{"id":127317,"date":"2026-07-08T15:15:17","date_gmt":"2026-07-08T13:15:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=127317"},"modified":"2026-07-09T14:11:19","modified_gmt":"2026-07-09T12:11:19","slug":"10-jahre-laudato-si-10-jahre-paris-zur-zukunft-der-globalen-gemeinschaftsgueter","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/10-jahre-laudato-si-10-jahre-paris-zur-zukunft-der-globalen-gemeinschaftsgueter\/","title":{"rendered":"10 Jahre Laudato si\u2019, 10 Jahre Paris"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Pariser Klimaabkommen einigte sich die Weltgemeinschaft 2015 Jahren auf ein v\u00f6lkerrechtlich verbindliches Ziel zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels: Auf deutlich unter 2\u00b0 C gegen\u00fcber dem vorindustriellen Niveau soll der Anstieg der globalen Mitteltemperatur begrenzt werden, wenn m\u00f6glich sogar auf 1,5\u00b0 C. Einige Monate vor der historischen Weltklimakonferenz ver\u00f6ffentlichte Papst Franziskus seine Enzyklika\u00a0Laudato si\u2019\u00a0zu Klimawandel, Armut und Ungleichheit. Sein Appell zur \u201eSorge f\u00fcr das gemeinsame Haus\u201c gab der 21.\u00a0Conference of the Parties\u00a0(COP21)\u00a0\u2013 der Klimakonferenz von Paris \u2013 entscheidenden Aufwind.<\/p>\n<p>Bei den Klimaverhandlungen in den Jahren seit 2015 spielte der Vatikan nur noch eine marginale Rolle. Auch auf politischer Ebene ist die Euphorie seit 2015 verflogen, denn der Erfolg der Staatengemeinschaft bei der Umsetzung der Pariser Klimaziele ist \u00fcberschaubar. Zwar haben insbesondere die Mitgliedsstaaten der Europ\u00e4ischen Union mit dem\u00a0Green Deal\u00a0ein beachtliches Klimaschutzprogramm auf die Beine gestellt und ihre Emissionen so bereits um 37 % gegen\u00fcber 1990 gesenkt. Doch auf globaler Ebene sind die Emissionen in den letzten Jahren kontinuierlich weiter gestiegen. Auch die Finanztransfers der reichen Staaten an die \u00e4rmeren sind unzureichend. Auf der 29. Weltklimakonferenz einigte sich die Staatengemeinschaft auf ein neues Ziel f\u00fcr die internationale Klimafinanzierung: 300 Milliarden Dollar j\u00e4hrlich sollen unter F\u00fchrung der Industriel\u00e4nder bis 2035 f\u00fcr Klimaschutz und Klimaanpassung in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern mobilisiert werden. Ob und wann das in Baku beschlossene Ziel zur Klimafinanzierung erreicht wird, bleibt jedoch ungewiss. Und auch, in welchem Ausma\u00df es sich bei den Klimafinanzbeitr\u00e4gen tats\u00e4chlich um zus\u00e4tzliche Aufwendungen handeln wird. Bei der COP30 im brasilianischen Bel\u00e9m blieb die Klimafinanzierung wiederum ein Streitpunkt. Wenngleich das Thema nicht oben auf der Verhandlungsagenda stand, beeinflusste es doch die Debatten und r\u00fcckte ins Zentrum der Diskussion um Klimaanpassung. Derweil steigen die globalen Emissionen weiter. Im vergangenen Jahr erreichten die ausgesto\u00dfenen Treibhausgase einen neuen H\u00f6chststand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Temperatur-Overshoot<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zehn Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens und der Ver\u00f6ffentlichung von\u00a0Laudato si\u2019\u00a0ist die Sorge um das gemeinsame Haus also dr\u00e4ngender denn je. Es zeichnet sich ab, dass die Welt das 1,5\u00b0 C-Ziel \u00fcberschreiten wird. Durch die Verz\u00f6gerungen beim Klimaschutz in den vergangenen Jahrzehnten steuern wir bereits unmittelbar auf ein \u00dcberschie\u00dfen der globalen Temperatur, einen sogenannten\u00a0Overshoot, zu. Die Abschlusserkl\u00e4rung der Weltklimakonferenz in Bel\u00e9m r\u00e4umt die neue Realit\u00e4t eines Temperatur-Overshoots\u00a0erstmalig ein. Um ihr zu begegnen, muss die Weltgemeinschaft ein tragbares Konzept f\u00fcr den Schutz der globalen Gemeinschaftsg\u00fcter entwickeln. Das hei\u00dft, sie muss den Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen wie der Atmosph\u00e4re regulieren, auf deren Gebrauch alle Menschen den gleichen Anspruch haben, die jedoch ohne klare definierte Nutzungsrechte \u00fcbernutzt zu werden drohen.