EKD ebenfalls in intensiven Gespr\u00e4chen. Denn eine eindeutige Abkehr von jeder Art der Judenmission ist eben noch nicht in allen evangelischen Gruppierungen zu finden. Hier erwarten wir ein klares Signal der EKD, die sich im \u00dcbrigen sehr vorbildlich mit den judenfeindlichen Schriften von Martin Luther auseinandergesetzt hat und dieses Thema beim Reformationsjubil\u00e4um auch nicht aussparen will.<\/p>\n<p>Doch da ich hier ja in der Katholischen Akademie in Bayern spreche, m\u00f6chte ich noch auf ein weiteres Jubil\u00e4um im n\u00e4chsten Jahr aufmerksam machen. Sehen Sie es mir, dem W\u00fcrzburger, nach. Im kommenden Jahr begeht W\u00fcrzburg den 400. Todestag von Julius Echter. Eine kritische Auseinandersetzung mit der sehr ambivalenten Pers\u00f6nlichkeit des einstigen F\u00fcrstbischofes hat bereits begonnen. Julius Echter war Universit\u00e4ts- und Spitalstifter, aber auch ein strenger Verfechter der Hexen- und der Judenverfolgung. Sein Spital errichtete er auf dem j\u00fcdischen Friedhof. Bei allem Stolz auf das Juliusspital und nat\u00fcrlich das dazugeh\u00f6rige Weingut, d\u00fcrfen diese Seiten nicht ausgeblendet werden. Das gilt auch f\u00fcr die geplante Di\u00f6zesan-Ausstellung.<\/p>\n<p>Dass heutzutage ein Vertreter der j\u00fcdischen Gemeinschaft eingeladen wird, zu 50 Jahre \u201eNostra Aetate\u201c oder in einer katholischen Akademie zu sprechen, und dass auch niemand erwartet, dann nur Lobeshymnen zu h\u00f6ren, das steht f\u00fcr mich symbolisch f\u00fcr das gute Verh\u00e4ltnis zwischen Judentum und katholischer Kirche.<\/p>\n<p>Wir sprechen nicht \u00fcbereinander, sondern miteinander. Und es gibt immer h\u00e4ufiger Situationen, in denen wir uns in einem Boot f\u00fchlen. Etwa wenn es um Fragen geht, die eine zunehmend religionslose Gesellschaft oder den Werteverfall betreffen. Und als 2012 pl\u00f6tzlich durch das Urteil des K\u00f6lner Landgerichts die Beschneidung in Frage stand, stand die katholische Kirche, ebenso wie \u00fcbrigens die evangelische Kirche, solidarisch an unserer Seite.<\/p>\n<p>Papst Johannes Paul II. hat das Judentum einmal als den \u00e4lteren Bruder des Christentums bezeichnet. Das ist nicht nur theologisch sehr treffend. Es beschreibt auch gut unser heutiges Verh\u00e4ltnis: Nat\u00fcrlich kann es in einzelnen Fragen mal, wenn ich es so salopp ausdr\u00fccken darf, Zoff geben. Dann rumpelt es mal. Dann kriegen sich die beiden Br\u00fcder auch schon mal in die Haare. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied zu den Jahrhunderten zuvor: Sie ringen in gegenseitigem Respekt und nicht wie Kain und Abel. Sie haben das Ziel, sich gegenseitig am Leben zu lassen.<\/p>\n<p>Ziemlich h\u00e4ufig werde ich inzwischen gefragt, ob der j\u00fcdisch-christliche Dialog noch zeitgem\u00e4\u00df sei, oder ob er nicht zu einem Trialog mit dem Islam erweitert werden m\u00fcsste. Es ist sicherlich eine gute Absicht, die hinter dieser Frage steckt. Ich sage aber klipp und klar: Am j\u00fcdisch-christlichen Dialog sollten wir unbedingt festhalten. Die Judenfeindschaft, die die Kirchen \u00fcber Jahrhunderte gepflegt haben, l\u00e4sst sich nicht innerhalb weniger Jahrzehnte beiseite wischen. Noch gibt es offene Fragen und auch nicht verheilte Wunden. Es ist so wichtig, dass wir das Fundament, auf dem wir stehen, noch weiter festigen. Und glauben Sie mir, Rabbiner und christliche Theologen sind viel zu diskussionsfreudig, um nicht noch f\u00fcr Jahrzehnte ausreichend Stoff f\u00fcr den Dialog zu haben!