{"id":118386,"date":"2026-01-30T10:42:45","date_gmt":"2026-01-30T09:42:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118386"},"modified":"2026-01-30T10:42:48","modified_gmt":"2026-01-30T09:42:48","slug":"erloesung-zwischen-glauben-erkenntnis-und-stellvertretung-die-sicht-des-buddhismus","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/erloesung-zwischen-glauben-erkenntnis-und-stellvertretung-die-sicht-des-buddhismus\/","title":{"rendered":"Salvation between faith, knowledge and substitution"},"content":{"rendered":"<p>Um die buddhistische Seite dieses Themas darzustellen, m\u00f6chte ich zuerst der Frage nachgehen: Was ist Erl\u00f6sung, Erl\u00f6sung wovon, wozu und Erl\u00f6sung wie? \u201eErl\u00f6sung\u201c oder das deutsche Verb \u201eerl\u00f6sen\u201c, sagt eigentlich schon viel aus: Er-l\u00f6sen, da schwingt irgendwie schon mit \u201esich l\u00f6sen\u201c und loslassen, aufgeben, sich befreien, eventuell auch andere erl\u00f6sen und befreien.<\/p>\n<p>Erl\u00f6sung wovon? Von Leiden, das ist die kurze Antwort, aber ich m\u00f6chte hier etwas weiter ausholen. Es ist auch die Unzul\u00e4nglichkeit, die Unvollkommenheit des ganzen Daseins, was uns unzufrieden macht. Wir nennen es \u201edukkha\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Leiden, Ursache und Erl\u00f6sung nach den vier edlen Wahrheiten<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leiden hat der Buddha als erste edle Wahrheit bezeichnet. Wohlgemerkt: eine edle Wahrheit, nicht blo\u00df eine Wahrheit. Denn wenn man Leiden wirklich anschaut und durchschaut, ist es m\u00f6glich sich von Leiden zu l\u00f6sen, Erl\u00f6sung zu erlangen. Leiden ist das Tor zur Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Dabei ist Leiden nicht nur das offensichtliche Leiden, das wir alle hie und da kennen, physische Schmerzen, Verletzungen, Krankheiten, Verfall, Tod \u2013 auch psychische Schmerzen wie Verlust, Trauer, Angst, Sorgen, Kummer, Verzweiflung. Nat\u00fcrlich gibt es auch Gl\u00fcck und Freude in unserem Leben. Aber dieses Gl\u00fcck, diese Gl\u00fccksmomente, sind labil und unbest\u00e4ndig, wir k\u00f6nnen sie nicht halten und kontrollieren, sie sind bedingt. Unser Gl\u00fcck h\u00e4ngt von so vielen Umst\u00e4nden und Bedingungen ab, wie zum Beispiel sch\u00f6nes Wetter, angenehme Temperaturen, Gesundheit, Zusammensein mit Familie oder Freunden, gutes Essen und Trinken (ausreichend aber auch nicht zu viel!), Erfolg, Lob&#8230; F\u00e4llt auch nur eine dieser Bedingungen weg oder \u00e4ndert sich ins Negative, ist unser Gl\u00fcck dahin. \u201eDas einzig Best\u00e4ndige ist der Wandel\u201c, hei\u00dft es, und wir Buddhisten nennen es das st\u00e4ndige Entstehen und Vergehen. Und das ist unbefriedigend und l\u00e4sst uns leiden.<\/p>\n<p>In der zweiten edlen Wahrheit hat der Buddha analysiert, was die Ursache unseres Leidens ist. Es ist das Begehren, der Durst, das Verlangen, das st\u00e4ndige Haben- und Sein-Wollen, das Nie- genug-Kriegen. Umfassender ausgedr\u00fcckt sind die Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung die Ursache f\u00fcr Leiden \u2013 oder noch allgemeiner \u2013 die Geistesbefleckungen, Herzenstr\u00fcbungen oder Negativit\u00e4ten und Verunreinigungen des Geistes. Diese sind n\u00e4mlich zusammen mit unserem Karma (Tatabsichten, auf die sp\u00e4ter noch einmal einzugehen ist) verantwortlich f\u00fcr die Erfahrung von Leiden, in diesem Leben und im ganzen Sa\u1e43s\u0101ra, dem Kreislauf von Geburt und Tod.