{"id":32181,"date":"2023-07-17T14:33:50","date_gmt":"2023-07-17T12:33:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=der-weinbergbesitz-des-hochstifts-freising"},"modified":"2025-01-08T17:36:52","modified_gmt":"2025-01-08T16:36:52","slug":"der-weinbergbesitz-des-hochstifts-freising-in-der-fruehen-neuzeit","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/der-weinbergbesitz-des-hochstifts-freising-in-der-fruehen-neuzeit\/","title":{"rendered":"Der Weinbergbesitz des Hochstifts Freising in der Fr\u00fchen Neuzeit"},"content":{"rendered":"<p>Eines der Kennzeichen des Hochstifts Freising war sein weitentlegener mediat-herrschaftlicher Streubesitz, der \u00fcberwiegend auf mittelalterliche K\u00f6nigsschenkungen zur\u00fcckreichte.\u00a0Dieser Besitz hatte f\u00fcr die Freisinger F\u00fcrstbisch\u00f6fe der Fr\u00fchen Neuzeit wirtschaftliche und finanzielle Bedeutung, wie die Untersuchung zur Weinbergverwaltung zeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Lagen \u2013 Bauen auf jahrhundertealte Tradition<\/h3>\n<p>Der Weinbergbesitz des Hochstifts Freising befand sich im Erzherzogtum \u00d6sterreich und in der Grafschaft Tirol. Der Ertrag der Weinberge stand dem Freisinger F\u00fcrstbischof durch grundherrliche Rechte als Zins- und Zehntg\u00fcter zu. Die Weinberge in der Grafschaft Tirol befanden sich in Gries bei Bozen, im Erzherzogtum \u00d6sterreich lagen sie um Hollenburg, Wei\u00dfenkirchen\u00a0(herobere Weine)\u00a0und um Wien\u00a0(heruntere Weine).\u00a0Auch in der Residenzstadt Freising selbst, am S\u00fcdhang des Dombergs, war bis in die 1670er Jahre ein kleiner Weinberg vorhanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Verwaltung \u2013 Steter Kontakt im Jahreslauf<\/h3>\n<p>Zur Verwaltung der Weinberge gab es unterschiedliche Organisationsformen.\u00a0F\u00fcr die Weinberge bei Bozen war vor Ort ein Agent als Ansprechpartner vorhanden; gegebenenfalls schrieb man aus Freising auch an den weiter entfernten Pfleger von Innichen, einem Freisinger Beamten. In \u00d6sterreich wurden die\u00a0heroberen Weine, also die Weinberge um Hollenburg und Wei\u00dfenkirchen, durch den Freisinger Hauptmann der Herrschaft Hollenburg beaufsichtigt. F\u00fcr die\u00a0herunteren Weine\u00a0war der Freisinger Hofmeister von Wien zust\u00e4ndig.\u00a0Im Jahreslauf hatten die Freisinger Beamten oder Agenten den Auftrag, \u00fcber die Weinberge Aufsicht zu halten und \u00fcber deren Zustand regelm\u00e4\u00dfig an den Freisinger Hof zu berichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Weinpr\u00f6pste \u2013 \u00c4mter auf Zeit<\/h3>\n<p>Die Aufsicht \u00fcber die Weinlese und den j\u00e4hrlichen Weintransport nach Freising \u00fcbernahmen von Freising abgesandte Hofbedienstete: F\u00fcr diesen Zeitraum waren sie Weinpr\u00f6pste. Ihre Aufgabe bestand darin, der Weinlese vorzustehen, Zins- und Zehntabgaben einzuholen, Eink\u00e4ufe zu erledigen und nat\u00fcrlich den Weintransport nach Freising zu organisieren und zu begleiten.\u00a0Am Freisinger Hof wurden j\u00e4hrlich zwei Weinpr\u00f6pste ernannt: der\u00a0Etschweinpropst\u00a0f\u00fcr die G\u00fcter in der Grafschaft Tirol und der\u00a0\u00d6sterreichische Weinpropst\u00a0f\u00fcr die Weing\u00fcter im Erzherzogtum \u00d6sterreich, um Wien, Hollenburg und Wei\u00dfenkirchen. Nur in Ausnahmef\u00e4llen, wie bei Krieg, Seuchen oder Missernten, fielen die j\u00e4hrlichen Weinfahrten aus und die Weinlese wurde den jeweiligen Pflegern vor Ort \u00fcbertragen. Infolge der Belagerung Wiens im Jahr 1683 verw\u00fcsteten die osmanischen Truppen die Felder und Weinberge um die Stadt. Auch die Freisinger Weing\u00e4rten blieben davon nicht verschont; f\u00fcr den Weinbau bedeutete dieses Ereignis einen massiven R\u00fcckschritt. Erst 1689 fand erstmals wieder eine Ausfuhr des \u00f6sterreichischen Weins nach Freising statt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Der Transport \u2013 Eine logistische Herausforderung<\/h3>\n<p>Die Weinfahrten der Weinpr\u00f6pste dauerten in der Regel zwischen eineinhalb und drei Monate.\u00a0W\u00e4hrend der Weinlese organisierten die Weinpr\u00f6pste alles Erforderliche, um einen z\u00fcgigen Weintransport nach Freising zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>So bestellte der\u00a0Etschweinpropst\u00a0w\u00e4hrend der Weinlese die jeweils notwendige Anzahl an Fuhrwerken, um den z\u00fcgigen Transport des frischgepressten Ertrags von Gries in Tirol nach Mittenwald zu bewerkstelligen.