{"id":120910,"date":"2026-03-23T10:39:19","date_gmt":"2026-03-23T09:39:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=120910"},"modified":"2026-03-23T10:39:19","modified_gmt":"2026-03-23T09:39:19","slug":"die-rolle-der-geschlechter-im-christentum","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-rolle-der-geschlechter-im-christentum\/","title":{"rendered":"Die Rolle der Geschlechter im Christentum"},"content":{"rendered":"<h3><strong> Geschlechterrollen in den Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlungen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es liegt nahe, in einem Vortrag \u00fcber Geschlechterrollen im Christentum buchst\u00e4blich bei \u201eAdam und Eva\u201c zu beginnen, genauer gesagt mit den beiden Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlungen im Alten Testament, die sich mit der Entstehung des Menschen befassen. Die Erz\u00e4hlung von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen mit dem anschlie\u00dfenden Ruhetag Gottes, die zum priesterschriftlichen Traditionsstrang geh\u00f6rt, stellt die Erschaffung der Menschen an das Ende des g\u00f6ttlichen Wirkens. Der Mensch wird nach dem Bilde Gottes und in zwei Geschlechtern erschaffen. Die meisten deutschen \u00dcbersetzungen sprechen davon, dass der Mensch als \u201eMann und Frau\u201c geschaffen wird. Eigentlich aber verwendet der hebr\u00e4ische Text die Worte f\u00fcr \u201em\u00e4nnlich\u201c und \u201eweiblich\u201c, die \u2013 anders als die \u00dcbersetzung \u201eMann und Frau\u201c \u2013 nicht unmittelbar die Vorstellung eines ersten Ehepaares suggerieren.<\/p>\n<p>Die nicht-priesterschriftliche Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung, die im Alten Testament an zweiter Stelle steht \u2013 die Erz\u00e4hlung von Adam und Eva im Garten Eden \u2013, weist zu der eben betrachteten einige Unterschiede auf. In der priesterschriftlichen Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung werden M\u00e4nner und Frauen gleichzeitig geschaffen, Adam und Eva aber nacheinander. Adam ist zuerst da, und die Frau entsteht aus Adam heraus. Im ersten Fall gelten beide Geschlechter als Abbild Gottes, im zweiten k\u00f6nnte man fragen, ob der Mann das eigentliche Abbild Gottes ist und die Frau dies nur indirekt \u00fcber den Mann. Bedeutet die Reihenfolge der Entstehung, dass die Frau dem Manne nachgeordnet und von ihm abh\u00e4ngig ist? Liest man weiter und kommt zu der Erz\u00e4hlung vom S\u00fcndenfall, stellt sich die Frage, ob die Frau dort als Ursache des B\u00f6sen herausgestellt wird. Und wird bei der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten Eden nicht die Herrschaft des Mannes \u00fcber die Frau legitimiert und festgeschrieben f\u00fcr alle Zeiten?<\/p>\n<p>Bereits vor l\u00e4ngerer Zeit haben sich feministische Exegetinnen an die Arbeit begeben, diesen Eindruck zu widerlegen, der die Wirkungsgeschichte der Texte nachhaltig bestimmt hat. Inzwischen d\u00fcrfte es zum Mainstream in der Exegese geh\u00f6ren, dass die negative Rolle, in der die Frau hier erscheint, einerseits dem patriarchalen Umfeld geschuldet ist, andererseits aber auch den Sinn des Textes nicht voll trifft. Welche Teile der Auslegung werden hier kritisiert?<\/p>\n<p>Gott sieht, dass es nicht gut ist, dass der Mensch allein ist, und beschlie\u00dft, ihm eine Hilfe zukommen zu lassen. Gott formt dann aus dem Ackerboden, aus dem auch der Mensch gemacht ist, alle Tiere des Feldes und die V\u00f6gel des Himmels, muss dann aber feststellen, dass diese nicht die ad\u00e4quate Hilfe f\u00fcr den Menschen sind. Das Wort \u201eHilfe\u201c spielt eine wichtige Rolle. Im Deutschen denkt man in diesem Zusammenhang eher an eine untergeordnete, dienende Person, wie beispielsweise eine Magd. Das Wort \u201eHilfe\u201c wird an anderen Stellen der hebr\u00e4ischen Bibel zumeist auf Gott bezogen und meint eine Hilfe, die der Mensch sich alleine nicht geben kann. Der Mensch ist in bestimmten Situationen auf die Hilfe Gottes angewiesen. Wenn das Wort \u201eHilfe\u201c also in der Regel f\u00fcr Gott gebraucht wird, kann damit keine Unterordnung oder Minderbewertung der Frau gemeint sein.