{"id":120695,"date":"2026-03-20T10:49:42","date_gmt":"2026-03-20T09:49:42","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=120695"},"modified":"2026-03-20T10:50:46","modified_gmt":"2026-03-20T09:50:46","slug":"ab-mit-alten-zoepfen-mit-mut-und-innovation-dem-pflegenotstand-ein-schnippchen-schlagen","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/ab-mit-alten-zoepfen-mit-mut-und-innovation-dem-pflegenotstand-ein-schnippchen-schlagen\/","title":{"rendered":"Ab mit alten Z\u00f6pfen!"},"content":{"rendered":"<p>Meine Sicht auf die Situation der Pflege m\u00f6chte ich beginnen mit einem kurzen Blick auf die Pflegesituation und deren Entwicklung. Anhand ausgew\u00e4hlter Beispiele aus meiner beruflichen Praxis skizziere ich einige Problemfelder. Die Auswahl der Problemfelder ist meiner pers\u00f6nlichen Erfahrung geschuldet und bildet nicht die Gesamtheit der n\u00f6tigen Handlungsbedarfe ab. Ich stelle jene Schwierigkeiten vor, die sich in vielen Gesundheitsbetrieben in \u00e4hnlicher oder gleicher Weise wiederholen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es ein wichtiges Anliegen, nicht nur auf Problemfelder hinzuweisen, sondern daraus auch Handlungsempfehlungen abzuleiten und L\u00f6sungsans\u00e4tze zu generieren beziehungsweise wenigstens \u2013 oder immerhin \u2013 zum Ende meines Referates Anregungen f\u00fcr L\u00f6sungen zu geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Allgemeine \u00dcbersicht zur Pflegesituation<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWer soll uns pflegen?\u201c Diese Frage besch\u00e4ftigt uns bereits seit vielen Jahren. 2013 galten 2,6 Millionen Deutsche als pflegebed\u00fcrftig. Die Zahl der Pflegebed\u00fcrftigen wird einer Hochrechnung zufolge um circa 35 Prozent in den n\u00e4chsten 15 Jahren zunehmen. Derzeit fehlen bereits rund 30.000 Pflegende \u2013 diese L\u00fccke wird sich in den n\u00e4chsten Jahren ausweiten. Der demographische Wandel f\u00fchrt zu einer Abnahme der Erwerbst\u00e4tigen \u2013 wenige Erwerbst\u00e4tige m\u00fcssen viele Pflegebed\u00fcrftige betreuen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor f\u00fcr die prognostizierte Entwicklung sind die sich ver\u00e4ndernden Familienstrukturen. \u201eFamilien sind der gr\u00f6\u00dfte Pflegedienst in Deutschland\u201c. Allerdings k\u00f6nnen oder m\u00f6chten viele Familien immer weniger auf das Zweiteinkommen des Partners verzichten, das hei\u00dft die Versorgung von Pflegebed\u00fcrftigen durch Angeh\u00f6rige wird r\u00fcckl\u00e4ufig sein.<\/p>\n<p>Pflege hat gesellschaftlich nicht den Stellenwert, den sie verdient. Pflege wird meist assoziiert mit Alter, Hilflosigkeit, Sterben \u2013 also gesellschaftlichen Tabuthemen. Es fehlt (noch) der gesellschaftliche Diskurs, der die Relevanz, Sinnhaftigkeit und \u00c4sthetik des Berufes hervorhebt und anerkennt.<\/p>\n<p>Ich denke, diese Einf\u00fchrung in aller K\u00fcrze l\u00e4sst die Dringlichkeit erkennen, wie wichtig es ist, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Die Verantwortung liegt bei der Gesundheitspolitik, auf Arbeitgeberseite und bei uns allen. Engagierte Menschen m\u00fcssen f\u00fcr den Pflegeberuf gewonnen werden und zwar jetzt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Was wird getan?