{"id":32257,"date":"2023-07-17T14:34:53","date_gmt":"2023-07-17T12:34:53","guid":{"rendered":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/?media-library=traeume-und-traumdeutung"},"modified":"2025-01-14T13:09:16","modified_gmt":"2025-01-14T12:09:16","slug":"traeume-und-traumdeutung-die-biblische-josephsgeschichte-und-ihre-rezeption-in-thomas-manns-josephs-roman","status":"publish","type":"media-library","link":"https:\/\/kath-akademie-bayern.de\/en\/mediathek-eintrag\/traeume-und-traumdeutung-die-biblische-josephsgeschichte-und-ihre-rezeption-in-thomas-manns-josephs-roman\/","title":{"rendered":"Dreams and dream interpretation"},"content":{"rendered":"<p class=\"fliess-ERSTER\"><span class=\"_idGenDropcap-3\">I<\/span>n keinem anderen biblischen Buch spielen Tr\u00e4ume und Traumdeutung eine so entscheidende Rolle wie in der Erz\u00e4hlung von Joseph und seinen Br\u00fcdern. Es handelt sich im ganzen um sieben Tr\u00e4ume. Zwei davon tr\u00e4umt Joseph ganz am Anfang: den Garben- und Sternentraum (Gen 37,5\u201311), zwei tr\u00e4umen hochrangige H\u00f6flinge des Pharao, der Obermundschenk den Weinstock- und der Oberb\u00e4cker den Korbtraum. Sie hatten die Gunst des Pharao verloren und Joseph begegnet ihnen im Gef\u00e4ngnis (Gen 40,9\u201323). Zwei Tr\u00e4ume tr\u00e4umt Pharao pers\u00f6nlich: den K\u00fche- und den \u00c4hrentraum (Gen 41,1\u201336) und ein Traum wird Vater Jakob zugeschrieben, wird er doch zu seiner Reise nach \u00c4gypten auf Werben Josephs hin durch eine \u201en\u00e4chtliche Vision\u201c ermutigt: \u201eIch bin Gott, der Gott deines Vaters. F\u00fcrchte dich nicht, nach \u00c4gypten hinabzuziehen; denn zu einem gro\u00dfen Volk machen will ich dich dort\u201c (Gen 46,3). Diese Tr\u00e4ume in der biblischen Geschichte haben zum einen eine weichenstellende Funktion f\u00fcr die Dramaturgie der Handlung und zugleich eine symbolische Funktion f\u00fcr eine theozentrische Deutung der Gesamterz\u00e4hlung. Thomas Mann war das nicht verborgen geblieben, als er sich nach Abschluss und Ver\u00f6ffentlichung seines Romans \u201eDer Zauberberg\u201c (1924) daran machte, die biblische Vorlage erz\u00e4hlerisch auszugestalten, nicht ahnend, dass er f\u00fcr deren Vollendung vom Dezember 1926 bis August 1936 und vom August 1940 bis Januar 1943 13 Jahre und vier Romanb\u00e4nde brauchen w\u00fcrde und f\u00fcr deren Publikation von Band I 1933 bis zu Band IV 1943 zehn Jahre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Von Alterit\u00e4t und Differenz: Josephsgeschichte im Roman<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">Wer nun aber eine Art Nacherz\u00e4hlung der biblischen Geschichte erwartet, wird rasch eines Besseren belehrt. Gewiss, Thomas Mann h\u00e4lt sich an den Grundduktus der biblischen Josephsgeschichte, der in f\u00fcnf Erz\u00e4hlbl\u00f6cken besteht:<\/p>\n<p class=\"fliess\"><span class=\"CORP-S-BOLD-9-7-pt\">1.\u00a0<\/span>Alles beginnt mit dem durch das Verhalten von Vater Jakob mitverursachte und durch ma\u00dflose Tr\u00e4ume Josephs verst\u00e4rkte Eifersuchtsdrama\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Bruder \u2013 Br\u00fcder<\/span>. Der Hass zwischen den Br\u00fcdern steigert sich zum Mordplan, dann zur Beseitigung Josephs in einem Brunnen und zum Verkauf an die Midianiter. Daraus folgt der Transport nach \u00c4gypten und der Verkauf an Potifar (Kap. 37). Vater Jakob wird mit einer gef\u00e4lschten T\u00f6tungsgeschichte hintergangen.<\/p>\n<p class=\"fliess\"><span class=\"CORP-S-BOLD-9-7-pt\">2.<\/span>\u00a0Dann das Drama im Hause\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Potifars\u00a0<\/span>mit dem Versuch sexueller Verf\u00fchrung durch die Frau des Hauses. Es kommt zur Intrige gegen Joseph und zum Wurf ins Gef\u00e4ngnis (Kap. 39,1\u201320).<\/p>\n<p class=\"fliess\"><span class=\"CORP-S-BOLD-9-7-pt\">3.\u00a0<\/span>Dann die\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Traumdeutungspraxis im Gef\u00e4ngnis<\/span>, dadurch Gunst zweier Hofbeamter des Pharao, dessen einer (der \u201eObermundschenk\u201c) sich sp\u00e4ter Josephs erinnert, als der K\u00f6nig selber Traumdeutungs-Hilfe braucht (Kap. 39,21\u201341,14).<\/p>\n<p class=\"fliess\"><span class=\"CORP-S-BOLD-9-7-pt\">4.\u00a0<\/span>Die\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Begegnung mit Pharao<\/span>: Deutung von dessen Tr\u00e4umen, Aufstieg Josephs in eine einzigartige Machtstellung \u00fcber \u00c4gypten (Kap. 41,15\u201349).<\/p>\n<p class=\"fliess\"><span class=\"CORP-S-BOLD-9-7-pt\">5.\u00a0<\/span>Schlie\u00dflich der\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Komplex Wiederbegegnung und Wiedervers\u00f6hnung<\/span>. Einerseits mit den Br\u00fcdern (mit denen Joseph noch eine Zeitlang spielt), andererseits mit dem Vater, der nach \u00c4gypten geholt wird und hier sein Leben vollendet (Kap. 41,50\u201350,13)<\/p>\n<p class=\"fliess\">Doch von der ersten Zeile an ist alles anders, trifft man eine narrative Konzeption und Strategie, die dem Romangeschehen ihr unverwechselbares Profil geben. Aus einer biblischen Erz\u00e4hlung der Urzeit, aus der Welt der antiken Vormoderne, wird ein moderner Roman, dessen Reiz nun gerade nicht in der Imitation des Vertrauten, sondern im Kontrast besteht, in der Fortschreibung und Transformation ins 20. Jahrhundert unter den Pr\u00e4missen der Moderne, vor allem der religionsgeschichtlichen und psychologischen Aufkl\u00e4rung. Diese \u201eAndersheit\u201c, sprich: Alterit\u00e4t und Differenz der romanhaften Josephserz\u00e4hlung zu verstehen, ist anspruchsvoll, denn sie setzt eine Vertrautheit mit der konzeptionelle Programmatik des Romanautors voraus, mit seinen Pr\u00e4missen und Vorentscheidungen, die man zun\u00e4chst verstanden haben muss, um sie in ihrem Eigenwicht w\u00fcrdigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Auf Alterit\u00e4t und Differenz trifft man schon bei dem Versuch, herauszufinden, wie im Roman mit der ersten Traumszene der Josephsgeschichte umgegangen wird. Ich ziehe sie\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">pars pro toto<\/span>\u00a0heran, um an ihr Grunds\u00e4tzliches zur Bedeutung der Tr\u00e4ume in diesem Romanwerk klar zu machen. Der Roman erz\u00e4hlt insgesamt 12 Einzeltr\u00e4ume, wobei die Zahl 12 zu den magischen Zahlen im Romanganzen geh\u00f6rt. Die Zw\u00f6lf steht im Zusammenhang mit der Br\u00fcderreihe und die ist wiederum verbunden mit den Tierkreiszeichen, so dass jedem Bruder ein eigenes Tierkreiszeichen zugeordnet werden kann. Das im Detail zu rekonstruieren ist in diesem Rahmen nicht m\u00f6glich, all die Tr\u00e4ume, die Thomas Mann immer wieder neu einzelnen Figuren in freiem Absprung von der biblischen Vorlage tr\u00e4umen l\u00e4sst. Und es wird viel getr\u00e4umt in diesem Romanwerk. Ich denke insbesondere die Tr\u00e4ume der Frau des biblischen Potifar, Mut-em-enet, und des Vorstehers im Gef\u00e4ngnis, Mai-Sachme. Tiefentr\u00e4ume, die Einblicke in die Vorgeschichte und damit in die seelische Disposition der beiden Figuren erlauben. Aber selbst nur die einzelnen Traumsequenzen aus den biblischen Vorlagen im Roman zu analysieren, w\u00fcrde jeden Rahmen sprengen. Thomas Mann hat mit sichtlichem Vergn\u00fcgen, voll Witz und Ironie, von den Tr\u00e4umen der H\u00f6flinge im Gef\u00e4ngnis ebenso erz\u00e4hlt wie von den Tr\u00e4umen des Pharao einschlie\u00dflich der Traumdeutungspraxis der H\u00f6flinge und Josephs. Nachzulesen im Vierten und letzten Band, in den Hauptst\u00fccken eins, zwei und drei, H\u00f6hepunkt zweifellos die beiden Kapitel \u201eDas Kind der H\u00f6hle\u201c und \u201ePharao weissagt\u201c im 3. Hauptst\u00fcck. In diesem Kapiteln erweist sich Thomas Mann als gl\u00e4nzender, funkelnder Erz\u00e4hler, der nicht nur die Technik der Amplifikation, Alteration, Dramatisierung und Psychologisierung der biblischen Pr\u00e4texte, sondern auch die Theorie von Traumdeutung virtuos beherrscht und sie als moderner Erz\u00e4hler einzusetzen wei\u00df.