{"id":125205,"date":"2026-06-19T09:46:39","date_gmt":"2026-06-19T07:46:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=125205"},"modified":"2026-06-19T09:47:28","modified_gmt":"2026-06-19T07:47:28","slug":"boccaccio-und-die-erfindung-der-liebe","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/boccaccio-und-die-erfindung-der-liebe\/","title":{"rendered":"Boccaccio und die Erfindung der Liebe"},"content":{"rendered":"<h3><strong>I.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Titel \u201eBoccaccio und die Erfindung der Liebe\u201c muss auf zweifache Weise provozierend wirken. Denn man k\u00f6nnte zum einen entgegnen, Liebe m\u00fcsse nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Die Formel von der \u201eErfindung der Liebe\u201c setzt sich mit der von Niklas Luhmann entfalteten These auseinander, Liebe sei kein Gef\u00fchl, sondern eine Form der Kommunikation, die das Gef\u00fchl der Liebe allererst hervorzubringen imstande sei, weil sie die Folgen organischer Ursachen zu deuten erlaube. Dabei sind es gerade die irritierenden Elemente und verwirrenden Ereignisse, die den Menschen dazu zwingen, in ihnen, gerade weil sie unabweisbar und unerkl\u00e4rlich sind, den Prozess der Kultur voranzutreiben und so jenen Reichtum an Sinn zu produzieren, der das Leben lebenswert macht. Man k\u00f6nnte der Formel von der Erfindung der Liebe zum anderen erwidern, sie suggeriere, Boccaccio habe die Liebe als Kulturthema entdeckt. Das in der \u00dcberschrift sorgsam gesetzte \u201eund\u201c will diesen Eindruck gleichzeitig zerstreuen und verst\u00e4rken, gibt es doch lange vor Boccaccio schon folgenreiche Diskurse \u00fcber die Liebe, wenngleich mit Boccaccio eine g\u00e4nzlich neue Sicht anhebt.<\/p>\n<p>Das Neue, das Boccaccio bringt, l\u00e4sst sich vielleicht am besten verstehen, wenn man auf einen Dichter blickt, auf den er sich bezieht, n\u00e4mlich auf Dante. Besonders klar l\u00e4sst sich dieser Einfluss an der einzigen Liebesgeschichte in Dantes Jenseitsreise zeigen, in der von Francesca und Paolo erz\u00e4hlt wird. Francesca wurde, wie es damals \u00fcblich war, verheiratet, und zwar mit einem Mann, der h\u00e4sslich war und hinkte, jedoch einen sch\u00f6nen Bruder, eben Paolo, hatte (erkennbar ist Hephaistos daf\u00fcr Vorbild). Der warb im Dienste seines Bruders um die Hand Francescas, wobei er sie allerdings \u00fcber seine Identit\u00e4t t\u00e4uschte. Und Francesca berichtet, wie sie und Paolo eines Tages allein waren und einen Liebesroman lasen, wie sie darauf von unwiderstehlichem Begehren zueinander ergriffen wurden und sich nach dem literarischen Vorbild k\u00fcssten. Da war es um sie geschehen: an jenem Tag lasen sie nicht weiter, so lautet die ber\u00fchmte Formulierung. Beide wurden, so endet die Erz\u00e4hlung \u2013 des Ehebruchs wegen, zu dem ihre Liebe sie gef\u00fchrt hat \u2013 vom Schwert des betrogenen Ehemannes durchbohrt.<\/p>\n<p>Dante, der diese Erz\u00e4hlung auf seiner Reise durch das Inferno vernimmt, ist ergriffen und antwortet zun\u00e4chst mit einer wortlosen Geste: Er senkt den Kopf und bleibt stumm stehen; wenig sp\u00e4ter jedoch wird er aus Mitleid mit dem leidenden Liebespaar ohnm\u00e4chtig. Die paradoxe Erfahrung, dass ein Paar seiner Liebe wegen bestraft wird, spitzt sich so zu, dass er daf\u00fcr nicht nur \u00fcber kein Wort, sondern auch \u00fcber keine Geb\u00e4rde mehr verf\u00fcgt. Spektakul\u00e4r ist hier nicht die Geschichte zweier Liebender, die ihrer verbotenen Liebe wegen get\u00f6tet wurden, das w\u00e4re in der damaligen Zeit nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich erschienen. Ungew\u00f6hnlich ist das Verhalten Dantes: Nach dem Glauben seiner Zeit muss er die beiden ins Inferno setzen, mit seinem Gef\u00fchl hingegen spricht er die Verdammten frei, jedoch ohne Wort und ohne Geste. Anders