{"id":125074,"date":"2026-06-18T14:22:48","date_gmt":"2026-06-18T12:22:48","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=125074"},"modified":"2026-06-18T14:23:44","modified_gmt":"2026-06-18T12:23:44","slug":"die-gotischen-kirchen-der-bettelorden-in-regensburg","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-gotischen-kirchen-der-bettelorden-in-regensburg\/","title":{"rendered":"Die gotischen Kirchen der Bettelorden in Regensburg"},"content":{"rendered":"<p>Die beiden gro\u00dfen Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner sind gleichzeitig im fr\u00fchen 13. Jahrhundert entstanden. Die Parallelit\u00e4t ihrer Geschichte l\u00e4sst sich an den gotischen Kirchen ablesen, die beide Orden erbauten. Regensburg weist zwei besonders gut erhaltene Beispiele der Bettelordensgotik auf. Was sie in besonderer Weise auszeichnet, soll uns im Folgenden besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus der Vielzahl der heute noch erhaltenen Dominikaner-und Franziskanerkirchen l\u00e4sst sich die gro\u00dfe Wirkung der beiden Orden erkennen, mit denen sie das kulturelle Leben der St\u00e4dte in Europa seit Gr\u00fcndung ihrer Orden revolutionierten. Im Unterschied zu Benediktinern und Zisterziensern, die f\u00fcr ihr monastisches Leben die Einsamkeit in der Natur suchten, widmeten sich Dominikaner und Franziskaner der Missionierung der Stadtbev\u00f6lkerung, auf deren milde Gaben sie als Bettelorden angewiesen waren. Die seit circa 1225\/30 errichteten Kirchen entstanden zu einer Zeit, die man der Hochgotik zurechnet. Die Ordenskirchen belegen, dass die technischen und k\u00fcnstlerischen Errungenschaften der Hochgotik keineswegs spurlos an ihnen vor\u00fcbergegangen waren, wie man aus vielen Details der Gestaltung erkennen kann. Dennoch suchten sie die Differenz zu den ambiti\u00f6sen Kathedralbauten, an denen die Prinzipien gotischer Architektur entwickelt wurden, und verzichteten auf vieles, was eine Kathedrale ausmacht \u2013 auf ein Querhaus, einen Chorumgang, ein Triforium, ja sogar, wie im Falle der Minoritenkirche, Gew\u00f6lbe im Langhaus.<\/p>\n<p>Beide Orden waren Gr\u00fcndungen eines Ordensheiligen. Der aus Kastilien stammende Dominikus erhielt 1216 von Papst Honorius III. die Zustimmung, einen Orden zu begr\u00fcnden, der sich vornehmlich dem Kampf gegen die H\u00e4resie widmen sollte. Dies setzte einen hohen Bildungsgrad der Priesterm\u00f6nche nicht nur in theologischer Hinsicht voraus. Der hohe Grad an Wissenschaftlichkeit l\u00e4sst sich daran ermessen, dass kein geringerer als Aristoteles die philosophische Richtung vorgab. Der zwei Jahre auch in Regensburg als Bischof wirkende Albertus Magnus hatte Aristoteles f\u00fcr die abendl\u00e4ndische Scholastik wiederentdeckt, sein Sch\u00fcler Thomas von Aquin hat seine eigene, auf Empirie beruhende Erschlie\u00dfung des Universums auf Aristoteles aufgebaut.<\/p>\n<p>1223, nur sieben Jahre sp\u00e4ter, wurde von Papst Honorius III. auch Franziskus aus Assisi erlaubt, einen eigenen Orden zu begr\u00fcnden. Im Unterschied zu Dominikus vertrat Franziskus der Bildung gegen\u00fcber eine eher skeptische Position. Erst die nachfolgende Generation erschloss in der Pers\u00f6nlichkeit des Bonaventura ein eigenes theologisches Bildungsgeb\u00e4ude, das stark von der Mystik gepr\u00e4gt war. Theologisch waren die Franziskaner an Augustinus ausgerichtet, der seine Philosophie auf Platon gegr\u00fcndet sah.