{"id":32084,"date":"2023-07-17T14:32:29","date_gmt":"2023-07-17T12:32:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=siebenjaehriger-krieg-oeffentl-meinung"},"modified":"2024-12-12T15:36:55","modified_gmt":"2024-12-12T14:36:55","slug":"die-macht-der-oeffentlichen-meinung-die-siebenjaehrige-krieg-als-medien-und-propagandakrieg","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/die-macht-der-oeffentlichen-meinung-die-siebenjaehrige-krieg-als-medien-und-propagandakrieg\/","title":{"rendered":"The power of public opinion"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten ein, zwei Jahrzehnten hat es sich eingeb\u00fcrgert, den Siebenj\u00e4hrigen Krieg als einen \u201efr\u00fchmoderne[n] Medienkrieg\u201c zu begreifen, \u201eder einen enormen Anstieg der Publizistik ausl\u00f6ste\u201c. Nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch mit der Feder wurde um die Vorherrschaft gek\u00e4mpft. Druckerpressen fungierten als Waffen. Damit verschob sich der Fokus der Wahrnehmung: Seitdem interessiert nicht allein, was tats\u00e4chlich geschehen ist, sondern wie es dargestellt wird, wie bzw. wo diese Thematisierungen zirkulieren und in welche Praktiken sie eingebunden sind. Unter dieser Perspektive stellt sich dann z. B. die Frage, wie eine Schlacht \u00fcberhaupt beschrieben werden kann und welche medialen Bedingungen ihre Vergegenw\u00e4rtigung erst erm\u00f6glichen.\u00a0Dabei richtet sich der forschende Blick nicht allein auf gedruckte Texte und Bilder, sondern ebenso auf Musik und l\u00e4rmende Ger\u00e4uschkulissen, auf Geb\u00e4ude und Raumausstattungen, auf Denkm\u00e4ler, Medaillen, Tabaksdosen und vieles mehr.<\/p>\n<h3>I.<\/h3>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses gesteigerte Interesse an den Medien sind sicherlich in unserer Gegenwart zu suchen. Doch ebenso kann es sich auf Zeugnisse aus der Zeit des Siebenj\u00e4hrigen Krieges st\u00fctzen. Bereits 1757 konstatierte eine Flugschrift, die gro\u00dfe \u201eMenge von Staatsschriften\u201c, die damals Deutschland \u00fcberschwemmte: \u201eman kan weder aus den alten noch aus den neuern Zeiten ein Beispiel anf\u00fcren, da\u00df ein Krieg so viele Federn besch\u00e4ftiget h\u00e4tte.\u201c\u00a0Und 1763, am Ende des Krieges, res\u00fcmierte ein B\u00e4ckermeister aus Hannover in seinem Tagebuch: \u201eDie Anzahl der Staats- und andern Schriften von diesem Kriege ist recht ansehnlich, sie sollen \u00fcber 1.000 St\u00fccke, die mehr als 36 B\u00e4nde in 40 gedruckt, betragen. Es wird wol nicht leicht in den \u00e4lteren Zeiten ein Krieg gef\u00fchret worden seyn, wovon die Anzahl der gedruckten als ungedruckten Schrifften so gro\u00df oder gr\u00f6\u00dfer ist, als von diesem letztern Kriege, welches mithin ein Beweis seiner Gr\u00f6\u00dfe, Wichtigkeit und der dabey bewiesenen Aufmercksamkeit seyn kan.\u201c<\/p>\n<p>Unser B\u00e4ckermeister hat eher untertrieben. Es d\u00fcrften weit mehr Schriften gewesen sein, die zwischen 1756 und 1763 ver\u00f6ffentlicht wurden. Die zeitgen\u00f6ssische\u00a0Sammlung der neuesten Staats-Schrifften zum Behuf der Historie des jetzigen Krieges, die ab dem zweiten Jahrgang unter dem Titel\u00a0Teutsche Kriegs-Canzley\u00a0erschien, druckte in 18 B\u00e4nden insgesamt 1.693 Dokumente auf 18.410 Seiten ab.\u00a0Register erschlie\u00dfen dieses ungeheure Textmassiv. Dabei werden nicht die Kriegspredigten, die poetischen Texte und die Menge der lokalen Gelegenheitsschriften erfasst, ebenso auch keine Zeitschriften und Zeitungen. Die meisten Ver\u00f6ffentlichungen erschienen in den ersten drei Kriegsjahren; danach flaute das Interesse etwas ab.<\/p>\n<p>In dieser regen Publikationst\u00e4tigkeit sah Johann Wilhelm von Archenholz ein charakteristisches Merkmal sowohl dieses Kriegs wie seines Zeitalters.<\/p>\n<p>In seiner\u00a0Geschichte des siebenj\u00e4hrigen Krieges\u00a0personalisiert er das Geschehen: \u201eEben so sehr wie er [Friedrich II.] sein Schwert gegen seine Feinde brauchte, bediente er sich auch seiner Feder. \u00dcberhaupt war die seltsame Mischung von zahlreichen Manifesten und Mord-Szenen eine der Eigenheiten dieses au\u00dferordentlichen Krieges. Man bot gegen einander alles auf, was k\u00f6rperliche und Geistes-Kr\u00e4fte zu leisten vermochten. Nie wurden in einem Kriege so viele Schlachten geliefert, aber auch nie so viele Manifeste herausgegeben, als in diesen Tagen des gro\u00dfen Jammers. Gro\u00dfe Monarchen wollten dadurch ihre auffallende Handlungen vor allen Nationen rechtfertigen, um die Achtung selbst solcher V\u00f6lker nicht zu verlieren, deren Beifall sie leicht entbehren konnten. Dies war der Triumph der\u00a0Aufkl\u00e4rung, die in diesen Zeiten anfing ihr wohlt\u00e4tiges Licht \u00fcber Europa zu verbreiten.\u201c<\/p>\n<p>Was mit \u201eTriumph der\u00a0Aufkl\u00e4rung\u201c gemeint sein k\u00f6nnte, hilft ein kleiner Aufsatz zu verstehen, der 1784 in der\u00a0Berlinischen Monatsschrift\u00a0erschien und der ebenfalls dem preu\u00dfischen K\u00f6nig huldigte. Auch hier ist die Rede vom \u201eJahrhundert Friedrichs\u201c. Immanuel Kants\u00a0Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl\u00e4rung?\u00a0darf als bekannt vorausgesetzt werden: Aufkl\u00e4rung ist der \u201eAusgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.\u201c\u00a0Diese Emanzipation des Einzelnen bedarf der Entschlie\u00dfung und des Mutes, und sie erfordert vor allem die Freiheit \u201evon seiner Vernunft in allen St\u00fccken \u00f6ffentlichen Gebrauch zu machen.\u201c\u00a0\u201e[U]nter dem \u00f6ffentlichen Gebrauche seiner eigenen Vernunft\u201c versteht Kant einen solchen, \u201eden jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht. Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten b\u00fcrgerlichen Posten, oder Amte, von seiner Vernunft machen darf.\u201c<\/p>\n<p>Der Aufkl\u00e4rungsprozess wird an die Sprecherrolle des Gelehrten gebunden und an dessen Korrelat: an das \u201eganze Publikum der Leserwelt\u201c. Anders gesagt: Die \u00d6ffentlichkeit, die Kant im Blick hat, basiert auf dem Medium der Schrift, genauer: des Buchdrucks. Es handelt sich um den Kommunikationsraum jener Gelehrten, die \u201edurch Schriften zum eigentlichen Publikum, n\u00e4mlich der Welt,\u201c\u00a0sprechen. Die Schrift, die Publikation, hat hier die Funktion, Universalit\u00e4t zu erm\u00f6glichen. Denn der Buchdruck macht eine \u00c4u\u00dferung f\u00fcr alle (\u201edie Welt\u201c) zug\u00e4nglich, und er fixiert sie einem Speichermedium. Dadurch macht sich der Aufkl\u00e4rungsprozess unabh\u00e4ngig von der Anwesenheit an einem Ort und von der Zeit. Jeder kann jederzeit auf alles zugreifen und es einer kritischen \u00dcberpr\u00fcfung unterziehen. In diesem Sinn handelt es sich um eine Aufkl\u00e4rungs\u00f6ffentlichkeit mit Universalit\u00e4tsanspruch (um eine regulative Idee, da wir ja noch nicht in aufgekl\u00e4rten Zeiten leben). Demnach w\u00e4re Aufkl\u00e4rung eine eminent literarische Angelegenheit. Und der Federkrieg geh\u00f6rt dazu, l\u00e4sst sich vielleicht sogar als \u201eTriumph der\u00a0Aufkl\u00e4rung\u201c (Archenholz) verstehen, weil er den Zwang zur \u00f6ffentlichen Legitimation des Handelns belegt.<\/p>\n<p>Nun kann man, wenn man den Siebenj\u00e4hrigen Krieg betrachtet, diese Konzentration auf ein privilegiertes Medium monieren. Dagegen w\u00e4re aber einzuwenden, dass tats\u00e4chlich die Druckschrift dominiert. Illustrierte Flugbl\u00e4tter mit ihrer Kombination von Text und Bild spielen kaum mehr eine Rolle. In der Bildpublizistik erleben einen Aufstieg vor allem Karten, die Schlachten veranschaulichen, allerdings auf eine Art, die einen ge\u00fcbten Rezipienten verlangt. Die ber\u00fchmtesten Gem\u00e4lde wie etwa Benjamin Wests\u00a0Der Tod des General James Wolfe in Quebec\u00a0(1770) oder Bernardo Bellottos Dresdner Ruinenbilder (Die Ruine der Kreuzkirche, von Osten aus gesehen, 1765) entstanden erst nach dem Krieg.\u00a0Solche Darstellungen sind in ihrer Materialit\u00e4t zudem an das Original und damit an einen Ort gebunden, sofern sie nicht kopiert, in Serie produziert oder durch Druckgrafik verbreitet wurden. Die schon im 18. Jahrhundert wohl popul\u00e4rsten Bilder lieferte Daniel Chodowiecki mit seinen Kupferstichen, die ebenfalls fast alle in den Jahrzehnten nach dem Krieg erschienen. Ihre gro\u00dfe Verbreitung verdanken sie der Kombination mit Texten in Kalendern, die seinerzeit Auflagen von 10.000 &#8211; 20.000 Exemplaren erreichten; von solchen Zahlen konnten B\u00fccher nur tr\u00e4umen. Die Verbindung von Text und Druckgrafik ist aufwendig, nicht nur weil es sich um zwei verschiedene Druckverfahren handelt. Ein Kupferstich erlaubt nur etwa 3.000 Abdrucke; dann muss die Platte erneuert werden. Die Textlastigkeit der Kriegspublizistik und der Verzicht auf schm\u00fcckendes Beiwerk sind Indizien f\u00fcr eine Beschleunigung der Kommunikation und f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Breitenwirkung durch niedrigere Preise.