{"id":120951,"date":"2026-03-23T11:37:16","date_gmt":"2026-03-23T10:37:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=120951"},"modified":"2026-03-23T11:37:20","modified_gmt":"2026-03-23T10:37:20","slug":"ueber-glueck-und-moral-john-stuart-mills-antwort-auf-kant","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/ueber-glueck-und-moral-john-stuart-mills-antwort-auf-kant\/","title":{"rendered":"\u00dcber Gl\u00fcck und Moral"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser allt\u00e4glich verwendeter Begriff des Gl\u00fccks ist ambivalent. Wir gebrauchen ihn in verschiedenen Bedeutungen. Die Verschiedenheit zentriert sich auf zwei Bedeutungsschwerpunkte. Diese Schwerpunkte werden klar, wenn wir uns auf zwei beispielhafte S\u00e4tze konzentrieren. \u201eDie Person A hat Gl\u00fcck\u201c und \u201eDie Person A ist gl\u00fccklich\u201c. Der erste Satz meint Gl\u00fcck im Sinne von Widerfahrnis, n\u00e4mlich alles Gute, das uns widerf\u00e4hrt, und zwar so widerf\u00e4hrt, dass wir nichts dazutun k\u00f6nnen, dass es uns widerf\u00e4hrt: unsere leibliche, geistige und charakterliche naturale Konstitution, das famili\u00e4r-gesellschaftlich-politische Umfeld, in das wir hineingeboren werden, die leiblichen, dinghaften, personalen und interpersonalen G\u00fcter, die uns zufallen, die wir gebrauchen, genie\u00dfen, derer wir uns (oft nur f\u00fcr sehr kurze Zeit) erfreuen k\u00f6nnen. F\u00fcr diese Form des Gl\u00fccks verwendeten die Alten das griechische Wort \u201eeutychia\u201c beziehungsweise das lateinische \u201ebona fortuna\u201c.<\/p>\n<p>Wenn wir von einer Person sagen, sie sei gl\u00fccklich, meinen wir dagegen etwas anderes, n\u00e4mlich ihre seelisch-geistige Verfassung und Lage, die sich in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis, in ihrem Gef\u00fchlsleben, in ihrer Erscheinung und ihrem Verhalten bekundet. F\u00fcr diese Form von Gl\u00fcck k\u00f6nnen wir eine ganze Menge selbst tun, f\u00fcr sie standen das griechische Wort \u201eeudaimonia\u201c und die lateinischen Ausdr\u00fccke \u201efelicitas\u201c und \u201ebeatitudo\u201c.<\/p>\n<p>Die wesentliche philosophische Frage ist nun, in welcher strukturellen, kausalen und praktischen Beziehung die beiden Formen von Gl\u00fcck zueinander stehen. Wie ist ihr Bedingungsverh\u00e4ltnis? Diese Frage dr\u00fcckt sich allt\u00e4glich aus in den Formulierungen \u201eWas macht Menschen gl\u00fccklich?\u201c oder \u201eWorin besteht menschliches Gl\u00fcck?\u201c<\/p>\n<p>Nun, kaum eine philosophische Frage wurde und wird vom gebildeten Publikum in letzter Zeit so h\u00e4ufig und heftig traktiert wie diese. Die Frage nach dem Gl\u00fcck hat Konjunktur. Warum das so ist, d\u00fcrfte viele und vielschichtige Gr\u00fcnde haben. Was indessen an der Aktualit\u00e4t dieser Frage auf den ersten Blick geradezu paradox anmutet ist dies: dass sie sich umso herausfordernder aufzudr\u00e4ngen scheint, je mehr und l\u00e4nger die Menschen in Wohlstand, in Freiheit und mit den Ergebnissen und Produkten des immer rapideren und durchdringenderen wissenschaftlich-technischen Fortschritts leben. In den \u00f6konomisch, technisch und rechtlich-politisch fortgeschrittenen L\u00e4ndern der westlichen Welt ging es noch nie, soweit die historische Erinnerung reicht, so vielen Menschen so lange Zeit so gut, ja stetig besser wie in den vergangenen Jahrzehnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Staat, Wirtschaft und wissenschaftsgest\u00fctzte Technik sorgen im Rahmen eines mehr und mehr globalisierten freien Marktes und eines immer dichteren Netzes obrigkeitlicher F\u00fcrsorge f\u00fcr eine massenhafte Produktion, Beschaffungsm\u00f6glichkeit, Zuteilung, Absicherung und Innovation von Lebensg\u00fctern. Was in fr\u00fcheren Jahrhunderten an materiellen Dingen nur einer kleinen Schicht des Adels, der hohen Geistlichkeit, der Finanz- und Wirtschaftsaristokratie zu besitzen, zu gebrauchen, zu verbrauchen und zu genie\u00dfen m\u00f6glich war, bieten heute die Regale eines kleinst\u00e4dtischen Supermarkts.<\/p>\n<p>Die St\u00e4tten der h\u00f6heren Ausbildung und Bildung, selbst die ehedem exklusiven Universit\u00e4ten sind auf Dr\u00e4ngen von Politik und Wirtschaft zu Masseninstitutionen geworden. Die M\u00f6glichkeiten der Information und Mitteilung \u00fcber alles und jedes wachsen dank der \u201eSegnungen\u201c moderner elektronischer Technik f\u00fcr jeden geradezu t\u00e4glich ins Unabsehbare. \u00dcber die Massenmedien erreicht eine lockere und eing\u00e4ngige Event- und Entertainment-Kultur das entlegenste Berg- und Fischerdorf. B\u00fccher allen Inhalts sind f\u00fcr die meisten zug\u00e4nglich und erschwinglich. Die Mobilit\u00e4t der Menschen ist auf der Erde ebenso wie in der Luft \u201edemokratisiert\u201c. Der Fernstra\u00dfenverkehr gleicht Ameisentracks, das Gedr\u00e4nge auf Flugh\u00e4fen dem Betrieb auf dem Wochenmarkt; den Jahresurlaub verbringt heute nicht selten ein deutscher Lohn-, Gehalts- oder Rentenempf\u00e4nger auf Kreta, auf Hawaii, in Thailand oder in den W\u00e4ldern Kanadas.<\/p>\n<p>Vor dem Gesetz herrscht Gleichheit. Die Grundrechte eines jeden sind durch eine stabile Verfassung und eine unabh\u00e4ngige Rechtspflege gesichert. Die gesellschaftliche Gleichstellung schreitet mit Macht voran. Wer weiblichen Geschlechts ist, sieht sich nicht mehr an ein als trist, beengend und bedr\u00fcckend empfundenes Dasein im Hauswesen zur Pflege des Herds und der Kinder \u201eversklavt\u201c. Die politische Obrigkeit spielt nicht l\u00e4nger den ideologischen Vormund. Sie gibt den B\u00fcrgern kein verbindliches Lebensziel mehr vor. Garantiert ist vielmehr das Recht eines jeden, auf eigene Faust und nach eigenem Gutd\u00fcnken sein pers\u00f6nliches Gl\u00fcck zu suchen.