\u00a0Laudato si\u2019\u00a0hat daf\u00fcr einen sozialethischen Kompass bereitgestellt. Schon zu Beginn seines Pontifikates hat Papst Leo XIV. die Impulse seines Vorg\u00e4ngers aufgegriffen und gefragt, wie der reiche Norden seine \u00f6kologischen Schulden abbauen und zugleich den Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern neue Perspektiven erm\u00f6glichen kann. Er fordert eine sozial-\u00f6kologische und global finanzierbare Wende. Damit schl\u00e4gt er ein neues Kapitel der katholischen Soziallehre auf und weist auf die entscheidenden Herausforderungen der internationalen Klimapolitik hin: die Schaffung reziproker Strukturen zur Erm\u00f6glichung von zwischenstaatlicher Kooperation und der Aufbau innovativer Finanzierungsinstrumente.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Klimapolitik und globale Gerechtigkeit<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Begrenzung der Erderw\u00e4rmung darf der Gro\u00dfteil der fossilen Ressourcen nicht verbrannt und muss de facto im Boden versiegelt werden. Denn die Atmosph\u00e4re kann nur noch eine sehr begrenzte Menge an Emissionen aufnehmen, bevor die mit dem Klimaabkommen von Paris festgelegten Temperaturgrenzen \u00fcberschritten werden. Dieses zum aktuellen Zeitpunkt verf\u00fcgbare sogenannte Kohlenstoffbudget \u2013 die verbleibende Aufnahmekapazit\u00e4t der Atmosph\u00e4re f\u00fcr Kohlenstoff \u2013 zur Einhaltung des 1,5\u00b0 C-Ziels ist nahezu aufgebraucht. Je mehr fossile Brennstoffe nun verbrannt werden, desto weiter wird die globale Erderw\u00e4rmung diese Grenze \u00fcbersteigen und desto schwieriger wird es, die Temperaturen langfristig durch die aktive Entnahme von CO2 aus der Atmosph\u00e4re wieder abzusenken. Die Pariser Klimaziele bedeuten also faktisch auch eine Entwertung der Verm\u00f6gen der Besitzer von Kohle, \u00d6l und Gas. Laudato si\u2019 legitimiert einen solchen Eingriff in die staatlichen und privaten Eigentumsrechte (LS 23, bes. 93\u201395), wenn das Gemeinwohl dies erfordert. Denn in der Tradition der Katholischen Soziallehre stellt die Enzyklika die \u201eallgemeine Bestimmung der Erdeng\u00fcter\u201c \u00fcber das Recht auf Privateigentum (vgl. LS 93). Allerdings beantwortet die Enzyklika nicht, wie der in der Atmosph\u00e4re verbleibende Deponieraum aufgeteilt werden soll. Verschiedene Fairness-Prinzipien wie z. B. eine gleichm\u00e4\u00dfige Aufteilung des verbleibenden CO2-Budgets pro Kopf sind denkbar. Doch egal welches Kriterium man ansetzt: Die EU hat ihren \u201egerechten Anteil\u201c l\u00e4ngst aufgebraucht. Zu diesem Ergebnis kommt der Europ\u00e4ische Wissenschaftliche Beirat f\u00fcr Klimawandel (European Scientific Advisory Board on Climate Change, ESABCC) in seinem Bericht zur Festlegung des EU-Klimaziels f\u00fcr das Jahr 2040. Damit stellt sich die Frage, wie internationale Vereinbarungen in der Klimapolitik \u00fcberhaupt gelingen k\u00f6nnen. Der ESABCC schl\u00e4gt vor, die EU solle zus\u00e4tzlich zu ihren heimischen Klimazielen Ma\u00dfnahmen in Drittstaaten finanzieren \u2013 vor allem den Aufbau von permanenten Kohlenstoffsenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Das Kooperationsdilemma der