<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gesundheitspolitik<\/strong>. Die Gesundheitspolitik wartet auf mit dem Pflegeneuausrichtungs- und Pflegest\u00e4rkungsgesetz zur Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung und Betreuung sowie deren Finanzierung. Dies soll auch zu einer Steigerung der Attraktivit\u00e4t des Pflegeberufes f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Hochschulen und Ausbildungsinstitute<\/strong>. Hochschulen bieten akademische Ausbildungen wie zum Beispiel \u201ePflege Dual\u201c, Pflegewissenschaft, Pflegep\u00e4dagogik und Pflegemanagement an. Damit ver\u00e4ndern sie die berufliche Landschaft der Pflege. Akademische Bildungsangebote sorgen f\u00fcr eine hochspezialisierte und wissenschaftlich fundierte Pflege. Sie tragen einerseits dazu bei, die Qualit\u00e4t der Pflege zu steigern. Sie leisten andererseits aber auch einen wichtigen Beitrag bei der Rekrutierung junger Menschen, die sich ansonsten keine Ausbildung in einem Pflegeberuf h\u00e4tten vorstellen k\u00f6nnen. Es er\u00f6ffnen sich neue Perspektiven und neue Karrierewege.<\/p>\n<p>Neben der akademischen Pflegeausbildung finden sich auch neue Berufsausbildungen wie zum Beispiel die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin oder zur An\u00e4sthesiologisch technischen Assistentin. Es handelt sich um hochspezialisierte Ausbildungen eines definierten Aufgabenbereiches, f\u00fcr den sich unter anderem Menschen begeistern lassen, die sich ansonsten nicht f\u00fcr eine \u201eallgemeine\u201c Pflegeausbildung entschieden h\u00e4tten.<\/p>\n<p><strong>Arbeitgeberseite<\/strong>. Gesundheitseinrichtungen bem\u00fchen sich seit Jahren mit Werbekampagnen, Anreizsystemen und modernen, ansprechenden Stellenanzeigen um Auszubildende sowie Bewerber und Bewerberinnen f\u00fcr den Pflegedienst. Potenzielle Auszubildende werden gezielt mit einem neuen Image der Pflege umworben.<\/p>\n<p>Beispielsweise werben Gesundheitsbetriebe mit \u201eangemessener Bezahlung\u201c, \u201everg\u00fcnstigter Wohnm\u00f6glichkeit\u201c (in M\u00fcnchen ein wichtiger Aspekt) und \u201ebetrieblicher Altersvorsorge\u201c. Neben den monet\u00e4ren Anreizen sind h\u00e4ufig auch die Kriterien \u201emodernes Unternehmen\u201c, \u201eflexible Strukturen\u201c und \u201emoderne Personalentwicklungskonzepte\u201c zu finden.<\/p>\n<p>Das ist gut, das ist richtig, das ist zukunftsf\u00e4hig! Wie aber sehen diese Vorteile und Anreize in der Umsetzung aus? Im Folgenden skizziere ich ausgew\u00e4hlte Problemfelder, die sich von der Gesundheitspolitik \u00fcber strukturelle Gegebenheiten bis hin zum beruflichen Selbstverst\u00e4ndnis der Pflegenden erstrecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Problemfelder<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gesundheitspolitik<\/strong>. Die demographische Entwicklung in Deutschland ist seit Langem bekannt und ebenso die wachsende pflegerische Versorgungsl\u00fccke. Deshalb wurde im Jahr 2011 vom damals amtierenden Bundesgesundheitsminister R\u00f6sler das \u201eJahr der Pflege\u201c ausgerufen. R\u00fcckblickend ist zu sagen, dass die geplanten Aktivit\u00e4ten wie zum Beispiel \u201ePolitisches Pflegejahr in der Koalition\u201c, \u201eEinfachere Anerkennung von Pflegefachkr\u00e4ften aus dem Ausland\u201c und die \u201eZusammenfassung der Ausbildung der Alten- und Krankenpflege\u201c weitgehend ausblieben und das Jahr der Pflege entt\u00e4uschenderweise sang- und klanglos vor\u00fcbergezogen ist. Nach diesem kurzen Aufflackern ist es wieder zu still geworden, was den gesundheitspolitischen Beitrag zur Entwicklung der Pflege betrifft.