{"id":120728,"date":"2026-03-20T11:51:47","date_gmt":"2026-03-20T10:51:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=120728"},"modified":"2026-03-20T11:51:47","modified_gmt":"2026-03-20T10:51:47","slug":"die-benediktiner-im-intermonastischen-dialog","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-benediktiner-im-intermonastischen-dialog\/","title":{"rendered":"Die Benediktiner im intermonastischen Dialog"},"content":{"rendered":"<p>Seit mehreren Jahren begegnen sich katholische und buddhistische M\u00f6nche regelm\u00e4\u00dfig und entdecken viel Gemeinsames in ihren Lebensweisen, die doch weit \u00fcber ein Jahrtausend unabh\u00e4ngig voneinander gewachsen sind.<\/p>\n<p>Diese Begegnungen geh\u00f6ren zu einem gr\u00f6\u00dferen Geschehen, welches mit \u201eDialog der Religionen\u201c bezeichnet wird. Der Dialog findet auf zahlreichen Ebenen statt: auf der gesellschaftlich-politischen Ebene, auf der intellektuell-wissenschaftlichen Ebene, auf der philosophisch-theologischen Ebene und auf der asketisch-spirituellen Ebene. So \u00f6ffnet sich dem Dialog, wie es Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika \u201eRedemptoris Missio\u201c formuliert, \u201eein weites Feld und er kann vielf\u00e4ltige Formen und Ausdrucksweisen annehmen: vom Gedankenaustausch zwischen Experten der religi\u00f6sen Traditionen oder deren offiziellen Vertretern bis zur Zusammenarbeit f\u00fcr die ganzheitliche Entwicklung und Wahrung der religi\u00f6sen Werte, vom Mitteilen der entsprechenden spirituellen Erfahrungen bis zum sogenannten \u201aDialog des Lebens\u2018, in dem die Gl\u00e4ubigen einander im Alltag die eigenen menschlichen und religi\u00f6sen Werte bezeugen und einander helfen, diese zu leben und so eine gerechtere und br\u00fcderlichere Gesellschaft zu schaffen\u201c.<\/p>\n<p>Die intermonastischen Begegnungen der letzten dreieinhalb Jahrzehnte hatten teil an verschiedenen Ebenen, doch ihr Schwerpunkt liegt in der Begegnung im benediktinischen Alltag und dem Austausch geistlicher Erfahrungen im kl\u00f6sterlichen Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Begegnungen vor dem II. Vatikanischen Konzil<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten erfuhren christliche Gemeinschaften von der Existenz buddhistischer Traditionen. So schreibt Clemens von Alexandrien um das Jahr 200: \u201eZu den Indern geh\u00f6ren die Anh\u00e4nger der Lehre des Buddha, den sie wegen seiner alles \u00fcberragenden Heiligkeit wie einen Gott verehrt haben.\u201c Die geopolitische Bedeutung der Stadt Alexandria als Drehscheibe zwischen Ost und West erm\u00f6glichte es, dass buddhistisches Gedankengut an der Wende des zweiten zum dritten Jahrhundert nach Christus in \u00c4gypten bekannt wurde. Clemens von Alexandrien bezeichnete alle Nicht-Christen als Barbaren, eine h\u00f6fliche Bezeichnung, die die Griechen zur Bezeichnung von Nicht-Griechen verwendeten. Diese Barbaren, deren Philosophie nach Ansicht von Clemens ein \u201eLicht f\u00fcr die V\u00f6lker\u201c war, schloss auch indische Weisheit mit ein.<\/p>\n<p>Es gibt einen Griechen aus dem 4.Jahrhundert, der tief in der nicht-hellenistischen Spiritualit\u00e4t verwurzelt gewesen zu sein scheint: Evagrius Ponticus. Nach der Einsch\u00e4tzung von Hans-Urs von Balthasar ist Evagrius dem Gedankengut und der Spiritualit\u00e4t der Mahayana-Tradition sehr nahe.<\/p>\n<p>Marco Polo war wahrscheinlich der erste, der die Neuigkeit nach Europa brachte, dass das Leben des Buddha, wie es in Sri Lanka erz\u00e4hlt wurde, in all seinen Einzelheiten der Geschichte von Joasaph in den Vitae Patrum \u00e4hnelte. Marco Polo besuchte Sri Lanka im Jahre 1293. Die Bollandisten haben die Tatsache belegt, dass der in der mittelalterlichen Kirche als Heiliger verehrte St. Joasaph kein anderer war als Buddha selbst. Die im Mittelalter im christlichen Volk sehr beliebte Legende von Josaphat und der Heiligen Barlaam geht auf eine Entstellung der Bezeichnung Bodhisattva und Bhagavan (der Erhabene) zur\u00fcck. Aus dem volkst\u00fcmlichen Bodhisat wurde \u00fcber das arabische Judasaf ein Joasaf (lateinisch Josaphat), w\u00e4hrend Bhagavan, arabisch Bilauhar, zu Barlaam wurde. Die Verehrung im Volk f\u00fchrte zur Kanonisierung der beiden. Im Jahre 1370 taucht er im Catalogus Sanctorum des Peter de Natalibus auf. Inzwischen wurde Joasaph aus dem revidierten Heiligenkalender gestrichen.