{"id":125184,"date":"2026-06-19T09:13:20","date_gmt":"2026-06-19T07:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=125184"},"modified":"2026-06-19T09:13:20","modified_gmt":"2026-06-19T07:13:20","slug":"litauens-aufstieg-unter-grossfuerst-gediminas-ca-1275-1341-und-seinen-nachfolgern","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/litauens-aufstieg-unter-grossfuerst-gediminas-ca-1275-1341-und-seinen-nachfolgern\/","title":{"rendered":"Litauens Aufstieg unter Gro\u00dff\u00fcrst Gediminas (ca. 1275-1341) und seinen Nachfolgern"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es um die viel beschworene \u201eKrise des 14. Jahrhunderts\u201c geht, so verk\u00f6rpert Litauen gewisserma\u00dfen das Kontrastprogramm zu England und Frankreich: \u201eWelche Krise?\u201c \u2013 Ein solcher Titel w\u00fcrde eigentlich auch gut zu Litauen passen. Im Land selbst ist das 14. Jahrhundert schlie\u00dflich alles andere als \u201eein etwas vernachl\u00e4ssigtes Jahrhundert\u201c, um diese Formulierung aus dem Tagungsprogramm aufzugreifen. Eine weitere Aussage, die dort zu lesen ist, trifft allerdings ohne weiteres auch im vorliegenden Fall zu: dass es ein \u201edramatisches Jahrhundert\u201c war, wie im Folgenden noch zu zeigen sein wird. Wollte man der Geschichte Litauens im 14. Jahrhundert ein Etikett verpassen, dann vielleicht das eines \u201eHeldenzeitalters\u201c. Es findet sich tats\u00e4chlich in der \u00e4lteren deutschsprachigen Fachliteratur. Diese ist bei uns aber bis heute eine Lekt\u00fcre f\u00fcr Spezialisten geblieben. Um den zitierten Ausdruck leicht abzuwandeln, so lie\u00dfe sich behaupten, Litauen insgesamt ist hierzulande \u201eein etwas vernachl\u00e4ssigtes Land\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher erscheinen auch einige allgemeine Vorbemerkungen notwendig, was den Ort Litauens auf einer historischen Landkarte Europas anbelangt. Nach einem kurzen R\u00fcckblick auf die Vorgeschichte des 14. Jahrhunderts sollen die wichtigsten Stationen und Merkmale des \u201eHeldenzeitalters\u201c skizziert werden, bevor die Frage nach Bedingungen und Ursachen jenes Aufstiegs diskutiert werden kann. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf den Beginn des 15. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Das Litauen von heute wird zusammen mit Lettland und Estland zum Baltikum gerechnet.<\/p>\n<p>Dies, obwohl seine Geschichte doch wenigstens bis zum Ende des 18. Jahrhunderts einen v\u00f6llig anderen Verlauf nahm. Sprachlich sind die Litauer mit den Letten verwandt, beide sprechen \u201ebaltische\u201c Sprachen, w\u00e4hrend das Estnische mit dem Finnischen verwandt ist. Historisch gesehen verbindet Lettland aber weit mehr mit Estland als mit Litauen. Die beiden n\u00f6rdlichen Republiken im Baltikum, das fr\u00fcher so genannte \u201eAlt-Livland\u201c sind lange unter deutschem Einfluss gewesen und bis heute protestantisch gepr\u00e4gt. Litauen dagegen ist katholisch, und f\u00fcr seine Geschichte ist die Nachbarschaft, die enge Verbindung zu Polen ausschlaggebend gewesen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat Litauen eine Vergangenheit, die weit vor das 20. Jahrhundert zur\u00fcckreicht \u2013 anders als das heutige Estland und Lettland, die als selbst\u00e4ndige Staaten erst nach dem Ersten Weltkrieg auf die Landkarte Europas gelangten. Litauen dagegen kann auf ein gleichnamiges Gro\u00dff\u00fcrstentum zur\u00fcckblicken, und das war tats\u00e4chlich gro\u00df, z\u00e4hlte auf dem H\u00f6hepunkt seiner Ausdehnung um 1430 nahezu eine Million Quadratkilometer. Es erstreckte sich \u201evon Meer zu Meer\u201c, also von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, reichte im Osten fast bis vor die Tore Moskaus, w\u00e4hrend es im S\u00fcden und Westen an den Staat des Deutschen Ordens, dem sp\u00e4teren Ostpreu\u00dfen, grenzte.