gesagt: Dante tritt, wie Kurt Flasch gezeigt hat, indem er sprach-, ja bewusstlos wird, als ein urteilendes Subjekt ab, dem die strenge Bestrafung einer durch Liebe entz\u00fcndeten Leidenschaft unfassbar ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr Dante war Liebe noch die Kraft des Aufstiegs zum h\u00f6chsten Gut, ein Nachklang der antiken und mittelalterlichen Theorie der Liebe, und er hat diese Vorstellung in einer Vision beschworen, einem Traum, in dem er Beatrice, seine Geliebte, sieht, kaum verh\u00fcllt durch ein blutrotes Tuch, in der Hand das gl\u00fchende Herz des Liebenden, und ihr wird befohlen, sein Herz zu essen. Dies geschieht, und Beatrice steigt zum Himmel auf. Durch dieses Thema des Aufstiegs ist die Eucharistie als Liebesmahl gedeutet und mit der Himmelfahrt der Geliebten, nach dem Vorbild der Gottesmutter, verkn\u00fcpft \u2013 ein Ritual der (himmlischen) Liebe wird zum Vorbild f\u00fcr die irdische Liebe. \u201eAmor\u201c und \u201ecaritas\u201c, so k\u00f6nnte man das Neue dieser dichterischen Vision Dantes kennzeichnen, widersprechen sich nicht, wie die christliche Tradition lange gesagt hatte, sie gehen auseinander hervor. Dante selbst nennt den Text ein Erinnerungsbuch an das christliche Liebesmahl und an die eigene Liebegeschichte, sodass sinnliche Liebe und Gottesliebe auf bislang unerh\u00f6rte Weise (denn seine Geliebte wird als Frau von ber\u00fcckender Sch\u00f6nheit vorgestellt) miteinander verschmelzen und zugleich unwiderruflich getrennt erscheinen. G\u00f6ttliche und menschliche Liebe werden als miteinander unvereinbar und zugleich als unaufl\u00f6slich verbunden dargestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>II.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Boccaccio ist dieser metaphysische Aufstieg nicht mehr zu erkennen. Das wird an jener Novelle deutlich, die das schon von Dante nicht theologisch verstandene, sondern poetisch gewendete Motiv der Eucharistie aufgreift. In dieser neunten Novelle des f\u00fcnften Tages wird das Speiseopfer im Liebesmahl zitiert, wie es Christus mit den J\u00fcngern beging. Die literarische Urszene dieser Beziehung zwischen Eucharistie und erotischer Vereinigung hat zwar, wie wir sahen, Dante gestiftet. Aber es deutet sich bei Boccaccio doch ein wichtiger interpretatorischer Umschwung an, denn das Liebesmahl errettet nun nicht mehr, wie die theologische Tradition (und auch Dante als Dichter noch) sagte: Federigo degli Alberighi verehrt Monna Giovanna, die verheiratet ist. Er verschwendet in der Form ritterlicher Huldigung sein Verm\u00f6gen f\u00fcr sie und beh\u00e4lt zuletzt nichts weiter \u00fcbrig als seinen Jagdfalken, Zeichen adeliger Lebensart. Monna Giovanna wird Witwe. Federigos Liebe jedoch bleibt unerwidert. Monna Giovannas Kind, ein halbw\u00fcchsiger Knabe, freundet sich mit Federigo, als einer Art ritterlichen Mentors, an und jagt mit dessen Falken. Der Knabe erkrankt, und sein Wunsch, dessen Erf\u00fcllung ihm das Leben retten soll, so will es die Erz\u00e4hlung, ist der Besitz des Jagdfalken, der Federigo als einziges noch geblieben ist. Als Monna Giovanna Federigo besucht, um ihn um den Falken zu bitten, setzt ihr der Gastgeber, wie es der ritterliche Anstand verlangt, den Falken vor, das Einzige, das ihm geblieben ist. Als Monna Giovanna ihre Bitte \u00e4u\u00dfert, bricht Federigo in Tr\u00e4nen aus, weil er erkennt, dass er das Leben ihres Kindes nicht retten kann. Es bleibt das tragische Paradox, dass das einzige Zeichen, das die Rettung h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen, in eben dieser Situation vernichtet wird, die im Gestus bedingungsloser Schenkungsbereitschaft ablesbare vollkommene Freigebigkeit des Ritters also genau jenes Ereignis verhindert, auf dessen Verwirklichung sie aus ist. Kurz darauf tritt der Tod des Kindes ein.