{"id":32085,"date":"2023-07-17T14:32:31","date_gmt":"2023-07-17T12:32:31","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=siebenjaehriger-krieg-kriegsgefangenschaft"},"modified":"2024-12-12T15:57:37","modified_gmt":"2024-12-12T14:57:37","slug":"ihr-traget-die-ketten-der-gesittetsten-voelker-europas-kriegsgefangenschaft-zwischen-vergangenheit-und-gegenwart-im-globalen-siebenjaehrigen-krieg","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/ihr-traget-die-ketten-der-gesittetsten-voelker-europas-kriegsgefangenschaft-zwischen-vergangenheit-und-gegenwart-im-globalen-siebenjaehrigen-krieg\/","title":{"rendered":"&#8222;Ihr traget die Ketten der gesittetsten V\u00f6lker Europas!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Kriegsgefangenschaft war eine zentrale Erfahrung des Siebenj\u00e4hrigen Krieges. Viele tausend Menschen durchliefen sie. Als wichtiger Mobilit\u00e4tsfaktor trug sie den Krieg auch in nicht direkt von den Kampfhandlungen betroffene Regionen. Kennzeichnend f\u00fcr den Umgang mit Gefangenen war das Kartellsystem zur Ausl\u00f6sung oder zum Austausch von Gefangenen auf Grundlage bilateraler Vertr\u00e4ge. Europ\u00e4er, die den verlustreichen Krieg durchlebten, hoben als Besonderheit ihrer Zeit den humanen Umgang mit Kriegsgefangenen hervor. Dazu z\u00e4hlte der w\u00fcrttembergische Milit\u00e4rjurist Rudolf Friedrich Stockmayer (1738\u20131793). \u00dcberhaupt sei das Schicksal \u201eder Kriegsgefangenen zu neuern Zeiten unendlich besser, als vormals\u201c. Man habe Beispiele, dass \u201esich kriegende Teile um die Wette beeifert haben\u201c sich in der H\u00f6flichkeit gegen Kriegsgefangene zu \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p>Solche Handlungen seien \u201e\u00e4chte Kennzeichen\u201c wahrhaftig gro\u00dfer Helden.\u00a0Stockmayer erkl\u00e4rte sein Urteil prim\u00e4r anhand des historischen Vergleichs mit dem Altertum. Es wird implizit deutlich, dass mit den Kriegsparteien ausschlie\u00dflich die europ\u00e4ischen F\u00fcrstent\u00fcmer gemeint sein k\u00f6nnen. Ein Geistlicher \u00e4u\u00dferte sich 1761 in einem Trostwort an Kriegsgefangene deutlicher: \u201eBei dem allen, gefangene Mit-Br\u00fcder, ist euch bekannt, da\u00df euch das Schiksahl in keine barbarische H\u00e4nde liefert, die euch v\u00f6llig berauben und in St\u00fckken zerhauen, wie von Barbaren in West-Indien zu geschehen pflegt. Ihr traget die Ketten eines der gesittesten V\u00f6lker von Europa und wie lange?\u201c<\/p>\n<p>Diese Worte stammen von Pastor Gerhard Philipp Scholvin (1723\u20131803) aus Hannover. Er wandte sich in einer Art seelsorgerischen ABC des Krieges auch an die in franz\u00f6sische Gefangenschaft geratenen Soldaten. Scholvin beschreibt das Verhalten des zivilisierten Feindes wertsch\u00e4tzend und stellt es in Kontrast zu den \u201aau\u00dfereurop\u00e4ischen Barbaren\u2018. Zeitlich oder r\u00e4umlich weit entfernte V\u00f6lker konnten diesen Urteilen schwerlich widersprechen. Die innereurop\u00e4ischen Praktiken wurden vom vielgelesenen Autor eines Schl\u00fcsselwerks zum V\u00f6lkerrecht \u00e4hnlich positiv bewertet.<\/p>\n<p>Dem Schweizer Emer de Vattel (1714\u20131767) zufolge gereiche es den europ\u00e4ischen V\u00f6lkern zur Ehre, dass die Kriegsgefangenen selten von ihnen schlecht behandelt werden. Die Engl\u00e4nder und Franzosen, \u201ediese gro\u00dfm\u00fctigen Nationen\u201c, w\u00fcrden aufgrund der Berichte \u00fcber ihre gute Behandlung der Kriegsgefangenen Lob verdienen.\u00a0Sein 1758 im praktischen Westentaschenformat publizierter Publikumserfolg\u00a0Le Droit des Gens, fand im Siebenj\u00e4hrigen Krieg besonders unter Offizieren weite Verbreitung. Trotz des salomonischen Urteils \u00fcber Engl\u00e4nder und Franzosen weist Vattel subtil auf den direkten Wettbewerb der europ\u00e4ischen F\u00fcrstent\u00fcmer und ihrer Gener\u00e4le und Offiziere in Sachen Gefangene hin.<\/p>\n<p>Dabei ging es zum einen um die Ehre, das Ansehen und den Ruhm der Herrscher:innen, ihrer Armeen und ihrer Nationen. Zum anderen ging es um Individuen, die Beispiele von Gro\u00dfmut, H\u00f6flichkeit und Menschenliebe geben konnten. Sie gewannen dadurch soziales Kapital und hatten die M\u00f6glichkeit, im Einklang mit ihren pers\u00f6nlichen Wertvorstellungen zu handeln (was im Krieg nicht immer leicht ist).<\/p>\n<p>Die hier aufgef\u00fchrten innereurop\u00e4ischen Wertungen der Zeitgenossen zum Umgang mit Gefangenen sind in der Geschichtswissenschaft fr\u00fcher oft unkritisch rezipiert worden. Dies geschah aus der Erfahrung der Napoleonischen Kriege und der beiden Weltkriege heraus, deren Ma\u00dfst\u00e4be die Vergangenheit in ein milderes Licht tauchten. In j\u00fcngerer Zeit ist hingegen der Mythos der begrenzten Kriegsf\u00fchrung des 18. Jahrhunderts gr\u00fcndlich dekonstruiert worden, wodurch derartige Quellenaussagen als kriegsverharmlosende Fehlwahrnehmungen erscheinen. Dabei werden die Zeitgenossen untersch\u00e4tzt. Es w\u00e4re naiv zu glauben, dass Stockmayer, Scholvin und Vattel nicht wussten, dass Kriegsgefangenen im Siebenj\u00e4hrigen Krieg auch viel Leid widerfuhr.<\/p>\n<p>Daher muss der Versuch unternommen werden, die drei Aussagen vor dem Hintergrund ihrer Zeit zu verstehen. Es soll deshalb danach gefragt werden, welche Informationen die Zeitgenoss:innen zum Umgang mit Kriegsgefangenen im Altertum rezipierten und wie sie diese bewerteten. Ebenso soll dies mit Fokus auf au\u00dfereurop\u00e4ische Kriegskulturen auf den kolonialen Kriegsschaupl\u00e4tzen des Siebenj\u00e4hrigen Krieges geschehen. Abschlie\u00dfend werden Charakteristika europ\u00e4ischer Kriegsgefangenschaft herausgearbeitet und untersucht, welche Praktiken in ihrer Zeit als humanit\u00e4re Leistungen galten und ein Gef\u00fchl von \u00dcberlegenheit vermittelten.<\/p>\n<h3>Faszination und Schrecken: Der Blick auf das Altertum<\/h3>\n<p>Einer der wichtigsten geschichtlichen Vergleichspunkte f\u00fcr den Umgang mit Kriegsgefangenen zur Zeit des Siebenj\u00e4hrigen Krieges war das Altertum. Die enge Verbindung des Siebenj\u00e4hrigen Krieges mit Antike-Rekursen manifestiert sich wohl am sch\u00f6nsten in der illustrierten Widmung einer 1761 in Frankfurt gedruckten\u00a0Vollst\u00e4ndigen R\u00f6mischen Geschichte\u00a0an den franz\u00f6sischen Marschall Victor-Fran\u00e7ois de Broglie (1718\u20131804).\u00a0Der Sieger der Schlacht bei Bergen (bei Frankfurt am Main) 1759 wird vom Kupferstecher Jean Conrad Back, gleich einem Reiterstandbild, auf einen Sockel mit antikisierender Inschrift vor eine topographisch-analytische Schlachtdarstellung gesetzt. W\u00e4hrend sich auf dem Widmungsblatt Franzosen und Alliierte auf dem Feld der Ehre begegnen, tummeln sich im Buchinneren R\u00f6mer und Karthager.