{"id":127323,"date":"2026-07-08T15:34:47","date_gmt":"2026-07-08T13:34:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=127323"},"modified":"2026-07-09T14:12:01","modified_gmt":"2026-07-09T12:12:01","slug":"laudato-si-als-zaesur-im-umweltwendejahr-2015-zur-bedeutung-der-faktoren-kirche-und-religion-aus-zivilgesellschaftlicher-sicht","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/laudato-si-als-zaesur-im-umweltwendejahr-2015-zur-bedeutung-der-faktoren-kirche-und-religion-aus-zivilgesellschaftlicher-sicht\/","title":{"rendered":"Laudato si\u2019 als Z\u00e4sur im Umweltwendejahr 2015"},"content":{"rendered":"<p>Die Umweltbem\u00fchungen der Kirchen reichen weit zur\u00fcck. Bereits 1975 setzte die Vollversammlung des Weltkirchenrats in Nairobi mit dem Leitwort einer \u201egerechten, partizipatorischen und nachhaltigen Gesellschaft\u201c ein fr\u00fches Signal. Dennoch entfaltete kein kirchliches Dokument eine vergleichbare politische Dynamik wie die Enzyklika\u00a0Laudato si\u2019\u00a0von Papst Franziskus im Jahr 2015.<\/p>\n<p>Aus Sicht eines Umweltverbandes markierte das Jahr 2015 eine historische Wegmarke. Noch vor der offiziellen Vorstellung der Enzyklika reagierte der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf den bekannt gewordenen Entwurf mit der Einsch\u00e4tzung, das Schreiben sei ein Weckruf zum Ausstieg aus Kohle, \u00d6l und Gas. In einer Situation, in der die Bundesregierung Fracking vorantrieb und sich einem Kohleausstieg verweigerte, setzte die Enzyklika ein deutliches Signal zugunsten erneuerbarer Energien.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend l\u00e4sst sich feststellen, dass viele positive Entwicklungen folgten. Der Beschluss zum Kohleausstieg bis sp\u00e4testens 2038 \u2013 so wie es sich aktuell abzeichnet gegebenenfalls auch deutlich fr\u00fcher \u2013 und die Rettung der verbliebenen Reste des Hambacher Waldes stehen exemplarisch f\u00fcr diese Erfolge. Vor allem international waren 2015 der G7-Gipfel in Elmau mit einem klaren Bekenntnis zum Klimaschutz, die Verabschiedung der\u00a0Sustainable Development Goals\u00a0in New York im Sommer 2015, sowie der Klimagipfel von Paris im Dezember mit der Zielmarke von deutlich unter zwei Grad, m\u00f6glichst 1,5 Grad Zeichen f\u00fcr eine politische Neujustierung. Vor allem das 1,5-Grad-Ziel war ein Erfolg, mit dem niemand wirklich gerechnet hat. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wissenschaft betonten wiederholt, dass die Enzyklika entscheidend zur Verst\u00e4ndigung in Paris beigetragen habe. Der Vatikan wurde als klimapolitischer Akteur wahrgenommen und als Mit-Erm\u00f6glicher globaler Vereinbarungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Theologische Neuausrichtung und Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr Verb\u00e4nde<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inhaltlich zieht sich durch\u00a0Laudato si\u2019\u00a0eine klare Linie: die enge Beziehung zwischen der Verwundbarkeit des Planeten und der Situation der Armen, die Verschr\u00e4nkung von Umwelt-, Gerechtigkeits- und Armutsfragen, die Kritik an einem einseitigen Wachstumsverst\u00e4ndnis sowie die Suche nach einem anderen Begriff von Fortschritt. Diese Perspektiven boten f\u00fcr Umweltverb\u00e4nde substanzielle Ankn\u00fcpfungspunkte.