<\/p>\n<p>Die in Speichermedien fixierten \u00c4u\u00dferungen werden in Bibliotheken und Archiven, in Galerien oder Museen gesammelt (heute nat\u00fcrlich im Internet). Diese Einrichtungen sorgen f\u00fcr eine Simultanpr\u00e4senz aller \u00c4u\u00dferungen. Sie plausibilisieren gewisserma\u00dfen die Vorstellung einer Universalit\u00e4t, wie sie Kant vorgeschwebt haben mag. Solche Sammlungen rei\u00dfen die Objekte jedoch aus ihren Gebrauchskontexten, um sie f\u00fcr neue Zusammenstellungen, f\u00fcr andere Kontextualisierungen zu benutzen und sei es auch nur als Beleg in einer Anmerkung. F\u00fcr Historiker*innen stellt sich die Aufgabe, aus diesen \u00dcberresten die damaligen Kontexte (der Produktion, Rezeption, Zirkulation usw.) zu rekonstruieren. Unter diesem Gesichtspunkt sind Beschr\u00e4nkungen einer ansonsten unbegrenzten Zirkulation besonders aussagekr\u00e4ftig. Wir befinden uns eben nicht \u201ain einem aufgekl\u00e4rten Zeitalter\u2018, sondern betreiben den Prozess einer Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Die Einschr\u00e4nkungen einer universal gedachten Aufkl\u00e4rungs\u00f6ffentlichkeit lassen auf je besondere Weise \u201abegrenzte\u2018 Medien\u00f6ffentlichkeiten entstehen. Ihnen kommen wir auf die Spur, wenn wir uns vergegenw\u00e4rtigen, was Kant nicht ber\u00fccksichtigt hat. Gerade jene Sachverhalte, von denen er abstrahierte, sind f\u00fcr mein Thema relevant. So sagt Kant erstens nicht, in welcher Sprache (und in welchen Formaten) sich die Menschen verst\u00e4ndigen. Zweitens geht er davon aus, dass die Leute lesen und schreiben k\u00f6nnen, was ja keineswegs selbstverst\u00e4ndlich ist. Drittens nimmt er an, dass die Kommunikation der Ermittlung von Wahrheiten dient und einem rationalen Diskurs gehorcht. Viertens setzt Kant eine prinzipielle Gleichheit der Akteure voraus, die in einer st\u00e4ndischen Gesellschaft eher nicht gegeben ist. F\u00fcnftens ignoriert Kant das Problem, wie die Publikationen die anderen Teilnehmer erreichen. Welche Medien erm\u00f6glichen das? Welche Infrastruktur ist dazu n\u00f6tig? Mit welchen Distributionsformen erreicht man wen? Aufgrund welcher Gesch\u00e4ftsmodelle kann das \u00fcberhaupt funktionieren?<\/p>\n<h3>II.<\/h3>\n<p>Um die Bedingungen f\u00fcr \u00d6ffentlichkeiten und Propaganda zu kl\u00e4ren, m\u00fcssen wir uns mit diesen f\u00fcnf Aspekten besch\u00e4ftigen: mit der Rolle der Sprache, den literalen Kompetenzen, den rhetorischen Strategien der Kommunikation und vor allem den spezifischen Gesch\u00e4ftsmodellen der Kriegspublizistik. In jeder dieser vier Hinsichten spielen asymmetrische Beziehungen, also Ungleichheiten, eine kaum zu untersch\u00e4tzende Rolle.<\/p>\n<p>Erstens\u00a0die\u00a0Sprache, genauer: Man muss von Mehrsprachigkeit ausgehen. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts werden in Deutschland mehr B\u00fccher in deutscher als in lateinischer Sprache gedruckt und gehandelt. In Frankreich und England erfolgte diese Umstellung bereits einige Jahrzehnte fr\u00fcher. Mit der Ersetzung von Latein als internationale Gelehrtensprache durch Nationalsprachen richtete sich die Expansion des Buchhandels auf den Binnenmarkt, um die durch die nationalen Verkehrssprachen konstituierten Kommunikationsr\u00e4ume\u00a0zu erschlie\u00dfen. Mit der Sprache \u00e4nderten sich die Regeln, wer dazu geh\u00f6rte und wer nicht, also Inklusion und Exklusion. Unter dieser Voraussetzung ist zu erwarten, dass Herrschaftsgebiete, die mehrere Sprachr\u00e4ume umfassten, sich vor besondere Probleme gestellt sahen.\u00a0Zugleich entstand eine Konkurrenz zwischen den sich etablierenden Nationalkulturen um eine F\u00fchrungsrolle, die in normativer Hinsicht die Moderne gegen\u00fcber dem Vorbild der Antike zu repr\u00e4sentieren vermochte.<\/p>\n<p>Diese Position nahm seit dem 17. Jahrhundert Frankreich ein. Die Oberschicht, vor allem die h\u00f6fische Adelsgesellschaft sprach Franz\u00f6sisch und orientierte sich an der franz\u00f6sischen Kultur; am preu\u00dfischen Hof weit mehr noch als bei den Habsburgern in Wien.\u00a0Auf franz\u00f6sisch musste schreiben, wer eine europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit erreichen wollte. Selbst nach dem Siebenj\u00e4hrigen Krieg spielte Englisch als internationale Verkehrssprache keine wichtige Rolle; der nicht zu untersch\u00e4tzende Einfluss englischer Kultur bedurfte der \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>War Franz\u00f6sisch als Sprache des Adels sozial markiert,\u00a0erkannte man die Gelehrten am Latein. Diese internationale Verkehrssprache verlor indessen kontinuierlich an Bedeutung. Das galt jedoch nicht f\u00fcr den Bereich der h\u00f6heren, der akademischen Bildung, die als Voraussetzung f\u00fcr den h\u00f6heren Staatsdienst an Bedeutung gewann. Hier waren Lateinkenntnisse nach wie vor erforderlich; entsprechend darf man eine einschl\u00e4gige Kompetenz bei den meisten Autoren voraussetzen. Der allergr\u00f6\u00dfte Teil der Bev\u00f6lkerung benutzte zur Verst\u00e4ndigung Dialekte, deren Reichweite regional begrenzt war. Als nationale Verkehrssprache diente ein Hochdeutsch, das in erster Linie eine Literatursprache war. In den Worten des Aufkl\u00e4rers Christian Garve: \u201eDie B\u00fcchersprache ist, in allen Provinzen, selbst dem Landmanne bekannter, als es die Volkssprache der einen Provinz in der andern ist.\u201c\u00a0Wir haben es in nationaler Hinsicht mit einem Druckschriftensprachraum\u00a0zu tun, dessen Sprache erst gebildet (d. h. reguliert, diszipliniert, gepflegt) und durchgesetzt werden musste.\u00a0Bei ihrer Verbreitung spielten gelehrte Popularisierungsbem\u00fchungen eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle.<\/p>\n<p>Als Hindernis erwies sich dabei die Sprachpraxis der Gelehrten wie der Verwaltung (Kanzleisprache),\u00a0weil sie sich in Wortbildung und Syntax am Latein orientierten und damit endlos verschachtelte, aber korrekte S\u00e4tze mit hohem Fremdwortanteil produzierten.\u00a0Das erschwert das Verst\u00e4ndnis eines erheblichen Teils der Kriegspublizistik, die zudem durch ihre typographische Gestaltung (eng gesetzte Bleiw\u00fcsten) eine geringe Attraktivit\u00e4t auf eine breitere Leserschaft ausstrahlten. Wollte man die gr\u00f6\u00dfere Mehrheit der Bev\u00f6lkerung erreichen, war man auf Dialekte und auf M\u00fcndlichkeit angewiesen; das beschr\u00e4nkte die Wirkung auf regionale oder lokale R\u00e4ume. Wer hochdeutsch sprach, wurde als gebildeter St\u00e4dter angesehen.<\/p>\n<p>Die Partizipation an der literarischen Kultur setzte\u00a0zweitens\u00a0eine\u00a0Alphabetisierung\u00a0voraus, genauer: eine Literalisierung, weil es ja um weit mehr als um das Buchstabieren ging. Ob die Signierf\u00e4higkeit, die als Indikator f\u00fcr die Alphabetisierung dient, ausreicht, um Zeitungen oder Flugschriften zu lesen, darf bezweifelt werden. Es erforderte eine zumindest rudiment\u00e4re Bildung, die nicht unbedingt schulisch vermittelt sein musste. Wie hoch der Anteil der Bev\u00f6lkerung war, der um 1750 an der Printkultur teilhatte, ist schwer zu sagen: Es gab deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen den Geschlechtern und Konfessionen, zwischen armen und reichen Gegenden, zwischen Nord und S\u00fcd.<\/p>\n<p>Als in vollem Umfang literalisiert darf indessen die (adlige, gelehrte, b\u00fcrgerliche) Oberschicht gelten. Das Potential f\u00fcr eine Ausweitung literarischer Kommunikation darf man jedoch nicht untersch\u00e4tzen. Es zu erschlie\u00dfen, war die schwierige Aufgabe. Entsprechend waren viele Printprodukte im 18. Jahrhundert an \u201eGelehrte und Ungelehrte\u201c oder an \u201eLeser aus allen St\u00e4nden\u201c adressiert. Das darf man aber nicht so verstehen, dass Ungelehrte und alle St\u00e4nde lasen, sondern dass es Leser*innen unter den Ungelehrten und in allen St\u00e4nden gab. Die Ausweitung des Publikums war zun\u00e4chst ein m\u00fchseliges Gesch\u00e4ft, das jedoch im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, also\u00a0nach\u00a0dem Siebenj\u00e4hrigen Krieg eine hohe Eigendynamik entwickelte.<\/p>\n<p>Lesen ist das eine, Schreiben das andere. Die Autorschaft scheint auf den ersten Blick anspruchsvoller zu sein. Jedoch ist zu bedenken, dass man in der Fr\u00fchen Neuzeit sowohl im Schul- als auch im Universit\u00e4tsunterricht das formgerechte Schreiben lernte, w\u00e4hrend in der Moderne (\u201anach 1800\u2018) sich die Ausbildung auf das Lesen und das Textverst\u00e4ndnis konzentriert. Der Unterricht erfolgte im Rahmen der Rhetorik, die am Redner ausgerichtet war, nicht am H\u00f6rer. Als vorbildliche Muster dienten in der Regel antike oder franz\u00f6sische Klassiker. Wenn etwa Das bedr\u00e4ngte Sachsen in einer Flugschrift seine Lage in Alexandrinern beklagte, dann wurde ein Versma\u00df benutzt, das f\u00fcr die hohe Literatur (Trag\u00f6dien, Epen) charakteristisch war. Solche Formentscheidungen verweisen auf den gelehrten Kontext. Erst die Kommerzialisierung des Buchmarktes wird diesen gelehrten Kommunikationszusammenhang aufl\u00f6sen, genauer gesagt: sie wird ihn \u00f6ffnen. J\u00fcrgen Habermas hat darauf nachdr\u00fccklich hingewiesen. Damit ver\u00e4nderte sich die Rolle der Rezipienten. In \u00f6konomischer Hinsicht gewannen sie als K\u00e4ufer, als Konsumenten an Gewicht. Als lesendes Publikum darf man es sich nicht l\u00e4nger als einen einfachen Resonanzraum rhetorischer oder propagandistischer Strategien denken. Gerade die F\u00fclle propagandistisch-parteilicher Literatur im Siebenj\u00e4hrigen Krieg dr\u00e4ngte auf eine Aktivierung des Lesers. Er musste lernen, kritischer mit den angebotenen Informationen umzugehen.