{"id":125023,"date":"2026-06-18T09:48:57","date_gmt":"2026-06-18T07:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=125023"},"modified":"2026-06-18T09:49:03","modified_gmt":"2026-06-18T07:49:03","slug":"das-ringen-um-einheit-und-freiheit-staatliche-einigung-und-konstitutionalisierung-zwei-zentrale-problemfelder-der-deutschen-geschichte-im-19-jahrhundert","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/das-ringen-um-einheit-und-freiheit-staatliche-einigung-und-konstitutionalisierung-zwei-zentrale-problemfelder-der-deutschen-geschichte-im-19-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Das \u201eRingen um Einheit und Freiheit\u201c: Staatliche Einigung und Konstitutionalisierung"},"content":{"rendered":"<h3>I.<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es soll um die Verfassungsbewegung gehen und um die Bestrebungen zur Herbeif\u00fchrung eines deutschen Nationalstaats. Gleichwohl bleiben Zweifel, eine gewisse Fremdheit gegen\u00fcber einem Titel, der nicht ganz von mir kommt. Der Titel wurde mir vom Veranstalter vorgeschlagen, wobei man mir in liberalster Weise anheimstellte, ihn umzuformulieren, wenn ich dies wolle. Und zun\u00e4chst wollte ich das tats\u00e4chlich tun. Aber dann erschien es mir doch reizvoller, das, was mich irritierte, zu problematisieren und f\u00fcr den Einstieg in das Thema zu nutzen. Also habe ich den urspr\u00fcnglichen Titel im Wesentlichen bestehen gelassen und ihn nur mit zwei Strichlein ver\u00e4ndert: Ich habe das Ringen um Einheit und Freiheit in relativierende, differenzierende, auch distanzierende Anf\u00fchrungen gesetzt. So unbedeutend diese \u00c4nderung erscheinen mag \u2013 auf sie gerade kommt es mir an.<\/p>\n<p>Warum? Nun, das Ringen um Einheit und Freiheit, einfach so in den Raum gestellt, ist eine affirmative Pathosformel. Sie sendet eine unsichtbare, aber semantisch wirksame Strahlung aus, ist gleichsam politisch radioaktiv. Einheit und Freiheit sind normativ stark aufgeladene Programmbegriffe aus dem politischen Diskurs. Sie tragen ein hohes appellatives Potential f\u00fcr die Selbstzuschreibung positiver Eigen- und Errungenschaften im politischen Kampf. Doch wenn sie nicht inhaltlich differenziert und definiert werden, sind sie ohne analytische Funktion und ohne Erkl\u00e4rungswert, und damit ungeeignet f\u00fcr den wissenschaftlichen Diskurs.<\/p>\n<p>\u201eEinheit\u201c ist eine emphatische Anrufung, die mehr vernebelt als kl\u00e4rt. Man muss ihr mit kritischen Fragen zu Leibe r\u00fccken, Fragen wie: Wer will rein in diese Einheit? Wer muss vielleicht rein (auch ohne es zu wollen)? Und wer bleibt drau\u00dfen? Im kleindeutschen Nationalstaat des Kaiserreichs, der getragen war von einem B\u00fcndnis aus monarchischem Konservatismus und liberalem protestantischem B\u00fcrgertum, waren es bekanntlich lange die Katholiken, die drau\u00dfen blieben, und noch l\u00e4nger die Sozialdemokraten, diese \u201evaterlandslosen Gesellen\u201c. Die wurden erst zur nationalpolitischen Kommunion zugelassen, nachdem sie durch hunderttausendfaches Sterben in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben des Ersten Weltkriegs ihren \u201ePatriotismus\u201c unter Beweis gestellt hatten. Dann durften sie sogar versuchen, das Kaiserreich vor der Revolution zu retten.<\/p>\n<p>Und auch bei \u201eFreiheit\u201c ist ganz n\u00fcchtern zu fragen: Freiheit wovon? Freiheit wozu? Freiheit f\u00fcr wen? Und auf wessen Kosten? Schlie\u00dflich das \u201eRingen\u201c \u2013 eine aus tiefsten Tiefen des deutschen Wesens heraufsteigende Seelenvokabel! Sie kommt von Wotan und zieht nach Walhall und s\u00e4t auf ihrem Flug semantisch das Schicksalshafte, das D\u00fcster-Fatale, das Tragisch-Vergebliche aus, das es in hartem, ergebenem Kampf zu tragen und zu erdulden gilt, heroisch und ohne nach dem Nutzen und Frommen, nach der Rationalit\u00e4t, nach dem Sinn dieses Tuns zu fragen.