<\/p>\n<p>In der Begegnung mit dem europ\u00e4ischen Kolonialismus bildete sich in vielen L\u00e4ndern im 19. Jahrhundert ein neues buddhistisches Selbstbewusstsein aus. Dazu kam, dass zu dieser Zeit eine zum Teil begeisterte Rezeption buddhistischer Texte in Europa stattfand, zum Beispiel bei Schopenhauer, Hegel und Nietzsche. Es entstand eine Art \u201eprotestantischer Buddhismus\u201c in kleinen Kreisen in Europa, der sich durch einen Protest gegen die europ\u00e4isch-christliche Vorherrschaft der Europ\u00e4er wendete und den Buddhismus f\u00e4lschlicherweise zu einer Religion der Vernunft und der Meditation stilisierte. Solche Entwicklungen verhinderten letztlich den Dialog, es galt ja eher die Religionen gegeneinander auszuspielen als Gemeinsamkeiten zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Begegnungen nach dem II. Vatikanischen Konzil<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Konzilserkl\u00e4rung zum Verh\u00e4ltnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen \u201eNostra Aetate\u201c ist ein entscheidender Schritt hin zum Dialog der Religionen. Die Erkl\u00e4rung ist ein Schl\u00fcsseldokument des Konzils, weil sonst alle Aussagen \u00fcber die Notwendigkeit des Dialogs in der Luft hingen. In der Erkl\u00e4rung \u201eNostra Aetate\u201c \u00e4u\u00dfert sich das Zweite Vatikanische Konzil ausdr\u00fccklich positiv und detailliert zu den Religionen als solche: \u201eDie katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Dieses Dokument wurde zur Grundlage des interreligi\u00f6sen Dialogs in den Jahren nach dem Konzil. Der buddhistisch-christliche Dialog fand im \u201eMonastischen Interreligi\u00f6sen Dialog\u201c einen besonderen und einen eigenen Ausdruck. In einer Konferenz der Aide \u00e0 l&#8217;Implantation Monastique (AIM), eine Organisation der Kl\u00f6ster benediktinischer Tradition, die kl\u00f6sterliche Gemeinschaften in den Missionsl\u00e4ndern unterst\u00fctzt, wurde 1968 in Bangkok der intermonastische Dialog als Aufgabe offiziell aufgenommen. Eingeladen zu dieser Konferenz waren vor allem die Pioniere des intermonastischen Dialogs, unter anderem Thomas Merton, der w\u00e4hrend dieser Konferenz starb. Er hatte noch einige Wochen zuvor auf einer Versammlung von Ordensoberen in Kalkutta seine Rede mit den Worten beendet: \u201eUnd die tiefste Art der Kommunikation ist nicht Kommunikation, sondern Kommunion. Sie ist wortlos. Sie findet jenseits der Worte, jenseits der Rede und jenseits der Konzepte statt. Es ist nicht so, dass wir eine neue Einheit entdecken w\u00fcrden. Wir entdecken eine \u00e4ltere Einheit\u201c.<\/p>\n<p>Kardinal Sergio Pignedoli, der Vorsitzende des Sekretariates f\u00fcr die Nichtchristen, schrieb 1973 an den Abtprimas der Benediktiner in Rom, Rembert Weakland: \u201eTrotz der beschr\u00e4nkten und kurzen Erfahrung, die wir im interreligi\u00f6sen Dialog gemacht haben, zeigt sich deutlich, wie wichtig die monastische Tradition in diesem Bereich ist, besonders in Asien. Der M\u00f6nch stellt traditionell den \u201ahomo religiosus\u2018 zu allen Zeiten dar und ist ein Referenzpunkt f\u00fcr Christen und Nichtchristen zugleich. Die Existenz der kl\u00f6sterlichen Tradition im Herzen der Kirche ist wie eine Br\u00fccke zu allen Religionen.