<\/p>\n<p>In den Worten eines zeitgen\u00f6ssischen Beobachters: \u201eMan siehet daraus, da\u00df die Zeitungen vor 60 Jahren schon eben das waren, was sie ietzo sind, n\u00e4mlich eine Mischung von Wahrheit und L\u00fcgen, ohne, da\u00df denen meisten Zeitungsschreibern selbst viel dabey zur Last geleget werden kann. Die wahren Nachrichten, sie kommen von dieser oder jener Seite, haben darinnen eine gewisse H\u00fclle um sich, indem auf der einen Seite zu wenig, auf der andern Seite zu viel gesagt wird. Man hat hier die K\u00f6rner mit sammt der Spreu. Ein vern\u00fcnftiger Leser wei\u00df die K\u00f6rner schon abzusondern. Die leichte Spreu wird von dem Winde leicht weggetrieben. [\u2026].\u201c<\/p>\n<p>Drittens\u00a0die\u00a0Rhetorik.\u00a0Kant sch\u00e4tzte sie \u00fcberhaupt nicht. Ihre Bedeutung ist aber im 18. Jahrhundert kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Sie lehrt, angemessen und erfolgreich zu kommunizieren. Es geht dabei immer um eine zu erzielende Wirkung. Man will etwas erreichen, Gef\u00fchle erregen, jemanden \u00fcberzeugen oder \u00fcberreden. Da eine solche strategische Kommunikation als normal angesehen wurde, bereitet es Schwierigkeiten, davon Propaganda klar abzugrenzen. Es ist ein Leichtes, z. B. an der Berichterstattung \u00fcber Schlachten zu zeigen, dass die eigenen Verluste gering veranschlagt, die Gewinne \u00fcbertrieben wurden. Ein Faktencheck geht aber an der Sache vorbei. Solche Berichte verfolgten eine politische Absicht, die klug oder auch weniger klug sein konnte. Die \u201eStaatsklugheit\u201c konnte n\u00e4mlich geradezu die Besch\u00f6nigung einer Niederlage erfordern, \u201ewenn der Ungl\u00fccksfall in dem Credit der Nation einen Einflu\u00df hat, und wenn es n\u00f6thig ist, dem Volke und denen Bundesgenossen einen Muth zu machen, oder sie auf der Parthey standhaft zu erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Die Rhetorik fungiert als eine allgemeine Kommunikationstheorie. Sie basiert auf struktureller M\u00fcndlichkeit. Ungeachtet der Schrift und des Buchdrucks geht man vom Modell einer Rede vor einem anwesenden Adressaten aus. Das Publikum wird daher nicht als anonym und heterogen gedacht, sondern als homogen und vertraut. Man kennt sich; deshalb l\u00e4sst sich die Wirkung berechnen. Vorausgesetzt werden in sich geschlossene Kreise, die nach bestimmten Diskursregeln miteinander verkehren, etwa am Hof oder in der Gelehrtenrepublik. Eine Gleichheit aller Teilnehmer wird gerade nicht vorausgesetzt; vielmehr besteht eine gro\u00dfe Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Rangunterschiede und soziale Hierarchien. Es geht immer um eine angemessene Kommunikation, die sich den Erfordernissen einer stratifikatorisch differenzierten Gesellschaft anzupassen wei\u00df.<\/p>\n<h3>III.<\/h3>\n<p>Schlie\u00dflich\u00a0viertens\u00a0die \u00d6konomie. Schriften im Druck zu vervielf\u00e4ltigen, setzt Arbeitsteilung und Kooperation voraus. Der Federkrieger ben\u00f6tigt einen Drucker, der h\u00e4ufig zugleich auch Verleger und Buchh\u00e4ndler ist. In technischer Hinsicht hat sich in diesem Metier seit Gutenbergs Erfindung im 15. Jahrhundert verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig ver\u00e4ndert. Entscheidende Neuerungen setzen sich erst nach dem Siebenj\u00e4hrigen Krieg durch, zun\u00e4chst in England, dann auch in Deutschland. Der Strukturwandel, um den es im Folgenden geht, kann also nicht technologisch im R\u00fcckgriff auf eine mediale\u00a0hard ware\u00a0erkl\u00e4rt werden. Eine gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit verdienen dagegen die Gesch\u00e4ftsmodelle, an denen sich Herstellung und Vertrieb von Printmedien orientieren.<\/p>\n<p>Schriften im Druck zu vervielf\u00e4ltigen kostet.\u00a0F\u00fcr die Kalkulation sind die wichtigsten Posten: Satz, Druck, Papier und der Vertrieb. F\u00fcr die H\u00f6he der Kosten sind unterschiedliche Aspekte zu ber\u00fccksichtigen. F\u00fcr den Satz spielen der Umfang (die Menge der Zeichen) und der Schwierigkeitsgrad (Typographie) eine ma\u00dfgebliche Rolle, f\u00fcr den Druck und das Papier ebenfalls der Umfang und die Auflagenh\u00f6he, f\u00fcr den Vertrieb vor allem Porto (Gewicht, Entfernungen) und die Handelskonditionen. Je nach Umfang, Auflagenh\u00f6he und Verbreitungsgebiet verschieben sich die Relationen zwischen den Kostenfaktoren: Bei hohen Auflagen sinkt der Anteil der Satzkosten, w\u00e4hrend der Papierpreis an Bedeutung gewinnt. Bei der Belieferung eines weitr\u00e4umigen Absatzgebietes steigen die Transport- und damit die Vertriebskosten.<\/p>\n<p>Besonders gering sind unter diesen Bedingungen die Kosten f\u00fcr kurze Texte in kleinen Auflagen f\u00fcr einen lokalen bzw. regionalen Markt. Genau dieses Segment d\u00fcrfte unter den uns interessierenden Schriften besonders stark vertreten gewesen sein. Es ist weiter davon auszugehen, dass die Buchh\u00e4ndler sehr vorsichtig kalkulierten, um im Bedarfsfall nachzudrucken. Auf einen hohen Absatz zu spekulieren, war dagegen ein h\u00f6chst riskantes Gesch\u00e4ft. F\u00fcr England hat Tilman Winkler zwischen Kleinstauflagen (130\u2013550 Exemplare), einem Normalmarkt (500\u20131.500 Exemplare) und einem Bestsellermarkt (ab 1.000, eher 2.000 Exemplare als Startauflage) unterschieden.\u00a0F\u00fcr Kalender, Schulb\u00fccher und Ratgeberliteratur wie f\u00fcr Zeitungen und Zeitschriften gelten andere Regeln. Von einem Massenmarkt (d.\u00a0h. von Massenmedien) im modernen Sinne sind wir noch sehr weit entfernt. Wie kann unter diesen Bedingungen Propaganda oder Kriegspublizistik funktionieren? Was motiviert die Autoren, wenn sie nicht mit (nennenswerten) Honoraren rechnen d\u00fcrfen? Wie lassen sich in solchen Verh\u00e4ltnissen Kooperation und Finanzierung zu tragf\u00e4higen Gesch\u00e4ftsmodellen verbinden?<\/p>\n<p>Unter diesem Gesichtspunkt lohnt es sich, verschiedene Gattungen von Propagandaschriften im Hinblick auf ihre Gesch\u00e4ftsmodelle einmal genauer anzuschauen. In welcher Form organisiert man jeweils die Produktion und den Vertrieb der Schriften? Und wer tr\u00e4gt die Kosten? Als Ausgangspunkt f\u00fcr die folgenden \u00dcberlegungen kann die Typologie der Staatsschriften dienen, die Johann Friedrich Seyfart 1757 in einer Flugschrift vorschl\u00e4gt.\u00a0Er unterscheidet drei Gattungen: Bei der ersten ist der Staat (der Regent, die Regierung) gewisserma\u00dfen der Autor, in dessen Namen Minister oder Beamte Texte verfassen. Bei der zweiten werden Gelehrte (Staatswissenschaftler) von der Regierung mit dem Abfassen von Schriften beauftragt, die aber unter ihren Namen erscheinen und nicht unter dem des Auftraggebers. Die dritte Sorte von Staatsschriften stammt von Schriftstellern, die aus eigener Motivation t\u00e4tig werden. Als ein viertes Gesch\u00e4ftsmodell m\u00fcssen wir noch die Zeitungen hinzuf\u00fcgen, die eine gewichtige Sonderrolle spielen. Sie werden \u00fcbrigens in der Er\u00f6rterung von Seyfart nicht einmal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Wenig spektakul\u00e4r ist das erste Gesch\u00e4ftsmodell, weil es unsere Erwartungen \u00fcber politische Propaganda am ehesten best\u00e4tigt. Alles befindet sich mehr oder minder in einer Hand, die zudem \u00fcber erhebliche organisatorische und finanzielle Ressourcen verf\u00fcgt. Eine Regierung beauftragt ihre Beamten, einschl\u00e4gige Texte zu verfassen, wenn es nicht sogar die Minister oder der Regent selber machen. Es handelt sich um autorisierte Schriften, die vor ihrer Publikation oft mehrere Kontrollen durchlaufen. Diese Autorit\u00e4t sch\u00fctzt vor \u201aunberufener\u2018 Kritik. Daf\u00fcr war die Gegenpartei zust\u00e4ndig: ein Streit unter gro\u00dfen Herren.<\/p>\n<p>Die Vervielf\u00e4ltigung konnte \u00fcber eine staatliche Druckerei erfolgen. Im 18. Jahrhundert bediente man sich jedoch eher privilegierter Hofbuchdruckereien, so dass deren Professionalit\u00e4t in der Herstellung und im Vertrieb genutzt werden konnten. Damit wurde auch ein Teil des Risikos auf den Buchh\u00e4ndler \u00fcbertragen. In vielen F\u00e4llen rechnete sich die Publikation von Staatsschriften f\u00fcr die Hofbuchdrucker nicht, aber durch die mit solchen Auftr\u00e4gen zumeist verbundenen Privilegien (etwa das Monopol f\u00fcr den Druck von Kalendern oder Schulb\u00fcchern) erwies sich das Gesch\u00e4ft als profitabel. Als herausragendes Beispiel daf\u00fcr kann in Wien Thomas Trattner dienen, der in kurzer Zeit zum gr\u00f6\u00dften und reichsten Buchh\u00e4ndler im Habsburger Reich aufstieg.<\/p>\n<p>Adressat der \u00fcberwiegenden Mehrzahl der Staatsschriften im Siebenj\u00e4hrigen Krieg war in Deutschland nicht die eigene Bev\u00f6lkerung, sondern die Reichs\u00f6ffentlichkeit, d. h. die anderen Regenten im Alten Reich. Das erleichterte die Distribution, denn der permanente Reichstag in Regensburg diente als Nachrichtendrehscheibe.\u00a0Man verteilte die Publikationen an die dort versammelten diplomatischen Vertreter, die sie dann an ihre H\u00f6fe weiterleiteten. Preu\u00dfens Versuch zu Beginn des Krieges, den Konflikt mit Wien als Religionskrieg zu deuten, zielte vermutlich in erster Linie auf den Reichstag, um sich dort den Beistand aller protestantischen M\u00e4chte zu sichern \u2013 allerdings ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Bei dem ersten Gesch\u00e4ftsmodell unterliegen alle Glieder der Kette von der Produktion \u00fcber den Druck bis zur Verbreitung weitgehend einer zentralen Steuerung, so dass man von einer absolutistischen \u00d6ffentlichkeit oder einem publizistischen Kabinettskrieg sprechen k\u00f6nnte. Verschiedenste Textsorten\u00a0erm\u00f6glichten es ge\u00fcbten Federn, raffinierte taktische und strategische Man\u00f6ver zu vollf\u00fchren, die ein ebenso disziplinierter Gegner genau beobachtete, um darauf mit seinen Truppen zu reagieren. Solche Staatsschriften \u201eim Namen der H\u00f6fe [riefen] die Gegenantworten, Gegenvorstellungen, rechtlichen Beleuchtungen oder Pr\u00fcfungen\u201c\u00a0der anderen H\u00f6fe hervor. In diesem \u201eAustausch von Argumenten in Schriftform [trug man] der Verrechtlichung und der Diskussionskultur im Reichssystem Rechnung\u201c.