{"id":125091,"date":"2026-06-18T14:54:02","date_gmt":"2026-06-18T12:54:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=125091"},"modified":"2026-06-18T14:54:08","modified_gmt":"2026-06-18T12:54:08","slug":"an-die-bruchlinien-gehen-der-auftrag-des-dominikanerordens-heute","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/an-die-bruchlinien-gehen-der-auftrag-des-dominikanerordens-heute\/","title":{"rendered":"An die \u201eBruchlinien\u201c gehen"},"content":{"rendered":"<h3><strong> An die Bruchlinien gehen \u2013 Pierre Claverie<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Kirche vollendet ihre Berufung und ihre Mission, wenn sie gegenw\u00e4rtig ist an den Bruchstellen, die die Menschheit in ihrem Fleisch und ihrer Einheit kreuzigen.\u201c So hat Pierre Claverie, Dominikaner und Bischof von Oran in Algerien, den Auftrag der Kirche zusammengefasst \u2013 1996, kurz vor seinem Martyrium durch islamistische Terroristen. Damit folgt die Kirche nach Claverie dem Weg ihres Herrn. Jesus habe sich in seinem Kreuz genau auf diese Bruchstellen gestellt hat, um sie zu heilen und zu vers\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Der Dominikanerorden hat in den letzten Jahren das Wort seines Mitbruders Pierre Claverie immer wieder aufgegriffen, um die eigene Sendung zu befragen und die Bruchlinien der eigenen Zeit in den Blick zu nehmen. Heute trifft sich diese Aufforderung zudem mit dem Anliegen von Papst Franziskus, \u201ean die R\u00e4nder zu gehen\u201c.<\/p>\n<p>Dieser Weg an die R\u00e4nder impliziert aber, aus unserer \u201eSelbstzentrierung\u201c (Papst Franziskus) oder \u2013 mit Pierre Claverie gesprochen \u2013 \u201eaus unseren Blasen\u201c (pers\u00f6nlichen wie kirchlich-gesellschaftlichen) auszubrechen \u2013 hinein in die Wirklichkeit so wie sie ist. Dies ist immer wieder ein Herausgerufen-Werden, das zun\u00e4chst Kraft kostet und Mut braucht. Denn die \u201eBruchlinien\u201c der Gesellschaft sind nicht die bequemsten Orte: Man kann an ihnen nicht sicher stehen \u2013 und steht zwischen den Parteiungen. Die Geschichte des Ordens zeigt jedoch, dass er dort, wo er diese Bruchlinien aufgesucht hat und sie zum theologischen und pastoralen Ort werden lie\u00df, eine besondere Fruchtbarkeit entfaltet hat: sei es bei Dominikus mit seiner neuen Form der Auseinandersetzung mit den Katharern, sei es bei Thomas von Aquin und Albert in der Fruchtbarmachung des als mit dem Christentum unvereinbar geltenden Aristotelismus oder seien es die Auseinandersetzungen der Dominikaner um Antonio Montessino und Las Casas um die Rechte der Indios, die dann in den theologisch-philosophischen Reflexionen der Dominikanerschule von Salamanca zur Formulierung der Vorl\u00e4ufer der Menschen- und V\u00f6lkerrechte f\u00fchrten. Immer waren es die \u201eBruchlinien\u201c der Gesellschaft, die sich als Orte Gottes und der Erneuerung des Ordens erwiesen.<\/p>\n<p>Was nun k\u00f6nnen wir heute als Bruchlinien unserer Gesellschaft identifizieren?<\/p>\n<h3><strong>Akedia \u2013 das zentrale Problem unserer Zeit<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Beantwortung dieser Frage gehe ich aus von meinem Fachgebiet, der Theologe der Spiritualit\u00e4t. Wir wollen einem Rat der W\u00fcstenv\u00e4ter folgen, um eine Signatur aufzusp\u00fcren, unter der unsere Zeit steht. \u201eKrise\u201c war f\u00fcr die W\u00fcstenv\u00e4ter Alltag. Nach ihrer Erfahrung hat jeder zu einer besonderen Zeit mit einer besonderen Herausforderung zu k\u00e4mpfen, die es zu identifizieren gilt. Die W\u00fcstenv\u00e4ter nennen es \u201eGedanken\u201c (Evagrius Pontikos) oder \u201eLaster\u201c (Johannes Cassian).<\/p>\n<p>Mir scheint, dass sich das zuweilen auch f\u00fcr ganze Gesellschaften sagen l\u00e4sst. Zumindest legt das die Wahrnehmung von Soziologen, Philosophen und Theologen nahe. Sie beschreiben \u00fcbereinstimmend Ersch\u00f6pfung, \u00dcberdruss und die M\u00fcdigkeit unserer Beschleunigungsgesellschaft als Signaturen unserer Zeit \u2013 und das ist nach den W\u00fcstenv\u00e4tern eine Beschreibung der Akedia.