<\/p>\n<p>Die Erschaffung Evas aus der vermeintlichen Rippe Adams ist ebenfalls ein Motiv mit einer nachhaltigen Wirkungsgeschichte. In der Kunst wurde es oft in der Weise aufgegriffen und dargestellt, dass Gott die Frau aus der Seite des Mannes herauszieht. Das im Text verwendete hebr\u00e4ische Wort meint auch eher die \u201eSeite\u201c oder die \u201eFlanke\u201c und nicht eine Rippe. Die Frau entsteht folglich nicht aus einem fast \u00fcberfl\u00fcssigen K\u00f6rperteil des Mannes, sondern es ist eine ganze Seite oder Flanke des Mannes erforderlich.<\/p>\n<p>Auch die Erz\u00e4hlung vom S\u00fcndenfall hat eine sehr lange und intensive Wirkungsgeschichte und bietet f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Darstellung dankbare Motive. Das Essen der verbotenen Frucht hat sofortige Folgen f\u00fcr Adam und Eva: beide werden aus dem Garten vertrieben. Gott spricht dabei zu ihnen in einer Weise, die traditionell als Ank\u00fcndigung von Strafen verstanden wird, die das weitere Leben der Menschen pr\u00e4gen. Die Frau wird \u201eM\u00fchsal\u201c haben dadurch, dass sie schwanger wird und Kinder gebiert, der Mann durch die Bestellung des Ackerbodens, dem er die notwendige Nahrung m\u00fchsam abringen muss.<\/p>\n<p>Mit dem Wort \u201eM\u00fchsal\u201c ist die harte, anstrengende Arbeit gemeint. Diese Arbeit ist das parallele Schicksal beider Geschlechter, in der deutschen \u00dcbersetzung aber wird bei der Frau von \u201eSchmerzen\u201c bei der Geburt gesprochen. Im hebr\u00e4ischen Text geht es um die gleicherma\u00dfen anstrengende Arbeit des Geb\u00e4rens und des Bestellens des Ackerbodens, nicht um die Deutung von Geburtswehen als Strafe. Die heutige Exegese deuten diese Worte nicht als Strafank\u00fcndigungen oder Straffolgen, sondern als eine \u00c4tiologie. Das bedeutet, dass aus der Retrospektive erkl\u00e4rt wird, warum ein Zustand so ist, wie er ist. Der Verfasser betrachtet also seinen Jetzt-Zustand und projiziert diesen in eine mythologische Vorzeit. Andere \u00c4tiologien erkl\u00e4ren zum Beispiel, warum ein bestimmter Ort als heiliger Ort gilt oder dort eine bestimmte Form religi\u00f6ser Verehrung ausge\u00fcbt wird. Genau so muss man auch die vermeintlichen \u201eStrafspr\u00fcche\u201c verstehen. Es wird der Ist-Zustand beschrieben, der durch die Herrschaft des Mannes \u00fcber die Frau gekennzeichnet ist sowie durch die M\u00fchsal der jeweiligen Arbeit, aber es wird nicht damit gesagt, dass Gott dies als Strafe angeordnet hat oder das so gewollt hat. Das von Gott gewollte Verh\u00e4ltnis der Geschlechter ist, der Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung zufolge, das Zusammenleben im Garten Eden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Geschlechterrollen im Neuen Testament<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Neuen Testament k\u00f6nnen wir eine gewisse Ambivalenz hinsichtlich der Geschlechterrollen feststellen. Auf der einen Seite finden wir Aussagen \u00fcber die spirituelle Gleichheit von Frauen und M\u00e4nnern, die bekannteste Stelle daf\u00fcr ist Gal 3,28. Hier werden alle damals relevanten gesellschaftlichen Unterschiede aufgehoben: Es z\u00e4hlt weder, ob jemand Sklave ist oder frei, Jude oder Heide, noch Mann oder Frau, sondern alle sind einer in Jesus Christus. Frauen folgen Jesus nach, J\u00fcngerinnen unterst\u00fctzen ihn. In den fr\u00fchen Gemeinden partizipieren die Frauen an den \u00c4mtern: Es gibt Frauen, die Gemeinden leiten oder die Funktion eines Apostels wahrnehmen. Besonders ergiebig ist in dieser Hinsicht der Schluss des R\u00f6merbriefes mit seiner langen Gru\u00dfliste (zum Beispiel Phoebe als \u201ediakonos\u201c der Gemeinde in Kenchr\u00e4a, Apostelpaare wie Andronikus und Junia).