\u00a0Allerdings agierte hier vor allem eine relativ kleine st\u00e4ndische Funktionselite. Wenn der Regent die eigene Bev\u00f6lkerung erreichen wollte, so geschah das kaum \u00fcber das Printmedium. Vielmehr nutzte er daf\u00fcr die Infrastruktur der Kirche, indem er Festgottesdienste und Predigtthemen verordnete. Auf diese Weise wurde das zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Publikum angesprochen.<\/p>\n<p>Selbst wenn die Kabinette die Gravitationszentren dieser politischen Propaganda bildeten, so \u00fcbten sie doch keine vollst\u00e4ndige Kontrolle \u00fcber die Kommunikation aus. Das lag allein schon daran, dass Botschaften in Speichermedien eine Tendenz zur Verselbstst\u00e4ndigung haben, weil nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass sie auch in anderen als den intendierten Kontexten auftauchen. Verbreitet wurden die Staatsschriften zudem \u00fcber Zeitungsnachrichten. Bei einigen dieser Regierungserkl\u00e4rungen konnte man jedoch mit einer deutlich gr\u00f6\u00dferen Resonanz rechnen. Das gilt etwa f\u00fcr die Texte, mit denen Friedrich II. 1756 den Angriff auf Sachsen legitimierte. Dass der franz\u00f6sische Originaltext h\u00e4ufiger aufgelegt wurde als seine deutsche \u00dcbersetzung (acht zu f\u00fcnf),\u00a0sagt etwas aus \u00fcber die Rezipienten.<\/p>\n<p>Auch das zweite Gesch\u00e4ftsmodell entspricht noch unseren Erwartungen. Die Regierung \u201akauft\u2018\u00a0sich wissenschaftliche Expertise, indem sie Gelehrte oder Staatsm\u00e4nner beauftragt, juristische Gutachten oder politische Stellungnahmen zu verfassen. Es ist zu vermuten, dass die Regierungen (wenigstens zum Teil) die Kosten f\u00fcr Herstellung und Vertrieb \u00fcbernahmen. Auch hier handelte es sich um einen Spezialdiskurs, der weitgehend von einer kleinen Funktionselite getragen wurde. Man kann von verdeckter Propaganda sprechen, weil die Auftraggeber nicht erw\u00e4hnt wurden, um den Eindruck einer unparteilichen\u00a0\u00c4u\u00dferung zu erwecken.<\/p>\n<p>Die Texte erschienen als Beitr\u00e4ge zu einer gelehrten Kommunikation. Das hatte zur Folge, dass sie eine st\u00e4rkere Kritik durch die anderen Gelehrten erfuhren, da die argumentative und polemische Auseinandersetzung zur Verfassung der\u00a0respublica litteraria\u00a0geh\u00f6rte. F\u00fcr den Autor ging es hier um seine Reputation als Gelehrter. F\u00fcr die Kabinette (H\u00f6fe) ergab sich die Gelegenheit, die Tragf\u00e4higkeit von Behauptungen und Begr\u00fcndungen auszutesten, ohne direkt involviert zu sein. Damit unterwarf man sich aber den Regeln einer gelehrten Kommunikationspraxis, die einem sehr viel langsameren Zeitrhythmus gehorchte. Das hing unter anderem mit der Verbreitung der Schriften zusammen, die hier der Buchhandel \u00fcbernahm und der in der Fr\u00fchen Neuzeit besondere Praktiken ausgebildet hatte.<\/p>\n<p>Um die Risiken bei der Vermarktung gelehrter Schriften zu minimieren, hatte sich im Zwischenhandel eine Tauschpraxis etabliert.\u00a0Auf den Messen, die im europ\u00e4ischen Raum zeitlich aufeinander abgestimmt stattfanden, wurde Druckbogen gegen Druckbogen getauscht, so dass die B\u00fccher \u00fcber gro\u00dfe geographische Entfernungen hinweg die verstreuten Mitglieder der Gelehrtenrepublik erreichen konnten. Erst im Endverkauf wurde Geld eingezogen. Diese \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum sehr effiziente Praxis setzte voraus, dass alle Publikationen in etwa gleichwertig und damit konvertibel waren (wie Bildungsabschl\u00fcsse im Bolognaprozess) und dass es sich um relativ langlebige G\u00fcter handelte, denn diese Distributionsform war zeitaufwendig.<\/p>\n<p>Vor allem aber pr\u00e4gte der Tauschhandel die Infrastruktur dieses Wirtschaftszweigs, weil er von einem Buchh\u00e4ndler verlangte, zugleich als Verleger und Buchdrucker t\u00e4tig zu sein, um die f\u00fcr den Tausch n\u00f6tigen Waren selber zu produzieren. In diesem geschlossenen System galten f\u00fcr auf Aktualit\u00e4t zielende Gelegenheitsschriften wie z. B. Propagandatexte etwas andere Regeln. Hier spielte der Barverkauf (gegen Geld) eine sehr viel gr\u00f6\u00dfere Rolle, d. h. die Nachfrage wurde zum bestimmenden Faktor. Das f\u00fchrte keineswegs automatisch zu h\u00f6heren Auflagen. Der Vorteil bestand eher darin, flexibler auf lokale und regionale M\u00e4rkte sowie auf spezielle Publikumsinteressen reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>IV.<\/h3>\n<p>Damit er\u00f6ffnete sich ein Raum f\u00fcr unser drittes Gesch\u00e4ftsmodell. Als Autoren treten hier Schriftsteller auf, die aus eigener Initiative handeln. Seyfart unterstellt ihnen Ehrgeiz, Eigennutz und Leidenschaft, doch diese anthropologische Motivation, so zutreffend sie auch sein mag, erkl\u00e4rt wenig. Auch eine soziale Verortung der Autoren hilft nicht viel weiter, weil es sich in der Regel um akademisch sozialisierte Gelehrte handelte, bei denen allerdings auff\u00e4llt, dass sie besonders h\u00e4ufig in der prek\u00e4ren Phase zwischen Studium und fester Anstellung publizierten. Gerade diese Gruppe vom Staat mehr oder weniger unabh\u00e4ngiger Schriftsteller ist f\u00fcr uns besonders interessant, weil ihre Produktion in ihren Inhalten und Formen deutlich vielf\u00e4ltiger war.<\/p>\n<p>Es handelte sich um Gelegenheitsschriften, die auf aktuelle Ereignisse, Debatten und Konjunkturen reagierten.\u00a0Auch hier lohnt es, auf die \u00d6konomie zu achten. Es ist anzunehmen, dass sehr viele dieser Gelegenheitsschriften mit keinem gro\u00dfen Absatz rechnen konnten. In Form und Inhalt lehnten sie sich oft an die Staatsschriften an. Sie beteiligten sich an den gelehrten Disputen. Sie verbreiteten Siegesmeldungen in Form von Gedichten und gedruckte Versionen von Predigten. Hohe Auflagen waren damit kaum zu erzielen. Die Honorare d\u00fcrften folglich eher gering gewesen sein.<\/p>\n<p>Worin lag dann der Gewinn f\u00fcr die Schriftsteller? Was motivierte ihn zum Engagement? Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein kleiner Ausflug in die Gefilde der gro\u00dfen Politik, der uns Aufschl\u00fcsse \u00fcber dieses dritte Gesch\u00e4ftsmodell liefern kann.<\/p>\n<p>1760 gelang der franz\u00f6sischen Regierung ein Propagandacoup.\u00a0Jedenfalls darf man wohl davon ausgehen, dass sie es war, die daf\u00fcr sorgte, dass in Amsterdam eine dreib\u00e4ndige Ausgabe der poetischen Werke Friedrichs II. erschien. Schon allein aufgrund der Prominenz des Verfassers, mehr noch wegen des skandal\u00f6sen Inhalts stie\u00dfen die B\u00e4nde auf sehr gro\u00dfes Interesse beim Publikum. Schnell waren mehrere Auflagen verkauft. Um einen propagandistischen Erfolg im Sinne des franz\u00f6sischen Hofes handelte es sich, weil der preu\u00dfische K\u00f6nig sich in seinen Texten sehr abf\u00e4llig und anz\u00fcglich \u00fcber seine Verb\u00fcndeten \u00e4u\u00dferte und sich geradezu als Religionssp\u00f6tter und Libertin pr\u00e4sentierte. Damit diskreditierte er sich und seine Verb\u00fcndeten bzw. Sympathisanten in Frankreich und besonders in England, von dessen finanzieller Unterst\u00fctzung er abh\u00e4ngiger als je zuvor war. Dem konnte die preu\u00dfische Regierung wenig entgegensetzen. Sie beschr\u00e4nkte sich auf die Behauptung, dass eine mit Verf\u00e4lschungen operierende, eben nicht autorisierte Ausgabe publiziert worden sei, auf sie dann mit einer eigenen (\u201agereinigten\u2018) Version antwortete.<\/p>\n<p>Doch nicht nur in politischer Hinsicht ist diese Propagandaaktion aufschlussreich, sondern ebenso im Hinblick auf den Umgang mit Texten. Der Versailler Hof sorgte n\u00e4mlich \u201anur\u2018 f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung der Werkausgabe und \u00fcberlie\u00df deren Verbreitung dem internationalen Buchmarkt. F\u00fcr die Regierung entstanden keine Kosten, w\u00e4hrend der Buchhandel sogar erheblich profitierte, ebenso wie die Zeitungen und Zeitschriften, die ausf\u00fchrlich \u00fcber diesen Vorgang und die skandal\u00f6sen Stellen berichteten. Die Propaganda bediente sich hier des kommerziellen Marktes f\u00fcr B\u00fccher und Nachrichten, indem sie Texte in dieses Mediensystem einspeiste. Dieses Gesch\u00e4ftsmodell unterscheidet sich signifikant von jenem, in dem die Werkausgabe zehn Jahre zuvor erstmals erschien. Friedrich II. hatte n\u00e4mlich nicht nur seine eigenen poetischen Werke selbst zusammengestellt und in sehr geringer Anzahl drucken lassen, sondern war ebenso f\u00fcr deren Distribution verantwortlich. Nur sehr wenige ausgew\u00e4hlte Personen aus seinem engsten Umkreis (\u201aFreunde\u2018) erhielten die B\u00e4nde von ihm jeweils mit der Verpflichtung, den Inhalt vertraulich zu behandeln, d. h. geheim zu halten. Im Falle eines Todes sollten die B\u00fccher wieder an den K\u00f6nig zur\u00fcckgehen, der sich im Arkanbereich der Macht als Literat pr\u00e4sentierte. In den Besitz seiner Werke gelangte man folglich nur durch eine besondere Gunst des Herrschers. Die Distribution der Publikation folgte der Logik des Gabentausches.