<\/p>\n<p>Was kennzeichnet diese Akedia? Die Akedia ist der \u201eMittagsd\u00e4mon\u201c \u2013 in der Mitte des Tages oder des Lebens \u2013 und ist der \u201eGedanke der Schwelle\u201c (dies w\u00fcrde im \u00dcbrigen zu der Vermutung von Karl Kardinal Lehmann und Heinrich August Winkler passen, dass wir an einer Epochenschwelle stehen). Die Akedia kennzeichnet eine gewisse Orientierungslosigkeit: Unzufriedenheit mit dem Altem und Eigenen und zugleich das Ausschauhalten nach immer Neuem, Interessanterem. Sie dr\u00fcckt sich aus in Langeweile, Betr\u00fcbnis und Missmut und sie zeigt sich sowohl aggressiv \u2013 Suche nach Zerstreuungen oder Aktivismus \u2013 oder regressiv \u2013 depressives Sich-Gehen-Lassen.<\/p>\n<p>Als Heilmittel empfehlen die W\u00fcstenv\u00e4ter: innehalten und nicht weglaufen, die Selbstverordnung des je eigenen Ma\u00dfes und einen geregelten Tages- und Arbeitsablauf. Zudem aber nicht das Versinken im Eigenen, sondern die Ausrichtung nach au\u00dfen: Begegnung mit dem Sch\u00f6nen, Dankbarkeit, das Ausrichten auf die Not von Anderen, Blick auf die eigene Endlichkeit als von \u00fcberh\u00f6hter Erwartung befreiend und schlie\u00dflich das Vertrauen auf Gottes Gnade statt auf das eigene Tun. Wesentliches Heilmittel ist also: Nichts gro\u00df ver\u00e4ndern und nicht in Aktivismus ausbrechen, innehalten, Ordnung leben \u2013 und: nicht ins sich selbst versinken, sondern der Blick nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Wenn das nun auch als Heilmittel f\u00fcr unsere Zeit anwendbar w\u00e4re, klingt das zun\u00e4chst sehr unspektakul\u00e4r. Es verwundert daher auch nicht, dass bei den gro\u00dfen Zeitdiagnostikern wie den Soziologen Hartmut Rosa, Heinz Bude oder dem Philosophen Byung-Chul Han zwar eine messerscharfe Analyse dessen, was in unserer Gesellschaft geschieht, zu lesen ist, bei der Frage nach L\u00f6sungen das Angebot aber d\u00fcrftig ist. Dennoch l\u00e4sst sich von dieser Diagnose ausgehend einiges sagen \u00fcber unser Heute und unsere Aufgabe in diesem Heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>\u201eHomo oeconomicus\u201c \u2013 Was ist der Mensch?<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein erster Punkt kn\u00fcpft an das bereits Angedeutete an und fragt nach den Ursachen der M\u00fcdigkeit. In der \u201eBeschleunigungsgesellschaft\u201c (Rosa) mit der \u201eTrias Wachstum, Beschleunigung und Informationsverdichtung\u201c unterliegt der Mensch einem best\u00e4ndigen \u201eSteigerungszwang\u201c. Dieser \u201eImperativ der Leistung\u201c (Han) gilt nicht nur im wirtschaftlichen Bereich. Bis in den privaten Bereich steht der heutige Mensch unter einer best\u00e4ndigen \u201eAufforderung zur Optimierung\u201c, dem \u201eHuman Enhancement\u201c. Dieses Streben beginnt schon vor der Geburt, wo es bereits um die \u201eOptimierung von Talenten, Anlagen und Begabungen; die permanente Kontrolle und Selbstkontrolle zum Zweck der Leistungssteigerung\u201c (Liessmann) geht. Diese umfasst sowohl den k\u00f6rperlichen wie den geistigen Bereich des Menschen. Sie kulminiert in der Pr\u00e4implantationsdiagnostik mit der Frage: Wie darf und soll der Mensch sein?<\/p>\n<p>Das Anliegen der Vervollkommnung des Menschen gab es schon immer. Nur verschiebt es sich derzeit vom Bereich von Moral, Aufkl\u00e4rung und einer humanistische Kultur hin zu einer technischen und genetischen Betrachtung.<\/p>\n<p>Ein Problem ist dabei, dass mit dieses technische Optimierungsbild auf das \u201eM\u00e4ngelwesen\u201c Mensch st\u00f6\u00dft. Bei ihm gibt es Grenzen der Leistungs- und Aufnahmef\u00e4higkeit. Zunehmende Einnahme leistungssteigernder Mittel und von Psychopharmaka versucht diese Grenze zu weiten; letztlich gelten diese Grenzen des Menschen aber als M\u00e4ngel und hinderlich f\u00fcr weiteres Wachstum, sodass sich der Mensch noch mehr gefordert sieht, den eigenen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen zu k\u00f6nnen. Nach dem Philosophen Han l\u00e4sst das \u201einnere Gesetz\u201c der Selbstoptimierung den Menschen, der sich selbst zum Projekt erhoben hat, stark \u201evon