{"id":127321,"date":"2026-07-08T15:26:52","date_gmt":"2026-07-08T13:26:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=127321"},"modified":"2026-07-08T15:26:56","modified_gmt":"2026-07-08T13:26:56","slug":"die-enzyklika-laudato-si-aus-voelkerrechtlicher-perspektive-umweltvoelkerrecht-zwischen-normativem-anspruch-und-globaler-wirklichkeit","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-enzyklika-laudato-si-aus-voelkerrechtlicher-perspektive-umweltvoelkerrecht-zwischen-normativem-anspruch-und-globaler-wirklichkeit\/","title":{"rendered":"Die Enzyklika Laudato si\u2019 aus v\u00f6lkerrechtlicher Perspektive"},"content":{"rendered":"<p>Die Umwelt-, insbesondere Klimakrise, z\u00e4hlt zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Verlust biologischer Vielfalt, die fortschreitende Erderw\u00e4rmung sowie die zunehmende Zerst\u00f6rung mariner \u00d6kosysteme sind nicht nur \u00f6kologische Probleme, sondern stellen zugleich soziale, \u00f6konomische und menschenrechtliche Herausforderungen dar. Vor diesem Hintergrund ver\u00f6ffentlichte Papst Franziskus im Jahr 2015 seine Enzyklika\u00a0Laudato si\u2019\u00a0(LS), die weit \u00fcber den innerkirchlichen Raum hinaus Aufmerksamkeit erlangte und Diskussionen ausl\u00f6ste. Obwohl die Enzyklika prim\u00e4r an die katholische Kirche und \u201ealle Menschen guten Willens\u201c adressiert ist, enth\u00e4lt sie zugleich eine bemerkenswerte Analyse globaler Umweltprobleme sowie eine deutliche Kritik an politischen und wirtschaftlichen Strukturen. Aus v\u00f6lkerrechtlicher Perspektive ist insbesondere von Interesse, welche Rolle Papst Franziskus dem Staat, der internationalen Staatengemeinschaft und dem Umweltv\u00f6lkerrecht bei der Bew\u00e4ltigung globaler Umweltkrisen zuschreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>(V\u00f6lker-)Rechtliche Steuerungsinstrumente<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Enzyklika entstand zeitgleich mit bedeutenden internationalen Entwicklungen im Umweltv\u00f6lkerrecht. Im September 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit ihren\u00a017 Sustainable Development Goals\u00a0(SDGs), w\u00e4hrend im Dezember desselben Jahres das Pariser Klimaschutz\u00fcbereinkommen beschlossen wurde. Gleichwohl zielte die Enzyklika\u00a0Laudato si\u2019\u00a0nicht prim\u00e4r auf die unmittelbare Beeinflussung dieser Prozesse ab. Vielmehr formuliert sie einen normativen Orientierungsrahmen f\u00fcr den Umgang mit der \u00f6kologischen Krise und verbindet \u00f6kologische Fragen mit sozialer Gerechtigkeit, Demokratie und globaler Verantwortung.<\/p>\n<p>Papst Franziskus diagnostiziert in der Enzyklika eine umfassende \u00f6kologische und soziale Krise. Die Menschheit habe \u201eniemals [\u2026] unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten\u201c (LS 53). Ursache hierf\u00fcr sei insbesondere ein \u00f6konomisches und technokratisches Entwicklungsmodell, das nat\u00fcrliche Ressourcen ausbeute und \u00f6kologische Grenzen missachte. Bemerkenswert ist dabei, dass Papst Franziskus trotz seines Bezugs auf das Anthropoz\u00e4n die L\u00f6sung der Krise nicht allein im wissenschaftlichen Fortschritt sieht. Vielmehr weist er dem Staat und seinen politischen Institutionen eine zentrale Verantwortung zu. Die gesamte Gesellschaft und insbesondere der Staat h\u00e4tten die Pflicht, das Gemeinwohl zu sch\u00fctzen und zu f\u00f6rdern (LS 157). Damit verbindet die Enzyklika \u00f6kologische Verantwortung mit demokratischer Legitimation und rechtsstaatlicher Ordnung.<\/p>\n<p>Besondere Bedeutung misst Papst Franziskus dem Recht als Steuerungsinstrument zu. Rechtliche Regelungen sollen Grenzen zul\u00e4ssigen menschlichen Verhaltens definieren, Umweltzerst\u00f6rung verhindern und Korruption bek\u00e4mpfen. Zugleich kritisiert die Enzyklika bestehende Vollzugsdefizite und das h\u00e4ufige Versagen staatlicher Verwaltungen (LS 177 ff.). Gesetze d\u00fcrften nicht zu \u201etoten Buchstaben\u201c werden. Die Enzyklika bleibt allerdings bewusst offen hinsichtlich der konkreten staatsorganisatorischen und gesetzlich-instrumentellen Ausgestaltung dieser Verantwortung. Stattdessen formuliert sie allgemeine Leitprinzipien einer demokratisch legitimierten und am Gemeinwohl orientierten Umweltpolitik (LS 163 ff.).