<\/p>\n<p>Dass solch ein Riesenreich nicht als Staat im heutigen Sinne anzusprechen ist, leuchtet ein.<\/p>\n<p>Es handelte sich vielmehr um ein eher lockeres Gef\u00fcge, zusammengesetzt aus sehr unterschiedlichen Herrschaftsbereichen. Die Vorfahren der heutigen Litauer stellten ohnehin nur eine kleine Minderheit dar. Lange hielten sie an ihrer urspr\u00fcnglichen Religion fest; die Taufe nahmen sie erst an der Wende des 14. zum 15. Jahrhundert an. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Untertanen bildeten Ostslaven, also Vorfahren der heutigen Ukrainer und Wei\u00dfrussen. Diese hatten zun\u00e4chst die Bev\u00f6lkerung der Kiever Rus\u2018 gebildet, manchmal auch verk\u00fcrzt als Altrussland bezeichnet. Jene erste Herrschaftsbildung auf ost-slavischem Gebiet hatte 988 die Taufe nach byzantinischem Ritus angenommen, war also christlich, genauer: griechisch-orthodox. Unter dem Ansturm der Mongolen Mitte des 13. Jahrhunderts zerbrach nun jenes Herrschaftsgef\u00fcge. Dabei griffen die Mongolen keineswegs in die religi\u00f6sen Verh\u00e4ltnisse ein. Privilegien f\u00fcr Kl\u00f6ster blieben oder wurden sogar ausgebaut. Alles was die neuen Herrscher verlangten, waren \u2013 neben politischem Gehorsam \u2013 immense Abgaben, welche umso mehr zur Verarmung oder bestenfalls Stagnation beitrugen, als Investitionen in den unterworfenen Gebieten unterblieben.<\/p>\n<p>Dies machte es f\u00fcr Teilf\u00fcrsten der ehemaligen Kiever Rus\u2018 attraktiv, sich den litauischen Gro\u00dff\u00fcrsten zu unterstellen. Auch diese versicherten, am inneren Gef\u00fcge neu gewonnener L\u00e4nder nichts \u00e4ndern zu wollen. Eine g\u00fcnstige Gelegenheit bot sich, als die einstmals so m\u00e4chtige Goldene Horde allm\u00e4hlich an Einfluss verlor. Sie spaltete sich in mehrere Teile auf. F\u00fcr Litauen am wichtigsten wurde das Khanat auf der Krim. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts trat Moskau als Konkurrent hinzu, das sich seinerseits berufen f\u00fchlte zur \u201eSammlung der russischen Erde\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach diesem kleinen Ausblick auf das sp\u00e4tere Mittelalter gilt es nun zur Ausgangslage um 1300 zur\u00fcck zu kehren. Wenn eingangs davon die Rede war, dass Litauen im Gegensatz zu anderen Gebieten des heutigen Baltikums auf eine Tradition der Eigenstaatlichkeit zur\u00fcckblicken kann, stellt sich Frage nach den Ursachen. G\u00e4ngige Antworten verweisen zun\u00e4chst auf die naturr\u00e4umliche Lage. Litauen erscheint auf der Landkarte als ein vielfach in sich gegliedertes Gebiet, das Angriffe von au\u00dfen erschwerte, allerdings auch Verkehr und Handel beeintr\u00e4chtigte. Dabei handelte es sich um vergleichsweise fruchtbare Landstriche. Anders als das heutige Lettland oder Estland blieb Litauen mit seinem kleinen K\u00fcstenstreifen ein Binnenland. Die fr\u00fcher so genannte \u201eAufsegelung\u201c Alt-Livlands, seine Eroberung von See her, lie\u00df sich in Richtung S\u00fcden nicht weiter fortsetzen. Aber auch auf dem Landweg konnte Litauen nicht eingenommen werden.<\/p>\n<p>Der Deutsche Orden im sp\u00e4teren Ostpreu\u00dfen scheiterte an dieser selbst gesetzten Aufgabe, auch noch, nachdem sich ihm der Schwertbr\u00fcderorden in Alt-Livland 1237 angeschlossen hatte. Beide Zweige jenes Ritterordens geh\u00f6rten zu den Hauptgegnern Litauens, das ihnen gegen\u00fcber in erster Linie auf Bewahrung des territorialen Besitzstandes bedacht war. Diese im Wesentlichen defensive Ausrichtung verlieh der Nachbarschaft im Westen einen anderen Charakter als das Verh\u00e4ltnis Litauens zu Moskau oder den Tataren.