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Bekanntlich beginnt die biblische Erz\u00e4hlung ohne lange Einf\u00fchrung nach nur wenigen S\u00e4tzen mit dem Garben- und Sternentraum Josephs. Beide Tr\u00e4ume werden selbstverst\u00e4ndlich auch im Roman erz\u00e4hlt, aber bis es soweit ist, braucht der Romanautor einen langen \u201eAnmarschweg\u201c mit zun\u00e4chst \u00fcberraschenden Ausweitungen und Kontextualisierungen. So hat man als Leser schon den ganzen ersten Band hinter sich, \u201eDie Geschichten Jaakobs\u201c, an dessen Ende die Geburt Josephs geschildert wird, ist dann schon \u00fcber viele Seiten in den zweiten Band \u201eDer junge Joseph\u201c eingedrungen, bis man dort im Dritten Hauptst\u00fcck auf das Kapitel \u201eDer Adonishain\u201c trifft. Joseph im vertrauten Umgang mit seinem mittlerweile achtj\u00e4hrigen Lieblingsbruder Benjamin Seltsam: Mit Vorliebe, hei\u00dft es, suche Joseph, \u201eunseren Ort\u201c auf: einen in einer Myrthen-Schlucht verborgenen Ort, der \u201eals Hain der Astaroth-Ischtar oder mehr noch ihres Sohnes, Bruders und Gatten, des Tammuz-Adoni heilig galt\u201c (7.1, 416). Nicht gerade ein Ort, den Vater Jaakob sch\u00e4tzt, denn hier wird nicht der Gott Abrahams verehrt. Doch die Anziehung dieses \u201eheidnischen\u201c Kult- und Festortes ist f\u00fcr Joseph unwiderstehlich. Denn alles wird hier zu Zeichen, die er selber auf sich und sein bevorstehendes Schicksal zu deuten wei\u00df, sowohl die Pr\u00e4senz von Myrthe als auch die kultische Verehrung von Figuren aus der ph\u00f6nizisch-babylonischen G\u00f6tterwelt: Die Myrthe \u2013 ist sie nicht ein Symbol f\u00fcr Jugend und Sch\u00f6nheit, aber zugleich auch von Sterben und Todeshauch? Und die G\u00f6tterj\u00fcnglinge Tammuz-Adonis? Vollzieht das Fest zu ihrer Verehrung nicht das Zugleich von Tod und Auferstehung rituell nach? Was aber mag das Interesse des Romanautors sein, seinen Joseph in diesen Kontext zu stellen und mit dem Wissen um sch\u00f6ne, aber sterbliche G\u00f6tterj\u00fcnglinge auszustatten, an deren Lebensweg sich der Kreislauf von Tod und Neuem Leben veranschaulichen l\u00e4sst?<\/p>\n<p class=\"fliess\">Und dann noch einmal merkw\u00fcrdig. Nach dem \u201eAdonishain\u201c-Kapitel l\u00e4sst der Romanautor Joseph einen \u201eHimmelstraum\u201c tr\u00e4umen, noch\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">bevor\u00a0<\/span>er die biblisch \u00fcberlieferten Tr\u00e4ume aufnimmt und im Vierten Hauptst\u00fcck von \u201eDer junge Joseph\u201c unter dem Titel \u201eDer Tr\u00e4umer\u201c breit ausgestaltet. Dieser \u201eHimmelstraum\u201c ist an Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutungsschwere kaum zu \u00fcberbieten, den Joseph seinem Bruder Benjamin erz\u00e4hlt. Dabei ist der Kritik nicht verborgen geblieben, dass Thomas Mann bei der sprachlichen und bildlichen Ausgestaltung klassische antike Texte herangezogen hat. \u201eJosephs Traum ist eine Mythenmischung aus der babylonischen Etana-, der hebr\u00e4ischen Henoch-, der griechischen Ganymed-Sage und der biblischen Ezechiel-Vision\u201c (7.2, 840). Wichtiger f\u00fcr uns ist die Funktion dieses Traums vor allen Tr\u00e4umen. Joseph sieht sich auf einem Feld unter Schafen liegen, auf dem Bauch, einen Halm im Mund und die F\u00fc\u00dfe in der Luft, als ein riesiger Adler ihm \u00fcberschattet, so gro\u00df wie ein Stier und mit H\u00f6rnern wie ein Stier. Der packt ihn und entf\u00fchrt ihn in die L\u00fcfte. Er ist der Engel Amphiel, der einem unumst\u00f6\u00dflichen Auftrag der h\u00f6chsten Autorit\u00e4t folgend mit ihm in den Sternenhimmel fliegt, in den kosmischen Raum, \u201ezum obersten Gew\u00f6lbe, in die Mitte des gro\u00dfen Palastes\u201c (7.1, 441), so hoch und weit, bis er des \u201eAlleinigen Antlitz\u201c sieht, des \u201eVaters der Welt\u201c.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Dieser gebietet, dass er, Joseph, k\u00fcnftig vor seinem Stuhle stehen solle als Metatron (hochrangiger Engel) und Knabe Gottes, ausgestattet mit der Schl\u00fcsselgewalt und als Befehlshaber \u00fcber alle Scharen (7.1, 444). Selbst die irritierten Vorbehalte gro\u00dfer Engel k\u00f6nnen den \u201eK\u00f6nig\u201c nicht davon abhalten, diesen Erdling in allerh\u00f6chste Stellungen einzusetzen und ihn mit allen Machtinsignien auszustatten. Er erkl\u00e4rt vor den versammelten himmlischen Scharen: \u201eSiehe, es war ein zarter Zedernsch\u00f6\u00dfling im Tal, den verpflanzte ich auf einen Berg, hoch und erhaben, und machte einen Baum daraus, unter dem die V\u00f6gel wohnen. Und der unten den Scharen der J\u00fcngste war an Tagen, Monden und Jahren, den Knaben machte ich gr\u00f6\u00dfer denn alle Wesen, in meiner Unbegreiflichkeit, um der Vorliebe willen und der Gnadenwahl. Ich befahl ihn zum Aufseher \u00fcber alle Kostbarkeiten der Hallen des Araboth und \u00fcber alle Sch\u00e4tze des Lebens, so in der H\u00f6hen des Himmels aufbewahrt sind &#8230; Und war mir nur leid, dass ich seinen Stuhl nicht gr\u00f6sser machen konnte denn meinen eigenen und seine Herrlichkeit nicht gr\u00f6sser denn meine eigene, denn sie ist unendlich! Sein Name aber war Der kleine Gott!\u201c (7.1, 446).<\/p>\n<p class=\"fliess\">Ein Schl\u00fcsseltraum, keine Frage. Noch\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">bevor\u00a0<\/span>der Romanerz\u00e4hler auf die biblisch \u00fcberlieferten Traumszenen, den Garben- und den Sternentraum, \u00fcbergeht, hat er ein symbolisches Verweissystem geschaffen, das Elemente aus der antiken Religionsgeschichte und der astralen Visionsliteratur benutzt, um seine Josephsfigur mit einer Bedeutung aufzuladen, die der biblischen Erz\u00e4hlung unbekannt ist. Warum ist das so? Welche Vorentscheidungen hat Thomas Mann f\u00fcr seine \u201eMenschheitsdichtung\u201c getroffen? Vergegenw\u00e4rtigen wir uns in aller gebotenen K\u00fcrze Entstehung und Konzeption dieses Romanwerks.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Die Entdeckung des Joseph-Stoffs<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">Eher \u201ezuf\u00e4llig\u201c war er ihr wieder begegnet, dieser Geschichte, vermutlich im April 1924. Als der M\u00fcnchner Maler\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Hermann Ebers<\/span>\u00a0ihn um eine Einleitung zu einer von ihm gefertigten Bildermappe bittet, welche \u201edie Geschichte Josephs, des Sohnes Jakobs, in h\u00fcbscher graphischer Darstellung\u201c darbietet (so im \u201eLebensabriss\u201c von 1930: E III, 214), liest Thomas Mann in seiner alten Familienbibel \u201edie reizende Mythe\u201c noch einmal nach. Literarisch f\u00fchlt er sich \u00fcberdies herausgefordert (wie auch sonst) von Goethe, der in seiner Autobiographie \u201eDichtung und Wahrheit\u201c von einem eigenen Jugendwerk zur Josephs-Geschichte berichtet hatte, das er dann aber buchst\u00e4blich des Aufhebens nicht wert fand und vernichtet hat. Immerhin aber hatte der alte Goethe die in diesem Zusammenhang die \u201eArbeitsanweisung\u201c hinterlassen: \u201eH\u00f6chst anmutig ist diese nat\u00fcrliche Erz\u00e4hlung, nur erscheint sie zu kurz, und man f\u00fchlt sich berufen, sie ins einzelne auszumalen\u201c (E III, 214).