<\/p>\n<p>Um Erl\u00f6sung zu erlangen, m\u00fcssen wir uns von diesen Ursachen l\u00f6sen, sie beseitigen. Denn wo immer es eine Ursache f\u00fcr etwas Unerw\u00fcnschtes gibt, l\u00e4sst sich diese Wirkung vermeiden, indem man die Ursache abstellt. So lehrte der Buddha in der dritten edlen Wahrheit, dass es ein Ende des Leidens gibt, dass es Erl\u00f6sung gibt. Es gibt das jenseitige Ufer, wie es oft bezeichnet wird, es gibt Vollkommenheit, Sicherheit, best\u00e4ndiges Gl\u00fcck, das nicht mehr von Bedingungen abh\u00e4ngt, und vollkommenen Frieden. Wir nennen es Nirv\u0101\u1e47a.<\/p>\n<p>Nirv\u0101\u1e47a ist nicht das Nichts, keine Vernichtung (es gibt der buddhistischen Auffassung nach ja keine best\u00e4ndige Seele oder dergleichen, die vernichtet werden k\u00f6nnte), sondern ein transzendenter Zustand, der \u00fcber unsere Sinnenwelt hinausgeht. \u201eNirv\u0101\u1e47a ist Frieden\u201c hei\u00dft es in den Schriften.<\/p>\n<p>Nirv\u0101\u1e47a wird auch als Erl\u00f6schen bezeichnet. Erl\u00f6schen \u2013 erl\u00f6sen; wie \u00e4hnlich sich die Worte schon sind! Nirv\u0101\u1e47a ist das Erl\u00f6schen von den brennenden, alles verzehrenden, nie zufriedengestellten Feuern des Begehrens. Das Erl\u00f6schen von Gier, Hass und Verblendung, die immer zu Leiden f\u00fchren \u2013 oder es schon selbst sind (denken wir an Hass: als hassender, aversiver oder \u00e4ngstlicher Mensch leiden wir) \u2013 irreversibel \u2013 sie k\u00f6nnen in keiner Situation mehr wiederentstehen.<\/p>\n<p>Wie man Gier, Hass und Verblendung \u00fcberwindet, also wie man Erl\u00f6sung erlangt, lehrt der Buddha ganz praktisch in der vierten edlen Wahrheit, dem edlen achtfachen Pfad. Er l\u00e4sst sich in K\u00fcrze zusammenfassen als Ethik, das hei\u00dft ethisches Verhalten, Sammlung oder heilsames Geistestraining, und die Entwicklung und Anwendung von Weisheit.<\/p>\n<p>Erl\u00f6sung findet im Buddhismus ohne \u201eErl\u00f6ser\u201c statt. Also keine Erl\u00f6sung von au\u00dfen her, keine Fremderl\u00f6sung (kleine Ausnahme: In der Reinen Land-Schule, dem Amida-Buddhismus in Ostasien, kann tats\u00e4chlich eine Erl\u00f6sung durch den transzendenten Buddha Amitabha bei Wiedergeburt in dessen reinem Land Sukhavati stattfinden). F\u00fcr uns ist es Selbst-Erl\u00f6sung, die eigene Erl\u00f6sung, indem wir den vom Buddha gewiesenen und vorausgegangenen Weg selbst gehen. Allerdings gibt es auf h\u00f6chster Ebene weder einen Erl\u00f6ser noch einen Erl\u00f6sten. Warum? Weil es im Buddhismus kein \u201eSelbst\u201c gibt, kein Ich, keinen unver\u00e4nderlichen Wesenskern, keine best\u00e4ndige Seele, sondern \u201eanatta\u201c, Nicht-Selbst. Das Konzept ich, du, Mensch, Wesen besteht nur aus k\u00f6rperlich-materiellen, physikalischen Ph\u00e4nomenen und geistig-mentalen, psychischen Ph\u00e4nomenen, die allesamt fl\u00fcchtig sind, bedingt, und auch selbst wieder bedingen. Dies will auch ein bekannter Vers aus dem Visuddhimagga, dem Weg zur Reinheit, ausdr\u00fccken:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht gibt es der Taten T\u00e4ter,<br \/>\nniemand den die