<\/p>\n<p>Die im Werk erw\u00e4hnten r\u00f6mischen Geschichtsschreiber waren f\u00fcr adlige und b\u00fcrgerliche Zeitgenoss:innen des Siebenj\u00e4hrigen Krieges elementarer Bestandteil des Bildungskanons, dies galt besonders f\u00fcr Offiziere. Der zweite zentrale Bezugspunkt, auch f\u00fcr die breite Bev\u00f6lkerung, waren biblische Texte. Mit den Kriegsbr\u00e4uchen des Altertums waren durch das Alte und Neue Testament selbst einfache Soldaten vertraut. Das Altertum bot zuerst einmal allgemeine Exempla: Die Zeitgenossen eigneten sich Sentenzen aus den biblischen und antiken Texten kreativ an und \u00fcbertrugen sie auf ihre Situation. Aus dem Alten Testament entnahm etwa ein Braunschweiger Soldat angesichts der Gefangennahme, dass es besser sei, in die H\u00e4nde des Herrn als in die H\u00e4nde der Feinde zu fallen (2 Sam 24,14). Ein methodistischer Geistlicher in England berief sich gegen\u00fcber franz\u00f6sischen Gefangenen ebenfalls auf das Alte Testament (Exodus 23:9): \u201eDie Fremdlingen solt ihr nicht unterdr\u00fccken: denn ihr wisset um der Fremdlingen Herz, dieweilen ihr auch seyd Fremdlinge in Egyptenland gewesen\u201c.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus bezogen sich die Zeitgenoss:innen auf gro\u00dfe Griechen und R\u00f6mer, vor allem Feldherrn und Herrscher. Dazu z\u00e4hlte insbesondere Alexander der Gro\u00dfe (356\u2013323 v. Chr.), der im 17.\/18. Jahrhundert durch Bildmedien als gro\u00dfm\u00fctiger Sieger popularisiert wurde. Positive Versatzst\u00fccke zum Umgang mit Gefangenen in der Antike wurden durch den in den 1660er Jahren entstandenen, f\u00fcnfteiligen Alexander-Zyklus des franz\u00f6sischen Hofmalers Charles Le Brun (1619\u20131690) gepr\u00e4gt, der in Form von Tapisserien, Kupferstichen und sogar F\u00e4chern reproduziert wurde und so seinen Weg in viele deutsche Residenzen fand.\u00a0Zwei dieser f\u00fcnf gel\u00e4ufigen Darstellungen handeln von den Tugenden \u201aGro\u00dfmut\u2018, \u201aG\u00fcte\u2018 und \u201aSelbst\u00fcberwindung\u2018 im Umgang mit (hochrangigen) Gefangenen. Urspr\u00fcnglich dienten sie prim\u00e4r der Herrscherpanegyrik und vermittelten ein politisches und k\u00fcnstlerisches Programm, aber konnten von Adligen ebenso als Vorbild f\u00fcr den Umgang mit gefangenen Standesgenossen gelesen werden.<\/p>\n<p>Das Gem\u00e4lde\u00a0Le tente de Darius\u00a0zeigt, wie Alexander 333 v. Chr. nach der Schlacht bei Issos gn\u00e4dig mit der gefangenen Familie des Perserk\u00f6nigs Dareios verf\u00e4hrt und wurde im Siebenj\u00e4hrigen Krieg besonders intensiv rezipiert.\u00a0Ein Gem\u00e4lde zur Kapitulation Montreals 1760 \u00fcbertr\u00e4gt die Komposition in die Gegenwart und inszeniert den britischen General Jeffrey Amherst (1717\u20131797) im Kost\u00fcm seiner Zeit als zweiten Alexander. Es entstand im Auftrag des Eigent\u00fcmers des Vergn\u00fcgungsparks Vauxhall Gardens.\u00a0Auch K\u00f6nig Friedrich II. von Preu\u00dfen (1712\u20131786) gab direkt nach Kriegsende 1763 eine Variante der Szene bei dem ber\u00fchmten Maler Pompeo Battoni (1708\u20131787) in Rom in Auftrag.\u00a0Diese Gefangenen-Episode bildete nicht die F\u00fclle der antiken historischen \u00dcberlieferung zu Alexander ab, sondern war ein gezielt gew\u00e4hltes Versatzst\u00fcck, das f\u00fcr Gro\u00dfmut als Tugend stand.<\/p>\n<p>Die zahlreichen antiken Vorbilder konnten aber auch an Tugend \u00fcbertroffen werden, etwa indem deren Verhalten und Kriegsbr\u00e4uche gegen\u00fcber Besiegten in Frage gestellt wurden. \u00dcber K\u00f6nig Friedrich II. von Preu\u00dfen nach der Schlacht bei Ro\u00dfbach 1757 kursierte dazu eine Anekdote. In Merseburg habe ein schwer verwundeter franz\u00f6sischer Marquis dem Preu\u00dfenk\u00f6nig bei einem Besuch der verwundeten, gefangenen Offiziere vier Tage nach der Schlacht gesagt: \u201eO Sire! [&#8230;], wie weit \u00fcbertreffen sie den Alexander! Jener marterte seine Gefangenen zu Tode, aber Sie gie\u00dfen \u00d6hl in ihre Wunden.\u201c<\/p>\n<p>Dieser wahrscheinlich apokryphe Ausruf zeigt, dass die Antike f\u00fcr die Zeitgenoss:innen des Siebenj\u00e4hrigen Krieges vor allem auch viele negative, ja sogar irritierende Beispiele f\u00fcr den Umgang mit Gefangenen bereithielt. Der W\u00fcrttemberger Auditeur Stockmayer schrieb dazu, auch die \u201egesitteten V\u00f6lker des Altertums\u201c, sogar die \u201esonst so weisen und edelm\u00fctigen R\u00f6mer\u201c, h\u00e4tten die Kriegsgefangenen in einem \u201eharten und sclavischen Zustand\u201c gehalten. Auch die \u201ealten Deutsche[n]\u201c, also die Germanen, seien mit ihren Kriegsgefangenen auf das grausamste Verfahren und h\u00e4tten sie \u00fcblicherweise hingerichtet.<\/p>\n<p>Die massenhafte Versklavung oder T\u00f6tung von Feinden deutlich nach der erfolgten Gefangennahme war gem\u00e4\u00df dem Kriegsbrauch der Mitte des 18. Jahrhunderts h\u00f6chst verwerflich. Verurteilenswert fand Auditeur Stockmayer daneben den r\u00f6mischen Brauch, Gefangene bei Triumphz\u00fcgen zur Schau zu stellen und zu dem\u00fctigen und sich somit als \u201ehochm\u00fctige \u00dcberwinder\u201c zu zeigen. Das Christentum brachte aus seiner Perspektive in den folgenden Jahrhunderten den gro\u00dfen Fortschritt, dass man Gefangene nicht mehr versklavte, sondern \u201edie Welt in diesem St\u00fck vern\u00fcnftiger und grosm\u00fctiger wurde\u201c und man sie nur noch verwahrte.<\/p>\n<p>Der Autor der\u00a0Vollst\u00e4ndigen Geschichte des r\u00f6mischen Reiches\u00a0malt die \u201eunerh\u00f6rte[n] Grausamkeiten\u201c der R\u00f6mer und Karthager gegeneinander noch plastischer aus. Die Karthager h\u00e4tten r\u00f6mische Kriegsgefangene an Stelle von h\u00f6lzernen Rollen f\u00fcr den Stapellauf von Schiffen eingesetzt und diese so zerquetscht. Die R\u00f6mer hingegen h\u00e4tten karthagische Kriegsgefangene als Repressalie in enge, mit nach innen gerichteten N\u00e4geln beschlagene K\u00e4sten gesperrt und darin langsam zu Tode gemartert.\u00a0Besonders erschreckend erschien vielen Zeitgenoss:innen des Siebenj\u00e4hrigen Krieges am Altertum die Missachtung von Standesunterschieden, denn in der Antike gab es auch f\u00fcr gefangene Anf\u00fchrer nur wenig Privilegien. Der Beleg f\u00fcr die Unterlegenheit Alexanders des Gro\u00dfen im Vergleich zu Friedrich II. von Preu\u00dfen bestand dann auch darin, dass der Makedonenk\u00f6nig nach der Gefangennahme einen persischen Kommandanten \u2013 also das \u00c4quivalent eines Stabsoffiziers des 18. Jahrhunderts \u2013 an einen Wagen binden und zu Tode schleifen lie\u00df.\u00a0Um die einfachen Soldaten ging es in diesem Kontext gar nicht.<\/p>\n<p>Die gewandelten Kriegsbr\u00e4uche machten einige der antiken Texte sogar nahezu unverst\u00e4ndlich: Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist die Fabel\u00a0Der gefangene Trompeter\u00a0des griechischen Dichters \u00c4sop (6. Jh. v. Chr.), die in zahlreichen Variationen nacherz\u00e4hlt wurde. Darin wird ein Trompeter nach verlorener Schlacht zuerst gefangengenommen und soll dann get\u00f6tet werden: \u201eGentlemen, says he, Why should you kill a Man that kills nobody?\u201c\u00a0Seine \u00dcberwinder schmettern dies barsch ab und schreiten zur Tat, denn er habe zwar nicht gek\u00e4mpft, aber zum K\u00e4mpfen aufgerufen.