\u201c<\/p>\n<p>Der Abtprimas bat, nach Empfang des Schreibens Pignedolis\u2018 und nach Absprache mit dem Generalabt der Trappisten, das Sekretariat der AIM um Vorschl\u00e4ge, wie der intermonastische Dialog gestaltet werden k\u00f6nnte. 1977 bildeten sich die beiden Kommissionen Dialogue Interreligieux Monastique (DIM) f\u00fcr Europa und das North American Board for East West Dialogue (NABEWD) f\u00fcr Nordamerika. Damals waren beide Kommissionen noch dem Sekretariat der AIM ein- und untergeordnet worden. Nach 1977 kam es zu verschiedenen Begegnungen und Unternehmungen, die von der AIM und dem Sekretariat f\u00fcr die Nichtchristen in Rom aufmerksam verfolgt wurden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurde der intermonastische Dialog institutionell in der Arbeit des P\u00e4pstlichen Rates f\u00fcr die Religionen mitverankert. Die Aufgabe der DIM lautet somit: \u201eDialogue Interreligieux Monastique \/ Monastischer Interreligi\u00f6ser Dialog (DIMMID) ist eine internationale kl\u00f6sterliche Organisation, die zum Dialog ermutigt und den Dialog unterst\u00fctzt, insbesondere auf der Ebene der religi\u00f6sen Erfahrung und Praxis, zwischen christlich-kl\u00f6sterlich lebenden M\u00e4nnern und Frauen und Praktizierenden anderer Religionen. DIMMID ist ein Komitee des Benediktinerordens, mit formalen Verbindungen zu beiden Zweigen des Zisterzienserordens. Sie handelt in Verbindung mit dem P\u00e4pstlichen Rat des Heiligen Stuhls f\u00fcr Interreligi\u00f6sen Dialog und begr\u00fc\u00dft die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die sich dem interreligi\u00f6sen Dialog verschrieben haben.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Begegnungen zwischen Ost und West<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahre 1979 kam erstmals eine Gruppe buddhistischer M\u00f6nche und Nonnen nach Europa, um die Praxis christlichen Lebens in Benediktinerkl\u00f6stern kennenlernen zu k\u00f6nnen. Auch wir in St. Ottilien \u00f6ffneten damals nicht nur unsere T\u00fcren sondern auch unsere Herzen. Es war der \u201eErste geistliche Austausch Ost-West\u201c, an dem 22 buddhistische M\u00f6nche, zwei Nonnen, zwei Shintopriester und 13 weitere Begleiter aus Japan teilnahmen. W\u00e4hrend dieser Zeit teilten sie in Gruppen von f\u00fcnf bis sechs Teilnehmern das Leben mit den Gemeinschaften verschiedener Kl\u00f6ster benediktinischer Tradition in Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und Italien. Die G\u00e4ste aus Japan nahmen teil am t\u00e4glichen Leben der christlichen M\u00f6nche, sodass der Austausch nat\u00fcrlich auch ein gedanklicher Austausch, aber vor allem ein gegenseitiges Erfahren und Erleben war. Im Rahmen des Austausches fanden auch gemeinsame Tagungen und Begegnungen mit kulturellen und akademischen Vortr\u00e4gen und Vorf\u00fchrungen der Zen-K\u00fcnste statt. Den Abschluss bildeten eine Reise nach Rom und ein Symposium, bei dem die buddhistischen und die christlichen Teilnehmer ihre Erfahrungen und Eindr\u00fccke austauschen und besprechen konnten.<\/p>\n<p>Zum \u201eZweiten geistlichen Austausch Ost-West\u201c reisten 14 katholische M\u00f6nche, zwei Nonnen und ein Weltpriester aus England, Frankreich, Italien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden nach Japan, um nun ihrerseits den Alltag der Zen-M\u00f6nche mitzuerleben. Um die G\u00e4ste mit diesem Alltag vertraut zu machen, wurden sie in den ersten Tagen in Sogenji in das japanische Klosterleben eingef\u00fchrt, um dann, in Kleingruppen aufgeteilt, eine erste Woche in verschiedenen Zen-Kl\u00f6stern zu verbringen. Es waren Kl\u00f6ster der Soto-Zen und der Rinzai-Zen Tradition ausgesucht worden. Nach dem Aufenthalt in einem Kloster und dem Teilen des Lebens im Zendo besuchten die europ\u00e4ischen Teilnehmer die gro\u00dfen Zentren des japanischen Buddhismus und erfuhren in Besuchen und Vortr\u00e4gen viel \u00fcber Kultur und K\u00fcnste des Zen. W\u00e4hrend eines Symposiums in Kyoto gab jeder der angereisten Benediktiner in einem Bericht seine Eindr\u00fccke wieder. Diese waren gepr\u00e4gt von der zutiefst br\u00fcderlichen Aufnahme in den Zen-Kl\u00f6stern, von der Sch\u00f6nheit der Zen-Kultur und der tiefen Wirkung des Zazen. Insbesondere teilten alle die Erfahrung, dass das Leben mit dem Anderen Ermutigung und Anfrage f\u00fcr das eigene monastische Leben ist.