{"id":32126,"date":"2023-07-17T14:33:05","date_gmt":"2023-07-17T12:33:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=guardini-tag-2022-literatur"},"modified":"2024-12-13T14:58:50","modified_gmt":"2024-12-13T13:58:50","slug":"in-moeglichst-enge-fuehlung-mit-den-texten-selbst-romano-guardini-und-die-literatur","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/in-moeglichst-enge-fuehlung-mit-den-texten-selbst-romano-guardini-und-die-literatur\/","title":{"rendered":"&#8222;&#8230;in m\u00f6glichst enge F\u00fchlung mit den Texten selbst&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Was kann Theologinnen oder Theologen an Literatur interessieren? Wozu braucht ein wissenschaftlich geschultes, Religion reflektierendes Denken die Dichtung? Schauen wir auf eine erste Antwort, niedergeschrieben in der Mitte des 20. Jahrhunderts: Das \u201eWort der Dichtung\u201c macht \u201edas Ding, das Erlebnis, das Schicksal dichter und klarer zugleich\u201c. Konkreter: Gerade im Gedicht richtet sich \u201eein Blick von besonderer Art auf das Dasein\u201c, \u201etiefer dringend als der Blick des Alltags, und lebendiger als der des Philosophen\u201c. Unverkennbar, dass \u201edie Worte, in denen sich das Geschaute offenbart, gr\u00f6\u00dfere Kraft haben, als jene des Umgangs, und urspr\u00fcnglicher sind, als die Sprache des Intellektuellen\u201c.<\/p>\n<p>Der Verfasser dieser Zeilen, Romano Guardini (1885\u20131968), gilt als einer der gr\u00f6\u00dften theologischen Literaturdeuter des 20. Jahrhunderts. Er hatte immer schon die Berufung zum Theologen mit der Neigung zur Literatur, zu den K\u00fcnsten und der Philosophie verbunden: er war ein begeisterter Leser von Kindheit an. Und w\u00e4re seine Berufswahl frei und unabh\u00e4ngig von famili\u00e4ren Erwartungen und gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen getroffen worden, so h\u00e4tte er \u201evermutlich Philologie und Literaturwissenschaft studiert\u201c, wie er in seinen autobiographischen Aufzeichnungen schreibt.<\/p>\n<p>Schauen wir genauer hin.<\/p>\n<ul>\n<li>Welche Bedeutung hatte die Dichtung tats\u00e4chlich f\u00fcr das Leben und Denken Guardinis?<\/li>\n<li>Welche hermeneutische Bedeutung kommt den Literaturinterpretationen Guardinis f\u00fcr die Theologie insgesamt und f\u00fcr das Dialogfeld von Theologie und Literatur im Besonderen zu?<\/li>\n<li>Welche Wegmarken setzte er hinein in diesen Bereich?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Blicken wir zun\u00e4chst auf die Situation, die Guardini vorfand. Wie ist man bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts und zum Teil noch weit dar\u00fcber hinaus aus theologischer Perspektive mit Dichtung umgegangen? Pr\u00e4ziser gefragt: Welche hermeneutische Bedeutung kam Literatur f\u00fcr das Theologietreiben zu? Denn dass Theologinnen und Theologen\u00a0privat\u00a0Literatur gelesen haben, das wird es immer schon gegeben haben. Aber haben sie diese private Lekt\u00fcre f\u00fcr ihr\u00a0theologisches\u00a0Denken und Schreiben fruchtbar gemacht?<\/p>\n<h3>Theologie und Literatur im Zeichen der Vormoderne<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst muss man sich klarmachen: Die Rede von zwei eigenst\u00e4ndigen, klar voneinander abgegrenzten Bereichen von Religion auf der einen, Literatur auf der anderen Seite, ist im europ\u00e4ischen Kontext alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Mit aller Vorsicht \u2013 und im Bewusstsein von notwendiger Binnendifferenzierung \u2013 kann man konstatieren, dass diese Gr\u00f6\u00dfen im Kontext der Vormoderne zusammengeh\u00f6rten oder zumindest eng aufeinander bezogen waren. Die Losl\u00f6sung der Kultur aus dem Bereich des Christentums vollzog sich in fortschreitenden Entwicklungssch\u00fcben seit dem 17. Jahrhundert. Mehr und mehr kam es erst jetzt zu einem \u201aautonomen\u2018 Kunst- und Literaturverst\u00e4ndnis, das sich mit der zunehmenden S\u00e4kularisierung seit Beginn des 19. Jahrhunderts endg\u00fcltig durchsetzte.