{"id":32145,"date":"2023-07-17T14:33:21","date_gmt":"2023-07-17T12:33:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=kein-jota-soll-vergehen"},"modified":"2024-12-17T10:13:52","modified_gmt":"2024-12-17T09:13:52","slug":"kein-jota-soll-vergehen-das-gesetz-im-urchristentum","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/kein-jota-soll-vergehen-das-gesetz-im-urchristentum\/","title":{"rendered":"Not an iota shall perish?!"},"content":{"rendered":"<p>Nicht weniger als 194 Belege finden sich im Neuen Testament f\u00fcr das Wort \u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 (Gesetz). Eine beachtliche Zahl: In 27 Schriften des Neuen Testaments knapp 200 Belege. Dabei kann das Wort in sehr unterschiedlichem Sinn verwendet werden. Der Begriff bezeichnet etwa \u2013 ohne Vollst\u00e4ndigkeit zu beanspruchen \u2013 das mosaische Gesetz (Lk 2,22; Joh 7,19; Apg 13,38), das schriftlich vorliegende Gesetz (Mt 12,5; Lk 16,17; 24,44; Joh 1,45), die m\u00fcndliche \u00dcberlieferung und Auslegung des Gesetzes (Joh 12,34; R\u00f6m 2,18), aber auch einzelne kultische und soziale Normen (Lk 2,23\u201324; Apg 15,5) sowie eine Art Sch\u00f6pfungsweisheit (R\u00f6m 2,14\u201315), die sich in der Natur vom Menschen sehr gut erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die zahl- und facettenreichen Belege und die breitfl\u00e4chige Verteilung des Begriffs auf verschiedene Schriften des Neuen Testaments unterstreichen die Bedeutung des Themas. Das Gesetz stellt im Urchristentum einen eigenen Diskussionsgegenstand dar. Die Urchristen ringen um die G\u00fcltigkeit des j\u00fcdischen Gesetzes und erinnern sich an die Gesetzesauslegung Jesu. Sie interpretieren in unterschiedlichen sozialen Kontexten das Gesetz und generieren auch neue Gesetze \u2013 mit Blick auf die ererbte Tradition und angesichts aktueller Herausforderungen.<\/p>\n<p>Das Thema \u201eGesetz im Urchristentum\u201c ist \u2013 die vielen Belegstellen machen dies deutlich \u2013 kaum in einem Vortrag ersch\u00f6pfend zu behandeln. Drei Stimmen zur Bedeutung des Gesetzes m\u00f6chte ich im Folgenden n\u00e4her analysieren: die Verk\u00fcndigung des historischen Jesu, das Gesetzesverst\u00e4ndnis von Paulus und das Gesetz im Matth\u00e4usevangelium. Die Einzelanalysen sollen schlie\u00dflich in einer Synthese zusammengefasst und mit einigen weiterf\u00fchrenden Impulsen versehen werden.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Gesetz und Reich Gottes: Der historische Jesus<\/h3>\n<p>Die kanonischen Evangelien erinnern einen Jesus, der sich mit dem Gesetz Israels, dem mosaischen Gesetz, mit der m\u00fcndlichen Auslegung des Gesetzes, aber auch mit der G\u00fcltigkeit und konkreten Anwendung einzelner Normen besch\u00e4ftigt. Zu verweisen ist hier auf die zahlreichen Streitgespr\u00e4che mit Pharis\u00e4ern und Schriftgelehrten \u00ad<br \/>\n(Mk 2,18\u201322; 7,1\u201313; 10,2\u20139). Wiederholt wird Jesus wegen seiner Haltung zum Gesetz kritisiert und bezichtigt, das Gesetz zu \u00fcbertreten. Die Evangelien d\u00fcrften hier einen historischen Sachverhalt festhalten, der die urchristliche Verk\u00fcndigung in j\u00fcdischen Kontexten belastete. Erfunden h\u00e4tte man diese gesetzeskritische Haltung Jesu wohl eher nicht. Sie wird, auch wenn die fr\u00fchen Christen die Haltung ihres Meisters rechtfertigen mussten, in den Jesuserinnerungen aufbewahrt.<\/p>\n<p>Die gesetzesrelevanten Themen, zu denen sich Jesus \u00e4u\u00dfert, sind vielf\u00e4ltig. Es geht um die Frage nach Reinheit und Unreinheit, um die G\u00fcltigkeit und Reichweite des Sabbatgebots, das Schw\u00f6ren, die Ehescheidung oder auch um die Praxis und den Geltungsrahmen der N\u00e4chstenliebe. Jesus wird bewusst als Gespr\u00e4chspartner in Gesetzesdiskursen gesucht und nach der Summe des Gesetzes gefragt: \u201eMeister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?