{"id":120937,"date":"2026-03-23T11:09:06","date_gmt":"2026-03-23T10:09:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=120937"},"modified":"2026-03-23T11:09:09","modified_gmt":"2026-03-23T10:09:09","slug":"abschied-vom-doktorvater-und-der-doktormutter-nachdenken-ueber-akademische-beziehungen-angesichts-der-laudatio-auf-die-preistraegerin-des-kardinal-wetter-preises-2","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/abschied-vom-doktorvater-und-der-doktormutter-nachdenken-ueber-akademische-beziehungen-angesichts-der-laudatio-auf-die-preistraegerin-des-kardinal-wetter-preises-2\/","title":{"rendered":"Abschied vom \u201eDoktorvater\u201c und der \u201eDoktormutter\u201c?"},"content":{"rendered":"<h3><strong> Akademische \u201eLehrer\u201c und \u201eSch\u00fcler\u201c?<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Lehrende an den Universit\u00e4ten gibt es wohl kaum etwas Sch\u00f6neres als die Ehrung von \u201eSch\u00fclerinnen\u201c oder \u201eSch\u00fclern\u201c, die ihren eigenen akademischen Weg gefunden haben und beschreiten. Im Gep\u00e4ck befinden sich auf den Weg mitgegebene Landkarten, ein richtungsweisender Kompass und praktische Tipps, an denen sie sich nun orientieren und die sie selbst weiterentwickeln, modifizieren \u2013 oder bei Nichtbedarf ablegen.<\/p>\n<p>Die Verleihung des Kardinal-Wetter-Preises bietet einen guten Anlass, dar\u00fcber nachzudenken, wie sich die Beziehungen von akademischen Lehrern und Sch\u00fclern in den derzeitig stattfindenden umfassenden Umstrukturierungen des universit\u00e4ren Betriebs ver\u00e4ndern. Klassisch spricht man im Blick auf die Betreuung von Dissertationen immer noch von den \u201eDoktorv\u00e4tern\u201c und \u201eDoktorm\u00fcttern\u201c. Doktorandinnen und Doktoranden waren und sind auf eine spezielle Professorin oder einen speziellen Professor konzentriert, welche f\u00fcr die Betreuung des gesamten Promotionsvorhabens hauptverantwortlich sind. \u201eBei ihm\u201c oder \u201ebei ihr\u201c promovierte man, so der Sprachgebrauch.<\/p>\n<p>Diese traditionelle Form l\u00f6st sich mehr und mehr auf. Immer st\u00e4rker dominieren Graduiertenschulen oder Promotionskollegs die Phase der akademischen Weiterqualifizierung nach dem Regelabschluss des Magisters oder gleichwertiger Pr\u00fcfungen. Alle Universit\u00e4ten entwickeln strukturierte Promotionsprogramme, nur so versprechen Antr\u00e4ge auf \u2013 f\u00fcr die Rankings ausschlaggebende \u2013 Drittmittel realistische Aussichten auf Erfolg. Das akademische Profil einer Universit\u00e4t wird ma\u00dfgeblich von derartigen Promotionskollegs bestimmt. Die nach au\u00dfen erkennbare Forschung wird h\u00e4ufig nur noch von der Wahrnehmung der Ergebnisse derartiger Gro\u00dfprojekte bestimmt. Die Betreuung der Promotionsvorhaben obliegt in diesen Organisationsstrukturen durchg\u00e4ngig einem Betreuer-Team aus mehreren Professorinnen und Professoren. Zwischen Bewerberin und Betreuer auf der einen und der aufnehmenden Organisation auf der anderen Seite werden Zielvereinbarungen beschlossen und regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcft, welche die Art der Betreuung genau regeln: Rechte und Pflichten aller Beteiligten sind pr\u00e4zise definiert und vertraglich festgelegt. Strukturierte Promotionsprogramme garantieren \u2013 im Idealfall \u2013 den genau kalkulierbaren Abschluss in drei Jahren.<\/p>\n<p>All diese Entwicklungen sind gut begr\u00fcndet. Nat\u00fcrlich kann die Abh\u00e4ngigkeit von nur einem Betreuer Nachteile nach sich ziehen, unzureichende Betreuung, Erpressbarkeit, Willk\u00fcr. Nat\u00fcrlich hat es Vorteile, die Abl\u00e4ufe genauestens zu bestimmen und zu regeln. Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich das Rad auch dieser Entwicklungen nicht zur\u00fcck drehen. Trotzdem ein nachdenklicher Zwischenruf: Wir nehmen unsere Studierenden schon jetzt durch das modularisierte Studiensystem eng an die Hand. Die Entwicklung und Entfaltung eigener frei gew\u00e4hlter Interessen wird im Regelstudium de facto oft ausgeschlossen. Mit der Ausweitung dieses Systems auf die Promotionsphase verl\u00e4ngern wir diese Entwicklungen von genauer Kontrolle und enger Vorgabe. Ist so gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich eine Freiheit von Gedankenentfaltung m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Eine weitere Nachfrage: F\u00f6rdert das genannte System nicht eine systematische Entpers\u00f6nlichung des Betreuungsverh\u00e4ltnisses von Doktorvater\/-mutter und Doktorand\/-in? Die Betreuung durch Teams und Ausgestaltung durch Vertrag und Zielformulierung kann zu Anonymisierung und blo\u00df funktionaler Beziehung f\u00fchren. Ist das ein Gewinn? Geisteswissenschaftliche Forschung entzieht sich oft genug der Kalkulierbarkeit nach \u00f6konomischen Gesichtspunkten. Und: Ein zentraler geisteswissenschaftlicher W\u00e4rmestrom lag und liegt darin, sich gerade bewusst in eine akademische Tradition zu stellen, die durch die pers\u00f6nliche Konstellation gestiftet wird.<\/p>\n<p>Doch, das war und ist etwas Besonders: Stolz zu sein und zu bleiben auf seinen Doktorvater oder seine Doktormutter auch weit \u00fcber die Zeit der Betreuung hinaus; Teil einer \u201eSchule\u201c zu sein, die von einer breitenwirksamen Pers\u00f6nlichkeit gepr\u00e4gt wurde. Dieser \u201eStolz\u201c schlie\u00dft das Recht auf eigene Weiterentwicklung und auch auf kritische Absetzung bewusst mit ein. Doch, das war und ist ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Merkmal akademischer Beziehungen: Umgekehrt stolz zu sein auf seine Doktoranden und Doktorandinnen, die eigene Anregungen aufnehmen und kreativ und selbst\u00e4ndig weiter entfalten, sei dies in der akademischen Welt, sei dies in anderen Berufsbiographien. Diese engen Beziehungen waren und sind ein Proprium gerade des geisteswissenschaftlichen akademischen Profils. Sie auf dem profanen Altar von Funktionalit\u00e4t, \u00d6konomisierung und vorgeblich notwendiger Pragmatik einzuschr\u00e4nken, aufzugeben und damit letztlich zu opfern ist eine Entwicklung, die man auf breiter Ebene diskutieren muss. Meine Position: Nichts gegen die Ausweitung auf neue Formen, aber bitte: bei Beibehaltung und Wertsch\u00e4tzung bisher bew\u00e4hrter Wege!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Selbstbestimmte oder vorgebebene Themen<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie kommen Betreuer und Betreute in einem Promotionsvorhaben zusammen? Erneut finden sich mehrere Wege, unter denen es keine Wertungshierarchie gibt. Heute wird es immer mehr zum Normalfall, dass \u00f6ffentlich ausgeschriebene Graduiertenschulen oder Promotionskollegs Stellen oder Stipendien und damit Promotionsthemenfelder vorschlagen. Professorinnen und Professoren setzen die Rahmenbedingungen. Bewerberinnen und Bewerber \u2013 in der Regel in gro\u00dfer regionaler Streuung \u2013 melden sich und werden, je nach Passung, in das vorgeplante Projekt aufgenommen. Ihnen bleibt gegebenenfalls eine Mitbestimmung zur Ausgestaltung der genauen Themenformulierung des eigenen Projektes im Rahmen des Gesamtentwurfs. In naturwissenschaftlichen Projekten ist ein solches Vorgehen absolut stringent und sinnvoll. Im Blick auf geisteswissenschaftliche Fragestellungen zeigt sich von Anfang an die Eind\u00e4mmung von Kreativit\u00e4t und Eigenbestimmung. Ist das sinnvoll?<\/p>\n<p>Eine weitere h\u00e4ufig vorzufindende Form des Zusammenkommens von Betreuer und Betreuten im akademischen Feld besteht aus der Fortsetzung regionaler, pers\u00f6nlich gewachsener Bindungen aus dem Studium. Lehrende sprechen ihnen als besonders begabt aufgefallene Studierende an, ob sie Interesse an einer akademischen Weiterqualifizierung haben. Oder umgekehrt; Studierende fragen ihnen aus den Studium bekannte Lehrende an, ob sie bei ihnen promovieren k\u00f6nnen. In der Regel ergibt sich eine Themenfestlegung dann im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch. Zur Finanzierung werden Stipendien beantragt, gegebenenfalls gibt es die M\u00f6glichkeit zur Anstellung auf Zeit an dem betreffenden Lehrstuhl. Oder, erneut ein wichtiger Eigenweg der Geisteswissenschaften: Die auch langj\u00e4hrige, die engen Fesseln von Promotionsprogrammen sprengende Erarbeitung der Promotion erfolgt berufsbegleitend.