{"id":32142,"date":"2023-07-17T14:33:18","date_gmt":"2023-07-17T12:33:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=hochhuth-kam-vor-dem-fall"},"modified":"2024-12-17T12:05:15","modified_gmt":"2024-12-17T11:05:15","slug":"hochhuth-kam-vor-dem-fall-public-relations-krieg-um-pius-xii","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/hochhuth-kam-vor-dem-fall-public-relations-krieg-um-pius-xii\/","title":{"rendered":"Hochhuth came before the fall"},"content":{"rendered":"<p>Innerhalb von f\u00fcnf Jahren kehrte sich das historische Bild von Papst Pius XII. fast v\u00f6llig um. 1958 wurden Lobesreden auf den gerade verstobenen Pontifex zum Andenken an den \u201ePapst des Friedens\u201c gehalten. 1963 wurde Pius XII. wegen seines \u00f6ffentlichen Schweigens angesichts des Massenmords an den Juden als \u201eder Papst, der schwieg\u201c, sogar als \u201eVerbrecher\u201c gebrandmarkt. Dieser Sturz ist von der medialen Wirkung des Schauspiels\u00a0Der Stellvertreter\u00a0nicht zu trennen. Das war das Erstlingswerk von Rolf Hochhuth, eines 32-j\u00e4hrigen, bis dahin v\u00f6llig unbekannten deutschen Schriftstellers. Durch den\u00a0Stellvertreter\u00a0erhob der damals junge Dichter und Lektor im Bertelsmannkonzern gegen den verstorbenen Papst den Vorwurf, sich zum Massenmord an den Juden nicht \u00f6ffentlich und konsequent ge\u00e4u\u00dferst zu haben. Ein begeisterter Anh\u00e4nger Hochhuths brachte es damals auf den Punkt: \u201eHochhuth kam vor dem Fall.\u201c<\/p>\n<h3>I.<\/h3>\n<p>Hochhuths Theaterst\u00fcck schlug wie ein Blitz in der kulturellen Landschaft der Bundesrepublik ein. Regie bei der Erstauff\u00fchrung f\u00fchrte Erwin Piscator, der sich als Altkommunist und Vertreter des \u201epolitischen Theaters\u201c der Weimarer-Zeit w\u00e4hrend der zw\u00f6lf Jahre der nationalsozialistischen Diktatur in Moskau und New York aufgehalten hatte. Die Premiere am 20. Februar 1963 auf der Freien Volksb\u00fchne in West-Berlin entfachte eine Reihe von Auseinandersetzungen, die zu den gr\u00f6ssten Medienskandalen in der Geschichte der Bundesrepublik z\u00e4hlten und in den kommenden Jahren \u00fcberhaupt nicht abriss.\u00a0In mehreren L\u00e4ndern wurden Stinkbomben geworfen, Protestbriefe geschrieben, Anw\u00e4lte zu Rat gezogen und Demonstrationen angek\u00fcndigt. Mitten in diesem Chaos brachten zwei deutsche Bundestagsabgeordnete eine Kleine Anfrage im Parlament ein, die den damaligen Bundesau\u00dfenminister Gerhard Schr\u00f6der (CDU) dazu veranlasste, sein Bedauern \u00fcber die Angriffe gegen Pius XII. zum Ausdruck zu bringen.\u00a0Seine Erwiderung auf diesen jungen protestantischen Autor hatte er zuerst an die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) gegeben, bevor er sie an die Abgeordneten verteilte.\u00a0Denn fast alle Teilnehmer an diesen Kontroversen waren sich dar\u00fcber im klaren, dass es sich dabei um ein internationales mediales Ereignis handelte.<\/p>\n<p>In diesem Vortrag werde ich mich insbesondere mit der Medialisierung der \u201ePius-Kriege\u201c im Jahre 1963 in der Bundesrepublik besch\u00e4ftigen. Diese \u201ePius-Kriege\u201c wurden als Public-Relations-K\u00e4mpfe und Imagekampagnen von konkurrienden und verfeindeten Netzwerken ausgetragen. Ein katholisches Netzwerk aus Berlin und ein Netzwerk aus dem Rowohlt Verlag trugen mit aller H\u00e4rte einen Public-Relations Kampf gegeneinander aus. Es war die Macht dieser internationalen Mediennetzwerke, so meine erste These, die es innerhalb k\u00fcrzester Zeit einem Unbekannten wie Hochhuth erlaubten, international f\u00fcr Furore zu sorgen und seine kritischen Thesen in Tageszeitungen, Radionachrichten und vielen Fernsehsendungen \u00fcber Jahre hinweg zu verbreiten.<\/p>\n<p>Zugleich \u2013 und so meine zweite These \u2013 verhielten sich viele von Hochhuths Gegnern im Rahmen einer gro\u00dfen strukturellen und mentalen Transformation im internationalen Medienbereich oft ungeschickt. Als Kritiker wie Hochhuth die Kirche und den Papst des moralischen Versagens w\u00e4hrend des Dritten Reiches und des Holocausts bezichtigten, wandten sie eine ganze Reihe von defensiven Strategien an, um die Vorw\u00fcrfe der Papstkritiker durch Richtigstellungen in der Presse und Angriffe gegen ihre Kontrahenten zu kontern. Zu diesem Zweck mobiliserte das katholische Netzwerk aus Berlin die deutsche katholische Presse, und zwar die vielen Zeitschriften und Bistumszeitungen, die meist w\u00f6chentlich erschienen und eine regelm\u00e4\u00dfige Leserschaft von mehr als einer Million Menschen hatten.<\/p>\n<p>Diese Verteidigungsstrategie spielte den Pius-Gegnern direkt in die H\u00e4nde, weil das katholische Netzwerk aus Berlin unter gewissen strukturellen Nachteilen litt, die anhand von einigen Beispielen verdeutlicht werden k\u00f6nnen. Als einigen Leitern der Kampagne gegen Hochhuth langsam klar wurde, dass in diesen medialen Auseinandersetzungen das Rowohlt-Netzwerk bessere Karten hatte, zogen sie in Erw\u00e4gung, etwas h\u00e4rtere Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, und zwar, von rechtlichen Ma\u00dfnahmen Gebrauch zu machen, was oft aber nicht ausschliesslich bedeutete, ihre Gegner vor \u00adGericht zu bringen.<\/p>\n<p>Aus einer Kontroverse \u00fcber das p\u00e4pstliche Verhalten w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges entstanden neue Debatten \u00fcber Meinungsfreiheit und Toleranz, die die Position der Pius-Verteidiger nicht gerade st\u00e4rkten. Kurz um \u2013 und so meine Hauptthese: Die defensive kirchliche Strategie stand in der ersten H\u00e4lfte der 60er Jahre einer neueren kritischen \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber, auch unter vielen Katholiken, und diese kritische \u00d6ffentlichkeit testete ihre Grenzen, sich an \u00f6ffentlichen Diskussionen und Debatten \u00fcber heikle Themen zu beteiligen.<\/p>\n<p>Rolf Hochhuth ist im M\u00e4rz 2020 im Alter von 89 Jahren in Berlin gestorben, was uns erlaubt, die Auseinandersetzungen um sein Werk\u00a0Der Stellvertreter\u00a0in Deutschland in ihren historischen Kontext einzubetten. In diesem Vortrag werde ich mich auf einige wenige Beispiele beschr\u00e4nken, weil es nicht m\u00f6glich w\u00e4re, den ganzen Verlauf der medialen Auseinansetzungen zu rekonstruieren, die sich \u00fcber Jahre, sogar bis 1966, hinzogen, als der Stellvertreter mehr als 30 zus\u00e4tzlich B\u00fchnen in 12 L\u00e4ndern eroberte.\u00a0Ich m\u00f6chte mit den Auseinandersetzungen vor der Premiere am 22. Februar 1963 anfangen, die den Ton f\u00fcr die andauernde Kontroverse angab, und danach auf einzelne Protestaktionen und Krawalle nach der Premiere eingehen, die die Kontroverse wieder aufflammen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Erlauben Sie mir auch noch ein kurzes Wort zu meiner historischen Methode, und ich hoffe, dass ich Sie damit nicht entt\u00e4usche. Weil es mir um eine historische Kontextualisierung der Kontroversen \u00fcber die katholische Vergangenheit geht, werde ich zum eigentlichen Verhalten des Papstes w\u00e4hrend des Holocausts keine Stellung beziehen. Was Pius XII. getan hat, nicht getan hat, h\u00e4tte tun k\u00f6nnen, nicht h\u00e4tte tun sollen, wird das Thema f\u00fcr eine andere Veranstaltung sein, vor allem angesichts der neuen Befunde aus dem Vatikanischen Archiv. Die Forschungsergebnisse daraus werden erst in n\u00e4chster Zeit publiziert. Dar\u00fcber hinaus d\u00fcrften Ihnen auf den ersten Blick vor allem angesichts des Holocausts die medialen Aspekte zur Hochhuth-Kontroverse als Thema trivial scheinen.