dem Modalverb K\u00f6nnen\u201c beherrscht sein, sodass er sich \u2013 in scheinbarer Freiheit \u2013 selbst ausbeutet. \u00dcberschreitet er aber sein Ma\u00df und \u201ebrennt aus\u201c, tr\u00e4gt er selbst die Verantwortung und die Schuld. Das Burnout ist so ein \u201eunrettbares Scheitern am K\u00f6nnen\u201c und schafft ein neues Prekariat derer, die nicht Schritt halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Scheitern und Nicht-mehr-Mitkommen fehlt zudem die M\u00f6glichkeit, das einzuordnen in einem immer weiter, h\u00f6her, nach Mehr strebendem System. Diese Ausbeutung macht zudem nicht beim Menschen halt, sondern erfasst auch die Natur (Stichwort: Ressourcenschonung) und die Gesellschaft (Stichwort: Generationengerechtigkeit).<\/p>\n<p>Ein Zweites: In dieser fluiden Gesellschaft wird auch die eigene Identit\u00e4t flie\u00dfend. Kommunikationsplattformen wie Facebook machen auch die Identit\u00e4t der Individuen wie von Gemeinschaften zu einem \u201eGegenstand permanenter kompetitiver Aushandlung\u201c und st\u00e4ndiger \u00dcberpr\u00fcfung in einem \u201esich selbst verst\u00e4rkendem Feedback-System\u201c (Han). Wir sind zu einem \u201eunternehmerischen Selbst\u201c (Br\u00f6cklin) geworden, das sein Leben als Abfolge von Projekten gestaltet. St\u00e4ndige Leitbild- und Visionsentwicklung f\u00fchren zu endloser Betriebsamkeit ohne ein klares Ziel \u2013 wie in einem Hamsterrad. Dabei l\u00f6sen die verinnerlichten gesellschaftlichen Leistungs- und Selbstverwirklichungsideologien eine gef\u00e4hrliche Dynamik aus, der der Einzelne nicht mehr gewachsen scheint. Der Mensch ist \u201ein einem Zustand endlosen Werdens \u2013 ein Selbst, das sich nie vollendet\u201c (Sennet). Dabei verbirgt sich hinter den phrasenhaft verwendeten Begriffen \u201eProjekt\u201c, \u201eVision\u201c, \u201eLeitbild\u201c und \u201eReform\u201c letztlich oft eine Orientierungs- und Ziellosigkeit.<\/p>\n<p>Hinzu kommt ein Drittes: \u00c4u\u00dfere Haltepunkte f\u00fcr die Identit\u00e4tsfindung fallen zunehmend weg. Traditionelle feste Rollenschemata, Milieus, Bezugspunkte und Wertesysteme, wie sie Religionen oder Parteien boten, haben ihre \u00dcberzeugungskraft verloren und sind auf dem R\u00fcckzug. Stattdessen zentral sind heute die Wahl und die Flexibilit\u00e4t der Anpassung des Individuums an das, was gefordert und erwartet wird. Diese Entwicklung wirkt bis hinein in unser Privatleben, wo somit Ehen und Beziehungen immer unter dem Vorbehalt des N\u00fctzlichen und des pers\u00f6nlichen Vorteils stehen.<\/p>\n<p>Der Mensch wird seiner Lebenswelt zunehmend entbunden. Der Begriff \u201eHeimat\u201c bekommt in seiner Fremdheit pl\u00f6tzlich neue Faszination. In dieser Linie zeugen zahlreiche Fundamentalismen in verschiedenen Bereichen von Gesellschaft und Religion von einem Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit. Die \u201eSicherheitsgesellschaft\u201c hat den Anspruch, \u201ealles Unberechenbare, Uneindeutige, Ambivalente, Fremde und St\u00f6rende zu beseitigen und eine berechenbare und eindeutige Welt\u201c (Keupp Heiner) zu schaffen. Diese Fundamentalismen sind Ausdruck einer Suche nach klarer Identit\u00e4t, die es so aber eigentlich nicht mehr gibt.<\/p>\n<p>Nehmen wir dies alles in den Blick, stellen sich verschiedene Fragen: Was ist der Mensch? Was gibt dem Menschen Identit\u00e4t und Heimat? Woraufhin bewegt sich der Mensch und worauf hin soll er sich verbessern? Ohne die Grundsatzfrage, was der Mensch eigentlich ist, ist aber die Frage nach unserem Bild des Menschen gef\u00e4hrlich. Diese grunds\u00e4tzliche Erw\u00e4gung wird jedoch nicht mehr geleistet, h\u00e4ufig verdr\u00e4ngt, weil sie \u201eSand im Getriebe\u201c des \u00f6konomischen Fortschritts ist und unbeantwortbar scheint.