Klimapolitik<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den globalen Klimakonferenzen ist die Abkehr von den fossilen Brennstoffen der zentrale Streitpunkt. Bei der COP30 gelang es nicht, einen gemeinsamen Beschluss zum Umgang mit Kohle, \u00d6l und Gas zu fassen. Das macht einmal mehr deutlich, dass die internationalen Klimaverhandlungen in einer Sackgasse stecken. Das Kernproblem besteht darin, dass kein einzelner Staat allein den Klimawandel abwehren kann. Internationale Vereinbarungen sind jedoch durch Trittbrettfahrerverhalten bedroht. Wenn alle Staaten sich an Vereinbarungen halten, hat jeder gleicherma\u00dfen einen Anreiz, auszuscheren. Antizipieren dies alle Staaten, bedeutet das in der Konsequenz das Scheitern der internationalen Vereinbarungen. Daraus folgt das Paradox der internationalen Klimaverhandlungen: Je notwendiger internationale Abkommen sind und je h\u00f6her die Gewinne aus der Kooperation, desto gr\u00f6\u00dfer sind auch die Gewinne des Trittbrettfahrens und desto unwahrscheinlicher ist das Zustandekommen von Vereinbarungen. Das Pariser Klimaabkommen konnte das Trittbrettfahrer-Problem nicht l\u00f6sen, da es auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Staaten beruht. Auch zehn Jahre nach Paris hat die internationale Klimapolitik noch keinen Ausweg aus dem Kooperationsdilemma gefunden.<\/p>\n<p>Doch eigentlich ist Kooperation im Eigeninteresse der Staaten. Insbesondere die L\u00e4nder mit gro\u00dfen Wirtschaften, die in Summe mehr fossile Brennstoffe importieren als exportieren, profitieren von einer solchen Kooperation \u2013 und ziehen auch direkten Nutzen aus der Finanzierung von Emissionseinsparungen in L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens. Erstens helfen Klimainvestitionen, wo immer sie auch get\u00e4tigt werden, gegen die eskalierenden \u00f6konomischen Klimasch\u00e4den im eigenen Land, denn der Treibhauseffekt macht nicht an Grenzen halt. \u00adW\u00e4hrend der Klimawandel viele tropische L\u00e4nder im Globalen S\u00fcden besonders hart trifft, verzeichnen gerade gro\u00dfe Volkswirtschaften in absoluten Zahlen hohe Verluste durch Klimafolgen. Zweitens birgt eine globale Umstellung auf fossilfreie Technologien gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr Innovationen und Wachstum der heimischen Wirtschaft. Und drittens kann eine Verschiebung der globalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse, weg von der Abh\u00e4ngigkeit von \u00d6l exportierenden L\u00e4ndern, die nationale Souver\u00e4nit\u00e4t und Sicherheit im Bereich der Energieversorgung st\u00e4rken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kooperation, Anreize und Finanzierung<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr eine Verbesserung der Kooperation sind Politikinstru-<br \/>\nmente, die Reziprozit\u00e4t zwischen Staaten schaffen und direkte Anreize f\u00fcr Klimapolitik setzen. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es zwei vielversprechende M\u00f6glichkeiten, die zwischenstaatliche Kooperation zu verbessern. Zum einen kann eine Koalition ambitionierter Staaten Klimaz\u00f6lle gegen L\u00e4nder verh\u00e4ngen, die sich nicht oder nur unzureichend am Klimaschutz beteiligen. Zum anderen k\u00f6nnte sie den Klimaschutz in Drittstaaten durch einen internationalen Finanzausgleich unterst\u00fctzen. Ein solcher Fonds w\u00e4re im Eigeninteresse aller Staaten, weil damit das Trittbrettfahren einged\u00e4mmt wird und die Sch\u00e4den des Klimawandels begrenzt werden.