{"id":118388,"date":"2026-01-30T10:44:39","date_gmt":"2026-01-30T09:44:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=118388"},"modified":"2026-01-30T10:44:39","modified_gmt":"2026-01-30T09:44:39","slug":"triadisch-trinitarisches-system-der-christlichen-erloesungslehre","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/triadisch-trinitarisches-system-der-christlichen-erloesungslehre\/","title":{"rendered":"Triadisch-trinitarisches System der christlichen Erl\u00f6sungslehre"},"content":{"rendered":"<p>Das Christentum ist eine Erl\u00f6sungsreligion. Gott l\u00e4sst uns mit der Macht des B\u00f6sen nicht allein. Durch Jesus angeleitet beten Christen immer wieder: Erl\u00f6se uns vom B\u00f6sen \u2013 im Vertrauen darauf, dass diese Erl\u00f6sung durch Jesus Christus bereits geschehen ist. Christen glauben an Christus den Erl\u00f6ser. Es gibt aber viele Gr\u00fcnde, die diesen Glauben heute leblos und unwirksam werden lassen. Einer davon ist sicherlich die Engf\u00fchrung auf die Erl\u00f6sung von den S\u00fcnden durch Christi S\u00fchnetod am Kreuz. Die darin implizierte Fokussierung auf die S\u00fcnden als den eigentlichen Ort des B\u00f6sen sowie die damit verbundene Vorstellung vom Tod Jesu als Opfertod, durch den Gott vers\u00f6hnt worden ist, haben die Erl\u00f6sungslehre ins Zwielicht geraten lassen.<\/p>\n<p>Es gilt, den Blick zu weiten. Die Erl\u00f6sung ist das Werk Gottes, des dreieinigen Gottes. Der Vater, der Sohn und der Geist sind am Werk der Erl\u00f6sung beteiligt. Von daher ist der Erl\u00f6sungslehre eine triadische Struktur vorgegeben. Sie best\u00e4tigt sich im Blick auf das, wovon die Erl\u00f6sung geschieht. \u201eFreue dich, Seele, die H\u00f6lle erlieget, S\u00fcnde und Satan und Tod sind besieget\u201c, so hei\u00dft es in dem alten Osterlied \u201eSeele dein Heiland ist frei von den Banden\u201c. Die klassische Theologie hat S\u00fcnde, Tod und Teufel als die drei Manifestationen des B\u00f6sen gekannt und die Erl\u00f6sung f\u00fcr alle drei geltend gemacht. Dazu liegt in der Theologie noch eine weitere Trias bereit, die Lehre von den drei \u00c4mtern Christi als Priester, K\u00f6nig und Prophet. Sie wurde von der reformatorischen Theologie (Bucer, Calvin, sp\u00e4ter dann Barth) entwickelt, um das Erl\u00f6sungswerk Christi zu beschreiben.<\/p>\n<p>Auf komplizierten Wegen ist diese Lehre in die katholische Theologie gelangt. Den gr\u00f6\u00dften Anteil hatte daran der Theologe Matthias Josef Scheeben (1835-1888), und schlie\u00dflich ist sie in der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils grundlegend f\u00fcr die Selbstbeschreibung von Kirche und ihrer \u00c4mter herangezogen worden. Der ekklesiologische Schwerpunkt der katholischen Rezeption der Lehre vom dreifachen Amt Jesu Christi hat vielleicht den Blick daf\u00fcr getr\u00fcbt, dass sie essentiell mit dem Geheimnis der Erl\u00f6sung verbunden ist. Ein evangelischer amerikanischer Theologe, Robert Sherman, hat aber k\u00fcrzlich die Verbindungen der Drei-\u00c4mter-Lehre mit der Erl\u00f6sungslehre aufgedeckt; von seinem Buch \u201eKing, Priest und Prophet. A Trinitarian Theology of Atonement\u201c bin ich zu der folgenden Skizze angeregt worden.