<\/p>\n<p class=\"fliess\">Eine solche \u201eBerufung\u201c findet Thomas Mann auf Dauer unwiderstehlich, zumal er im M\u00e4rz 1925 Gelegenheit bekommt, selber nach \u00c4gypten zu reisen. Es ist ohnehin die Zeit besonderer \u00c4gypten-Faszination in Europa, hatte doch der britische Arch\u00e4ologe Howard Carter im November 1922 das unversehrte Grab Pharao Tut-ench-Amuns, des Schwiegersohns von Pharao Amenophis IV Echnaton, entdeckt und war auf Sch\u00e4tze von atemberaubender Sch\u00f6nheit gesto\u00dfen. Thomas Mann sieht auf dieser seiner ersten \u00c4gypten-Reise (1930 wird eine zweite folgen) nicht nur Kairo, sondern auch die Pyramiden, dann Luxor und Karnak sowie die K\u00f6nigsgr\u00e4ber in Theben. Die Jahre 1925 und 1926 sind mit ausgedehnten Vorbereitungen ausgef\u00fcllt. Im Juni 1926 l\u00e4uft das Projekt noch unter der Bezeichnung \u201eNovelle\u201c, seit August 1926 aber ist bereits von einem kleinen Roman die Rede. Er hei\u00dft zu diesem Zeitpunkt noch \u201eJoseph in \u00c4gypten\u201c. Anfang Dezember 1926, zu Beginn der Weihnachtszeit also, werden die ersten Kapitel des \u201eVorspiels\u201c geschrieben. Gut 16 Jahre wird es bis zum Abschluss dauern, dann hat sich die \u201eNovelle\u201c zu einem vierb\u00e4ndigen Roman-Gebirge ausgewachsen. Aber ein Romanstoff aus den Tiefen der Religionsgeschichte bei einem Autor der \u201eBuddenbrooks\u201c und des \u201eZauberbergs\u201c? Was war das: Eine unpolitische Flucht in uralte Zeiten jenseits der bedr\u00fcckenden Tagesaktualit\u00e4t der 20er Jahre?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">\u00d6ffnung f\u00fcr Fragen von Menschheit und Religionsgeschichte<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">Selbstzeugnisse verraten, dass Thomas Mann selber \u00fcberrascht ist, wie sehr ihn jetzt, nach dem \u201cZauberberg\u201d, \u201cdas Religi\u00f6se anzieht\u201d. Er habe bisher, gesteht er im Juni 1926 einem Gespr\u00e4chspartner, das Religi\u00f6se \u201enur mit der naiven Ehrfurcht eines Daseinsmenschen vor dem Unbekannten angesehen\u201c. Doch jetzt ziehe es ihn \u201eunendlich heftig an\u201c, und er glaube, das geschehe \u201enicht zuf\u00e4llig, sondern notwendig\u201c. Das Religi\u00f6se werde \u201eunsere ganze n\u00e4chste Zukunft bestimmen\u201c (Selbstkommentare, 20). Endg\u00fcltig vorbei ist damit die Verengung der Erz\u00e4hlperspektive auf das Schicksal Einzelner. Der ehemals bewusst in einem bestimmten Sinne \u201eUnpolitische\u201c (\u201eBetrachtungen eines Unpolitischen\u201c, 1918) beginnt sich in den 20er Jahren Jahr f\u00fcr Jahr intensiver Gedanken zu machen \u00fcber die Situation und Zukunft der Menschheit als ganzer. Selbstsorge wird erg\u00e4nzt durch Weltsorge, Deutschtum durch Weltb\u00fcrgerlichkeit. In seinem Aufsatz \u201eDeutschland und die Demokratie\u201c pl\u00e4diert er 1925 bereits f\u00fcr die \u201eEinordnung Deutschlands in die Weltdemokratie\u201c (15.1, 947). Im Vortrag \u201eL\u00fcbeck als geistige Lebensform\u201c (1926) definiert er \u201eDeutschtum\u201c angesichts der politisch immer bedrohlicheren nationalistischen Borniertheit des aufkommenden Faschismus jetzt als \u201eWeltb\u00fcrgerlichkeit, Weltmitte, Weltgewissen, Weltbesonnenheit\u201c (E III, 37).<\/p>\n<p class=\"fliess\">Nur wenige Jahre sp\u00e4ter kann von all dem in Deutschland keine Rede sein. Bei den Reichstagswahlen vom 14. September 1930 verbucht die NSDAP ihren ersten Massenerfolg. Thomas Mann nimmt dazu am 17. Oktober 1930 im Beethoven-Saal zu Berlin Stellung: \u201eDeutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft\u201c. Sie ist f\u00fcr unser Thema insofern von Bedeutung, als der Schriftsteller den Massenerfolg des Nationalsozialismus nicht nur auf au\u00dfen- und innenpolitische \u201eLeidensmotive\u201c zur\u00fcckf\u00fchrt, nicht nur auf wirtschaftliche und soziale Verwerfungen also, sondern auch auf eine geistig-kulturelle Wende. Denn Thomas Mann deutet das Aufkommen des Faschismus jetzt\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">erstmals\u00a0<\/span>religionsgeschichtlich, ja religionspsychologisch: \u201eWenn man aber bedenkt, was es, religionsgeschichtlich, die Menschheit gekostet hat, vom orgiastischen Naturkult, von der barbarisch raffinierten Gnostik und sexualistischen Gottesausschweifung des Moloch-Baal-Astarte-Dienstes sich zu geistigerer Anbetung zu erheben, so staunt man wohl \u00fcber den leichten Sinn, mit dem solche \u00dcberwindungen und Befreiungen heute verleugnet werden, \u2013 und wird sich zugleich des wellenhaften, fast modisch-ephemeren und, ins Gro\u00dfe gerechnet, bedeutungslosen Charakters eines solchen philosophischen R\u00fcckschlages bewusst.\u201c (E III, 266 f.)<\/p>\n<p class=\"fliess\">Das Studium der Religionsgeschichte ist also angesichts der faschistischen Usurpation des Mythos alles andere als unpolitisch. Thomas Mann ist sich fr\u00fch dar\u00fcber im Klaren. \u201eDie Beschw\u00f6rung des Mythos in seinem Josephs-Plan\u201c, so die Kritik zurecht, \u201eist in diesem Sinne f\u00fcr ihn die Evokation einer alle nationale und ethische Beschr\u00e4nkung \u00fcberwindenden, universalen Geistes- und Bilderwelt, die Zusammenschau altorientalischer, griechisch-antiker und j\u00fcdisch-christlicher Religiosit\u00e4t. Wie die \u201aEinheit der religi\u00f6sen Welt\u2018 f\u00fcr ihn ein Axiom seines letzten Lebensjahrzehnts gewesen ist, so auch die \u201aEinheitlichkeit der abendl\u00e4ndischen Menschlichkeit\u201c (7, 2, 63). Sp\u00e4ter wird Thomas Mann f\u00fcr sein Unternehmen \u2013 in einem Brief an den ungarischen Mythenforscher Karl Ker\u00e9nyi \u2013 die nachmals oft zitierte Formulierung verwenden: \u201eMythos plus Psychologie. L\u00e4ngst bin ich ein leidenschaftlicher Freund dieser Combination; denn tats\u00e4chlich ist Psychologie das Mittel, den Mythos den faschistischen Dunkelm\u00e4nnern aus den H\u00e4nden zu nehmen und ihn ins Humane \u201aumzufunktionieren\u2019. Diese Verbindung repr\u00e4sentiert mir geradezu die Welt der Zukunft, ein Menschentum, das gesegnet ist oben vom Geiste herab und \u201aaus der Tiefe, die unten liegt\u2019\u201c (S. 105). Eine Anspielung auf einen Schl\u00fcsselsatz aus der biblischen Josephsgeschichte, den Thomas Mann immer wieder zitiert. Er stammt aus dem Segenskapitel 49 am Ende der biblischen Josephsgeschichte stammt, als Vater Jakob Joseph mit den Worten segnet (ich zitiere aus der Thomas Manns Arbeitsbibel 1910, nach der \u00dcbersetzung von Martin Luther): \u201eVon deines Vaters Gott ist dir geholfen und von dem Allm\u00e4chtigen bist du gesegnet, mit Segen oben vom Himmel herab, mit Segen von der Tiefe, die unten liegt, mit Segen der Br\u00fcste und B\u00e4uche\u201c (Gen 49,25).<\/p>\n<p class=\"fliess\">Dass das Nachdenken \u00fcber \u201eHumanit\u00e4t\u201c durch Einbeziehung der Kultur- und Religionsgeschichte noch einmal eine ganz andere Komplexit\u00e4t erlangt und erlangen muss, ist ohne weiteres nachvollziehbar. Denn Tiefenschichten der Geschichte sind zugleich auch immer f\u00fcr Thomas Mann Tiefenschichten der menschlichen Seele, des menschlichen Bewusstseins.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Die Verbindung von Mythologie und Tiefenpsychologie<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">In der Tat gehen Religionsgeschichte und Tiefenpsychologie im neuen gro\u00dfen Roman-Projekt eine ingeni\u00f6se Synthese ein. Kulturarch\u00e4ologie und Seelenarch\u00e4ologie erhellen sich gegenseitig. Von daher versteht sich auch Thomas Manns Interesse an der Psychoanalyse. Kein Text bringt dies programmatischer zum Ausdruck als der seiner Festrede zur Feier des 80. Geburtstags von Sigmund Freud am 8. Mai 1936 in Wien (Freud und die Zukunft, in: Leiden und Gr\u00f6\u00dfe der Meister, 905\u2013929). Zu dieser Zeit waren die ersten beiden B\u00e4nde des \u201eJosephs\u201c-Romans bereits erschien, der dritte Band \u201eJoseph in \u00c4gypten\u201c wird noch im Oktober 1936 folgen. Thomas Mann lebt zu diesem Zeitpunkt bereits in seinem Schweizer Exil-Ort K\u00fcsnach.