<\/p>\n<p>Das enge und feste Korsett, das ehedem \u00fcber das staatliche Gesetz hinaus Religion, Sitte, Tradition und st\u00e4ndische Etikette dem Handlungsspielraum des Einzelnen schn\u00fcrten, ist weitgehend aufgel\u00f6st. Die einstmals klar orientierende und in manchem restriktiv wirksame Kraft der christlichen Gro\u00dfkirchen scheint \u00fcber die Jahrhunderte erschlafft zu sein. \u201eWellnesstheologen\u201c sorgen f\u00fcr die Retuschierung der harten und abgr\u00fcndigen Seiten des christlichen Dogmas; Religion mutiert vielfach zu einer diesseitigen Lebenskunst, die der frohen Botschaft authentischer Selbstverwirklichung eine mythische Aura gew\u00e4hrt, nachdem der kritische Blick wissenschaftsgl\u00e4ubiger Aufkl\u00e4rung die Vorstellungen eines lohnenden oder strafenden Gottes und Jenseits um ihre w\u00f6rtliche Wahrheit gebracht hat. Und das diesseitige Leben wird f\u00fcr viele dank st\u00e4ndiger Fortschritte medizinischer, gymnastischer und di\u00e4tetischer Forschung, Technik, Produkte, Betreuung und Beratung um Jahre, ja Jahrzehnte verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p>Es erscheint auf den ersten Blick in der Tat paradox: Die Frage nach dem Gl\u00fcck stellt sich immer dr\u00e4ngender und lauter, obgleich es den Menschen immer besser geht. Warum das so ist, d\u00fcrfte viele und vielschichtige Gr\u00fcnde haben. Wie immer diese aussehen m\u00f6gen; der Sachverhalt selbst macht doch bereits dieses klar: Die genannten Fortschritte und G\u00fcter sind in vielerlei Hinsicht geeignet, unser Leben leichter, sicherer, angenehmer, abwechslungsreicher, zwangloser und dauerhafter zu machen. Doch sie bieten offensichtlich keine Gew\u00e4hr daf\u00fcr, dass Menschen durch sie auch gl\u00fccklich werden. Was sich heute gesellschaftlich, politisch, lebenspraktisch als Gl\u00fcck oder jedenfalls als gl\u00fccksf\u00f6rdernd darbietet, ist ausgesprochen zweideutig.<\/p>\n<p>Die heute so forcierte Frage nach dem Gl\u00fcck ist indessen so alt wie die praktische Philosophie. Warum das so ist, l\u00e4sst sich f\u00fcrs erste leicht beantworten. Alle Menschen streben nach Gl\u00fcck, doch allen Menschen ist, zumindest am Beginn ihres bewussten Strebens, nicht so ganz klar, wonach sie da streben, und vielen, ja den meisten Menschen d\u00fcrfte am Ende ihres bewussten Lebens klar werden, dass sie das nicht erreichten, was sie erstrebten. Dieser triviale, erfahrungsges\u00e4ttigte und gewichtige Sachverhalt ruft selbstverst\u00e4ndlich seit jeher die Philosophen auf den Plan. Sind sie es doch, die im Ruf stehen und von sich selbst behaupten, den menschlichen Dingen auf den Grund zu gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ist es die Moralit\u00e4t, das ehrliche Bewusstsein, sein Leben mit Anstand zu f\u00fchren, die den Menschen gl\u00fccklich, jedenfalls mit seinem Leben im Ganzen zufrieden macht? Nun, mit der Frage nach dem Gl\u00fcck hat gegenw\u00e4rtig in den fortgeschrittenen westlichen L\u00e4ndern auch die Moral Konjunktur. Und auch diese Konjunktur erscheint h\u00f6chst zweideutig. Niemals zuvor gab es bei uns so viele akademische Traktate \u00fcber Themen der Allgemeinen und Angewandten Ethik. Und wo wird heute nicht die Gefahr des Verlusts moralischer Werte beschworen und, jedenfalls mit Worten, f\u00fcr die Einhaltung hehrer Moralstandards im politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Leben eingetreten. Selten zuvor waren \u00f6ffentliche \u00c4mter, Personen und Rollen ebenso wie Gesetze und politische Entscheidungen mit solch hohen moralischen Versprechungen, Erwartungen und Anforderungen verbunden wie heute. Selten zuvor wurden die t\u00e4glichen Nachrichten so h\u00e4ufig mit moralischem Kolorit versehen und mit moralischer Betroffenheit und Erregtheit serviert wie jetzt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat dies alles auch mit Vorrang, Macht und Einfluss, mit Moralattit\u00fcde also als Werbe-, Kampf-, Geltungs- und Verdr\u00e4ngungsfaktor in der Sph\u00e4re des \u00f6ffentlichen Meinens, Scheinens und Wirkens zu tun. Die allt\u00e4gliche, meist banale und h\u00e4ssliche Anstrengung der vergleichenden Selbstliebe ums Mehr-Sein, Mehr-Scheinen und Mehr-Haben als die Anderen wird in der medial inszenierten \u00d6ffentlichkeit (und nicht nur in ihr) auch im ehrbaren Kleid, besser der Verkleidung der Moral gef\u00fchrt. Der moralische Verd\u00e4chtigungs-, Beschuldigungs- und Skandalisierungseifer zeitigt denn auch gar manchen politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Erfolg. Doch selbst der wachsende Erfolg dieser Praxis bekundet noch in der unappetitlichen Perversion eine wachsende Bereitschaft von vielen, sich von moralischen Gesichtspunkten ansprechen, \u00fcberzeugen und leiten zu lassen.<\/p>\n<p>Gl\u00fcck und Moral sind heute in aller Munde, wenngleich das Verlangen nach beidem scheinbar so ganz Verschiedenes, vielleicht sogar mitunter Unvereinbares im Auge hat. Oder bekundet sich in diesem zweifachen Verlangen nach Gl\u00fcck und Moral nicht doch ein engerer Zusammenhang als es den Anschein hat?