{"id":127332,"date":"2026-07-08T15:50:18","date_gmt":"2026-07-08T13:50:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?post_type=media-library&#038;p=127332"},"modified":"2026-07-09T11:54:29","modified_gmt":"2026-07-09T09:54:29","slug":"musik-und-religion-als-impuls-fuer-den-gesellschaftlichen-wandel","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/musik-und-religion-als-impuls-fuer-den-gesellschaftlichen-wandel\/","title":{"rendered":"Musik und Religion als Impuls  f\u00fcr den gesellschaftlichen Wandel"},"content":{"rendered":"<p>Musik und Religion sind zutiefst menschlich: Bevor die ersten D\u00f6rfer und St\u00e4dte entstanden, baute der Mensch vor rund 11.000 Jahren erstmal Tempel. Die \u00e4ltesten Musikinstrumente, die uns erhalten sind, sind \u00fcber 35.000 Jahren alt, Fl\u00f6ten aus Schwanenknochen, gefunden auf der Schw\u00e4bischen Alb \u2013 Deutschland war damals schon Musikland!<\/p>\n<p>Die Neurowissenschaft und die Pal\u00e4omusikologie zeigen uns inzwischen, dass Musik und Sprache sich beim Menschen gleichzeitig entwickelt haben, wom\u00f6glich ist Musikalit\u00e4t sogar die Bedingung f\u00fcr die Sprachentwicklung gewesen. Das ist wichtig zu verstehen: Musik ist nicht \u201enice-to-have\u201c, sie ist keine verzichtbare Zusatzaktivit\u00e4t, Musik ist im Zentrum des Menschseins, ist etwas, das uns definiert.<\/p>\n<p>Das Feld ist zu komplex, um hier betreten zu werden, aber ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: Die Art, wie wir mit S\u00e4uglingen kommunizieren, ist weltweit und in allen Kulturkreisen gleich. Wir erh\u00f6hen die Stimme etwas und \u00fcbertreiben die melodische Linie, betonen gewisserma\u00dfen die Musikalit\u00e4t der Sprache, unsere Kinder lernen ihre Muttersprache in erster Linie als musikalische Sprache, lange bevor die W\u00f6rter anfangen, Sinn zu ergeben. Das ist der Punkt, an dem wir der Bibel mit einem kleinen Augenzwinkern tats\u00e4chlich widersprechen d\u00fcrfen: Am Anfang war nicht das Wort, am Anfang war die Musik. Also haben Musik und Religion dieses gemeinsam: Sie sind zutiefst menschlich und appellieren direkt an unsere Emotionen. Was sie unterscheidet: Musik erhebt im Gegensatz zur Religion keinen moralischen Anspruch. Ein zweiter, wichtiger Unterschied: Auch wenn sie eine tats\u00e4chliche Macht \u00fcber die Menschen hat, haben Musik und die Musikwelt keinen Machtanspruch. In der Frage, die uns heute bewegt, m\u00f6chte ich in erster Linie die Impulse aus der Musikwelt, insbesondere der klassischen Musik, beleuchten, und m\u00f6gliche Parallelen und Unterschiede zum kirchlichen Ansatz, dem des Papstes Franziskus in\u00a0Laudato si\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Sollte sich die Musikwelt in der Klimakrise engagieren und wie?<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch wenn sie gerade wieder vom m\u00e4chtigsten Mann der Welt auf offener B\u00fchne geleugnet wurde: Die Klimakrise ist real, sie ist menschengemacht, sie wird jeden Tag immer sp\u00fcrbarer und an dem Tag, an dem sie nicht mehr zu leugnen sein wird, wird es wahrscheinlich zu sp\u00e4t sein, sie erfolgreich abzuwenden. Das ist ein Punkt, wo der Ansatz von\u00a0Laudato si\u2019\u00a0eine gro\u00dfe Schw\u00e4che aufweist. Etwas, das zu oft \u00fcbersehen und zu selten thematisiert wird: Wir m\u00fcssen die Erde so erhalten und pflegen, nicht nur weil sie sch\u00f6n ist und Gottes Geschenk an uns, sondern damit sie f\u00fcr