<\/p>\n<p>Historisch greift die Formel vom Ringen um Einheit und Freiheit \u00fcbrigens auf Heinrich von Gagern zur\u00fcck, den Vorm\u00e4rzliberalen, Pr\u00e4sidenten der verfassunggebenden Nationalversammlung in Frankfurt und F\u00fchrer der kleindeutsch-propreu\u00dfischen, liberal-konstitutionellen Koalition, welche dann 1849 die Paulskirchen-Verfassung mit Reichsparlament und hohenzollernschem Erbkaisertum getragen hat. Schon zu Silvester 1842 schrieb Gagern in einem Brief an seinen Vater zufrieden, der \u201eGeist der Nation\u201c sei in \u201efortschreitender Entwicklung begriffen nach dem doppelten Ziel: nach Einheit und nach Freiheit im monarchischen Repr\u00e4sentativstaat\u201c. Das war also ein recht bescheidener Begriff von Freiheit. Die Mehrheit der Liberalen wollte zwar verfassungsm\u00e4\u00dfige Freiheit, aber diese wohlbeh\u00fctet von den Gendarmen der Monarchie. Man wollte die K\u00f6nige behalten als Schutzherren von Ordnung und Eigentum f\u00fcr den Fall dass, wie zuvor in Paris schon mehrfach gesehen, der republikanische P\u00f6bel aufm\u00fcpfig werden sollte.<\/p>\n<p>Vermutlich hat gerade seine Bescheidenheit diesen Begriff von Freiheit der Adenauerzeit als besonders geeignet empfohlen f\u00fcr die Wiederentdeckung und Wiederankn\u00fcpfung einer deutschen Identit\u00e4t nach der Katastrophe von 1945. Seit Friedrich Meineckes \u201eS\u00e4kularbetrachtung\u201c von 1948 bezog man sich ja in der aufstrebenden Bundesrepublik gerne auf 1848\/49 bei der Suche nach einem (wenn schon nicht guten, so doch) besseren Deutschland, bei der Grabung nach den versch\u00fctteten Fundamenten einer parlamentarisch-demokratischen Tradition und einem \u201egesunden\u201c Begriff der deutschen Nation von sich selbst.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist jedenfalls, dass die getragene Formel vom Ringen um Einheit und Freiheit bis heute Konjunktur genie\u00dft in Lehrpl\u00e4nen f\u00fcr den Geschichtsunterricht und in den Reden von Bundespr\u00e4sidenten zu bestimmten Zeremonialanl\u00e4ssen. Sie hat sich also im Reich der historisch-politischen Didaktik und der nationalen P\u00e4dagogik f\u00fcr den demokratisch gewendeten deutschen Nachkriegs-Michel fest etabliert. Aber genau deswegen ist sie ungeeignet f\u00fcr den kritischen Diskurs der Geschichtswissenschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Statt der traulich-traurigen M\u00e4r vom wackeren Ringen der Vorm\u00e4rzliberalen und Vorm\u00e4rzdemokraten um Einheit und Freiheit und das Scheitern ihrer guten Absichten zu erz\u00e4hlen und zu besingen, seien kritisch die Ideen in Augenschein genommen, welche die deutsche National- und Verfassungsbewegung des 19. Jahrhunderts an- und vorangetrieben haben. Woher kamen diese Ideen, was war ihre Funktion \u2013 und das ist etwas anderes als ihr Inhalt! \u2013 und was ist schlie\u00dflich aus ihnen geworden? Ich bediene mich dazu als analytischer Sonden des Begriffspaars Emanzipation und Partizipation f\u00fcr das Streben nach Verfassung und der Begriffe Differenzierung und Integration f\u00fcr den Prozess der Nationsbildung.<\/p>\n<p>Den vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngenden Kr\u00e4ften des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts war die Erlangung einer Verfassung ein zentrales Anliegen. Hier lag \u2013 neben der Erlangung nationalstaatlicher Einheit \u2013 der programmatische Kern des Liberalismus, und daraus wurde auch die politische Epochensignatur f\u00fcr die erste H\u00e4lfte des S\u00e4kulums. Der Aufstieg des Verfassungsstaats ist Teil jenes allgemeinen, die ganze europ\u00e4ische Welt erfassenden Wandlungsprozesses, den man gemeinhin mit Stichw\u00f6rtern wie S\u00e4kularisierung, Rationalisierung und Modernisierung kennzeichnet. Die \u00e4u\u00dferst produktive Geistesbewegung der Aufkl\u00e4rung lieferte ein ganzes Arsenal von Ideen, mittels deren die neuen Gesellschaftsschichten die \u00fcberkommene Ordnung der Welt in Frage stellten. Der durch die Aufkl\u00e4rung bewirkte Bedeutungsschwund der christlichen Religion f\u00fcr Sinnstiftung und Daseinsdeutung, die S\u00e4kularisierung und zunehmende Rationalisierung der Weltsicht durch den Fortschritt von Wissenschaft und Technik \u2013 diese Vorg\u00e4nge haben auch der traditionellen Legitimation monarchischer Herrschaft als von Gott gestiftete politische Ordnung ihre Grundlage entzogen.