\u201c (Mt 22,36)<\/p>\n<p>Der \u00dcberlieferungsprozess d\u00fcrfte manche Traditionen zum Verhalten Jesu gegen\u00fcber dem Gesetz herausgefiltert haben. Die Schriften sind auf verschiedene Adressatenkreise ausgerichtet, f\u00fcr die das Thema \u201eGesetz\u201c nicht gleicherma\u00dfen relevant erscheint. Das Thema braucht \u2013 um es mit einem locus classicus der historisch-kritischen Exegese zu formulieren \u2013 einen \u201eSitz im Leben\u201c: eine Relevanzbasis, um weitererz\u00e4hlt zu werden; eine Relevanzbasis, die etwa im Matth\u00e4usevangelium st\u00e4rker gegeben ist als im Markusevangelium. Der Begriff \u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 (Gesetz) wird im Markusevangelium an keiner Stelle verwendet.<\/p>\n<p>Die vorhandene Breite der \u00dcberlieferung aber l\u00e4sst auf einen markanten Zug im Wirken Jesu schlie\u00dfen. Das j\u00fcdische Gesetz und die Frage nach der Auslegung und G\u00fcltigkeit des Gesetzes sind f\u00fcr den historischen Jesus ein zentrales Thema.<\/p>\n<p>Vor einer einseitigen gesetzeskritischen Bestimmung Jesu ist aber zu warnen. Eine naive Gegen\u00fcberstellung von Gesetz und Evangelium trifft den historischen Sachverhalt nicht: Trotz aller Dispute und der Kritik Jesu an der Auslegung des Gesetzes ist Jesus ganz im Judentum seiner Zeit beheimatet. Er erkennt grundlegend das Gesetz an und tut, was f\u00fcr einen Rab-<br \/>\nbi seiner Zeit g\u00e4ngig und keineswegs au\u00dfergew\u00f6hnlich war: Er diskutiert das Gesetz und nimmt an innerj\u00fcdischen Diskursen des pluriformen Fr\u00fchjudentums \u00fcber das Gesetz teil. Im vierten Band seines epochalen Werks zum historischen Jesus\u00a0A Marginal Jew\u00a0begreift John P. Meier Jesus als \u201ePalestinian Jew engaged in the legal discussions and debates proper to his time and place. It is Torah and Torah alone that puts flesh and bones on the spectral figure of \u2018Jesus the Jew\u2019. No halakic Jesus, no historical Jesus.\u201c<\/p>\n<p>In seiner Haltung zum Gesetz steht Jesus auf dem Boden des Judentums. Das Ringen um das richtige Gesetzesverst\u00e4ndnis zeugt nicht vom Willen, das Gesetz zu minimieren oder gar auszusetzen. Es belegt vielmehr die Anerkennung und W\u00fcrdestellung des Gesetzes in der Sicht Jesu.<\/p>\n<p>Gleichwohl l\u00e4sst sich die Haltung Jesu gegen\u00fcber dem Gesetz nur schwer systematisieren. Den einen entscheidenden hermeneutischen Interpretationsschl\u00fcssel, der alle Aussagen zum Gesetz erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, gibt es nicht. Verantwortlich daf\u00fcr sind die Quellenlage und wohl auch das Selbstverst\u00e4ndnis Jesu. Die Quellen bieten nur einen Ausschnitt der Verk\u00fcndigung, wurden auf die Adressaten hin ausgerichtet und von den Autoren bearbeitet und \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Die Aussagen erscheinen zu disparat, um ein koh\u00e4rentes System daraus zu formen. Aus den verschiedenen Traditionen in unterschiedlichen Gattungen und Schriften l\u00e4sst sich keine Systematik gewinnen. Es stellt sich die Frage, ob Jesus selbst eine solch einheitliche Gesetzeshermeneutik praktizierte oder intendierte. Die Aussagen erscheinen jeweils situativ veranlasst zu sein. \u00dcberraschend, unvorhersehbar und originell interpretiert Jesus selbstbewusst das Gesetz: \u201eAmen, ich sage euch.\u201c (Mk 3,28) Allenfalls wird man induktiv und in aller Vorsicht einige Tendenzen und Triebkr\u00e4fte aus der \u00dcberlieferung der Evangelien zusammenstellen k\u00f6nnen. Sie bieten zwar kein formvollendetes Bild, aber doch einige charakteristische Markenzeichen der Gesetzesinterpretation Jesu.<\/p>\n<p>Eng mit dem Gesetzesverst\u00e4ndnis Jesu verbunden ist die Reich-Gottes-Botschaft, die zweifellos die Verk\u00fcndigung Jesu bestimmt. Das Markusevangelium f\u00e4ngt zutreffend die Bedeutung des Reichs ein, wenn es das \u00f6ffentliche Auftreten Jesu mit dem Wort beginnen l\u00e4sst: \u201eDas Reich Gottes ist nahegekommen.