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Mit Genugtuung weist der Redner in seiner Freud-Rede auf bereits ausgetauschte Sympathien zwischen ihm und der Freud-Schule hin. Soeben habe man ihm etwa einen Sonderdruck der Zeitschrift \u201eImago\u201c zugesandt. Es enthalte die Arbeit eines Wiener Gelehrten unter dem Titel \u201eZur Psychologie \u00e4lterer Biographik\u201c. Hier sei nachgewiesen, dass \u201e\u00e4ltere, naive, von der Legende und vom Volkst\u00fcmlichen her gespeiste und bestimmte Lebensbeschreibung, namentlich K\u00fcnstlerbiographien\u201c nach feststehenden, schematisch-typischen Z\u00fcgen und Vorg\u00e4ngen abliefen, nach Lebens-Mustern also. Uraltes k\u00f6nne sich im Neuen wiederfinden, im Einzelnen etwas Typisches wiederkehren.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Dieses Denken in Mustern aber, meint Thomas Mann, k\u00f6nne man durchaus verallgemeinern. Denn was sei das Leben? Sei es nicht \u201eeine Mischung von formelhaften und individuellen Elementen, ein Ineinander, bei dem das Individuelle gleichsam nur \u00fcber das Formelhaft-Unpers\u00f6nliche\u201c hinausragt? Gerade dies habe er, Thomas Mann, in seinem Josephs-Roman (von dem damals drei B\u00e4nde erschienen waren) zeigen wollen. Hier habe er schon aufgewiesen, wie sehr das psychologische ins mythische Interesse \u00fcbergehen k\u00f6nne: \u201eIn der Wortverbindung \u201aTiefenpsychologie\u2018 hat \u201aTiefe\u2018 auch zeitlichen Sinn: die Urspr\u00fcnge der Menschenseele sind zugleich auch Urzeit, jene Brunnentiefe der Zeiten, wo der Mythus zu Hause ist und die Urnormen, Urformen des Lebens gr\u00fcndet. Denn Mythus ist Lebensgr\u00fcndung; er ist das zeitlose Schema, die fromme Formel, in die das Leben eingeht, indem es aus dem Unbewussten seine Z\u00fcge reproduziert.\u201c (S. 921)<\/p>\n<p class=\"fliess\">Bevor wir diesen Gedanken an den Traumtexten im Roman pr\u00fcfen, geben wir uns in aller gebotenen K\u00fcrze Rechenschaft \u00fcber die Grundstruktur des Riesen-Werks.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Wovon der \u201eJosephs\u201c-Roman erz\u00e4hlt<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">Der Roman beginnt ohnehin nicht sofort mit der Geschichte des Titelhelden, sondern mit Josephs Vater, mit den \u201eGeschichten Jaakobs\u201c, wie der erste Band betitelt ist, der 1933 erscheint. Der Boden wird bereitet, auf dem Josephs Geschichte w\u00e4chst. Eingeleitet wird das ganze Unternehmen mit dem erw\u00e4hnten \u201eVorspiel\u201c, einer \u201eanthropologischen Ouvert\u00fcre\u201c unter dem Titel \u201eH\u00f6llenfahrt\u201c. Hier geht es um die Vor- und Urgeschichte der Menschheit, von Abraham noch weiter zur\u00fcck zu Adam und immer weiter zur\u00fcck bis zum Ur-Beginn der Sch\u00f6pfung. Echolote in die Tiefe der Zeit. Die \u201eAnfangsgr\u00fcnde des Menschlichen\u201c \u2013 \u201eunerlotbar\u201c. Wahrhaftig: \u201eTief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergr\u00fcndlich nennen?\u201c (7.1, IX).<\/p>\n<p class=\"fliess\">In den folgenden drei B\u00e4nden wird die Geschichte Josephs entfaltet, wobei der Erz\u00e4hler sich an den Grundrhythmus der biblischen Vorlage h\u00e4lt, ohne sich dadurch im Geringsten eingeengt zu f\u00fchlen. Band II, erschienen 1934, tr\u00e4gt den Titel \u201eDer junge Joseph\u201c. Breiten Raum nimmt hier die Auseinandersetzung mit den Br\u00fcdern ein, die Joseph durch seinen traumverst\u00e4rkten narzisstischen Hochmut herausfordert. Anfangs wird Joseph im Roman als Typus eines egomanischen Intellektuellen und Tr\u00e4umers hingestellt, als eine schreibkundige K\u00fcnstler-Natur, der aber durch seine Arroganz die anderen Br\u00fcder zur Wei\u00dfglut treibt. Sie r\u00e4chen sich dadurch, dass sie Joseph beseitigen wollen, dann aber in einen Brunnen werfen. Psychologisch gesprochen aber ist \u201edie Grube\u201c \u2013 nach Thomas Mann &#8211; Josephs Regressions- und Bu\u00dfort. Mythologisch ist er Eingang zur Unterwelt und damit auch der Ort von Opfertod, Wiedergeburt und Auferstehung.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Band III \u201eJoseph in \u00c4gypten\u201c kann noch 1936 in Wien erscheinen. Thomas Mann lebt mittlerweile im Schweizer Exil und reflektiert sein eigenes erzwungenes Exil nun im Lichte des Exilanten Joseph. Sein Held gelangt \u00fcber Gaza und Heliopolis, an den Pyramiden und der Sphinx vorbei, zun\u00e4chst in die alte K\u00f6nigsstadt Memphis. Vor hier aus reist er zu Schiff weiter, nilaufw\u00e4rts ins ober\u00e4gyptische Theben, in die neue Hauptstadt, in der Pharao Amenophis III. regiert. Dort wird Joseph auf dem Sklavenmarkt f\u00fcr den Haushalt eines sehr hohen W\u00fcrdentr\u00e4gers an Pharaos Hof eingekauft: Potiphar, im Roman Petepr\u00ea genannt. In \u00c4gypten nennt sich Joseph Osarsiph, \u201eJoseph des Osiris\u201c, wie in \u00c4gypten unter Nennung des Namens des Gottes der Unterwelt die Toten angesprochen werden, denn Joseph war ja, verglichen mit seinem alten Leben, in der Tat gestorben. Ausf\u00fchrlich wird nun sowohl der Aufstieg Josephs im Hause des \u00c4gypters erz\u00e4hlt (allm\u00e4hlich wird der bisherige Hausverwalter Mont-kaw aus dem Weg ger\u00e4umt) als auch die schon aus der Bibel bekannte Verf\u00fchrungs-Geschichte geschildert: Petepr\u00ea, auf Grund seiner Herkunft aus einer inzestu\u00f6sen Verbindung seiner Eltern zum Eunuch gemacht, ist zum Schein verheiratet mit Mut-em-enet, einer Priesterin und keuschen Nonne. Ihre sexuelle Frustration erkl\u00e4rt ihr Verlangen nach dem sch\u00f6nen J\u00fcngling, was Joseph zum Verh\u00e4ngnis werden wird. Nicht zuletzt des erotischen Inhalts wegen wird Thomas Mann den dritten Band den \u201eromanhaftesten Teil\u201c des Gesamtwerks nennen (Joseph und seine Br\u00fcder. Ein Vortrag, 1942, in: E V, 192).<\/p>\n<p class=\"fliess\">Band IV mit dem Titel \u201eJoseph, der Ern\u00e4hrer\u201c ist bereits au\u00dferhalb Europas geschrieben, im amerikanischen Exil. 1943, zehn Jahre nach dem ersten und sieben Jahre nach dem dritten Band, erscheint dieses abschlie\u00dfende Buch, nachdem Thomas Mann zwischenzeitlich noch den gro\u00dfen Goethe-Roman \u201eLotte in Weimar\u201c (1939) vorgelegt hatte. Die Erz\u00e4hlungen des vierten Bandes setzen ein mit Josephs Gef\u00e4ngnisaufenthalt. Er verdankt ihn der Intrige von Potiphars Frau, die Joseph sein \u201eVirtuosenst\u00fcck der Tugend\u201c nicht verzeiht. Im Gef\u00e4ngnis kommt er in Kontakt mit hochgestellten Beamten des Pharao, und einer erinnert sich Josephs, als er wieder in Gnade ist. Er holt ihn als Traumdeuter f\u00fcr Pharao an den Hof, und damit ist Josephs neues Gl\u00fcck gemacht.