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist aber auch die Unterordnung von Frauen Thema, zum Beispiel im Schweigegebot oder Verschleierungsgebot im Gottesdienst. Vor allem die Haustafeln, die aus dem antiken Umfeld \u00fcbernommen werden und von dem <em>pater familias<\/em> als Familienoberhaupt ausgehen, stellen Verhaltensma\u00dfregeln f\u00fcr alle Bewohner des Hauses auf, die eine Unterordnung unter das Oberhaupt zum Gegenstand haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die symbolische Geschlechterordnung<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besondere Bedeutung und langfristige Wirkung hat im Christentum eine symbolische Geschlechterordnung, die theologische Inhalte ausdr\u00fccken und veranschaulichen soll. Zum Beispiel werden im Alten Testament m\u00e4nnliche und weibliche Rollen Gott beziehungsweise dem Volk Israel zugeordnet. Vor allem in den prophetischen B\u00fcchern wird Gott als Ehemann symbolisiert, das Volk Israel als Ehefrau, vor allem als geliebte Frau, aber auch als untreue. Die sexuelle Untreue wird zum Symbol f\u00fcr die mangelnde Bundestreue des Volkes. Im Neuen Testament wird die Verbindung zwischen Christus und der Kirche als Braut-Verh\u00e4ltnis symbolisiert. Diese Zuordnung von m\u00e4nnlichen und weiblichen Rollen wird schlie\u00dflich auch auf das Gegen\u00fcber und Miteinander von Amt und Gemeinde \u00fcbertragen: Das Amt wird m\u00e4nnlich gedeutet, die Gemeinde weiblich. Diese Zuordnung wird auch als Legitimation f\u00fcr den Ausschluss von Frauen von der sakramentalen Ordination herangezogen.<\/p>\n<p>In der Vorstellung von Gott als Vater und der Kirche als Mutter sind ebenfalls Geschlechtsrollenzuschreibungen wirksam. In der Mystik wird die Seele Christus gegen\u00fcber als weiblich begriffen: Die Seele ist die Braut und Christus der Br\u00e4utigam, und beide sehnen sich nach einer Vereinigung miteinander.<\/p>\n<p>Die Funktion der symbolischen Geschlechterordnung besteht darin, dass zum einen eine Differenz zwischen Gott und Mensch angezeigt werden soll, andererseits aber auch eine Beziehung der Liebe. Wenn Gott m\u00e4nnlich und das Volk Israel oder die Kirche weiblich verstanden werden, dann wird damit eine Differenz zwischen Gott und Mensch ausgedr\u00fcckt. Gott und Mensch sind voneinander getrennt, sie sind verschieden. Andererseits zeigt sich im Symbol der Brautschaft oder der Ehe auch eine liebevolle Beziehung zwischen Gott und Mensch. Vor allem f\u00fcr die mystische Vereinigung der Seele mit Christus werden viele erotische Bilder und Metaphern verwendet.<\/p>\n<p>Neben diesen beiden Funktionen der symbolischen Geschlechterordnung gibt es noch eine dritte, die h\u00e4ufig Probleme schafft, wenn n\u00e4mlich mit der Zuordnung von m\u00e4nnlichen und weiblichen Geschlechterrollen ein Verh\u00e4ltnis von \u00dcber-und Unterordnung ausgedr\u00fcckt werden soll. Handelt es sich um das Verh\u00e4ltnis von Gott und Volk Israel, von Gott und Kirche oder Christus und Kirche, ist dies zutreffend und nachvollziehbar, nicht aber f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von M\u00e4nnern und Frauen. Dass der Ehemann der Ehefrau \u00fcbergeordnet ist, trifft nur f\u00fcr patriarchale Gesellschaftsordnungen zu.<\/p>\n<p>Die symbolische Geschlechterordnung des Christentums beruht also auf einem patriarchal gestalteten Verh\u00e4ltnis der Geschlechter. Gott und den menschlichen Mann verbinden in diesem Modell die Liebe zum Volk Israel\/zur Kirche beziehungsweise zur Frau, aber auch die jeweilige Herrschaft, das Volk Israel\/die Kirche beziehungsweise die menschliche Frau verbinden die Liebe zum Mann, aber auch der geschuldete Gehorsam. Ver\u00e4ndert sich nun das Geschlechterverh\u00e4ltnis auf der gesellschaftlichen Ebene in Richtung eines partnerschaftlichen Beziehungsideals, lassen sich diese Bilder nicht weiter anwenden. Dass der Mann seine Frau so lieben soll, wie Christus die Kirche liebt, w\u00e4re eine Aussage, die beibehalten werden kann, aber dass er \u00fcber die Frau herrscht wie Christus \u00fcber die Kirche herrscht beziehungsweise die Frau ihm gehorsam sein soll wie die Kirche Christus gehorsam sein soll, ist nicht mehr plausibel. Der Vergleichspunkt kann nur noch die Liebe sein. Das hei\u00dft, der Mann soll die Frau lieben, wie Christus die Kirche liebt, und auch die Frau soll den Mann lieben, wie Christus die Kirche liebt. Dann aber entf\u00e4llt die Polarit\u00e4t der Geschlechter als Symbol f\u00fcr das Gegen\u00fcber von Gott und Mensch.