Wirkung trifft,<br \/>\nnur leere Dinge zieh&#8217;n vor\u00fcber,<br \/>\nwer dies erkennt hat wahre Sicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leiden tritt aufgrund von Begehren ganz nat\u00fcrlich in diesen Prozessen auf. Leiden ist auch erkl\u00e4rt durch Unwissenheit, Ignoranz, Verblendung bedingt \u2013 vereinfacht in der Lehre des bedingten Entstehens mittels 12 Faktoren. Eine vollst\u00e4ndige, exakte Erkl\u00e4rung findet sich im Abhidhamma, der h\u00f6heren buddhistischen Philosophie, und zwar im Pa\u1e6d\u1e6dh\u0101na (Bedingungszusammenh\u00e4nge), wo exakt erkl\u00e4rt wird, wie, mittels welcher Kraft eine Ursache eine Wirkung hervorbringt, und dass es ein komplexes, mehr-dimensionales Netzwerk von Bedingungen ist, die zusammenwirken, um zum Beispiel Leiden zu erzeugen \u2013 oder auch Leiden aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>M\u00fcssen wir dies alles glauben? Sicher nicht blind<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier ein bisschen der allgemeinen Auffassung, Glaube sei Nicht-Wissen, nachgehen. Warum wissen wir nicht? Wegen Verblendung, Verwirrung, weil unser Geist vernebelt oder verdunkelt ist. Sobald man Licht in die Dunkelheit bringt, sieht man, erkennt man und statt Unwissenheit ist Wissen da.<\/p>\n<p>Im Buddhismus wird Glaube meist synonym mit Vertrauen verwendet. Und Vertrauen, so hei\u00dft es, ist in jeder heilsamen Handlung, in jedem guten Gedanken pr\u00e4sent. Um uns auf eine neue Praxis wie die Meditation einzulassen, brauchen wir erst einmal etwas Vertrauen, wir investieren einen gewissen Vertrauensvorschuss, um die Sache auszuprobieren, ihr eine Chance zu geben. Nach der \u00dcbung hinterfragt man dann, ob und wie die Meditation gewirkt hat, und wenn man feststellt, dass sie heilsam wirkt, einen guten Einfluss hat, dann st\u00e4rkt das das urspr\u00fcnglich geringe Vertrauen und man wird weitermachen, mit Freude und Energie.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es so viele Lehren, Praktiken, Techniken, Philosophien, Religionen, Meister und Gurus und alle behaupten, sie haben Recht, sie und nur sie f\u00fchren zur Erl\u00f6sung. Wem also glauben, auf was einlassen, wem folgen?<\/p>\n<p>Dazu m\u00f6chte ich aus der bekannten Lehrrede des Buddha an das Volk der K\u0101l\u0101mer zitieren, dem K\u0101l\u0101ma- oder Kesamutti-Sutta: \u201eGeht, K\u0101l\u0101mer, nicht nach H\u00f6rensagen, nicht nach \u00dcberlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorit\u00e4t heiliger Schriften, nicht nach blo\u00dfen Vernunftgr\u00fcnden und logischen Schl\u00fcssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck pers\u00f6nlicher Vorz\u00fcge, nicht nach der Autorit\u00e4t eines Meisters! Wenn ihr aber selber erkennt: \u201aDiese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verst\u00e4ndigen getadelt, und, wenn ausgef\u00fchrt und unternommen, f\u00fchren sie zu Unheil und Leiden\u2018, dann o K\u0101l\u0101mer, m\u00f6get ihr sie aufgeben.