\u201c (Mk 1,15) Der Herrschaftsantritt Gottes stellt die Systemmitte der Botschaft Jesu dar: das Prisma, durch das auf Welt und Mensch, aber eben auch auf das Gesetz geblickt wird.<\/p>\n<p>Aus der Botschaft vom nahen Gottesreich ergeben sich neue Wertigkeiten, die zu einem neuen Gesetzesverst\u00e4ndnis, einer radikalen oder entsch\u00e4rfenden Interpretation beitragen. So fordert die N\u00e4he des Gottesreichs ein \u00fcberbietendes Ethos (Mt 5,20.39\u201341). Das um sich greifende Reich Gottes bewirkt eine \u201eoffensive Reinheit\u201c (G. Thei\u00dfen), die sich aus der Zuwendung Gottes zum Menschen ergibt und den Menschen \u2013 jeden Menschen! \u2013 zum Adressaten der Reich-Gottes-Botschaft macht.<\/p>\n<p>Die Gottes- und N\u00e4chstenliebe und die Barmherzigkeit (Mt 9,13; 23,23) stellen f\u00fcr Jesus die Essenz des Gesetzes dar. Er warnt vor einer nur oberfl\u00e4chlichen Erf\u00fcllung des Buchstabens, ohne den Sinn und die Sto\u00dfrichtung eines Gesetzes zu verstehen (Mt 15,3\u20139). Anstelle eines ver\u00e4u\u00dferlichten Gesetzesgehorsams und einer legalistischen Haltung sind Gesetze von ihrem Ursprungssinn her zu deuten (Mt 19,8). Ziel ist der Mensch. Der Blick auf die einzelne Person und deren Geschichte (Mk 3,3\u20134; Lk 13,16) erm\u00f6glicht eine situationssensible Anwendung der Gesetze.<\/p>\n<p>Albert Schweitzer nannte die Ethik \u2013 und so auch die Gesetzesinterpretation \u2013 Jesu eine \u201eInterimsethik\u201c: zu sehr von der akuten Erwartung des nahen Gottesreichs gepr\u00e4gt, als dass sie dauerhaft praktiziert werden k\u00f6nnte. So einfach scheint mir die Sachlage nicht zu sein. Das Reich Gottes ist f\u00fcr Jesus keineswegs nur eine futurische Gr\u00f6\u00dfe. Vielmehr wird das Reich Gottes schon Wirklichkeit, wenn Menschen nach anderen Ma\u00dfst\u00e4ben handeln. Die Gesetzesinterpretation Jesu steht und f\u00e4llt also nicht mit der akuten zeitlichen N\u00e4he des Reichs. Sie steht und f\u00e4llt mit der Annahme, dass \u2013 wann auch immer \u2013 das Gottesreich vollendet wird. Von diesem Ende her ergeben sich neue Plausibilit\u00e4ten und Grunds\u00e4tze. Die Verk\u00fcndigung Jesu erscheint mir insofern dauerhafter und nachhaltiger als bisweilen angenommen: Nicht das Futur, sondern die realisierbare Gegenwart des Gottesreichs pr\u00e4gt das Gesetzesverst\u00e4ndnis Jesu. Die Gebote und das Gesetz sind daran zu messen, ob und inwiefern sie dem Reich in dieser Welt zum Wachstum verhelfen.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Gesetz und Gnade: Paulus<\/h3>\n<p>F\u00fcr den vorchristlichen Paulus ist das Gesetz die Radnabe seines Jude-Seins. Er ist gesetzestreuer Pharis\u00e4er, ja sogar ein Vorzeigepharis\u00e4er, ein Eiferer f\u00fcr das Gesetz: \u201eIch \u00fcbertraf im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Volk weit und eiferte \u00fcber die Ma\u00dfen f\u00fcr die \u00dcberlieferungen meiner V\u00e4ter.\u201c (Gal 1,14) Im Zuge seiner Hinwendung zum Christusglauben ver\u00e4ndert sich das Verst\u00e4ndnis des Gesetzes: \u201eBeschnitten am achten Tag, vom Geschlecht Israel, vom Stamm Benjamin, Hebr\u00e4er von Hebr\u00e4ern; dem Gesetz nach ein Pharis\u00e4er; dem Eifer nach ein Verfolger der Gemeinde; der Gerechtigkeit nach, die im Gesetz ist, untadelig geworden. Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen f\u00fcr Verlust gehalten.\u201c (Phil 3,5\u20137) Die Spannung ist nicht zu \u00fcbersehen, die Paulus ein Leben lang begleiten und seine Theologie pr\u00e4gen soll: aus Gewinn wird Verlust, an die Stelle des Gesetzes treten ein anderes Gesetz und eine neue Sichtweise.