<\/p>\n<p>Damit haben wir n\u00e4mlich die triadisch-trinitarische Struktur beisammen: Drei Personen der Trinit\u00e4t \u2013 drei Manifestationen des B\u00f6sen \u2013 drei \u00c4mter Christi des Erl\u00f6sers. Wie h\u00e4ngen diese drei Ebenen zusammen? Das m\u00f6chte ich darlegen. Mehr als eine Skizze kann das Folgende nicht sein. Aber wom\u00f6glich hilft es, den Glauben an die Erl\u00f6sung wieder zu verlebendigen \u2013 im Selbstverst\u00e4ndnis des christlichen Glaubens, im Gespr\u00e4ch mit anderen Religionen, aber dann vor allem auch im Blick auf den Beitrag, den der christliche Glaube f\u00fcr die \u00dcberwindung der Macht des B\u00f6sen heute leisten kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Gottes Heilsplan<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Hymnus des Epheserbriefs ist ausgesprochen, wozu Gott die Welt erschaffen hat: \u201eEr hat uns erw\u00e4hlt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott\u201c (Eph 1,4). Dazu also ist die Welt erschaffen worden, dass wir heilig werden. Und \u201euntadelig\u201c, das hei\u00dft gerecht, denn der lebt ohne Tadel, der den anderen gerecht zu werden vermag. Der Unterschied zwischen der biblischen zur naturwissenschaftlichen Weltauffassung, das kann man sich f\u00fcr heute klarmachen, ist damit deutlich. Kein Naturwissenschaftler w\u00fcrde darauf kommen, dass die Welt f\u00fcr die Heiligkeit bestimmt ist. Unzweifelhaft ist aber, dass die Welt, so wie sie ist, als Ganze nicht heilig ist. Also ist die Welt, so wie sie ist, als Ganze noch nicht das, was sie nach Gottes Absicht sein soll. Christen haben grunds\u00e4tzlich ein kritisches Weltverh\u00e4ltnis. Sie geben sich mit den bestehenden Zust\u00e4nden nicht zufrieden. Sie hoffen auf die Vollendung und Verwandlung der Welt, sie hoffen, dass Gott seine Heilsabsicht verwirklichen wird, und sie arbeiten dieser Vollendung zu, soweit es an ihnen liegt.<\/p>\n<p>Was bedeutet aber \u201eheilig\u201c? Gott allein ist heilig, so hei\u00dft es an vielen Stellen der heiligen Schrift, so bekennen es auch Christen im Gloria der Heiligen Messe. Gott ist \u201eder Heilige\u201c schlechthin und gerade darin von der Sch\u00f6pfung unterschieden. Wenn wir also heilig werden sollen, wie es der Epheserbrief sagt, dann bedeutet das, dass wir selbst Gott werden sollen. Darin besteht Sinn und Absicht der Sch\u00f6pfung, dass die Gesch\u00f6pfe \u2013 zun\u00e4chst wir Menschen, f\u00fcr die Tiere und Pflanzen w\u00e4re das eigens zu kl\u00e4ren \u2013 gottgleich werden. Es ist ungew\u00f6hnlich, das zu h\u00f6ren. Aber die klassische Theologie hat dies, den biblischen Vorgaben folgend, in aller Deutlichkeit ausgesprochen. So zum Beispiel Scheeben in seinem Jugendwerk \u201eNatur und Gnade\u201c (1864). Da f\u00fchrt er aus: Wir werden teilhaftig der g\u00f6ttlichen Natur, wir werden Kinder Gottes im eigentlichen Sinne, wir werden \u201eLicht vom Lichte\u201c (wie es im Glaubensbekenntnis vom Sohn Gottes gesagt ist). \u201eJa, wie er Gott ist, werden auch wir Gott und g\u00f6ttlich genannt.\u201c Als Kinder Gottes \u201eteilen wir seine Herrschaft \u00fcber die Dinge und besitzen und genie\u00dfen dieselben G\u00fcter und Freuden, die er als K\u00f6nig aller Wesen besitzt und genie\u00dft.\u201c Die Erl\u00f6sten werden Kind des Vaters, Bruder und Schwester des Sohnes, Braut des Wortes und Tempel des Heiligen Geistes. Sie nehmen teil am inneren Leben der heiligsten Dreifaltigkeit.