<\/p>\n<p>Autonomie bedeutet freilich keineswegs Beziehungslosigkeit. Im Gegenteil, erst seitdem die Einheit von Volksreligion(en) und literarischem Schaffen zerbrochen war, wurden eigenst\u00e4ndige, produktive und herausfordernde Auseinandersetzungen mit der christlichen Tradition im Bereich von Literatur m\u00f6glich. Ging es zuvor vor allem um Ausschm\u00fcckung, Bebilderung und Best\u00e4tigung der religi\u00f6sen Vorgaben, so besteht nun ein Spannungsverh\u00e4ltnis, das f\u00fcr beide Seiten bereichernd ist: f\u00fcr die Theologie, weil sie sich immer wieder \u00fcberpr\u00fcfen und weiterentwickeln kann durch die Spiegelungen und Provokationen der Literatur; f\u00fcr die Literatur, weil sie Auseinandersetzungen mit den traditionellen Religionen, mit religi\u00f6sen Erfahrungen und theologischen Reflexionen immer wieder \u00e4sthetisch fruchtbar machen kann.<\/p>\n<p>Das erste theoretische Nachdenken \u00fcber dieses neu entstandene Spannungsverh\u00e4ltnis im deutschsprachigen Raum erfolgte im Rahmen der Besinnung auf die christliche Literatur, ein Begriff, der erst jetzt \u2013 als explizite Abgrenzung gegen s\u00e4kulare Literatur \u2013 sinnvoll wurde. Erstmals tauchte der Begriff bei dem Romantiker August Wilhelm Schlegel (1767\u20131845) auf, der zusammen mit Josef von Eichendorff, Clemens Brentano, Annette von Droste-H\u00fclshoff und anderen einen \u2013 vergeblichen \u2013 Versuch der Wiederherstellung der zerbrochenen Einheit von Literatur und Religion anstrebte. Die Rede von christlicher Literatur war also eine direkte Reaktion auf die S\u00e4kularisierung und tr\u00e4gt zun\u00e4chst einen bewahrenden, recht verstanden konservativen Grundzug.<\/p>\n<p>Warum aber interessierte man sich bis in die 1960er Jahre hinein weiterhin f\u00fcr explizit \u201achristliche\u2018 Literatur? Im Blick auf sehr unterschiedliche derart etikettierte Intentionen und Werke, Stile und Formvorgaben sowie Schriftsteller und Autorinnen l\u00e4sst sich erkennen: Die R\u00fcckbesinnung auf \u201achristliche\u2018 Literatur verweigerte sich bewusst der Moderne. Als Reaktion auf deren Krisen und Ersch\u00fctterungen wurde die R\u00fcckkehr zu den Weltbildern einer geschlossenen Wirklichkeitssicht propagiert: religi\u00f6s, christlich, konfessionell.<\/p>\n<p>Wie also ging man vor Guardini und auch noch neben ihm theologisch mit Dichtung um? Im R\u00fcckblick zeigen sich drei Grundlinien.<\/p>\n<p>1.\u00a0Theologische Literaturdeutung konzentrierte sich fast ausschlie\u00dflich auf den vertrauten Bereich der christlichen Literatur, die weder formal noch inhaltlich als herausfordernder Partner fungierte, sondern eher als ideologische Selbstbest\u00e4tigung und \u00e4sthetische Bereicherung in vertrauter Gestalt.<\/p>\n<p>2.\u00a0In Form und Inhalt blieb diese Dichtung der Welt der Vormoderne verpflichtet, dem Festhalten an einem geschlossenen christlichen Weltbild vor aller S\u00e4kularisierung. Dazu z\u00e4hlt die Verweigerung der Zurkenntnisnahme zeitgen\u00f6ssischer Entwicklungen und Ersch\u00fctterungen genauso wie die Konzentration auf seit langem etablierte Gattungen und Stilentscheidungen.<\/p>\n<p>3.\u00a0Im Zentrum stand weniger das literarische Werk selbst, als vielmehr die stilisiert-idealisierte Person des christlichen Dichters oder des Geistes, der sein Werk pr\u00e4gt. Philologisch-analysierende Textdeutungen blieben die Ausnahme.<\/p>\n<p>Was davon hat Romano Guardini \u00fcbernommen, wo hat er eigene, neue Zug\u00e4nge gesucht und entfaltet?