<\/p>\n<p>Im Jahre 1987 konnte ich gemeinsam mit dem damaligen Erzabt von St. Ottilien, Notker Wolf OSB, den deutschsprachigen Zweig des Monastischen Interreligi\u00f6sen Dialogs gr\u00fcnden. Diese Gruppe koordiniert die Arbeit im Dialog der Kl\u00f6ster in \u00d6sterreich, der Schweiz und in Deutschland. Die Teilnahme der einzelnen Kl\u00f6ster ist sehr unterschiedlich, es waren vor allem die Kl\u00f6ster der Kongregation der Missionsbenediktiner, die am Austausch teilnahmen. Notker Wolf OSB hat als Abtprimas der Konf\u00f6deration der Benediktiner ab dem Jahre 2000 bis heute den Dialog der M\u00f6nche und Nonnen immer sehr unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Einige spezielle Erfahrungen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Austausch war von Anfang an von echter Br\u00fcderlichkeit gekennzeichnet und jedem Teilnehmer war klar, dass diese offene Freundschaft Zukunft hatte. So kam es in den Jahren danach bis heute zu weiteren Treffen, abwechselnd in Zenkl\u00f6stern in Japan, Korea, Taiwan, Ladakh\/Indien, Sri Lanka und in Kl\u00f6stern benediktinischer Tradition in Europa und in Nordamerika.<\/p>\n<p>Bald hat sich der Austausch st\u00e4rker auf Aufenthalte einzelner M\u00f6nche in europ\u00e4ischen Kl\u00f6stern konzentriert beziehungsweise auf Erfahrungen einzelner Benediktiner, die nach Ostasien gereist sind, um eine bestimmte Zeit in einem Kloster zu verbringen. Es fanden in Europa wie in Ostasien verst\u00e4rkt Tagungen und Treffen statt, die zum Thema verschiedene Aspekte des Monastischen Interreligi\u00f6sen Dialog hatten. Ebenfalls konnten freundschaftliche Kontakte zwischen Buddhistischen H\u00e4usern in Europa und benediktinischen Gemeinschaften im Geiste des Dialogs gekn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p>Exemplarisch f\u00fcr verschiedene Aufenthalte in Ostasien m\u00f6chte ich Beobachtungen in einem Zenkloster in Japan kurz darstellen. Eine erste Erfahrung war, dass die Traditionen des Buddhismus, die man kennenlernt, sehr verschieden sind, sodass es schwerf\u00e4llt, von \u201edem Buddhismus\u201c zu sprechen, wie es auch schwierig ist, von \u201edem Christentum\u201c zu sprechen. Die eigene Sicht des Buddhismus kann von der westlichen Denkart sehr gepr\u00e4gt sein. Eine von Weltanschauungen, abendl\u00e4ndischen Philosophien, von Theologie und Dogmen gepr\u00e4gte Sicht der eigenen Religion wird konkreter buddhistischer Praxis nicht immer gerecht. Unser Denken setzt falsche Schwerpunkte, dadurch verkehren wir zum Teil die Bedeutung buddhistischer Begriffe. Die Religion des Anderen lernt man vor allem auch durch Menschen kennen, die diese leben und praktizieren, ja, die durch sie ein Leben lang gepr\u00e4gt worden sind. Nur so erschlie\u00dft sich f\u00fcr den Besucher der \u201eSitz im Leben\u201c der fremden Religion und die tats\u00e4chliche Bedeutung einzelner Aspekte innerhalb des Buddhismus.<\/p>\n<p>Man lernt den Anderen nicht nur besser kennen, man lernt ihn zu respektieren, zu sch\u00e4tzen und eine gro\u00dfe Hochachtung vor seiner Jahrtausende alten Tradition zu entwickeln. Es ist ein intensiver Austausch erforderlich, um die Bedeutung vieler Begriffe und Traditionen in den einzelnen H\u00e4usern verstehen zu k\u00f6nnen. Auch die \u00dcbersetzungen erweisen sich teilweise als schwierig und es wird bewusst, wie viel Arbeit in das theologische Verst\u00e4ndnis der Texte gelegt werden muss.<\/p>\n<p>Eine weitere Beobachtung war, dass es letztlich unsere christliche Verwurzelung sowie die Kenntnis der eigenen monastischen Tradition waren, die uns eine vertiefte Sicht und ein besseres Verst\u00e4ndnis des Lebens im Zen-Kloster erm\u00f6glichten. Viele in einem Kloster bekannte spirituelle Hilfen und Erfahrungen findet man als Benediktiner in einem Zen-Kloster wieder. Es bef\u00e4llt einen in Japan geradezu ein heimisches Gef\u00fchl, denn viele Traditionen kannten wir aus unserem benediktinischen Alltag: Die Bedeutung des Schweigens in einem Kloster, der Stellenwert der Liturgie, die Erfahrung in einer Gemeinschaft zu leben, die Stellung des Abtes beziehungsweise Roshis als geistlicher F\u00fchrer in einer kl\u00f6sterlichen Gemeinschaft und dergleichen mehr. Die jahrelange Erfahrung in unserer benediktinischen Tradition war f\u00fcr uns eine entscheidende Br\u00fccke zum Verst\u00e4ndnis des Buddhismus, so wie wir ihn kennenlernten.