<\/p>\n<p>Die einerseits \u00e4hnlich vom Ideal der apostolischen Armut gepr\u00e4gten Dominikus und Franziskus begegneten einander 1215 in Rom, wo sie am Vierten Lateranischen Konzil teilnahmen, mit dem Papst Innozenz III. der r\u00f6mischen Kirche des Hochmittelalters ihre dogmatische Ausrichtung verlieh \u2013 man denke nur an das Dogma der Transsubstantiation. Wir werden erfahren, dass gerade dieses Dogma f\u00fcr die liturgische und architektonische Gestaltung von Kirchenbauten gro\u00dfe Bedeutung erhalten konnte.<\/p>\n<p>Die Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen Dominikanern und Franziskanern sollten wenigstens angedeutet werden, da die Besch\u00e4ftigung mit den Kirchenbauten zu den Fragen f\u00fchrt, ob es typologische und stilistische Unterschiede im Bau der Bettelordenskirchen gibt, die mit den Differenzen beider Orden zu tun haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bevor diese Frage am Beispiel der Regensburger Kirchen diskutiert wird, werfen wir einen Blick auf Rom, den theologischen Ausgangsort beider Orden, und suchen nach Spuren, die zum Verst\u00e4ndnis der Kirchen beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dominikus erhielt von Papst Honorius III. die fr\u00fchchristliche Basilika S. Sabina auf dem Aventin zum Geschenk. Hier konnte das erste Dominikanerkloster gegr\u00fcndet werden. Inmitten des Langhauses liegt der Ordensgeneral Munoz de Zamora bestattet. Das Mosaik der Marmorplatte zeigt ihn im schwarz-wei\u00dfen Habit der Dominikaner. Mit diesem zentralen Grabmal hat die Basilika ihre Zuweisung an den Orden des Dominikus einpr\u00e4gsam unter Beweis gestellt. Was sich in der Klausur der Klostergeb\u00e4ude bis heute noch erhalten hat, ist die von Dominikus bewohnte M\u00f6nchszelle, deren primitive Holzdecke, im Kontrast zur barocken Ausstattung der \u00fcbrigen, von Bernini dekorierten Kapelle, noch etwas von der Urspr\u00fcnglichkeit atmet.<\/p>\n<p>Damit aber zu Regensburg: Ihre \u00e4lteste authentische Ansicht verdanken wir der Schedelschen Weltchronik, die in N\u00fcrnberg 1493 erschien. Michael Wolgemut, D\u00fcrers Lehrer, erfasst auf seinem Holzschnitt Regensburg aus imagin\u00e4rer Vogelschau von Norden her, vom Ufer \u00fcber Stadtamhof.<\/p>\n<p>Die Stadt zeichnet sich aus durch die Vielzahl der T\u00fcrme. Die meisten von ihnen sind T\u00fcrme nicht von Kirchen, sondern von burgartigen Stadtpal\u00e4sten, die Patrizier sich in Regensburg seit dessen Erhebung zur Freien Reichsstadt 1245 hatten erbauen lassen. Diese T\u00fcrme sind fast alle unbewohnt; sie dienen als Symbole von Reichtum und Macht der Patrizier, deren eigentliche Wohnh\u00e4user im Verband mit den T\u00fcrmen burg\u00e4hnliche Ensembles bilden.<\/p>\n<p>Die zahlreichen Bettelordenskirchen verweigern sich diesem Wettbewerb um den h\u00f6chsten Turm. T\u00fcrme zu bauen ist ihnen ebenso verwehrt wie zahlreiche andere Dinge, die den j\u00fcngeren gotischen Dom auszeichnen sollten. An der Dominikanerkirche St. Blasius gibt es kein Querhaus, kein Triforium, und das Strebewerk ist reichlich reduziert oder fehlt v\u00f6llig. Wir stehen somit vor Bettelordenskirchen, die ganz bewusst die selbstgew\u00e4hlte apostolische Armut ihres Ordens im \u00e4sthetischen Auftritt des Kirchengeb\u00e4udes zum Ausdruck bringen. Sie negieren ganz bewusst also wesentliche Qualit\u00e4ten, die die Gotik in Frankreich mit ihren Kathedralen hervorgebracht hatte, und konzentrieren sich auf ihre Funktion als Predigtkirchen, die eine gro\u00dfe Gemeinde versammeln, ansprechen und belehren wollen. Zugunsten dieses Ziels werden ganz bewusst wesentliche bauk\u00fcnstlerische Innovationen der Gotik zur\u00fcckgestellt.