<\/p>\n<h3>Umfassende Deutung von\u00a0Weltliteratur<\/h3>\n<p>Mit Staunen und Hochachtung blickt man vor diesem Hintergrund auf Umfang, Stil und Reichweite von Guardinis Literaturinterpretationen. Neben kleineren Arbeiten etwa \u00fcber Dante, Goethe, Shakespeare, Hopkins, Wilhelm Raabe oder M\u00f6rike entstehen im Laufe der Jahre und meistens \u00fcber mehrere Vorstufen drei gro\u00dfe Monographien \u00fcber weltliterarisch herausragende Dichter und ihr Werk: \u00fcber Dostojewski (1932), H\u00f6lderlin (1939) und schlie\u00dflich \u00fcber Rilke (1953). Zum Verst\u00e4ndnis zentral: Guardini verfolgt in seinen Literaturdeutungen kein lange im Voraus geplantes Programm. Er lie\u00df sich auf Vorschl\u00e4ge und Anfragen ein, die von au\u00dfen an ihn herangetragen wurden. Eine Systematik oder vorgefertigte Programmatik ist von ihm nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>Schauen wir genau hin: Warum erfolgt bei Gardini die theologische Hinwendung zur Literatur, die \u00fcber eine grunds\u00e4tzliche Begeisterung f\u00fcr Dichtung allgemein hinaus geht? Er m\u00f6chte \u2013 so f\u00fchrt er in der Vorbemerkung zu seiner 1932 erschienenen Deutung von Wilhelm Raabes Roman\u00a0Stopfkuchen\u00a0explizit aus \u2013 \u201enicht so im allgemein \u00fcber das Buch sprechen, sondern wirklich deuten\u201c.<\/p>\n<p>Wir fragen dreifach nach.<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst: \u201aWirklich deuten\u2018? Was hei\u00dft das f\u00fcr Guardini als Theologen und Philosophen?<\/li>\n<li>Zweitens: Was fasziniert ihn gerade an den von ihm untersuchten Autoren?<\/li>\n<li>Und schlie\u00dflich:\u00a0Wie\u00a0versucht er seinen LeserInnen die pr\u00e4sentierten geistigen und literarischen Welten zu erschlie\u00dfen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der konkrete Ansto\u00df, sich der Dichtung intensiv zuzuwenden, stammte von dem Philosophen\u00a0Max Scheler\u00a0(1874\u20131928). Als Guardini 1923 nach Berlin auf den eigens f\u00fcr ihn eingerichteten Lehrstuhl f\u00fcr\u00a0Religionsphilosophie und katholische Weltanschauung\u00a0berufen worden war, wusste er zun\u00e4chst nicht so recht, wie und f\u00fcr wen er sein dortiges Vorlesungsprogramm konzipieren sollte. Ein Katholik aus der Provinz im brodelnden, mond\u00e4nen, frivolen Berlin der 1920 Jahre?<\/p>\n<p>In einem f\u00fcr ihn \u201esehr folgenreichen Gespr\u00e4ch\u201c habe ihm Scheler \u2013 der renommierte, verehrte und elf Jahre \u00e4ltere Philosoph \u2013 geraten: \u201eSie m\u00fcssten tun, was im Wort Weltanschauung liegt: die Welt betrachten, die Dinge, den Menschen, die Werke, aber als verantwortungsbewusster Christ, und auf wissenschaftlicher Ebene sagen, was sie sehen\u201c, so protokolliert Romano Guardini im Nachhinein das Gespr\u00e4ch. Und dann habe Scheler konkret den Rat gegeben: \u201eUntersuchen Sie doch zum Beispiel die Romane von Dostojewski, und nehmen Sie von Ihrem christlichen Standpunkt her dazu Stellung, um so einerseits das betrachtete Werk, andererseits den Ausgangspunkt selbst zu erhellen.\u201c Guardini \u2013 dessen Literaturdeutungen rasch ein breites Publikum erreichen sollten \u2013 w\u00fcrde dem Rat folgen und den Kollegen stets in dankbarer Erinnerung behalten.<\/p>\n<p>Zeugen f\u00fcr ein Leben nach dem\u00a0Ende der Neuzeit<\/p>\n<p>Dies freilich war nur der \u00e4u\u00dfere Anlass seiner Hinwendung zur Deutung von Literatur. Zwei innere Motivb\u00fcndel sind es vor allem, die Guardinis k\u00fcnftige Ausrichtung beleuchten. In seiner epochalen Schrift\u00a0Das Ende der Neuzeit\u00a0(1950) formuliert er seine \u2013 \u00fcber Jahrzehnte gewachsene \u2013 grundlegende Kritik am rationalistisch-technologischen Zweckdenken der Moderne, die seiner Ansicht nach nicht zuf\u00e4llig in die Katastrophen der Weltkriege und der Nazidiktatur hineingesteuert war. Dabei blieb er \u2013 so bezeugen es zahllose seiner Wegbegleiter \u2013 zerrissen zwischen einer nostalgischen R\u00fccksehnsucht nach Verlorenem und der trotzigen Bereitschaft, sich den neuen Herausforderungen seiner Gegenwart<br \/>\nund Zukunft zu stellen.