<\/p>\n<p>Mit der Lebenswende von Paulus ist ein neues Verst\u00e4ndnis des Gesetzes verbunden. Das Gesetz macht nicht gerecht und rettet nicht. Vielmehr \u2013 so Paulus \u2013 offenbart das Gesetz die S\u00fcnde (R\u00f6m 3,20): Vor dem Hintergrund des Gesetzes tritt das Fehlverhalten des Menschen deutlich hervor. Eigentlich sollte das Gesetz zur Gerechtigkeit f\u00fchren, doch es stellt den Menschen unter einen Fluch: \u201eDenn in der Schrift hei\u00dft es: Verflucht ist jeder, der sich nicht an alles h\u00e4lt, was zu tun das Buch des Gesetzes vorschreibt.\u201c (Gal 3,10) Niemand kann das Gesetz ganz erf\u00fcllen. Also ist das Gesetz nicht zielf\u00fchrend: Es erreicht nicht zur G\u00e4nze, was es eigentlich sollte.<\/p>\n<p>Paulus geht noch einen Schritt weiter: Das Gesetz reizt den Menschen sogar zur S\u00fcnde (R\u00f6m 7,8) und verkehrt das urspr\u00fcngliche Anliegen ins Gegenteil. Es setzt im Menschen ein Aufbegehren frei, einen emanzipatorischen \u00dcberschlag, das zu tun, was eigentlich verboten ist.<\/p>\n<p>In Jesus w\u00e4hlt Gott einen anderen Weg. Gott kommt dem Menschen entgegen: Der Mensch wird gerettet durch die Menschwerdung und Hingabe des Sohnes. Dieser neue Bund wendet sich nicht mehr allein an Israel, sondern an alle Menschen. Stellte das Gesetz einen Zaun um Israel dar, \u00f6ffnen sich nun die Tore: Nicht die Beschneidung, sondern die Taufe inkorporiert in die neue Heilsgemeinde. An die Stelle der Gesetzesobservanz tritt der Glaube: die existentielle Bindung an Jesus Christus. F\u00fcr Paulus hat das Gesetz seine soteriologische, heilsrelevante Funktion verloren. Der Glaube an Jesus rettet (R\u00f6m 10,9). Beides wirkt zusammen: die Gnade Gottes und die Annahme dieser Gnade. Insofern kann Paulus von Christus als dem \u03c4\u03ad\u03bb\u03bf\u03c2, dem Ende, aber auch dem Ziel und der Vollendung des Gesetzes sprechen (R\u00f6m 10,4): Die Rettung des Menschen, die letztlich das Anliegen des Gesetzes war, aber durch das Gesetz nicht erreicht wurde, wird in Christus vollendet.<\/p>\n<p>Doch deshalb ist das Evangelium f\u00fcr Paulus keineswegs regel- oder gesetzesfrei. Paulus synthetisiert das Gesetz Israels in spiritueller und ethischer Hinsicht, wenn er schreibt: \u201eDenn das ganze Gesetz ist in einem Wort erf\u00fcllt: \u201aDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst.\u2018\u201c (Gal 5,14) Paulus kennt Imperative und Ermahnungen, Tugend- und Lasterkataloge. Er kritisiert Fehlverhalten in den Gemeinden und redet seinen Adressaten ins Gewissen. Nein, gesetzesfrei ist die Konzeption von Paulus nicht. Die Gesetzeskritik bezieht sich auf das Gesetz als Heilsweg, auf Zulassungsbedingungen, ver\u00e4u\u00dferlichte Vorschriften der Reinheits- und Kulttora und einen buchstabenbezogenen Gesetzesgehorsam, in dem sich der Mensch in falscher Sicherheit wiegt.<\/p>\n<p>Die Konzentration auf die Liebe als Essenz des Gesetzes ist entscheidend f\u00fcr den paulinischen Missionserfolg. Ohne Beschneidung und die rituellen Bestimmungen der Tora ist die Verk\u00fcndigung von Paulus nicht nur praktikabler, sondern auch kulturell anschlussf\u00e4higer. Just dies m\u00f6gen seine Gegner auch kritisiert haben: Paulus mache die Gnade allzu billig und opfere das altehrw\u00fcrdige Gesetz f\u00fcr sein Missionsziel (Gal 2,16\u201317).<\/p>\n<p>Wie begr\u00fcndet Paulus seine Sicht? Er spricht von einer Offenbarung, die ihm zuteilwurde (Gal 1,12). Er versieht seine Verk\u00fcndigung mit g\u00f6ttlicher Autorit\u00e4t. Selbstbewusst sieht er sich als Apostel Jesu Christi, von Gott berufen und mit einer neuen Einsicht beschenkt (Gal 1,1).<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass sich viele Menschen aus der V\u00f6lkerwelt seiner Verk\u00fcndigung zuwenden, ist f\u00fcr Paulus ein weiteres Argument f\u00fcr sein Evangelium. Man m\u00f6chte fast von einer normativen Kraft des Faktischen sprechen: Der Geist wirkt offensichtlich auch ohne Beschneidung. Das Werden und Wachsen der Gemeinden best\u00e4tigt die paulinische Verk\u00fcndigung und ratifiziert die ver\u00e4nderte Sicht des Gesetzes.