<\/p>\n<p>Die kapitalistische Wirtschaftsform und die aufkommende Industrialisierung brachen die statischen Strukturen der st\u00e4ndischen Gesellschaft auf. Die aufsteigenden b\u00fcrgerlichen Schichten fanden sich in der beharrenden, feudal-monarchischen Ordnung politisch immer weniger wieder. Die wachsende Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung der einzelnen St\u00e4nde und ihrer rechtlichen Stellung wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts im \u201eDritten Stand\u201c verst\u00e4rkt zum Gegenstand kritischer Reflexion.<\/p>\n<p>Diesen Leitprozess neuzeitlicher Modernisierung k\u00f6nnen erfassen die Begriffe \u201eEmanzipation\u201c und \u201ePartizipation\u201c erfassen. \u201eEmanzipation\u201c war als Kampf- und Bewegungsbegriff schon in Aufkl\u00e4rung und Franz\u00f6sischer Revolution im Schwange, wobei er zun\u00e4chst noch vorwiegend transitiv gebraucht wurde \u2013 also jemanden emanzipieren in der Bedeutung von Freilassung aus v\u00e4terlicher oder vormundschaftlicher Gewalt. Sein volles Mobilisierungspotential entfaltete das Schlagwort dann freilich erst im reflexiven Verbalgebrauch: sich emanzipieren hei\u00dft, sich mittels eigener Kraft und Einsicht l\u00f6sen aus Abh\u00e4ngigkeit, Bindung und Untert\u00e4nigkeit, hei\u00dft sich freimachen, sich befreien. Im engeren Sinne politisch verstanden meint Emanzipation die Gesamtheit der Bestrebungen, die darauf abzielen, das naturrechtlich autonom gedachte Individuum der Aufkl\u00e4rung aus den durch Tradition und Dogma, durch \u00fcberkommene Rechts- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse gesetzten Beschr\u00e4nkungen seiner Denk- und Handlungsfreiheit herauszul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Der erste Schritt zur Emanzipation ist dabei stets die Kritik, die Kritik der bestehenden, die Freiheit des Einzelnen behindernden oder verhindernden Verh\u00e4ltnisse. Diese Kritik ist zun\u00e4chst die Sache einer relativ kleinen Gruppe von Intellektuellen, einer literarisch und publizistisch aktiven Avantgarde, und sie bedarf zu ihrer Wirkung der Foren, sie bedarf einer \u00d6ffentlichkeit, denn nur die \u00d6ffentlichkeit erm\u00f6glicht den Diskurs. Auch dort, wo das B\u00fcrgertum wie in Deutschland wirtschaftlich und zahlenm\u00e4\u00dfig zun\u00e4chst noch recht schwach blieb, errangen b\u00fcrgerliche Intellektuelle nach und nach die Diskurshoheit. Das B\u00fcrgertum schuf sich selbst ein Forum f\u00fcr seine Anliegen und Themen und konnte so nach und nach auch die bevorrechteten St\u00e4nde zwingen, sich mit seiner Kritik auseinanderzusetzen. Gem\u00e4\u00df dem naturrechtlich-aufkl\u00e4rerischen Prinzip, dass alle Menschen frei und rechtlich gleich geboren oder geschaffen sind, verfielen alle Privilegien, die nicht in pers\u00f6nlichem Verdienst, sondern allein in Geburt und Stand begr\u00fcndet waren, dem Verdikt.<\/p>\n<p>In den Grundrechtskatalogen der gro\u00dfen Verfassungskodifikationen von der amerikanischen \u201eBill of Rights\u201c \u00fcber die Konstitutionen der franz\u00f6sischen Revolutionszeit bis hin zur Paulskirchen-Verfassung fand das emanzipatorische Postulat seinen rechtsdogmatischen Niederschlag. \u201eEmanzipation\u201c, die sich aus dem 18. Jahrhundert heraus durch das 19. Jahrhundert hindurch ausbreitet, erfasst nach und nach ganz unterschiedliche Bev\u00f6lkerungsgruppen: zun\u00e4chst die B\u00fcrger und die Bauern, aber auch die Juden, dann in der zweiten H\u00e4lfte vor allem die Arbeiterschaft, zuletzt die Frauen.