<\/p>\n<p class=\"fliess\">H\u00f6hepunkt ist hier das Gespr\u00e4ch mit Pharao Amenophis IV. Echnaton, der w\u00e4hrend Josephs Gefangenschaft auf den Thron gelangt ist. Bei Thomas Mann ist dieser ein \u201e\u00fcberfeinerter und z\u00e4rtlicher Knabe, ein Gottsucher wie Josephs Vater, aber verliebt in eine, seine erfundene schw\u00e4rmerische Liebesreligion und damit der \u201emythische Typus dessen, der auf dem rechten Wege ist, aber der Rechte nicht f\u00fcr den Weg\u201c (E V, 193). Gemeint ist damit: Echnaton ist ein etwas dekadenter, mutterabh\u00e4ngiger Sinnierer, der an die Stelle der sinnlich-polytheistischen Vielfalt k\u00fcnstlich einen abstrakt-geistigen Gott zu setzen versucht. Das aber hat in \u00c4gypten \u2013 im Unterschied eben zu Josephs Geschlecht \u2013geschichtlich noch keine Zukunft. Geschichtlich gesehen geh\u00f6rt \u00c4gypten \u2013 der Konzeption dieses Romans zufolge \u2013 noch der Sph\u00e4re des Dunklen, Schwarzen, Sinnlichen an und nicht der Sph\u00e4re des Lichtes, der Vernunft, des Geistes. Deshalb muss Echnaton \u2013 als Au\u00dfenseiter in dieser Kultur \u2013 scheitern. Und deshalb hat Josephs Gottesverst\u00e4ndnis Zukunft.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Die Schl\u00fcsselkategorie daf\u00fcr im Roman hei\u00dft \u201eGottessorge\u201c, die Gegenkategorie dazu \u201eGottesdummheit\u201c. Gemeint ist damit \u201eAufmerksamkeit auf innere Ver\u00e4nderungen der Welt und den Wechsel im Bild der Wahrheit und des Rechten; Gehorsam, der nicht s\u00e4umt, Leben und Wirklichkeit diesen Ver\u00e4nderungen, diesem Wechsel anzupassen und so dem Geiste gerecht zu werden.\u201c Thomas Mann w\u00f6rtlich: \u201eDie \u201aGottessorge\u2019 ist die Besorgnis, das, was einmal das Rechte war, es aber nicht mehr ist, noch immer f\u00fcr das Rechte zu halten und ihm anachronistischer Weise nachzuleben; sie ist das fromme Feingef\u00fchl f\u00fcr das Verworfene, Veraltete, innerlich \u00dcberschrittene, das unm\u00f6glich, skandal\u00f6s oder, in der Sprache Israels, ein \u201aGreuel\u2019 geworden ist. Sie ist das intelligente Lauschen auf das, was der Weltgeist will, auf die neue Wahrheit und Notwendigkeit, und ein besonderer, religi\u00f6ser Begriff der Dummheit ergibt sich dabei: die Gottesdummheit, die diese Sorge nicht kennt.\u201c (E V, 198 f.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Religionsgeschichtliche Schulaufgaben<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">Woher hatte Thomas Mann all sein Wissen von der Geschichte der alten Religionen? Wie eh und je hatte er sich einem gr\u00fcndlichen Studium einschl\u00e4giger Literatur unterzogen. Drei Werke sind dabei von besonderer Bedeutung, wie wir aus umfangreichen Notizenkonvoluten schlie\u00dfen k\u00f6nnen: Micha Joseph bin Gorions \u201eDie Sagen der Juden\u201c (2. Aufl. 1919 in drei B\u00e4nden), Dimitri Mereschkowskis \u201eDie Geheimnisse des Ostens\u201c (1924) sowie Alfred Jeremias\u2019 \u201eDas Alte Testament im Lichte des Orients\u201c, erschienen 1916 in dritter Auflage. F\u00fcr seine Exzerpte aus diesen drei B\u00fcchern legt Thomas Mann sich eigene Mappen an unter dem Titel: \u201eSagen der Juden\u201c, \u201eIm Lichte des Orients\u201c und \u201eMystisches\u201c (f\u00fcr Mereschkowski).<\/p>\n<p class=\"fliess\">F\u00fcr unseren Zusammenhang wichtig ist zun\u00e4chst ein Blick auf das Lehrbuch von Alfred Jeremias, evangelischer Pfarrer und Professor f\u00fcr Evangelische Theologie an der Universit\u00e4t Leipzig. Er gilt in der alttestamentlichen Forschung als einer der Hauptvertreter des Panbabylonismus, einer Schule von Orientalisten und Theologen, die auf der Basis von umw\u00e4lzenden arch\u00e4ologischen Neuentdeckungen und Keilschriften-Funde im vorderasiatisch-mediterranen Raum \u201ein der sumerischen und babylonischen Kultur, vor allem in der Astral-Religion, eine Hauptquelle sowohl f\u00fcr den Mythen- und Bilderschatz des\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Alten Testamentes<\/span>\u00a0wie der antiken Kultur \u00fcberhaupt sahen\u201c (Eckhard Heftrich, Joseph und seinen Br\u00fcder, in: TM Handbuch, hrsg. v. H. Koopmann, Stuttgart 2. Aufl. 1995, S. 447\u2013474, Zit. 454 f.)<\/p>\n<p class=\"fliess\">Thomas Mann kommen die Arbeiten von Jeremias gelegen. Unter dem Einfluss der Religionskritik von Schopenhauer und Nietzsche war es fr\u00fch zu einem Bruch nicht nur mit dem traditionellen (lutherisch gepr\u00e4gten) b\u00fcrgerlichen Christentum seiner Kindheit, sondern auch mit Metaphysik und Religion \u00fcberhaupt gekommen, nachzulesen schon in den \u201eBuddenbrooks\u201c. So ist die Einbeziehung der Religionsgeschichte in sein Denken ein neuer Zugang zur Welt der Religionen \u00fcberhaupt. Das hat mit christlichen Glaubensbekenntnissen nichts zu tun, wohl aber mit der \u00dcberzeugung: Zur Kultur geh\u00f6rt auch der Faktor Religion. Zur Kulturgeschichte der Menschheit geh\u00f6rt auch die Geschichte der Religionen.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Vor allem einen Grundgedanken von Jeremias konnte Thomas Mann f\u00fcr seinen \u201eJoseph\u201c gut gebrauchen: Im Vergleich mit sumerischen und babylonischen Mythen f\u00e4llt die biblische Josephs-Geschichte in eine Sp\u00e4t- und Schwellenzeit. Mythische Muster aus diesen Kulturen haben deshalb zur Ausgestaltung der biblischen Josephs-Geschichte beigetragen. Und da die hebr\u00e4ischen Erz\u00e4hler die Geschichte Josephs in \u00c4gypten spielen lassen, m\u00fcssen die in seiner Geschichte erkennbaren mythischen Muster vom Babylonischen ins \u00c4gyptische eingedrungen sein. Zur Begr\u00fcndung verweist Jeremias auf zahlreiche Parallelen im Lebenslauf verschiedener Erl\u00f6sergestalten antiker Kulturen.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Konkret hei\u00dft das: Die Hebr\u00e4ische Bibel pr\u00e4sentiert Joseph bekanntlich als sch\u00f6nen J\u00fcngling. Sch\u00f6ne G\u00f6tter-J\u00fcnglinge aber kennt man gerade auch in Babylon, Syrien und \u00c4gypten: Da ist Tammuz, sumerisch und akadisch Dumuzi (\u201erechter Sohn\u201c), der sumerisch-babylonische J\u00fcnglingsgott von \u00fcberragender Sch\u00f6nheit. Urspr\u00fcnglich als Vegetations- und Fr\u00fchlingsgottheit verehrt, entwickelt er sich zu einer Erl\u00f6ser-Gestalt. Sein Kult vollzieht das Wachsen und Verbl\u00fchen der Pflanzenwelt im Ablauf des Jahreskreises nach. Tammuz ist Hirte und Geliebter der G\u00f6ttin Ischtar, die ihn den D\u00e4monen der Unterwelt preisgibt, wo er f\u00fcr jeweils ein halbes Jahr abwechselnd mit seiner Schwester als K\u00f6nig herrscht. Der Abstieg der Ischtar in die Unterwelt und die R\u00fcckkehr des Tammuz symbolisieren das Absterben und Wiederaufbl\u00fchen der Vegetation. Sein Tod wird im Monat Tammuz (Juni\/Juli) gefeiert, wobei der Tammuz-Kult auch au\u00dferhalb Babyloniens und Assyriens verbreitet ist, wie eine Notiz aus dem biblischen Ezechiel-Buch belegt (8,14). Das Leben des Tammuz also steht f\u00fcr das zyklische Geschehen von Sterben und neuem Leben, Tod und Auferstehung.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Da ist Adonis, der aus dem Raum Syrien stammende, ebenfalls als sch\u00f6ner J\u00fcngling gedachte Vegetationsgott (Hauptkultort Byblos). Der mit ihm verbundene Mythos berichtet vom jahreszeitlichen Sterben im Hochsommer nach der Ernte und Wiederauferstehen im Fr\u00fchling. In den Adonis-Festen wird der Tod des Gottes mit Klageriten und sein Wiederauferstehen mit Jubelriten gefeiert. Da die Liebesg\u00f6ttin Aphrodite (Ischtar) und die Unterweltg\u00f6ttin Persephone in Streit geraten, bestimmt ein Urteilsspruch des G\u00f6ttervaters, dass Adonis einen Teil des Jahres allein, jeweils weitere Teile bei Aphrodite und bei Persephone verbringen soll. Adonis stirbt, von einem wilden Eber zerrissen, f\u00e4hrt in die Unterwelt und wird von dort wieder ins Leben zur\u00fcckgeholt. Noch einmal also dasselbe Schema: Leben und Tod, Sterben und Auferstehen.