uns bewohnbar bleibt! Also ist die Antwort ein klares Ja: Die Musikwelt muss sich engagieren, aus praktischen, aus moralischen Gr\u00fcnden und auch weil die Musikindustrie eine Klimabilanz aufweist, die nach Korrektur verlangt. Die Krise kann auch \u00f6konomisch f\u00fcr unseren Industriezweig bedrohlich werden: vermehrte und heftigere Naturkatastrophen, eine verfehlte Transformation unserer Industrien belasten \u00f6ffentliche Haushalte. Kultur geh\u00f6rt dann oft zu den Sektoren, bei denen der Rotstift zuerst angesetzt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Wie kann Musik sensibilisieren?<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie kann die klassische Musikwelt auf das Klimathema aufmerksam machen und einen positiven Einfluss auf die Menschen und auf die Gesellschaft haben? Ich m\u00f6chte hier Dr. Marcel Nicolaus zitieren, Meeresphysiker am Alfred-Wegener-Institut: \u201eWas einen (\u2026) betroffener macht, ist zu sehen, wie schwer es ist, das trotz des guten Wissens zu kommunizieren und in Handlung zu bringen. Dass es wirklich so ist, das habe ich \u00fcber die letzten Jahrzehnte in meiner Arbeit gelernt. Fakten und Wissen helfen nicht. Erst Betroffenheit f\u00fchrt dazu, dass Leute handeln.\u201c<\/p>\n<p>Emotionen sind die st\u00e4rkste Waffe, wenn man Menschen zu etwas bewegen m\u00f6chte. Das haben Populisten leider sehr viel fr\u00fcher als alle anderen kapiert. Deren Rhetorik ist aber in erster Linie negativ. In unserem Fall hei\u00dft es: Man will euch euer Auto, euer Fleisch, euren Wohlstand wegnehmen!<\/p>\n<p>Dass Emotionen wirken, das sehen wir jede Minute in den sozialen Medien. Angst, Emp\u00f6rung, Ablehnung, Verwirrung, Aggression: Diese negativen Emotionen sollen in uns eine Reaktion herbeif\u00fchren, uns zu einer kurzfristigen Handlung bewegen, auf Neudeutsch: Sie triggern uns.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte etwas mutlos werden im Angesicht dieser Macht: auch deswegen, weil sich zu viele Politikerinnen und Politiker, die eigentlich nicht zu den Populisten z\u00e4hlen, sich dieser Werkzeuge bedienen \u2013 und das ist, wie wir in unseren Demokratien sehen, ein zweischneidiges Schwert.<\/p>\n<p>Negative Emotionen behindern z. B. unsere F\u00e4higkeit, komplexe Zusammenh\u00e4nge zu verstehen \u2013 das ist beim Klimawandel fatal.<\/p>\n<p>Aber gerade hier k\u00f6nnen wir als K\u00fcnstler:innen ansetzen und positive Impulse setzen: Die Menschen kommen zu uns in der Regel, um Positives zu erleben. Niemand kauft eine Konzertkarte, um per se getriggert zu werden. Das setzt aber auch voraus, dass wir uns, ganz besonders als klassische Musiker:innen, f\u00fcr ein breites und diverses Publikum \u00f6ffnen. Das ist eben die Kraft und eine Besonderheit der klassischen Musik: Sie spricht Menschen aller Gesellschaftsschichten an und Menschen mit den verschiedensten politischen Einstellungen.<\/p>\n<p>Es ist in den letzten Jahrzehnten schon einiges geschehen, um die klassische Musik nahbarer zu machen, genug ist es sicher noch nicht. Aber hier sehen wir ganz deutlich, warum wir einerseits in der Pflicht sind, ein diverses, inklusives Publikum anzusprechen \u2013 eben nicht nur eine Elite \u2013, andererseits warum es so wichtig ist, dass der Musikbetrieb \u00f6ffentlich finanziert bleibt. Er ist ein \u00f6ffentlicher Dienst, ein Dienst an die Gesellschaft. Eine mangelnde staatliche Finanzierung macht ihn zwangsl\u00e4ufig elit\u00e4r und schadet