<\/p>\n<p>Die Liebe wird hier aller religi\u00f6ser Vorbedingungen entkleidet, sie steht f\u00fcr sich. Dies wird auch dadurch deutlich, dass die Bereitschaft, f\u00fcr die Liebe zu Monna Giovanna das eigene Verm\u00f6gen zu opfern, noch durch die Hingabe des Falken \u00fcbertroffen wird, eine Geste, die nichts bewirkt. Es ist f\u00fcr Federigo gleichzeitig das denkbar gr\u00f6\u00dfte Opfer, das er bringen kann und das nur in einer \u201e\u00d6konomie der Liebe\u201c verstehbar ist. In der traditionellen Sicht zeugt dieses Verhalten vom exzessiven und unvern\u00fcnftigen Charakter der Passion, die negativ beurteilt wird, w\u00e4hrend sie bei Boccaccio (im Zeichen des Liebesmahls) eine positive Wertung erf\u00e4hrt. Wenn Federigo in Tr\u00e4nen ausbricht, ist dies ebenfalls Ausdruck von Unbeherrschtheit, die seiner Liebe allerdings erst den ihr zukommenden Raum und Rang gew\u00e4hrt. Und es ist schlie\u00dflich Zeichen der Unvernunft, als Monna Giovanna, von ihren Br\u00fcder deswegen ger\u00fcgt, am Ende den verarmten Federigo heiratet. Damit ist die Liebe nicht nur jedes religi\u00f6sen, sondern auch jedes metaphysischen Vorurteils, wie wir es seit Platon und Aristoteles kennen, beraubt. Ihr wird eine Urteilskraft sui generis zugestanden. Sie wird, k\u00f6nnte man auch sagen, als Gef\u00fchl freigesetzt.<\/p>\n<p>Zugleich wird in dieser Novelle, da alle der Liebe fremden Motive ausgesondert werden, die Freiheit der Entscheidung, die von den Liebenden nun erwartet wird, zum Ausdruck gebracht: Sie findet ihre eigenen Gr\u00fcnde, sie bewegt Monna Giovanna ja zun\u00e4chst dazu, dem Werben Federigos zu widerstehen, dann, ihm nachzugeben, allerdings wiederum nicht aus \u00f6konomischen Motiven, sondern, im Gegenteil, aus der \u00d6konomie der Liebe heraus, und sie veranlasst Federigo, die freie Zur\u00fcckweisung seiner Liebe und ihre freie Erwiderung (die als solche erst im zweiten Schritt erkannt werden kann) zu respektieren, was schlie\u00dflich als sein gr\u00f6\u00dftes Opfer (noch \u00fcber die Dreingabe seines Verm\u00f6gens sowie seines Falkens hinaus) angesehen werden muss. So \u00fcbertrifft Boccaccio alle Vorstellungen der h\u00f6fischen Liebe (die aus H\u00f6flichkeit verz\u00f6gerte Bitte der Frau sowie die Ausrichtung des Gastmahls sind ja zeremonieller Ausdruck dieser Lebensart), deren Ziel es war, die geliebte Frau f\u00fcr sich einzunehmen und f\u00fcr ihre Liebe zu k\u00e4mpfen, wobei genau darin bereits Ans\u00e4tze f\u00fcr die Entscheidungsfreiheit der Frau erkennbar werden. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass im am Ende der Erz\u00e4hlung erreichten \u201estate of hapiness\u201c nicht nur ideelle (wie es die h\u00f6fische Liebe will), sondern auch materielle (allerdings nun von jedem Kalk\u00fcl gereinigte) Gesichtspunkte ber\u00fccksichtigt, also eingeschlossen werden k\u00f6nnen, gerade weil sie l\u00e4ngst schon ausgeschlossen sind. Hier muss selbst das Wort von der \u00d6konomie der Liebe revidiert werden, weil die Liebe selbst noch in einer solchen Polarisierung im Bannkreis der \u00d6konomie verbliebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>III.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe, so k\u00f6nnte man bilanzieren, erscheint hier nicht l\u00e4nger als metaphysisches Weltgesetz und Aufstieg zu Gott. Diesen neuen, von religi\u00f6sen und metaphysischen Pr\u00e4judikativen gereinigten Begriff der Liebe hat Boccaccio durch die folgende Erz\u00e4hlung noch weiter betont: Der florentinische Kaufmann Filippo Balducci zog sich nach dem Tod seiner Frau mit seinem zweij\u00e4hrigen Sohn von allen Gesch\u00e4ften zur\u00fcck und lebte fortan als frommer Einsiedler. Als sein Sohn das achtzehnte Lebensjahr erreicht hatte, glaubte der Vater, die religi\u00f6se Erziehung des Kindes sei so gefestigt und die Enthaltsamkeit, die