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend zur Emanzipation durch Kritik traten dann auch Forderungen auf den Plan, die man unter dem Begriff der \u201ePartizipation\u201c zusammenfassen kann. Denn es gen\u00fcgte nicht, in der politischen Organisation von Herrschaft die f\u00fcrstliche Autokratie blo\u00df zu kritisieren, weil sie die Teilhabe der Untertanen an der politischen Macht verhindere und es diesen verwehre, \u201eB\u00fcrger\u201c \u2013 Staatsb\u00fcrger, \u201ecitoyens\u201c \u2013 zu sein. Es musste vielmehr dem kritisierten Zustand ein positiver Entwurf gegen\u00fcbergestellt werden, und dieser Gegenentwurf segelte unter dem Banner von Konstitution oder Verfassung, von Repr\u00e4sentation und Volkssouver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die historische Kraft, die den Prozess von Emanzipation und Partizipation vorantrieb, war der Liberalismus, und das programmatische Ideal dieser Bewegung die b\u00fcrgerliche Gesellschaft. Auch wenn Emanzipation und Partizipation zun\u00e4chst also genuin b\u00fcrgerliche Forderungen waren, blieben sie in ihrer Ausstrahlungskraft nicht auf das B\u00fcrgertum beschr\u00e4nkt: Im Zuge ihrer erfolgreichen Durchsetzung brachte die b\u00fcrgerliche Gesellschaft gleichsam aus sich selbst neue, unterb\u00fcrgerliche Schichten hervor, die sich ihrerseits die Forderungen nach Emanzipation und Partizipation auf die Fahnen schrieben. So forderte die mit der Industrialisierung entstehende Lohnarbeiterschaft ihren Anteil am Erfolg der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft \u2013 \u00f6konomisch, sozial, politisch und kulturell. Sie verlangte ihre Beteiligung am Staatsleben, eben ihre Partizipation. Das politische Feld, auf dem sich dieser Kampf abspielte, war das Wahlrecht, das es zu demokratisieren, und die Repr\u00e4sentanz in den Parlamenten, die es zu verbreitern galt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Problem, das sich unter dem Begriff der Demokratisierung dann im letzten Drittel des Jahrhunderts stellte, war das Problem der Massen und ihrer Integration in Staat und Gesellschaft. Die alten Eliten reagierten auf diese Herausforderung mit Ratlosigkeit, Unbehagen und aggressiven \u00c4ngsten. Die diffuse Untergangsstimmung des Fin de si\u00e8cle speiste sich nicht zuletzt aus der Furcht vor der \u00dcberw\u00e4ltigung der b\u00fcrgerlichen Welt durch die aufsteigenden Massen. Ein Buch wie die \u201ePsychologie der Massen\u201c, das der franz\u00f6sische Arzt Gustave Le Bon 1895 ver\u00f6ffentlichte, und sein enormer Publikumserfolg sind ein sprechendes Symptom dieser Dekadenzempfindung und nerv\u00f6sen Irritation. Le Bon sah ein \u201eZeitalter der Massen\u201c heraufziehen, in dem die Politik der Staaten nicht mehr von \u00dcberlieferung und vern\u00fcnftiger \u00dcberlegung bestimmt w\u00fcrde, sondern nur noch von den Instinkten und Affekten der Masse \u2013 was f\u00fcr ihn nichts anderes bedeutete als das Ende aller Kultur.<\/p>\n<p>Die vermeintliche Bedrohung abendl\u00e4ndischer Kultur durch die \u201eMassen\u201c war aber in erster Linie ein Problem der D\u00e4monisierung der Massen in der b\u00fcrgerlichen Wahrnehmung. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, zeigte sich schnell, dass die sozialistischen Parteien und Organisationen in den kriegf\u00fchrenden Staaten bereit waren, ihre Programmprinzipien von Internationalismus und Klassensolidarit\u00e4t preiszugeben \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen: zu verraten \u2013 und sich mit ihrer Massenbasis in die nationalen Aufmarschfronten des gro\u00dfen V\u00f6lkerschlachtens einzureihen. Der Weltkrieg lehrte, dass die Masse \u2013 in den Albtr\u00e4umen von Le Bon und seinesgleichen das schlechthin Formlose, Ungez\u00fcgelte und nicht Z\u00fcgelbare, Tr\u00e4gerin von Anarchie und Chaos \u2013 in Uniform sehr wohl formiert und in der T\u00f6tungsmaschinerie zum Einsatz gebracht werden konnte \u2013 bis hin zu Selbstaufgabe und massenhaftem Sterben. Was diese erstaunliche plebiszit\u00e4re Integration des \u201eVierten Standes\u201c in die b\u00fcrgerlich-kapitalistische Klassengesellschaft erm\u00f6glicht hat, war die andere Gro\u00dfideologie des 19. Jahrhunderts \u2013 die Ideologie der Nation, die sich im nationalen Machtstaat selbst zum Subjekt wird.