<\/p>\n<p>Die zentrale v\u00f6lkerrechtliche Aussage der Enzyklika liegt in der Diagnose eines Mangels an \u201eglobalen Rahmenbestimmungen\u201c (LS 173). Papst Franziskus kritisiert internationale Verhandlungsprozesse als h\u00e4ufig ineffektiv und fordert st\u00e4rkere globale Regelungsstrukturen zum Schutz der Umwelt. Diese Kritik bildet den Ausgangspunkt f\u00fcr die im Folgenden zu untersuchende Frage, ob das bestehende Umweltv\u00f6lkerrecht tats\u00e4chlich geeignet ist, globale Umweltprobleme wirksam zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Fortentwicklung des Umweltv\u00f6lkerrechts<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Entwicklung des Umweltv\u00f6lkerrechts hat in den letzten drei Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Seit der Rio-Konferenz 1992, auf<br \/>\nder drei zentrale Umweltkonventionen \u2013 Klimarahmenkonvention, Biodiversit\u00e4tskonvention und Desertifikationskonvention \u2013 unterzeichnet wurden, ist insbesondere das Umweltv\u00f6lkervertragsrecht quantitativ und qualitativ angewachsen. Ein zentrales Schlaglicht f\u00e4llt dabei auf das internationale Klimaschutzrecht, insbesondere auf das Pariser \u00dcbereinkommen von 2015. Dieses verfolgt das Ziel, den globalen Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad Celsius zu halten und Anstrengungen zur Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius zu unternehmen. Es konkretisiert damit das Ziel der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) von 1992, \u201edie Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosph\u00e4re auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gef\u00e4hrliche anthropogene St\u00f6rung des Klimasystems verhindert wird\u201c (Art. 1 UNFCCC). Anders als das die Klimarahmenkonvention erg\u00e4nzende und 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll enth\u00e4lt das Pariser \u00dcbereinkommen jedoch keine verbindlichen Emissionsminderungsquoten, sondern basiert auf einem \u201epledge-and-review\u201c-Mechanismus. Die Vertragsstaaten legen nationale Klimaschutzbeitr\u00e4ge fest und \u00fcberpr\u00fcfen diese regelm\u00e4\u00dfig. Dieses Modell erm\u00f6glicht zwar breite internationale Beteiligung, f\u00fchrt jedoch zugleich zu erheblichen Defiziten hinsichtlich der Verbindlichkeit und Durchsetzung des \u00dcbereinkommens und seiner Ziele. Bislang reichen die bisher an das UNFCCC-Sekretariat gemeldeten nationalen Beitr\u00e4ge nicht aus, um die vereinbarten Klimaziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Versagt insoweit das Pariser \u00dcbereinkommen instrumentell, um die in ihm festgelegten internationalen Klimaziele zu erreichen? J\u00fcngst zeigt sich eine zunehmende Dynamik gerichtlicher Rechtsfortbildung in Klimaangelegenheiten. Hervorzuheben ist insbesondere das Klimagutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) vom Juli 2025. Der Gerichtshof interpretiert das Pariser \u00dcbereinkommen dahingehend, dass die Vertragsstaaten sich selbst dazu bekannt und in den Jahren nach 2015 dazu verpflichtet haben, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dar\u00fcber hinaus erkennt der IGH Klimaschutz als v\u00f6lkergewohnheitsrechtliche Verpflichtung f\u00fcr alle Staaten an \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie die internationalen Klimakonventionen ratifiziert haben. Daraus k\u00f6nnen nicht nur Schutz- und Anpassungspflichten, sondern auch internationale Sorgfalts- und Haftungspflichten folgen. Obwohl das Gutachten formal nicht bindend ist, erzeugt es eine erhebliche Bedeutung f\u00fcr die Auslegung internationaler Verpflichtungen und wirkt sich auf die Rechtsprechung internationaler und nationaler Gerichte aus.