<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich stand schon am Beginn der praktischen Philosophie mit der Figur des Sokrates in enger Verschr\u00e4nkung mit der Frage nach dem Gl\u00fcck auch die Frage nach der Moral zur Debatte. Die ber\u00fchmte sokratische Frage, wie zu leben sei, scheint ja auf beides zu zielen: wie man rechtschaffen lebt und wie man gl\u00fccklich wird. Und Sokrates gibt, jedenfalls in der Darstellung Platons, der wir unser Sokratesbild weitgehend verdanken, mit seinen Fragen, seinen Argumenten und in der Art seines Lebens die \u00fcberzeugende Antwort: Der Rechtschaffene und nur der Rechtschaffene ist (im weiten Sinne) seelisch gesund. Und wer seelisch gesund ist, und nur, wer seelisch gesund ist, ist mit sich selbst eins, ist sich selbst Freund und gl\u00fccklich. Er ist gl\u00fccklich, jedenfalls gelassen und heiter selbst in der Stunde seines von einem (radikaldemokratischen) Volksgericht erzwungenen Todes. Warum moralisch sein wollen; warum sich um Moralit\u00e4t bem\u00fchen? Weil man seelisch gesund, mit sich selbst eins und damit gl\u00fccklich sein m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Platon wusste allerdings nur zu gut, dass seine gro\u00dfartige, unbestechlich-ironisch-ernsthaft-skeptisch-heitere Sokratesfigur nicht f\u00fcr alle Menschen in allen Lebenslagen so ganz \u00fcberzeugen kann. Er skizziert auch die Figur des grauenhaft leidenden Gerechten in dieser Welt. Und er erz\u00e4hlt den Mythos vom ausgleichenden Gericht nach dem Tode, das die Guten belohnt und die B\u00f6sen bestraft. Das Christentum wird nicht den sokratischen Stolz, nicht die sokratische Skepsis und Ironie, wohl aber diesen Mythos im Wesentlichen \u00fcbernehmen. Der bohrenden Frage nach dem Ausgleich f\u00fcr ungerechtes Leid des moralisch Guten war damit (f\u00fcr lange Zeit) Gen\u00fcge getan.<\/p>\n<p>Warum gl\u00fccklich sein wollen? Das ist keine sinnvolle Frage. Gl\u00fccklich sein wollen wir selbstverst\u00e4ndlich alle. Ja, wir k\u00f6nnen gar nicht anders als dies zu wollen. Warum, und dies gar unter allen Umst\u00e4nden, moralisch sein wollen? Diese Frage ist sinnvoll, ja unabweisbar. Die philosophische Tradition, ob idealistischer oder materialistischer Herkunft und Art, glaubte bis in die Neuzeit hinein, sie nur im R\u00fcckgang auf das (wahre) Gl\u00fcck des Menschen \u00fcberzeugend beantworten zu k\u00f6nnen. Moralit\u00e4t ist notwendige Bedingung, unentbehrliches Mittel oder wesentlicher Bestandteil von Gl\u00fcck, ja gar, wie die Stoiker meinten, in gewisser Hinsicht identisch mit Gl\u00fcck. Ein Schurke ist wenn, dann immer nur scheinbar gl\u00fccklich, in Wahrheit ein sich selbst entfremdeter, in sich zerrissener, unausgeglichener, unzufriedener oder ver\u00e4ngstigter Mensch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immanuel Kant nun hat in gewisser Weise mit diesem \u201eEud\u00e4monismus\u201c der Moral gebrochen. Ethik verliert durch ihn ihren Charakter einer Theorie menschlichen Gl\u00fccks und mutiert zu einer Theorie der Pflicht und der Achtung vor dem Gesetz. Seine kritische Metaphysik der Sittlichkeit leitet der Gedanke, dass die Gr\u00fcnde und Normen moralischen Verhaltens und die Gr\u00fcnde und Regeln menschlicher Gl\u00fccksuche ganz verschiedene Dinge sind. Im moralischen Gesetz meldet sich unsere kategorisch gebietende praktische Vernunft zu Wort. Im Gl\u00fccksverlangen dr\u00fcckt unsere bed\u00fcrftige und verletzbare sinnliche Natur sich aus. Das moralische Gesetz gebietet unbedingt; und unbedingt gut ist allein der gute Wille. Nur als moralisches und rechtliches Wesen wird der Mensch der unvergleichlichen W\u00fcrde seines freien, vernunftf\u00e4higen Personseins gerecht. Gewiss, der Mensch ist unvermeidlich auch seiner sinnlichen Natur mit ihren Bed\u00fcrfnissen und Neigungen verbunden und besitzt einen strategischen Verstand, den er bei der Suche nach der Vermeidung von Schmerzen, der Befriedigung von Bed\u00fcrfnissen, dem Erlangen von Gen\u00fcssen einsetzt.<\/p>\n<p>Aber Vernunft und Freiheit sind nicht nur, ja nicht prim\u00e4r dazu da, das Gl\u00fcck der Menschen im Sinne der \u201eBefriedigung der gesamten vereinigten Neigungen\u201c zu besorgen. W\u00e4re dies ihre prim\u00e4re Aufgabe, dann erwiese unsere Vernunft sich als ein Verm\u00f6gen von h\u00f6chst zweifelhaftem Wert. Denn, so Kant, Vernunft als Leitungsinstanz menschlichen Verhaltens ist weder im nat\u00fcrlichen noch im kultivierten Zustand ein zum \u201eEntwurf der Gl\u00fcckseligkeit und der Mittel, dazu zu gelangen\u201c besonders geeignetes, gar tierischem Instinkt \u00fcberlegenes Werkzeug. Ja, Vernunft wird f\u00fcr dieses Ziel umso unzweckm\u00e4\u00dfiger, je mehr man sie dahingehend ausbildet und einsetzt. Die Gl\u00fccksvorstellung des Menschen bezieht sich, wo sie die naturalen Vorgaben des physisch Notwendigen hinsichtlich Nahrung, Schutz vor Witterung und mitmenschlicher N\u00e4he \u00fcberschreitet, auf ein schillerndes und schwankendes, ein h\u00f6chst unbestimmtes Ideal der Einbildungskraft, das ihn nie zur Ruhe kommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wer den Einsatz seiner Kr\u00e4fte auf ein solches Ideal setzt, wird von seinem Leben unweigerlich entt\u00e4uscht werden. Die prim\u00e4re Funktion unserer Vernunft besteht vielmehr darin, im Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander der Menschen auf ihrer endlosen, gemeinsamen, konkurrierenden und widerstreitenden Suche nach Gl\u00fcck und Vermeidung von Leid das Recht zu wahren, Gerechtigkeit zu \u00fcben und, wo n\u00f6tig und m\u00f6glich, Solidarit\u00e4t zu bekunden. Gleichwohl bleibt das offene Problem des Gerechten, der leidet, ja dem aufgrund seiner Rechtschaffenheit im Leben von Anderen Unrecht und Leid widerf\u00e4hrt. Unsere unparteiliche Vernunft, mag sie noch so kategorisch praktische Moralit\u00e4t gebieten, kann sich nicht abfinden mit dem Gedanken, dass jemand des Gl\u00fcckes bed\u00fcrftig, seiner auch w\u00fcrdig, aber niemals teilhaftig wird. Sie n\u00e4hrt deshalb, um nicht an sich selbst zu verzweifeln, die Hoffnung auf einen Ausgleich \u201ein einer anderen Welt\u201c. Sie setzt