<\/p>\n<p>Im Siebenj\u00e4hrigen Krieg wurden Trompeter und Trommler jedoch kaum get\u00f6tet, sondern spielten als Parlament\u00e4re eine wichtige Rolle und durften in dieser Funktion die feindlichen Posten unbehelligt passieren. Sie waren zentral f\u00fcr die Kommunikation zwischen den Kriegsparteien, speziell auch f\u00fcr den Gefangenenaustausch. In einem Kommentar zur Fabel wird dieser Logikfehler aus der Perspektive einer europ\u00e4ischen Kriegskultur folgerichtig aufgel\u00f6st, indem die Fabel in einen B\u00fcrgerkriegskontext gestellt wird und die ausnahmsweise T\u00f6tung des Trompeters nach der Gefangennahme in diesem Zusammenhang legitim erschien.<\/p>\n<p>Eine andere Variante versetzt die Handlung in die Gegenwart und \u00e4ndert die Personenkonstellation zum besseren Verst\u00e4ndnis ab. Der zu einer \u201aregul\u00e4ren\u2018 Einheit einiger franz\u00f6sischer \u201eGens d\u2019Armes\u201c geh\u00f6rende Trompeter f\u00e4llt hier einer Schar leichter Truppen, n\u00e4mlich Husaren, zum Opfer.\u00a0Die Gewalttaten leichter Truppen wurden in den Scharm\u00fctzeln des Kleinen Krieges typischerweise geduldet und beruhten auf einer eigenen, auf Beute und Autonomie ausgerichteten Gewaltkultur.\u00a0Trompetermordende Husaren erschienen aufgrund des schlechten Rufes dieser Truppen als handelnde Figuren nachvollziehbar. Andere Kommentare umgingen den problematischen Inhalt, indem sie erst gar nicht versuchten, Bez\u00fcge zum Kriegsalltag herzustellen und die moralische Lehre g\u00e4nzlich metaphorisch verstanden.<\/p>\n<p>Die Gewalt, die in den antiken Texten gegen\u00fcber Gefangenen ausge\u00fcbt wurde, stie\u00df Europ\u00e4er ab und faszinierte sie zugleich. War es nicht verlockend, Rachegel\u00fcste an den Besiegten auszuleben \u2013 wie etwa die Parther am besiegten Feldherrn Crassus?\u00a0Der aus Braunschweig-Wolfenb\u00fcttel stammende Sekret\u00e4r des Oberbefehlshabers der niederl\u00e4ndischen Armee, Martin Albert H\u00e4nichen (1707\u20131786), grollte der franz\u00f6sischen Armee, die zu Kriegsbeginn sein Vaterland besetzt hatte. Er fantasierte im Fr\u00fchjahr 1758 davon, dass der K\u00f6nig von Preu\u00dfen und der Herzog von Braunschweig-Wolfenb\u00fcttel die franz\u00f6sischen Kriegsgefangenen zur Zwangsarbeit zur Wiederherstellung der Kriegssch\u00e4den in Wolfenb\u00fcttel und Halberstadt zwingen sollten: \u201eDie alte Geschichte liefert uns solche Beispiele. Und ich muss Ihnen gestehen, dass ich den Leuten, die unser unschuldiges Vaterland so grausam behandelt haben, nichts als Schande und Verwirrung w\u00fcnsche.\u201c<\/p>\n<p>Der sonst als tugendhaft und human bekannte Feldherr Ferdinand von Braunschweig (1721\u20131792), gab angesichts eines vermuteten Gefangenenaufstands unter der Hand Befehle aus, seinen etwa 7.500 franz\u00f6sischen Kriegsgefangenen eine Dezimierung nach r\u00f6mischem Vorbild anzudrohen.\u00a0Beide \u00c4u\u00dferungen wurden nicht publik, wohl da die erste einen Mangel an Selbstkontrolle offenbarte und die zweite eine skandal\u00f6se Grausamkeit in den Rahmen des M\u00f6glichen r\u00fcckte.<\/p>\n<p>Das, was die Zeitgenoss:innen in antiken Texten vorfanden, verglichen sie mit der au\u00dfereurop\u00e4ischen Welt und meinten es bei angeblich \u201arohen Nationen\u2018, etwa den \u201aamerikanischen Wilden\u2018, wiederzuerkennen. Bezeichnend ist der Vergleich zwischen Altertum und Gegenwart in einer der wichtigsten Enzyklop\u00e4dien des 18. Jahrhunderts. Eine \u201e\u00e4hnliche H\u00e4rte\u201c finde sich noch heutzutage bei \u201ewilden Nationen\u201c. So n\u00e4hmen beispielsweise \u201edie Negern kein L\u00f6se-Geld f\u00fcr einen Kriegs-Gefangenen an.\u201c\u00a0Es stellt sich die Frage, welche Informationen Europ\u00e4ern zum Umgang mit Gefangenen in anderen Teilen der Welt vorlagen und wie sie diese verarbeiteten.<\/p>\n<h3>(Koloniale) Horrormeldungen: Kriegsgefangenschaft in europ\u00e4ischen Medien<\/h3>\n<p>Wie auch bei den Europ\u00e4ern unterlag der Umgang mit Gefangenen bei der indigenen Bev\u00f6lkerung Amerikas Ordnungsvorstellungen. Europ\u00e4ische Kriegspraktiken zielten im Kampf nicht auf die Gefangennahme m\u00f6glichst vieler Gegner, sondern auf strategische Erfolge und \u00e4hnlich abstrakte Ziele ab und waren daher t\u00f6dlicher. Nach der Gefangennahme wurde das Leben der Besiegten jedoch st\u00e4rker gesch\u00fctzt. Frauen, Kinder und Alte wurden meist von der Kriegsgefangenschaft ausgeschlossen. Der hohe Organisationsgrad erlaubte es au\u00dferdem, gr\u00f6\u00dfere Gefangenenmengen zu transportieren und festzuhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Native Americans war hingegen das Erbeuten von lebenden Gefangenen ein wichtiges Kriegsziel. Die Gefangenen wurden als individueller Besitz angesehen und konnten adoptiert oder gegen L\u00f6segeld an Europ\u00e4er verkauft werden. Ein wesentlich kleinerer Teil wurde durch rituelle Folter get\u00f6tet. Erbeutete Skalps brachten zwar auch Prestige, galten aber nicht als gleichwertig zu lebenden Gefangenen. Die Unabh\u00e4ngigkeit und lockere Organisation von Kriegsz\u00fcgen der First Nations bedrohte hingegen das Leben von Gefangenen st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Kriegergruppen t\u00f6teten auf dem R\u00fcckweg Gefangene, wenn diese den weiten Strecken k\u00f6rperlich nicht gewachsen waren. Das wechselseitige Verst\u00e4ndnis zwischen Europ\u00e4ern und First Nations f\u00fcr die jeweiligen Ordnungsvorstellungen und Praktiken im Umgang mit Gefangenen war gering ausgepr\u00e4gt.\u00a0Europ\u00e4er neigten insgesamt dazu, aus einer \u00fcberheblichen Position mit Abscheu auf andere Gewaltkulturen zu blicken und ihre inh\u00e4renten Logiken zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Dies spiegelt sich in Zeitungsnachrichten zum Umgang mit Gefangenen wider. Ein Kupferstich mit dem Titel\u00a0Hinrichtung eines Kriegsgefangene bey den Wilden\u00a0aus dem Jahr 1756 steht hier stellverstretend f\u00fcr unz\u00e4hlige imaginierte Grausamkeiten der Native Americans gegen\u00fcber Gefangenen.\u00a0Derartige Gr\u00e4uelberichte erreichten besonders \u00fcber britische Kommunikationskan\u00e4le das Medienzentrum Hamburg und fanden im Alten Reich unter anderem als Zeitungsnachrichten Verbreitung. Dies l\u00e4sst sich anhand des\u00a0Hamburgischen Correspondenten\u00a0nachverfolgen, der zur Zeit des Siebenj\u00e4hrigen Krieges eine der bedeutendsten europ\u00e4ischen Zeitungen war und von der Witwe Wendelina Sophia Grund geleitet wurde.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df dem damaligen Verst\u00e4ndnis neutraler Berichterstattung wurden Einsendungen aller (europ\u00e4ischen) Kriegsparteien eingepflegt, sehr explizite Kriegspropaganda nicht gedruckt und keine Deutungen zu den Berichten vorgegeben. Die Transgression europ\u00e4ischer Normen wurde in den Texten durch Verweise auf die Pl\u00fcnderung, T\u00f6tung oder Verst\u00fcmmelung von Kriegsgefangenen, insbesondere von Frauen und Kinder, markiert. Zentrale Medienereignisse waren etwa die Schlacht am Monongahela oder das vielfach sogenannte Massaker von Fort William Henry.