\u201c<\/p>\n<p>Danach erkl\u00e4rt der Buddha, dass alles, was mit Gier, Hass und Verblendung verbunden ist, unheilsam ist, da man dadurch geneigt ist, die ethischen Regeln nicht einzuhalten. \u201eGeht, K\u0101l\u0101mer, nicht nach H\u00f6rensagen, nicht nach \u00dcberlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorit\u00e4t heiliger Schriften, nicht nach blo\u00dfen Vernunftgr\u00fcnden und logischen Schl\u00fcssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck pers\u00f6nlicher Vorz\u00fcge, nicht nach der Autorit\u00e4t eines Meisters! Wenn ihr aber selber erkennt: \u201aDiese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von den Verst\u00e4ndigen gepriesen, und, wenn ausgef\u00fchrt und unternommen, f\u00fchren sie zu Segen und Wohl\u2018, dann, o K\u0101l\u0101mer, m\u00f6get ihr sie euch zu eigen machen.\u201c<\/p>\n<p>Und alles, was heilsam ist, erkl\u00e4rt der Buddha hier, ist verbunden mit Gierlosigkeit, das hei\u00dft Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, mit Hasslosigkeit, also liebender G\u00fcte, und mit Verblendungslosigkeit, was nichts anderes als Weisheit ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Unersch\u00fctterliches Vertrauen durch eigene Erkenntnis<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Glaube beziehungsweise Vertrauen wird nicht ersetzt oder geringer durch die eigene Erfahrung, die eigene Erkenntnis. Vertrauen und Hingabe wachsen, je mehr man selbst erkennt. Beim Stromeingetretenen, der Nirv\u0101\u1e47a erstmals selbst erkannt hat, wird Vertrauen unersch\u00fctterlich. Klar, er hat das Ziel mit eigenen Augen gesehen, es gibt keinen Zweifel mehr, er wei\u00df aus eigener Erfahrung, dass der Weg funktioniert und es Erl\u00f6sung wirklich gibt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich brauchen wir auch im Buddhismus Glaube oder Vertrauen in etwas, das wir noch nicht selbst vollst\u00e4ndig erfahren und verstanden haben. Der Buddha empfiehlt zum Beispiel dem Konzept der Wiedergeburt oder der Karma-Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit \u00fcber den Tod hinaus die M\u00f6glichkeit der Richtigkeit einzur\u00e4umen. In einigen Gespr\u00e4chen erl\u00e4utert er, wie das zu mehr Gl\u00fcck schon in diesem Leben f\u00fchrt \u2013 umso mehr, wenn es ein n\u00e4chstes gibt. Oder der Glaube in die meditativen Vertiefungen, die wir noch nicht erlangt haben, die wir mit eifriger \u00dcbung aber doch auch selbst erreichen und somit \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Buddhismus ist eigene Erkenntnis das Ausschlaggebende auf dem Weg zur Erl\u00f6sung, kein blo\u00dfes, theoretisches B\u00fccherwissen, sondern eigenes, intuitives Wissen durch Durchdringen und Verstehen der Wirklichkeit. Nur dies f\u00fchrt zu Weisheit \u2013 und zwar auf dem Stufenweg Ethik, Konzentration, Weisheit.<\/p>\n<p>Die befreiende Weisheit oder Erl\u00f6sung zu erlangen erfolgt der Lehre des Buddha nach auf einem Stufenweg der Erkenntnisse, in denen man die letztendliche Natur des Meditationsobjekts und \u00fcberhaupt aller Dinge und Ph\u00e4nomene erkennt, Ern\u00fcchterung erf\u00e4hrt, Begehren und Illusionen loslassen kann und sich damit letztlich befreien und erl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>Es ist die Einsichts- oder Erkenntnis- Meditation, die zu Klarblick f\u00fchrt. Achtsamkeit spielt dabei eine wesentliche Rolle, aber ist nicht Selbstzweck, sondern n\u00f6tig zur Entwicklung von Weisheit, um die Dinge so zu sehen wie sie wirklich sind. Nur wenn wir die Dinge ihrer Wirklichkeit gem\u00e4\u00df sehen, k\u00f6nnen wir