<\/p>\n<p>\u201eZen\u201c ist in der japanischen Sprache die \u00dcbertragung des chinesischen \u201eCh&#8217;an-na\u201c, das wiederum die \u00dcbertragung des Sanskrit-Wortes Dhyana ist und die Sammlung des Geistes und die Versunkenheit bezeichnet, in der alle dualistischen Unterscheidungen wie Ich\/Du, Subjekt\/Objekt, wahr\/falsch aufgehoben sind. Zen l\u00e4sst sich auf zwei Arten definieren. Es bezeichnet eine Schule des Mahayana-Buddhismus, die sich im China des 6. und 7. Jahrhunderts aus den Begegnungen des von Bodhidharma nach China \u00fcbermittelten Dhyna-Buddhismus mit dem Taoismus entwickelte. Als solche ist Zen eine Religion, deren Lehren und Praktiken darauf gerichtet sind, zur Selbstwesenschau (Kensho, Satori) und schlie\u00dflich zum vollen Erwachen (Erleuchtung) zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Zen ist aber zugleich auch keine Religion, sondern die nicht definierbare, nicht vermittelbare, von jedem einzelnen nur f\u00fcr sich selbst erfahrbare Wurzel, aus der als Ausdrucksform dieser Erfahrung alle Religionen entspringen. Diese Wurzel ist frei von jeglichen Namen, Bezeichnungen und Begriffen. In diesem Sinn ist Zen an keine Religion gebunden, auch nicht an die buddhistische Tradition. Es ist die von den gro\u00dfen Weisen, Heiligen und Religionsstiftern aller Zeiten und Kulturen erfahrene und mit den verschiedensten Namen bezeichnete \u201eUr-Vollkommenheit\u201c alles Seienden. Zen ist daher keine Methode, sondern unmittelbarer Ausdruck und die Aktualisierung der in jedem Menschen in jedem Augenblick gegenw\u00e4rtigen Vollkommenheit.<\/p>\n<p>Das oft mit \u201eSitzen in Versunkenheit\u201c \u00fcbersetzte \u201eZazen\u201c bezeichnet die intensivste und direkteste meditative Praxis, die zur Erleuchtung f\u00fchrt. Zazen ist allerdings keine Meditation, wie wir sie aus unserer abendl\u00e4ndischen Tradition kennen. Sie kennt die Konzentration auf einen Text oder ein Meditationsobjekt nicht. Zazen soll den Geist aus der Knechtschaft jeglicher Fixierungen, Gedankenformen, Dingen oder Vorstellungen befreien, wie erhaben und heilig diese Vorstellungen auch immer sein m\u00f6gen. In seiner reinsten Form ist Zazen das Verweilen in einem Zustand gedankenfreier, hellwacher Aufmerksamkeit, die jedoch auf kein Objekt gerichtet ist und an keinem Inhalt haftet.<\/p>\n<p>Neu war die Erkenntnis, dass Zen nicht nur die Meditation im Lotussitz ist. Zen ist ein ganzes Lebensprogramm, die Meditation im Lotussitz ist nur eine Auspr\u00e4gung von Zen, wenn auch die Wichtigste. Im Zen dr\u00fcckt sich aus, wie ich gehe, arbeite, Menschen begegne, mit der Natur umgehe. Ein vom Zen gepr\u00e4gter Mensch ist innerlich immer in Bewegung und geistig pr\u00e4sent. Die Zenmeister (Roshis) waren geradezu entsetzt zu erfahren, dass Zen in Europa fast nur als Zen-Meditation im Lotussitz bekannt ist.<\/p>\n<p>Im Zen ist die Arbeit ein wichtiger, von den Priorit\u00e4ten her der spirituellen Ein\u00fcbung der Zenpraxis nachgeordneter Teil des Weges im Zen-Kloster. Die Arbeit hat einen spirituellen Wert in sich. Es handelt sich fast ausschlie\u00dflich um Garten- und Putzarbeit. Es ist bedauerlich, dass diese reiche und alte Tradition des Zen in der breiten \u00d6ffentlichkeit in Japan \u00fcberhaupt nicht mehr bekannt ist. Zen w\u00e4re ein Antwort und eine Orientierung f\u00fcr viele entwurzelte Menschen in Japan. Die japanische Gesellschaft erschien uns insgesamt mindestens genauso konsumorientiert wie die europ\u00e4ische Gesellschaft.