<\/p>\n<p>Das Geheimnis der Heiligkeit ist das Geheimnis der Teilhabe. Es ist zugleich das Geheimnis der Erl\u00f6sung. Gott h\u00e4lt nicht daran fest, allein heilig zu sein, er will auch die Menschen heilig machen. Man denkt hier an das Wort der Schlange im Paradies, die Eva und Adam verhie\u00df, wenn sie von der verbotenen Frucht essen w\u00fcrden, w\u00fcrden sie werden wie Gott. Sie hatte recht und unrecht zugleich. Tats\u00e4chlich ist den Menschen verhei\u00dfen, so zu werden wie Gott. Aber der Weg \u00fcber die S\u00fcnde, der \u00dcbertretung von Gottes Verbot, ist unn\u00f6tig. Er f\u00fchrt in den Tod. Gott aber schenkt in dem Erl\u00f6ser Jesus Christus seine heiligmachende Gnade, um die urspr\u00fcngliche Berufung wieder in Kraft zu setzen. Er hat uns, so der Epheserbrief, \u201eim Voraus dazu bestimmt, seine S\u00f6hne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gn\u00e4digen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn\u201c (1,5f). Das Geschehen der Erl\u00f6sung, das hier geschildert wird, wird als Werk des dreieinigen Gottes ausgewiesen: Der Vater hat uns erw\u00e4hlt \u2013 mit dem Segen seines Geistes sind wir gesegnet \u2013 durch unsere Gemeinschaft mit Christus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>S\u00fcnde, Tod und Teufel<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das sind die drei Unheilsfaktoren, die die Welt einstweilen davon abhalten, so zu sein wie Gott es will. Die S\u00fcnde ist die \u00dcbertretung von Gottes Gesetz und Weisung. Wo k\u00f6nnte aber ein Volk einen besseren Gesetzgeber haben als Gott? Welches bessere Gesetz k\u00f6nnte ein Volk haben als das g\u00f6ttliche? Die S\u00fcnder aber meinen es besser zu wissen, sie folgen anderen Gesetzen. Dadurch ist die S\u00fcnde zugleich Bruch der Bundesgemeinschaft. Die Theologie hat von der Beleidigung Gottes durch die S\u00fcnde gesprochen. Sein so verhei\u00dfungsvolles Wort \u201eIhr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein\u201c (Jer 30,22) wird durch die S\u00fcnde zur\u00fcckgewiesen. Die gest\u00f6rte Gemeinschaft zwischen Gott und seinem Volk muss wiederhergestellt werden, darin besteht die Vers\u00f6hnung. Das Ziel ist, wieder in Gemeinschaft mit Gott handeln zu k\u00f6nnen und das zu tun, was ihm gef\u00e4llt \u2013 nicht aus knechtischer Unterw\u00fcrfigkeit, f\u00fcgt Scheeben an dieser Stelle hinzu, sondern aus wahrer Freundschaft.<\/p>\n<p>Der Tod ist f\u00fcr alle Naturwesen Schicksal, f\u00fcr den S\u00fcnder aber ist er Strafe. Die S\u00fcnde ver\u00e4ndert die Wahrnehmung des Todes, ist er doch die schmerzhafte Grenze f\u00fcr das Projekt, aus eigener Kraft wie Gott werden zu wollen. S\u00fcnder wollen es nicht wissen, dass sie an Gottes Leben und damit auch an Gottes Ewigkeit teilhaben. Die Theologie verbindet deshalb mit der Unheilsmacht des Todes in erster Linie Erkenntnis- und Willensschw\u00e4che, das hei\u00dft eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. In der Perspektive des S\u00fcnders ist das ganze Leben ein einziges Ank\u00e4mpfen gegen die Verg\u00e4nglichkeit und Sterblichkeit. \u00dcbersteigerte Selbsterhaltung, grenzenlose Anh\u00e4ufung von Macht, Zukunftssicherung und Ansehen sind die Folge. So kommt es zu Asymmetrien: Was die einen zu viel haben, fehlt den anderen. Unsere Welt legt von diesem Zustand Zeugnis ab.<\/p>\n<p>Der Teufel steckt vielleicht im Detail, aber noch viel deutlicher steckt er in den machtvollen Systemen, die das Leben der Menschen bestimmen. Teuflisch war und ist es, Menschen in sinnlose Kriege zu schicken. Und doch haben die Menschen, leider fast immer auch die Christen, diesem Druck in der Regel stets nachgegeben (der Erste Weltkrieg ist dazu ein gutes Exempel), ja noch das bejubelt, was Not und Tod ohne Ende brachte. Teuflisch ist es, wenn wir durch unser Wirtschaftssystem gezwungen werden, die Lebensgrundlagen auf diesem Planeten zu zerst\u00f6ren, doch bei jedem Einkauf erliegen wir der Versuchung des Teufels. Und was der Beispiele mehr w\u00e4ren\u2026 Die bocksf\u00fc\u00dfige Figur des Teufels war nur ein mythologischer