<\/p>\n<p>Klimaz\u00f6lle werden bereits erfolgreich von der EU erprobt. Durch den sogenannten\u00a0Carbon Border Adjustment Mechanism\u00a0(CBAM) wird beim Import CO2-intensiver G\u00fcter k\u00fcnftig eine Abgabe erhoben, wenn die Produkte aus einem Land ohne \u00e4quivalenten CO2-Preis stammen. Das schafft gleiche Wettbewerbsbedingungen und sch\u00fctzt europ\u00e4ische Unternehmen so vor Abwanderungsdruck. Au\u00dferdem ist der CBAM f\u00fcr die Handelspartner der EU ein Anreiz, ebenfalls einen CO2-Preis einzuf\u00fchren, um damit selbst die Einnahmen abzusch\u00f6pfen, die sonst der EU zufallen. Modellrechnungen zeigen, dass eine Klima-Koalition mit CBAM \u2013 verglichen mit einem Alleingang der Europ\u00e4ischen Union \u2013 die globalen Emissionen um ein Vielfaches senken k\u00f6nnte, selbst wenn die USA nicht mitziehen. Und die Realit\u00e4t scheint die Modellrechnungen zu best\u00e4tigen: Bereits die Ank\u00fcndigung des EU-Grenzausgleichs hat Brasilien, Indien und die T\u00fcrkei dazu veranlasst, die Einf\u00fchrung nationaler CO2-Preise im Einklang mit den EU-Vorgaben vorzubereiten. Der CBAM hat also das Potenzial, das Paradox der internationalen Klimaverhandlungen zumindest schrittweise durch den Zusammenschluss einiger ambitionierter Staaten aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Ein zweites wesentliches Element zur Stabilisierung der internationalen Kooperation ist ein internationaler L\u00e4nderfinanzausgleich. Ein Fonds, an dem sich alle Staaten beteiligen, hat sich jedoch in der Vergangenheit als Herausforderung erwiesen. Es braucht also kurzfristige L\u00f6sungen, die auch von einer kleineren L\u00e4nder-Koalition umgesetzt werden k\u00f6nnen. Einem Vorschlag des Potsdam-Instituts f\u00fcr Klimafolgenforschung zufolge k\u00f6nnte sich eine Koalition ambitionierter Staaten dazu verpflichten, ihre \u00d6l- und Gasimporte mit einer Abgabe zu belegen. Erhebt z. B. die EU eine Abgabe auf fossile Importe, generiert sie damit Einnahmen. Diese k\u00f6nnen f\u00fcr die Finanzierung von Klimaschutz in Drittstaaten verwendet werden. Flie\u00dfen die Einnahmen beispielsweise in einen Fonds zur Reduktion der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen \u2013 einen sogenannten Jurisdictional Reward Fund \u2013 hat dies direkte, messbare Nutzen f\u00fcr das Klima. Gleichzeitig w\u00fcrde die Steuer f\u00fcr Konsumentinnen und Konsumenten in der EU de facto keine Mehrbelastung bedeuten, denn durch die Senkung der fossilen Nachfrage fallen die Weltmarktpreise. Zwar besteht die Gefahr, dass sinkende Weltmarktpreise die Nachfrage in anderen L\u00e4ndern so lange steigern, bis sich ein neues Gleichgewicht f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger auf den globalen M\u00e4rkten einstellt. Dieser Carbon-Leakage-Effekt schw\u00e4cht die Wirkung r\u00fcckl\u00e4ufiger Nachfrage ab, verkehrt sie aber unter realistischen Annahmen nicht in das Gegenteil. Denn die Exporteure von \u00d6l und Gas schr\u00e4nken ihr Angebot ein, um die Weltmarktpreise nicht noch weiter zu dr\u00fccken und damit wegen der gesunkenen Nachfrage weitere Einnahmenverluste zu verhindern. Die Reduktion der \u00d6l- und Gasimporte hat au\u00dferdem noch einen weiteren Vorteil: Da ein gro\u00dfer Teil der globalen \u00d6l- und Gasmengen von Russland exportiert wird, mindert die Klimapolitik der EU auch geopolitische Risiken. Wenn n\u00e4mlich durch die Verminderung der \u00d6l- und Gasimporte die Marktpreise sinken, schr\u00e4nkt dies Russlands finanziellen Spielraum f\u00fcr die Aufr\u00fcstung und den Krieg in der Ukraine ein. Alleine aus sicherheitspolitischer Sicht ist die Reduzierung dieser fossilen Importe also im Interesse Europas, und auch L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens k\u00f6nnen von den niedrigen Weltmarktpreisen