der Vater \u00fcbte, f\u00fcr den Heranwachsenden so nat\u00fcrlich, dass er ihn mit in die Stadt Florenz nehmen k\u00f6nne. Als dieser die Pal\u00e4ste, H\u00e4user und Kirchen sah und aus dem Staunen nicht herauskam, fragte er nach dem Namen der ihm unbekannten Dinge. Als sie eine Gruppe sch\u00f6ner junger Frauen erblickten, hielt der fromme Vater den Sohn an, er m\u00f6ge zu Boden schauen und sie nicht ansehen, weil sie des Teufels seien. Auf die Frage des Jungen, wie man sie denn nenne, antwortete der Vater, um das Begehren seines Sohnes nicht zu reizen, statt ihren richtigen Namen zu verwenden: Sie hei\u00dfen G\u00e4nse. Als der Junge nun nur noch eine solche Gans haben wollte, antwortete der Vater, das seien schlechte Dinge. Der Sohn wunderte sich: Sehen schlechte Dinge so aus? Da begriff der Vater, dass die Natur m\u00e4chtiger war als sein Verstand, und er bereute, ihn mit nach Florenz genommen zu haben.<\/p>\n<p>Das sexuelle Begehren, so diese Novelle, kann die Autorit\u00e4t der Natur f\u00fcr sich in Anspruch nehmen. Gegen das Naturrecht, das auf die Beschr\u00e4nkung dieses Begehrens aus war, muss das nat\u00fcrliche Recht auf sinnliche Liebe verfochten werden. Anders gesagt: Das sexuelle Begehren wird nunmehr als integraler Bestandteil der Liebe selbst beschrieben. Zu beachten ist freilich, dass die Aussage, der Macht der Liebe k\u00f6nne keiner widerstehen, traditionell und keineswegs neu zu nennen ist. Allerdings ist die bei Boccaccio artikulierte Vorstellung, der Drang der Liebe, das sexuelle Verlangen, sei eine Kraft der Natur, das sich dem moralischen Urteil entziehe, insofern neu, als damit, wie schon angedeutet, die traditionelle Auffassung einer normativ bedeutungsvollen Natur verabschiedet wird. Moralisch ist es gerade, der Natur zu folgen, ihr nachzugeben, nicht widernat\u00fcrlich zu handeln, wie der Vater es von sich und seinem Sohn verlangt. Wenn dem Sohn die Namen der Dinge gegeben werden, erinnert das an den Sch\u00f6pfungsakt, und zwar an den Zustand des Menschen vor dem S\u00fcndenfall. Anders als in der Sch\u00f6pfungserz\u00e4hlung wird den Frauen hier ein Name gegeben, der allerdings falsch ist. Damit wird eine Moral, die das nat\u00fcrliche Begehren unterdr\u00fcckt, das die Witwenschaft preist und die Wiederheirat abwertet oder verbietet, als unnat\u00fcrlich und damit falsch bezeichnet.<\/p>\n<p>Um die Betonung der Sch\u00f6nheit zu verstehen, muss man au\u00dferdem beachten, dass die mittelalterlichen Theologen zwischen prim\u00e4ren und sekund\u00e4ren Ehemotiven unterschieden hatten. Prim\u00e4re Motive, eine Ehe einzugehen, waren das Hervorbringen von Nachkommen und die Vermeidung von Untreue, mit einem Wort: die Erzeugung legitimer Erben. Sekund\u00e4re Ehemotive wurden in ehrenhafte und unehrenhafte Motive eingeteilt: ehrenhafte Motive waren die Vers\u00f6hnung von Feinden und die Wiederherstellung des Friedens; ein unehrenhaftes Motiv war die Sch\u00f6nheit einer Frau, weil sie die Vernunft eines Mannes zu bet\u00e4uben in der Lage ist \u2013 in der traditionellen Sicht ein unhaltbarer Zustand, galt es doch, stets Herr \u00fcber sich selbst zu bleiben. Nun wird Sch\u00f6nheit bei Boccaccio nicht nur als ehrenhaftes Motiv bezeichnet, es wird sogar zum prim\u00e4ren Motiv, weil sich an ihr die Liebe entz\u00fcndet. Damit wird die vielleicht weitreichendste Konsequenz dieser Novelle ber\u00fchrt: Die Sch\u00f6nheit der Frauen ist kein Grund f\u00fcr die Ehe, da hatten die mittelalterlichen Theologen recht, aber sie ist ein Motiv f\u00fcr die Liebe. \u00dcber viele Jahrhunderte hinweg war die Ehe die Voraussetzung f\u00fcr die Liebe zweier Menschen gewesen, ohne sie, die Ehe, gab es nur verbotene Liebe; mehr und mehr wird nun \u2013 umgekehrt \u2013 die Liebe zur Voraussetzung f\u00fcr die Ehe. Nun gilt: eine Ehe ohne Liebe ist moralisch fragw\u00fcrdig. Ehen werden durch die Liebenden selbst (und nur durch sie) gestiftet.