\u00a0Die Fuhrwerke nahmen den Weg \u00fcber die Brennerstra\u00dfe. In Mittenwald wurden die Weinf\u00e4sser und die weiteren Eink\u00e4ufe auf die Fl\u00f6\u00dfe umgeladen. Auf der Isar erreichten die Fl\u00f6\u00dfer mit dem Weinpropst innerhalb von wenigen Tagen Freising.<\/p>\n<p>Der\u00a0\u00d6sterreichische Weinpropst\u00a0fuhr mit seinen Lesehelfern und mehreren Flo\u00dfknechten von Freising ab. Isarabw\u00e4rts durch bayerisches Gebiet ging es bis nach Plattling zur Isarm\u00fcndung an die Donau, von dort weiter flussabw\u00e4rts nach Passau. In Linz besprach sich der Weinpropst mit dem Flo\u00dfmeister bez\u00fcglich des in wenigen Wochen anstehenden Transports der Freisinger Weine. In Hollenburg und Wei\u00dfenkirchen verlie\u00dfen die Lesemeister das Flo\u00df, in Wien stieg der Weinpropst ab und besorgte die Einholung des bisch\u00f6flichen Weins. Au\u00dferdem war der Weinpropst f\u00fcr weitere Eink\u00e4ufe in Wien und gegebenenfalls die Kl\u00e4rung rechtlicher Angelegenheiten zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Nach der Weinlese wurden die Weinf\u00e4sser in Nu\u00dfdorf bei Wien, Hollenburg und Wei\u00dfenkirchen an den Donaul\u00e4nden aufgenommen und stromaufw\u00e4rts nach Pleinting bei Vilshofen getreidelt. W\u00e4hrend im 17. Jahrhundert noch der frische Wein nach Freising ausgef\u00fchrt wurde, brachte man im 18. Jahrhundert den Wein erst mit mindestens einj\u00e4hriger Verz\u00f6gerung, zumeist im Fr\u00fchling, in die Residenzstadt.\u00a0In Pleinting angekommen wurden die Weinf\u00e4sser auf die dort wartenden Fuhrwerke umgeladen. F\u00fcr das Jahr 1721 hat sich eine detaillierte Auflistung \u00fcber die notwendigen Fuhren erhalten: So waren neun Rottfuhren f\u00fcr 2061,5 Eimer Wein vonn\u00f6ten.\u00a0Jeder Rottfuhrzug beinhaltete acht bis elf Fuhrwerke, von der jede um die 25 Eimer laden konnte.\u00a0Auf dem bayerischen Landweg \u00fcber Niederp\u00f6ring, W\u00f6rth an der Isar und Landshut erreichte der Transportzug innerhalb einer Woche Freising.<\/p>\n<p>Die Weine aus \u00d6sterreich und Tirol wurden nach dem langen Transport in den Kellerr\u00e4umen der Freisinger Residenz und des sogenannten Neubaus an der Nordseite des Dombergs gelagert. Dort fanden sich noch viele weitere Sorten, die hinzugekauft wurden: beispielsweise Weine aus dem Mosel-, Rhein- oder Neckargebiet, wie auch Champagner, Hermitage und Els\u00e4sser Wein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Das Ende der Eigenweintransporte nach Freising<\/h3>\n<p>Infolge der Klimaverschlechterung im 17. und 18. Jahrhundert und auch durch Sch\u00e4dlingsbefall ab den 1740er Jahren wurde die Weinqualit\u00e4t immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Es h\u00e4uften sich Beschreibungen, wonach die Weine \u201esauer\u201c seien:\u00a0Der Hauptmann von Hollenburg schrieb nach Freising, dass er sich \u201ekein Hoffnung zu einen guten Wein machen [k\u00f6nne], sondern f\u00f6rchte das [die Weine] ein rechter Sauerampfer werden\u201c.\u00a0Der Hauptmann von Ulmerfelden riet von einer Lieferung der s\u00e4urehaltigen Weine nach Freising sogar ganz ab, da diese \u201edie Pierl\u00e4nder bekanntermassen scheuchen\u201c.<\/p>\n<p>Sogar die Freisinger Beamten, die den Wein oftmals als Naturalbesoldung erhielten, beschwerten sich 1759, dass der Wein nicht \u201eohne Gesundheitsverlezung\u201c zu genie\u00dfen sei und forderten k\u00fcnftig mit Bier oder durch den Geldwert bezahlt zu werden.\u00a0Diese Verkettung der f\u00fcr den Weinbau missg\u00fcnstigen Umst\u00e4nde f\u00fchrte schlie\u00dflich dazu, dass die Weintransporte aus \u00d6sterreich und Tirol unter F\u00fcrstbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen im Jahr 1766 eingestellt wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der Kennzeichen des Hochstifts Freising war sein weitentlegener mediat-herrschaftlicher Streubesitz, der \u00fcberwiegend auf mittelalterliche K\u00f6nigsschenkungen zur\u00fcckreichte.\u00a0Dieser Besitz hatte f\u00fcr die Freisinger F\u00fcrstbisch\u00f6fe der Fr\u00fchen Neuzeit wirtschaftliche und finanzielle Bedeutung, wie die Untersuchung zur Weinbergverwaltung zeigt. &nbsp; Die Lagen \u2013 Bauen auf jahrhundertealte Tradition Der Weinbergbesitz des Hochstifts Freising befand sich im Erzherzogtum \u00d6sterreich und&hellip;<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":89892,"menu_order":1258,"template":"","meta":{"_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","footnotes":""},"class_list":["post-32181","media-library","type-media-library","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","media-library-category-bayern"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - 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