profitieren. Als Nettoimporteur mit einer gro\u00dfen Volkswirtschaft h\u00e4tte China ebenfalls ein Eigeninteresse daran, sich einer solchen Steuer-Koalition anzuschlie\u00dfen. Tr\u00e4te China der Koalition bei, w\u00fcrde das den Carbon-Leakage-Effekt stark vermindern und so den klimapolitischen Erfolg der Koalition deutlich steigern. Erste Rechnungen zeigen, dass bei einer zus\u00e4tzlichen Besteuerung der \u00d6l- und Gasimporte in der EU und in China in H\u00f6he von umgerechnet 6 Dollar pro Tonne CO2 etwa 0,3 % der weltweiten Emissionen vermieden und j\u00e4hrlich rund 25 Milliarden Dollar mobilisiert werden k\u00f6nnen; durch eine Ausweitung der Bepreisung auf die Kohle k\u00f6nnten zus\u00e4tzlich 41 Milliarden Dollar aufgebracht und \u00ad2,3 % der weltweiten Emissionen vermieden werden.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zur Emissionsvermeidung k\u00f6nnten auch andere \u00f6ffentliche G\u00fcter wie etwa der Schutz der Biodiversit\u00e4t und die Finanzierung von Kohlenstoffsenken \u00fcber eine \u00e4hnliche Steuerkoalition finanziert werden. Als Einnahmequelle daf\u00fcr k\u00e4me die Bepreisung des internationalen Flugverkehrs infrage. Wenn neben der Klimafinanzierung weitere \u00f6ffentliche G\u00fcter mit den Einnahmen aus der Besteuerung von Fl\u00fcgen finanziert werden k\u00f6nnen, besteht auch f\u00fcr jene Staaten ein Anreiz, sich der Koalition anzuschlie\u00dfen, die internationale Klimaverhandlungen bisher eher gebremst haben. Die beteiligten Geberl\u00e4nder w\u00fcrden dabei selbst bestimmen, in welche \u00f6ffentlichen G\u00fcter sie investieren wollen. Ausgezahlt w\u00fcrden die Gelder an L\u00e4nder z. B. f\u00fcr erfolgreiche Emissionsminderungen. Die Auszahlung der Fondsmittel sollte dabei direkt an den Klimafortschritt einer Regierung gekoppelt sein \u2013 beispielsweise an die Einf\u00fchrung eines CO2-Preises in einer bestimmten H\u00f6he. So k\u00f6nnte sichergestellt werden, dass\u00a0Jurisdictional Reward Funds\u00a0zur internationalen Klimafinanzierung tats\u00e4chlich zu mehr Klimaschutz f\u00fchren. Im Gegensatz dazu verdr\u00e4ngen viele international finanzierte Entwicklungsprojekte heimische Projekte und entfalten damit keine zus\u00e4tzliche Wirkung.<\/p>\n<p>Papst Leo XIV. hat bereits angedeutet, wie er die Zukunft der kirchlichen Soziallehre sieht: als Suche nach gangbaren L\u00f6sungen in einer krisengesch\u00fcttelten Zeit. Die Formation einer Klimakoalition zur Finanzierung von Emissionsreduktionen im Globalen S\u00fcden tr\u00e4gt dieser Forderung Rechnung. Sie w\u00fcrde das Kooperationsproblem der internationalen Klimapolitik durch reziproke Strukturen und direkte Nutzen f\u00fcr die beteiligten Staaten aufl\u00f6sen. Und sie k\u00e4me der Forderung von Papst Leo XIV. nach, die \u00f6kologische Entschuldung der Industriel\u00e4nder und die finanzielle Entschuldung der Entwicklungsl\u00e4nder als zwei Seiten einer Medaille zu betrachten. Ein solcher Mechanismus zur internationalen Klimafinanzierung w\u00fcrde so internationale Gerechtigkeit im Sinne der katholischen Soziallehre st\u00e4rken und gleichzeitig einen echten Beitrag zum Schutz der globalen Gemeinschaftsg\u00fcter leisten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Pariser Klimaabkommen einigte sich die Weltgemeinschaft 2015 Jahren auf ein v\u00f6lkerrechtlich verbindliches Ziel zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels: Auf deutlich unter 2\u00b0 C gegen\u00fcber dem vorindustriellen Niveau soll der Anstieg der globalen Mitteltemperatur begrenzt werden, wenn m\u00f6glich sogar auf 1,5\u00b0 C. 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