<\/p>\n<p>Daneben steht die n\u00fcchterne Einsicht: Das Gesetz rettet nicht, weil der Mensch stets hinter den Regelungen zur\u00fcckbleibt. Schon in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht bezeichnet Paulus das Gesetz als sekund\u00e4r bzw. defizit\u00e4r: Es wurde erst nach Abraham Mose gegeben; inhaltlich stellt es \u2013 im Vergleich zum Glaubensgehorsam Abrahams \u2013 einen R\u00fcckschritt dar. Paulus kann das Gesetz nur als heilsgeschichtliches Durchgangsstadium begreifen: als einen Zuchtmeister (Gal 3,24\u201325), der f\u00fcr begrenzte Zeit Schlimmes zu verhindern half. Letztlich aber kann sich der Mensch nicht selbst durch das Gesetz retten.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass sich die Ansicht von Paulus schlie\u00dflich durchsetzen konnte, hat aber keineswegs nur inhaltliche Gr\u00fcnde. Der faktische Erfolg der paulinischen Mission wurde sicherlich auch durch die leichtere Umsetzbarkeit, die kulturelle \u00dcbersetzungsleistung und die \u00d6ffnung der Zulassungsbedingungen \u2013 durch den Wegfall der Beschneidung \u2013 erm\u00f6glicht. Im Zuge der Zerst\u00f6rung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. wird die Jerusalemer Kerngemeinde vertrieben. Die Gegner des Paulus und die Repr\u00e4sentanten des noch gesetzeskonformen Wegs geraten in politische Wirren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die paulinische Predigt in der V\u00f6lkerwelt Fu\u00df fasst, trocknet der judenchristliche Weg mehr und mehr aus. Bis ins 3. Jahrhundert hinein finden sich noch vereinzelte antipaulinische Spuren und Tendenzen. Die Ebioniten etwa \u2013 die sich als die treuen Israeliten verstehen und wom\u00f6glich aus der Urgemeinde hervorgingen \u2013 treten als Gegner der \u201eantigesetzlichen\u201c Haltung von Paulus auf. Iren\u00e4us bemerkt, dass die \u201eEbioniten (\u2026) nur das Evangelium des Matth\u00e4us gelten lassen und Paulus verwerfen, den sie einen Ver\u00e4chter des Gesetzes nennen. Die Prophezeiungen legen sie gar zu seltsam aus. Die Beschneidung und die \u00fcbrigen Gebr\u00e4uche nach dem Gesetz und die j\u00fcdischen Lebensformen haben sie beibehalten, wie sie auch Jerusalem als das Haus Gottes verehren.\u201c (Adv. Haer. 1,26,2) Sie sollen Paulus einen \u201eFalschapostel\u201c (Epiphanius, Pan. 30,16,8) genannt und mit Schm\u00e4hreden \u00fcberzogen haben (Origenes, Hom. in Jer. 19,12). In ernste Verlegenheit bringen sie das mit Paulus argumentativ vertretene Gesetzesverst\u00e4ndnis nicht. Weder die Beschneidung noch die Kulttora setzen sich gesamtkirchlich durch.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Gesetz und Evangelium: Das Matth\u00e4usevangelium<\/h3>\n<p>Das Matth\u00e4usevangelium wendet sich an eine judenchristliche Gemeinde. Der Abl\u00f6seprozess von der Synagoge scheint entweder noch im Gange oder schon vollzogen zu sein. Im Rahmen dieses Abl\u00f6seprozesses besch\u00e4ftigt sich das Matth\u00e4usevangelium mit dezidiert j\u00fcdischen Themen: nicht zuletzt mit der G\u00fcltigkeit und Interpretation des Gesetzes.<\/p>\n<p>Ein polares Bild entsteht. Einerseits stellt Jesus in den Antithesen der Bergpredigt pointiert seine vollm\u00e4chtige Auslegung dem Gesetz gegen\u00fcber: \u201eIhr habt geh\u00f6rt (\u2026). Ich aber sage euch.\u201c (Mt 5,21\u201345) Andererseits wird die G\u00fcltigkeit des Gesetzes betont, wenn Jesus sagt: \u201eMeint nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzul\u00f6sen; ich bin nicht gekommen, aufzul\u00f6sen, sondern zu erf\u00fcllen.\u201c (Mt 5,17) Kein Buchstabe des Gesetzes soll vergehen: \u201eAmen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.