<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang von der st\u00e4ndischen zur b\u00fcrgerlichen Gesellschaftsordnung f\u00fchrte auf breiter Front zur Aufl\u00f6sung traditionaler Sozialbindungen. Mit dem Ende von Gutsherrschaft und Grundherrschaft auf dem Lande und durch die Abschaffung z\u00fcnftischer Regelungen in Handwerk und Kleingewerbe wurden gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung aus paternalistischen Daseinsformen freigesetzt. Sie gewannen dabei \u201eFreiheit\u201c und verloren Schutz und Sicherheit. Der Emanzipationsprozess war mithin in erheblichem Umfang von sozialer und politischer Differenzierung und Desintegration begleitet. Das in Freiheit gesetzte Individuum trat in ein neues, unmittelbares Verh\u00e4ltnis zum Staat.<\/p>\n<p>Vor der Folie dieser Desintegrationsvorg\u00e4nge gewinnt der Leitprozess der Nationsbildung seine besondere Bedeutung. In der Idee der Nation entwirft die mit dem Liberalismus ideell und personell eng verzahnte nationale Bewegung eine neue Dimension \u00fcberindividueller Vergemeinschaftung. Das Konzept der Nation verlangt vom Einzelnen, dass er \u00fcber die gleichsam naturw\u00fcchsigen und konkret erfahrbaren Gemeinschaftsformen der Familie und der Sippe, der Dorf- oder Religionsgemeinde hinaus ein Zugeh\u00f6rigkeits- und Loyalit\u00e4tsempfinden entwickele gegen\u00fcber dem abstrakten Kollektivsubjekt des Volkes oder der Nation. Die Nation und ihre politische Organisation im souver\u00e4nen Nationalstaat werden zu den h\u00f6chsten innerweltlichen Wertinstanzen. Die Nation f\u00e4ngt also das durch die Aufkl\u00e4rung eben erst aus seinen traditionalen Bindungen emanzipierte und in monadische Autonomie entlassene Individuum wieder ein und macht es politisch verf\u00fcgbar. \u201eNation\u201c hat demnach Emanzipation zur Voraussetzung und ist doch zugleich ihre Aufhebung, weil sie den Einzelnen von neuem in \u00fcberpersonale Abh\u00e4ngigkeiten hineinzwingt.<\/p>\n<p>Ein Weiteres kommt hinzu: Wie idealistisch und weltb\u00fcrgerlich im Sinne von Humanit\u00e4t, allgemeiner Moralit\u00e4t und Bildung die Nation im Deutschland bei Herder, Schiller und Goethe gedacht gewesen sein mochte (als Kulturnation eben) \u2013 die Geschichte lehrt uns, dass fr\u00fcher oder sp\u00e4ter jedes Nationalbewusstsein kategorisch die Machtfrage aufwirft. Nation und Macht geh\u00f6ren zusammen, sind essentiell aufeinander bezogen, bedingen einander \u2013 Nation will Macht. Auch wenn sich das Streben nach dem Nationalstaat in den Schafspelz der Selbstgen\u00fcgsamkeit h\u00fcllt, l\u00e4sst der nationale Machtstaat fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Maske fallen und richtet seine Energien aggressiv und expansiv nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch in Deutschland vollzog sich im Jahrzehnt nach 1800 in einem traumatisierenden Wechselspiel von franz\u00f6sischer Expansionspolitik und deutscher Ohnmachtserfahrung die s\u00e4kulare Wendung des deutschen Idealismus hin zu Macht und Staat. Dass Napoleon die national-demokratisch motivierten und mobilisierten Armeen Frankreichs schier unwiderstehlich von Sieg zu Sieg und damit zur Hegemonie in Europa trieb, f\u00fchrte auch in Deutschland zu der Ansicht, dass die Kulturnation, wie erhaben sie sich verstehen mochte, ohne Macht nicht w\u00fcrde zu behaupten sein. So \u00fcbernahm in den Jahren des Zerfalls und der Ohnmacht der Nationalgedanke in Deutschland selbst mit einer gewissen inneren Konsequenz von Frankreich die Z\u00fcge jenes militanten Nationalismus, gegen den er zum Widerstand aufrief. Das Feindbild Frankreich wurde konstitutiv f\u00fcr die Selbstfindung der deutschen Nation.