<\/p>\n<p>Wie weit die Bettelordensarchitektur in solchem Verzicht gehen konnte, lehrt die Dominikanerinnenkirche auf dem Adlersberg vor den Toren Regensburgs aus dem sp\u00e4ten 13. Jahrhundert. Als Nonnenkirche verzichtet sie sogar auf Seitenschiffe, begn\u00fcgt sich mit einer flachen Holzdecke \u00fcber dem Schiff und reduziert die Zierformen am Portal auf den scherenschnittartigen Umriss eines Dreipasses. Den Fenstern bleibt Ma\u00dfwerk versagt. Umso ausschlie\u00dflicher ist der einschiffige Saal ausgerichtet auf den Altar und die Kanzel, die wesentlichen liturgischen Ausstattungsst\u00fccke. Die hohen, ungegliederten W\u00e4nde wurden mit Bildern geziert, deren Botschaft einer Bilderbibel gleicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Herzen der Regensburger Altstadt ragt das Chorhaupt von St. Blasius steil empor. Es gr\u00fcndet auf den f\u00fcnf Seiten eines Achtecks und einem hohen Sockel, \u00fcber dem jede Polygonseite durch je ein zweibahniges hochgotisches Ma\u00dfwerkfenster ausgezeichnet ist. Das Ma\u00dfwerk wird im Couronnement gekr\u00f6nt von einem Vierpass, der einem Kreis einbeschrieben ist, die die zwei Lanzette des geteilten Fensters tragen. Das Ma\u00dfwerk verzichtet dabei auf Profilierung. Am s\u00fcdlichen Seitenschiff wird auf Strebepfeiler verzichtet, nur am \u00dcbergang zur Fassade steht ein kr\u00e4ftiger, diagonaler Pfeiler.<\/p>\n<p>Auf der Nordseite dagegen ist die Abfolge der gew\u00f6lbten Joche an den Strebepfeilern au\u00dfen ablesbar. Das Ma\u00dfwerk der Fenster in Seitenschiffen und Obergaden ist das Couronnement mit je einem Dreipass besetzt. In den ersten vier Jochen von Osten l\u00e4sst sich eine dichte Abfolge der Joche beobachten. Sie geh\u00f6ren alle zum Binnenlangchor. Ab dem f\u00fcnften Joch werden die Joche erheblich breiter. Sie geh\u00f6ren zum Schiff, das von den Seitenschiffen durch sechs weit gespannte Arkaden getrennt ist. Es ist offensichtlich, dass die extreme Vergr\u00f6\u00dferung der Joche mit diesen Arkaden urs\u00e4chlich zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Im Nordseitenschiff enden drei Dienste in dem ungew\u00f6hnlichen Motiv eines Atlanten. Einer davon tr\u00e4gt Tonsur und Habit des Dominikaners und ist mit dem Attribut des Zirkels als Baumeister ausgewiesen, dazu sogar noch namentlich benannt als \u201eBruder Diemar\u201c. Es d\u00fcrfte sich um den Baumeister handeln, der demnach Ordensmitglied gewesen sein muss.<\/p>\n<p>Einige Schlusssteine im Nordseitenschiff fallen durch die besondere Qualit\u00e4t auf, in der sie symbolisch-allegorisch auf zwei Bedeutungen Christi anspielen: Der L\u00f6we sieht sich dem teuflischen Drachen gegen\u00fcbergestellt, w\u00e4hrend der Pelikan sich mit dem Schnabel Wunden am Hals zuf\u00fcgt, um mit dem Blut seine Jungen zu n\u00e4hren.