<\/p>\n<p>1996 hat der BUND gemeinsam mit Misereor die Studie\u00a0Zukunftsf\u00e4higes Deutschland\u00a0ver\u00f6ffentlicht. Zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter, im Oktober 2008, erschien die Nachfolgestudie\u00a0Zukunftsf\u00e4higes Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Ansto\u00df zur gesellschaftlichen Debatte, die vom BUND gemeinsam mit Brot f\u00fcr die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst herausgegeben wurden. Beide Studien haben erhebliche Kontroversen ausgel\u00f6st, unter denen vor allem die kirchlichen Organisationen zu leiden hatten. Boykottaufrufe der Misereor-Fastenaktion unter anderem durch den Bayerischen Bauernverband und massive Kritik von Vertretern der Chemischen Industrie, aber auch aus kirchlichen Kreisen selbst, zeigten, wie umstritten die Verbindung von \u00f6kologischer und sozialer Frage war. 2024 ver\u00f6ffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz die Studie\u00a0Ern\u00e4hrungssicherheit, Klimaschutz und Biodiversit\u00e4t: Ethische Perspektiven f\u00fcr die globale Landnutzung, die erneut ein Umdenken in der Landwirtschaft in Richtung \u00d6kologie und Gemeinwohlorientierung forderte. Auch sie rief viel Kritik vor allem seitens der Landwirtschaft hervor, es zeigte sich jedoch eine ver\u00e4nderte Lage: Die Kritik blieb weniger wirksam, da sich Viele den Forderungen anschlossen. Diese Verschiebung ist ohne die Vorarbeit der Enzyklika kaum erkl\u00e4rbar.<\/p>\n<p>Einen weiteren gravierenden Unterschied gab es zwischen den Studien zum\u00a0Zukunftsf\u00e4higen Deutschland\u00a0und der Studie der Deutschen Bischofskonferenz: 2024 lief die Emp\u00f6rungswelle vor allem \u00fcber Socialmedia-Plattformen und das ist gef\u00e4hrlicher als fr\u00fcher, da Fakten angezweifelt, Algorithmen nicht offengelegt werden und Personen teilweise unter der G\u00fcrtellinie angegriffen werden. Das vergiftet das gesellschaftliche Klima und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Desinformationskampagnen sind Angriffe auf die Demokratie und glaubw\u00fcrdige Akteure mit dem Ziel, sie zu diskreditieren. Oftmals wurden gerade in den letzten Jahren Verb\u00e4nde in ein schlechtes Licht ger\u00fcckt, obwohl sie oftmals \u2013 teilweise ehrenamtlich \u2013 Leistungen erbringen, die der Staat nicht \u00fcbernimmt. Wir leben in einer polarisierten Gesellschaft und in dieser Zeit ist die Kirche gefragter denn je, denn sie kann \u2013 teilweise mit der Zivilgesellschaft \u2013 R\u00e4ume f\u00fcr den Diskurs \u00f6ffnen und Menschen vor Ort zusammenbringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Konfliktgeschichte und Ann\u00e4herung der Umweltbewegung mit den Kirchen<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Historisch entwickelte sich die Umweltbewegung nur teilweise im Schutz der Kirchen. Oftmals stie\u00dfen kirchliche Akteure h\u00e4ufig erst sp\u00e4ter hinzu. Zahlreiche Gro\u00dfprojekte wurden mit kirchlichem Segen eingeweiht, w\u00e4hrend engagierte Geistliche, die Kritik \u00e4u\u00dferten, politischem Druck ausgesetzt waren. Ein Beispiel ist die Auseinandersetzung um den Rhein-Main-Donau-Kanal Anfang der 1980er Jahre, bei der kirchliche Kritik auf massiven Widerstand stie\u00df. Erst im Kontext der Friedens- und Anti-Atombewegung intensivierte sich insbesondere mit der evangelischen Kirche die Zusammenarbeit. Die katholische Kirche folgte zur\u00fcckhaltender. Viele Umweltengagierte blieben ihrer Kirche innerlich verbunden, auch wenn sie zeitweise Distanz suchten.<\/p>\n<p>Ursache f\u00fcr diese Ber\u00fchrungs\u00e4ngste war unter anderem ein \u00fcberkommenes Verst\u00e4ndnis des biblischen Sch\u00f6pfungsauftrags. Die Enzyklika korrigierte dies ausdr\u00fccklich: In den Abschnitten 66 und 67 weist sie die Deutung zur\u00fcck, aus dem \u201eSich-Untertan-Machen\u201c der Erde eine absolute Herrschaft \u00fcber die Sch\u00f6pfung abzuleiten. Stattdessen wird das \u201eBebauen und H\u00fcten\u201c als verantwortliche Wechselseitigkeit interpretiert. Damit wird eine theologische Grundlage gelegt, die den Anliegen der Umweltbewegung entspricht, die sich seit Jahrzehnten auf die Bewahrung der Sch\u00f6pfung beruft.