<\/p>\n<p>Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen. Eine entscheidende Frage unserer Zeit ist: Wer ist der Mensch? Was wollen wir sein und wie wollen wir leben? Dabei wird der Kirche als gesellschaftlicher Kraft weiterhin eine orientierende Rolle zukommen, aus der Kraft ihrer Tradition und ihrer Reflexion \u00fcber den Menschen hier beizutragen. Dazu geh\u00f6rt eine wichtige Rolle in der Offenlegung und Kommunikation der Ideologien, die uns momentan bestimmen, aber nicht immer dem Menschen dienen. Gerade von den Menschen, die bei dem System unter die R\u00e4der kommen, gilt es zu denken, ihre Erfahrungen in den \u00f6ffentlichen Diskurs einzuspeisen und von ihnen her zu lernen, was passiert und was geboten ist. Unser Papst r\u00fcckt gerade das Ausgeblendete immer wieder in den Blick.<\/p>\n<p>Die Leitwissenschaften zur Beantwortung der Frage nach dem Menschen sind derzeit die Biowissenschaften. Bemerkenswerterweise treten in den Predigerorden weltweit zunehmend Naturwissenschaftler und Wirtschaftswissenschaftler ein. \u00dcber bioethische Fragen nach Anfang und Ende des Lebens hinaus wird es von Bedeutung sein, mit den Naturwissenschaften st\u00e4rker in Dialog zu treten. Es ist zentral, die verschiedenen Sichtweisen \u00fcber den Personbegriff und die Anthropologie \u2013 \u00f6konomisch, naturwissenschaftlich und theologisch \u2013 ins Gespr\u00e4ch zu bringen und uns in das Gespr\u00e4ch einzubringen. Hier stellt auch die dominikanische Tradition in der Linie Thomas von Aquins mit ihren anthropologischen und gnadentheologischen \u00dcberlegungen eine wichtige Grundlage dar. Dominikaner unserer Provinzen arbeiten wissenschaftlich an der Frage nach dem Menschen \u2013 aus moraltheologischer oder philosophischer Sicht. Aber es soll auch verst\u00e4rkt ein Fokus unserer Predigt sein: \u201eWas ist der Mensch? Wie wollen wir leben?\u201c Die Frage nach der \u201eArs bene vivendi\u201c wird zunehmend gestellt.<\/p>\n<p>Letztlich ist es aber eine St\u00e4rke des Ordens, dass er Wissenschaft und Pastoral zu vernetzen sucht, damit sie sich gegenseitig befruchten. Unser Ordensmeister fr. Bruno Cador\u00e9 hat dies unter das Schlagwort \u201eSalamanca-Prozess\u201c gestellt, weil das im 16.\/17. Jahrhundert in der Frage nach den Rechten der Indios exemplarisch gelungen ist.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Freir\u00e4ume \u00f6ffnen \u2013 das Andere, Widerst\u00e4ndige wecken<\/strong><\/h3>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere, daran ankn\u00fcpfende Frage wird auch die Bildung des Menschen in diesen Kontexten sein, besonders auch des inneren Menschen und des Geistes. Unser Ordensmeister fr. Bruno Cador\u00e9 hat uns vor einigen Jahren in einer Visitation mitgegeben: \u201eDen Leuten wirklich zuh\u00f6ren und sie kritisch denken zu lehren.\u201c Interessanterweise hat er weniger inhaltlich benannt, <em>was<\/em>, sondern <em>like<\/em> wir lehren sollen: Damit sich ein kritischer Geist ausbilden kann, der vor dem Hintergrund eines bestimmten Menschenbildes die Menschen kritikf\u00e4hig und unterscheidungsf\u00e4hig macht.<\/p>\n<p>Die Konsumorientierung, die nahezu alles zu erfassen sucht, l\u00e4sst den Menschen immer mehr den Umgang mit Widerst\u00e4ndigem verlernen. Gerade daran aber bilden sich Geist und Denken wesentlich aus. Manche Denker sehen den Konsum wie ein Opiat, wie \u201eBrot und Spiele\u201c (Miegel), das tiefere Fragen vergessen lassen soll. Der Philosoph Byung-Chul Han erkl\u00e4rt im Anschluss an eine Betrachtung der Kunstwerke des Amerikaners Jeff Koons: \u201eDas Glatte ist die Signatur der Gegenwart &#8230; Das Glatte verletzt nicht. Von ihm geht auch kein Widerstand aus. Es heischt Like. Der glatte Gegenstand tilgt sein Gegen. Jede Negativit\u00e4t wird beseitigt\u201c. Alles geht darum, gef\u00e4llig und leicht konsumierbar zu sein. Das Widerst\u00e4ndige wird ausgeblendet. \u201eDer Kapitalismus eliminiert\u201c \u2013 nach Han \u2013 \u201e\u00fcberall die Andersheit, um alles der Konsumation zu unterwerfen\u201c. Das Ausblenden der \u201eAndersheit\u201c unterh\u00f6hlt aber neben unseren Beziehungen auch unseren politischen Diskurs, wo selbst \u00fcber gro\u00dfe Fragen heute nicht mehr heftig diskutiert, vielmehr angebliche \u201eAlternativlosigkeit\u201c postuliert wird.