<\/p>\n<p>Wichtig f\u00fcr europ\u00e4ische Imaginationen des indigenen Umgangs mit Gefangenen in Amerika waren jedoch auch kleine Meldungen zu heute nicht mehr gel\u00e4ufigen Ereignissen. So hie\u00df es etwa in einer aus London eingegangenen Nachricht 1761 drastisch, dass die Cherokee \u201edrohen, alle wei\u00dfe Leute, die ihre Kriegsgefangene sind, zu ermorden\u201c.\u00a0Die Rezipient:innen konnten sich anhand dieser Artikel ihre eigene Meinung bilden, allerdings fehlten im Fall der au\u00dfereurop\u00e4ischer V\u00f6lker naturgem\u00e4\u00df die Einsendungen der Gegenseite als Korrektiv zu britischen Nachrichten.<\/p>\n<p>Das Bild des Umgangs mit Gefangenen auf dem indischen Kriegsschauplatz war graduell besser, aber die Zeitungsmeldungen waren trotzdem ebenfalls von Gr\u00e4uelberichten gepr\u00e4gt. Die Rezipient:innen erreichten einseitige Nachrichten \u00fcber Krieg und Gefangenschaft, die indische Feldherren und K\u00e4mpfer als Sieger und Besiegte gem\u00e4\u00df den Topoi orientalischer Tyrannei und Verschlagenheit stereotyp darstellte. Als \u00dcberwinder zeigte sich ihre Grausamkeit in der Episode um das Black Hole von Kalkutta, bei der britische Kriegsgefangene in einen zu kleinen Raum gepfercht und dadurch get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p>Das britische Narrativ fand im Alten Reich unter anderem durch eine illustrierte Buchreihe Verbreitung, die politisch der habsburgisch-bourbonischen Gegenseite nahestand. Dort sperrte der indische \u201eTyranne\u201c die britischen Gefangenen in den \u201escharze[n] Kerker\u201c, \u201ees kamen aber nur 23 Persohnen aus diesem H\u00f6llen-Schlunde heraus, ohngeachtet 146 Persohnen darinnen gewesen.\u201c<\/p>\n<p>Auch in der Niederlage wurde \u201ader indische Gefangene\u2018 als verschlagen dargestellt. Der Hamburgische Correspondent berichtete \u00fcber einen 1763 eingeweihten Kenotaph in Westminster Abbey f\u00fcr einen britischen Vizeadmiral, der in Indien verstorben war. Dazu hei\u00dft es in der Zeitung: \u201eDer Admiral ist in Lebensgr\u00f6\u00dfe vorgestellt, [&#8230;]: sein Gesicht ist gegen ein sch\u00f6nes Frauenzimmer gekehret, die [&#8230;] den Admiral f\u00fcr die Errettung aus der Gefangenschaft danket, und darunter steht: Calcutta befreyet [&#8230;]. An der andern Seite ist das Bild eines gefangenen Indianers [=Inders], welcher mit einer Kette an einen Pfosten angefesselt ist, und einen traurigen, doch geh\u00e4\u00dfigen Blick, auf den Admiral wirft.\u201c<\/p>\n<p>Neben den Indianern und Indern als au\u00dfereurop\u00e4ischen Barbaren und Halbzivilisierten existierten f\u00fcr die Zeitgenoss:innen auch Barbaren an der europ\u00e4ischen Peripherie, etwa Kosaken, Kalm\u00fccken, Panduren, Kroaten und Schotten oder sogar portugiesische Bauern. Letztere schnitten angeblich den spanischen Soldaten Nasen und Ohren ab und wurden umgekehrt als Gefangene daf\u00fcr massakriert.<\/p>\n<p>Die Zeitungsartikel legitimierten, parallel zur Zuschreibung der Barbarei, europ\u00e4ische Gewalt gegen\u00fcber den als ,anders\u2018 markierten: Eine Einsendung aus London berichtet \u00fcber eine Expedition gegen die Cherokee, bei der vier indianische D\u00f6rfer vernichtet wurden: \u201e200 H\u00e4usern lie\u00df der Oberste in der Nacht umringen, und alle darinn befundene Mannspersonen mit dem Bajonet t\u00f6dten.\u201c\u00a0Die indianischen Frauen und Kinder wurden von den britischen Truppen hingegen nach dem Bericht am Leben gelassen und zu Gefangenen gemacht, w\u00e4hrend sie die Siedlungen niederbrannten. Gem\u00e4\u00df dem Bericht h\u00e4tte der Kommandant der Truppen, Colonel Archibald Montgomery (1726\u20131796), das letzte Dorf Sugar Town und dessen \u201eEinwohner\u201c sogar gerne geschont, \u201ewenn er diese nicht eben zu der Zeit \u00fcberfallen h\u00e4tte, da sie einen von den wei\u00dfen Leuten am Spie\u00df brateten.\u201c Dieser Bericht war nicht frei erfunden, denn die Briten fanden in Sugar Town zumindest eine verst\u00fcmmelte Leiche, aber er unterschlug, dass die Truppen in den D\u00f6rfern zuerst auch Frauen und Kinder niedergemacht hatten, bis die Offiziere einschritten.<\/p>\n<p>Europ\u00e4ische Rezipient:innen erreichte somit eine verzerrte Nachricht, die ein transgressives Verhalten der Truppen, das auf dem europ\u00e4ischen Kriegsschauplatz nur schwer legitimierbar gewesen w\u00e4re, durch den Fokus auf den vermeintlichen Kannibalismus der Native Americans rechtfertigte. Auff\u00e4llig ist ebenfalls, dass in den dreizehn Kolonien durch die Provinzregierung von Pennsylvania sogar Medaillen auf die Vernichtung eines indigenen Dorfes als Erinnerungsobjekte f\u00fcr beteiligten Offiziere gepr\u00e4gt wurden.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Legitimationsstrategien finden sich auch in der Berichterstattung \u00fcber einen der gr\u00f6\u00dften Sklavenaufst\u00e4nde der Karibik auf der Zuckerinsel Jamaika, Tacky\u2019s Revolt im Jahr 1760. In den Zeitungsmeldungen erlaubt die angeblich grenz\u00fcberschreitende Gewalt der afrikanischen Sklaven die enorme Gewalt der europ\u00e4isch-kolonialen Plantagenbesitzer: Gerieten die laut Zeitungsmeldung grausam k\u00e4mpfenden \u201eAufr\u00fchrer\u201c in Gefangenschaft, dann \u201el\u00e4\u00dft [man] sie 6 bis 8 Tage lebendig am Galgen h\u00e4ngen, bis sie vor Hunger, Durst und Hitze crepiren.\u201c\u00a0Das negative Bild von Gefangenschaft in der au\u00dfereurop\u00e4ischen Welt schlug sich im allt\u00e4glichen Kriegsgeschehen auch darin nieder, dass Nichteurop\u00e4er aus dem System Kriegsgefangenschaft aktiv ausgegrenzt wurden. Auf der Zuckerinsel Martinique hatten die Franzosen gegen die Briten freie Schwarze aufgeboten und bewaffnet und sich bei den Kapitulationsverhandlungen den Kriegsgefangenenstatus f\u00fcr sie ausgebeten. Die Briten bevorzugten jedoch, alle \u201eNeger, die man in Waffen ergriffen hat\u201c zu versklaven.\u00a0Dies verdeutlicht, dass der Kriegsgefangenenstatus vor allem Europ\u00e4ern zuteilwurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Rezipient:innen der Berichterstattung zu Gefangenschaft im Siebenj\u00e4hrigen Krieg waren f\u00fcr den europ\u00e4ischen Kriegsschauplatz hingegen differenzierte Informationen leichter verf\u00fcgbar. Einleitend wurde der Schweizer Gelehrte Emer de Vattel zitiert, der schrieb, dass von den Europ\u00e4ern\u00a0\u201eselten die Kriegsgefangenen [&#8230;] schlecht behandelt werden\u201c.\u00a0Die Einschr\u00e4nkung \u201eselten\u201c verr\u00e4t schon, dass es auch in Europa viele, in der medialen \u00d6ffentlichkeit umstrittene und umk\u00e4mpfte Ereignisse rund um Gefangene gab. Dazu z\u00e4hlte die Eingliederung der bei Pirna kriegsgefangenen kurs\u00e4chsischen Armee in die Armee Friedrichs II. von Preu\u00dfen 1756. In den Druckmedien wurde au\u00dferdem \u00fcber die Verweigerung des Pardons im Kampf sowie die Nichteinhaltung von Kapitulationsvertr\u00e4gen und \u00dcbergriffe gegen\u00fcber Gefangenen gestritten.