\u201c (Mt 5,18)<\/p>\n<p>Gerade mit Blick auf die judenchristlichen Adressaten h\u00e4lt Matth\u00e4us an der Relevanz und G\u00fcltigkeit des Gesetzes fest. Der scheinbare Widerspruch zu den gesetzkritischen Aussagen Jesu muss infolgedessen aber aufgel\u00f6st werden. Dies erreicht Matth\u00e4us durch die Konzentration auf die Summe des Gesetzes. An der Essenz des Gesetzes darf nicht ger\u00fcttelt werden. In diesem Sinne bleibt das Gesetz g\u00fcltig. So ist auch die Gesetzeskritik Jesu zu verstehen: Er reinigt das Gesetz von inhaltlichen Fehlinterpretationen. Er begreift die Gottes- und N\u00e4chstenliebe als Dreh- und Angelpunkt aller Gesetze (Mt 22,36\u201339): \u201eAn diesen zwei Geboten h\u00e4ngt das ganze Gesetz und die Propheten.\u201c (Mt 22,40) Das Gesetz wird nicht aufgehoben. Vielmehr wird das innerste Ansinnen des Gesetzes freigelegt, um jedes einzelne Gebot daran zu messen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gemeinde des Matth\u00e4usevangeliums ist dies von enormer Bedeutung: Immerhin geht es um die Frage nach der eigenen Vergangenheit, um die Relevanz des altehrw\u00fcrdigen Gesetzes und um die Bewahrung des j\u00fcdischen Erbes unter ver\u00e4nderten Bedingungen. Die narrativ entfaltete und in der Verk\u00fcndigung Jesu verwurzelte Gesetzeskonzeption versucht, eine theologisch sachgerechte Antwort auf die judenchristliche Verunsicherung zu geben. Sie erm\u00f6glicht den Aufbruch in die V\u00f6lkerwelt, die Taufe statt der Beschneidung, das Ma\u00dfnehmen an der Verk\u00fcndigung Jesu, in der sich das Gesetz \u2013 dem innersten Wesen nach \u2013 erf\u00fcllt. Nicht von ungef\u00e4hr endet das Matth\u00e4usevangelium mit den Worten Jesu: \u201eGeht nun hin und macht alle Nationen zu J\u00fcngern (\u2026) und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!\u201c (Mt 28,19\u201320)<\/p>\n<p>Am Ende steht der Verweis auf die Botschaft Jesu, die aber nicht au\u00dferhalb des Gesetzes verstanden, sondern als Erf\u00fcllung des Gesetzes definiert wird. Insofern flie\u00dft das Gesetz in die urchristliche Verk\u00fcndigung ein: mit den Worten Jesu und der Gottes- und N\u00e4chstenliebe als Essenz des Gesetzes. Das Matth\u00e4usevangelium l\u00e4sst sich als eine narrative Entfaltung dieser Transformation des j\u00fcdischen Gesetzes verstehen, ohne aber den Kern und das Anliegen des Gesetzes aufzugeben. Das Gesetz bleibt g\u00fcltig, denn Jesus \u2013 als vollm\u00e4chtiger Gesetzeslehrer \u2013 bringt das Gesetz in seinem eigentlichen Sinn zur Geltung. In seiner Verk\u00fcndigung lebt das Gesetz weiter.<\/p>\n<p>Wie begr\u00fcndet nun das Matth\u00e4us\u00adevangelium dieses Gesetzesverst\u00e4ndnis? Jesus ist mit messianisch-christologischer Vollmacht ausgestattet. Als der verhei\u00dfene Retter interpretiert er selbstbewusst das Gesetz. Wie Mose am Sinai h\u00e4lt Jesus im Matth\u00e4usevangelium auf einem Berg seine erste \u00f6ffentliche und programmatisch grundlegende Rede. Er interpretiert in den Antithesen das Gesetz, diskutiert und streitet mit Schriftgelehrten und Pharis\u00e4ern. Das Gesetzesverst\u00e4ndnis wird durch die Vollmacht \u00adJesu begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Zugleich ist die N\u00e4he des Himmelreichs ein entscheidendes Argument f\u00fcr die ver\u00e4nderte Gesetzeswahrnehmung. Im Licht des Himmelreichs ergeben sich neue hermeneutische Leseschl\u00fcssel: Es geht um eine gr\u00f6\u00dfere Gerechtigkeit (Mt 5,20), um das Praktizieren des Gesetzes (Mt 7,21), aber auch um eine transparente Haltung des Menschen vor Gott (Mt 6,1\u20138).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wird zur Begr\u00fcndung der Gesetzesinterpretation Jesu auf das Handeln Gottes in der Sch\u00f6pfung verwiesen: ein theologisches Argument, das aus der Beobachtung der Natur und der Welt abgeleitet wird. Ein Gesetz ist dann richtig, wenn es den Sch\u00f6pfer nachahmt, \u201eder seine Sonne aufgehen l\u00e4sst \u00fcber B\u00f6sen und Guten\u201c (Mt 5,45). Kurzum: F\u00fcr die matth\u00e4ische Gemeinde stellt die sicher nicht un-j\u00fcdische oder ungew\u00f6hnliche, wohl aber selbstbewusste, teils radikale und provakante Auslegungspraxis Jesu die Verbindung her. Das Gesetz wird nicht annulliert, sondern in die Botschaft Jesu vom Himmelreich inkorporiert. In Form einer solchen Konzentration bleibt das Gesetz f\u00fcr die Glaubenspraxis der matth\u00e4ischen Gemeinde verbindlich und zugleich in der Zuwendung zur V\u00f6lkerwelt anschlussf\u00e4hig.