<\/p>\n<p>Die Sch\u00f6nheit scheint somit auf den ersten Blick als Ursache f\u00fcr die Liebe beschrieben zu sein. Zutreffender m\u00fcsste man jedoch sagen: Der Impuls, der von ihr ausgeht, erzeugt das sexuelle Verlangen, das \u2013 unterscheidbar, wenn auch unaufl\u00f6slich \u2013 mit der Liebe geweckt wird. Will man im Schema von Ursache und Wirkung bleiben, so lie\u00dfe sich formulieren: die Sch\u00f6nheit der Frauen ist Ursache f\u00fcr das sinnliche Begehren, sie ist allerdings zugleich Folge der Liebe. Wenn die Sch\u00f6nheit Folge der Liebe ist, kann das als Hinweis daf\u00fcr verstanden werden, dass die Liebe keines Grundes au\u00dfer ihrer selbst bedarf: die Liebe rechtfertigt sich selbst. So wird die Natur als normative Grundlage f\u00fcr die Formung von Sexualit\u00e4t und Liebe abgewiesen: die Natur wird nur noch als Kausalzusammenhang und deshalb allein deskriptiv, nicht mehr pr\u00e4skriptiv behandelt; als normatives Konzept fungiert nun allein die Selbstreferentialit\u00e4t der \u2013 als sinnlich gedachten \u2013 Liebe. Denn Liebe kann sich nur sinnlich (sich an ihr freuend oder an ihr leidend) auf sich selbst beziehen. Auf diese Weise wird die Liebe gegen die Ehe, die durch das Recht geregelt werden kann, abgehoben: Liebe entsteht ja erst da, wo das, was zurecht verlangt werden kann, transzendiert wird; die Ehe hingegen kann an Bestimmungen des Rechts, die ihre Entstehung oder ihre Aufl\u00f6sung erlauben oder verhindern, gebunden werden. Pointierter formuliert: Die Liebe findet ihre Gr\u00fcnde in sich selbst, nicht in der Ehe.<\/p>\n<p>Das schien zu sagen, dass Boccaccio die Liebe im Gegensatz zu Dante als rein \u201enat\u00fcrlichen\u201c Vorgang auffasse. Um Boccaccios Konzept der Liebe zu begreifen, ist es freilich notwendig, dieses Vorurteil zu korrigieren. Zwar ist es richtig, dass Boccaccio die Liebe nicht nur als poetische Leidenschaft kennt, sondern dass sein Naturbegriff \u2013 genau wie der des Aristoteles oder des Thomas von Aquin \u2013 eine un\u00fcbersehbare biologische Komponente hat. So kommt die Natur des Menschen insofern zu ihrem Recht, als man sie aller normativen Bedeutsamkeit entkleidet, man kann auch sagen: die Natur findet zu ihrem Recht, indem das Naturrecht entthront wird. Was aber kommt stattdessen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>IV.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere Geschichte, die siebte, die am sechsten Tag erz\u00e4hlt wird, soll diese Wandlung noch einmal bekr\u00e4ftigen. Madonna Filippa aus Prato wird von ihrem Mann Rinaldo beim Ehebruch mit Lazzarino \u00fcberrascht. Rinaldo m\u00f6chte den Tod seiner Frau, so wie es das Gesetz vorsieht. Er klagt deshalb. Man empfiehlt der Frau, sie m\u00f6ge sich rechtzeitig retten. Doch Filippa ist stolz auf ihre Liebe und will vor Gericht erscheinen. Der Richter will ihr mit dem Hinweis entgegenkommen, sie solle den Vorwurf, der gegen sie erhoben wird, bestreiten, denn dann k\u00f6nne er sie nicht verurteilen. Doch die Frau, stolz auf ihre Liebe, verschm\u00e4ht auch dieses Angebot. Genau dadurch wird die gesellschaftlichen Ordnung, die den Rahmen f\u00fcr die Geschichte bildet, in Frage gestellt: Der Richter ger\u00e4t in eine Spannung zu dem Gesetz, das er zu vertreten hat, und also ist das Gesetz selbst bereits nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich g\u00fcltig. Das veranlasst Madonna Filippa zu einer Rede \u00fcber die Gesetze und \u00fcber die gesellschaftliche Stellung der Frauen. An Verurteilung will danach keiner auch nur denken, und man \u00e4ndert unter dem Eindruck dieser fulminanten Rede das Gesetz. Die Normen \u00fcber Ehe und Treue sind, so lautet Filippas Vorwurf, allein von M\u00e4nnern gemacht. Frauen waren bei ihrer Entstehung nicht beteiligt, sie haben nicht mitberaten und nicht mitgestimmt, sie sind nur Objekte, nicht auch Subjekte dieser Bestimmungen. Deswegen k\u00f6nnen diese Gesetze f\u00fcr Frauen keine G\u00fcltigkeit beanspruchen.