<\/p>\n<p>Der \u00f6konomische Primat ver\u00e4ndert aber auch unseren \u00f6ffentlichen Diskurs und unsere Universit\u00e4tslandschaft. Die \u201eImperative von Leistungsoptimierung und Mehrwert\u201c der Investitionen bewirken nach Pl\u00ednio Prado eine \u201eReduzierung des Wissens auf einen Gegenstand des Marktes\u201c. Das Denken ist modularisiert &#8211; und \u201enur noch von reduziertem und reduktivem Wissen geformt\u201c. DIE ZEIT meldete vor Kurzem, dass \u2013 bezeichnenderweise \u2013 in Japan, den USA und Gro\u00dfbritannien zunehmend der Sinn von Geistes- und Sozialwissenschaften wie Philosophie, Soziologie oder Linguistik in Frage gestellt und zunehmend von K\u00fcrzungen und Schlie\u00dfungen bedroht sind. Damit geht aber eine Gegen-Kultur verloren, die den Menschen nochmals von einer anderen Sicht anschaut und es kommt \u2013 mit Habermas \u2013 zu einer \u201eschwindenden Sensibilisierung f\u00fcr gesellschaftliche Pathologien\u201c.<\/p>\n<p>Prado fordert, Freir\u00e4ume des Denkens zu erm\u00f6glichen, die \u201eder Verrohung durch das blo\u00dfe Einverst\u00e4ndnis mit den Fakten\u201c entkommen und es erlauben, \u201eden Abstand zu gewinnen, der notwendig ist, diese zu befragen, zu analysieren und zu beurteilen\u201c. Es braucht Freir\u00e4ume, um \u201ef\u00e4hig zu sein, das Unbestimmte zu empfangen, also das, was das bestehende Wissen und die gegebenen Bezugssysteme, die etablierten Paradigmen und die erworbenen Kompetenzen herausfordert und ersch\u00fcttert. Denn das Unbestimmte zu empfangen hei\u00dft, sich ihm auszusetzen, es anzunehmen und sich selbst in Frage zu stellen\u201c.<\/p>\n<p>Ich sehe unsere Aufgabe als Dominikaner darin, hier R\u00e4ume zu er\u00f6ffnen, in denen das \u201eunabh\u00e4ngige Denken\u201c m\u00f6glich ist und auch in die bestehenden R\u00e4ume dieses \u201eAndere\u201c einzubringen. Dies verbindet sich mit dem Motto der Dominikaner, der \u201everitas\u201c zu dienen. Gerade die Tradition des Predigerordens mit wichtigen Gr\u00f6\u00dfen aus Wissenschaft und Mystik mag hier ein Schatz sein, der wertvolle Impulse liefern kann \u2013 gerade in der Widerst\u00e4ndigkeit mancher Ans\u00e4tze, denn: \u201eDer Geist erwacht am Anderen\u201c.<\/p>\n<p>Diese Widerst\u00e4ndigkeit der eigenen Person auszubilden ist aber auch auf anderen Gebieten wichtig. Han wie auch Botho Strauss haben davon gesprochen, dass wir mehr \u201eIdioten\u201c brauchen \u2013 \u201eidiotes\u201c von ihrer urspr\u00fcnglichen Wortbedeutung her: Menschen, die sich nicht allem f\u00fcgen. Es ist gerade das Widerst\u00e4ndige, Andere, das unsere menschliche Pers\u00f6nlichkeit formt.<\/p>\n<p>Dieser Bildungsprozess ist eine wichtige Aufgabe unserer Zeit. Die Selbstverst\u00e4ndlichkeit der christlichen Glaubensbildung ist verloren gegangen, weshalb der Gl\u00e4ubige seinen Glauben mit Herz und Verstand darlegen k\u00f6nnen muss.<\/p>\n<p>Der Zweig der dominikanischen Laien ist momentan ein stark wachsender Zweig in unserer Provinz. Menschen mit sehr unterschiedlichem, auch unterschiedlich wissenschaftlichem Hintergrund schlie\u00dfen sich uns an und bereichern unseren Orden. In dieser Form neu sind der apostolische Eifer und das Selbstbewusstsein dieses Ordenszweiges. Zugleich ist das Bed\u00fcrfnis nach einer guten Ausbildung sehr gro\u00df, um ger\u00fcstet zu sein f\u00fcr ihren apostolischen Dienst. So hei\u00dft es in den Akten des letzten Provinzkapitels: \u201eEin schwacher Laienzweig ist eine zus\u00e4tzliche Belastung\u201c, \u201eein starker und gut ausgebildeter Laienzweig ist das Gegenteil\u201c. Wenn sie von verschiedenen Lebensformen getragen wird, gewinnt unsere Verk\u00fcndigung an \u201eFarbe\u201c und stellt auch die kirchliche Wirklichkeit besser dar.<\/p>\n<p>Nach meinem Eindruck w\u00e4chst hier das, was das Zweite Vatikanische Konzil angesto\u00dfen hat, langsam in unserer Kirche heran. Deshalb scheint es mir wesentlich, dass die Laien \u2013 nicht nur die dominikanischen \u2013 mit dem R\u00fcstzeug eines vern\u00fcnftig begr\u00fcndeten Glaubens ausgestattet sind, um den Glauben an ihrem Ort bezeugen zu k\u00f6nnen. Hier sehe ich einen wesentlichen Auftrag unseres Ordens, die Ortskirchen in diesem Bildungsauftrag zu unterst\u00fctzen und Orte des Fragens und Lernens zu schaffen.