<\/p>\n<p>Die Situation st\u00e4ndiger \u00e4u\u00dferer Bedrohung beg\u00fcnstigte den Zusammenschluss der durch kleine T\u00e4ler, durch Fl\u00fcsse und S\u00fcmpfe getrennten baltischen St\u00e4mme. Ihre Vereinigung war das Verdienst des Mindaugas Mitte des 13. Jh. Seine Herrschaft hatte das Land soweit gefestigt, dass Litauen ein ernsthafter Partner Roms wurde, als die Frage einer Annahme der Taufe anstand. Grunds\u00e4tzlich konnte es zwischen zwei M\u00f6glichkeiten w\u00e4hlen: Sollte es die Taufe nach r\u00f6mischen oder nach griechischem Ritus annehmen? Auch wenn wir \u00fcber den Weg der Entscheidungsfindung nicht unterrichtet sind, steht das Ergebnis doch fest: 1253 wurde Mindaugas nach seiner Taufe mit Segen des Papstes zum K\u00f6nig gekr\u00f6nt. Allerdings war dies nicht nur die erste, sondern zugleich auch die letzte K\u00f6nigskr\u00f6nung in Litauen \u00fcberhaupt. Nur rund ein Jahrzehnt konnte sich Mindaugas seiner neuen W\u00fcrde erfreuen;<\/p>\n<p>1263 wurde er von Verwandten ermordet. Ob Litauen erster und einziger K\u00f6nig damals \u00fcberhaupt noch das Christentum vertrat, ist in der Forschung umstritten.<\/p>\n<p>Jedenfalls kam es nach dem Mordanschlag zu Wirren, bis sich schlie\u00dflich ein neues Herrschergeschlecht durchsetzte: die Gediminiden. Der Name geht auf ihren Stammvater<\/p>\n<p>Gediminas (um 1275-1341) zur\u00fcck. Anzumerken ist, dass sich in der internationalen Forschung der Brauch durchzusetzen beginnt, Pers\u00f6nlichkeiten der litauischen Geschichte des Mittelalters einheitlich nach einer modernen, rekonstruierten litauischen Form zu benennen. Damit entf\u00e4llt die Notwendigkeit, sich willk\u00fcrlich f\u00fcr einen der zeitgen\u00f6ssisch \u00fcberlieferten Namen entscheiden zu m\u00fcssen (z.B. dt. Gedimin, poln. Giedymin, w\u00dfr. Hedymin). Quellen liegen in den verschiedenen Sprachen von Litauens Nachbarn vor: ost-slavische Chroniken aus dem Gebiet der ehemaligen Kiever Rus\u2018, deutsche und lateinische Chroniken des Deutschen Ordens, dessen interner Schriftverkehr ebenfalls eine Fundgrube f\u00fcr die Forschung darstellt. Aus Litauen selbst kommen nur ganz vereinzelt Schriftzeugnisse, und diese sind nie in litauischer Sprache, sondern immer in einer Sprache seiner Nachbarn gehalten, in Latein oder einer slavischen Variet\u00e4t. Die Dichte der \u00dcberlieferung nimmt gegen unseres Beobachtungszeitraums, also Ende des 14. Jahrhunderts, deutlich zu. Erst dann n\u00e4mlich gab es im Gro\u00dff\u00fcrstentum eine eigenst\u00e4ndige Kanzlei. Zuvor wurden Schreiber immer nur f\u00fcr konkrete Vorhaben an den Hof geholt und nach getaner Arbeit sogleich wieder entlassen. Es handelte sich dabei meist um Franziskanerm\u00f6nche aus Riga. F\u00fcr einen ungetauften Herrscher zu arbeiten, stellte f\u00fcr sie offenbar kein Problem dar.<\/p>\n<p>Gediminas und seine Nachfolger korrespondierten mit den M\u00e4chtigen ihrer Zeit, verheirateten ihre T\u00f6chter, f\u00fchrten Krieg und schlossen Frieden, gelegentlich auch regelrechte B\u00fcndnisse \u2013 dies alles, ohne formal zum abendl\u00e4ndischen Europa zu geh\u00f6ren, sofern man dieses heute noch mit einem christlichen gleichsetzen m\u00f6chte. Insbesondere die Aussicht, Verdienste um die Christianisierung Litauens als letzter \u201eheidnischer\u201c Macht auf dem Kontinent beanspruchen zu k\u00f6nnen, stellte ein diplomatisches Lockmittel f\u00fcr die M\u00e4chtigen Europas dar.