<\/p>\n<p>Damit wird der alte Grundsatz \u201equod omnes tangit ab omnibus approbari debet\u201c aufgenommen, der im 12. und 13. Jahrhundert besondere Bedeutung f\u00fcr das Recht gewonnen hat. Doch erst die Konsequenz, die aus dieser Aussage gezogen werden kann, macht die aufkl\u00e4rerische Pointe der Argumentation deutlich. Bei der Begr\u00fcndung von Normen wird nicht auf ein g\u00f6ttliches Gesetz und auch nicht auf die menschliche Natur als normative Instanz zur\u00fcckgegriffen. Was an Regeln f\u00fcr Menschen normative Geltung entfalten kann, ist allein von Menschen gesetzt, und die Menschen sind mit Blick auf die Setzung der Regeln gleichberechtigt, ob sie nun Frauen oder M\u00e4nner sind (und, wie man mit Blick auf andere Novellen Boccaccios sagen m\u00fcsste, gleichg\u00fcltig, welchen Standes sie sind), und also m\u00fcssen alle beteiligt sein, wo Gesetze in Kraft gesetzt werden. Menschen unterwerfen sich selbst und gegenseitig Gesetzen, so lautet die Schlussfolgerung.<\/p>\n<p>Vor Gericht fragt Filippa ihren Mann, ob sie ihm ein jedes Mal, da es ihm gefallen habe, ganz und gar zu Willen gewesen sei. Tats\u00e4chlich r\u00e4umt Rinaldo ein, dass seine Frau ihm alles gew\u00e4hrte, was er begehrte. Was soll also, so endet Filippa, mit dem Rest, der ihr bleibt, geschehen? Anstatt ihn den Hunden vorzuwerfen, gibt sie ihn dem Mann, der sie mehr liebt als sich selbst. Mit dieser Geschichte wird z\u00fcgellose Triebhaftigkeit, die man ja \u00fcblicherweise der Frau unterstellte, dem Mann attestiert, w\u00e4hrend Filippa f\u00fcr sich leidenschaftliche Liebe auch jenseits der Ehe geltend machen kann. Auch wenn in der damaligen Gesellschaft eine Liebe ohne Ehe als verboten, eine Ehe ohne Liebe hingegen als legitim erscheint, ist der sittliche Anspruch doch genau gegenl\u00e4ufig zu formulieren. Passionierte Neigung und eheliche Pflicht werden einander nicht gegen\u00fcbergestellt (\u201emehr als sich selbst liebt\u201c), sondern in ein Verh\u00e4ltnis der Legitimit\u00e4t jenseits der Legalit\u00e4t gebracht: Ehe hat in Liebe zu gr\u00fcnden. Die Geltung von Gesetzen kann nicht unabh\u00e4ngig von der empirischen Welt, n\u00e4mlich von den Bed\u00fcrfnissen der Menschen, die ihnen unterworfen sind, festgestellt werden. Wo ein Gesetz allen Beteiligten Vorteile, zumindest keine Nachteile bringt (genauer: wo es mindestens eine Person besser stellt, ohne gleichzeitig eine andere schlechter zu stellen), kann es als legitim gelten. Das bedeutet, dass die Gesellschaft sich selbst als eine Vereinigung von Menschen versteht, die, frei und gleich, sich ihre Gesetze selbst geben. Recht und Moral werden unterschieden, denn was hier Recht ist, ist nicht moralisch. Das, wenn man so will, gelebte Recht sah Strenge nur f\u00fcr die Untreue der Frau, nicht f\u00fcr die Untreue des Mannes vor, das erlebte Recht kann sich damit nicht einverstanden erkl\u00e4ren. Boccaccio will damit sagen, dass Treue nicht nur von Frauen, sondern auch von M\u00e4nnern zu fordern ist. Ehegesetze kann man einseitig gestalten, Liebe hingegen fordert gegenseitige Treue. Liebe entlarvt einseitige Gesetze als defizit\u00e4r, sodass sie in dieser Form nicht l\u00e4nger verpflichten. Verpflichten k\u00f6nnten sie nur, wenn sie allseitig binden. Es geht also gerade nicht um Willk\u00fcr, denn hier ist das Gesetz willk\u00fcrlich, die moralische Kritik am Gesetz hingegen ist gerade das Gegenteil von Willk\u00fcr. Und: Eine Ehe kann gebrochen und der Ehebruch vor Gericht gebracht, Liebe jedoch \u2013 genau genommen \u2013 nicht verraten werden.