dadurch der ganzen Gemeinschaft. An dieser Stelle ein Verweis auf die Studie Kultur und Demokratie \u2013 die Evidenz aus dem Jahre 2023, die f\u00fcr die EU-Kommission erstellt worden ist, zum Wert von Kultur f\u00fcr die Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Musik als Botschaft<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die positive Kraft der Musik kann durchaus von Nutzen sein. Positive Emotionen sind n\u00e4mlich nachhaltiger. Sie haben zwar nicht die Schockwirkung, die zu schnellen Reaktionen f\u00fchrt,\u00a0aber sie beeinflussen langfristig Motivation und Handlungsf\u00e4higkeit. Warum ist das eine gute Nachricht? Weil wir durchaus als Musiker:innen einiges in unsere Konzerte packen k\u00f6nnen, das auf ein komplexes Thema wie der Klimawandel verweisen kann, das zum Denken anregen, Betroffenheit ausl\u00f6sen oder einfach positiv ber\u00fchren kann. Unsere Konzertbesucherinnen und -besucher bekommen sozusagen ein kleines Extra zu ihrem rein musikalischen Erlebnis, mehr oder weniger bewusst. Das f\u00e4ngt bei den einfachsten Ideen an: Es gibt viele Musikwerke, die auf die Sch\u00f6nheit und den Wert der Sch\u00f6pfung hinweisen. Beethovens\u00a0Pastorale, Vivaldis\u00a0Vier Jahreszeiten, Haydns\u00a0Sch\u00f6pfung\u00a0oder die\u00a0Alpensinfonie\u00a0von Richard Strauss.<\/p>\n<p>Da sind wir gefragt, als k\u00fcnstlerisch Verantwortlichen, zwischen Dramaturgie und musikalischer Leitung, Programme zu entwerfen, die nicht nur musikalisch ansprechend sind, sondern auch noch, mehr oder weniger klar und bewusst, eine Botschaft enthalten. Musik ist auch ein Spiegel der Gesellschaft und es ist bezeichnend, wie viele Komponistinnen und Komponisten heutzutage sich mit der Umweltthematik besch\u00e4ftigen und sie in ihre Werke einflie\u00dfen lassen. Ein paar Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Direkte Verweise, wie in\u00a0Tipping Points \u2013 Kipppunkte\u00a0von Rachel Portman, oder\u00a0Inlandsis, eine klimatische Trilogie zur Eiskappenschmelze von Camille P\u00e9pin.<\/li>\n<li>Das Schlagzeugkonzert\u00a0Leviathan\u00a0von John Psathas, das wir vor einem Jahr mit den M\u00fcnchner Symphonikern und Alexej Gerassimez aufgef\u00fchrt haben. F\u00fcr dieses Werk wurde gezielt Ozeanm\u00fcll gesammelt und darauf gespielt. Das Werk ist so toll, dass das Publikum jedes Mal ausrastet.Positive Emotionen und eine Botschaft. In dem Fall hatten wir eine Meeresbiologin von Greenpeace Deutschland f\u00fcr die Konzerteinf\u00fchrung eingeladen, auch ihre Worte waren so positiv und faszinierend, dass das Konzert zehn Minuten sp\u00e4ter beginnen musste.<\/li>\n<li>Ein letztes Beispiel, das inzwischen international ein Hit geworden ist: das\u00a0Recycling Concerto\u00a0von Gregor<br \/>\nMayrhofer. F\u00fcr sein Schlagzeug-Konzert hat er ebenfalls, auf faszinierende Weise M\u00fcll in Musikinstru-<br \/>\nmente verwandelt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir sind also gefragt, subtil und ansprechend, diese Thematik in unsere Konzertprogramme einflie\u00dfen zu lassen \u2013 und das macht \u00fcbrigens viel Spa\u00df!