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dff\u00fcrsten kokettierten mit der Annahme der Taufe, ohne sich letztlich dazu durchringen zu k\u00f6nnen. Ihnen stand wohl nicht nur das Schicksal des Mindaugas vor Augen. St\u00e4rker als jenes abschreckende Beispiel aus der Geschichte lie\u00df sie wohl die Gegenwart z\u00f6gern: Eine Annahme der Taufe bedeutete nicht einfach nur Christianisierung, sondern verlangte zugleich eine Entscheidung f\u00fcr den westlichen oder den \u00f6stlichen Ritus. Orthodox, also letztlich dem \u00f6kumenischen Patriarchen von Konstantinopel verbunden, war die Mehrheit der Untertanen, Katholisch die Glaubensrichtung des Deutschen Ordens. Unterstellte sich Litauen dem Papst, entzog man jenen \u201eKreuzrittern\u201c zwar die ideologische Daseinsberechtigung, stellte sich aber zugleich gegen die Mehrheit der Untertanen \u2013 nicht nur der jetzigen, sondern auch aller zuk\u00fcnftigen, die man auf dem Gebiet der ehemaligen Kiever Rus\u2018 noch zu gewinnen hoffte. Insofern war das Lavieren zwischen beiden Optionen, Rom und Byzanz, selbst eine Option als ein gewisserma\u00dfen \u201edritter Weg\u201c (das sogenannte Gro\u00dfe Abendl\u00e4ndische Schisma spielte aus diesem politischen Blickwinkel eine untergeordnete Bedeutung).<\/p>\n<p>Im Innern fiel der Gegensatz zwischen einem Herrscherhaus mit seiner Naturreligion und den orthodox getauften Untertanen nicht weiter ins Gewicht: Gediminiden aus den litauischen Kernlanden, die mit politischen Aufgaben in den \u00f6stlichen Gebieten betraut wurden, nahmen dort neben der Sprache auch den Glauben ihrer neuen Umgebung an.<\/p>\n<p>Was bei dieser Herrschaftspraxis ins Auge f\u00e4llt, ist zun\u00e4chst die rein r\u00e4umliche Ausdehnung, selbst wenn diese, wie erw\u00e4hnt, in mehr oder weniger lockerer Form erfolgte. Ebenso ist daran zu erinnern, dass sich Litauens Expansion ausschlie\u00dflich nach Osten und S\u00fcden erstreckte, w\u00e4hrend nach Westen und Norden, also gegen\u00fcber den Gebieten des Deutschen Ordens, lediglich defensiv der Gebietsstand gewahrt wurde. Die Erweiterung des Herrschaftsgebietes konnte milit\u00e4risch, aber auch durch Erbschaft oder Heirat erfolgen. Nicht immer l\u00e4sst sich dies so eindeutig bestimmen, wie im Falle Kievs: Die \u201eMutter der russischen St\u00e4dte\u201c wurde 1320 erobert.<\/p>\n<p>Heiratsverbindungen unterhielt das litauische Herrscherhaus sowohl nach Westen wie nach Osten. Eine Tochter des Gediminas wurde 1325 sogar Frau des polnischen Thronfolgers Kasimirs, des sp\u00e4teren K\u00f6nigs Kasimirs des Gro\u00dfen. Sie nahm vorher die Taufe nach r\u00f6mischen Ritus und einen christlichen Vornamen (Anna) an. Von einer Liebesheirat kann wohl schwerlich die Rede sein. Vielmehr flankierte die Hochzeit ein B\u00fcndnis ihrer V\u00e4ter<\/p>\n<p>gegen die Markgrafen von Brandenburg, was als heidnisch-christliche Koalition europaweit f\u00fcr Aufsehen sorgte. Andere Gediminiden-Prinzessinnen, die in das Moskauer Reich einheirateten, empfingen entsprechend die Taufe nach griechischem Ritus.<\/p>\n<p>Im Bereich der ausw\u00e4rtigen Beziehungen haben die Gediminas-Briefe eine gewisse Ber\u00fchmtheit erlangt. Die traditionell unter jenem Sammelbegriff aufgef\u00fchrten Schriftst\u00fccke bieten das Bild einer diplomatischen Offensive zwischen 1322 und 1324. \u00a0Der Gro\u00dff\u00fcrst signalisierte Rom gegen\u00fcber seine Bereitschaft, den katholischen Glauben anzunehmen. Des Weiteren bekundete er Offenheit nicht nur f\u00fcr westliche Fachleute, sondern auch f\u00fcr Siedler aller Art samt ihren Familien. G\u00fcnstige Bedingungen, darunter das Recht auf freie Religionsaus\u00fcbung, wurden zugesichert. Adressaten waren dabei namentlich aufgef\u00fchrte Ostseest\u00e4dte. Wenn auch der unmittelbare Erfolg jener Werbeaktion eher gering zu veranschlagen ist, so kann doch mit dem heute in Litauen lebenden und arbeitenden Cambridge-Historiker Stephen C. Rowell konstatiert werden, dass Gediminas jedem christlichen F\u00fcrsten ebenb\u00fcrtig war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gediminas\u2019 Machtstellung \u00fcbertrug sich auf seine S\u00f6hne Algirdas (um 1300\u20131377) und K\u0119stutis (um 1297\u20131382). Beide standen seit 1345 gemeinsam an der Spitze des Gro\u00dff\u00fcrstentums. Das immer