\u00a0Wer die Ausgabe erhielt, wurde f\u00fcr seine (auch zuk\u00fcnftigen) Dienste und Loyalit\u00e4ten ausgezeichnet. Zugleich versuchte der K\u00f6nig auf diese Weise die absolute Kontrolle \u00fcber seine Texte zu wahren \u2013 letztlich vergeblich.<\/p>\n<p>Der Gabentausch funktioniert nicht nur von oben nach unten, sondern er wird \u2013 weit h\u00e4ufiger noch \u2013 von unten nach oben praktiziert. Es geht dann darum, anderen eine Gunst zu erweisen, um daf\u00fcr eine andere zu empfangen. Das entspricht sowohl der Logik eines reziproken Austausches in der Gelehrtenrepublik wie der asymmetrischen Beziehungen bei Hofe. In der Regel wird von unten mehr investiert \u2013 und von oben weniger gespendet. Zu vermuten ist, dass ein gro\u00dfer Teil der Gelegenheitsschriften in diesem Modus operierte. Die Autoren produzierten Texte, um mit solchen Leistungsnachweisen auf eigene Kompetenzen aufmerksam zu machen und die eigenen Qualit\u00e4ten im Wettbewerb mit anderen zu bezeugen.<\/p>\n<p>Da dieser Konkurrenzkampf in einem durch Klientel- oder Patronagebeziehungen\u00a0bestimmten Rahmen stattfand, war es empfehlenswert, die herrschenden Diskursregeln zu beachten. Anders gesagt: Man ahmte die g\u00e4ngigen Formate und Muster nach und suchte sie zu \u00fcberbieten:\u00a0imitatio et aemulatio. Insofern kreiste der gr\u00f6\u00dfte Teil der Gelegenheitsschriften um die Gravitationszentren h\u00f6fischer Politik und Gelehrsamkeit. Das war eine Erfolgsbedingung in diesem dritten Gesch\u00e4ftsmodell. Die Schriftsteller verhielten sich systemkonform, solange sie auf h\u00f6herstehende Patrone zielten und nicht auf ein zahlendes Publikum.<\/p>\n<p>Die Kommerzialisierung des Buchmarkts er\u00f6ffnete Freir\u00e4ume, wenn Honorare gezahlt wurden, von denen Autoren leben konnten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war eine solch prek\u00e4re Existenz eines \u201afreien\u2018 Schriftstellers jedoch keineswegs erstrebenswert. Vielmehr bem\u00fchten sich die meisten Autoren um eine feste Anstellung im Staats- oder Kirchendienst. Mit ihren Diskursbeitr\u00e4gen und ihren gedruckten Predigten bewarben sie sich um ein Amt oder eine Bef\u00f6rderung oder auch nur, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Damit trugen sie zur Propaganda wie zum Ausbau des Printmarktes und der daf\u00fcr n\u00f6tigen Infrastruktur bei. Gem\u00e4\u00df der Logik dieses dritten Gesch\u00e4ftsmodells kam es jedoch nicht auf gro\u00dfe Verkaufserfolge an, vielmehr erf\u00fcllten selbst kleinste Auflagen den Zweck, sich gedruckt zu sehen. Im Hinblick auf die entstehenden Kosten waren Kleinstauflagen eben weit weniger riskant. Selbst auf das Honorar konnte man verzichten, selbst ein eigener \u201aDruckkostenzuschuss\u2018 konnte sich f\u00fcr einen Autor lohnen, wenn er damit einen Wettbewerbsvorteil erzielte. Es ist daher durchaus wahrscheinlich, dass manche Predigt mehr Zuh\u00f6rer fand als ihr Druck Leser; aber in gedruckter Fassung d\u00fcrfte sie \u201aexklusivere\u2018 Rezipienten erreicht haben.<\/p>\n<p>Welche Karrieren unter Patronage-Bedingungen m\u00f6glich waren, l\u00e4sst sich an einem ungew\u00f6hnlichen Beispiel veranschaulichen.\u00a0Anna Louisa Karsch stammte aus \u00e4rmsten Verh\u00e4ltnissen. Sie verf\u00fcgte \u00fcber die au\u00dfergew\u00f6hnliche, geradezu geniale F\u00e4higkeit, aus dem Stegreif Gedichte zu schreiben. Man musste ihr dazu lediglich ein Thema, ein paar W\u00f6rter oder Phrasen vorgeben, um in kurzer Zeit formvollendete Verse von ihr zu erhalten. Mit gedruckten Gelegenheitsgedichten \u00fcber Stadtbr\u00e4nde und die Siege von Friedrich II.\u00a0erregte sie Aufmerksamkeit und fand G\u00f6nner, die mit Pr\u00e4senten nicht geizten, zun\u00e4chst unter den Landgeistlichen, dann in adligen Kreisen und am Hofe der preu\u00dfischen K\u00f6nigin. Schlie\u00dflich wurde sie sogar von Friedrich II. empfangen, dem sie das Versprechen abringen konnte, ihr ein Haus zu schenken; nach langem Dr\u00e4ngen wurde diese Zusage von K\u00f6nig Friedrich Wilhelm II. eingel\u00f6st. In literarischen Kreisen galt diese Dichterin als ein bewundertes Naturgenie, das durch ihr \u201aingenium\u2018 neueste Dichtungstheorien best\u00e4tigte. Auf dem Buchmarkt hatte sie dagegen weit weniger Erfolg.<\/p>\n<h3>V.<\/h3>\n<p>Wenn Seyfart in seiner Typologie der Autoren von Staatsschriften die Zeitungsschreiber nicht ber\u00fccksichtigt hat, dann mochte es daran liegen, dass Zeitungen ihr eigenes (ein viertes) Gesch\u00e4ftsmodell hatten. Zeitungen waren ein Kind der Post, und das unterschied sie von Zeitschriften und Journalen, die als Periodika im Rahmen der\u00a0respublica litteraria\u00a0entstanden.\u00a0Entsprechend wenig wurden deshalb die Zeitungen in der traditionellen Buchhandelsgeschichte ber\u00fccksichtigt. Zeitungen dienten der Verbreitung von Nachrichten, deren Mitteilung zun\u00e4chst \u00fcber Briefe erfolgte, die dann an den Knotenpunkten der Postwege geb\u00fcndelt und durch den Druck vervielf\u00e4ltigt wurden. Deshalb spielt hier das Postnetz eine zentrale Rolle.\u00a0Diese Herkunft bestimmte die Aufmachung der Zeitungen noch Mitte des 18. Jahrhunderts. Anstelle von Schlagzeilen standen Orts- und Datumsangaben, die sich jeweils auf die Herkunft der Nachrichten, dem Ort des Korrespondenten, bezogen und nicht auf das berichtete Geschehen.\u00a0Neuigkeiten aus Indien konnte man daher unter Lissabon oder Halle finden, weil dort entsprechende Informationen eingetroffen waren.<\/p>\n<p>Die Nachrichten wurden in der Reihenfolge ihres Eintreffens in der Redaktion abgedruckt, nicht nach der Chronologie der Ereignisse oder gar im Hinblick auf ihre Relevanz. Diese Praxis diente der Authentifikation. Sie sagt zugleich etwas \u00fcber Postverbindungen aus, \u00fcber Entfernungen und Geschwindigkeiten. Im Schnitt lagen die Ereignisse, \u00fcber die berichtet wurde, etwa vierzehn Tage zur\u00fcck. Reitende Boten, Briefe und Ger\u00fcchte waren schneller. Der Vorteil der Zeitungen bestand weniger in der Aktualit\u00e4t, als vielmehr in der gleichf\u00f6rmigen Verbreitung eines Nachrichtenflusses. Damit stellte dieses Medium einen sich best\u00e4ndig aktualisierenden Kenntnisstand \u00fcber die Weltbegebenheiten her.\u00a0Deshalb kann man von einer Medienrealit\u00e4t sprechen, die als generalisierter Referenzrahmen f\u00fcr die Kommunikation dienen konnte. In diesem Sinne finden sich in den Briefen der Zeitgenossen h\u00e4ufig Verweise auf Zeitungslekt\u00fcre, die damit ein Wissen als allgemein bekannt unterstellten, um daran weitere Informationen oder Kommentare anzuschlie\u00dfen. Briefe und Zeitungen kamen mit der gleichen Post.<\/p>\n<p>Aufgrund ihrer periodischen Erscheinungsweise, h\u00e4ufig an den zwei oder drei Posttagen in der Woche, waren die Zeitungen einer deutlich st\u00e4rkeren Kontrolle ausgesetzt als etwa Flugschriften. Staatliche Zensur war die Regel, und ihre Berechtigung wurde im 18. Jahrhundert kaum bestritten. Zur Kontrolle des Nachrichtenflusses dienten zudem Einfuhrverbote fremder (\u201aausl\u00e4ndischer\u2018) Zeitungen. Doch das konnte die Verbreitung von Informationen nur bedingt einschr\u00e4nken, weil andere Zeitungen (speziell die Hamburger) die Meldungen ebenfalls verbreiteten. Einfuhrverbote dienten eher der \u00f6konomischen Sch\u00e4digung einer unliebsamen Konkurrenz. Johann Heinrich Gottlob von Justi nannte Zeitungen, die \u00fcber Weltbegebenheiten berichteten, \u201eStaatszeitungen\u201c, deren \u201ePatheylichkeit\u201c allgemein bekannt sei. Daran h\u00e4tte sich auch im Siebenj\u00e4hrigen Krieg nichts ge\u00e4ndert, denn schon im Spanischen Erbfolgekrieg sechzig Jahre zuvor habe man die Zeitungen \u201evor nichts anders als Waffen der Feder angesehen [\u2026], deren sich die kriegf\u00fchrenden Partheyen gegen einander eben also bedienen, als der ordentlichen Kriegswaffen.\u201c<\/p>\n<p>Und er f\u00fcgte dann hinzu: \u201eWenn wir an dieser Beschaffenheit der meisten Zeitungen noch einen Augenblick zweifeln k\u00f6nnten; so w\u00fcrden wir durch dasjenige, was in dem itzigen Zeitraume geschiehet, genugsam davon \u00fcberzeuget werden. Sehen wir nicht, da\u00df verschiedene Zeitungen wider einander zu Felde ziehen, und einander mit allen ersinnlichen Anz\u00fcglichkeiten und L\u00fcgenstrafen best\u00fcrmen? Wenn einige nicht offenbar Parthey auf Seiten der kriegf\u00fchrenden Theile nehmen, so blicket doch ihre Partheylichkeit allenthalben hervor.\u201c<\/p>\n<p>Diese Parteilichkeit der Zeitungen war dem Publikum bewusst. Ja, sie d\u00fcrfte zum Erfolg dieses Medienformats beigetragen haben, weil man sich so einigerma\u00dfen verbindlich \u00fcber die Haltung einer Regierung oder Hofes informieren konnte. Daf\u00fcr spricht auch die detaillierte Hofberichterstattung. Nicht das einzelne Organ, wohl das Mediensystem lieferte durchaus verl\u00e4ssliche Informationen \u00fcber die politische Lage in der Welt. Das erforderte allerdings die Lekt\u00fcre verschiedener Zeitungen. Selbst wenn das nicht m\u00f6glich war, f\u00f6rderte das Zeitungslesen einen kritischen Blick auf das berichtete Geschehen. Man lernte mit der perspektivischen Brechung der Wahrnehmung umzugehen.