auf einen gerechten Gott und die Belohnung der Guten in einem ewigen Leben. Ohne diese Hoffnung eines \u201ereinen Vernunftglaubens\u201c w\u00e4re der moralisch Gute in dieser Welt, in der sich bekanntlich nicht nur Gute tummeln, ein Trottel beziehungsweise, wie Kant noch sagt, ein \u201edup\u00e9 der Vernunft\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Just auf diese Hoffnung meint John Stuart Mill, der gro\u00dfe, bis heute wirkm\u00e4chtigste Gegenspieler der Kantischen Philosophie im England des 19. Jahrhunderts, nicht mehr setzen zu k\u00f6nnen. Mill bietet eine differenziert-empiristische und feinsinnig-hedonistische Antwort auf Kant. Er ist ein Klassiker des ethischen Utilitarismus, der die Plattit\u00fcden des Utilitarismus seiner Lehrer vermeidet. Er versteht Ethik wieder prim\u00e4r als Gl\u00fcckstheorie im Sinne der antiken Tradition. F\u00fcr ihn ist, anders als f\u00fcr Kant, der Anspruch der Moralit\u00e4t nicht selbstevident; f\u00fcr ihn ruht Moralit\u00e4t begr\u00fcndungstheoretisch nicht in sich selbst, sondern bezieht ihre \u00dcberzeugungskraft aus einer inhaltlichen Zielbestimmung des menschlichen Lebens. Mill wei\u00df sich der Philosophie Epikurs verpflichtet: seiner Aufkl\u00e4rungsabsicht und einer Vernunftorientierung, seinem Empirismus und seinem Hedonismus. Doch er glaubt sich mit seinem gegen\u00fcber dem Lehrer Jeremy Bentham modifizierten qualitativen Hedonismus auch auf die Tradition der Sokratik berufen zu k\u00f6nnen. Mit einem gewissen Recht.<\/p>\n<p>Epikurs Philosophie war \u00fcber die Jahrhunderte vielen Missverst\u00e4ndnissen ausgesetzt, \u00e4hnlich der Utilitarismus zu Mills Zeit. Das zweite Kapitel von Mills Schrift \u201eUtilitarianism\u201c ist der Kl\u00e4rung dessen gewidmet, was er, Mill, unter Utilitarismus versteht und verstanden wissen m\u00f6chte. Mill formuliert hier die zwei Prinzipien, die seine zweigliedrige ethische Theorie tragen: das Prinzip seiner Theorie der Moralit\u00e4t und das Prinzip seiner Theorie des Lebens. Die Theorie des Lebens beinhaltet die Zielbestimmung des Lebens, das hei\u00dft ein Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis, das besagt, was dem menschlichen Leben Sinn verleiht, was es so qualifiziert, dass es wert ist, gelebt zu werden. Sie biete, so Mill, der Theorie der Moralit\u00e4t die Grundlage; und die Theorie der Moralit\u00e4t errichte beziehungsweise kl\u00e4re den moralischen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p>Mills Prinzip der Moralit\u00e4t besagt, \u201edass Handlungen insoweit und in dem Ma\u00dfe moralisch richtig sind als sie die Tendenz haben, Gl\u00fcck zu bef\u00f6rdern, und insoweit moralisch falsch, als sie das Gegenteil von Gl\u00fcck hervorzubringen tendieren.\u201c Dabei sei mit \u201eGl\u00fcck\u201c, \u201ehappiness\u201c, \u201eVergn\u00fcgen und die Abwesenheit von Schmerz\u201c, mit \u201eUngl\u00fcck\u201c \u201eSchmerz und der Verlust von Vergn\u00fcgen\u201c gemeint.<\/p>\n<p>Das Prinzip der Theorie des Lebens besagt, \u201edass Vergn\u00fcgen und Freisein von Schmerz die einzigen Dinge sind, die als Ziele erstrebenswert sind; und dass alle erstrebenswerten Dinge (&#8230;) entweder erstrebenswert sind des Vergn\u00fcgens wegen, das ihnen inh\u00e4riert, oder als Mittel zur Bef\u00f6rderung von Vergn\u00fcgen und der Verhinderung von Schmerz.\u201c Was wir Menschen mit Gl\u00fcck meinen und erstreben, ist also f\u00fcr Mill hedonistisch zu verstehen.<\/p>\n<p>Man muss nicht puritanisch denken, um dieses Prinzip der Theorie des Lebens auf den ersten Blick etwas befremdlich zu finden. Die antiken Gegner warfen dem Epikureismus vor, dass im Lebensziel der Lust der Mensch sich vom Tier nicht unterscheide, und dass die Verabsolutierung dieses Ziels den menschlichen Sinn f\u00fcr Moralit\u00e4t vernichte und den Einsatz f\u00fcr die Ideale sittlicher und kultureller Gr\u00f6\u00dfe schw\u00e4che. Mills zeitgen\u00f6ssische Gegner des Utilitarismus, allen voran der Dichter Thomas Carlyle, dachten \u00e4hnlich. Mills Verteidigung musste deren Angriffe parieren. Sie trug zweifellos den Gedanken der Gegner nachhaltig Rechnung, zu nachhaltig, wie heutige (utilitaristische) Kritiker meinen.<\/p>\n<p>Wenn sie gleichwohl nicht voll \u00fcberzeugt, dann deshalb, weil er die Position des Hedonismus nicht genau genug analysiert und diese Position letztendlich nicht aufzugeben bereit ist, obgleich er gewichtige Gesichtspunkte seiner Gegner \u00fcbernimmt, die geeignet sind, seinen Hedonismus von innen her aufzubrechen.<\/p>\n<p>Eine wesentliches Manko des Hedonismus ist darin zu sehen, dass, was er als Ziel des menschlichen Lebens ansetzt \u2013 Lust und Freisein von Schmerz \u2013, in der Regel nach einem Modell verstanden wird, das den Ph\u00e4nomenen in h\u00f6chst unzureichendem Ma\u00dfe gerecht wird. Ich meine das Kausalmodell, das Lust als Qualit\u00e4t der Selbstempfindung eines Lebewesens im Sinne einer Wirkung versteht, der bestimmte Ursachen zugeordnet werden k\u00f6nnen, die diese Wirkung (nach einer Regel) hervorbringen. Man denke etwa an den Blindversuch bei einer Weinverkostung.<\/p>\n<p>Diesem Modell ist wesentlich, dass Ursache und Wirkung per definitionem voneinander isolierbare Ph\u00e4nomene sind. Wir haben das ganz und gar subjektive Wirkungsph\u00e4nomen der Lust-\/Unlustqualit\u00e4t der Empfindung, des Gef\u00fchls, des Erlebens von etwas einerseits; und wir haben die verschiedensten, nicht in ihrer Eigenart und objektiven Seinsweise, sondern nur in ihrer kausalen Rolle der Lusterzeugung und Unlustbehebung bedeutsamen Ursachefaktoren andererseits.