<\/p>\n<p>Es gibt einen dritten Weg der Stiftung von Betreuungsbeziehungen zwischen Promovenden und Professorinnen oder Professoren, traditionell oft bezeugt, heute nur noch selten beschritten. Studierende \u201ew\u00e4hlen\u201c sich Ort und Person der Betreuung nach eigenem freien Interesse. Sie haben ein Themenfeld oder sogar ein konkretes Thema vor Augen, f\u00fcr das sie sich interessieren, und suchen sich schlicht die \u2013 subjektiv \u2013 beste Adresse, an der sie ihr diesbez\u00fcgliches Vorhaben realisieren wollen. Das setzt von ihrer Seite meistens gro\u00dfe Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t voraus, die aber angesichts des gro\u00dfen thematisch bestimmten Interesses motivierend ausgestaltet wird. Potentiell Betreuende m\u00fcssen sich andererseits auf solche freien Bewerbungen von au\u00dfen nat\u00fcrlich einlassen, werden das Profil der Bewerberin oder des Bewerbers und das anvisierte Promotionsprojekt kritisch pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Andererseits: Welche besseren Startbedingungen soll es geben als ein so klar benanntes Interesse? \u201eZweitbetreuer\u201c garantieren eine Einhaltung der akademischen Standards und bringen ihrerseits eigene Anregungen und Perspektiven mit ein. Dass gerade hier die M\u00f6glichkeit intensiven gemeinsamen Arbeitens im gleichen Themenfeld m\u00f6glich wird, oft weit \u00fcber die funktional bestimmte Phase der Promotion hinaus; dass gerade hier die Rede von \u201eDoktorvater\u201c oder \u201eDoktormutter\u201c ihren Sinn beh\u00e4lt; dass gerade hier eine Einbindung in \u2013 so einseitig von Lehrenden bestimmte \u2013 Promotionskollegs kontraproduktiv wirken kann, liegt auf der Hand. Sch\u00f6n, dass es diese dritte Art noch gibt. Ich habe sie selbst als \u201eSch\u00fcler\u201c so erlebt, und freue mich, sie nun auch als \u201eLehrer\u201c erfahren zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Weg der Preistr\u00e4gerin<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit sind wir nach l\u00e4ngerem Hinweg bei der Kardinal-Wetter-Preistr\u00e4gerin des Jahres 2015 angelangt: Eva Willebrand, geb. Leiting. Denn genau der zuletzt beschriebene Weg f\u00fchrte sie zu jener Promotion f\u00fchrte, die nun ausgezeichnet wird. Wie bei vielen der herausragenden Theologinnen und Theologen der letzten Jahre wird ihr akademischer Werdegang durch den Reiz der Doppelfachausbildung bestimmt. Eine alte Erkenntnis: Die Grenze, der Ort der Verbindung zweier Denkwege und geistiger Traditionen, setzt Kreativit\u00e4t frei. So auch bei ihr im Blick auf das Spannungsgef\u00fcge der Germanistik auf der einen, der Theologie auf der anderen Seite. Die Dialogdisziplin von \u201eTheologie und Literatur\u201c erschien ihr so reizvoll, dass sie genau in diesem Feld promovieren wollte, freilich in religionsp\u00e4dagogischer Perspektive. Erstmals wird der Kardinal-Wetter-Preis so f\u00fcr eine Arbeit im Bereich der Religionsp\u00e4dagogik vergeben.<\/p>\n<p>Geboren 1984 im m\u00fcnsterl\u00e4ndischen Bocholt, verbrachte Eva Willebrand dort auch ihre Kindheit und Jugend. 