<\/p>\n<p>Das lesende Publikum bestand auch hier weitgehend aus jenem relativ kleinen Kreis einer gelehrt-gebildeten Oberschicht mit den Gravitationszentren h\u00f6fische Gesellschaft und Gelehrtenrepublik. Das best\u00e4tigen die Auflagenzahlen, die um 1750 im Durchschnitt noch eher im Bereich des Normalmarktes (500\u20131.500 Exemplare) lagen und erst am Ende des 18. Jahrhunderts stark expandierten. Selbst wenn man ber\u00fccksichtigt, dass printmediale Produkte weit mehr Leser als K\u00e4ufer hatten, dass sie in Kaffeeh\u00e4usern und Gastwirtschaften auslagen oder im Publikum zirkulierten, sollte man ihre Reichweite nicht \u00fcbersch\u00e4tzen. Genauso wichtig ist jedoch zu sehen, dass den st\u00e4ndischen Funktionseliten immer mehr Informationsquellen zur Verf\u00fcgung standen. Darauf deuten die Klagen \u00fcber die F\u00fclle der Publikationen hin. Vor allem aber \u00fcbte man sich in der Beobachtung der Politik, wobei die Perspektive der H\u00f6fe und Regierungen dominierte.<\/p>\n<h3>VI.<\/h3>\n<p>Als Zwischenfazit ist zu konstatieren: Nichts gravierend Neues im Siebenj\u00e4hrigen Krieg. Relevante Ver\u00e4nderungen ergeben sich erst dann, wenn ein \u201aneues\u2018 gr\u00f6\u00dferes Publikum gewonnen wird, wenn mit einem kommerziellen Markt f\u00fcr Printprodukte ein \u201aneues\u2018 Gravitationszentrum entsteht, das den Einfluss von Hof bzw. Staat und Gelehrsamkeit relativiert, indem es Raum f\u00fcr ein f\u00fcnftes Gesch\u00e4ftsmodell schafft. Hier lohnt ein kurzer Blick auf die franz\u00f6sischen und englischen Verh\u00e4ltnisse, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts noch den deutschen um einige Jahrzehnte voraus waren.<\/p>\n<p>Sowohl Frankreich wie England verf\u00fcgten mit Paris und London \u00fcber Gro\u00dfst\u00e4dte als Zentren, die mit ihren ca. 500.000 Einwohnern etwa f\u00fcnfmal so gro\u00df wie Wien oder Berlin waren. Mit dieser Bev\u00f6lkerungskonzentration ging eine erhebliche Kommunikationsverdichtung einher. Nicht nur die relativ kurzen Wege erwiesen sich f\u00fcr den Buchmarkt als ein Vorteil sondern auch die R\u00fcckbindung der Printmedien an die Interaktionen in den Salons, Kaffeeh\u00e4usern, Gastst\u00e4tten, Clubs usw. In diesem dichten Geflecht von Resonanzr\u00e4umen f\u00fcr Gedrucktes formierten sich konkurrierende Gruppen und Positionen in einer Vielfalt, f\u00fcr die es im deutschen Sprachraum noch so gut wie kein Pendant gab.<\/p>\n<p>In der Art und Weise, wie mit dieser Pluralit\u00e4t umgegangen wurde, unterschieden sich England und Frankreich. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts herrschte in England eine weitgehende Meinungs- und Pressefreiheit. Da es kaum staatliche Einschr\u00e4nkungen gab, wurden die Auseinandersetzungen auf dem Markt ausgetragen, in einem \u201eW\u00f6rterkrieg\u201c (Winkler), bei dem es zugleich um politische wie \u00f6konomische Vorteile ging. Dagegen gab es in Frankreich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig strenge Zensurgesetze, die allerdings weit weniger streng gehandhabt wurden. Entgegen dem Anschein haben wir es auch hier nicht mehr mit einer absolutistischen, sondern mit einer durchaus pluralistischen \u00d6ffentlichkeit zu tun.<\/p>\n<p>An der Spitze konkurrierten vor allem drei Zentren miteinander: der Hof in Versailles, die Pariser Salons und die Aufkl\u00e4rungsphilosophen im Umkreis der\u00a0Encyclop\u00e9die. Entsprechend differenziert agierte Friedrich II.: Beim Zeremoniell orientierte er sich eher an Versailles, in der Kultur dagegen an den Aufkl\u00e4rern.\u00a0Unterhalb dieser Hochkultur brodelte es auch in Paris heftig. Da Franz\u00f6sisch zudem die europ\u00e4ische Verkehrssprache der Oberschichten war, gab es au\u00dferhalb Frankreichs eine rege Literaturproduktion, die aus dem Ausland auf den franz\u00f6sischen Markt dr\u00e4ngte. Besonders in den Niederlanden und speziell in Amsterdam wurde vieles gedruckt, was in Frankreich verboten war, um es ins Land zu schmuggeln, ohne dabei auf eine Sprachgrenze zu sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Diese relativ pluralistischen \u00d6ffentlichkeiten in Frankreich und Gro\u00dfbritannien hatten f\u00fcr die Propaganda zur Folge, dass man hier stets mindestens zwei Adressaten im Blick haben musste: nach au\u00dfen den Kriegsgegner bzw. Verb\u00fcndeten und nach innen die Opposition im eigenen Land. Damit ergab sich eine Verschr\u00e4nkung von internationaler und nationaler \u00d6ffentlichkeit. Auch das l\u00e4sst sich am Beispiel der bereits erw\u00e4hnten Publikation der poetischen Werke Friedrichs II. veranschaulichen: Die Ver\u00f6ffentlichung erfolgte in der franz\u00f6sischen Originalsprache in den Niederlanden, also im neutralen Ausland, und war an ein internationales Publikum gerichtet. Beabsichtigt war, erstens den preu\u00dfischen K\u00f6nig als Kriegsgegner blo\u00dfzustellen, zweitens seine englischen Unterst\u00fctzer und damit seine Kreditf\u00e4higkeit zu schw\u00e4chen, schlie\u00dflich drittens die mit ihm sympathisierenden franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rer zu diskreditieren.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt lie\u00dfe sich am Beispiel der Friedrich-Rezeption in Britannien\u00a0und Frankreich zeigen, wie der preu\u00dfische K\u00f6nig jeweils auch f\u00fcr innenpolitische Zwecke benutzt wurde, etwa indem man den erfolgreichen Feldherrn mit weit weniger gl\u00fccklichen britischen Milit\u00e4rs verglich oder indem man den aufkl\u00e4rten preu\u00dfischen Monarchen mit dem franz\u00f6sischen K\u00f6nigshof kontrastierte. F\u00fcr diese nationalen wie internationalen Deutungsk\u00e4mpfe bieten sich die g\u00e4ngigen Nationalstereotypen als Waffen an, die durch den Konflikt gesch\u00e4rft wurden. So definierten sich Briten in Opposition zu Franzosen und umgekehrt.\u00a0Diese patriotische bzw. nationale Semantik produziert starke Generalisierungen, die zur Identifikation auffordern, um nicht zu sagen: zwingen.<\/p>\n<h3>VII.<\/h3>\n<p>Im Unterschied zur englisch-franz\u00f6sischen Auseinandersetzung fand der deutsche Krieg nicht nur im Lande statt, sondern es gab wesentlich mehr politische Zentren im Reich; sie waren der wichtigste Adressat der Kriegspublizistik. Das Printmedium diente vorrangig \u201eder gegenseitigen Information der europ\u00e4ischen H\u00f6fe und ihrer politischen F\u00fchrungsschichten\u201c. Um die Dominanz einer absolutistische \u00d6ffentlichkeit mit den beiden Gravitationszentren Hof und Gelehrsamkeit zu relativieren, war es erforderlich, dem Buchhandel eine st\u00e4rkere Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber Staat und Gelehrtenrepublik zu verschaffen. Als Voraussetzung f\u00fcr einen Strukturwandel bedurfte es einer Erweiterung des Publikums, einer Vergr\u00f6\u00dferung der Nachfrage. Anders gesagt: Man musste den Markt st\u00e4rken, um ein f\u00fcnftes Gesch\u00e4ftsmodell zu etablieren. Was war zu beachten, um auf dem \u201afreien\u2018 Markt erfolgreich zu sein?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist zu konstatieren, dass sich zwischen 1740 und 1800 die Menge der auf den Leipziger Ostermessen gehandelten B\u00fccher verdreifachte.\u00a0Die h\u00f6chsten Wachstumsraten fielen in die letzten Jahrzehnte des Jahrhunderts. Archenholz hielt das f\u00fcr eine Folge des Krieges, und ein Gro\u00dfteil der Forschung zur Kriegspublizistik ist ihm darin gefolgt. Wenn es so w\u00e4re, h\u00e4tte mit dem Krieg auch die Expansion enden m\u00fcssen. Das Gegenteil ist der Fall. Deshalb empfiehlt es sich, die Blickrichtung umzudrehen und nicht vom Krieg, sondern von der Medienentwicklung auszugehen. Dann erscheint das Staunen \u00fcber die Menge der Kriegspublizistik nur als ein Vorspiel zu den Debatten \u00fcber Schreibwut und Lesesucht in den 1770er Jahren; die Inhalte und Formate haben sich ge\u00e4ndert, nicht der Medienkonsum. Die Expansion des deutschen Buchmarkts im 18. Jahrhundert war mit einer Umschichtung der Marktanteile verbunden. So sank der Anteil der theologischen Schriften von 1740 bis 1800 von 38,5\u00a0% auf 13,6 %, w\u00e4hrend im gleichen Zeitraum die Belletristik (Sch\u00f6ne Wissenschaften und K\u00fcnste) ihren Anteil von 5,8 % auf 21,5 % steigern konnte und dies \u2013 wie gesagt \u2013 bei einer Verdreifachung der Gesamtproduktion. Auch das Realienwissen (Landwirtschaft, Gewerbe, Erziehung, Naturwissenschaften usw.) z\u00e4hlte zu Gewinnern des Strukturwandels. Der Bedeutungsverlust einer traditionellen Gelehrsamkeit ist auch daran zu erkennen, dass im Bereich der sch\u00f6nen Literatur der Roman zur vorherrschenden Gattung \u00adaufstieg; \u00admehr als die H\u00e4lfte der Titel in diesem Segment entfiel um 1800 auf ein Genre, das in den zeitgen\u00f6ssischen Poetik-Lehrb\u00fcchern oft nicht einmal erw\u00e4hnt wurde.<\/p>\n<p>Die popul\u00e4ren Formate fungierten als treibende Kraft bei dem Strukturwandel des Buchhandels und damit der \u00d6ffentlichkeit.