<\/p>\n<p>Dieses kausale Modell des Verstehens von Lust wird der Struktur und Art nur sehr weniger Vergn\u00fcgen, und wohl auch den Hauptvergn\u00fcgen nur weniger Menschen gerecht. Es ist offensichtlich an der m\u00f6glichen leiblich-sinnlichen Lust des Tast-, Geschmacks- oder Geruchssinns ausgerichtet, der aus dem intentionalen Lebens- und Erlebniszusammenhang herausisoliert ist. Im Allgemeinen trifft und erkl\u00e4rt ein intentionales Modell ungleich besser, was h\u00f6here Tiere, was jedenfalls wir Menschen als Lust erfahren und mit Vergn\u00fcgen tun und erleben.<\/p>\n<p>Das intentionale Modell unterscheidet zwischen Ursache und Gegenstand eines Vergn\u00fcgens; und es erachtet das Objekt des Vergn\u00fcgens, das, woran man Vergn\u00fcgen hat, als f\u00fcr das Vergn\u00fcgen selbst konstitutiv. Unser Streben und Tun, unser Empfinden und F\u00fchlen erh\u00e4lt \u00fcber die Gegenst\u00e4nde seine Bestimmtheit und meist auch Wesentliches seiner Erlebnisqualit\u00e4t. Und in diesem Ausgerichtetsein auf ein Objekt unterscheiden sich Mensch und Tier auf eine essenzielle Weise. Sie unterscheiden sich durch den Umstand, dass nur der Mensch sprachf\u00e4hig ist und damit Sachverhalte erfassen kann. Die Sprachf\u00e4higkeit er\u00f6ffnet dem Menschen und nur ihm den Horizont der Geschichte, der Moralit\u00e4t, des Rechts, der Wissenschaft, der Religion, des \u00e4sthetisch Sch\u00f6nen und der sch\u00f6nen K\u00fcnste. Tun und Erleiden, Vergn\u00fcgen und Leiden haben in diesem Horizont eine andere Dimension und eine andere Qualit\u00e4t als auf der Ebene blo\u00df sinnlichen Lebens und Erlebens des Lebens.<\/p>\n<p>Nun spricht Mill selbst in schillernd-metaphorischer Weise von verschiedenen \u201eQuellen der Lust\u201c. Diese Redeweise scheint gegen\u00fcber dem Unterschied einer kausalen oder intentionalen Interpretation neutral zu sein. Doch er ist sich der Bedeutung dieses Unterschieds sehr wohl bewusst. Das zeigt sich daran, dass er die Differenz der Vergn\u00fcgen daran festmacht, welche Verm\u00f6gen bei ihrer Verwirklichung im Spiel sind und dass er die Fixierung des \u00e4lteren Utilitarismus auf die Lust \u201eblo\u00dfer sinnlicher Empfindung\u201c und den Rahmen einer unterscheidenden Bewertung nach rein \u201e\u00e4u\u00dferen\u201c, quantitativen Gesichtspunkten der Dauer, der Intensit\u00e4t, der Kosten und dergleichen durchbricht, meint Jeremy Bentham.<\/p>\n<p>Mill will Arten von Lust gem\u00e4\u00df ihrer inneren Beschaffenheit unterschieden sehen. Und die innere Beschaffenheit eines Vergn\u00fcgens bemisst sich f\u00fcr Mill klarerweise an der F\u00e4higkeit, die das Vergn\u00fcgen aktualisiert, und an dem, woran man Vergn\u00fcgen hat, also am intentionalen Objekt des Aktes dieser F\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Mill spricht ganz in der Tradition antiker Stufung des Seelischen von h\u00f6heren und niederen F\u00e4higkeiten, entsprechend von Freuden des Geistes und Freuden des Leibes. Die Stufung der F\u00e4higkeiten bezieht aus dem Erfahrungsbereich der Biologie ihre Selbstverst\u00e4ndlichkeit; sie ist zun\u00e4chst rein beschreibend gemeint. Eine wertende Stufung kommt erst ins Spiel durch eine traditionsreiche Argumentationsfigur, die Mill nicht ausf\u00fchrt, sondern nur in ihrem Ergebnis verwertet: \u201eDie Menschen haben h\u00f6here F\u00e4higkeiten als die tierischen Bestrebungen, und wenn sie mit diesen einmal vertraut gemacht sind, betrachten sie nichts als Gl\u00fcck, was nicht deren erf\u00fcllende Bet\u00e4tigung einschlie\u00dft\u201c.<\/p>\n<p>Diesen Satz k\u00f6nnte bis in die Formulierung hinein ein Stoiker geschrieben haben. Nach dieser stoischen Lehre gipfelt die nat\u00fcrliche Selbstliebe des reifen Menschen in der bedingungslosen Liebe zum eigenen (und in eins damit auch zum fremden) Vern\u00fcnftigsein und seinen Akten, und in einer nur noch bedingten, vorbehalthaften Liebe zu all dem, was das vern\u00fcnftige Selbst gut oder schlecht gebrauchen kann und was ihm nicht absolut eigen ist. Wenn Mill davon sprechen wird, dass Menschen, die ihrer h\u00f6heren F\u00e4higkeiten innewerden, nur noch gl\u00fccklich sein k\u00f6nnen in einem Leben, das die erf\u00fcllende Bet\u00e4tigung dieser F\u00e4higkeiten einschlie\u00dft, dann ist dies ein Gedanke, dem in der Antike gerade der stoische Gegner des Epikureismus ad\u00e4quaten Ausdruck und eine solide Begr\u00fcndung gegeben hat.<\/p>\n<p>Ebenso antiker Herkunft ist Mills Argument, dass \u201evon zwei Freuden diejenige die w\u00fcnschenswertere ist, die von allen oder nahezu allen, die Erfahrung in beiden haben, (&#8230;) entschieden bevorzugt wird.\u201c Mill ist Empirist. Als solcher muss er die Entscheidung dar\u00fcber, welches Vergn\u00fcgen das wertvollere ist, an die tats\u00e4chlichen W\u00fcnsche und Pr\u00e4ferenzen der Menschen binden. Doch diese W\u00fcnsche und Pr\u00e4ferenzen divergieren. Und viele haben den Eindruck, dass die W\u00fcnsche mancher Menschen, und manchmal die W\u00fcnsche vieler Menschen unvern\u00fcnftig sind. Die faktische unqualifizierte Mehrheit kann kein plausibler Ma\u00dfstab der Treffsicherheit in dieser Sache sein.<\/p>\n<p>Mill muss also Bedingungen formulieren f\u00fcr eine kompetente Entscheidung dar\u00fcber, welches Vergn\u00fcgen wertvoller ist als andere. Er formuliert die Bedingungen einer idealisierten Wahlsituation, die eine verl\u00e4ssliche Gew\u00e4hr des Treffens des Richtigen ergeben soll: \u201eWenn es von zwei Vergn\u00fcgen eines gibt, dem alle oder fast alle, die Erfahrung in beiden haben, entschieden den Vorzug geben, unabh\u00e4ngig von irgendeinem Gef\u00fchl der moralischen Verpflichtung zu dieser Pr\u00e4ferenz, dann ist dieses das w\u00fcnschenswertere.