<\/p>\n<p><strong>Strukturelle Gegebenheiten<\/strong>. Womit werben Gesundheitsbetriebe in Stellenanzeigen? Richtig: sie sind ein modernes Unternehmen, haben flexible Strukturen und halten f\u00fcr ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter moderne Personalentwicklungskonzepte bereit. Was finden sie vor?<\/p>\n<p><strong>Modernes Unternehmen? <\/strong>Wie bereits erw\u00e4hnt, leisten Hochschulen und Ausbildungsinstitute einen wichtigen Beitrag zu einem ver\u00e4nderten Berufsbild durch neue (akademische) Ausbildungen. Gesundheitseinrichtungen f\u00e4llt es ausgenommen schwer, sich mit den Ver\u00e4nderungen der Berufsbilder in der Pflege auseinanderzusetzen und dieses Angebot neuer Ausbildungsinhalte f\u00fcr sich zu nutzen. Besonders der akademischen Ausbildung schl\u00e4gt unverhohlene Skepsis entgegen. Nicht nur von F\u00fchrungsseite \u2013 was als besonders dramatisch zu bewerten ist \u2013 sondern auch von anderen Berufsgruppen und leider auch innerhalb des eigenen Berufsstandes.<\/p>\n<p>In der Praxis treffen sie tagt\u00e4glich auf Aussagen wie \u201eStudierter Pfleger, was soll das sein?\u201c, \u201eDas brauchen wir nicht\u201c, \u201eDie wollen nicht mit Patienten\/Bewohnern arbeiten\u201c, \u201eDie haben von der Praxis keine Ahnung\u201c, um nur einige zu nennen. Ver\u00e4nderungen verunsichern \u2013 das ist nachvollziehbar. Allerdings ist es ersch\u00fctternd, wie wenig Bereitschaft es von F\u00fchrungsseite gibt, Konzepte zu entwickeln, in welchen Bereichen die neue Generation der Pflegenden gewinnbringend eingesetzt werden kann. Hier liegen fachliche Expertise und Arbeitskraft brach, Karrierem\u00f6glichkeiten und berufliche Perspektiven werden beschnitten. Das kann sich kein Gesundheitsbetrieb leisten!<\/p>\n<p><strong>Flexible Strukturen? <\/strong>Ein weiterer wichtiger Faktor sind h\u00e4ufig die streng hierarchischen Strukturen in Gesundheitsbetrieben. Verschiedene Berufsgruppen verfolgen ihre eigenen Interessen. Der Pflegedienst hat zu oft das Nachsehen. Hierarchisch besetzt die Pflege in der Realit\u00e4t eher eine nachgeordnete Wertigkeit und hat zu wenig Einfluss, auch wenn die oberste Leitung der Pflege im Organigramm des Unternehmens als gleichberechtigt ausgewiesen ist.<\/p>\n<p>Prozessabl\u00e4ufe und die damit einhergehenden Aufgaben in Gesundheitsbetrieben entsprechen oft nicht den aktuellen Anforderungen. Mangelhaft organisierte Prozesse kosten Zeit, Geld und belasten oder zerm\u00fcrben das Personal, wenn stets an gleicher Stelle dieselben Probleme auftauchen. Aufgaben werden redundant erledigt, ungekl\u00e4rte Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fchren zu hohen Reibungsverlusten. Immer wieder wird der Ruf nach mehr Personal laut. \u201eWir brauchen mehr H\u00e4nde!\u201c Ich aber sage, wir brauchen nicht (immer) mehr H\u00e4nde (die derzeit ohnehin nicht zur Verf\u00fcgung stehen), sondern wir m\u00fcssen die Pflegenden, die wir haben, mit (mehr) Verstand einsetzen!<\/p>\n<p>Damit meine ich beispielsweise die Bereinigung des Aufgabenfeldes: fachfremde Aufgaben zust\u00e4ndigen Berufsgruppen \u00fcbertragen, Hilfspersonal bereitstellen f\u00fcr Verrichtungen, die nicht von einer Fachkraft erbracht werden m\u00fcssen, kritische Betrachtung und Anpassung der Aufgabenteilung zur Vermeidung von Redundanzen und so weiter.