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Musiker:innen als Botschafter:innen<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00fcnstler:innen sind B\u00fcrger. Meinungsfreiheit gilt auch f\u00fcr sie, auch die Freiheit, sich oder sich nicht zu engagieren, aus welchem Grund auch immer. In erster Linie \u00d6lkonzerne haben es grandios geschafft, die Verantwortung von sich selbst auf den Einzelnen umzulenken. Umso sch\u00f6ner ist es zu sehen, dass die Orchestermusiker:innen in Deutschland die Klugheit besitzen, das Problem von der systemischen Seite aus anzugehen. Und das als Kollektiv, als Orchester des Wandels. Alle Orchester und Opernh\u00e4user stehen n\u00e4mlich vor \u00e4hnlichen Problematiken, die L\u00f6sungen werden auch \u00e4hnlich sein. Auch das setzt ein Zeichen, ein Impuls in die Gesellschaft.<\/p>\n<p>Ein Beispiel, in dem Fall aus Aarhus, D\u00e4nemark: Dort werden keine Blumen mehr am Ende des Konzertes geschenkt. Die Spielzeiten der Orchester finden in der Regel in Jahreszeiten statt, in denen Blumen in unseren Breiten gar nicht wachsen. In Aarhus erh\u00e4lt man stattdessen einen Baum aus recycelter Pappe, als Symbol f\u00fcr einen gepflanzten Baum \u2013 die Pflanzung erfolgt \u00fcber eine Partnerstiftung. Dort habe ich nicht nur sch\u00f6ne Konzerte dirigiert, sondern bin inzwischen \u201eBesitzer\u201c von drei B\u00e4umen. Auch bei den M\u00fcnchner Symphonikern gibt es seit dieser Spielzeit keine Blumen mehr, sondern recycelte Kerzen aus einer Behindertenwerkstatt. Nachhaltigkeit und Inklusion. Das sind sichtbare Zeichen, die auch Konzertg\u00e4nger:innen inspirieren k\u00f6nnen. Viele dieser tollen Ideen und L\u00f6sungen kommen vom\u00a0Orchester des Wandels.<\/p>\n<p>Unser Gesch\u00e4ft ist sehr stark international, Reisen geh\u00f6rt dazu. Ein Solist, eine Dirigentin, hat einen h\u00f6heren Marktwert, wenn er und sie in den wichtigen Metropolen der Welt auftritt. Es hei\u00dft ja auch \u201eWeltkarriere\u201c. Die Orchester und Opernh\u00e4user \u201em\u00fcssen\u201c in Paris, London, New York, Shanghai und Tokyo pr\u00e4sent sein, wenn sie zur Weltspitze geh\u00f6ren wollen. Es ist momentan nicht absehbar, dass dieses System sich bald \u00e4ndern wird: Niemand will der Erste sein, der nicht mehr reist. Solistinnen und Dirigenten w\u00fcrden ihre Karriere wom\u00f6glich sabotieren, wenn sie Reisen ablehnen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Aber trotzdem gibt es L\u00f6sungsversuche: Manche skandinavischen Orchester laden z. B. nur noch Gastk\u00fcnstler:innen ein, die mit dem Zug anreisen k\u00f6nnen. Dass ich als Chefdirigent der M\u00fcnchner Symphoniker mit dem Fahrrad zu Proben und Konzerten fahren kann, ist ein Gl\u00fccksfall, aber es ist vor allem eine Seltenheit. Sich engagieren und andere Menschen inspirieren, k\u00f6nnen aber auch einzelne Musikerinnen, wie z. B. die Cellistin Tanja Tetzlaff mit ihrem Filmprojekt\u00a0Suiten f\u00fcr eine verwundete Welt, in dem sie Bachs sechs Suiten f\u00fcr Solo-Cello an vom Klimawandel bedrohten und von Klimakatastrophen bereits zerst\u00f6rten Orten spielt \u2013 \u201eErst Betroffenheit f\u00fchrt dazu, dass Leute handeln.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Feminismus und \u00d6kofeminismus<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass diese Thematik, die ich f\u00fcr ausschlaggebend halte, von Franziskus weitestgehend ausgelassen wurde, ist schade, aber nicht unbedingt verwunderlich. Es ist fraglich, ob eine Kirche das Patriarchat \u00fcberhaupt in Frage stellen kann. Aber auch hier k\u00f6nnen wir als Musiker:innen deutliche und positive Impulse setzen. In Bezug auf Dirigentinnen zum Beispiel hat sich in der Klassikwelt schon einiges getan. Bei Komponistinnen ist es noch ein etwas weiterer Weg. Aber auch