<\/p>\n<p>Ein kurzer Vergleich mit dem kirchlichen Missbrauchsskandal in den USA zeigt jedoch, wie wichtig und zentral gerade die Rolle der Massenmedien bei der Austragung kirchlicher Skandale tats\u00e4chlich gewesen ist. Allein durch die Berichterstattung einer Arbeitsgruppe erfahrener Journalisten, die f\u00fcr die renommierte Lokalzeitung\u00a0The Boston Globe\u00a0gearbeitet hat, kamen die vollen Dimensionen der Missbrauchsf\u00e4lle ans Licht. Die Emp\u00f6rung \u00fcber diese Nachrichten war so gro\u00df, dass sich Dutzende weiterer Opfer veranlasst sahen, sich zu Wort zu melden, so dass sich die Oberhirten der Bostoner Di\u00f6zese gezwungen sahen, die Vorw\u00fcrfe \u00f6ffentlich zur\u00fcckzuweisen. Mit anderen Worten fungierten die Medien nicht nur als Vermittler, sondern auch als selbstst\u00e4ndige Protagonisten, die die Kette der Ereignisse ausl\u00f6sten, beinflussten und durchbrachen. Nach einem bekannten Zitat des kanadischen Kommunikationstheoretikers, Marshall McLuhan: \u201eThe medium is the message.\u201c<\/p>\n<h3>II.<\/h3>\n<p>Ich m\u00f6chte nun zum ersten Teil meines Vortrags kommen, und zwar zu den Auseinandersetzungen \u00fcber den\u00a0Stellvertreter\u00a0vor der Premiere. Entscheidend f\u00fcr ihren Verlauf war die Tatsache, dass Hochhuths Kritik aus dem Nichts zu kommen schien. Anfang der 60er Jahre war Rolf Hochhuth, dem Abitur und Universit\u00e4tsabschluss fehlten, ein einfacher Lektor im Bertelsmann-Verlag und Betreuer dessen bekannten Lese-Rings. Au\u00dferdem geh\u00f6rte er zu keinem der damals bekannten links-intellektuellen Kreise. Diese Gegebenheit pr\u00e4gte die Kontroversen \u00fcber ihn nicht nur in den 60er Jahren, sondern auch bis heute. Wie h\u00e4tte ein solch Unbekannter und Nichtwissenschaftler auf die Idee kommen k\u00f6nnen, das Schweigen des Papstes zum Genozid an den Juden dramatisch zu inszenieren, den Papst selbst in Szene zu setzen und seine Haltung mit Quellen pseudo-wissenschaftlich zu belegen?<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund kursieren noch heute, insbesondere in rechtskatholischen Kreisen in den USA, Ger\u00fcchte, dass der KGB hinter der Entstehung und dem Erfolg des\u00a0Stellvertreters\u00a0habe stehen m\u00fcssen. Laut dieser Verschw\u00f6rungstheorien h\u00e4tten als Priester getarnte Geheimagenten in den fr\u00fchen 60er Jahren den Vatikan und vor allem das vermutete \u201eGeheimarchiv\u201c des Vatikans unterwandert, um eine Desinformationskampagne \u00fcber den antikommunistisch eingestellten Papst in Gang zu setzen und damit sein hohes moralisches Ansehen zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Hochhuth sei der Empf\u00e4nger von aus dem Vatikan herausgeschmuggelten Geheimdokumenten gewesen, die er benutzt habe, um seine These des p\u00e4pstlichen Schweigens dokumentarisch zu st\u00fctzen. Diese Dokumente h\u00e4tten als Basis dienen sollen f\u00fcr die \u201ehistorischen Streiflichter\u201c, Hochhuths Bezeichnung f\u00fcr seinen unkonventionellen siebzigseitigen dokumentarischen Anhang zur gedruckten Buch-Ausgabe des\u00a0Stellvertreters.<\/p>\n<p>Dessen Ziel war es zu beweisen, dass \u201eder Verfasser des Dramas sich die freie Entfaltung der Phantasie nur so weit erlaubt hat, als es n\u00f6tig war, um das vorliegende historische Rohmaterial \u00fcberhaupt zu einem B\u00fchnenst\u00fcck gestalten zu k\u00f6nnen.\u201c Es ist allerdings f\u00fcr solche Verschw\u00f6rungstheorien bezeichnend, dass sich ihre Einzelheiten h\u00e4ufig widersprechen. So deuten diese Verschw\u00f6rungstheoretiker auch irrt\u00fcmlicherweise an, dass es nicht Hochhuth, sondern der Altkommunist Erwin Piscator gewesen sei, der f\u00fcr die endg\u00fcltige Abgabe des Manuskripts an den Verlag verantwortlich zeichnete. Piscator habe auch f\u00fcr eine \u00dcberarbeitung des Textes samt dem dokumentarischen Anhang gesorgt. Dadurch wurde Piscator unterstellt, als KGB-Agent fungiert zu haben.<\/p>\n<p>Meines Erachtens entbehren diese Behauptungen jeder Grundlage. Ihre Chronologie stimmt nicht. Die Verschw\u00f6rungstheoritker gehen davon aus, dass Dokumente hinsichtlich des feigen p\u00e4pstlichen Schweigens erst im Sommer 1962 vom Vatikan nach Deutschland geschleust worden seien. Hochhuths Text war jedoch bereits Anfang 1961 fertig und abgeliefert worden. Au\u00dferdem verlie\u00df sich Hochhuth nicht auf unver\u00f6ffentlichte Dokumente, sondern ausschliesslich auf bereits in den 50er Jahren gedruckte Quellen wie Memoiren, Biographien, Tageb\u00fccher und auch Gerichtsprotokolle.<\/p>\n<p>Die Feststellung, dass Piscator als KGB-Agent dem\u00a0Stellvertreter\u00a0zu seinem Erfolg verholfen habe, ist genauso irref\u00fchrend, auch wenn sie auf zwei nachweisbaren Tatsachen beruht. Piscator war in der Tat antiklerikal gesinnt, was sich von einem Blick in seine Tageb\u00fccher best\u00e4tigen l\u00e4sst, wo er mehrmals gegen \u201ePfaffen\u201c gewettert hat. Es stimmt auch, dass Piscator an der Produktion des\u00a0Stellvertreters\u00a0mitgewirkt hat. Er musste das Original um mehr als die H\u00e4lfte k\u00fcrzen, weil Hochhuths Theaterst\u00fcck mehr als sieben Stunden gedauert h\u00e4tte. Piscators K\u00fcrzungen betrafen jedoch lediglich die Produktion auf der B\u00fchne und nicht die gedruckte Buchausgabe, wie die Verschw\u00f6rungstheorien unterstellen.<\/p>\n<p>Piscators K\u00fcrzungen stie\u00dfen sogar auf Hochhuths vehemente Opposition, so dass Hochhuth kurz vor der Premiere kochend vor Wut Piscators Sekret\u00e4rin das Telefon aus der Hand riss und es auf dem Boden zerschmetterte. Kurzum: Es gibt keine nachweisbaren Belege f\u00fcr Vermutungen, dass Hochhuth, Piscator und der Rowohlt-Verlag Strohm\u00e4nner f\u00fcr eine KGB-Operation waren.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz dr\u00e4ngt sich uns die Frage auf, wie ein junger und ehrgeiziger protestantisch erzogener Schriftsteller auf die Idee kam, das Oberhaupt der katholischen Kirche durch ein Theaterst\u00fcck an den Pranger zu stellen. Fast ununterbrochene Kontinuit\u00e4tslinien von pr\u00e4genden Erlebnissen in Kindheit und Jugend f\u00fchrten zu Hochhuths kritischer Abrechnung mit der katholischen Kirche. Eine entscheidende Rolle dabei spielte die geografische Isolation seiner Eschweger Heimat, einer osthessischen Provinzstadt im Werretal, und ein sp\u00fcrbares Gef\u00fchl der Bedeutungslosigkeit, welches den verschlafenen Ort entlang der Zonengrenze in der Nachkriegszeit durchzog.<\/p>\n<p>Ein sehr greifbares Gef\u00fchl des Abstiegs hinterlie\u00df bei Hochhuth unverkennbare Spuren. Der Sohn einer gut b\u00fcrgerlichen Familie entwickelte eine tiefe Verachtung f\u00fcr den ersten Bundeskanzler der jungen Republik, Konrad Adenauer, den er daf\u00fcr verantwortlich machte, dass die deutsche Nation buchst\u00e4blich unter seinen F\u00fc\u00dfen auseinandergerissen worden war. Jahre sp\u00e4ter bezeichnete er den r\u00f6misch-katholischen Kanzler als \u201eunbelehrbare[n] Separatist[en]\u201c und \u201eRheinbundfanatiker.