\u201c Er f\u00fcgt noch hinzu, dass die Erfahrenen au\u00dferdem den Habitus guter Selbstreflexion und Selbstbeobachtung besitzen m\u00fcssen, um am besten zum Vergleich ger\u00fcstet zu sein. Der kompetente Beurteiler von Vergn\u00fcgen darf kein Ideologe sein; er muss in seiner Beurteilung eines Vergn\u00fcgens Distanz zu seiner moralischen Einstellung \u00fcben und selbst das mit dem Bewusstsein der Moralit\u00e4t verbundene Vergn\u00fcgen aus dieser Distanz heraus als eines neben anderen zu sch\u00e4tzen verm\u00f6gen. Die Bevorzugung muss schlie\u00dflich entschieden sein. Was darunter zu verstehen ist, erl\u00e4utert ein Zusatz, der f\u00fcr sich selbst spricht: \u201eWenn eines von den beiden von jenen, die auf kompetente Weise mit beiden vertraut sind, so weit \u00fcber das andere platziert wird, dass sie es bevorzugen, selbst wenn sie wissen, dass es mit einem gr\u00f6\u00dferen Betrag an Unzufriedenheit verbunden ist, und auf es nicht verzichten m\u00f6chten zugunsten irgend eines Quantums des anderen Vergn\u00fcgens, zu dem ihre Natur f\u00e4hig ist, dann sind wir berechtigt, dem vorgezogenen Vergn\u00fcgen eine \u00dcberlegenheit in der Qualit\u00e4t zuzuschreiben, die so sehr die Quantit\u00e4t \u00fcbertrifft, dass sie diese im Vergleich zu ihr unbedeutend macht.\u201c<\/p>\n<p>Mill h\u00e4lt es nun f\u00fcr eine fraglose Tatsache, dass jene, die mit beiden Arten von Vergn\u00fcgen in gleicher Weise vertraut sind, und die in gleicher Weise f\u00e4hig sind, beide einzusch\u00e4tzen und zu genie\u00dfen, jener Art von Existenz entschieden den Vorzug geben, die eine Bet\u00e4tigung ihrer h\u00f6heren F\u00e4higkeiten einschlie\u00dft. Freuden, in denen Geist und Vernunft im Spiel sind, sind gegen\u00fcber Vergn\u00fcgen der blo\u00dfen Sinnlichkeit entschieden erstrebenswerter.<\/p>\n<p>Nun wei\u00df Mill nat\u00fcrlich auch um die hedonistische Zweideutigkeit, die mit den h\u00f6heren F\u00e4higkeiten des Menschen verbunden ist. Unsere Sprachf\u00e4higkeit \u00fcberh\u00f6ht nicht nur, sie untergr\u00e4bt auch die Unmittelbarkeit des Lebens und Lebensgenusses. Der mit der Vernunft gegebene Ausgriff nach Totalit\u00e4t (immer sein, alles erkennen, alles genie\u00dfen, mit allem \u00fcbereinstimmen zu wollen) scheint zudem menschliches Streben unerf\u00fcllbar, die Sorge und Angst unstillbar und die Unzufriedenheit als Kennzeichen seines Daseins unausweichlich zu machen. Dass Wesen mit h\u00f6heren F\u00e4higkeiten mehr zu ihrem Gl\u00fcck fordern als solche mit niederen, ist trivial; dass der Mensch bedrohter, verletzbarer und der Gefahr st\u00e4rkerer Schmerzen ausgesetzt ist als niederere Lebewesen, ist \u00e4hnlich augenf\u00e4llig; dass der Mensch mit wachem Verstand in einer Welt, wie sie ist, \u00fcberhaupt noch des Gl\u00fcckes f\u00e4hig sein soll, ist weit weniger trivial. Solange und insofern sein Totalit\u00e4tsverlangen nicht gestillt ist, wird es jedenfalls ein begrenztes und beeintr\u00e4chtigtes Gl\u00fcck sein, das in aller Regel mit Angst, Sorge und Unzufriedenheit durchsetzt ist.<\/p>\n<p>Wenn ein mit den verschiedenen Lebensstufen Vertrauter, der die Bedingungen einer kompetenten Wahl erf\u00fcllt, gleichwohl niemals ernsthaft w\u00fcnscht, mit einer niedereren zu tauschen, so ist dies ebenso selbstverst\u00e4ndlich wie erstaunlich.<\/p>\n<p>Mill versucht deshalb, eine Erkl\u00e4rung zu geben f\u00fcr diese bemerkenswerte Tatsache. Als m\u00f6gliche Motive, die den Menschen trotz seiner vernunftbedingten Gef\u00e4hrdungen unter nahezu allen Umst\u00e4nden seine h\u00f6here Daseinsstufe bevorzugen lassen, nennt er den Stolz, die Liebe zur Freiheit und pers\u00f6nlichen Unabh\u00e4ngigkeit, die Machtliebe und die Liebe zur Erregung. Bis auf das letzte m\u00f6gliche Motiv, das Mill wohl der (Sturm- und Drang-)Tradition seiner eigenen Zeit entnimmt, sind alle hier genannten Motive Aspekte der Selbstliebe und Selbstachtung der Vernunft, wie sie die antike Tradition, insbesondere die Stoa, bereits namhaft gemacht hat. Sie konvergieren in dem gewichtigsten und f\u00fcr Mill tats\u00e4chlich entscheidenden Motiv, dem erhebenden Gef\u00fchl der W\u00fcrde, \u201edas alle Menschen in der einen oder anderen Form besitzen, und in einer gewissen, wenngleich nicht in genauer Proportion zu ihren h\u00f6heren F\u00e4higkeiten, und das f\u00fcr die, bei denen es besonders stark ausgepr\u00e4gt ist, einen so entscheidenden Teil ihres Gl\u00fccks ausmacht, dass sie nichts, was mit ihm unvereinbar ist, l\u00e4nger als nur einen Augenblick lang zu begehren imstande sind.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VI.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man darf unterstellen, dass Mill aufgrund seiner eminenten Bildungslekt\u00fcre nicht nur mit Ciceros Reden und Briefen, sondern auch mit dessen philosophischen Texten einigerma\u00dfen vertraut ist. Er wei\u00df dann um die herausragende Bedeutung, die dem Begriff der W\u00fcrde, \u201edignitas\u201c, in Ciceros Texten eignet. Und er wei\u00df dann auch sehr genau, dass Cicero in \u201eDe finibus\u201c und \u201eDe officiis\u201c die Auseinandersetzung mit Epikurs Ethik gerade im (stoischen) Namen der W\u00fcrde des Menschen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>W\u00fcrde manifestiert sich f\u00fcr Cicero ethisch in einem Selbstverst\u00e4ndnis und einer Lebenshaltung, die eine strenge Grenze zieht zu blo\u00df tierischem Dasein und dessen Zielen der Selbst- und Arterhaltung, der Leidvermeidung und des Lustgewinns. In seiner F\u00e4higkeit zur Realisierung von zeitlos G\u00fcltigem im philosophisch-wissenschaftlichen Forschen und Erkennen, im \u00e4sthetischen und politischen Gestalten und im sittlichen Handeln liegt f\u00fcr Cicero eine Zielbestimmung des Menschen beschlossen, der gegen\u00fcber ein Leben, das sich auf die blo\u00df animalischen Ziele der Selbst- beziehungsweise Arterhaltung und der Lusterh\u00f6hung beziehungsweise Unlustvermeidung zentriert, als des Menschen unw\u00fcrdig erscheint.