<\/p>\n<p>L\u00e4sst sich dieses Problem durch eine Fokussierung auf die Verschiedenheit der Geschlechter in dem Sinne l\u00f6sen, dass die Geschlechter andersartig, aber gleichwertig sind? Man w\u00fcrde damit an der Differenz festhalten, ohne mit ihr eine Rangordnung auszudr\u00fccken. Die Geschlechter st\u00fcnden dann in einem Verh\u00e4ltnis der Komplementarit\u00e4t zueinander, statt einer \u00dcber- und Unterordnung. Es ist zuzugestehen, dass mit diesem Modell Diskriminierungen vermieden werden sollen. Latent sind aber Diskriminierungen enthalten, die mit der Betonung der \u201eNat\u00fcrlichkeit\u201c der Geschlechterdifferenz zusammenh\u00e4ngen. Was kulturell nicht mehr als Differenz besteht, soll nun mit einer \u201enat\u00fcrlichen\u201c Ungleichheit ausgedr\u00fcckt werden, damit die Polarit\u00e4t erhalten bleibt. Hinter diese \u201eNatur\u201c kann dann konsequenterweise nicht zur\u00fcckgegangen werden.<\/p>\n<p>Damit allerdings wird ein theologisches Konzept naturalisiert. Macht man sich theologisch die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau zunutze, um das Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und Mensch oder Christus und der Kirche zu veranschaulichen, wird es problematisch, wenn man dieses theologische Konzept, das ja auf Symbolisierungen beruht, auf biologische Gegebenheiten zur\u00fcckf\u00fchrt und diese biologischen Gegebenheiten aufgrund ihrer \u201eNat\u00fcrlichkeit\u201c zur Norm macht. Dann erscheinen die bin\u00e4re Geschlechterordnung und entsprechend auch die Heterosexualit\u00e4t als \u201enat\u00fcrlich\u201c und als sch\u00f6pfungsgem\u00e4\u00df, das hei\u00dft als Plan Gottes, der andere sexuelle Orientierungen und Lebensformen ausschlie\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Keine Naturalisierung einer symbolischen Geschlechterordnung!<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon die symbolische Geschlechterordnung selbst bietet bereits Ansatzpunkte f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Vielfalt. Gott beispielsweise kann weiblich symbolisiert werden. Das Alte Testament kennt Bilder von Gott als Mutter, zum Beispiel als stillende Mutter. Auch Papst Johannes Paul II. hat immer davon gesprochen, dass Gott unser Vater, aber auch unsere Mutter sei. Alleine das k\u00f6nnte die einseitige m\u00e4nnliche Symbolisierung Gottes schon aufbrechen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr Christus. Es gibt mystische und theologische Str\u00f6mungen im Mittelalter, in denen Christus als Mutter bezeichnet wird oder der Kreuzestod Christi mit weiblicher Symbolik in Verbindung gebracht wird. Mit dieser flexiblen Symbolik hinsichtlich der Geschlechter k\u00f6nnte man zum Beispiel die Einseitigkeit der symbolischen Zuordnung hinsichtlich des Amtes \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Auch die Betrachtung der Gestalt Mariens, die ja in der katholischen Tradition eine sehr gro\u00dfe Rolle spielt, zeigt die Problematik einer Naturalisierung theologischer Konzepte. Ordnet man Maria in die dargestellte symbolische Geschlechterordnung ein, bringt sie die feste Ordnung durcheinander. Maria kann mit der Kirche identifiziert werden, dann ist sie Braut Christi, aber andererseits Mutter Jesu Christi. Als Symbol f\u00fcr die Kirche ist sie die Mutter aller Menschen, wie Gott unser Vater ist. Gleichzeitig gilt Maria aber auch als Mutter der Kirche. Diese vielf\u00e4ltige Symbolik, die Maria zugeschrieben wird, sprengt also bereits die symbolische Geschlechterordnung, die wir er\u00f6rtert haben, und macht deutlich, dass diese Symbolik nichts \u201eNat\u00fcrliches\u201c ist und sich nicht auf Biologie zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Es gibt also schon im inneren theologischen Bereich die M\u00f6glichkeit, eine fixe symbolische Geschlechterordnung aufzubrechen. Diese geh\u00f6rt nicht zum innersten Wesen dessen, was christlich ist, sondern ist eine zeitbedingte kulturelle Konstruktion.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschlechterrollen in den Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlungen &nbsp; Es liegt nahe, in einem Vortrag \u00fcber Geschlechterrollen im Christentum buchst\u00e4blich bei \u201eAdam und Eva\u201c zu beginnen, genauer gesagt mit den beiden Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlungen im Alten Testament, die sich mit der Entstehung des Menschen befassen. 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