wieder gern beschworene Bild br\u00fcderlichen Einvernehmens scheint hier tats\u00e4chlich einmal Realit\u00e4t geworden zu sein. Grundlage dieser Doppelherrschaft bildete eine klare Arbeitsteilung: K\u0119stutis k\u00fcmmerte sich um die Beziehungen nach Westen<\/p>\n<p>(und damit dem Deutschen Orden), Algirdas um die \u00fcbrigen Nachbarn. In diesem Zusammenhang sei auf den Luxemburger Karl\u00a0IV. verwiesen. Beide Br\u00fcder wurden Objekte seiner Missionspl\u00e4ne. Der Kaiser wartete Ende 1358 in Breslau auf das angek\u00fcndigte Eintreffen der heidnischen Herrscher. Es erschienen allerdings nur Boten. Sie erkl\u00e4rten, dass vor einer Taufe nach r\u00f6mischem Ritus zun\u00e4chst der Deutsche Orden Gebietsgewinne zur\u00fcckgeben m\u00fcsse.<\/p>\n<p>So harmonisch sich offenbar auch die Zusammenarbeit von Algirdas und K\u0119stutis gestaltete:<\/p>\n<p>Dieses Modell eines konfliktfreien Neben- und Miteinander innerhalb eines Herrscherhauses<\/p>\n<p>lie\u00df sich nicht auf die n\u00e4chste Generation \u00fcbertragen. Jogaila (um 1350\u20131434) und Vytautas (um 1350\u20131430), die S\u00f6hne von Algirdas bzw. K\u0119stutis, standen sich die l\u00e4ngste Zeit ihres Lebens als Rivalen gegen\u00fcber, auch wenn sie zeitweilig befristete B\u00fcndnisse eingingen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das gespannte Verh\u00e4ltnis trat erstmals als einer der in Osteuropa h\u00e4ufigen Onkel-Neffen-Konflikte in Erscheinung. Im August 1383 wurde K\u0119stutis in Begleitung seines Sohnes von Gefolgsleuten Jogailas zun\u00e4chst gefangengenommen, dann offenbar ermordet, sofern er seinem Leben im Kerker nicht selbst ein Ende setzte.<\/p>\n<p>\u201eDramatisch\u201c blieb das 14. Jahrhundert f\u00fcr Litauen auch weiterhin. Eine aktive Rolle in den innenpolitischen Auseinandersetzungen spielte der Deutsche Orden. Dieser verstand es, Akteure in Litauen gegeneinander auszuspielen, und bot sich im Zweifelsfall immer als Zufluchtsort f\u00fcr unterlegene Protagonisten an. So war es Vytautas anders als seinem Vater gelungen, aus der Gefangenschaft Jogailas zu entkommen. Er floh nach Preu\u00dfen, zum Deutschen Orden, wo er sich 1383 taufen lie\u00df und den Namen Wigand annahm. Dies hinderte den Neophyten Vytautas nicht daran, heimlich Kontakt zu seinem Vetter zu suchen und sich mit ihm auszus\u00f6hnen. Hoffnungen auf eine f\u00fchrende Stellung in seiner alten Heimat erf\u00fcllten sich jedoch zun\u00e4chst nicht.<\/p>\n<p>Das Heft behielt nach wie vor Jogaila fest in der Hand. Er fasste den folgeschweren Entschluss zur Annahme der Taufe, und zwar nach r\u00f6mischem Ritus. Eine solche Gelegenheit schien sich so schnell nicht wieder zu bieten: Mit der Taufe winkte zugleich die Krone eines Nachbarlandes, n\u00e4mlich Polens. Am 14. August 1385 wurde im heute wei\u00dfrussischen Krewo,<\/p>\n<p>nahe an der litauischen Schengen-Grenze, ein Vertrag unterzeichnet, der bis heute f\u00fcr Auseinandersetzungen sorgt. Im Kern jedenfalls, das l\u00e4sst sich vereinfachend festhalten, schuf er die Grundlage f\u00fcr die polnisch-litauische Personalunion, die \u00fcber Jahrhunderte hinweg Bestand haben sollte \u2013 anders als die manchmal zum Vergleich hinzu gezogene Kalmarer Union zwischen D\u00e4nemark, Schweden und Norwegen (1397\u20131523).