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Und da ist der \u00e4gyptische J\u00fcnglingsgott Osiris, der Gott der Toten, vor dem die Verstorbenen sich verantworten m\u00fcssen. Im Mythos steht sein Todesschicksal im Vordergrund. Und in einer Version dieses Mythos wird Osiris zwar vom eselsk\u00f6pfigen Gott Seth ermordet und zerst\u00fcckelt, die Leichenteile aber werden von Isis, seiner Schwester und Gattin, wieder gesammelt und neu belebt, so dass sie von Osiris ihren Sohn Horus empfangen kann. Sp\u00e4ter besiegt Horus den M\u00f6rder seines Vaters und tritt als sein R\u00e4cher das K\u00f6nigtum an, w\u00e4hrend Osiris im Totenreich regiert. Wieder dasselbe Muster: Zerst\u00f6rung und neues Leben, Zerrissenheit und Fruchtbarkeit, Leben und Tod.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Wieder-Holung mythischer Muster<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">Daraus folgt: Hat man sich erstens das Verst\u00e4ndnis von \u201eMythos\u201c (als Wiederholung vorgepr\u00e4gte Lebensmuster), zweitens das Verh\u00e4ltnis von Religionsgeschichte und Seelengeschichte und drittens die Abh\u00e4ngigkeit Thomas Manns von einer ganz bestimmten altorientalisch-alttestamentlichen Forschungsrichtung klargemacht, versteht man besser, warum bei Thomas Mann Joseph nicht blo\u00df als Einzel-Figur, sondern immer auch als Spureng\u00e4nger, Wiederholer und Repr\u00e4sentant geschildert ist. Ihm kam dabei entgegen, dass die biblischen Figuren schon in ihrem urspr\u00fcnglichen Kontext ja keineswegs \u201efixierte\u201c, abgerundete, in sich geschlossene Pers\u00f6nlichkeiten im modernen Verst\u00e4ndnis waren. Die Bibel erz\u00e4hlt von Menschen, \u201edie so recht nicht wussten, wer sie waren, oder die es auf eine fr\u00f6mmere, tiefer-genaue Art wissen, als das moderne Individuum: deren Identit\u00e4t nach hinten offen stand und Vergangenes mit aufnahm, dem sie sich gleichsetzten, in dessen Spuren sie gingen, und das in ihnen wieder gegenw\u00e4rtig wurde.\u201c (E V,190). Ein Gegenw\u00e4rtigwerden freilich nur durch den (uns unbekannten) Erz\u00e4hler der biblischen Josephs-Geschichte.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Dies ist bei Thomas Mann nun entscheidend anders. Bei ihm spielt nicht nur der Erz\u00e4hler mit Parallelen, Querverweisen oder Durchblicken, sondern auch sein Joseph. Denn dieser J\u00fcngling ist nicht nur sch\u00f6n, sondern auch gescheit. Er kennt die gro\u00dfen Religionen der Vergangenheit, kennt die Mythen von Erl\u00f6sern, ja, wei\u00df sie auf sich zu beziehen, um sich selber in ihrem Lichte zu deuten. Schon fr\u00fch im Prozess der Ausarbeitung des Romans hatte sich Thomas Mann f\u00fcr diese alles entscheidende Perspektivenerweiterung entschieden: \u201eDer babylonisch-\u00e4gyptisch gebildete Amurru-Knabe Josef wei\u00df doch nat\u00fcrlich von Gilgamesch, Tammuz, Usiri, und er lebt ihnen nach. Eine weitgehende und eigent\u00fcmlich hochstaplerische Identifikation seines Ich mit dem dieser Helden ist unterstellbar, und die Wiederverwirklichung des ja wesentlich zeitlosen Mythos ist ein Hauptzug der Psychologie, die ich dieser ganzen Welt zuzuschreiben geneigt bin. Sie werden den Kopf sch\u00fctteln, aber in dem meinem nimmt sich das alles sehr reizvoll aus und wird hoffentlich auf dem Wege zum Papier von seinem Reiz nicht allzu viel einb\u00fc\u00dfen.\u201c (Selbstkommentar, S. 25)<\/p>\n<p class=\"fliess\">In der Tat war Thomas Mann bereit, diesen Preis zu zahlen und in seinem Joseph \u201eeine Art von mythischem Hochstapler\u201c zu erblicken. Ein seltsames Wort im Zusammenhang mit Mythen und Religionen: Hochstapelei. Der Gestus des So-tun-als-ob. Die Selbstinszenierung durch Rollenwechsel. Felix Krull, der Hochstapler, mit dessen Figur Thomas Mann seit 1905 besch\u00e4ftigt ist, gr\u00fc\u00dft her\u00fcber. Aber dieses bewusst Inszenatorische gibt Thomas Mann die M\u00f6glichkeit, nicht nur immer neue Rollen- und Identit\u00e4tswechsel bei Joseph zu beschreiben (von Narziss bis Hermes), sondern auch mythologische Anspielungen wie Zitate spielerisch-kreativ zu verwenden. Literarisch gewinnt er so eine schier grenzenlose Freiheit in der Herstellung von Zusammenh\u00e4ngen \u00fcber Zeiten, R\u00e4ume, Kulturen und Religionen hinweg.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Von dieser Freiheit macht Thomas Mann denn auch reichlich Gebrauch, um zeigen zu k\u00f6nnen: Liest man die biblische Joseph-Geschichte vor mythologischem Hintergrund, erkennt man, dass auch Joseph auf seine Weise eine Erl\u00f6sergestalt ist. Und weil er das ist, wiederholen sich in Josephs Geschichte nicht nur Lebens-Muster antiker G\u00f6tter-J\u00fcnglinge. Joseph nimmt auch vorweg, was der christliche Erl\u00f6ser-J\u00fcngling, Jesus Christus, sein wird. Joseph ist somit eine zutiefst doppelgesichtige Figur. Ein Gesicht weist zur\u00fcck in die Mythenwelt des Alten Orients, ein anderes voraus auf die christliche Heilsgeschichte.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Hermann Kurzke fasst in seinem Buch \u201eMondwanderung\u201c zusammen: \u201eJoseph wird von den \u00c4gyptern \u201aAd\u014dn\u2019 genannt, denn er ist der sch\u00f6ne griechische J\u00fcngling Adonis, auf den das Kapitel \u201eAdonishain\u201c anspielt. Er ist der babylonische Tammuz, der Zerrissene und Geopferte, der \u201aUsiri des Ostens\u2019, der wie Christus den Tod besiegt, und Dionysos Zagreus, der als Knabe von den Titanen zerst\u00fcckelt wurde. Er ist Gilgamesch, der von der b\u00e4rtigen Mutterg\u00f6ttin Ischtar best\u00fcrmt wird, wie Joseph von Mut. Er ist \u2013 als Osarsiph \u2013 der \u00e4gyptische Osiris, der \u201aDulder und Zerst\u00fcckelte\u2019, der \u201aZerrissene\u2019 und das \u201aOpfer\u2019, der \u201aWiedergeheilte\u2019, der mit Isis den Horos zeugt. &#8230; Joseph ist \u00d6dipus vor der Sphinx, und Joseph ist Christus, der von der Jungfrau Maria Geborene. Seine Mutter Rahel, die Liebliche, nennt er deshalb jungfr\u00e4ulich im Gespr\u00e4ch mit Potiphar. Rahel ist zugleich Isis, die den Horus an der Brust tr\u00e4gt. Schon Jaakob sah in ihr \u201aeine himmlische Jungfrau und Mutterg\u00f6ttin\u2018, eine Isis \u201amit dem Kind an der Brust \u2013 in dem Kinde aber einen Wunderknaben und Gesalbten\u2018. Joseph ist das Gotteslamm und der am Kreuze Zerrissene, der Niedergefahrene und Wiederauferstandene.\u201c (Mondwanderung, 67\u201390)<\/p>\n<p class=\"fliess\">Wir sind nun in der Lage, die eingangs par pro toto geschilderte Szene im Adonishain und den erfundenen \u201eHimmelstraum\u201c, den Traum vor allen Tr\u00e4umen, in ihrem konzeptionellen Sinn zu entschl\u00fcsseln und f\u00fcr die Deutung des Romans als ganzen fruchtbar zu machen. Dabei sind Tr\u00e4ume als Motiv in Romanen von Thomas Mann nicht Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Sie haben eine Schl\u00fcsselfunktion schon in den \u201eBuddenbrooks\u201c und im \u201eZauberberg\u201c, wenn ich an den Todestraum des Senators Thomas Buddenbrook oder den Schneetraum von Hans Castrop denke. Aber diese Tr\u00e4ume waren in einen realen gesellschaftlichen Kontext der jeweiligen Handlung eingebettet gewesen. Im Josephsroman dagegen ist alles Geschehen in eine mythische Vorzeit verlegt.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Der Erz\u00e4hler hat sich aus gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4ngen freigemacht und sich f\u00fcr uns Leser ein traumhaftes Bewusstsein geschaffen. Will sagen: Die fiktive Wirklichkeit Josephs und seiner Vorfahren ist eine tr\u00e4umerische, insofern die Realit\u00e4t, in der sich die Protagonisten im Roman bewegen, eine mythische ist und so die Gegenwart zitathaften Charakter bekommt. Dieser Grundkonzeption zufolge ist alles, was geschieht, nicht originell und einmalig, sondern immer schon da gewesen und wird immer wieder da sein.