Stellvertreter, besser: ein Symbol f\u00fcr die \u00dcberw\u00e4ltigung durch systemische M\u00e4chte, die wir heute systemtheoretisch viel besser erfassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Biblische Begriffe, die an die Stelle der zweideutigen (weil immer auch zu missbrauchende) Rede vom Teufel treten k\u00f6nnen, sind die \u201eM\u00e4chte und Gewalten\u201c. Diese Pluralbildungen bezeichnen gegen\u00fcber der einfachen Erfahrung von Macht und Gewalt etwas Ungreifbares, schwer zu Beherrschendes, Machtvolles; der Kolosserbrief spricht auch von Thronen und Herrschaften, die sowohl im Sichtbaren wie im Unsichtbaren angesiedelt sind (Kol 1,16). Der Sachverhalt ist aber klar: Zwar ist der Mensch immer frei in seinen Entscheidungen (und wenn sie zum Martyrium f\u00fchren), aber in aller Regel gibt er dem \u00fcberm\u00e4chtigen sozialen Druck nach, in der Meinung, dies sei zu seinem Besten, tats\u00e4chlich aber ist es zu seinem Schaden. So werden wir auf den Teufel (oder besser: auf die M\u00e4chte und Gewalten) bei der Beschreibung der Macht des B\u00f6sen nicht verzichten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Verkn\u00fcpfung von S\u00fcnde, Tod und Teufel<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Lage wird erschwert dadurch, dass die Unheilsfaktoren nicht einzeln auftreten, sondern sich gegenseitig verst\u00e4rken. Die S\u00fcnde ist der Sold des Todes, sagt Paulus (R\u00f6m 6,23). Denn das Handeln nach dem Gesetz der Selbsterhaltung, dem der S\u00fcnder in ma\u00dfloser Weise folgt, nimmt anderen die M\u00f6glichkeit zum Leben. Das Leben beruht auf einem wohl abgestimmten Ausgleich zwischen Symbiose und Selbstsein. Jedes Lebewesen muss anderen Lebewesen Stellvertretung leisten und kann erst dadurch es selbst sein. Die S\u00fcnde aber verschiebt diesen Zusammenhang, sie verlangt mehr Stellvertretung als sie gibt. So wird durch die S\u00fcnde der Tod bef\u00f6rdert. Umgekehrt ist es gerade die Angst vor Schw\u00e4che und Tod, die die Ma\u00dflosigkeit der S\u00fcnde stimuliert. Schauen wir auf den Zusammenhang zwischen Tod und Teufel beziehungsweise, wie eben ausgef\u00fchrt, zwischen dem Tod und den m\u00e4chtigen sozialen Systemen, dann ist ersichtlich, dass auch sie den Tod f\u00fcrchten. Alles will leben und bestehen bleiben, auch soziale Systeme wie eine Partei, eine Firma, ein Staat oder das Wirtschaftssystem. Aus Sorge um ihre Erhaltung l\u00f6sen sich Systeme von der Aufgabe, die sie f\u00fcr die Gesellschaft haben, und autonomisieren sich (wie der Systemtheoretiker Niklas Luhmann sagt), sie betreiben ihre Selbsterhaltung ohne R\u00fccksicht auf ihre Umwelt. Irgendwann, so meinte der amerikanische Theologe William Stringfellow, wurde der Vietnamkrieg nur noch gef\u00fchrt, um das Pentagon nicht ins Unrecht zu setzen. Auf diese Weise aber erm\u00e4chtigen die Systeme den Tod weit \u00fcber das normale Ma\u00df hinaus. Kriege wie die des letzten Jahrhunderts, aber auch die hochtechnisierten Kriege unserer Zeit sind sicher ein gutes, ein schreckliches Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Was schlie\u00dflich das Zusammenwirken von S\u00fcnde und Teufel betrifft, so ist es einerseits so, dass die Systeme Menschen zu mehr s\u00fcndigem Tun verleiten als sie von sich aus wollen. Keiner will die Umwelt zerst\u00f6ren, aber wenn er einkauft, tut er es doch. Andererseits sind es die s\u00fcndigen Bed\u00fcrfnisse, mit denen die Systeme gleichsam gef\u00fcttert werden und die sie zu erf\u00fcllen trachten. Alle wollen zum Beispiel unbegrenzte Mobilit\u00e4t zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Die