\u00a0Bei den Produzenten dieser marktg\u00e4ngigen Ware handelte es sich \u2013 wie zuvor \u2013 zumeist um akademisch gebildete M\u00e4nner. Anders als zuvor aber ahmten sie jetzt nicht mehr nach, was die normativen Gattungspoetiken vorgaben, sondern was auf dem Markt erfolgreich war. Das waren mit den Moralischen Wochenschriften,\u00a0den Totengespr\u00e4chen,\u00a0den Robinsonaden,\u00a0den Briefromanen,\u00a0den empfindsamen Liebesgeschichten\u00a0und Dramen fast durchg\u00e4ngig Formate, f\u00fcr die England und Frankreich die Vorbilder geliefert hatten. Will man auf einem etwas abstrakteren Niveau die Erfolgsmerkmale benennen, so w\u00e4ren dies: erstens die Erfindung von generalisierbaren Charakteren, die zur Identifikation einladen. Das konnten Individuen sein, aber auch Kollektive, z. B. imagined communities wie die Nationen, das B\u00fcrgertum oder die Menschheit. Die fiktiven Akteure traten zweitens in Form von Konflikten oder Dialogen zueinander in Beziehung, um die unterschiedlichen Positionen \u00fcber Kontrastrelationen zu verdeutlichen. Drittens wurde so eine mehr oder minder dramatische Handlung in Gang gesetzt, die sich in Geschichten narrativ entfalten lie\u00df. Die Auseinandersetzungen gingen viertens zu Herzen, sie erregten Emotionen. \u00dcber Sympathie und Antipathie, \u00fcber Tugend und Laster suchte man f\u00fcnftens vor allem die Wirkung zu steuern.<\/p>\n<p>Auf dieser Grundlage w\u00e4re es gar nicht so schwer zu zeigen, warum der preu\u00dfische K\u00f6nig \u00fcber so hohe Popularit\u00e4tswerte verf\u00fcgte.\u00a0Man hatte einen prominenten Akteur (genauer: das medial verbreitete Bild eines Akteurs), der sich in einem existentiellen Konflikt befand, als Feldherr handelte und gegen schier \u00fcberm\u00e4chtige Gegner k\u00e4mpfte. Zugleich behauptete er sich auch intellektuell im Streitgespr\u00e4ch mit seinen Kontrahenten. Schon w\u00e4hrend des Krieges, vor allem aber danach wurde dieser K\u00f6nig in zahlreichen Anekdoten und Kupferstichen familiarisiert. All das zog \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit auf sich, stimulierte die weitere Produktion, erregte beim Publikum Gef\u00fchle und provozierte Bewertungen. Hier Neutralit\u00e4t zu wahren, fiel schwer. \u2013 Man k\u00f6nnte an dieser Stelle einmal \u00fcberlegen, wie unter diesen Bedingungen und mit dem vorgegebenen Rohmaterial eine Imagestrategie f\u00fcr Maria Theresia auszusehen h\u00e4tte. Man w\u00fcrde dann feststellen, dass entsprechende \u00dcberlegungen schon im 18. Jahrhundert umgesetzt wurden.<\/p>\n<p>Nicht nur die Modellierung der Herrscherbilder folgte popul\u00e4ren Mustern, sie beeinflussten auch die Staatsschriften. Grob gesch\u00e4tzt operieren ca. 10\u201315 % aller in der\u00a0Teutschen Kriegs-Canzley\u00a0gelisteten Titel mit fiktiven Sprecherrollen. Sie pr\u00e4sentieren sich als Schreiben eines Vaters, eines Freundes, eines Reisenden, eines Kaufmanns, eines Offiziers, eines Wienerisch-Gesinnten usw. und sie wenden sich an Adressaten, die ebenso allgemein und unbestimmt bleiben.<\/p>\n<p>Es handelt sich um Charaktere, die durch wenige, aber bezeichnende Merkmale bestimmt sind. Es sind Privatleute, die das Kriegsgeschehen und sein publizistisches Echo beobachten und kommentieren. Als Vater oder Freund erscheinen sie vertrauensw\u00fcrdig und welterfahren als Reisender oder Kaufmann. Stets bleiben sie anonym. Dagegen benennen die allermeisten Staatschriften im engeren Sinn historisch verifizierbare Autoren, deren politische, juristische oder milit\u00e4rische Positionen ihre \u00c4u\u00dferungen autorisierten. Deshalb ist es in diesen Texten unerl\u00e4sslich, den Namen und den Rang zu nennen. Bei den literarisierten Publikationen verh\u00e4lt es sich anders. Das sei hier an einem eher ungew\u00f6hnlichen Beispiel erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>In der\u00a0Erinnerung des Pre\u00dfbengels an seinen Buchdrucker-Gesellen wegen seines Schreibens \u00fcber die Schriften der Preu\u00dfischen Publicisten\u00a0spricht ein Gegenstand: ein Hebel, der beim Buchdruck verwendet wird. Wer mit der Kunst und den Fabeln \u00c4sops vertraut ist, wer sich also in der Literatur auskennt, den kann es nicht \u00fcberraschen, wenn Tiere oder Gegenst\u00e4nde das Wort ergreifen. \u201eSelbst das Publicum wird es so wenig bewundern, da\u00df ein Pre\u00dfbengel redet, als ihm befremdlich vorgekommen ist, von einem Buchdruckergesellen solch gelehrtes Schreiben zu sehen\u201c.<br \/>\nIm Unterschied zu einer authentischen Autorschaft, bei der eine Person mit Namen, Rang und Reputation f\u00fcr seine Aussagen einsteht, legitimieren sich fingierte Sprecherrollen allein durch ihren Text. \u201eDie Welt ist gewohnt, aus der Denkungsart und dem Vortrage auf den Stand des Verfassers zu schliessen.\u201c<\/p>\n<p>Deshalb komme es auch nicht darauf an, wer man tats\u00e4chlich sei, ob Buchdruckergeselle oder Pressbengel, sondern wie und was man sagt, ob man also die in der literarischen Welt geltenden Normen befolgt: \u201eEs ist also h\u00f6chstn\u00f6thig, da\u00df man jederzeit erhaben, da\u00df man edel denke, und nie einen niedertr\u00e4chtigen Begriff entwischen lasse. Erinnern sie sich dessen, so oft sie schreiben wollen. Nennen sie sich immerhin einen Buchdrucker- oder Schneidergesellen. Seyn sie es wohl gar wirklich. Geben sie ihren Gedanken einen edlen Schwung, so wird jedermann doch einen grossen Gelehrten hinter der Larve suchen.\u201c<\/p>\n<p>Damit konstituiert sich ein Kommunikationsraum, an dem alle teilhaben k\u00f6nnen, ungeachtet ihrer tats\u00e4chlichen sozialen Stellung, sofern sie sich den Diskursregeln unterwerfen. Es sind die Regeln der sich sozial \u00f6ffnenden gelehrten Welt. Ihre Mitglieder dieser\u00a0respublica litteraria\u00a0zeichnen sich durch ihre Unabh\u00e4ngigkeit und Freiheit aus. \u201eEin Dienstbothe darf nicht so freym\u00fcthig denken, wie ein Herr. Aus allen seinen Handlungen mu\u00df eine Art der Unterw\u00fcrfigkeit hervor leuchten. Er mu\u00df sich dazu gew\u00f6hnen, wenn er nicht f\u00fcr liederlich gehalten seyn, und sein Gl\u00fcck verscherzen will. Diese Gewohnheit h\u00e4ngt ihm immer an. Allenthalben verr\u00e4th er seinen Stand.\u201c\u00a0Daher tritt der Pressbengel \u201ewie ein Herr\u201c auf, wie ein Gelehrter, der sich einem gr\u00f6\u00dferen Publikum pr\u00e4sentiert; Kant w\u00fcrde sagen: der \u201aWelt\u2018.<\/p>\n<p>Seine Rede-Kompetenz beweist der Pressbengel durch die Kritik anderer Texte, zun\u00e4chst den des \u201eBuchdrucker-Gesellen\u201c,\u00a0anschlie\u00dfend aber auch mehr als zehn weiteren Publikationen, die sich ebenfalls fiktionalisierter Sprecher bedienen.\u00a0Dabei geht es um die Stichhaltigkeit der Argumentation ebenso wie um Fragen des Ausdrucks (Grobheiten, grammatische Korrektheit, stilistische Eleganz). \u00dcber eine solche \u2013 f\u00fcr diese Texte charakteristische \u2013 kritische Auseinandersetzung verdichten sich die Beziehungen zwischen den genannten Texten zu einem Diskussionszusammenhang, der seine Eigenst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber den politisch autorisierten Staatsschriften behauptet. Man k\u00f6nnte hier von einer r\u00e4sonierenden \u00d6ffentlichkeit sprechen, die das politische und milit\u00e4rische Geschehen beobachtet und kommentiert, ohne an der Macht partizipieren zu wollen.<\/p>\n<p>Die Fiktionalisierung dient dem lesenden Publikum dazu, sich besser in der wirklichen Welt zu orientieren, indem die Vielzahl zug\u00e4nglicher Informationen in geordnete Zusammenh\u00e4nge gebracht wird. In den Texten leisten das die Sprecherfiguren, die nicht \u00fcber den Dingen stehen, sondern Teil des Geschehens sind, die durchaus Partei ergreifen, die jedoch ihre Position angesichts anderer Auffassungen gegen\u00fcber dem Publikum \u00fcberzeugend vertreten m\u00fcssen. Bei dieser Ein\u00fcbung in eine perspektivische Wahrnehmung bieten die typisierten Figuren den sehr viel st\u00e4rker individualisierten Rezipienten eine breite Identifikationsfl\u00e4che an.<\/p>\n<p>Das kritische R\u00e4sonnement, dessen sich selbst die Propagandisten bedienen m\u00fcssen, stellt die eine gro\u00dfe Leistung dieser Art Kriegspublizistik dar, die andere besteht in einer popul\u00e4ren und pragmatischen Zeitgeschichtsschreibung. Hier reagieren die Verfasser ebenfalls auf die Menge der Meldungen in Zeitungen und Flugschriften und auf die fehlende Zeit des Publikums, diese Nachrichten zu verarbeiten. Also \u00fcbernimmt ein \u201aFreund\u2018 dieses Gesch\u00e4ft f\u00fcr einen \u201aFreund\u2018 und ist damit ausgesprochen erfolgreich.<\/p>\n<p>Die Flugschrift Schreiben eines Freundes aus Sachsen an seinen Freund in W. \u00fcber den gegenw\u00e4rtigen Zustand des Krieges in Teutschland erf\u00e4hrt innerhalb von zwei Jahren allein 24 Fortsetzungen, bevor dann eine zweite Staffel einsetzt, die es auf 25 Folgen bringt. Aus einer Gelegenheitsschrift wird ein Periodikum, genauer gesagt: ein Werk in Fortsetzungen, das mit dem Abschluss 1761 in zwei B\u00e4nden erscheint. In der Vorrede begr\u00fcndet der Verfasser diese Publikationsweise zum einen mit der Aktualit\u00e4t seiner Berichte, zum anderen damit, dass \u201enicht ein jeder gro\u00dfe historische Werke kauffen kan und doch diese Kriegserzehlung w\u00fcrdig genug ist, auch von dem armen Mann auf Kinder und Kindes-Kinder gebracht zu werden, damit selbige noch den gro\u00dfen Finger GOttes in diesen gef\u00e4hrlichen Zeitl\u00e4uften erkennen und nicht verzagen, wo sie auch dergleichen tr\u00fcbseelige Tage und Jahre erleben sollten. Letzlich ist es in Schreiben verfasset worden, da\u00df es dem begierigen \u00adLiebhaber solcher Kriegsgeschichte nicht zu hart ankommt, wann er nicht gerne vieles auf einmahl daran verwenden mag oder kan. Er hat also \u00adGelegenheit gehabt mit sehr wenigen Kosten innerhalb 6. Jahren sich eine Historie anzuschaffen, die alle Vorfallenheiten auf das getreueste lieferte.