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frage, ob Litauen mit der immer enger werdenden Anlehnung an Polen letztlich seinen Untergang besiegelt habe, wird in national-litauischen Kreisen bis heute bejaht. Doch ist dies keine mehrheitsf\u00e4hige Position, schon gar nicht in der Wissenschaft. Wie das polnisch-litauische Verh\u00e4ltnis rein rechtlich zu beurteilen ist, wird allerdings immer noch unterschiedlich ausgelegt. Aber genauso ist in praktischer Hinsicht unverkennbar, dass Litauens Stellung in jenem B\u00fcndnis sich im Laufe der Jahrzehnte nach Krewo fortlaufend st\u00e4rkte. Und dies gilt ganz besonders f\u00fcr Litauens rangh\u00f6chsten Repr\u00e4sentanten, eben Vytautas. Sein Einflussbereich erstreckte sich bis zu den Tataren, wo er ihm genehme Kandidaten zur Khansw\u00fcrde verhalf. Freilich waren seine Interventionsversuche nicht immer von Erfolg gekr\u00f6nt. An der Vorskla, einem Nebenfluss des Dnepr, erlitt er 1399 eine Niederlage gegen die Tataren. Selbst dieser milit\u00e4rische Misserfolg verdeutlicht immer noch das europ\u00e4ische Gewicht Litauens zu jener Zeit: F\u00fcr den Feldzug hatte Papst Bonifaz\u00a0IX. eigens einen Kreuzzugsaufruf erlassen, und neben polnischen Adligen befanden sich sogar Ritter des Deutschen Ordens in den litauischen Schlachtreihen.<\/p>\n<p>In das Jahr 1410 f\u00e4llt der glanzvolle, gemeinsam errungene Sieg Jogailas und Vytautas gegen den Deutschen Orden bei Tannenberg. Viel h\u00e4tte nicht gefehlt, und es h\u00e4tte nach Mindaugas<\/p>\n<p>einen weiteren K\u00f6nig in der Geschichte Litauens gegeben. 1429, ein Jahr vor seinem Tod, hatte Vytautas im wolhynischen Luck G\u00e4ste aus ganz Europa begr\u00fc\u00dfen d\u00fcrfen. Angereist waren neben seinem Vetter Jogaila und ostslavischen F\u00fcrsten Gesandte aus D\u00e4nemark, der Moldau, der Tataren und selbst aus dem fernen Byzanz; doch prominentester Teilnehmer des Treffens war zweifellos der r\u00f6mische K\u00f6nig und sp\u00e4tere Kaiser Sigismund. Besprochen wurden ganz allgemein Probleme Ostmitteleuropas, darunter auch die Lage des von den Hussitenkriegen betroffenen B\u00f6hmens.<\/p>\n<p>Vytautas hinterlie\u00df keine m\u00e4nnlichen Nachkommen. Insofern bedeutete es in erster Linie eine pers\u00f6nliche Ehrung, wenn ihm Sigismund nach Absprache mit dem Papst eine K\u00f6nigskrone zukommen lassen wollte. Jogailas anf\u00e4ngliche Zustimmung zur Rangerh\u00f6hung seines Vetters war jedoch einer Ablehnung gewichen, als einflussreiche polnische Ratgeber um den Bestand der Union f\u00fcrchteten. Die Gesandten mit der Krone (wohl aus Augsburg oder N\u00fcrnberg) wurden so lange in Polen aufgehalten, bis ihre Mission gegenstandslos geworden war: Ende Oktober 1430 verstarb Litauens greiser Herrscher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr manche Historiker ist damit das Heldenzeitalter Litauens definitiv zu Ende, aber an dieser Stelle sollte vielleicht eher interessieren, wie es \u00fcberhaupt zu diesem H\u00f6hepunkt hat kommen k\u00f6nnen, angesichts jener viel beschworenen \u201eKrise des 14. Jahrhunderts\u201c. Zun\u00e4chst blieb das Land vom W\u00fcten der Gro\u00dfen Pest verschont. Auch sonst genoss es die Gunst der Biologie. Obgleich von Mindaugas zu Gediminas keine verwandtschaftliche Linie f\u00fchrt, war dieser Stammvater eines neuen Geschlechts ebenso wie seine Kinder und Enkel mit einem langen Leben gesegnet. Ein Alter von rund 80 Jahren zu erreichen, das war selbst in Kreisen regierender H\u00e4upter Europas nur den wenigsten verg\u00f6nnt. Nach der Biologie sollte sodann die Jurisprudenz zu ihrem Recht kommen. Anders als Polen oder die Kiever Rus\u2018 litt Litauen nicht an Erbteilungen, die zu einer folgenschweren Zersplitterung des Landes gef\u00fchrt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ungeachtet aller Auseinandersetzungen innerhalb des Herrscherhauses war eine dynastische Stabilit\u00e4t erreicht. Die Gediminiden spielten f\u00fcr Litauen insofern die gleiche Rolle wie die<\/p>\n<p>die P\u0159emisliden f\u00fcr B\u00f6hmen, die Arpaden f\u00fcr Ungarn oder die Piasten f\u00fcr Polen. Mit Annahme der K\u00f6nigskrone im polnischen Krakau wurden die Gediminiden dann zu Ahnen einer neuen polnischen Dynastie, welche nach dem polnischen Namen von Jogaila (Jagie\u0142\u0142o)<\/p>\n<p>den Namen \u201eJagiellonen\u201c tr\u00e4gt. Von ihrem Ursprung her sind die Jagiellonen jedenfalls<\/p>\n<p>ein litauisches Herrschergeschlecht.