<\/p>\n<p>Es geht ihm in seinem gesamten Schaffen zentral darum, in diese Zeitstr\u00f6mung hinein die geistig-geistliche Gegenkraft des Christentums als wirkliche Alternative zu profilieren. Im Verweis auf die gro\u00dfen dichterisch-religi\u00f6sen Denker der Geschichte gestaltet er ein solches Gegenprofil aus. Denn welches Christentum wollte er als spirituelle Gegenkraft st\u00e4rken? Nicht das starre System vormoderner Theologie, das sich f\u00fcr ihn mit dem Konzept der Neuscholastik verband; nicht die hierarchisch-festgef\u00fcgte Form r\u00f6mischer Herrschaft und die in seinen Augen petrifizierte liturgischer Routine. F\u00fcr und mit Guardini gibt es kein Verbleiben in der Vormoderne, so reizvoll der Gedanke einer Beharrung auch sein mag. Das Christentum muss sich in der Auseinandersetzung mit der Moderne bew\u00e4hren, neuformieren, anders konzeptioniert werden, so seine \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p>Und genau hier kommt die Dichtung, die \u201asch\u00f6ne\u2018 Literatur ins Spiel. Um eine lebendige und Grenzen sprengende Spiritualit\u00e4t aufzuzeigen, um die tiefe Wirkkraft echter Geistigkeit zu demonstrieren, braucht Guardini Zeugen. Sie sollten, so seine Wunschvorstellung, beides zugleich verk\u00f6rpern: die Krise der Moderne, aber eben auch die M\u00f6glichkeit einer erneuten Hinwendung zum Christentum jenseits des Durchleidens dieser Krise.<\/p>\n<p>Bei der Suche nach solchen Orientierungsfiguren stie\u00df er einerseits auf Philosophen, andererseits jedoch auf gro\u00dfe, weltliterarisch bedeutsame Schriftsteller (tats\u00e4chlich ausschlie\u00dflich M\u00e4nner), deren Werke ihn in ihrer Wucht und Gr\u00f6\u00dfe ergriffen. Von daher nur wenig \u00fcberraschend: Anders als den Protagonisten theologischer Literaturdeutung vor ihm kommt es Roma\u00adno Guardini prim\u00e4r gerade\u00a0nicht\u00a0darauf an, explizit\u00a0christliche Zeugen\u00a0aufzurufen, die das vorg\u00e4ngig Geglaubte nur noch einmal in besonders eindr\u00fccklicher Form best\u00e4tigen. Die von ihm aufgerufenen Schriftsteller verbindet er vielmehr in der Kategorie der\u00a0Seher. Bei ihnen erkennt er die Begabung zum vision\u00e4ren Propheten. Was also macht seine Schriftsteller zu religi\u00f6sen Zeugen? Die F\u00e4higkeit, hellsichtiger, tiefer, klarer als andere die Wahrheit zu sehen und zu benennen. Von ihnen erhofft er sich, was er in der Theologie seiner Zeit nicht finden kann.<\/p>\n<h3>Schriftsteller als prophetische\u00a0Seher<\/h3>\n<p>Schauen wir auf exemplarische Belege: So etwa f\u00fchrt Guardini H\u00f6lderlin ein. H\u00f6lderlins Werk gehe nicht \u2013 wie bei anderen \u2013 allein aus den Kr\u00e4ften des K\u00fcnstlers hervor, die sich durch \u201eEchtheit des Erlebnisses, die Reinheit des Auges, die Kraft der Formung und der Genauigkeit bestimmt\u201c. Bei H\u00f6lderlin stamme das Besondere \u201eaus der Schau und Ersch\u00fctterung des Sehers\u201c. Der Ursprung seines Schaffens \u201eliegt um eine ganze Ordnung weiter nach innen oder nach oben\u201c, so dass es \u201eim Dienst eines Anrufs\u201c stehe, dem sich zu entziehen bedeuten w\u00fcrde, einer \u201edas individuelle Sein und Wollen \u00fcberschreitenden Macht zu widerstehen\u201c. In H\u00f6lderlins Werk begegnet den Lesenden also nicht nur die literarisch geformte Stimme eines genialen Menschen, vielmehr wird in der Stimme dieses Sehers und Rufers eine g\u00f6ttliche Stimme h\u00f6rbar.<\/p>\n<p>Guardini beschreibt den Dichter also als echten Propheten und kann so konsequent folgern: Diese Dichtungen zeichnen sich durch den \u201eCharakter der Offenbarung\u201c aus, selbst wenn er einschr\u00e4nkend hinzuf\u00fcgt: \u201edas Wort in einem allgemeinen Sinn genommen\u201c in Bezug auf Ph\u00e4nomene, in denen etwas hervortritt, das \u201enicht prim\u00e4r und einfachhin gegeben ist, sondern als ein Dahinterliegendes, Verborgenes, Eigentliches durch sie hindurch zur Gegebenheit gelangt\u201c. Ein \u201ezu religi\u00f6sem Dienst gerufener Seher\u201c sei H\u00f6lderlin gewesen, so Guardini, in \u201edessen Innerem die Ber\u00fchrung geschieht, die Vision aufsteigt, und der Auftrag zur Botschaft gegeben wird\u201c.