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Neutestamentliche Impulse: eine (diskussionsfreudige) Synthese<\/h3>\n<p>Fassen wir zusammen. Welche Impulse lassen sich aus den anvisierten Haltungen gegen\u00fcber dem Gesetz ableiten, die auch f\u00fcr die Kernfrage dieser Tagung relevant sind?<\/p>\n<h4>Konzentration auf das Wesen und das Wesentliche<\/h4>\n<p>In den verschiedenen Schriften des Neuen Testaments findet sich eine wohltuende Konzentration auf das Wesentliche. Die Urchristen \u00fcbernehmen oder formulieren markante Synthesen, die von der Gesetzesauslegung Jesu inspiriert und von den Erfahrungen in der V\u00f6lkerwelt getragen sind und in der Praxis konkretisiert werden k\u00f6nnen. Solche Synthesen erm\u00f6glichen \u2013 gerade in den paulinischen Gemeinden \u2013 die geistvolle und situationssensible Anwendung und Umsetzung. Sie erh\u00f6hen die Anschlussf\u00e4higkeit der urchristlichen Verk\u00fcndigung: Anhand der Synthesen werden Gemeinsamkeiten ersichtlich und Synergien erm\u00f6glicht. Allen voran w\u00e4re hier Lukas zu nennen, der in seine Illustration des urchristlichen Gemeindelebens Konzepte der reichsr\u00f6mischen Antike einflie\u00dfen l\u00e4sst: die antike Freundschaftsethik oder die platonische Vorstellung vom idealen Staat. In der Konzentration auf das Wesentliche werden Koinonia und Diakonia anschlussf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Das von Cicero gebrauchte Rechtssprichwort \u201esummum ius, summa iniuria\u201c \u2013 je umfassender der rechtliche Regelkosmos ist, umso leichter ger\u00e4t die Gerechtigkeitsidee unter die R\u00e4der \u2013 stellt eine eindr\u00fcckliche Mahnung dar. Zumindest in neutestamentlicher Zeit scheinen markante Synthesen die urchristliche Kommunikationsf\u00e4higkeit und Mission wesentlich gef\u00f6rdert zu haben. Die Frage ist vor diesem Hintergrund berechtigt: Wie praktikabel, situationsgerecht und zielf\u00fchrend ist ein ausdifferenziertes gesetzliches Regelwerk?<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Brisanz gewinnt diese Frage durch einen Text des antiken Rhetors Dion Chrysostomos aus der zweiten H\u00e4lfte des 1. Jahrhunderts: \u201e(\u2026) auch heute noch sagen die Menschen, dass die Gerechtigkeit in den Gesetzen liegt, die sie selbst, die gl\u00fccklosen Gesch\u00f6pfe, die sie sind, schaffen oder von anderen wie ihnen erben k\u00f6nnen. Aber das Gesetz, das wahr und verbindlich und klar zu sehen ist, sehen sie nicht und machen es nicht zur Richtschnur f\u00fcr ihr Leben. (\u2026) W\u00e4hrend also bei euch, ihr armen Ungl\u00fccklichen, das Naturgesetz aufgegeben und verfinstert wird, werden von euch Tafeln und Gesetzb\u00fccher und Steinplatten mit ihren unfruchtbaren Symbolen geh\u00fctet.\u201c (Or. 80,5)<\/p>\n<h4>Eine gemeinsame \u00dcberzeugung als notwendige Basis<\/h4>\n<p>So unterschiedlich die Schriften des Neuen Testaments sein m\u00f6gen, sie verbindet eine gemeinsame \u00dcberzeugung. Der Glaube an Jesus, die normierende Kraft seines Lebensbeispiels, die Verbindlichkeit der Gottes- und N\u00e4chstenliebe oder auch die Erwartung des Gottesreichs markieren eine urchristliche Mitte und stellen einen korrektiven Ma\u00dfstab bereit. Selbst im Ringen um die G\u00fcltigkeit des j\u00fcdischen Gesetzes, um die Notwendigkeit der Beschneidung oder die Bedeutung der Kulttora kann sich Paulus mit seinen Gegnern auf eine gemeinsame \u00dcberzeugung berufen: Es geht letztlich um den Glauben an Jesus Christus, der in allen konfliktreichen Rechts-Diskursen eine gemeinsame Basis darstellt. Gesetze bed\u00fcrfen einer gemeinsamen Grund\u00fcberzeugung, auf der sie basieren, aus der sie resultieren oder die sie f\u00f6rdern wollen. Gesetze brauchen ein Ziel, ein Woraufhin und ein Wozu.