<\/p>\n<p>Mit der Ver\u00f6ffentlichung von\u00a0Laudato si\u2019\u00a0entstand eine neue Dynamik. In Gemeinden fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, die Auseinandersetzung war breit. F\u00fcr viele, die in den 1980er Jahren etwa in Wackersdorf gegen Atomenergie demonstrierten und daf\u00fcr kirchliche Kritik erfuhren, bedeutete die Enzyklika eine sp\u00e4te Anerkennung f\u00fcr ihr Engagement gegen Atomenergie. Biografische Br\u00fcche konnten zumindest teilweise heilen. Das Interesse von Verb\u00e4nden an kirchlicher Zusammenarbeit wuchs, gemeinsame Veranstaltungen und Beitr\u00e4ge nahmen zu. Gleichwohl blieb der gro\u00dfe institutionelle Durchbruch der Enzyklika aus. Erwartungen, dass in einer hierarchischen Institution wie der katholischen Kirche eine p\u00e4pstliche Enzyklika bis in die Ortskirchen hinein durchschl\u00e4gt, erf\u00fcllten sich nur begrenzt. Mittlere Verwaltungsebenen, Hierarchiedenken und die Sorge, politisch vereinnahmt zu werden, wirkten bremsend. Die Enzyklika wurde teilweise als politisch \u201elinks\u201c etikettiert. In Predigten und Liturgie blieb ihre systemische Kritik h\u00e4ufig randst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Wirkungsgeschichte und kirchliche Folgepapiere<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wirkungsgeschichte beschr\u00e4nkt sich nicht auf das Jahr 2015. Wissenschaftliche Kreise f\u00fchlten sich ernst genommen, kirchliche Beratungsgremien arbeiteten mit Expertinnen und Experten zusammen. Zustimmende Kommentare in renommierten Fachzeitschriften unterstrichen die Relevanz. Auch auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz und ihrer wissenschaftlichen Arbeitsgruppen entstanden zahlreiche hervorragende Dokumente zu Boden, Klimaschutz, Biodiversit\u00e4t, Wachstumskritik und sozial-\u00f6kologischer Transformation. Allen voran hat sich die Deutsche Bischofskonferenz 2018 mit der Arbeitshilfe Sch\u00f6pfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag zehn konkrete Handlungsempfehlungen zu \u00d6kologie und nachhaltiger Entwicklung f\u00fcr die Praxis in den Bist\u00fcmern gegeben. Diese verbinden entsprechend dem Auftrag der Enzyklika Aspekte des Umweltschutzes und der integralen Entwicklung des Menschen. Die Handlungsempfehlungen ber\u00fchren Angelegenheiten der Pastoral, des di\u00f6zesanen Verwaltungshandelns und des gesellschaftspolitischen Engagements. An dieser Arbeitshilfe wird sich die Kirche messen lassen m\u00fcssen. Insgesamt erleichterten diese Papiere die Zusammenarbeit mit Umweltverb\u00e4nden und schufen argumentative Grundlagen f\u00fcr gemeinsame Positionsbestimmungen.<\/p>\n<p>Die gesellschaftliche Gro\u00dfwetterlage ver\u00e4nderte sich jedoch rasch. Nach einer Phase starker Mobilisierung zum Beispiel durch Fridays-for-Future folgten Corona-Pandemie, mit dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine und dem Wahlgewinn von Donald Trump geopolitische Umbr\u00fcche und ein sp\u00fcrbarer Rollback in Klima- und Naturschutzfragen. Digitale Plattformen befeuern Polarisierung, Desinformationskampagnen und Angriffe auf faktenbasierte Politik. Ein br\u00f6ckelnder Konsens \u00fcber wissenschaftliche Grundlagen und regelbasierte Ordnung erschwert sachliche Debatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kirche als Akteur in polarisierten Zeiten<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer polarisierten Gesellschaft kommt der Kirche eine besondere Rolle zu. Sie ist durch Gottesdienst, religi\u00f6se Unterweisung und Diakonie ein zentraler Bestandteil der Zivilgesellschaft. Sie kann R\u00e4ume f\u00fcr Diskurs \u00f6ffnen, niedrigschwellige Angebote machen und unterschiedliche Milieus erreichen.