Verkehrssysteme beeilen sich, dies zu erm\u00f6glichen. Am Ende aber k\u00f6nnen wir nicht nur, wir m\u00fcssen eilen (wie es Karl Barth ausdr\u00fcckte) und sind hilflos den verheerenden Wirkungen des Verkehrssystems ausgeliefert, das unsere Bed\u00fcrfnisse erschaffen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Erl\u00f6sung durch Jesus Christus<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jesus Christus hat die Macht der S\u00fcnde \u00fcberwunden, indem er die Menschen mit Gott vers\u00f6hnte. Er hat die Macht des Todes gebrochen, indem er das wahre Leben verk\u00fcndigte, \u201edas Leben in F\u00fclle\u201c (Joh 10,10), oder, wie Paulus es ausdr\u00fcckt, indem er uns freimachte vom \u201eGesetz der S\u00fcnde und des Todes\u201c durch \u201edas Gesetz des Geistes des Lebens\u201c (R\u00f6m 8,2). Er hat den Teufel besiegt, indem er die M\u00e4chte und Gewalten \u201eihrer Macht entkleidet und sie \u00f6ffentlich zur Schau gestellt hat\u201c (Kol 2,15).<\/p>\n<p>Das alles ist leicht gesagt, aber schwer zu begreifen. Schwer nicht deshalb, weil es so kompliziert ist, sondern weil es zum Verstehen einer Art von Erkenntnis bedarf, die niemals abgeschlossen werden kann. Es braucht ein lebenslanges Nachdenken und Meditieren im biblischen Bedeutungs- und Verweisungskosmos, um diesen Dingen auf die Spur zu kommen. Erst im Stand der Herrlichkeit, so die klassische Theologie, wird dieses Verstehen ganz zum Ziel kommen. Und doch k\u00f6nnen wir mit dem Verstehen schon beginnen.<\/p>\n<p>Die Vers\u00f6hnung hat die Theologie stets mit dem Opfer Jesu verbunden. Dabei war meistens gedacht worden: So wie beim Tempelopfer des Alten Bundes die Tiere als S\u00fchne f\u00fcr die S\u00fcnde geschlachtet wurden, so gibt Jesus seinen Leib als S\u00fchne f\u00fcr unsere S\u00fcnde hin. Der Akzent liegt auf der Hingabe, der Zerst\u00f6rung des Leibes. Aber so muss man nicht denken. Schon Scheeben hat gezeigt, dass das \u201edestruktionstheoretische\u201c Opfermodell nicht nur theologisch h\u00f6chst bedenklich ist, weil es die Gewalt in Gott hineintr\u00e4gt, sondern auch dem biblischen Opferverst\u00e4ndnis nicht entspricht. Es geht auch nicht allein darum, dass Jesus bereit war, sein Leben f\u00fcr Gott hinzugeben. Der Sinn der Opfer des Alten Bundes ist es vielmehr, f\u00fcr Gott einen \u201eWohlgeruch\u201c zu erzeugen (Lev 1,9). Die Dinge der Welt \u2013 speziell beim Opfer: die Zutaten einer Mahlzeit \u2013 werden so verwandelt, dass Gott Gefallen an ihnen hat, dass er sie gut riechen kann (bei diesem olfaktorischen Verst\u00e4ndnis bedenke man, wie wichtig unser Geruchssinn f\u00fcr Wohlgefallen und Ekel ist).<\/p>\n<p>Versteht man das Opfer Jesu aus dieser biblischen Perspektive, dann wird klar, dass das ganze Leben dieses geliebten Sohnes, an dem Gott sein Wohlgefallen hat, ein Opfer f\u00fcr Gott ist. Und so versteht es auch der Hebr\u00e4erbrief, der haupts\u00e4chlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Vers\u00f6hnungsopfers herangezogen wird. Jesu Leben als Ganzes ist ein Wohlgeruch f\u00fcr Gott. Wenn man n\u00e4her hinschaut, sieht man, dass der Hebr\u00e4erbrief das Wohlgefallen des Vaters an Jesus (er hat ihn \u201emit Ehre und Herrlichkeit gekr\u00f6nt\u201c, Hebr 2,9) damit verbindet, dass Jesus nicht f\u00fcr sich allein Gott wohlgef\u00e4llig sein, sondern \u201eviele S\u00f6hne zur Herrlichkeit f\u00fchren wollte\u201c (Hebr 2,10). Hier sto\u00dfen wir wieder auf das Geheimnis der Teilhabe, das f\u00fcr die Heiligkeit grundlegend ist. Sind wir also mit Jesus vereint, sind wir