<\/p>\n<p>Zugleich aber soll dies Menschen einen Orientierungspunkt f\u00fcr die eigene Identit\u00e4tsfindung bieten. Um sich mit der Welt auseinandersetzen zu k\u00f6nnen und um offen f\u00fcr diese Auseinandersetzung zu sein, braucht es die Bildung der Person an Positionen, an denen und in denen Sie sich finden kann. Eine Identit\u00e4t, die sich nicht abschlie\u00dfen muss, sondern gerade ob einer klaren Identit\u00e4t der Welt und anderen Religionen offen begegnen kann. Der Soziologe Hartmut Rosa betrachtet auch die Schulung der Resonanzf\u00e4higkeit des Menschen als eine Notwendigkeit: also der F\u00e4higkeit, der Welt in ihrer Andersheit zu begegnen und mit ihr in Resonanz zu gehen.<\/p>\n<p>Resonanz bedarf zun\u00e4chst einmal eines Leerraumes \u2013 mit Meister Eckhart einer \u201eAbgeschiedenheit\u201c, ein \u201eNicht-\u201e (Nicht-Wollen, Nicht-Wissen, Nicht-Haben). Dies ist der Raum der Kontemplation, der gleicherma\u00dfen am Beginn des geistigen wie des geistlichen Wissens steht: Das Schweigen dessen, der nicht schon die Antwort hat, sondern sie erwartet. Dies betrifft die Ermutigung, mit der \u201eSperrigkeit des Anderen\u201c in Beziehungen zu treten ebenso wie auch das Erlernen eines Umgangs mit dem Scheitern. Das Neu-Durchbuchstabieren des Dienstes der Vers\u00f6hnung, der unserem Orden in besonderer Weise anvertraut und an vielen Orten wichtig ist, scheint mir hier zentral. Erneuerung und Intensivierung der Beichtpastoral sind Gebote der Stunde.<\/p>\n<p>Letztlich braucht der Mensch vor allem wieder eine Resonanz zum eigenen Selbst und zu Gott \u2013 nicht in narzistischer Weise, sondern als \u00d6ffnung auf das Andere hin.<\/p>\n<p>In Wien haben wir deshalb vor Kurzem die \u201eSchola Cordis. Schule christlicher Spiritualit\u00e4t\u201c gegr\u00fcndet, auch mit dem Ziel, um diese \u201eResonanzf\u00e4higkeit\u201c zu schulen. Das Angebot hat drei S\u00e4ulen:<\/p>\n<ol>\n<li>Kennenlernen von geistlichen Meistern und geistlichen Lebenslehren der Tradition in Vortrag und Lesekreisen &#8211; Resonanz der Vernunft und des Herzens<\/li>\n<li>Kontemplation und Leibgebet &#8211; Resonanz zum eigenen Leib<\/li>\n<li>Musik und Kunst &#8211; das Sch\u00f6ne als Resonanzraum<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ziel ist es, besonders der Kirche fernstehenden Menschen Resonanzr\u00e4ume anzubieten, die ihnen helfen, wieder in Kontakt zu dem anderen Gottes als dem Sch\u00f6nen und Wahren zu kommen. Den Christen will es eine Vertiefung bieten, den Suchenden aber eine Grunderfahrung bieten, um weiterzugehen und weiter zu fragen. Programmatisch f\u00fcr diese Schule ist neben dem Angebot der Einzelbegleitung auch wesentlich eine Kultur der Gastfreundschaft und der Aufmerksamkeit. Letztlich kommt erst in dieser Aufmerksamkeit der Mensch zur Ruhe und zur Resonanz zu sich selbst, die ihn frei macht f\u00fcr die Begegnung mit Gott. Diese Grund-Aufmerksamkeit muss unseren gesamten Umgang mit der Welt pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Letztlich soll das geistliche und geistige Tun, das wir den Menschen anbieten, R\u00e4ume der Resonanz er\u00f6ffnen: Sabbathr\u00e4ume, R\u00e4ume zun\u00e4chst einmal ohne Zweck, wie Gott ohne Zweck ist; R\u00e4ume, in denen der Mensch durch Denken und Kontemplation von den G\u00f6tzen befreit, das Andere Gottes erfahren und in diesem Gegen\u00fcber des Wortes die eigene \u201eEbenbildlichkeit\u201c gest\u00e4rkt werden. Mit Meister Eckhart gesprochen: Aus dem R\u00e4umen des Habens, Wollens und Wissens in die Abgeschiedenheit, die die Erfahrung des Seelengrundes erm\u00f6glicht. Diese Sabbathr\u00e4ume lehren dann auch den rechten Blick auf die Menschen. Dieser rechte Blick auf den Menschen ist dann auch der letzte Punkt, den ich in den Blick nehmen will.