<\/p>\n<p>Aber auch im Meta-Politischen wuchs dem Nationalismus eine essentielle Funktion der Sinnstiftung zu. Es f\u00e4llt doch auf, dass der moderne Nationalismus historisch just zu dem Zeitpunkt auf den Plan trat, als die traditionalen Muster gesellschaftlicher Organisation und Gemeinschaftsbildung sich aufzul\u00f6sen begannen. Sowohl die st\u00e4ndisch-feudale Gesellschaftsordnung wie auch Religion und Konfession als geschlossene und verbindliche Systeme von Welterkl\u00e4rung und Weltdeutung verloren seit der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts rapide an Legitimation und damit an Bindungskraft. Es erscheint daher plausibel, den gleichzeitig aufkommenden Nationalismus im Sinne einer Ersatzreligion als Medium sozialer Koh\u00e4sion zu verstehen, welches nun anstelle der obsolet gewordenen Systeme die unentbehrliche Funktion der Integration \u00fcbernahm. So lie\u00dfen sich auch die vielen sakral-religi\u00f6sen Ankl\u00e4nge in der Phraseologie der Nationalismen erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele und das Fortleben nach dem Tode, der dem nachaufkl\u00e4rerischen Menschen abhanden gekommen war, wurde durch den Glauben an die \u00fcberindividuelle Fortdauer im biologischen Kollektiv des Volkes, der Nation, ersetzt. Die Nationalstaatsmetaphysik, die Staatsvergottung, die gerade in der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts eine verh\u00e4ngnisvolle Breitenwirkung entfaltete, hat hier wohl eine ihrer Wurzeln. Schon Johann Gottlieb Fichte hat diesen metaphysischen Anspruch statuiert in den \u201eReden an die deutsche Nation\u201c, die er 1808 in dem von den Franzosen besetzten Berlin hielt. \u201eDer Glaube des edlen Menschen an die ewige Fortdauer seiner Wirksamkeit auch auf dieser Erde gr\u00fcndet sich auf die Hoffnung der ewigen Fortdauer des Volks, aus dem er sich entwickelt hat\u201c, sagt er in der achten dieser Reden. Diese Fortdauer \u201emu\u00df er wollen, denn sie allein ist das Mittel, wodurch die kurze Spanne seines Lebens hinieden zu fortdauerndem Leben hinieden ausgedehnt wird. Diese Dauer verspricht ihm allein die selbst\u00e4ndige Fortdauer seiner Nation; um diese zu retten, mu\u00df er sogar sterben wollen, damit diese lebe\u201c.<\/p>\n<p>Der glaubenslose Mensch \u2013 und das sind im 19. Jahrhundert viele \u2013 hat also, so h\u00f6ren wir von Fichte, zwischen sich und dem Nichts nur die Nation. \u201eVolk und Vaterland in dieser Bedeutung als Tr\u00e4ger und Unterpfand der irdischen Ewigkeit und als dasjenige, was hienieden ewig sein kann, liegt weit hinaus \u00fcber den Staat im gew\u00f6hnlichen Sinne des Wortes.\u201c<\/p>\n<p>Der Siegeszug der nationalen Idee nimmt, da sind sich Historiker und Soziologen heute weitgehend einig, seinen Ausgang in den K\u00f6pfen weniger, in der Regel einer kleinen literarisch-publizistischen Vorhut, von der die Idee der Nation dann in breitere Bev\u00f6lkerungsschichten hineingetragen wird. Auch der Fichte\u2018sche Gedanke von Volk und Vaterland als \u201eUnterpfand\u201c der einzig m\u00f6glichen \u201eirdischen Ewigkeit\u201c strebte aus der akademischen Klausur des H\u00f6rsaals hinaus ins b\u00fcrgerliche Leben. In der Mitte des Jahrhunderts finden wir ihn bereits ganz selbstverst\u00e4ndlich bei dem Erfolgsautor Gustav Freytag. Der Protagonist seines erschienenen 1864 Romans \u201eDie verlorene Handschrift\u201c, ein Professor der Altphilologie und agnostischer Bildungsb\u00fcrger par excellence, erkl\u00e4rt seiner b\u00e4uerlichen Verh\u00e4ltnissen entstammenden, noch naiv religi\u00f6sen Ehefrau, der Sinn des Lebens erf\u00fclle sich in der Jahrhunderte \u00fcbergreifenden Abfolge der Generationen eines Volkes. \u201eUns ist der einzelne verstorbene Mensch nur erkennbar\u201c, sagt dieser Felix Werner, \u201esofern er auf andere Menschen eingewirkt hat, nur im Zusammenhange mit denen, die vor ihm waren und nach ihm kamen, hat er Wert. W\u00e4hrend er f\u00fcr sich und seine Zwecke k\u00e4mpft, arbeitet er zugleich umgestaltend f\u00fcr seine Zeit, vielleicht \u00fcber seine Zeit und sein Volk hinaus f\u00fcr alle Zukunft. Sieh, Geliebte, bei solcher Auffassung schwindet der Tod aus der Geschichte.