<\/p>\n<p>Um bei dem Vergleich zu Polen, Ungarn und B\u00f6hmen zu bleiben, den Kernl\u00e4ndern Ostmitteleuropas also, so verdankten sie ihre innere Konsolidierung nicht allein der Langlebigkeit einer Herrscherfamilie. Hier hatte sich zus\u00e4tzlich ein gesellschaftlich \u00fcbergreifendes Integrationsangebot durchgesetzt: n\u00e4mlich die Idee von einem Land als eines unteilbaren Ganzen, das unabh\u00e4ngig von der Person des jeweiligen Monarchen existiere und \u00fcber das dieser daher auch nicht \u00fcber Belieben verf\u00fcgen d\u00fcrfe. Sinnbild dieser Idee war die Krone, im lateinischen Ausdruck der Zeit <em>Corona regni<\/em>. Im Falle B\u00f6hmens und Ungarns wurde jene abstrakte Idee der Krone mit einer konkreten Herrscherpers\u00f6nlichkeit in Verbindung gebracht: als \u201eWenzelskrone\u201c bzw. \u201eStefanskrone\u201c, benannt nach herausragenden Monarchen, welche zugleich als Heilige verehrt wurden.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund treten die Defizite eines heidnischen Landes hervor. \u00dcber M\u00f6glichkeiten, sich den kirchlichen Propagandaapparat zunutze zu machen, verf\u00fcgte Litauen vor 1386 nicht. Vytautas mochte in der sp\u00e4teren Geschichtsschreibung als so etwas wie ein s\u00e4kularer Heiliger fungieren, aber obwohl er nachweislich viele Kirchen gestiftet hatte \u2013 formal kanonisiert wurde er nie; die Zeit f\u00fcr Heldenfiguren als dynastische Heilige geh\u00f6rte in Europa offenbar der Vergangenheit an. Ein weiterer Nachteil der sp\u00e4ten Christianisierung war ihre institutionelle Absicherung: Litauen vermochte es nicht, eigene Kirchenprovinz zu werden. Das 1387 neu gegr\u00fcndete Bistum Wilna war mit 226\u00a0000\u00a0Quadratkilometer das gr\u00f6\u00dfte des Kontinents, blieb aber dem polnischen Erzbistum Gnesen (Gniezno) unterstellt.<\/p>\n<p>Was die weltlichen Angelegenheiten im engeren Sinne anbelangt, so erweiterten sich nach der Taufe doch die Handlungsm\u00f6glichkeiten Litauens. Der Deutsche Orden mochte noch so sehr die Ernsthaftigkeit der Christianisierung seines Gegners in Zweifel stellen \u2013 letztlich drangen die Kreuzritter auf europ\u00e4ischer B\u00fchne damit nicht mehr durch. In diesem Zusammenhang sei noch einmal an das B\u00fcndnis Gediminas mit Polen gegen Brandenburg erinnert, f\u00fcr das eine Tochter des litauischen Herrschers einstehen musste. Als heidnisch-christliches B\u00fcndnis gegen ein christliches Land sorgte es europaweit f\u00fcr Aufsehen, erwies sich aber als wenig tragf\u00e4hig: Schon bald nach dem Tod Annas 1339 flammten erneut litauisch-polnische Konflikte auf.<\/p>\n<p>Auch was die Schriftlichkeit anbelangt, bedeutete die Christianisierung eine Z\u00e4sur. Aus dem Ende des 14. Jahrhunderts datieren die Anf\u00e4nge einer litauischen Kanzlei. Diese war allerdings \u2013 ebenso wie der \u00fcbrige Verwaltungsaufbau des Landes \u2013 sehr viel st\u00e4rker weltlich gepr\u00e4gt als anderswo in Europa. Hier spielte sicherlich der Wunsch eine Rolle, angesichts des katholisch-orthodoxen Gegensatzes nicht eine bestimmte Glaubensrichtung zu bevorzugen.<\/p>\n<p>Andererseits ist es bemerkenswert, dass auch im weltlichen Bereich wesentliche Impulse<\/p>\n<p>unmittelbar nach Annahme der Taufe erfolgten. Dies gilt f\u00fcr die Verleihung des s\u00e4chsisch-deutschen Stadtrechts (zun\u00e4chst 1387 an die Residenzstadt Wilna) ebenso wie f\u00fcr Privilegien f\u00fcr Juden (die ersten ergingen auch an Gemeinden im heutigen Wei\u00dfrussland). Umschreiben lassen sich jene Vorg\u00e4nge mit den Stichworten von Modernisierung oder mittelalterlichem Landesausbau. Sie blieben nicht ohne gesellschaftliche Folgen.