\u201c Er machte sowohl Adenauer als auch den Generalsekret\u00e4r der SED Walter Ulbricht f\u00fcr die Teilung Deutschlands verantwortlich und bezeichnete beide als \u201eIdeologen\u201c und \u201eHochverr\u00e4ter.\u201c<\/p>\n<p>In Hochhuths Skizzenbuch \u2013 Hochhuth war nach jahrelangem privaten Kunstunterricht durch einen lokalen K\u00fcnstler ein begabter Zeichner \u2013, das auch den ersten Entwurf f\u00fcr den\u00a0Stellvertreter\u00a0enthielt, befanden sich sp\u00e4ter Portraits von Papst Pius XII. und Konrad Adenauer nebeneinander. Beide katholische Prominente waren f\u00fcr Hochhuth Symbole des gl\u00fchenden Antikommunismus, der Deutschland in seinen Augen entzweit hatte. Hochhuth brachte indes seine Bewunderung f\u00fcr Bismarck, den gro\u00dfen Architekten der Deutschen Einigung, wiederholt zum Ausdruck. Es \u00fcberrascht ebenfalls nicht, dass Hochhuth auch unverkennbar Elemente der sozialistischen und liberalen Ideologien \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Er konnte mit seinem \u201esozialistischen Herz\u201c gleichzeitig kapitalistische Exzesse heftig angreifen. Allerdings suchte er sp\u00e4ter in die Steueroase der Schweiz Zuflucht, unmittelbar nachdem\u00a0Der Stellvertreter\u00a0zum Kassenschlager wurde und den ersten Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste einnahm. Er wollte zun\u00e4chst nach Uri wegen seiner niedrigen Steuer, aber ihm wurde von den \u00fcberweigend katholischen Einwohnern eine Aufenthaltsgenehmigung verweigert, so dass er sich f\u00fcr Basel entscheiden musste.<\/p>\n<p>Hochhuths Generationszugeh\u00f6rigkeit spielte bei seiner Aufarbeitung der Vergangenheit eine genauso wichtige Rolle. Er identifizierte sich selbst als Vertreter der sogenanten Generation von 1945, die durch ihre unterschiedlichen Kriegserfahrungen den traumatischen Bruch von 1945 als Z\u00e4sur erlebt hat. Seitdem er als 14-J\u00e4hriger den Zusammenbruch der nationalsozialistischen Diktatur und die Befreiung Eschweges durch die amerikanische Armee miterlebt hatte, war Hochhuth fest entschlossen gewesen, die Geschichte des Dritten Reichs zu erforschen und aufzuarbeiten. Hochhuth behauptete sogar einmal, dass Hitler sein geistiger Vater gewesen sei. Wie auch andere Mitglieder der\u00a0Generation von 1945\u00a0betrieb er die Lekt\u00fcre historischer Monografien und Dokumentensammlungen mit gro\u00dfem Eifer.<\/p>\n<p>Im Zuge dessen stie\u00df er auf Dokumente, welche die Unt\u00e4tigkeit hochrangiger katholischer Kirchenf\u00fchrer herausgriffen \u2013 darunter auch Papst Pius\u2018 XII. So war der unmittelbare Ausl\u00f6ser f\u00fcr Hochhuths Interesse an der Rolle hoher Geistlicher ein verst\u00f6render Zeitzeugenbericht vom SS-Mann Kurt Gerstein \u00fcber die Massenvergasungen in Auschwitz. Gerstein beschreibt darin, wie er ohne Ank\u00fcndigung den Apostolischen Nuntius in Berlin, Cesare Orsenigo, aufsuchte und diesen \u00fcber die andauernde Vernichtung in Kenntnis setzte. Auf die Frage hin, ob er ein Soldat sei, wurde Gerstein anscheinend von einem untergeordneten Priester der Eintritt verweigert und der Nuntiatur verwiesen. Teile des Berichts wurden fast w\u00f6rtlich in den Text des St\u00fccks \u00fcbernommen und nur aufgrund der Erfordernisse des Freiverses leicht abge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>In einer Quellenedition von Leon Poliakov und Josef Wulf, die zur ersten Generation der Holocaustforscher geh\u00f6rten, entdeckte Hochhuth sieben Dokumente in Bezug auf die Rolle Pius\u2018 XII. und Ernst von Weizs\u00e4ckers, des deutschen Botschafters beim Heiligen Stuhl, w\u00e4hrend der im Oktober 1943 durchgef\u00fchrten Massenverhaftungen von Juden in Rom. Unter diesen Dokumenten des Ausw\u00e4rtigen Amts befand sich ein Telegrammschriftwechsel zwischen Berlin und Rom, der die Gefahr eines p\u00e4pstlichen Protests im Namen der Juden auswertete. Das letzte der sieben Schreiben, in dem Weizs\u00e4cker seinen Vorgesetzten in Berlin am 28.\u00a0Oktober 1943 berichtet, dass der Papst nicht \u00f6ffentlich protestieren werde, wurde zu den Schlussworten von\u00a0Der Stellvertreter.<\/p>\n<p>F\u00fcr Hochhuth war dies sein bedeutendster Fund. Er hatte, zumindest oberfl\u00e4chlich betrachtet, absolut sichere Beweise f\u00fcr die Tatenlosigkeit und Mitschuld des Papstes an den Verbrechen der Nationalsozialisten gefunden.<\/p>\n<h3>III.<\/h3>\n<p>Die Reaktionen auf den Tod des Papstes im Oktober 1958 brachten das Fass f\u00fcr Hochhuth dann endg\u00fcltig zum \u00dcberlaufen: Zahllose Zeitungen und Zeitschriften zollten Pius h\u00f6chste Anerkennung und verewigten ihn als den \u201ePapst des Friedens\u201c, Besch\u00fctzer der deutschen Nation, Kreuzz\u00fcgler gegen den Kommunismus und Verteidiger der Schwachen. Hochhuth scheint daraufhin vor Entr\u00fcstung sein schriftstellerisches Unternehmen in Angriff genommen zu haben.<\/p>\n<p>Seit 1955 war Hochhuth Verlagslektor im schnell wachsenden Bertelsmannverlag, der f\u00fcr seinen Bertelsmann-Lesering bekannt war. Die von ihm bearbeitete Wilhelm-Busch-Ausgabe verkaufte sich derart gut \u2013 mehr als eine Million Exemplare wurden ausgeliefert \u2013, dass sein Chef, Reinhard Mohn, ihm am 29.\u00a0Juni 1959 einen dreimonatigen Urlaub gew\u00e4hrte, um sich ganz seinen literarischen Ambitionen zu widmen. Er machte sich Mitte September 1959 auf den Weg nach Rom und wollte herausfinden, ob Papst Pius XII. sich tats\u00e4chlich geweigert hatte, \u00f6ffentlich demonstrativ Stellung zu beziehen. Aufgrund nur rudiment\u00e4rer Italienischkenntnisse konnte er lediglich mit deutschsprachigen Mitarbeitern des Papstes sprechen, die ihm von der Reaktion Pius\u2018 auf die Deportation der r\u00f6mischen Juden im Oktober 1943 erz\u00e4hlen konnten. Durch einen deuschen Stipendiaten der G\u00f6rres-Gesellschaft kn\u00fcpfte Hochhuth Kontakt zu zwei problematischen Informanten, dem Pr\u00e4laten Bruno W\u00fcstenberg and Bischof Alois Hudal.