Teil des Leibes Christi, dann f\u00e4llt auch auf uns das Wohlgefallen Gottes. Der Bruch der Bundesgemeinschaft ist geheilt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00dcberwindung der Macht des Todes ist sicherlich die Auferstehung Jesu das zentrale Datum. Aber die Auferstehung darf nicht isoliert verstanden und schon gar nicht nur auf das Leben nach dem Tode gedeutet werden. Jesus war gekommen, um die Verhei\u00dfung des Reiches Gottes zu erf\u00fcllen. In seiner ersten Predigt in Nazareth zitiert er die \u201egute Nachricht\u201c aus dem Propheten Jesaja von der Ausrufung des Gnadenjahres des Herrn. Und dann erkl\u00e4rt er, dass \u201esich dieses Schriftwort heute in euren Ohren erf\u00fcllt hat\u201c (Lk 4,21). Vielmals hat es sich erf\u00fcllt im Leben Jesu: \u201eBlinde sehen wieder und Lahme gehen, Auss\u00e4tzige werden rein und Taube h\u00f6ren, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verk\u00fcndet\u201c (Mt 11,5). Aber dann ist Jesus ans Kreuz geschlagen worden. Ist damit die Verhei\u00dfung widerlegt? Haben die M\u00e4chte des Todes doch wieder gesiegt? Die Botschaft von der Auferstehung bezeugt, dass die M\u00e4chte des Todes nicht das letzte Wort behalten haben. Die Verhei\u00dfung bleibt in Kraft. Alle, die an Jesus glauben, k\u00f6nnen darauf vertrauen, dass die lebensschaffende Verhei\u00dfungskraft Gottes st\u00e4rker ist als die Macht des Todes. Sie sagen: \u201eVerschlungen ist der Tod vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?\u201c (1 Kor 15,55). Die verh\u00e4ngnisvolle Fehlwahrnehmung der S\u00fcnde, nach der die ganze Welt unter der Macht des Todes steht, ist korrigiert. Die Welt hat ihre Vollendung noch vor sich. So hat Jesus den Tod \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Jesu Sieg \u00fcber den Teufel beziehungsweise \u00fcber die M\u00e4chte und Gewalten wird im Neuen Testament geradezu enthusiastisch gepriesen. Er ist \u201edas Haupt aller M\u00e4chte und Gewalten\u201c (Kol 2,19), er wurde von Gott \u201eauf den Platz zu seiner Rechten erhoben hoch \u00fcber alle F\u00fcrsten und Gewalten, M\u00e4chte und Herrschaften und \u00fcber jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zuk\u00fcnftigen genannt wird\u201c (Eph 1,20f). Der Sieg wird auch so beschrieben, dass durch Jesus die M\u00e4chte wieder in ihre urspr\u00fcngliche, der Sch\u00f6pfung dienliche Funktion eingewiesen werden: \u201eIn ihm ist alles geschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, M\u00e4chte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen\u201c (Kol 1,16). Wie kann man so etwas sagen, wo doch die M\u00e4chte offensichtlich noch ihre zerst\u00f6rerische Wirkung entfalten? Jesus selbst ist den M\u00e4chten seiner Zeit zum Opfer gefallen. Aber schauen wir hin, wie diese M\u00e4chte sich im Rahmen seiner Passion ausnehmen. Wie stehen sie am Ende da \u2013 der opportunistische Pilatus, der Hohe Rat mit seinen falschen Zeugen, der wunders\u00fcchtige Herodes, die Demagogen des Tempels? Sie sind \u201eentwaffnet und \u00f6ffentlich zur Schau gestellt\u201c, sagt der Kolosserbrief (2,15). Sie sind demaskiert und der L\u00e4cherlichkeit preisgegeben. Jesus hat sie sich an ihm austoben lassen, hat sie ihre Macht entfalten lassen und dann am Ende \u201e\u00fcber sie triumphiert\u201c. Damit k\u00f6nnen alle wissen, die an Jesus glauben, dass diese scheinbare \u00dcbermacht der M\u00e4chte letztlich Ohnmacht ist. Dass wir ihnen nicht folgen m\u00fcssen. Wir kommen frei gegen\u00fcber der Welt mit ihren M\u00e4chten zu stehen. Der Teufel ist besiegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die drei \u00c4mter des Erl\u00f6sers Jesus Christus und ihre trinitarische Verkn\u00fcpfung<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Lehre von den drei \u201e\u00c4mtern\u201c Christi (lat. \u201emunera\u201c, von \u201emunus\u201c: Aufgabe, Dienst, Obliegenheit) ist der Glaube an die durch ihn geschehene Erl\u00f6sung in eine b\u00fcndige Form gebracht worden. Das hilft dem Verst\u00e4ndnis! Zum einen ist damit gesagt, dass Gott, indem er Jesus in diese \u00c4mter beruft, sein Werk an seinem Volk Israel fortsetzt, hat er doch durch K\u00f6nige, Priester und Propheten sein Volk geleitet. Die Verhei\u00dfung, die mit dem K\u00f6nigtum (zum Beispiel David), dem Priestertum (da verweist die Theologie besonders auf den Priester und Friedensk\u00f6nig Melchisedek, Gen 14; Ps 110) und der prophetischen Botschaft verbunden war, lebt in Jesus wieder auf. Gott bleibt sich treu. Jesus ist der wahre Hohepriester (Hebr 9,11). Er ist ein Prophet \u2013 interessant ist, dass er von den Menschen damals vor allem als Prophet gesehen wurde (vgl. Mt 21,11; Joh 7,40). Er ist der wahre K\u00f6nig der Juden, der am Kreuz h\u00e4ngt (Mt 27,37); zum Erschrecken des K\u00f6nigs Herodes hatten schon die Weisen aus dem Morgenland den K\u00f6nig der Juden gesucht, (Lk 2,2f). Er ist, wie es dann die nach\u00f6sterliche Verk\u00fcndigung nachdr\u00fccklich proklamiert, der \u201eHerr\u201c, der \u201eKyrios\u201c (Apg 10,36, R\u00f6m 10,9, Phil 2,11). Die Aufgaben, die diesen \u00c4mtern zugeordnet sind, hat Jesus ausgef\u00fchrt: die priesterliche Vers\u00f6hnung, die prophetische Verk\u00fcndigung des Gerichts und der Verhei\u00dfung und die Aufrichtung der k\u00f6niglichen Herrschaft Gottes. Die Rede vom dreifachen Amt gibt vielfach Gelegenheit, das Wirken Jesu vor dem Hintergrund der vielen Geschichten \u00fcber Priester, Propheten und K\u00f6nige im Alten Testament tiefer zu verstehen.<\/p>\n<p>Zum anderen wird durch die Aufteilung auf die drei \u00c4mter erkennbar, in welcher Weise die Personen der g\u00f6ttlichen Dreifaltigkeit am Werk der Erl\u00f6sung beteiligt sind. Die K\u00f6nigsherrschaft kommt Gott dem Vater und Sch\u00f6pfer zu. Jesus errichtet sie in seinem Namen und Auftrag. Die Verk\u00fcndigung ist das Werk des Geistes, der immer schon der Geist der Propheten gewesen ist. Die Vers\u00f6hnung aber ist des Sohnes eigenes Werk. Das h\u00f6rt sich an wie eine g\u00f6ttliche Arbeitsteilung. Doch da alle diese Werke der Erl\u00f6sung durch Jesus getan werden beziehungsweise an ihm offenbar werden, muss der Sachverhalt wohl komplizierter sein. Jesus selbst ist der K\u00f6nig und Herr, aber eben damit verschafft er dem K\u00f6nigtum Gottes Anerkennung. Jesus selbst ist aus dem Geist gezeugt und mit dem Geist begabt. Das Werk der Vers\u00f6hnung ist ein Werk im Geist auf den Vater hin. Ein alter theologischer Grundsatz lautet: \u201eDie Werke der Dreieinigkeit sind nach au\u00dfen ungeschieden\u201c. Sie sind nach au\u00dfen nicht zu unterscheiden, denn sie kommen alle in Jesus \u00fcberein. Aber Jesus \u00fcbt sie in \u201eperichoretischer\u201c, sich gegenseitig durchdringender Weise aus. Sherman, auf den ich mich hier beziehe, hat dies zum Beispiel an den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium differenziert aufgewiesen. Einerseits scheint da Jesus dem Vater und der Geist Jesus untergeordnet zu sein. Zugleich jedoch leben sie ihre Einheit in Liebe und gegenseitiger Sendung. Jesus ist der K\u00f6nig, der die Welt \u00fcberwunden hat, das ist er in Einheit mit dem Vater. Er ist priesterlich