<\/p>\n<p>Zen und die Meditation im Lotussitz (Zazen) sind ungeheuer wertvolle und tiefe Quellen religi\u00f6ser Erfahrung. Mit viel Takt, Diskretion und Liebe wurden wir in die Praxis des Zen eingef\u00fchrt. Es war das erkl\u00e4rte Ziel der uns begleitenden Zenmeister uns durch die Zenpraxis eine neue Quelle zu erschlie\u00dfen und uns so \u2013 wie sie es mehrfach wiederholten \u2013 zu besseren Christen werden zu lassen.<\/p>\n<p>Es sei hier erw\u00e4hnt, dass die in Europa weilenden Zenm\u00f6nche sehr \u00fcberrascht und beeindruckt davon waren, dass Benediktinerkl\u00f6ster \u00fcber modernste technische Errungenschaften verf\u00fcgen sowie Schulen, Druckereien, Werkst\u00e4tten f\u00fchren, die dem entsprechenden Entwicklungsstand im Land entsprechen. Ein Zenkloster in Japan ist eher vergleichbar mit einem Ausbildungszentrum f\u00fcr junge M\u00f6nche. Das Leben im Zenkloster ist strenger und entbehrungsreicher. Die jungen M\u00f6nche leben dort etwa vier Jahre, gr\u00fcnden anschlie\u00dfend gr\u00f6\u00dftenteils eine Familie und sind als Tempelpriester in einer Pfarrei t\u00e4tig. In anderen L\u00e4ndern Ostasiens existiert die buddhistische Klostergemeinschaft als Lebensgemeinschaft.<\/p>\n<p>In christlichen Kl\u00f6stern ist die gegenstandsbezogene Meditation sehr verbreitet, man meditiert und \u201ebetrachtet wiederk\u00e4uend\u201c zum Beispiel einen Text der Heiligen Schrift, liest ihn nicht nur um eine Information aus dem Text zu holen, sondern vor allem um die Lesung in ein Gebet einm\u00fcnden zu lassen. Die Lesung wird zum Gebet und im Idealfall zur \u201eSchau Gottes\u201c, zu einer Erfahrung jenseits des Textes. Viele christliche Autoren bezeichnen dies als Kontemplation. Durch \u201eWiederk\u00e4uen\u201c und Meditieren der Aussagen der Heiligen Schrift tritt man in die Realit\u00e4t Christi ein, man betet und versucht sich den Text zu eigen zu machen und ihn im eigenen Leben anschlie\u00dfend zu verwirklichen. Lectio, Meditatio und Oratio sind in der Geschichte der Spiritualit\u00e4t als benediktinische Gebetsmethode eingegangen. Es w\u00e4re zu eng, sie nur in Verbindung mit dem Gebet zu sehen. Ihre eigentliche Sto\u00dfrichtung ist die klare Erkenntnis des Rufes Gottes in der jeweiligen Situation.<\/p>\n<p>Nichts ist f\u00fcr benediktinisches Leben so kennzeichnend wie der liturgische Gottesdienst und das Stundengebet. Benedikt \u00fcbernimmt hier vieles aus der Tradition vor ihm. Er bezeichnet das M\u00f6nchsleben als solches, das sich im Gebet verdichtet. Benedikt ordnet in seiner f\u00fcr das Abendland pr\u00e4genden Regel das gemeinsame Gebet der M\u00f6nche. Vergeblich sucht man in der Regel eine theologische Grundlegung des Gebets, daf\u00fcr werden Ablauf und Aufbau der einzelnen Gebetszeiten und die f\u00fcr ihren w\u00fcrdigen Vollzug erforderlichen Haltungen ausf\u00fchrlich geschildert. Das Gebet hat Vorrang vor jeder anderen T\u00e4tigkeit, es bestimmt den Rhythmus des Tages, er\u00f6ffnet, begleitet und beschlie\u00dft ihn. In dieser rituellen und spirituellen Auspr\u00e4gung besteht eine gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit zwischen buddhistischen und christlichen Klostergemeinschaften. Das ganze Leben und jede Arbeit des M\u00f6nchs in einem Benediktinerkloster werden vom Gebet umrahmt und durchdrungen. Nur wer in allem Gott vor Augen hat und in seiner Gegenwart lebt, wird nichts gegen ihn tun. Der Akzent beim Gottesbild der Regel Benedikts und der alten M\u00f6nche liegt eindeutig auf der Gegenwart, nicht auf der Vergangenheit oder der Zukunft. Beten hei\u00dft: bewusst in Gottes Gegenwart eingehen und darin aufgehen. Ein M\u00f6nch sucht und erf\u00e4hrt Gott nicht so sehr in der Erinnerung, sondern im Hier und Heute des Daseins. Was es um die Gegenwart ist, wird von Gott her bestimmt. Im Gebet werden Gott und Gegenwart zusammengehalten und in ihrem Miteinander wahrgenommen, in ihrem Zusammenhang und in ihrer Verwiesenheit f\u00fcr den Glauben transparent. In ihm wird das Leben von der Perspektive des gegenw\u00e4rtigen Gottes aus feiernd, dankend und heilend in den Blick genommen. Dieselbe auf die konkrete Praxis ausgerichtete Lebensgestaltung findet man im Zenkloster wieder. Das Hier und Jetzt sind entscheidend.