<\/p>\n<p>Die britische Regierung und \u00d6ffentlichkeit wehrten sich w\u00e4hrend des Krieges immer wieder gegen den Vorwurf der schlechten Haftbedingungen der franz\u00f6sischen Gefangenen und warfen der franz\u00f6sischen Regierung umgekehrt fehlendes Verantwortungsbewusstsein f\u00fcr ihre Gefangenen vor, da sie nicht f\u00fcr deren Unterhalt aufkommen konnte. Sehr viel schroffer war aber noch der Ton zwischen Preu\u00dfen und \u00d6sterreich in den letzten Kriegsjahren: In einer preu\u00dfischen Flugschrift machte der preu\u00dfische General, Markgraf Karl von Brandenburg (1705\u20131762), dem \u00f6sterreichischen General Laudon (1717\u20131790) 1762 harte Vorw\u00fcrfe: Der Krieg werde von \u00f6sterreichischer Seite \u201emehrentheils, wie von barbarischen V\u00f6lkern gef\u00fchret [\u2026], so da\u00df man gegenseitig die Kriegesgefangene in eine v\u00f6llige Sclaverey setze\u201c, da preu\u00dfische Gefangene mit Gewalt zu \u00f6sterreichischen Kriegsdiensten gezwungen worden seien.<\/p>\n<p>Es bleibt festzuhalten, dass der V\u00f6lkerrechtler Vattel, der Auditeur Stockmayer und Pastor Scholvin mit ihren positiven Urteilen zum Umgang mit Kriegsgefangenen im Siebenj\u00e4hrigen Krieg vermutlich nicht ausdr\u00fccken wollten, dass dieser Umgang mit Gefangenen unter Europ\u00e4ern stets normkonform war. Sofern sie Kriegsnachrichten verfolgten, musste ihnen bewusst sein, dass sich die europ\u00e4ischen Kriegsparteien gegenseitig mit dem Vorwurf der Barbarei \u00fcberzogen und dies wiederum \u00dcbergriffe gegen europ\u00e4ische Kriegsgefangene legitimierte. Im Vergleich mit dem, was sie in verschiedenen Medien zum Umgang mit Gefangenen in der Antike oder bei \u201aungesitteten V\u00f6lkern\u2018 rezipierten, erschienen ihnen europ\u00e4ische Praktiken trotz aller Problemfelder als gro\u00dfm\u00fctig oder human, sodass sie ihre Zeit als \u201eunendlich besser, als vormals\u201c beschrieben. Ihr Standard war aufgrund der Imagination eines grausamen Altertums und einer blutr\u00fcnstigen au\u00dfereurop\u00e4ischen Welt, niedrig angesetzt.<\/p>\n<h3>Captur \u2013 Auswechselung \u2013 Gewehr auf die Schulter: Kriegsgefangenschaft unter Europ\u00e4ern<\/h3>\n<p>Abschlie\u00dfend sollen nun zentrale Charakteristika von Kriegsgefangenschaft auf dem europ\u00e4ischen Kriegsschauplatz herausgearbeitet werden.<\/p>\n<p>Mit am h\u00e4ufigsten war die verhandelte Gefangennahme. W\u00e4hrend des Siebenj\u00e4hrigen Krieges gerieten gro\u00dfe Truppenk\u00f6rper vor allem durch die zahlreichen Kapitulationen in Gefangenschaft, etwa bei Pirna 1756, Breslau 1757, Minden und Louisbourg 1758 oder Maxen 1759. Allein auf dem franz\u00f6sisch-alliierten Kriegsschauplatz im Westen des Reiches endeten von etwa 54 Kapitulationsvertr\u00e4gen die H\u00e4lfte mit Kriegsgefangenschaft.\u00a0Der Weg in die Gefangenschaft wurde in der Regel als ein milit\u00e4risches \u00dcbergangsritual gestaltet. Besiegte Armeen und Garnisonen zogen zu klingendem Spiel und mit wehenden Fahnen aus, marschierten an den spalierstehenden Truppen der Sieger vorbei und streckten die Waffen. Die Kapitulationsvertr\u00e4ge regelten h\u00e4ufig auch, wer Kriegsgefangener wurde und wer nicht, und gestanden den Gefangenen bestimmte Privilegien zu, wie etwa den Schutz des pers\u00f6nlichen Besitzes. Eine klare Trennung zwischen Kombattanten und Nonkombattanten gab es dabei nicht. Gelegentlich kam es bei Kapitulationen zu \u00dcbergriffen sowie zum Bruch einzelner Kapitulationsartikel, aber in der Gesamtheit funktionierte der Kriegsbrauch \u201aKapitulation\u2018 relativ gut.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wichtig war die \u201afreie Gefangennahme\u2018, etwa in den Scharm\u00fctzeln des Kleinen Krieges und den gro\u00dfen Feldschlachten. Die \u201afreie Gefangennahme\u2018 war der gef\u00e4hrlichste Weg in die Gefangenschaft. Dabei konkurrierten humanit\u00e4re Normen wie auch das christliche T\u00f6tungsverbot mit taktischen Normen und dem \u00dcberlebenswillen der Soldaten. Eine Silbermedaille bildet dieses grunds\u00e4tzlich im Krieg vorhandene Problem ab. Die Figur eines franz\u00f6sischen Offiziers wiegt das Recht des Krieges gegen das Recht der Billigkeit ab \u2013 ius belli versus ius honesti.\u00a0Es war in Reglements der Zeit Allgemeingut, dass man mit dem Gefangennehmen erst anfangen sollte, wenn der Sieg sicher war. Entsprechend galt es nicht als guter Charakterzug, wehrlosen Feinden im Kampf die Gefangennahme zu verweigern und sie zu t\u00f6ten, aber es war auch kein sonderlich gro\u00dfer Normversto\u00df.<\/p>\n<p>Auf See signalisierte man den Kampf ohne Gnade durch das Aufziehen der Blutfahne. Im Landkrieg wurden \u201akein Pardon-Befehle\u2018 ausgegeben und sogenannte Grausamkeitsgefechte ohne Gefangene gef\u00fchrt. Ebenso kam es im Kampf situativ immer wieder dazu, dass Soldaten in eine Art Blutrausch verfielen und Angst und Wut in Massakern an eigentlich schon besiegten Gegnern entluden. In der chaotischen Kampfsituation war es aber auch bei guten Absichten nicht immer leicht, Pardon zu gew\u00e4hren.\u00a0Hatten die \u00dcberwinder den Besiegten erst einmal Pardon gew\u00e4hrt und ihnen den Gefangenenstatus zuerkannt, wurde das Leben des nun \u201awirklich Kriegsgefangenen\u2018 meist gesch\u00fctzt.\u00a0Dies war der dem Altertum \u00fcberlegene Gro\u00dfmut des Siebenj\u00e4hrigen Krieges. Abseits der Kampfzone waren die \u00dcberlebenschancen f\u00fcr Gefangene h\u00e4ufig gut, wenn man die allgemeinen Probleme der Kriegsf\u00fchrung des 18. Jahrhunderts \u2013 Versorgungskrisen und Krankheiten \u2013 au\u00dfer Acht l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Bei \u201awirklichen Gefangenen\u2018, denen die \u00dcberwinder nach dem Kampf den europ\u00e4ischen Kriegsgefangenenstatus zugesprochen hatten, war das Spektrum der Gefangenschaftserlebnisse im Folgenden sehr breit.<\/p>\n<p>Wenn Vattel schreibt, dass die Gefangenen von den \u201eEurop\u00e4ern selten schlecht behandelt werden\u201c f\u00e4llt es a priori schwer, diese Aussage allgemein auf die Haftbedingungen zu \u00fcbertragen. Kriegsgefangenschaft bewegte sich in den Extremen zwischen kaum sp\u00fcrbarer virtueller Gefangenschaft auf Ehrenwort und enger Haft unter sch\u00e4rfsten Bedingungen. Die Unterbringungssituation der Gefangenen gestaltete sich meist g\u00fcnstig, wenn die F\u00fcrstent\u00fcmer ein sicheres Hinterland hatten. Das galt f\u00fcr das Habsburgerreich, Gro\u00dfbritannien und Frankreich und in geringerem Ma\u00dfe auch f\u00fcr Kurhannover.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfbritannien, dem Habsburgerreich und Kurhannover befanden sich zu bestimmten Zeitpunkten gleichzeitig 44.512 Kriegsgefangene verteilt auf 62 St\u00e4dte und Kleinst\u00e4dte.\u00a0Im Durchschnitt waren an einem Ort knapp 720 Kriegsgefangene untergebracht. Das stand in einem akzeptablen Verh\u00e4ltnis zur Bev\u00f6lkerung vieler St\u00e4dte im 18. Jahrhundert, die h\u00e4ufig 1.000 bis 3.000 Einwohner besa\u00dfen. Lange Aufenthaltsdauer und beengte Beh\u00e4ltnisse \u2013 so der Quellenbegriff f\u00fcr die Unterk\u00fcnfte \u2013 konnten jedoch unter den Gefangenen zu einer hohen Mortalit\u00e4t durch Seuchen wie der roten Ruhr oder<br \/>\ndem Lagerfieber f\u00fchren.