<\/p>\n<p>An dieser Stelle k\u00f6nnte man die Verh\u00e4ltnisse, die mit Blick auf die biblische Zuordnung von Gesetz und Liebe bestehen, umkehren: Nicht das Gesetz wird zur Liebe, dann n\u00e4mlich, wenn es vollkommen realisiert wird, vielmehr wird die Liebe zum Gesetz, wenn sie vollkommen sein will. Denn sie kann ihren exzessiven Charakter als Liebe nur bewahren, wenn ihr in jedem Augenblick die volle Zustimmung derer sicher ist, denen diese Liebe gilt. Wie freilich soll die Kontrollierbarkeit des schlechthin Unkontrollierbaren gesichert werden k\u00f6nnen? Eben dadurch, dass die Liebe dem Gesetz Raum gibt, genauer, dass sie das von au\u00dfen kommende Gesetz beseitigt und es zu ihrem Gesetz, zum Gesetz der Liebe, werden l\u00e4sst. Es ist das Gesetz, das nicht von au\u00dfen auferlegt wird, sondern von innen bindet. So ist die Liebe kein Rest, der vor dem Blick des Gesetzes verborgen gehalten werden m\u00fcsste: Das Gesetz, das von innen verpflichtet, hebt die Liebe auf, es ist vollkommene Liebe. Kant wird dies sp\u00e4ter in den Gedanken kleiden, dass der Mensch unabweisbar Gesetzen unterworfen ist, gerade weil sie ihm weder ein Gott noch die Natur vorschreiben. Gott und der Natur kann man sich widersetzen, doch wer d\u00fcrfte sich selbst den Gehorsam verweigern? Unter einem solchen Gesetz wird jeder sein eigener Richter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>V.<\/strong><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Blicken wir auf eine letzte Geschichte, die achte des achten Tages. Sie handelt von einem jungen Mann, Spinelloccio Tavena, der in Siena mit seiner Frau lebt und mit Zeppa di Mino befreundet ist, der seinerseits mit einer sch\u00f6nen jungen Frau verheiratet ist. Spinelloccio beginnt eine Liebschaft mit der Frau seines Freundes. Als dieser davon erf\u00e4hrt, sinnt er auf Vergeltung. Seine Pl\u00e4ne sehen vor, dass seine ehebrecherische Frau ihren Liebhaber, bevor ihr Ehemann, der zum Schein au\u00dfer Haus gegangen ist, beide in flagranti ertappen kann, in einer Truhe versteckt. Der betrogene Mann f\u00fchrt nun Spinelloccios betrogene Frau in das Zimmer, kl\u00e4rt sie \u00fcber alles auf, und schw\u00f6rt, sich blutig zu r\u00e4chen, es sei denn, die Frau sei bereit, die Angelegenheit auf eben jene Art und Weise wieder in Ordnung zu bringen, auf die ihr Mann sie in Unordnung gebracht hat. Der Plan wird auf der Truhe, unmittelbar \u00fcber dem dort Eingeschlossenen, ausgef\u00fchrt. Als schlie\u00dflich die Frau des Mannes, der auf Vergeltung aus ist, die Truhe \u00f6ffnet, ist, so Boccaccio, schwer zu sagen, wer von beiden sich mehr sch\u00e4mte, ob Spinelloccio, als er bemerkte, dass Zeppa wusste, was er getan hatte, oder die Frau, die ihren Mann erblickte und einsah, dass er mitbekommen haben musste, was \u00fcber seinem Kopf vorgegangen war. Am Ende a\u00dfen alle eintr\u00e4chtig miteinander. Und von dieser Stunde an hatte jede der beiden Frauen zwei M\u00e4nner, und jeder der beiden M\u00e4nner zwei Frauen, ohne dass es deswegen jemals Streit zwischen ihnen gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nicht der \u201em\u00e9nage \u00e0 quatre\u201c wird hier das Wort geredet, das Erstaunliche ist vielmehr, dass die Rache nicht vollzogen, dass nicht get\u00f6tet, nur Vergeltung ge\u00fcbt, weil geliebt wird. Im Gegensatz zur vorhin erl\u00e4uterten Novelle, die innerhalb institutionalisierter Normen spielt, n\u00e4mlich vor Gericht, wird hier, so Peter von Matt, jede Institution ausgespart. Die Protagonisten richten sich autonom, ohne R\u00fccksicht auf geschriebene oder ungeschriebene Gesetze ein. Entschieden wird nicht die Frage, ob ein \u201em\u00e9nage \u00e0 quatre\u201c etwas Besseres sei als das konventionelle Leben zu zweit, entscheidend ist vielmehr die Tatsache, dass die in eine gesellschaftliche Institution Eingebundenen st\u00e4rker sein k\u00f6nnen als diese