<\/p>\n<p>Biblischer Auftrag hei\u00dft auch, auf die Ver\u00e4nderung der Wirtschafts- und Konsumstrukturen einzuwirken und die politischen Entscheidungsm\u00f6glichkeiten offenzulegen bzw. sich selbst politisch zu engagieren. Die Kirchen als Institution m\u00fcssen diesen Wandel mit vorbereiten, begleiten und dazu ermutigen. Den Kirchen kommt bei dieser Bewusstseinsbildung der breiten Bev\u00f6lkerung eine Schl\u00fcsselrolle zu. Die Kirche steht in der Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung und muss diese Verantwortung auch \u00f6ffentlich geltend machen. Es ist deshalb die Kirche aufgefordert, nur einen echten Fortschritt, der nicht zu Lasten kommender Generationen geht, aktiv zu unterst\u00fctzen. Kirchen k\u00f6nnen dabei den Gedanken der \u201eEinen Welt\u201c \u2013 die Umwelt ist die Mitwelt \u2013 besonders gut in die internationale Umweltdebatte einbringen, weil sie als Weltkirchen st\u00e4rker international verankert sind als die Umweltbewegung.\u00a0Die Sorge f\u00fcr das gemeinsame Haus\u00a0hei\u00dft der Untertitel der Enzyklika. Das Haus ist ein gemeinsames. Es l\u00e4sst sich nicht trennen vom Rest der Welt \u2013 durch Grenzen oder Milit\u00e4r.<\/p>\n<p>Die Verkn\u00fcpfung von \u00f6kologischer und sozialer Frage bleibt dabei zentral. In Abschnitt 49 betont Laudato si\u2019, dass ein wirklich \u00f6kologischer Ansatz immer ein sozialer Ansatz ist, der die Klage der Armen ebenso h\u00f6rt wie die Klage der Erde. Umweltzerst\u00f6rung ist keine isolierte Frage, sondern existenziell mit Lebensbedingungen und Gerechtigkeit verbunden. Diese Perspektive ist konkret erfahrbar, insbesondere im l\u00e4ndlichen Raum. Partnerschaften zwischen Kirche, Landwirtschaft, Naturschutz, Handwerk und Wasserwirtschaft k\u00f6nnen Konflikte \u00fcberwinden und regionale Wertsch\u00f6pfung st\u00e4rken. Beispiele wie verschiedene Kooperationsprojekte des BUND Naturschutz mit dem Bauernverband im Landkreis Rh\u00f6n-Grabfeld zum biodiversit\u00e4tsf\u00f6rdernden Aufbau von Hecken, Solit\u00e4rb\u00e4umen oder Bl\u00fchmischungen als Ersatz f\u00fcr Mais, zeigen, dass glaubw\u00fcrdige Schritte m\u00f6glich sind, wenn Rahmenbedingungen stimmen.<\/p>\n<p>Kirchliche Einrichtungen tragen eine eigene Verantwortung. Kirchlicher Grundbesitz und kirchliche Finanzmittel sollten vorbildhaft f\u00fcr die Erhaltung der Sch\u00f6pfung eingesetzt werden. Nachhaltige Beschaffung, \u00f6kologische Waldnutzung, langfristige Kooperationen mit Naturschutzverb\u00e4nden und Umweltmanagementsysteme in Gemeinden sind konkrete Ausdrucksformen von Sch\u00f6pfungsverantwortung. Sie st\u00e4rken die \u00f6kosoziale Wirtschaft und erh\u00f6hen die Glaubw\u00fcrdigkeit kirchlichen Handelns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Zwischenbilanz und offene Fragen<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotz zahlreicher Initiativen bleibt festzuhalten: Der gro\u00dfe Ruck, der zu strukturellen Ver\u00e4nderungen in der Breite h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen, blieb aus. Entscheidend w\u00e4re gewesen, die Inhalte der Enzyklika systematisch in Liturgie, Predigt und Katechese zu integrieren und so Bewusstseinsbildung zu leisten. Gleichzeitig bleibt die Grundbotschaft aktuell. Die Kirche ist aufgerufen, nicht nur karitativ zu handeln, sondern strukturelle Ursachen von Armut und Umweltzerst\u00f6rung zu benennen. Ein authentischer Glaube, so formuliert es\u00a0Evangelii Gaudium, schlie\u00dft den Wunsch ein, die Welt zu ver\u00e4ndern und etwas<br \/>\nBesseres zu hinterlassen.