<\/p>\n<p>Was Guardini \u00fcber H\u00f6lderlin explizit ausf\u00fchrt, pr\u00e4gt seine Autorenwahl und Textdeutung grunds\u00e4tzlich. Bei Dostojewski reizt ihn die M\u00f6glichkeit, in dessen Romanwerk die religi\u00f6se Ergriffenheit der herausragenden Figuren aufzuzeigen. Diese literarisch geformten Charaktere seien \u201ein besonderer Weise dem Schicksal und den religi\u00f6sen M\u00e4chten ausgesetzt\u201c.\u00a0Sucher\u00a0interessieren Guardini, verst\u00f6rte und verst\u00f6rende\u00a0Grenzg\u00e4nger, in sich Gef\u00e4hrdete und zwischen verschiedenen Lebensentw\u00fcrfen und Erwartungen Zerrissene. Sie sind ihm seelenverwandte Zeugen des Endes der Neuzeit. An ihnen, mit ihnen muss sich eine neue Spiritualit\u00e4t, ein neues tragf\u00e4higes Weltbild bew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Deshalb auch die Hinwendung zu Rilke, dem \u201evielleicht differenziertesten deutschen Dichter der endenden Neuzeit\u201c, so Guardinis Charakterisierung. Mit keinem anderen Werk hat Guardini so sehr gerungen, wie mit dem Rilkes. Nirgends sonst hat er so sehr geschwankt zwischen Faszination und Ablehnung. Rilke sei \u2013 wie H\u00f6lderlin \u2013 \u201emedial veranlagt\u201c gewesen, habe sich ebenso \u201ein der Situation des Sehers\u201c verstanden, \u201e\u00fcberzeugt, eine Botschaft auszusprechen, die ihm aus einem Ursprung heraus diktiert worden sei, der wohl nicht anders als religi\u00f6s genannt werden\u201c k\u00f6nne. Rilke sah sich \u2013 so Guar\u00addini \u2013 als \u201ePropheten, der Organ ist; der weitergibt, was g\u00f6ttliche Stimme durch ihn spricht, und selbst, als Mensch, seinem eigenen Wort in der Haltung des H\u00f6renden und langsam Eindringenden gegen\u00fcbersteht\u201c. Dass dieses Religi\u00f6se ausdr\u00fccklich auch solche Formen und Aussagen annehme, die im \u201eWiderspruch zum Christlichen\u201c stehen, geh\u00f6re zur Provokation dieses Entwurfs.<\/p>\n<h3>Gegenwartsliteratur? Eine Ausblendung<\/h3>\n<p>Nicht Best\u00e4tigung seines eigenen Verst\u00e4ndnisses von Christentum sucht und findet Guardini hier, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit Person und Werk dieser Seher zum Zweck des Ringens um echte und tragf\u00e4hige Wahrheit. Was sich im Werk Rilkes vollzieht, seien \u201eVerbrennungsvorg\u00e4nge, die zwar Verborgenheiten beleuchten, Schwingungen freisetzen, Resonanzen wecken \u2013 in denen aber auch etwas zerf\u00e4llt, was zum Gef\u00fcge, man m\u00f6chte sagen, zur Ehre der Sprache geh\u00f6rt\u201c, so Guardini in einem letztlich distanzierenden Nachwort zu seinem in einem langsamen und m\u00fchsamen Prozess entstandenen Rilke-Buch. Zwar stehe Rilke \u201enicht nur f\u00fcr sich selbst, sondern f\u00fcr unsere ganze Zeit\u201c, gleichwohl m\u00fcsse man jeden, \u201eder lernen will, dichterisch zu sprechen, vor Rilke warnen\u201c, da dieser \u201edie Personalit\u00e4t\u201c aufl\u00f6se.<\/p>\n<p>Nur noch \u201eein Abgesang\u201c, so schrieb Hans Urs von Balthasar im Jahr 1970, sei diese Studie, ein Ringen, das letztlich eher ein Scheitern der Ann\u00e4herung bezeuge. Kein Wunder, dass Guardini \u201enach Rilke nicht mehr weiter\u201c Dichtung interpretiere, kommentiert Hans Urs von Balthasar dann sp\u00e4ter. Guardini komme hier nicht darum umhin, die Dichtung mit der Frage nach Wahrheit zu konfrontieren und sie von dort aus kritisch zu bewerten. Am Ende bleibt gerade im Blick auf Guardinis Rilke-Lesart die Ambivalenz von Faszination und Distanz, von Verlockung zum Lesen und gleichzeitiger Warnung.