die Struktur unseres Gesch\u00e4ftsmodells ist \u2013 wie die meisten anderen auch \u2013 immer noch stark auf M\u00e4nner ausgerichtet und muss nachhaltig ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Warum wir uns f\u00fcr die Gleichberechtigung stark machen und auch da Impulse setzen sollten? Um mit Franziskus und mit der Bibel zu sprechen: weil es moralisch richtig ist, weil wir alle\u00a0Gesch\u00f6pfe Gottes sind, weil er uns als Mann und Frau geschaffen hat. Aber auch weil wir sonst 50 % aller Talente in der Musikwelt, in der Welt \u00fcberhaupt vermissen. Und in der menschengemachten Klimakrise zeigt sich eine einfache Rechnung: Statistisch gesehen haben M\u00e4nner einen gr\u00f6\u00dferen Anteil am Problem, w\u00e4hrend Frauen h\u00e4ufiger Teil der L\u00f6sung sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Grenzen<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Musik und Religion k\u00f6nnen, wie wir gesehen haben, Impulse in der Gesellschaft setzen und einen klaren und messbaren Effekt haben. Beide k\u00f6nnen und sollen Menschen inspirieren. Beide wollen alle Menschen ansprechen, unabh\u00e4ngig vom sozialen Status und von der Herkunft. Diesbez\u00fcglich sind ihre Grenzen oft selbst auferlegt und dadurch auch \u00fcberwindbar.<\/p>\n<p>Aber die deutlichere Grenze ist da, wo die Entscheidungen getroffen werden: in der Politik. Im Falle der Kunst ist es relativ einfach zu verstehen: Solange meine Aktion unpolitisch bleibt oder zu bleiben scheint bzw. nicht mit klarer Kritik oder Forderungen an die Politik gekoppelt ist, ist sie akzeptabel oder gar willkommen \u2013 viele Ma\u00dfnahmen sind n\u00e4mlich auch \u00f6konomisch sinnvoll.<\/p>\n<p>Als Verantwortungstr\u00e4ger habe ich eine Verpflichtung gegen\u00fcber der Gesellschaft, aber auch gegen\u00fcber meinen Musikerinnen und Musikern: die Institution, die ich leite, nicht zu gef\u00e4hrden. Immer noch entscheiden Politiker, Menschen, \u00fcber unsere Finanzierung: \u201eWes Brot ich ess\u2018, des Lied ich sin\u201c. Der Vorteil der Musik: Sie muss sich W\u00f6rtern nicht bedienen, sie kann auf Dinge verweisen, ohne sie anzusprechen. Auf dieser Art kann sie wunderbar subversiv wirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>CODA<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Musik und Religion sind zutiefst menschlich, sie ber\u00fchren uns und geben uns Trost und Orientierung. Beide sprechen zu dem Einzelnen, k\u00f6nnen uns aber verbinden, Hoffnung wecken und die Sch\u00f6nheit der Sch\u00f6pfung erfahrbar machen. Gerade in der Klimakrise mit ihrer Komplexit\u00e4t und in einer lauten Welt brauchen wir diese positiven Impulse. Fakten reichen eben nicht aus \u2013 Menschen m\u00fcssen ber\u00fchrt werden. Die Musikwelt kann in dieser Frage auch Vorbild sein: durch nachhaltiges Handeln, durch Programme, durch K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, die als Botschafter auftreten, durch eine aktive \u00d6ffnung zur Welt, in ihrer Vielfalt und Diversit\u00e4t. Es ist wie in der Musik: Erst die Summe der Instrumente macht die Harmonie. Die Bew\u00e4ltigung der Klimakrise ist eine Gemeinschaftsaufgabe, und wir alle sind Teil dieses Orchesters.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Religion sind zutiefst menschlich: Bevor die ersten D\u00f6rfer und St\u00e4dte entstanden, baute der Mensch vor rund 11.000 Jahren erstmal Tempel. 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