<\/p>\n<p>Der letztere hat sich einen sehr zweifelhaften Ruf erworben, vor allem wegen seiner unerm\u00fcdlichen Anstrengungen, das Christentum mit dem Nationalsozialismus in Einklang zu bringen und wegen seiner organisatorischen Rolle bei den\u00a0Rattenlinien, die den nationalsozialistischen Hauptverbrechern zur Flucht in sichere H\u00e4fen wie Argentinien verhalfen. Von beiden erhielt er die Best\u00e4tigung, die er gesucht hatte: Pius hatte seine Stimme nicht \u00f6ffentlich zum Protest erhoben. Beide erh\u00e4rteten auch seinen Verdacht, dass die Deutschen nicht willens gewesen w\u00e4ren, in den Vatikan einzumarschieren und den Papst zu verhaften, selbst wenn er \u00f6ffentlich protestiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Hochhuth fing schon w\u00e4hrend seines Aufenthalts in Rom an, den Text zu scheiben, den er allerdings erst im Februar 1961 fertiggestellt hat. Am 23. Mai 1961 bot er den Entwurf sowie 60 Seiten Begleitdokumentation \u2013 der Vorl\u00e4ufer der Historischen Streiflichter \u2013 dem Verlag R\u00fctten &amp; Loening an, der damals zum Bertelsmannkonzern geh\u00f6rte. Sie schlossen einen Vertrag ab. Im Januar 1962 brach jedoch Reinhard Mohn, der Chef des Konzerns, den Vertrag, als das Buch bereits gedruckt wurde. Er rechfertigte diesen sehr ungew\u00f6hnlichen Schritt mit dem Verweis darauf, dass 47 Prozent des Leserkreises aus Katholiken best\u00fcnde und der Lesering nicht durch eine solche Publikation gef\u00e4hrdet werden solle. V\u00f6llig niedergeschlagen fand der junge Lektor doch noch Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck. Karl Ludwig Leonhardt, der im Bertelsmann\u2013Lesering Gesch\u00e4ftsleitungsmitglied war, sandte das Manuskript an Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, Leiter des Rowohlt Verlags. Leonhardt, ein enger Freund von Hochhuth, war wie dieser davon \u00fcberzeugt, dass die j\u00fcngste Zeitgeschichte aufgearbeitet werden musste. Nach Hochhuths Worten hatte Leonhardt \u201emich dem Rowohlt-Verlag aufgezwungen\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Erfolg seines \u201eChristlichen Trauerspiels\u201c war die \u00dcbernahme des Werks durch Ledig-Rowohlt ausschlaggebend, auch wenn man in seinem Verlag zun\u00e4chst wegen der breiten Anlage und des technischen Aufwands \u201ekeine B\u00fchnenm\u00f6glichkeiten\u201c sah.\u00a0Er gab das Werk an Erwin Piscator weiter, der seit seiner R\u00fcckkehr aus den USA 1951 mit ihm an mehreren Theaterproduktionen zusammengearbeitet hatte und kurz davor war, die Leitung der Freien Volksb\u00fchne in Westberlin zu \u00fcbernehmen. Piscator stimmte zu, wohlwissend, dass Hochhuths \u201echristliches Trauerspiel\u201c nach den Worten Ledig-Rowohlts schon Februar 1962 \u201epolitisch betrachtet, ungeheueren Explosivstoff\u201c enthielt und ohne Zweifel auch heftig angegriffen werden, ja vielleicht sogar einen Skandal hervorrufen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Gerade deswegen verfolgte der Rowohlt-Verlag schon lange vor der Urauff\u00fchrung eine \u2013 im Nachhinein betrachtet \u2013 schlaue Marketing-Strategie, die Hochhuths Werk geheimnisumwittert erscheinen lie\u00df. Er verpflichtete seine Mitarbeiter zum Schweigen, um das Durchsickern von Informationen \u00fcber das neue Schauspiel und zugleich katholische Angriffe zu verhindern, obwohl der junge Dramatiker zu diesem Zeitpunkt noch v\u00f6llig unbekannt war. Solchen Anweisungen zufolge sollte die Buchausgabe urspr\u00fcnglich erst am Tag der Premiere auf den Markt gebracht werden.<\/p>\n<p>Trotz dieser Schritte gelangte der Katholiken-Ausschuss des Bistums Berlin fr\u00fchzeitig in den Besitz des Textes. Unter den 25\u00a0Mitgliedern des Katholiken-Ausschusses war auch Dr. Ernst-Alfred Jauch, der Berliner Korrespondent der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ebenfalls Mitglied des Ausschusses war Msgr. Erich Klausener jun., Chefredakteur von Walter Adolphs\u00a0Petrusblatt\u00a0und Sohn des von den Nationalsozialisten 1934 ermordeten Leiters der Katholischen Aktion, f\u00fcr dessen Andenken sich Walter Adolph eingesetzt hatte. Das prominenste Mitglied und Leiter dieses Ausschusses war Walter Adolph selbst, mittlerweile Generalvikar des Bistums Berlin.<\/p>\n<p>Die Aktivit\u00e4ten dieser katholischen Publizisten und Journalisten trugen wesentlich dazu bei, den\u00a0Stellvertreter\u00a0schon vor der Premiere am 20. Februar 1963 zum Medienereignis zu machen. In den Wochen vor der Premiere erhielt\u00a0Der Stellvertreter\u00a0die beste Publicity: alles M\u00f6gliche und Unm\u00f6gliche an hei\u00dfen Ger\u00fcchten und hemmungslosen Anfeindungen. Auf das Interview Dieters Borsches, also des Hauptdarstellers, hin hie\u00df es in einem ersten KNA-Bericht vom 25. Januar irrt\u00fcmlicherweise, Hochhuth habe f\u00fcr sein Erstlingswerk \u201ein den vatikanischen Archiven Dokumente studiert.\u201c<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes er\u00f6ffnete Klausener das Feuer auf den Seiten des\u00a0Petrusblatts. Da die KNA und das\u00a0Petrusblatt\u00a0ihre Berichterstattung f\u00fcr gew\u00f6hnlich koordinierten, stellte Klausener seinen massiven Angriff am 30.\u00a0Januar der KNA zur Verf\u00fcgung, die ihn wiederum an ihren Kundenkreis weitergab. Nachdem nun hunderte regionale und lokale Zeitungen in den Besitz des Berichts gekommen waren, verfasste die Deutsche Presse-Agentur (DPA) einen eigenen Bericht \u00fcber die im\u00a0Petrusblatt\u00a0ver\u00f6ffentlichte Breitseite und leitete ihn ihrerseits an hunderte von Kunden weiter. Eine typische \u00dcberschrift infolgedessen lautete etwa: \u201ePetrusblatt greift die Freie Volksb\u00fchne an\u201c. Hochhuth sah sich zu einer \u00f6ffentlichen Verteidigung gen\u00f6tigt. Er setzte eine schriftliche Stellungnahme auf und gab sie der DPA, die sie wiederum zusammenfasste und weiterleitete. Die darauffolgenden \u00dcberschriften vom 3.\u00a0Februar griffen den sich zusammenbrauenden Konflikt zwischen Hochhuth und dem\u00a0Petrusblatt\u00a0heraus: \u201eKontroverse mit dem Petrusblatt\u201c, wurde lautstark verk\u00fcndet.<\/p>\n<p>Weniger als zwei Wochen sp\u00e4ter holte die KNA zu einer weiteren Angriffsrunde aus. Jauch verfasste \u00fcber eine Woche vor der Premiere eine vernichtende Kritik des noch nicht erschienenen Werks. Die \u00dcberschrift \u201eNimm ein Brechmittel \u2026 du, der du dies liesest\u201c war eine Anspielung auf S\u00f8ren Kierkegaard. Die KNA meldete, Hochhuth versuche, die Schuld am Massenmord von sechs Millionen Juden dem Papst zuzuschieben. Die KNA druckte zudem einen kritischen Artikel von Walther Kampe, Weihbischof des Bistums Limburg, in dem er zum Ausdruck bringt, dass die Katholiken sich verpflichtet f\u00fchlen, \u201ef\u00fcr die beleidigte Ehre eines Mannes einzutreten, dessen Andenken uns heilig ist.\u201c<\/p>\n<p>Erz\u00fcrnt dar\u00fcber, dass das Manuskript an die Presse gelangt war und aggressiven Kritikern sich so viele M\u00f6glichkeiten zur Berichterstattung boten, drohte Piscator allen Schauspielern, B\u00fchnentechnikern und Theatermitarbeitern mit einer horrenden Strafzahlung in H\u00f6he von 10 000 DM, sollten Skripte, Druckfahnen oder Vorausexemplare an Dritte weitergegeben werden.<\/p>\n<p>Selbst wenn sie die KNA- oder DPA-Artikel nicht abdruckten, waren die Chefredakteure der lokalen und regionalen Presse aufmerksam geworden. Die Tatsache, dass Bisch\u00f6fe, Kirchenzeitungen und die Katholische Nachrichten-Agentur so heftig und so fr\u00fch protestierten, musste bedeuten, dass das St\u00fcck eine schreckliche Wahrheit ans Licht bringen w\u00fcrde, welche die Kirche geheim halten wollte. Es erscheint daher nicht \u00fcberraschend, dass Tageszeitungen in der gesamten Bundesrepublik begannen, \u00fcber die bevorstehende Sensation zu berichten. Ein DPA-Artikel vom 20. Februar, der an hunderte lokale und regionale Zeitungen weitergeleitet wurde, sprach von dem \u201emit Spannung erwartete[n] Schauspiel.