Institution, weil sie die Institution ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, sobald die Idee der Menschenw\u00fcrde, mit einem anderen Wort: von gegenseitigem Konsens dies nahelegt. Liebe zu dritt oder zu viert (von einer sexuellen Komponente ist in dieser Utopie keine Rede), Rollentausch im Sinn einer \u00dcbernahme der Perspektive des je Anderen, die Disposition \u00fcber den eigenen K\u00f6rper ohne religi\u00f6se oder naturrechtliche Beschr\u00e4nkungen (erlaubt ist, was den Konsens der Akteure findet, und vern\u00fcnftigerweise gelten deshalb f\u00fcr einen Akteur nur da Handlungsbeschr\u00e4nkungen, wo einem anderen Akteur Schaden droht), damit sind wichtige aufkl\u00e4rerische Gedanken vorweggenommen. Der urspr\u00fcngliche Zustand wird hingegen als unmenschlich, als die menschliche Natur depravierend, hingestellt, Spuren, die zu Kant und Rousseau f\u00fchren. Wenn Boccaccio von dem, was in der Tradition Begehrensliebe hei\u00dft, zu dem, was dort Freundschaftsliebe genannt wird, stillschweigend \u00fcbergeht, also \u00fcbergangslos von sexuell basierten wie kooperativen Beziehungen spricht, kommt dadurch zum Ausdruck, dass er beide Ausdrucksformen der Liebe auf eine einzige normative Basis stellt, in der, wie wir noch genauer sehen werden, das Begehren oder Bed\u00fcrfen innerhalb der Spielr\u00e4ume, die Regeln geben, seinen Raum findet. Die Protagonisten stellen ihr gleichberechtigtes Streben nach dem Gl\u00fcck unter eine gemeinsame Regel. Zugleich enth\u00e4lt diese Einstellung, weil alle Beteiligten sich selbst als solche autonomen Akteure begreifen, die Aufforderung an den anderen, sich zu beschr\u00e4nken, um den Freiraum des jeweils anderen offenzuhalten.<\/p>\n<p>Hegel pr\u00e4gte diese Vorstellung in einen Satz, den man als die vielleicht dichteste Bestimmung der Liebe auffassen k\u00f6nnte: \u201eSie anerkennen\u201c, so schreibt er, \u201esich als gegenseitig sich anerkennend\u201c. Dem Individuum wird in diesem Verst\u00e4ndnis zugestanden wie zugemutet, seine eigene Welt zu entwerfen: es wird zum Subjekt seiner Welt. Zwei Individuen sind deshalb zwei Welten. Die Frage nach der M\u00f6glichkeit von Liebe zwischen autonomen, n\u00e4mlich als Tr\u00e4ger von Weltentwu\u0308rfen verstandenen Individuen geht mit dem Problem um, dass jede Weltsicht einzigartig und unvertretbar, eben subjektiv ist und als solche und nicht als Objekt in der Weltsicht einer anderen Person vorkommen soll. Was nicht mitteilbar, weil unteilbar ist, n\u00e4mlich Individualit\u00e4t, soll geteilt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Liebe, als reflexives Bewusstsein freigesetzt, anders gesagt: als autonom behandelt, richtet sich somit nicht auf die Liebe des anderen (und noch weniger auf den anderen), sie richtet sich vielmehr auf sich selbst, sie ist ihr eigenes Medium: Lieben des Liebens. F\u00fcr die Liebe z\u00e4hlt nur die Liebe, nichts anderes, sie konstituiert eine eigene Welt, aber eben doch eine Welt, in der der andere als der Geliebte vorkommen kann, eine \u201egemeinsame Sonderwelt\u201c. Was man als Reflexivit\u00e4t oder besser noch: als soziale Reflexivit\u00e4t der Liebe bezeichnen kann, ist mehr als sich einfach bewusst zu werden, dass man liebt und geliebt wird. Es ist ein Bewusstsein davon, dass man gleichzeitig sich als Liebenden wie Geliebten und darin den anderen als Liebenden und Geliebten liebt. Die Liebe bezieht sich auf ein Ich und ein Du nur insofern, als sie sich als Liebende wechselseitig konstituieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. &nbsp; Der Titel \u201eBoccaccio und die Erfindung der Liebe\u201c muss auf zweifache Weise provozierend wirken. Denn man k\u00f6nnte zum einen entgegnen, Liebe m\u00fcsse nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. 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