2004 legte sie in Bocholt das gl\u00e4nzend abgeschlossene Abitur ab, nahm dann ein 2009 Studium der Katholischen Theologie und Germanistik (Lehramt Gesamtschule\/Gymnasium) an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster auf. Nach erneut ausgezeichnetem Abschluss wechselte sie 2010 f\u00fcr ein Promotionsstudium an die Katholisch-Theologische Fakult\u00e4t nach Augsburg. Ihre Promotion legte sie 2015 mit Bestnote ab. Nach dem ebenfalls bereits abgeschlossenen schulischen Referendariat ist sie derzeit im Schuldienst in Nordrhein-Westfalen t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Der damit skizzierte wissenschaftliche und berufliche Werdegang zeigt das Profil eines selbst- und zielbewussten Lebenswegs. Diese Eigenschaften pr\u00e4gen auch die Dissertation. Hinter dem Titel \u201eZwischen indirekter Verk\u00fcndigung, Erfahrungsspiegelung und Er\u00f6ffnung religi\u00f6ser Tiefendimensionen: Der Umgang mit literarischen Texten in Schulb\u00fcchern f\u00fcr den Religionsunterricht\u201c verbergen sich gleich drei Innovationen: ein Blick auf die \u2013 bislang hinsichtlich des Geschehens im katholischen Religionsunterricht stark vernachl\u00e4ssigte \u2013 Schulbuchforschung, eine religionsdidaktisch orientierte Darstellung der Entwicklungen von \u201eTheologie und Literatur\u201c sowie eine eigenst\u00e4ndige und neuartige Nachzeichnung der Grundprinzipien des Einsatzes literarischer Texte im Religionsunterricht.<\/p>\n<p>Letztlich liegt hier ein Paradebeispiel f\u00fcr gegl\u00fcckte und ergiebige Arbeit im interdisziplin\u00e4ren Feld vor: zwischen Theologie, P\u00e4dagogik, Literaturwissenschaft und gleich mehreren Feldern der Didaktik. Die erbrachten Leistungen umfassen verschiedene Dimensionen: Zun\u00e4chst \u00fcberhaupt im Bereich der systematischen Ausleuchtung eines Feldes, das bisher wissenschaftlich kaum kultiviert wurde: der Religionsschulbuchforschung. Eine vergleichbare Erfassung der Schulb\u00fccher f\u00fcr den in der Auswahl benannten Bereich findet sich bislang nicht. Von den hier vorgelegten Listen sind Folgeforschungen problemlos m\u00f6glich. Innerhalb dieser Sichtung wurde eine zweite Auslotung vorgenommen: die arbeitsintensive Analyse, welche literarischen Autoren und Texte \u00fcberhaupt rezipiert wurden. Daneben tritt die Aufarbeitungen von Forschungsst\u00e4nden, die in dieser Form zwar nicht v\u00f6llig neu sind, hier gleichwohl souver\u00e4n, gekonnt und stets in Orientierung an der eigenen Fragestellung vorgenommen werden: \u00fcber das Forschungsfeld von \u201eTheologie und Literatur\u201c, \u00fcber Leitlinien gebende Dimensionen der gegenw\u00e4rtigen Religionsp\u00e4dagogik, \u00fcber die konzeptionelle Entwicklung des Religionsunterrichts und weitere mehr. All diese Bausteine sind notwendig, um das eigene Ziel erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So wichtig diese Erfassungsarbeiten sind, entscheidend wird der Umgang mit den Befunden. Eine zentrale erste Erkenntnis liegt in der Profilierung von drei Phasen, von drei deutlich unterscheidbaren Paradigmen des Umgangs mit literarischen Texten. Besonders anschlussf\u00e4hig d\u00fcrfte der Hinweis sein, dass sich diese Paradigmen sicherlich auch auf andere Entwicklungen des Religionsunterrichts \u00fcbertragen lassen. Die spezifische Frage nach dem Umgang mit literarischen Texten wird so zu einem erkenntnisf\u00f6rdernden Schl\u00fcssel zur Frage nach der Entwicklung didaktischer Konzeptionen \u00fcberhaupt. Die gew\u00e4hlte exemplarische \u201eTiefenbohrung\u201c l\u00e4sst erkennen, wie sich die Didaktik im Allgemeinen und die Religionsdidaktik im Speziellen seit 1945 ver\u00e4ndert haben. Der Seitenblick auf literarische Texte als ja keineswegs origin\u00e4re Lernmedien des Religionsunterrichts zeigt exemplarisch die Ver\u00e4nderungen der Beziehung von Kirche und Kultur auf.