\u201c<\/p>\n<p>Nachdem der Appetit der Presse angeregt worden war, schickten die wichtigsten \u00fcberregionalen Zeitungen wie die\u00a0Frankfurter Allgemeine Zeitung\u00a0sowie eine erstaunlich gro\u00dfe Anzahl lokaler und regionaler Zeitungen ihre eigenen Journalisten und Kritiker nach Westberlin, um \u00fcber die Premiere zu berichten. Da sie auf diese Weise die Nachrichtenagenturen umgingen, wurde der Einfluss der KNA durch ihre eigenen Darstellungen erheblich eingegrenzt: Die KNA konnte \u2013 wie es im Amerikanischen hei\u00dft \u2013 dem Ereignis nicht ihren eigenen \u201espin\u201c geben. Durch diese Zeitungen war dem St\u00fcck eine ausf\u00fchrlichere und gut platzierte Berichterstattung gew\u00e4hrleistet \u2013 und nicht nur eine fl\u00fcchtige Erw\u00e4hnung auf den letzten Seiten neben anderen ausw\u00e4rtigen Veranstaltungen.<\/p>\n<h3>IV.<\/h3>\n<p>Die Premiere war dann ein voller Erfolg. Die Presse berichtete, von einem \u201eSkandal\u201c k\u00f6nne keine Rede sein. Das Sicherheitspersonal musste nicht eingreifen. Als Borsche in Gestalt von Papst Pius XII. die B\u00fchne betrat, kam es zu vereinzelten Pfiffen und Zwischenrufen. Nachdem der Vorhang gefallen war, trat Stille ein, gefolgt von f\u00fcnf Minuten st\u00fcrmischem und anhaltendem Applaus, der die punktuellen Pfiffe und Buhrufe \u00fcbert\u00f6nte. Der junge Autor und der erfahrene Regisseur betraten die B\u00fchne, um sich zu verbeugen. Letzterem geb\u00fchrte endlich der Triumph, der ihm w\u00e4hrend der turbulenten Jahre der Weimarer Republik versagt geblieben war. Das Publikum verlie\u00df das Theater unter Schweigen. Der Katholiken-Ausschuss M\u00fcnchen zog den Schluss, dass die Gef\u00fchlsproteste vonseiten des Bisch\u00f6flichen Ordinariats in Berlin letztlich den Weg f\u00fcr Hochhuths Erfolg geebnet hatten. Indem es einen einflussreichen Teil der deutschen Bev\u00f6lkerung in Harnisch gebracht hatte, hatte es das St\u00fcck in eine \u201eZirkusnummer\u201c gewandelt.<\/p>\n<p>Es hatte den Anschein, dass der Konflikt nach diesem Auftakt seinen H\u00f6hepunkt erreicht hatte und mit der Zeit an Intensit\u00e4t verlieren w\u00fcrde. Indes, der Konflikt \u00fcber den\u00a0Stellvertreter\u00a0flammte in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten und sogar Jahren immer wieder auf. Nach Berlin zog\u00a0Der Stellvertreter\u00a0von B\u00fchne zu B\u00fchne, darunter Stationen in London, Basel, Paris, New York und Detroit \u2013 und der Skandal breitete sich unweigerlich aus.<\/p>\n<p>Wie vor der Premiere spielten die Verteidiger Pius\u2018 ihren Gegnern und deren Kritik \u00fcberm\u00e4\u00dfig in die H\u00e4nde. Nur zwei Wochen nach der Urauff\u00fchrung betraten Politiker, Kirchenm\u00e4nner, Theologen, Intellektuelle und Akademiker in fliegendem Wechsel die \u00f6ffentliche Arena, um Kritik zu \u00fcben, das St\u00fcck zu verurteilen und in Zweifel zu ziehen. Gegner wie Adolph reagierten unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig auf das Werk eines literarischen Neulings, anstatt ihm mit Schweigen zu begegnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Adolph war die beste Verteidung immer der Angriff. Vor allem war dieses unnachgiebige offensive Vorgehen gegen Feinde f\u00fcr Katholiken eine tief verwurzelte Gewohnheit. Es war auch ein wesentliches Merkmal des politisierten Journalismus der Weimarer Republik. Es war ebenfalls eine Lehre aus katholischem Versagen im Dritten Reich und der\u00a0modus operandi\u00a0in Westberlin dem kommunistischen Osten gegen\u00fcber. Die Einwohner \u201eMitteldeutschlands\u201c sollten nach Adolphs \u00dcberzeugung die Propaganda ihres Regimes nicht durch Stimmen aus dem Westen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Bei ihrer Entscheidung f\u00fcr diese Strategie erkannten Adolph und \u00e4hnlich gesinnte katholische Publizisten jedoch nicht, dass sowohl die Medienkultur als auch die \u00f6ffentliche Sph\u00e4re, denen sie sich gegen\u00fcbersahen, dabei waren, sich drastisch zu ver\u00e4ndern. Die katholische Presse hatte sich von der Verfolgung w\u00e4hrend der nationalsozialistischen Diktatur nie richtig erholt. Die Auflagen der wenigen katholischen Tageszeitungen, egal ob auf lokaler, regionaler oder bundesweiter Ebene, blieben weit hinter denjenigen der s\u00e4kularen Wettbewerber zur\u00fcck. Die w\u00f6chentlichen Bistumsbl\u00e4tter erreichten 1962 zwar ihre bislang h\u00f6chsten Auflagen, doch sie konnten mit diesem Erscheinungsrhythmus den Verlauf der 24- bis 48-st\u00fcndigen Nachrichtenzyklen nicht nachhaltig beeinflussen. Ihnen mangelte es zudem an modernen Layouts und Marketing. Die Kirchenpresse hatte sich auch einen ungew\u00f6hnlich konservativen Leserkreis erhalten.<\/p>\n<p>Dies hatte zur Folge, dass der Ausgang der Public-Relations-K\u00e4mpfe \u00fcber den\u00a0Stellvertreter\u00a0entscheidend von der Berichterstattung in der nichtreligi\u00f6sen Mainstream-Presse abhing \u2013 und von den erdbebenartigen Ver\u00e4nderungen in der Medienlandschaft. Bis zur zweiten H\u00e4lfte der 1950er Jahre hatte eine neue Generation, haupts\u00e4chlich M\u00e4nner Ende 20 oder Anfang 30, Chefredakteursposten \u00fcbernommen. Diese Vertreter der\u00a0Generation von 1945\u00a0waren mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit s\u00e4kular gepr\u00e4gt \u2013 bis zum Beginn der 1970er Jahren waren erstaunliche 40\u00a0Prozent formal kirchenfern.<\/p>\n<p>Viele hatten zudem im Rahmen der alliierten\u00a0Reeducation-Politik und Austauschprogramme mehrere Monate oder Jahre im Ausland verbracht, etwa in den USA oder Gro\u00dfbritannien. In Fernsehen, Radio und Zeitungen waren ihnen dort kritische Formate, die in Deutschland damals weitgehend unbekannt waren, begegnet \u2013 knallharte Roundtable-Gespr\u00e4che, offene Paneldiskussionen und investigative Berichterstattung. Die jungen Journalisten brachten bei ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland komplexere Ans\u00e4tze in der Berichterstattung mit nach Hause. So erweiterten sie das Spektrum um neue Genres wie Boulevardjournalismus, investigative Berichterstattung und eingehende Kommentare. Daneben verbesserten sie Layouts, Schriftarten und Fotomontagen. Entscheidend war vor allem, dass sie sich vom in den 1950ern dominanten Modell des Konsensjournalismus verabschiedeten. Anstatt mit f\u00fchrenden Politikern anzubandeln, versuchten sie, Skandale aufzudecken und Debatten zu entfachen.<\/p>\n<p>All diese Aspekte tragen zu einer Erkl\u00e4rung daf\u00fcr bei, warum die katholischen Publizisten in den Public-Relations-K\u00e4mpfen unterlagen. Mit wachsendem Argwohn gegen\u00fcber dem Einfluss der Kirche auf die Politik waren die Journalisten, Rundfunkredakteure und Fernsehpers\u00f6nlichkeiten nicht mehr bereit, sich mit den Verteidigern Pius\u2018 innerhalb der CDU und der Kirche zu identifizieren. Sie standen den katholischen Verteidigungsbem\u00fchungen vielmehr kritisch gegen\u00fcber \u2013 den Demonstrationen, Verurteilungen, Gerichtsverfahren und Versuchen, Radio- und Fernsehreporter unter Druck zu setzen. Sie machten die Reaktion der Katholiken zum Inhalt ihrer Berichte.