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung korrespondiert mit einer zunehmenden Rolle nationaler und internationaler Gerichte im Klimaschutzrecht. Besonders pr\u00e4gend war und ist der Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 24. M\u00e4rz 2021. Das Gericht leitete hierin aus dem in Art. 20a GG verankerten Staatsziel Umweltschutz eine Verpflichtung des Staates zum Klimaschutz und zur Herstellung von Klimaneutralit\u00e4t ab. Hervorgehoben wurde insbesondere die intertemporale Dimension der Freiheitsrechte: Klimaschutz d\u00fcrfe nicht einseitig zulasten zuk\u00fcnftiger Generationen aufgeschoben werden. Auch der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte hat mit seiner Entscheidung in der Sache \u201eKlimaseniorinnen\u201c vom 9. April 2024 die Verbindung zwischen Klimaschutz und Menschenrechten weiter gest\u00e4rkt. Der Gerichtshof erkannte an, dass unzureichende staatliche Klimaschutzma\u00dfnahmen die Rechte aus Art. 8 EMRK verletzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Biodiversit\u00e4tsschutz als weiteres v\u00f6lkerrechtliches Schlaglicht<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben dem Klimaschutz bildet der Biodiversit\u00e4tsschutz ein weiteres zentrales Feld des Umweltv\u00f6lkerrechts. Das \u00dcbereinkommen \u00fcber die biologische Vielfalt\u00a0(kurz: Biodiversit\u00e4tskonvention, CBD) von 1992 verfolgt die Ziele der Erhaltung biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung sowie des gerechten Vorteilsausgleichs aus genetischen Ressourcen. Gleichwohl zeigt sich auch hier ein erhebliches Umsetzungsdefizit. Die sogenannten\u00a0Aichi-Ziele\u00a0(Aichi Biodiversity Targets) aus dem Jahr 2010, die bis 2020 erreicht werden sollten, wurden weitgehend verfehlt: Kein einziges der 20 Ziele wurde vollst\u00e4ndig umgesetzt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund gewann der Globale Biodiversit\u00e4tsrahmen (Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework, GBF) von 2022 besondere Bedeutung. Die Rahmenvereinbarung enth\u00e4lt vier langfristige Ziele bis 2050 sowie 23 Handlungsziele bis 2030. Hervorzuheben ist insbesondere das \u201e30 by 30\u201c-Ziel, wonach bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresfl\u00e4chen unter Schutz gestellt werden sollen. Obwohl das GBF rechtlich nicht verbindlich ist, entfaltet es dennoch erhebliche politische Steuerungswirkungen. Teilweise wurden seine Zielvorgaben bereits in verbindliches Recht umgesetzt, etwa durch die Wiederherstellungsverordnung der Europ\u00e4ischen Union aus dem Jahr 2024. Hier zeigt sich eine bemerkenswerte Verschiebung innerhalb des Umweltv\u00f6lkerrechts: V\u00f6lkerrechtlich nicht bindendes sogenanntes Soft Law \u2013 hier das GBF \u2013 entwickelt faktische Steuerungswirkungen, indem unterzeichnende Staaten unverbindliche Ziele in verbindliche Regelwerke umsetzen. Soft Law entfaltet somit eine faktische Bindungswirkung, die in ihrer Bedeutungsreichweite zum Teil \u00fcber diejenige klassischer v\u00f6lkerrechtlicher Vertr\u00e4ge hinausgeht.<\/p>\n<p>Eine besondere Dynamik weist derzeit der Meeresnaturschutz auf. Das 2023 verabschiedete\u00a0Hochseeschutzabkommen der Vereinten Nationen\u00a0(UN-Hochseeschutzabkommen) gilt als bedeutendster Fortschritt des marinen Umweltv\u00f6lkerrechts der vergangenen Jahre. Es konkretisiert das 1994 in Kraft getretene\u00a0Seerechts\u00fcbereinkommen der Vereinten Nationen\u00a0(United Nations Convention on the Law of the Sea, UNCLOS). Ziel des UN-Hochseeschutzabkommens ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung biologischer Vielfalt in Gebieten au\u00dferhalb nationaler Hoheitsgewalt, mit anderen Worten auf der Hohen See bzw. in internationalen Gew\u00e4ssern (Biodiversity Beyond National Jurisdiction, BBNJ). Das Abkommen enth\u00e4lt Regelungen \u00fcber Meeresschutzgebiete, Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen, die faire Nutzung von Ressourcen und den gerechten Vorteilsausgleich aus marinen genetischen Ressourcen sowie zur internationalen Unterst\u00fctzung und Zusammenarbeit. Im Unterschied zu vielen anderen Bereichen des Umweltv\u00f6lkerrechts zeigt sich hier eine tats\u00e4chliche Fortentwicklung verbindlicher v\u00f6lkerrechtlicher Normen.