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>V.<\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Errichtung des kleindeutschen Nationalstaats 1870\/71 war dann bekanntlich das Ergebnis dreier durch Preu\u00dfen gef\u00fchrter Kriege. Aber man wei\u00df heute auch, dass der nationalpolitische Machtanspruch der 48er-Liberalen wom\u00f6glich expansiver war, als es das \u201esaturierte\u201c deutsche Kaiserreich zumindest in den ersten zwei Jahrzehnten seines Bestehens unter der Leitung Bismarcks tats\u00e4chlich gewesen ist. Die Grobschl\u00e4chtigkeit des Parven\u00fchaften, einen Hang zu Hybris und Gro\u00dfmannssucht hat der deutsche Nationalismus nie mehr ganz abgelegt. Sie waren ihm eigent\u00fcmlich und brachen immer wieder durch \u2013 insbesondere dann in der Epoche Wilhelms II., als das wirtschaftlich enorm erstarkte Deutsche Reich im Sog des allgemeinen Imperialismus in die zugespitzte Machtkonkurrenz zwischen den Gro\u00dfstaaten eintrat und chauvinistische Massenorganisationen das politische Klima kr\u00e4ftig aufheizten.<\/p>\n<p>Fatalerweise hat aber auch in dieser Phase die nationale Idee geleistet, was ihre Propagandisten manipulativ mit ihr bezweckten: Sie erwies sich als wirksames Instrument der kommunikativen und politischen Einbindung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten. Dass diese Integration in vielerlei Hinsicht blo\u00df symbolischer Art war und Ideologie blieb, dass sie die Verweigerung echter Partizipationschancen im wirtschaftlichen wie politischen Bereich \u2013 etwa gegen\u00fcber der sozial-demokratischen Arbeiterschaft \u2013 nur verschleierte, \u00e4nderte nichts an der Tatsache ihres Erfolgs. Als die dem Imperialismus inh\u00e4renten Konfliktdynamiken sich schlie\u00dflich 1914 in einem katastrophalen Gro\u00dfkrieg entluden, vereinigten sich die Proletarier aller L\u00e4nder nicht etwa mit ihren Klassengenossen, sondern solidarisierten sich \u2013 von der \u201eUnion Sacr\u00e9e\u201c\u00a0 bis zum \u201eBurgfrieden\u201c \u2013 fraglos mit ihrer jeweiligen Nation.<\/p>\n<p>Un\u00fcbersehbar ist, dass auch der Gehalt der Nationsidee in Deutschland sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert noch einmal grundlegend und seinem innersten Wesen nach wandelt. Die Nation des deutschen Fin de si\u00e8cle sucht ihre Erf\u00fcllung nun nicht mehr im klar umrissenen, machtpolitisch-rational definierten kleindeutschen Nationalstaat des bismarckisch-nationalliberalen Gr\u00fcndungskompromisses von 1871. Sie stellt sich im Zuge einer selbstl\u00e4ufigen gesellschaftlichen Dynamisierung vielmehr in Opposition zu den Politikkategorien der traditionellen Eliten, welche dieses Reich gouvernemental tragen. Die Vorstellung von Nation, welche diesem Paradigmenwandel zugrunde liegt, ist weder die Kultur- noch die Staatsnation. Beide Konzepte wurzelten letztlich in Aufkl\u00e4rung und Rationalismus, und in der aggressiven Wendung gegen sie findet die neue, in ihren Appell auch die Massen einschlie\u00dfende Nation ihren Seinsgrund allein im biologischen Ursubstrat des deutschen Volkes.<\/p>\n<p>Anschaulich wird diese massive Potenzierung der Nationsidee in den mega-monumentalen Denkmalssch\u00f6pfungen des sp\u00e4ten Kaiserreichs, im Kyffh\u00e4userdenkmal von 1896 etwa, vor allem aber dann in dem 1913 eingeweihten V\u00f6lkerschlachtdenkmal. Die symbolische Vergegenw\u00e4rtigung der Nation in diesem schon in seinen Dimensionen alles Vorangegangene \u00fcbertreffenden Koloss verweigert sich jedem konkreten historischen Bezug. Nach au\u00dfen verk\u00f6rpert die hermetische Geschlossenheit der Denkmalsgestalt eine bis zur Verschmelzung verdichtete Masse. Der Innenraum mit seiner Kuppelhalle evoziert eine d\u00fcstere Endzeitstimmung von tragischer