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Das Bewusstsein der Romanpersonen ist somit eng verbunden mit den Tiefen des Unbewussten, so dass ihnen ihre Tr\u00e4ume aus dieser Tiefe nicht fremd, sondern zug\u00e4nglich erscheinen und in die Alltagswirklichkeit integriert werden. So l\u00e4sst Thomas Mann Joseph wie im Traum den Mythos der get\u00f6teten (zerrissenen) und wiederauferstandenen Gottheiten Tammuz, Osiris und Adonis erleben. Auf der symbolischen Ebene durchleidet er seinen Tod, wenn er wiederholt in die \u201eGrube\u201c f\u00e4hrt (Brunnen, Gef\u00e4ngnis), aber jedes Mal auch wiederaufersteht und schlie\u00dflich zum \u201eErn\u00e4hrer\u201c \u00c4gyptens aufsteigt.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Die Bedeutung der Tr\u00e4ume in diesem Roman geht also \u00fcber das Erz\u00e4hlen von Einzeltr\u00e4umen weit hinaus. Denn traumverloren, tr\u00e4umerisch sein, hei\u00dft im Josephsroman zur\u00fccksinken in einen Strom des Geistigen, in dem alles mit allem verbunden ist. Das Individuum verschmilzt mit dem Ganzen, bis hin zur Aufl\u00f6sung der Identit\u00e4t und bis hinein in ein Zur\u00fccksinken in den Tod. Das Ichbewusstsein der Protagonisten des Romans ist ein zeitloses Bewusstsein, denn alles Leben und Geschehen ist nur die Wiederholung und R\u00fcckkehr des Urgepr\u00e4gten, ist die Ausf\u00fcllung mythischer Formen mit Gegenwart.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Die Trennung der Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist aufgehoben, ebenso die r\u00e4umliche Trennung von oben und unten, wenn alles mit allem in Beziehung gebracht und ineinanderflie\u00dft, so dass ein zeit- und raumloses Bewusstsein entstehen kann. Alles Geschehen wiederholt sich im Roman ja nur in einer st\u00e4ndigen Kreislaufbewegung. Kurz: das Erleben von Raum und Zeit ist ein tr\u00e4umerisches und kann es sein, denn auch der Traum trennt ja die Zeitebenen nicht, sondern verdichtet sie miteinander. Raum und Zeit nur f\u00fcr das menschliche Wach-Bewusstsein, das Unbewusste mit seiner mythischen und tr\u00e4umerischen Bilderwelt ist zeit- und raumlos.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Hinzu kommt: Alles Sein besteht nach der Grundkonzeption des Romans auf der Erg\u00e4nzung und Entsprechung zweier H\u00e4lften, die sich zu einem Ganzen zusammenf\u00fcgen: dem Oben und dem Unten. Oben und Unten aber repr\u00e4sentieren unterschiedliche, aber nicht getrennte Dimensionen: Das Wachbewusstsein des Tages\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">and<\/span>\u00a0das Unbewusste mit der Nacht und dem Traum, das Geistiges und das Sinnliche, diskursives und mythisches Denken, das Apollinische und das Dionysische. Von daher verstehen wir noch besser den Satz aus der biblischen Josephserz\u00e4hlung, der f\u00fcr Thomas Mann zum Schl\u00fcsselsatz wurde, Segenss\u00e4tze Jakobs am Ende der biblischen Erz\u00e4hlung aufnehmend: \u201eVon deines Vaters Gott ist dir geholfen und von dem Allm\u00e4chtigen bist Du gesegnet mit Segen oben vom Himmel herab, mit Segen von der Tiefe, die unten liegt, mit Segen der Br\u00fcste und B\u00e4uche\u201c (Gen 49,25). Und weil sich Oben und Unten entsprechen, erf\u00fcllt sich auch das, was eingangs im Himmelstraum geschaut worden war: die himmlische Rolle als \u201eDer Kleine Gott\u201c oben wandelt sich zu einem Vizegott auf Erden unten vor Pharaos Thron.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Bibel-Roman Vergleich: Universale Mythopoesie gegen einmalige Theozentrik<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">Wir sind nun auch in der Lage, die romanhafte mit der biblischen Fassung zu kontrastieren. Um es auf eine Formel zu bringen: Im Vergleich treffen die menschheitsgeschichtliche Mythopoesie auf biblisch heilsgeschichtliche Theozentrik. Zyklisches Denken trifft auf lineares, das Immer-schon auf das Einmal und Ein-f\u00fcr-Allemal. Zwar muss sich die Urgeschichte literarisch keineswegs verstecken. Schon der bedeutende ev. Alttestamentler Gerhard von Rad hat in einem noch heute lesenswerten Artikel \u00fcber \u201eBiblische Joseph-Erz\u00e4hlung und Joseph-Roman\u201c (in: Neue Rundschau 76, 1965, S. 546\u2013559, Zitate S. 548 u. 551) herausgearbeitet, dass schon in der biblischen Geschichte viele Themen von literarischem Rang versammelt seien: Familienstreit und Verbrechen, L\u00fcge und Schuld, tiefste Niederlage und h\u00f6chster Aufstieg, Not und Hunger, Intrige, Vers\u00f6hnung und R\u00fchrung, am Ende schlie\u00dflich Gl\u00fcck und Segen.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Dazwischen ein St\u00fcck Erotik (die Verf\u00fchrung durch Potiphas Frau), ein St\u00fcck vorweggenommener Tiefenpsychologie (Joseph als Traumdeuter), ein Glanzst\u00fcck vorausschauender Machtpolitik (Vorratswirtschaft im Blick auf D\u00fcrrezeiten), ein Kriminalst\u00fcck um die \u00e4lteren Geschwister und den j\u00fcngeren Bruder Benjamin. Von Anfang an also sei die biblische Joseph-Erz\u00e4hlung \u201eLiteratur\u201c, so von Rad. Ganz \u201eneue M\u00f6glichkeiten der literarischen Darstellung des Menschlichen\u201c seien hier vorhanden, die weit \u00fcber die Ausdrucksmittel hinausgingen, die der \u00e4lteren sagenhaften \u00dcberlieferung der Bibel zur Verf\u00fcgung gestanden h\u00e4tten. Welch ein \u201eerlesener Stil\u201c, welche F\u00e4higkeit, \u201eauch psychologisch komplizierte Situationen zu beschreiben\u201c! Die Josephs-Geschichte habe \u201ehinsichtlich ihrer literarischen Geschliffenheit und geistigen Kultiviertheit\u201c \u201eden Rang und den Anspruch eines gro\u00dfen, ja einzigartigen Kunstwerkes\u201c. Aber die theologische Pointe ist doch eine v\u00f6llig andere als die im Roman. Worin besteht sie?<\/p>\n<p class=\"fliess\">Die biblische Josephs-Geschichte ist in der Tora Israels als Eckst\u00fcck eingepasst: als Abschluss des Buches Genesis und als \u00dcberleitung zum Buche Exodus. Nach hinten ist sie verzahnt mit den Geschichten um die Erzv\u00e4ter und Erzm\u00fctter, nach vorne verzahnt mit der Mose-Geschichte: der Offenbarung des k\u00fcnftigen Gottes Israels, Jahwe sowie der Volkwerdung Israels im Zeichen von Exodus und Sinai. Damit hat die Josephsgeschichte in der Hebr\u00e4ischen Bibel ein klar erkennbares theologische Gef\u00e4lle und zwar im Interesse einer zu erlangenden Identit\u00e4t Israels als Gottes-Volk, ist doch der Exodus und damit die Rettung des Volkes das \u201eHeilsereignis\u201c Israels schlechthin, sp\u00e4ter in einem eigenen Fest (\u201ePessach\u201c) Jahr f\u00fcr Jahr erinnert (Einzelheiten: K.-J. Kuschel, Festmahl am Himmelstisch, 2013). Aus der Geschichte von Familien (die Sippen Abrahams, Isaaks und Jakobs), aus der Geschichte von St\u00e4mmen (die zw\u00f6lf St\u00e4mme entsprechend den zw\u00f6lf S\u00f6hnen Jakobs) soll und wird die Geschichte des Volkes werden: Israel als Jahwes Eigentum und Heiligtum!<\/p>\n<p class=\"fliess\">Die biblische Josephsgeschichte steht somit im Dienste der Selbstreflexion des Volkes auf seinem k\u00fcnftigen Weg vor Gott und mit Gott. Und zwar so, dass im Nachhinein alles wie theozentrisch gef\u00fchrt und gef\u00fcgt erscheint. Wer es liest, soll diese Dialektik begreifen: Gott setzt trotz allem Widrigen, S\u00fcndhaften, Verbrecherischen, das Menschen anderen Menschen antun k\u00f6nnen, seinen Segen durch. B\u00f6ses kann zum Guten gewendet werden, wenn Gott es will. Aus Unheils- k\u00f6nnen Gl\u00fcckserfahrungen werden. Die dialektisch-theozentrische Pointe der biblischen Josephs-Geschichte steht denn auch an dessen Ende, als Jakob bereits tot ist und Joseph mit seinen Br\u00fcdern nach der Beisetzung des Vaters in der H\u00f6hle von Machpela in Hebron nach \u00c4gypten zur\u00fcckgekehrt ist :\u201eIhr habt B\u00f6ses gegen mich im Sinn gehabt\u201c, kann Joseph jetzt seinen Br\u00fcdern sagen, \u201eGott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: viel Volk am Leben zu erhalten\u201c (Gen 50,20).