<\/p>\n<p><strong>Personalentwicklung<\/strong>. Wie erw\u00e4hnt werben Gesundheitsbetriebe gerne mit modernen Konzepten zur Personalentwicklung. Bei n\u00e4herer Betrachtung der Personalentwicklung handelt es sich in der Regel um die bereits seit Langem bestehenden Angebote zu Fort- und Weiterbildung, das hei\u00dft Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen k\u00f6nnen nach Interessenslage (zum Beispiel Aromatherapie) oder betrieblicher Notwendigkeit (zum Beispiel Brandschutzunterweisung) eine Fortbildung besuchen, deren Kosten vom Arbeitgeber in der Regel \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>Bei Weiterbildungen handelt es sich beispielsweise um die Ausbildung zur Fachkraft f\u00fcr Intensivpflege, die sich \u00fcber zwei Jahre erstreckt. Viele H\u00e4user \u00fcbernehmen auch hierf\u00fcr die Kosten, allerdings gibt es einen Trend, die Kosten nicht g\u00e4nzlich zu \u00fcbernehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegedienstes m\u00fcssen teilweise bis zu 50 Prozent der Weiterbildung in ihrer Freizeit erbringen und das zus\u00e4tzlich zu einer T\u00e4tigkeit in Vollzeit! F\u00fcr eine Mehrverg\u00fctung nach Beendigung der Qualifizierungsma\u00dfnahme von monatlich rund 60 Euro brutto. Angemessene Bezahlung?<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt m\u00fcssen Gesundheitsbetriebe gesetzlich vorgeschriebene Fachkraftquoten erf\u00fcllen. Moderne Konzepte zur Personalentwicklung sehen anders aus!<\/p>\n<p><strong>Angemessene Bezahlung? <\/strong>Die Bezahlung der Pflegeberufe ist in den meisten F\u00e4llen tariflich geregelt. Die Tarifvertr\u00e4ge sehen nur einen engen Spielraum vor, Pflegende ihrer Leistung entsprechend zu bezahlen. Ich erinnere an die 60 Euro mehr monatliches Bruttoeinkommen f\u00fcr eine Intensivpflegekraft. In den vergangenen Jahren konnten andere Berufsgruppen oder Akteure des Gesundheitswesens ordentliche Lohn- und Gewinnsteigerungen f\u00fcr sich erzielen. Der Pflege gelingt das nicht!<\/p>\n<p>Sind es zu viele (wir sprechen von \u00fcber einer Million Pflegenden) und w\u00e4ren angemessene Lohnsteigerungen deshalb nicht finanzierbar? Ich wage die Behauptung: Im Gesundheitswesen steckt so viel Geld, dass alle Berufsgruppen angemessen zu bezahlt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Arbeitszeitmodelle<\/strong>. Die klassische arbeitszeitliche Organisation des Pflegedienstes ist der Dreischichtbetrieb: Pflegende arbeiten im Fr\u00fch-, Sp\u00e4t- und Nachtdienst. F\u00fcr viele ist diese Organisationsform sicher passend, wenn auch nicht unbedingt dauerhaft. Schichtdienst belastet, vor allem auch, wenn die Pflegenden regelm\u00e4\u00dfig einspringen m\u00fcssen, weil Schichten personell nicht abgedeckt sind, etwa durch Krankheitsausfall.<\/p>\n<p>Und was ist mit den Pflegenden, die Kinder haben oder andere Pflegebed\u00fcrftige in ihrem Haushalt versorgen? F\u00fcr viele ist die Aus\u00fcbung ihres Berufes im Dreischichtbetrieb schlicht nicht m\u00f6glich. Diese Pflegenden sind eine Ressource, die nicht genutzt werden kann!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Handlungsempfehlungen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus den vorgenannten Problemfeldern habe ich Handlungsempfehlungen abgeleitet, die sich meines Erachtens in der Praxis umsetzen lie\u00dfen \u2013 ja, umsetzen lassen m\u00fcssen, um die Attraktivit\u00e4t des Pflegeberufes zu steigern und dem Pflegenotstand entgegenzuwirken.