<\/p>\n<p>Sieht man genau hin, dann zeigt sich, dass Mill s\u00e4mtliche praxisrelevanten Gedanken Ciceros zur W\u00fcrdevorstellung teilt und in seiner Utilitarismus-Schrift zur Rechtfertigung der Wahl einer h\u00f6heren, die Ziele und Belange der blo\u00dfen Sinnlichkeit \u00fcbersteigenden Lebensweise des Menschen verwendet: Menschliches Gl\u00fcck besteht, wenn es denn \u00fcberhaupt realisierbar ist, wesentlich in der Aktualisierung von Gutem, das ihm durch seine h\u00f6heren F\u00e4higkeiten er\u00f6ffnet wird. Und dieses Gute \u00fcberwiegt und kompensiert physischen Schmerz und jene Unzufriedenheit mit sich selbst und der Welt, die durch ein von Verstand und Vernunft gepr\u00e4gtes Begehren hervorgerufen wird.<\/p>\n<p>Doch Mill h\u00e4ngt nicht kritiklos hellenistischen Gedanken nach. Er teilt mit der christlichen Tradition die Auffassung, dass zwischen den Vollkommenheitsausgriffen menschlicher Vernunft und der Verfassung unserer Lebenswelt eine un\u00fcberbr\u00fcckbare Kluft besteht. Die epikureische und stoische Botschaft, dass der Mensch trotz seiner Gebrechlichkeit, Endlichkeit und schicksalhaften Gef\u00e4hrdung \u00fcber Bildungs- und Selbstbildungsprozesse sich zu einem sterblichen Gott erheben und vollendet gl\u00fccklich machen k\u00f6nne, \u00fcberzeugt ihn keineswegs. Er glaubt darum zu wissen, und alle Erfahrung und aller gesunde Menschenverstand geben ihm da Recht, dass nicht jeder menschliche Schmerz kompensierbar, nicht alles Elend behebbar und nicht jedes Leid f\u00fcr den Menschen ertr\u00e4glich ist.<\/p>\n<p>Die Antwort des Christentums ist seine Eschatologie. Sie relativiert alle Schmerzen und Freuden des Diesseits. Mills Ethik hat keine Jenseitsperspektive. Sie muss, wenn sie dem Menschen ein m\u00f6gliches Gl\u00fcck in diesem Leben zusprechen will, die Kritik der christlich-philosophischen Tradition auch am Gl\u00fcck der h\u00f6heren irdischen Freuden wieder zur\u00fccknehmen. Sie muss andererseits der berechtigten Kritik des Christentums an der Selbst\u00fcberhebung der epikureischen und stoischen Philosophie Rechnung tragen.<\/p>\n<p>Mills s\u00e4kularer Kompromiss zwischen Hellenismus und Christentum kommt zum Ausdruck in seiner Unterscheidung von Gl\u00fcck, \u201ehappiness\u201c, und Zufriedenheit, \u201econtent\u201c, sowie der These, dass das eine nicht mit dem anderen verbunden sein muss. Solange jemand in Krankheit oder Elend lebt und solange es in der Welt Unzul\u00e4nglichkeit, Unrecht und Ungl\u00fcck gibt, k\u00f6nne kein Denkender und F\u00fchlender mit sich und der Welt zufrieden sein. Doch diese Unzufriedenheit tr\u00fcbe nicht grunds\u00e4tzlich den Blick f\u00fcr den Wert des Guten, das ihrer Bek\u00e4mpfung und Beseitigung dient. Und sie beeintr\u00e4chtige zwar, aber sie entwerte in keiner Weise die Freuden, die mit der Aktualisierung unserer h\u00f6heren F\u00e4higkeiten verbunden sind.<\/p>\n<p>Menschenm\u00f6gliches Gl\u00fcck, so Mill, ist unaufhebbar ein Gl\u00fcck im Bewusstsein seiner Endlichkeit und Unvollkommenheit; und es geht unweigerlich mit Formen und Graden der Unzufriedenheit mit sich und der Welt einher. Gleichwohl ist es ein Gl\u00fcck, das ungleich wertvoller und erstrebenswerter ist als die \u201eZufriedenheit\u201c eines blo\u00dfen Sinnenwesens, dessen Bed\u00fcrfnisse ihre angemessene Erf\u00fcllung finden. \u201eEs ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein; besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Dummkopf. Und wenn der Tor oder das Schwein anderer Meinung ist, dann deshalb, weil sie nur ihre Seite der Angelegenheit kennen. Die andere Partei kennt beide Seiten.\u201c<\/p>\n<p>Das \u00fcbereinstimmende Urteil der Kompetenten besagt, dass es gerade die Bet\u00e4tigung der h\u00f6heren F\u00e4higkeiten ist, die den Menschen gl\u00fccklich macht. Zu diesen geh\u00f6rt auch die F\u00e4higkeit zur Moralit\u00e4t. Was immer Mill unter einem edlen Charakter n\u00e4her hin versteht, die Respektierung der Rechte der Anderen, die Disposition zur Unparteilichkeit, ja auch zum selbstlosen Einsatz f\u00fcr Andere geh\u00f6ren jedenfalls dazu.<\/p>\n<p>Mills Entwicklung des Begriffs des Gl\u00fccks hat unter anderem die Funktion, dem Einzelnen zu zeigen, dass der eigene Edelmut f\u00fcr ihn unmittelbar einen begl\u00fcckenden Aspekt hat, dass altruistische Handlungen nicht eo ipso eine Einbu\u00dfe an Gl\u00fcck f\u00fcr den Handelnden bedeuten. Gleichwohl bleiben hier Fragen offen, Fragen, die vor allem den Extremfall betreffen, den Fall, in dem Moralit\u00e4t, um mit Kant zu sprechen, von uns den Bruch mit allen Neigungen fordert.<\/p>\n<p>Wie jede rationale Ethik muss auch Mill eine gewisse Verbindung von Moralit\u00e4t und nat\u00fcrlichem Interesse suchen. Er folgt hier nicht der christlichen Eschatologie und er folgt auch nicht der Kantischen Postulatenlehre. Er glaubt diese Verbindung vielmehr \u00fcber stoisches Gedankengut zu finden. Er pl\u00e4diert f\u00fcr eine Selbstkorrektur der Vernunftanspr\u00fcche auf das Ma\u00df des Menschenm\u00f6glichen. Er wirbt f\u00fcr eine Bildung der sozialen Tendenzen des Menschen. Er h\u00e4lt die naturale Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die begl\u00fcckenden Aspekte des diesbez\u00fcglichen Engagements und Edelmuts f\u00fcr eminent kultivierbar.