Unausweichlichkeit. In der Krypta stehen stilisierte Krieger trauernd vor Schicksalsmasken, die Ruhmeshalle dar\u00fcber wird beherrscht von vier kolossalen Figuren, jede an die zehn Meter hoch, welche unter Verzicht auf jegliche personale Individualit\u00e4t die deutschen Nationaltugenden verk\u00f6rpern sollen \u2013 als da sind Fr\u00f6mmigkeit, Volkskraft, Heldenmut und Opferbereitschaft. Das Ganze ist in Stein gebannter Ausdruck finsterer Ahnungen, Aufruf zur Sammlung aller Kr\u00e4fte f\u00fcr die gro\u00dfe, existentielle Bew\u00e4hrung der Nation, Einstimmung zum Opfergang \u2013 der dann ja auch kam. Die Nation, die dieses Denkmal heraufbeschw\u00f6rt, ist kein politisches Subjekt mehr, sondern unverg\u00e4ngliche Schicksalsgemeinschaft im Verbund der Lebenden und der Toten, eine mystische organische Wesenheit \u2013 eben das Volk.<\/p>\n<p>Lange vor dem Auftauchen des Nationalsozialismus also hat der deutsche Nationalismus schon die existentialistische, biologistische Wendung zum V\u00f6lkischen vollzogen. Mit einer Formulierung Helmuth Plessners k\u00f6nnte man sagen, diese Nation \u201ehat nichts mehr \u00fcber sich, sondern nur noch etwas vor sich: eine konkrete Lage, die gemeistert sein will. Und sie hat hinter sich keine allgemeinen R\u00fcckgriffsm\u00f6glichkeiten und Rechtfertigungen aus abstrakten Idealen mehr, sondern nur noch eine massive Realit\u00e4t: das Volk und seinen Selbsterhaltungstrieb.\u201c<\/p>\n<p>Kaum ein Jahr nach der Einweihung des V\u00f6lkerschlachtdenkmals, im vernunftvergessenen Taumel des August 1914, formulierte dann der katholische Arbeiterdichter Heinrich Lersch in seinem Gedicht \u201eSoldatenabschied\u201c gleichsam als gemein-patriotische Quintessenz aus Fichte und Freytag die ber\u00fchmte Verszeile \u201eDeutschland muss leben, auch wenn wir sterben m\u00fcssen!\u201c Ganze Kohorten junger M\u00e4nner wurden mit ihr in den \u201eOpfertod f\u00fcrs Vaterland\u201c geschickt. Lersch genoss nach dem Weltkrieg als nationaler Seher und S\u00e4nger gro\u00dfe Popularit\u00e4t. 1933 geh\u00f6rte er zu den 88 Unterzeichnern des \u201eTreuegel\u00f6bnisses\u201c deutscher Schriftsteller f\u00fcr Adolf Hitler und wurde in die gleichgeschaltete Deutsche Akademie der Dichtung berufen.<\/p>\n<p>Zu Beginn der 1980er Jahre bem\u00e4chtigt sich die Hamburger Punkrock-Gruppe \u201eSlime\u201c des Lersch\u2018schen Diktums f\u00fcr einen Song und dreht es radikalkritisch um: \u201eDeutschland muss sterben, damit wir leben k\u00f6nnen!\u201c\u00a0 Als dieses Lied 1997 bei einer angemeldeten Demonstration in Berlin-Kreuzberg \u00f6ffentlich abgespielt wird, befindet das Amtsgericht Tiergarten 1998, dass damit die Freiheit \u2013 die Freiheit der Kunst und der Meinung \u2013 \u00fcberzogen worden sei, und verurteilt den Veranstalter wegen einer Straftat nach \u00a7 90 StGB \u2013 Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole \u2013 zu einer Geldstrafe von 3750 Euro. Das Landgericht Berlin best\u00e4tigt diesen Spruch im September 1999, das Kammergericht Berlin ein weiteres Mal im Februar 2000. Erst mit Entscheidung des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 3. November 2000 werden diese Urteile aufgehoben, weil sie die Grundrechte aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG (Meinungsfreiheit) verletzten.<\/p>\n<p>Das \u201eRingen um Einheit und Freiheit\u201c, so muss man aus dem Vorgang folgern, ist in nicht abgeschlossen. Vermutlich ist es unabschlie\u00dfbar.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; Es soll um die Verfassungsbewegung gehen und um die Bestrebungen zur Herbeif\u00fchrung eines deutschen Nationalstaats. Gleichwohl bleiben Zweifel, eine gewisse Fremdheit gegen\u00fcber einem Titel, der nicht ganz von mir kommt. Der Titel wurde mir vom Veranstalter vorgeschlagen, wobei man mir in liberalster Weise anheimstellte, ihn umzuformulieren, wenn ich dies wolle. 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