<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritannien wechselte etwa gegnerische Landsoldaten regelm\u00e4\u00dfig aus, aber hielt gezielt Seeleute zur Schw\u00e4chung des fragilen Mannschaftsreservoirs der franz\u00f6sischen Marine in \u00fcberdurchschnittlich gro\u00dfer Zahl und \u00fcber einen \u00fcberdurchschnittlich langen Zeitraum, n\u00e4mlich bis Kriegsende, gefangen. In Preu\u00dfen war die Situation der Gefangenen sogar noch prek\u00e4rer, obwohl zumindest bis zum Winter 1759\/60 durchaus Gefangenenauswechslungen zustande kamen. Das K\u00f6nigreich wurde von allen Seiten bedroht und griff daher auf eine kleine Zahl von sicheren Festungsst\u00e4dten zur\u00fcck, die dadurch teils massiv \u00fcberbelegt waren. Dazu z\u00e4hlten Spandau, K\u00fcstrin, Stettin und Magdeburg sowie Merseburg und Leipzig.\u00a0Gerade f\u00fcr die habsburgischen irregul\u00e4ren Truppen, Kroaten und Panduren, waren die<br \/>\nLebensbedingungen hier katastrophal.<\/p>\n<p>Dass Kriegsgefangenschaft einerseits viele Todesopfer fordern konnte, aber dies nicht ausschlie\u00dflich auf eine grausame Behandlung durch die \u00dcberwinder zur\u00fcckzuf\u00fchren war, erkl\u00e4rt vermutlich das positive Urteil Vattels. Das Leben der Soldaten war in den Feldlagern und Garnisonen auf \u00e4hnliche Art durch Infektionskrankheiten bedroht.<\/p>\n<p>Die Quartiere der Gefangenen in den St\u00e4dten hatten den gemeinsamen Nenner, dass es keine durchgeplanten Gefangenenlager als Zweckbauten gab. Die Inhaftierungsorte waren s\u00e4mtlich improvisiert. H\u00e4ufig wurden Geb\u00e4ude, die den jeweiligen Landesherrn geh\u00f6rten, genutzt, etwa Burgen, Schl\u00f6sser und Kasernen. Das hatte den gro\u00dfen Vorteil, dass sich dagegen selten Widerstand bei der lokalen Bev\u00f6lkerung regte. Das Spektrum reichte dar\u00fcber hinaus von kommunalen Geb\u00e4uden, wie etwa Schulen und Kirchen, bis hin zu den Wohnh\u00e4usern der Untertanen. Die Gefangenen wurden an den Unterbringungsorten verwahrt und nur in seltenen F\u00e4llen, etwa in Kanada, f\u00fcr Zwangsarbeit ausgebeutet.<\/p>\n<p>Die Gefangenen besch\u00e4ftigten sich stattdessen selbst.\u00a0Es gab au\u00dferdem freiwillige Lohnarbeit im Land des Feindes, etwa als Arbeiter im Festungsbau oder auf Landg\u00fctern. Einzelne Gefangene integrierten sich manchmal durch Heirat oder Erwerb des B\u00fcrgerrechts vollst\u00e4ndig in die Gastgesellschaft des Feindes. Insofern fiel im Siebenj\u00e4hrigen Krieg der Vergleich des eigenen Handelns mit der Versklavung von Kriegsgefangenen in der Antike recht positiv aus.<\/p>\n<p>Hatten die Gefangenen ein Dach \u00fcber dem Kopf, musste zugleich ihre Versorgung sichergestellt werden. Zu den Grundbed\u00fcrfnissen der einfachen Soldaten in Gefangenschaft geh\u00f6rten neben dem Sold Nahrung, Kleidung, Lagerstroh zum Schlafen, Kerzen f\u00fcr Helligkeit und Feuerholz zum Heizen sowie medizinische Versorgung durch Milit\u00e4rhospit\u00e4ler. Entsprechend war das Aufbringen von Pfund, Reichstaler und Ecu zentral f\u00fcr das \u00dcberleben der Gefangenen. Die Lebenssituation der Gefangenen wurde positiv dadurch beeinflusst, dass die Gewahrsamsm\u00e4chte h\u00e4ufig Verantwortung an die Gefangenen selbst und deren Herkunftsstaaten auslagerten. F\u00fcr die Aufbringung der f\u00fcr die Grundbed\u00fcrfnisse der Gefangenen ben\u00f6tigten Summen waren n\u00e4mlich die Herkunftsstaaten der Gefangenen verantwortlich. Franz\u00f6sische Kriegsgefangene in Preu\u00dfen und Kurhannover erhielten ihren Unterhalt aus Paris beispielsweise mittels Kreditbriefen von K\u00f6lner Bankiers. Die Auszahlung des Soldes erfolgte durch gefangene Offiziere.<\/p>\n<p>Aus organisatorischen Gr\u00fcnden wurde auch Personal der Herkunftsstaaten der Gefangenen in neutraler Funktion von den Siegern aufgenommen. Um das \u00fcbrige transferierte Geld neben dem Sold in Naturalien umzuwandeln, erlaubten die Gewahrsamsm\u00e4chte die Anwesenheit von Kriegskommissaren der Gegenseite als Neutrale. Die Kriegskommissare schlossen im Feindesland Vertr\u00e4ge mit Lieferanten. Die Anwesenheit von f\u00fcr neutral erkl\u00e4rten Feinden ist sehr interessant, weil dadurch der Umgang des Siegers mit Gefangenen einer Beobachtung unterlag, wie es in sp\u00e4teren Konflikten in anderer Form durch das Internationale Rote Kreuz geschah.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus lagerten die Gewahrsamsm\u00e4chte auch die Verantwortung f\u00fcr die \u201aPolicey\u2018, also die gute Ordnung, unter den Gefangenen gerne an die Offiziere und Unteroffiziere der Gegenseite aus. Bei Gefangenentransporten waren in Extremf\u00e4llen kaum Wachmannschaften anwesend, weil die gefangenen Offiziere vorher die Zahl der Gefangenen abgezeichnet hatten und f\u00fcr Fl\u00fcchtige zur Verantwortung gezogen werden konnten.\u00a0Dies alles sparte dem Sieger organisatorische und finanzielle Ressourcen sowie Manpower, w\u00e4hrend die Gefangenen von den gemilderten Haftbedingungen und der Anwesenheit von Neutralen profitierten. Es l\u00e4sst sich au\u00dferdem noch der Schluss ziehen, dass nicht unbedingt die Gewahrsamsm\u00e4chte ihre Gefangenen schlecht behandelten, sondern h\u00e4ufig die Herkunftsstaaten nicht bereit oder in der Lage waren, ihre gefangenen Soldaten im Feindesland ausreichend mit Sold, Nahrung und Kleidung zu versorgen.<\/p>\n<p>Als weitere zivilisatorische Errungenschaft gegen\u00fcber der Antike wurden im 18. Jahrhundert die nach Stand gestaffelten Haftbedingungen angesehen. Der eingangs zitierte Milit\u00e4rjurist Rudolf Friedrich Stockmayer behauptete ja sogar, dass sich die Kriegsgegner bei den H\u00f6flichkeiten f\u00fcr Gefangenen manchmal einen regelrechten Wettstreit lieferten. Diese H\u00f6flichkeiten galten prim\u00e4r den Offizieren, wobei auch den Gemeinen manchmal Gnadenerweise und Almosen zuteilwurden. Es war ein Allgemeinsatz, dass man vornehme Gefangene von Stand mit Distinktion zu traktieren habe. Je h\u00f6her der Rang im Milit\u00e4r und vor allem auch in der Adelsgesellschaft, desto gr\u00f6\u00dfer waren die Ehrenbezeugungen.<\/p>\n<p>Zwischen Offizieren und Gemeinen in Gefangenschaft gab es, wie Marian F\u00fcssel es konzise benennt, \u201eeine strenge zwei Welten-Teilung\u201c, wobei Unteroffiziere zumindest kleinere Privilegien erhielten.\u00a0Diese klare Trennung ist deutlich an der Tatsache erkennbar, dass physische Gefangenschaft haupts\u00e4chlich Gemeine und Unteroffiziere betraf, w\u00e4hrend der Parcour durch die Gefangenschaft bei Offizieren teils ganz anders verlief.<\/p>\n<p>Nach der \u201aCaptur\u2018 wurden gefangene Offiziere gelegentlich an die Tafel der gegnerischen Offiziere eingeladen. Stellvertretend f\u00fcr viele zeitgen\u00f6ssische Textquellen steht hier ein Kupferstich des fr\u00fchen 19. Jahrhunderts.\u00a0Die Offiziere wurden bewirtet und zum Teil wurden ihnen gepl\u00fcnderte Degen und Taschenuhren von den Siegern zur\u00fcckgeschenkt. Beim Transport in das Hinterland mussten sie nicht zu Fu\u00df gehen, sondern reisten auf Pferdekarren oder Reitpferden. Sie erhielten meist eine Stadt zugewiesen, in der sie sich auf Abgabe ihres Ehrenworts frei bewegen konnten. Vor Ort mieteten sie sich Zimmer oder erhielten Einzelquartiere.