<\/p>\n<p>Auf den Stra\u00dfen kam es zu Demonstrationen, M\u00e4rschen, Kundgebungen, Unterbrechungen der Auff\u00fchrungen und Ausschreitungen; die Geistlichen und Laien verurteilten das Werk mit Predigten, Presseerkl\u00e4rungen und Pressekonferenzen. Lebte eine ausreichend gro\u00dfe Zahl Katholiken im jeweiligen Gebiet, wurde das gesamte Milieu mobilisiert \u2013 die Presse, die Hierarchie sowie Jugend-, Freizeit- und Frauenverb\u00e4nde. Am 24.\u00a0September 1963 demonstrierten ann\u00e4hernd 6000 Katholiken vor dem Theater in Basel und hielten Schilder mit aufr\u00fchrerischen Aufschriften in die H\u00f6he. Am darauffolgenden Abend musste die Auff\u00fchrung unterbrochen werden, weil die Demonstranten Stinkbomben gez\u00fcndet hatten und Protestgeschrei von sich gaben.<\/p>\n<p>Eine Gruppe in Italien drohte mit Bombenanschl\u00e4gen auf das Theater, die Synagoge und die Freimaurerloge, da alle drei Akteure als Teil einer perfiden Verschw\u00f6rung hinter der Produktion gestanden h\u00e4tten. In Paris wurde die Auff\u00fchrung Mitte Dezember 1963 nicht nur mithilfe von Stinkbomben durch die Demonstranten unterbrochen, sondern auch durch den Einsatz von Niespulver. Eine Gruppe von ann\u00e4hernd 30 Demonstranten in Fallschirmj\u00e4geruniformen sorgte zu Beginn des Aktes, in dem Pius auftritt, f\u00fcr eine so laute Ger\u00e4uschkulisse aus Buh-Rufen und Pfiffen, dass der Vorhang wieder zugezogen wurde. Die militanten Demonstranten st\u00fcrmten die B\u00fchne, beteiligten sich an Handgreiflichkeiten mit den Schauspielern und warfen den Pius-Darsteller zu Boden, bevor die Polizei ihnen Handschellen anlegen und sie schlie\u00dflich abf\u00fchren konnte.<\/p>\n<p>Ger\u00fcchten zufolge geh\u00f6rten die Verantwortlichen dem fanatischen Komitee\u00a0Pro Pio\u00a0an, welches in Basel erstmals in Erscheinung getreten war. Einer der Anf\u00fchrer hatte angeblich der algerien-franz\u00f6sischen Terrororganisation\u00a0Organisation de l\u2019arm\u00e9e secr\u00e8te\u00a0(OAS, auf Deutsch: Organisation der geheimen Armee) angeh\u00f6rt. In New York blockierten fast 150 Demonstranten den B\u00fcrgersteig vor dem Theater und buhten die Theaterbesucher aus. Die meisten waren Mitglieder des \u201eAd Hoc Committee to Protest the Deputy\u201c, allerdings waren unter ihnen auch 15 Mitglieder der American Nazi Party, die Hakenkreuze zur Schau trugen und Schilder mit Aufschriften wie \u201eThis is a hate play\u201c und \u201eJews mock Pius XII\u201c in die H\u00f6he hielten.<\/p>\n<p>Eine Inszenierung in Rom wurde im Februar 1965 verboten, woraufhin das dortige Theater eine heimliche Auff\u00fchrung organisierte. Die Polizei unterbrach und beendete die Auff\u00fchrung. Mehrere Tage sp\u00e4ter nahm der Bruders eines der Hauptdarsteller Rache, indem er zwei Bomben am Sankt-Anna-Tor legte und Papst Paul VI. aus dem Schlaf riss. Diese Anschl\u00e4ge bedeuteten auch \u00c4rger f\u00fcr die fragile Regierungskoalition unter Aldo Moro. Die Liste der St\u00f6rungen l\u00e4sst sich noch um etliche Eintr\u00e4ge erweitern \u2013 Ohrfeigen im Foyer und Schl\u00e4gereien auf den R\u00e4ngen in Wien, Handgreiflichkeiten und Ausschreitungen in Br\u00fcssel, Ausschreitungen in Olten und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>So sorgten die Protestierenden f\u00fcr fesselnde Bilder im Schweizerischen Fernsehen, spannende Radiosendungen und aufmerksamkeitserregende Schlagzeilen \u2013 und nat\u00fcrlich ausverkaufte Auff\u00fchrungen. Sie hatten auch eine klare Botschaft: Viele der Demonstranten forderten mehr \u201eToleranz\u201c f\u00fcr die Sensibilit\u00e4t der Katholiken, was in diesem Fall das Recht bedeutete, ihre Entr\u00fcstung \u00fcber Hochhuths angebliche Blasphemie \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dfern zu d\u00fcrfen. W\u00e4hrend des Tumults in seinem Erzbistum anl\u00e4sslich der Premiere des\u00a0Stellvertreters, \u00e4u\u00dferte sich Kardinal Feltin von Paris \u00f6ffentlich wie folgt: \u201eWer k\u00f6nnte nicht verstehen, dass ein Katholik sich gekr\u00e4nkt f\u00fchlt durch das Unrecht, welches dem Andenken an seinen Heiligen Vater angetan wurde?\u201c<\/p>\n<p>Doch es war extrem schwierig, die Glaubhaftigkeit dieser Botschaft aufrecht zu erhalten, w\u00e4hrend einige ihrer \u00dcberbringer gewaltt\u00e4tige junge M\u00e4nner waren, die Theater st\u00fcrmten. Die militanten Demonstranten bildeten dabei, wie so oft, eine kleine, \u00fcbereifrige Minderheit. Mit der Zeit wurden ihre Aktionen zumindest von einigen Ordinariaten als Problem wahrgenommen. Ob nun zu Recht oder zu Unrecht, ihre Richtigstellungen der p\u00e4pstlichen Vergangenheit waren mit einem Eindruck der Intoleranz verbunden.<\/p>\n<h3>V.<\/h3>\n<p>Die Tatsache, dass sich prominente Vertreter innerhalb der Kirche und der CDU gegen Hochhuths\u00a0Stellvertreter\u00a0aussprachen, war auch von gro\u00dfer Tragweite f\u00fcr die Berichterstattung in den s\u00e4kularen Mainstream-Medien. Ihre Korrespondenten waren begierig nach delikaten Geschichten und fesselnden Schlagzeilen. Doch sie stellten die Vorg\u00e4nge als Zweikampf von David und Goliath dar, allerdings mit einer Rollenverteilung, die nicht den Vorstellungen der religi\u00f6sen Presse entsprachen. F\u00fcr Walter Adolph waren die Katholiken der in Bedr\u00e4ngnis geratene David; Goliath wurde durch die von Protestanten dominierte liberale und sozialistische Presse im Westen und vor allem durch den kommunistischen Koloss im \u00f6stlichen Teil des Bistums Berlin verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p>Als Erben einer ann\u00e4hernd 100-j\u00e4hrigen Belagerungsmentalit\u00e4t sprachen viele katholische Berichterstatter und Kommentatoren von der Hochhuth-Aff\u00e4re als der Fortsetzung des Kulturkampfs der 1870er Jahre. Doch in der neuen Darstellung waren die Rollen genau umgekehrt: Der junge Hochhuth war David, seine Feinde militant demonstrierende Philister, Giganten des katholisch-politischen und geistlichen Establishments. Es war ein damals zun\u00e4chst nicht wahrgenommener Zufall, dass diese Lesart die Handlung des St\u00fccks reflektierte: Hochhuths Protagonist, ein junger Jesuit, widersetzt sich dem Pontifex in einem Akt h\u00f6chsten Nonkonformismus.<\/p>\n<p>Die Narrativen, die diese Journalisten der Situation \u00fcberst\u00fclpten, ergaben in Anbetracht der Premiere vom 20.\u00a0Februar 1963 absolut Sinn. Im November 1962 hatte der Bundesverteidigungsminister und CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strau\u00df die Verhaftung mehrerer Journalisten wegen angeblichen Landesverrats durch Ver\u00f6ffentlichung von Staatsgeheimnissen angeordnet, darunter auch der\u00a0Spiegel-Gr\u00fcnder Rudolf Augstein. Die Kontroverse um Hochhuth war der erste gr\u00f6\u00dfere Medienskandal im unmittelbaren Nachspiel der\u00a0Spiegel-Aff\u00e4re und einige Reporter und Kommentatoren zogen Parallelen.<\/p>\n<p>Der jungen Garde in radikalen linkspolitischen Netzwerken bot sich erstmals die Gelegenheit, sich in der Welt der Medien gegen ein aggressives katholisches Establishment in der Politik zu wehren. Einige nahmen Hochhuth als einen der ihren an, ein Paradebeispiel f\u00fcr den Generationenwechsel. Die Berliner Tageszeitung\u00a0Der Abend\u00a0pries Hochhuths jugendhaften Mut und lie\u00df verlauten: Die \u201eJugend hat das Recht, radikal und unbequem zu sein, keine halben Antworten, sondern die ganze Wahrheit zu suchen, auch wenn sie bitter klingt.