\u00a0Der internationale Seegerichtshof (ITLOS) hat die meeresumweltsch\u00fctzenden Regelungen ebenfalls konkretisiert und erg\u00e4nzt: In seinem Gutachten 2024 stellte er fest, dass anthropogene Treibhausgas\u00ademissionen, die in die Atmosph\u00e4re gelangen und sp\u00e4ter von den Ozeanen aufgenommen werden, als Verschmutzung der Meeresumwelt im Sinne des UN-Seerechts\u00fcbereinkommens gelten. Hieraus resultieren umfangreiche Schutzpflichten der Staaten, insbesondere zur Verhinderung und Verringerung dieser Verschmutzung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Menschenrechtliche Dimension<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gewinnt auch die menschenrechtliche Dimension des Umweltv\u00f6lkerrechts zunehmend an Bedeutung. Das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt wurde inzwischen durch Resolutionen der UN-Generalversammlung anerkannt und findet zunehmend Eingang in internationale Rechtsprechung. Sowohl der Interamerikanische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte als auch der IGH betonen inzwischen die enge Verbindung zwischen Umweltqualit\u00e4t und Menschenrechtsschutz. Zwar fehlt bislang ein universell verbindliches Umweltgrundrecht, doch deutet die Entwicklung auf eine fortschreitende Verrechtlichung \u00f6kologischer Schutzpflichten hin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Neue Herausforderungen<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insgesamt zeigt sich ein ambivalentes Bild des Umweltv\u00f6lkerrechts. Einerseits bleibt die Weiterentwicklung verbindlicher v\u00f6lkerrechtlicher Vertr\u00e4ge h\u00e4ufig schleppend und bestehende Verpflichtungen werden vielfach unzureichend umgesetzt. Andererseits gewinnen Soft Law, V\u00f6lkergewohnheitsrecht und gerichtliche Rechtsfortbildung zunehmend an Bedeutung. Gerichte entwickeln neue Schutzpflichten, konkretisieren internationale Verpflichtungen und st\u00e4rken die Durchsetzbarkeit \u00f6kologischer Interessen. Zugleich wird deutlich, dass ohne zivilgesellschaftlichen Druck wesentliche Fortschritte kaum erreichbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Dennoch kann im Jahr 2026 nicht verschwiegen werden, dass internationale Klima- und Biodiversit\u00e4tsziele drohen, verfehlt zu werden. Die USA haben Anfang 2026 den Ausstieg aus 66 internationalen Organisationen und Abkommen, darunter die Klimarahmenkonvention und das Pariser \u00dcbereinkommen, veranlasst. Ist die internationale regelbasierte Ordnung, deren Kern das V\u00f6lkerrecht bildet, noch von Bedeutung?<\/p>\n<p>Die Antwort lautet: Ja. Die gro\u00dfe Mehrzahl von Staaten befolgt das V\u00f6lkerrecht und insbesondere das Umweltv\u00f6lkerrecht weiterhin. J\u00fcngst konnten zudem L\u00fccken geschlossen werden, wie das im Januar 2026 in Kraft getretene UN-Hochseeschutzabkommen zeigt. Hauptproblem des Umweltv\u00f6lkerrechts bleibt aber dessen Um- und Durchsetzung.<\/p>\n<p>Insgesamt kann dennoch ein Funktionieren des Maschinenraums des Umweltv\u00f6lkerrechts konstatiert werden: Die Arbeit auf Vertragsstaatenkonferenzen sowie auf EU- und nationalen Ebenen wird trotz geopolitischer<br \/>\nHerausforderungen fortgef\u00fchrt. Dies spiegelt sich auch in der\u00a0Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030\u00a0(NBS 2030) wider: Diese orientiert sich in ihren Zielsetzungen am GBF. Zugleich zielt sie auf die Umsetzung und Weiterentwicklung internationaler Abkommen zum Biodiversit\u00e4tsschutz und die F\u00f6rderung von Synergien zwischen<br \/>\nden Abkommen und der NBS 2030.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Ausblick<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Perspektivisch bedarf es angesichts zunehmender Bedrohungen zudem einer st\u00e4rkeren Verkn\u00fcpfung von Sicherheits- und Umweltpolitik: Klima- und Biodiversit\u00e4tspolitik ist Sicherheitspolitik. Hier besteht Fortentwicklungsbedarf auf allen politischen Ebenen. Die vorstehende Kurzanalyse best\u00e4tigt damit zentrale Einsichten der Enzyklika\u00a0Laudato si\u2019. Die \u00f6kologische Krise erfordert nicht nur technologische Innovationen, sondern auch politische Verantwortung, internationale Kooperation und rechtliche Steuerungsf\u00e4higkeit. Das Umweltv\u00f6lkerrecht ist dabei keineswegs bedeutungslos oder \u201ezahnlos\u201c. Seine Wirksamkeit h\u00e4ngt jedoch zunehmend von der Verbindung unterschiedlicher normativer Ebenen ab: verbindlichem Vertragsrecht, Soft Law, gerichtlicher Rechtsfortbildung und gesellschaftlichem Engagement. Gerade in diesem Zusammenspiel liegt m\u00f6glicherweise die entscheidende Dynamik zuk\u00fcnftiger \u00f6kologischer Transformation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Umwelt-, insbesondere Klimakrise, z\u00e4hlt zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. 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