<\/p>\n<p>Die Grenzen zwischen den einzelnen sozialen Gruppen scheinen anfangs noch eher flie\u00dfend<\/p>\n<p>als scharf gezogen. Dies gilt selbst f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen den mehrheitlich freien Bauern und dem im Entstehen begriffenen Adel, wobei letzterer insofern schon privilegiert war, als er keine Naturalabgaben zu leisten hatte. Landbesitz aber war noch kein Vorrecht<\/p>\n<p>eines bestimmten Bev\u00f6lkerungsteils. Hinsichtlich der Besitzgr\u00f6\u00dfe allerdings begann sich bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts eine Gruppe abzuheben. Sie erwarb zus\u00e4tzliches Land oder erhielt solches, wohl zumeist f\u00fcr geleistete Dienste, aus der Hand des Herrschers \u2013 f\u00fcr eine bestimmte Zeit, bis zum Lebensende oder sogar mit dem Recht auf Weitervererbung. Die genauen Bedingungen lassen sich im Einzelnen nicht bestimmen.<\/p>\n<p>Wenn oben von \u201ewesentliche[n] Impulse[n]\u201c der Taufe die Rede war, so sollte damit nicht zuletzt die lange Dauer eines Prozesses angedeutet werden, welcher Litauen Ende des 14. Jahrhunderts auch formal Anschluss an das \u00fcbrige Europa finden lie\u00df.<\/p>\n<p>Eine lange Tradition weist die Diskussion auf, welche Elemente der litauischen Herrschaftsorganisation autochthonen Ursprungs sind und welche sich auf Einfl\u00fcsse von au\u00dfen zur\u00fcckf\u00fchren lassen. Dabei kann es in heutiger Sicht allenfalls um die Bestimmung<\/p>\n<p>des Mischungsverh\u00e4ltnisses gehen. Als ein Sinnbild hierf\u00fcr mag ein Siegel des K\u0119stutis gen\u00fcgen. Dargestellt ist ein Krieger, mit einem Brustpanzer deutschen Ursprungs, einem typisch tatarischen Helm sowie, nicht zu vergessen, einem einheimischen, litauischen Schild.<\/p>\n<p>Schlie\u00dfen m\u00f6chte ich aber nicht mit einem Beispiel aus dem Bereich des Milit\u00e4rischen, auch nicht mit dem Drama der verhinderten K\u00f6nigskr\u00f6nung 1429, sondern mit dem Bild einer Prozession. Es ist eine Darstellung, die seit einigen Jahren schon immer wieder gern in Abhandlungen zur Geschichte Litauens wie Europas aufgenommen wird. Datierungen weichen dabei voneinander ab. Sie reichen von \u201eum 1400\u201c bis hin zu \u201e1419-1436\u201c. Jedenfalls markiert jenes Fresko in der Stra\u00dfburger Kirche Jung St. Peter (St. Pierre Le Jeune) das Ende unseres Beobachtungszeitraums.<\/p>\n<p>Die fig\u00fcrliche Darstellung zeigt den \u201eZug der Nationen zum Kreuz\u201c. 15 namentlich gekennzeichnete Allegorien leisten dem Ruf des Christentums Folge. Sie bilden eine Prozession, die sich in zwei Gruppen gliedert, was ganz offensichtlich eine hierarchische Ordnung zum Ausdruck bringen soll: Auf Reiterinnen folgen Fu\u00dfg\u00e4ngerinnen. Angef\u00fchrt wird die Prozession von der \u201eGermania\u201c hoch zu Ross. Dieser Allegorie des Reiches folgen weitere Reiterinnen, als letzte die \u201ePolonia\u201c. Den Schluss des Zuges bilden zwei Frauen zu Fu\u00df. Noch hinter der \u201eOriens\u201c (die vermutlich die ostslavische Orthodoxie verk\u00f6rpern soll), schreitet ganz am Ende die \u201eLitavia\u201c, also die Personifikation Litauens.<\/p>\n<p>Hunderte von Kilometern westlich der Grenzen des Gro\u00dff\u00fcrstentums spricht das Bild eine beredte Sprache: Mochten auch Zweifel am christlichen Charakter des Landes bestanden haben \u2013 Litauens Anspruch auf einen Platz in Europa lie\u00df sich nicht l\u00e4nger mehr ignorieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es um die viel beschworene \u201eKrise des 14. Jahrhunderts\u201c geht, so verk\u00f6rpert Litauen gewisserma\u00dfen das Kontrastprogramm zu England und Frankreich: \u201eWelche Krise?\u201c \u2013 Ein solcher Titel w\u00fcrde eigentlich auch gut zu Litauen passen. Im Land selbst ist das 14. 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