\u00a0Offiziere wurden au\u00dferdem h\u00e4ufig auf ihr Ehrenwort in ihre Heimat oder zu Kur- und Badeorten entlassen, wobei sie sich nur auf Aufforderung wieder z\u00fcgig einfinden mussten.<\/p>\n<p>Diese virtuelle Form der Gefangenschaft galt europ\u00e4ischen Zeitgenoss:innen als wichtiger zivilisatorischer Fortschritt.\u00a0Trotzdem konnte die Gefangenschaft auch f\u00fcr Offiziere ein negativer biographischer Einschnitt sein. Je niedriger der Offiziersrang und Adel, desto weniger privilegiert war die Stellung. Dies galt besonders f\u00fcr Subaltern-<br \/>\noffiziere. In Gefangenschaft verschuldeten sie sich h\u00e4ufig stark und wurden au\u00dferdem in ihren prim\u00e4r nach Dienstalter verlaufenden Karrieren gebremst und im schlimmsten Fall durch andere ersetzt. Die st\u00e4ndischen Hierarchien waren au\u00dferdem in der Gefangenschaft in einem fremden Land durchaus fragil und konnten herausgefordert werden. Des Weiteren standen aus Perspektive der \u00dcberwinder Normen zum Umgang mit adligen Gefangenen in Konkurrenz zu Normen im Umgang mit dem in der Kriegspropaganda geschm\u00e4htem Feind, der vielleicht gerade ihr Vaterland verw\u00fcstet oder ihre Kameraden get\u00f6tet hatte. Es war den Untertanen au\u00dferdem nicht in jedem Fall zu vermitteln, warum sie dem besiegten Feind nicht mit H\u00e4me und Spott begegnen sollten.<\/p>\n<p>Neben dem V\u00f6lkerrechtler Vattel wurde eingangs Pastor Gerhard Philipp Scholvin zu den gesittetsten V\u00f6lkern Europas zitiert. Scholvin verweist mit der rhetorischem Frage nach dem \u201aund f\u00fcr wie lange?\u2018 auf die h\u00e4ufig begrenzte Dauer der Gefangenschaft. Diese baldige Ausl\u00f6sung und Auswechselung von Gefangenen war in anderen Kriegskulturen in diesem Ma\u00dfe un\u00fcblich. Mit der Gefangennahme gerieten Soldaten in ein etwas st\u00f6ranf\u00e4lliges, aber h\u00e4ufig funktionierendes Kreislaufsystem. Die Freiheit konnten die Gefangenen durch Kartelle und Konventionen zum Gefangenenaustausch wiedergewinnen. Diese\u00a0Ranzionierungskartelle\u00a0waren Gegenstand umfangreicher Verhandlungen.<\/p>\n<p>Die Vertr\u00e4ge enthielten Wechselkurstabellen f\u00fcr die Offiziere und Mannschaften der Armeen in Geld und K\u00f6pfen, enthielten Vorgaben zum Auswechslungs-Rhythmus (h\u00e4ufig alle 12\u201313 Tage) und teils auch zur Versorgung der Gefangenen. Der Gefangenenaustausch kam nur dann zustande, wenn beide Seiten glaubten, dass es ein Nullsummenspiel war. Da Kriegsgefangene einen hohen organisatorischen Aufwand verursachten, eine Gefahr f\u00fcr das Hinterland darstellen konnten und es keine Garantie gab, dass ihr Kriegsherr die Vorsch\u00fcsse f\u00fcr ihren Unterhalt wirklich bezahlte, war dieses Nullsummenspiel h\u00e4ufig eine attraktive Option.<\/p>\n<p>Gerne ging auch eine Seite darauf ein, wenn sie glaubte, daraus einen Vorteil zu ziehen. Das Austauschgesch\u00e4ft brach nach Vertragsschluss in vielen F\u00e4llen schnell zusammen, weil sich die strategische Lage teils rapide \u00e4nderte. Besonders schlecht funktionierte der Gefangenenaustausch der \u00d6sterreicher, Reichsarmee, Russen und Schweden mit Preu\u00dfen. Der Ursache daf\u00fcr lag zum einen im berechnenden, teils zynischen Umgang Friedrichs II. mit seinen Gefangenen, der sie in Verhandlungen als Druckmittel einspannte und eine erhebliche Eskalationsbereitschaft zeigte. Zum anderen war \u00f6sterreichischerseits erkannt worden, dass die preu\u00dfische Armee die Verluste durch Gefangenschaft schlechter ersetzen konnte.<\/p>\n<p>Relativ kontinuierlich funktionierten hingegen die franz\u00f6sisch-britischen und franz\u00f6sisch-alliierten Vertr\u00e4ge. Nach dem im Jahr 1760 zu Dorsten geschlossenen Kartell-Vertrag wechselten Franzosen und Alliierte sogar bis Kriegsende ihre Gefangenen aus. Eine Besonderheit war dabei, dass alle Gefangenen, unabh\u00e4ngig vom Rang, direkt nach der Captur in ihre Heimat, in virtuelle Gefangenschaft geschickt wurden.<\/p>\n<p>Zentral f\u00fcr das Zustandekommen und die Ausf\u00fchrung der Kartelle waren Verhandlungsf\u00fchrer und Organisatoren. Vom administratorischen Geschick spezialisierter Milit\u00e4rbeamter sowie den Instruktionen der Herrscher und Minister hing das Schicksal tausender Kriegsgefangener ab. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Lothringer Kriegskommissar Pierre-Nicolas de La Salle (\u2020 nach 1792). La Salle pendelte mit seiner Kutsche w\u00e4hrend des Krieges permanent zwischen der Garnisonsstadt Metz, der Reichsstadt Aachen, verschiedenen franz\u00f6sischen Garnisonen im Rheinland sowie Emmerich, Dorsten, Frankfurt am Main und dann bis hin zu den Hauptquartieren der Gegenseite \u2013 etwa bis nach Magdeburg. Er berechnete den Unterhalt der Gefangenen, pflegte Gefangenenlisten und nahm das Austauschgesch\u00e4ft vor.<\/p>\n<p>1760 l\u00f6sten seine Gefangenen-Verhandlungen versehentlich sogar ein falsches Ger\u00fccht \u00fcber einen bevorstehenden Waffenstillstand aus. Das Austausch-Gesch\u00e4ft mit seinen st\u00e4ndigen Reisen verlangte eine gesunde Konstitution und barg Gefahren: La Salle erkrankte einmal schwer und zweimal wurde seine Kutsche von feindlichen Truppen erbeutet.\u00a0Seine emsige T\u00e4tigkeit ist in deutschen und franz\u00f6sischen Archiven durch hunderte Briefe dokumentiert. Zeitgen\u00f6ssisch kaum beachtete Milit\u00e4rbeamte, wie Kriegskommissar de La Salle, erm\u00f6glichten das Funktionieren des Kartellsystems \u00fcberhaupt erst.<\/p>\n<p>Wie positiv oder negativ nahmen nun die Betroffenen selbst das Durchlaufen der Gefangenschaft war? Das Ergebnis f\u00e4llt ambivalent aus. In manchen Selbstzeugnissen von Gefangenen wird die Gefangenschaft sehr negativ dargestellt. Bei anderen Quellen entsteht hingegen der Eindruck, dass es sich um einen normalen Reisebericht der Zeit oder das Tagebuch einer mit dem Alltag relativ zufriedenen Wohngemeinschaft handelt.\u00a0F\u00fcr manche Zeitgenossen war die Gefangenschaft sogar eine Art positives Schl\u00fcsselerlebnis f\u00fcr ihr sp\u00e4teres Leben. Das galt z.B. f\u00fcr den kroatischen Leutnant und Schriftsteller Matija Antun Relkovi\u0107 (1732\u20131798) und den franz\u00f6sischen Milit\u00e4rapotheker und Agronomen Antoine Parmentier (1737\u20131813). Relkovi\u0107\u00a0vermittelte nach der R\u00fcckkehr in seine Heimat die Kultur der franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung, w\u00e4hrend Parmentier die Kartoffel als Nahrungsmittel in Frankreich popularisierte.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber stehen unz\u00e4hlige namenlose preu\u00dfische Gefangene, die im Habsburgerreich an der Roten Ruhr starben.\u00a0Trotz teils milder Haftbedingungen war das Durchlaufen der Kriegsgefangenschaft keine harmlose Erfahrung. Die Gefangenen waren in einer Art Zwischenzustand gefangen, w\u00e4hrend um sie herum das Leben voranschritt.