das Lamm Gottes, das Gemeinschaft mit dem Vater und dem Geist schenkt. Er ist Prophet und Offenbarer in der Kraft des Geistes, und zugleich ist er es, der den Geist schickt, damit er die J\u00fcnger in alles einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnen jetzt nur Andeutungen sein. Sie gen\u00fcgen aber, die verbreitete Meinung zur\u00fcckzuweisen, dass die Trinit\u00e4t(slehre) in der Bibel nicht enthalten, sondern erst eine Hervorbringung der Alten Kirche sei. Sie ist sehr wohl in der Schrift enthalten, nicht aber als eine ontologische Lehre \u00fcber die Vereinbarkeit von Einheit und Dreiheit in Gott, sondern als ein Geschehenszusammenhang, der sich um das Wirken Jesu herum vollzieht. Dann k\u00f6nnen wir auch sagen: \u00dcberall, wo dieser Geschehenszusammenhang von Vers\u00f6hnung, Offenbarung und Gottesherrschaft sich vollzieht, da ist der dreieinige Gott selbst am Werk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Teilhabe der Erl\u00f6sten am Leben des dreieinen Gottes<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott hat die Menschen zur Heiligkeit berufen, so haben wir geh\u00f6rt. Er will, dass alle an ihm teilhaben, der allein heilig ist. Er will seine Gesch\u00f6pfe verg\u00f6ttlichen. Wodurch geschieht das? Die erste Antwort ist: durch den Glauben. Man kann hier sogar noch eine weitere Trias einf\u00fchren, die drei \u201etheologischen Tugenden\u201c Glaube, Hoffnung und Liebe. \u201eJesus ist der Herr\u201c, das ist nach Paulus ein \u201eWort des Glaubens\u201c (R\u00f6m 10,9), es bezieht sich auf die K\u00f6nigsherrschaft Gottes. Dass aber die Verhei\u00dfungen Gottes wahr werden, das hoffen die Glaubenden. In der Liebe sind sie verbunden mit dem inneren Leben des dreieinen Gottes und untereinander; in der Liebe erf\u00fcllen sie das Gebot der Gottes- und N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p>Doch damit noch nicht genug! Die Glaubenden erhalten die Teilhabe an den drei \u00c4mtern Christi. In der Taufe wird das den Neugetauften gesagt: \u201eDu wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt [wie auch die K\u00f6nige, Priester und Propheten des Alten Bundes], denn du bist Glied des Volkes Gottes und geh\u00f6rst f\u00fcr immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, K\u00f6nig und Propheten in Ewigkeit.\u201c Dies ist der Augenblick der Verg\u00f6ttlichung im Leben eines und einer jeden Getauften. Denn die Partizipation an den drei \u00c4mtern Christi \u2013 Teilhabe nur mit ihm und durch ihn und in ihm, wie durch die folgende \u00dcberreichung des wei\u00dfen Kleides, das \u201eChristus anziehen\u201c, vollends deutlich wird \u2013 ist Teilnahme an den Werken der Erl\u00f6sung und damit am Leben des dreieinigen Gottes. So vollendet Gott seine Sch\u00f6pfungsabsicht in der Taufe. Was noch zu tun bleibt, kann man mit Scheeben ein \u201eKooperieren mit der Gnade\u201c nennen: Nicht wir m\u00fcssen die Welt erl\u00f6sen, sie ist schon erl\u00f6st, aber wir haben das Amt, dies zu bezeugen und in unserem Handeln \u2013 vers\u00f6hnend, verhei\u00dfend, ohne Respekt vor den M\u00e4chten und Gewalten \u2013 wirksam werden zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Christentum ist eine Erl\u00f6sungsreligion. Gott l\u00e4sst uns mit der Macht des B\u00f6sen nicht allein. Durch Jesus angeleitet beten Christen immer wieder: Erl\u00f6se uns vom B\u00f6sen \u2013 im Vertrauen darauf, dass diese Erl\u00f6sung durch Jesus Christus bereits geschehen ist. Christen glauben an Christus den Erl\u00f6ser. 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