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Die Fl\u00fcchtlingskrise und der Verlust des Diskurses<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEinbruch der Wirklichkeit\u201c hat Navid Kermani sein Buch \u00fcber die Fl\u00fcchtlingsroute genannt. Letztlich hat die Fl\u00fcchtlingsbewegung eine Blase zerplatzen lassen, in der wir lange gelebt haben \u2013 und nicht schlecht gelebt haben. Aber wir m\u00fcssen erkennen, dass es letztlich eine Blase war. Wie jede Krise hatte sie etwas Offenbarendes: Sie hat uns die Kosten der Globalisierung gezeigt und Europa offengelegt, nach welchen Kriterien es funktioniert. Europa ist \u00fcber sein Wirtschaftshandeln der Blick ins \u201eGesicht\u201c des Menschen abhandengekommen. Sie ist \u2013 mit den Worten von Papst Franziskus \u2013 zu einer unfruchtbaren Gro\u00dfmutter geworden. So ermahnte er damals die Europaparlamentarier, die W\u00fcrde des Menschen und die Idee der \u201ePerson\u201c wieder in das Zentrum des politischen Handelns zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>Das scheint mir auch in der gegenw\u00e4rtigen Fl\u00fcchtlingskrise ein wichtiger Impuls zu sein: Es ist eine wesentliche Aufgabe der Kirche, wieder das Antlitz des Menschen in den Blick zu r\u00fccken. Dort, wo es einen Augenkontakt gibt, wird Integration m\u00f6glich. Unsere Kl\u00f6ster sollen Orte dieser Begegnung sein. Mit Claveries Worten: \u201eWir haben noch keine Worte f\u00fcr den Dialog: Wir m\u00fcssen beginnen, menschliche Orte zu schaffen, wo jeder sein kulturelles Erbe, das seine Gr\u00f6\u00dfe ausmacht, einbringt.\u201c<\/p>\n<p>Beispiele hierf\u00fcr sind unsere Schwesternkl\u00f6ster in Landsberg am Lech und Friesach. Gegen zum Teil heftigen Widerstand der Bev\u00f6lkerung haben die Schwestern dort muslimische Fl\u00fcchtlinge entweder auf das Klostergel\u00e4nde oder in ihr Haus aufgenommen. Eine Schwester berichtete mir, dass sie sehr Angst hatte, dann aber im Zusammenleben erfahren hat: \u201eDas war das Beste, das uns passieren konnte.\u201c<\/p>\n<p>Wichtig ist hier auch eine Kommunikationskultur, zu der wir wesentlich beitragen k\u00f6nnen. Vor Kurzem beschrieb die \u201eNeue Z\u00fcricher Zeitung\u201c unter dem Titel \u201eJournalismus im Kampfmodus. Hetzer, Idioten und Dumpfbacken\u201c die zunehmende Verrohung der \u00f6ffentlichen Kommunikationskultur in den traditionellen Medien Deutschlands. In der Auseinandersetzung mit der AfD ist zunehmend festzustellen, dass selbst anerkannte Medien die Rechtspopulisten bek\u00e4mpfen statt zu einer diskursiven Auseinandersetzung beizutragen. Umgekehrt bewegen sich so die Rechtspopulisten nur noch in eigenen Zirkeln in den Social Media. Eine Kultur der \u201eStimmung\u201c l\u00f6st zunehmend eine \u201eKultur des Argumentes\u201c ab. Gerade die Kirche sollte hier nicht in die Falle tappen und sich davon anstecken lassen.<\/p>\n<p>Noch ein Letztes: Eine Studie der Universit\u00e4t Leipzig berichtete vor drei Tagen, dass die Ablehnung von Muslimen und wachsende Gewaltbereitschaft immer mehr zunehmen und eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft zeigen. Oft werden der Verweis auf die Bewahrung des christlichen Abendlandes und die christliche Tradition gegen den Islam in Stellung gebracht. Gerade der Dialog mit dem Islam hat bei uns Dominikanern eine lange Geschichte. Sowohl das internationale \u201eInstitut dominicain d\u00b4\u00e9tudes orientales\u201c in Kairo wie auch das deutsche \u201eDominikanische Institut f\u00fcr christlich-islamische Geschichte\u201c versuchen, wissenschaftliche Reflexion \u2013 aus der Geschichte und den Quellen der Religion \u2013 und konkrete Begegnung zu verbinden. Erst aus einer genauen Kenntnis des Anderen heraus ist wirkliches Verstehen m\u00f6glich. Unsere Bilder vom Anderen sind oft nur Karikaturen. Die \u00c4ngste vieler Menschen gilt es ernst zu nehmen und auch hier den Kern der Wahrheit herauszufinden; dann aber auch \u2013 soweit m\u00f6glich \u2013 weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Pierre Claverie \u2013 hier schlie\u00dft sich unser Kreis zum Beginn \u2013 meinte, dass zuerst \u201edie alten D\u00e4monen der Polemik, der Beherrschung des Anderen und des Ausschlusses des Fremden\u201c besiegt werden m\u00fcssten, um in einen Dialog einzutreten. Anfang von allem sei, dass jeder \u201eakzeptiere, mit einer Frage zu beginnen\u201c. Zugleich aber verlangt er von jedem, sich in diesem Dialog nicht zu verleugnen, vielmehr \u201eganz er selbst zu sein, ohne Aggression und ohne Kompromisse einzugehen\u201c.