<\/p>\n<p>Der Dialog sollte bleiben, aber kann nat\u00fcrlich um einen Trialog erg\u00e4nzt werden. Das geschieht ja auch schon. Die beiden Kirchen und wir Juden sind im Austausch mit muslimischen Verb\u00e4nden. Die Tatsache, dass es nicht einen gro\u00dfen muslimischen Verband gibt, der die deutliche Mehrheit der Muslime in Deutschland vertritt, macht das Gespr\u00e4ch etwas schwieriger, aber verhindert es nicht. Und je mehr islamisch-theologische Lehrst\u00fchle wir in Deutschland haben und je mehr es muslimischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt, desto h\u00e4ufiger ergeben sich ohnehin Begegnungen. Desto notwendiger wird allerdings auch der Austausch.<\/p>\n<p>Es klingt vielleicht merkw\u00fcrdig, aber zum j\u00fcdischen Leben in Deutschland geh\u00f6rt auch Israel. Und wenn ich mir die Bedeutung anschaue, die Israel f\u00fcr uns Juden hat, h\u00e4tte ich eigentlich schon viel fr\u00fcher darauf zu sprechen kommen m\u00fcssen. Wollen wir das j\u00fcdische Leben in Deutschland also bebildern, k\u00f6nnen wir auch dieses Foto des Israelischen Botschafters Yakov Hadas-Handelsman mit mir und Au\u00dfenminister Frank-Walter Steinmeier verwenden.<\/p>\n<p>Israel hat in Deutschland insgesamt einen besonderen Stellenwert. Das gilt nat\u00fcrlich vor allem f\u00fcr die Politik. Doch auch wenn wir uns die Debatten in unserem Land anschauen, l\u00e4sst sich feststellen: Es gibt wohl kaum ein anderes Land dieser Gr\u00f6\u00dfe \u2013 Israel ist etwa so gro\u00df wie Hessen \u2013, das so viel Aufmerksamkeit und so viel Kritik erntet wie Israel. So erh\u00e4lt auch der Zentralrat sehr h\u00e4ufig Medienanfragen zu Israel, und gelegentlich m\u00fcssen wir darauf hinweisen, dass wir nicht die Konsular-Abteilung der Israelischen Botschaft sind.<\/p>\n<p>Israel zu kritisieren, ist in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung fast so etwas wie ein Gesellschaftssport geworden. Daher will ich hier ganz deutlich unterstreichen: F\u00fcr alle Juden weltweit ist Israel der sichere Hafen. Israel ist unsere R\u00fcckversicherung. Daher werden wir dem j\u00fcdischen Staat niemals neutral gegen\u00fcberstehen. Die Existenz Israels ist f\u00fcr uns nicht eine Frage der Staatsr\u00e4son, sondern der Lebensr\u00e4son. H\u00e4tte es 1933 bis 1945 den j\u00fcdischen Staat gegeben, w\u00e4re es nicht zu dem gekommen, zu dem es gekommen ist.<\/p>\n<p>Diese Bedeutung Israels f\u00fcr uns Juden wird au\u00dferhalb der j\u00fcdischen Community h\u00e4ufig nicht in vollem Ausma\u00df wahrgenommen. Und leider schwindet der R\u00fcckhalt, den Israel in Deutschland hat. Anl\u00e4sslich des Jubil\u00e4ums 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, das im vergangenen Jahr gefeiert wurde, hatte die Bertelsmann Stiftung eine Umfrage gemacht. Dabei kam heraus: 48 Prozent der Deutschen haben eine ablehnende Haltung zu Israel. Jeder zweite Deutsche lehnt eine politische Unterst\u00fctzung Israels im Nahostkonflikt ab. 62 Prozent gaben an, eine schlechte Meinung \u00fcber die israelische Regierung zu haben. Und nur 40 Prozent waren der Meinung, dass Deutschland eine besondere Verantwortung gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Volk tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Es war vor 50 Jahren alles andere als selbstverst\u00e4ndlich, dass Israel bereit war, die Hand zur Vers\u00f6hnung auszustrecken und mit der Bundesrepublik diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Solche Umfragewerte stimmen mich daher sehr nachdenklich. Es geht ja nicht darum, dass man Israel nicht kritisieren d\u00fcrfte. Jeder ist frei darin, die Politik der israelischen Regierung zu bewerten. Wir erwarten allerdings, dass an Israel die gleichen Ma\u00dfst\u00e4be und keine strengeren angelegt werden als an andere Staaten. Wieso konnte sich der Begriff \u201eIsrael-Kritik\u201c einb\u00fcrgern? Es gibt aber nicht die Ausdr\u00fccke \u201eIrak-Kritik\u201c oder \u201eNordkorea-Kritik\u201c \u2013 Staaten, bei denen solche Begriffe eindeutig mehr Berechtigung h\u00e4tten. Wieso bilden sich Gruppen, die israelische Waren besonders etikettieren oder gar boykottieren wollen? Wieso werden keine Waren aus Diktaturen boykottiert? Leider hat dieser Umgang mit Israel oft nichts mehr mit einer sachlichen Kritik zu tun. Nein, es ist der alte Antisemitismus in neuem Gewand, dem wir begegnen. Doch wie sagte einst Golda Meir, die fr\u00fchere Ministerpr\u00e4sidentin Israels? \u201ePessimismus ist ein Luxus, den ein Jude sich nicht leisten kann.\u201c<\/p>\n<p>Es gibt ja auch noch eine andere Seite der Medaille. Viele B\u00fcrger in Deutschland engagieren sich f\u00fcr Israel. Und aus dem anfangs zarten Pfl\u00e4nzchen der diplomatischen Beziehungen ist eine wahre Erfolgsgeschichte geworden: Es gibt mehr als 100 Partnerschaften zwischen deutschen und israelischen St\u00e4dten. Seit Bestehen der Beziehungen haben insgesamt 700.000 israelische und deutsche Jugendliche an Austauschprogrammen teilgenommen. 2015 besuchten rund 200.000 Deutsche Israel, davon 60 Prozent nicht zum ersten Mal.<\/p>\n<p>Auch hier gilt: Wenn wir einander begegnen, w\u00e4chst das gegenseitige Verst\u00e4ndnis. Wer einmal in Israel war und einen Sirenenalarm miterlebt hat, wer die Sicherheitskontrollen an Einkaufszentren mitgemacht hat und wer pl\u00f6tzlich selbst ein unsicheres Gef\u00fchl an der Bushaltestelle versp\u00fcrt, weil dort eine herrenlose Tasche steht, der wird sich k\u00fcnftig mit vorschnellen Urteilen \u00fcber die israelische Politik vermutlich ein wenig zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p>Dieser Vortrag war \u00fcberschrieben mit dem Titel: \u201eJ\u00fcdisches Leben in Deutschland heute\u201c. Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar Eindr\u00fccke vermitteln. Ich habe Ihnen auch von unseren Sorgen berichtet und von Bedrohungen des j\u00fcdischen Lebens. Trotz allem \u00fcberwiegt bei mir aber die Zuversicht. Und ich hoffe, das haben Sie gesp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Daher m\u00f6chte ich schlie\u00dfen mit einem meiner pers\u00f6nlichen Leitspr\u00fcche. Er stammt von David Ben-Gurion, dem ersten Ministerpr\u00e4sidenten von Israel: \u201eWer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich freue mich sehr, heute hier in der Katholischen Akademie zu Gast zu sein und danke herzlich f\u00fcr diese Einladung! Sehr gerne werde ich versuchen, Ihnen einen kompakten \u00dcberblick \u00fcber das heutige j\u00fcdische Leben in Deutschland zu geben. 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