<\/p>\n<p>Zwischen dem vierten und f\u00fcnften Joch l\u00e4sst sich eine markante Z\u00e4sur innerhalb der Kirche erkennen. Die Gew\u00f6lbe setzen ab dem f\u00fcnften Joch deutlich h\u00f6her an als die westlich \u00f6stlich gelegenen \u00e4lteren Gew\u00f6lbe. Im Dachstuhl des Nordseitenschiffes hat sich der Rest einer provisorischen Abschlusswand in voller H\u00f6he erhalten. Sie erm\u00f6glichte es, den Chor mit seinen vier Jochen liturgisch zu benutzen, bevor das Langhaus vollendet war. Die M\u00f6nchskirche hatte in der Entstehung demnach entschieden Priorit\u00e4t vor der Predigtkirche f\u00fcr das Volk! Sie kam erst gegen 1400 in den westlichen Bauteilen zum Abschluss.<\/p>\n<p>An St. Blasius besticht die gro\u00dfe Einheitlichkeit, mit der die Gew\u00f6lbebasilika im gotischen System einheitlich vorgef\u00fchrt wird, ungeachtet ihrer langen, \u00fcber eineinhalb Jahrhunderte w\u00e4hrenden Bauzeit. Was f\u00fcr den urspr\u00fcnglichen Raumeindruck zu erg\u00e4nzen ist, ist der Lettner, der die Zweiteilung des Raums in M\u00f6nchs- und Volkskirche stark betonte. An ihr werden die unterschiedlichen Qualit\u00e4ten evident: einerseits die Sparsamkeit in der Beschr\u00e4nkung auf nur ein Portal in der Mitte, das auf den Reichtum eines S\u00e4ulenportals verzichtet und wie in die Wand eingeschnitten wirkt. Die figurale Ausstattung beschr\u00e4nkt sich auf die Figur des Ordensheiligen Dominikus. Um 1420 entstanden, l\u00e4dt die Figur des Dominikus den Besucher dazu ein, die Kirche zu betreten. Von gr\u00f6\u00dferem Anspruch ist das Mittelfenster mit seinem geometrischen Ma\u00dfwerk, das in seiner Pracht an ein entsprechendes Fenster einer Kathedrale erinnert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Franziskanerkirche ist Christus Salvator geweiht. Bei ihr ist das Schiff der \u00e4lteste erhaltene Bauteil aus dem mittleren 13. Jahrhundert. Die Westfassade gleicht derjenigen von St. Blasius, und spiegelt wie diese den Querschnitt der dreischiffigen Basilika wider. Die Fenster der L\u00e4ngsseiten beschr\u00e4nken sich auf je drei Lanzettbahnen, die auf ein Couronnement verzichten.<\/p>\n<p>Die Hochschiffw\u00e4nde ruhen auf einfachen runden Pfeilern, die die Arkadenb\u00f6gen tragen. Die elementare Form des Rundpfeilers beweist, dass in keinem der drei Schiffe jemals ein Gew\u00f6lbe geplant war. Deshalb kommt es nirgendwo im Langhaus wie in St. Blasien zur Ausbildung eines gotischen Dienstsystems. Die Seitenschiffe sind heute ebenso wie das Mittelschiff flach gedeckt; ehedem war der Dachstuhl offen. Ungleich st\u00e4rker als in St. Blasien wird am Langhaus der Bettelordenscharakter in die Sprache der Baukunst \u00fcbersetzt. Ohne auf Joche und die damit verbundenen Gew\u00f6lbe R\u00fccksicht nehmen zu m\u00fcssen, gibt es keine verbindlichen axialen Bez\u00fcge der Fenster in Seitenschiffen und Mittelschiff. Damit wird das \u201ediaphane\u201c Prinzip der Gotik bewusst negiert.<\/p>\n<p>Von g\u00e4nzlich anderer Qualit\u00e4t ist dagegen der Chor: Er geh\u00f6rt dem fortgeschrittenen 14. Jahrhundert an und zeigt sich gepr\u00e4gt durch die konsequente W\u00f6lbung mit Rippengew\u00f6lben. Die dreibahnigen Ma\u00dfwerkfenster weisen Couronnements mit sph\u00e4rischen Vierp\u00e4ssen auf. Die Differenz beider Bauteile wird schon am Au\u00dfenbau sichtbar, wo der Chor das Schiff deutlich \u00fcberragt. Vom urspr\u00fcnglichen Lettner sind noch die seitlichen Joche links und rechts erhalten; der Mittelteil wurde in der Barockzeit herausgebrochen.