<\/p>\n<p>H\u00f6lderlin, Dostojewski, Rilke: Ein weiteres verbindet diese drei Schriftsteller mit anderen, deren Werk Guardini las und deutete. Denn auff\u00e4llig ist: Er selbst kannte zahlreiche SchriftstellerInnen seiner Zeit pers\u00f6nlich. \u201eIch fand anregende Freunde\u201c, erinnert er sich beispielsweise an seine Studienzeit in M\u00fcnchen, etwa \u201eunter Schriftstellern\u201c. Das wird so bleiben. Mit vielen Autoren war er befreundet, einige lud er zu Lesungen aus seinen Werken ein, mit manchen tauschte er Briefe aus, von vielen anderen wei\u00df man, dass er ihre Werke las.<\/p>\n<p>An keiner Stelle aber hat er Werke der f\u00fcr ihn zeitgen\u00f6ssischen Literatur interpretiert. Eine signifikante, sicherlich bewusst strategische Zur\u00fcckhaltung! Seine Auseinandersetzung mit Literatur setzte offensichtlich die Vorlage von abgeschlossenen Lebenswerken voraus. Er wollte seine Deutungen nicht von pers\u00f6nlicher Bekanntschaft oder durch freundschaftliche Verpflichtung tr\u00fcben lassen. Texte und ihre geistigen Welten interessierten Guardini theologisch konzeptionell, nicht SchriftstellerInnen als Zeugen der Gegenwart.<\/p>\n<h3>\u201e\u2026 in m\u00f6glichst enge F\u00fchlung mit den Texten selbst \u2026\u201c<\/h3>\n<p>Wie sehr Guardini an einer sehr pers\u00f6nlichen Aneignung und spirituellen Deutung von literarischen Entw\u00fcrfen gelegen war, wird an dem von ihm gew\u00e4hlten Verfahren deutlich. \u201eIch war bem\u00fcht, in m\u00f6glichst enge F\u00fchlung mit den Texten selbst zu kommen\u201c, schreibt er repr\u00e4sentativ im Vorwort zum H\u00f6lderlin-Buch 1939. Es geht ihm grunds\u00e4tzlich nicht um eine Auseinandersetzung mit Literatur im wissenschaftlichen Sinne, sondern bewusst um\u00a0seine\u00a0individuelle Lesart, gef\u00fchrt von \u201ephilosophischen Absichten\u201c. Er habe \u201enicht die Absicht, in die Literaturwissenschaft als solche einzugreifen\u201c, beteuert er sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>So kokettiert er fast schon damit, selbst zentrale Werke der philologischen Sekund\u00e4rliteratur absichtlich\u00a0nicht\u00a0gelesen zu haben. \u201eIch verzichtete bewusst auf das jeweilige Fachwissen, [\u2026] bin nach meinem Instinkt gegangen.\u201c Guardini nimmt sich das Recht heraus, die zur Kenntnis genommenen Fachstudien \u201eauf jenes Mindestma\u00df beschr\u00e4nken zu d\u00fcrfen, das n\u00f6tig war, um \u00fcber die Tatsachen unterrichtet zu sein\u201c. Er habe sich eine Methode angeeignet \u2013 schreibt er in seinen autobiographischen Aufzeichnungen \u2013, \u201evon der genauen Deutung des Textes zum Ganzen des Gedankens und der Pers\u00f6nlichkeit vorzudringen\u201c und dabei \u201edie christlichen Sinngehalte aus all den Verw\u00e4sserungen und Vermengungen zu l\u00f6sen\u201c, in die \u201eder neuzeitliche Relativismus sie gebracht hatte\u201c. Darum, um die Feinzeichnung eines zukunftsf\u00e4higen Christentums, geht es ihm in den Literaturdeutungen.<\/p>\n<p>So sympathisch der Grundzug einer m\u00f6glichst engen Auseinandersetzung mit den Urtexten selbst scheinen mag, so faszinierend sein Ringen um Aussage, Verweis und tiefere Wahrheit \u2013 dieser hermeneutische Umgang mit literarischen Texten zieht weitreichende Konsequenzen nach sich. Keine Frage: Guardinis Ausf\u00fchrungen \u00fcber Dichtung sind nach wie vor lesenswerte Interpretationen. Ihre wissenschaftliche Anschlussf\u00e4higkeit blieb jedoch von Anfang an \u2013 und bleibt nach wie vor \u2013 gering. Zeitlebens hat er seine Bef\u00e4higung, Promovenden zu betreuen, ungenutzt verstreichen lassen. Es ging ihm nicht um die Bildung einer Schule. Niemand hat sein theologisch-literarisches Werk eigenst\u00e4ndig fortgef\u00fchrt oder weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Guardinis theologische Deutungen von weltlicher Literatur erweisen sich so als Wegmarken einer theologischen Literaturrezeption, welche die Literatur so ernst wie m\u00f6glich nimmt in dem Sinne, sie so eng wie