<\/p>\n<p>In den Zenkl\u00f6stern haben wir gelernt, dass Begegnungsformen und Zeremonien wichtige Tr\u00e4ger und Vermittler einer geistlichen Tradition sein k\u00f6nnen. Haben wir in Europa nicht des \u00d6fteren die Bedeutung dieser Umgangsformen und Riten verloren? Die Teezeremonie empfanden wir zum Beispiel als eine tiefe Form von Kommunion und Kommunikation ohne Worte. Die zahlreichen Verneigungen der M\u00f6nche voreinander und vor ihrem Zenmeister waren nicht nur leere Formen sondern Zeichen tiefen gegenseitigen Respekts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die geistlichen Grundhaltungen als Orte der Begegnung<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Begegnungen im kl\u00f6sterlichen Alltag entsprechen Begegnungen in der Spiritualit\u00e4t. In den geistlichen Grundhaltungen der beiden monastischen Traditionen findet sich sowohl Gemeinsames, was aufeinander bezogen werden kann, als auch bedeutsame Unterschiede, die trennen. Dies gilt vor allem f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und den Begriff von Person und letzter Wirklichkeit. Dieser Themenbereich ist im buddhistisch-christlichen Dialog von gro\u00dfer Brisanz, er ist sowohl Hindernis als auch Chance. Es ist sicher zu oberfl\u00e4chlich, dem Buddhismus einen Personenbegriff abzusprechen oder einen christlichen Personenbegriff aufzudr\u00e4ngen. Ebenso falsch w\u00e4re es, im buddhistischen Kontext unreflektiert von Gott zu reden oder den Buddhismus als \u201eGott-los\u201c einzuordnen.<\/p>\n<p>Benedikt beginnt seine Regel mit der Aufforderung: \u201eH\u00f6re, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters\u201c. Benedikt geht es im Kloster um die Einrichtung einer \u201eSchule f\u00fcr den Dienst des Herrn\u201c. Der wahre Meister ist Christus, wie es auch das Johannesevangelium bezeugt (Joh 13,13). Christsein hei\u00dft: Christus immer \u00e4hnlicher zu werden. Benedikt schlie\u00dft den Prolog mit den Worten: \u201eDarum wollen wir uns seiner Unterweisung niemals entziehen und in seiner Lehre im Kloster ausharren bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden Christi Anteil haben, dann d\u00fcrfen wir auch mit ihm sein Reich erben\u201c. Das Befolgen der Weisung ist nicht einfach das Einhalten von \u00fcberlieferten Lebensregeln, sondern es ist das entschiedene Gehen in der Nachfolge des Herrn, das in der Teilhabe an seinem Leiden am deutlichsten wird.<\/p>\n<p>Auch im Buddhismus sind Lehre (Dharma) und Weg (Yana) eins, auch hier bem\u00fcht sich der M\u00f6nch, den Weg Buddhas nachzugehen. Ein erster Schritt besteht darin, wie Buddha ein Leben der Hauslosigkeit auf sich zu nehmen. Im kl\u00f6sterlichen Leben bem\u00fcht er sich um eine Ann\u00e4herung an Buddha, indem er ihn verehrt, sich wie Buddha in der Meditation um die Erleuchtung bem\u00fcht, die Laienanh\u00e4nger in der Lehre unterrichtet. Im Mahayana geht es ganz entscheidend darum, die eigene Buddha-Natur zu entfalten und zu verwirklichen. Als h\u00f6chste Realit\u00e4t wird der \u201eDharma-Leib\u201c anerkannt, der allen Buddhas gemeinsam ist und in dem sie alle eins sind. Der Dharma-Leib ist jenseits aller Gef\u00fchlsregungen, er ist zugleich Gesetz, Regel und geistiger K\u00f6rper des Buddha. Diese vollkommene Wirklichkeit kann nur in der Erleuchtung erfasst werden, die mit dieser Erkenntnis auch die Verwirklichung der eigenen Buddha-Natur verbindet, die das eigene tiefste Wesen ausmacht. Zu dieser Erleuchtung soll der Zen-Weg f\u00fchren: \u201eEine besondere \u00dcberlieferung au\u00dferhalb der Schriften, unabh\u00e4ngig von Wort und Schriftzeichen: Unmittelbar des Menschen Herz zeigen \u2013 die (eigene) Natur schauen und Buddha werden\u201c. Die Konsequenz f\u00fcr den, der den Buddha-Weg geht, fasst Dogen Zenghi, Begr\u00fcnder der Soto-Zen Schule in Japan, in folgende Worte: \u201eDen Buddha-Weg lernen hei\u00dft das eigene Selbst lernen. Das eigene Selbst lernen hei\u00dft das eigene Selbst vergessen\u201c. Das Vergessen des eigenen Selbst hat als Frucht die Erleuchtung, die aber \u00fcber sich hinausweist und als Selbstlosigkeit im allt\u00e4glichen Leben gelebt werden muss.