\u00a0Urlaubsgesuche von Gefangenen geben einen Einblick in die mangels Anwesenheit verpassten Familienangelegenheiten: Die Ehefrauen und Eltern verstarben teils w\u00e4hrend der Gefangenschaft der M\u00e4nner, es ergaben sich Erbstreitigkeiten mit Verwandten, Kinder wurden zur\u00fcckgelassen.\u00a0Briefe boten eine fragile M\u00f6glichkeit, an den Beziehungsnetzwerken teilzuhaben, was etwa die gef\u00fchlvollen Liebesbriefe eines in Bayonne inhaftierten Iren an sein \u201eSweetheart\u201c in Dublin belegen.<\/p>\n<h3>Janusk\u00f6pfige Fortschritte: Der geschichtliche Wandel von Kriegsgefangenschaft<\/h3>\n<p>Die drei eingangs aufgef\u00fchrten Quellenzitate zum humanit\u00e4ren Fortschritt im Bereich der Kriegsgefangenschaft sind vor dem Hintergrund ihrer Zeit und den in Europa kursierenden Informationen durchaus folgerichtig. Gro\u00dfmut und Humanit\u00e4t gegen\u00fcber Kriegsgefangenen waren im Siebenj\u00e4hrigen Krieg f\u00fcr Europ\u00e4er wichtige Tugenden. In fr\u00fcheren Jahrhunderten war der Umgang mit ihnen noch nicht so stark moralisiert worden. Wenig \u00fcberraschend scheiterten die europ\u00e4ischen Kriegsparteien immer wieder an ihren eigenen Anspr\u00fcchen. Wie auch in unserer Zeit gab es eine \u2013 teils erhebliche \u2013 Disparit\u00e4t zwischen Anspruch und Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Zahlreiche Normverst\u00f6\u00dfe sowie der Bezug auf konkurrierende Normen sollten jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass sich die Chance zu \u00fcberleben sowie die Lebensbedingungen von Kriegsgefangenen im Vergleich zu fr\u00fcheren Kriegen insgesamt leicht verbesserten. Wenn Grausamkeitsgefechte ohne Pardon als Gegenbeispiel angef\u00fchrt werden, ist dies zu kurz gegriffen. Der Schutz des Kriegsgefangenen begann prim\u00e4r nach der Schlacht bei den \u201awirklich Gefangenen\u2018: hier verorteten die Zeitgenoss:innen die humanit\u00e4ren Fortschritte. Bei den sogenannten \u201azivilisierten europ\u00e4ischen V\u00f6lkern\u2018 war das in-Ketten-legen nur noch eine Metapher.<\/p>\n<p>Die Kriegsgefangenen hatten, sobald sie vom Kriegstheater weggeschafft worden waren, eine gesicherte Grundversorgung und wurden selten zu Zwangsarbeit eingesetzt. Schon lange bevor das Internationale Rote Kreuz Kriegsgefangenenlager inspizierte, beaufsichtigten f\u00fcr neutral erkl\u00e4rte Milit\u00e4rbeamte und Lieferanten der eigenen Seite die Haftbedingungen der Gefangenen. Verstie\u00df ein \u00dcberwinder zu deutlich gegen verschiedene existierende Normen, konnte dies zu einem diplomatischen Vorfall oder einem Medienskandal f\u00fchren. Es war au\u00dferdem sehr wahrscheinlich, dass die Gefangenen, wenn nicht sofort, so doch nach Monaten oder ein paar Jahren durch einen Gefangenenaustausch freikommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt der Aspekt, der aus der Respektive nicht auf den ersten Blick als humanit\u00e4re Leistung erkannt wird, der aber den Zeitgenoss:innen ungemein wichtig war: Die f\u00fcr die St\u00e4ndegesellschaft so wichtige Distinktion wurde meist erfolgreich aufrechterhalten. In Ketten geschlagene K\u00f6nige gab es nicht. Das sollte Europa erst wieder mit der Gefangenschaft Napoleons erleben.<\/p>\n<p>Humanit\u00e4re Fortschritte konnten Zeitgenoss:innen besonders grell anhand des Abgleichs mit den anders ausgepr\u00e4gten Kriegskulturen des Altertums und verschiedener au\u00dfereurop\u00e4ischer V\u00f6lker aufzeigen, deren innere Logiken dabei ausgeklammert wurden. Wichtig, vielleicht sogar entscheidend, war au\u00dferdem, dass in Sachen Gefangenschaft die dunklen Seiten der europ\u00e4ischen Kriegspraktiken schnell in Vergessenheit gerieten und exemplarische Wohltaten bereits zeitgen\u00f6ssisch sehr viel intensiver erinnert wurden.<\/p>\n<p>Diese humanit\u00e4ren Fortschritte erweisen sich bei n\u00e4herer Betrachtung jedoch gleich in dreierlei Hinsicht als janusk\u00f6pfig:<\/p>\n<p>1.\u00a0Der funktionierende Kreislauf der Kriegsgefangenschaft mit dem h\u00e4ufigen Gefangenenaustausch half, den Krieg fortzusetzen. Tausende Soldaten durchliefen die Gefangenschaft, wurden als R\u00fcckkehrer neuformiert, wiederbewaffnet und dann direkt in den n\u00e4chsten Kampfeinsatz geschickt. In Extremf\u00e4llen, besonders zwischen Alliierten und Franzosen ab Mai 1760, standen die Gefangenen nach 10 Tagen wieder beim Gewehr.\u00a0Dieser Kreislauf machte den Krieg ertr\u00e4glicher und verl\u00e4ngerte ihn. Die Kriegsparteien mussten sich nicht dauerhaft mit hohen Kosten des Unterhalts und der Unterbringung, Gefangenenaufst\u00e4nden und \u00fcberbev\u00f6lkerten improvisierten Gef\u00e4ngnissen herumschlagen. Sie konnten sich auf die Schlachten, Belagerungen und Scharm\u00fctzel \u2013 auf die prestigetr\u00e4chtigen Seiten der Kriegsf\u00fchrung \u2013 fokussieren.<\/p>\n<p>2.\u00a0Viele Menschen, die im Siebenj\u00e4hrigen Krieg k\u00e4mpften, erhielten den Kriegsgefangenenstatus gar nicht zugebilligt. Dazu z\u00e4hlten aufst\u00e4ndische Sklaven oder zur Bewachung von Grenzen aufgebotene, bewaffnete Bauern. Die selbst zugeschriebene h\u00f6here Zivilisationsstufe der europ\u00e4ischen Kriegsbr\u00e4uche konnte stattdessen sogar zur Legitimierung von Gewalt gegen\u00fcber den Anderen \u2013 also ethnischen Gewaltakteuren wie etwa Kosaken und Kroaten in Europa sowie Afrikanern, Native Americans und Indern in den Kolonien \u2013 genutzt werden. Der Siebenj\u00e4hrige Krieg war sicherlich eine Zeit, in der es zu einer Verdichtung von Nachrichten \u00fcber den grausamen Umgang von nichteurop\u00e4ischen, barbarischen oder halbzivilisierten V\u00f6lkern mit Kriegsgefangenen kam. Diese Menschen befanden sich aus europ\u00e4ischer Perspektive beim Umgang mit Kriegsgefangenen auf der Entwicklungsstufe des Altertums. Die diesem Gedanken im Hinblick auf die der weiteren kolonialen Geschichte innewohnende Problematik ist evident.<\/p>\n<p>3. Gro\u00dfmut, Gerechtigkeit, Politesse und Humanit\u00e4t gegen\u00fcber Kriegsgefangenen waren unter Europ\u00e4ern Waffen im Kampf um die Deutungshoheit im Krieg. Die Kriegsparteien beanspruchten aufgrund ihrer Freundlichkeiten und H\u00f6flichkeiten gegen\u00fcber Gefangenen den Anspruch auf einen moralischen Sieg. Dieser \u201ehumanit\u00e4re Patriotismus\u201c ging Hand in Hand mit einer Vielzahl von Vorw\u00fcrfen gegen\u00fcber den verfeindeten F\u00fcrstent\u00fcmern \u2013 vom Rechtsbruch \u00fcber das Zivilisationsdefizit bis hin zur Barbarei. Der humanit\u00e4re Wettbewerb zwischen den Kriegsparteien konnte sich positiv auf die Haftbedingungen der Gefangenen auswirken, wenn er sich in einer Spirale des \u201asich in H\u00f6flichkeiten \u00fcberbieten\u2018 manifestierte. Umgekehrt konnten auch Vorw\u00fcrfe auf Vorw\u00fcrfe prallen: Die Folge war ein Scheitern der Kommunikation und ein Abgleiten in eine Spirale der Repressalien. Das war besonders bei \u00d6sterreich und Preu\u00dfen der Fall. Hier wurde der Kampf um moralische \u00dcberlegenheit auf Kosten von Gefangenen ausgetragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegsgefangenschaft war eine zentrale Erfahrung des Siebenj\u00e4hrigen Krieges. Viele tausend Menschen durchliefen sie. 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