<\/p>\n<p>Entgegen der allgemeinen Auffassung zeigt nicht nur das Wort und Beispiel Claveries, dass die Suche der Wahrheit nichts Trennendes hat, sondern etwas Verbindendendes: \u201eWenn das Apostolat von Polemik und Bekehrungseifer gereinigt ist, wird die \u00d6ffnung zum Anderen zur unweigerlichen Suche nach Wahrheit durch Vertiefung und kontinuierliche Verinnerlichung der Werte des Glaubens, und schlie\u00dflich reines Zeugnis.\u201c<\/p>\n<p>Das ist schlie\u00dflich auch die Erfahrung von Thomas von Aquin: Das Ernstnehmen des Anderen und das Stark-Machen seiner Argumente bringt uns der Wahrheit n\u00e4her \u2013 und so auch uns und dem Anderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Schluss: Die Hoffnung leben<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Beginn standen die Darlegungen \u00fcber die Akedia als die \u201eKrankheit unserer Zeit\u201c. Diese kennzeichnet immer eine gewisse Mattheit und Hoffnungslosigkeit. Genau dahinein hat unser Ordensmeister formuliert, dass Dominikaner \u201ePrediger der Hoffnung\u201c sein sollen. Dies entspringt einem tiefen Vertrauen in Gott und die G\u00fcte der Sch\u00f6pfung, das schon die gro\u00dfen Anfangsgestalten Dominikus, Albertus Magnus und Thomas von Aquin gekennzeichnet hat.<\/p>\n<p>Wir befinden uns zweifellos an einer Schwellenzeit und schon allein das Fehlen gro\u00dfer theologischer Entw\u00fcrfe in unserer Zeit zeigt an, dass es eine Zeit des \u00dcbergangs ist. Heilung der Akedia geschieht nur, wenn sich der Mensch nicht in Aktivismus ergeht, sondern aush\u00e4lt und sich tiefer f\u00fchren l\u00e4sst. Tom\u00e1s Hal\u00edk hat in seinem Buch \u201eNicht ohne Hoffnung\u201c recht, wenn er schreibt, dass heute Neuevangelisierung zu verstehen ist \u201enicht als eine Aufforderung zum emotionalen Missionszug vom Typ einer triumphalistischen religi\u00f6sen Mobilmachung\u201c, sondern \u201eals Aufforderung zur dem\u00fctigen und geduldigen R\u00fcckkehr in die Schule bis sie wieder zur Aufgabe reifen kann, die ihr Christus anvertraute: Geht und lehrt alle Nationen.\u201c<\/p>\n<p>Es geht um die Kontemplation des \u201eWortes\u201c in Schrift und Tradition. Es wird aber mit Pierre Claverie auch wichtig sein, \u201eden engen Ekklesiozentrismus hinter uns zu lassen, der uns unf\u00e4hig machte, das Kommen Gottes au\u00dferhalb der sichtbaren Grenzen der Kirche zu erkennen in seinen vielen und unerwarteten Formen im Lauf der Zeit\u201c. Der Gott der Dominikaner war \u2013 mit den Worten von Papst Franziskus \u2013 immer ein Gott der \u00dcberraschungen, der in der konkreten Wirklichkeit uns ganz neu entgegen kommt und auf Einlass wartet. Mit Pierre Claveris Worten: \u201eWir besitzen nicht die Wahrheit: sie ist es, die uns ergreift und uns immer weiterf\u00fchrt im Prozess ihrer Entdeckung\u201c, ihrer Entdeckung, gerade an den Bruchlinien unserer Welt, durch die die Sendung des Ordens immer wieder erneuert wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Auf ausdr\u00fccklichen Wunsch der Redaktion hat der Autor den wissenschaftlichen Apparat wegfallen lassen. Die Bitte dient nur der besseren Lesbarkeit in der Zeitschrift.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An die Bruchlinien gehen \u2013 Pierre Claverie &nbsp; \u201eDie Kirche vollendet ihre Berufung und ihre Mission, wenn sie gegenw\u00e4rtig ist an den Bruchstellen, die die Menschheit in ihrem Fleisch und ihrer Einheit kreuzigen.\u201c So hat Pierre Claverie, Dominikaner und Bischof von Oran in Algerien, den Auftrag der Kirche zusammengefasst \u2013 1996, kurz vor seinem Martyrium&hellip;<\/p>","protected":false},"author":5,"featured_media":32561,"menu_order":17,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-125091","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.7 - 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