<\/p>\n<p>Mill pl\u00e4diert daf\u00fcr, eine Grundhaltung menschlichen Verlangens einzu\u00fcben, \u201enicht mehr vom Leben zu erwarten, als es geben kann\u201c. Es geht ihm um einen Abbruch unserer Totalit\u00e4tsaspirationen. Ferner sind f\u00fcr Mill zwei miteinander verwobene Dinge f\u00fcr ein diesseitiges Gl\u00fcck des Menschen von entscheidender Bedeutung: die \u00dcberwindung der Egozentrik \u00fcber die Pflege pers\u00f6nlicher Gef\u00fchlsbindungen und des Interesses am Gemeinwohl und die Entwicklung einer Kultur des Geistes mit den entsprechenden F\u00e4higkeiten und Leistungen. Mill restituiert schlie\u00dflich den in der Antike vertrauten Gedanken, dass der pers\u00f6nliche Einsatz f\u00fcr die Gemeinschaft, der mit einem Verzicht auf privaten Lebensgenuss verbunden sein kann, mit einer vorz\u00fcglichen moralischen Befriedigung einhergeht.<\/p>\n<p>Und neben diesem \u201eedlen Vergn\u00fcgen\u201c des Kampfes gegen Armut, Krankheit und Unrecht bem\u00fcht Mill schlie\u00dflich einen im Hellenismus forcierten Gedanken, der die Selbstlosigkeit im Einsatz f\u00fcr andere mit dem Gl\u00fcck des derart seinen pers\u00f6nlichen Lebensgenuss Opfernden verbindet. Es ist dies der Gedanke, dass menschliches Gl\u00fcck im Vollsinn sich nur demjenigen erschlie\u00dft, der sich von sich (das hei\u00dft von seinem Lebenstrieb und den diesem Trieb entsprechenden G\u00fctern) so weit zu distanzieren vermag, dass er in Freiheit und Gelassenheit auch auf das Gl\u00fcck des Lebens verzichten kann. \u201eDenn nichts als dieses Bewusstsein kann einen Menschen \u00fcber die Wechself\u00e4lle des Lebens erheben und ihm das Gef\u00fchl geben, dass fatum und fortuna, m\u00f6gen sie ihm auch das Schlimmste antun, am Ende doch keine Macht haben, ihn zu unterwerfen; ein Gef\u00fchl, das ihn vor \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Angst vor den \u00dcbeln des Lebens befreit und ihn \u2013 wie manchen Stoiker in den schlimmsten Zeiten des R\u00f6mischen Reiches \u2013 dazu bef\u00e4higt, die ihm zug\u00e4nglichen Quellen der Freude in Ruhe zu pflegen, ohne sich um die Ungewissheit ihrer Dauer und die Unausweichlichkeit ihres Endes Sorgen zu machen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>VII.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fassen wir Mills philosophische Botschaft zusammen: Zum menschlichen Leben geh\u00f6rt, dass es bed\u00fcrftig, verletzbar, unvollkommen und endlich ist, und dass es darum wei\u00df. Um als Mensch gl\u00fccklich zu sein, bedarf es deshalb zuallererst der Ein\u00fcbung einer Grundhaltung, \u201enicht mehr vom Leben zu erwarten als es geben kann\u201c. Um dieses bescheidenere, menschenm\u00f6gliche Gl\u00fcck zu erreichen, gen\u00fcgt der Rahmen eines \u201eleidlich g\u00fcnstigen \u00e4u\u00dferen Schicksals\u201c, das wenn auch nicht in allem, so doch in vielem eigene und gesellschaftliche Anstrengung gestalten und sichern k\u00f6nnen. Was man nicht allein leisten kann, doch in erster Linie selbst zu leisten hat, ist charakterliche und geistige Bildung: die \u00dcberwindung der Egozentrik und die Entwicklung geistiger Interessen.<\/p>\n<p>Ein Mensch, \u201eder Gef\u00fchl und Interesse nur f\u00fcr das \u00fcbrig hat, was sich um seine eigene erb\u00e4rmliche Person dreht\u201c, kann nicht gl\u00fccklich werden. Dem, der ohne emotionale Bindung und praktisches Engagement f\u00fcr andere Menschen lebt, \u201esind die Reize des Lebens erheblich beschnitten, und schwinden in jedem Fall in ihrem Wert dahin, je n\u00e4her der Augenblick r\u00fcckt, in dem der Tod der Verfolgung aller selbsts\u00fcchtigen Interessen ein Ende setzt\u201c. Was Menschen ferner auf Dauer ungl\u00fccklich macht, ist der Mangel an Kultur des Geistes, w\u00e4hrend ein gebildeter Mensch \u201eGegenst\u00e4nde unersch\u00f6pflichen Interesses in allem (findet), was ihn umgibt: in den Dingen der Natur, den Werken der Kunst, den Gebilden der Poesie, den Ereignissen der Geschichte, dem Schicksal der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart und ihren Aussichten f\u00fcr die Zukunft. Die Menschen haben h\u00f6here F\u00e4higkeiten als die tierlichen Strebeverm\u00f6gen, und wenn sie mit diesen einmal vertraut gemacht sind, betrachten sie nichts als Gl\u00fcck, was nicht deren Erf\u00fcllung einschlie\u00dft.\u201c<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es nicht sein, dass die politisch, wirtschaftlich, monet\u00e4r und wissenschaftlich-technisch bestimmenden Eliten der am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften im heftigen Konkurrenzbem\u00fchen um die Gestaltung und Sicherung eines \u201eg\u00fcnstigen \u00e4u\u00dferen Schicksals\u201c und die Beschaffung wohlfeiler Vergn\u00fcgungskost ihre Kr\u00e4fte ersch\u00f6pfen und den Sinn einb\u00fc\u00dfen f\u00fcr das, was Mill mit der \u00dcberwindung der Egozentrik und der Entwicklung geistiger Interessen meint? K\u00f6nnte es nicht sein, dass gerade deshalb in den am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften, die dabei sind, die Institutionen der Bildung zu Institutionen lediglich der Ausbildung f\u00fcr marktg\u00e4ngige Berufe zu verwandeln, die Frage nach dem Gl\u00fcck heute am lautesten gestellt wird?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; Unser allt\u00e4glich verwendeter Begriff des Gl\u00fccks ist ambivalent. Wir gebrauchen ihn in verschiedenen Bedeutungen. Die Verschiedenheit zentriert sich auf zwei Bedeutungsschwerpunkte. Diese Schwerpunkte werden klar, wenn wir uns auf zwei beispielhafte S\u00e4tze konzentrieren. \u201eDie Person A hat Gl\u00fcck\u201c und \u201eDie Person A ist gl\u00fccklich\u201c. 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