loslassen und uns befreien. Deshalb hei\u00dft \u201eVipassan\u0101\u201c auch \u201eanders sehen\u201c, n\u00e4mlich das Erkennen der letztendlichen, ultimativen Ebene der Wirklichkeit jenseits der konventionellen Wahrheit und Konzepte. Stellvertreter f\u00fcr die Wahrheit, die Erl\u00f6sung, f\u00fcr den Weg ist f\u00fcr uns in erster Linie der Buddha, dann auch die Arahats, die Befreiten, Erl\u00f6sten, die seinem Weg nachgefolgt sind, und alle Heiligen, Edlen, Verwirklichten, die bezeugen, dass Erl\u00f6sung m\u00f6glich ist im Hier und Jetzt, die uns als Vorbilder dienen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich ist auch der Sa\u1e45gha Stellvertreter, der Orden des Buddha, die M\u00f6nche und Nonnen, die Erl\u00f6sung repr\u00e4sentieren. Aber auch all diejenigen, die den Dharma (die Lehre des Buddha) leben und umsetzen \u2013 nach dem bekannten Dhammapada-Vers:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von allem B\u00f6sen abzusteh\u2018n,<br \/>\nDas Gute zu vermehren stets,<br \/>\nZu l\u00e4utern seinen eignen Geist:<br \/>\nDas ist der Buddhas Lehrgebot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Buddha ist f\u00fcr uns \u201enur\u201c Lehrer, Wegweiser, edler Freund, gehen m\u00fcssen wir den Weg, den er gewiesen und vorausgegangen ist, selbst. Kurz vor seinem Tod, nach einem Nachfolger befragt, sagte der Buddha: \u201eDer Dharma (die Lehre\/Wahrheit) sei euer Lehrer, eure Leuchte, Insel, Zuflucht.\u201c Dies stellt uns in die Selbstverantwortung und versichert uns, dass wir auch selbst gehen k\u00f6nnen, Erl\u00f6sung erlangen k\u00f6nnen. Ganz nach dem Motto: \u201eJeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied\u201c. Oder auch: \u201eWie man s\u00e4t, so wird man ernten\u201c, \u201ewie man in den Wald hineinruft, so schallt er heraus\u201c, \u201ewie man sich bettet, so liegt man\u201c. Und damit sind wir eigentlich schon bei Karma.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Karma-Gesetz und Bodhisattvas als Gnade<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter Karma versteht der Buddha die Absicht, die Motivation, die einer Handlung zugrunde liegt, sei es eine k\u00f6rperliche, verbale oder geistige Handlung. Das Karma-Gesetz ist vergleichbar mit einem Naturgesetz und besagt, dass jede absichtsvolle Handlung eine Wirkung hat. Gutes Karma f\u00fchrt zu guten Ergebnissen, schlechtes zu schlechten. Wir sind jetzt das Produkt unserer fr\u00fcheren Taten und wir werden in Zukunft das Produkt unserer jetzigen Taten sein.<\/p>\n<p>Wir haben alle in diesem Leben und im ganzen Sa\u1e43s\u0101ra Gutes wie Schlechtes getan. Reue hilft nicht. Was getan ist, ist getan. Geschehenes kann nicht ungeschehen gemacht werden. Aber wir haben immer die M\u00f6glichkeit, etwas dagegen zu setzen, um die Folgen abzumildern oder unwahrscheinlich zu machen \u2013 dies empfinde ich als Gnade.