<\/p>\n<p>Die glatten W\u00e4nde des Langhauses wurden um 1500 erstmals bemalt mit einem Zyklus des Credo. Je einer der zw\u00f6lf Apostel begleitet ein Zitat aus dem Credo. Um 1600 wurden die Bilder erneuert und teilweise \u00fcbermalt. Sp\u00e4testens damals erfuhr das Credo eine Fassung in deutscher Sprache, w\u00e4hrend die Stifterfiguren in lateinischer Sprache aufgerufen werden. Die Idee der Ausstattung mit Aposteln k\u00f6nnte von Chor inspiriert worden sein. Ebendort findet man die 12 Apostelkreuze in hoher Qualit\u00e4t gemalt. Ihre anspruchsvollste Ausstattung besa\u00df die Kirche in Gestalt von Glasfenstern, die den Chor zierten, bis sie bei der Profanierung gegen 1811 ausgebaut und entfernt wurden. Man findet sie im Bayerischen Nationalmuseum sowie zum Teil noch im Historischen Museum, das in den R\u00e4umen des ehemaligen Minoritenklosters untergebracht ist.<\/p>\n<p>Das Mittelfenster ist der Passion gewidmet. Das Mittelfenster beschlie\u00dft in der Figur von Christus Salvator das Gesamtprogramm, das damit auf die Weihe der Kirche Bezug nimmt. Der Geschlossenheit des gotischen Systems, wie wir es an der Dominikanerkirche St. Blasius fanden, antwortet die Franziskanerkirche mit einer ungleich elementareren Typologie, die zumindest an den fr\u00fchen Bauteilen des Langhauses ablesbar ist.<\/p>\n<p>Die kr\u00e4ftigen Rundpfeiler reflektieren die gro\u00dfe Spannweite der Arkaden, die wiederum der Funktion der m\u00f6glichst viele Zuh\u00f6rer fassenden Predigtkirche geschuldet sind. Worauf die Kirche an architektonischer Qualit\u00e4t bewusst verzichtet, wird durch die malerische Ausstattung wiederum wettgemacht. Die Glasgem\u00e4lde thematisieren neben Christus auch den Ordensgr\u00fcnder Franziskus. Einen H\u00f6hepunkt bildet im Franziskusfenster dessen Stigmatisation auf dem Berg Averna im Angesicht des Gekreuzigten. Das franziskanische Ideal der Christusnachfolge im Sinne der Christiformitas wird damit zum Gehalt der Bildbotschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vergleicht man beide Kirchen, so l\u00e4sst sich eine Differenz hinsichtlich der Gotik-Rezeption wahrnehmen. Beide Kirchen gehen sich nicht nur in der Situierung im extremen Osten bzw. Westen Regensburgs, sondern auch im unterschiedlichen Umgang mit dem W\u00f6lbebau unterschiedliche Wege. Der komplement\u00e4re Charakter, der das Neben-und Miteinander der Dominikaner und Franziskaner in theologischer und philosophischer Hinsicht kennzeichnet, erh\u00e4lt damit auch bauk\u00fcnstlerisch und \u00e4sthetisch eine eindrucksvolle Best\u00e4tigung. Ihre Architektur wird zum Spiegel der Dialektik im Zeitalter der Scholastik. Im Verzicht auf viele Errungenschaften der Hochgotik liegt ein Bekenntnis zu den Idealen der selbstgew\u00e4hlten apostolischen Armut. Im bauk\u00fcnstlerischen Kontext bedeutet sie eine wesentliche Voraussetzung zur Spiritualisierung des Kirchengeb\u00e4udes und die Konzentration auf die Predigt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden gro\u00dfen Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner sind gleichzeitig im fr\u00fchen 13. Jahrhundert entstanden. Die Parallelit\u00e4t ihrer Geschichte l\u00e4sst sich an den gotischen Kirchen ablesen, die beide Orden erbauten. Regensburg weist zwei besonders gut erhaltene Beispiele der Bettelordensgotik auf. 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