\u201c<\/p>\n<p>Hochhuths junges Alter erm\u00f6glichte es ihm, aus dem wachsenden Trend des Entertainment-Journalismus, Promiberichterstattung und der zunehmenden Nutzung visueller Mittel Kapital zu schlagen. Die internationale Ausgabe des Hochglanzmagazins\u00a0Life Magazine\u00a0widmete seinem Werk und ihm selbst eine schmeichelhafte f\u00fcnfseitige Fotoreportage. Ausf\u00fchrliche Beitr\u00e4ge \u00fcber seinen ungew\u00f6hnlichen Weg aus der Versenkung zu Ruhm erschienen in hunderten von Tageszeitungen und Wochenzeitschriften in Deutschland. Die Leser erfuhren so von Hochhuths Vorliebe f\u00fcr Barockm\u00f6bel.<\/p>\n<p>Ein zuckers\u00fc\u00dfer Artikel mit der \u00dcberschrift \u201eSchokolade f\u00fcr den Dichter\u201c informierte: \u201eWenn er sich in Ihrer Kneipe an der Ecke zu Ihnen an den Tisch setzte \u2013 Sie w\u00fcrden gleich Vertrauen zu ihm fassen.\u201c Die\u00a0Bild\u00a0gab Auskunft \u00fcber seine gut aussehende Frau und ihren gemeinsamen zweij\u00e4hrigen Sohn, begleitet von entsprechenden Fotos. Er zierte die Titelseite des\u00a0Spiegel. Dieselbe Ausgabe des\u00a0Spiegel\u00a0und die\u00a0Bild\u00a0druckten Fotos, die den jungen B\u00fchnenautor im Anzug auf seinem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit zeigen und einen Kultstatus erreichten. Doch der investigative Journalismus war nicht das einzige kritische Format, das Walter Adolph Schwierigkeiten bereitete. Die Presse wurde von den \u00f6ffentlichen Diskussionsrunden angezogen, die in zahlreichen St\u00e4dten wie M\u00fcnchen, Berlin, Duisburg, Heidelberg und K\u00f6ln aus dem Boden wuchsen. Sie fanden eine ganze Reihe bereitwilliger F\u00f6rderer, darunter Universit\u00e4ten, katholische Studentenverbindungen und die Katholische Akademie in Bayern. Sie waren in einem relativ neuen journalistischen Stil aufgezogen \u2013 dem Pro-und-Kontra-Format.<\/p>\n<p>Diese \u00f6ffentlichen Diskussionsforen waren als ernsthafte Unterfangen konzipiert und setzten sich mit moralischen, theologischen und existenziellen Fragen auseinander, die sich einfachen Antworten entzogen: W\u00e4re es Pius\u2018 Pflicht gewesen, sich f\u00fcr die europ\u00e4ischen Juden zu opfern? H\u00e4tte der p\u00e4pstliche Protest zu einer Versch\u00e4rfung der Verhaftungen und Deportationen gef\u00fchrt, so wie es in den Niederlanden geschehen war, nachdem die niederl\u00e4ndischen Bisch\u00f6fe gegen die Massenverhaftungen der Juden protestiert hatten? Und vor allem: Warum hatte Pius geschwiegen?<\/p>\n<p>Diese \u00f6ffentlichen Foren spielten Hochhuth auch in die H\u00e4nde. Im April 1963 mussten hunderte von Interessierten nach Hause geschickt werden, weil einer f\u00fcr 600 Personen ausgerichteter Zuschauerraum bereits voll war. Erst wenige Wochen zuvor war es notwendig gewesen, dass Piscator und Gr\u00fcber \u201efast gewaltsam zum Podium geschleust werden\u201c, da der lediglich \u00fcber 600 Pl\u00e4tze verf\u00fcgende H\u00f6rsaal an der Technischen Universit\u00e4t Berlin bereits mit \u00fcber 1.000 Zuschauern \u00fcberf\u00fcllt war. Der ber\u00fchmte Radiosender Sender Freies Berlin verglich die Atmosph\u00e4re mit der Bundestagsdebatte \u00fcber die\u00a0Spiegel-Aff\u00e4re.<\/p>\n<p>Frustriert von diesem Spektakel aus Gewissenspr\u00fcfung und Schadenfreude stellten die Kreise um Walter Adolph Erw\u00e4gungen an, rechtliche Schritte einzuleiten. Zur Best\u00fcrzung vieler Katholiken bewirkten solche \u00dcberlegungen jedoch auch das genaue Gegenteil, von dem was sie erreichen wollten. In Berlin zog man in Erw\u00e4gung, eine Anzeige gegen Hochhuth, Piscator und Ledig-Rowohlt wegen Verunglimpfung des Andenkens des verstorbenen Bernhard Lichtenbergs zu erstatten. In Bonn beauftragte das katholische B\u00fcro einen Anwalt, Karl Panzer, zu pr\u00fcfen, ob eine Klage der Schwester von Papst Pius XII. wegen Verunglimpfung Aussicht auf Erfolg versprach.\u00a0Diese Bem\u00fchungen sollten streng geheim bleiben, aber Panzer protzte in einem Moment des \u00dcbermuts vor einem Publikum junger katholischer Journalisten geradezu mit dem Vorgehen. Ein junger Journalist lie\u00df die preisgegebenen Details an die Tagespresse durchsickern und entfachte einen weiteren Medienskandal, obwohl Panzer eigentlich zu dem Schluss gekommen war, dass von gerichtlichen Massnahmen abzusehen war.<\/p>\n<p>Durch solche ungeschickten Taktiken katholischer Prominenter wurde die Debatte \u00fcber das Schweigen des Papstes vor dem Holocaust in eine gesellschaftliche Diskussion \u00fcber die \u00d6ffentlichkeit verwandelt. Im Rahmen des gesellschaftlichen Umbruchs der 60er Jahre entwickelten sich die Debatten \u00fcber den Stellvertreter zu einem Musterfall f\u00fcr die Grenzen der gesellschaftlichen Toleranz f\u00fcr die Austragung kontroverser Meinungsverschiedenheiten in der \u00d6ffentlichkeit. Wie viel Toleranz f\u00fcr unterschiedliche Meinungen konnte eine Gesellschaft dulden? In einer KNA-Erkl\u00e4rung behauptete Konrad Kraemer, Freiheit ohne Wahrheit sei der N\u00e4hrboden der Anarchie.<\/p>\n<p>Als Musterbeispiel f\u00fcr die Diskussion \u00fcber Toleranz bot sich die \u00f6ffentliche Kontroverse dar\u00fcber an, ob 3000 West-Berliner Schulkindern Eintrittskarten zum Theaterst\u00fcck verweigert werden sollten.\u00a0Das Berliner Ordinariat protestierte gegen eine Entscheidung des Gutachterausschusses, das Schauspiel f\u00fcr 17- bis 18-j\u00e4hrige Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen freizugeben. Der Ausschuss \u2013 so eine \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung des Bisch\u00f6flichen Ordinariats Berlin \u2013 verf\u00fcge weder \u00fcber \u201edas kirchengeschichtliche Wissen\u201c noch \u00fcber \u201edie moralische Urteilsf\u00e4higkeit\u201c \u00fcber die deutsche Geschichte 1939 bis 1945, um zu einer solchen Entscheidung zu kommen.<\/p>\n<h3>VI.<\/h3>\n<p>Bevor ich diesen Vortrag abschlie\u00dfe, m\u00f6chte ich ein Gegenbeispiel zeigen, die meine Hauptthese der misslungenen katholische Angriffsstrategie deutlich best\u00e4tigt. Kurz bevor\u00a0Der Stellvertreter\u00a0im Februar 1964 in M\u00fcnchen aufgef\u00fchrt werden sollte, gelang es dem M\u00fcnchener Weihbischof Johannes Neuh\u00e4usler, seine\u00a0Operation Schweigen\u00a0im Erzbistum M\u00fcnchen und Freising durchzuf\u00fchren. Freilich war Neuh\u00e4usler kein Unbefangener. Im Dritten Reich hatte der Domkapitular einen Kurierdienst geleitet und dar\u00fcber hochrangigen Kirchenvertretern im Ausland einschlie\u00dflich Eugenio Pacelli aktuelle Berichte \u00fcber den Kirchenkampf zukommen lassen. Er hatte den Preis daf\u00fcr bezahlt: er war zwischen 1941 und 1945 in Sachsenhausen und in Dachau inhaftiert, im letzteren allerdings als Sonderh\u00e4lftling mit gewissen Privilegien.