nur irgend m\u00f6glich in den theologisch-spirituellen Duktus und Kontext hineinzunehmen. Es geht ihm um eine echte \u201eBegegnung\u201c, um den \u201eBlick vom Einen auf das Andere\u201c, um Zug\u00e4nge, die letztlich \u201eweder Literaturwissenschaft noch Theologie sein wollen\u201c, so Guardini selbst im R\u00fcckblick. Dabei untersch\u00e4tzt er jedoch, wie sehr er gerade auch als Literaturdeuter letztlich immer Theologe bleibt. Dichter als Seher; dichterische Werke als Zeugnisse im Dienst des g\u00f6ttlichen Anrufs, ja: als Werke der Offenbarung \u2013 hier wird Literatur radikal theologisch gedeutet.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise hat Guardini mit zunehmendem Alter die Grenzen seines Zugangs immer deutlicher gesp\u00fcrt. Im Nachwort zu seinen sp\u00e4ten M\u00f6rike-Deutungen unter dem Titel\u00a0Bemerkungen \u00fcber Sinn und Weise des Interpretierens\u00a0aus dem Jahr 1957 relativiert er den zuvor selbst formulierten Anspruch, Literatur k\u00f6nne etwas Prophetisches haben. Nun tadelt er Rilke, sich selbst als Propheten verstanden zu haben, denn die Dichtkunst sei \u201evon dem, was im wirklichen Propheten redet\u201c, \u201eum ein Unendliches verschieden\u201c, ohne dass Guardini die hier angemahnte Differenz genauer ausf\u00fchren w\u00fcrde. Hier gesteht er den Dichtern nur noch zu, dass es ein\u00a0Mehr\u00a0gibt, das aus ihnen redet, mehr zu bestimmen als \u201edas Dasein selbst\u201c.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Nach der gro\u00dfen, nur mit M\u00fchen abgeschlossenen Arbeit \u00fcber Rilke verlieren die Dichter f\u00fcr Guardini ganz offensichtlich an Reiz. Von den kleineren Arbeiten \u00fcber M\u00f6rike abgesehen, beendet er seine Literaturdeu\u00adtungen. \u201eDie Linie von H\u00f6lderlin zu Rilke hatte offenbar in eine Sackgasse gef\u00fchrt\u201c, urteilt Alfons Knoll in einer umfassenden Monographie zum Thema. Das mag zwei Gr\u00fcnde haben. Zum einen ist un\u00fcbersehbar: Je n\u00e4her die von ihm untersuchte Literatur seiner Gegenwart r\u00fcckt, umso kritischer wird Guardinis Urteil. Dass er keine Gegenwartsliteratur im Blick hat, wurde bereits betont. Und die Untersuchung \u00fcber Rilke wurde immer mehr zur Distanzierung.<\/p>\n<p>Warum? Der zweite Grund f\u00fcr das erlahmende Interesse an den Literaten bei Guardini mag in dessen wachsender Einsicht gelegen haben, dass die Dichter ihm vor allem eines liefern konnten: das eindr\u00fcckliche Zeugnis f\u00fcr das von ihm selbst diagnostizierte Ende der Neuzeit. Das Zweite, f\u00fcr ihn Zentrale aber konnten sie nicht liefern: Zeugnisse f\u00fcr eine R\u00fcckkehr in die Welt des Christentums unter neuen Vorzeichen. Die Dichtung blieb f\u00fcr Guardini also m\u00f6glicherweise zweierlei: eine gro\u00dfe Entdeckung, gleichzeitig aber vielleicht auch letztlich eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung. Diese \u00dcberlegungen fordern zu Nachfolgeuntersuchungen heraus.<\/p>\n<h3>R\u00fcckfragen aus heutiger Sicht<\/h3>\n<p>Sp\u00e4tere Entw\u00fcrfe des theologisch-literarischen Dialogs werden bei diesen Selbstzur\u00fccknahmen Guardinis kritisch ansetzen und fragen, ob in seinen Deutungen die Eigenst\u00e4ndigkeit des \u00e4sthetischen Bereichs nicht auf dem theologischen Feld geopfert werde. Der amerikanische Literaturwissenschaftler Theodore Ziolkowski \u2013 stellvertretend sei er genannt \u2013 lobt Guardinis Literaturdeutung zwar wegen ihrer \u201en\u00fcchternen Verbindung von sorgf\u00e4ltiger Textanalyse und christlicher Hermeneutik\u201c, weist anhand von Guardinis M\u00f6rike-Deutung jedoch nach, dass dieser an \u201eentscheidender Stelle [\u2026] dem Text seinen eigenen Glauben, seine eigene Erwartung\u201c oktroyiert und das Religi\u00f6se dort findet, wo er es gesucht hat.