<\/p>\n<p>Auch im Christentum findet sich im Zusammenhang mit der Kreuzesnachfolge Jesu Aufforderung zur Selbstverleugnung: Nur Christus kennen, nicht mehr sich selbst, nur noch ihn sehen, der uns vorangeht, und nicht mehr den Weg, der uns schwer ist. In dieser Nachfolge muss der M\u00f6nch dem Eigenwillen entsagen, wie Benedikt es im Kapitel \u201eDe humilitate\u201c mehrmals fordert. Der Weg des M\u00f6nchs als Aufstieg zu Gott ist der absteigende Weg der Selbstent\u00e4u\u00dferung, denn \u201edurch Selbsterh\u00f6hung steigen wir hinab und durch Demut hinauf\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Kenosis als Ber\u00fchrungspunkt buddhistischer und christlicher Spiritualit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Demut betrachtet Benedikt als einen Weg der Reifung, der den Menschen zu seinem wirklichen Selbst, zu Christus und damit zu Gott f\u00fchrt. Es geht darum, gesinnt zu sein wie Christus. Der Weg Christi hat in letzter Konsequenz zum Kreuz gef\u00fchrt, von dem Abbas Hyperichius sagt: \u201eDer Baum des Lebens ber\u00fchrt den Himmel; aber die Demut des M\u00f6nchs kann ihn trotzdem besteigen\u201c. Das Kreuz ist der \u00e4u\u00dferste Ausdruck der Ent\u00e4u\u00dferung (griechisch Kenosis) Christi und steht im Zentrum christlichen Lebens. Diese Kenosis unterscheidet zwar den christlichen Glauben von den anderen Religionen, doch kann er als Weg des Loslassens und des Leerwerdens von sich selbst im Dialog mit dem Buddhismus zu einem Ort der Begegnung werden.<\/p>\n<p>Der in Sri Lanka lebende und im buddhistisch-christlichen Dialog engagierte Jesuit Aloysius Pieris schreibt mit Recht: \u201eDer Buddhist wird erst dort mit dem Christen echt ins Gespr\u00e4ch kommen, wo er die christliche Dogmatik als inzwischen zwar komplizierten, dennoch aber konsequenten Einsatz f\u00fcr die Freiheit eines unbeschreiblichen Gottes versteht, die der Mensch nicht ergr\u00fcnden kann. Der Christ wird seinerseits mit dem Buddhisten nur dort echt ins Gespr\u00e4ch kommen, wo der existentielle Vollzug seiner eigenen Selbstlosigkeit und Selbstent\u00e4u\u00dferung und damit der Selbstlosigkeit und Selbstent\u00e4u\u00dferung Christi zu sprechen beginnt. Die Chance f\u00fcr beide liegt im Sich-selbst-Loslassen.\u201c<\/p>\n<p>Dies ist der entscheidende Ber\u00fchrungspunkt zwischen buddhistischer und christlicher Spiritualit\u00e4t. Der geistliche Austausch erm\u00f6glicht die Begegnung in und mit der Herzmitte der Religionen. So k\u00f6nnen in ihrer eigenen \u00dcberlieferung verwurzelte Menschen ihre Erfahrungen austauschen als Ausdrucksformen und Wege des Suchens nach dem Absoluten. Diese Art von Dialog f\u00fchrt zu gegenseitiger Bereicherung. Man teilt sich gegenseitig die Gr\u00fcnde des eigenen Glaubens mit, dieses Mitteilen aber h\u00f6rt nicht auf angesichts manchmal tiefgreifender Gegens\u00e4tze, man vertraut sich vielmehr in Demut und Zuversicht Gott an, \u201eder gr\u00f6\u00dfer ist als unser Herz\u201c (1 Joh 3,20).<\/p>\n<p>Ein Benediktinerkloster ist aber auch allgemein ein guter Ort f\u00fcr den Dialog der Religionen. Aus diesem Grund ergab sich seit letztem Jahr ein christlich-muslimischer Dialog mit Schiiten der Universit\u00e4t Ghom im Iran. Nach einem Besuch im Iran, wo wir sehr gastlich aufgenommen worden waren, wollen wir im April 2016 in St. Ottilien eine gemeinsame Tagung zur \u201esozialen Gerechtigkeit\u201c ausrichten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit mehreren Jahren begegnen sich katholische und buddhistische M\u00f6nche regelm\u00e4\u00dfig und entdecken viel Gemeinsames in ihren Lebensweisen, die doch weit \u00fcber ein Jahrtausend unabh\u00e4ngig voneinander gewachsen sind. Diese Begegnungen geh\u00f6ren zu einem gr\u00f6\u00dferen Geschehen, welches mit \u201eDialog der Religionen\u201c bezeichnet wird. 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