<\/p>\n<p>Pflege braucht (berufspolitische) Bildung und ein neues berufliches Selbstverst\u00e4ndnis. Die Pflegenden k\u00f6nnen sich selbst am besten helfen, weil sie wissen, was sie brauchen! Die Pflegenden m\u00fcssen allerdings lernen, sich zu vertreten und mit intelligenten Argumenten ihre berechtigten Anspr\u00fcche einzufordern. Die neuen Pflegestudieng\u00e4nge leisten hierf\u00fcr einen wichtigen Beitrag, ebenso wie sich die angestrebte Verkammerung des Pflegeberufes positiv auswirken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Gesundheitsbetriebe sowie die F\u00fchrungskr\u00e4fte der Pflege sind angehalten, sich mit neuen Ausbildungsformen auseinanderzusetzen, Strukturen des Pflegedienstes und deren Ver\u00e4nderung zu \u00fcberdenken, umzustrukturieren und das Fachwissen dieser Absolventen nutzbar zu machen. Die neue Generation der Pflegenden mit einem breiten theoretischen Bildungshintergrund neben praktischer Expertise ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Pflegewissenschaft und konzeptioneller Umsetzung. Wir brauchen einen systemischen Diskurs. Neben der Reorganisation von Prozessen ist es die wichtige Aufgabe von Unternehmens- und Einrichtungsleitungen, s\u00e4mtliche Berufsgruppen an einen Tisch zu bringen und L\u00f6sungen zu generieren. Nur so k\u00f6nnen starre Strukturen aufgeweicht und Ressourcen nutzbar gemacht werden. Die oberste Leitung des Unternehmens tr\u00e4gt hierf\u00fcr die Verantwortung. Sie muss den systemischen Diskurs gezielt f\u00f6rdern und einfordern und darauf achten, dass s\u00e4mtliche Berufsgruppen des Unternehmens dabei vertreten sind.<\/p>\n<p>Weiter fordere ich eine Personalentwicklung, die ihrem Namen auch gerecht wird. Wir brauchen mittel- bis langfristige Karriereplanungen, um zum einen F\u00fchrungspositionen bestm\u00f6glich besetzen und die M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten der Mitarbeitenden bestm\u00f6glich aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen. In unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schlummert Potenzial. Eine gezielte F\u00f6rderung der Pflegenden generiert L\u00f6sungen aus der Praxis, wird die Zufriedenheit st\u00e4rken und die Verweildauer im Beruf erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Und nicht zuletzt ben\u00f6tigen wir attraktive, kreative und flexible Arbeitszeitmodelle, die den Pflegenden mehr Planungssicherheit hinsichtlich ihrer Erholungszeiten gibt. Wir brauchen ausgeruhte Pflegende und wir brauchen jene, die derzeit keine M\u00f6glichkeit haben, ihren Pflegeberuf auszu\u00fcben. Mir ist bewusst, dass die Umsetzung der genannten Empfehlungen viel Arbeit, Diskussionen und Widerst\u00e4nde mit sich bringen. Ebenso wei\u00df ich, dass es eine geh\u00f6rige Portion Mut erfordert, einschneidende Ver\u00e4nderungen anzugehen.<\/p>\n<p>Es ist eine gro\u00dfe Herausforderung, die viel Durchhalteverm\u00f6gen und Durchsetzungskraft erfordert. Ich bin aber sicher, dass dieser Kraftakt Fr\u00fcchte tragen wird. Hierin liegt die gro\u00dfe Chance, nachhaltig Verbesserungen zu erzielen und die Attraktivit\u00e4t des Pflegeberufes zu steigern. Daher mein Appell: Lassen Sie uns den d\u00fcsteren Prognosen und dem Pflegenotstand gemeinsam ein Schnippchen schlagen!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Sicht auf die Situation der Pflege m\u00f6chte ich beginnen mit einem kurzen Blick auf die Pflegesituation und deren Entwicklung. Anhand ausgew\u00e4hlter Beispiele aus meiner beruflichen Praxis skizziere ich einige Problemfelder. Die Auswahl der Problemfelder ist meiner pers\u00f6nlichen Erfahrung geschuldet und bildet nicht die Gesamtheit der n\u00f6tigen Handlungsbedarfe ab. 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