<\/p>\n<p>Hoffnung gr\u00fcndet sich auf Kontinuit\u00e4t. Der neue Papst Leo XIV. steht in der Tradition seines Vorg\u00e4ngers und setzt mit der Umwandlung der p\u00e4pstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo zu dem \u00f6kosozialen Lehr- und Versuchs\u00adprojekt\u00a0Borgo Laudato si\u2019\u00a0ein Zeichen f\u00fcr eine \u00f6kologische Umkehr. Auch Bischofskonferenzen aus Afrika, Asien und Lateinamerika fordern mehr Umweltgerechtigkeit und verweisen auf die globale Verantwortungsgemeinschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Lokale Verantwortung in globalen Krisen<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was hervorzuheben ist, sind viele Nachhaltigkeits-Initiativen auf der lokalen Ebene der Kirchengemeinden. Die Enzyklika hat vielen umweltbewegten Christen den R\u00fccken gest\u00e4rkt. Artenverlust und Klimakrise sind vor Ort sp\u00fcrbar. Kirche und Verb\u00e4nde sind vor Ort pr\u00e4sent. Hier kann ein neuer Aufbruch ansetzen, der Umwelt- und Klimaschutz aus der Mitte der Gesellschaft heraus als Bewahrung der Lebensgrundlagen versteht, nicht als Kulturkampfthema. \u201eDie Sorge f\u00fcr das gemeinsame Haus\u201c benennt eine Realit\u00e4t: Dieses Haus ist unteilbar. Grenzen oder milit\u00e4rische Abschottung bieten keinen Schutz vor \u00f6kologischen Krisen. Die \u00f6kologische und die soziale Frage sind untrennbar. Wir leben in einer globalen Verantwortungsgemeinschaft, das sp\u00fcren wir tagt\u00e4glich neu durch die Krisen in dieser Welt und die Auswirkungen auf unser t\u00e4gliches Leben.<\/p>\n<p>Zehn Jahre nach Laudato si\u2019 zeigt sich: Die Enzyklika war Impulsgeberin in einem historischen Moment. Laudato si\u2019 hat das \u201eUmweltwendejahr 2015\u201c mit den politischen Bekenntnissen und Abkommen, wie den SDGs oder dem Klimaabkommen von Paris, erst m\u00f6glich gemacht. Die zentrale Botschaft bleibt handlungsleitend. In Zeiten gesellschaftlicher Spaltung sind belastbare B\u00fcndnisse zwischen Kirche und Zivilgesellschaft wichtiger denn je. Wenn es gelingt, die vorhandenen kirchlichen Papiere st\u00e4rker in \u00f6ffentliche Debatten einzubringen, institutionelle Ressourcen konsequent nachhaltig auszurichten und die Verbindung von Gerechtigkeit und \u00d6kologie glaubw\u00fcrdig zu leben, kann die Kirche ihrer Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung gerechter werden.<\/p>\n<p>Einer der abschlie\u00dfenden S\u00e4tze der Enzyklika ist zugleich Auftrag und Ermutigung: Die Sorge um diesen Planeten darf die Freude und Hoffnung nicht nehmen. Diese Hoffnung speist sich aus konkretem Handeln, aus Kooperation und aus dem Willen, strukturelle Ver\u00e4nderungen anzugehen. Aus zivilgesellschaftlicher Sicht bleibt die Kirche ein unverzichtbarer Partner, wenn sie bereit ist, diese Rolle entschlossen wahrzunehmen.\u00a0<img decoding=\"async\" src=\"debatte_2_2026_31_LINKS-web-resources\/image\/1.png\" alt=\"\" \/><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Umweltbem\u00fchungen der Kirchen reichen weit zur\u00fcck. Bereits 1975 setzte die Vollversammlung des Weltkirchenrats in Nairobi mit dem Leitwort einer \u201egerechten, partizipatorischen und nachhaltigen Gesellschaft\u201c ein fr\u00fches Signal. Dennoch entfaltete kein kirchliches Dokument eine vergleichbare politische Dynamik wie die Enzyklika\u00a0Laudato si\u2019\u00a0von Papst Franziskus im Jahr 2015. 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