\u201c<\/p>\n<p>Die Lieferung eines Werks in einzelnen Heften zu einem geringen Preis, damit jedermann es erwerben kann, verweist auf das Gesch\u00e4ftsmodell der Kolportage voraus, mit der Konversationslexika und Romane im 19. Jahrhundert ein Massenpublikum erreichten.<\/p>\n<p>Einer konstanten Nachfrage konnte sich auch Christoph Gottlieb Richter sicher sein, dessen anonym erschienene\u00a0Gespr\u00e4che im Reiche der Todten\u00a0es zwischen 1757 und 1763 auf f\u00fcnfzig Hefte im Umfang von jeweils 50\u201360 Seiten brachten. Jede dieser Brosch\u00fcren war mit einer handkolorierten Karte von einer Schlacht, einem Treffen oder einer Belagerung ausgestattet. Es handelte sich also um ein eher hochwertiges Produkt; darin unterschied es sich von Nachdrucken. Auch hier f\u00fcgten sich die einzelnen Hefte zu B\u00fcchern zusammen, die, mit Registern versehen, sich als Nachschlagewerk eigneten. Richter kn\u00fcpfte an eine literarische Tradition (Lukian, Fontenelle, Fa\u00dfmann) an, wenn er ber\u00fchmte Akteure nach ihrem Tod unter den besonderen Bedingungen des Jenseits \u00fcber aktuelles Geschehen sprechen lie\u00df.\u00a0Im Totenreich muss man sich nicht mehr verstellen und eigene Interessen verfolgen; man k\u00f6nnte von einer herrschaftsfreien Kommunikationssituation sprechen.<\/p>\n<p>Der Dialog besitzt den darstellungstechnischen Vorteil, dass er die Figuren selber reden l\u00e4sst. Das erweckt nicht nur den Anschein von Objektivit\u00e4t, sondern l\u00e4sst die unterschiedlichen Auffassungen der Kriegsparteien selber zu Wort kommen, ohne dass ein vermittelnder Erz\u00e4hler dazwischentritt. Wie auf einer B\u00fchne setzen sich die Figuren der Beobachtung aus, und die Zuschauer k\u00f6nnen sich selbst ein Urteil bilden.<\/p>\n<p>Die \u201erepublikanische Freiheit des lesenden Publikums\u201c (Schiller) bleibt gewahrt: \u201eEs ist nicht m\u00f6glich, wenn zween \u00fcber einerley Sache reden, da\u00df nicht die Gr\u00fcnde des einen die des andern \u00fcberwiegten. Das Urtheil, auf welcher Seite sie am st\u00e4rksten seyen, geh\u00f6rt dem Leser, und dieses Urtheil kann ihn keine Macht auf Erden benehmen, woferne er nur \u00fcber diese Gabe des Himmels h\u00e4lt, da\u00df er nicht seiner n\u00e4hern Pflichten dabey vergesse.\u201c<\/p>\n<p>Die Entscheidung, ber\u00fchmte und hochstehende Gespr\u00e4chspartner zu w\u00e4hlen, wird damit begr\u00fcndet, dass es sich um bekannte Charaktere handele, von denen man wei\u00df, dass sie ihren Souver\u00e4nen treu gedient haben und deshalb deren Position \u00fcberzeugend vertreten k\u00f6nnen. Das fingierte Gespr\u00e4ch hat Richter, wie er beteuert, auf der Grundlage von Staatsschriften und Zeitungsmeldungen verfasst.<\/p>\n<p>An die Stelle der adligen Oberschicht k\u00f6nnen auch einfache Leute treten. Das geschieht z. B. in der Wochenschrift\u00a0Der mit dem S\u00e4chsischen Bauern von jetzigem Kriege redende Franz\u00f6sische Soldat, die vom August 1757 bis zum September 1758 in Merseburg erschien.\u00a0Aufschlussreich ist die hier gew\u00e4hlte Figurenkonstellation. Ein s\u00e4chsischer Bauer unterh\u00e4lt sich mit einem franz\u00f6sischen Soldaten, der sich als Frankfurter entpuppt. Frankreich und Sachsen waren Verb\u00fcndete. F\u00fcr die preu\u00dfische Armee bestand keinerlei Sympathie, deren K\u00f6nig begegnete man gleichwohl mit Respekt. Der St\u00e4dter spricht hochdeutsch, der Dorfbewohner Dialekt. Das d\u00fcrfte die Reichweite der Zeitschrift auf den regionalen Markt beschr\u00e4nkt haben. \u00dcber die fiktiven Akteure signalisierte die Wochenschrift, dass sie nicht nur auf ein ungelehrtes Publikum zielte, sondern dessen Blick auf das Geschehen ber\u00fccksichtigte. Es geht um Inklusion. Alle sollen einbezogen werden in die Wahrnehmung, in die Texte, in den literarischen Markt, in eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit, die sich pluralisiert.<\/p>\n<p>Unter diesem Gesichtspunkt muss man auch den ber\u00fchmtesten literarischen Kriegsteilnehmer sehen: Gleims\u00a0Preu\u00dfischen Grenadier.\u00a0Bei diesem teilnehmenden Beobachter oder beobachtenden Teilnehmer handelt es sich um den radikalsten Entwurf einer fiktiven Gestalt, und diese Radikalisierung erfolgte im Bereich der Poesie.\u00a0Auch hier handelt es sich um einen \u201agemeinen Mann\u2018, dessen Lieder allerdings dem gehobenen literarischen Segment zuzuordnen sind. Bei aller Popularit\u00e4t, die dieser Figur damals schnell zuflog, darf man davon ausgehen, dass die preu\u00dfischen Soldaten nicht zu seinen prim\u00e4ren Adressaten geh\u00f6rten, eher schon die vielen Federkrieger. Mit seiner poetischen Kunstfigur reagierte Gleim auch auf ein Darstellungsproblem: Wie lassen sich die Taten des preu\u00dfischen K\u00f6nigs in Poesie verwandeln, um den Nachruhm auf Dauer sicherzustellen? Als Vorbild daf\u00fcr diente die antike Konstellation von Kaiser Augustus und Horaz. Auch Archenholz folgte diesem Schema, wenn er als Resultat des B\u00fcrgerkriegs eine kulturelle Bl\u00fctezeit prophezeite.\u00a0Unter diesem Blickwinkel ging es dann auch darum, als Autor einer literarischen Glanzperiode Ruhm zu erwerben und zugleich das gesellschaftliche Renommee der Literatur aufzuwerten. Bevor Gleim selber t\u00e4tig wurde, dr\u00e4ngte er Gotthold Ephraim Lessing, Ewald von Kleist und den befreundeten Horaz-\u00dcbersetzer Karl Wilhelm Ramler dazu, eine Ode auf Friedrich II. zu schreiben.<\/p>\n<p>Als moderner Tyrt\u00e4us, erneut ein literarisches Rollenspiel, griff Gleim jedoch nicht auf ein antikes Muster zur\u00fcck, sondern benutzte mit der Chevy-Chase-Strophe eine aus England importierte Form des Volkslieds.\u00a0Die artifizielle Simplizit\u00e4t senkte die Rezeptionsanforderungen und steigerte das Inklusionspotential. Die Chevy-Chase-Strophe wirkte weit \u00fcberzeugender als z. B. die in Alexandriner-Versen verfassten (mehr als berechtigen) Klagen \u00fcber\u00a0Das bedr\u00e4ngte Sachsen.\u00a0Diese Formentscheidung implizierte, die Sprecherrolle mit einem Mann des einfachen Volkes zu besetzen. Mit der Erfindung des preu\u00dfischen Grenadiers nahm Gleim den Trick vorweg, den Jahrzehnte sp\u00e4ter Walter Scott in seinen historischen Roman benutzen wird, n\u00e4mlich die gro\u00dfe Geschichte, die Geschichte der Gro\u00dfen, f\u00fcr ein \u201ab\u00fcrgerliches\u2018 Publikum aus der Perspektive eines mittleren Helden darzustellen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gleim ergab sich damit die M\u00f6glichkeit, seinen K\u00f6nig zu glorifizieren. Sein Grenadier muss als freier Mann sprechen. Als Untertan Friedrichs II. verliert seine Lobrede an Glaubw\u00fcrdigkeit. Genau diese Unabh\u00e4ngigkeit kann dem preu\u00dfischen K\u00f6nig nicht gefallen, mag sein Soldat ihn noch so sehr besingen. Diese Konstellation schuf ein patriotisches Identifikationspotential f\u00fcr ein breites, pro-preu\u00dfisches Publikum, das die Gegenseite zu entsprechenden Reaktionen n\u00f6tigte.<\/p>\n<p>Gleim schien von seiner eigenen Erfindung derart fasziniert gewesen zu sein, dass er diese Rolle ausbuchstabierte, bis sie an ihre Grenzen geriet und diese \u00fcberschritt. Er lie\u00df n\u00e4mlich den Grenadier in den diversen Schlachten k\u00e4mpfen, sich emotional dabei erregen, bis er in eine Mordlust geriet, die ihn zum Unmenschen machte. Im\u00a0Sieges-Lied der Preu\u00dfen nach der Schlacht bei Li\u00dfa, den 5ten December 1757\u00a0merkte Gleim (bzw. sein Grenadier) das offensichtlich selber, als er nach den Versen: \u201eWir, Menschen, riefen im Gefecht, \/ Sterbt Hunde! Menschen zu\u201c die Kriegesmuse zum Schweigen aufforderte:<\/p>\n<p>\u201eDoch Kriegesmuse! Singe nicht<\/p>\n<p>Die ganze Menschenschlacht;<\/p>\n<p>Brich ab das schreckliche Gedicht,<\/p>\n<p>und sag: Es wurde Nacht.\u201c<\/p>\n<p>Nach der Schlacht bei Zorndorf musste Gleim von Lessing ernstlich ermahnt werden, weil der Grenadier, auf Leichenbergen stehend, sein W\u00fcten damit legitimierte, dass die \u201eCallmucken und Cosacken\u201c Wilde w\u00e4ren, \u201edie noch zu Menschen nicht geworden sind.\u201c Die Humanit\u00e4t ger\u00e4t an ihre Grenzen. Mit der Durchsetzung von Menschheit als universaler Inklusionsformel wird der Gegner zum Unmenschen, der jetzt mit Vorliebe an den Grenzen der aufgekl\u00e4rt-zivilisierten Welt verortet wird, der aber ebenso im Gebildeten steckt. Die Literatur macht es sichtbar. Als Akteur, auch daf\u00fcr steht der preu\u00dfische Grenadier, will man teilnehmen am Krieg. Mit ihrer Bereitschaft, f\u00fcr das Vaterland zu sterben \u2013 und zu t\u00f6ten, beansprucht die Literatur eine aktive Rolle in der Gesellschaft. Insofern geh\u00f6rt die Berliner Aufkl\u00e4rung zu den Gewinnern des Siebenj\u00e4hrigen Krieges. Nach dem Krieg avancierte die preu\u00dfische Metropole zum kulturellen Zentrum im deutschsprachigen Raum. F\u00fcr diesen Siegeszug brachte der preu\u00dfische K\u00f6nig kein Verst\u00e4ndnis auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten ein, zwei Jahrzehnten hat es sich eingeb\u00fcrgert, den Siebenj\u00e4hrigen Krieg als einen \u201efr\u00fchmoderne[n] Medienkrieg\u201c zu begreifen, \u201eder einen enormen Anstieg der Publizistik ausl\u00f6ste\u201c. Nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch mit der Feder wurde um die Vorherrschaft gek\u00e4mpft. Druckerpressen fungierten als Waffen. 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