<\/p>\n<p>Ohne diesen Wertkonsens stehen Gesetze auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen und drohen, nicht verstanden und folglich auch nicht beachtet zu werden. Es geht um die Begr\u00fcndung des Rechts, die ohne eine gemeinsame Basis undenkbar ist. Ohne eine von der Gemeinschaft anerkannte \u00dcberzeugung und ein daraus resultierendes bereitwilliges \u201eSurplus\u201c im Verhalten wird das Recht allein (unsere) Gesellschaft kaum zureichend organisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Gesetze nie ohne Geist<\/h4>\n<p>In der Besch\u00e4ftigung mit dem Thema war ich regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die urchristliche Freiheit und Flexibilit\u00e4t erstaunt, Gesetze anzupassen und auch zu ver\u00e4ndern. Man denke hier nur an die getroffene \u00dcbereinkunft beim Apostelkonvent in Jerusalem (Gal 2,1\u201310; Apg 15): die Entscheidung, Gesetz und Beschneidung nicht mehr verbindlich anzusetzen. Wo kam diese Freiheit her?<\/p>\n<p>An neuralgischen Weggabelungen wie auch bei der Diskussion und Interpretation des Gesetzes verweisen die Autoren des Neuen Testaments regelm\u00e4\u00dfig auf den Geist. Der Beschluss des Apostelkonvents wird eingeleitet: \u201eDenn der Heilige Geist und wir haben beschlossen.\u201c (Apg 15,28) \u201eWo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit\u201c (2 Kor 3,17), formuliert Paulus. Gesetze und Gebote sind nicht ohne den Geist sachgerecht zu verstehen: \u201eDenn der Buchstabe t\u00f6tet, der Geist aber macht lebendig.\u201c (2 Kor 3,6) Der Geist ist bei der Entstehung und Setzung, der Interpretation und Rechtsprechung, aber auch bei der Umsetzung und Verwirklichung von Gesetzen am Werk.<\/p>\n<p>Inhaltlich umfasst dieser Verweis auf den Geist zwei Aspekte: Der Geist erinnert an das Leben und an die Verk\u00fcndigung Jesu. Das Johannesevangelium l\u00e4sst Jesus selbst diesen Hinweis auf den Geist aussprechen, der die Verbindung herstellt: \u201eDer Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.\u201c (Joh 14,26) Die Interpretation des Gesetzes, aber auch die Entstehung neuer Gebote und Regeln bleibt \u00fcber den Geist zur\u00fcckgebunden an die Botschaft Jesu. Sie liefert den inhaltlichen Ma\u00dfstab und ein kritisches Korrektiv. Der Geist stellt die Frage: Wie konform ist das Gebot mit dem Leben und Wirken Jesu?<\/p>\n<p>Zudem stellt der Geist den Bezug zum Ende her. Die fr\u00fchen Christen sehen den Geist bei der Auferweckung Jesu am Werk, in der die endzeitliche Hoffnung aufscheint (R\u00f6m 8,11). In der Apostelgeschichte wird die Sendung des Geistes als deutlicher Hinweis auf den Anbruch der letzten Tage verstanden (Apg 2,17\u201318). Wie der Geist Gottes bei der Sch\u00f6pfung zugegen ist, so ist der Geist auch an der Neusch\u00f6pfung beteiligt. Der Geist l\u00e4sst Gebote und Gesetze vom Ende her deuten: \u201eet respice finem\u201c, denk an das Ende!<\/p>\n<p>Mit dem Hinweis auf den Geist ist die Frage aufgeworfen, wie sich einzelne Gesetze und Gebote in den gro\u00dfen heilsgeschichtlichen Plan Gottes einf\u00fcgen: ob und wie sie das Reich Gottes wachsen lassen und erfahrbar machen. Kein Buchstabe der Welt erreicht dies, wenn er nicht in diesem Geist geschrieben, verstanden oder \u2013 wo n\u00f6tig \u2013 geistvoll ver\u00e4ndert wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht weniger als 194 Belege finden sich im Neuen Testament f\u00fcr das Wort \u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 (Gesetz). Eine beachtliche Zahl: In 27 Schriften des Neuen Testaments knapp 200 Belege. Dabei kann das Wort in sehr unterschiedlichem Sinn verwendet werden. 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