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 class=\"ZWISCHEN\">Josephs Tr\u00e4ume in der biblischen Gesamtkomposition<\/h3>\n<p class=\"fliess-ohne-EZG\">In der Tat: Dass die Josephsgeschichte eine theozentrisch-dialektische Gl\u00fccks- und Segensgeschichte ist, wird schon an der ersten Traumszene zu Beginn der Erz\u00e4hlung deutlich: am Garben und Sternentraum, jeweils mit der durchschaubaren Pointe, dass er in h\u00f6chster Machtstellung ist und seine Br\u00fcder und auch sein Vater sich vor ihm niederwerfen. Dass es so kommt, ist nicht der Wiederholung eines mythischen Musters geschuldet, sondern der geschichtlich einmaligen F\u00fchrung und F\u00fcgung des Gottes Israels. Die erste Traumszene ist denn auch kompositionell genau in den Gesamtrahmen der Geschichte eingepasst und bereitet das weitere Geschehen einschlie\u00dflich der theozentrischen Pointe vor.\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">Zum einen<\/span>\u00a0werden die Tr\u00e4ume Josephs dramaturgisch gebraucht, denn nur sie bringen den Hass der Br\u00fcder zum \u00dcberkochen, der dann in einen Mordplan umschl\u00e4gt. Der wiederum setzt das weitere Geschehen in Gang.<\/p>\n<p class=\"fliess\"><span class=\"CharOverride-6\">Zum zweiten<\/span>\u00a0bereitet sich mit diesen Tr\u00e4umen die theozentrische Dialektik der Gesamtgeschichte vor. Dass die Br\u00fcder den Tr\u00e4umer umbringen wollen, um die Erf\u00fcllung seines Traums zu verhindert, ist Teil ihrer Verblendung. Anders als Joseph sp\u00e4ter k\u00f6nnen sie den tieferen Sinn der Traumsprache gerade nicht erkennen. Mit ihrem vordergr\u00fcndigen Wissen verstehen sie die Machttr\u00e4ume Josephs nur als Ausdruck seiner aufreizenden Eitelkeit: \u201eWillst du etwa K\u00f6nig \u00fcber uns werden oder \u00fcber uns herrschen\u201c (Gen 37,8). Und auch Vater Jakob missversteht den Sternetraum als blo\u00dfen Wunsch Josephs, sich sogar \u00fcber die eigene Familie erheben zu k\u00f6nnen, was ihn erz\u00fcrnt, obwohl Jakob \u201edie Sache bewahrt\u201c, wie es ausdr\u00fccklich hei\u00dft (Gen 37,11). Auff\u00e4llig \u00fcberdies, dass Joseph zu diesen seinen eigenen Tr\u00e4umen zun\u00e4chst keine Stellung nimmt und sie nicht zu deuten wagt. Er muss erst langsam in den Ab- und Aufstiegen seines Lebens begreifen, dass in seiner dramatischen Geschichte Gott am Werk ist, der Gott Israels, der damit Zeichen setzt im Blick auf seine Erw\u00e4hlung Israels zu seinem Volk. Diese Tiefendimension bleibt kurzsichtigen Menschen zun\u00e4chst verborgen, die auf eigene Faust sich auf Tr\u00e4ume einen Reim machen und die falschen Konsequenzen ziehen.<\/p>\n<p class=\"fliess\">Um der Gesamtkomposition willen also werden Anfang und Ende der Geschichte narrativ und symbolisch verklammert. Und am Ende gibt Joseph den selbsterfahrenen Segen Gottes an seine Br\u00fcder weiter: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Stelle? Ihr habt B\u00f6ses gegen mich im Sinn gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: Viel Volk am Leben zu erhalten.\u201c (Gen 50,19 f.) Womit sich der Kreis zur Traumdeutung der Br\u00fcder am Anfang der Geschichte schlie\u00dft und zwar auf eine unerwartete Weise. Zwar herrscht Joseph jetzt tats\u00e4chlich als \u201eK\u00f6nig\u201c \u00fcber dem Reich, und damit auch \u00fcber die Br\u00fcder, ihr \u201eKommen und Niederfallen\u201c aber m\u00fcndet gerade \u201enicht in Unterwerfung und Herrschaft, sondern in Rettung und Versorgung &#8230; Am Ende werden Josephs Tr\u00e4ume erf\u00fcllt\u00a0<span class=\"CharOverride-6\">and<\/span>\u00a0korrigiert sein\u201c (J. Ebach, Genesis 37\u201350, 2007, 75).<\/p>\n<p class=\"fliess\">Ganz anders die Konzeption von Thomas Manns Romanunternehmen. In der Kritik ist zurecht festgehalten worden, dass der \u201eJoseph\u201c der erste Roman Thomas Manns sei, in dem die Traumdeutung eine wesentliche Rolle spielt: \u201eZum einen, weil die Protagonisten einander ihre Tr\u00e4ume erz\u00e4hlen und deuten, zum anderen, weil auch der Erz\u00e4hler selbst sich als Deuter pr\u00e4sentiert. Dies geschieht nicht selten in selbstreflexiver Weise, denn die Kommentare zu den Tr\u00e4umen m\u00fcnden immer wieder in Reflexionen \u00fcber den kreativen Prozess dichterischen Schreibens. Traum und Fiktion werden parallelisiert\u201c (Gisela Bensch, 2004, 158).<\/p>\n<p class=\"fliess\">In dieser \u201ehumoristisch get\u00f6nten, ironisch abged\u00e4mpften\u201c, ja \u201eversch\u00e4mten Menschheitsdichtung\u201c (E V, 189) aber geht es nicht um Gottes F\u00fchrung seines auserw\u00e4hlten Volkes, auch nicht um einen typologischen Verweis auf den einzigartigen Heilsbringer Jesus Christus, sondern um einen Idealtypus des Humanen, in dem Thomas Mann alles verdichtet hat, was an Potentialen im Menschlichen angelegt ist. Daf\u00fcr hat Thomas Mann seinen Helden zu dieser doppelgesichtigen Figur gemacht, dessen eines Gesicht zur\u00fcckweist in die Welt antiker mythologischer Erl\u00f6serfiguren und das andere Gesicht vorausweist in die Zeit des christlichen Erl\u00f6sers. Wieder eine Heilszeit, wieder ein Neu-Beginn. Aber dieses \u201echristliche\u201c Neue ist nichts Exzeptionelles mehr, wohl aber durchaus etwas Exemplarisches. Keine unerh\u00f6rte singul\u00e4re Erscheinung, sondern eine geschichtlich-besondere Wieder-Holung. Dabei l\u00e4sst Thomas Mann seinen Joseph eine Wandlung durchmachen: vom wirren Tr\u00e4umer und narzisstischen Traumerz\u00e4hler zum sokratisch vorgehenden Traumdeuter Pharaos und zum klugen Gesch\u00e4ftsmann und Politiker. In das zyklische Wiederholungsstruktur des Mythos ist im Roman auch eine lineare Linie eingebaut: Fortschritt in der Bef\u00f6rderung des Humanen. Der Akt des Wiederholens m\u00fcndet in einen Prozess des H\u00f6herschraubens, in die Idee des Fortschritts.<\/p>\n<p class=\"fliess\">1944 gibt Thomas Mann noch einmal Auskunft \u00fcber seine Besch\u00e4ftigung mit der Bibel und damit auch mit dem Joseph-Stoff. Unter Anspielung auf das Schl\u00fcsselzitat aus Gen 49. 25 f\u00fchrt er aus: \u201eIch habe es mir angelegen sein lassen, Joseph als eine K\u00fcnstlernatur zu kennzeichnen, und ein K\u00fcnstlersegen ist es ja, den er vom Vater empf\u00e4ngt. Der humane Zauber alles K\u00fcnstlertums besteht in diesem doppelten Segen: dem aus der H\u00f6he herab und dem aus der Tiefe; es ist der Zauber der Sinnlichkeit, die Geist wird, und des Geistes, der sich verleiblicht; Begabung ist es aus m\u00fctterlichem Lebensgrunde, aus der Sph\u00e4re des Instinkts, des Gef\u00fchls, des Traumes, der Leidenschaft \u2013 und Begabung aus der v\u00e4terlichen Lichtsph\u00e4re des Geistes, der Vernunft, des Verstandes, des ordnenden Urteils. Eben damit ist die Kunst das Paradigma und Vorbild der Menschlichkeit \u00fcberhaupt, denn es gibt kein wahres Menschentum ohne jenen doppelten Segen\u201c (Selbstkommentare, 260).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In keinem anderen biblischen Buch spielen Tr\u00e4ume und Traumdeutung eine so entscheidende Rolle wie in der Erz\u00e4hlung von Joseph und seinen Br\u00fcdern. Es handelt sich im ganzen um sieben Tr\u00e4ume. 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