<\/p>\n<p>Nach seiner Befreiung im Mai 1945 bastelte er innerhalb k\u00fcrzester Zeit eine zweib\u00e4ndige Dokumentarsammlung,\u00a0Kreuz und Hakenkreuz\u00a0\u00fcber die Verfolgung der katholischen Kirche im Dritten Reich zusammen, allerdings auch mit mehreren verf\u00e4lschten Belegen. Er erwies sich ebenfalls als entscheidender Gegner von Entnazifierungsprozessen und Kriegsverbrecherprozessen, und zu diesem Zweck setzte er sich f\u00fcr die Befreiung Dutzender verurteilter deutscher Kriegsverbrecher ein, ein Thema, das den Rahmen dieses Vortrags sprengen w\u00fcrde. Dadurch erwarb er sich den Ruf, ein entschlossener K\u00e4mpfer zu sein, der jedoch am liebsten nicht nur im Hintergrund sondern auch hinterh\u00e4ltig agierte.<\/p>\n<p>Diesem Ruf entsprechend entwickelte er eine Strategie, um zumindest im Erzbistum M\u00fcnchen und Freising den\u00a0Stellvertreter\u00a0wirksamer als andere deutsche Di\u00f6zesen zu bek\u00e4mpfen. Aus einer Analyse der Auseinandersetzungen vor und nach der Premiere, auch auf vielen ausl\u00e4ndischen B\u00fchnen, zog er den Schluss, dass der Erfolg des Stellvertreters im gro\u00dfen Ma\u00dfe auf die \u201eProteste seiner Gegner\u201c zur\u00fcckzuf\u00fchren sei: \u201eAm Anfang war der Protest.\u201c Er bemerkte, dass die Reaktionen am ruhigsten und sachlichsten in Stockholm, in Helsinki und in London gewesen seien, also in Gebieten mit katholischen Minderheiten, welche auf Protestaktionen verzichtet hatten. Die lautst\u00e4rksten Proteste \u2013 so seine Folgerung \u2013 h\u00e4tten Hochhuth direkt in die H\u00e4nde gespielt: \u201eBlo\u00dfe Proteste sind aber schon deshalb unfruchtbar, weil sie ausschlie\u00dflich eine Reaktion mit falschen oder ungen\u00fcgenden Mitteln auf eine Aktion darstellen. Meines Wissens hei\u00dfen wir aber und wollen wir immer noch sein: Katholische Aktion, nicht Katholische Reaktion.\u201c<\/p>\n<p>Als Schlussfolgerung bat Neuh\u00e4usler die katholischen Vereine, Verb\u00e4nde und kirchlichen Einrichtungen, nicht nur \u00fcberhitzte Rhetorik zu unterlassen, sondern auch zu den \u00f6ffentlichen Auff\u00fchrungen des\u00a0Stellvertreters\u00a0in M\u00fcnchen komplett zu schweigen und dem\u00a0Stellvertreter\u00a0so den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Erfolg dieser Strategie zeigte sich, als die Auff\u00fchrungen nach anf\u00e4nglich gutem Besuch in den ersten beiden Wochen vor halbleeren H\u00e4usern stattfanden. Dass der Deutsche Gewerkschaftsbund seinen Mitgliedern einen 50-prozentigen Preisnachlass anbot und die SPD am 8. M\u00e4rz eine ganze Vorstellung aufkaufte, um eine Diskussion \u00fcber die politische Rolle der Kirche in Gang zu setzen, konnte ebenfalls die Nachfrage nicht erh\u00f6hen. Neuh\u00e4usler res\u00fcmierte: \u201eM\u00fcnchens Katholiken jedenfalls d\u00fcrfen sich r\u00fchmen, da\u00df durch ihr beharrliches Schweigen und durch ihre Disziplin Hochhuths antikirchliches Trauerspiel zum erstenmal in seiner rummelreichen Geschichte in Europa unter den Krokodilstr\u00e4nen der Beteiligten ohne Glanz und Gloria durchfiel.\u201c<\/p>\n<p>Ich komme nun zum Schluss. Es lag eine gewisse Ironie hinter dem Erfolg dieser Strategie: Nach den bitteren Erfahrungen mit Protestaktionen, bei denen der Schuss nach hinten losging, entschlossen sich hochrangige Kirchenf\u00fchrer zum Thema des p\u00e4pstlichen Schweigens zu schweigen. So standen die Verteidiger des Papstes vor einem Dilemma, das jedem Kommunikationsexperten bekannt ist. Wenn jemand ein Ziel f\u00fcr moralische Vorw\u00fcrfe wird und sie \u00fcberproportional stark zur\u00fcckweist, passiert es h\u00e4ufig, dass man sich nur an den Vorwurf erinnert und viel weniger an die Verteidigung. Auf der anderen Seite: wenn man nicht auf die Vorw\u00fcrfe reagiert und sich nicht verteidigt, passiert es auch h\u00e4ufig, dass man denkt, dass die Vorw\u00fcrfe nicht von der Hand zu weisen sind.<\/p>\n<p>In der Folge nahmen die Auseinandersetzungen mit Kritikern der kirchlichen Vergangenheit andere Formen an. Verteidiger der Kirche entschieden sich f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung von Dokumentensammlungen wie die\u00a0Actes et documents du Saint-Si\u00e8ge r\u00e9latifs \u00e0 la Seconde Guerre mondiale. Die Unzul\u00e4nglichkeiten solcher Publikationen w\u00fcrden allerdings katholischen Apologeten erst viel sp\u00e4ter bewusst werden. Die 11 B\u00e4nde der gerade genannten Dokumentensammlung ent\u00adhielten einschl\u00e4gige Dokumente in mehr als vier Sprachen, was ihren Nutzen f\u00fcr Debatten in der \u00d6ffentlichkeit und insbesondere f\u00fcr die Berichterstattung in den Massenmedien drastisch beeintr\u00e4chtigte. Etwas pointierter gesagt: Wie man historische Befunde vermittelt, ist vielleicht sogar noch wichtiger als die Befunde selber. Als Faustregel gilt, dass die \u201eVereinfacher\u201c ein breiteres Publikum ansprechen und deren Thesen in knackigen und pr\u00e4gnanten Schlagzeilen zusammengefasst werden k\u00f6nnen. Sie sind fast immer gegen\u00fcber denen im Vorteil sind, die auf Nuancen bedacht sind. So gilt bei vielen Pius XII. weiter als \u201eder Papst, der schwieg.\u201c<\/p>\n<p>Die brisanten Kontroversen \u00fcber das angebliche p\u00e4pstliche Schweigen zum Massenmord an den Juden und \u00fcber das kirchliche Verhalten im Dritten Reich nahmen ihren explosiven Charakter auch in der Presse ein, weil sie \u2013 und verzeihen Sie mir das Wortspiel \u2013 im Endeffekt Stellvertreterkriege waren und wurden. Aus einer Debatte \u00fcber Pius XII. entstanden neue Streitpunkte, die weit \u00fcber die Frage hinaus gingen, ob Hochhuths Darstellung des verstorbenen Papstes stimmte. Wie wir gesehen haben, drehten sich einige dieser Streitpunkte um die Notwendigkeit theologischer Reformen, andere um die Grundrechte sowie um Toleranz gegen\u00fcber missliebigen Meinungen.\u00a0Vor diesem Hintergrund l\u00e4sst sich eine damit verbundene Frage beantworten, n\u00e4mlich, weshalb Teilnehmer an diesen Kontroversen, die die gleichen Quellen herangezogen hatten, immer wieder zu unterschiedlichen Urteilen \u00fcber das p\u00e4pstliche Verhalten gekommen waren. Meine Antwort lautet: Die Mitstreiter verstanden sich als \u201eculture warriors.\u201c Pius XII. symbolisierte das, was sie in der Bundesrepublik und vor allem in der CDU\/CSU entweder hochsch\u00e4tzten oder verachteten. Weil es Hochhuth und seinen Gegnern letzten Endes um die Rolle der Kirche in der Politik der fr\u00fchen Bundesrepublik ging, waren ihre Urteile \u00fcber das p\u00e4pstliche Verhalten und seine Folgen fast im Voraus festgelegt und meistens in Schwarz-wei\u00df gemalt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innerhalb von f\u00fcnf Jahren kehrte sich das historische Bild von Papst Pius XII. fast v\u00f6llig um. 1958 wurden Lobesreden auf den gerade verstobenen Pontifex zum Andenken an den \u201ePapst des Friedens\u201c gehalten. 1963 wurde Pius XII. wegen seines \u00f6ffentlichen Schweigens angesichts des Massenmords an den Juden als \u201eder Papst, der schwieg\u201c, sogar als \u201eVerbrecher\u201c gebrandmarkt.&hellip;<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":32556,"menu_order":1133,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32142","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-nachkriegszeit","media-library-category-pacelli-eugenio"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - 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