<\/p>\n<p>Wir haben immer wieder die Chance, neu anzufangen, uns zu bessern, ab heute Gutes zu tun. Der Buddha erkl\u00e4rte es anhand des Gleichnisses vom Salzklumpen. Gibt man n\u00e4mlich einen Salzklumpen in ein Glas Wasser, so wird dies ungenie\u00dfbar. Wirft man aber den Salzklumpen in einen Fluss \u2013 wie hier die Isar \u2013 so wird deswegen nicht das ganze Isarwasser salzig und ungenie\u00dfbar; die Wirkung ist vernachl\u00e4ssigbar gering. Analog ist es, sagt der Buddha, wenn jemand, der wenig Gutes getan hat, eine b\u00f6se Handlung aus\u00fcbt: Die Wirkung wird bei ihm fatal sein. \u00dcbt aber jemand dieselbe b\u00f6se Handlung aus, der ansonsten sehr viel Gutes getan hat, so ist die Auswirkung f\u00fcr ihn nur marginal. Und wir k\u00f6nnen jederzeit Gutes tun, viel Wasser zum Salz geben, und damit seine Wirkung verd\u00fcnnen oder gar belanglos machen.<\/p>\n<p>Wir sind also nicht nur das Produkt unserer Vergangenheit. Nicht alles ist determiniert. Wir haben auch Entscheidungsfreiheiten und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten. Die Existenz des Karma-Gesetzes, mit dem ich Einfluss nehmen kann, mich Richtung Erl\u00f6sung vorarbeiten kann, ist in gewisser Weise Gnade.<\/p>\n<p>Auch dass es Bodhisattvas gibt, die vielen Wesen helfen, kann als Gnade gesehen werden. Hierbei gibt es jedoch unterschiedliche Auffassungen im Mah\u0101y\u0101na und Therav\u0101da, was die Art des Helfens betrifft, die Gel\u00fcbde, die Bedingungen, um ein Bodhisattva zu werden und den Weg, n\u00e4mlich die Vervollkommnung von sechs beziehungsweise zehn Tugenden. Ein Bodhisattva ist noch nicht erwacht, noch unerleuchtet, strebt aber voller Entschlossenheit die Erleuchtung und Buddhaschaft an. Er handelt selbstlos aufgrund von starkem Mitgef\u00fchl und dem gro\u00dfen Ziel der vollen Buddhaschaft.<\/p>\n<p>Im Mah\u0101y\u0101na und Vajray\u0101na (tibetischer Buddhismus) kann ein Bodhisattva erl\u00f6sen, das hei\u00dft andere zur Erl\u00f6sung bringen, und er gelobt sogar, erst alle Wesen zum Nirv\u0101\u1e47a zu f\u00fchren, bevor er selbst eingeht. W\u00f6rtlich genommen funktioniert dies offensichtlich nicht, sonst g\u00e4be es nach dem Buddha und bei den vielen Bodhisattvas keine unerl\u00f6sten Lebewesen mehr und wir w\u00e4ren gar nicht hier. Aber nat\u00fcrlich soll dieses Gel\u00f6bnis nur die Motivation des Bodhisattvas ausdr\u00fccken, dass er immer zuerst an andere denkt, den anderen hilft und ihnen Gutes tut, bevor er an sich denkt.<\/p>\n<p>Nach dem Therav\u0101da, dem urspr\u00fcnglichen Buddhismus, der uns im P\u0101\u1e37ikanon \u00fcberliefert ist, kann ein Bodhisattva andere nicht erl\u00f6sen, er kann allerdings vielf\u00e4ltig weltlich helfen und die Tugenden wie Gebefreudigkeit, Ethik, Geduld und dergleichen lehren und vor allem vorleben. Zur Erl\u00f6sung f\u00fchren kann er als Unerleuchteter, Unerl\u00f6ster nicht, denn: \u201eWer selbst (noch) im Sumpf steht, kann andere nicht herausziehen.\u201c In diesem Sinne sei mit dem traditionellen Wunsch geschlossen: \u201eM\u00f6gen alle Wesen gl\u00fccklich sein, frei von Leiden und frei von den Ursachen des Leidens!\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die buddhistische Seite dieses Themas darzustellen, m\u00f6chte ich zuerst der Frage nachgehen: Was ist Erl\u00f6sung, Erl\u00f6sung wovon, wozu und Erl\u00f6sung wie? \u201eErl\u00f6sung\u201c oder das deutsche Verb \u201eerl\u00f6sen\u201c, sagt eigentlich schon viel aus: Er-l\u00f6sen, da schwingt irgendwie schon mit \u201esich l\u00f6sen\u201c und loslassen, aufgeben, sich befreien, eventuell auch andere erl\u00f6sen und befreien. Erl\u00f6sung wovon? 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