<\/p>\n<p>Als besonders hilfreich erweist sich dabei die Entscheidung der Autorin, immer wieder auf kontextuelle Bedingungen zu verweisen. Die Ausf\u00fchrungen verblieben nicht im (verengenden) Blick auf den Religionsunterricht, sondern zeigen die Parallel- und (oft genug auch) Vorentwicklungen vor allem in der Deutschdidaktik oder im Wissenschaftsfeld von \u201eTheologie und Literatur\u201c. Die Verschr\u00e4nkung dieser Ebenen wirkt besonders \u00fcberzeugend und gelungen. Dass die Dissertation schlie\u00dflich nicht nur in der deutenden Analyse verbleibt, sondern zum Aufzeigen k\u00fcnftiger Perspektiven \u00fcbergeht (in stringenter B\u00fcndelung von zuvor entwickelten Erkenntnisf\u00e4den), ist f\u00fcr eine religionsp\u00e4dagogische Arbeit vorbildlich. Von dieser Arbeit aus kann man nicht nur wissenschaftliche Folgestudien vorantreiben, sondern auch ganz konkret in der Schulbucharbeit und der k\u00fcnftigen Arbeit mit literarischen Texten im Religionsunterricht profitieren.<\/p>\n<p>Pragmatisch f\u00e4llt auf: Der immense Flei\u00df in der Erfassung der breitgestreuten Materialien, durch den in der Forschung bislang weitgehend \u00fcbersehene Felder erschlossen werden; die zugleich pr\u00e4zise wie ungemein lesefreundliche Sprache, in der die Erkenntnisse pr\u00e4sentiert werden; die gro\u00dfe Eigenst\u00e4ndigkeit im Entwerfen einer kreativ-stringenten Systematik. Die Verfasserin arbeitet gekonnt den jeweiligen Stand der Forschungen ein, ohne sich in Fremddiskursen zu verzetteln. In selbstbewusster Positionalit\u00e4t kritisiert sie Einsch\u00e4tzungen und Entwicklungen, wenn sie ihrer begr\u00fcndeten Meinung nicht standhalten. Dabei ist sie sich stets der Kontextbezogenheit bewusst: Wenn Entwicklungen der Vergangenheit wie etwa der Verzicht auf Ber\u00fccksichtigung der literarischen Form in den Lehrwerken der \u201eersten Phase\u201c kritisiert werden, dann stets mit dem Verweis auf die Distanz heutiger Perspektive und die \u2013 zumindest m\u00f6gliche \u2013 Stimmigkeit solcher Verfahren im damaligen Zusammenhang. Gekonnte theologisch-literarische Deutungen exemplarischer, besonders wichtiger Texte runden das Gesamtbild ab.<\/p>\n<p>Diese vom Zweitpr\u00fcfer Professor Dr. Hans Mendl (Passau) mitbetreute religionsp\u00e4dagogische Arbeit erf\u00fcllt die Anforderungen an eine theologisch fundierte, p\u00e4dagogisch-didaktisch ausgerichtete und interdisziplin\u00e4r angelegte Dissertation in h\u00f6chstem Ma\u00dfe. In Form, Inhalt, Aufarbeitung, Anlage und Erkenntnisgewinn gen\u00fcgt sie den h\u00f6chsten Anspr\u00fcchen. Sie ragt insgesamt aus den gegenw\u00e4rtig deutschlandweit verfassten religionsp\u00e4dagogischen Arbeiten hinaus, behauptet ihre Qualit\u00e4t aber auch im Feld der gesamten theologischen Forschungen. Kein Zweifel: Bei der Tr\u00e4gerin des Kardinal-Wetter-Preises 2015 handelt es sich um eine au\u00dfergew\u00f6hnliche akademische Spitzenbegabung, deren weitere Wege spannende Entfaltungen versprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Outlook<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gibt es das noch, \u201eDoktorv\u00e4ter\u201c oder \u201eDoktorm\u00fctter\u201c, akademische Betreuungsverh\u00e4ltnisse au\u00dferhalb von Drittmittelf\u00f6rderung, von strukturierten Promotionsprogrammen, von gegenseitig verpflichtend formulierten Betreuungsvertr\u00e4gen? Diese Fragestellungen standen am Anfang unserer \u00dcberlegungen. Im Wissen um die Notwendigkeit und Berechtigung all jener die Gegenwart pr\u00e4genden strukturellen Erweiterungen des akademischen Betriebs zeigt die preisgekr\u00f6nte Arbeit von Frau Dr. Willebrand auf: Doch, dieser geisteswissenschaftliche W\u00e4rmestrom pulsiert weiter. Der Weg des aus Interesse selbsterw\u00e4hlten Themenfeldes, der frei gesuchten Betreuung und der selbst organisierten Lebensform w\u00e4hrend der Promotion stellt eine besondere Option des akademischen Werdegangs dar. Gut so!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Akademische \u201eLehrer\u201c und \u201eSch\u00fcler\u201c? &nbsp; F\u00fcr Lehrende an den Universit\u00e4ten gibt es wohl kaum etwas Sch\u00f6neres als die Ehrung von \u201eSch\u00fclerinnen\u201c oder \u201eSch\u00fclern\u201c, die ihren eigenen akademischen Weg gefunden haben und beschreiten. 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