<\/p>\n<p>Und eine zweite R\u00fcckfrage stellt sich im Blick auf die bewusst eigengepr\u00e4gte Sprache. Der Germanist Wolfgang Fr\u00fchwald res\u00fcmiert das Ergebnis seiner Untersuchungen im Blick auf die Literaturdeutungen Guardinis: Sie seien \u201estark ihrer Zeit [&#8230;] verhaftet und damit (teilweise) unlesbar geworden\u201c. Mit seinem \u201eexistenzphilosophischen Vokabular\u201c habe Guardini \u201ein Kauf genommen, rasch zu veralten\u201c.<\/p>\n<p>Bei allen m\u00f6glichen, in sich selbst noch einmal frag-w\u00fcrdigen R\u00fcckfragen aus heutiger Sicht lassen sich Guardinis Leistungen und Grenzen im Feld theologischer Literaturdeutungen b\u00fcndeln.<\/p>\n<p>1.\u00a0Gegen die bis in seine Zeit hinein vorherrschenden Bestrebungen in der Auseinandersetzung mit der christlichen Literatur geht es Guardini unmittelbar um die\u00a0Texte, weniger um die biographisch ausgeleuchteten oder \u00fcberh\u00f6ht typisierten Autoren. Er legt literarische\u00a0Werke\u00a0aus und integriert die \u00e4sthetischen Deutungen in seine vorg\u00e4ngig theologisch gepr\u00e4gte Weltsicht. Dazu zieht er nur peripher biographische, kulturell-kontextuelle oder philologische Sekund\u00e4rliteratur heran. Es geht ihm um authentische\u00a0eigene\u00a0Deutungen.<\/p>\n<p>2.\u00a0Der Reiz der gedeuteten Literatur liegt, so schreibt sp\u00e4ter Hans Urs von Balthasar \u00fcber seinen akademischen Lehrer Guardini, in den \u201eoffenen Stellen, wo Grundfragen aufbrechen, Fenster aufspringen, Lichter durchblitzen, Orte, wo der Eros des Fragens auf Treppen aufsteigt, sich aber einem \u2013 wie auch immer \u2013 Herabstrahlenden nicht verweigert\u201c.<\/p>\n<p>3.\u00a0Die Literatur liefert dem Theologen Sprache, Authentizit\u00e4t und Aktualit\u00e4t, den er bei den zeitgen\u00f6ssischen Theologenkollegen nicht findet. Er vernimmt bei den gro\u00dfen Dichtern eine prophetische Kraft, die freilich nicht im Sinne biblischer Prophetie verstanden wird.<\/p>\n<p>4.\u00a0Er befasst sich jedoch nicht nur deshalb mit Dichtung, weil diese ihm als eine Art Sprachschule und Stilkunde dient oder ihn f\u00fcr die Entwicklungen seiner Gegenwart sensibilisiert. Guardini betreibt zudem eine \u201etheologische Literaturkritik\u201c, indem er eine \u201eDurchleuchtung der Literatur auf ihre letzte Haltung hin\u201c vornimmt. Theologische Vorgaben werden ihm letztlich zum Ma\u00dfstab literarischer Wertung.<\/p>\n<p>5.\u00a0Guardini erkennt klarsichtig den Epochenbruch, den er selbst erlebt und bezeugt. Die religi\u00f6s bestimmte Vormoderne wird mehr und mehr abgel\u00f6st von einer Moderne, die sich nicht nur philosophisch, \u00f6konomisch und politisch definieren l\u00e4sst, sondern zunehmend das Alltagsleben der Menschen bestimmt. Dieser Wandel stellt das Christentum vor neue Herausforderungen, denen er sich mit seinen theologischen Entw\u00fcrfen stellen will. Bei aller Sehnsucht nach vergangener Sicherheit wagt Guardinis Literaturtheologie den Schritt in die offene Suche.<\/p>\n<p>Dass sich diese Suche letztlich in anderen Paradigmen ereignen wird, konnte Guardini selbst nicht ahnen. Die neue Disziplin von\u00a0Theologie und Literatur\u00a0wird sich \u2013 angeregt vor allem von der Kulturtheologie Paul Tillichs \u2013 ab den 1970er Jahren im\u00a0Dialog-Paradigma\u00a0entfalten. Dichtung und Religion werden sich dort korrelativ verkn\u00fcpfen, auf Augenh\u00f6he, in gegenseitiger Achtung und Herausforderung. Guardinis Literaturdeutungen haben diesem Paradigma den Weg gebahnt. Beschritten hat \u00adGuardini diesen Weg selbst nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>What can interest theologians about literature? Why does a scientifically trained mind that reflects on religion need poetry? Let's take a look at an initial answer, written down in the middle of the 20th century: the \"word of poetry\" makes \"the thing, the experience, the fate more dense and clearer at the same time\". 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